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Eine Psychocamp Liebe [Kapitel ab 101]

Danny ist ein Junge welcher eigentlich auf die Oberschule geht, da er dort aber weder Erfolg noch richtige Freunde - geschweige denn eine Freundin hat. Holt er sich immer wieder Krankschreibungen von seiner Kinderärztin. Doch eines Tages bekommt er den Vorschlag in ein Sommercamp zu gehen, welches "auf Jugendliche wie ihn" spezialisiert ist. Als er einwilligt weiß er nicht worauf er sich einlässt ... schnell findet er sich in einem chaotischen Camp voller Psychos wieder, die meisten davon Mädchen in seinem Alter.

    1
    Alter ( Tag 8 Mittwoch Nachmittag)

    Sie verdreht die Augen und wir betreten die Kanalisation.

    Ich: "Sorry ich seh nichts, das ist zu dunkel. Der Monitor .."

    Eileen: "Ja dann komm doch näher du Frosch."

    Die rückt hektisch mit ihrem Stuhl auf mich zu dreht den Monitor.

    Wir spielen weiter und ich bin langsam echt beeindruckt, denn sie spielt das Spiel fast so gut wie ich und scheint auch nicht weniger stark vertieft zu sein als ein echter Gamer. Als sie eine ganze Gruppe von Gegnern auf einmal mit ihrer geliebten Doppelläufigenschrotflinte niederstreckt, wischt sie sich hektisch Haare aus dem Gesicht, von denen mich einige treffen und leicht kitzeln.

    Eileen: "Hey .. dürfte ich den Gentleman bitten"

    Sie kneift mich in den Arm und ich sehe, dass wir vor einer Tür stehen.

    Ich: "Ähm .. ach die, die würde ich nicht in dem Winkel aufmachen, da sind zu viele drin. Wenn du dich auf der rechten Seite, quer stellst, dann kannst du die .."

    Eileen: "Hey, ich spiele das Spiel .. kleiner Spaß, kannst ruhig mitspielen. Ich irgendwie witzig so."

    Sie stellt sich quer, ich öffne die Türe und sie hämmert einen gekonnten Schuss mit der Doppelläufigen in den Raum, welcher fast alle Gegner umnietet. Schnell wechsle ich auf die Pistole mit welcher sie den letzten Überlebenden erledigt.

    Eileen: "Praktisch so zu spielen aber las besser die Finger von meinen Waffen."

    Das dritte Level beginnt und völlig unbedarft rennt Eileen direkt in den Wassergraben.

    Ich: "Vorsicht!"

    Eileen: "Hey, warum hast du geschossen?"

    Sie kneift mich in den Arm.

    Ich: "Unsichtbarer Dämon?"

    Eileen: "Ja klar, als ob."

    Ich: "Doch da liegt er, sieht man nur schwer im Original."

    Sie geht mit den Gesicht näher zum Monitor, schreckt aber schnell wieder zurück und fragt panisch:

    ".. ähm .. was .. von wo .."

    Der Bildschirm wird rot.

    Ich: "Es gibt Zwei davon, einfach im Kreis drehen und schießen .."

    Doch es ist zuspät, der Zweite unsichtbare Dämon im Wassergraben setzt uns ein Ende.

    Eileen: "Naja, besser als immer nur die ersten beiden Level zu spielen. Und Danke, dass du mich zumindest vor dem Ersten gerettet hast .. aber warum konntest du überhaupt für mich schießen?"

    Ich: "Weils zwei Strg Tasten gibt."

    Eileen: "Klingt logisch, es gibt ja auch zwei Shifttasten."

    Wir müssen lachen und sehen uns an, dabei berühren sich zu meiner Überraschung unsere Nasenspitzen. Es wird plötzlich ganz still im Raum, nur der Mini-Soundtrack ist ganz ganz leise zu hören.

    Nichts passiert, bis sie ganz kurz mit den Augenlieder zuckt und ihre Nasenspitz ein ganz wenig fester auf meine drückt.

    .. aber dann klopf es plötzlich an der Türe.

    Eileen: "Ah, der verdammt .."

    Sie schreckt zurück, fällt dabei halb vom Stuhl, welcher mit einem dumpfen 'Plock' auf den Teppichboden umkippt, während sie sich aufrappelt und auf den Knien schnelle das Spiel beendet.

    Deutsch Lehrer: "Alles in Ordnung bei Euch?"

    Der Lehrer öffnet die Türe und lehnt sich in den Raum, als suche er nach dem Gegenstand, der gerade umgefallen ist.

    Eileen: "Jaja, hab mich nur erschreckt. Die Tabelle ist fertig."

    Deutsch Lehrer: "Ah, klasse. Verschiebt diese einfach in den Freigegebenen Ordner und lasst den PC an, ich seh mir das ganze dann drüben an. Ist das schon in HTML konvertiert?"

    Ich nicke und frage mich ob, das einfache Umbenennen von .txt auf .html wirklich als Konvertierung bezeichnet werden darf.

    Deutsch Lehrer: "Ach genau, ich hab noch was für dich."

    Er hält mir ein dünnen Graues Heft in einem Komischen Format hin. Ich nehme es und lesen den Titel:

    "Romeo und Julia"

    Deutsch Lehrer: "Ich muss ja irgendwie deine Noten rechtfertigen und meiner Meinung nach wird auf der Hauptschule eh viel zu wenig Literatur eingesetzt. Oder habt ihr schon mal ein Buch gelesen?"

    Ich: "Ja, wir haben Frag mal Alice 'gelesen'."

    Als ich mich an das Debakel erinnere muss ich leicht schmunzeln und kann nicht anders als gelesen sarkastisch zu betonen.

    Deutsch Lehrer: "Was heißt gelesen."

    Ich: "Naja, wir haben alle eine Exemplar aus der Schulbibliothek bekommen und ich hatte halt verstanden, dass wir das Buch übers Wochenende lesen sollten und hab mir dann das ganze Buch in Happen in drei Tagen durchgelesen."

    Eileen: "Das haben wir auch, hat das nicht nur so 200 Seiten?"

    Fragt sie leicht amüsiert.

    Ich: "Ja ich weiß .. aber ich hab davor nie Bücher gelesen und das war schon anstrengend."

    Deutsch Lehrer: "Na dann ist das doch schon mal ne Leistung, wenn auch etwas zu tief ins kalte Becken gesprungen .. und wie viel Zeit hättest du gehabt?"

    Ich: "Ja das ist ja gerade witzige oder eher komische gewesen. Erst hieß es eine Woche, später hießt es dann zwei Wochen, als viele das Buch nach einer Woche noch nicht gelesen hatten .."

    Deutsch Lehrer: "Ich kann zwar nachvollziehen, warum die Kollegen das gemacht haben .. wie viel heißt Viele?"

    Ich: "Aller außer Ich und ein Mädchen."

    Deutsch Lehrer: "Und was habt ihr dann mit dem Buch gemacht, also wie habt ihr mit dem Text gearbeitet."

    Ich: "Im Unterricht gar nicht. Wir haben nur das Buch bekommen und .."

    Deutsch Lehrer: ".. und wurdet mit dem Text und dem Thema alleine gelassen? Aber irgendwie müssen die Kollegen doch überprüft haben, ob ihr das Buch auch gelesen habt."

    Ich: "Ja, nach der zweiten Woche wurde ein kleiner Test geschrieben, bei dem so gut wie alle alles falsch hatten. Deswegen gab .."

    Eileen: ".. noch eine Woche Zeit?"

    Fragt sie nun endgültig amüsiert, da ich es ihr durchaus zutraue ein 200 Seiten Buch in weniger als einem Tag zu verschlingen.

    Ich: "Ja, das stimmt sogar."

    Deutsch Lehrer: "Warum denn, wenn der Test doch schon gemacht wurde, müsste die Leseleistung doch schon bewertet worden sein."

    Ich: "Es wurde eine Klassenarbeit zu dem Buch angekündigt, also eigentlich heißt es von Anfang an, dass wir zu dem Buch eine Arbeit schreiben sollen."

    Eileen: "Und dann haben alle ganz schnell das Buch wie du in ganz kurzer Zeit gelesen."

    Ich: "Nein, bis kurz vor Beginn hatten nur ein paar das Buch gelesen und .."

    Eileen: ".. du hast als einziger eine gute Note bekommen."

    Ich: "Nein, die Arbeit wurde abgeändert, so dass es nur um das erste Kapitel ging und man durfte sein Buch benutzen."

    Deutsch Lehrer: "Oh mein Gott, das sind ja Zustände, wo es mir schwer fällt zu glauben, dass es die wirklich gibt. Also außerhalb der Sonderpedagogik .. Da könnte ich ja gleich einfach einen bekannten Text aushändigen und diesen dann zur Bearbeitung stellen. Das ist übrigens nicht komisch."

    Eileen: "Ich finde schon .."

    Sie prustet los und wischt sich eine Träne aus dem Auge, während sie in dem Heft blättert, welche sie mir irgendwie abgenommen hat.

    Deutsch Lehrer: "Wie auch immer, wenn wir hier sagen, dass wir mit Büchern arbeiten, dann meinen wir das auch. Lies das Buch, dann schreib ich mit dir eine richtige Arbeit darüber."

    Eileen: "Darf ich auch."

    Deutsch Lehrer: "Ok, aber stell dich hinten an .. ich hab nur ein Buch."

    Eileen: "Wir haben ein Romeo und Julia im Camp, außerdem kenn ich das auch so."

    Deutsch Lehrer: "Das hier ist aber Romeo und Julia auf dem Dorfe von Keller und nicht Romeo und Juliet von Shakespeare."

    Eileen: "hm, ich dachte ich hätte alle Theaterstücke durch, die hier rumfliegen."

    Deutsch Lehrer: "Es ist ja auch eine Novelle."

    Eileen: "Novellen sind dröge."

    Deutsch Lehrer: "Diese hier nicht .. liest sie, dann weißt du es .. aber jetzt raus mit euch, ich will auch mal nach Hause."

    Wir verlassen das Zimmer und machen uns langsam auf in Richtung Treppe, während sie bereits den Klappentext liest.

    Eileen: "Sag mal .. sind die Leute in deiner Klasse wirklich so dämlich oder hast du dir das gerade ausgedacht?"

    Ich: "Die Geschichte stimmt schon .. Also die sind jetzt nicht wirklich dämlich - eher Faul, denn wenn halt alle das Buch nicht lesen, bekommen halt alle einen einfachere Arbeit."

    Eileen: "Ja aber nur weil die Lehrer nachgeben, das ich Hochverrat an der eigenen Berufsgruppe .. und an den Schülern die wirklich was getan haben."

    Ich: "Was hättest du den getan?"

    Eileen: "Alle durchfallen lassen!"

    Ich: "Eine ganze Klasse?"

    Eileen: "Eine ganze Klasse! Ein Buch, eine Woche, eine Arbeit, die Ansage kann doch keiner überhören."

    Ihre Mine verfinstert sich, als wir die Treppen hinunter gehen. Als wir unten ankommen, fragt sie in einem etwas weniger grimmigen Ton:

    "Sag mal .. hattest du gesagt, das Buch war 'Frag mal Alice' oder 'Alice im Wunderland'?"

    Ich: "Frag mal Alice."

    Eileen: "Das andere hätte mich bei einer christlichen Schule auch gewundert."

    Ich: "Warum fragst du?"

    Eileen: "Ehrliche Antwort?"

    [x]Nicken

    [o]Den Kopf schütteln.

    Eileen: "Na weil du in den ersten Tagen so cool geblieben bist, die meisten rasten aus, wenn es denen so langsam schimmert, wo die hier gelandet sind."

    Ich: "Wie schimmert?"

    Wir verlassen das Gebäude und betreten den Weg zum Camp.

    Eileen: "Na .. das kommt ganz drauf an, wie aufmerksam Neue so sind. Und natürlich wann die was sehen und so .. "

    Sie holt mal wieder Lauf für einen ihrer Erklärmonologe:

    "Also im Kern merken Mädchen viel früher was los ist als Jungs, die sind meist etwas unaufmerksamer und spielen dann noch ganz kurz den Harten. Einige Füchse schnallen sofort beim Lesen der Regeln was Sache ist. Zumal wir bis vor Kurzen noch eine Version hatten wo dick 'Psychopharmaka' stand, jetzt steht da ja nur noch Medikamente .."

    Ich: "Bei mir stand nur Medis .."

    Eileen: "Unterbrich mich nicht! Dann achten einige auf die Bilder, Deko und die Silberkuglen. Bei anderen steht dann zufällig mal die Tür zum Käfig auf oder die begegnen ausgerechnet einem von uns der gerade völlig abdreht oder so tut, andere sind so schlau ihre Überweisungen zu lesen oder einfach das Schild .."

    Als wir durch die Schleuse in den Bunker gelangen, deutet sie im vorbeigehen auf einen kleinen Teppich an der Wand, hebt diesen mit dem Finger an, worauf darunter das mit bekannte Schild mit der Aufschrift 'Kinder und Jugend Psychiatrie' zu lesen ist.

    Eileen: "Moment, warum erkläre ich das gerade, wo waren wir eben?"

    Ich: "Frag mal Alice."

    Eileen: "Achso, genau. Das ist doch bestimmt der Grund, warum du hier nicht komplett in Panik verfallen bist, nachdem du spitz gekriegt hast wo du bist oder?"

    Ich: "Kann man so sagen, Ja. .. merkt man denn das so doll?"

    Eileen: "Alter, du verhält dich seit dem ersten Tag an, als wär das hier alles völlig normal .."

    2
    Sitzplätze ( Tag 8 Mittwoch Abends)

    Wir betreten das Camp, welches zu meiner Überraschung nicht nur komplett leer gefegt wirkt, sondern sogar schon langsam in abendliches oranges Licht getaucht ist.

    Ich: "Wou .. wie lange waren wir denn Oben?"

    Eileen: "Ne ganze Weile wies aussieht, beim Spielen vergesse ich immer komplett die Zeit. Aber mal was anderes .. was ist eigentlich dein Ziel hier, ich meine warum bist du noch hier und tust dir das an?"

    [o] Ich finde einfach schön hier

    [x] Na, wegen der Schule.

    Ich: "Na wegen der Schule. Ich will halt das Schuljahr schaffen und wenn mir die Lehrer .."

    Eileen: "Verstehe .."

    Sie legt nachdenklich den Finger an die Lippen und schnauzt mich dann laut an:

    "Dann versteh ich aber nich, warum du dir nicht endlich von mir bei Englisch helfen lässt, ich meine du bist quasi nur deswegen hier .."

    Etwas ruhiger fügt sie hinzu:

    ".. außerdem ist das Kind doch sowie so schon in den Brunnen gefallen, weswegen also noch groß Widerstand leisten, wenn du verstehst was ich meine."

    Wohl eine Anspielung auf mein Geständnis von heute Morgen und meine Angst es könnte mir mit ihr gehen wie mit 'Ihr'.

    Eileen: "Also du geht jetzt da zu dem Tisch im Schatten und ich hole unsere Sache und wenn ich wieder komme und da sitzt auch nur eine Person mit am Tisch, die nichts mit Englisch zu tun hat, dann schlag ich deinen Kopf mit der Nase voran auf die Tischplatte .. verstanden."

    Ich Nicke. Naja, warum soll ich mir eigentlich nicht von ihr bei den Hausaufgaben helfen lassen? Sie gibt ja eh keine Ruhe. Also mach ich mich auf an den einzigen schattigen Tisch und blockiere dort der Vorsicht halber die restliche linke Bank mit meinen Beinen.

    Als ich mich gerade frage, wen ich denn genau davon abhalten sollte, kommt Merle an den Tisch.

    Merle: "Was dagegen, wenn ich mich setzte?"

    [x]Ja

    [x]Nein

    Ich: "Ähm .. leider ist das quasi ein Hausaufgaben Tisch. Ich warte nur noch auf meine Sachen."

    Merle: "Für?"

    Ich: "Ähm .. mich und .."

    Merle: "Nein für welches Fach?"

    Ich: "Englisch."

    Merle: "Darf ich mich setzten, wenn ich mitmache?"

    [o]Nein

    [x]Ja

    Ich: "Denke das geht ok."

    Merle: "Geht immer noch um die Arbeit oder?"

    Ich Nicke.

    Merle: "Damit bin ich zwar schon fertig aber für Schatten tu ich ja viel."

    Sie nimmt auf der anderen Seite der Bank platz und sieht danach eine Weile wortlos in Richtung des Zaunes.

    Merle: "Du arbeitest aber diszipliniert an deinen Sachen."

    Ich: "Jap, eigentlich bin ich ja auch nur deswegen hier .. wenn man genau nimmt."

    Merle: "Und wenn man es nicht genau nimmt?"

    Ich: "Ja dann, damit ich nicht in die Schule muss."

    Merle: "Hausaufgabentisch ja?"

    Ich: "Also nicht in meine Schule."

    Sie lehnt sich mit dem Rücken gegen die Tischplatte.

    Merle: "Was für an angenehmer Grund hier zu sein."

    Ich: "Warum bist den du hier?"

    Stille

    Ich: "Wenn ich das fragen darf .."

    Merle: "Fragen darfst du natürlich .. aber antworten darf ich nicht."

    Sie streckt sich, reckt die Arme nach oben und fährt fort:

    "Sagen wir mal so, meine Eltern haben so ihre Probleme damit Entschuldigungen anzunehmen."

    'Pock' Eine Hand wird neben mir auf dem Tisch geschlagen und eine leicht grantiges paar dunkel brauner Augen sieht mich an.

    Ich: "Ich ..Ähm .. Merle .. Merle wollte mitmachen also bei Englisch."

    Eileen: "Aha .. von mir aus .."

    Sie lässt unsere Sachen auf den Tisch fallen und setzt sich mir gegen über zu Merle.

    Merle: "Warum so?"

    Eileen: "Ach nichts, ist nur das Wetter."

    Offensichtlich hat sie was dagegen, dass Merle mit am Tisch sitzt, kann aber wahrscheinlich nicht viel dagegen ausrichten. Mir kommt Merles Gesellschaft jedoch recht gelegen.

    Ich ziehe meinen Ordner unter dem Wust hervor und schnappe mir meine Federmappe.

    Merle: "Wie kommst du an seine Sachen?"

    Fragt Merle etwas erschrocken.

    Eileen: "Hat er gestern irgendwie liegen lassen, hab sie dann mit zu mir genommen."

    Sagt sie komplett unaufgeregt, was Merle sichtlich beruhigt.

    Merle: "Entschuldige aber ich bin wegen der Tussy noch ziemlich aufgekratzt."

    Ich: "Die mit dem Ethikkomitee."

    Frage ich, während ich meinen Füller bereit mache und schon mal anfange Merles Lösungen von vor ein paar Tagen abzuschreiben.

    Merle: "Ja .. boar .. die dumme Kuh hat meine ganzen Sachen durchwühlt."

    Eileen: "Und hat sie was gefunden?"

    Merle: "Ja. Das .. ähm .. Buch, das du mir geliehen hast."

    Eileen: "Das ist natürlich suboptimal. Las mich raten, ich kanns mir demnächst bei Mario abholen."

    Merle presst die Lippen zusammen und nickt leicht gekniffen. Eileen aber beugt sich unbeeindruckt über den Tisch und liest scheinbar die gleichen Ergebnisse ab wie ich und vergleicht diese mit ihren eigenen. Dabei kann ich zwar in ihren Ausschnitt sehen aber dort wabbeln eh nur die mir bereits bekannten Explantate herum.

    Eileen: "Und falls es dich interessiert. Nein, ich darf selbst als Assistents nicht in ein anderes Zimmer, ich darf ja nicht mal alleine in das Krankenzimmer. Ach der war bestimmt nur langweilig. Ist das ein H?"

    Ich hasse es, wenn Mädchen mehrere Themen in einem Gespräch verknoten.

    Merle: "Auch wenn der Langweilig ist, hat die nichts in meinen Sachen zusuchen. Warum schicken die die denn auch ausgerechnet zu mir auf Zimmer? Ja das ist ein H"

    Eileen: "Weil bei dir gerade frei war und der Weg kurz?"

    Merle: "Als wären die paar Schritte zu Marias Zimmer nicht zu bewältigen gewesen."

    Eileen: "Bei der sieht schlimmer aus als bei Bezy."

    Dummerweise kann ich ein Wort nicht lesen und frage deswegen vorsichtig.

    Ich: "Ähm?"

    Eileen: "Achso, bei Maria liegt der ganze Boden voller Sachen .. Bezy ist ja wenigstens noch so zivilisiert, dass sie einen schmalen Gang in der Mitte freilässt."

    Ich: "Und bei mir stellen sie sich an wegen eines Koffers."

    Merle: "Die räumen über Mittag immer alles vom Boden aufs Bett und dann Abends wieder alles vom Bett auf den Boden. Sowas könnte ich gar nicht."

    Eileen: "Dazu muss man aber sagen, dass wir genug Platz für unsere Sachen haben. Ich hab einen riesigen Kleiderschrank und du belegst eine Kommode für zwei alleine."

    Merle: "Ja aber unser Klamotten Zyklus ist ja auch ein anderer. Wie lange hast du eine Sache an?"

    Ich: "Ähm .."

    Eileen: "Bis das Ding stinkt oder ich es irgendwie einsaue."

    Merle: "Genau, ein Teil mit einer Funktion von Anfang bis Ende. Die ziehen ein Teil an, ziehen aber das dann aber irgendwann am Tag aus und ziehen ein anderes Teil an .. Wohin dann mit dem noch nicht schmutzigen Teil?"

    Eileen: "Schrank?"

    Antwortet sie, während sie sich noch weiter über den Tisch beugt, um mein Helft zu lesen. Ich schiebe es ihr hin.

    Eileen: "Danke geht schon, ich kann super Sachen auf dem Kopf lesen."

    Merle: "Damit es dort alles voll stinkt?"

    Eileen: "Ein anderer Schrank?"

    Sie verdreht langsam die Augen.

    Merle: "Dort wird es dann muffig."

    Eileen: "Keine Ahnung, wie man das draußen regelt."

    Ich: "Stuhl?"

    Merle: "Genau aber die meisten müssen ihre Stühle für Hausaufgaben frei halten, also passen da nur maximal zwei Stücke drauf und auch nur die, die nicht knittern, wenn man sich anlehnt. Also bliebt hier drin nur noch der Boden."

    Eileen: "Wieder was gelernt .. schreibt man das so."

    Sie hält Merle ihr heft hin, welche die Augen zusammen kneift.

    Merle: "Ähm .. ich weiß eigentlich gar nicht was da steht .."

    3
    Hausaufgaben ( Tag 8 Mittwoch Abends)

    Sie dreht das Heft zu mir und sehe mir ebenfalls das Heft an und stelle fest, dass Eileen wirklich eine fürchterliche Schrift hat. Außerdem sind überall lange Ausreißer zu sehen, wo ein Strich über das halbe Heft geht.

    Merle: "Was ist denn da passiert?"

    Eileen: "Wir beide waren uns manch mal nicht ganz einig wohin mit unseren Händen."

    Sie legt in einer schnellen Bewegung den Arm um mich und klopft dabei kumpelhaft auf meine Schulter.

    Merle: "Achso, die Sache mit den Handschellen?"

    Wir nicken.

    Ich: "Schuldigung, warum hast du nichts .."

    Eileen: ".. gesagt? Ich wollte dich nicht bei der Arbeit stören .. du hast einfach einen zu vertiefen Eindruck gemacht."

    Ich: "Das Wort ist übrigens richtig geschrieben."

    Ich schreibe weiter die Ergebnisse ab, während nur mal hier und wieder jemand etwas fragt. Nach einer Weile sehe ich auch die anderen über Gelände wuseln aber der kurze Versuch von Anny sich zu uns zu setzen, wird allein durch die Blicke der beiden Mädchen am Tisch jah unterbrochen.

    "Ist was?"

    Merle sieht mich besorgt an, weil ich nach dem vielen Schreiben wohl mal wieder mein Gesicht verzogen habe, da mir mal wieder meine Hand langsam anfängt weh zu tun.

    Ich: "Meine Hand tut mal wieder weg."

    Merle: "Vom Schreiben? Zeig mal .."

    Ich will gerade Merle meine Hand entgegenstrecken, als Eileen sich diese etwas unsanft schnapp und befühlt.

    Eileen: "Hm .. ja fühlt sich ziemlich verspannt an. Vor allem im Handgelenk .. wie war das noch .. es fuhr ein Kahn im Mondenschein .."

    Sie fühlt oder eher drückt dabei etwas unsicher auf meinem Handgelenk herum.

    " .. im Dreieckig um das Erbsenbein. Vieleck groß, Vieleck klein und der Kopf der muss .. ähm"

    Ich: "Am Hacken sein? Die Handknochen?"

    Eileen: "Genau .. und jetzt halt doch mal still .. also locker."

    Merle: "Du drückst viel zu feste."

    Sie beginnt mit sanfteren aber unbeholfenen Drehbewehgungen mit ihrem Fingerkuppen auf meinem Handgelenk aber lässt dann los und massiert es dann doch lieber mit ihrem Handballen.

    Merle: "Du kannst das nicht, gib mal her."

    Wiederwillig gibt sie meine Hand ab. Gleich spüre ich, dass Merles Finger viel wärmer sind und ihre Berührungen viel zarter.

    Merle: "Das macht man mit Gefühl nicht mit Wissen."

    Sanft knetet Merle meine Finger und massiert mein Handgelenk.

    Merle: "Und nie zwischendrin einfach loslassen, immer eine Hand in Kontakt halten."

    Genervt sieht und Eileen zu, während sie sich mein Heft schnappt un hastig so viel abschreibt wie sie kann.

    Merle: "Langsam, sonst kann ich gleich bei dir weiter machen."

    Eileen: "Geht mir eher um die Lichtverhältnisse."

    Ich sehe auf und merke, wie schnell es dunkel geworden ist. Doch als ich gerade meine Hand aus Merles Griff lösen will.

    'Pock', Der Tisch wird in ein warmes Orange getaucht.

    Peter: "Hier ich macht euch noch die Augen kaputt. Ich schätze ich kann davon ausgehen, dass hier gleich nichts in Flammen steht oder?"

    Eileen: "Ehrenwort."

    Peter hat eine altmodische Camping Sturmlampe auf den Tisch gestellt. Die rote Farbe blättert zwar schon ab aber das warme Licht der züngelnden Flamme macht das Arbeiten um einiges einfacher.

    Ich: "Au, Danke."

    Peter: "Wenn ihr so spät noch Hausaufgaben macht, kann man das doch nur unterstützen."

    Eileen: "Ich hoffe, das zieht keine Klamotten an."

    Peter: "Wie bitte?"

    Eileen: "Ich hoffe, das zieht keine Motten an."

    Peter: "Achso."

    Er verlässt und und Merle beschwert sich:

    "Nicht einfach die Hand wegziehen .."

    Sie massiert weiter meinen Arm.

    Ich: "Aber Sofa."

    Merle: "Als würde Peter was sagen .."

    Maria: "Ihr habt Licht? Darf ich zu euch .."

    Eileen: "Und da sind sie auch schon .."

    Maria: "Wer?"

    Eileen: "Motten .."

    Sie wedelt an der Laterne herum, obwohl da offensichtlich nicht ist.

    Merle: "Ja wenn du nicht störst .. sor und Fertig."

    Merle drückt noch einmal feste meinen Arm und lässt dann los. Ich schüttle meine Hand aus und sie fühlt sich sichtlich besser an.

    Merle: "Halt dein Handgelenk noch eine Weile in die Nähe der Lampe, es sollte jetzt kurz warm gehalten werden."

    Ich mache wie sie gesagt hat.

    Katrin: "Ja, das ist bei Verspannung das Wichtigste."

    Ich drehe mich um und zu meiner Überraschung sitzt Katrin auf einmal neben mir auf der Bank.

    Katrin: "Hast du auch immer Probleme bei langem Schreiben?"

    Ich nicke, worauf sie sofort weiter erzählt:

    "Irgendwann hab ich gelernt meine Hand selber zu massieren, das ist zwar nicht so gut aber man kann es dafür jederzeit machen."

    Merle: "Sich das selber zu machen ist aber nur die letzte Möglichkeit."

    Eileen: "Wie so? Wenn man das einmal drauf hat ist man unabhängig und das ist eine menge wehrt."

    Sie Schreibt ein letztes Wort zuende, schiebt ihr Heft in die Mitte, holt tief Luft und fängt dann an zu erklären:

    "Also ich hab mir das gestern mal genau angesehen und du machst immer wieder die selben Fehler."

    Ah, sie muss wohl mich meinen.

    "Das meiste müsste sich mit etwas Übung leicht ausmerzen lassen aber du musst eben täglich dran bleiben. Was mich aber viel eher interessiert ist, wie du trotz Nachhilfe von .. du scheißt schon wem .. solche Klopper drin haben kannst und ach, du hast ein Problem mit dem richtigen Einsatz von Zeiten."

    Katrin: "Noar .."

    Merle: "Findest du nicht, es ist schon ein bisschen zu Spät für sowas?"

    Eileen: "Kurz vor dem Schlafengehen lernt man am besten."

    Emily: "Ihr redet so kurz vor Schluss noch über Grammatik?"

    Emily und Bezy sind zu uns an den Tisch gekommen.

    Eileen: "Na von mir aus, aber Morgen hörst du dir gefälligst an, was ich zu sagen habe."

    Katrin: "Eh, mach mal Pause. Du weißt, dass dir das auf Dauer nicht bekommt."

    Katrin nimmt Eileen, ihren Ordner weg und schaut auch mich böse aber niedlich an, weil ich wieder angefangen habe zu schreiben.

    Ich: "Nur die paar Sätze noch, ist nur Abschreiben."

    Katrin Nickt und sagt:

    "Ok .. ah ihr habt die Lampe. Zeit für .. Geistergeschichte."

    Sie zieht die Lampe zu sich und stellt sich so, dass ihr Gesicht schaurig von unten beleuchtet wird und macht dabei klischeehafte Gruselbewegungen mit den Händen.

    Da es im Camp schon gut dunkel geworden ist, zuckt das Mädchen neben Katrin sogar kurz zusammen. Ich lehne mich zurück und sehe, dass es von der Körperhaltung her die Schüchterne sein müsste.

    Bezy: "Gruselgeschichten, wie alt seit ihr 12?"

    Katrin: "Ich bin keine 12 ich bin 13!"

    Sagt Katrin künstlich beleidigt, verschränkt die Arme und schmollt. Ich muss schmunzeln.

    Bezy: "Ne wir machen dass anders. Wir nehmen einen Stift, stellen den in die Mitte und wenn der Stift umfällt, muss derjenige, auf den der Stift Zeigt, von seinem ersten Mal erzählen aber ausführlich mit allen Details."

    Emily: "Und was ist, wenn jemand noch Jungfrau ist?"

    Bezy: "Dann eben das, was am nächsten dran war."

    Eileen: "Ich hatte eben seiner Hand in der Hand .."

    Sie deutet auf mich worauf fast alle lachen.

    Bezy: "Dann eben wie man es sich das erste mal selber gemacht hat."

    Eileen: "Ach da haben wir als Privatpatienten Zugriff auf eine gigantische Dildo Sammlung."

    Sie sagt das in einem so flachen Ton, dass ich schmunzeln muss und auch Merle findet den Witz scheinbar recht komisch aber Bezy findest das ausnahmsweise gar nicht komisch.

    Bezy: "Dann eben das sexuell peinlichste, was man erlebt hat. So uns jetzt los."

    Merle: "Nicht den."

    Bezy: "Was ist mit dem?"

    Merle: "Der rollt weg."

    Bezy: "Denn nehmen wir eben einen, der nicht wegrollt. Seid ihr denn überhaupt alle dabei?"

    4
    Wiedersehen ( Tag 8 Mittwoch Abend)

    Bezy: "Ist denn überhaupt jeder dabei? Nicht das am Ende wieder wer behauptet, er hätte gar nicht mit gemacht."

    Sie sieht uns an.

    [x]Nicken

    [o]Mich wegducken

    Ach von mir aus, ich hab ja eh noch kaum was in der Richtung erlebt. Es werden bei meinen kleinen Geschichten zwar alle bitter enttäuscht sein aber da kann ich ja nichts für. Also nicke ich und die anderen zu meiner Überraschung auch, sogar die Schüchterne, auch wenn ich mir nur schlecht vorstellen kann, wie sich viel zu leise und stotternd von ihrem ersten Mal erzählt.

    Bezy: "Du auch .."

    Eileen greift sich an den Ärmel und löst mit einem leisen klicken ihre rote Armbinde und schiebt diese unter eines der Hefte.

    "So in etwa?"

    Sie richtet einen meinen Stifte, einen dicken dreieckigen Bleistift, mit der Spitze nach oben auf der Tischplatte auf und hält die Spitze mit ihrem Zeigefinger.

    Bezy: "Genau und jetzt legt jeder seinen Finger drauf und auf 'Los' lassen alle gleichzeitig los."

    Sie legt ihren Finger auf Eileens und nach und nach legen alle ebenfalls ihre Finger auf den Stift.

    Eilee: "Aua, hört auf so ferste zu drücken, der Stift ist spitz."

    Als vorletztes legt die Schüchterne ihren Finger auf den Turm und als letzter Ich, wobei ich von ihrem glatt polierten Nagel beinahe abrutsche. Ich sehe zu ihr, wo rauf sie leicht rot wird und ganz schnell weg guckt.

    Gespannt sehen sich alle gegenseitig an. Die Campinglampe hüllt unsere Gesichter in ein flackerndes rot, während alle versuchen nicht vom Turm zu rutschen. Als ich mich gerade frage, ob die Atmosphäre nicht doch besser für einer Geistergeschichte wäre, brüllt Bezy plötzlich:

    "Los!"

    Wo rauf alle, teilweise übertreiben hektisch, die Finger von dem Stift nehmen. Viel zu schnell um Spannung aufkommen zu lassen, fällt der Stift eindeutig in Richtung Merle.

    Bezy: "Boar, das macht keinen Spaß, wenn der Stift nicht noch ein bisschen rollt. Nochmal oder?"

    Merle: "Warum?"

    Bezy: "Weil das bei dir irgend so ein Geheimnis ist?"

    Merle: "Wenn es keiner von euch weiter erzählt."

    Bezy: "Außerdem kennen schon fast alle hier die Geschichte."

    Merle: "Und, Regel ist Regel, kein Keifen. Hast du eben selber gesagt."

    Sagt sie kalt. Als ich mich gerade frage, was genau gemeint ist, stößt mich Katrin an und flüstert:

    "Super, die Geschichte ist klasse."

    Emily: "Also ich kenn die Geschichte noch nicht."

    Bezy: "Ok, wer ist noch dafür?"

    Fragt sie etwas genervt.

    [x]Mich melden

    [o]Mich zurückhalten

    Wenn ich das richtig abwäge, dann habe ich durch eine Meldung nur Vorteile. Ich muss selber nichts erzählen und Merle scheint nicht wirklich was dagegen zu haben, ihre Geschichte mit uns zu teilen. Allerdings könnte es auch ihr harter erduldender Wille sein. Als mich aber Katrin in die Seite knufft und schätzungsweise Eileens Fuß mich unter dem Tisch auch noch anstaubst, melde ich mich.

    Bezy: "Na gut aber ziehs nicht in die Länge wie einen alten Kaugummi, dann bekommen wir eventuell noch ne zweite Story hin."

    Sie lässt sich auf die Bank fallen, während Merle einmal kurz in alle Richtungen guckt.

    Emily: "Mach dir keine Sorgen, die anderen sind alle im Wohnzimmer und spielen irgendwas, die können uns nicht hören."

    Trotzdem beugt sich Merle näher zu uns in Richtung Lampe und fängt dann zu erzählen:

    "Es war eine stürmische Nacht, als die Zweige wie die Finger einer alten gebrechlichen Hexe gegen das kleine Fenster auf dem Dachboden trommelten .."

    Sie muss kurz kichern.

    "Keiner Spaß .. Ihr kennt das sicher, dass man so Verwandte hat, die man nur so alle zwei drei Jahre sieht und bei meiner Familie ist das halt noch mal extremer, weil wir halt über ganz Mitteleuropa verstreut leben. Also meine Tante und mein Onkel, also eine Tante und ein Onkel, hab ja recht viele, bei denen haben wir früher mal ziemlich in der Nähe gewohnt und die haben alt auch Kinder und mit denen hab ich mich immer super verstanden, wir haben also als Kinder immer zusammen gespielt und neulich .. naja .. ist jetzt auch schon was her .. da haben wir die in .. ähm."

    Eimly: "in?"

    Merle: "Halt da besucht wo die wohnen. Ich will jetzt auch nicht zu viel verraten, sagen wir .. ähm .."

    Eileen: "Ist das wichtig für die Geschichte? Wenn nicht, las das weg."

    Merle: "Auf jeden Fall waren wir bei denen und ich hab mich auch schon voll gefreut, weil das waren ja quasi mal richtig gute Freunde. Ich komm also da an, mit meinen Sachen. Weil wir wollten halt da übernachten, da am nächsten Tag eine größere Feier anstand, für die man nicht einfach mal kurz reinschaut und die haben eh ein ziemlich großes Haus."

    Emily: "Wou, son richtiges Anwesen?"

    Merle: "Ne, eher so einen ganz normales Haus aber mit zwei Stockwerken aber einem gigantischen Keller und einem riesigen Grundstück, wo dann auch die Feier sein sollte. Ich komm also an, Tante begrüßt, Onkel begrüßt alles ganz normal und halt das übliche 'Man bist du groß geworden'. Ich wunder mich halt, warum meine Cousinen gar nicht dabei waren, denk mir halt, dass die eben in der Schule sind oder so. Ähm .."

    Die Schüchterne zieht Merle am Ärmel und gibt ihr einen Zettel, den Merle kurz überfliegt.

    Merle: "Meine Cousinen waren zu der Zeit so 21 und gerade 18. Aber flüster mir die Fragen einfach ins Ohr, hier Zettel zu hinterlassen ist nicht so die beste Idee. Und alles was ich sage ist 'Burn after Reading' ok?"

    Alle nicken und sie erzählt weiter:

    "Ich geh also hoch in ihr Zimmer, um meine Sachen abzustellen. Ich kenn das Haus ja noch aus meiner Kindheit und seh die ältere Cousine dann in ihrem Zimmer. Alles halt voll mit so Edel Kram."

    Emily: "Aber du stehst doch selber auf so Zeug."

    Merle: "Ne nicht so vintage Zeug, eher so edel Designer Kram. Also so alles voll glatt und ohne Kanten. Was man so bei Neureichen findet aber in der Regel nicht im Kinderzimmer .. egal also .. ich frag mich noch, warum die nicht runter gekommen ist. Aber anstalle mich zu begrüßen, starrt die mich nur dumm an und als ich meine Tasche abstellen will meint die nur: 'Eh nicht dahin .. bla bla'. Keine Ahnung mehr warum aber irgendwas mit Teppich. Ich also beleidigt wieder raus."

    Bezy: "Warum hast du die nicht angepflaumt?"

    Merle: "Ich war ziemlich fertig von der Fahrt und man fängt ja auch nicht einfach zur Begrüßung Streit an. Ich also ins andere Zimmer, also von der jüngeren Cousine, die da aber schon voll mit .. ähm .. nennen wir sie meine erste Schwester .. zugange war."

    Katrin: "Merle hat noch zwei Schwestern, eine davon ist adoptiert."

    Flüstert Katrin mir zu aber Merle hat es ebenfalls gehört und entschuldigt sich:

    "Au, wie unhöflich. Also ich hab noch zwei Schwestern, eine davon ist eigentlich eine entfernte Cousine aber meine Eltern haben sie halt Adoptiert. Die meine ich, aber gerade nicht. Meine .. erste Schwester ist also gerade dabei mit meiner jüngeren Cousine zu reden und ich versteh mich mit meiner ersten Schwester nicht so gut .. auf der kulturellen Ebene."

    Katrin: "Hiphopperin."

    Flüstert Katrin mir ins Ohr, als würde das bereits Bände sprechen.

    Merle: "Sowas in der Richtung. Nicht, dass das was schlimmes wäre oder so, irgend einer Subkultur schließen sich alle Jugendlichen an und ich weiß, wie langweilig ist bin, weil ichs nicht tue aber bei ihr, also meiner Cousine, hätte ich eher drauf getippt, dass die Grundge wird..

    Katrin: "Wer wird den heute noch nachträglich Grunge?"

    Merle: "Bist du nicht Grunge?"

    Sie sieht mich an.

    Ich: "Nirvana oder? Ne eigentlich eher nicht .. aber ich mag die Musik."

    Bezy: "Weiter?"

    Merle: "Ok .. also zumindest hat sie mir noch anständig die Hand gegeben und mich meine Tasche bei sich abstellen lassen. Ich wollte jetzt auch nicht direkt zur nächsten Cousine .. weil das wäre ja schon etwas komisch gekommen, also war ich ne Weile bei denen. Ich versteh nur bis heute nicht, warum gemeinsam laute Musik hören als Gemeinschaftsaktivität gilt. Man versteht doch eh nichts .."

    Sie greift unter die Bank, um einen Schluck aus ihrer Flasche zu nehmen.

    Merle: "Nach einer Weile bin ich dann aber doch los aber eher um mir das Haus anzugucken, um zu sehen, was sich verändert hat und dabei bin ich dann auch meiner dritten Cousine über den Weg gelaufen. Die ist zwar jünger als ich aber ok, mit irgendwem muss ich ja abhängen um nicht mega komisch rüber zu kommen."

    Eileen: "Merles Familie hat so einen Außenwirkungskomplex."

    Merle: "Haben alle von der Größe. Und die konnte sich dann nicht mehr an mich erinnern. Also die Cousine, nicht meine Familie. Egal könnte das Alter sein, hab ich mir gedacht, etwas mit ihr gesprochen und mir von ihr das Haus zeigen lassen."

    Bezy: "Verfass doch gleich einen Roman."

    Da Bezy aber von allen anderen unwirsch angeguckt wird, legt sie sich gleich wieder mit den Armen auf die Tischplatte und seufzt.

    Merle: "War auch ganz nett aber schon hart, dass sie mich nicht mehr kennt. Aber dann bin ich noch meinem Cousin über den Weg gelaufen und der konnte sich dann aber an mich erinnern und war zumindest nicht so scheiße zu mir, wie meine angeblichen früheren Feindinnen. Dazu muss man sagen, dass ich mich, nach dem Schock mit meiner ersten Cousine, auf ihn fast schon am meisten gefreut habe, denn ich hab, oft mit ihm gespielt und sozusagen fast schon auf ihn aufgepasst .. hm .. wenn man das so sagen kann. Ich fand ihn damals immer voll niedlich, war so ne Art Kuscheltier für mich .. also damals."

    Eileen: "Warum hast du nicht einfach deine Cousinen ignoriert und hast was mit deiner anderen Schwester gemacht oder alleine? Das hab ich bis jetzt immer noch nicht verstanden."

    Merle: "Weil meine Eltern dann auf mich zugekommen wären und mir die Schuld daran gegeben hätten, dass ich mich nicht mit meinen Cousinen verstehen will. Die sind da komisch. Und ja ich hab dann einfach mit meinem Cousin, meiner dritten Cousine und meiner zweiten Schwester was gemacht."

    Ich: "Haben die alle keine Vornamen?"

    Merle: "Pah .. Vornamen sind was für den Pöbel."

    Bezy: "Das ist die vereinfachte Anny Version der Geschichte, das hat beim ersten Mal erzählen zwei Tage gedauert, bis die alles verstanden hatte. Erzähl weiter .."

    Merle: "Wo war ich, genau mein kleiner Cousin. Erst dachte ich, der hat halt mittlerweile so einen komischen Humor. Kennt ihr dass, wenn Kinder so Sexualbegriffe aufschnappen und die dann ständig benutzen, wenn gerade keine Erwachsenen in Hörweite sind?"

    Katrin: "Höhö, Tiddn .."

    Merle: "In etwa .. also hab ich ihm so gesagt, dass das nicht witzig ist aber langsam wurde mir dann klar, dass das halt kein dummer Kinderhumor ist, denn dafür war er dann doch zu alt und außerdem war das von der Art irgendwie anders .. ähm .. kennt ihr dass, wenn so früh pubertäre Jungs nur an Sex denken aber nicht wirklich, sondern an so eine komische Vorstellung davon?"

    Katrin: "Da hat das Internet wohl die Aufklärung übernommen."

    Merle: "Auch nicht, sondern .. ach .. so ne Mischung aus Hörensagen, halbherziger abgebrochener Aufklärung und Unsinn den einem Ältere erzählen um einen zu Veralbern."

    Ich: "Ich glaub ich weiß was du meinst, wenn die Eltern anfangen Fragen zu beantworten aber dann der Junge das bei jeder Gelegenheit laut rumbrüllt und die Eltern ab dem Punkt Panik bekommen, dass das in der Öffentlichkeit passieren könnte und ab da Punktum alle Aufklärung einstellen."

    Katrin: "Aber der Wissensdurst so groß ist, dass man sich ab da an von allen möglichen Leuten Unsinn erzählen lässt, denn man aber Aufsaugt wie die letzte Wahrheit?"

    Merle: "Genau!"

    Ich: "Ja das ist nervig."

    5
    Pyjama Party ( Tag 8 Mittwoch Abend)

    Merle: "Ja und dann kommt dieser eigentlich nette Junge von jedem Thema aus auf 'das Thema'. Da konnte man ja noch nicht mal in ruhe Playstation spielen. Wir haben so ne alte UrPlaystation aus dem Keller geholt und an den Fernseher angeschlossen, weil meine erste Cousine uns ja nicht mit ihrer neuen PS2 spielen lassen wollte. Und immer diese Sprüche .."

    Katrin: "Alles kla im BH .. Höhö .."

    Ich: "Hast du ihm nicht gesagt, dass das nervt."

    Merle: "Ja, brachte auch immer kurz was, da er das scheinbar noch leicht drin hatte, auf mich zu hören. Dann wurde er immer ruhig für eine Weile aber dann fing es wieder an. Wahrscheinlich hat er sich dabei einfach zu cool gefühlt oder sowas, er war nur dann fröhlich, wenn es über das Thema reden konnte. Ich hab ich dann auch mal alleine gefragt, als die anderen beiden Chips holen waren, was das soll, dass das nicht witzig ist und warum er immer diese widerlichen Sprüche los lässt."

    Emily: "Und?"

    Merle: "Da kam halt wieder einen Spruch: 'besser widerlich als wieder nicht'. Ich hab ihm dann natürlich sofort gesagt, dass er damit keine Freundin bekommt. Und das er sich damit auch bei den Jungs keine Freunde macht."

    Emily: "Und?"

    Merle: "Er meine nur, dass wenn er einmal eine Freundin bekommt, dass ihn dann alle Jungs und Mädchen bewundern. Natürlich hab ich dann auch die Eltern, also meine Tante und meinen Onkel, drauf angesprochen aber die meinten nur, dass sich das auswächst und er das vor anderen Leuten nicht macht, wenn er das zu Hause darf."

    Eileen: "Und du bist nicht 'andere Leute'?"

    Ich: "Nach dem Motto: 'Hauptsache man siehst nicht.' "

    Emily: "Hä, wenn du nicht da bist, wem drückt der dann die Sprüche?"

    Merle: "Meinen Cousinen."

    Emily: "Sind das nicht .. seine?"

    Merle: "Seine Schwestern? Ja, das ist da das komische und deswegen dachte ich ja auch erst, dass er das nur aus Spaß meint oder um seine großen Schwestern irgendwie zu ärgern, um sich gegen die zu behaupten oder so .. wie was das noch Eilee?"

    Eileen: "Boar, so spät noch Verhaltenspsychologie?"

    Sie hebt müde den Kopf und erklärt dann Tonlos:

    "Ich meine das war so, dass es da einen Effekt gibt, wenn man als Junge zu viele große Schwestern hat und die gleichzeitig in einer Art dominant sind, dass man sich dann entweder unterordnet und halt mehr oder weniger deren Kuscheltier wird oder dass man versucht sich körperlich oder verbal zu behaupten, was aber meist nicht geht, also greift man zur einer speziellen Form der sexuellen Gewalt. Das kann verbal sein, wie bei dir, oder auch Körperlich. Wenn dir deine große Schwester den Weg versperrt, macht sie Platz, wenn du versuchst ihr an die Titten zu fassen, auch wenn sie zwei Köpfe größer ist als du. Wenn dann noch die Eltern nicht eingreifen .."

    Bezy: "Jaja, weiter."

    Merle: "Das war aber halt nur verbal und noch nicht mal konkret, also so Stammtisch Unsinn. Aber ich hab dann weiter mit ihm geredet."

    Emily: "Warum redest du überhaupt mit ihm, geh doch einfach weg. Oder besser klatsch ihm jedesmal eine."

    Merle: "Kennst du den Spruch: 'Friends don't let Friends..' "

    Bezy: ".. use Internet Explorer?"

    Emily: "Hä?"

    Merle: "Was ich meine .. ich kann doch diesen niedlichen Jungen nicht im Stich lassen. Was ist denn, wenn der da nie wieder von runter kommt. Der hatte ja schon Probleme in der Klasse und kaum Freunde."

    Eileen: "Frag sich einer warum .."

    Merle: "Ich hab mich das eher weniger gefragt und gegen Abend hatte dann auch meine zweite Schwester keinen Bock mehr und hat sich zu den Basszombies in den ersten Stock verabschiedet."

    Katrin: "Basszombies gute Zombies."

    Merle: "Zombies triffts ganz gut .. aber als meine Schwester weg war, hat er dann erst recht angefangen Fragen zu gestellt. Die ich dann auch so gut wie möglich beantwortet habe, also meist mit logischen Gegenfragen. Denn am Ende bekommt er sowieso alles raus und besser anständig von mir als irgend einen schädlichen Quatsch. Aber langsam hab ich dann das Gefühl bekommen, dass er die Sachen gar nicht allgemein wissen will, sondern über mich. Leider hab ich das zu spät bemerkt und bin dann via Ausrede hoch zu den Zombies, die hatten die Musik leiser, schätze meine Tante hat denen was dazu gesagt. Ach genau, könnt ihr euch erklären, warum reiche einen auf Ghetto machen?"

    Katrin: "Verleugnung der eigenen Realität."

    Eileen: "Peer Pressure?"

    Emily: "Wie bitte?"

    Ich: "Gruppenzwang."

    Merle: "Egal, dann gabs Essen und es wurde besprochen, wer wo schläft. Und ich denk so: 'Ja, schlaf ich halt bei den Basszombies.' Und sag das auch so aber die Erwachsenen dann: 'Nein, dass geht nicht da ist ja kein Bett.' Ich so: 'Und? Schlaf ich halt auf dem Boden.' Dann haben die sich aber erst recht aufgeregt."

    Schüchterne: "Warum Boden schlafen ist doch toll .."

    Sagt sie ganz leise, worauf Merle antwortet:

    "Du kennst meine Familie nicht, für die ist das schon ein Weltuntergang, wenn man Kranwasser trinkt, weil man keine Lust hat Flaschen aus dem Keller zu holen. Ich dann so: 'Ja wo soll ich denn dann schlafen?'. Ja bei deinem Cousin im 2. Stock. Ich dann natürlich sofort sowas gesagt wie: 'Ich glaube dass das nicht so die gute Idee ist.'."

    Emily: "Warum hast du denen das nicht erzählt."

    Merle: "Hab ich nach dem Essen aber meine Tante meine nur so was wie: 'Ist doch toll, jetzt wo du wieder da bist ist er viel ruhiger und macht viel weniger dumme Witze.'

    Emily: "Wie viele dumme Witze macht er denn, wenn du nicht da bist?"

    Merle: "Das hab ich mich in dem Moment auch gefragt aber viel eher hab ich mich auf der einen Seite natürlich gefreut, dass ich einen positiven Einfluss hatte - auf der anderen hab ich mich natürlich auch gefühlt, wie so ein sinnvollen Werkzeug."

    Emily: "Voll vies und jetzt musstest du den die ganze Nacht aushalten?"

    Merle: "Wir dann also nach dem Essen .."

    Emily: "Ins Bett?"

    Merle: "Nein. Wir sind dann natürlich noch lange wach geblieben und haben exzessiv Playstation gespielt."

    Eileen: "Was denn darum? Ist ja ne Konsole oder?"

    Merle: "Bubble Fight Triologie -- irgendwas, da wo man zusammen Blasen abschießen muss, aus denen dann zwei Kleine kommen. Mach unglaublich Spaß zu Dritt, hab natürlich voll übertreiben und super viel Cola getrunken, damit ich so spät ins Bett kann wie möglich. Wir hatten auch noch ne Flasche Whisky dabei aber davon hab ich nur recht wenig getrunken."

    Bezy: "Besoffen machen die Kinderspiele auf der PS erst richtig Laune."

    Merle: "Aber dann müssen uns die Eltern natürlich den Spaß verderben und uns ins Bett schicken .. um 12 Uhr, damit wir am nächsten Tag um 11 Uhr fit sind. Naja, wir dann hoch und das Bad im ersten Stock natürlich besetzt, ich schnapp mir also meine Tasche, geh hoch in den zweiten Stock und mach mach da im Bad direkt bett fertig."

    Emily: "Und wo ist dein Cousin?"

    Merle: "Der stand dann ne Minute drauf in der Türe und hat mich mit großen Augen angeguckt."

    Emily: "Hattest du nichts an und hast du nicht gesagt?"

    Merle: "Ich hatte mein Nachthemd an und noch meine Zahnbrüste im Mund. Hab dann aber gesagt, dass man anklopft. Er meinte darauf nur: 'Boar geil'."

    Bezy: "Was ziehst du auch dein kurzes Negligee an, wenn du zu anderen auf Übernachtung gehst."

    Merle: "Das war mein ganz normaler Pyjama, der mit den Enten, den ich auch hier anhabe .. hab ihm dann aber gesagt, dass er machen soll dass er raus kommt. Hat er dann auch gemacht, ich dann aber hinterher, denn ich sollte ja in seinem Zimmer schlafen. Natürlich war das noch voll das Kinderzimmer, da standen noch Bagger und Kräne rum und vor allem die bunte Elefantentapete von früher war noch da."

    Ich muss grinsen.

    Ich: "Ja kenn ich, wenn Eltern es zu gut meinen und man die Tapete nicht rechtzeitig los wird. Ein Junge aus meiner Klasse hat uns, bei einem Besuch, mal ganz stolz seine Bundeswehrsachen und Softair in seinem Zimmer gezeigt wo noch Piratentapete an den Wänden war."

    Bezy: "Lustig, weiter."

    Merle: "Er mir also das untere Bett zugewiesen, er hatte ein Hochbett und hat früher in dem Zimmer zusammen mit seiner Schwester gelebt. Ich also da runter und konnte dank der Cola ja mal gar nicht schlafen .. ich hätte besser mehr Whisky trinken sollen."

    Hinter uns knackt ein Ast, wir drehen uns alle erschrocken um.

    Bezy: "Ach du, komm setzt dich zu uns."

    Manuell tritt aus dem Dunkel zu uns an die Lampe und auch der anderen Daniel und Anny setzten sich. Merle überlegt kurz fährt dann aber fort:

    "Dann knarzt halt über mir die Leiter des Bettes. Denk mir aber nichts dabei, kann ja sein, dass er mal raus muss aber als ich die Türe dann nicht höre wundere ich mich und denke, dass er wohl vor mir sitzen muss und mich beobachtet."

    Emily: "Hast du ihn nicht verscheucht?"

    Merle: "Ne, warum genau weiß ich auch nicht mehr genau. Ich war halt irgendwie hin und her gerissen, auf der einen Seite wusste ich halt, dass das mega seltsam ist auf der anderen Seite werde ich halt auch nicht oft bewundert."

    Katrin: "Und du warst betrunken .."

    Merle: "Das auch. Dann hat er irgendwie an meinem Beim rumgefummelt, keine Ahnung was das sollte. Ganz komisch noch nicht mal Oberschenkel oder so sondern irgendwie Schienbein durch die Hose. Dann hat er ganz vorsichtig versucht einen Knopf von meinem Oberteil aufzumachen, hat aber irgendwie nicht geschafft."

    Maria: "BH Verschlüsse sind aber auch schwierig."

    Merle: "Nein, nicht BH einfach einen ganz normalen Knopf an meinem Pyjama."

    Eileen: "Wie kann man das nicht schaffen?"

    Ich: "Wenn man aufgeregt ist?"

    Bezy: "Wenn das Oberteil ordentlich spannt."

    Merle: "Bei mir? Aber sowas hab ich mir im dem Moment auch gedacht und so getan, als würde ich mich im Schlaf auf die Seite drehen. Er hat sich dann kurz erschreckt und versteckt, dann aber noch einmal versucht aber immer noch nicht hinbekommen. Er ist dann wieder hoch zu sich ins Bett."

    Emily: "Und das ist das peinliche? Und wie hast du dich dabei gefühlt?"

    Merle: "Ne das peinlich kommt noch. Also ganz ehrlich .. ich hab mich merkwürdig gefühlt und ich war auch gut aufgeregt, mich hat davon ja noch niemals wer so angefasst. Aber als ich dann endlich gerade einschlafen will, höre ich von Oben halt so ein gerappelt. Ich hab mir natürlich gedacht, na toll, hab ich ja großartig hinbekommen, hoffentlich ist der da oben schnell fertig und lässt mich schlafen."

    Emily: "Was er er .."

    Bezy: ".. kommt gleich."

    Merle: "Aber dann wurde und wurde es da Oben nicht leiser. Genervt bin ich dann aufgestanden, hab mich auf so einen Hocker gestellt und mal nachgesehen, was da oben los ist und er hat sich da tatsächlich unter seiner Decke einen runter geholt oder zumindest versucht."

    Emily: "Wie kann man das denn nur versuchen?"

    Merle: "In dem man irgendwie mit drei Fingern von oben greift und dann dreht."

    Emily: "Eh .. hä?"

