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Achtung! Dies ist nur ein Teil einer Fortsetzungsgeschichte. Andere Teile dieser Geschichte

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Happy Family = Big BTS Drama

Fortsetzung

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    Der Mond erleuchtete die dunklen Ecken meines Zimmers, wie er sanft durch mein Fenster hineinschien. Alle drei Minuten drehte ich mich unruhig von ein
    Der Mond erleuchtete die dunklen Ecken meines Zimmers, wie er sanft durch mein Fenster hineinschien. Alle drei Minuten drehte ich mich unruhig von einer auf die andere Seite. Letztlich auf dem Rücken angekommen, strampelte ich vor Frust mit den Beinen. Ich konnte nicht schlafen. Und wie auch? Eine Etage unter mir lagen Hoseok und Taehyung nebeneinander auf unserer Couch. Byung schien zwar alles andere als begeistert, hatte es aber nicht geschafft Tae abzuwimmeln. Dies führte wiederum dazu, dass Hoseok sich ebenfalls strikt geweigert hatte, nach Hause zu fahren und morgen wieder zu kommen, wie es Jin versprochen hatte. Mittlerweile war es weit nach Mitternacht. Ich erschrak, als für wenige Sekunden mein Zimmer in helles Licht getauft wurde. Auf meinem Handydisplay erschien eine neue Nachricht.

    Noch wach? Sie war von Mason. Ich setzte mich auf und versuchte mein Handgelenk so wenig wie möglich zu beanspruchen, während ich ihm antwortete. Ja., schrieb ich zurück. Wieso habe ich das Gefühl, dass du über diesen BTS-Boy grübelst, anstatt über mich?, kam seine nächste Nachricht. Ich seufzte. Vielleicht weil da zwei BTS-Boys unter mir im Wohnzimmer kuschelten? Aber wenn ich ihm das jetzt schrieb, würde er keine fünf Minuten später vor der Haustür stehen und drei ausgewachsene Jungs hatten nun wirklich keinen Platz auf dem kleinen Sofa. Bist du gut nach Hause gekommen?, lenkte ich stattdessen vom Thema ab. Bestens. Meine kleine Schwester hat mich sogleich mit einer Milliarde Fragen bombardiert. Ich habe mir den Mund fusselig geredet, um ihr zu versichern, dass ich dich nicht angefallen habe wie ein wildes Tier. Irgendwie glaube ich, sie hat nicht den besten Eindruck von mir… Kannst du ihr bitte nächstes Mal sagen, dass ich ein sehr sympathischer und gut aussehender Gentleman bin? Ich musste grinsen. Diese Aussage hätte glatt von Jin kommen können. Gutaussehend? Naja, liegt im Auge des Betrachters…, ärgerte ich ihn etwas. Bitte! Also ich bin definitiv attraktiver als diese BTS-Schnösel! Ich gab es vor ihm zwar nicht zu, aber was das Aussehen anging, konnte er locker mit BTS mithalten. Aber weißt du was? Du bist das erste Mädchen, bei dem es mir wichtiger ist, was sie über meinen Charakter denkt… Um ehrlich zu sein, war ich ziemlich nervös heute…schwer zu glauben oder? Aber wahr! Ich dachte was, wenn sie keinen Spaß hat oder was, wenn sie gar nicht erst kommt? Es war mir immer egal, wie andere über mich denken und jetzt will ich gut vor dir dastehen, überlege ständig, wie ich dich zum Lachen bringen kann und hoffe dir in der Schule zufällig auf dem Gang zu begegnen…Ich war noch nie so sehr in ein Mädchen verknallt. Ich schätze, das nennt sich Liebe, oder?

    Ich erwischte mein kleines Herz, wie es zum schneller Schlagen ansetzte. Liebe? Dieses Wort oder besser diese Art von Emotion war mir ein unentwirrbares Rätsel. Ich hatte noch nie für jemanden etwas empfunden, also im romantischen Sinne. Es war nicht so, dass ich mir noch nie vorgestellt hatte, wie es wäre, einen festen Freund zu haben. Im Gegenteil, ich wollte eine Person, die mich so liebte, wie ich war und immer mehr hatte ich auch das Gefühl, dass Mason dies tatsächlich tat, aber ich konnte keine Beziehung mit ihm anfangen, in der er mir Alles gibt und ich ihm Nichts zurück. Ich wollte, ihn glücklich sehen, aber…es war nun mal keine Aufgabe, jemanden glücklich zu machen. Man machte es, ohne groß nachzudenken. Ich…liebte Mason nicht. Dennoch konnte ich nicht ausschließen, dass ich es noch tun würde. Ich ließ mich auf mein Bett plumpsen. Was zur Hölle war Liebe und wie funktionierte sie! Was ich aber wusste, war, dass ich ihm nicht per Nachricht meine Gefühle mitteilen wollte. Mason, hast du am Montag nach der Schule Zeit? Es gibt da Einiges, worüber ich in Ruhe mit dir sprechen muss…, schrieb ich ihm und atmete tief durch. Ach man…ich bin noch nicht bereit für eine Abfuhr…aber…wie wäre es dann, wenn wir den Sparziergang im Park am Montag nachholen? Ich fand die Idee gut. Im Park hatte man den nötigen Freiraum und musste nicht befürchten, dass Menschen am Nachbartisch lauschten wie heute im Café. Klingt gut. Dann bis Montag?, antwortete ich. Princess… Mmh? …ach nichts. Es ist schon spät, du solltest wirklich schlafen gehen. Du siehst zwar auch mit Augenringen bezaubernd aus, aber das ist nicht gut für deine Gesundheit. Träum süß. Ich hätte zwar gern gewusst, was er zuvor schreiben wollte, aber fragte nicht weiter nach. Du auch, schlaf gut. Damit war der Chat zu Ende. Doch meine Gedanken drehten sich noch immer im Kreis. An Schlafen war nicht einmal ansatzweise zu denken und ich war wohl nicht die einzige Nachtschwärmerin im Haus, denn ich vernahm leise Stimmen auf dem Flur.

