-eine halbe Stunde später bei Ruby zuhause-
Ross‘ Sicht:
„Gehst du schon?“
Ich drückte mir gerade einen Müsliriegel in den Mund, als sich meine Schwester mit einem Rucksack und einer Wasserflasche bepackt durch die Haustür drücken wollte. Ruby nickte. „Ja ich bin spätestens um 18:00 wieder zuhause!“ Sie lächelte und ich verzog das Gesicht.
„Mach dir keine Sorgen, Ross. Ich schaff das schon!“ Ich seufzte und baute mich vor ihr auf.
Auch wenn wir Zwillinge waren, war ich mindestens einen Kopf größer als Ruby, dass nutzte ich hin und wieder ganz gerne aus, um ihr zu zeigen, wer der Stärkere war. Doch Ruby beeindruckte das nur wenig. Sie grinste breit und umarmte mich kurz. „Bis nachher!“, zwinkerte sie. Dann verließ sie mit schnellen Schritten das Grundstück.
„Lass dich nicht von ihnen ärgern!“, rief ich ihr hinterher. „Und vor allem nicht vor Jungkook“, fügte ich noch kaum hörbar hinzu, dann schloss ich die Tür hinter ihr.
-währenddessen im BTS-Studio-
Jungkooks Sicht:
„Können wir dann anfangen?“, fragte ein Mitarbeiter von BigHit und sah etwas gestresst auf die tickenden Zeiger der großen Wanduhr. Namjoon und J-Hope warfen sich fragende Blicke zu und knirschten mit den Zähnen. „Jin ist noch nicht da…..“, erklärte ich und sah instinktiv auf mein Handy, um nachzusehen, ob er geschrieben hatte.
„Ich setz mich schon mal rein“, erklärte Suga gähnend seinen - Lieblingspolster im Schlepptau. V und Jimin wollten gerade ihren Senf dazugeben, als ein keuchender total verschwitzter Jin um die Ecke sprintete und gerade noch rechtzeitig vor uns zum Stehen kam.
„Wartet…bitte…..eine Sekunde noch…“, keuchte Jin und stützte sich außer Atem an Namjoons Schulter ab. „Du meine Güte Jin, wir dachten schon du kommst nicht mehr“, stöhnte Jimin erleichtert. „Gut ich geb‘ mal das OK“, erklärte der BigHit Mitarbeiter und zog erleichtert ab.
Sobald er außer Reichweite war, klopfte J-Hope Jin kumpelhaft auf die Schulter. „UND? Was hat sie gesagt?“ Alle sahen ihn erwartungsvoll von der Seite an. Jin grinste.
„Ab morgen…..zieht…..zieht sie mit einem Teil ihrer Sachen wieder bei mir ein!“ Jin keuchte stolz und richtete sich wieder auf.
Meine Freunde jubelten auf und vielen Jin einer nach dem anderen um den Hals. „Ich liebe Happy Ends!“, freute sich V und klatschte bei Jimin ab. „Die Mädchen werden sich freuen“, grinste Namjoon und zog sein Handy raus. „Das schreib ich schnell Sofie. Geht schon mal rein! Ich komm gleich nach“
„Hat jemand von euch ein zweites T-Shirt mit?“ Jin sah hilflos in die Runde und wischte sich den Schweiß von seiner Stirn. „Ja, da!“ J-Hope kramte in seiner Tasche und warf Jin ein grünes Shirt mit einem bunten Schriftzug zu. „Danke“, schnaufte er begutachtete es mit kritischem Blick. „Was?“, maulte J-Hope. „Erst du spät kommen und dann auch noch Ansprüche stellen?“
Die andern grinsten. „Typisch Jin“, dachte ich. „Zieh es einfach an“, meine J-Hope etwas beleidigt und drehte sich um. „Es wird deinem Gesicht schon nicht schaden!“ Jin lächelte selbstgefällig. „Na, wo er recht hat, hat er recht!“ Grinsend tauschte es das verschwitzte rosa Shirt gegen das von J-Hope und folgte ihm ins Tanzstudio.
-etwas später im Warteraum mit den anderen Tänzerinnen-
Rubys Sicht:
Ich fühlte mich unwohl.
Um mich herum standen bestimmt hundert andere Mädchen, die alle eine Startnummer auf ihrem T-Shirt kleben hatten. Eine war hübscher als die andere und ihre Körper sahen umwerfend aus in den engen Leggins und den bauchfreien Tops. Ich betrachtete mich selbst in dem großen Fenster.
Meine Wahl war, wie eigentlich fast immer, auf eine weite Latzhose und ein grün-weiß gestreiftes Top gefallen. Bequem sollte es sein. So war Ross‘ Tipp an mich gewesen. Und der kam mir gerade recht. Ich fühlte mich schließlich so schon unwohl genug, da musste ich mir wenigstens keine Gedanken über die Makel an meinem Körper machen.
Ich seufzte. Wie lange würde es noch dauern bis ich an der Reihe war. „98.“ Das war meine Startnummer. In dem Moment beobachtete ich wie die Startnummer 7 gerade aus dem Studio kam, um nur zwei Meter weiter kläglich in Tränen auszubrechen. „Die hat es wohl nicht geschafft“, dachte ich und beobachtete wie sie schniefend zu ihren Sachen taumelte.