    Katrin: "Wenn es einem doch keiner zeigt?"

    Merle: "Ganz vertieft hat der mich auch erstmal gar nicht bemerkt also hab ich gefragt: 'Holst du dir gerade einen Runter?' Er hat sich natürlich sofort erschreckt."

    Emily: "Und dann?"

    Bezy: "Dass war doch jetzt das peinliche Erlebnis oder."

    Merle: "Schon aber die Geschichte geht eigentlich weiter."

    Bezy: "Andermal, jetzt erstmal wer anders."

    Victoria: "Worüber redet ihr .."

    Aus dem Schatten kommt eine dünne Gestalt in viel zu großen Klamotten angeschlichen und streckt sich erstmal.

    Maria: "Wir erzählen uns peinliche Sexgeschichten .."

    Victoria: "Aha."

    Maria: "Merle war gerade dran .."

    Auf einmal verzerrt sich Victorias Gesicht, die angewidert guckt, einen Schritt zurück macht und sagt:

    "Ehhhw .. nicht die Geschichte. Wie auch immer, ihr sollte bitte alle zur Therasse kommen."

    Bezy: "Noar .."

    Behäbig stehen alle nach einander auf und tappen im faden Licht der Laterne durch das fast schon dunkle Camp.

    Eileen: "Wart mal einen Moment."

    6
    Sie hasst mich ( Tag 8 Mittwoch Abend)

    Ich: "Warum."

    Ich drehe mich zu Eileen um, welche am Tisch stehen geblieben ist und unsere Schulsachen zusammen kramt.

    Ich: "Ups entschuldige bitte natürlich."

    Kaum etwas sehend taste ich nach meinen Stiften und stecke diese in meine Federmappe. Jedoch merke ich nach einer Weile, dass es gar nicht so dunkel ist und ich ohne Probleme meine von ihren Ordnern und Blättern unterscheiden kann. Und hat nur die ganze Zeit die Laterne geblendet.

    Eileen: "Also eine Sache interessiert mich dann doch."

    Fragt sie plötzlich, als sie einen Stapel Blätter auf den Tisch stockt und abheftet.

    Ich: "Hm?"

    Eileen: "Warum genau, hat dich Suzy gestern Abend aufgefordert meinen Schwanz zu lutschen?"

    Ich: "Woher weißt du das?"

    Eileen: "Ein Vöglein hat es mir gezwitschert."

    Ich gucke skeptisch, sie grinst und erklärt:

    "Das Vöglein heißt Lisa, sitzt oben auf der Geschlossenen und kennt mich weil ich selber lange dort war, deswegen hat es mich heute Morgen angerufen und mir das alles etwas sehr aufgeregt erzählt."

    Ich: "Wie angerufen."

    Eileen: "Auf dem Wartungstelefon im Heizungsraum vom Geisterhaus, wenn man bestimmte Nummern wählt, kann man hier umsonst kreuz und quer durchs gesamte Krankenhaus telefonieren. Aber erklär ich dir ein andermal. Nimm das mal mit zu dir ja, keine Lust da hoch zu laufen."

    Ich: "Ähm."

    Eileen: "Ich hab gestern auf deine Sachen aufgepasst und du passt heute auf meine auf ok? Aber wühl nicht drum rum wenn es geht."

    [x]Ja

    [o]Nein

    Ich nicke und schleppe einen ganzen Arm voll Schulsachen mit in den Bunker wo ich sie auf meinen Schreibtisch lege und dann wieder die Terrasse aufsuche. Auf dem Weg bin ich teilweise schon zu müde zum Denken. Am meisten denke ich noch kurz über Merles Geschichte nach und frage mich, wer wie viel für das kleine Unglück kann und komme zum provisorischen Schluss, dass die Schlussfolge wohl Cousin, Eltern und erst ganz am Ende Merle lauten sollte.

    Auf der Terrasse angekommen, wundere ich mich, da tatsächlich ein kleines Feuer in der Feuerstelle brennt. Es ist nicht groß und ohne die Kraft von zwei weiteren Campinglampen könnte man wohl zumindest nicht lesen, denn der Himmel ist immer noch leicht bläulich, auch wenn man schon ein paar Sterne sehen kann.

    Ich setze mich auf ein Poster neben Katrin und Victoria, von denen Victoria direkt ein kleines Stück wegrutsch. Ich weiß zwar nicht warum, bin aber zu müde, um mir darüber Gedanken zu machen.

    Mario: "Hab sie."

    Salfia: "Wou .."

    Bezy: "Echt? Klasse!"

    Mario kommt mir einer Gitarre aus dem Spieleraum, setzt sich auf den freien dicken Baumstumpf, legt ein Notenbuch vor sich auf den Boden und stimmt die Gitarre ein.

    Mario: "Ich weiß aber nicht, ob ich das alles noch so gut kenn."

    Katrin: "Gibs zu, du hast seit letztem Monat alles verlernt."

    Emily: "Was gibt es denn da?"

    Sie beut sich vor und liest die Titel der Lieder.

    Emily: "Cumbaja ma Lord .."

    Bezy: "Ne, eh .. das mussten wir in Musik immer singen."

    Emily: "Hm .. hm .. hm ..hm .. ist da nur langweiliges Zeug bei?"

    Mario beginnt unterdessen leise Cumbaja ma Lord zu singen, worauf einige wenig leise mit singen. Da ich nicht singen kann lasse ich es lieber. Kathrin und Viktoria singen zwar mit aber man hört sie kaum. Ich nutzte die Gelegenheit um ein wenig nachzudenken, aber komme zu keinem sinnvollen Gedanken und so schaue ich mir lieber die Sterne an, die langsam sichtbarer werden, auch wenn hin und wieder Wolken vorbei ziehen.

    Als Mario für Bruder Jakob die Gitarre neu stimmt, höre ich das Feuer knistern und spüre den abendlichen Sommerwind auf meiner Haut.

    Bezy: "Ha! Hier ist doch was!"

    Ruft Bezy laut:

    "She fucking hates me!"

    Mario: "Na wenn ihr wollt."

    Als ich mich noch frage, was dieses Lied in einem Notenbuch zwischen den ganzen langweiligen Lieder zu suchen hat, räuspert sich Mario auch schon und fangt mit seiner gesamten Stimmgewalt an zu singen, worauf fast alle mit einstimmen.

    Alle: "Met a girl - thought she was grand - Fell in love - found out first hand!"

    Als ich nicht auf Anhieb mit mache, stößt mir Katrin wütend ihren Ellbogen in die Seite und so hab ich wohl keine andere Wahl als auch mit zu singen. Nach einer Weile merkt man wie fach auf einmal alle sind und wie viel Spaß alle haben.

    Alle: "And she tore my feelings - like I had none!"

    Was vor allem daran liegen könnte, dass die meisten eher schreien als singen und sich deswegen keiner schämen muss, weil er schief singt.

    Alle: "She fuckin' hates me!"

    Nach dem Lied rufen zwar ein paar laut:

    "Zugabe."

    Aber Mario keucht und sagt:

    "Besser nicht, sonst ist morgen meine Stimme weg und es ist auch schon fast Zeit. Mit noch was ruhigem wäre ich aber einverstanden."

    Eileen: "Das eine langsame? Aber ich finds gerade nicht."

    Sie blättert auf den Knien in dem Notenbuch, da sie direkt neben Mario sitzt. Zugegeben hab ich bei dem Lied einen kleinen Moment an sie gedacht. Ich liebe sie und sie hasst mich quasi, also sie denkt dass ich sie liebe, was bis her ja auch passabel funktioniert hat. Eventuell sollte ich mir wirklich von ihn mal bei Englisch unter die Arme greifen lassen.

    Emily: "Wie heißt das Lied denn."

    Eileen: "Shes' killing me softly."

    Emily: "Das heißt einfach nur Killing me softly."

    Ich muss schlucken, schüttle aber dann den Gedanken aus meinem Kopf.

    Eileen: "Ah habs."

    Mario: "Ok, los."

    Als Mario die erste Strophe des Liedes anstimmt versuche ich so gut es geht mitzukommen und einige unliebsame Erinnerungen zu verdrängen. Aber als die Gitarren Melodie erstmal richtig sitzt und meine Lieblingsstellen kommen, packt mich dann doch die Erinnerung um so härter und ich sitze wieder in der großen Halle mit den dicken Holzbalken, dem großen Fenster auf dieser einen Klassen Fahrt und singe mit 'Ihr' dieses Lied.

    Damals hab ich sie die ganze Zeit über angesehen und dieses Lied wurde zu unserem Lied. Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich durch die ganze Halle nur sie angesehen habe, wie sich fröhlich singend zwischen ihren Freundinnen saß und auch nur mich angesehen hat. Mit ihren blauen Augen und in ihrem grünen Strickpully an diesem regnerischen Tag im Herbst.

    Aber zum Glück stößt mich Katrin mit ihrem Ellenbogen aus meinen Gedanken, es wird plötzlich wieder Sommer und die Augen des Mädchens auf der anderen Seite wieder braun und ihr Strickpully wird zu dem weißen viel zu großen Krankenhausshirt mit der roten Armbinde. Ich schüttele meinen Kopf und bin mir dieses mal absolut sicher, dass ich viel lieber hier bin als dort.

    Mutig singe ich trotzdem weiter, obwohl die Temperaturen von diesem Abend doch eine erholsame Abwechslung wären. Nach ein paar Strophen ist das Lieb auch schon zu Ende.

    Mario: "So das reicht aber für heute, sonst muss ich morgen alle Anweisungen per Megaphone geben."

    Die Campbewohner zerstreuen sich, einige sagen sich und mir noch gute Nacht.

    Victoria: "Was machen wir mit dem Feuer?"

    Peter: "Gießt einfach ne Flasche Wasser drüber."

    Victoria: "Och ne .."

    Peter: "Warum nicht?"

    Victoria: "Das macht doch die ganze Illusion kaputt, dass es ein richtiges Lagerfeuer war."

    Sie guckt traurig in die kleinen Flammen.

    Mario: "Wir können ja am Wochenende ein großeres machen."

    Peter: "Oder wir fangen schon Nachmittags an, dann es es bis zu Abend aus."

    Bezy: "Dann aber auch mit Würstchen am Stock."

    Peter: "Geht nicht aus hygienischen Gründen."

    Bezy: "Dann am Spieß .. ne Moment .. am Drahtkleiderbügel, die kann man ja spülen."

    Ich: "Wie auch immer, ich geh dann mal schlafen. Gute Nacht."

    Ich wünsche allen die noch da sind eine gute Nacht.

    Katrin: "Gute Nacht und war toll mit dir zu singen."

    Zu meiner Verwunderung greift sie dabei kurz meine Hand.

    Als ich mich umdrehe, sehe ich noch Merle im Schatten stehen, mache einen kurzen Umweg und sage:

    "Gute Nacht."

    Merle: "Ja .. ähm .. Schlaf gut und kein Wort wegen der Geschichte."

    Ich: "Welcher Geschichte, frage ich, als hätte ich bereits alles mit Absicht vergessen."

    Sie lacht herzlich:

    "Genau die richtige Einstellung."

    Ich schleppe mich in den Bunker ziehe mich unter der Decke um und ..

    .. mache schon wieder kein Auge zu. Ich bin erschöpf wie sonstwas aber schlafen kann ich mal wieder trotzdem nicht. Na großartig.

    Genervt lege ich mich auf den Rücken und sehe nach draußen zu den Sternen. Leider kann ich wegen des Gittern kein konkretes Sternzeichen ausmachen, da das Gitter immer mindestens einen wichtigen Stern verdeckt.

    Naja was solls, ich kenne die meisten Namen und Sternzeichen eh nicht. Gerade mal den Orion Gürtel finde ich gelegentlich mal wieder aber schon die Hunde, die da ja irgendwo in seiner nähe sein müssten bekomme ich meist schon wieder nicht lokalisiert.

    Als ich mich strecke und die Decke etwas wegschubse erinnere ich mich, dass er vor allem daran liegen könnte, dass ich mir als Kind immer fleißig eigene Sternzeichen ausgedacht habe, die mich heute teilweise noch verwirren.

    Wie schön wäre es eigentlich mal mit jemandem zusammen den Nachthimmel zu betrachten der Richtig Ahnung von Sternbildern hat. Ich sehe zu den anderen Jungen herüber, die aber alle schon zu schlafen scheinen.

    Ich bin mir zwar sicher, dass der andere Daniel so ziemlich alles wichtige an Sternzeichen kennt aber mit einem Jungen zusammen Sterne zu gucken, wäre schon hart seltsam. Also solange man nicht dabei durch ein Fernrohr guckt und sich auf einem Klemmbrett dazu wichtige Aufzeichnungen macht.

    Eigentlich hatte ich ja gehofft mit 'Ihr' mal nachts die Sterne zu beobachten aber daraus wurde leider nicht. Jetzt wo ich so darüber nachdenke, frage ich mich ehrlich, warum sie mich auch mit der Geschichte so hingehalten hat. Es wäre ja gar keine große Sache gewesen im Winter mal die Hefte für einen Moment bei Seite zu lagen und für eine Weile gemeinsam aus dem Fenster zu schauen.

    Ach verdammt, ich wollte ja eigentlich nicht mehr an sie denken. Es währe eventuell wirklich besser ihren Platz mit einem der Mädchen von hier zu füllen .. hm .. wem würde ich es denn am ehesten zutrauen die Sternzeichen zu kennen .. hm. Katrin könnte sie kennen .. bei Viktoria bin ich mir nicht sicher aber Merle müsste sie kennen, ob wohl ich bei ihr auch davon ausgehen könnte, dass sie die japanischen Sternzeichen kennt. Gibt es eigentlich japanische Sternzeichen oder nur Chinesische?

    Aus irgend einem Grund mache ich die Augen wieder auf und als ich erneut aus dem Fenster sehe, merke ich dass der Mond in mein Zimmer scheint. Och ne, ich muss eingeschlafen und wieder aufgewacht sein.

    Es gibt für mich nichts ärgerliches als das, jetzt kann ich doch erst recht nicht mehr einschlafen. Ich stecke mich, streiche meine Decke zurecht und gucke weiter aus dem Fenster. Der Mond ist zwar noch nicht ganz voll aber trotzdem stört er beim Sternegucken.

    Zu Glück schiebt sich nach einer Weile eine dicke schwarze Wolke vor den Mond. Apropros Wolke, es wäre keine schlechte Sache, wenn es demnächst auch mal regnen würde.

    Es ist zwar von der Themperatur her gerade noch erträglich aber trotzdem kleben meine Beine an der Bettdecke. Ich strecke mich erneut und höre ein Geräusch. Für eine Sekunde halte ich den Atem an aber es war sicher nur das Bett was geknartz hat.

    Ich zucke mit den Schultern rücke meine Bettdecke zurecht und sehe mir wieder die Baumwipfel an. Ich frage mich, warum die Grillen heute gar kein Konzert geben, eventuell haben die Tiere heute mal keine Paarungszeit oder wie ich einfach keinen Bock .. auf gar nichts.

    7
    Stupps ( Tag 8 Mittwoch Abend)

    Das Camp ist zwar schön und die Leute hier echt nett aber wenn mal was los ist dann richtig. Nicht so wie in meiner Klasse, wo schon ein böses Wort zu einem Drama biblisches Ausmaßes aufgeblasen wird aber was soll man machen, wenn einem langweilig ist. Manche Menschen scheinen einfach Probleme so nötig zu haben, wie die Luft zum Atmen.

    Nach einer Weile Wolken gucken beschließe ich, dass das auch für Suzy und ihren komischen Ausraster gelten muss. Jedes normale Mädchen hatte einfach nur gesagt: 'Ok, schade.'.

    Plötzlich bricht draußen ein Ast, ich richte mich im Bett auf.

    Hm .. wahrscheinlich eine Katze.

    Ne Moment, für eine Katze war das Knacken zu laut.

    Stille.

    Ich richte mich im Bett auf und schaue nach draußen, ich sehe den Ilex und die anderen Büche aber keine Katze. Kein Wunder diese sind ja bekanntermaßen nachts alle grau. Die Wolken geben den Mond frei, welcher gespenstische Schatten durch die Büsche wirft.

    Ein wenig gruselig wirkt das ganze schon und ich bekomme leichte Gänsehaut, also beschließe ich mich schnell wieder hin zu legen.

    Als ich mich gerade ins Bett fallen lasse und dabei erleichtert ausatme, raschelt es auf einmal Draußen vor dem Fenster. Um mich selbst zu beruhigen richte ich mich widerwillig auf und schaue nach draußen.

    Doch dieses mal hat sich eine besonders dicke dunkle Wolke vor den Mond geschoben. Es ist stock finster Draußen und alles besteht nur noch aus mehr oder weniger dichten Schatten. Ich blinzle und plötzlich regt sich der Schatten direkt vor meinem Fenster. Ich schrecke zurück und falle fast aus dem Bett, kann mich im letzten Moment aber noch halten.

    "Pssst!"

    Ich nähere mich langsam wieder dem Fenster und sehe, das der Schatten eindeutig menschliche Züge hat und in einer mir bekannten Stimme spricht. Auch wenn ich nicht genau weiß wer es sein könnte.

    Ich: "Alter! Du bist das, was machst hier?"

    Schatten: "Kann nicht schlafen .."

    Nuschelt der Schatten in sein schwarzes T-Shirt, welches er sich über die Nase gezogen hat, während er sich mir den Händen am Fensterrahmen festhält, auf welcher er seinen Kopf abgelegt hat.

    Ich kann immer noch nichts erkennen aber Katrins Stimme ist anders, denke ich zumindest.

    Ich: "Geschöpf der Nacht oder was?"

    Schatten: "Unfreiwillig."

    Hm, die Schüchterne.

    Ich: "Hast du den gar keine Angst?"

    Schatten: "Hm .. nö .. wovor denn? Das Camp ist doch hermetisch abgeriegelt."

    'Hermetisch'? Merle.

    Ich: "Und was machst du dann ausgerechnet bei mir?"

    Schatten: "Willst du mich nicht bei dir haben?"

    Fragt der Schatten beleidigt.

    Ich: "Ähm .. äh .. doch aber warum kommst du mitten in der Nach zu mir?"

    Schatten: "Du hast mir nicht gute Nacht gesagt."

    Ich: "Hab ich doch .. oder?"

    Die Wolken ziehen weiter und das Mondlicht fällt von hinten auf den Schatten. Die im silbernen Licht glänzenden Haarsträhnen verraten, dass es sich wohl um die Tabletten Version von Eileen handeln muss, die ich mittlerweile völlig vergessen habe.

    Beleidigt sehen mich ihren dunklen Augen durch das grüne Gitter hindurch an.

    Ich: "Ähm .. da muss ich dich wohl vergessen haben, ich geh ja nicht zu jedem einzeln noch einmal hin und .."

    Schatten: "Zu Merle bist du extra hingegangen."

    Ich: "Oh .. ähm .. die hab ich zufällig gesehen und nach dem sie .."

    Schatten: "Und mich etwa nicht?"

    Die Tabletten Version von dem sonst so kalten Mädchen, scheint das mit dem gute Nacht sagen wirklich ernst zu sein.

    Ich: "Es tut mir wirklich leid aber ich muss dich übersehen haben."

    Schatten: "Was hat sie denn?"

    Ich: "Wie was hat sie?"

    Schatten: "Du hast doch gesagt: '.. und nach dem sie..' Wie geht der Satz denn weiter?"

    Die übertrieben niedliche Version von Eileen ist zwar nicht so aggressiv wie das Original aber kein Stück weniger streit freudig, was aber zu dieser Urzeit nicht weniger anstrengen ist, denn mir fallen schon fast die Augen von alleine zu.

    Ich: "Sie hat uns doch die Geschichte erzählt, du warst dabei."

    Schatten: "Und das ist mehr wehrt als das was du mir heute morgen erzählt hast."

    Ich: "Hör mal, es tut mir echt leid, ich war müde und hab dich einfach übersehen. Aber du schläfst ja noch nicht, also kann ich dir ja immer noch gute Nacht sagen."

    Ich richte mich auf und gehe mit meinem Gesicht zum Gitter wo ich aus Gewohnheit meine Nase, durch das Gitter gegen Ihre, beweg sie ein paar mal nach recht und links, sage:

    "Nina, Nina, Nup .. schlaf gut und träum was schönes. Gute Nacht."

    Ich will mich gerade hinlegen und rum drehen da höre ich:

    "Ähhh .. was .. was war das?"

    Ich richte mich wieder auf, reibe mir müde ein Auge, sehe dass sie aus ihren T-Shirt heraus gekrochen ist und sage:

    "Nun, dass .. ähm .. keine Ahnung .. so sagt sich meine Familie eben gute Nacht."

    Der Schatten sieht mich mit großen Augen an, als könnte er gar nicht fassen, was gerade passiert ist.

    Schatten: "Ah .. au .. ok .. das .. ähm .. das mag ich. Machen wir das ab jetzt immer so? Aber ohne Gitter."

    Sie drückt ihre Stirn gegen das Gitter und kuschelt sich wieder in ihr T-Shirt.

    Ich: "Von mir aus. Ich kratze mich am Kopf und wische mir danach die Haare aus der Stirn."

    Schatten: "Ähm .. was ist das?"

    Der Schatten guckt auf das Buch, welches das Fenster offen hält.

    Ich: "Damit das Fenster nicht zufällt."

    Schatten: "Willst du es denn gar nicht lesen?"

    Ich: "Hab ich hier eh nie Zeit zu."

    Schatten: "Du hast es hier drin noch 'gar nicht' gelesen?"

    Ich nicke.

    Schatten: "Das ist aber schade, dann musst du dir mal Zeit nehmen, die Anderen einfach mal bei Seite schieben und dir Zeit für dich nehmen. Ich hab das Gefühl das tut dir nicht gut, wenn alle an dir rumreißen."

    Ich: "Ich denk drüber nach."

    Schatten: "Nicht denken, machen."

    Ich: "Ja ich machs."

    Schatten: "Versprochen?"

    Ich: "Versprochen."

    Schatten: "Ok, dann nehme ich solange das Buch und .."

    Ich: "Ne las mal, ich frag morgen Mario, ob er es gegen ein paar Socken eintauscht."

    Nicht dass Real Eileen noch mal wegen des Buches ausrastet.

    Schatten: "Dann tausche ich gegen zwei paar Socken."

    Ich: "Nein, ich meine dass ein paar Socken besser währen, das Fenster offen zu halten. Für deine Socken, bekommst du von jemand anderem sicher mehr."

    Schatten: "Achso meist du das. Aber wer würde denn meine getragenen Socken haben wollen?"

    Ich: "Erklär ich dir, wenn ich wach bin .."

    Schatten: "Ok, gute nacht .. träum schön."

    Ich lasse mich in mein Bett fallen und höre draußen nur noch das immer leiser werdende Rascheln und ein leises:

    "Autsch .. gemeiner Ast."

    8
    Morgenroutine ( Tag 9 Donnerstag Morgen)

    Mario: "Los aufstehen, fertig machen und auf zu neuen Taten."

    Mario reißt die Tür auf, worauf es in den anderen Betten sofort zu regen Bewegungen kommt. Nur ich drehe mich müde um und als ich sehe, wie unser Zimmer bereits voll mit orangenfarbenem Morgenlicht geflutet ist, frage ich mich, warum ich eigentlich erst immer dann wach werde, wenn Mario die Türe aufreißt. Eigentlich müsste ich doch locker von der Sonne geweckt werden, ich meine, Zuhause werde ich ja auch von jedem kleinen Lichtstark wach, welcher durch mein Rollo fällt.

    Domenick: "Als erster im Bad."

    Nayse: "Zweiter."

    Ich: "Och ne .. nicht schon wieder."

    Nuschle ich in meine Decke.

    Mario: "Ja, dass das bei euch ein Problem ist, hab ich bereits mitbekommen und auch schon eine Lösung dafür gefunden, Daniel reich mir mal bitte dein Logbuch."

    Mario war die Zeit über im Türrahmen stehen geblieben. Müde taste ich auf meinen Nachttisch nach meinen Logbuch und mache langsam die Augen auf. Als Mario ins Zimmer kommt, werden ihm zwei Logbücher hingehalten.

    Mario: "Ich meine Daniel .."

    Er guck auf mein Logbuch und ergänzt langsam:

    ".. Helmut? Bestimmt der Opa oder?"

    Ich Nicke.

    Mario: "Grüß ihn mal lieb von mir, wenn du ihr wieder siehst, ich hab auch einen Großonkel der so heißt."

    Nayse: "Hehe Helmut."

    Nayse der vor der Bandezimmertüre wartet grinst, worauf ihn Mario strafend ansieht.

    Ich: "Ist schon gut."

    Mario: "Darum geht es nicht, es geht um die Regeln."

    Ich: "Welche Regel?"

    Ich ziehe meinen Koffer unter dem Bett hervor und stöbere nach einer frischen Unterhose.

    Nayse: "Man darf Campbewohner nicht mit ihren peinlichen Zweitnamen anreden."

    Mario macht mit einem Kugelschreiber ein paar Notizen in mein Logbuch und gibt es mir zurück. Ich sehe auf der Seite 'Zimmerordnung' die Punkte 'Waschraum Pflicht' und 'Kofferausnahme' frisch angekreuzt.

    Ich: "Ähm?"

    Mario: "Damit es zwischen euch keinen unnötigen Streit gibt, wer sich im Bad fertig machen darf und wer in den Waschraum muss .."

    Ich: ".. muss ich immer automatisch dahin?"

    Da ich noch nicht ganz wach bin, klinge ich versehentlich etwas wehleidig.

    Mario: ".. sieh das nicht als Bestrafung an, du kommst nur mit den anderen am besten aus. Ach und die Kofferausnahme bedeutet."

    Ich: ".. das ich meinen Koffer nicht komplett in die Schränke quetschen muss. Klingt nach keinem guten Tausch."

    Ach mist, den Rest wollte ich eigentlich nur denken.

    Mario: "Da hast du recht, sag wenn dir was angemesseneres einfällt."

    [o]Nichts Sagen

    [x]Das Buch wiederhaben

    [o]Weltherrschaft

    Ich: "Also zum Anfang hätte ich gern mein Buch wieder, einen Socken müsste das Fenster auch aufhalten."

    Mario: "Erledige ich gleich für dich aber nun auf in den Waschraum, die erste Tür nach der Küche."

    Als er das Zimmer verlässt, habe ich mich zumindest etwas unter meiner Bettdecke umziehen können. In Boxershorts und einem zu großen schwarzen T-Shirt mit meiner Zahnbürste in der Hand und Klamotten auf dem Arm folge ich langsam Marions Wegbeschreibung, durch den Bunker.

    Das Shirt ist zwar gut lang aber trotzdem wäre es mir leicht unangenehm wenn jetzt eines der Mädchen um die Ecke käme aber zu meiner Überraschung ist noch keinen zu sehen.

    Was die anderen Jungs betrifft so kann ich mich ja ruhig vor denen umziehen. Hab ja die Shorts schon an .. aber Moment mal, dürfte das nicht einfach nur Manuell sein? Aber der hat doch ein Zimmer mit Bad.

    Leicht verwirrt aber in Eile drücke ich die Klinke zum Waschraum herunter und öffne die Türe. Ich sehe in einem ungewöhnlich großen gekachelten Raum. Der so gut wie leer erscheint, nur in der Mitte steht auf einmal eine einzelne Badewanne mitten im Raum, die dort etwas verloren wirkt. Weit hinter der Wanne stehen einige Spinte und vereinzelt liegen Waschlappen und Handtücher in der Gegend herum.

    Ich trete ein und sehe nach links gegen eine Wand und dann nach Rechts ..

    .. Plötzlich wird mir klar, wo all die Mädchen hin sind. Sie stehen so gut wie vollständig auf der Rechten Seite des Raumes vor einer langen Reihe Waschbecken und sehen mich einen Augenblick komisch an. Die Meisten tragen Schlafsachen und sehen fast so müde auch wie ich.

    Bezy: "Hey."

    Anny: "Was machst du hier?"

    Die Schüchterne: "Ahhh ..."

    Victoria: "Guck mich nicht an."

    [x]Die Augen zu machen

    [o]Weiter in ihre Richtung gucken

    Ich: "Ist ja schon gut. Ich soll mich hier Waschen."

    Ich ziehe das Logbuch aus der Hose, die ich über dem Arm trage und reiche es nach hinten.

    Victoria: "Das glauben wir dir auch so."

    Bezy: "Ach, du willst doch nur spannen."

    Sagen die beiden Stimmen, die zwar nicht bedrohlich klingen aber dem Klang nach müssten die Beiden mittlerweile direkt vor mir stehen.

    Die Schüchterne: "Und jetzt?"

    Ich: "Ähm .. "

    Victoria: "Wir können ja schlecht verlangen, dass er sich mit zuen Augen die Zähne putzt."

    Nicht das ich das nicht könnte aber ..

    Die Schüchterne: "Wie wäre es, wenn er sich einfach umdreht?"

    Bezy: "Jetzt mal Schreck bei Seite, was ist denn eigentlich so schlimm?"

    Victoria: "Ich bin nicht geschminkt."

    Emily: "Was so schlimm ist, ich hab Schlafsachen an."

    Bezy: "Und?"

    Emily: "Schlafsachen sind wie Unterwäsche."

    Schüchterne: ".. schlimmer als Unterwäsche."

    Bezy: "Warum?"

    Schüchterne: "Weil man darin Schläft!"

    Wou, geht das schüchterne Mädchen ab im Gegensatz zu Bezy scheint es den anderen ziemlich ernst zu sein. Wenn ich jetzt die Augen aufmache, bin ich wahrscheinlich ziemlich schnell ziemlich tot. Was hat sich Mario eigentlich gedacht, als er mich hier rein geschickt hat?

    Merle: "So schwer ist das doch nicht .."

    Ihre Stimme kommt näher

    ".. einfach ans letzte Waschbecken und rumdrehen."

    Schüchterne: "A .. a .. aber der Spiegel."

    Merle: "Handtuch drüber, Spiegel brauchen Jungs eh nicht."

    Jemand fasst mich bei den Schultern, dreht mich herum und stellt mich vor eines der Waschbecken, während neben mir jemand mit einem Handtuch rum wedelt, welches kurz mein Gesicht berührt.

    Merle: "Sorry."

    Schüchterne: "Das Waschbecken aber .."

    Bezy: "Augen auf. Auch warte noch, das Shirt hat sich verheddert, so .."

    Ich öffne meine Augen, nachdem mir Bezy kurz am Rücken rumfummelt und stehe seitlich an dem Waschbecken, welches am weitesten von den Mädchen entfernt liegt und nur ein paar Schnitt entfernt von der Türe.

    Ich Werfe meine Klamotten auf den hoffentlich sauberen gefleißten Boden und reibe mir erstmal die Augen. Es kann ja sein, dass das für einige eventuell eine 'Interessante' Situation ist aber ich könnte am frühen Morgen gut darauf verzichten. Ich lasse Wasser über meine Zahnbürste laufen und bemerke dass sich glücklicherweise sogar eine Tube Zahnpaster am Waschbecken liegt, versichtig überprüfe ich Konsistens und Ablaufdatum aber da alles ok zu sein scheint fange ich damit an mir die Zähne zu putzen, während die Mädchen im Hintergrund leise tuscheln.

    Pock.

    Jemand schlägt die Türe zum Waschraum auf.

    Eileen: "Morgen."

    Sie dreht sich auf dem Absatz oder eher auf ihren nackten Füßen in meine Richtung um und tritt vor mich an die andere Seite des Waschbeckens. Sie sieht extrem verschlafen aus, da sie nur blinzelt und ziemlich üble Ringe unter den Augen hat. Sie trägt ein viel zu großes Krankenhaus T-Shirt, das noch einmal eine Nummer größer ist als sonst und auch ein paar mehr nicht ganz rausgewaschne Blutflecken aufweißt. Zudem einen dünnen schwarzen Haarreifen, welcher zusammen mit ein paar war los verteilten kleinen Haargummis verhindert, dass ihr ihre fettigen Haare ins Gesicht fallen.

    Ich: "Morgen."

    Die zeigt mit einem Finger auf das Waschbecken und sagt tonlos aber deutlich:

    "Mein Waschbecken."

    Ich: "Also, das ist so .."

    Eileen: "Mir Egal."

    Sie kommt zu mir, packt mich an den Schultern, dreht mich gegen meinen Widerstand einfach um und schiebt mich in Richtung der Mädchen, die Promt aufschreien.

    Emily: "Ahh .."

    Merle: "Eilee nicht!"

    Bezy: "Hey warte mal."

    Eileen: "Achso, stimmt ja .. sorry Leute. Der Bereich Gehirn für den Geschlechterschieß, wird bei mir immer als letzter wach."

    Sie dreht mich wieder um. Klopf meine Schulter ab und sagt müde:

    "Eigentlich ist das Waschbecken ja groß genug für uns Beide. Oder?"

    Sie sieht zu dem verhangenen Spiegel, runzelt erst die Stirn und sagt dann:

    "Ach deswegen auch der Spiegel .. dachte schon jemand wäre gestorben oder so. Naja .."

    Sie zieht ein kleines Kästchen hervor, klappt es auf, worauf es sich als kleiner Spiegel enttuppt mit welchem sie ihre Augenringe begutachtet aber zu keinem klaren Ergebnis kommt und diesen deswegen auf die Waschbeckenablage stellt. Sogar auf meine Seite mit dem Spiegel zu mir, als würde sie ihn mir auch anbieten.

    Ich nicke freundlich.

    Sie lässt Wasser über ihre zerfranste Zahnbürste laufen, nimmt sich dann ein wenig Zahnpaster und fragt:

    "Hast du von meiner Zahnpaster genommen?"

    [x]Ja

    [o]Nein

    Ich: "Wusste nicht, dass das deine ist."

    Sie zuckt mit den Schultern und antwortet mit der Bürste noch im Mund.

    "Pfon ok, wenn ich auch mal was von deiner Pafta haben darf."

    Ich nicke.

    9
    Müdigkeit ( Tag 9 Donnerstag Morgen)

    Wir putzen uns eine Weile wortlos die Zähne. Nur guckt sie immer wieder über meine Schulter und kneift dabei die Augen zusammen. Ich frage mich gerade, warum sie das macht, als ich merke, dass sich in meinem Mund auf einmal der süßliche Geschmack von Blut breitmacht. Verdammt, da muss mein Zahnfleisch schon wieder aufgegeben haben.

    Was mach ich denn jetzt, ich kann ja nicht einfach ..

    Eileen: "Allepf in Ordnung?"

    Sie sieht mich eine Weile an.

    Eileen: "Lopf spruckpf aupf."

    Ich muss kurz grinsen aber realisiere dann, dass ich eben gar nicht bedacht habe, dass ich ja am Ende die ekelige Suppe vor ihren Augen ausspucken muss.

    Eileen: "Wapf lospf .. ipft dir dapf peinlich?

    Ich bin wie erstarrt.

    Eileen: "Eh komm ja nipft auf die Idee dapf runterzuschlucken, dapf ipft mega ungesund."

    [o]Runterschlucken

    [x]Ausspucken

    Ach was solls.

    Ich Spucke meine leicht blutige Suppe ins Waschbecken und möchte direkt vor Scham sterben.

    Eileen: "Pueck .. eh .. schon wieder zu viel Zahncreme genommen."

    Sie spuckt ebenfalls den Inhalt ihres Mundes ins Waschbecken und der ist ..

    .. richtig blutig.

    Eileen: "Als würde das bei mit anders aussehen."

    Ich schnelle sofort hoch und sehe, wie sie verträumt noch eine Weile die Brühe im Becken beobachtet, bevor sie den Wasserhahn aufdreht und sich Wasser ins Gesicht kippt. Aus Reflex mache ich das gleiche.

    Ein großer Fehler, das Wasser ist so kalt, dass ich mich spontan erschrecke.

    Eileen: "Gewöhnt man sich dran .. noch was?"

    Fragt sie leise.

    Ich: "Ähm wie meist du?"

    Eileen: "Ob du noch was waschen willst? Kopf, Füße, Oderkörper?"

    [o] Kopf

    [o] Füße

    [o] Oberkörper

    [x]Nichts

    Allein die Vorstellung von letztem ist in dieser Situation völlig absurd. Obwohl das mit den Füßen käme sicher lustig. Ich schüttle aber trotzdem den Kopf.

    Eileen: "Gut, dann .. wolltest du dich nicht umziehen?"

    Sie deutet auf die Klamotten auf dem Boden. Worauf ich meine meine Hose schnappe und diese einfach über meine Boxershorts und mein zu großes T-Shirt ziehe.

    Eileen: "Was mit dem T-Shirt?"

    Fragt sie verschlafen.

    Ich: "Das reicht so, ich schwitze ja eh beim Spaziergang, kein Grund ein frisches Shirt zu verschwenden."

    "hm .."

    Bekomme ich als Antwort, als sie sich einfach nur eine alte schwarze Sportshorts über .. was auch immer sie drunter trägt .. und ihr riesiges weißes Shirt zeiht. Letzteres ist so lang, dass es sogar noch teilweise unten aus der Sportshorts herausguckt. Sie zieht es aber gleich wieder aus der Hose heraus, nur um dann wie eine Schildkröte in ihrem riesigen T-Shirt zu verschwinden, um sich quasi in ihren Schalfshirt umzuziehen.

    Fasziniert schaue ich zu, einen Moment später kommt sie wieder hervor und zieht sich ihr Schlafshirt über den Kopf, nur um drunter ein etwas weniger großes weißes Krankenhaus Shirt zu tragen. Geschätzte XXL anstelle von 4XL.

    Als ich mir dieses Kunststück so ansehe, berührt mich plötzlich etwas von hinten.

    Bezy: "So sind fertig, kannst dich dann rumdrehen .."

    Victoria: "Nein, noch nicht!"

    Wenn Bezy das sagt, ist mir eigentlich klar, dass ich mich besser nicht umdrehen sollte. Also packe ich einfach immer noch etwas verschlafen meine Sachen zusammen und warte bis mir etwas adäquates einfällt, wie ich möglichst friedlich aus dem Waschzimmer verschwinden kann.

    Zu meiner Überraschung aber sieht mich Eileen mit einem ziemlich sauren Gesichtsausdruck an, eventuell wird sie ja langsam wach, worauf ja ihren übliche Art wieder zum Vorschein kommen dürfte.

    Ich: "Stimmt was nicht?"

    Ich bekomme zwar keine Antwort aber sobald Bezy aus der Tür ist, ändert sich ihn Gesichtsausdruck wieder und sie fragt gähnen:

    "Fertig?"

    Ich nicke, worauf sie das Handtuch vom Spiegel nimmt, es mir übers Gesicht hänge und mich an den Schultern aus dem Waschraum schiebt. Als wir uns gerade erst auf einem der Sofas platziert haben, wo einige der anderen schon auf uns gewartet haben, hallt Marios Stimme durch den Bunker:

    "Warum denn diese Verzögerung? Nun auf auf, Morgenspaziergang!"

    Kaum erreicht er aber das Wohnzimmer da platzen auch schon Victoria, die Schüchterne, Anny und Merle hinter ihm aus dem Waschraum und umringen ihn.

    Victoria: "Seit wann dürfen Jungs mit in den Waschraum?"

    Die Schüchterne: "Ja, warum müssen wir uns zusammen mit Jungs umziehen, wo wir auf der anderen Seite nicht mal Händchenhalten dürfen?"

    Anny: "Das ist so unlogisch!"

    Victoria: "Ist übrigens nichts gegen dich persönlich."

    Sie dreht sich kurz zu mir um, fährt dann aber fort:

    "Demnächst sollen wir noch zusammen mit den Jungs duschen oder wie?"

    Noch eine Weile hageln Argumente und Horror Szenarien auf Mario ein, als sich Katrin neben mich aufs Sofa fallen lässt. Wobei ich mal wieder keine Idee habe, wie sie hier her gekommen ist.

    Katrin: "Was los?"

    Ich: "Ähm .. ich soll mich jetzt immer im Waschraum waschen."

    Katrin: "Alsoo .. dachte wäre was schlimmes."

    Merle: "Ist nur schlimm, wenn man nicht drauf vorbereitet ist."

    Merle hat sich uns gegenüber gesetzt und richtet noch ein wenig den braunen Haarreifen, welcher ihre fast gleichfarbigen Haare hinten hält.

    Katrin: "Also was wirklich schlimmes, waschen im Waschraum ist wirklich scheiße."

    Merle: "Das war aber nur, weil die Zappelkinder damals immer alles durch die Gegen geworfen haben. Aktuell geht es eigentlich .. naja bis gerade eben."

    Katrin: "Ich bin trotzdem froh, dass ich mein eigenes Bad habe. Außerdem steht in der Campordnung steht, dass man sich im Waschraum nur Hände, Arme und Gesicht zu waschen und Zähne zu putzen hat."

    Wie auf ein Stichwort, wiederholt Mario ein paar Meter den Gang rauf vor dem Waschraum fas das gleiche:

    "Das ist ein gemischter Waschraum und nur zum waschen und zähneputzen gedacht, davon, dass ihr euch da umziehen und schminken sollt, war nie die rede."

    Katrin flüstert mir leise zu:

    "Schminken sollt ihr euch eh nicht."

    Mario: "Und schminken ist für eure Therapie hier auch nicht unbedingt nötig."

    Katrin: "Mist, normalerweise benutzt er einen anderen Satz."

    Sie lehnt sich in ihren üblichen schwarzen Sachen zurück ins Sofa und ich bekomme langsam die Ahnung, dass Mario dieses Gespräch regelmäßig führt.

    Mario: "Wenn es weiteren Gesprächsbedarf gibt, dann könnt ihr gern ein Gruppengespräch anstoßen .. bis zum nächsten Morgen ist ja noch ein wenig Zeit. Jetzt aber auf auf zum Drachenfelsen."

    Undöniges Gestöhne geht durch den Pulk um Mario welcher sich behäbig zum Bunkerausgang bewegt.

    Auch wir erheben uns und folgen Mario aus dem Bunker, wo Peter auf uns wartet, kurz abzählt und dann wie immer das Schlusslicht bildet.

    Müde verlassen wir den Bunker, als mich Katrin mit dem Ellenbogen anstößt.

    Katrin: "Und die haben sich da wirklich vor dir umgezogen? Ich meine, die sind ja alle kurz drauf in Klamotten aus dem Waschraum gekommen."

    Ich: "Ich stand mit dem Rücken zu denen .."

    Katrin: "Nicht mal kurz rumgedreht?"

    Eileen: "Nö, ist super diszipliniert, nicht mal den Spiegel wollte er haben."

    Wir verlassen das Campgelände und schlagen den Weg nach oben ein.

    Katrin: "Hö, Spiegel."

    Ich: "Spiegel?"

    Katrin: "Ach stimmt, das weißt du ja alles gar nicht .. also .."

    Sie holt kurz Luft und erklärt dann in einem recht lustigen Ton:

    "Die haben das gleiche Theater, das die gerade bei dir machen, auch bei mir gemacht .. als die erfahren haben, dass ich Lesbisch bin."

    Ich: "Du .. ähm .."

    Was zum? Also das .. aber Zeit zum nachdenken habe ich nicht.

    Katrin: "Naja, eigentlich Bi-Sexuell. Aber ich mag das Wort Bi nicht .. Also die haben sich dann alle voll angestellt und deswegen .."

    Eileen: ".. hab 'ich immer 'meinen Schminckspiegel so aufgestellt, das Katrin trotzdem gucken konnte."

    Katrin: "Genau .. Ha ha .."

    Sie zuckt mit den Schultern und schließt die Augen.

    Katrin: "Hat mir zwar nichts gebracht, weil die eh alle hässlich sind aber .."

    Eileen: ".. der Trotz ist stark in dir jünger Schüler."

    Katrin: "Dafür bin ich leicht genug, dass mich der Ast hält, von dem man aus in den Waschraum gucken kann. Na, wer ist jetzt der Meister?"

    Ich bin mir zwar nicht ganz sicher, wie erst die beiden das meinen aber ich lache einfach mal, weil Katrin das so platt rüber bringt.

    Katrin: "Warum hast du eigentlich den Spiegel nicht benutzt?"

    Ich: "Ähm .. ich finde das wäre gemein gewesen."

    Mist falsche Antwort, ich wusste doch gar nicht, das der Spiegel dafür war. Ich meine wie soll ich den bitte auf die Idee kommen, dass mir ausgerechnet das Mädchen, welches ein Liebesgeständnis quasi aus mir rausprügelt, einen Spiel hinstellt, damit ich andere Mädchen beim Umziehen beobachten kann?

    Katrin: "Au ein richtiger Gutmensch?"

    Ich: "Wenn du sol willst dann .."

    Katrin: "Ich mag keine Gutmenschen, so ein überkorrektes Verhalten ist gruselig."

    Eileen: "Warum? Ist doch ok."

    Katrin: "Nein, ist es nicht! Menschen die nach außen überkorrekt sind, haben meist was zu verbergen, ich mag Leute, die ihre Macken offen nach außen kehren. Deswegen mag ich auch die Stachelschwein Version von dir sehr viel lieber als diese dämliche 'Campassistenz'."

    Sie setzt wütende Anführungszeichen um das Wort Assistenz.

    Katrin: "Und du .."

    Sie deutet auf mich.

    ".. du kommst aus dem Internet, du musst pervers sein. Alles andere glaube ich dir nicht, außer da ist was besonderes los mit dir."

    Sie schnaubt:

    "Wie auch immer, ich wollt eh noch was mit Peter besprechen."

    Sie bleibt auf der Stelle stehen rümpft die Nase und lässt sich so nach hinten fallen. Ich bleibe selber einen kurzen Augenblick stehen, werde aber dann von Eileen angestoßen die flüstert:

    "Los, weiter .. Katrin brauch mal für einen Moment ihre Ruhe."

    10
    Freunde ( Tag 9 Donnerstag Morgen)

    Kurz sehe ich Katrin noch nach, während mich Eileen am Ärmel fest hält und leise gähnt:

    "Sie ist leider nicht so gut drauf, wenn sie schlecht geschlafen hat."

    Ich: "Also das Gegenteil von dir?"

    Eileen: "Wieso?"

    Fragt sie immer noch etwas verschlafen und bemerkt glücklicherweise nicht, das sie das auch gut als Beleidigung hätte auffassen können. Schnell wechsele ich das Thema.

    Ich: "Aber Katrin war eben doch noch .. hatte das jetzt einen Grund oder so?"

    Eileen: "Nun, sie wird wohl den Braten gerochen haben, sie ist ja nicht dumm."

    Ich: "Braten .. welchen Braten?"

    Eileen: "Ja unseren Braten .."

    Sagt sie in einem leicht ungeduldigen Ton, als hätte ich längt verstanden haben müssen, was sie meint. Dabei legt sie einen Schritt zu und erhöht das Tempo. Genervt will ich einfach mein Tempo bei behalten als sie mich anzischt:

    "Los, leg einen Zahn zu."

    Ich: "Warum?"

    Eileen: "Weil ich das immer mache und wenn ich das Heute nicht tue, sondern weiter ganz ruhig neben dir hergehe, können wir unser kleines Problem gleich auf einem Banner vor uns hertragen. Außerdem werde ich dabei wach und im wachen Zustand fällt mir sicher eine Lösung ein also los."

    Als ich gerade anfange ihre Meinung zu teilen, blicke ich zuversichtlich gerade aus und sehe, dass es genau jetzt Berg auf geht. Ich hole tief Luft und beschließe mein Bestes zu gehen.

    Sichtlich ist das Mädchen zu meiner rechten sehr viel ausdauernder als ich, denn trotz Steigung und Tempo erklärt sie:

    "Was ich meine ist einfach, das Katrin jetzt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weiß, dass zwischen uns was ist. Sie können wir also abhacken .."

    Sie zieht im gehen ihr Logbuch aus ihrer Hose und macht auf einer Seite mit den Namen aller Campbewohner mit ihrem Fingernagel ein Zeichen hinter Katharina K., leider packt sie das Logbuch zu schnell wieder weg, als das ich weitere Namen lesen könnte.

    Ich: "Wie kommst du drauf?"

    Eileen: "Na, wie erkläre ich das am besten, ohne zu Illoyal zu sein? Katrin hat ein bestimmtes Bild von Menschen .. es ist ein eher negatives Bild. Und du bist ihr für einen Jungen viel zu zurückhaltend. Nach ihrer Theorie bist du entweder frisch verliebt oder als Kind schwer missbraucht worden."

    Ich: "Ähm .. Nein?"

    Huste ich, teils aus sich anbahnender Erschöpfung, teils aus Schreck, dass Katrin sowas in betracht zieht.

    Eileen: "Wie auch immer. Bei ihr brauchen wir uns aber eigentlich keine Mühe geben mit der Vertuschung, sie ist einfach zu intelligent. Gleiches gilt übrigens für Merle. Bei Rest müssen wir vorsichtig sein, die sind zwar nicht so schlau aber dafür verdammt neugierig, also erstmal Füße stillhalten, bis mir was einfällt."

    Ich: "Warum eigentlich? Was passiert denn, wenn die das spitz bekommen?"

    Wenn ich meinen ursprünglichen Plan noch mal bedenke, dann sollten eigentlich eher so viele Mädchen wie möglich wissen, dass ich Eileen mag, damit diese mich möglichst in Ruhe lassen.

    Eileen: "Wenn du auslöffeln willst, was in der hiesigen Gerüchteküchen so überkocht, Bitte. Aber denkt dran, dass du mich da mit rein ziehst, ob du willst oder nicht und das hab ich gar nicht gerne."

    Durch das hohe Tempo Bergauf, ist sie wohl jetzt langsam wach geworden und sagt, dieses durchaus beeindruckende Wortspiel, das in ihrem üblichen recht aggressiven Ton, fährt aber etwas ruhiger und neutraler fort:

    "Es gibt eben einen riesen Ärger, weil die Mädchen .."

    Sie nicht in Richtung Anny, Bezy und Co. welche vor uns den Berg hochgehen.

    ".. dann Mario und Peter unter Druck setzten uns bei jeder Gelegenheit zu trennen. Wobei Mario zu Anfang schon ziemlich versucht und aus einander zu halten .. aber eher deswegen, weil er mich für schlechten Umgang hält. Seit ich mich allerdings als Motivationsfaktor betätige, toleriert er es zumindest. Was den Rest angeht, so hab ich noch nichts ausgerechnet .. aber die Kräfteverhältnisse wirft das komplett aus der Bahn."

    Ich: "Du berechnest die Kräfteverhältnisse im Camp?"

    Eileen: "Du nicht?"

    Ich schüttele hustend den Kopf, da die Steigung doch schon gut schlaucht. Sie jedoch ignoriert mein Husten völlig und fragt platt:

    "Deine Meinung dazu?"

    Ich: "Ja .. wir sollten uns den meisten gegenüber so unauffällig wie möglich verhalten aber .. ich finde nicht .. dass wir Katrin und Merle anlügen sollten, das sind ja schließlich unsere Freunde."

    Plötzlich bleibt Eileen stehen und wiederholt leise und tonlos:

    ".. unsere Freunde?"

    Ich dreh mich zu ihr um und sage:

    "Nicht?"

    Sie sieht mich für einen Moment mit großen Augen an, räuspert sich dann aber und nimmt wieder Tempo auf.

    Eileen: "Das ist die Idee."

    Ich: "Ähm .. was genau ist welche Idee?"

    Eileen: "Freunde."

    Ich: "ähm .. ja?"

    Eileen: "Jetzt tu doch nicht so Begriffsstutzig du Bastard .."

    Sagt sie in einem freudigen Ton und fährt fort:

    "Wir verdecken unser Problem einfach mit der Decke der Freundschaft, dann können wir weiter aufeinander rumhängen, ohne dass jemand Verdacht schöpft. Wir müssen nur auf Kumpel tun .. und unsere Problem sind erledigt."

    Ich: "Auf Kumpel tun?"

    Eileen: "Noar, jetzt sei doch nicht immer so Begriffsstutzig. Einfach gegenseitig mal bisschen Knuffen .."

    Sie schubst mich leicht mit dem Ellenbogen.

    ".. mal einen kleinen Spruch drücken und wenn eine von den Mädchen um die Ecke kommt, reden wir über Doom. Die Beiden sind übrigens das beste Beispiel."

    Sie deutet wieder in Richtung von Bezy und Anny. Welche sich wiedermal über irgendwas streiten und etwas kloppen, bis Mario von noch weiter oben verbal eingreift. Als er wieder weg sieht, kitzelt Anny Bezy, welche gleich versucht zurück zu kitzeln.

    "Naja Kitzlern jetzt nicht, würde eh zwar eh nicht funktionieren weil ich nicht kitzelig bin aber du verstehst was ich meine oder? Eben die männliche Form davon. Also regelmäßig über Sachen streiten, den anderen bei Spielen nicht gewinnen lassen und ganz wichtig .."

    Sie macht eine bedeutungsvolle Pause.

    ".. du musst mich mit 'Alter' anderen. Also nicht: 'Das hast du aber Recht oder sas hast du aber toll gemacht Schatz.' - Sondern: 'Was soll der Scheiß Alter?'. "

    Ist das diese Friedzone von der alle sprechen? Oder hat dieses Mädchen noch stärker einen an der Waffel als ich das ohnehin schon vermutet hatte? Egal, ich hab ja nicht umsonst aufgehört mich zu fragen, warum sie was macht.

    Ich: "Wenn du meist dass das hilft .. von mir aus."

    Eileen: "Nein!"

    Sagt sie scharf. Und korrigiert mich dann:

    " 'Wenn du meinst dass das hilft Alter.' "

    Ich: "Wenn du meist dass das hilft Alter."

    Sie nickt zu frieden und sagt dann:

    "Wer als Letzter beim Drachenfelsen ist .."

    Sagt sie und läuft los.

    [x]Mit laufen

    [o]Stehen bleiben

    Ich versuche so gut wie möglich mitzuhalten aber leider keine Chance. Erst knapp eine gnaze Minute später komme ich auf dem Drachenfelsen an, wo aber trotz allem nur die Vorhut, bestehend aus Mario, Victoria und der Schüchternen steht. Denn zumindest Bezy, Anny und Co. konnte ich überholen.

    Keuchend setzt ich mich an den Stein auf dem Eileen sitzt.

    Eileen: "Keine schlechte Leistung Alter. Aber nimm die Arme hoch, dann bekommst du besser Luft. Und Rücken gerade."

    Sie klopft mir auf die Schulter, während ich meine Arme über den Kopf lege und meinen Rücken durch drücke. Für einen Moment bin ich einfach nur kaputt. Erst als ich Annys Stimme höre nehme ich meine Umwelt wieder richtig war.

    "Ahh .. da wo der roten Balken ist, ist gar keine Zahl, wie soll ich das denn ablesen? Soll ich das raten?"

    Mario: "Da ist aber jeweils eine Zahl drüber und eine Zahl drunter, was liegt da in der Mitte?"

    Anny: "Ahh .. es gibt so viele Zahlen zwischen 10 und 5."

    Wortlos stellt Eileen an ihrer Uhr herum als sich Mario überraschend zu und umdreht und fragt:

    "Konntet ihr Beiden soweit alles klären?"

    Ich bin ziemlich überrascht und noch überraschter bin ich als Eileen knapp antwortet:

    "Fast, ist eben kompliziert, wir bräuchten ein bisschen Recherche Arbeit, um allen genau zu wissen."

    Mario: "So genau muss es nicht sein."

    Er dreht sich wieder um und redet mit Victoria.

    Ich: "Ähm .."

    Eileen: "Mario denkt wir hätten was anderes besprochen .. Erklär ich dir später .."

    Ich nicke, während ich sehe, wie mit Peter und Katrin die letzten das Plateau erreichen.

    11
    Drachenfelsen ( Tag 9 Donnerstag Morgen)

    Plötzlich spring Eileen auf einen der großen Findlinge, welche um die Steinwand herum aufgestellt sind.

    "Na dann sind wir ja vollständig und los .. na kommt schon."

    Ich erinnere mich, rappele mich hoch und stelle meine Füße auch auf dem Stein ab.

    Katrin: "Muss das Heute?"

    Eileen: "Das muss jeden Tag, willst du jetzt stärker werden oder nicht?"

    Katrin mault aber begibt sich dann auch in Position.

    Wie Katrin auch nehme ich meine Kräfte zusammen und als das Kommando kommt, legen wir los. Es geht zwar ein wenig besser als Gestern aber bei 6 bekomme ich schon langsam Probleme. Halte aber ganz passabel durch wie ich finde, bei 8 ist zum Glück kurz Pause aber die 9 fühlt sich bereits abartig schwer an.

    Also ich meine gesamte Kraft zusammen nehme und die volle Zehn schaffe bin ich überglücklich und sinke auf den Boden. Nur um kurze Zeit drauf von einem Schuh in die Seite gestupst zu werden ..

    Eileen: "Was los?"

    Ich muss husten.

    Ich: "Ich dachte 10 sind mehr als genug."

    Eileen: "Wer sagt das?"

    Ich: "Du? Gestern?"

    Sie kniet sich vor mir auf den Boden, beugt sich zu mir runter und flüstert mir ins Ohr:

    "Gestern? .. Da waren die Verhältnisse ja auch noch anders .. bei irgendjemanden reichen 10 .. bei meine .. nicht."

    Ich kann das Wort nach 'meinem' leider nicht verstehen.

    [x]Aufhören

    [o]Weitermachen

    Ich: "Tut mir leid aber ich kann echt nicht mehr, ich bin schon fast völlig verschwitzt."

    Eileen: "Du bist also nicht bereit für deine Angebetete nicht noch 2 Sätze zu machen? Hm .. außerdem ist das eh dein Schlafshirt schon vergessen?"

    [o]Aufhören

    [x]Weitermachen

    Ich nehme alle meine Kraft zusammen und stemme mich noch zweimal hoch.

    Eileen: "Von wegen keine Kraft mehr. Kommt 3 schaffst du noch."

    Zu meiner Überraschung hat sie recht, den Dritten bekomme ich gerade noch hin aber als ich zum vierten Ansetzten will ..

