Springe zu den Kommentaren

Ratten und die wahre Liebe

star goldstar goldstar goldstar goldstar greyFemaleMale
1 Kapitel - 599 Wörter - Erstellt von: - Entwickelt am: - 304 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

    1
    Raven

    Ohne, dass ich dies kontrollieren kann, wandert meine Augenbraue zweifelnd in die Höhe, während ich das Mädchen vor mich weiter mustere. Warum sie wohl hier ist? Sie wirkt nicht wirklich unterernährt und sogar fast sauber, weshalb es nicht schwer ist zu schließen, dass dies ihr erster oder zweiter Tag unter freiem Himmel ist. Trotzdem scheint sie entschlossen, nicht zurück zu wollen, was mich etwas verwirrt, normalerweise sehen die Kinder, die man hier in der Stadt Weißfüße nennt, weil ihre Fußsohlen so weiß und zart sind wie Schnee, genau so, wie Füße aussehen, die ihr Leben lang in dicken Socken und teuren Schuhen gesteckt haben, Füße, die noch nie tagelang über Glassplitter und glühende Zigarettenstummel gegangen sind, diese Weißfüße sehen meistens nach ein paar Stunden ein, dass ihr kuscheliges Zuhause doch nicht so furchtbar ist. Das Mädchen vor mir nicht. Wahrscheinlich würden viele Leute jetzt sofort zu einer krassen Schlussfolgerung über ihre Lebenseinstellung, ihre Vergangenheit und ihren Charaktertyp schließen, aber dafür bin ich nicht nur zu müde sondern auch zu betrunken, bei mir braucht es einige, zähe Sekunden bis ich schlussfolgere, was ich jetzt mit der Kleinen mache. Wahrscheinlich ist es auch hier der hochprozentige, halb getrunkene Wodka, der mich zu meiner Entscheidung bringt, zu meiner Entscheidung, das Mädchen ein paar Tage mitzuschleifen, wenn sie nicht zu viel isst, genau so lange wie es den Zähsten braucht, zu verstehen, dass sie nach Hause zurück wollen, wenn sie das denn können. Diese Option hatte ich nie, für mich war es nie eine Frage „wieder zurück“ zu gehen, sobald ich mich entschieden hatte, wegzulaufen und meinen ersten Fuß auf den Bordstein gesetzt habe, was klar, dass die Straße, auf die ich aus dem großen Haus das eher einem Palast gleicht, von nun an mein Zuhause sein würde. Natürlich nicht genau diese Straße, aber es ist wahrscheinlich überall auf der Welt das gleiche Prinzip also ist das für meine Poetik momentan nicht ganz so wichtig. Ich komme ja eigentlich nicht von hier, ich komme eigentlich von ganz wo anders. Ich komm‘ eigentlich aus dem vereinigten Königreich, aus England. London. Wirklich erklären, warum ich hier bin, kann ich nicht, es ist eine Mischung daraus, dass ich dachte, hier wäre es wärmer (was leider nicht zutrifft), daraus, dass ich Amerikaner lustig finde, Burger heftig lecker sind und ich meine Eltern nie wieder sehen will, ich will so weit von ihnen weg sein wie möglich, wie irgend möglich. Wahrscheinlich habe ich sogar einen Akzent, fällt mir ein. Darüber hab‘ ich mir noch nie Gedanken gemacht, ob ich anders klinge als die anderen hier, weshalb ich beschließe, es auszutesten. „Mhm. Kannst mitkommen, wenn du willst, für ein paar Tage. Wenn du nicht zu anstrengend bist.“ Oh Gott, ich hab wirklich einen Akzent, einen richtigen, heftigen Londoner Akzent der so stark ist, dass es mich wirklich überrascht, dass es mir nie aufgefallen ist.



    (ich weiß, dass es furchtbar ist, es tut mir leid.)

Kommentarfunktion ohne das RPG / FF / Quiz

Kommentare autorenew