    Vorsichtig schlich ich zu meiner Zimmertür und lauschte, mein Ohr ans Holz gepresst, den Stimmen. „Sag mal, willst du mich verarschen! Was schleichst du hier nachts durchs Haus?“, versuchte Byung seine Wut im Zaum zu halten. „Ich möchte doch nur kurz mit Lynn reden, bitte!“, flehte Hoseok. „Alter! Es ist mitten in der Nacht und du versuchst in Lynns Zimmer zu schleichen? Jetzt pass mal auf! Ist mir egal, ob du berühmt bist oder ob du ein guter Freund von Taehyung bist! Du hast Lynn heute fast das Handgelenk gebrochen! Schon klar, das war nicht deine Absicht, aber Fakt ist, dass Lynn jetzt deinetwegen leiden muss und damit meine ich nicht nur physische Schmerzen. Es ist doch nur eine Frage der Zeit, bis Lynn auf das Radar von euren fanatischen Fans gerät und dann? Wollt ihr leugnen, dass ihr sie kennt? Oder zugeben, dass ihr Freunde seid und warten, dass die ersten Morddrohungen eingehen, weil sie sich an BTS vergreift? Wenn euch wirklich was an Lynn liegt, dann würdet ihr sie in Frieden ihr Leben leben lassen und sie nicht ständig in Schwierigkeiten bringen!“ „Denkst du nicht, das kann Lynn selbst entscheiden?“, erwiderte Hoseok gerade heraus. „Was?“, fragte Byung komplex. „Sie ist kein kleines Kind mehr! Ich werde ihr sicher nicht verbieten, sich mit uns zu treffen und DU hast genauso wenig das Recht dazu! Wie lange kennt ihr euch jetzt? Vielleicht einen knappen Monat?“, meinte Hoseok gerade heraus. „Ja, genau! Und das heißt nicht, dass sie mir in der kurzen Zeit nicht ans Herz gewachsen ist. Sie ist MEINE Schwester und wenn nötig, werde ich sie auch vor euch beschützen!“ Hoseok schnaubte. „Tja, uns ist sie aber auch wichtig und solange Lynn mich jetzt nicht hasst, werde ich sie sicher nicht wegstoßen! Denkst du nicht, sie kennt das Risiko, welches sich dahinter verbirgt, mit uns Zeit zu verbringen? Meinst du, wir waren begeistert, als ein Mädchen, welches uns als Taes Cousine vorgestellt wurde, sich plötzlich als ARMY entpuppte? Natürlich hätten wir sie wegstoßen können, aber weißt du, warum es keiner von uns gemacht hat? Weil wir sie auf Anhieb mochten! Sie ist ehrlich und wir vertrauen ihr. Falls ich dich daran erinnern darf, ist sie für uns auch ein Risiko. Also beruht das Vertrauen auf Gegenseitigkeit.“ Byung lachte bitter auf. „Dieses Vertrauen ist ja sehr weitreichend, wenn sie dir schon egal ist, sobald du von irgendeiner Tusse einen Korb kriegst!“ Seine Aussage tropfte nur so vor Sarkasmus. „Reite nur weiter in derselben Wunde herum.“, presste Hoseok wütend hervor. „Bei dir weiß man doch auch nicht, ob du Lynn beschützen oder doch einsperren willst! Es ist und bleibt Lynns Entscheidung.“ Es waren Schritte auf der Treppe zu hören, ein letztes Fluchen von Byung, dann herrschte wieder Totenstille. Ich hockte noch weitere fünf Minuten auf dem Boden, bevor ich wieder in mein Bett kroch und mir die Decke über den Kopf zog. Erneut wurde die Müdigkeit von meinem Gefühlschaos überschattet. Wie sollte ich nur jemals schlafen können?

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    Als ich meine Augen öffnete, stach mir grelles Licht entgegen, sodass ich sie schnell wieder zukniff. Nach einigen Sekunden ertastete ich mein Handy auf dem Nachtschrank und späte auf die Uhranzeige. 13Uhr! Wie konnte es bitte schon so spät sein? Und wieso hatte mich keiner geweckt? Na toll, alle waren bestimmt schon seit Stunden wach und ich lag immer noch im Bett rum. Allerdings wusste ich auch nicht, wann ich gestern oder eher heute endlich eingeschlafen war. Ich quälte mich aus dem Bett und starrte etwas vor mich hin. Ich fühlte mich wie durch den Kakao gezogen. Am liebsten wäre ich einfach den ganzen Tag im Bett geblieben. Der Griff zur Türklinke erinnerte mich auch gleich wieder an die Begegnung mit dem Fahrradfahrer. Wie lange es wohl brauchte, um zu heilen? Ich trottete ins Bad und klatschte mir eine Ladung Wasser ins Gesicht in der Hoffnung, ich würde aufwachen. Nachdem Zähne geputzt und Haare gebürstet waren, ging ich zurück in mein Zimmer und stand nun vor der Qual der Wahl, was ich denn anziehen sollte. Nur zu gern hätte ich einfach meine bequeme, ausgeleierte Jogginghose und ein oversized Shirt angezogen, immerhin war Wochenende. Aber wollte ich mich vor Hoseok und Taehyung in diesem Penner-Look präsentieren? Definitiv nicht! Also zog ich eine einfache blaue Jeans in Kombi mit einem rot-weiß gestreiften T-Shirt an. Das musste reichen. Langsam schritt ich die Stufen hinab und versuchte Stimmen zu orten. Es herrsche Stille. Ob Hoseok und Taehyung wegmussten? BTS hatte sicher immer ein vollgeplantes Wochenende. Naja, ich entschied mich jedenfalls erst einmal was Essbares zu suchen. Die Küchentür stand offen, also betrat ich sie ohne weitere Umschweife. Ich wollte gerade den Schrank öffnen, um mir ein Glas heraus zu holen, da… „Lynn!“