    Eileen: "Stop, das reicht."

    Ich weiß zwar nicht, was dass nun wieder soll aber ich richte mich erstmal auf und halte mir meine Schulter.

    Eileen: "Gut gemacht Alter."

    Katrin sie uns beide argwöhnisch an.

    Eileen: "Nicht so wie du, schon bei den ersten 4 schlapp gemacht."

    Peter: "Übertreibt es mal nicht, der Morgenspaziergang ist keine reine Sportveranstaltung. Habt ihr euch denn wenigstens die Temperatur gemerkt?"

    Ich: "Ähm .."

    Katrin: "Nicht sooo genau .."

    Eileen: "17,5 Grad bei 55,6 Prozent Luftfeuchtigkeit."

    Peter: "Gut, was eure überschüssige Kraft angeht, da denke ich mir noch was aus .."

    Er dreht sich rum und begrüßt den Rest welcher sich, getrieben von Mario, den Berg hoch scheuchen lässt. Naja zumindest bin ich nicht der aller schlechteste was Kondition angeht. Während Victoria und Co. noch mal einzeln Temperatur und Luftfeuchtigkeit ablesen, frage ich au reiner Langeweile:

    "Warum eigentlich Drachenfelsen?"

    Eileen: "Fand wohl irgendjemand cool."

    Katrin: "Oder es ist historisch."

    Eileen: "Historisch?"

    Sie sie sich ungläubig die doch recht künstlich wirkende Steinwand an, in welche die Messgeräte eingelassen sind und sagt dann platt:

    ".. wenn die 90er Jahren schon historisch sind .."

    Katrin: "Du hast einfach kein Gefühl für sowas .."

    Eileen: "Für Geschichte oder für Kitsch?"

    Katrin: "Kitsch?"

    Fährt sie beleidigt auf, während Mario im Hintergrund schon zum Abmarsch winkt.

    Katrin: "Drachen sind doch kein Kitsch! Rokoko ist Kitsch, kleine Jungs mit weißen Perücken in Anzügen die Querflöte spielen sind Kitsch."

    Das Bild erinnert mich an meine Tante, in dessen Wohnung beinahe nur so etwas herum steht. Aber Katrin reißt mich erneut aus meinen Gedanken:

    "Drachen sind Toll oder?"

    Sie sieht mich an während wir und auf den Weg machen.

    [o]Drachen sind toll

    [x]Drachen sind nicht so toll

    Ach verdammt, was mache ich bloß. Ich stärke Katrin ja echt gerne den Rücken, besonders wenn es gegen Eileen geht aber ich will auch nicht unehrlich sein. Wenn ich es nur richtig verpacke, kommt es sicher nicht gemein rüber.

    Ich: "Also, ich finde das Drachen in Phantasie .. ähm .. Sachen ein wenig zu oft benutzt werden, wenn es sie gibt, sind sie immer direkt die aller stärksten und das meist einfach mit zu großen Abstand."

    Eileen: "Sag ich doch .."

    Katrin: "Das hast du überhaupt nicht so gesagt, außerdem hast du doch von Phantasie überhaupt keine Ahnung. Du liest keine Phantasiebücher, guckt keine Phantasiefilme und spielst keine Phantasiespiele."

    Eileen: "Also bei dem Kram, denn ich so von meinem alten Ich geerbt habe .."

    Katrin: "Das sind Mangas .."

    Eileen: ".. und Harry Potter."

    Katrin: "Harry Potter ist aber kein High-Phantasie, das ist Popkultur .. nicht dass ich was dagegen hätte aber .."

    Eileen: ".. wenigstens werden da Drachen vernünftig dargestellt, als ganz normale weitere Wesen in einem komplexen Konstrukt. Etwas größere Echsen die teilweise fliegen und Feuer spucken können."

    Katrin: "Und wo sind Drachen keine Echsen, die fliegen und Feuer spucken können?"

    Ich frage mich gerade, ob sich Eileen wirklich ernsthaft für Drachen interessiert oder ob sie sich nur gerne mit Leuten streitet. Wahrscheinlich eher letzteres ..

    Eileen: "Wo denn zum Beispiel? Nenn mal einen Film."

    Katrin: "Herr der Ringe?"

    Eileen: "Und ein Spiel?"

    Katrin: "Warcraft."

    Eileen: "Nenn du mal ein Buch."

    Sie stupst mich an.

    Ich: "Ich les keine Phantasie Sachen .. außer Harry Potter."

    Eileen: "Na Egal aber Spiele müsstest du kennen."

    Ich: "Ja, Dis'cip'les."

    Spreche ich holperig den Namen eines meiner Lieblings Phantasie Spiele aus, während wir weiter den Berg in Richtung herunter gehen.

    Eileen: "Ach Disciples .."

    Katrin: "Du kennst das?"

    Eileen: "Ne aber ich weiß wie man Disciples ausspricht so und jetzt geht mal die Sachen durch und fragt euch, ob die Drachen da nicht zusätzlich auch noch irgendwie uralt sind, zufällig sprechen und ab besten gleich auch noch Zaubern können, super harte Schuppen haben, .."

    Katrin: "Was ist dagegen einzuwenden?"

    Unterbricht Katrin Eileen und verschränkt langsam genervt die Arme.

    Eileen: ".. weil es einfach von der Dramaturgie her keinen Sinn ergibt, wenn man auf einmal Figuren in der Geschichte hat, die alles können, alles wissen und ach .. also die Dinger sind meist super groß, sind super stark, können sprechen, zaubern, sind uralt, wissen alles und können zu allem Überfluss auch noch Feuer spucken und .. fliegen. Mehr geht schon fast gar nicht mehr .. solche übermächtigen Figuren kann man höchstens noch als übermächtige Antagonisten einsetzten."

    Katrin: "Drachen sind nicht per se böse .."

    Eileen: "Wenn man solche Drachen als Protagonisten oder auch nur als Verbündete der Hauptfigur einsetzt, ist das eine absolute Bankrotterklärung jedes Autors und nichts weiter als eine perverse Allmachtsphantasie."

    Katrin schnauft genervt.

    Eileen: "In Spielen wird ja noch dämlicher, da hat man dann einen unüberwindbaren Übertrumpf .. das ist wie zwei Königinnen beim Schach oder einen 8 Ziehen Karte bei Uno oder?"

    Ich: "Naja, nicht immer, die Untoten Drachen bei Discilpes sind eigentlich ganz gut ins Spiel eingebunden .."

    Eigentlich ein eher überflüssiger Kommentar aber ihr gar nichts entgegen zusetzten.

    Eileen: "Und die lebenden Drachen?"

    Ich: "Ähm .."

    Eileen: "Wenn es Untote Drachen gibt, muss es doch auch lebende Drachen geben oder?"

    Ich denke kurz nach und erinnere mich dann an eine Szene in der wirklich mal im Spiel ein lebender Drache aufgetauch ist und antworte wahrheitsgemäß.

    Ich: ".. ja die gibt es auch .. die sind viel zu stark und das mit weitem Abstand."

    Gebe ich zu.

    Eileen: "Hm .. dann geh ich mal davon aus, dass das bei Warcraft auch so ist .. und wie siehts bei diesem .. ähm .. Tabletop aus."

    Ich: ".. viel zu stark mit weitem Abstand."

    Antworte ich lustlos, in der Hoffnung, dass sie eventuell das Thema ändern könnte. Denn Katrin scheint echt kurz davor einfach stehen zu bleiben und uns alleine zu lassen.

    Katrin: "Ihr werdet noch sehen ihr Drachenhasser! Eines Tages wird die Zeit kommen, in der sich ein Drachenlord erhebt und euer Leben bestimmen wird!"

    Sagt sie in einem trotzigen und künstlich ernstem Ton.

    Eileen: "Keine Sorge ich werde mich dem Drachen stellen. Bist du dabei .."

    Sie knufft mich mit dem Ellenbogen in die Rippen.

    Ich: "Auf jeden Fall .. nieder mit dem Drachen!"

    Katrin: "Der Mistgabelmop versammelt sich .. kein Wunder, das Drachen solch missverstandene Kreaturen sind."

    Kurz überlegt Katrin, dann fragt sie mich freudig mit leuchtenden Augen:

    "Meist du Engel sind cool? Mich dich mal nicht ein .."

    Sagt sie danach flapsig zu Eileen.

    [o]Ja

    [x]Nein

    Ich: "Eher nicht, meist werden sie falsch eingesetzt, sie sollten Boten des Himmels sein aber nicht selber als fühlende Charaktere."

    Eileen grinst hämisch, Katrin guck minimal enttäuscht, fragt dann aber weiter:

    "Dämonen."

    [o]Ja

    [x]Nein

    Ich: "Sind ganz cool als Gegner .. ähm .. Antagonisten aber komplexere Gesichten mit ihnen finde ich jetzt nicht so prickelnd."

    Katrin verdreht die Augen, während Eileen leise druckst.

    Katrin: "Untote?"

    [x]Ja

    [o]Nein

    Bevor das ganze noch eskaliert und ich Katrin komplett in den Rücke falle, sage ich an dieser Stelle lieber ja. Das ganze wäre noch nicht mal gelogen, denn von allem was sich in einem Phantasie Universum so breitmachen kann, finde ich Untote so ziemlich am coolsten. Außerdem müsste Katrin, in ihren schwarzen Sachen sicher der selben Meinung sein.

    Ich: "Ich mag Untote."

    Katrin: "Noar .. ihr habt euch doch abgesprochen oder?"

    Eileen: "Wir haben eben Geschmack. Los bester Untoter!"

    [o]Vampir

    [o]Zombie

    [o]Skelett

    [o]Ghoul

    [o]Lich

    [x]Geist

    [o]Nekromant

    Ich: "Also, wenn du eines der Klischees hören willst, dann Geist aber ne Mischform wäre fast am besten."

    Eileen: "Genau deiner Meinung."

    Sie haut mir kumpelhaft auf den Rücken.

    Katrin: "Ach und an uralten, sprechenden, zaubernden, super starken, unsterblichen, Untoten, die eventuell noch schweben können ist nichts auszusetzen?"

    Eileen: "Die können eben nicht alles, Zombies sind langsam, Skelette stumm, Ghoule wild, Lichs fragil und Geister können nicht richtig .. ähm .."

    Katrin: "Und Vampire?"

    Eileen: "Haben Probleme mit Blut und Sonnenlicht, außerdem sind sie das Schlusslicht was die Coolness unter den Untoten angeht und in machen Formen overused und ausgeleiert."

    Katrin: ".. wie Drachen?"

    Eileen: "Ja, aber du kannst Phantasie Kitsch nicht mit einer ehrwürdigen Figur der romantischen Literatur vergleichen."

    Katrin: "Romantisch?"

    Eileen: "Jap, der Vampir ist eine Figur der romantischen Literatur. Klingt komisch aber lernt man in der Schule .. wenn man hingehen würde."

    12
    Peter Peter (Tag 9 Donnerstag Morgen)

    Ich erschrecke mich etwas, als plötzlich beide Mädchen stehen bleiben, bis ich merke, dass wir bereits vor dem Camp angekommen sind.

    Ich: "Wird sind schon da? Wie die Zeit vergeht, wenn man sich beim Spaziergang unterhält."

    Katrin: "Jap, Berg runter ist eben ein Spaziergang, im Vergleich zu bergauf."

    Victoria: "Das entspricht ja auch viel eher der Definition von 'Morgen Spaziergang'. Immer diese Gewaltmärsche."

    Anny: "Warum muss das überhaupt sein?"

    Mario: "Damit alle Wach werden und in den Tag starten können."

    Er öffnet die Bunktertüre worauf alle sofort über das Gelände laufen und sich nach und nach im Bunker einfinden. Auf einmal fasst mich Katrin am Arm an:

    "Du? Selbst du dich am Tisch wieder neben mich .. also zwischen uns?"

    Ich: "Ja kann ich machen."

    Sage ich mit ein wenig fehlender Stimme.

    Katrin: "Super."

    Sie zieht mich an meinen üblichen Platz, wo ich mich sitzend wundere, warum auf einmal die Brötchen alle andere Farben haben.

    Bezy: "Och ne, haben die Antos schon wieder ihre alten Körnerbrötchen bei uns abgeladen?"

    Peter: "Nicht abgeladen .. probier mal die sind frisch."

    Sagt Peter fröhlich, welcher zur Abwechslung statt Mario mal auf unsere Seite des Tischkopfes sitzt, während zwei Plätze weiter sägt Merle mit leuchtenden Augen bereits eines der Brötchen auf und sagt zufrieden:

    "Endlich mal richtige Brötchen."

    Auch ich greife zu einem der dunklen Mehrkornbrötchen.

    Mario: "Nicht mehr als drei Mohnbrötchen pro Person."

    Anny: "Warum?"

    Suzy: "Weil man davon Bauchweh bekommen kann."

    Peter: "Nicht ganz, nur schlägt unser Drogentest für Opium dann aus. Nicht so viel Kornflakes, die anderen wollen eventuell auch noch was .."

    Sagt Peter und sieht Eileen kritisch an, welche sich fast eine ganze Schüssel voll mit Kornflakes schaufelt, worauf diese laut fragt:

    "Wollen die anderen eventuell auch noch was?"

    Da keiner protestiert, schüttet sie munter weiter.

    Peter: "Muss ich das als unnormales Essverhalten eintragen? Die letzten Tage frühstückst du fast gar nicht und jetzt ist du halbe Packungen."

    Eileen: "Ach so, ja .. die Wochenaufgabe ist erfüllt."

    Peter: "Das wo du?"

    Eileen: "Wo ich noch was klären musste, ja, ist geklärt. Mehr dazu in der Skills Gruppe."

    Peter nickt anerkennend, nimmt dann aber die Kornflakespackung und stellt sie so weit weg wie möglich.

    Ich schmiere mir mein Brötchen mit Butter und belege es mit etwas, was wahrscheinlich Emmentaler ist und stelle fest, dass diese herzhafteren Käsesorten auf anderen Brötchen auf einmal echt gut schmecken.

    Merle: "Ist das jetzt eine Ausnahme oder bekommen wir jetzt öfter Essen von den Antros, weil .."

    Peter: "Wird ab jetzt wohl öfter der Fall sein .. wir werden in nächster Zeit wohl etwas gemischt beliefert."

    Bezy: "Och ne .."

    Merle: "Was denn Mehrkorn ist Gesund."

    Bezy: "Ja und macht Pickel."

    Mario: "Mehrkornbrötchen machen keine Pickel, das ist Unsinn. Außerdem keine unangebrachten Beschwerden übers Essen .."

    Eine Weile lang ist es ruhig, ich schmiere mir mein zweites Brötchen mit einem Käse der Edamer sein müsste. Man, ich wünschte ich könnte das an der Farbe unterscheiden. Ich wette Merle wird das können aber ich möchte im Moment lieber stumm zuende essen und sie redet ja auch nicht gerade gerne während des Essens.

    Zu meiner Verwunderung stehen einige schon auf aber da Peter und einige andere noch ganz in Ruhe weiter essen, denke ich, dass ich das auch ruhig machen kann.

    Katrin: "Keine Hektik, die gehen nur Rauchen .."

    Verstanden habe ich das Rauchersystem hier im Camp zwar immer noch nicht aber im Moment interessiert mich eher, was diese komische Wort von eben bedeutet. Denn wenn ich hier eines gelernt habe, dann dass man hier die ganzen Namen und Abkürzungen kennen sollte.

    Und da gerade nur noch recht wenige am Tisch sitzen, scheint mir das eine gute Gelegenheit zu sein. Also kaue so schnell wie möglich zu ende und Frage:

    "Peter .."

    Ich muss kurz husten, da sich ein paar Körner in meinem Mund verlaufen haben und fange den Satz noch mal neu an:

    "Peter .."

    Anny: "Hey, das ist verboten ihn so zu nennen."

    Sagt Victoria aus vollem ernst, von der anderen Seite des Tisches.

    Ich: "Wen wie?"

    Victoria: "Ja Peter."

    Ich: "Aber ich hab doch Peter, Peter genannt."

    Anny: "Genau das darfst du nicht."

    Ich: "Warum?"

    Merle: "Es ist nicht erlaubt Campbewohner und Personal bei ihren peinlichen Zweitnamen anzureden."

    Ich: "Zweitname? Aber ich hab ihn einfach Peter genannt."

    Merle: "Genau, das ist das Problem."

    Ich: "Wie ist denn dann sein erster Name."

    Verwirrt sehe ich mich um. Victoria schaut ernst, Merle sieht leicht amüsiert aus, Katrin versucht ihr Grinsen zu unterdrücken, an Eileens Gesicht ist nichts abzulesen, was aber eher daran liegt, dass sie einen Löffel im Mund hat, und Peter grinst breit.

    Merle: "Den ersten Namen kennst du .."

    Katrin: ".. nicht verraten. Shnuffy kommt schon selber drauf."

    Ich: "Hm .."

    [o]Waldemar

    [o]Ludwig

    [o]Reiner

    [o]Rainer

    [x]Peter

    Hm, ich weiß zwar nicht was das für eine Art von Rätsel ist aber um auch mit zukommen, fasste ich alles noch mal kurz zusammen:

    "Also ich kenn bisher Peter nur als Peter und ihr sagt dass .."

    Anny: "Richtig! Wou du hast das aber schnell raus .."

    Ich: "Hö?"

    Eileen: "Nein, Anny er hat nur noch mal zusammen gefasst."

    Sagt Eileen mit vollem Mund, geht aber unter, als Victoria von ihrem Stuhl aufspringt, sich auf dem Tisch abstützt und lachend erklärt:

    "Das ist so, Peter ist nämlich Pole."

    Peter: "Meine Großeltern kommen aus Polen."

    Victoria: "Und bei Polen ist das so, dass die .. ah Mist wie war das noch?"

    Peter: "Immer mit der Ruhe .."

    Katrin: "Peters Großeltern kommen aus Polen und in Polen gibt es die Tradition, dass man bei jedem .. also bei allem was man so in der Kirche macht .."

    Erklärt Katrin sehr viel langsamer und ruhiger aber nicht weniger amüsiert als Victoria, während sie etwas unruhig auf ihrem Stuhl hin und her rutscht.

    Ich: "Den Sakramenten?"

    Katrin: "Genau denen. Bei jedem Sakrament bekommt man einen weiteren Vornamen und als Peter zur Konfirmation."

    Eileen: "Katholiken haben Kommunion."

    Katrin: ".. und als Peter zur Kommunion gegangen ist."

    Sie lacht kurz aufgeregt und bekommt dann Schluckauf.

    Katrin: "Ah .. hüeck .. verdammt .. nicht jetzt .. hüeck."

    Peter: "Immer mit der Ruhe .."

    Sagt er amüsiert, während er sich noch ein Brötchen mit Frischkäse beschmiert.

    Eileen: "Also .."

    Katrin greift nach ihrem Glas und stupst Eileen über mich hinweg an, während sie das ganze Glas in einem Zug austrinkt. Kurz hustend aber dann ohne Schluck auf fährt sie fort. Eigentlich schade, denn mit Schluck war sie richtig niedlich:

    "Als Peter zur Kommunion gegangen ist, hat er vorher schon ordentlich Party gemacht."

    Peter: "Da ist aber schon Jahre her."

    Katrin: "Und als der Priester gefragt hat, welchen Namen er denn als Zusatznamen haben möchte, hat unser Peter einfach 'Peter' gesagt. Als der Priester dann gesagt hat: 'Aber so heißt du doch schon', hat Peter einfach geantwortet: 'Ich mag den Namen aber'. Und seit dem heißt Peter – Peter Peter."

    Ich muss grinsen. Aber als ich zu Peter rüber sehe und merke, dass er die ganze Geschichte auch komisch zu finden scheint, lache ich etwas lauter ..

    Victoria: "Und da man Leute nicht mit ihren peinlichen Zweitnamen anreden darf, darf man Peter nicht Peter nennen, sondern muss Peter sagen."

    Peter: "Eigentlich ist mir das egal ob jetzt Peter oder Peter, auch Peter Peter ist im Kern ok, solange man das nicht provokativ sagt. Was halt stört ist, dass dann alle immer die Geschichte hören wollen und das kommt eventuell nicht so gut, wenn wir jemanden da haben, der ein Problem mit Alkohol hat."

    Ich: "Nur weil du vor Jahren einmal etwas getrunken hast."

    Eileen: "Das kann Leute schon dazu anstiften, hier auszubüchsen, in die Stadt zu gehen und sich was zu trinken zu holen. Einige sind da leicht zu triggern."

    Ich gucke ungläubig, doch Peter nickt.

    Katrin: "Und?"

    Sie sieht mich an.

    Ich: "Ja, lustige Geschichte .. "

    Sie sieht mich weiter erwartungsvoll an.

    Ich: "Habs mich gut dran gekriegt .. ist das einer eurer Begrüßungsrituale?"

    Victoria: "Begrüßungsrituale?"

    Fragt Sie erschrocken.

    Eileen: "Begrüßungsrituale? Wir haben keine Begrüßungsrituale. Wer hat dir davon erzählt?"

    Fragt sie mit einer künstliche unschuldigen Stimme.

    Ich: "Meine Kinderärztin."

    Peter: "So aber jetzt genug Geschichten, ab in die Schule. Ist schon mehr als Knapp mit der Zeit."

    13
    Andere Camps ( Tag 9 Donnerstag Morgen)

    Ich, Anny, Victoria und Merle machen uns auf den Weg und auch Eileen springt auf, nachdem sie auch noch die aller letzten Kornflakes aus ihrer Schüssel gekratzt hat. Nur Katrin bleibt seelenruhig sitzen und schaut die etwas gehetzte Eileen feixend an.

    Ich renne in mein Zimmer, packe schnell meine Englisch Sachen in eine alte Tasche, welche mir meine Familie mitgegeben hat, da ein ganzer Rucksack für das eine Fach am Tag etwas zu übertrieben ist. Zu allem Überfluss

    Ich verlasse mein Zimmer aber zu meiner Überraschung ist kein Campbewohner mehr da, von dem ich weiß, dass er in die Schule geht. Am Tisch sitzen nur noch Katrin und der andere Daniel und im Bunker sitzen nur Miguel und Suzy am Tisch, wo bei Miguel nur wieder über seinen Bücher brütet und Suzy demonstrativ lustlos durch die Bravo blättert.

    Peter: "Weißt du nicht, wo du hin musst?"

    Ich: "Doch doch .. ich schaff das schon."

    Katrin: "Ware ich komm mit."

    Katrin springt auf, zieht ihr Logbuch aus der Hosentasche, welches Peter gleich ergreift und ihr scheinbar einen Ausgang einträgt. Kaum hat sie ihr Logbuch zurück, läuft sie auch schon auf mich zu, packt mich am Ärmel und zieht mich aus dem Bunker. Auf dem Gelände lässt sie mich los.

    Ich: "Danke aber .."

    Katrin: "Ach nichts zu danken .. ich bin froh, wenn ich mal wieder eine Ausrede haben kurz aus dem Camp hinaus zu kommen."

    Wir gehen schnellen Schrittes aus dem Camp heraus, zum Krankenhaus und den üblichen Weg in Richtung des Gebäudes mit den Teppichböden.

    Katrin: "Witzige Geschichte oder?"

    Ich nicke.

    Katrin: "Ich kann doch gut erzählen oder?"

    Ich: "Ja, wenn du nicht gerade Schluckauf hast."

    Katrin: "Erinnere mich nicht daran, ich hasse Schluckauf."

    Ich: "Ich fands .."

    .. niedlich hätte ich fast gesagt, kann es mir aber noch verkneifen.

    Katrin: "Was?"

    Ich: "Ich find Schluckauf manchmal witzig .."

    Katrin guckt böse.

    Ich: ".. wenn ich den habe."

    Katrin: "Achso."

    Die wirkt erleichtert und sagt leise:

    "Danke."

    Ich: "Wofür?"

    Katrin: "Ach nur so .. vor allem fürs zwischen uns sitzen."

    Ich: "Kein Problem."

    Wir biegen um eine Ecke, betreten das Gebäude mit dem Teppichboden und sehen wie Eileen die neben dem Fahrstuhl lehnt.

    Ich: "Was los?"

    Eileen: "Aufzug hat mal wieder seine Probleme. Ich soll nur dafür sorgen, dass Keiner einsteigt, bis jemand einen adäquaten Hinweis anbringt."

    Ich deute auf den großen Bottich mit einer kleinen Palme darin, welcher neben dem Aufzug steht:

    "Schieb doch einfach das vor die Türe, dann steigt schon keiner ein."

    Katrin: "Hm .. dass könnten einigen auch für einen Schwerz halten .. du glaubst nicht, was die aus dem anderen Camps manchmal so machen."

    Hinter uns öffnet sich eine der Türen und eine Frau mit einem Zettel und etwas Klebeband kommt heraus, winkt uns hektisch bei Seite und klebst dann eine Din A4 Blatt an die Aufzungstüre auf welchem so dünn mit Kugelschreiber das Wort 'Defket' steht, dass man den Rechtschreibfehler kaum bemerkt.

    Eileen: "Bürofachkraft .. so, dann mal die Treppen hoch .. darf ich dein Flnuffy ab hier übernehmen? Oder geschehen noch Wunder und du geht doch wieder zur Schule?"

    Fragt sie leicht amüsiert.

    Katrin: "Was soll ich in der Schule? Aber ich komm trotzdem mit."

    Eileen zuckt mit den Schultern, geht vor uns die Treppe rauf und fragt nach dem ersten Absatz:

    "Du hast doch diesen Metal Freund, welcher irgendwie nur das hört, was eigentlich kein Metal ist oder so?"

    Ich: "Ja?"

    Katrin: "Warum interessiert dich das .."

    Eileen: "Was ist seine Einstellung zu Drachen."

    Katrin: "Noar .. als hätte ich es geahnt."

    Ich: "Der mag Drachen, der nennt sich sogar Dragon .. ähm .. Drachen .."

    Eileen: ".. Lord?"

    Ich: "Ne, .. Silvaar."

    Eileen: "Was soll den das heißen?"

    Ich: "Keine Ahnung."

    Eileen: "Klingt schwul .."

    Katrin: "Thema wechsel? Hä warum bleibst ihr stehen."

    Eileen macht vor der Aufzugtüre auf dem Stockwerk des Englisch Klassenzimmers halt.

    Eileen: "Na, das Ganze noch einmal."

    Katrin: "Noar."

    Nörgelt Katrin, geht ein paar Schritte in einen kleinen Gang, zu einem nahen Fenster, kniet sich hin und legt ihre Arme auf der kleinen braun lackierten Heizung unter dem ebefalls braunen Fensterrahmen ab. Sie sieht verträumt nach draußen und ich stelle mich mit einem Abstand hinter sie.

    Von dem kleinen Fenster aus, kann man fast über das gesamte Areal mit den einzelnen Camps gucken, nur unser Camp ist selbst aus dieser Höhe wegen der grünen Folie nur schwer einsehbar.

    Aber auch ohne unser Camp von oben zu sehen ist klar, das so gut wie alle anderen Camp hübscher sind als unseres.

    Ich: "Irgendwie sind alle Camps hübscher als unseres."

    Eileen: "Klingt auch logisch, wie sind halt der Arsch. Im Kern sind wir ja auch kein Camp im Sinn von Sommerlager, Abnehmcamp, Nachhilfecamp und Co. sondern eine Kinder- und Jugendpsychiartrie."

    Ich: "Ach, das sind alles so Camp mit einer Funktion?"

    Katrin: "Sicher, oder denkst du das würde sich lohnen, wenn die alle nur in den Ferien belegt wären? Oder ein normales Ferienlager quasi direkt, neben einem Krankenhaus zu bauen?"

    Eileen: "Nicht, einsteigen der ist defekt."

    Schnauzt Eileen, etwas zu laut eine Frau an, welche gerade auf den Aufzug zugeht und promt zurück schreckt und sagt dann leise zu uns:

    "Übrigens, Niedersachsen hat Sommerfehrien."

    Katrin verdreht die Augen und sagt:

    "Erinner mich nicht daran."

    Ich: "Was ist denn dann?"

    Katrin: "Dann füllen sich die Camps mit Fehrienkindern. Und auch bei uns wird es dann voller .. aber bitte anderes Thema."

    Eine kurze Zeit ist es Still, da es aber die Art von Stille ist, die ich irgendwie unangenehm finde sage ich:

    "Dieses Camp sieht nett aus."

    Ich deute auf ein Gelände fast direkt unter uns. Anstelle von den üblichen Trampelpfaden wird dieses Camp von hellen Kriesschotterwege durchzogen und anstelle verwitterter Holzbänke gibt es blank polierte Steinbänke. Umzogen ist das Camp nur mit einem niedrigen Zaun und die frischen Pflanzen scheinen leicht asiatisch angehaucht zu sein.

    Eileen: "Da wärst du gern?"

    Katrin: "Ah, dass kenn ich. Das ist die Geronto-Psychiatrie. Da kommt man hin, wenn man Alzheimer hat."

    Katrin lacht, während sich Eileen rumdreht und geht.

    Eileen: "Ich guck mal wo die bleiben, deckt ihr mal den Aufzug."

    Katrin: "Hast du Alzheimer?"

    Sie stupst mich an.

    Ich: "Noch nicht aber ich schätze es könnte sich lohnen."

    Katrin grinst und fügt hinzu:

    "Ob wohl das ja mit den Steinbänken etwas unpraktisch ist."

    Ich: "Zu hart?"

    Katrin: "Und kalt, wenn man auf kalten karten Sachen sitzt bekommt man Hämorriden."

    Ich gucke sie wortlos an.

    Katrin: "Hat mir zumindest mal eine alte Frau gesagt."

    Ich: "Wie?"

    Katrin: "Ja einmal hab ich halt so in der Stadt gesessen und dann kommt da auf einmal eine alt Frau auf mich zu, die ich gar nicht kenne, und sagt so: 'Setzt dich da nicht hin das ist kalt und steinig, davon bekommt man Hämorriden.' Einfach so und wie trocken die das gesagt hat."

    Ich muss grinsen.

    Ich: "Bekommt man die auch nicht noch von so was anderem?"

    Katrin: "Joar .. wenn man öfter mal Eingang und Ausgang verwechselt .."

    Eileen: "Ich weiß zwar nicht genau, bei welchem Thema ich euch gerade störe aber wir hätten dann Englisch."

    Sagt sie während sie ein Schild aus dünner roter Pappe an den Aufzug klebt auf welchem:

    'Außerbetrieb', 'Outa off Ordner' und dann noch mal 'Out of Order' steht.

    Als ich gerade überlege das 'Outa' bestimmt von 'Straight outa Compton' stammt, schnipst es an einem Ohr und ich gehe hinter Eileen ins Klassenzimmer für Englisch.

    Drin angekommen, begrüßt mich erstmal der Englischlehrer und welcher bereits mit Eileen dessen korrigierte Arbeit durch sieht. Also greife ich in meine Tasche und reiche ihm auch meine.

    Englisch Lehrer: "Leg einfach da auf den Stapel."

    Ich tue wie mir gesagt und setzt mich dann an den runden Tisch zu den zwei Mädchen, wo ich auch schon letzte Woche gesessen habe.

    14
    Tasche ( Tag 9 Donnerstag Vormittag)

    Wie letztes Mal auch so unterscheiden sich die beiden vor allem dadurch, dass eine blonde wellige Haare hat und die andere einen Seidenschal fast bis zum Mund um den Hals gewickelt trägt.

    Beschäftigt sind die Beiden mit einer Art Kartenspiel, wobei jede Karte eine kleine Frage, ein Wortspiel oder eine Redewendung enthält. Da ich keine Aufgabe zu bekommen scheine klinke ich mich einfach leicht ein und beantworte die ein oder anderen Frage, wenn beide nicht weiter wissen.

    Blondes Mädchen: "Danke. Hübsche Tasche übrigens."

    Ich: "Echt? Das ist nur so einen altes kaputtes Teil von meiner Familie."

    Schal Mädchen: "Ja, voll retro. Darf ich mal sehen?"

    Ich: "Wenn du auf Kellergeruch stehst."

    So stark riecht die Tasche zwar nicht aber Mädchen sind da ja etwas empfindlich, besser ich habe schon mal gewarnt.

    Das Mädchen mit dem Schal, sieht sich die Tasche an, hält sie aber dabei weit von sich weg, während die Bolde sagt:

    "Aus den meisten Stoffen bekommt man das einfach raus, was ist denn das?"

    Ich: "Leinen? Hanf?"

    Sage ich unsicher.

    Blondes Mädchen: "Hanf? Wer macht den Sachen aus Hanf."

    Schal Mädchen: "Früher hat man viel aus Hanf gemacht, von wann ist die Tasche."

    Ich: "Ähm .. so 1960 müssten meine Eltern in der Schule gewesen sein."

    Blondes Mädchen: "Hä .. ah .. stimmt ja ihr im Psychocamp seit ja alle unter 18."

    Schal Mädchen: "Stimmt, wie niedlich. Ich dürft ja auch so vieles nicht ne?"

    Ich nicke stumm. Sollen die Beiden sich ruhig indirekt über mich lustig machen, ich weiß nicht wie so aber wenn ältere Mädchen das tun, stört mich das irgendwie fast gar nicht.

    Schal Mädchen: "Was war das, nicht küssen?"

    Ich: "Nicht küssen, nicht kuscheln, nicht in einander stehen und ganz wichtig nicht verlieben."

    Sage ich unernst worauf beide kichern.

    Nach ein paar weiteren Fragekarten setzt sich plötzlich Bezy zu uns an den Tisch und fragt:

    "Strippoker?"

    Blondes Mädchen: "Nein, wir doch nicht."

    Schal Mädchen: "Wie kommst du denn auf die Idee?"

    Bezy: "Weil du bei dem Wetter Schal trägst? Vermute du hast den angezogen, damit du eine Runde später nackt bist als die anderen."

    Das Schal Mädchen wird leicht rot, beugt sich dann zu Bezy und flüstert:

    "Ist der Ok?"

    Bezy: "Hä wer?"

    Sie sieht sich zu beiden Seiten um, während das Mädchen mit dem Schal in meine Richtung nickt.

    Bezy: "Auch der, ja der ist cool. Gehört halt zu den ruhigen."

    Ich nicke einfach mal.

    Das Mädchen mit dem Schal, beugt sich zu uns über den Tisch und zieht ganz langsam den Schal Stück für Stück ganz nach unten und wird dabei immer röter. Zum Vorschein kommt ein kleiner Knutschfleck.

    Bezy: "Wou, also geht bei euch was im Camp?"

    Das Schalmädchen versteckt den Knutschfleck wieder, lässt sich in den Stuhl sinken, versteckt ihre Hände in den Ärmeln ihres Pullovers und sagt verschämt:

    "Verrat ich nicht."

    Bezy: "Ihr hab es gut."

    Blondes Mädchen: "Naja, Auswahl ist nicht .. perfekt. Bei euch?"

    Bezy: "Beinahe nicht mehr vorhanden."

    Um das Gesagte nicht als indirekte Beleidigung auffassen zu müssen, beschäftige ich mich lieber mit den Karten.

    Schal Mädchen: "Wie kommts?"

    Bezy: "Ereignisse."

    Blondes Mädchen: "Und wie sieht auf der anderen Seite aus .."

    Stille.

    Blondes Mädchen: "Hey, dich meine ich .."

    Sie stupst mich unter dem Tisch mit dem Fuß an.

    [o]Auswahl ist großartig

    [o]Auswahl ist schlecht

    [x]Ausweichen

    Ich: "Ähm .. ja .. keine Ahnung, bekom ich nicht wirklich was von mit bin zu beschäftigt."

    Das Blonde Mädchen verdreht die Augen uns sagt genervt:

    "Noour .. eh komm schon, keine Ausreden .. du kannst doch nicht ernsthaft so tun als würde dich von den Mädels bei euch keine interessieren. Du bist einmal im Leben der Hahn im Korb und hälst dann die Füße Still?"

    Schal Mädchen: "Las doch, wenn er sich nicht traut .. psst psst."

    Das Schal Mädchen stößt das Blonde Mädchen an und auf einmal sind beide Still. Hinter mir erklingt Eileens Stimme:

    "Na, wie viel stehts?"

    Blondes Mädchen: "Wir spielen nicht nach Punkten."

    Eileen: "Dann stört es euch ja auch nicht, dass ich mir ihn hier mal für eine Weile ausleihe."

    Sie Packt mich am Nacken und zieht mich vom Tisch weg hinter ein Regal voller Bücher und sagt:

    "Du sollst dir ein englisches Buch von etwa 200 Seiten aussuchen oder ein dickeres Buch bis Seite 200 lesen aber das ist in meinen Augen ziemlicher Quatsch, wenn du das liest und ein paar einfache Fragen dazu beantworten kannst, dann bekommt du die Note, die du brauchst. Zudem musst du noch alle üblichen Zeiten mündlich beherrschen aber das bekommen wir hin oder?"

    Ich bin mit meinen Gedanken noch bei dem Gespräch von eben.

    Eileen: "Hallo? Bekommen wir hin oder? Und keine Zickerei!"

    Ich nicke, sie grinst zufrieden und leckt sich dabei über ihre Zähne und fragt dann etwas weniger energisch, mit dem Blick ins Regal:

    "Was darf es denn sein?"

    Völlig überfordert sehe ich in die dürren Regale aus hellem Holz, welche sich tapfer zu schlagen scheinen, nicht unter dem Gewicht der ganzen war los hinein gestopften Bücher zusammen zu brechen.

    Ich sehe mich eine weile um und greife dann einfach ein paar der kleineren Bücher aus dem Regal.

    Ich: "So .."

    Als ich mich umdrehen will, muss ich wohl übersehen haben, dass mir meine Englischnachhilfe in Spee über die Schulter geschaut hat, renne promt in sie rein und trete ihr auf den Fuß.

    Eileen: "Hey .."

    Wir drücken uns kurz an einander aber sie macht einen Sprung nach hinten.

    Ich: "Sorry."

    Eileen: "Alles gut, hab mich nur erschrocken. Was hast du da?"

    Bezy: "Ey, nicht hier einfach hinter den Regalen verschwinden und rummachen."

    Durch die Lücken, welche wegen der Unordnung im Regal klaffen, sieht uns Bezy grinsend an, während die beiden anderen Mädchen sich auf dem Tisch abstützen um zu sehen, was wir hinten den Regalen machen.

    Eileen: ".. los drück den einen dummen Spruch zurück."

    Flüstert sie und haut mir ihren Ellenbogen in die Seite.

    Ich: ".. ich kann einfach nicht anders wenn ich Bücher sehe."

    Sage ich laut und fasse mir dabei an den Nacken.

    Eileen schaubt laut, sagt dann aber leise:

    "Das ist noch deutlich steigerbar und jetzt las mal sehen .."

    Sie nimmt mir die beiden Bücher aus der Hand und sagt dann laut und künstlich anerkennt:

    "Au Theater, ich hätte gar nicht erwartet, das du Geschmack hast."

    Englisch Lehrer: "Ja, Theater ist schon eine Klasse für sich. Aber bitte geht einen Schritt weg von einander. Eileen du weißt, ich mein das nicht böse aber hab nun mal kein gutes Gefühl dabei, wenn du anderen Campbewohnern so nah kommst."

    Sie macht demonstrativ einen Schritt zurück.

    Ehrlich gesagt, hab ich einfach ins Regal gegriffen um überhaupt irgendwo mit der Suche anzufangen aber scheinbar nehmen alle hier einen kleine Griff in eine Richtung gleich als endgültige Entscheidung war.

    Ich: "Ist das schwerer?"

    Englisch Lehrer: "Es kommt drauf an."

    Der Lehrer ist hinter und aufgetaucht und beäugt und kritisch, weil wir wohl doch etwas zu dicht an einander geraten sind.

    Eileen: "Es ist einfacher, weil man nur Dialog hat und keine Beschreibungen."

    Bezy: "Das ist ja gerade das verwirrende, nim lieber einen Roman da wird alles was passiert wenigstens erklärt."

    Eileen: "Die meisten sind völlig überladen, für einen Anfänger ist purer Dialog am besten."

    Ich sehe den Lehrer an aber dieser zuckt nur mit den Schultern, geht zurück an seinen Platz und sagt:

    "Das musst du entscheiden."

    [o]Roman

    [x]Theaterstrück

    15
    Skulpturen ( Tag 9 Donnerstag Vormittag)

    Ich behalte die beiden Bücher in meiner Hand, denn ganz ehrlich gesprochen, kann ich Romane nicht leiden.

    Lehrer: "Nimm dir einfach mal ein paar mit an deinen Platz, lies die ersten paar Seiten und entscheide dich dann für zwei, die du mit ins Camp nimmst."

    Ich: "Zwei?"

    Lehrer: "Ja falls dir einer dann doch nicht gefällt, musst du keine halbe Woche warten."

    Ich nehme mir also noch ein Exemplar aus dem Regal, einfach aus dem Grund, dass mir das Cover gefällt. Bevor ich jedoch erneut ins Regal greifen kann, drückt mit Eileen schon zwei weitere in die Hand und geht zurück an den Tisch.

    Bezy: "Eh nur Theater?"

    Eileen: "Er ist einfach nicht der Typ, der mit kriminellen Römern ins Bett geht."

    Das Mädchen mit dem Schal wird rot. Und während ich mich frage, was diese Anspielung soll. Muss der Englisch Lehrer auch schon lachen.

    Ich: "Wie?"

    Englisch Lehrer: "Ach das, das ist ein kleiner Schwerz, den Rebecca mal unabsichtlich gemacht hat. Ein typisches Problem mit einem falschen Freund. Das passiert nämlich, wenn man .."

    Eileen: ".. ich glaub da kommt er auch selber drauf. Rat mal."

    Ich denke angestrengt nach .. also entweder macht sich hier wirklich ein Lehrer über die Bettgeschichten seiner Schülerin lustig oder aber es ist einer dieser typischen englischen Witze .. wie war das noch gleich.

    Ich: "Also ein falscher Freund ist ja ein englisches Wort, welches einem deutschen Wort gleicht, das aber eine andere Bedeutung hat."

    Englisch Lehrer: "Richtig, und das ist auch hier der Fall denn .."

    Eileen: ".. nicht schon wieder alle vorsagen."

    Englisch Lehrer: ".. wenn du meist, dass du drauf kommst."

    Ich: "Das englische Wort für Römer ist Roman aber das englische Wort für den deutschen Roman war .. "

    Englisch Lehrer: "Novell .. und genau da liegt der Hund begraben .."

    Eileen: "Ich gebs auf .."

    Sagt sie leise beleidigt, lehnt sich zurück und pustet sich die Haare aus dem Gesicht.

    Englisch Lehrer: "Rebecca könntest du den Satz noch mal wieder holen? Rebecca do you like literature?"

    Schal Mädchen: "Yes, I like to go to bed with a criminal roman."

    Antwortet des Mädchen genervt, während Bezy breit grinst.

    Ich: "Ach sie meinte Kriminal Roman? Und keinen kriminellen Römer."

    Englisch Lehrer: "Genau und wie hätte der Satz richtig heißen müssen?"

    Ich: "Yes, I like literature. I used to go to bed with a criminal novel. Ne dann wäre ja das Buch kiminell .. ähm .. crime novel."

    Englisch Lehrer: "Super .. toller langer Satz."

    Ich: "Ja, mein Lehrer will die immer so lang haben."

    Englisch Lehrer: "Im Alltag eher unüblich aber gut wenn mans kann. So aber jetzt wollen die Bücher deine Aufmerksamkeit."

    Ich beginne also damit die jeweils ersten paar Seiten jedes Buches zu lesen.

    Bezy stupt mich mit dem Fuß unter dem Tisch an und flüstert mir zu:

    "Du suchst nicht das Buch aus, das Buch sucht dich aus, wie bei einem Zauberstab .."

    Ich weiß in dem Moment nicht, was mich mehr erstaunt, dass Bezy mir wichtige Tipps zum Umgang mit Literatur gibt oder, dass sie jetzt schon mehrfach Harry Potter Referenzen gebracht hat. Etwas, dass man ihr beides als dem coolsten Mädchen im Camp gar nicht zutraut.

    Englisch Lehrer: "Weißt du, manchmal sucht sich nicht der Leser das Buch aus, sondern das Buch den Leser."

    Ah, sie hat also nur schon mal den Lehrer vorweg zitiert.

    Nach einer Weile habe ich die Anfänge jedes Buches gelesen und sage vorsichtig:

    "Ich denke die beide hier sollen es sein."

    Ich gehe zum Lehrer und halt ihm 'Death of a Salesman' und 'True West' entgegen. Wovon er mir letzteres als erstes abnimmt, das Cover zeigt die Cowboys auf Pferden und ein paar Planwagen.

    Lehrer: "Auje, warum hast du dir das denn ausgesucht?"

    Ich: "Seit der letzten Stunde, interessiert mich irgendwie das Thema Wilder Westen, also die Besiedelung des Westens."

    Lehrer: "Das ist gut aber das Buch ist leider in einem amerikanischen Dialekt geschrieben. Hattest du keine Probleme auf den ersten Seiten."

    Ich schüttele den Kopf.

    Lehrer: "Wenn das mal keinen Knoten in deiner Grammatik verursacht."

    Eileen: "Viel schlimmer kann das kaum noch werden."

    Lehrer: "Lies lieber das Andere."

    Er hält mir 'Death of a Salesman' hin, der Cover zeigt einen etwas gequält lächelnden älteren Gentleman mit runder Brille und Weste.

    Eileen: "Ich bin mir nicht sicher, ob wir das auf unsere Station .."

    Englisch Lehrer: "Ach was, das geht schon, die Figur hat ganz andere Motive. Aber mal wieder zu dir, leist du Theaterstücke auch auf Deutsch oder wie kommts?"

    Ich: "Nein, eigentlich nicht."

    Englisch Lehrer: "Was liest du denn so auf deutsch."

    Ich: "Ähm .."

    Eileen: "Fast nichts, außer einem absurd schwierigem Fachbuch aus dem Spätmittelalter und der Bravo."

    Englisch Lehrer: "Au, dann wird aber mal Zeit, dass du leist."

    Er gibt mir 'True West' zurück und fragt noch schnell:

    "Habt ihr bei euch oben in der Bibliothek immer noch diese ganzen Klassiker auf englisch."

    Eileen nickt und der Englisch Lehrer antwortet:

    "Super, leih dir davon noch ein paar aus. Am besten erst Stevenson, dann Wild aber erstmal Finger weg von Stoker, Dracula klingt zwar cool aber ist recht schwer zu verstehen."

    Ich nicke, während er einfach weiter redet:

    "Gut, fang ab besten gleich damit an. Ich hab hier eh nichts für euch zu tun, ich ruf dann im Camp an, dass ihr kommt."

    Er greift zum Telefon und als wir beide gerade aus der Tür raus wollen, hält er uns noch einmal auf.

    Englisch Lehrer: "Bitte 2 Minuten Abstand."

    Sie geht vor und Bezy sagt in einem künstlich traurigen Ton:

    "Sie können die beiden doch nicht trennen."

    Worauf der Lehrer erst mich und dann den Tisch kritisch anguckt und fragt:

    "Das ist nicht euer Ernst oder?"

    Bezy: "No it's not, just Kathrin and Eileen rival over their new pet."

    Lehrer: "Ok, du kannst."

    Ich: "Moment."

    Ich schnappe mir noch meine Tasche vom Tisch, welche in der Zwischenzeit scheinbar von dem Mädchen dem Schal gründlich untersucht wurde, stopfe die beiden Bücher hinein und verlasse das Klassenzimmer. Kaum ein paar Schritte gegangen treffe ich natürlich wieder auf Eileen, welche sich aber zu meiner Überraschung mit Katrin unterhält.

    Katrin: "Also ich mag das Kunstwerk auch ohne es Erklären zu können."

    Eileen: "Aber du machst dir doch bestimmt auch Gedanken, was der Künstler sagen wollte."

    Katrin: "Das geht nur den Künstler und mich was an."

    Beide stehen vor einer der viele seltsamen kleinen Statuen, welche auf langen dünnen Sockeln stehen. Die Statue gesteht auf den ersten Blick nur aus einer dünnen schwarzen Eisenstange auf dessen Ende ein undefinierbarer Klumpen rauer aus Metal aufgespießt ist.

    Katrin: ".. außerdem ändert sich die Bedeutung den Tag über."

    Eileen: "Hä?"

    Katrin: "Den ganzen Tag über wandert die Sonne durch den Flur hier und der geänderte Lichteinfall lässt es immer anders aussehen."

    Eileen: "Als hätten die das bedacht, das Ding steht hier, weil hier Platz ist."

    Katrin: "Als könnte man nicht mit dem Ding da hinten Plätze tauschen .. schon mal was von Stellung oder Hängung gehört?"

    Eileen kneift eines ihrer Augen zusammen.

    Katrin: "Tija, wer hat jetzt Ahnung von Kultur? Au Hay."

    Sie hat mich bemerkt, Eileen springt weg von mir:

    "Hey, 2 Minuten Abstand."

    Ich kucke verwundert, Katrin rollt mit den Augen.

    Eileen: "Kleiner Spaß."

    Sie tritt wieder vor und haut mir kumpelhaft mit dem Handrücken auf die Brust. Katrin missbilligt dies offensichtlich und setzt sich in Bewegung.

    Katrin: "Ich denke wir gehen dann mal zurück in Camp."

    Still gehen wir die Treppen hinunter. Um die peinliche Stille zu druchbrechen, frage ich Katrin:

    "Hast du die ganze Zeit auf uns gewartet?"

    Katrin: "Nein."

    Ich: "Warst du dazwischen wieder im Camp?"

    Katrin: "Nein."

    Ich: "Wo warst du dann?"

    Katrin: "Maoam!"

    Ich: "Ähm .."

    Katrin: "Kleiner Spaß. Ich war schon in dem Gebäude, ich hab nur nicht auf euch gewartet. Ich hab mir endlich mal ganz in Ruhe alle Kunstwerke angesehen. Also jetzt nicht alle, sondern nur die guten."

    Eileen: "Alles was schwarz und oder gruselig ist, ist automatisch gut."

    Katrin: "Ich habe bis jetzt noch nie gesehen, dass 'du' vor etwas buntem fröhlichen stehen geblieben wärest."

    Eileen: "Kann vorkommen .."

    Katrin: "Ja und zwar wenn etwas so bunt ist, wie ein gewisser Raum bei dem man vor lauter Epilepsie nicht schlafen kann und sich die ganze Nacht rumwälzt und damit andere Leute wach hält."

    Eileen: "Entschuldigung noch mal .. das war eine Nacht."

    Katrin: "Das muss einem doch mal langsam klar werden."

    Wir verlassen die Treppe, durchqueren das Gebäude und gelangen auf den Weg zum Camp.

    Eileen: "Der Raum ist nicht durchgehend so, der geht nach einer Weile aus und wird ruhiger, wenn sich im Inneren eine Weile nichts bewegt .. das wäre ja auch eine viel zu große Stromverschwendung."

    Katrin: "Da habt ihr ja was gemeinsam...

    Wir erreichen endlich die Campschleuse, denn langsam wird mir echt unbehaglich dabei, wie sich die Beiden streiten und mich dabei völlig ignorieren.

    Katrin: ".. Ich würd nur gerne wissen, was sich in dir die letzte Zeit so bewegt."

    Die Schleuse öffnet sich, nachdem Katrin das leere Klingelschild drückt. Wir beide treten ein aber Eileen bleibt wie angewurzelt stehen.

    Katrin: "Was ist denn?"

    Eileen: "Wir sollen 2 Minuten Abstand halten, bei unserem Glück hat der Lehrer das telefonisch so durch gegeben."

    Katrin verdreht genervt die Augen, schiebt Eileen durch die Schleuse auf den Campvorplatz, stellt sich vor sie hin und beginnt dann:

    "Jetzt seit mal nicht albern, sonder zur Abwechslung mal wieder normal .. also .. du selbst. Erst willst du alle Gefährdungen auf Rot, dann willst du Campassistenz werden, nur um andere zu piesacken und jetzt hälst du dich übertrieben an den letzten Buchstaben der Campregeln, die du vor nem Monat noch persönlich verbrannt hats. Irgendwas stimmt nicht mit dir .."

    Katrin stellt sich auf die Zehenspitzen und sieht Eileen kritisch an.

    Eileen: "Hab eben so meine Schwankungen."

    Katrin: "Eileen hat keine Schwankungen."

    Peter: "Ah, da seid ihr ja endlich, wie haben extra auf euch gewartet. Nun hopp hopp Sportsachen an und los."

    Peter und ein paar andere Campbewohner kommen uns in Sportkalotten entgegen, einigen machen unbeholfene Dehnübungen an Bäumen oder Bänken.

    16
    Laufen ( Tag 9 Donnerstag Mittag )

    Katrin: "Sport?"

    Fragt Katrin überrascht.

    Peter: "Ja, ein wenig durch den Wald laufen"

    Eileen: "Wenn es durch den Wald geht, bin ich dabei. Los komm."

    Sie winkt Katrin hinter sich her, welche kurz zögern dann aber mit hoch zum Geisterhaus geht. Ich drehe mich um, mache mich auf zum Bunker, in welchem kaum jemand zu sein scheint und ziehe mich in meinem Zimmer um, welches zu meiner Verwunderung zur Abwechslung mal leer ist. Mein weißes Sportshirt zusammen mit einer grauen Sporthose sind zwar nicht die schönsten Klamotten aber sie sollten reichen.

    Wieder auf dem Gelände müssen wir zusammen nicht lange warten, bis auch Eileen und Katrin wieder eintreffen. Eileen, trägt ihr übliches viel zu großes weißes Shirt und wahrscheinlich eine Sporthose, welche man aber nicht sieht. Katrin trägt dagegen richtige Sportsachen in Form ihrer schon bekannte lange schwarze Trainingshose mit drei weißen Streifen, zusammen mit einem schwarzen Top. Nur die grauen Sportschuhe passen nicht wirklich ins Bild.

    Katrin: "Ja ich weiß, sieht doof aus .."

    Sie muss wohl bemerkt haben, dass ich sie angesehen habe. Und ergänzt:

    ".. aber die hatten einfach keine schwarzen da, in denen ich laufen konnte. Manchmal hasse ich es in einer Kleinstadt zu leben."

    Peter: "Wir hassen hier im Camp nicht .. los gehts. Laufschritt."

    Wir machen uns auf aus dem Camp heraus, biegen aber diesmal nach unten ab. Kein Wunder, bei dem Tempo wäre der Drachenfelsen die reiste Tortur. Wir laufen durch den schönen Teil der gesamten Anlage, rechts und links neben uns liegen die schöneren Camps, mit frisch gestrichenen Kabinen, grünem Gas und meist nur recht niedrigen Zäunen.

    Als ich verwundert einen der Zäune ansehe, spottet Katrin:

    "Höhö, das ist das Fatcamp .. die kommen eh nicht über den Zaun."

    Ich muss lachen und verschlucke mich dabei. Promt drift mich ein Schlag von hinten auf den Rücken.

    Eileen: "Arme hoch."

    Ich: "Geht schon .."

    Wir laufen weiter langsam an einer Pferdekoppel vorbei, auf welchem eine Reitlehrerin Lauf Kommandos gibt und an der Hütte, wo wir Steinmetzkunst haben. Warmer Sommerwind weht durch das hohe goldenen Gras am Wegesrand. Zum Glück ist unter Tempo relativ langsam.

    Katrin: "Hey Hardü!"

    Ruft Katrin laut und bekommt sogar leise Antwort.

    Katrin: "Und wie findest du Hardü?"

    Ich: "Super."

    Katrin: "Und was wird dein erstes großes Werk."

    Ich: "Nen Aschenbecher."

    Antworte ich knapp, denn aufgrund meiner schlechten Kondition fällt mir das Reden echt nicht leicht.

    Katrin: "Meins war einen Briefbeschwerer. Jetzt arbeite ich an einer Schlange."

    Ich: "Die sich um eine Kugel wickelt?"

    Katrin: "Ja genau .. du hast sie gesehen?"

    Sie springt kurz in die Luft und sieht mich dabei freudig an.

    Ich: "Ja .. sah irgendwie nach dir aus."

    Katrin: "Echt unter all den Stücken?"

    Ich: "Auf gefallen ist mir das Ding eher, weils ne Schlage war und alles andere .. ähm."

    Katrin: "Undefinierte Klumpen .. Ja, ich bin ja auch schon weiter als die meisten anderen. Magst du die Schlange denn?"

    Ich: "Ja, ich wünschte ich könnte das so gut."

    Katrin: "Kannst du sicher, wenn du nur dabei bleibst."

    Wir laufen über den Parkplatz, von welchem aus wir zur Ausstellung gefahren sind und hinter und erhebt sich wieder der imposante Bau des Luxusresourts, nach dem ich mich einfach umdrehen muss.

    Als ich wieder nach vorne sehe, steuern wir auf einen großen Tunnel zu. In welchem es angenehm kühl ist.

    Eileen: "Boar, endlich kalt. Komm wir geben Gas, setzen uns an die Spitze und laufen so lange vor Kopf, bis wir an den Bänken oben im Wald ankommen. Da machen wir eh immer Pause."

    Katrin: "Ohne mich."

    Eileen: "Schön, aber du kommst mit."

    Sie versuch mit mit dem Ellenbogen anzustursten aber ich weiche aus.

    Eileen: "Kommt schon, alleine ist das doof, hast auch was gut bei mir."

    [o]Hinten bei Katrin bleiben

    [x]Mit laufen

    Ach was solls, wenn ich mich nicht bewege wird meine Kondition nicht besser. Also hole ich noch mal tief Luft und beschleunige dann beim Tempo. Jedoch beschleunigt Eileen wesentlich stärker als ich, worauf ich mich zumindest zu Beginn sehr ansträngen muss das gleiche Tempo zu erreichen.

    Jedoch geht es nach ein paar Minuten sehr gut, was mich sogar selber überrascht und zugegeben echt gut anfühlt.