Ich hatte Mitleid mit ihr. Keines der anderen Mädchen kam auf die Idee sie zu trösten. Ganz im Gegenteil. Es war fast so, als würde ein Lächeln ihre Gesichter umspielen, weil sie nun alle eine Konkurrentin weniger hatten.
Ich sah mich um und als ich das Gefühl hatte, völlig unbeobachtet zu sein, schlich ich mich vorsichtig zu dem Mädchen, dass wie ein Häufchen Elend auf dem Boden kauerte. Sie schluchzte und wischte sich die Tränen von den Wangen, als ich ihre ein Taschentuch reichte.
„Hey, mach dir nicht zu viele Sorgen“, versuchte ich sie mit einer sanften Stimme zu beruhigen. „Auch wenn du es vielleicht nicht geschafft hast…..das Tanzen kann dir keiner nehmen!“
Das Mädchen sah mich ungläubig aus großen verheulten Augen an. Ihre Lippen zuckten und sie musterte mich von oben bis unten. „Was weißt du schon!“, fauchte sie plötzlich. Frustriert boxte sie mich zur Seite, schnappte ihre Sachen und stürmte aus dem Raum.
Einige der anderen hatten die Szene beobachtete und flüsterten nun hinter vorgehaltener Hand. Andere kicherten und ich wusste nur zu gut, dass sie nicht mit mir, sondern über mich lachten. Als schließlich ein kleines dunkelhaariges Mädchen mit falschen Wimpern den Finger auf meine orangen Haare richtete und laut zu lachen begann, stand ich auf und verdrückte mich. Ich wollte hier einfach nur weg.
Die Toilette war meine Rettung. Erleichtert endlich meine Ruhe zu haben, setzte ich mich auf den Klodeckel und zog die Knie an. „Sowas undankbares“, ärgerte ich mich über die Reaktion des Mädchens und legte das Kinn auf die Knie. Ich zog mein Handy aus der Hosentasche und kontrollierte meine Nachrichten.
„Pling!“
-eine neue Nachricht von Ross-
Ross: Und wie läufts?
Ich tippte schnell eine Antwort.
Ich: Beschissen….
Ross: Warum? Was ist passiert?
Ich: Das sind alles unempathische, selbstverliebte Ziegen hier….
Ross: Hast du etwas anderes erwartet? DU bist im K-Pop Business.
Ich: ……
Ross: Soll ich dich holen?
Ich: Nein, ich drück das jetzt durch!
Ross: OK – Wo bist du gerade?
Ich: Am Klo…..Ich komm da erst wieder raus, wenn ich dran bin!
Ross: Ruby, du bist verrückt!
Ich: Ich weiß. Aber ich bin lieber verrückt, als so wie die da draußen…
Ross: …….
Ross: Weißt du schon wann du dran bist?
Ich: Nummer 7 war grad fertig – ich bin Nummer 98 – beantwortet das deine Frage?
Ross: Willst du begraben, oder eingeäschert werden? Ich berge dann in einer Woche deine Überreste aus der Toilette!
Ich: Depp: D
Ross:: D
Ross: Naja, verdursten kannst du wenigstens nicht! (*hust – Toilette - *hust)
Ich: Ewwwww! ROSS!
Ross: …..
Ross: Ruf mich an, wenn du was brauchst!
Ich: OK, danke:)
Ross: Viel Glück! Du schaffst das schon!
Ich: Glück ist was für Weicheier….
Ross: Stimmt du brauchst das nicht – hab ich ja ganz vergessen – du hast TALENT!
Ich: Danke, dass du das endlich begriffen hast: D
Ross: Bis nachher, Schwesterherz:)
Ich: Bis nachher….
Die Zeit verstrich. Ich beschäftigte mich damit mich durch die sozialen Medien zu klicken und stalkte dabei einige meiner Schulkollegen. Irgendwann, als ich mich gerade durch die Profilbilder meiner Kontakte klickte, entdeckte ich Jugkooks Nummer.
Ich war überrascht. Ich wunderte mich, dass er immer noch dieselbe Nummer wie vor sechs Jahren hatte und klickte auf das Profilbild. Augenblicklich poppte ein Fenster auch und Junkook, Jin, Jimin, V, J-Hope, Namjoon und Suga lachten mir glücklich entgegen. Ich verzog das Gesicht.
Wenn die Welt da draußen nur wissen würde, dass sie von diesen sieben Jungs gehörig hinters Licht geführt worden ist. Von meiner Mutter wusste ich schon länger, dass in der BTS WG schon längst nicht mehr nur noch Jungs wohnten.
Soweit ich wusste hatten Namjoon, V und Suga bereits eine Freundin, die sie bis jetzt gekonnt vor der Öffentlichkeit geheim gehalten hatten. Aber jetzt mal ehrlich – wer konnte ihnen das übel nehmen. Ich denke, würden die Mädchen da draußen erfahren, dass sie längst keine Chance mehr auf die Zuneigung der drei Jungs hätten, würde die mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit über deren Freundinnen herfallen und sie zerfleischen bis nichts mehr von ihnen übrig ist.
Ich musterte noch einmal das Bild der sieben Jungs. Ob Jungkook ihnen erzählt hatte, dass ich heute kommen würde? Ich dachte nach.
Wahrscheinlich eher nicht. Der war bestimmt froh, wenn ich wieder weg war….
Gelangweilt legte ich den Kopf in den Nacken.
Ab jetzt hieß es: „Warten, warten, warten…..“
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