    Mit einem lauten Knall fiel der Schrank wieder zu und ich schnellte herum. „Entschuldige, ich wollte dich nicht erschrecken…“, fügte Taehyung gleich hinzu. Was zum! Den ersten Schreck überwunden, starrten mir drei Gesichter entgegen. „Na, auch schon auferstanden?“, grinste mich Byung an. „Lynn, ich hoffe, du hast gut geschlafen?“, fragte Hoseok. Ich nickte bloß. Bei der Erinnerung an sein Gespräch mit Byung rutschte meine Laune noch weiter in den Keller. „Sagt mal, was sitzt ihr hier eigentlich rum wie Statuen?“ Taehyung seufzte. „Ich habe keine Ahnung, wo das Problem ist. Als ich wach wurde, saßen Hobi und Byung schon hier und haben sich gegenseitig Blicke zugeworfen, die so eisig waren, dass ich Angst hatte, mein Müsli gefriert…“ Byung schnaubte und stand auf. „Lynn, in einer Stunde hast du einen Termin beim Doc, das ist dann euer Zeitlimit, um die Sache zu klären…ich bin dann mal weg.“ Damit waren wir nur noch zu dritt. Spätestens jetzt wäre mir der Appetit vergangen, aber da ich gar keinen gehabt hatte, konnte er mir auch nicht vergehen. Ich nahm mir ein Glas Wasser und ließ mich auf den Stuhl fallen, auf dem bis eben noch Byung gesessen hatte. Er war noch warm. Ich holte tief Luft. „Also, was gestern angeht…ich hoffe, ihr habt jetzt nicht irgendwelche Paparazzi am Hals wegen mir?“, fing ich vorsichtig an. Taehyung wedelte mit seiner Hand. „Mach dir deswegen keine Sorgen. Da ist unser Personal ziemlich kompetent. Es gab zwar eine Person, die alles aufgezeichnet hat, aber gegen ein bisschen Taschengeld, hat unsere Agentur seine SD-Karte an sich genommen.“ Ich wollte gar nicht wissen, um wie viel es sich bei diesem Taschengeld handelte. Plötzlich sprang Hoseok von seinem Stuhl auf und verbeugte sich tief neben mir. „Lynn! Es…TUT MIR WAHNSINNIG LEID! Egal, wie sehr ich neben mir stand, sowas hätte nicht passieren dürfen. Nicht nur, dass du dich wegen mir verletzt hast, ich stand einfach nur da, während du offensichtlich Hilfe brauchtest. Ich…bin so ein Idiot! Ich…ach man…ich…weiß gar nicht, was mit mir los war! Irgendwie ist bei mir was durchgebrannt und…ich habe keine Entschuldigung dafür. Ich…will aber, dass du mir glaubst, wenn ich sage, ich bereue zutiefst, wie ich mich gestern verhalten habe. Und…ich hoffe, du hasst mich jetzt nicht.“ Er machte keine Anstalten, den Kopf zu heben und ich brauchte ein paar Sekunden, um meine Stimme wieder zu finden. „Ah, äh, bitte setz dich doch wieder hin.“ Langsam ließ er sich zurück auf den Stuhl gleiten, starrte jedoch nach unten auf die Tischplatte. Ich konnte ihm seine Zerrissenheit deutlich ansehen. Er sah gequält aus, wie er seine Lippen zusammenpresste und sein Blick unruhig flatterte. „Taehyung, bitte sei mir nicht böse, weil ich so unsensibel zu deiner Cousine war. Ich weiß, wie wichtig sie dir ist…es tut mir wirklich leid.“ Seine Stimme barg einen ruhigen, aber traurigen Unterton. Taehyung räusperte sich. „Ach Mann, wäre ich jetzt böse auf dich, hättest du schon was zu hören gekriegt. Ich weiß, dass du Yuna echt mochtest und es muss dir echt den Boden weggezogen haben, was auch immer sie zu dir gesagt hat. Das rechtfertigt zwar nicht, was mit Lynn passiert ist, aber du bist mein Kumpel. Wie lange kennen wir uns jetzt schon? Ich weiß doch, dass du so etwas nicht mit Absicht machst und solange du dich bei Lynn entschuldigst und sowas nie wieder vorkommt, ist für mich der Drops gelutscht.“ Er zwinkerte Hoseok aufmunternd zu. Jetzt war wohl ich an der Reihe. „Ich bin auch nicht nachtragend. Yuna hatte mir gegenüber zugegeben, dass…sie dich nicht im romantischen Interesse treffen will. Ich weiß nicht, was genau sie zu dir gesagt hat, aber man konnte es dir ansehen. Mein Handgelenk wird schon wieder, ein paar Wochen und es ist wie neu. Also musst du dich mir gegenüber nicht mehr schuldig fühlen. Ich bin froh, dass diese Angelegenheit BTS nicht einen Skandal beschert hat und somit die Sache ein Ende gefunden hat. Auf keinen Fall könnte ich dich deswegen hassen.“ Hoseok atmete deutlich aus. „Gott sei Dank.“ Plötzlich schwang die Tür auf und Byung lehnte sich gegen den Türrahmen. „Da ja jetzt alles wieder Friede, Freude, Eierkuchen ist, könnt ihr ja endlich wieder ausziehen und zu euch nach Hause gehen.“ Hoseok schüttelte den Kopf. „Ich möchte mit und hören, was der Arzt sagt, immerhin bin ich schuld daran, dass Lynn verletzt ist…“ Warte…nein! Das ging nicht! Wir wollten zum Doc aufgrund meines Knies nicht wegen meines Handgelenks. Ich sah Byung hilfesuchend an. „Vergiss es, du kannst eh nicht mehr machen, als im Warteraum rumzusitzen und Lynn das Händchen zu halten, krieg ich gerade noch so hin. Also, dann können wir ja jetzt die gemütliche Gesprächsrunde aufheben.“ Ich sah zu, wie Byung Hoseok regelrecht vor die Tür schob. Ich konnte den beiden nur noch ein kurzes Bis bald. zurufen, da hatte Byung die Tür schon wieder zugeknallt. Er starrte mich an. „Was?“, fragte ich leicht genervt. „Ich schwöre, wenn du irgendwann vorhast, einen dieser Idol-Kumpel von Taehyung zu heiraten, dann komme ich nicht zu deiner Hochzeit…“ Ich verdrehte die Augen. „Keine Sorge, ich würde eh mit ihm durchbrennen, bevor du ihn vergraulst!“