    Nach ein paar Sekunden überholen wir sogar Peter, welcher mir aber Nachruft:

    "Daniel, ich glaube nicht, dass das so wirtschaftlich ist, was du da machst."

    Eileen: "Ach quatsch, gleich bei den Bänken sind eh alle gleich kaputt, kommt schon Endspurt."

    Zischt mir Eileen zu, als ich mich zu Peter umdrehe.

    [o]langsamer machen

    [x]Weiter laufen

    Ich: "Ok."

    Huste ich, sehe wieder nach vorne und merke, dass wir nach dem Tunnel verlassen und dabei sind einen Wald zu erreichen, der Weg dorthin führt allerdings Bergauf. Ich muss wieder husten.

    Eileen: "Komm komm .. der kleine Hügel .."

    Ich nehme meine letzte Karft zusammen und laufe gegen den Hügel an. Eine Weile läuft es ganz gut, auch wenn ich jetzt wesentlich langsamer bin als sie. Doch als wir gerade den Wald erreichen, kann ich wirklich nicht mehr, weil ich kaum noch richtig Luft bekomme und aufkommende Seitenstiche mir den Rest geben. Hustend bleibe ich stehen.

    Eileen: "Schon Ende?"

    Ich nicke einfach nur noch und halte mir meine Seite. Soll sie doch denken und sagen, was sie will. Mich interessieren gerade nur meine Lunge und meine Seite.

    Eileen: "Schon gut .."

    Sagt sie zu meiner Überraschung in einem leiseren verständnisvollem Ton und erklärt dann leise:

    "Aber nicht einfach stehen bleiben, dass ist schlecht für den Kreislauf."

    Also gehe ich erst ein paar Schritte weiter, merke dann aber, dass langsam laufen kein so ein großes Problem ist und da die Bänken schon in Sichtweite sind, wird das kleine Stück auch noch zu schaffen sein.

    Eileen: "Hey, aber nicht umkippen ok?"

    Kurz drauf kommen wir bei den Bänken an, wo ich mich erstmal auf den Waldboden fallen lasse und mich an einen großen Stein lehre, wie es sie auch beim Drachenfelsen gibt.

    Die Waldluft tut echt gut.

    Nach einer Weile erreichen auch Peter und dann nach und nach die anderen Campbewohner die kleine Waldkreuzung, wo zu jeder Richtung hin Bänke und Findlinge stehen. Einigen geht es nach wie vor gut, andere sind wie ich völlig außer Atem.

    Peter: "Was hab ich euch gesagt?"

    Eileen: "Was denn .. wir machen doch eh .. eh immer hier Pause."

    Hustet sie, von einer Bank aus, die direkt neben meinem Stein steht.

    Peter: "Unter anderem wegen solchen Aktionen, die ich nicht besonders mag, du weißt warum."

    Eileen: "Diesmal .. hab .. hab ich gut aufgepasst."

    Ich sehe sie dabei aus dem Augenwinkel beleidigt gestikulieren.

    Peter: "Nim die Arme hoch, dann bekommt du auch Luft."

    Sie Packt meinen Arm und legt mir meinen Hand auf den Kopf.

    Peter: "Eigentlich meinte ich deine Hände. Bei dir alles ok?"

    Ich weiß zwar nicht genau, was passiert aber dem Ton seiner Stimme nach zu urteilen hat er sich zu den anderen umgedreht und kümmert sich eher um Victoria.

    17
    Essen ( Tag 9 Donnerstag Mittag )

    Nach einer Weile geht es wieder und ich setzt mich besser auf den Stein als auf den Waldboden. Nach noch ein wenig husten nehme ich auch wieder die Hände vom Kopf um stütze sie auf dem Stein ab, damit nicht mein ganzes Gewicht auf meiner Seite lastet. Dabei berühre ich mit meinem Fingerspitzen etwas warmes weiches.

    Ich bin zwar eigentlich zu kaputt, um extra nachzusehen aber nicht, dass es irgendwas ekeliges ist. Als ich nach unten sehe, merke ich, dass es Eileens nackter Oberschenkel ist, die auf der Bank jetzt viel zu nah bei mir sitzt. Schnall ziehe ich die Hand weg:

    "Schuldigung."

    Eileen: "Hä .. was?"

    Verwirrt dreht sie den Kopf in meine Richtung und ich merke erst jetzt, dass sie ebenfalls ziemlich fertig aussieht und sich mit dem Kragen ihres viel zu großen T-Shirt die Stirn abwischt. Weswegen man ihre kurze Sporthose sehen kann.

    Sie zupft sich ihr Shirt wieder zurecht und sieht mich fragend an und sagt:

    "Was ist los?"

    Ich: "Ich bin eben an dich dran gekommen."

    Eileen: "Na wenn dir das ne Sondermeldung wer ist?"

    Sie springt auf, während alle anderen sich noch ausruhen und streckt sich. Jap, sie trägt eine schwarze ausgewaschene Sporthose, in Anführungszeichen, drunter. Kaum wieder auf den Beinen klopft sie mir auf die Schulter:

    "Gut gemacht, den Willen hast du schon mal, am Rest kann man arbeiten."

    Peter: "Das ist aber nicht der Ansatz, den wir hier verfolgen."

    Eileen: "Warum eigentlich nicht?"

    Peter: "Weil wir die US Armee nicht als führend ansehen, was Sportpädagogik angeht."

    Sagt Peter leicht entwertend, fügt dann aber lobend hinzu:

    "Zumindest hast du dich diesmal verantwortungsvoll benommen."

    Sie nickt, sieht nach einander die verschiedenen Abzweigungen in den Wald hinein an und fragt dann:

    "Wohin geht es weiter."

    Peter: "Vogelbruch."

    Eileen guckt skeptisch und im Hintergrund keucht Victoria:

    "Aber den kann man nicht laufen."

    Peter: "Genau .. Leute, der Rest wird ein Spaziergang und das im wörtlichen Sinne."

    Die meisten atmen erleichtert auf und erheben sich langsam von den Bänken.

    Langsam trotten wir den Waldweg entlang.

    Katrin: "Was sollte das schon wieder? Ich hab dir doch gesagt, du sollt das lassen."

    Eileen: "Was lassen? Wir sind ganz normal gelaufen, ohne Ziel ohne Erster .. also schon mit Ziel, weil .."

    Katrin: "Lenk nicht ab, du weißt was das letzte mal passiert ist."

    Katrin schnaubt und verlässt uns in Richtung der Spitze des Trosses.

    Ich: "Was ist denn .."

    Victoria: "Stör ich?"

    Victoria, lässt sich zu und nach hinten fallen und humpelt ein wenig mit uns mit, da sie sich ebenfalls die Seite hält.

    Ich: "Nein. Ich wollte nur wissen, was Katrin meint mit schon wieder .."

    Eileen: ".. absolut nicht vergleichbar."

    Victoria: "Um was gehts."

    Eileen: "Daniel Nummer 1."

    Victoria: "Und deswegen ist sie sauer? Immer noch."

    Ich: "Daniel Nummer 1?"

    Victoria: "Ach so ja, wir haben hier ja mehrere Daniels die alle mehr oder weniger Waschlappen sind."

    Ich: ".. ähm"

    Eileen: "Hey, wir arbeiten dran."

    Victoria sieht erst Eileen und dann mich an, wird dann recht rot, denn durch die Anstrengung war ihr Gesicht auch vorher schon leicht rosa und stottert dann ein wenig:

    "Ah .. ähm .. du heißt ja auch so .. das ähm .. so meinte ich das nicht, also ich meine dich nicht."

    Ich: "Schon ok."

    Sie guckt für einen Moment auf den Boden. Räuspert sich dann aber und erzählt recht schnell:

    "Also wir hatten hier mal einen Daniel, der konnte immer alles und wusste immer alles und der meine mal er könnte .. oder er währe .. ähm"

    Eileen: "Marathon gelaufen. Achtung Wurzel!"

    Wir biegen in einen Bereich des Waldes ein, wo wir an einem leichten Abhang entlang gehen. Wo jemand scheinbar einfach einen Weg in einen Hügel gegraben hat. Rechts von uns regt es diesen Hügel hinab und Links von uns ist eine kleine Steilwand.

    Victoria macht einen Sprung über über eine der vielen dicken Wurzeln, die aus der Erde von Boden und Steilwand regen.

    Victoria: "Genau und das mit 100 Kilo .. und unsere Sportskanone hier hat ihn dann auf einem Lauf zu einem Wettrennen heraus gefordert und der Typ ist mit gelaufen und hat sich promt gemault. Also so richtig aufs Maul gelegt."

    Sie muss kichern.

    Eileen: "Sieht du, völlig andere Situation. Oder .. Wurzel!"

    Ich weiche einer Wurzel aus und sage dann:

    [x]: "Selber Schuld"

    [o]: "Musste das sein"

    Ich: "Man ist doch selber Schuld, wenn man sich auf sowas einlässt."

    "Obwohl du genau das gleich machst?"

    Katrin ist mal wieder ohne Vorwarnung in unserer Nähe aufgetaucht.

    Eileen: "Das ist was anderes, er ist intelligent und würde niemals bis zum Umfallen laufen."

    Katrin: "Und das weißt du?"

    Eileen: "Ja."

    Katrin: "Na dann ist ja gut."

    Sie guckt erst Eileen böse an, dann Victoria etwas weniger böse, mich fast schon besorgt, dreht sich dann aber rum und setzt sich wieder weiter nach vorne an die Schlange.

    Victoria: "Mal wieder nur nicht nachtragend .. was geht sie das überhaupt an?"

    Eileen: "Sie mochte unsere Nummer 1."

    Victoria: "Den, ist nicht dein Ernst oder? Meist du sie wollte was von .."

    Eileen: "Ach .. nicht mögen im romantischen Sinne .. eher mögen wie .. wie .. ein kaputtes Spielzeug, dass zwar eigentlich nichts mehr kann, das aber trotzdem noch lustige Geräusche macht, wenn man draufdrückt. Man wills auf keinen Fall in seinem Zimmer haben aber wegwerfen kann man dann doch nicht, also vergammelt es irgendwo in der Garage."

    Victoria: "Das ist zwar Menschen verachtend, trifft es aber ganz gut, ich denke da kann man mal eine Ausnahme machen. Was würdest du eigentlich tun, wenn er wieder zurück kommt?"

    Eileen: "Alle bestechen, damit niemand niemanden warnt und dann mal gucken was passiert. Ich verschiffe ihn ja mit Susanne."

    Victoria: "Das Wort heißt shippen."

    Ich sehe sie verwirrt an und sie erklärt darauf:

    "Shippen ist, wenn man sich vorstellt, dass eine Person die man kennt mit einer anderen die man kennt zusammen sein könnte und den Gedanken toll findet."

    Eileen: "Man könnte sich auch aus den Angelegenheiten andere raushalten."

    Victoria: "Tut man doch, man mischt sich dabei ja nicht ein, sonst wäre das coupeling."

    Eileen: "Oder auf deutsch Kuppelei, was bis in die 1970er noch eine Straftat war."

    Victoria: "Och, mache brauchen da einfach einen kleinen Schubs."

    Eileen: "Damit du dann am Rand stehen kannst, um deinen Emotions-Tourismus auszuleben. Dabei würde es dir mal ganz gut tun selber die Bühne zu betreten."

    Victoria: "Nein, ich warte diszipliniert bis sich mit meinem Auftritt an der Reihe bin."

    Eileen: "Sag mal bescheid, wenn ich mal wieder in einer deiner Shipping Geschichten vorkomme, die du so schreibst."

    Victoria: ".. bei dir fällt mir einfach kein neuer Partner ein .. nachdem du so herzlos Tanja verlassen hast."

    Den letzten Teil sagt sie in einem künstlich theatralischen Ton, was wohl vermuten lässt, dass das nur in einer ihrer Geschichten der Fall war. Sie legt sich dabei ihre ausgespritzten Fingerspitzen auf die Brust und hebt den Brustkorb. Dabei kann man ihre Rippen durch ihr blaues ebenfalls zu großes T-Shirt sehen.

    "Ähm .."

    Eileen deutet auf mich.

    Victoria: "Ha!"

    Was zum? Ist sie völlig bescheuert, ihr das einfach zu verraten?

    Victoria: ".. als ob, ich bin ja für gewöhnlich eine Quelle der Phantasie aber das übersteigt selbst meine Vorstellungskraft. Ein Liebespaar, dass sich mit 'Alter' und 'Ey' anredet .."

    Auf einmal biegen wir aus dem Wald auf einen Wiese ab und keine paar hundert Meter weiter stehen wir plötzlich vor einem Zaun, welcher dem ähnelt, welcher unser Camp umgibt. Als Peter ein Tor vor uns öffnet, stehen wir plötzlich in unserem Camp nur irgendwie auf der anderen Seite.

    Ich: "Ist das der Bunker von hinten?"

    Peter: "Nein, das ist das Hauptgebäude von hinten."

    Antwortet Peter wenig hilfreich.

    Der Bunker sieht aus dieser Richtung viel großer aus und hat auf einmal zwei Stockwerke. Naja, dass hat er ja auf Höhe des Balkons auch aber diesmal führt eine Stahltreppe auf die zweite Etage. Verwundert bleibe ich kurz stehen. Und sehe, wie sich oben eine Türe auf dem letzten Absatz der Treppe öffnet.

    Immer noch etwas verwirrt gehe ich den anderen nach, als ich selber durch die Türe trete stehe ich auf einmal im Bunker und zwar ganz hinten am großen Tisch, direkt links wäre mein Zimmer. Dahin führt also diese komische Türe am Ende des Tisches.

    Der Tisch ist bereits gedeckt und einige Campbewohner essen bereits. Ich rieche kurz an meinen völlig durchnässten Sachen und überlege laut:

    "Soll ich nicht besser erst duschen gehen?"

    Eileen: "Unsinn, du hast gleich eh Navy Seals AG, da lohnt sich Duschen mal gar nicht, los setzt dich."

    Ich setzt mich auf meinen Stuhl zwischen Sie und Katrin, während uns Merle jeweils eine Portion Nudeln auf die Teller schaufelt.

    Merle: "Tija, wer zu spät kommt. Mehr ist nicht mehr da."

    Eileen: "Och das reicht .."

    Sie rammt gleich ihre Gabel in die Nudel .. auf meinem Teller und dreht sich einen ganz schönen Haufen zusammen.

    Ich: "Hey."

    Eileen: "Du hast heute Morgen gesagt, du gibt mir was von deiner pasta ab."

    Ich: "Zahn Pasta."

    Eileen: "Ich meine nicht, dass das Wort Zahn in dem Satz vorkam. Aber sagen wir einfach, ich darf diese Gabel behalten, dafür helfe ich dir die Navy Seal AG zu überleben."

    [o]Protestieren

    [x]Einwilligen

    Ich: "Na von mir aus .."

    Eileen: "Supfer."

    Schmatzt sie mit der Gabel schon im Mund, während Katrin genervt mit den Augen rollt.

    18
    Navy Seals ( Tag 9 Donnerstag Mittag )

    Nach einer Weile haben wir die Nudeln mit Tomaten Soße aufgegessen. Zum Glück reicht mit meine Portion und es macht mir gar nichts aus, dass mir eine Gabel fehlt. So kann ich getrost 'Nein' sagen als es wieder diesem komischen Obstsalat gibt, welcher im Grunde nur aus Zuckerwasser besteht, in welchem ein paar Obststücke schwimmen. Wenn man denn Stachelbeeren als Obs bezeichnen kann.

    Merle: "Du magst den Kram auch nicht? Wenigstens einer mit Geschmack .. dass sie das Zeug auch noch in Glasschüsseln servieren, macht es neben einer geschmacklichen auch noch zu einem ästhetischen Verbrechen."

    Langsam komme ich auf die Idee, das Merle nicht so weit weg von Kopf des Tisches sitzt, weil sie eine Außenseiterin wäre, sondern, damit Mario und Peter ihr Genörgel übers Essen nicht hören.

    Ich: "Genau deiner Meinung."

    Merle: "Welche Therapie hast du nach dem Essen?"

    Eileen: "Arbeitsgruppe Navy Seals. Da muss ich auch hin, halt dich einfach 'dicht' an mich. Warte am besten auf dem Vorplatz auf mich."

    Peter: "Wer keinen Nachtisch hat, kann schon mal gehen."

    Da entgegen Merles Wahrnehmung fast niemand den Obstsalat haben wollte, steht fast der gesamte Tisch auf. Also tue ich das gleiche und frage anschließend Mario, da ich Peter nicht finden kann:

    "Was macht man bei der Arbeitsgruppe Navy Seals?"

    Mario: "Wie bitte? Zeig mal dein Logbuch bitte .."

    Ich reiche ihm mein Logbuch.

    Mario: "Achso, ja .. das wirst du dann schon sehen. Zieh dir einfach deine Badehose an und folg den anderen."

    Ich: "Badehose? Ich hab keine Badehose."

    Mario: "Laut den Campregeln solltest du aber eine haben, du hattest doch auch beim Schwimmen eine, wo ist die den hin?"

    Ich: "Die ist zuhause in der Wäsche, ich hab nur eine."

    Mario: "Ich finde nicht, dass wir da direkt ein Verstoß draus machen müssen. Pack schon mal deinen Badekram zusammen und Frag dann einfach ob dir jemand eine leihen kann."

    Ich schaue in die Runde aber da fast nur Mädchen um den großen Tisch wuseln, um das Geschirr abzuräumen, gehe ich in mein Zimmer, nur um lediglich den anderen Daniel anzutreffen.

    Ich: "Sag mal, kann ich mir zufällig deine Badehose ausliehen?"

    Frage ich. Während ich mir schon mal meinen Bademantel drüber ziehe und ein Handtuch über die Schulter werfe.

    Andere Daniel: "Ähm .. äh .. ich hab gar keine mit."

    Ich: "Weißt du wo Domenick und Nayse sind?"

    Andere Daniel: "Nein."

    Verdammt, nicht das mir Domenicks Badehose passen würde aber bei Nils könnte es hinkommen. Also verlasse ich mein Zimmer wieder.

    Mario: "Und Erfolg gehabt?"

    Fragt er, während er hauptsächlich die Mädchen mit dem Geschirr beaufsichtigt.

    Victoria: "Was los?"

    Ich: "Hab keine Badehose."

    Anny: "Haha, dann musst du die rosane Bestrafungshose aus dem Krankenzimmer tragen."

    [x]Von mir aus

    [x]Nein, kommt nicht in Frage.

    Ich: "Von mir aus."

    Ehrlich gesagt, würde mir die Farbe kaum was ausmachen. Immer noch besser als jetzt alle Jungs nach ihren Schwimmhosen zu fragen.

    Mario: "Das ist immer noch keine Bestrafungshose, das ist einfach eine Badehose, die irgendwann mal eine Campbewohnerin hier vergessen hat. Und die ist immer noch kaputt."

    Verdammt.

    Ich: "Ich frag mal Manuel."

    Ich klopfe an seine Zimmertüre, welche ja ebenfalls direkt am Tisch liegt.

    Manuel: "Ja."

    Ich: "Kannst du mir eventuell deine Badehose leihen."

    Manuel: "Ist schlecht .. die ist dreckig."

    Ich: "Ok, trotzdem Danke."

    Als ich die Türe schließe überlege ich mir, dass jetzt eigentlich nur noch Nils übrig bleibt.

    Ich: "Weiß jemand wo Nils steckt?"

    Merle: "Müsste auf dem Gelände sein."

    Ich sage noch kurz Danke, renne dann aber aufs Gelände und sehe ich auf dem Vorplatz um.

    "Da bist du ja endlich können wir dann?"

    Fragt Eileen mich genervt von hinten.

    Ich: "Nein .. also .. ich suche noch Niels also .."

    Eileen: "Las mich raten, keine Badehose."

    Ich nicke stumm.

    Sie sieht sich nach links und recht um und sagt dann platt:

    "Weg drehen."

    Ich: "Hä .."

    Sie packt mich an den Schultern und dreht mich von sich weg.

    Eileen: "Hin drehen."

    Ich drehe mich um und sehe, wie sie mir eine schwarze Badehose vors Gesicht hält. Wo auch immer die sie gerade hergeholt hat.

    Eileen: "You're welcome."

    Ich: "Wo hast du dir her?"

    Eileen: "Unwichtig."

    Ich greife nach der Hose.

    Eileen: "Hey, dafür möchte ich aber gerne was von dir."

    Ich: "Was darf sein?"

    Eileen: "Du tust gleich genau was ich sage .. und .. hm .."

    Sie beugt sich vor, betrachtet meinen neon grünen Microfaser-Bademantel, grinst und fährt in einer begeistert niedlichen Tonlage fort:

    ".. pluschy Bademantel, wäre toll."

    [o]Beides

    [x]Nur eins

    [o]Du bekommst gar nichts

    Ihr gar nichts zu geben wäre gemein, schließlich bewahrt sie mich quasi vor einem Verstoß. Aber bei dem Gedanken alles machen zu müssen, was sie sagt, wird mir jetzt schon innerlich übel.

    Ich: "Übertrieb mal nicht .. eine Sache."

    Eileen: "Hm .. dann plushy Bademantel."

    Ich ziehe meinen Bademantel aus und halt ihn ihr hin.

    Ich: "Aber dafür bekomme ich deinen."

    Sie weicht erschrocken zurück und hält sich den Kragen mit der Haus zu.

    Eileen: "Doch nicht jetzt. Ich sag dir, wenn ich den haben will. Und jetzt los."

    Sie schiebt mich mal wieder quasi aus dem Camp.

    Katrin: "Wohin geht ihr?"

    Ich: "Arbeitsgruppe Navy Seals, was auch immer das ist."

    Katrin: "Ach Kneip Therapie. Da wird man einfach abwechselnd mit heißem und kalten Wasser abgespritzt."

    Eileen: "Noar, jetzt hast du alles verraten."

    Sagt sie, während sie weiter gegen meinen Rücken drückt. Katrin ruft uns noch nach:

    "Lasst euch nicht vom Schwarm erwischen."

    Wir gehen, oder laufen eher, den Weg hinunter zur Kardiologie aber biegen dann in eine andere Richtung ab, wo es fast so weit nach unten, wie rum Ressort geht. Auf dem Weg nach unten fällt mir auf, wie heiß es schon wieder geworden ist. Wir betreten ein Gebäude welches ohne Frage zum Krankenhaus gehören muss. Obwohl es schon nach kurzer Zeit irgendwie nach Schwimmbad aussieht und reicht.

    Eileen: "Also .. ich bin schon fertig, du musst dich noch umziehen. Am besten .."

    "Ah da seids ihr ja endlich."

    Eine grobschlächtige Frau mit einem starken Berliner Akzent kommt uns in einem der gefliesten Gängen entgegen. Sie trägt einen blauen altmodischen Bademantel mit einem Hemd darüber und stemmt die Hände in die Hüften.

    Frau: "Isch wollt ja schon oben angerufen haben, jetzt macht einen bisschen zügisch."

    Eileen: "Einen Moment, ich muss noch kurz erklären .."

    Frau: "Wo die Umkleide isch? Die isch da! Nu komm, du disch ja scho' fertig."

    Sie zeigt auf einen großen Eingang.

    Eileen: "Ok .."

    Sagt sie laut und flüstert mir dann ganz schnell zu:

    "Rechte Seite, ganz hinten, zwei Türen aufschließen, wieder abschließen, dann auf den Dornen das Handtuch aufhängen und die Schieber nach oben drücken."

    Frau: "Nu zagisch zagisch, der junge Mann wird schon wissne wo der Piephanh in die Hose jehörd."

    Eileen: "Und las dich als letztes kalt abduschen."

    Flüstert sie mir noch zu, bevor sie der Frau den Gang hinunter folgt.

    Ich zucke mit den Schultern und mache mich auf in Richtung der Umkleide. Zu meiner Überraschung gibt es anstelle einer zu erwartenden Türe nur einen großen breiten Eingang, hinter welchem direkt eine Mauer liegt.

    Hm .. wenn schon keine Türe, dann wenigstens eine kleine Mauer kürz dahinter. Sonst könnte man auch zu einfach hinein spannen. Nicht dass das so schwieriger wäre aber immerhin. Alles in allem macht die ganze Einrichtung einen sehr altbackenen Eindruck. Die Fliesen sind zwar neu und aus dieser komischen Weltraumtechnologie Keramik, auf welcher man auch mit den nassesten Füßen nicht ausrutschen kann aber das gesamte Layout schreit einem förmlich die 40er Jahre entgegen.

    Als ich in der Umkleide ankomme, staune ich erstmal über dessen Größe. Das Ding ist locker größer als ein Klassenraum und zum meiner Überraschung fast komplett leer. Nur an den Wänden stehen reihenweise Spinte und vor diesen, mit einem sehr unpraktischen Abstand, Holzbänke. In der Mitte des Raumes steht einfach mal nichts.

    Außer mir ist keiner in der Umkleide und so macht es mir gar nicht mal soviel aus, dass es sich um eine Gruppenumkleide handelt. Wenn ich mich mit dem Gesicht zum Spint umziehe, kann man eh höchstens kurz meinen Hintern sehen. Ich überlege noch kurz, was Eileen mir eben genau zugeflüstert hat aber an mehr als an 'ganz Hinten' und irgendwas mit 'Dornen zum aufhängen', kann ich mich nicht erinnern.

    Als ich bis ganz nach Hinten durch gehe, steigt mir sofort der typische Schwimmbadgeruch in die Nase. Eigentlich mag ich ihn ja irgendwo, aber es fühlt sich schon komisch an, die Nase voller Chlor zu haben aber dabei weder Wasserplätschern noch das übliche Schwimmbadgeschrei zu hören. Außerdem weiß ich ja immer noch nicht genau, was mich erwartet.

    19
    Pluschi ( Tag 9 Donnerstag Mittag )

    Als ich vor dem Spint stehe sehe ich, dass in diesen kleine Schlüssel stecken, die man wohl erst abziehen kann, wenn man den Spint abschließt. Wie in den Schwimmbäder, die ich so kenne, sind an den Schlüsseln kleine Armbänder. Ales also wie gewohnt, nur dass man hier keine Münzen einwerfen muss.

    Ich lege Handtuch und Bademantel auf die Holzbank vor meinem Spint, welche wirklich unangenehm weit weg ist, so dass man genau einen halben Schritt tun muss. Ich ziehe wie gewohnt meine Sachen aus und als ich gerade mein T-Shirt über meinen Kopf ziehe höre ich dumpf, wie zwei andere Leute in die Umkleide kommen und sich an den Spinten auf der linken Seite zu schaffen machen.

    Nicht weiter drauf achtend, ziehe ich meine Hose aus und betrachte der Vorsicht halber aber noch mal gründlich die Schwimmshorts, welcher Eileen mir so spontan überlassen hat. Die Stimmen hinter mir ignorierend, fühle ich gründlich den Stoff an, durchsuche die Taschen und rieche kurz dran.

    Als alles in Ordnung zu sein scheint. Tausche ich sie gegen meine Boxershorts aber nicht ohne mich nach wie vor zu fragen, wo das Mädchen so schnell die Hose herbekommen hat. Im besten Fall hat sie einfach immer Ersatz mit, im schlimmsten ..

    Stimme 1: ".. keine Sorge das Zeug ist immerhin Wasserabweisend"

    Stimme 2: "Ja schon aber Wasserabweisend ist nicht Wasserfest."

    Stimme 1: "Und?"

    Doch die zwei Stimmen im Hintergrund reißen mich aus meinen Gedanken, besonders da sie mir irgendwie bekannt vor kommen. Ich drehe mich um und erschrecke mich fast zu tode ..

    Schal Mädchen: "Was ist, wenn die mich mit dem Schlauch am Hals erwischt?"

    Blondes Mädchen: ".. warum sollte dir die Kröte den Wasserstrahl für ne Minute auf den Hals hält?"

    .. es sind die beiden Mädchen aus Englisch.

    Sie stehen mit der Seite zu mir und ziehen sich zu meinem Schrecken wirklich um. Während das Schal Mädchen, schon fast fertig mit dem Umziehen ist und sich eine Art Paste auf dem Hals schmiert. Zieht das blonde Mädchen gerade das Oberteil aus, welches sie schon heute Morgen anhatte, um sich dann einem dünnen weißen Bikini mit Fruchtmotiven drauf anzuziehen. Wobei sie aber mit den vielen Bändel komplett in Tuck kommt.

    Blondes Mädchen: "Nach, verdammt."

    Sie versperrt zum Großteil die Sicht auf das Schal Mädchen, welches jetzt natürlich keinen Schal mehr trägt, sondern einen braunen Bikini mit Hartschalen und es könnte gut sein, dass sie unten gar nichts trägt, da die nach dem Auftragen der Creme ein Stück Stoff in der gleichen Farbe von der Bank aufhebt.

    Viel zu spät merke ich, wie lange ich die Szene bereits beobachtet habe und versuche, so leise es geht aus der Umkleide zu entkommen. Als ich einen Schritt zurück mache, stoße ich jedoch mit dem Fuß gegen meine offen stehende Spinttüre, welche mit lautem Schäpern gegen den Spint knallt. Boar, dieser Bankabstand.

    Blondes Mädchen: "Hey .."

    Die Mädchen drehen sich zu mir um.

    Ich: "Hey, sorry, ich muss dann auch .. bin schon spät dran."

    Schnell schnappe ich mir meinen Kram und will den Spind abschließen aber der verdammte Schlüssel klemmt.

    [x]Versuchen trotzdem abzuschließen

    [o]Ohne Abschließen verschwinden

    Ich kann meine Sachen unmöglich unabgeschlossen lassen und wenn die Beiden die gleiche Therapie haben wie ich, dann holen sie mich eh spätestens da ein.

    Blondes Mädchen: "Nicht so schnell!"

    Mit einer enormen Geschwindigkeit hechtet das blonde Mädchen durch den Raum. Ich drehe mich vom Spind zu ihr und hebe, mich ergeben, die rechte Hand, wobei ich in meiner Linken Handtuch und Bademantel halte.

    Das Mädchen springt über die Bank und steht nur einen halben Schritt entfernt vor mir.

    Blondes Mädchen: "Was soll das?"

    Ich: "Was ähm .. schuldigung ich war noch nie hier .. muss die Umkleide verwechselt haben .. seht ja auch nichts dran."

    Das Schal Mädchen kommt nach, bliebt aber hinter der Bank stehen.

    Blondes Mädchen: "Das ist eine Unisexumkleide. Da muss man besonders umsichtig sein."

    Im Camp selber jeglichen Kontakt verbieten aber uns zur Therapie in Unisexumkleiden schicken. Denke ich mir, das aufgebrachte Mädchen vor mir kurz ignorierend. Die guckt mich mit wütendem Blick an, während ihr die Bändel von ihrem Bikini scheinbar einfach wahllos um den Hals hängen.

    Schnell sehe ich ihr wieder direkt in die Augen, denn wenn ich jetzt nach unten gucke, rastet sie bestimmt vollkommen aus.

    Blondes Mädchen: "Hey, ich rede mit dir."

    Schal Mädchen: "Las doch .."

    Sagt das Mädchen hinter ihr so leise, das ich es kaum verstehe. Worauf sich das Blonde Mädchen aber nur kurz umdreht, der anderen etwas unverständliches zuzischt, was aber die Worte "Bezy" und "Ok" enthält.

    Während sie dafür ihren Kopf nach hinten reißt, nutze ich die Chance kurz nach unten zu blicken. Ich bin ja sonst nicht so aber wenn ich schon auf dem Level angeschnauzt werde, will ich es wenigstens verdient haben. Und ihr Bikini hängt wirklich so extrem schief, dass auf der einen Seite ihre halbe Brust zu sehen ist, so dass man ihren kleinen Nippel sehen kann und auf der anderen Seite lugt ein ganzes Stück unter dem Bikini hervor.

    Schnell gucke ich wieder nach oben und sehe, wie sich jetzt auch das Schal Mädchen aufplustert, auf die Bank springt aber als ich zu ihr aufsehe, dann doch die gleiche Position einnimmt wie ihre Freundin.

    Ich: "Ähm .. tut mir leid, ich .."

    Blondes Mädchen: "Hast du uns die ganze Zeit bespannt?"

    Ich: "Nein, nun last mich doch .."

    Schal Mädchen: "Sicher!"

    Schneidet sie mir in einem ärgerlichen Ton das Wort ab, den ich bis jetzt nur dem blonden Mädchen zugetraut hätte.

    Ich: "Ich hab nur .."

    Schal Mädchen: "Dich in aller Ruhe mit dem Rücken zu uns umgezogen und als du fertig warst dann in aller Ruhe bespannt? Um dir dann gleich .."

    Blondes Mädchen: "Und noch dazu uns nicht mal begrüßt obwohl du uns kennst .. sehr unhöflich."

    Schal Mädchen: "Los sag was!"

    Ich: "Ich war beschäftigt als ihr rein kamt. Und wenn euch das so wichtig ist, warum habt ihr mich dann nicht begrüßt?"

    Versuche ich den Spieß rumzudrehen und zu meiner Überraschung funktioniert es sogar, denn fast genau so verblüfft wie ich, darüber dass es geklappt hat, antwortet das Schal Mädchen:

    "Wir dachen du wärst die Psychopathin, die sagt uns nie guten Tag, ihr seht von hinten irgendwie gleich aus."

    Blondes Mädchen: "Wie auch immer, warum hast du uns so unfair bespannt?"

    Ich: "Nein, ich hab euch gesehen hab mich erschreckt .."

    Blondes: "Warum hast du dich erschreckt, noch nie einen Mädchen gesehen?"

    Ich: "Nicht in einer Umkleide."

    Schaal Mädchen: "Was machst du da überhaupt."

    Sie schnappt sich mein Handtuch samt Bademantel. Zu meinen Glück tut sich bei mir gar nichts, dazu bin ich viel zu aufgeregt und dabei an meiner 'Finalen Erklärung' zu arbeiten. Also nehme ich meine andere Hand auch noch hoch. Und stehe mit dem Rücken gegen die offene Schranktüre gepresst vor den beiden wütenden Mädchen, welcher mir gefühlt immer näher auf die Pelle rücken.

    Ärgerlich aber irgendwie auch enttäuscht sieht mir das Schal Mädchen auf die Badehose.

    Ich: "Meine Sachen festhalten, damit sie nicht auf den Boden kommen?"

    Schal Mädchen: "Erklär uns lieber, warum du uns bespannst."

    Ich: "Habe ich nicht."

    Sage ich etwas genervt. Da sich mein Schreck langsam verflüchtigt, mein Selbstvertrauen langsam wieder kommt und mir wieder einfällt, was man in einer solchen Situation am besten macht. Schließlich war ich schon ein paar mal mit selchen Vorwürfen konfrontiert, bis jetzt allerdings immer völlig haltlos, was ja gerade zumindest minimal anders ist.

    Blondes Mädchen: "Sicher?"

    Ich: "Ja, ich hab euch gesehen, hab mich erschreckt, weil ich nicht wusste dass das eine gemischte Umkleide ist und bin kurz in Stockstarre verfallen."

    Rede ich einfach über das Schal Mädchen drüber, welcher mich zu unterbrechen versucht:

    Schal Mädchen: "Also hast du doch gespannt!"

    Ich: "Wenn du so willst."

    Schal Mädchen: "Ihr aus dem Nord Camp seid echt krank, ihr dürft gar nichts und wenn man euch mal raus lässt dann .."

    Dreht das Schal Mädchen plötzlich auf, worauf selbst das Blonde Mädchen für eine Sekunde komisch guckt, dann aber den Satz weiterführt, wenn auch in einer etwas ruhigeren Tonlage:

    ".. Wenn wir das deinen Campleitern erzählen."

    Ich: "Von mir aus, dann machst das doch."

    Beide gucken mich verwirrt an, als hätte ich sie völlig aus dem Konzept gebracht. Ich nutze den Moment um nachzulegen:

    "Ihr Beide macht auch gar nicht den Eindruck von bespannten Mädchen. Müsstet ihr nicht schreien oder euch in eure Handtücher wickeln? Ich meine ich seh ja jetzt genau so viel wie eben."

    Als wäre es ihr erst jetzt aufgefallen, verdeckt die Blode ihre heraushängende Brust mit dem Arm.

    Ich: "Also irgendwo ist das ja sehr widersprüchlich."

    Blondes Mädchen: "Ok, wir sagen nichts wenn du es fair machst. Und dich auch .."

    Schal Mädchen: "Ja aber wer weiß denn, dass wir uns nicht bedeckt haben?"

    Ich frage mich wirklich langsam, was der Unsinn soll, denn die Beiden scheinen sich ja noch nicht mal unter einander einig zu sein, was sie wollen.

    Schal Mädchen: "Die interessiert sicher, warum wie hier so lange gemacht habe."

    Ich: "So wie die der Fleck an deinem Hals interessiert?"

    Ich habe mich schon gefragt, warum sie diese so angesengt versucht zu verstecken aber einen Grund wird es schon haben und ihr Reaktion zeigt mir eindeutig, dass ich genau ins Schwarze getroffen habe.

    Schal Mädchen: "Der ist in ein paar Stunden weg."

    Ich: "Weg? Der wird doch gerade erst langsam Lila."

    Schal Mädchen: "Noch nie ein Mädchen aus der Nähe gesehen aber über Knutschflecke bescheid wissen wollen."

    Ich: "Fands als Kind lustig Neunauge zu spielen und mir selber welche auf den Arm zu machen, ich weiß, wann die welche Farbe bekommen. Und deiner hält noch genau 2 Tage."

    Blondes Mädchen: "Du willst sie also erpressen?"

    "Hey Bitches!"

    Ein weißes Etwas springt über die Bank und von hinten die beiden Mädchen an, um diese fest in jeweils einen Arm zu nehmen.

    "Was gibt es den spannendes?"

    Eileen hat sich in ihrem Bademantel von hinten angeschlichen, oder ich habe sie durch meinen Tunnelblick einfach nur nicht bemerkt. Die Drückt die beiden Mädchen an sich. Die Blonde scheint sich nichts draus zu machen, das Schal Mädchen sträubt sich kurz, hat mit meinem Bademantel im Arm keine Chance.

    Schaal Mädchen: "Er hat uns bespannt."

    Ich: "Nein, hab mich nur kurz gewun .. "

    Eileen: "Das ist aber nicht nett."

    Schneidet sie mir in einem sadistischen Ton, bei dem es mir kalt den Rücken runter läuft. Verdammt, wenn jetzt auch noch sie mit einstimmt, könnte das für mich echt übel enden. Wenn sie mich aus dem Camp geworfen haben will, hat sie ja jetzt die beste Möglichkeit. Als einzigen Trost, sieht sie mich nicht wie sonst üblich direkt an, sondern knapp an mir vorbei.

    Blondes Mädchen: ".. als er schon komplett umgezogen war."

    Eileen: "Noch viel weniger nett."

    Was hat die Blonde für ein Problem mit dem 'schon umgezogen'. Hätte ich in Boxershorts etwas spannen dürfen.

    Schal Mädchen: "Ja!"

    Eileen: "Und er hat euch die ganze Zeit dabei beobachtet?"

    Schal Mädchen: "Jetzt nicht die ganze Zeit .. aber .. "

    Eileen: "Und was hat er gesehen?"

    Sie redet so, als würde sie mich fast gar nicht kennen. Ich weiß absolut nicht, warum sie das tut aber ihr hoffe es ist nicht zu meinem Nachteil.

    Ich: "Nicht mehr, als ich jetzt auch sehe."

    Lässt sie mich in Ruhe ausreden, beugt sich dann vor, guckt rechts und linkt und sagt dann in einem normalen Ton:

    "Das is ja nicht sehr viel. Das reicht nicht, um bei uns Ärger zu bekommen. Ich denk da müssen wir .."

    Mit einer schnellen Handbewegung, zieht sie der Blonden das ohnehin schon lockere Bikinioberteil weg.

    Blondes Mädchen: "Ähm .. ich denke .. nicht."

    Stottert das Blonde Mädchen, windet sich aus Eileens Arme heraus, und Springt über die Bank, während die ihre Brust mit dem Unterarm verdeckt. Das Schal Mädchen hingegen bleibt wie angewurzelt stehen und sieht mit aufgerissenen Augen grob in meine Richtung.

    Eileen: "So, Party ist zu Ende. Ärgert gefälligst eure eigenen Leute, ist nicht unser Problem wenn bei euch die Demografie nicht stimmt."

    Blodes Mädchen: "Wa .. Was ist denn mit dir verkehrt?"

    Stammelt das blonde Mädchen, während sie ihren Bikini aufhebt und dann zurück weicht.

    Eileen: "Camp Aufsichtassistens ist mit mir verkehrt."

    Blondes Mädchen: "Was du?"

    Eileen: "Ja und ich würde gerne wissen, was hier wirklich vorgeht."

    Blondes Mädchen: "Haben wir doch schon gesagt, dass .."

    Eileen: "Das ist als Assistents ab hier aber mein Problem, ich melde mich schon, wenn fragen bleiben."

    Stille.

    Eileen: "So und jetzt ab mit euch, die gute Frau wartet. Oder soll ich dir mit dem Bikini helfen? Und du, zieh dir ne Hose an."

    Sie stößt das Schal Mädchen gegen die Stirn, welche sich jetzt er wieder rührt, hastig zu ihrem Spind läuft, ihre Sachen zusammen rafft und mit dem Blonden Mädchen verschwindet.

    20
    Thermodynamik ( Tag 9 Donnerstag Nach Mittag )

    Ich: "Danke."

    Huste ich keuchend, als sich die Mädchen zügig un Richtung Ausgang verziehen.

    Eileen: "Dafür? Ach kein Problem und jetzt los. Die Alte wird schon langsam grimmig."

    Ich: "Ware ich .."

    Doch sie lässt mich einfach stehen und verschwindet ebenfalls Richtung Ausgang.

    Ich schließe den Spind hinter mir ab, raffe meine Sachen zusammen und folge ihr aus der Umkleide heraus auf einen langen Gang, wo mich bereits die grobe Frau mit mürrischen Gesichtsausdruck entgegen kommt:

    "Da biste ja endlich, hat ja lange jenuch jedauert. Nu los, such dir eine Ecke aus."

    Sie winkt mich hinter sich her den Gang hinunter, worauf ich ihr natürlich sofort folge. Nach ein paar Schritten sehe ich, dass der Gang alle paar Meter eine Einbuchtung von ein paar wenigen Quadratmetern hat. Getrennt von Wänden, die nicht ganz bis zu decke gehen sehen diese Dinger aus wie riesige Duschen.

    Frau: "Los da hin stellen."

    Ich hänge meine Sachen auf einen Hacken vor der Einbuchtung und betrete mit nackten Füßen diese komische Art Kabine und merke, dass sich unter meinen Füßen Plastikgitter wie in einem Schiwmmbad befinden.

    Frau: "Has du schon'ma ne Kleipkur jemacht?"

    Fragt mich die Frau, welche mittlerweile einen Gartenschlauch in der Hand hält.

    Ich schüttle den Kopf.

    Frau: "Dat is janz einfach, ich spritz dir abwechselt warm und jalt ab und mach zwischendrinne imma wieder Pause und mach das auch mit deine Freunde."

    Noch bevor ich zustimmen oder auch nur nicken kann, dreht die Frau den Gartenschlauch auch schon auf voll Pulle und spritz mich mit eiskaltem Wasser von oben bis unten ab. Aus Schreck verkrampfe ich mich und weiche zurück.

    Frau: "Nich weglaufne."

    Ich: "Schuldigung hab mich nur .."

    Kaum bin ich wieder in der Mitte angekommen, dreht sie auch schon am Schlauch und ich werde mit unangenehm warmem Wasser abgeduscht.

    Frau: "Jet oder is zu schlimm?"

    Fragt sie in einem Ton, der wenig Zweifel daran lässt, dass sollte ich ja sagen, sie mich eindeutig für einen Waschlappen hält.

    Ich nicke und bekomme darauf wieder die volle Dröhnung Eiswasser ab.

    Frau: "So ich mach bei dir jurz Pause. Deine Freunde wollen ja auch noch ihren Spaß hab."

    Sie trottet davon und zieht den Schlauch mit der anderen Hand hinter sich her, während ich mir frierend die Oberarme reibe. Verdammt ist das kalt, denke ich noch, bevor ich aus einer anderen Kabine einen lauten Mädchenschrei höre.

    "Ahhhhh .."

    Frau: "Nu stell dir nisch so an, nimm dir maln Beispiel an deine Freunde."

    Höre ich die Stimme der Frau wieder näher kommen und kurz drauf einen weiteren Schrei, nur in einer anderen Tonlage.

    Frau: "Kein Fleisch mehr die heutige Jugend."

    Als sich die Frau noch mal bewegt, höre ich nur den Wasserschlauch und sie sagen:

    "Dat is aber komische Bademode."

    Als ich ihre Schritte näher kommen höre, nehme ich schnell wieder die Hände von meinen Oberarmen aber zu spät?

    Frau: "Hast du disch selbst so doll lieb oder is dir kalt, nu da hab isch was dajegen .."

    Ich bereite mich schon auf warmes Wasser vor aber es kommt einfach noch kälteres. Erst danach dreht sie mit einem Knarzen wieder an der Schlauchdüse und übergießt mich mit fast schon heißem Wasser, um mich dann einfach stehen zu lassen und wieder zu den anderen Kabinen zu schlendern.

    Ich frage mich in dem Moment, was schlimmer ist warmes oder kaltes Wasser aber noch bevor bevor ich zu einer Antwort komme steht die Frau wieder vor mir und sprüht mich mit kaltem Wasser ab.

    Für einen Moment ist es ganz angenehm aber auch nur für einen Moment.

    Frau: "Deine Freunde sin ja rischtije Warmduscher. Sach mal. Die ham scheinbar schon jenuch."

    Sagt sie verächtlich, während sie mich weiter mit heiß und kalt malträtiert und ich mich wundere, dass man hier scheinbar irgendwie aufgeben kann.

    Frau: "Aber du bis nisch so ne Memme, ne?"

    [o]Nicken

    [x]Kopfschütteln

    Frau: "Dat is jut, du dis ja auch en Mann, ne? So jenuch jeplaudert, deine Freunde woll ja auch noch."

    Ein von weiter hinten Gewimseltes "Nein" ignoriert sie einfach. Zum Glück habe ich genug Zeit zu entscheiden, dass heiß stehen gelassen zu werden eindeutig schlimmer ist. Besonders wenn man bedenkt, wie warm es draußen ist.

    Die Frau erscheint wieder vor meiner Kabine aber anstelle mich einfach abzuspritzen fragt sie:

    "So jenuch für Heut, ihr habt jetrödelt und die anderen warten schon sejensüchtig. Also zum Schluss kalt oder warm?"

    [o]warm

    [x]kalt

    Ich meine mich zwar zu erinnern, dass Eileen mir geraten hat mich zum Schluss warm zu nehmen aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ich es damit heil zurück zum Camp schaffe also sage ich:

    "Kalt .. bitte."

    Frau: "Und auch noch höflich der junge Mann, einmal kalt für den Gentleman."

    Sie übergießt mich mit Wasser, bei dem es mich wundert, warum mich keine Eisstücke treffen und schlendert dann zu den anderen.

    Frau: "So letzte Runde für Heute."

    Ich reibe mir die zitternd die Oberarme, so das ich gar nicht dazu komme mich zu fragen, was ich am besten als nächstes tun sollte.

    "Alter? .. eh Alter? Wo steckst du, du .."

    Ich: "Hä?"

    Eileen: "Ah, direkt neben mir wie praktisch."

    Über die Mauer neben mir ragen ein paar Hände.

    Ich: "Was gibts?"

    Frage ich zitternt.

    Eileen: "Pluschii!"

    Ruft sie in einem überdrehten hohen Ton.

    Ich: "Ähm .."

    Eileen: "Du hast mir Pluschii versprochen."

    Ich: "Achso ja Moment."

    In dem Moment erinnere ich mich, dass ich ihr ja für ihre Badehose meinen Bademantel versprochen hatte, also hole ich ihn von seinem Hacken, strecke mich und reiche ihn ihr an.

    Eileen: "Eh, wenn du über die Brüstung schaust bist du tot."

    Ich: "Keine Sorge, so groß bin ich nicht."

    Sie nimmt mir den Bademantel ab und erscheint kurz drauf auch schon ungefragt vor meiner Kabine. Sie hat den Mantel bis zu ihrer Nase hochgezogen und sagt leise:

    "Aww. Pluschi."

    Und fügt dann in einem Freundlichen, minimal Schuldbewussten Ton hinzu:

    "Wenn du willst, kannst du meinen haben."

    Sie hält mir einen schweren verwaschenen dicken Baumwollbademantel hin, der wohl irgendwann mal weiß war.

    Ich: "Danke."

    Ich nehme den Bademantel und ziehe ihn an. Er tut zwar absolut nichts gegen die Kälte und kratzt fürchterlich, dafür saugt mir die Baumwolle aber sofort gefühlt alle Flüssigkeit vom Körper.

    Eileen: "So los, bevor hier der Schwarm einfällt."

    Sie schubst mich zurück in Richtung Umkleide. Dort angekommen nimmt sie mir meine Sachen ab, holt sie tief Luft und erklärt auf einem überdrehte Art:

    "So du öffnest zwei Türen, stellst deine Sachen so davor, dass die Türen halb offen stehen bleiben."

    Sie demonstriert das in einer enormen Geschwindigkeit an meiner Spinttüre.

    "Dann schließt du die Türen wieder ab, sieht du die Dornen die da oben rauskommen."

    Ich nicke und sehe, dass die Sperrbolzen der Spinttüren im Freien noch oben herausragen.

    "Dann hängst du dein Handtuch, auf die Dornen und schon .. kannst du dich in Ruhe umziehen, ohne von irgendwelchen Schlampen gestört zu werden. Verdammt ist mir kalt."

    Ich: "Trotz Pluschi?"

    Eileen: "Pluschi an sich isoliert nur und wärmt nicht."

    Ich: "Tija, dann sollten wir uns beeilen, das wir nach Draußen kommen."

    Eileen: "Oder .."

    Sie packt mich am Arm, sieht mich an .. lässt mich dann aber ruck artig wieder los.

    Eileen: "Ah .. du hast dich ja kalt abduschen lassen."

    Ich: "Ja ähm .. sorry das warme fühlt sich un erträglich an."

    Sie verdreht die Augen und sagt:

    "Ja ich weiß."

    Ich: "Und? Also, was ist dann schlecht daran."

    Sie schnalzt mit der Zunge und nickt in Richtung Ausgang, wo, zu meiner Überraschung, die beiden Mädchen aus Englisch langsam die Umkleide betreten und zwar jeweils mit dem ganzen Körper an einander gepresst. Sie schieben sich Schritt für Schritt in die Umkleide, als würden sie langsam Tango tanzen ..

    Blondes Mädchen: "Nicht so schnell. Ahh, mir ist so kalt."

    Schal Mädchen: "Egal, Hauptsache lass nicht los! Ahh, mir ist so warm."

    .. als sie näher kommen wirken sie aber eher wie eine riesige Krabbe. Zum Glück achten sie diesmal gar nicht auf mich.

    Eileen: "Witzig ne? So aber los."

    Sie hält mir mein Handtuch auf, welches sie zwischen den Türen aufgespannt hat. Ich schlüpfe unter dem Handtuch durch und wechsle als erstes meine Badehose unter dem Bademantel.

    Ich: "Was ist mit dir?"

    Frage ich verwundert.

    Eileen: "Ich halte Wache .."

    Ein hölzernes Geräusch verrät mir, dass sie wohl gerade auf die Bank gesprungen ist.

    Eileen: "Außerdem kann ich mich auch im Camp noch umziehen und .. ich kann so Pluschii länger behalten."

    Als ich meine Hose zuknöpfe frage ich mich, ob die Mädchen denn wirklich so schlimm sind, dass Eileen extra Wache halten muss, als von dem Eingang her ein ziemlicher Lärm durch die leere Umkleide halt.

    21
    Wetter ( Tag 9 Donnerstag Nach Mittag )

    Gefühlt hundert laute Kinderstimmen füllen die Umkleide binnen Sekunden, worauf ich mir nur noch schnell noch mein T-Shirt drüber ziehe, das Handtuch abhänge und sehe wie Eileen breitbeinig wie der Koloss von Roddos auf der Holzbank steht und alleine durch ihren strafendem Blick eine Masse wuselnder und schreiender Kinder von meiner Position fern hält.

    Ich raffe schnell alles zusammen und sage:

    "Fertig."

    Worauf Eileen mir zuflüstert:

    "Nicht hektisch werden, die spüren, wenn man Angst hat."

    Von der anderen Seite des Raumes ertönt ein schriller Schrei.

    "Ahhh ... weg da du Rotzlöffel!"

    Ein Junge hat sich wohl etwas zu nah an die beiden Mädchen gewagt, welche sich zu meiner Überraschung auch einen Handtuch-Spinttüren Raum gebastelt haben.

    Als wären die Kinder Lava und dies der einzig sichere Weg, geht Eileen über die Bänke durch den Raum, bleibt kurz vor dem Zelt der Mädchen stehen und fragt in einem künstlichen freundlichen Ton:

    "Kann man hier helfen?"

    Ich gehe ihr nach, jedoch unten auf dem Boden, denn für die Kinder bin ich scheinbar einfach zu langweilig.

    "Ähm, ja passt mal auf, das die Kinder."

    Ertönt eine Stimme aus dem Spintzelt.

    Eileen: "Na, eigentlich sollten wir uns eher beeilen, denn bei uns sind die Regeln ja ziiiemlich streng."

    Sie dreht sich auf der Ferse um und macht sich auf in Richtung Ausgang.

    Zelt: "Eh, hör auf .. ist ja gut .. Bitte."

    Eileen: "Na, so kommen wir ins Geschäft."

    Zelt: "Geschäft? Vergiss es .. ähm Du bist nicht da oder ähm .."

    Die Mädchen klingen als würden sie mich meinen.

    Eileen: "Ach so ist das, erst ihn angehen und dann soll er euch beschützen?"

    Eileen sieht fragend zu mir runter, als könnte ich mir das echt gerade aussuchen.

    [o]Auf die Mädchen aufpassen

    [x]Eileen das Runder überlassen

    Ich weiß, dass das kein schöner Charakterzug von mir ist aber ich bin nun mal nachtragen und auch ein klein wenig Rachsüchtig. Soll Eileen sie ruhig etwas quälen.

    Zelt: "Na schön .. was willst du?"

    Eileen: "Och nicht viel, nur dass ihr kein Drama aus eben macht, übrigens nicht dass ihr da eine Chance hättet aber ich hasse Papierkram, und ein wenig Hilfe bei einer anderen Sache .. und einen Pfand, ich mach dir auch den Knoten richtig versprochen."

    Zelt: "Boar .."

    Aus dem Zelt kommt ein nasses Stück Stoff geflogen, welches Eileen knapp verfehlt.

    Eileen: "Heb das auf und .."

    Der kleine Junge der schon Anlauf nehmen wollte weicht zurück. Da ich selber nichts anderes zu tun weiß, setzt ich mich auf die Bank auf welcher die mächtige Campassistenz steht und sehe mir die Fliesen zu meinen Füßen an, denn wirklich Lust kleinen Kinder beim Umziehen zuzugucken habe ich jetzt auch nicht wirklich.

    Blondes Mädchen: "So fertig."

    Klingt es nach einer kleinen Weile, zusammen mit zwei Spinttüren die in ihren Rahmen fallen.

    Blondes Mädchen: "Ähm .."

    Eileen: "Was, soll ich euch noch nach Draußen begleiten?"

    Als ich aufsehe, merke ich, dass dies offensichtlich nicht nötig ist, da die meisten Kinder schon schreiend Richtung Schwimmbad rennen. Zumindest vermute ich, dass die riesen Umkleide nicht nur wegen der paar Abspritzkabinen hier ist.

    Blondes Mädchen: "Ach nichts."

    Sie geht, während das Schal Mädchen schon zum Ausgang gerannt sein muss. Etwas ermüdet, will ich aufstehen.

    Eileen: "Wart mal kurz .. so."

    Sie stütz sich auf meiner Schulter ab, als die von der Bank hinunter steigt. Ihre Hand fühlt sich ungewöhnlich kalt an aber noch mehr Gänsehaut kann ich im Moment eh nicht bekommen. Trotzdem fühlt sich ihre Berührung irgend wie seltsam an.

    Wortlos gehen wir beide aus der Umkleide durch den Gang dahinter und aus dem Gebäude heraus. Draußen angekommen, macht Eileen sofort halt, breitet die Arme aus und genießt für einen Moment die Sonne.

    Eileen: "Ah, so schön warm .. herrlich .. und Pluschii."

    Sagt sie in einer höheren Stimme als sonst und ich bin mir etwas unschlüssig, ob das nicht eventuell die Tabletten Version von ihr sein könnte, denn ich kann mir gerade nicht vorstellen, dass Eileen so etwas wie Pluschii wirklich sagen würde.

    Ich: "Ja, ist warm geworden."

    Eileen: "Eigentlich will ich ja gar nicht wissen, wie heiß es wirklich ist. Und jetzt los, die Kälte muss für bis ins Camp halten."

    Wir gehen den Weg bis zu Camp hoch, wo bei sie immer gut drei Schritte vor geht, bis sie plötzlich langsamer wird und mich leise fragt:

    "Sag mal .. ähm .. das klingt jetzt vielleicht etwas komisch und .. aufdringlich aber .."

    Sie macht eine Pause:

    "Hab ich dich eben gerettet oder gestört?"

    Ich: "Was .. ähm .. gerettet natürlich was sonst? Danke übrigens."

    Eileen: "Gut."

    Sagt sie erleichtert und drückt stolz ihren Rücken durch.

    Ich: "Warum fragst du?"

    Es was leiser und mit weniger Körperspannung erklärt sie leicht nervös:

    "Weißt du, ich versteht sowas nicht immer ganz gut. Also dieses Jungs .. und Mädchen Gehabe, ich kann irgendwie nicht richtig einschätzen, wann was 'Spiel' ist und was Ernst."

