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Ratten und die wahre Liebe

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    Raven


    Etwas an dem Mädchen, irgendetwas beunruhigt mich, viel mehr als mich ihre Entschlossenheit beunruhigt. Ich spüre, wie all die Wände, die ich gelernt habe aufzubauen, einst feste, dicke Wände immer weiter dahinschmelzen, die Stimmen, die rufen, ich solle einfach weitergehen, dumpfer und leiser werden. Dieses Mädchen wird noch ein großes Problem für mich. Scheinbar sind vier Jahre Erfahrung jedoch nicht ganz so einfach wegzuwaschen, immer noch fallen mir die kleinen Details auf, die ihre Unsicherheit verraten, ihre vorsichtige, ängstliche Körpersprache, wie sie sich selbst jedes Mal, nachdem sie den Mund geöffnet hat, dafür zu schämen scheint, wie klein ihre Schritte sind. Kyra, heißt sie. In meinem Kopf passt der Name sehr gut zu ihr. Auf eine verworrene Art finde ich es plötzlich urkomisch, dass wir hier stehen, praktisch konstant in Lebensgefahr und Smalltalk halten, es wirkt unglaublich absurd. Meine Freude wird jäh durch ihre Frage unterbrochen, sie fragt nach meinem Namen. Nun, da gibt es ein kleines Problem. Ich habe mehrere. Dutzende. Namen, die ich auf Dokumente kritzele, die ich Polizisten nenne, die gelegentlich mein Zeug durchsuchen, keiner davon ist mein echter Name. Mein Name, der, der mir gegeben wurde, ist etwas, das nur mir gehört, ein kleines Ding, so unbedeutend und doch so verletzlich, dass es nie wieder das Licht der Welt erblicken darf.Victoria. Selbst der Gedanke daran versetzt mir einen kleinen Stich. „Raven.“ Der falsche Name kommt mir so natürlich über die Lippen, dass es mich selbst überrascht. Erst jetzt fällt mir auf, dass Kyra mir, zumindest für meine Verhältnisse, sehr nah ist, vielleicht zwei große Schritte. Aus der Nähe kann ich ihr Gesicht besser erkennen, ihre braunen Rehaugen die unschuldig dreinblicken. Ich werde von dem Gefühl, dass meine Beine frieren, aus meinen Träumereien. „Was auch immer. Wenn wir noch einen Platz bekommen wollen, müssen wir uns beeilen.“ Ich drehe mich um und laufe die Straße, die ich vorhin entlanggelaufen bin, wieder zurück. Nach ein paar Schritten drehe ich mich um und warte darauf, dass Kyra mir folgt. „Jetzt komm schon mit. Schlimmstenfalls erwürge ich dich, aber da du eh innerhalb der nächsten paar Tage verhungerst hast du nicht wirklich etwas zu verlieren.“ In meiner Stimme liegt nicht das kleinste bisschen Enthusiasmus, jedoch gebe ich mir wirklich Mühe, nicht mehr ganz so feindselig zu klingen, auch wenn ich vermute, dass es nicht so wirklich gut funktioniert.

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