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    Der Besuch beim Doc lief besser als erwartet. Natürlich hatte sich am Zustand meines Handgelenks nichts verändert, aber ich hatte nun die endgültige Gewissheit, dass mein Knie vom Sturz nicht weiter verletzt worden war. Eigentlich ein Grund zur Freude, nur war ich müde und hatte dementsprechend schlechte Laune…und damit war ich nicht die Einzige. Byung starrte, schon seit wir das Haus verlassen hatten, grimmig vor sich hin. „Ich bin erleichtert…“ Ich sah zu ihm rüber. „Ach ja? So siehst du aber nicht aus.“ Er seufzte. „Ich gebe zu, mir ist nicht nach Freudensprüngen, was wohl Idol bedingt ist. Dennoch bin ich froh, dass es deinem Knie gut geht. Okay, da das jetzt erledigt ist…wie wär’s mit was zu essen? Du hast heute noch gar nichts gegessen und ich könnte auch was vertragen.“ Ich nickte. „Klingt gut.“ Nach dem ganzen Stress hatte sich mein Magen etwas beruhigt und knurrte mich nach Aufmerksamkeit schreiend an. Wir entschieden uns etwas zum Mitnehmen zu bestellen und fuhren anschließend mit einem Taxi zurück, damit wir noch die Chance hatten, das Essen noch warm genießen zu konnten. Zuhause angekommen ließen wir uns auf die Couch plumpsen, aßen die große Box mit frittierten Hähnchenschenkeln in Rekordzeit leer und schauten eine Folge Running Man nach der anderen. Es war bereits 17Uhr als Byungs Handy klingelte. Grummelnd ging er ran. „Hey Kean, was gibt’s?...Oh, hab ich völlig vergessen…Jaja, reg dich nicht so auf, ich bin ja schon unterwegs…Ja, bis gleich.“ Er beendete das Gespräch und stand mühsam vom Sofa auf. „Das war Kean. Er soll ein Referat ausarbeiten und wenn er wieder eine schlechte Note darauf kriegt, fällt er durch, also habe ich ihm versprochen zu helfen. Nur hatte ich vergessen, dass wir ausgerechnet für heute verabredet waren…“ Er seufzte. „Ich weiß noch nicht, wann ich wieder da bin... Du kommst allein klar?“ Ich verdrehte die Augen. „Ich bin kein kleines Kind mehr…“ Er zuckte mit den Schultern. „Ich bin dann mal weg und bau keinen Mist, während ich weg bin!“ Mit diesen Worten verließ er das Haus und ich blieb allein im Wohnzimmer zurück.

    Naja, immerhin hatte sich, jetzt wo ich satt war, meine Laune gebessert. Ich kramte mein Handy aus der Tasche und stellte mit Erschrecken fest, dass Taehyung mir einundfünfzig Nachrichten geschrieben hatte, alle darauf adressiert, was der Arzt gesagt hat und wie es mir geht. Schnell tippte ich eine Antwort, in der ich ihm versicherte, dass es mir gut ging und er sich nicht so viele Sorgen machen sollte. Keine zehn Sekunden später hatte ich bereits die nächste Nachricht. Hast du am Montagabend Zeit? Jin wollte heute Morgen eigentlich noch einmal vorbeikommen, aber unsere Manager waren ziemlich angepisst, weil Hoseok und ich über Nacht weg waren und haben eine riiiesen Standpauke gehalten. Aber keine Sorge, sie sind nicht böse auf dich oder so…Hobi hat ganz schön was zu hören gekriegt und die nächsten Wochen lassen sie uns auch nicht aus den Augen. Trotzdem, wenn du Montag vorbei kommen könntest, würden wir uns alle sehr freuen…selbst Yoongi wollte wissen, wie es dir geht! Hehe, wie auch immer, ich muss jetzt wieder los…wir haben dieses Wochenende einen straffen Zeitplan. PS: Ich mache mir immer Sorgen um dich. Hab dich lieb, dein Lieblingscousin. Ich musste grinsen. Er war definitiv mein Lieblingscousin. Okay, er war auch der einzige, mir bekannte Cousin, aber das war Nebensache. Mmh, Montagabend? Naja, ich könnte mich mit Mason aussprechen und danach bei BTS vorbeischauen…auch wenn Byung nicht begeistert darüber seien würde. Dennoch schrieb ich Taehyung, dass Montag klar geht. Ich fühlte mich zwar etwas komisch bei der Tatsache, BTS zu treffen, nach dem Schlamassel mit Hoseok, aber ich wollte ihnen auch nicht aus dem Weg gehen. Ich ließ mich wieder aufs Sofa fallen und starrte die Decke an. Wie konnte sich mein Leben in so kurzer Zeit, so viel verändern? Ich hatte keine Antwort darauf. Hätte mir vor ein paar Monaten jemand gesagt, dass Hobi mir mal aus Versehen fast das Handgelenk brechen wird…ich hätte ihm vermutlich einen Vogel gezeigt. Es ist ein merkwürdiges Gefühl mit BTS befreundet zu sein. Ich fand derartige Formulierungen zwar immer dämlich, aber es ist, als würden wir aus zwei verschiedenen Welten kommen. Vor kurzem war ich irgendein Fan am Ende der Welt und BTS wusste nicht einmal, dass ich existiere und auch jetzt noch fühle ich mich unterlegen. Klar, BTS sind auch nur Menschen, trotzdem haben sie so viel erreicht, sind berühmt, verfolgen ihre Träume und geben anderen Träume. Und ich? Ich ging noch zur Schule und weiß nichts mit meinem späteren Leben anzufangen. Ich fühlte mich neben ihnen klein. Irgendwie hatte ich das Bedürfnis, mich beweisen zu müssen…
    Okaaay! Lynn, stop it! Ich brauchte dringend jemanden zum Reden und zwar ausnahmsweise mal jemand weiblichen! Ich versuchte Mona anzurufen, aber sie ging nicht ran. Ich seufzte. Wie es ihr wohl geht? Wann hatten wir das letzte Mal miteinander geredet? Gott, war ich eine grausame Freundin! Ich musste sie unbedingt morgen anrufen. Im nächsten Moment vibrierte mein Handy. Wow! Wenn das nicht Schicksal ist… Olivia hatte in den Gruppenchat geschrieben. Hi, ich wollte fragen, ob ihr morgen Zeit habt? Mir fällt vom ganzen Lernen die Decke auf den Kopf und ich könnte etwas Abwechslung gebrauchen… Lernen? Ooooh! Stimmt, wir schreiben am Montag ja einen Test…ups voll vergessen. Klar gerne, ich kann auch etwas Abwechslung gebrauchen…, schrieb ich zurück. Ich kann erst ab 14Uhr., warf Suji ein. Okay kein Problem, dann treffe wir uns 14Uhr bei mir Zuhause? Suji und ich stimmten beide zu und damit stand unser Treffen. Wir hatten uns zwar erst gestern gesehen, aber irgendwie freute ich mich trotzdem wie ein Honigkuchenpferd.