    Ich: "Wie meist du das?"

    Eileen: "Naja, ich bin da mal bei einer Situation dazwischen gegangen, wo .. Da .. ähm .. ein Junge ein Mädchen im Camp echt übel bedrängt hat und dachte ich hätte dem Mädchen geholfen aber stattdessen hat die mich nur angeschrien und gesagt, ich hätte ihr alles vermasselt. Und seit dem Tag nie wieder mit mir geredet .."

    Ich: "Ach so ja, dass kenn ich. Manche Mädchen sind da echt komisch .. ich kapier das auch nie."

    Eileen: "Na, dann bin ich zumindest nicht die Einzige. Tut mir übrigens leid, wenn ich gerade etwas nerve, nach der Navy Seal AG bin ich immer etwas aufgedreht, muss die Durchblutung sein. Legt sich gleich."

    Ich: "Kein Problem .. ich hab auch keine Idee was das von den beiden Mädchen sollte?"

    Eileen: "Och das? Das kann ich dir sagen .."

    Sie drückt wieder den Rücken durch, holt tief Luft und beginnt mit einer ihrer üblichen Erklärungstiraden:

    "Dass machen die aus reinem Nervenkitzel. Das merkt man ja auch schon daran, dass die keinen Handtuchbunker bebaut haben. Wenn die wirklich nicht gewollt hätten dass .."

    Ich: "Die kennen den Trick?"

    Frage ich mich laut, als wir eine steile Betontreppe hoch gehen, welche links und recht von hohem goldenen Gras gesäumt ist.

    Eileen: "Jeder kennt den Trick. .. und warum hätten die das tun sollen."

    Ich: "Sie meinten sie hätten mich für dich gehalten .. von hinten."

    Eileen: "Nicht schmeichelhaft aber zumindest nicht aus der Luft gegriffen. Weiter .. die wollten dich einfach mal provozieren und gucken was du machst. Ist dir eigentlich aufgefallen, dass die eine quasi oben ohne vor dir gestanden hat?"

    Ihre Sätze überschlagen sich fast, den super schnellen glatten Erklärfluss hat die leicht überdrehte Version von ihr scheinbar nicht so gut drauf.

    Sie zieht den weißen Bikini mit den Ananas drauf aus ihrer Bademanteltasche, nästelt beim Gehen an dem Knoten herum und erklärt weiter holperig:

    "Sowas macht man nicht, wenn man jemanden nicht sexuell provozieren will. Ich bin mir nicht sicher aber ich wette es hat etwas damit zu tun, dass Bezy dich in Englisch .. ähm .. Ok oder so genannt hat. Und wenn die ihr Qualitätssiegel gibt dann .."

    Ich: "Und die ärgern mich, weil die das geil finden? Meist du wirklich?"

    Eileen: "Ja, kann mir gut vorstellen, dass bei denen alles kribbelt, wenn die sowas abziehen. Was davon jetzt Östrogen und was Adrenalin ist .. keine Ahnung."

    Ich: "Sag mal, hast du das ganze Gespräch belauscht?"

    Eileen: "Ja. Wusste nur nicht, ob ich eingreifen sollte."

    Ganz ehrlich, habe ich etwas anderes erwartet?

    Ich: "Das Schal Mädchen ist ja schon ziemlich abgegangen .."

    Eileen: "Schal? Ach .. die .. ja die steht ja auch eher auf kriminelle Römer als auf brave .. egal .. weiß nicht warum die so abgegangen ist, eventuell hast du der zu viel Kontra gegeben. Aber scheiß mal auf die, die ist eh hässlich und bekloppt. F60 8 oder so. Die Blonde ist eigentlich ok, die ist F63 8."

    Redet sie da gerade über die Brustgrößen andere Mädchen? Gut sie scheint sie nicht zu mögen aber .. ich sehe auf das Oberteil mit dessen Knoten sie sich gerade abmüht.

    Eileen: "Übrigens ICD-10 Nummern, nicht Körpchengrößen."

    Ich: "Au .. ähm .. wäre ja auch etwas viel."

    Eileen: "Ah, ein Experte, weißt du denn überhaupt, wie man die richtig ausrechnet?"

    Fragt die in einem leicht aggressiven Ton.

    Ich: "Nein, nur irgendwie Brustunterumfang Plus irgendwas und dann ähm .."

    Eileen: "Das ist schon mal mehr als die meisten Jungs wissen. Magst du dicke Titten?"

    Ich: "Ne .. aber bei dem Wetter wäre eines deiner Kissen ne gute Idee."

    Eileen: "Tija, die sind leider vorerst außer Dienst, jetzt gibt es bis zur nächsten Wäsche erstmal nur Schaumstoff .. würg. Übrigens kleines Beispiel was sexuelle Provokation angeht, bei mir tut sich da irgendwie nichts was Kribbeln angeht, die anderen Mädchen meinen aber das würde sich toll anfühlen, wenn man das bei tollen Jungs macht."

    Ich: "Naja, eventuell bin ich einfach nicht toll."

    Eileen: "Komisch, bei mir bist du immer total cool, dabei bin ich ja eigentlich die, in die .. ach was sollt, ich bin für den Kram einfach nicht gemacht. Du hingegen wirst irgendwann an den Tag zurück denken und dich ärgern, dass du zwei 20 jährige nicht mitgenommen hast, weil du in eine wie mich .."

    Wir kommen vor der Camp Schleuse an, welche sich gleich beim ersten Druck auf die Klingel öffnet. Wir treten ein und gehen über den Vorplatz.

    Ich: "Sag mal .."

    Frage ich leise.

    Ich: "Wenn ich mich warm abgeduscht hätte, was hättest du dann gemacht."

    Sie tippt sich an die Nase, kommt mir einen Schritt näher und fragt interessiert:

    "Geht da jemand in die Gegenoffensive?"

    Ich schüttele den Kopf und sie sagt:

    "Ganz ehrlich? Ich hätte wahrscheinlich einfach vorgeschlagen, dass wir unsere Unterarme an einander drücken, so geht der Temperaturtransfer ab besten, ohne das jemand einen Schock bekommt. Was mein aufgedrehtes Ich getan hätte .."

    Sie zuckt mit den Schultern und sagt lässig:

    ".. wer weiß. Übrigens gut, dass du gemacht hast was du für richtig gehalten hast."

    Die Klopft mir auf den Rücken und ergänzt:

    "Du hast wenigstens Rückrat."

    Und zieht mir in dem Moment, ihre Faust mit den Knöcheln an meiner Wirbelsäule lang.

    Eileen: "Die nehme ich dann mal."

    Sie nimmt mir ihre Bandehose aus dem Arm.

    Ich: "Hey .."

    Eileen: "Was willst du noch damit?"

    Ich: "Ähm .. waschen?"

    Eileen: "Wo?"

    Ich: "Ähm zu Hause?"

    Eileen: "Und wo willst du die bis dahin aufhängen? Ne, ne gib die mal schön mir, wenn du unbedingt willst, kannst du die waschen wenn ich meine Sachen im Camp schrubbe."

    Ich: "Ähm Danke."

    Eileen: "Las mir einfach Pluschii hier noch ne Nacht .. ähm Weile und wir sind quitt."

    22
    Emos ( Tag 9 Donnerstag Nachmittag )

    Sie dreht sich auf der Ferse rum und verschwindet vergnügt Richtung Geisterhaus. Unschlüssig, was ich jetzt ab besten tun sollte sehe ich mich auf dem Campplatz um. Es ist recht stell, die Bäume wiegen sich leicht im Wind und man hör sie Äste rascheln. Die Sonne steht noch recht hoch und am liebsten würde ich mich jetzt einfach auf meinem Handtuch in die Sonne legen und meine kalten Knochen auf wärmen ..

    .. aber dann würde zu einen mein Handtuch schmutzig und zum anderen scheint das echt keine gute Idee zu sein, denn es dürfte mittlerweile doch ziemlich warm geworden sein. Ansonsten kann ich mir nämlich diese Ruhe um diese Zeit nicht erklären, denn eigentlich müssten ja die meisten auf dem Gelände sein.

    Ich höre aus der Entfernung zwar leise Stimmen aber dabei dürfte es sich um eine normale Unterhaltung handelt und nicht um das übliche Tou'wabou. Un entschlossen starre ich auf meine Füße.

    [o]Mich auf dem Gelände umsehen.

    [x]In den Bunker gehen.

    Na am besten ich gehe in den Bunker und bring erstmal mein Handtuch auf mein Zimmer. Kaum im Bunker angekommen finde ich auch schon fast die gesamte Truppe vor, wie diese sich im Wohnzimmer knubbelt.

    Katrin: Hey .."

    Ruft sie mir freudig entgegen.

    Ich: "Bin gleich da, muss nur noch die Handtücher auf mein Zimmer bringen."

    Ich quetsche mich mal wieder am großen Tisch vor bei, hänge das große Handtuch so gut es geht über die Heizung an meinem Bett, obwohl ich mal bezweifle, dass das etwas bringt, rubbel mir noch, über die Dusche gebeugt, meine Haare so gut wie es geht trocken und mache mich auf zurück ins Wohnzimmer.

    Katrin: "Hey wie war Kneipen Tour?"

    Ich: "Ohne gewissen Leute aus einem anderen Camp wäre es ganz ok gewesen."

    Katrin: "Der Schwarm oder Aquarien?"

    Ich: "Ich glaube Beides."

    Sage ich einfach, ohne genauer nachzufragen.

    Merle: "Evenlin und Throsten sehen sich selber als Emos, was andere dazu sagen, interessiert sie wenig."

    Liest Merle in einem leicht skeptischen Ton aus einer Bravo vor, welche noch nicht so zerknautsch aussieht wie das Exemplar, das hier sonst rumliegt.

    Katrin verdreht die Augen.

    Bezy: "Was ist?"

    Katrin: "Das sind keine Emos."

    Suzy: "Sondern?"

    Katrin: "Emo ist die Musik. Das sind keine Emos wie Merle auch keine Klassik ist. Die sind Scene."

    Anny: "Aber Jeder sagt das so."

    Merle: "Das macht es nicht unbedingt richtig."

    Victoria: "Das Sein schafft das Bewusstsein."

    Merle: "Mann muss eine Lüge nur oft genug wiederholen, damit sie zur Wahrheit wird."

    Sagt sie, ohne dabei vor der Bravo aufzusehen und liest dann einfach weiter vor:

    "Sachen wie Ritzen, gehören nicht zu Evelin und Thorstens Alltag. Sie hassen solche Vorurteile."

    Anny: "Ja ne ist klar."

    Merle: "Was erwartest du? Dass die schreiben: 'Ritzen ist voll geil, Probetests mal aus Kinders!'? "

    Katrin: "Das ist ganz schön triggernd."

    Sagt Katrin künstlich ängstlich und tut so, als ob sie sich die Nägel abkauen würde.

    Merle: "Ähm .. echt?"

    Fragt sie erschrocken.

    Katrin: "Nein, so ein Scheiß doch nicht! Das ist von vorne bis hinten komplett albern, zwei Leute von denen einer Thorsten heißt, die nicht wissen wie ihre Subkultur überhaupt heißt und die einfach irgend einen neuen Modequatsch aus den USA nachmachen, um nicht mehr langweilig zu sein."

    Salfia: "Aber selber .. Gothic sein."

    Katrin: "Erstens bin ich nicht Gothic, sondern gehöre allgemein zur schwarzen Szene. Zweitens ist das keine Modeerscheinung, sondern eine Lebenseinstellung welche gut zweihundert Jahre alt ist."

    Unbeirrt liest Merle einfach weiter vor:

    "Beide hören sogenannten Emotional Hardcore, wie Bullet for my Valentine oder My Chemical Romance."

    Katrin: "Und da fängt es wieder an, dass sind keine Emocore Bands, das ist Alternative Rock. Was können die eigentlich bei der Bravo?"

    Merle: "Das was die schon immer tun, die allgemeine Meinung aufgreifen, noch was etwas weichspülen und wieder ausspucken. Alles ohne Ecken und Kanten."

    Maria: "Wie heißt das jetzt noch mal richtig? Also welche Musik hört jetzt wer?"

    Katrin: "Du hast nicht eine Musik und alle die die hören sehen gleich aus, Gothics haben ja zum Beispiel keine eigene Musik, sondern hören meist Metal oder Industrial."

    Bezy: "Aber Hiphop hören fast nur Hiphopper."

    Katrin: "Es gibt keine Hiphopper, man ist dann Disk Jockey, Master of Ceremony, Spayer oder Breakdancer. Weil das im Original eine Kultur war, bei der man mitmachen musste, um dabei zu sein, nicht wie heute dieser Kommerz, den man einfach nur konsumiert."

    Salfia: "Oder man ist Rapper."

    Katrin: "Das ist der Master of Ceremony."

    Suzy: "Noch nie gehört und ich .."

    Katrin: "MC?"

    Fragt sie bereits etwas genervt.

    Victoria: "Bei Metal passts .. Metal – Metaler. Einfach immer 'er' anhängen."

    Ich muss schmunzeln, weil es sich aus ihrem Mund wie eine grammatikalische Steigerung anhört.

    Merle: "Klassik'er."

    Katrin: "Techno'er"

    Ich: "Rock'er"

    Bezy: "Pop'er"

    Victoria: "Noar .. so hab ich das nicht gemeint aber Rocker gibt es doch."

    Katrin: "Ja aber damit meist du Leute, die auf Motorädern über die Landstraße fahren."

    Victoria: "Wie ist dass den deiner Meinung."

    Katrin: "Überall unterschiedlich. Zu Techno gehört der Raver, der heißt so, weil er auf Raves geht, dass sind die Partys auf denen Techo läuft. Rock ist zu vielfältig für einen einzigen Namen, die Leute, die 50er Jahre Rock hören sind zum Beispiel Rocka Billys. Poper gibt auch aber .."

    Bezy: "Sag ich doch .."

    Katrin: ".. aber das ist so ne 1980er Geschichte und hat mit unsere Popmusik nicht viel zu tun. Die Leute die Pop Musik hören haben einfach keinen Namen, weil das zu viele sind. Gothics hab ich schon gesagt."

    Suzy: "Und Punks?"

    Katrin: "Punks hören Punkrock, da hat mal ausnahmsweise die Kultur die Musik benannt."

    Anny: ".. was war das mit Gabbas?"

    Katrin: "Das auch noch? Die Musik ist Hardcore und die Leute Gabbas, der Tanz Hacke. Aber das steht überall anders, von da ab sollen die sich da einigen."

    Anny: "Ha, du weißt auch nicht alles."

    Katrin: "Wie soll ich das wissen, wenn die das noch nicht mal selber wissen?"

    Merle: "Aber es gab doch eine .. ähm .. Grunge."

    Katrin: "Ja da kommt das hin, aber die Leute die Grunge hören sind nicht Grunger, sondern auch grunge."

    Anny: "Hä?"

    Katrin: "Das ist eine Umschreibung kein Seienszustandes. Das kommt vom Adjektiv her."

    Suzy: "Nochmal auf Deutsch bitte."

    Victoria: "Sie meint man kann nicht sagen, der ist ein Grunge sondern er ist grunge, wie er ist also so wie .. ähm blau."

    Anny: "Achso."

    Gelangweilt wirft Merle Katrin die Bravo zu, diese schlägt die aufgeknite Seite auf und rollt sofort mit den Augen.

    Ich: "So schlimm?"

    Katrin: "Ohne .. Worte."

    Suzy: "Ganz ehrlich, Emos haben doch einen an der Waffel, die gehören alle in die Psychiartrie."

    Stille. Eine Weile hört man nur Katrin raschen, als diese umblättert. Um die peinliche Stille zu durch brechen frage ich leise:

    "Haben wir hier eigentlich Emos?"

    Bezy: "Sieht du welche?"

    Ich: "Ne aber das sieht man ja nicht sofort."

    Anny: "Hä?"

    Suzy: "Wie kann man das nicht sehen."

    Ich: "Guck doch mal hier"

    Ich deute auf ein Bild, obwohl die meisten das gar nicht sehen können und erkläre:

    "Die brauchen für ihr Makeup und ihre Haare ewig, die Mühe würde ich mir im Camp nicht machen."

    Salfia: "Und die Piercings, und Mode und .. ähm .."

    Ich: "Piercings muss man doch rausnehmen und Totenköpfe waren auch irgendwie verboten oder? Was bleibt denn da noch außer jetzt pink Leopard und Hello Kitty."

    Auf einmal sehen sich alle gegen seitig an und dann beginnt auch schon das Chaos.

    Bezy: "Haha, du hast ein rosa Leo Shirt du bist ein Emo .."

    Anny: "Nein, bin ich nicht."

    Salfia: "Alles heimliche Emos hier."

    Emily: "Hey, den Hello Kitty Anhänger an meinem Handy habe ich geschenkt bekommen."

    Katrin: "Genau und Victoria hat doch diese verdächtigen Schachbrett Slipper."

    Victoria: "Die gabs nur so und in blau sind die hässlich."

    Nach einer Weile lauten Gelächters begleitet von den absurdesten Vorwürfen ..

    "Pass auf ich habe meine Socken, die leuchten, wenn Emos in der Nähe sind."

    .. bekommen sich die meisten auch wieder ein, nur Bezy findet den letzten Witz scheinbar so komisch. Dass sie immer noch auf der Couch, und dabei halb auf Anny liegt, sich den Bauch halt, herzlich lacht und sich dabei die Hand vor den Mund hält.

    Jedoch ist ihre Lache nicht ihr übliche Lache, sondern viel schluckaufartiger, und viel höher.

    Anny: "Arme hoch, dann bekommt du besser Luft."

    Diese Lache passt so gar nicht zu ihr, was ich so komisch finde, dass ich selber wieder anfangen muss zu lachen.

    Bezy: "Ah .. verdammt .. .. hör mal auf zu lachen."

    Ich: "Sorry .. kann nicht .. deine Lache ist zu witzig .. schuldigung .."

    Bezy: "Kann nicht .. deine Lache ist zu komisch .."

    Ich: "Warum .. ich lach doch ganz normal."

    Katrin: "Au ja, ein Perpetuo-O-Lach Mobile."

    Sie hält mir die Nase zu.

    Ich: "Hey .."

    Mein Lachen hat aufgehört und auch Bezy kommt langsam zur Ruhe. Ich spüre zwar deutlich mein Zwerchfell aber kann langsam wieder normal atmen.

    Merle: "Wir bekommen regelmäßig Emos .. also ähm .. Leute die so aussehen."

    Katrin: "Ja meist sind das irgendwelche Spinner, die nach zwei Tagen oder spätestens einer Woche wieder weg sind."

    Ich: ".. weil die nichts haben."

    Katrin: "Bingo."

    Anny: "Aber Marie?"

    Katrin: "Hallo ich bin ein Emo, ich bin ja so traurig und niedergeschlagen .. baaah .. ich renn ohne Grund dreimal schreiend durch den Bunker. Alter, bin ich froh, dass die weg ist."

    Als sie die Stimme das mir nicht bekannten Mädchen nachmacht, erschrecke ich leicht.

    Ich: "Was hatte die denn .."

    Katrin: "Was wohl .. ADHS."

    Ich: "Ein Emo mit ADHS?"

    Bei dem Gedanken muss ich schmunzeln, versuche aber nicht zu lachen.

    Katrin: "Man sollte sich dann schon auch eine Jugendkultur aussuchen, die grob zu einem passt."

    Merle: "Sei doch froh, dass sie keine Metalerin geworden ist, sonst würde die noch mit dir abhängen wollen."

    Katrin: "Metaler müssem Metaler nicht unbedingt mögen, das's der große Vorteil."

    Sie zuckt mit den Schultern und signalisiert mit verschränkten Armen, dass ihr das scheinbar genug Diskussion für heute war.

    23
    Geschäftsmodell ( Tag 9 Donnerstag Nachmittag )

    "Was machst du eigentlich den ganzen Tag?"

    Fragt Salfia Manuel, welcher bis jetzt gar nichts gesagt hat.

    Manuel: "Ich lese Bücher über unsere Rechte, ich meine hier läuft was falsch."

    Salfia: "Und wenn du nicht hier bist, also was sind deine Hobbys.. und so."

    Manuel: "Zuhause hab ich eigentlich fast nur noch vorm PC gesessen."

    Emily: "Echt, bist gar nicht mehr raus gegangen?"

    Manuel: "Ja, deswegen bin ich ja hier."

    Emily: "Ah .. ja stimmt ja."

    Sie fasst sich etwas unsicher an den Nacken.

    Salfia: "Und was hast du am PC gemacht?"

    Manuel: "Ja entweder gezockt oder an meiner Homepage gebastelt."

    Suzy: "Homepage? Welcher denn?"

    Manuel: "Versicherungsvregleiche.de"

    Ich: "Echt? Die Seite für die überall Werbung im Internet kommt gehört dir?"

    Manuel: "Nein das ist Versicherungsvergleiche.de meine ist Versicherungsvregleiche.de."

    Er grinst und betont den Rechtschreibfehler noch einmal extra deutlich. Es müsste übrigens das erste mal sein, dass ich ihn überhaupt fröhlich sehe.

    Manuel: "Das ist statistisch gesehen der häufigste Rechtschreibfehler den Menschen machen, wenn sie eine Webseite aus dem Gedächtnis abtippen. Für eigenes Marketing hab ich noch eine Version die Versicherungenvergleichen.org heißt."

    Salfia: "Und was bringt dir das?"

    Manuel: "Bis zu 100€ im Monat."

    Suzy: "Was? Ist das Arbeit?"

    Ich: "Ah hast du die in HTML selber gemacht oder in .."

    Manuel: "Nö, das Design hab ich einfach bei einer spanischen Seite abkopiert und grob den Text von einer deutschen Seite eingefügt."

    Victoria: "Wusste gar nicht, dass man im Internet so leicht Geld verdienen kann. 100 Euro im Monat ist schon viel."

    Manuel: "Och das ist noch gar nichts .."

    Eileen: "Ach hier steckt ihr alle."

    Sie lässt sich direkt neben Manuel auf die Couch fallen, sie trägt eine schwarze Sporthose und ein schwarzes T-Shirt jedoch aus irgendeinem Grund auf links gedreht. Sie reicht Manuel ein kleines weißes zerknautschtes Buch:

    "Hier. Stellen sind pink Markiert, eine wichtige Seite ist raus gerissen aber als DiN A4 Kopie ganz hinten eingeklemmt. Um was geht es gerade?"

    Merle: "Internet Geld."

    Manuel: "Also wenn ihr mal richtig Geld im Internet machen wollt, dann sucht ihr euch bei Jobgesuche einen Trottel raus und bezahlt den als Treuhänder für eine angeblichen Ebay Handel."

    Er lehnt sich zurück und erklärt:

    "Also ihr sagt der Person von Jobgesuche, dass ihr ihm einen Scheck schickt, den er einlösen soll. Der Scheck muss aber unter 439€ liegen, da alles unter 439€ wird von den Banken nicht vorher, sonders erst nachher geprüft wird. Der Typ holt sich dann das Geld und dann sagt ihr ihm, dass er das Geld per Post verschicken soll und da gebt ihr als Adresse dann einfach irgend eine leere Wohnung oder leeres Haus an. Sowas findet man ja hier leicht. Oder aber ihr mietet einen Wohnung unter falschen Namen für drei Tage, gibt es übrigens auch bei Jobgesuche."

    Anny: "Und was hat man dann davon."

    Bezy: "Die 439 Euro?"

    Manuel: "439€. 440 Euro wird überprüft."

    Ich bin überrascht, wie er auf einmal aus sich rauskommt, als es ums erklären geht.

    Victoria: "Komische Summe."

    Merle: "Wahrscheinlich ist die richtige Grenze 500€ aber alles was zu knapp drunter liegt, ist doppelt verdächtig."

    Manuel: "Genau."

    Emily: "Fällt den Typen das nicht auf?"

    Manuel: "Du darfst das natürlich nicht zwei mal mit dem gleichen machen .. ob wohl die Leute bei Jobgesuche sind schon ziemlich dumm. Ach und man muss natürlich eine Ebay Transaktion fälschen also mit Käufer und Verkäufer aber es gibt so viele tote Ebay Accounts mit schlechten Passwörtern."

    Eileen: "Und wie lautet der genaue Straftatbestand?"

    Manuel: "Gewerbsmäßiger Betrug, gibt nicht viel."

    Salfia: "Das ist mir zu kompliziert."

    Domenick: ".. genau da verkauf ich lieber Gras."

    Mario: "Im Obi ausrollbar zum Quadratmeter Preis? Na wenn ihr so an der Natur interessiert seit, dann raus mit euch."

    Mario ist hinter uns aufgetaucht und scheucht und mit einer Handbewegung aus dem Bunker.

    Draußen auf dem Gelände angekommen, hat jeglicher Wind aufgehört, die Bäume bewegen sich kaum und die Sonne prallt durch deren Wipfel. Es ist verdammt heiß geworden.

    Ätzend verteilen sich die Campbewohner langsam auf die wenigen schattigen Bänke, als sich einige davon an die wohl kühlste aller Bänke setzen will, wirft Eileen mit einer gekonnten Handbewegung eine Federmappe auf die Bank und sagt kalt:

    "Hausaufgaben Tisch."

    Stöhnen stehen Emily, Bezy, Merle und Manuel wieder auf.

    Eileen: "Wer mitmacht, kann sitzen bleiben. Und Manuel .."

    Er sieht sie fragend an.

    Eileen: "Da steht irgendwo irgendwas von wegen: 'dem Patienten muss die Möglichkeit gegeben werden sich seiner Rechte zu belehren in einer ruhigen und annehmbaren Umgebung'. Außerdem störst du eh nicht."

    Er nickt, setzt sich wieder hin und beginnt das Buch zu lesen.

    Eileen: "Er macht sich gerade über seine Rechte kundig, hab ich damals auch mal gemacht."

    Erklärt sie bevor ich fragen kann und ergänzt:

    "Du braucht allerdings auch noch deine Bücher."

    Ich: "Englisch?"

    Eileen: "Ne, das Strickbuch aus dem Wohnzimmer."

    Ich stehe auf, mache mich auf in den Bunker, erkläre Mario kurz, dass ich nur meine Schulsachen hole. Greife mir die ausgefranste Tasche, in welcher eh noch alle Englischsachen sein sollten, verdränge alle Gedanken an das Schaal Mädchen, welches die Tasche so toll fand und verlasse mein Zimmer wieder.

    Auf dem Weg nach Draußen, kann ich es aber nicht alles, doch noch im Vorbeigehen ins Bücherregal im Wohnzimmer zu greifen und mir das Strickbuch zu schnappen, als ich eine leise Stimme höre:

    "Hey .."

    Ich: "Hi."

    Stimme: "Wohin?"

    Ich: "Nach Draußen."

    Stimme: "Was machst du Draußen?"

    Ich: "Ich, muss noch ein Buch lesen."

    Stimme: "Kannst du das nicht auch hier drin?"

    Ich: "Ja, aber Eileen wartet schon auf mich."

    Stimme: "Auje, dann geh .. nicht dass sie dir noch weh tut."

    Ich: "Tut sie das?"

    Keine Antwort.

    24
    Literatur ( Tag 9 Donnerstag Nachmittag )

    Schon ein wenig beunruhigt verlasse ich den Bunker, als auch nach einer kurzen Pause keine Antwort kommt. Wieder auf dem Campplatz angekommen lege ich erstmal meine Tasche ab und dann das Strickbuch auf den Tisch.

    Eileen: "Du kannst die schöne Tasche doch nicht auf den Boden stellen."

    Mokiert sich das Mädchen in dem auf links gedrehten T-Shirt, welche das Strickbuch nicht mal eines Blickes würdigt. Ich kordiere mein Fehlverhalten und werfe die leichte Tasche auf den Tisch.

    Eileen: "So, wo waren wir?"

    Sie krost ungefragt in meiner Tasche herum und fragt dann platt:

    "Deutsche Novelle oder englisches Theater?"

    [o]Deutsche Novelle

    [x]Englisches Theater

    Eileen: "Gute Wahl, damit kenn ich mich nämlich ein wenig besser aus. Also .."

    Sie schlägt das Buch auf und hält mir eine Seite ins Gesicht, auf welcher eine Art Liste abgedruckt ist und fährt fort:

    "Bei einem Theaterstück hat man in der Regel auf einer der ersten Seite eine Liste mit alle Personen, meist von wichtig bis unwichtig sortiert. Wenn man schnell hinter den Sinn kommen will, sollte man sich zu den Personen Notizen machen. Dabei reicht für die Hauptpersonen meist eine halbe Seite, für den Rest dann meist Viertelseiten. Keine Sorge, es ist normal, dass man die Figuren zu Beginn immer wieder verwechselt. Los leg mal ein Notizheft an."

    Ich: "Ich hab kein Notizheft."

    Eileen: "Na dann knick dir eines aus einem DiN A4 Blatt."

    Sie knickt ein Blatt zwei mal, reißt dabei den ersten Knick und wirft mir so einen kleinen Notizzettel zu.

    Emilya: "Wou, übertreib mal nicht. So schwer ist es auch nicht ein Buch zu lesen .."

    Eileen: "Aou .. ne, Theaterstücke sind anders, einmal nicht richtig aufgepasst und schon versteht man die Helfe nicht mehr."

    Er klärt sie, während ich die ersten Personen namentlich auf den Zettel notiere.

    Eileen: "Meist steht schon grob etwas zu den Personen in der Darsteller Liste. Oft Verwandtschaftsverhältnisse."

    Ich: "Naja, jemand hat es mit Bleistift ergänzt."

    Eileen: "Gut, schreib aber nicht jeden Dreck auf den Zettel, beschränk dich auf das wesentliche."

    Wie oft ich diesen Satz schon gehört habe, aber viel Zeit zu denken habe ich nicht, denn sie erzählt einfach weiter:

    "Manchen hilft es, wenn man eine Tabelle anlegt. Das halte ich aber für Schwachsinn, die bekommt man eh nie komplett voll, es kostet Platz und das Genie überblickt das Chaos oder? Wie auch immer, Notier dir am besten Name, Alter und Verwandtschaft oder andere Beziehung. Dann ist es oft wichtig, das Motiv heraus zu finden?"

    Emily: "Motiv?"

    Eileen: "Halt so ne Art Ziel, was will die Person. Dann noch Methode, also wie will die Person dahin. Danach sind oft die Beziehungen wichtig, wie steht welche Person zu wem. Es gibt Leute die malen sich dann riesige Sterne mit Querverbindungen in ihre Hefte aber das sieht bei mir immer doof aus, ich mach das, wenn das nötig ist eher auch als Tabelle. Du schreibst alle Namen einmal Quer und ein mal längs und füllst dann die Lücken aus, wie wer zu wem steht. Oft ist es auch wichtig, was die Personen von sich selbst halten."

    Sie Nimmt mir das Buch weg und liest den Klappentext.

    "Genau genau, das Buch war das, da ist das Wichtig."

    Anny: "So ein Aufwand, nur um ein Buch zu lesen?"

    Eileen: "Jap, das das ist nicht irgend so ein Jugendroman Schund, wo seitenweise einfach nichts passiert. Das ist höhere Literatur. Lies mal den ersten Satz."

    Sie hält mir das Buch auf der Passenden Seite hin.

    Ich: "A melody is heard, played upon a flute. It is small and fine, telling of grass and the horizon. The curtrain rises. Before us .."

    Lese ich vor, welche aber unterbochen:

    "Nicht so schnell .. ok das Ding hat Bühnenanweisungen. Was sagt uns der erste Satz?"

    Emily: "Das da eine Flöte spielt?"

    Eileen: "Nicht ganz, dass sind die Sachen die der Autor gerne hätte, wenn das Stück auf der Bünde aufgeführt wird. In der eigentlichen Geschichte gibt es ja auch keinen Vorhang. Aber noch mal von vorne, in einem Stück und eigentlich in jedem guten Buch ist kein Satz, kein Wort überflüssig alles hat seinen Sinn. Was meist du, warum steht das da so?"

    Ich: "Ähm .. keine Ahnung."

    Eileen: "Um Gefühle zu wecken natürlich. Das hier .."

    Sie tippt auf das Buch in meinen Händen.

    "Das hier .. hat keine echte Musik, keine Bilder, keine Farben. Dass hier lebt nur von dem was dein Kopf draus macht. Also warum die Flöte?"

    Ich: "Ähm .. weil eine Flöte einen bestimmten Klag hat."

    Eileen: "Welchen Klang? Mit was verbindet man eine Flöte? Mit Kindheit natürlich, Flöte ist fast immer das erste Instrument, was man so lernt. Leicht zu spielen und hell vom Klang. Gass, Baum und Horizont?"

    Ich: "Landschaft, Natur ähm .. und so."

    Eileen: "geht doch weiter .."

    Ich: "Before us is the Salesman's house. We are aware of towering angular shapes behind it, surronding it on all sides."

    Emily: "Angular?"

    Eileen: "Eckig. Staz verstanden?"

    Ich: "Ja."

    Eileen: "Stimmung?"

    Ich: "Ja, etwas niederschlagend, wenn erst von Wiesen und Bäumen die Rede ist und jetzt ein Haus von großen Blöcken umgeben ist."

    Eileen: "Super, immer alles im Kontext sehen. Aber von Wiesen steht da oben nichts, nur von Gras."

    Emily: "Das ist doch Haarspalterei."

    Eileen: "Jap aber dass kann einem in einer Arbeit das Leben retten, später muss man das, was wir gerade nur denken auch in Textform abliefern und wenn man da aus dem Text zitiert, dass von Wiesen die Rede ist aber im Text das so nicht steht .. ffff .. schlecht. Übrigens .."

    Sie streckt sich und wedelt sich mit einem selbst geknickten Fächer Luft zu.

    "Übrigens .. sind diese Darstellungen von Landschaft, Gegenständen und so weiter auch oft Metaphern für die Menschen, ihre Wünsche Konflikte etc. Weißt du was eine Metapher ist."

    Ich: "Ja, wenn man einen Zustand von etwas einem auf etwas anderes überträgt. Das Haus, welches von großen Formen umgeben ist, kann auch auf die Situation der Menschen in den Stück passen, dass diese von Außen von .. ähm .. übermächtigen Schatten umgeben sein."

    Eileen: "Hast dir gerade schon das halbe Stück verraten aber gut gemacht."

    Anny: "Wollt ihr das ganze Buch so durchgehen, dann werdet ihr ja nie fertig."

    Eileen: "Ja allerdings nicht zusammen, bei der Hitze bin ich gleich eh nicht mehr in der Lange anständig zu erklären. Überspring mal den Einleitungskram und kommt mal zu was Gesprochenem und las die Anweisungen weg."

    Ich: "Linda: 'Willy!' "

    Eileen: "Was passiert?"

    Emily: "Linda ruft Willy?"

    Eileen: "Genau, auch wenn es unwichtig erscheint, immer den ersten Satz, den ein Charakter in einem Stück sagt, gut merken. So was könnte das bedeuten?"

    Ich lehne mich nach hinten und denke angestrengt nach.

    Ich: "Linda und Willy müssen in einer Beziehung stehen und das erste was Linda tut ist nach Willy zu rufen, man ruft nach Leuten, damit sie zu einem kommen .."

    Eileen: ".. oder wissen will wie es ihnen geht, das heißt Linda ist an Willy interessiert. Jetzt müssen wir uns fragen, warum der Autor es für nötig befunden hat uns Linda als erste sprechende Person zu präsentieren die nach Willy fragt."

    Jetzt wo ich selber darüber nachdenke, wird mir auch etwas bange, dass ich das ganze Buch so durcharbeiten soll. Aber wenn ich es realistisch sehe, dann wird der Englisch Lehrer nicht wirklich dieses Niveau von mir verlangen.

    Ich: "Willy: 'It's all right. I came back.' "

    Lese ich vor, kratze mich dann kurz am Kopf und sage dann, nach einer Weile weil von ihr nicht kommt:

    "Er beruhigt Linda, welche vorher noch besorgt um ihn war. Der Hauptcharakter, beruhigt seine Frau also in dem ersten Satz, den er spricht."

    Sie nickt zufrieden.

    Ich: "Linda: 'Why? What happened? Did something happen, Willy?' ähm .."

    Eileen: "Immer auch gut auf sprachliche Besonderheiten achten, Hochliteratur enthält keine grammatischen Fehler oder Unreinheiten. Das ist alles Absicht, die Figuren sollen so sprechen."

    Ich: "Weil happen zwei mal vorkommen?"

    Eileen: "Weil der halbe Satz wiederholt wird, wann macht man sowas?"

    Ich: "Wenn man aufgeregt ist?"

    Eileen: "Genau, das pure Stück hier hat ja keine Schauspieler, an dessen Mimik oder Gestik mal etwas ablesen könnte. Alle Gefühle, Gemütszustände und so .. müssen in Text ausgedrückt werden."

    Ich: "Ich glaube ich habe es verstanden .."

    Mir geht wirklich gerade ein Licht auf, früher hab ich Bücher immer nur als eine Art unvollständigen Film gesehen. Nun wird mir einiges Klar.

    Ich: ".. Danke."

    Eileen: "Ähm .. äh .. ja .. äm .. Bitte."

    Sie wirkt zu meiner Überraschung ein wenig verwirrt, guck verlegen zur Seite, nur um dann von der Bank aufzuspringen und ärgerlich zu rufen:

    "Hey, die sind nicht alle für euch!"

    Als ich mir aufsehe merke ich, dass unser Tisch mittlerweile komplett leer ist und sehe, wie einige andere Campbewohner. Kisten mit Wasser durch das Camp tragen.

    Eileen: "Boar, da ist man einmal unaufmerksam. Warte ich bin gleich zurück."

    Sie springt auf und rennt den Trägern entgegen, da es sonst nichts lautes im Camp los ist, kann ich die Stimmen recht gut, durch die Bäume hallen hören.

    Eileen: "Alle vier Bottiche, ihr seit schon ein wenig gierig oder?"

    Victoria: "Dafür habt ihr Schatten."

    Eileen: "Acht Bottiche sind trotzdem zu viel für 6 paar Füße."

    Bezy: "Wenn die Campaufsichtsassistenz das sagt .."

    Victoria: "Frag lieber, ob die nicht mal wieder die Kleidervorschrift lockern können, dann könnt ihr von uns aus gleich alle haben."

    Eileen: "Hm .. für einen geh ich fragen."

    Victoria nickts und Eileen nimmt ihr und Anny den Kasten ab, welchen beide zuvor gemeinsam getragen haben.

    Sie kommt zu uns an den Tisch, stellt die mit Wasser gefüllte Kiste ab, schiebt sie unter den Tisch und sagt:

    "So für euch, ich bin dann mal was erledigen."

    Ich Nicke, während Merle und Maria ihre Schuhe ausziehen und es sich in dem Bottich, welcher eigentlich eher ein Einkaufscurver ist, gemütlich machen. Ich lese unterdessen mein Buch weiter und merke, wie Eileens Taktik bei jedem neuen Satz quasi automatisch kickt. Erst ist es eher unangenehm aber mit der Zeit komme ich ganz gut durch und mache mir sogar schon die ein oder andere Notiz.

    25
    Röcke ( Tag 9 Donnerstag Nachmittag )

    Teilweise wirkt es recht merkwürdig in einem Buch von Sommer, Bäumen und Landschaften zu lesen, während ich selber quasi in einer solchen Landschaft sitze. Und die Schilderungen im Buch sind teilweise sogar eindrucksvoller als die Realität .. oder doch nicht?

    Ich lege meinen Kopf in den Nacken, sehe hoch zu den Bäumen, fühle den warmen lauen Wind auf meinen Gesicht und sehe geblendet hoch zur Sonne, welche durch die Tannenäste blitzt.

    Katrin: "Warum kommst du nicht auch mit rein .."

    Ich: "Hä .. ähm .."

    Katrin ist ohne Vorwarnung an unserem Tisch aufgetaucht und hat bereits ihr Füße mit im Wasser.

    Ich: "Ähm .. ist das nicht schon zu voll? Stört das keinen?"

    Merle: "Ach was, sind nur Füße .."

    Maria: "Wenn man kein Fußfetischist ist."

    Ich: "Bin ich nicht .."

    Naja ein kaltes Bad, kann ja nicht schaden. Also ziehe ich meine Schuhe und Socken aus und stecke meine Füße auch in das herrliche kühle Nass. Es ist zwar etwas eng aber da sich keiner bewegt, macht mir das recht wenig aus.

    Katrin: "Ich bin aber Fußfetischistin .."

    Sie grinst, Maria zappelt etwas aufgeregt mit den Füßen und Merle antwortet platt:

    "Und wenn?"

    Sie hat sich mittlerweile mein anderes Buch geschnappt und scheint dieses müde zu lesen. Das ich selber nichts besseres zu tun habe, wende ich mich wieder meinem Buch zu, obwohl mir die Hitze langsam aber sicher die Konzentration raubt und ich allgemein immer schlapper werde. Nach einer Weile lege ich mich mit dem Oberkörper auf die Tischfläche und lese das Buch am langen Arm weiter, kann aber nichts dagegen tun, dass ich einfach wegdöse.

    Aber nach einiger Zeit werde ich wieder wach. Heiß brennt die Vormittagssonne durch die hohen Bäume hindurch auf das Camp. Warum ist es den Campbewohnern eigentlich nicht erlaubt, sich am Nachmittag in ihren Kabinen und Zimmern aufzuhalten? Obwohl es dort sicher nicht sehr viel angenehmer wäre.

    Also liegen alle mittlerweile fast wie tot in den Schatten der Bäume oder haben das Glück, an einem der Bänke einen Platz gefunden zu haben, welche noch im Schatten liegen. Zum Glück hat mir ja der Grund 'Hausaufgaben' das Recht auf eine feste Schreibfläche gesichert hat. Allerdings liege ich im Moment nur wie platt auf selbige und warte, dass die Hitze nachlässt.

    Einen Nebeneffekt hat die Hitze allerdings und zwar ist es endlich einmal still im Camp und bisher macht niemand auch nur wage Anstalten dies durch einen Anfall oder Ausraster zu ändern. Nur Katrins leises Gemurmel neben mir ist zu hören:

    "Nein Sonne, dass ist meine Seite des Tisches, du hast hier nichts zu suchen. Such dir einen anderen Tisch".

    Kathrin, ebenfalls mit den Oberkörper platt auf dem Tisch gesunken, hebt kraftlos abwehrend die Hand gegen die immer weiter vordringende Sonne. Am Ende gibt sich die Arme geschlagen und ruscht ein wenig weiter zu mir auf.

    Plötzlich schrillt das ohrenbetäubende Fiepsen einer Megaphon Rückkopplung durch die Stille:

    "Hey Party People! Kommt mal alle in Hörweite, gibt was wichtiges!"

    Eileen kommt mit ungewöhnlich freudigem Schritt den Weg vom Bunker den Campplatz herunter.

    Wohl erfreut darüber, endlich wieder etwas Autorität ausüben zu dürfen, spaziert sie ungewöhnlich beschwingt zur Mitte des Platzes und will gerade ansetzen bevor sie stumpf von Anny unterbrochen wird, welche sich ihr fragend in den Weg stellt.

    Anny: "Was gibts?"

    Eileen: "Wirst du doch gleich hören. Also las mich vorbei, damit die anderen es auch hören."

    Entgegnet die Campaufsichtsassistenz in einem leicht genervten Ton.

    Anny: "Und wenn ich es nicht höre oder nicht verstehe?"

    Eileen: "Es ist völlig egal, ob du es versteht oder nicht, es geht um ein Privileg."

    Anny: "Pervi .. was?"

    Eileen: "Erlaubnis, ich erklär es dir später."

    Eileen lässt Anny einfach stehen, schlägt einen Bogen um sie herum, nimmt Anlauf und springt ein einem Satz, mit ihren Wanderstiefeln auf die Kante des Tisches, in der Mitte des Platzes und lässt noch einmal laut das Megaphone quietschen. Als sich die Anderen langsam aus den Schatten erheben legt Eileen das Megaphon weg, holt einen Zettel aus der Tasche ihrer dunklen Jogginghose, räuspert sich und wartet auf eine einigermaßen vollständige Zuhörerschaft.

    Kathrin: "Gehst du für mich hin und erzählst mir dann alles?"

    Stöhn die personifizierte Hitzeempfindlichkeit, die trotz dass sie bereits beide Füße im Bottich kühlt, sich kaum zu bewegen weiß.

    Ich: "Kein Problem .."

    Versichere ich ihr, fächere der Armen noch einmal Luft zu und stelle mich zu den Zuhörern.

    Eileen steht schon gespannt mit den Schuhen auf der Tischkante wippend bereit. Am Kragen zupfend, fächert sie sich kurz vor der Bekanntmachung noch ein mal Luft zu.

    Eileen: "Also .. Aufgrund der anhaltenden Hitzewelle und da die Wahrscheinlichkeit von Übergriffen von und auf Campbewohner als auch die Wahrscheinlichkeit einer Retraumatisierung aktuell mehr als gesunken sind, wird die in der Campordnung festgehaltene Kleiderordnung bis auf weiteres aufgehoben. Zum Zweck des Wechsels auf angemessene Kleidung ist es ausnahmsweise erlaubt, die eigenen Zimmer auch während der Nachmittages zu betreten, solange diese nicht gerade durchsucht werden oder geputzt werden. Hat das jeder verstanden?"

    Die Masse nickt mehr oder weniger verständig.

    Eileen: "Also noch mal vereinfacht. Weil es heiß ist, dürft ihr ab jetzt anziehen was ihr wollt."

    Maria: "Auch Miniröcke?"

    Eileen: "Miniröcke zählen auch unter Alles und die sind damit auch gemeint."

    Auf einmal sehe ich eine Hand in meinem Augenwinkel hochschnellen. Es ist Katrin, die mal wieder von ihrer Fähigkeit Gebrauch gemacht hat plötzlich und ohne vorher ein Geräusch zu machen, hinter mir aufzutauchen.

    Kathrin: "Kann ich den genauen Wortlaut noch mal hören?"

    Eileen: "Noch Fragen? Nein? Gut!"

    Die Ansagerin, welche wohl mehr Freunde daran hat Ansagen zu machen als selbige zu erklären, legt das Megaphone weg springt vom Tisch herunter und begibt sich zu Katrin und mir.

    Eileen: "Ich weiß genau, was du denkst und 'Ja' es wurde gerade alle Kleiderordnungen aufgehoben aber bitte .."

    Plötzlich springt die Schüchterne Eileen von Seite an und Krallt sich in ihrem Arm fest.

    Schüchterne: "Ei .. Eilee?"

    Ein starker Ausdruck von Panik steht in ihren Augen und sie macht den staken Eindruck, dass sie jederzeit in Tränen ausbrechen könnte.

    Eileen: "Jeky? Was zum .. was soll das? Könntest du bitte meinen Arm los lassen?"

    Schüchterne: "I .. ich lass sofort los aber nur wenn du mir wirklich die Wahrheit sagt."

    Eileen: "Ja, was gibt es denn?"

    Schüchterne: "Versprich es!"

    Eileen: "Ja, ich verspreche es."

    Schüchterne: "I .. in dem Text heißt es doch, dass die Chance gerade gering ist, dass es Übergriffe gibt oder?"

    Eileen: "Ja warum?"

    Antwortet Eileen ziemlich verwirrt über den Angriff der Schüchternen.

    Schüchterne: "Wenn jetzt sie Chance auf Übergriff jetzt gesunken ist, wie hoch ist die normal?"

    Eileen: "Jecky .. also."

    Schüchterne: "Ist es weil ein paar gerade bei sich zu Hause sind? Wer ist es?"

    Eileen: "Dass kann dir Kathrin viel besser .."

    Eileen sieht sich um aber Kathrin befindet sich bereits auf halben Weg zu ihrem Zimmer und damit weit außer Hörweite. Sie winkt, der nicht gerade darüber erfreuten Eileen, aus der Ferne freundlich zu.

    Eileen: "Du .. ähm? Du weißt bescheid oder?"

    Wendet sich Eileen an mich aber wahrheitsgetreu schüttle ich den Kopf und frage mich im gleichen Augenblick über was ich hier Bescheid wissen sollte oder könnte. Aber am Ende würde mich hier im Camp seit einiger Zeit nicht mehr wundern, die meisten Bewohner schleppen mehr Geheimnisse mit sich rum als so mancher Agent.

    Schüchterne: "Bescheid über was? Ist es etwa .."

    Eileen: "Bescheid .. äh .. über das System der Unterbringung, von sexuell Übergriffigen."

    Schüchterne: "Nein."

    Eileen: "Du warst ja auch nicht gemeint. Also .. wir bekommen hier keine übergriffigen Jungs und haben also auch keine hier. Weil wir als Aufgang für Opfer sexueller Gewalt funktionieren."

    Schüchterne: "Stimmt das?"

    Eileen: "Guck mal, wie oft wie hier Sofa haben."

    Schüchterne: "Ja stimmt."

    Eileen: "Und guck mal wie lieb die Jungs sind, die wir hier haben."

    In diesem Augenblick guckt Eileen gekünstelt freundlich zu mir rüber. Unschlüssig was ich wohl in diesem Moment tun sollte, mache einfach mal gar nicht.

    Eileen: "Manuel interessiert sich nur für seine komischen Geschäftsideen, Der Waldorf Schüler ist viel zu sehr mit seinem Yoga beschäftigt und Der hier ist der größte Gentleman den es gibt."

    Jeky: "Und Domenick und Nays?"

    Eileen: "Domenick labert nur und Nais ist verdammte 11."

    Schüchterne: "Also keine von unseren Jungs."

    Eileen: "Genau."

    Eileen streichelt der Schüchternen beruhigend über den Kopf, worauf diese langsam los lässt und geht, um sich wohl auch etwas passendere Klamotten als ihre Jogginghose anzuziehen.

    Eileen: "Da weigert sie sich Monatelang mit mir zu reden und dann sofort wieder sowas .. Boar, einfühlsam sein ist verdammt anstrengend."

    Ich: "Ich finde das hast du großartig gemacht."

    Eileen: "Ja klar .. komm ich muss aus der Sonne raus."

    Ohne weitere Erklärungen schlendert Eileen auf meinen und Kathrins Tisch zu, setzt sich auf die Sitzfläche und beginnt sich die Schuhe auszuziehen. Ich folge ihr und setzt mich wieder an meinen Platz.

    Eileen: "Für diese 'Leistung' darf ich doch bestimmt auch meine Füße in euren Eimer halten oder?"

    Ich: "Ich meins ernst, bei mir wäre .. Jacky? .. sicher ausgeflippt."

    Eileen: "Bäh .. eh .."

    Etwas angeekelt wischt sich Eileen die Hand an ihrem auf links gedrehten T-Shirt ab, ihre Haare müssen wohl leicht fettig gewesen sein.

    Ich: "Ach komm schon. Hier und bei den Wetter haben alle leicht schmantige Haare. Auch du.

    Eileen: "Kannst mir ja auch den Kopf tätscheln .. komm schon. Trau dich .."

    Ein leicht aggressiv herausforderndem Unterton ist dabei kaum zu überhören und Eileens Blick mit den dazu geschletschten Zähnen tut sein übriges. Ganz auf mich fixiert übersieht Eileen, die sich von hinten anschleichende Kathrin. Welche ihr in einem Ruck eine Mütze über den Kopf zieht.

    Eileen: "Ah .. was soll das? Wehe das ist diene komische .."

    Katrin setzt sich gegen über von Eileen und beide sehen sich an. Katrin trägt ihre SS Panzermüze, welche sie unter normalem Umständen nicht tragen darf.

    Eileen: "Ah, ok du hast die. Na dann Danke, bei der Sonne kommt ne Mütze echt nicht schlecht."

    Katrin: "War was als ich weg war?"

    Eileen: "Die schüchterne ist wegen der Sache mit der Chance auf Übergriffe etwas durchgedreht."

    Katrin: "Ach die Sache, schon doof die Situation sonst."

    Ich: "Welche Situation? Könntet ihr eventuell mal sagen was hier 'sonst' los ist?"

    Katrin: "Also .."

    Eileen: "Nene, unser Einstein hier kommt da sicher selbst drauf."

    Unterbricht sie Kathrin und schaut mich herauszufordernd an.

    Ich: "Es gibt also doch Vergewaltiger bei uns?"

    Katrin: "Naja Vergewaltiger ist einen bisschen hart ausgedrückt."

    Eileen: "Nein nein, was ich Jeky gesagt habe, war schon die Wahrheit. Also Shylock wenn du drauf kommst, hol ich neues Wasser für unseren Bottich, das hier ist ja wärmer als mein Fuß."

    26
    Versäumnisse ( Tag 9 Donnerstag Nachmittag )

    Angestrengt denke ich nach, wie denn jetzt endlich die Zusammenhänge sein könnten aber dank der Hitze komme ich zu keinen eindeutigen Entschluss.

    "Dach ichs mir doch. Füße Weg!"

    Sagt Eileen laut, bevor sie unseren Bottich mit den Hacken umstößt.

    Katrin: "Hey!"

    Eileen: "Was denn was denn? Leer ist das Ding einfach leichter zu tragen."

    Sie zieht den Curvur unter der Bank her und macht sich dann auf in Richtung der Terrasse. Ich sehe ich verwundert nach.

    Katrin: "Ach da weiter hinten geht es zum Garten, da gibt es einen Wasserhahn aus dem sonst immer voll das Eiswasser raus kommt."

    Ich: "Hm .."

    Eiswasser klingt bei dem Wetter so verlockend, wenn ich bedenke, dass ich bis vor einer Stunde einfach nur extrem gefroren habe, klingt das wirklich seltsam.

    Katrin: "Noar, Mist Sonne .. las den anderen einfach mal ihren Platz klauen."

    Nuschelt sie gegen die Tischplatte und deutet auf eine andere Bank, welche mittlerweile im Schatten liegt und auf dem die Sachen der anderen Mädchen verteilt liegen.

    Katrin: "Schnell bevor die wieder kommen."

    Wie erst sie das meint, kann ich nicht ergründen, denn sie macht keine Anstalten sich auch nur irgendwie zu bewegen.

    Eileen: "So Rettung naht."

    Sie schleppt unseren Bottich fast randvoll mit Wasser in unsere Richtung.

    Ich: "Ware ich .."

    Eileen: "Ich kann das alleine."

    Zischt sie mich an, setzt das Gefäß ab und sich auf den Boden und schiebt den Curvur mit beiden Füßen unter unsere Bank. Schnell haben alle wieder ihre Füße in dem Ding.

    Das tut gut, das Wasser ist zwar extrem kalt aber der erste Schock ist es auf jeden Fall wehrt. Da die anderen Füße wohl die gleich Erfahrung machen, und in dem Ding eh nicht der meisten Platz ist, stecken ist, knubbeln wir unsere Füße schnell aneinander.

    Ich: "Oah .. Danke."

    Maria: "Danke."

    Katrin: "Ja .. Danke."

    Maria: "Boar, diese Hitze ist fast so schlimm wie in Spanien."

    Merle: "Dann müsstest du die ja eigentlich gewöhnt sein."

    Merle ist wieder zurück zu uns an den Tisch gekommen. Sie hat ihre weite beige Jogginghose gegen eine sehr kurze hellbraune Sporthose und ihr weißes Poloshirt gegen ein zu großes gleichfarbiges Top getauscht.

    Maria: "In Spanien trägt man aber auch andere Sachen. Was man hier ja nicht darf."

    Eileen: "Hast du nicht zugehört? Man darf gerade alles tragen."

    Maria: "Echt. Bis gleich."

    Sie kann gar nicht schnell genug aufstehen, was sich nach kurzem Überlegen, als kleines Problem für mich herausstellt. Denn jetzt müssen ja die Füße, die ständig meine Berühren ja entweder zu Katrin, Merle oder Eileen gehören.

    Eileen: "Ist was?"

    Ich: "Ne, is nur die Hitze."

    Ich hoffe sie hat nichts gemerkt. Die Füße, die sich, warum auch immer, gerade an meinen reiben sind bestimmt die von Merle. Rede ich mir ein und schaue zu ihr.

    Sie stützt sich mit den Ellenbogen auf dem Tisch ab uns liest wieder True West. Da sie vorgebäugt sitzt und ihr zu weites Top etwas verrutscht ist, kann die oberen Rand ihres lilanen HBs und ihren Ausschnitt sehen. Aus diesem Winkel sehen ihre Brüste ziemlich groß aus, was sonst gar nicht so wirkt.

    Ganz langsam drehe ich meinen Kopf weg und überlege, dass es doch nicht die beste Idee ist anzunehmen, das seien ihre Füße.

    Eileen räuspert sich und zupft an ihren T-Shirt herum:

    "Ist dir übrigens was auf gefallen?"

    Ich sehe zu Eileen, die ihr schwarzes T-Shirt jetzt nicht mehr auf Links trägt. Es ist ein recht ausgewaschenes Metal Bandshirt zu sein. Da sie den bei weitem beunruhigensten Anblick bietet, beschließe ich einfach, dass das ihre Füße sind.

    Ich: "Ähm .. du weißt jetzt, wie man ein T-Shirt richtig rum trägt?"

    Sie knurrt ärgerlich und kurz drauf, packt ein Fuß meine kleine Zehen und drückt angenehm zu.

    Merle lacht, und rückt danach ihr Top zurecht.

    Eileen: "Dich meine ich nicht."

    Katrin: "Eh .. hä?"

    Müde sieht die Hitzeempfindlichkeit in Person auf, gerät dann aber völlig aus dem Häuschen.

    Katrin: "Wä was? Wo hast du denn das her?"

    Eileen: "Hm .. Flohmarkt natürlich .. sag doch, dass lohnt sich."

    Katrin: "Das darfst du aber nicht ragen .."

    Eileen: "Verkehrt herum?"

    Katrin: "Man darf Sachen nur so tragen wie sie gedacht sind."

    Eileen: "Hm .. wenn ich da bei der nächsten Wäsche hart genug drüber schrubbe .. dann .."

    Katrin: "Das kannst du nicht machen, dass ist ein Stück Metal-Geschichte."

    Sie sitzt kerzengerade auf ihrem Platz und sieht Eileen mit aufgerissenen Augen an. Sackt dann aber wieder zusammen und fragt nüchtern:

    "Na gut, was willst du?"

    Eileen: "Pfff .. nicht viel nur ein bisschen Hilfe bei einer Kleinigkeit .."

    Katrin: "Und was?"

    Eileen: "Sag ich dir später."

    Merle: "Was is so besonders an dem Band Shirt?"

    Katrin: "Das ist kein Band Shirt, dass ist ein Tour Shirt, hinten sind die Tourdaten drauf."

    Eileen: "Ja, das ist voll verwirrend, ich dachte erst das sei Vorne, bis mich der Waschzettel am Hals gekitzelt hat."

    Sie dreht sich um, Katrin tippt ihr auf den Rücken und erklärt:

    "Und die Shirts gibt es halt immer nur .."

    Merle: "Auf den Konzerten, so dass man dabei sein muss, um eines zu bekommen?"

    Katrin: "Genau, also damals. Heute bekommt man die meisten Tour-Shirts auch im Katalog .. wie langweilig."

    Eileen setzt sich wieder gerade hin und kratz sich selbst am Rücken. Worauf Katrin scherzhaft sagt:

    "Hey, wenn du nachträglich den Wert minderst, ist unsere Abmachung hinfällig."

    Wir grinsen.

    Eileen: "So, endlich wieder auf normaler Betriebstemperatur. Wie weit bist du gekommen?"

    Ich: "Physisch bis Seite 10, geistig bis Seite 3."

    Victoria: "Trinken."

    Sie bringt uns eine Tablett an den Tisch auf welchem ein paar umgedrehte Gläser und eine zugeschraubte Thermoskanne stehen. Aus Letzterer hängen drei Fahnen von Teebeuteln heraus. Scheinbar hat sie ebenfalls von der Lockerung Gebrauch gemacht, zumindest teilweise. Sie trägt einen blauen kurzen Rock, welcher ihr bis übers Knie geht und dazu ein blau grau gestreiftes Top, welches sie hoch geknotet hat, so dass es bauchfrei ist. Dabei sieht man deutlich ihre vorstehenden Hüftknochen und durch das Topp kann man ihre Rippen erkennen.

    Ich: "Danke."

    Victoria: "Bitte!"

    Merle: "Danke."

    Victoria lächelt mich an, sieht dann rüber zu der halb über den Tisch geäugten Merle, macht ein angewidertes Gesicht und sagt:

    ".. nicht dass dir noch was rausfällt."

    Merle: "Und wenn, juckt hier eh keinen."

    [o]Sagen, dass mich das stört

    [o]Sagen, dass ich das so toll finde

    [x]Nichts tun

    Victoria sieht zu mir, doch ich bemühe mich keine Mine zu verziehen, worauf diese nur schnaubt, sich auf dem Absatz umdreht und verschwindet.

    Merle: "Sagt die, die der ganzen Welt ihre Rippen präsentiert."

    Katrin: "Sie kann nichts dafür."

    Merle: "Ich weiß, ich weiß .. ich hab ja auch nichts gegen sie aber mir ständig alles gefallen lassen .."

    Sie zupft sich an ihrem BH herum, ich schiele vorsichtig über mein Buch.

    Merle: ".. stört auch wirklich nicht oder?"

    Wir schütteln den Kopf.

    Merle: "Als würde ich das machen, um irgendwem geil zu machen. Mir ist einfach nur heiß. Ich wünschte ich könnte meine auch einfach mit .. ähm .. nichts."

    Eileen: "Kochsalz füllen und ne Rund ins Eisfach legen? Keine Sorge er weiß Bescheid. Falls es dich beruhigt, ich bin seit Heute auf Schaumstoff alle Kochsalzkompatiblen Tragesysteme haben mittlerweile so ne leichte Note nach Fischotter."

    Merle: "Aua, Schaumstoff hört sich fies an."

    Eileen: "Nach dem Sport sofort nach Fischotter zu riechen ist übel, ich will auch so einen Raubkatzen Gestank wie er hier."

    Sie stupst mich in die Seite.

    Ich: "Ähm?"

    Eileen: "Was denn? Raubkatze ist so ziemlich das coolste."

    Merle: "Genau, wenn schon dann richtig. Ich reich immer nach nasser Hund."

    Eileen: "Du bist im inneren ja auch einen Welsh Korgi."

    Merle: "Genau, nur mit längeren Beinen."

    Sie legt ihre nackten Beide auf die Tischkante.

    Katrin: "Ich riese immer nach Backfisch."

    Ich: "Backfisch reicht aber lecker."

    Katrin: "Deswegen ja."

    Eileen: "Könnte daran liegen, dass du dich nie so weit ansträngst, dass du wirklich richtig durchklatscht. Du bist immer vorher schon außer Atem."

    Katrin: "Tija, kann nicht nüscht für."

    27
    Modenschau ( Tag 9 Donnerstag Nachmittag )

    Unterhalte ich mich echt gerade ernsthaft mit Mädchen darüber, nach welchen Tieren sie nach dem Sport riechen? Naja zumindest belästigen sie mich nicht, zumindest nicht absichtlich und da das Wasser immer wärmer wird, trennen sich auch schon langsam unsere Füße.

    Eileen: "Warum liest du eigentlich True West, hast du auch vor im zu helfen?"

    Merle: "Das Beste um ein Leiden zu mindern ist mit einem anderen Leiden davon abzulenken .."

    Katrin: "Schon bei der Interpretation der Metaebene?"

    Merle: "Nein, wenn ich unter dem miesen amerikanischen Slang leide, spüre ich die Hitze nicht so stark."

    Sagt sie sarkastisch ohne aufzublicken.

    Katrin: "So schlimm?"

    Merle: "Jap, am liebsten würde ich mich ja ausziehen und mir den ganzen Eimer über den Kopf schütten."

    Eileen: "Mach doch."

    Katrin: "Hätte ich so nichts gegen."

    Merle: "Nee, das gibt zu viel Ärger."

    Katrin: "Warum? Die ziehen dir höchstens einen Nachtgespenst über den Kopf und stecken dich bis heute Abend in den KiR."

    Ich: "Nachtgespenst?"

    Katrin: "Zwangsjacke."

    Ich: "Wir haben hier Zwangsjacken?"

    Eileen: "Nein, die gibt es schon seit Jahren nicht mehr. Nachtgespenster sind halt diese großen Krankenhaus Shirts."

    Katrin: "Und KiR ist halt der Krisen Interventionsraum, wo die K's hinkommen."

    Moment mal K, da war doch was, damit hatten mich doch Anny und Bezy so erschreckt, als ich hier angekommen bin. Am besten ich frag mal.

    Ich: "K's was sind dass denn jetzt eigentlich?"

    Eileen: "K's sind Krisen .. also Krisencampbewohner, die in den Krisen-Interventionsraum kommen."

    Ich: "Und wie wird man das."

    Merle: "Zum Beispiel, wenn man so was macht .."

    Sie steht auf, zieht uns den Bottich sozusagen unter den Füßen weg, hebt ihn unbeholfen hoch, wo bei sie schon fast das gesamte Wasser verschüttet, hebt ihn dann über ihren Kopf und gießt ihn über sich aus.

    Sie ist direkt komplett nass und muss sich erstmal die Haare aus dem Gesicht wischen. Ihr weißes Top wird natürlich prompt durchsichtig und man kann ihren lilanen Spitzen BH genau so gut sehen wie ihren Bauch. Zugegeben sieht sie so ziemlich heiß aus und ich kann immer noch nicht glauben, dass dies sonst so über anständige und adrette Mädchen das gerade wirklich gemacht hat.

    Sie atmet kurz und sagt dann:

    "Entschuldigt Leute aber das musste sein. Ich bin dann mal im Krisen-Interventionsraum."

    Eileen: "Macht nichts, ich wollt eh grad neues holen."

    Katrin: "Wolltest du dich nicht vorher noch ausziehen? Menno."

    Um mich von dem Anblick abzulenken, schaue ich schnell dem Wasser nach, welches Merle über sich ausgekippt hat. Es fließt langsam in vielen kleinen Strömen die kleine Erhebung herunter auf welcher unsere Bank steht. Die Rinnsale kommen dabei immer wieder plötzlich zum Halten, weil die Erde einfach zu trocken ist.

    Nach einem Moment habe ich Merle vergessen und sehe wieder auf.

    Katrin: "Schon heiß unsere Merle, was für eine Verschwendung?"

    Verwundert sehe ich Katrin an.

    Ich: "Warum Verschwendung?"

    Eileen: "Sie steht nicht auf Mädchen .."

    Katrin: ".. und auch auf sonst nichts im Camp."

    Eileen: "Hör auf, er kommt schon selber noch auf des Rätsels Lösung. So und jetzt erstmal wieder zu den Hausaufgaben, sonst werden wir hier nie fertig."

    Katrin: "Na dann macht mal, ich hol Wasser."

    Sie schnappt sich den Bottich und trägt diesen auf dem Kopf davon.

    Eileen: "Gut dann las uns mal los legen, ich lese vor und du machst Notizen, wenn du nichts dagegen hast."

    Ich nicke und den Rest der Zeit lausche ich Eileen, wie diese das amerikanische Stück vom Salesman in einem künstlichen englischen Akzent vorliest, wo bei ich mir immer wieder Notizen mache.

    An diesem Trott ändert sich auch nichts, als Katrin mit dem Bottich wieder kommt.

    Bezy: "Was macht ihr das wichtiges."

    Ich sehe auf und merke, dass neben Bezy auch noch fast der komplette Rest der weiblichen Campobewohner vor unserem Tisch steht. Bezy trägt eine kurze Jeans Hotpans und Oben rum das obere Teil einer Latzhose, nur ohne Latzhose und drunter dem Augenschein nach einen blauen Bikini. Die anderen Mädchen um sie herum tragen ähnlich wenig oder sogar noch weniger.

    Eileen: "Hausaufgaben."

    Anny: "Immer noch?"

    Sie trägt eine, wohl selbst auf Oberschenkel Höhe gekürzte, weiße Hose die viel zu niedrig sitzt und von welcher auch noch der oberste Knopf aufsteht. Dazu ein enges Top in grauen Tarnfarben mit breiten Trägern und scheinbar keinen BH.

    Emily: "Ist das nicht etwas übertrieben?"

    Eileen: "Mag sein, aber wir sind gerade so gut im Fluss, wir brauchen nur noch 10 Seiten. Was gibt es denn so wichtiges?"

    Bezy: "Wir können uns nicht einigen, wer den besten Modegeschmack hat und brauchen eine Experte."

    Eileen: "Ne braucht ihr nicht, ihn nehmt euch einen Zettel reißt den in Stücke und stimmt in einer gemeinsamen Wahl ab. Ganz einfach."

    Suzy: "Dich brauchen wir ja auch nicht dafür."

    Suzy sieht mich an. Sie trägt scheinbar einfach nur einen Bikini hat aber um ihre Hüften ein Tuch geschlungen und sich einen Schal über die Brüste gebunden. Als Bezy merkt, dass ich bei ihrem Anblick leicht zusammen zucke sagt diese beruhigend:

    "Ihr könnt doch Morgen weiter machen. Nu komm Bitte, bekommst auch ne Entschädigung für den Aufwand."

    [x]Zu den Mädchen gehen

    [o]Bei Eileen bleiben

    Ich: "Du, ich denke das ist wirklich genug für Heute .."

    Ich stehe langsam auf, doch sie packt mich am Arm, schnaubt zieht mich zu sich und sagt dann leise aber nicht weniger ärgerlich:

    "Nur noch 10 Seiten, ist das dein Ernst? Wenn du jetzt gehst, brauchst du gar nicht erst wieder kommen."

    Victoria: "hey, tut uns auch leid aber wir müssen das jetzt machen, bevor es gleich zu kalt wird."

    Ich wundere mich kurz, dass sogar Victoria dabei ist und merke dann, dass es wirklich schon, wenn nicht kalt, so zumindest schon etwas rötlicher vom Licht her geworden ist. Eileen knurrt mir zu:

    "Na schön, die geben ja doch keine Ruhe aber ich will dann auch mal, dass du dir eines meiner Outfits 'in Ruhe ansieht und mir deine 'ehrliche Meinung dazu sagt, versprochen?"

    [o]Nein

    [x]Versprochen

    Ich: "Versprochen."

    Eileen: "Gut, dann könnt ihr ihn haben und ich genehmige euch die Aktivität."

    Anny: "Hä?"

    Eileen: "Ihr wisst ja, das Aussehen andere zu bewerten, ist in der Regel verboten. Aber wenn dass einen Wettbewerb ist .. ich finde nur die Jury ist zu klein .. hm .. Nehmt noch Jecky und Domenick als Juroren, dann passt das."

    Suzy: "Ähm .."

    Bezy: "Passt passt."

    Bezy dreht die, offensichtlich mit dieser Konstellation nicht ganz zufriedene, Suzy an den Schultern rum und schiebt diese Richtung Campausgang, ich folge ihr wortlos.

    Bezy: "Holt mal wer unseren kleinen Angsthasen."

    Victoria: "Wird erledigt."

    Bezy: "Und Domenick muss auch irgendwo sein."

    Ich folge erst dem Pulk und dann noch Bezy, da sich der Rest sich hinter mich fallen lässt. Auf dem Weg spüre ich eine Berührung an meinem Hintern. Moment mal, ich dachte Bezy wäre die einzige die das aus Spaß macht, vorsichtig drehe ich mich um aber die Mädchen scheinen aller mit leisen Gespräche der dem Richten ihrer Klamotten beschäftigt zu sein.

    Plötzlich renne ich von hinten in Bezy, die plötzlich stehen geblieben ist.

    Ich: "Sorry."

    Bezy: "Na du geht aber schon ran."

    Ich sehe mich um und wir stehen alle grob um eine der Kabinen verteilt.

    Victoria: "Warum machen wir das vor deiner Kabine?"

    Anny: "Unserer Kabine."

    Suzy: "Unfair, dann könnt ihr auch immer sofort umziehen."

    Bezy: "Na schön .. dann eben hier."

    Wir gehen einfach ein paar Schritte vor die Nächste Kabine. Erst frage ich mich warum es überhaupt vor einer der kleinen Hütten sein muss, doch als wir zwischen den Kabinen hindurch gehen, merke ich, dass mittlerweile ein leichter Wind weht. Außerdem scheint hier noch gut die Sonne durch und taucht die Szenerie in ein langsam oranger werdendes beginnendes Abendlicht.

    Eigentlich könnte ich so super die Ruhe des Camps genießen aber die Mädchen verlangen schon meine Aufmerksamkeit.

    Victoria: "So, vollständig."

    Domenick steht neben ihr und die Schüchterne kauert sich hinter Victoria.

    Bezy: "So! Du, du und du, ihr seit Jury und setzt euch da auf den Weg."

    Schüchterne: "Ich?"

    Bezy: Ja, du?

    Schüchterne: "Ok."

    Wir setzten uns auf den Weg und die Mädchen verschwinden in alle Richtungen.

    Schüchterne: "Wo sind die hin?"

    Ich: "Schätze mal sich umziehen oder so."

    Schüchterne: "Ok .. sag mal?"

    Fragt sie vorsichtig.

    Ich: "Ja."

    Schüchterne: "Darf ich mich hinter der verstecken?"

    Ich: "Ja .. ähm .. gerne."

    Schüchtern: "Danke."

    Sagt sie leise, setzt sich hinter mich, krallt sich ganz sanft in mein T-Shirt und Guckt über meine Schulter.

    28
    Farbwahl ( Tag 9 Donnerstag Nachmittag )

    Entspannt sitze ich auf dem Trampelpfad, suche aber trotzdem noch meine finale Sitzposition. Ich weiß nicht warum aber ständig habe ich Probleme damit eine gemütliche Sitzposition zu finden und der leicht unebene Untergrund macht die Sache nicht gerade leichter.

    Am Ende entschließe ich mich einfach dazu, mich mit den Schienbeinen flach zum Boden hinzuknien und so quasi auf meinen eigenen Beinen zu sitzen.

    Domenick: "Was gibts?"

    Ich: "Weiß nicht die Mädchen wollen mal wieder wissen, wie gut ihre Sachen so aussehen."

    Sage ich und zucke dabei mit den Schultern, als ich mich nicht mehr bewege, krallt sich die Schüchterne von hinten wieder dichter an mich. Ein merkwürdiges Gefühl aber ich bringe es einfach nicht übers Herz ihr zu sagen, dass sie das lassen soll.

    Emily: "Wartet wartet, gleich geht los. Ein paar ziehen dich noch um."

    Ich: "Ihr fahrt ja einen ziemlichen Aufwand."

    Anny: "Die meisten sind zu Hause schlimmer. Das ist gar nichts."

    Bezy: "So, sind denn jetzt alle da?"

    Emily: "Victoria fehlt."

    Ich: "Ihr müsst da jetzt keine echte Modenschau draus machen, ihr wolltet doch im Kern eh nur meine .. unsere Meinung hören oder? Außerdem geht das doch eh schneller, wenn wir jetzt schon mal anfangen."

    Schüchterne: ".. richtig bewerten dürfen wir eh nicht."

    Da sie das wie immer sehr Leise sagt, wiederhole ich ihren Satz noch einmal laut.

    Anny: "Da dann los."

    Anny trägt nach wie vor ihre gekürzte weiße Hose, bei welcher der oberste Knopf offen steht und ihr Tarnfarben Shirt mit den rosanen Bikini Teilen drunter, dessen lange Bändel über die Kleidung ragen.

    Ich: "Ja, sieht gut aus. Ich mag die Mischung aus den rosa Bändeln und dem Urbancamo. Hast du die Hose selbst gekürzt?"

    Sie Nickt, was ich jedoch nicht so gut sehen kann, da sie Sonne mittlerweile tiefer gesunken ist und mich ganz knapp noch über die Kabinendächer hinweg blendet.

    Anny: "Ja, die hab ich beim Toben zerrissen und hab sie deswegen gekürzt."

    Domenick: "Geht der Knopf oben auch zu?"

    Fragt er schon fast abwertend, was mich ein wenig überrascht.

    Anny: "Ja, aber das sieht so aber besser aus."

    Ich: "Das ist eine der Hosen, die so ganz knapp über den Hüften aufhört oder?"

    Bei ihr hängt die Hose gerade eher unter den Hüftknochen.

    Anny: "Ja, wenn man die richtig trägt sieht das total doof aus."

    Ich: "Und Tarnfarbe ist gerade wegen des Verbots draußen?"

    Sie nickt.

    Bezy: "So genug, Punkte?"

    Ich: "Wir vergeben keine Punkte, damit würden wir ja sagen, dass jemand besser aussieht als jemand anderes."

    Bezy: "Au, super wie in der Mini Playback Show .. alle haben gewonnen. Na wenigstens ne Abschlussbewertung?"

    Ich: "Das Beste aus dem gemacht, was da war und dem Stiel treu geblieben."

    Domenick: "Ja geht .. ne."

    Schüchterne: "Der Bikini guckt überall raus."

    Ich wiederhole wieder ihre Worte.

    Anny: "Das soll so. Das ist sexy."

    Bezy tritt vor die Kabinen und plustert sich auf. Sie hat ihr Outfit komplett gewechselt und trägt nun eines dieser viel zu weiten Krankenhaus T-Shirts, nur hat sie ihres an der Hüfte zusammen geknotet, weswegen man ihren Bauch sehen kann und den Kragen erweitert, so dass eine ihrer Schultern mit aus dem Kopfloch ragt. Drunter trägt sie einen schwarzen Neckholder Bikini und um die Hüften hat sie ein buntes Tuch gebunden.

    Kurz abgelenkt durch ihren Bauch, welcher trotz ihrer stabilen Natur ziemlich flach ist und der Tatsache, dass man unten rum durch das Tuch sehr viel Oberschenkel sehen kann sage ich nach kurzem Überlegen:

    "Ich mag den Kontrast zwischen weiß und schwarz. Aber das bunte Tuch passt nicht so ganz"

    Bezy: "Na dann .."

    Sie macht den Knoten auf und wirft das Tuch einfach in Anny richtig.

    Ich: "Na, jetzt ist unten aber zu wenig. Das sieht komisch aus .. ähm .. mach mal das T-Shirt auf."

    Bezy: "Soll ich das auch noch ausziehen, du bist ja drauf."

    Sie grinst.

    Ich: "Nein, aufmachen, den Knoten, nicht ausziehen."

    Sie löst den Knoten, wo rauf das zu große Sirt formlos an ihr herunter fällt, und beschert sich:

    "Jetzt sehe ich ja aus, als wäre im im Krankenhaus."

    Domenick: "Ist ja auch ein Krankenhaus T-Shirt."

    Ich: "Knote es halt noch mal nur weiter unten oder du könntest es mit dem Bikini Unterteil verknoten."

    Anny: "Bikini Unterteil?"

    Ich: "Wie sagt du denn dazu?"

    Anny: "Höschen?"

    Bezy: "So?"

    Sie hat auf einer Seite den Knoten auf einer Seite weiter unten angebracht.

    Ich: "Genau, jetzt hat das Shirt zwar immer noch keine Form aber durch die Falten Struktur. Ich mags."

    Bezy: "Ich mags nicht, man sieht kaum noch was."

    Domenick: "Genau."

    Ich: "In der Mode ist es viel wichtiger, was man nicht sieht, als was man nicht sieht."

    Suzy: "Sich in einen Sack stecken in dann also die beste Mode, die es gibt."

    Ich: "Jap, das ist auch Mode, Versace hat das meine ich mal gemacht."

    Zugegeben ist das geraten, aber sie wird es eh nicht besser wissen. Auf einmal zieht mir jemand von hinten am Ohr.

    Schüchterne: ".. Nackt sein kann keine Mode sein."

    Flüstert sie mir ins Ohr, ich wiederhole:

    "Nackt .."

    Suzy: "Schon gut ich hab es gehört .."

    Bezy: "Wie auch immer, ich trete im Urzustand an."

    Sie habt ihr Shirt und knüpft den Knoten wieder dicker und höher, dabei ihr noch mehr von ihrem Bauch zu sehen. Ich gucke der Vorsicht halber auf den Boden.

    Bezy: "Alles ok?"

    Suzy: "So ich bin dran."

    Sie drängelt sich vor Bezy, bietet aber einen entspannteren Eindruck nur deswegen, weil es eben Suzy ist, die bei ihrem Charakter erstmal die Aktion von Dienstag toppen muss, damit sich bei mir was rührt.

    Sie trägt eine viel zu enge Jeans Hotpans, die noch mal ein Stück niedriger sitzt als Annys und dazu ein reguläres weißes Top. Im Zusammenspiel mit der sehr tief sitzenden Hose, kann man so einen breiten Streifen Haut sehen aber keinen Bauchnabel, was echt sehr merkwürdig aussieht. Weiter Oben trägt sie eine pinke Trainingsjacke, welcher aber nur bis knapp unter die brüste geht und ich mich frage, ob diese ihren optischen Zweck überhaupt erfüllen könnte.

    Nach nur ein paar Sekunden, dreht sie sich auch schon im Kreis, worauf ein schwarzer Tanga hinten aus ihrer hellen Jeans Hotpans heraus schaut. Schnell überlege ich, wie ich diese Form gewordene Geschmacklosigkeit in nette Worte packen kann aber da mir nichts einfällt. Sage ich:

    "Als ich finde meine mit Juroren könnten auch mal was sagen."

    Worauf die Schüchterne sofort mit einem Zucken hinter meinem Rücken verschwindet.

    Domenick: "Also .. ich finde das sieht gut aus. Ich mag Rosa bei Mädchen."

    Suzy: "Danke."

    Domenick: ".. du erinnerst mich an eine Bi .. öhm .. Frau aus einem Video von 50 Cent. Die bei Candy Shop, kennst du das Video?"

    Suzy: "Ja .. ähm .. schon."

    Sie überlegt.

    Domenick: "Auf jeden Fall die Klamotten sind Klasse."

    Maria: "Hay .. was macht ihr da?"

    Ich: "Modenschau .. naja sowas in der Art."

    Maria: "Echt? Toll .. darf ich mitmachen."

    Bezy: "Sicher."

    Maria: "Wartet, ganz kurz."

    Sie springt an Suzy und Bezy vorbei die kleine Holztreppe zur Kabine hoch, öffnet die Türe und verschwindet. Es muss wohl ihre Kabine sein, vor der wir uns alle tummeln.

    Emily: "Ich ich ich .."

    Suzy: "Hey .."

    Protestiert Suzy, die aber von allen einfach überhört wird.

    Bezy: "Beeilung, bevor die Sonne weg ist."

    Die Sonne ist jetzt glücklicherweise bereits hinter der Kabine verschwunden aber wirft ihr oranges Licht zwischen den Hütten hindurch. Außerdem beleuchtet sie die Kabine vor uns von hinten, wodurch man Maria huschende Silhouette gegen die zugezogene Gardine sehen kann. Welcher Domenick aufmerksam folgt.

    Domenick: "Wer ist das?"

    Flüstert er mir zu.

    Ich: "Das Mädchen .. das ist Maria."

    Domenick: "Ahhhh .. Danke."

    Emily: "Hey!"

    Sie trägt im vergleich zu den anderen eher moderate Sachen und scheint sich selbst in diesen nicht so wirklich wohl zu fühlen. Ausgesucht hat sie sich ein breites braunes Bikini Unterteil, welches an den Seiten durch große weiße Ringe zusammengehalten wird. Einer davon fungiert als Halterung für ein dichtes weißes Tuch, welches fast alles bis zum Knie bedeckt, jedoch recht tief sitzt. Als Oberteil trägt sie, ein ganz normales ähnlich braunes tailliertes T-Shirt, eine orange Halskette und einen Orangen Haarreifen. Unsicher wiegt sie sich hin und her.

    Ich: "Ich bin immer wieder erstaunt, wie gut Braun und Orange zusammen passen. Wäre jetzt noch das Tuch Orange .."

    Emily: "Hab leider keines."

    Ich: "Na klar, die wenigsten haben hier ihre ganze Garderobe mit. Ich kanns mir ja vorstellen."

    Bezy: "Hey, hier geht es nicht ums vorstellen."

    Emily: "Du magst es also?"

    Sie drückt stolz den Rücken durch.

    Ich: "Sicher, eines der bes .. ähm .. ein sehr gutes Outfit."

    Suzy: "Naja .. eher langweilig."

    Sagt Suzy abfällig, wird aber von den anderen komplett ignoriert, was ihr gar nicht zu passen scheint.

    Ich: "Nur an deiner Haltung musst du noch arbeiten, du bist sowas nicht gewöhnt oder?"

    Sie nickt freudig und wirkt nach meinem Lob auch gar nicht mehr so unsicher.

    29
    Die Treppe ( Tag 9 Donnerstag Nachmittag )

    Victoria drängelt sich wortlos in den Vordergrund, sie trägt eine blaue kurze Sporthose und ein T-Shirt in genau dem selben Blau mit grau melierten Streifen.

    Suzy: "Wenn man denkt, es geht nicht noch langweiliger .."

    Sie verdreht die Augen und Victoria sich im Kreis, wobei ich versuche, nicht auf ihre Beine zu achten, denn diese sind wirklich unangenehm dünn.

    Ich: "Ich mag das Outfit."

    Bezy: "Das sagst du jedes mal."

    Ich: "Weils jedes Mal stimmt. Das Outfit ist einfach, simpel und funktional. Außerdem mag ich Blau und Grau Meliert."

    Suzy: "Aber das sieht doch langweilig aus."

    Ich: "Und, dass ist ja nicht unbedingt was schlechtes. Eventuell will sie ja Ruhe ausstrahlen."

    Ich schätze mal, damit bin ich bei ihr als Experte unten durch und auch Bezy scheint lieber andere Bewertungen hören zu wollen aber aktuell kann mir das nur recht sein, denn auch wenn das hier eine willkommene Abwechslung zum Lernmarathon ist, so hätte ich ganz ehrlich langsam lieber meine Ruhe. Andererseits ganz in Ruhe lassen, sollen mich die Mädchen auch nicht, denn es tut schon gut mit Mädchen etwas zu machen, die mich Draußen bestimmt nie auch nur ansehen würden. Ein Knall reißt mich aus meinen Gedanken, die Kabinentüre hinter uns schlägt plötzlich auf.

    Maria: "Fertig! So kann los gehen .."

    Sie stolziert aus ihrer Kabine heraus, bleibt kurz vor der Treppe stehen und wischt sich schwungvoll durch ihre offenen Haare.

    Maria hat sich wirklich aufgebrezelt, sie hat dick Schminke aufgetragen und sich scheinbar sogar noch mal extra die Haare gemacht. Dazu trägt sie rote hochhackige Schuhe, einen schwarzen Falten Minirock, oben ein enges weißes Top mit Kirschen darauf. Darunter trägt sie ihren grauen, nicht richtig sitzenden, Hartschalenbikini, von dem man einiges sieht.

    Domenick: "Wou, diese Maria sieht aber ganz schön geil aus."

    Flüstert er mir zu, beißt sich dann aber für alle sichtbar auf die Faust.

    Domenick: "Findest du nicht."

    Ich: "Nicht wirklich, aber ich habe auch einen anderen Geschmack."

    Sage ich, da ich nicht wirklich seiner Meinung bin und solche Gespräche nicht so gut ankommen, wenn einem zig Mädchen zuhören, allem voran das hinter meinem Rücken, welches sich ängstlich weg duckt.

    Für einen kurzen Moment ist es still. Man kann die ersten Grillen zirpen hören und spürt förmlich die ärgerlichen Blicke der anderen Mädchen.

    Emily: "Alles klar. Warte ich .. Ups!"

    Emily geht auf sie zu aber tut kurz vor der Treppe so, als würde sie stolpern, lässt sich ins Gras am Fuß der Treppe fallen, guckt von dort nach oben ..

    .. verschränkt künstlich empört die Arme und sagt platt:

    "Wenn du schon nichts drunter trägst .. dann rasier dich wenigstens."

    Stille ..

    .. eine ganze Weile lang bleibt es ruhig, bis die Stille von dem Knallen einer Türe durchbrochen wird, welche Maria hinter sich zuschlägt. Betreten verziehen wir uns zurück auf den Campplatz, wo wir uns wortlos an einem der hintersten Tisch versammeln.

    Bezy: "Nahaha .. wie du einfach gesagt hat: 'Wenn du dir schon nichts drunter ziehst .. dann rasier dich wenigstens'. "

    Wiederholt Bezy in der Stille des Camps, ihr Stimme hallt ein wenig durch die Bäume. Eine Sekunde später fangen alle an zu prusten und zu lachen.

    Victoria: "Das war so genial .."

    Salfia: "Du hast es der aufgeblasenen Kuh richtig gegeben."

    Sie hat Emily auf den Rücken, welche fast umkippt und selber erst nur betreten lächelt, dann aber auch aus vollem Herzen mit lacht.

    Das Lachen hält eine ganze Weile lang an und als aus Bezy wieder ihre echte Lache hervorbricht, während sie sich auf dem Boden kugelt, während die meisten anderen entweder flach auf dem Tisch liegen oder sich im Stehen die Bäuche halten muss auch ich los lachen, obwohl das ganze schon ziemlich gemein war.

    Anny: "Wusste gar nicht, dass du so lustig bist."

    Suzy: "Wusste gar nicht, dass du so gemein sein kannst .."

    Bezy versucht ihre Lache zu unterdrücken, verschluckt sich dabei aber mehrmals und bringt holpernd hervor:

    "Ok .. jetzt .. jetzt mal ehrlich, wie bist du denn auf die Idee gekommen?"

    Emily: "Ja .. hm .. ich hab mich einfach allen gelassen um mal zu gucken .."

    Victoria: "Nicht das, der Spruch."

    Emily: "Was denn, wenn man nichts drunter trägt, dann sollte man sich doch rasieren oder?"

    Anny: "Ja das ist normal aber .."

    Suzy: "Erzähl nicht .. dass die .."

    Emily sagt gar nicht und grinst.

    Die Meute, die erst gerade dabei war sich wieder einiger maßen einzubekommen. Bricht erneut in lautes Gelächter aus und wirft si zu großen teilen wieder zurück auf Boden und Tischplatten.

    Das beginnende Abendrot, fällt in einem tiefen Winkel durch die Bäume und glitzert in den Tränen der Campbewohner. Fast schon schniefend wischt sich Victoria mit ihrem Shirt die Tränen aus den Augen.

    Victoria: "Die hatte also echt nichts drunter?"

    Emily: "Ja, warum auch immer."

    Salfia: "Kakhba."

    Anny: "Hä?"

    Suzy: "Nutte oder?"

    Salfia: "Jap, Nutte auf Arabisch."

    Ich: "Kahhba."

    Slafia: "Nein Kakhba'."

    Sie betont den harten "Ch"-Laut in der Mitte des Wortes.

    Merle: "Na ihr habt aber Spaß."

    Merle steht in einem braunen Morgenmantel vor uns mit einer zotteligen Mähne und Eileen direkt hinter sich, welche sich prompt in den Vordergrund schiebt und genervt sagt:

    "Könnt ihr mit bitte sagen, dass die Modenschau nicht komplett eskaliert ist?"

    Bezy: "Naja nicht komplett."

    Emily: "Wenn du einen Blick hinter den .. 'Vorhang' werfen willst, dann erklär ich dir gerne die haarigen Details."

    Eine prusten sofort wieder los.

    Merle: "Na schön, was ist passiert."

    Sie stritt einen Schritt nach vorne und schiebt sich so in den Vordergrund.

    Bezy: "Joar, wir haben eine kleine Fashion Hour veranstaltet und eine Teilnehmerin ist ein bisschen zu freizügig aufgekreuzt."

    Anny: "Emily hat unter Marias Rock geguckten und hat dann gesagt .. ähm .."

    Victoria: "Wenn du dich schon nicht rasierst, dann zieh dir wenigstens was drunter."

    Merle: "Hm .. sehr komisch."

    Hinter ihr ist ein Quitschgeräusch zu hören, es ist Eileen, welche versucht sich das Lachen zu verkneifen.

    Bezy: "Ihr findet das doch auch komisch."

    Eileen: "Ok .. ähm .. wie genau hat es Emily denn geschafft, unter ihren Rock zu gucken?"

    Ich: "Sie stand oben auf der Treppe zur Kabine und Emily hat sich einfach fallen lassen."

    Victoria: "Und dabei noch so 'Ups' gesagt."

    Merle: "Euer Erst?"

    Eileen: "Echt? Wie geil .."

    Sie hält sich den Bauch vor lachen, während Merle ziemlich erst dreinschaut.

    Eileen: "Ignoriert das einfach .."

    Sie stützt sich an Merle ab.

    ".. das hat einen paar zu bunte Tabletten bekommen. Das funktioniert gleich wieder."

    Merle: "Hey, pass doch auf, sonst steh ich hier als nächstes ohne was."

    Sie zieht ihren Morgenmantel zurecht und Eileens Hand weg.

    Emily: "Bekommen wir Ärger?"

    Eileen: "Nicht von uns. Ich hab Mario und Peter ne Weile nicht mehr gesehen. Ich bin nur hier runter weils hier was zu lachen gab. Also hatte die denn wirklich nichts drunter?"

    Emily: "Ich schwör."

    Victoria: "Was? Ich dachte das wäre ein Witz gewesen."

    Ich: "Bei nem Witz, hätte sie nicht so reagiert."

    Merle: "Wie hat sie denn reagiert?"

    Suzy: "Ist in ihre Kabine und hat die Tür hinter sich zugeknallt."

    Merle: "Und ihr habt sie seitdem nicht mehr gesehen? Ihr wisst schon dass .."

    Eileen: "Ach was, die verkriecht sich jetzt unter ihrer Bettdecke und heult wenn es hoch kommt. So und jetzt trink deine Flasche aus, damit der scheiß aus deinem Kopf gespült wird."

    Mürrisch schraubt Merle den quietschenden Blechdeckel ihrer Flasche auf und trinkt.

    "Ich fands witzig."

    Katrin ist mal wieder ohne Vorwarnung hinter mir aufgetaucht und rechtfertigt sich:

    "Ich meine, sie ist ja selber schuld."

    Victoria: "Die Frage ist nur warum? Hätte sie sich was drunter ziehen oder sich rasieren sollen."

    Merle: "Findet ihr nicht, dass ihr da im Glashaus ein wenig mit .."

    Eileen: "Laut Campregeln eindeutig letzteres."

    Wir Merle unterbrochen.

    Eileen: "Naja, wie auch immer wir haben noch 10 Seiten vor uns."

    [x]Einwilligen

    [o]bei den anderen Bleiben

    Ich nicke und stehe von der Bank auf, während die anderen im Hintergrund noch diskutieren:

    Emily: "Meint ihr die sagt was?"

    Suzy: "Möglich ist das."

    Bezy: "Ne, dafür ist die zu stolz."

    30
    Niedliche Tiere ( Tag 9 Abend )

    Zusammen mit Katrin, Merle und Eileen verziehe ich mich wieder weg von der nun schon fast streitenden Meute an unseren Hausaufgabentisch. Welcher jetzt jedoch keinen besonderen Schatten mehr bietet, sondern jetzt als einer der wenigen Tisch noch Sonnenlicht abbekommt. Das dürfte wohl daran liegen, dass unser Tisch minimal höher liegt, als die weiter unten in der Nähe des Zaunes.

    Etwas missmutig greife ich zu meinem Buch. Zu meiner Überraschung macht jedoch Eileen keine Anstalten weiter mit mir zu lernen. Stattdessen kippelt sie nur unruhig auf ihrem Platz hin und her und fragt zu den Kabinen gewandt:

    "Meint ihr, sich sollte mal nach ihr sehen?"

    Merle: "Nicht deine Aufgabe."

    Katrin: "Was ist den passiert?"

    Da mir klar wird, dass ich von uns der einzige bin, der dabei war sage ich:

    "Emily hat sich zu ihren Füßen fallen lassen und dann gesagt: 'Wenn du schon nichts unter deinem Minirock trägst, dann rasier' dich wenigstens'."

    Katrin und Eileen müssen grinsen, Merle verdreht die Augen.

    Katrin: "Ha, witzig. Ne .. las die mal, die kommt schon damit klar. Las lieber Karten spielen."

    Sie wirft eine Packung Karten auf den Tisch.

    Merle: "UNO?"

    Katrin: "Tija, gibt nichts besseres .. in Reichweite."

    Eileen: "Die Flasche ist immer noch fast voll."

    Merle: "Aber wenn ich mehr trinke, muss ich alle paar Minuten pinkeln."

    Eileen: "Das ist der Sinn der Sache .. Stichwort - ausschwemmen."

    Katrin mischt die Karten und wir fangen an eine Runde UNO zu spielen. Jedoch steckt Eileen ihre Karten, anstelle sie in der Hand zu halten, einfach in einer Kitze zwischen zwei der Bretten, aus denen der Tisch besteht.

    Merle: "Eh, er kann dir so in die Karten gucken."

    Eileen: "Das macht bei UNO so gut wie nichts aus."

    Katrin: "Doch, er kann die Karten so legen, dass du nicht kannst."

    Eileen: "Dazu müsste er die nötige Auswahl haben, das ist bei sieben Karten so nicht gegeben. Dazu müsste er um die 20 Karten haben."

    Merle: "Und wenn er zwanzig Karten hat?"

    Eileen: ".. ist er dabei zu verlieren."

    Antwortet sie platt und wendet sich wieder ihrem Buch zu.

    Ich: "Heimische Fische und Wasserpflanzen?"

    Lese ich laut vor, als ich mich eh gerade vorbeugen muss, weil Katrin mir mit einem Grinsen auf dem Gesicht eine 'vier Ziehen' Karte gedrückt hat.

    Eileen: "Jap .. eben frisch aus der Bibliothek geliehen."

    Ich: "Hat das einen Grund?"

    Eileen: "Jap, wollte wissen was ein Neunauge ist. Hab sie aber schon."

    Sie lässt das Buch mit der entsprechenden Seite auf den Tisch fallen, worauf der Kartenstapel durch einander gewirbelt wird.

    Merle: "Ah .."

    Katrin: "Ach was, wir wissen ja, das eine rote Acht oben war."

    Merle: "Von mir aus aber erschreck mich nicht so."

    Ich: "Ach wegen .. Kneiptherapie."

    Eileen: "Jop.

    Katrin: "Ah, die sind aber niedlich. Putschy."

    Sie streichelt mit einem Finger einen der Schleimaale im Buch.

    Merle: "Eww .. die sind doch nicht niedlich. Bären sind niedlich .."

    Katrin: "Bären sind blutrünstige Raubtiere."

    Eileen: "Und Mainstream. Naja Neunaugen sind zumindest grenzwertig."

    Merle: "Alles was kein Säugetier ist, ist eh nicht niedlich."

    Katrin: "Küken?"

    Merle: "Sind laut und nerven .. Katzenbabies sind niedlich."

    Katrin: "Bauernhof Spätschäden?"

    Merle nickt und erklärt:

    "Wenn man auf einem Bauernhof aufwächst, sagen immer alle: 'Och toll die ganzen niedlichen Tiere'. Von den ganzen Tieren gibt es nur eine Art Tierbaby das nicht laut ist, nervt oder gleich beides und das sind Katzenbabies. Da kümmert sich nämlich die Mutter ganz alleine drum, die machen keinen Lärm und du musst nicht Angst haben das die krepieren, man muss noch nicht mal einen Tierarzt holen. "

    Ich: "Und das ist bei allen anderen Tierarten anders?"

    Merle: "Schweine sind ähnlich aber nicht niedlich."

    Katrin: "Finde ich aber schon."

    Eileen: "Ist doch klar, dass man als Bauer Schweine nicht niedlich finden kann, sonst kann man die später ja nicht schlachten."

    Katrin: "Dann sind die ja auch nicht mehr niedlich. Wenn die so groß sind, dass man die schlachten kann."

    Merle: "Schweine und Kühe sind aber auch fast die einzigen nicht niedlichen Säugetiere."

    Victoria: "Ist noch Platz?"

    Ich: "Sicher."

    Die anderen nicken, sie setzt sich an den Tisch und bekommt von Katrin promt sieben Karten vom Stapel.

    Victoria: "Sicher gibt es nicht niedlichen Säugetiere .. Nacktmullen zum Beispiel."

    Katrin: "Awww .. ich hab mal welche im Zoo gesehen."

    Merle: "Nur weils kein Fell hat."

    Victoria: "Gut dann ähm .. Schnabeltiere."

    Merle: "Ok .. das würde ich gelten lassen."

    Katrin: "Noar .. das sind auch Putschys."

    Eileen: "Hey, Schnabeltiere sind cool. Säugetier, legen Eier, sind giftig und haben Schnäbel."

    Victoria: "Giftig sind aber nur die Männchen."

    Eileen: "Dafür legen nur die Weibchen Einer und geben Milch."

    Merle: "Ist nur die Frage was ist jetzt besser."

    Katrin: "Giftig sein!"

    Eileen: "Eindeutig Eier legen. Stell dir mal vor wie praktisch das wäre .. UNO letzte Karte."

    Sie schnipst gegen ihre vorletzte Karte, welche sie zwischen die Bretter gesteckt hat.

    Merle: "Nun, jetzt weiß er genau, was er legen muss, damit du nicht kannst."

    Eileen zuckt mit den Schultern, legt die andere Karte offen auf den Tisch und lehnt sich zurück. Es ist eine mehrfarbige "vier ziehen" Karte.

    Merle: "Wie auch immer, ich muss mal kurz."

    Sie steht auf und geht. Da Eileen diese Runde sowie so gewonnen hat, Spieler wir ein weiter Runde ohne Merle. Wobei Eileen eher mit ihrem Buch beschäftigt ist, als mit den Karten.

    Doch als die Sonne immer tiefer sinkt und langsam das unüberhörbare Zirpen der Grillen anfängt, wird es nach einer Weile wohl zu schwierig noch zu lesen, also schiebt sie das Buch bei Seite. Nach einer Weile kommt Merle wieder, welche sich aber nicht am Spiel beteiligt, sondern sich mit einer Bürste die zerzausten Haare richtet.

    Ich: "Wo warst du eigentlich?"

    Merle: "Ich .. ähm .. pinkeln?"

    Eileen: "Ne, er meint sicher heute Mittag."

    Merle: "Achso, hab mir halt kurz was angehört, mich dann geduscht und durfte mich dann im Krisenraum ausruhen."

    Victoria: "Du meist hast Ärger bekommen und wurdest kurz weg gesperrt."

    Merle: "Interpretationssache .."

    Eileen: "Irgendwas an Sanktionen?"

    Merle: "Ne, war wohl einen Hitzeschock zusammen mit Dehydrierung. Soweit nicht meine Schuld."

    Katrin: "Dir Wasser über den Kopf zu schütten gehört ja auch nicht zu deinem Krankheitsbild."

    Ich: "Zu wessen Krankheitsbild passt das auch schon."

    Katrin: "Zu unserem .."

    Sie deutet auf Eileen, die zustimmend nickt, während Katrin erklärt:

    ".. wir machen das schon mal. Also Leute die das haben wie wir, machen da schon mal gerne."

    Ich: "Und dann schicken die euch zur Kalt und Heißwasser Therapie?"

    Eileen: "Da ist das ja kontrolliert. Eh das ist keine Neun."

    Victoria: "Schuldigung, hab ich nicht gesehen ist so dunkel."

    Eileen: "Ach schon ok, ich hol mal Lämp."

    Victoria: "Ok, aber ich geh dann aber mal, wird mir zu kalt, hier."

    Merle: "Las mich mal ne Lampe holen, ich muss eh wieder auf Austreten."

    Katrin: "Schon wieder?"

    Merle nickt und Eileen stößt mich von der Seite an:

    "Sag mal, die Dinger schwimmen irgendwie in Flüssen und knabbern Lachse an .. aber warum macht man sich selber Knutschflecken, wenn man die toll findet?"

    Katrin: "Du machst dir selber Knutschflecken?"

    Ich: "Ja mit 9."

    Katrin grinst und antwortet:

    "Du hast mit 9 deinen Kumpels erzählt, du hast ne Freundin? Und dir selbst Knutschfelcke auf den Hals gemacht?"

    Ich: "Nein, auf den Arm."

    Eileen: "Wozu ist das überhaupt gut? Und was sind das eigentlich."

    Katrin: "Naja, das ist so ne Art Markierung. Wie mit nem Bandeisen bei Kühen."

    Merle: "Sehr romantischer Vergleich."

    31
    Dunkle Geheimnisse ( Tag 9 Abend )

    Merle ist zu uns zurück gekommen und stellt eine Petroleum Campinglampe auf unseren Tisch, um die bereits eine erste Motte schwirrt.

    Merle: "Süß nicht, die folgt mir schon seit dem Bunker."

    Katrin: "Ist doch so .. das ist halt einen Zeichen für: 'Meins nicht anfassen'."

    Nimmt sie einfach das Knutschfleck Thema wieder auf, da sie wohl keinen Lust auf noch eine 'niedliche Tiere' Diskussion hat.

    Eileen: "Aber was sind das? Also anatomisch."

    Katrin: "Sie erleben: Einen der seltenen Momente, wo Eileen mal nicht alles weiß."

    Merle: "Hämatome .. also Blutergüsse."

    Eileen: "Ich weiß was Hämatome sind .. also das ist echt deren Ernst? Also Verliebte fügen sich gegenseitig Blutergüsse zu, um sich zu markieren?"

    Katrin: "Exakt."

    Eileen: "Romantik ist bescheuert."

    Stille, nur das leise flattern der Motte ist zu hören. Welche sich immer wieder auf das Glas der Lampe setzt, dann aber wieder erschrocken auffliegt, weil sie sich die Beinchen verbrennt.

    Emily: "Ist hier noch Platz?"

    Wir nicken.

    Emily: "Weil, ich mag nicht so gerne im Dunkeln sitzen."

    Eileen: "Du brauchst das nicht zu erklären, du kannst dich auch einfach dreist hinsetzt und es als Erlaubnis ansehen, wenn keiner protestiert."

    Nach einer weiteren kurzen Runde UNO, welche sehr kurz ausfällt, weil wir vergessen haben die Karten zu mischen, kommen auch Bezzy und Anny an den Tisch, während Katrin murmelt:

    ".. warum fliegen Motten eigentlich ins Licht, ich meine, was haben die davon."

    Bezy: ".. ach ihr redet über was anderes?"

    Merle: "Was hattet ihr denn erwartet."

    Bezy: "Das hier der Rest von 'der Geschichte' zu hören ist."

    Ich: "Der Gesichte?"

    Merle: "Mit 'die Geschichte' ist in der Regel immer meine Geschichte gemeint, von der ich euch Gestern den ersten Teil erzählt habe."

    Emily: "Was das ging noch weiter?"

    Merle: "Ja klar .. oder meint ihr ich sei hier wegen .."

    Sie muss kurz lachen, fängt sich dann aber wieder und fragt:

    "An welchem Punkt waren wir denn genau? Hm .."

    Emily: "Irgendein Cocain von dir hat sich im Hochbett über dir einen runter geholt."

    Merle: "A .. Ja .. also der Kleine hat halt da oben so komisch umgemacht und ich konnte nicht schlafen, weil das Bett halt geächzt hat wie sau."

    Katrin: "Das gute Vollholz."

    [Aufgrund der Community-Richtlinien dieser Plattform erscheint hier des Kapitels "Dunkle Geheimnisse" nur Teilweise]

    32
    Eine Psychocamp Novelle – Ehrfurcht ( Tag 9 Abend )

    Merle steckt sich nach dem erzählen, während die Motte immer wieder an das Glas der Petroleumlampe klatscht. In der Ferne hört man die Grillen und über uns die Bäume leise rascheln.

    Katrin: "Spring einfach zu den wichtigen Stellen, nicht dass wir um 8 hier von Mario unterbrochen werden .."

    Emily: "Hä? Ist das noch nicht Ende?"

    Merle: "Nein .. Also ich versuchs kurz zu halten. Ist ja nicht so, als das mich das nicht angespornt hätte, also bin ich eher zu ihm als mich um die Vorbereitungen zu kümmern. Bisschen faul bin ich ja schon."

    Emily: "Und?"

    Katrin: "Du brauchst nicht immer fragen, so dauert das viel länger."

    Merle: "Ja, ich hatte da noch den Gedanken, dass dieses Sexzeug für ihn so ne Art Hobbyersatz ist und hab ihn dann so gefragt, was er denn sonst noch so macht, wenn er gerade nichts zu tun hat und da hat sich halt herausgestellt, dass der Arme kaum Freizeit hat."

    Emily: "Warum?"

    Katrin sie sie genervt an und rollt mit den Augen. Erfolglos, da Emily die ganze Zeit auf die Lampe guckt und die nach hinten gelehnte Katrin nicht sehen kann.

    Merle: "Wegen der Schule, er hat irgendwie leichtes ADS, kommt oft nicht mit und muss viel nacharbeiten. Aber Videospiele mochte er und da er eh ne Konsole im Zimmer hatte, hab ich halt mit ihm gespielt und mit ihm dann über Hobbys und Freunde geredet und das Zitat er: 'Pervers sein' kein richtiges Hobbys ist, bei dem man gut Freunde findet."

    Ich: "Das sagen auch irgendwie nur Kinder, also 'pervers'."

    Eileen: "Ja. Kinder, Dumme und Zurückgebliebene."

    Katrin: "Das kommt daher, dass die meisten Eltern mit diesem Argument Kinder von solchen Sachen abhalten."

    Eileen: "Das ist eher ein Schlagwort als ein Argument."

    Emily: "Egal, weiter."

    Aufgrund der Community-Richtlinien dieser Plattform erscheint hier des Kapitels "Ehrfurcht" nur Teilweise]"

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    Schock ( Tag 9 Abend )

    [Aufgrund der Community-Richtlinien dieser Plattform erscheint hier des Kapitels "Schock" nur Teilweise]

    Emily: "Und? Hast du Ärger bekommen?"

    Merle: "Musste zum psychologischen Gutachter, hab dort die Fragen wohl etwas zu ehrlich beantworte und bin jetzt hier .."

    34
    Schlafen ( Tag 9 Nachts )

    Völlig geschockt sehen Emily und Ich Merle an. Die einfach nur da sitzt und mit den Schultern zuckt. Die Geschichte hat mich so gefesselt, dass ich erst jetzt nach und nach realisiere, dass das so adrette und eher zurückhaltende Mädchen, das ich eigentlich so mag, praktisch wegen schweren Missbrauchs hier ist. Aber nicht als Opfer, wie ich ab etwa der Mitte der Geschichte vermutet hatte, sondern als Täterin.

    Emily: "Wä .. was .. das ist dein Ernst?"

    Merle: "Doch, sonst säße ich ja nicht hier."

    Antwortet sie etwas tonlos und müde.

    Emily: "Dafür?"

    Suzy: "Sowas hab ich auch schon mal gemacht, da hat keiner .."

    Katrin: "Das .. war wahrscheinlich was anderes."

    Steht auf, stützt sich auf die Tischplatte und sagt in einem ungewöhnlich lautem Ton:

    "Merle ist krank und ihr seid mit solchen Kommentaren nicht gerade hilfreich."

    Die meisten zucken kurz zurück.

    Merle: "Es ist schon schwer, sich einer Schuld bewusst zu werden, wenn die meisten einen bestärken."

    Sie spielt müde mit dem Deckel ihrer nun leeren Flasche.

    Merle: "Ich hoffe war wenigstens spannend oder zumindest interessant."

    Die meisten nicken.

    Eileen: "Jap, der Spannungsbogen was diesmal besser."

    Merle: "Und wie fandet ihrs?"

    Sie sieht gezielt mich und Manuell an.

    Ich: "Ja, spannend. Hab fast bis zum Schluss gedacht, du wärest hier als .. Sofa?"

    Katrin stößt mich mit dem Fuß wütend unter dem Tisch an.

    Eileen: "Das ist der Sinn dieses Spannungsbogens."

    Katrin kneift Eileen in die Backe.

    Manuell: "Ja .. war ganz interessant."

    Merle: "Und tut sich da .."

    Katrin setzt sich mit einem genervten Gesichtsausdruck in, nur um Merle scheinbar einen Tritt unter dem Tisch zu verpassen.

    Merle: "Aua .. Hey, das ist doch nicht nötig."

    Katrin: "Scheinbar ja schon .."

    Merle: "Ich sag doch nur, dass Jungs das in der Regel geil finden, wenn ich die Geschichte erzähle .. stimmt doch oder?"

    Sie lehnt sich zurück, um aus Katrin Reichweite zu kommen, zuckt unschuldig mit den Schultern und sieht wieder mich und Manuell an.

    [o]Ich fands geil

    [x]Ich fands eher traurig

    Ich: "Ja .. ähm .. also. Ich hab die ganze Zeit gedacht, dass dir im nächsten Augenblick was schlimmes passiert, weswegen du hier bist."

    Sage ich verlegen das, was ja eigentlich auch der Wahrheit entspricht. Auch, wenn der letzte Rest schon ziemlich aufredend war.

    Merle: "Ja, dann ist klar."

    Das Geräusch, dass gepresst aus Katrins Nase kommt sagt mir, dass es mir nicht gut bekommen wäre, hätte ich anders geantwortet.

    Merle: "Und du?"

    Manuell: "Ja, was schon geil."

    Katrin knurrt und verlässt den Tisch.

    Merle: "Seid ihr böse, wenn ich dann auch schlafen gehe?"

    Die meisten schütteln den Kopf und verlassen ebenfalls den Tisch mit einem kurzen "Gute Nacht", welches ich fast automatisch erwidere.

    Ich schaue noch eine Weile der Motte zu, welche sich inzwischen damit begnügt auf dem Schutzgitter der Lampe zu sitzen und genieße kurz die Stille. Irgendwie scheine ich es noch verdauen zu müssen, dass das niedliche Mädchen eine Art Triebtäterin ist, die sich von drei Verwanden hat ..

    Eileen: "Alles ok?"

    Ich sehe von den Lampe auf ins Dunkle, wo langsam ihr Gesicht auftaucht und wenig später auch der Tisch, der bis auf uns zwei vollkommen leer ist.

    Eileen: "Alles gut?"

    Ich: "Ja .. alles ok. Ich wollte nur noch ein bisschen sitzen."

    Eileen: "Taschentuch?"

    Sie hält mir ein Tempo hin. Worauf ich sie verwundert angucke.

    Ich: "So traurig war die Geschichte dann doch nicht .."

    Eileen: "Auch keine andere Verwendung dafür? Nun gut .."

    Sie steckt das Tuch wieder in ihre Tasche und guckt gen Himmel. Ich tue das gleiche. Der Himmel über scheint stark bewölkt zu sein.

    Eileen: "An was denkst du?"

    [o]An die Geschichte

    [o]An Merle

    [0]An Dich

    [x]An gar nichts.

    Ich: "An gar nicht."

    Eileen: "Das geht nicht. Komm sags mir einfach .. wenn es geht mit allen Details."

    Ich: "Mahagoni."

    Eileen: "Was?"

    Ich: "Mahagoni, ein zweiunddreißig Komma fünf schwerer Block Mahagoni Regenholz, mit schöner grober Maserung."

    Eileen: "Auch doch ein Stück Holz."

    Sie lacht kurz.

    Ich: "Und du?"

    Eileen: "Dritte binomische Formel. A plus B mal A minus B gleich A Quadrat minus B Quadrat."

    Ich muss lachen, sie sagt schulterzuckend:

    "Die Geschichte wuscht einen durch, aber es ist klüger das nicht zuzugeben. Aber ich bin müde, komm wir gehen schlafen. Sterne gibt es ja eh keine."

    Ich nicke, sie nimmt die Lampe und wir gehen Richtung Bunker. Vor dem Eingang gibt sie mir, ohne ein Wort zu sagen, die Lampe in die Hand und dreht sich um Richtung Geisterhaus.