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    Den Sonntagvormittag verbrachte ich einerseits mit lernen und andererseits damit, meinen Verband vor den Augen meiner Mutter versteckt zu halten, was um ehrlich zu sein nicht weiter schwer war, da sie nur Augen für Jongdae hatte. Nur beim Mittagessen gestaltete sich das Versteckspiel als nervenzerreißend. Ich hatte zwar eine dünne Strickjacke angezogen, unter welcher ich nebenbei höllisch am Schwitzen war, aber da ich mit der rechten Hand die Stäbchen zum Mund führen musste, rutschte mein Ärmel immer stückweise hoch. Ein paar Mal bekam ich von Byung einen Tritt gegen das Schienbein, welches mir zu verstehen geben sollte, dass mein Verband sichtbar war, woraufhin ich den Ärmel unauffällig wieder ein Stück zurückschob. Zudem erfand Byung immer neue Themen zum Reden, damit Jongdae und meine Mom abgelenkt waren. Man, ich war ihm echt was schuldig. Nach dem Essen verschwand ich in meinem Zimmer. Ich schnappte mir meinen kleinen Rucksack, worin ich Handy und Portemonnaie verschwinden ließ und checkte noch einmal die ausführliche Wegbeschreibung, die mir Olivia geschickt hatte. Nachdem ich ziemlich sicher war, ich könne gar nicht mehr falsch laufen, verließ ich mein Zimmer. Byung, der gerade die Treppe hoch getrottet kam, zog die Augenbrauen hoch. „Wo soll’s denn hingehen?“ Im nächsten Moment machte er einen wehleidigen Gesichtsausdruck. „Sag mir nicht, du triffst dich mit BTS…“ Ich schüttelte den Kopf. „Sei beruhigt Bruderherz, ich treffe mich mit Freundinnen, Mädchen, du weißt schon, das weibliche Geschlecht…“ „Ist ja gut! Ich hab’s verstanden! Mich interessiert auch nicht wirklich mit welchen Jungs du dich triffst, solange es nicht Taes Kumpel sind…“ Ich verdrehte die Augen, aber hatte keine Lust mit ihm über BTS zu streiten, also ging ich einfach an ihm vorbei und setzte meinen Weg zu Olivia fort. „Komm nicht zu spät zurück, morgen ist Schule!“, rief er mir hinterher, was ich nur mit „Ja, Mama.“ entgegnete.

    Bei Olivia angekommen, sah ich bereits ein Fahrrad am Zaun lehnen. Olivia öffnete mir die Tür, bevor ich überhaupt die Chance gehabt hätte zu klingeln. „Lynn! Komm rein…wie geht’s dir? Tut dein Handgelenk noch sehr weh?“ Ich sah sie überrascht an. „Hat Mason es dir gesagt?“ Sie schüttelte den Kopf und sah mich entschuldigend an. „Namjoon hat es mir vorhin erzählt, als wir kurz telefoniert hatten. Wir haben ausgemacht, keine Geheimnisse vor einander zu haben, tut mir leid, falls dir es unangenehm ist, wenn mein Freund mir erzählt, was ihr zusammen macht…“ Sie wurde etwas rot. Wow. Das heißt, wenn ich mich vor BTS blamiere, weiß Olivia auch gleich davon. Meh. „Ist schon okay. Ich finde es gut, dass ihr so eine offene Beziehung führt…glaube ich.“ „Ah! Komm erstmal richtig rein…Suji sitzt schon auf der Couch.“ Ich zog meine Schuhe aus und tapste auf Socken zur Couch. „Jo.“, begrüßte mich Suji und fing im nächsten Moment an, mein Handgelenk zu befummeln. „Tut das weh?“, fragte sie, während sie mein Handgelenk schüttelte. „Auhaaa! Ja, das tut weh! Also wenn du das lassen könntest, wäre ich sehr dankbar!“ Vorsichtig ließ sie meine Hand sinken. „Tschuldige, wenn du willst, kann ich in der Schule für dich mitschreiben…“ Olivia kam mit Getränken auf einem Tablet zu uns ins Wohnzimmer. „Ähm Suji, ich habe dich noch nie im Unterricht Notizen machen sehen.“, gab sie zu bedenken. „Oh, ich mache mir nie Notizen. Zu viel Aufwand…, aber für Lynn würde ich es machen!“ Ich nahm mir ein Glas Saft. „Danke Suji, aber das musst du nicht. Ich kriege das schon irgendwie hin.“ Die beiden sahen mich skeptisch an. „Was?“, fragte ich verwirrt. Olivia seufzte. „Hast du vergessen, dass wir jetzt Freunde sind? Wenn du nicht gerade von gestern auf heute Linkshänderin geworden bist, dann kannst du definitiv nicht selbst mitschreiben. Also verlass dich einfach mal auf uns. Ich schreibe nächste Woche für dich mit und du versuchst dein Handgelenk so wenig wie möglich zu beanspruchen, damit es ohne Komplikationen verheilen kann.“ Ah, so fühlte es sich also an, wenn man sich auf Freunde verlassen konnte. Natürlich konnte ich mich Zuhause immer, wirklich immer, auf Mona verlassen, aber da sie um einiges älter war als ich, stand ich in der Schule bisher allein da. „Danke.“, nuschelte ich leise. „Hey, Liv? Hast du das auch gehört? Lynn meinte gerade, sie bezahlt heute das Abendessen!“ Halt Stopp! „Das habe ich sicher nicht gesagt!“, stieß ich empört aus. „Nein, nein. Ich habe es auch ganz eindeutig gehört…“, grinste jetzt auch Olivia. „Das…aber…ich… Na gut, Deal!“, gab ich mich geschlagen. Mit dieser Antwort sahen meine Freundinnen, wobei ich mir das eventuell noch einmal überlegen sollte, ziemlich glücklich aus. „Achso, seit wann nennst du Olivia eigentlich Liv?“, fragte ich Suji. „Äh seit heute? Ist kürzer…und intimer. Soll ich mir für dich auch einen Spitznamen überlegen? Mmh, Lynn ist schon kurz, also vielleicht ein Insider-Name? Wie wäre es mit MP?“ Sollte das jetzt eine Abkürzung sein wie RM? „Und was soll das bitte heißen?“, fragte ich, nicht wissend, ob ich die Antwort überhaupt hören wollte. „Na ist doch klar! Masons Princess…oder vielleicht MG? Masons Girl? Liv, was meinst du?”, zog sie Olivia zu Rat. Diese saß sich sofort kerzengerade hin. „Bevor wir Lynn einen dieser Spitznamen geben, bräuchten wir erstmal ein paar Informationen, wie das Date mit meinem Bruder lief…“ Ich verschluckte mich am Saft. Ugh. „Mein Brüderchen wollte mir nichts sagen, aber er hatte ein Gesichtsausdruck drauf, den ich noch nie zuvor bei ihm gesehen habe…langsam mache ich mir Sorgen, dass er es ernst meint.“, gab sie zu. Ich sah mich im Wohnzimmer um. „Apropos Mason…“, fing ich an. „Keine Sorge. Den habe ich heute Morgen aus dem Haus gescheucht und bei einem Kumpel einquartiert, sodass wir das Haus für uns haben. So und jetzt hätte ich gerne so viele Details wie möglich…“, grinste sie mich an.