    [o]Nichts sagen

    [x]Gute Nacht sagen

    Ich: "Gute Nacht und Träum' was schönes."

    Ich wie sie sich in der Dunkelheit auf dem Absatz rumdreht und sagt:

    "Hä?"

    Ich: "Du warst doch gestern Nacht extra bei mir, weil ich dir nicht gute Nacht gesagt hatte."

    Eileen: "Denk nicht, dass mich das von irgendwas abhält."

    Die Dunkelheit bleibt still.

    Ich drehe mich zum Bunker um, gebe die Lampe bei Mario ab und auf mein Zimmer. Dort ziehe ich mich schnell unter meiner Bettdecke um und falle ins Bett.

    35
    Shirts ( Tag 10 Morgen )

    Mario: "Aufstehen los los .."

    Ich: "Wäh?"

    Mario: "Dass man euch Schlafmützen immer noch wecken muss, die meisten werden nach zwei Wochen langsam von alleine wach."

    Ich öffne langsam die Augen und richte mich im Bett auf, nur damit mit die Sonne direkt ins Gesicht scheint.

    Mario: ".. und dabei seid ihr sogar noch die Glücklichen, die von der Morgensonne wach geküsst werden."

    Ich lasse mich wieder zurück aufs Kissen fallen, halte aber meine Augen offen.

    Mario: "Nicht wieder hinlegen."

    Ich: "Die Sonne soll mich nicht küssen, küssen ist im Camp verboten."

    Antworte ich verschlafen.

    Mario: "Nur zwischen Campbewohnern, die Sonne ist kein Campbewohner. So und nu auf!"

    Torkelnd schnappe ich mir meine Sachen aber gerade als ich zur Badtür sehe, schlägt Domenick diese auch schon hinter such zu. Na von mir aus, zieh ich mich eben unter meiner Bettdecke um und folge Mario aus meinem Zimmer heraus. Als dieser am langen Tisch stehen bleibt, mache ich mich allein weiter auf zum Waschraum.

    [x]Klopfen

    [o]Einfach reingehen

    Der Vorsicht halber und die Reaktion von Gestern noch im Gedächtnis, klopfe ich zwei mal Laut an die Türe. Nicht rührt sich. Ich klopfe erneut.

    Merle: "Hä?"

    Eine verschlafene mäßig erschreckte Merle macht in ihren braunen Bademantel mit einem Ruck die Tür auf.

    Merle: "Ach du, was klopft du denn auch? Los komm rein .."

    Ich folge ihr vorsichtig und sage leise:

    "Ich dachte, weil Gestern."

    Merle: "Gestern war gestern .."

    Victoria: "Jetzt wissen wir ja, dass du kommst .. Morgen."

    Ich: "Morgen."

    Da das erste Waschbecken ja angeblich Eileen gehört, gehe ich zum Zweiten und begrüße von dort auch die anderen Mädchen mit einem müden:

    "Morgen alle zusammen."

    Zu meiner Beruhigung erschreckt sich niemand und die Meute ist auch sehr viel gleichmäßiger auf die Waschbecken verteilt, links neben mir, fummelt sich Merle gerade an einem Picken auf der linken Backe herum. Als ich an ihr vorbei in den Raum schaue, sehe ich zu meiner Überraschung, dass die meisten Mädchen weite T-Shirts tragen und einige ihren verwuschten Haare zu undefinierten Knoten auf dem Kopf zusammen gebunden haben.

    "Morgen!"

    Eileen haut mir mit der flachen Hand von hinten auf den Rücken und stellt sich zu mir ans Waschbecken.

    Ich: "Ich dachte, das da wäre dein Waschbecken."

    Ich deute zum Ersten ab der Türe.

    Eileen: "Ich dachte du schuldest mir Zahnpasta."

    Ich: "Hab ich dir in Form von Nudeln doch schon gegeben."

    Eileen: "Soll ich die jetzt hoch würgen und damit die Zähne putzen?"

    Merle verzieht leicht das Gesicht und dreht sich an ihrem Becken von uns weg. Ich bin zwar müde aber um das peinlich zu finden, reicht es aller Male.

    Eileen: ".. ne kleiner Witz, hab meine Zahnpasta vergessen."

    Ich: "Pasta ab ich auch keine, ich deute auf die Dose in meiner linken Hand."

    Eileen: "Zeig mal her .. was ist dass denn für ein Future Kram?"

    Sie schnappt mir die Dose Zahnsalz aus der Hand.

    Eileen: "Ok .. das kenn ich. Davon hat uns die Okö Psychologin mal einen Sack mitgebracht."

    Sie deutet abfällig auf einen der Spinte an der Wand des Waschraums und fährt fort:

    "Das ist einfach nur Kreide."

    Merle: "Nene, Zahnsalz ist schon was anderes."

    Eileen: "Dann ises eben Kreide mit Salz."

    Merle: "Darf ich."

    Sie nimmt sich die Dose, schüttet etwas auf ihre Zahnbürste und fängt an sich an unserem Waschbecken die Zähne zu putzen.

    Eileen: "Von mir aus .."

    Sie schüttet sich genervt ebenfalls Zahnsalz auf ihre Zahnbürste, nimmt jedoch viel zu viel und steckt sich diese sofort in den Mund und ..

    "Wää .. waf daff fürn Feiff."

    Merle: "Du musst die Zahnbürste vorher gut nass machen. Das ist schließlich Salz."

    Eileen: "Waff pfum .. und wie?"

    Merle: "Spül dir einfach den Mund aus."

    Mit einem Knurren tut Eileen wie von Merle vorgeschlagen.

    Eileen: ".. und wenn man gerade nichts anders hat, kann man mit dem Zeug auch noch würzen oder wie?"

    Merle: "Würde ich lassen."

    Sagt Merle ausnahmsweise mit vollem Mund, während Eileen ihr Zahnbürste übertrieben lange unter den Wasserkran hält und wieder viel zu viel Salz nimmt. Eileen dagegen scheint kein Problem damit zu haben auch während des Putzens zu reden:

    "Warum benupft man überhaupt so Zeug? Ich meine faf ist der Vorteil?"

    Ich: "Es schmeckt nicht so ekelhaft wie die meisten Zahnpastas .. Pasten?"

    Sage ich, während ich mir selber ein wenig auf meine Zahnbürste schütte.

    Merle: "Zahnpasten."

    Eileen: "Hä? Ist doch gut, das alle Zahnpasten so ekelhaft sind, dann kommt man nicht in die Versuchung das runterzuschlucken. Oder tust du das für gewöhnlich?"

    Dummerweise kann ich nicht so gut mit der Zahnbürste im Mund sprechen, wie die Beiden.

    Eileen: "Das ist doch nicht dein Ernst. Lass das .. mach das nicht, das ist schlecht fürs Herz."

    Ich sehe sie verwundert an.

    Eileen: "Das ist nicht wegen der Zahnpasta, dass man nicht schluckt, das ist wegen dem Plack."

    Merle: "Weges des Placks"

    Eileen spuckt eine blutig rosane schaumige Brühe ins Waschbecken und sagt dann:

    "Plack der in den Magen gelangt, schädigt das Herz. Man kann an schlechter Zahnpflege sterben."

    Ich spucke ebenfalls aus und frage dann etwas sarkastisch:

    "Hm .. Tot durch Karies."

    Merle: "Nein, Karies ist was anderes. Das würde ja eher helfen, wenn man keine Zähne mehr hat, kann sich auch nirgend Plack anlagern."

    Sagt sie, nachdem sie sich kurz umgedreht hat, um dort ins Waschbecken zu spucken. Wo sie auch gleich den Wasserhahn voll aufzudrehen. Naja so schnell wie das mit den alten Drehknäufen eben geht.

    Katrin: "Das wäre aber eine ziemliche Patendlösung."

    Ich: "Ein was."

    Merle: "Eine was."

    Katrin ist ohne Vorwarnung im Waschraum aufgetaucht.

    Katrin: "Patendlösung, eine Mischung aus Patent- und Endlösung. Sag mal .. hast du Tollwut?"

    Sie deutet auf Eileens Gesicht, wo ihr der ganzer Mund noch voll von feinem weißen Schaum hängt.

    Eileen: "Was kann ich dafür, dass sein Zeug so stark schäumt."

    Bezy und Anny, die gerade fertig geworden sind und hinter uns her gehen lachen verkniffen.

    Merle: "Man nimmt auch nur eine Messerspitze."

    Eileen: "Wird wohl daran liegen, dass man mich an so was nicht dran lässt. So, noch irgend wer irgendwas zu erledigen."

    Ich schütte mir noch kurz Wasser ins Gesicht, trockne mich an und schüttele dann den Kopf. Wortlos verlasse ich zusammen mit den drei Mädchen den Waschraum, von denen Merle im Bunker noch schnell in ihr Zimmer springt und mit angepasster Kleidung wieder zurück ist.

    Ein schwarzer Kapuzenpullover und eine braune Hotpants in Wanderstiefeln passen zwar nicht zusammen aber sind für einen Spaziergang sicher praktischer und angemessener als ein Bademantel.

    Merle: "Geht das so in Ordnung?"

    Ich: "Naja als ich finde .."

    Eileen: "Zieh den Pully weiter runter und das müsste knapp hinhauen mit den Regeln."

    Scheidet mir Eileen das Wort ab. Merle wollte wohl eher wissen, ob ihre Hose noch von den Regeln her in Ordnung ist und nicht meine Meinung hören, was mir ein wenig peinlich ist.

    Merle nickt und geht mit Katrin vor, aus dem Bunker heraus. Als ich ihnen folgen will, packt mich Eileen kurz von hinten an der Schulter und flüstert mir ins Ohr:

    "Halt dich ab jetzt etwas zurück was Bewertungen in die Richtung angeht ok?"

    Ich nicke zwar aber werde im gleichen Augenblick ziemlich sauer auf sie, muss sie da unbedingt noch nachtreten? Ach was solls?

    Wir versammeln uns auf dem Hauptplatz und nach einem Signal von Mario geht es auch schon los. Wortlos gehe ich grob in Katrin und Merles Nähe. Scheinbar geht des dieses mal zum Glück nicht hoch zum Drachenfelsen, sondern die Landstraße entlang. Wo einige wieder Witze darüber machen, dass wir ausgerechte eine hohe Eisenbahnbrücke mit niedrigem Geländer passieren.

    Ich: "Machen die den Witz jedes mal?"

    Merle: "Jedes Mal! Sagt mal, wie hat euch meine Geschichte gestern Abend eigentlich gefallen?"

    Ich: "Hm .. Gut."

    Antworte ich so neutral wie möglich.

    Eileen: "Der neue Climax Arch ist sehr viel besser. Du hast kaum gespoildert und fast keinen für die Geschichte irrelevanten Quatsch erzählt."

    Katrin: "Top Story. Aber warum fragst du?"

    Merle: "Ich war Gestern unnormal müde und voll mit Tabletten wegen des Hitzeschlags, hab irgendwie in Erinnerung, dass ich nur Unsinn gefaselt habe."

    Katrin: "Auch was, alles ok .. nur das Stocken, jedes mal bevor du einen Sexbegriff sagst, hat dieses Mal gefehlt. Eine ziemliche Verbesserung wie ich finde."

    Merle: "Das ist ein riesen Problem, ich will auf der einen Seite nicht die vulgären Begriffe benutzen aber auf der anderen Seite auch nicht die medizinischen. Wenn man das im Kopf hat und selber durch denkt, ist das gar kein Problem aber wenn man dann wirklich erzählt .. weiß man nicht was man sagen soll. Dieses Thema ist einfach schlicht weg nicht sprachlich standardisiert."

    Katrin: "Wie?"

    Merle: "Ja, wenn man zum Beispiel übers Kochen redet, dann hat man eine übliche Palette an Wörtern in meist immer gleichen oder ähnlichen Reihenfolgen, die man benutzt. Aber bei solchen Sachen wie in meiner Geschichte .. da gibt es keine wirklichen Vorgaben."

    Katrin: "Sicher, gibt es die du musst nur Bezzy mal länger zuhören. Im Kern ist das nämlich auch immer das Gleiche, nur mit kleinen Abwandlungen"

    Sagt sie ironisch kichernd

    Merle: "Das ist absolute Vulgärsprache."

    Katrin: "Dann gäbe es da noch Erotik Romane, die haben auch so ne Art Standard."

    Merle: "An die werde ich hier drin wohl kaum rankommen .."

    Katrin: "Ausgang .. Buchladen .. Die liegen da frei rum."

    Merle: ".. und werden mir gleich bei der nächsten Zimmerdurchsuchung wieder abgenommen."

    Katrin: "Warum, wenn es Hetero .. ne ähm .."

    Merle: "Aetatemophile Erotik Romane .. na was anderes werde ich in einem Buchladen auch nicht finden."

    Eileen: "Erotik Romane? Kannst du dir, was die Sprache angeht, gleich sparen. Die klingen noch komischer. Eine oben auf der 9 hatte mal einen Haufen davon mit."

    Merle: "Es kann doch nicht sein, dass sie deutsche Sprache so gravierende Mängel hat."

    Katrin: "Machs eben auf englisch."

    Merle: "Stimmt, aber auch da lernt man den Standard nicht aus Schulbüchern. Sag mal .. hast du deine Box langsam wieder. Stand neulich noch im Sanitätsraum."

    Eileen: "Ne, noch nicht zu gekommen."

    Katrin: "Box? Ach du meist dieser Karton mit Hentais im Krankenzimmer gehört dir?"

    Merle: "Hentai .. Mehrzahl im japanischen ohne S."

    Katrin versteckt ihr Grinsen hinter ihrem Arm, während Eileen kurz leicht rot wird.

    Eileen: "Das sind erstens nicht meine, sondern 'Ihre' Büchern und außerdem sind das nicht durchgehend Hentai."

    Katrin: "Nein, nur zufällig die paar ganz oben. Der Rest vom Umzugskatron sind alle gaaanz normal."

    Eileen: "Das ist nur Schuhkarton und ja, die meisten sind normal."

    Antwortet sie leicht müde und genervt.

    Katrin: "Ok, dann ist nur die frage, warum die perversen alle zufällig ganz oben liegen .. hm .. könnte es eventuell deswegen sein, weil du die als letztes gelesen hat."

    Eileen: "Was?"

    Fragt sie wütend, doch Katrin ist schneller und macht sich auf in Richtung der Spitze des Zuges.

    Eileen: "Noar .."

    Merle: "Ach wir alle haben unsere Schwachstellen. Apropos Japano Krams, wie sieht aus mit Waschtag?"

    Eileen: "Ist Heute Mittag."

    Merle: "Sind bis dahin die Padzus noch frei? Siet nach nem warmen Tag aus."

    Sie steckt ihren Hals in die Höhe zum fast wolkenlosen Himmel.

    Eileen: "Jop, wenn ich wüste, wo die wären."

    Merle: "Bei den Hentai .. ähm .. Mangas."

    Ich: "Pandzus?"

    Merle: "Nicht so wich .."

    Eileen: "Nicht Pantsus, Padzus. Das ist ein japanisiertes englisches Wort, den laufen wegen ihrer Silbenschrift immer die Wörter über und hängen für Plural immer noch einen 'us' dran."

    Erklärt sie, Merle völlig ignorierend, die angestrengt komische Geräusche macht. Ich beschließe besser nichts zu sagen aber Eileen übernimmt für mich:

    "Also 'us' und 'z' weg. Also Pad."

    Ich sage nichts.

    Eileen: "Pad, ist das englische Wort für Einlage oder eben Explantat, wie ich die nennen .."

    Wir kommen an der Stelle an, wo Bezy und der Rest der Vorhut schon eifrig das Thermometer ablesen, und bleiben stehen, während Eileen weiter in einem lockeren Ton erklärt:

    ".. und da der BH der mit meinen Kühlpads kompatibel ist mittlerweile ziemlich nach Otter reicht, hab ich die für einen Tag mal ausgeliehen."

    Sie deutet in Richtung Merle, nur das diese dort gar nicht mehr steht.

    36
    Schlabber Shirts ( Tag 10 Freitag Morgen )

    "Musste das gerade sein?"

    Frage ich Eileen ärgerlich, die unschuldig antwortet:

    "Was denn? Keine Ahnung, was die wieder hat."

    Ich: "Das wahr ihr wahrscheinlich extrem peinlich oder es ist super beleidigend rüber gekommen."

    Eileen: "Hä? Warum? Weil ihr heiß war?"

    Ich: "Ne weil das mit .. ähm .. Brüsten schon was besonderes ist."

    Eileen: "Als würde sie da nicht selber drüber reden .."

    Katrin: "Das ist was anderes, wenn einen Junge dabei ist du Trampel."

    Sagt Katrin im Vorbeigehen, als sich die Kolonne vom Platz runter in Richtung wieder Richtung Landstraße bewegt.

    Ich: "Du bist noch nicht ganz wach oder?"

    Frage ich als auch wir uns in Bewegung setzten.

    Eileen: "Eigentlich schon aber ich bin halt manchmal einen Trampeltier, was solche Sachen angeht."

    Sie zuckt mit den Schultern.

    Ich: "Ich auch .."

    Eileen: "Bin ich wenigstens .. Ach was solls, spätestens wenn ich ihr heute Mittag zwei frisch gekühlte Pads hinhalte, kriegt sie sich wieder ein."

    Hat sie sich gerade selbst das Wort abgeschnitten? Ich nicke, da ich keine Lust habe sie zu maßregeln. Auch denke ich, dass mir das auf lange Sicht nicht gut bekommen würde. Wir gehen eine Weile still die Landstraße entlang.

    Eileen: "Ach genau, ich muss noch was fragen."

    Ich: "Hm."

    Eileen: "Die CD die du den anderen führ ihre kleine Party geliehen hast .."

    Ich: "Was ist damit?"

    Eileen: "Was ist Lied vier?"

    Ich: "Vier?"

    Eileen: "Ja, die Zahl zwischen drei und fünf."

    Ich: "Keine Ahnung, was Lied vier war."

    Eileen: "Hast du die CD nicht gebrannt?"

    Ich: "Doch aber ich hab schon so viele CDs zusammenbebrannt .. kannst du sagen wie das in etwa klingt?"

    Eileen: "Soll ich das jetzt vorsingen oder so?"

    Ich antworte nicht.

    Eileen: "Klingt halt wie Popmusik, ist den anderen aber unbekannt. Du warst doch dabei als mir das aufgefallen ist."

    Ich: "Hier passiert so viel in sor kurzer Zeit, dass ich mir gerade mal das wichtigste merken kann. Aber ich denke ich weiß was du meist, das mit dem langen Intro und der hellen Stimme."

    Vermute ich in diesem Augenblick einfach mal, da ich es für recht unwahrscheinlich halte, dass sie sich nach einem der Super Mario Remixe oder dem Doom Soundtrack erkundigt.

    Sich nickt zu frieden.

    Ich: "Das ist das Intro von Final Fantasie Zehn Zwei."

    Eileen: "Ähh .. Ani .."

    Ich: "Das ist einen Playstation Spiel."

    Eileen: "Als jetzt Final Fantasie Zwei oder Zehn."

    Ich: "Zehn Zwei, der zehnte Teil hat zwei Teile."

    Eileen: "Da kann wohl wer nicht bis elf zählen."

    Ich: "Warum fragst du."

    Eileen: "Kommt mir bekannt vor, ohne das ich es kennen dürfte. Könnte ne alte Erinnerung sein .. hört sich ehrlich gesagt auch genau nach dem Zeug an, dass 'Sie' gemocht haben könnte. Übrigens eine der ersten Sachen, die sich nicht nach komplettem Rotz klingen .. was macht man in dem Spiel?"

    Ich: "Keine Ahnung, hab keine Playstation."

    Eileen: "Wä? Du hast den Soundtrack auf einer CD von nem Spiel, das du nicht hast?"

    "Das Wunder der Musikpiraterie. Ein Hoch auf Kazaa."

    Katrin hat sich mal wieder wie aus dem Nichts an uns heran geschlichen.

    Eileen: "Das man da auch ohne das Spiel dran kommt ist mir klar aber wie kommt man dazu, das zu laden, wenn man Kernprodukt nicht kennt."

    Katrin: "Ich hab ja auch den OST von From Dusk till Dawn. Eine der wenigen CDs die mir nicht abgenommen wurden."

    Sie fügt den zweiten Satz leise mit sarkastischem Unterton an.

    Eileen: "Aber du würdest dir den Film holen .."

    Katrin: ".. wenn ich einen DVD Player dafür kaufen müsste, der 400 Euro kostet nicht."

    Eileen: "Was so teuer ist ne Playstation? Das ist fast einen ganzer PC."

    Katrin: "Na da weiß ja wer, was auf Ebay landet, wenn jemand zurück nach Hause darf. 400 Euro das wäre sicher fast dreimal mein PC."

    Sie fügt in einem traurigen Ton leise den zweiten Satz an.

    Eileen: "Woher willst du?"

    Katrin: "Sicher liegt bei dir zuhause ne Playstation, oder woher willst du das Lied kennen?"

    Eileen: "Woher er?"

    Ich: "YouTube, hab da Musik gehört und dabei schlägt einem die Seite immer rechts andere Musikstücke vor, welche irgendwie damit zu tun haben und dann war das auf einmal da und ich mochte es."

    Katrin: "Ist das schon wieder sowas wie iTunes?"

    Ich: "Kann sein, nur halt mit Musikvideos. Ich seh halt auch immer gerne was, was sich bewegt beim Musikhören."

    Eileen: "Wenn man sich schon nicht selber bewegt .."

    Wir kommen auf dem allgemeinen Krankenhausgeläde an, wo sich vor uns die große Glasfassade des Resorts erhebt. Wir kommen zu dem Parkplatz, wo auch der weiße Kleinbus steht, mit welchem wir zur Gartenausstellung gefahren sind.

    Mario: "Mit etwas Glück, dürfen die von euch, die sich benehmen eventuell da mal reinschnuppern."

    Sagt Mario von recht weit vorne, so das wir ihn kaum verstehen.

    Katrin: "Ach was .."

    Sagt sie ungläubig.

    Eileen: "Was? Ähm .. wie bitte."

    Katrin: "Er meine, dass die die sich benehmen eventuell ins Resort dürfen."

    Eileen: "Ja, achso, weiß ich schon."

    Katrin: "Was?"

    Eileen: "Ja, auf der Stationsbesprechung kam sowas zur Sprache."

    Katrin: "Welche Besprechung."

    Eileen: "Jedes mal, wenn wir Mittagspause haben, pferchen die uns ja nicht zum Spaß auf unsere Zimmer. Die treffen sich dann alle und reden Kram. Gestern haben die mich dazugeholt."

    Katrin: "Und das sagst du mir erst jetzt. Und was haben die erzählt."

    Eileen: "Keine Ahnung, hab geschlafen. Mittags mach ich ja sonst immer Nickerchen."

    Ich weiß zwar nicht genau um was es geht aber das Eileen Mittagsschlaf hält, wundert mich dann schon.

    Währen Katrin weiter versucht Infos aus unserer Campassistenz heraus zu bekommen gehen wir den Schlängelweg Hoch zum Camp, vorbei an Hardys Hütte und den hohen goldenen Gräsern, welche aber aufgrund der Windstille nicht rascheln und für Grillen scheint es auch noch viel zu früh zu sein. Trotzdem glänzen in Morgenlicht einige geflügelte Insekten.

    Im Camp angekommen, rennen die meisten sofort in den Bunker, während wir drei uns noch etwas Zeit lassen. Eher gemütlich am langen Tisch angekommen, frage ich mich, warum sich alle so beeilt haben, denn die meisten Plätze sind noch frei.

    Ich setzt mich auf meinen üblichen Platz zwischen Eileen und Katrin und schnappe mir erstmal ein weißes Brötchen, beschmiere dieses mit Butter.

    Peter: "Medis."

    Er geht mit mehreren beschrifteten Blistern um den Tisch und gibt jedem seine oder mehrere Tabletten in die Hand. Bei einigen kontrolliert er penibel, ob die Tabletten auch wirklich runter geschluckt werden, anderen drückt er die Pillen einfach nur in die offene Hand.

    Bei uns angekommen, bekomme ich eine kleine halbe rosane und Katrin sowie Eileen je fast eine kleine Hand voll.

    Als ich mein Brötchen schmiere merke ich, das ich trotz des Spaziergangs noch mal richtig müde werde. Als ich jedoch neben mir das Geräusch einer Gabel höre, welches in ein Brötchen gerammt wird, strecke ich die Hand aus und sage:

    "Gib schon her."

    Eileen: "Zu spät .. .. ich will ja nicht, dass ich das verlerne und dann nicht mehr weiß wie das geht."

    Als ich in mein eigenes mittlerweile mit Gouda belegten Brötchen beiße, fällt mir auf, dass die meisten Mädchen, nicht wie üblich in recht schicken Sachen, teilweise geschminkt und mit gemachten Haaren am Tisch sitzen, sondern in recht weiten meist weißen T-Shirts mit unordentlichen Zöpfen und Duts.

    Ich gucke verwundert unauffällig die Reihen vor und neben mir durch, nur Maria sieht aus wie immer und Suzy hat sich zumindest geschminkt. Ich denke kurz nach und vermute spontan S.O.F.A. Leise frage ich nach:

    "Äh gibt es zufällig Sofa."

    Eileen: "Ne .."

    Sie lehnt sich zurück und beißt glücklich in ihr Brötchen.

    Ich: "Aber irgend was stimmt hier doch nicht .."

    Eileen: "Wie so?"

    Fragt sie in einem deutlich amüsierten Ton und wischt sich selbst einige Krümel von ihrem eigenen weißen zu großen T-Shirt.

    Ich: "Weil hier normalerweise schon alle in richtigen Klamotten sitzen."

    Eileen: "Nein, 'normalerweise' sitzen alle in Schlabbersachen am Tisch."

    Führt sie mich an der Nase herum, stellt aber das Grinsen ein.

    Ich: "Das heute alle so am Tisch sitzen muss doch einen Grund haben."

    Eileen: "Nun ja, die Verhältnisse haben sich eben verschoben, passiert öfter mal."

    Ich: "Geht das auch genauer."

    Ich deute quasi als Bestechung auf ein Körnerbrötchen welches ich gerade mit einiger Mühe schneide, und das mit einer Gabel wahrscheinlich unmöglich in zwei zu bekommen wäre.

    Eileen: "Nach dem Fiasko von Gestern hab ich einfach einer nach der anderen klar gemacht .."

    Ich: "Klar gemacht, dass?"

    Eileen: "Ich will nur die Hälfte."

    Sie schnappt sich die obere Hälfte des Brötchens, schmiert Frischkäse darauf und ist erstmal für eine Weile mit kauen beschäftigt. Scheinbar gibt es für ein halbes Brötchen nur eine halbe Information.

    37
    Licht ( Tag 10 Freitag Morgen )

    Nach einer Weile sind die meisten fertig mit Essen und so stehe ich auf und will nach meinem Logbuch greifen.

    Merle: "Mathe."

    Ich: "Äh .."

    Merle: "Wir haben danach sofort Mathe, dann Sport, dann Therapie und dann Mittagspause."

    Ich bedanke mich nickend, sie schaut jedoch auf den Boden uns sagt leise.

    Merle: "Ach und das mit den Einlage habe ich nur getan, weil mir warm war."

    Ich: "Ach was, das hätte ich auch getan .. wenn ich die Möglichkeit dazu hätte."

    Eileen: "Lässt sich einrichten."

    Katrin: "Las es besser, so einen F64 im Logbuch ist nicht witzig."

    Ich: "F64?"

    Merle: "Geschlechtsidentitätsstöhrung."

    Eileen: "Meine F64 hat bisher keinen gejuckt."

    Katrin: "Das ist bei dir ja noch das kleinste Problem .. viel Spaß bei Mathe."

    Katrin duckt sich weg, bevor Eileen reagieren kann und ist unter dem Tisch verschwunden.

    Merle: "Dann mal auf."

    Ich: "Warte, ich hol noch kurz meine Tasche."

    Schnell springe ich in mein Zimmer, und stopfe einfach alle Sachen, die irgendwas mit Schule zun tun haben in meine alte Tasche. Als ich wieder aus meinem Zimmer komme lehr nur noch Eileen an einem der Stühle.

    Sie geht wortlos vor, ich folgen ihr. Auf Höhe des Krankenzimmers hält mich Eileen auf und dreht sich gleich zeitig zu Peter. Welcher beaufsichtigt, wie Katrin und Victoria das Geschirr vom Tisch räumen.

    Eileen: "Kann ich meinen Karton wiederhaben?"

    Peter: "Sicher. Steht auf dem Tisch vor dem Fenster."

    Er löst einen großen Schlüsselbund von seinem Gürtel und wirft ihn ihr entgegen. Eileen fängt ihn und fragt leicht künstlich ahnungslos:

    "Welcher Schlüssel ist es denn .."

    Peter: "Der abgegriffenste. Nicht so hohe Stapel Victoria du überschätzt dich."

    Ruft Peter in Richtung des Tisches, während Eileen im Krankenzimmer verschwindet und mit einem mittleren Karton unter dem Arm wieder heraus kommt.

    Eileen: "Ich hab die hier gleich mitgenommen."

    Sie deutet auf ihre Kissen, aber Peter nickt nur und hält weiter Victoria im Auge.

    Aus dem Bunker heraus sagt sie: "Ich hätte locker einen paar witzige Medikamente mitgehen lassen können."

    Ich: "Und was willst du damit .."

    Eileen: "Hm .. einige haben echt witzige Wirkungen und einige bezahlen gutes Geld für bestimmte 'Medis'."

    Sie setzt des von den anderen Bewohnern oft benutzt Wort für Medikamente in sarkastische Anführungszeichen.

    Ich: "Verkaufst du nicht schon Zigaretten? Und wollten wir nicht zu Mathe?"

    Eileen: "Ja und wer wohnt direkt neben Mathe?"

    Sie trägt den Karton vor der Brust vor sich her, dabei wir ihre künstliche Oberweite so gut wie komplett weg gequetscht. Da der Karton offen steht, sehe ich, dass ziemlich viele keine Büchlein kreuz und quer darin liegen, meist die erwähnten japanischen bunten Mangas. Oben auf rollen zwei Siliconbälle hin und her.

    Ich: "Heute Schaumstoff."

    Eileen: "Jop, die sind zwar wärmer als die Wabbeldinger, dafür bleibt man damit weniger oft wo hängen, mit Ausnahme der Bogensehne, die trifft immer.

    Biegen auf dem Hauptplatz ab hoch zum Geisterhaus. Ich versuche einige der Titel zu lasen aber der Silbensalat will einfach nicht in mein Gehirn. Es ist wohl üblich, dass die Dinger ihre Originaltitel behalten.

    Eileen: "Halt mal kurz."

    Sie drückt mir den Karton in die Hand und schließt die Türe mit ihrem Schlüssel auf.

    Ich: "Wie kommen denn die anderen Bewohner rein?"

    Eileen: "Klingeln. Die zweite von oben ist Mathe."

    Ich nicke und trage ihr den Karton hinterher die Treppe rauf. Oben auf der kleinen Galerie angekommen, schießt sie noch ihr Zimmer auf und sagt platt:

    "Stell einfach mitten in den Raum. Is egal, wenn du auf was drauf tritts, das auf dem Boden ist alles Kleidung."

    Vorsichtig betrete ich ihr Zimmer, es sieht fast genau so aus wie Katrins, nur heller und ohne die zugezogenen schwarzen Vorhänge. Das Bett ist etwas höher und fast komplett mit noch mehr Büchern bedeckt. Der Boden ist voll mit Kleidung und beim kleinen Bad fehlt die Türe.

    Als ich das Zimmer schnell wieder verlassen, fällt mir ein, das ich ja schon mal kurz unfreiwillig dort war.

    Eileen: "Danke, tut mir leid für die Unordnung .. Mädchen Zimmer halt."

    Er wäre mir zwar neu, dass Mädchen so unaufgeräumte Zimmer haben aber jetzt ist eh erstmal Mathe, zu dessen Klassenraum sie die Türe öffnet.

    Mathe Lehrer: "Ja guten Morgen ihr beiden, gut her gefunden?"

    Wir nicken und ich lächle kurz.

    Mathe Lehrer: "Na dann setzt euch mal und berichtet."

    Im Wissen, dass ich original nichts gemacht habe. Warte ich auf die Reaktion von ihr.

    Eileen: "Das ist alles etwas doof gelaufen, Englisch .. nicht das Englisch wichtiger wäre als Mathe .. hatte einfach die kürzere Abgabefrist und da sind wir mit Mathe nicht ganz hinterher gekommen."

    Mathe Lehrer: "Woran hat es denn genau gelegen."

    Intelligenter weise zieht sie ihr Logbuch aus der Hosentasche, schlägt dieses auf und zählt erstmal alles auf, was so ordnungsgemäß in die Quere gekommen ist, um dann noch mal vom Vorfall mit der Modenschau und ein Gespräch deswegen mit Peter und Mario etwas aufzublähen.

    Mathe Lehrer: "Ich bin mir sicher, dass wir dafür eine Lösung finden. Jetzt setzt euch erstmal hin und macht weiter, wo ihr angefangen habt."

    Getan wie gesagt, nehmen wir unsere Schulsachen raus und beginnen zu lesen, während sich der Mathe Lehrer eine Weile um Bezy und Anny kümmert.

    Nach einer Weile kommt er zu uns und präsentiert mir eine Aufgabe, an einer Stelle ist eine Zahl durch ein x² ersetzt.

    Mathe Lehrer: "Weißt du was das ist?"

    Ich: "Ja eine unbekannte Zahl und eine Potenz."

    Bezy: "Ha .. Potenz."

    Mathe Lehrer: "Weißt du was man damit anfangen könnte .."

    Ich: "Ja man könnte .."

    Mathe Lehrer: "Dann mach einfach mal .."

    Den Rest der Stunde verbringe ich damit, verschiedene Zahlen für X einzusetzen und mit den Ergebnissen eine Tabelle zu füllen. Da Bezy den scheinbar einzigen Taschenrechner blockiert, tuen ich dies umständlich per Hand.

    Zu Glück habe ich einen recht guten Tag erwischt und so verzichtet Eileen nach einer Weile darauf, jedes meiner Ergebnisse selber noch mal nach zu rechnen.

    Am Ende der Stunde verbinde ich etwas unbeholfen die Punkte und komme auf eine komische Kurve hinaus, die aber trotzdem wohl richtig sein soll.

    Bezy: "Endlich Ende."

    Wir verlassen mehr oder weniger geschlossen das Geisterhaus und werden kaum auf dem Campgelände angekommen auch schon von Peter per Trillerpfeife zusammen gerufen.

    Anny: "Och ne Sport ne?"

    Peter: "Los wir sind spät dran. Alle die Sachen auf die Zimmer und los! Sportsachen habt ihr ja alle schon an."

    Achso, deswegen trugen die meisten schon bei Frühstück so komische Sachen. Schnell rennen die meisten zu ihren Kabinen und ich Richtung Bunker.

    Eileen: "Schneller ginge es, wenn du mir die Tasche gibst, ich muss eh noch mal los."

    [x]Ihr die Tasche geben

    [o]Meine Tasche auf mein Zimmer bringen

    Ich: "Ok, Danke."

    Sie schnappt sich meine Tasche ist aber keine paar Minuten wieder da.

    Peter: "Alle vollständig?"

    Katrin: "Nein, mir fehlt ein Arm."

    Peter: "Alle vollzählig? Gut dann los."

    Zu meiner Verwunderung geht es nicht wie üblich tiefer rein ins Campgelände zum Bogenschießen oder ähnlichem, sondern aus dem Camp heraus.

    Victoria: "Nicht laufen .."

    Peter: "Nein besser."

    Wir trotten im Gänsemarsch den verschlungenen Pfad herunter, vorbei an der Pferdekoppel, wo gerade nur ein einziges kleines Ponny am Zaun steht und mit seinem Schwanz Fliegen vertreibt. Das Gras macht immer noch keine Anstalten sich zu bewegen aber aus Hardys Hütte dringt das Geräusch von Feilen bei der Arbeit.

    Wir biegen auf den Parkplatz ein, wo Peter geblendet in Richtung der Resort Glasfront blickt, da sich die Sonne in selbiger spiegelt.

    Mächtig liegt das Gebäude vor uns, welches von Etappenbeten mit großen Palmen und hohem Gras gesäumt ist.

    Anny: "Was da rein?"

    Peter: "Ja."

    Suzy: "Aber das dürfen wir doch normalerweise gar nicht."

    Peter: "Ist ne Ausnahme, wir dürfen heute mal deren Turnhalle benutzen."

    Wir folgen Peter die Stufen rauf, welche die Türe öffnet.

    Die meisten sehen sich kurz um, haben sich aber nach einem Moment auch schon satt gesehen.

    Ich und Merle bleiben einen kleinen Augenblick länger stehen und bewundern das helle, Licht durchflutete Innere. Wir stehen in einem langen Gang, welcher aller ding immer wieder kleinen Schleckner macht. Über uns sind zwei breite Galerien mit Glas als Geländer. Immer wieder führen breite Treppen nach oben auf diese.

    Merle: "Was man mit Licht alles machen kann. Herrlich schön."

    Victoria: "Ist auch logisch, ohne Licht würde man ja gar nichts sehen."

    Katrin: "Man könnte Licht auch einfach lassen."

    38
    Basketball ( Tag 10 Freitag Vormittag )

    Peter: "Die Tür links wäre es dann."

    Wir lenken unseren Blick von der Architektur des Resorts auf deine große zweiteilige Holzschiebetüre, welche von Peter, Bezy nach links und von Eileen nach rechts weg geschoben wird.

    Ich: "Warte ich helf dir."

    Aber einmal in Bewegung versetzt gleiten die Türen fast von alleine auf. Dahinter befindet sich die übliche Turnhalle, mit Bänken, Böcken, Recken und einem bereits offen stehenden kleinen Geräteraum.

    Merle: "Also von einem Deluxe Resort hätte ich mehr erwartet. Das sieht ja auch, als hätte man das Interieur einer insolventen Schulturnhalle übernommen."

    Peter: "Keine überflüssigen Beschwerden übers Camp Inventar bitte."

    Merle: "Haben wir die Turnhalle schon Annektiert? Ich Dachte wir okkupieren die nur temporär."

    Anny: "Hä?"

    Katrin: "Merle will wissen, ob wir jetzt öfter herkommen."

    Peter: "Also auf dem Plan steht, dass wir hier jetzt öfter rein dürfen."

    Eileen: "Wenn die mal nicht drauf spekulieren, dass wir hier versicherungsgünstige Sachschäden anrichten."

    Merle: "An was den?"

    Sie setzt sich auf eine Bank, die wirklich aussieht, als hätte sie bereits mehrere Dekaden in einer städtischen Grundschule verbracht. Die Möbel wirken tatsächlich extrem fehl am Platz, denn die Turnhalle an sich ist noch Lichtdurchfluteter als der Rest. Was vor allem dadurch geschaffen wurde, dass die hohe Glasfront des Resorts mit der kompletten länglichen Seite der Turnhalle identisch ist.

    Nach hin Draußen kann man zu dem Palmen sehen und nach innen wie hoch die Turnhalle ist. Fast zwei und halb Etagen müssten es locker sein und auf der ersten ist sogar eine Galerie mit Geländer, natürlich aus Glas.

    Ein Ellenbogen reißt mich aus meinen Gedanken und lenkt meine Aufmerksamkeit richtig Peter, welcher erklärt:

    "Wir haben uns einfach mal gedacht, dass die Bewohner das Sportprogramm bestimmen. Ab jetzt darf sich an jedem Tag einer von euch eine Aktivität aussuchen."

    Anny: "Nichts tun?"

    Peter: "Muss natürlich was mit Bewegung zu tun haben."

    Bezy: "Daumen Gymnastik."

    Sie bewegt dabei minimal ihre Daumen.

    Peter: "Nur ernst gemeine Vorschläge. Ich hatte eigentlich vor alle nach dem Alphabet durchzugehen aber das scheint ja keine gute Idee zu sein. Also .. hm .. Domenick."

    Domenick: "Basketball! Da hinten hab ich schon Bälle gesehen."

    Och ne, muss es ausgerechnet eine Ballsportart sein? Und dann auch noch die schlimmste, kurz nach Minigolf?

    Ich: "Ich schätze mal nicht, dass wir so ohne weiteres Nicht-Basketball spielen können."

    Flüstere ich nach hinten, ohne zu wissen, wer das so genau steht.

    Eileen: "Nicht, wenn und Peter die ganze Zeit beobachtet."

    Peter: "Hier."

    Er wirft Domenick einen neuen glänzenden Basketball zu, den er aus dem Geräteraum geholt hat.

    Anny: "Müssen wir mit einem harten Ball spielen? Können wir keinen Softball nehmen."

    Bezy: "Denn kann man nicht dribbeln."

    Domenick: "Jeder kennt die Regeln."

    Anny: "Was ist drübbln?"

    Domenick: "Wenn man den Ball mit der Hand auf den Boden schlägt, das er wieder hoch kommt."

    Victoria: "Wer ist gegen wen?"

    Domenick: "Also wir haben immer gemacht, Jungs gegen Mädchen."

    Peter: "Ich denke nicht, dass das passt."

    Er sieht erst die Gruppe und dann Domenick an, welche dann auch merkt, dass drei Jungs gegen zehn Mädchen etwas unausgeglichen wäre.

    Domenick: "Dann wählt halt immer je einer pro Team abwechselnd aus. Nayse."

    Niels stellt sich zu Domenisck.

    Eileen: "Und wer wählt für die andere Gruppe aus?"

    Domenick: "Der der fragt."

    Eileen versteht die Augen uns sagt:

    "Anny."

    Domenick: "Suzy"

    Eileen: "Victoria"

    Domenick: "Salfia"

    Eileen: "Katrin"

    Domenick: "Bezy"

    Eileen: "Jacky"

    Domenick: "Maria"

    Wie in der Schule auch, bleibe ich als letzter zurück

    Eileen: "Ist ja nicht mehr viel Auswahl."

    Sie hätte wenigstens meinen Namen sagen können, denke ich etwas betrübt und trotte zu meiner Gruppe, welche sich aber kurz drauf auch schon ungleichmäßig auf einer Spielfeldhälfte verteilt. Da erfahrungsgemäß weiter Hinten immer am wenigsten los ist, man aber trotzdem den Ball bekommt, wenn jemand einen Korb wirft, stelle ich mich fast unter genau diesen.

    Peter: "Ok, Einwurf."

    Ich weiß nicht, was da vorne passiert aber der Ball fliegt grob in unsere Richtung und genau in Annys armen, völlig überfordert guckt sich diese panisch um.

    Domenick: "Hey, Faul!"

    Anny: "Was?"

    Peter: "Du darfst den Ball nicht länger als drei Sekunden in der Hand halten. Du musst dribblen oder gleich weitergeben."

    Domenick: "Gibt das einen Strafwurf."

    Peter: "Nein, so hart sind wir hier nicht. Einfach noch mal."

    Domenick: "Noar, als ich damals im Boxverein gespielt habe .. die haben einen gleich weggeboxt, wenn man den Ball zu lange in der Hand hatte."

    Es erfolgt ein neuer Einwurf, diesem fliegt der Ball zum anderen Team. Allerdings sehe ich davon nicht viel.

    Domenick: "Los nach Vorne."

    Merle: "Ich kann mich nicht bewegen und gleichzeitig dribbeln. Hier."

    Domenick steuer auf unsere Seite zu.

    Anny: "Was machen wir jetzt?"

    Peter: "Ihm den Ball abnehmen."

    Eileen: "Oder einfach sich in den Weg stellen."

    Gleich von dreien geblockt, wirft Domenick den Ball weiter nach hinten zu Merle.

    Domenick: "Komm weiter! Oder pass."

    Merle: "Fang."

    Victoria: "Danke."

    Domenick: "Die gehört nicht zu uns!"

    Victoria wirft den Ball zu Anny, diese ihn sofort zu mir.

    Peter: "Gespielt wird in die andere Richtung."

    Ich versuche ihr den Ball zurück zu werfen aber er gelingt mir nur passabel, so das Victoria dem Ball lieber ausweicht, als ihn zu fangen.

    Vitoria: "Ah, der hätte mich treffen können."

    Ich: "Schuldigung, bin abgerutscht."

    Domenick: "Neu Einwurf."

    Peter: "Ne Victoria nimm einfach den Ball und spiel weiter."

    Sie nimmt den Ball und schleudert ihn einfach mit beiden Händen hoch in die grobe Richtung der gegnerischen Feldes. Wo er von Suzy gefunden wird, welche direkt an Salfia weiter gibt, die in Richtung Domenick wirft aber nur den Boden trifft.

    39
    Sport Probleme ( Tag 10 Freitag Vormittag )

    Eine Weile geht das Spiel so weiter, ohne das wirklich etwas passiert.

    Peter: "Wenn ihr euch mit dem Ball nicht bewegen könnt, dann verteilt euch besser. Ihr habt gar keine Leute auf der anderen Seite des Feldes."

    Er sieht uns an, worauf sich zumindest ein paar von uns auf die andere Seite Stellen. Als das Spiel weiter geht, merke ich, dass Peter recht hat, keiner außer Domenick und Suzy können wirklich dribbeln und dabei Laufen. Merle kann zumindest überhaupt dribbeln, was ihr den Vorteil verschafft etwas mehr Zeit zum Überlegen zu haben, wohin sie den Ball wirft.

    Ich sehe das Spiel für schon als verloren, als Suzy bei einem Angriff plötzlich hustet und den Ball verliert.

    Suzy: "I .. ich kann .. kann nicht mehr .."

    Peter: "Dann zurück in die Verteidigung mit dir. Wechselt allgemein mal durch, holt die frischen Leute noch vorne."

    'Och ne, muss das sein', denke ich mir und schleppe mich nach vorne an die Mittellinie.

    Anny: "Was mach ich hier hinten?"

    Eileen: "Das gleiche wie vorne."

    Durch den Wegfall von Suzy wir das Spiel nun komplett statisch. Es laufen zwar einige aber immer nur die gleichen drei Meter vor und zurück. Wird ein Ball gefangen, wird es sofort zum nächsten geschmissen, welcher dann aus einer unmöglichen Entfernung den Ball grob Richtung Korb wirft.

    Peter: "Das ist viel zu weit weg, das können nicht mal die Profis."

    Domenick: "Michael Jordan kann das .."

    Peter: "Michael Jordan war ein Stürmer kein Langwerfer."

    Domenick bekommt nach einem verfehlten Ballwurf von Jacky den Ball von Bezy zugeworfen uns rennt auf die Mittellinie zu. Ich versuche ihm den Ball abzunehmen, schlage ihn ihm aber einfach nur unter der Hand weg.

    Domenick holt ihn sich wieder und geht damit zurück auf seine Spielfeld Seite.

    Peter: "Daniel bekommt den Ball."

    Domenick: "Warum? Er wurde nicht abgenommen."

    Peter: "Der Versuch zählt als angenommen."

    Sauer wirft Domenick mir grob den Ball zu, anstatt ihn zu fangen, greife ich in die Luft und der Ball prallt an meiner Schulter ab. Eileen hält ihn einige Meter Weiter mit dem Fuß auf und drückt ihn mir in die Hand.

    Verdammt ist mir das peinlich. Aber ich reiße mich zusammen dribble den Ball und komme sogar ein paar Meter weit, bis das Ding auf einmal falsch an meiner Hand abprallt und lose Richtung der Schüchternen springt. Welche vor Angst weg springt.

    Eileen legt von hinten ihre Hand auf meine Schulter:

    "Du bist ja noch inkompetenter als ich gedacht habe .."

    Na klasse auch das noch, Sport scheint noch so eine Sache zu sein, mit der man sich bei Mädchen in kürzester Zeit komplett unbeliebt machen kann. Zum Glück sehen die anderen ähnlich verzweifelt aus wie ich.

    Peter: "Das war schon mal ganz gut .. Halbzeit."

    Domenick: "Das waren aber keine zwanzig Minuten."

    Peter: "Wir haben ja auch keine Stunde hier drin."

    Deutlich hört man das Aufatmen der Campbewohner, die sich meist einfach auf den Boden gesetzt haben.

    Mich stößt etwas von hinten an.

    Eileen: "Gib dir bloß keine Mühe."

    Ich: "Von mir aus."

    Sage ich tonlos, ihren Sarkasmus kann sie sich echt sparen. Kaum zu Atem gekommen ruft Peter auch schon:

    "So Pause zu Ende. Weiter gehts."

    Bezy: "Wohin mit euch?"

    Domenick: "Ja Halbzeit – Seitenwechsel."

    Anny: "Was? Ich hab mich gerade erst daran gewöhnt in die Richtung zu spielen."

    Peter: "Ich denke wir lassen es erstmal so. Richtigen Unterschied macht das ja nicht."

    Ich sehe mir an, wo die Sonne steht. Sie scheint direkt in die Glasfront und damit gleichmäßig aufs Spielfeld, nur die Trennsäulen werfen lange Schatten auf den Boden.

    Peter: "So Aufstellung!"

    Er bläst in seine Trillerpfeife worauf sich die meisten erheben, nur Suzy schleppt sich auf eine der Bänke und lässt sich dort keuchend nieder.

    Domenick: "Jetzt ist das unfair, wir haben ein Mann weniger."

    Anny: "Warum, wir haben einen und ihr zwei."

    Peter: "Ihr habt eure Ressourcen nicht gut eingesetzt. Ihr solltet auch mal Verteidigung und Angriff wechseln."

    Unzufrieden verdrückt sich Domenick nach hinten, dafür kommen Bezy und Maria nach vorne an die Mittellinie und stehen direkt mir und Eileen gegen über. Als ich noch kurz nachdenke, wie denn so ein Basketball Anstoß aussieht, wirft auch schon Peter den Ball in die Höhe.

    Instinktiv springe ich hoch und schlage den Ball so gut in Victorias Richtung, wie ich kann. Nur tut Eileen in den genau dem Augenblick das gleiche aber schlägt den Ball eher in Richtung unsere Spiel hälfte.

    Der Ball schießt in die Höhe und landet mit einem leisen 'Dong' auf der Galerie.

    Ich: "Ups."

    Sie knurrt.

    Peter: "Kann passieren, Victoria guckt mal, ob man auf die Galerie kommt."

    Er sucht in seiner Tasche und hält ihr dann einen Schlüssel hin.

    Domenick: "Da ist noch ein Ball, mit dem wir weiterspielen können."

    Peter: "Na, ich weiß nicht."

    Ich spüre eine Ellbogenspitze in meinen Rippen und höre eine leise sarkastische Stimmt:

    "Wenn ich vorher gewusst hätte, wie schlecht du bist, hätte ich dich als erstes in Team gewählt."

    Ich: "Ja ja .."

    Antworte ich genervt und drehe ich mich einfach weg, da ich gerade keine Lust auf eine einseitige Konfrontation habe, ich weiß ja nur zu gut wie schlecht ich bin.

    Aber Moment mal, das ist doch ein Fehler im Satz. Müsste sie mich nicht wegen meines schlecht seins als letzten wählen.

    [x]Ihr den Fehler unter die Nase reiben.

    [o]Besser nichts sagen.

    Ich drehe mich zu ihr um und sage in einem möglichst kühlen Ton:

    "Wenn ich so schlecht bin, müsstest du mich dann nicht als letztes Wählen?"

    Sie sieht mich an, grinst hämisch und antwortet künstlich unschuldig:

    "Wenn ich gute Spieler in meinem Team haben wollen würde dann ja .."

    'Doing'

    Victoria hat den Ball von der Galerie zu uns herunter geworfen. Er trifft fast genau zwischen und auf.

    Peter: "Ok, super. Ich finde das reicht dann auch für Heute. Ihr habt alle getan was ihr konntet, ich bin stolz auf euch. Als nächstes bestimmt .."

    Höre ich Peters Stimmte durch den Raum hallen. Unbeeindruckt fährt Eileen fort:

    "Aber ich hab nun mal ein Herz für die schwächeren und ungeschickten."

    Das sitzt tief, ihr Sarkasmus ist echt bitter. Das Mädchen mir in der Regel mitten ins Gesicht sagen, dass sie mich nicht leiden können, bin ich gewöhnt aber sie erreicht völlig neue Formen der Demütigung. Eigentlich finde ich es ja ganz angenehm, dass sie mich ihre Ablehnung nur indirekt spüren lässt. Aber in solchen Momenten fände ich es fast besser, wenn sie mir einfach mit der Faust ins Gesicht schlagen und mir sagen würde, dass sie mich hasst.

    Das ist wohl die Strafe dafür, dass ich mich in die verliebt habe .. oder besser, dass sie das denkt.

    Peter: "Eileen!"

    Eileen: "Ja?"

    "Kommst du?"

    Katrin reißt mich aus meinen Gedanken, als wir nach und nach die Turnhalle verlassen. Wir sammeln uns erst am Resort Eingang und gehen dann über der Parkplatz.

    Merle: "Komisch, wenn man weiß das da hinter nur ne Turnhalle ist, sieht das Ganze nur noch teilweise so beeindruckend aus."

    Höre ich Merle von Vorne.

    Katrin: "Ich hasse Basketball."

    Victoria: "Du hasst alle Ballsportarten."

    Eileen: "Und du hasst alle Sportarten."

    Victoria macht ein unzufriedenes Geräusch.

    Eileen: "Was denn was denn, hat doch super geklappt."

    Victoria: "Was? Da hat doch nichts funktioniert."

    Sie nimmt mir die Worte aus dem Mund.

    Katrin: "Genau das war der Sinn der Sache."

    Victoria und ich gucken verwundert.

    Ich: "Las mich raten, dass ist sowas wie Nicht-Minigolf."

    Katrin: "Genau. Man wählt einfach alle schlechten in ein Team."

    Eileen: "Das macht das Spiel entweder komplett unspielbar oder extrem langsam."

    Victoria: "Ach das war das Ziel .. jetzt versteh ich. Hat ja funktioniert, super gemacht!"

    Katrin: "Basketball versuchen die so schnell nicht noch mal."

    Eileen: "Reines Glück!"

    Victoria: "Warum?"

    Eileen: "Weil erst nicht kann."

    Ich: "Ist ja offensichtlich."

    Auch wenn ich durch meine Unfähigkeit geholfen habe, muss sie es mir nicht noch zehn mal auf die Nase binden.

    Eileen: "Ja jetzt .. aber vorher? Da konnte ich das doch nicht wissen."

    Katrin: "Du hast gedacht .."

    Eileen: "Was denn? Was denn .. er ist groß, schlank und kann hoch springen. Wäre doch gut möglich, dass er Basketball spielt."

    Sie streckt sich, als wir an Hardys Hütte vorbei kommen, wo Katrin natürlich gleich fröhlich winkt.

    Eileen: "Ganz ehrlich, als er als letztes übrig war, hatte ich schon Angst gleich neben ihm das Feld rauf und runter rennen zu müssen, um als Pass Mädchen her zu halten. Naja, noch mal Glück gehabt."

    Ich versuche mir mein Staunen nicht anmerken zu lassen, eventuell denkt sie doch nicht so schlecht über mich, wie ich gedacht hatte .. oder tut sie dies gerade nur, um keinen Streit mit Katrin zu bekommen. Oder ist das ihre wirklich Meinung und sie tut mir gegen über so als .. man ist das kompliziert.

    Als ich mich gerade frage, ob ich wohl eine ehrliche Antwort bekommen würde, wenn ich sie in einer ruhigen Minute alleine frage, was sie von mir hält, sind wir auch schon vor der Campschleuse angekommen, welche Mario für uns öffnet.

    Mario: "So Leute, wie die informierten unter euch wissen, ist jetzt Therapie. Allerdings auf dem Gelände, also alle die es nicht bei sich Tragen jetzt schnell die Logbücher holen und dann wieder raus mit euch."

    Ich: "Wo hat man sein Logbuch, wenn man es nicht ständig bei sich hat."

    Victoria: "Zimmer."

    Bezy: "Gelände, och nicht die schon wieder."

    Mario: " 'Die' steht auf dem Parkplatz und verkauft Würstchen."

    40
    Weise ( Tag 10 Freitag Vormittag )

    Katrin: "Na super, haben wir die Traumtänzerin jetzt dauerhaft?"

    Da sie eine Antwort bekommt, wird sie offensichtlich etwas ungehalten, als sie hinter uns her trottet.

    Ich: "Keine Ahnung."

    Eileen: "Das kann unmöglich noch der Ärger wegen der Handschellen sein, also schieb nicht schon wieder alles auf mich."

    Wir kommen auf dem Campgelände an, wo sich die meisten weiter untern um Schatten der Bäume versammeln. Warm weht der Wind durch die Bäume, die jetzt noch angenehm lange Schatten durch das ganze Camp werfen.

    Wir bleiben ohne Vorwarnung auf halber Strecke stehen, gerade so, dass und die Psychologin in den bunten indischen Klamotten nicht sehen kann. Einige überholten uns wortlos nur zwei rempelt Eileen künstlich unauffällig an und stecken ihr wohl Geld zu.

    Als wir und als letzte in den Kreis der Campbewohner setzten, zählt sie abwesend ein paar Kupfermünzen in ihrer Hand.

    Katrin: "Kollekte ist wohl heute etwas rar ausgefallen."

    Eileen: "Naja, was solls."

    Antwortet sie tonlos.

    Psychologin: "Es freue mich, dass ihr alle hier Seid."

    Merle: "Als hätten wir ne Wahl."

    Murrt Merle, die neben mir sitzt.

    Victoria meldet sich.

    Psychologin: "Bitte."

    Victoria: "Es gibt ein Problem im Camp."

    Sie klingt dabei, als währe es dringend.

    Psychologin: "Ja, darauf können wir gleich zu. Lasst und aber erstmal alle eine Tageskarte ziehen."