    Statement zur Fortsetzung:

    Ähm also, wo soll ich anfangen? Wie jeder gemerkt hat, kamen seit Ewigkeiten keine neuen Kapitel…shame on me. Ich kann aber versichern, dass es keinen Monat gab, in dem ich nicht an meine Fanfiktion gedacht habe. Teilweise kribbelte es mir in den Fingern weiter zu schreiben, aber ich habe einfach Prioritäten, die ich vorziehen muss. Die Priorität heißt Studium und da ich kurz vor meinem Abschluss stehe, geht es etwas hektisch zu. Angefangen mit Studien-und Bachelorarbeit bis zur Bewerbung für ein Masterstudium in Korea. Ich sitze also täglich am Laptop und schreibe…nur nicht neue Kapitel für meine Fanfiktion. Und dennoch hat sich an der Tatsache nichts geändert, dass ich sie weiter schreiben möchte. Gut, damit sind wir wieder bei der Frage Wann… Ich will nicht wieder Versprechungen machen, die ich nicht halten kann, also werde ich mich nicht auf einen konkreten Zeitpunkt beschränken. Und doch bin ich wieder am Überlegen, ob ich es schaffe Ende März neue Kapitel reinstellenzustellen…okay, wie wäre es, wenn ich es versuche und euch auf dem Laufenden halte?

    Als letztes muss ich noch loswerden, dass ich euch (meine Leser/-innen) unfassbar wertschätze. Viele warten schon so lange auf neue Kapitel und in den Kommentaren wird auch immer darum gebeten, dass ich weiter schreibe. Auch wenn keine neuen Kapitel kamen, habt ihr mich trotzdem motiviert, diese Fanfiktion nicht aufzugeben…wirklich…VIELEN DANK!

    Also dann…bis demnächst.

    K.Kuscheltierfan

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    „Also, es war…gut?“, stotterte ich langsam. „Geht das vielleicht noch ungenauer?“, beschwerte sich Olivia sofort. „Gut im Sinne von, du könntest dir vorstellen, ihn zu daten? Moment! Ihr seid doch nicht etwa schon zusammen seit gestern!“, fragte sie schockiert. Ich wedelte abwehrend mit meinen Händen herum. „Nein! Wir sind kein Paar! Und…das werden wir auch nicht, denke ich.“, fügte ich leise hinzu. „Du magst ihn nicht? Nicht mal ein kleines bisschen?“ Ich seufzte. „Naja, ich mag ihn eher als Kumpel, aber nicht im romantischen Sinne…glaube ich.“ Olivia sah mich kritisch an. „Denke ich und glaube ich klingt nicht so, als wärst du dir zu hundert Prozent sicher?“ Ich biss mir kurz auf die Unterlippe. „Vielleicht gibt es da ab und zu möglicherweise nur eventuell klitzekleine Momente in denen er ganz süß ist…“ Olivia grinste. „Süß? Ja?“ Ich warf eins der Sofakissen nach ihr. „Das heißt nicht gleich, dass ich Hals über Kopf in ihn verliebt bin! Zu neunundneunzig Prozent ist er nur ein Kumpel und nichts darüber hinaus!“ Olivia nickte. „Und was ist mit dem verbliebenen einen Prozent?“ Ja, was war mit diesem einen letzten Prozent? Das waren die Momente, in denen er es schaffte, mein kleines unerfahrenes und naives Herz etwas schneller schlagen zu lassen. Aber das wollte ich mir beim besten Willen nicht eingestehen und vor Olivia erst recht nicht. Jedoch guckte sie mich mit ihrem wissenden Gesichtsausdruck an, der mir zu verstehen gab, dass sie mich längst durchschaut hatte. „Es ist nur ein Prozent, okay!“, brachte ich heraus. Sie lachte. „Okay, also Mason hat eine Chance, wenn auch nur eine kleine…und wie sieht es mit den anderen gutaussehenden Herrschaften aus? Besteht da vielleicht Interesse an einem Idol?“ Versuchte sie gerade herauszufinden, ob ich in ein BTS Mitglied verschossen war? „Meine liebe Olivia, es sind nicht alle so dreist wie du und versuchen sich einen Weltstar zu angeln.“, konterte ich sofort. Ihr Gesicht wurde ernst. „Ist es das, was dich zurückhält? Die Tatsache, dass sie unantastbar sind?“ Mein Herz setzte für eine Sekunde aus. Unantastbar? Ich verehrte sie seit Jahren als Idole, war ein riesiger Fan und…fühlte mich ihnen doch so fern. Bis vor kurzem wussten sie nicht mal, dass ich existiere und jetzt waren wir Freunde. Freunde? Sah ich sie wirklich als Freunde? Nein. Für mich waren sie immer noch eine der berühmtesten K-POP Groups und ich fühlte mich vor ihnen wie ein kleines Kind. Je mehr ich darüber nachdachte, wie es wäre ein BTS Mitglied zu daten, desto verwirrter fühlte ich mich. Konnte es sein, dass ich Yunas Gefühle teilte? Ich liebte RM, Jin, V, Yoongi, Jimin, Hobi und Kookie als Bangtan Sonyeondan. Aber welche Gefühle hatte ich für Namjoon, Seokjin, Taehyung, Yoongi, Jimin, Hoseok und Jungkook als stinknormale Menschen. Wenn mich einer von ihnen nach einem Date fragen würde, dann wäre die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich wie Yuna reagiere und sowas sagen würde wie: Ich liebe dich als Idol, aber ich liebe dich nicht darüber hinaus. Der Gedanke schnürte mir die Kehle zu. Olivia hat sich in Namjoon verliebt, nicht in RM oder BTS. Ich hingegen bewunderte sie als Idole und konnte diesen Part auch nicht ausblenden. Ich wollte vor ihnen einen halbwegs guten Eindruck machen, aber dennoch war ich nicht bereit, ihnen offen aus meinem Leben zu erzählen. Bei Mason hingegen fühlte ich mich auf Augenhöhe und…vertraute ihm. Ich wusste nicht, wann er sich in mein Herz geschlichen hatte, aber ich wusste, ich konnte immer mit ihm reden. Ich liebte ihn nicht…und doch wollte ich ihn in meinem Leben haben. Wenn ich ihn morgen zurückweise, würde er sich zurückziehen? Würde er sich von mir fern halten? Ich wollte ihn nicht als guten Freund verlieren, aber durfte ich so egoistisch sein? Würde ich ihn dadurch nur verletzen? „Lynn?“ Olivia saß wie aus dem Nichts neben mir und drückte vorsichtig meine linke Hand. „Ich wollte dich nicht verunsichern mit dem, was ich gesagt habe.“ Sie hatte mich nicht verunsichert. Im Gegenteil, ich hatte zum ersten Mal meine Gefühle geordnet, obwohl es sich eher so anfühlte als würden diese Achterbahn fahren. „Was auch immer in deinem Kopf vorgeht, du kannst es immer mit uns teilen. Wir verurteilen dich nicht.“ Ich schluckte. „Du hast Recht. Ich habe BTS bisher immer als Idole bewundert. Aber ich weiß eigentlich nichts über ihr Leben. Der Gedanke einen von ihnen zu daten, ist…unrealistisch. Jedenfalls sagt mir das mein Bauchgefühl.“ Olivia lächelte. „Und das ist okay, Lynn. Es besteht ein Unterschied zwischen Bewunderung und Liebe, den zu erkennen ist manchmal nicht leicht. Gib dem ganzen Zeit. Du wirst sie nicht von jetzt auf gleich als normale Menschen sehen können. Glaub mir, mit der Zeit lernst du sie aus einer anderen Sichtweise kennen. Schau dir beispielsweise deine Beziehung zu Tae an, du wolltest nicht, dass er dich als bloßen Fan sieht und mittlerweile ist er für dich mehr Cousin als Idol. Wer weiß, wie sich deine Beziehung zu BTS in den nächsten Monaten entwickelt? Oder wie sie sich zu meinem Bruder verändert? Wer weiß schon, was die Zeit so mit sich bringt. Aber egal was passiert, du kannst immer mit uns reden, okay?“ Ich umarmte sie. „Danke, das werde ich.“ Das Gespräch mit Olivia ließ mich jetzt einige Dinge klarer sehen. Auch wenn ich nicht wusste, was morgen oder in einer Woche auf mich zukommen würde, ich konnte nur einen Schritt nach dem anderen machen.

    Als mein Wecker am nächsten Morgen klingelte, vergrub ich meinen Kopf im Kissen. Auf meiner inneren To-Do Liste standen für heute drei Dinge. Punkt 1, einen Test mit verstauchten Handgelenk hinter mich bringen. Punkt 2, mich mit Mason treffen und ihm ehrlich meine Gefühle sagen. Punkt 3, mich mit BTS treffen und das Missgeschick mit Hobi ein für alle Mal klären. Ich atmete tief durch und schwang dann meinen Hintern aus dem Bett. Nach dem Frühstück half mir Byung den Verband am Handgelenk zu erneuern und ehe ich mich versah, waren wir auch schon auf dem Weg zur Schule. „Wann hast du heute Schluss?“, fragte mich Byung. „15 Uhr.“, antwortete ich ihm. „Ich auch, dann lass uns auf dem Weg nach Hause noch schnell einkaufen…“ Ich stockte. „Äh, also um ehrlich zu sein, habe ich danach noch Pläne…“ Er zog eine Augenbraue hoch. „Mason oder BTS?“ Meine Gesichtszüge verkrampften etwas. „Beide?“ Byung atmete scharf ein, aber nach kurzem Zögern wieder aus. „Nein. Nein, ich sag dazu nichts weiter. Nur eine Sache…du bist spätestens 22 Uhr Zuhause und das ohne gebrochene Knochen und genug Tränen hab ich in den letzten Tagen auch weggewischt. Kapiert?“ Ich nickte. „Ai, ai Captain!“ Ich war erleichtert, dass er nicht weiter nachbohrte oder versuchte mir mein Vorhaben auszureden. Zusammen mit meinen sich immer noch kreisenden Gedanken betrat ich den Klassenraum. Das Gefühl mit verstauchtem Handgelenk einen Test zu schreiben, war absolut nicht angenehm, aber zu ertragen. Viel schlimmer war das Gefühl, den Schulflur zu betreten und innerlich zu hoffen, nicht zufällig Mason über den Weg zu laufen. Ich wusste nicht, wie ich ihm in die Augen sehen sollte. Immerhin war heute der Tag, an dem ich ihn endgültig zurückweisen wollte. Wer weiß, vielleicht versuchte er ebenfalls mir aus dem Weg zu gehen, jedenfalls begegnete ich ihm kein einziges Mal. Was mich wiederum grübeln ließ, ob er mich nach dem heutigen Tag weiter meiden würde. Ich seufzte. „Warum habe ich so das Gefühl, dass der Seufzer nicht dem verstauchtem Handgelenk zuschulden ist sondern meinem Bruder?“ Ich sah Olivia an. „Ich bin…nervös. Was meinst du, wie dein Bruder reagieren wird?“ Sie überlegte. „Um ehrlich zu sein, weiß ich es nicht. Er hat schon öfters einen Korb gekriegt, aber da er es auch mit niemanden bisher ernst gemeint hat, war es ihm immer recht egal. Du bist die Erste, die er wirklich zu mögen scheint. Ich weiß nicht wie er reagieren wird, wenn du ihn zurückweist. Ich bin seit gestern am Grübeln, aber das ist das erste Mal, dass ich nicht weiß, was in seinem Kopf vorgeht. Willst du ihm nicht doch noch eine Chance geben?“ Sie guckte mich mit Hundeaugen an. Ich sah sie verdutzt an. „Moment, wo ist die Olivia geblieben, die nicht wollte, dass ich mit ihrem Bruder was zu tun habe?“, fragte ich sie. „Naja, zuerst wollte ich nur nicht, dass er deine Gefühle verletzt, indem er mit dir flirtet und falsche Hoffnungen macht. Aber jetzt bist du es, die…“, sie stockte. „…seine Gefühle verletzt?“, beendete ich ihren Satz. „Sein Herz bricht?“ Ich sah sie schockiert an. „Toll Liv, jetzt fühle ich mich schlimmer als vorher!“, seufzte ich. Sie lächelte leicht. „Entschuldige, das war nicht ernst gemeint. So schnell bringt meinen Bruder nichts aus der Fassung. Mach dir nicht so viele Gedanken.“ Ich schaute auf meine Armbanduhr. Ich sollte wohl langsam los, wenn ich Mason nicht warten lassen wollte. „Ich geh dann mal. Wir sehen uns dann morgen.“ Ich winkte Olivia und Suji noch einmal zum Abschied zu und suchte dann meinen Weg in Richtung Park.

    Als hätte jemand passend zur Stimmung das Wetter bestellt, zogen am Himmel immer mehr Wolken auf. Kaum hatte ich den Park erreicht, spürte ich auch schon erste Tropfen auf der Haut. Na toll, ich hatte keinen Schirm dabei und die Tropfen wurden immer mehr. Im nächsten Moment erschien über mir ein gelber Regenschirm. „Was bringst du denn für Wetter mit, Princess? Das macht die Tatsache, dass ich gleich eine Abfuhr kriege ja noch dramatischer…“ Ich starrte Mason nur an. Wir standen zusammen unter seinen Schirm gequetscht und um uns herum wurde der Regen immer doller. „Ich fange an, mich wie in irgendeinen dieser kitschigen K-Dramas zu fühlen. Du weißt schon, wo sich die Protagonisten gegenseitig ihre Liebe gestehen, dann anfangen mit knutschen, der Typ den Schirm fallen lässt und als würden sie den Regen gar nicht wahrnehmen, sich beide weiter küssen. Also versteh mich nicht falsch, gegen den Kuss-Part habe ich nichts, aber im Nachhinein auszusehen wie ein begossener Pudel, ist nicht so mein Ding.“ Ich brachte ein kurzes Grinsen hervor. „Wusste gar nicht, dass du sowas guckst…“ Er seufze. „Das sind so Nachteile, wenn man eine Schwester hat und man sich den Fernseher teilen muss.“ Ich wollte etwas erwidern, aber mein Kopf war wie leer gefegt. Sollte ich ihm jetzt einfach sagen, ich mag dich als Kumpel, aber nicht darüber hinaus? Hier und jetzt? Zusammen unter diesem dämlichen Regenschirm? Also nicht, dass es irgendwelche Vorgaben gab, wann und wo man jemanden einen Korb geben sollte, aber…jetzt? „Hey, Princess. Wie wär’s, wenn wir uns erstmal ein trockenes Plätzchen suchen?“ Ich nickte. Wir liefen schweigend die Straße entlang. Ich hatte Mason noch nie so leise erlebt. Mein Handy vibrierte in meiner Jackentasche. Ich lugte unauffällig drauf. Eine Nachricht von Tae. Soll Jin dich nachher von Zuhause abholen? Ich tippte ein kurzes nicht nötig zurück und ließ das Handy wieder in meiner Tasche verschwinden. Ich schielte zu Mason. Da wir nur wenige Zentimeter voneinander entfernt liefen, hatte er sicher die Nachricht von Tae gesehen. Trotzdem blieb er still. „Erinnerst du dich noch an den Laden?“, fragte er plötzlich. „Mmh?“ Ich schaute überrascht hoch. Wir standen vor dem kleinen Nudelladen, in dem ich ihm mein Herz ausgeschüttet hatte bezüglich meiner Vergangenheit. „Natürlich erinnere ich mich an den Laden.“, erwiderte ich. Er lächelte. „Gut, dann will ich, dass du über alles, was dir auf dem Herzen liegt, komplett ehrlich mit mir redest so wie beim letzten Mal. Deal?“ Ich nickte. Nachdem wir was zum Essen bestellt hatten, schaute Mason mich erwartend an. Ich räusperte mich. „Okay, also…du wolltest, dass ich ehrlich mit dir bin.“ Ich holte Luft. „Ich liebe dich nicht. Ich mag dich als Freund im Sinne eines Kumpels, aber ich liebe dich nicht. Die volle Wahrheit ist, dass du durchaus gutaussehend bist und auch mal ziemlich süß sein kannst, dein einziges Manko ist wohl deine aufgesetzte Selbstverliebtheit, was zwar ab und an nervt, aber auch sympathisch rüberkommt. Dennoch habe ich keine tiefergehenden Gefühle für dich. Um mal meinen eigenen Egoismus raushängen zulassen…ich will dich an meiner Seite haben. Du bist mir wichtig geworden und deshalb will ich dich als Freund behalten. Das sind meine ehrlichen Gefühle.“ Mason schwieg. Ich konnte sein Gesicht nicht deuten. Er starrte mich einfach nur an. „Würdest du bitte irgendwas sagen?“, fragte ich leicht frustriert. „Sagt ausgerechnet die Person, die es bis eben nicht hingekriegt hat, mir gegenüber einen vernünftigen Satz rauszubringen. Und dabei bin ich hier die Person, die eine Abfuhr kassiert hat. Wovor hattest du Angst, Princess?“ Ich biss die Zähne zusammen. „Dich als Freund zu verlieren.“ Meine Hände waren feucht vor Nervosität. Ich mochte Mason. Er war mir ans Herz gewachsen und ich hatte es nicht einmal mitgekriegt. Das letzte, was ich wollte, war ab morgen damit klar kommen zu müssen, dass Mason mir die kalte Schulter zeigte. Im nächsten Moment spürte ich seine Hand auf meinem Kopf. „Dummkopf. Dachtest du ernsthaft, ich würde dich jetzt einfach links liegen lassen? Ich gebe zu, ich bin etwas enttäuscht, aber mal ehrlich, sehe ich so aus wie der Typ, der sofort aufgibt? Gut, ich habe gerade eine Niederlage kassiert, aber immerhin weiß ich jetzt, wo ich bei dir stehe. Und so wie es sich für mich anhört, ist auch noch nicht alles verloren. Immerhin habe ich rausgehört, dass ich gutaussehend und süß bin…schön dass es dir auch endlich aufgefallen ist.“ Er zwinkerte. „Mason kannst du dich für eine Minute konzentrieren?“, seufzte ich. Seine Gesichtszüge wurden ernst. „Ich habe kein Problem damit, mit dir befreundet zu sein. Aber ich habe auch nicht die Intention, mich damit zufrieden zu geben. Ich liebe dich. Und wenn ich auch nur eine kleine Chance sehe, dein Herz für mich zu gewinnen, werde ich sie nutzen…nur um das klar zu stellen.“ Er hielt mir seine Hand entgegen. „Also vorerst Freunde?“ Ich nickte und ergriff seine Hand. „Freunde!“ Im nächsten Moment grinste er. „Freunde mit gewissen Vorzügen wäre für mich aber auch okay…“ Ich schlug seine Hand weg und verdrehte die Augen. „Träum weiter!“

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