    Mit völlig ruhiger Stimmte und fast unnatürlichen Pausen zwischen den Worten, nimmt die Psychologin erstmal einen Stapel Karten in die Hand, mischt in aller Ruhe und ignoriert Victoria einfach, die nach einer Weile ihre Hand wieder sinken lässt.

    Psychologin: "Jeder zieht eine Karte und denk dann über dessen Bedeutung für den heutigen Tag nach, bis alle fertig sind."

    Nachdem der Stapel ein paar Campbewohner passiert hat, kommt er bei uns an. Katrin ziehst als erstes.

    Katrin: "Na da haben wir ja mathematisch gesehen sehr viel länger Zeit über unsere Karten nach zu denken. Noar .. schon wieder weder Tod noch Teufel."

    Merle: "Die hat sie rausgenommen, schon vergessen?"

    Katrin: "Und was, wenn ich diese Karte bekommen soll vom Schicksal?"

    Sagt sie künstlich ärgerlich, während ich eine Karte ziehe und den Stapel an Merle weitergebe, die ebenfalls ohne hinzusehen zieht.

    Eileen: "Wenn du von dem Standpunkt ausgehst, ist das so sowieso Unsinn."

    Sagt sie viel zu laut, worauf die Psychologin mit einer künstlichen Ruhe nachfragt:

    "Warum meist du, dass ist Unsinn?"

    Eileen: "Weil nicht Jeder – Jede Karte ziehen kann. Der erste hat 24 mögliche Karten, der letzt nur noch 9."

    Psychologin: "Und dabei gibt es 23.436 Mögliche Kombinationen, das ist mir bewusst. Jedoch, die Karten finden schon ihr Ziel."

    Katrin: "Psychologen müssen Statistik studieren."

    Flüstert sie leise.

    Eileen: "Aber was ist, wenn mir jemand die Karte wegzieht, die für mich bestimmt war?"

    Katrin: "Die weiter hinten, haben einfach weniger Schicksal."

    Eileen: "Zum Beispiel .. welche Karte hast du?"

    Sie sieht rüber zu mir, ich gucke auf meine Karte. Es ist schon wieder der Weise. Sie schnaubt.

    Psychologin: "Dann war sie nicht für dich bestimmt. Oh .. das ist wieder die Eifersucht."

    Eileen lehnt sich erst beleidigt nach hinten, überlegt dann aber kurz, ballt die Faust, legt sie sich auf die Brust, wobei man die Münzen in ihrer Hand klimpern hört, und sagt:

    "Ok, ich gebe zu ich habe ein Problem mit meiner Eifersucht, was kann ich dagegen tun?"

    Victoria: "Eigentlich müssten wir ein dringendes Campproblem besprechen. Das geht eigentlich vor."

    Psychologin: "Nun gut, was gibt es denn?"

    Victoria: "Einige Sachen sind verschwunden."

    Psychologin: "Wie verschwunden?"

    Anny: "Ja mein Lippenstift fehlt."

    Bezy: "Und meine Uhr."

    Victoria: "Mir fehlt mein Wecker, der ist mir persönlich sehr wichtig, weil Familienstück."

    Bezy wirkt dabei wütend, Victoria ziemlich betrübt und Anny irgendwie beleidigt.

    Psychologin: "Wo meint ihr denn, dass die Sachen hingekommen sind."

    Victoria: "Du muss jemand geklaut haben. Wir denken .."

    Psychologin: "Keine Anschuldigungen, wenn Vermutungen dahingehen, wo die Sachen jetzt sind, nicht wie sie da hingekommen sind."

    Katrin: "Das mach ja auch einen Unterschied, ob man sagt X hat die Sachen geklaut oder, die Sachen sind jetzt in X Zimmer."

    Mario: "Wir machen das einfach so, wenn heute Mittag alle auf ihren Zimmer sind, denn liegen nach der Mittagspause einfach alle Sachen zufällig auf dem langen Tisch und keiner stellt irgendwelche Fragen .."

    Als ob das funktionieren würde.

    Mario: ".. wenn aber nicht. Dann durchsuchen wir hier jedes Zimmer und drehen hier zusammen mit der Aufsicht der anderen Camps jeden Stein um."

    Ok, dass könnte funktionieren.

    Psychologin: "Nun da das geklärt ist. Wo waren wir."

    Anny: "Eileen hatte ein Problem."

    Psychologin: "Nun, sie sollte ich einfach mal zurück nehmen und anderen den Mittelpunkt überlassen."

    Sagt sie zu Anny, ohne sich zu uns umzudrehen.

    Psychologin: "Rampenlicht macht auf Dauer süchtig. Wer kann mir sagen, was die Anzeichen einer Sucht sind."

    Ein paar wenige melden sich. Da sie nur eine Seite des Kreises im Blick hat nickt sie Bezy zu.

    Bezy: "Man braucht immer mehr, versucht das eigentliche Ausmaß zu verschweigen und .. ähm."

    Psychologin: "Das reicht schon. Die betroffenen Personen, sollten sich als erstes eingestehen, dass sie abhängig sind und dann versuchen das zu reduzieren mit dem sie ein Problem haben."

    Immer noch spricht sie von uns weg, und ich denke mir. Dass sie wohl ein falsches Bild von Eileen hat, welche ja in der Regel gerne ihre Ruhe hat. Wahrscheinlich hat sie sich bis jetzt in jeder Therapiesitzung massiv in den Vordergrund gedrängelt, weil sie von den anderen bestochen wird, damit diese nicht über ihre Probleme reden müssen.

    Psychologin: "Eifersucht korrigiert man am besten mit Großzügigkeit, die betroffene Person bekommt den Auftrag, jemand anderem etwas zu gönnen und sollte möglichst schnell damit anfangen."

    Die Psychologin dreht sich zu uns und fragt:

    "Welche Karten habt ihr denn."

    Sie sieht mich und Katrin an.

    Ich: "Der Weise, wie letztes mal auch."

    Psychologin: "Zwei mal die gleiche Karte, dass muss ein Zeichen sein. Die Chance steht sechshunderfünfundzwanrig zu eins. Und du?"

    Sie sieht zu Katrin welche gelangweilt antwortet:

    "Nicht den Tod."

    Psychologin: "Interessante Antwort .. viele Menschen würden gerne wissen, was ihr Schicksal ist ohne sich dabei zu fragen, was ihr Schicksal nicht ist. Zu wissen, das etwas nicht so ist, ist auch Wissen."

    Anny: "Hä?"

    Psychologin: "Wenn Katrin weiß, dass ihr Schicksal nicht der Tod ist, ist das schon mal gut."

    Suzy: "Ähm .. aber ich habe doch auch den Tod nicht gezogen."

    Psychologin: "Dann weißt auch du, was dein Schicksal nicht ist."

    Den Rest der Sitzung im Kreis verbringt die Psychologin damit Anny und Suzy das Konzept des Nichts zu erklären. Was mir zumindest klar macht, dass ihre Geduld wohl doch nicht so aufgesetzt ist wie ich vermutet hatte.

    Kurzzeitig tut mir Anny leid, die ja wirklich das Konzept nicht so ganz versteht, Suzy hingegen scheint nur Zeit totschlagen zu wollen.

    Nach einer Weile kommen aber auch andere mir ihrer Karte und deren Bedeutung dran, so bekommt Victoria erklärt, dass ihre Karte etwas mit Überfluss und Knappheit zu tun hat und die von Bezy irgendwas mit Aufstieg. Ich nutze jedoch die Gelegenheit und döse etwas.

    Der Himmel ist fast Wolkenfrei und ich frage mich, warum es mittlerweile noch nicht brütend heiß geworden ist.

    Katrin: "Was hattest du denn überhaupt."

    Eileen: "Hey mein Schicksal."

    Sie legt zwei Finger auf ihre Karte, die auf dem Boden liegt.

    Katrin: "Die Person sollte gönnen können .."

    Sagt sie bissig.

    Eileen: "Du kannst nicht zwei Schicksale die Woche haben. Du kannst nur tauschen .. wenn du willst."

    Katrin: "Ne, mir ist mein nicht-Tod lieber."

    Ich: "Schicksale - jetzt neu – zum Sammeln und Tauschen."

    Eileen: "Mit dir würde ich gerne tauschen. Na was sagt du?"

    Sie hält mir ihre Karte verdeckt hin.

    [o]Tauschen

    [x]Nicht Tauschen

    Ich: "Ne ich behalte meinen Weisen."

    Katrin: "Naja."

    Sie deutet auf das Kästchen, was gerade rumgeht, in welches jeder seine Karte zurück legt, während die Psychologin eine Meditation erklärt, die zum Abschluss noch ansteht.

    Ich lege meine Karte einfach oben auf den Stapel, während die anderen beiden ihre Karten mitten in den Stapel schieben.

    Merle: "Nur die Karten sind weg, das Schicksal bleibt, das man gezogen hat."

    Katrin: "Man zieht nicht das Schicksal, die Karten zeigen einem des Schicksal."

    Eileen: "Man zieht, 1mm starke Pappe mit einem drei Farben Industrie Bunddruck."

    Sie sieht mit leerem Blick ins Nichts.

    Merle: "Ist was."

    Eileen: "Nichts."

    41
    Salat ( Tag 10 Freitag Vormittag )

    Nach der angekündigten Meditation, holt sie einen recht Dicken Hefter unter ihrem Schoß hervor, liest eine Weile stumm darin und spricht dann jeden einzelnen an, und verteilt mehr oder weniger schwere Aufgaben.

    So bekommt Victoria die Aufgabe in ihrer Freizeit morgens einen Apfel und Abends eine Möhre zu essen, Bezy wird aus einem nur unerfindlichen Grund dazu gezwungen ein bestimmtes Buch zu lesen, Merle soll allen ihren Freunden eine SMS Schicken, Salfia ein Ärgertagebuch führen, Maria sich im Stiel mehr an den anderen Bewohner orientieren.

    Maria: "Soll ich auch in einem T-Sack rumlaufen."

    Psychologin: "Was ist so schlimm an einem Sack, sie sind luftig und leicht."

    Katrin schmunzelt beim Wort 'T-Sack'.

    Domenick soll ebenfalls ein Ärgertagebuch führen und dieses dann mit Salfias Buch vergleichen, Anny wird für das bestehen ihrer Aufgabe gelobt und soll das Niveau halten, von was auch immer die Rede ist. Dem Rest höre ich nicht aufmerksam genug zu.

    Psychologin: "Katrin, dein Wochenendbelastungsbericht zeigt einige Probleme in der Kommunikation, da sprechen wir mal gemeinsam drüber. Eileen, du hast deine Aufgabe. Daniel .."

    Eileen: "Geht das Konkreter?"

    Psychologin: "Nein. Daniel, du warst das letzte Mal während der Wochenbelastung in der Stadt und hast was getrunken?"

    Ein paar sehen mich komisch an.

    Ich: "Ja, aber keinen Alkohol."

    Die meisten gucken wieder weg.

    Psychologin: "Gut, das Nächste wäre eine unbekannte Umgebung. Ach .. geh einfach mal runter ins Dorf und guck dich dort ein bisschen um. Meist du du schaffst das?"

    Ich: "Könnte schwierig .."

    Psychologin: "Och, du musst ja nicht durchs ganze Dorf laufen, geht einfach auf dem Dorfplatz ein Eis essen .. vielleicht lernst du dabei ja sogar wen nettes kennen."

    Bezy kichert und Katrin verdreht die Augen. Die Psychologin schlägt den Hefter zu und danach eine tibetische Klangschale auf einem Kissen, deren dumpfer Klang durch die Baumwipfel hallt.

    Kaum steht die Psychologin auf, tuen es ich auch schon die drei Mädchen in meiner Nähe gleich und gehen Richtung Bunker.

    Merle: "Ist soll mein Handy benutzen? Als ob .."

    Ich: "Was ist mit deinem Handy."

    Merle: "Völlig verstopft mit Nachrichten, die ich besser nicht lese."

    Ich: "Drohungen der Eltern?"

    Merle: "Ne brennende Liebesbriefe von meinen Opfern."

    Ich gucke verwundert, während wir den Bunker betreten.

    Merle: "Schon schwer sich ne Schuld einzugestehen, wenn man sowas liest. Deswegen liegt mein Handy auch oben auf dem Schrank im Krankenzimmer und nicht wie bei den anderen in nem Schuhkarton im Save."

    Die Schuhkartons hatte ich ja völlig vergessen: Moment mal, was war da noch einmal von mir drin .. mein MP3 Player oder?

    Katrin: " 'Save' .. das ist einen Spind mit nem Vorhängeschloss."

    Eileen: "Also wenn ich das richtig sehe, dass dürfte ich als Campassistens mein in der Pause haben."

    Katrin: "Und warum machst du es dann nicht?"

    Eileen: "Hallo, als wüsste ich den Pinn."

    Katrin: "Die PiN. Preis für die dämlichste Aufgabe, geht wohl an Merle."

    Eileen: "Und ich?"

    Katrin: "Hast du doch gehört, nimm dich zurück und dräng dich nicht immer ins Rampenlicht."

    Sagt sie deutlich ironisch.

    Merle: "Das war Heute doch schon mal ein Anfang."

    Eileen: "Für 21 Cents könnt ihr euch nicht mehr erwarten."

    Katrin: "Euro Cents, du musst Anny auch zuhören, wenn sie was sagt."

    Merle: "Was gibt es eigentlich, nach Baseball hab ich richtig Hunger."

    Victoria: "Basketball."

    Sagt Victoria, die an uns Vorbei geht und sich an die linkte Tischseite setzt.

    Merle: "Kann man schon mal verwechseln, wenn man hungrig ist."

    Am Tisch nehmen wir unsere üblichen Plätze ein und warten noch ein ganze Weile, bis sich die anderen zu uns setzten.

    Suzy: "Salat."

    Niels und der andere Daniel stellen große Schüsseln mit Salat und Flaschen mit weißen Dressing auf den Tisch.

    Mario: "Der Anbieten hat halt gewechselt."

    Victoria: "Was ist an Salat so schlimm."

    Suzy: "An Salat an sich nichts aber von dem Essen hier bekomm ich langsam Pickel."

    Mario: "Es gibt ja nicht nur noch Salat, Morgen standen denke ich Dinkelrohrnudeln auf dem Plan."

    Salfia: "Genau von dem Zeug kann man ja nur Pickel bekommen."

    Merle: "Weist du überhaupt was das ist?"

    Sagt sie vorwurfsvoll.

    Salfia: "Nein, aber es kommt 'Dinkel' drin vor, das ist was für Ökos."

    Eileen: "Was interessiert es dich überhaupt, ob du Pickel hast oder nicht."

    Sagt sie während sie sich als Letzte einen halben Teller Salat nimmt und dick Dressing drüber kippt.

    Ich sehe auf und merke, dass die meisten Mädchen auf der anderen Seite immer noch Schlabbershirts tragen, wenn auch nicht die von heute Morgen. Ich sehe mich unauffällig um und sehe, dass es mit der Ausnahme von Merles Kapuzenpully und Katrins schwarzem gut sitzenden Death-Metallshirt auf meiner Seite nicht anders aussieht. Nur Suzy ist recht fesch angezogen uns trägt ein pinkes Tank-Top mit der Aufschrift 'Sweet'.

    Mario: "Warum ist auf deinem Teller so wenig los?"

    Eileen: "Keine Lust auf so viel Salat, ich mach mir in der Mittagspause selber was."

    Mario: "Am Tisch wird eine angemessene Portion gegessen. Das Essen in der Freizeit ist bei Absprache möglich, hat aber so zu erfolgen, dass das gemeinsame Essen nicht beeinträchtigt wird."

    Zitiert Mario wohl aus den Campregeln.

    Eileen: "Wie viel ist den bei Salat angemessen?"

    Mario: "Kann ich mal dein Logbuch sehen?"

    Eileen hält es ihm bin, während sie sich eine Gabel in den Mund steckt und Kaut. Mario blättert nachdenklich darin und geht mit dem Finger eine Tabelle durch.

    "Du hast in letzter Zeit extrem an Gewicht verloren."

    Eileen: "Es gab halt in letzter Zeit nichts, was mir wirklich geschmeckt hat. Außerdem ist Campassistenz sein extrem stressig."

    Mario: "Ob ich dir das so glauben soll."

    Eileen: "Ich kann ja wieder anfangen Kalorien zu zählen."

    Mario: "Ich denke nicht, dass das die Lösung ist."

    Wortlos nimmt sie sich noch einen ganzen Haufen mehr Salat, während Mario schon wieder eine anderen Baustelle entdeckt:

    "Victoria, ist du den Salat etwa ohne Dressing?"

    Victoria: "Hm .."

    Nuschelt sie mit vollem Mund.

    Mario: "Das kannst du doch unmöglich so essen, tu dir das doch nicht an."

    Suzy: "Das ist nur Jogurt mit Wasser."

    Katrin: "Und jede menge Zucker."

    Eileen: "Zucker?"

    Schnell greift sie zur Dressingflasche. Der Rest des Essens verläuft eher ruhig. Nach einer Weile ist meine Tischseite, fertig mit Essen, nur Victoria braucht noch etwas, da sie den Salat mit viel zu wenig Dressing wirklich nur schwer hinunter bekommt, da es selbst beim Zusehen wehtut wende ich mich leise an Katrin:

    "Weißt du, warum alle auf einmal so rumlaufen?"

    Katrin: "Hm .. is mir egal."

    Als Nachtisch gibt es Kekse.

    Merle: "Das ist bis jetzt der so ziemlich bescheuertste Nachtisch, denn man sich hätte ausdenken können."

    Mario: "Der Nachtisch darf verweigert werden."

    Ungeduldig steht Suzy vom Tisch auf.

    Mario: ".. Anwesenheit am Tisch ist Pflicht, bis der Essen als beendend erklärt wird."

    Sie setzt sich grummelt wieder hin, während neben mir Fleißig Kekse gegessen werden und wind über den Tisch gefragt wird:

    "Darf ich deinen Keks?"

    "Möchtest du nicht, darf ich deinen haben?"

    Ich beschließe meinen Keks selber zu essen, bereue es aber kurz darauf sofort. Die Kekse schmecken genau so, wie diese billigen Dinger, sie auf Kindergarten- oder Schulweinachtsfeiern immer gutmeinend, in Schalen mit Servierten drunter, ausgelegt werden aber an die nie jemand drangeht, der nicht gerade kurz davor ist an Unterzuckerung zu sterben.

    Merle: "Erst Salat und dann Kekse, wenn man das so privat auf dem Campplatz essen würde, hätte man sofort ne Essstörung im Logbuch."

    Mario: "Es gibt kleinere Probleme mit der Umstellung des Anbieters."

    Anny: "Bekommt man nicht Ärger, wenn man sich zu oft beschwert?"

    Mario: "Ich finde die Kombination auch recht gewöhnungsbedürftig."

    Ihm schmeckt sein Keks sichtlich nicht sehr viel besser als mir, als er fertig ist mit kauen verkündet er: "So ihr habt jetzt noch kurz Freizeit, dann geht es ab in die Mittagspause."

    Einige springen freudig auf, wie kann man sich nur auf eine Stunde Langeweile freuen? Obwohl, so denke ich mir, muss dass ja nicht bei allen der Fall sein. Die meisten Mädchen zumindest haben ja noch wen mit auf ihrem Zimmer. Bezy hat Anny, den Beiden wird sicher nicht langweilig.

    Suzy müsste mit Salfia auf einem Zimmer sein. Merle ist alleine, Victoria hat die Schüchterne .. dürfen sich Katrin und Eileen eigentlich oben im Geisterhaus besuchen? Die beiden wohnen ja quasi Tür an Tür.

    Katrin: "Was denkst du?"

    Ich: "Ich .. ähm .. Nichts .."

    Eileen: "Das geht nicht .."

    Sagt sie während die aufsteht und Richtung Bunkerausgang geht .. die meisten Anderen machen es sich noch eine Weile im Wohnzimmer gemütlich.

    Ich: "Ach ich bin nur jetzt schon schlecht drauf, weil ich mich wieder ne Stunde langweilen werde."

    Mario: "Das muss nicht sein .."

    Ich: "Warum?"

    Peter: "Wir haben eben deine Aufgabe gelesen und wenn du willst, kannst du in der Mittagspause ins Dorf. Du hast ja vollen Ausgang und wir vertrauen dir da .."

    Suzy: "Vollen Ausgang? Könntest du eventuell .."

    Ich drehe mich zu Suzy um, die eben noch mit Victoria geredet hat und bei dem Wort 'Ausgang' plötzlich zu mir gesprungen kommt. Sie steht in ihrem pinken Top breit Grinsend vor uns.

    Mir schwand Übles ..

    42
    Nach Essen ( Tag 10 Freitag Mittag )

    Mir schwand übles, als mich Suzy breit angrinst und fragt:

    "Könntest du mich kurz auf dem Weg mitnehmen?"

    Ich: "Ich glaube nicht, dass das eine Gute Idee ist."

    Ehrlich gesagt, kommt mir ein Ausflug mit Suzy noch unheimlicher vor als alleine ins Dorf zu gehen.

    Mario: "Klärt das mal in Ruhe .. ihr findet mich dann schon."

    Suzy: ".. och Bitte."

    Sie spring nervös auf und ab.

    "Ich brauch dich nur, um das Camp verlassen zu dürfen, wir müssen also nicht mit einander rumlaufen."

    Sie stellt sich auf die Zehenspitzen und flüstert mir zu:

    "Ich mach auch nichts versprochen."

    Ich: "Na gut. Aber halt einen bisschen Abstand wenn es geht."

    Ehrlich gesagt, ist sie mir für meinen Geschmack schon wieder zu nah gekommen.

    [x]Einwilligen

    [o]Ablehnen

    Ich: "Von mir aus."

    Ehrlich gesagt, kann ich es noch gar nicht glauben, dass Suzy schon wieder Ausgang hat.

    Ich: " 'Ich frag mal Mario."

    Suzy: "Ok, ich komm mit."

    Ich hatte eigentlich das 'Ich' so betont, dass sie nicht unbedingt mitkommen soll. Aber die folgt mir trotzdem.

    Im Krankenzimmer angekommen, sieht Mario von dort auch schon zu uns auf:

    "Na alles geklärt."

    Ich: "Stimmt das, dass wir zur zusammen rausdürfen aber dann unterschiedliche Sachen machen dürfen?"

    Mario: "Nicht ganz."

    Suzy zuckt zusammen.

    Mario: "Du darfst auch alleine raus. Jetzt sowieso, wegen einer Aufgabe. Wäre ja auch schon blöd von uns, wenn wir Campbewohnern Aufgaben stellen und diese sie wegen ihrers Ausganges nicht erfüllen können. Suzy hier hat allerdings keinen guten Grund und auch einen schlechteren Ausgang."

    Suzy: "Also zusammen .."

    Mario: "Dürft ihr raus, du kannst auch kehrt machen, wenn du nicht ganz mit runter ins Dorf willst."

    Suzy: "Super."

    Mario: "Dann brauch ich nur noch eure Logbücher."

    Ich reiche ihm mein geknicktes Logbuch und Suzy springt kurz in ihr Zimmer und kommt mit einem, bereits bunt rosa bemaltem, Logbuch in ihrer Hand wieder heraus.

    Mario trägt uns jeweils eine Zeit ein unsere Ausgehtabellen ein.

    Mario: "Du musst dein Logbuch nicht immer spazieren tragen, besonders nicht unten im Dorf."

    Ich merke, dass ich ihm bereits aus Gewohnheit die Hand hingehalten habe.

    Mario: "Da wäre ein Portemonnaie praktischer."

    Ich: "Stimmt."

    Ich gehe schnell zurück auf mein Zimmer und schnappe mir mein Portemonnaie. Domenick scheint Musik zu hören, der andere Daniel zu schlafen oder zu meditieren und Niels sitzt an dem einzigen Tisch im Raum und macht still Hausaufgaben.

    Als ich wieder aus dem Zimmer und am Wohnzimmer vorbei komme, ist es ungewöhnlich still im Bunker nur Suzy Zunge schnalzen hallt durch den breiten Flur, scheinbar hat sie es eilig.

    Bei ihr angekommen, ermahne sie ich noch mal:

    "Bitte kein so ein Ding wie beim letzten Mal."

    Suzy: "Ach das .. war ein kleines Missverständnis .. ist nie passiert und passiert nie wieder."

    Sie grinst mich an .. ich beschließe es dabei zu belassen und kleine weitere Erklärung zu verlangen. Hastig eilen wir über Campgelände und sie hüpft ungeduldig von einem Bein aufs andere, als sich die Schleusentore öffnet.

    Ich: "Was ist den so dringend? Ich sehe auf meine Uhr."

    Suzy schielt aufs Ziffernblatt und sagt dann:

    "Ok gut, dann haben wir noch Zeit."

    Wir gehen langsam aus dem Camp hinaus, machen aber weder den Schlenker in Richtung Krankenhaus noch biegen wir hoch zum Drachenfelsen ab.

    Langsam gehen wir gerade aus, als Suzy leise sagt:

    "Kannst du ein Geheimnis für dich behalten?"

    Ich: "Sicher."

    Sie sieht mich prüfend aber freudestrahlend an:

    "Deswegen sind wir hier. Lies mal .."

    Sie hält mir einen weißen Zettel hin, welcher so übertrieben oft gefaltet wurde, dass ich ihn erstmal quasi auseinander bauen muss. Da ich keine Ahnung habe, auf welcher Seite ich anfangen soll, beginne ich mittendrin vorzulesen:

    ".. und deswegen schreibe ich dir, um dich wissen zu lassen, dass ich nicht mehr ohne dich sein kann. Ich bin eigentlich hier, weil ich Cannabis süchtig bin aber dass ist jetzt vorbei. Denn ich will ab jetzt nur noch Dich. Denn ich bin bin zwar immer noch süchtig jedoch nach Dir. Denn ich bin Suzy süchtig.

    Unter dem Satz welcher fast die ganze Seite füllt sind drei rote Herzen gemalt. Ich lese weiter:

    "Auch jetzt gearde, kann ich an nichts anders mehr denken als an Dich, Denn ich liebe Dich."

    Direkt springt mir der Rechtschreibfehler ins Auge und ich kommentiere leise:

    "Ge'arde?"

    Ich runzle meine Stirn. Suzy schnappt mir den Zettel weg und sagt etwas aufgebracht:

    "Du sollst den Text lesen und nicht nach Rechtschreibung!"

    Sie umarmt den Brief, reicht dran und gibt ihn mir dann wieder.

    Suzy: "Riech mal dran."

    Der Brief riecht extrem nach was zu Essen.

    [o]Riecht gut

    [o]Riecht schlecht

    [x]Riecht nach was zu Essen

    Suzy: "Sein Parfüm .. hm .."

    Ich: "Der riecht nach was zu Essen."

    Antworte ich platt, innerlich beruhigt, da sie jetzt wohl einen Verehrer hat und mich in Zukunft hoffentlich in Ruhe lassen wird. Sie sieht mich erst wieder kurz verständnislos an, grinst dann aber wieder breit und schwärmt:

    "Riecht toll oder?"

    Ich nicke, während sie weiter schwärmt:

    "Und wie findest du den Brief?"

    Ich will das Stück Papier wieder ausklappen, als sie es mir wegnimmt, weil wir vor einer Schleuse angekommen sind, die fast genau so aussieht wie die von unserem Camp. Kurz wundere ich mich, ob wir unbemerkt Kehrt gemacht haben aber da der Abhang noch auf der richtigen Seite ist, sind wir wohl richtig. Suzy schnellt, worauf sich die Türe automatisch öffnet.

    Suzy: "Nicht so schüchtern, wir dürfen hier rein."

    Wir betreten scheinbar ein weiteres Camp, welches lediglich etwas mehr Kabinen hat, die auch besser ins Schuss sind als unsere, außerdem ist das Gras grüner und weit aus weniger tot getreten.

    Suzy: "Und wie findest du den Brief?"

    Flüstert sie mir nun zu, aber ohne dabei weniger aufgeregt und hibbelig zu wirken.

    Ich: "Gut schätze ich .. Hab noch nicht so viele Liebesbriefe gelesen. Es kommt einen bisschen oft das Wort 'dann' drin vor."

    Suzy: "Noch nie einen Liebesbrief bekommen?"

    Ich: "Doch?"

    Suzy: "Und was stand drin?"

    Wir kommen vor einem Gebäude an, welches aussieht wie unser Bunker. Nur dass es irgendjemand bunt angemalt hat. Mir wird fast schwindelig, dieses Camp ist genau so aufgebaut wie unseres, nur ist hier alles Spiegelverkehrt. Allerdings gibt es keinen so hohen Zaun und es hängt eine Wäscheleine in der Ferne zwischen zwei Bäumen, auch die silbernen Kugeln fehlen.

    Ich: "Geh mit mir oder ich hau dir aufs Maul."

    Suzy: "Wer schreibt den solche Liebesbriefe? Ach ich weiß .."

    Ich: "Ein Mädchen aus meiner Klasse in der vierten."

    Suzy: ".. Ok. Naja, wie auch immer, hier müssen wir warten."

    Wie unser Bunker auch, so bildet auch hier eine Glasdoppeltüre den Eingang, nur bestehen diese hier nicht aus Milchglas, sondern aus Klarglas mit einigen Streifen Zerrglas. Ich will hineinsehen aber Suzy lenkt mich schon wieder ab:

    "Findet du den Brief nicht super süß .. ach .. Suzy süchtig, ist das nicht toll?"

    Ich: "Hm .. ja".

    Nicke ich, als sich die Tür öffnet und ein dünner magere Junge in der Schwelle steht. Er trägt viel zu großen Sachen, so dass ich erst denke, dass er magersüchtig sein könnte aber als ich seine Basecap sehe und er Suzy mit ..

    Junge: "Eh jo, all's Fresh?"

    .. begrüßt, schätze ich, dass das wohl eher zu seinem Style gehört. Direkt nach ihr gegrüßt er auch mich und gibt mir aus einem komischen Winkel seine Hand. Ich nehme sie und stelle mich kurz vor:

    "Hi .. ähm .. Daniel."

    Junge: "Jo man, korrekt, dass du Suzy wegen dir doch noch raus durfte."

    Ich nicke und er wendet sich wieder Suzy zu, die künstlich schüchtern in den Türrahmen drückt. Und schlüssig was ich tun soll sehe ich in de Bunker hinein und bekomme erstmal einen kleinen Schrecken.

    Anstatt des kargen grauen Inneren bei uns, liegt in diesem Bunker Teppich, die Wände sind gestrichen, die Möbel, vom dem was bei uns das Wohlzimmer ist, sind bunt mit großen Kissen und ein Vorhang trennt das Ganze vom Esstisch, welcher sogar in den Gang zu passen scheint.

    Und mitten im Eingangsbereich steht auch noch ein Aquarium mit roten Fischen und grünen Wasserpflanzen, in dem hörbar das Wasser plätschert.

    Ich: "Alter?"

    Junge: "Was los?"

    Ich: "Ihr habt hier ein Aquarium?"

    Junge: "Ja?"

    Ich: "Ich lass euch dann aber auch mal alleine, ich muss ja noch ins Dorf."

    Ich drehe mich auf dem Absatz rum und als mir Suzy noch ein 'Danke' hinterher ruft, gehe ich zügigen Schrittes durchs Kloncamp. Auf halber strecke bleibe ich kurz stehen und sehe dahin, wo bei uns das Geisterhaus steht.

    43
    Dorf Idylle ( Tag 10 Freitag Mittag )

    Es beruhigt mich etwas zu sehen, dass zumindest nicht alles doppelt zu sein scheint, denn da wo bei uns dieses abbruchreife Haus mit Mathelehrer und Eileen steht, da geht es hier direkt hoch zum Krankenhaus.

    Als ich irgend jemand vom Gelände irgendwas rufen höre, drehe ich mich kurz um aber als die Silhouette in der Ferne mir zu Seher nach dem blonden Mädchen aus Englisch aussieht, mache ich mich ganz schnell auf den Weg nach Draußen.

    An der Schleuse angekommen bemerke ich verwundert, dass die inneren und äußeren Türen beide offen stehen und auch, dass die äußere Türe sehr viel dünner ist als unsere. Ich gehe hinaus und gehe erstmal eine Weile in Richtung Hardy. Auf dem Weg fällt mir nicht nur auf, dass das wohl gerade so ziemlich eine light Version unseres Camps in hübsch war, sondern auch, dass das wohl sehr wahrscheinlich wirklich das Camp ist, in dem die Mädchen aus Englisch sein müssten.

    Gott sein dank, dass ich nicht in das Schalmädchen gelaufen bin.

    Als ich an den hohen goldenen Gräser vorbeigehe frage ich mich, wie ich eigentlich ins Dorf kommen soll. Aber da Hardys Hütte offen steht, gehe ich schnell die kleine Senke hinunter und werde auch schon von Hardy begrüßt, der wie immer auf einem Hocker halb in der Türe sitzt.

    Hardy: "Zu mir? Du hast aber erst wieder in ein paar Tagen wieder Therapie."

    Ich: "Ich weiß .."

    Hardy: "Ach du wolltest mich einfach so mal besuchen kommen .. das ist aber nett von dir."

    Ich: "Eigentlich soll ich runter ins Dorf nur .."

    Hardy: "Weißt du nicht, wie du da hinkommst? Ganz einfach, einfach gerade am schikie mikie Schuppen vorbei die Landstraße entlang und das Dorf kommt dir quasi entgegen. Suchst du das was bestimmtes?"

    Ich: "Ja."

    Hardy: "Was genau? Dann kann ich dir sagen, ob ich es vertretbar finde dir dabei zu helfen."

    Fragt er freundlich mit skeptischem Unterton.

    Ich: "Ich soll einfach auf dem Dorfplatz und dort einen Eis essen."

    Hardy: "Achso, klingt nach einem hoch offiziellen Auftrag, na dann .. einfach immer weiter ins Dorf, den kann man nicht verfehlen, alle Straßen führen quasi in die Dorfmitte, ist eben so ne alte mittelalterliche Straßenführung."

    Sagt er ohne jeglichen weiteren Zweifel

    Ich: "Offizieller Auftrag?"

    Hardy: "Typische Therapieaufgabe für eher Introvertierte. Die anderen gehen eher ins Dorf um Zigaretten oder Alkohol zu kaufen, dass kann ich natürlich nicht unterstützen."

    Ich: "Au, dann bin ich spät dran .. Danke."

    Hardy: "Und wenn du dich verirrst, einfach am Sonnenstand orientieren."

    Ruft er mir noch nach als ich aus der Senke die Treppe hoch hechte, um dann über den Parkplatz am Resort vorbei zu gehen. Aber anstelle durch den Tunnel in den Wald gehe ich weiter die Straße entlang, welche sich nach einer Weile in eine weitere Landstraße verwandelt.

    Links und rechts erstrecken sich grüne Wiesen und auch ein kleiner Acker. Der Wind wehr warm aber nicht zu warm durch das hohe Gras am Wegesrand. Es gibt keinen Bürgerstein nur einen schmalen per Linie abgetrennten Streifen mit Poldern alle paar Meter.

    Es scheint kein einziges Auto zu fahren und endlich .. endlich mal ist es wirklich Ruhig. Man vermisse ich die Ruhe in meinem eigenen Zimmer zu Hause. Das Camp ist zwar schön und einige Leute mag ich inzwischen recht gerne aber es ist ständig irgendwas los und irgendjemand will was von mir.

    Fast glücklich, dass zumindest Suzy mir jetzt wohl nicht mehr so stark auf den Keks gehen wird, sehe ich schon wie das Dorf langsam sichtbar wird.

    "Na das werden ja keine 300 Meter mehr sein."

    Sage ich leise zu mir selbst und genieße weiter die Natur und die Ruhe. Kurz überlege ich, einen Grashalm zu pflücken und mir diesen in den Mundwinkel zustecken, um das Klischee des einsamen Wanderers auf der idyllischen Landstraße komplett zu machen aber lasse es dann doch, das wäre einfach zu kitschig.

    Nach einer Weile kommen die ersten bebauten Landparzellen aber dann, nach ein paar Metern, fängt auch schon plötzlich die Stadt an. Die ersten paar Häuser passiert, stehe ich auch schon in einer sichtlich mittelalterlichen Stadt auf groben Kopfsteinpflaster, zischen alten Efeu bewachsenen Häusern mit grünen Schlagläden.

    Ich mag die Architektur und gehe deswegen langsamer durch die Straße, die Stadt ist ruhig und wirkt fast wie leergefegt. Ich biege ein paar in immer breitere Straßen ein und hoffe, dass diese mich schon zur Dorfmitte führen werden.

    Die Straßen werden langsam belebter und auch das ein oder andere Geschäft ist nun im Erdgeschoss eines Hauses eingerichtet. Meist werden aber nur Traditionelle Sachen wie Käse oder Wurst verkauft. Es wirkt fast ein wenig absurd, in dieser fast tatsächlich mittelalterlichen Idylle eine Eistheke zu suchen.

    Als ich jedoch Hardy Tipp weiter beherzige und in eine weitere breitere Gasse einbiege, um zum Ortskern zu gelangen, kommt mir auf einmal typischer Menschenlärm entgegen und damit eines der Geräusche, welche ich am wenigsten leiden kann. Es ist fast genau die Mischung aus Gemurmel und Geschrei, wie man sie auf Kirmsen hört.

    Aber es gibt doch einige deutliche Unterschiede. Als ich in die Nächste Gasse einbiege, auf welcher knapp schon zwei Autos an einander vorbei passten, sehe ich was los ist.

    Der Dorfkern liegt genau vor mir, ein weiter Platz auf groben Kopfsteinpflaster umringt von alten Fachwerkhäusern und im Hintergrund – alles überragend eine Mittelalterliche Kirche. Langsam und vorsichtig komme ich näher. Von der Mitte des Platzes kommt das meiste Geschrei, Einheimische zwischen gestapelten blauen Kiste preise hier Kartoffel und Möhren an. Der typische Wochenmarkt eben, nur etwas lauter als bei mir zu Hause und in einem leichten Akzent.

    Um den Kern herum sind weitere Zelte und Tische aufgebaut, nur liegt hier meist Allerlei altes Zeug auf Bierbänken und keine Berge von Kopfköpfen in mit Erde verdreckten Kisten. Der äußere Ring dürfte also so eine Art Flohmarkt sein.

    Auf den zweiten Blick wirkt viel von dem Flohmarkt überraschend modern, was vor allem auch an einigen bunten Buden liegen könnte, die mit ihren blinkenden Reklamen zwar komplett das Mittelalterfeeling zerstören, dafür habe ich aber auch keine Sorge mehr hier doch noch ein Eis zu finden.

    Als ich vorsichtig an den Tischen entlang gehe, um ja nicht die den Aufmerksamkeitsradius einer der Marktschreier zu kommen, denke ich mich, dass Flohmarkt doch eine ziemlich interessante Sache ist, wenn ich nur nicht zu ungeschickt zum Handeln wäre, was in der Regel dafür sorgt, dass ich viel zu viel für alten Schrott bezahle.

    Scheinbar bin ich für beides zu ungeschickt und ein Rufen aus der Distanz hört sich verdächtig so an, als wäre ich gemeint.

    [o]Aufsehen

    [x]Weiter gehen

    Da ich weder Verwendung für Möhren, noch für Kartoffeln habe tue ich einfach so, als hätte ich nichts gehört. Um beschäftigt zu wirken, sehe ich mir einen der Tische im vorbeigehen genauer an. Vor mir liegt hauptsächlich altes Besteck, eine große alte Uhr und sehr sehr viel Rokoko Kitsch. Eigentlich finde ich ja, dass diese weißen Porzellan Figuren was haben, aber ich kann mir ja unmöglich so ein Ding in mein Zimmer stellen, das käme ja schon gut seltsam rüber.

    Mein Blick fällt auf einen Porzellan Jungen mit einer Querflöte, ja dieses Exemplar bekäme besonders seltsam in meinem Zimmer.

    "Kann ich ihnen helfen?"

    Ich schrecke auf, eine recht junge dünne Frau mit einem gelben Rollkragenpullover und einer Nickelbrille fragt mit freundlich und sieht mich verwirrt an, weil ich mich erschrecke.

    Ich: "Ähm .. ja .. ich suche .. ähm .. ich suche einen Eislanden."

    Eisladen? Ist das mein Ernst? Kaum muss ich mit Fremden in einer fremden Umgebung reden, kommt so was dabei raus.

    Verkäuferin: "Zu Besuch hier, was? Da hinten, gleich da drüben .. kaum zu übersehen .."

    Sie deutet auf die andere Seite des äußeren Rings, wo die Tische zwar etwas weniger dicht stehen, trotzdem kann ich kein genaues Gebäude ausmachen, welche es genau sein soll.

    ".. da ist unser berühmtes französisches Eiskaffee, die machen ihr Eis selber wissen sie."

    Ich: "Danke."

    Sag ich und gehe schnell weiter, um nicht in die Verlegenheit zu kommen, nichts gekauft zu haben. Ich sehe immer wieder auf die Tische aber bin eher darauf konzentriert, den Menschen auszuweichen, welche immer wieder spontan stehen bleiben oder beim Handeln so wild gestikulieren, dass man hinter ihnen eine Armlänge abstand halten sollte. Eine Frau mit hohem schwarzen Pferdeschwanz, ein paar Stände weiter scheint besonders hartnäckig zu verhandeln.

    Als ich jedoch an der Auslange eines Standes vorbei komme, welcher augenscheinlich ausschließlich Bücher verkauft, gerät mein Plan: 'Rein, ein Eis reinwürgen und schnell wieder raus' etwas ins wanken.

    [x]Bücher gucken

    [o]Weiter gehen

    Auch wenn ich meinst zu faul bin sie zu lesen, so habe ich doch einen Febel für Bücher, besonders für alte und ich kann einfach nicht anders als zumindest mal grob die Titel zu lesen, es könnte ja eines der großen Grundlagenwerke dabei sein. Und da ein älterer Herr neben mir gerade nur 2 Euro für ein Buch bezahlt hat, denke ich, dass ich sowas in der Richtung wohl auch ausgeben kann, ohne dass ich auf mein Eis verzichten muss.

    Schon als Kind hatte ich immer die Fantasie, mal ein dickes alten Buch zu haben, in dem Sachen stehen, die niemand anders weiß. Witzige Vorstellung eigentlich ..

    Doch ein recht lautes und freudiges:

    "Ok, zwei Euro aber dafür dann dass anstelle von dem hier."

    Gefolgt von einem:

    "Verstehen sie mich nicht falsch, vier Bücher für zwei Euro fünfzig sind ein gutes Angebot aber ich muss leider ablehnen. Ich kann unmöglich so viel schleppen, es sei denn .. sie nehmen diesen Kohlkopf in Zahlung."

    Bezahlen die hier echt mit Kohlköpfen? Aber Moment mal, die Stimme kenne ich doch. Ich drehe mich um und sehe ..

    "Halt mal kurz."

    Eileen, die mir direkt einen voll gestopften Jutebeutel in die Hand drückt, um dann mit der freien Hand tief in die Tasche ihrer zu großen Jeans zu greifen und weiter mit einer kleinen alten Dame hinter einem Berg von Büchern zu verhandeln:

    "Ich kann ihnen noch in etwa .. einen Euro und sechzig Cent für das hier anbieten."

    Sie scheibt einige Münzen in ihrer Hand umher und hält mit der anderen ein Buch hoch.

    Verkäuferin: "Dann muss ich noch mal gucken."

    Eileen: "Oder nein, fast vergessen, ich brauch ja noch ne Fahrkarte. Ich das ok, wenn ich dass und das weg tue und wir bei drei Euro bleiben?"

    Die alte Dame überlegt eine Weile, sieht erst die, dann mich, dann wieder die Bücher und dann wieder mich an und sagt dann fröhlich:

    "Einverstanden, Kindchen aber dafür behältst du den Kohlkopf."

    Eileen: "Ehm .. eigentlich .."

    Verkäuferin: "Du brauchst den Kohl Kindchen, das sieht man an deinen Zähnen. Kohl hat viel Vitamin C, war damals das einzige was es gab, die Kinder die keinen Kohl mochten die haben zu meiner Zeit noch den Skorbut gekriegt."

    Sie nimmt die Bücher und dreht sich in eine mir unbekannte Richtung. Ich folge ihr, hänge mit aber den Jutebeutel über die Schulter. Die Verkäuferin ruft uns noch leise nach:

    "Ich hoffe ihr Freund freut sich über die Bücher."

    Hat sie gerade Freund gesagt? Ich folge ihr etwas verwirrt und frage dann:

    "Wohin?"

    Eileen: "Noar, wohin wohl du Bastard? Du wolltest doch noch einen Eis essen oder?"

    Fragt sie etwas genervt. Ich Nicke ebenfalls genervt und halte vorsichtshalber etwas Abstand.

    Eileen: "Gut, ich lad dich ein .."

    Sie scheibt die verbleibenden Münzen in ihrer Hand umher.

    44
    Eisessen ( Tag 10 Freitag Mittag )

    Verwundert folge ich Eileen mit etwas weniger Abstand. Soll doch mal einer dieses Mädchen verstehen, erst bezeichnet sie mich noch als Bastard und jetzt lädt sie mich zum Eis ein.

    Eileen: "Den Beutel kannst du mir ruhig wieder geben."

    Ich: "Och kein .."

    Sie schnappt mir den Jutebeuten von der Schulter.

    Eileen: "Wenn du den so trägst, leierst du die Henkel aus .. das Ding ist Stationseigentum. Dummerweise."

    Sie hält schnurstracks auf ein Gebäude unweit der Kirche zu und so passieren wir den Kern des Marktes, wo allerhand lokales Gemüse angeboten wird. Wo ich immer wieder kurz danken ablehne, wenn mir jemand lautstark etwas anbietet, sie hingegen lässt das alles komplett kalt.

    Auf der anderen Seite angekommen, stehen wir vor der großen Kirche, welche alle anderen Gebäude überragt und drehe uns nach links um, wo neben einer Apotheke auch schon direkt ein kleines süßes Kaffee liegt.

    Sie voran betreten wir das Geschäft, man muss eine kleine enge Treppe rauf, bevor man zur Tür kommt, welche sich geleitet vom klingeln einer kleinen Glocke und einem lauten Knarzen des schweren Holzes öffnet.

    Drinnen ist es gerade einmal so viel Platz, dass kaum vier Leute vor der Theke Platz finden. Und da außer uns noch eine Handvoll Kinder sich in der Deale befinden, quetsche ich mich so gut es geht an der Wand entlang.

    Eileen: "Welche Sorten magst du am liebsten, wenn es nichts super ekelhaftes ist, darfst du aussuchen."

    Ich: "Tiramisu und Nuss normalerweise"

    Sie sieht in die Auslagen, welche ich nicht sehr gut sehen kann und sagt dann:

    "Eine Kugel Tiramisu und eine Kugel Wal .. ähm Hasel .. Walnuss."

    Eisverkäuferin: "Im Hörnchen oder Becher."

    Eileen: "Im Becher."

    Eisverkäuferin: "Mit oder ohne Waffel."

    Eileen: "Wieviel?"

    Eisverkäuferin: "30 Cent."

    Eileen: "Waffel .!"

    Eisverkäuferin "Ok, zwei fünfzig bitte. Für sie junger Herr."

    Die Eisverkäuferin sieht mich an. Während Eileen einige Münzen auf den Glastresen legt.

    Ich: "Das Selbe .. Bitte."

    Eisverkäuferin: "Dann ebenfalls zwei fünfzig."

    Ich zahle mit einem zehn Euro Schein während Eileen die Augen verdreht, schnauft und den Laden verlässt. Was hat sie denn nun schon wieder? Als ich mein Wechselgeld entgegen nehmen und die Deale verlasse, wartet sie aber entgegen meiner Erwartung auf mich und fragt:

    "Wo hin?"

    Und nickt mit ihrem Kopf in Richtung der kleinen süßen Außengarnitur des Eiskaffees. Vor dem alten deutschen Fachwerkhaus stehen, eindeutig französische Tische, Stühle und Bänke. Die meisten sind aus dunkel blauem Stahl mit reichen Verzierungen und dunklem Holz.

    Da ich eine Bank auf der ganz rechten Seite unter einem kleinen Fliederbaum spontan am besten finde, setze ich mich auf die Bank, welcher an der Hauswand steht und stelle meinen Becher auf einem kleinen Runden Tisch ab.

    Zu meiner Überraschung und ein klein wenig auch zu meiner Erleichterung, setzt sie sich nicht direkt neben mich auf die Bank, sondern auf einen Stuhl mir gegen über und stellt erstmal ihre Taschen unter den Tisch. Neben dem Jutebeutel trägt sie noch eine weiße Plastiktüre und einen Eckige schwarze Papptüte mit sich rum. Ihr übliches Krankenhausshirt hat sie gegen eine blaues Flanellhemd getauscht und trägt ihre Haare zu einem hohen Zopf zusammen gebunden. Sie macht einen leicht genervten Eindruck und kauf lustlos auf ihrer Waffel herum.

    Ich: "Alles ok?"

    Sie deutet mit ihrem grünen durchsichtigen Plastiklöffel auf mich und sagt:

    "Wenn ich sage, ich lad dich ein .. was bedeutet dass dann?"

    Ich: "In der Regel, dass du für mich bezahlst?"

    Eileen: "Und was genau, hast du daran nicht verstanden?"

    Ich: "Ähm .. ich bin da irgendwie nicht hinter her gekommen .. weil ähm .."

    Genau, wie hat sie sich das denn genau gedacht? Wollte sie einen Becher mit zwei Kugeln holen, denn wir beide dann zusammen essen? Dass klingt so absurd, dass ich sie am besten einfach frage:

    "Wie genau hattest du dir dass den vorgestellt?"

    Ziemlich schnell greift sie über den Tisch, zieht aus meinem Becher die Waffen raus, schnappt sich dann den ganzen Becher und stürzt diesen Kopf über auf ihren, wodurch ein kleiner Turm aus Kugeln entsteht, in welche sie zum Schluss noch ihre und meine Waffel steckt.

    Eileen: "So. .. hab ich mir das vor gestellt."

    Sagt sie sehr viel weniger schlecht gelaunt und fast leicht amüsiert, während sie meinen leeren Becher mit einem gekonnten Wurf in einen nahen Mülleimer wirft.

    Moment mal, erst will sie mich einladen und dann klaut sie mir meine Kugeln? Da stimmt doch was nicht, dreht sie gerade völlig durch oder will sie etwas, dass wir jetzt zusammen aus einem Becher essen. Vorsichtshalber frage ich subtile noch mal nach:

    "Ach du wolltest so was wie einen großen Eisbecher."

    Ich nehme mir die Eiskrate vom Tisch und zeige auf einen großen Schokoladen-Kaffee Becher.

    Eileen: "Ne .."

    Also hat sie mir doch meine Kugel geklaut ..

    Eileen: ".. das ist viel zu teuer .. Ich mag unseren kleinen Eisturm."

    Sie schiebt das Gebilde, welche bereits ziemlich Schlagseite bekommen hat, in die Mitte und nimmt einen Löffel.

    Eileen: "Hm .. das .. ähm .. das Tiramisu Zeug ist echt lecker .. .. was ist denn, willst du nicht."

    Verwirrt nehme ich meinen pinken durchsichtigen Plastiklöffel und stabilisiere damit erstmal die Konstruktion.

    Eileen: "Ah .."

    Sie hält mir eine Waffel mit dick Eincreme drauf hin.

    Ich: "Ähm .. soll ich da jetzt abbeißen?"

    Eileen: "Nein, ich wollte dir das gerade in die Nase schmieren. .. Noar, keine Sorge dass ist deine Waffel, nicht die die ich angesabbert habe."

    [x]Es besser lassen

    [o]Abbeißen

    Ich: "Danke."

    Ich nehme ihr die Waffel aus der Hand und beiße ab. Dieses Verhalten wohl auch missbilligend, verschränkt sie die Arme vor sich und isst eine Weile für sich selbst von ihrer Seite.

    45
    Ärgern ( Tag 10 Freitag Mittag )

    Um die sich anbahnende peinliche Stille erst gar nicht auf kommen zu lassen, frage ich:

    "Du warst einkaufen?"

    Eileen: "Uh .. ähm .. was .. ja. Ähm .. schuldigung, dass ich heute einen bisschen komisch bin und auch .. ähm .. so einen bisschen Pro .. Probleme habe mit .. ähm .. mit dem .. Sprechen aber ich hab neue Medikamente und da .. da ist das einen bisschen schwierig."

    Ich: "Immer mit der Ruhe, wir haben ja Zeit."

    Eileen: "Gut, sorry wegen des Missverständnisse hab mich unklar ausgedrückt. Ich dachte dich .. zu .. zu .. einem .. Eis einladen, wäre eindeutig. Egal .."

    Sie steckt sich und wechselt spontan das Thema:

    "Jap, ich hab einen bisschen Geld zusammen gekratzt, um mir einen paar Sachen zu kaufen und da ich günstiger weg gekommen bin, hab ich noch auf dem Markt rumgeguckt."

    Sie verschwindet kurz mit dem Kopf unter dem Tisch, erklärt aber weiter:

    "Eigentlich wollte ich nur einen paar Möhren .. und .. ähm .. Kartoffeln haben aber der Typ hat mir dann einfach noch so einen Kohl mitgegeben. .."

    Sie taucht wieder auf und hält einen riesigen Kopf Weißkohl in ihrer Hand, wie Shakespear seinen Schädel.

    ".. und ich habe keine Ahnung, was ich damit soll. Aber ich bringe es auch nichts über Herz ihn einfach weg zu werfen."

    Ich: "Suppe?"

    Eileen: "Davon kann ich höchstens zwei Teller essen bevor der Rest schlecht wird."

    Ich: "Sauerkraut, ist lange haltbar oder?"

    Eileen: "Was Sauerkraut ist aus dem Ding hier?"

    Sie schaut sich grübelnd den Kohl an und sieht dabei jetzt wirklich fast aus wie Shakespeare.

    Eileen: "Nach, da bräuchte man einen Messer für."

    Ich: "Stimmt ja."

    Eileen: "Sonst halt die Bücher, die du eben gesehen hast."

    Ich: "Du interessierst dich für Eisenbahnen? Was sagt eigentlich dein Freund dazu, dass wir hier zusammen Eis essen."

    Eileen: "Der ist schon mit der Fahrkarte in die Schweiz gefahren und sucht dort super seltene Bücher."

    Ich gucke verwirrt, während sie schon Luft holt und erklärt:

    "Wenn ich dahin gehe und sage, dass ich dieses Buch haben will, weil ich mich genau dafür interessiere, dann kostet das Buch fünf Euro. Wenn aber jemand anderes dahingeht und einfach irgend ein Buch sucht, weil diejenige einen Freund hat, welcher alte Bücher einfach als Deko benutzt, dann kostet das Buch auf einmal nur noch fünfundsiebzig Cent. Wer hätte da keinen Freund?"

    Ich: "Ist das nicht .."

    Eileen: "Ne, das spielt alles in der gleichen Liga wie .. 'Super selten', 'bekommt man sonst nur in der Schweiz' und so weiter. Flohmarkt ist Nervenkrieg. Und was die Fahrkarte angeht, die essen wir gerade."

    Grinst sie zu frieden und schaufelt sie viel zu schnell vor allem Wallnusseis rein.

    Ich: "Und was ist in der anderen Tasche?"

    Ich luge vorsichtig an der Seite des Tisches vorbei.

    Eileen: "A a ah .. das ..das .. das's Privatsache. Ah .. Sorry a .. aber das geht dich nicht an. Also erstmal .. nicht."

    Etwas verlegen zieht sie die schwarze edel wirkende Papierttasche unter ihren Sitz und stellt die Beine davor.

    Ich: "Ok."

    Sage ich und wende mich wieder unserem Eis zu.

    Eileen: "Ahhh .. fuck .. mein Kopf. Wo sind meine .."

    Sie hält sich plötzlich die Stirn, beugt sich mit dem Kopf über den Tisch und holt einen Tablettenblister aus ihrer Hose.

    Ich: "Tabletten gegen Freezebrain?"

    Eileen: "Was?"

    Ich: ".. wenn sich dein Hirn so anfühlt als ob es ein frieren würde."

    Eileen: "Ja verdammt .. aua .. Eh .. du hast das auch?"

    Ich: "Das hat jeder der zu schnell Eis isst."

    Eileen: "Und was tut man dagegen?"

    Ich: "Press einfach deine Zunge von unten gegen deinen Gaumen."

    Einen Moment hält sie sich noch die Stirn und frag dann etwas leiser:

    "So was bekommt man vom Eis essen? Das tut ja schon gut weh .."

    Ich: "Wenn man zu schnell isst."

    Sie reibt sich noch ein wenig die Stirn und scheint fürs erste leider Waffel zu essen. Kurz drauf räuspert sie sich und fragt:

    "Wo waren wir stehen geblieben?"

    Ich: "Nirgends"

    Eileen: "Gut, dann kann ich ja wahr los irgendwo weiter machen. Ähm .. sag mal wie geht es dir aktuell so?"

    Ich: "Ehrlich gesagt bin ich ziemlich fertig."

    Eileen: "W .. wie kommts."

    Ihre Stimme wirkt irgendwie weicher als sonst, wenn bei ihr die Sprachprobleme zuschlagen.

    Ich: "Naja, es ist einfach viel zu viel los von dem ich viel zu wenig wirklich verstehe. Es passiert was und noch bevor ich verstanden habe, was da eigentlich passiert ist, passiert schon das nächste und ich hab einfach das Gefühl, dass sich da nach und nach so einen Turm aufbaut, der mit irgendwann einfach auf den Kopf fällt."

    Um meine Worte zu unterstreichen, stupse ich den Eisturm auf dem Tisch an, welcher so gleich in ihre Richtung kippt aber von ihr noch mit der Waffen aufgehalten wird.

    Eileen: "Sorry, Walnuss ist zu lecker, ich hab da wohl unseren Turm auf meiner Seite etwas unterminiert."

    Sie grinst etwas, jedoch nicht so künstlich wie sonst, sondern ziemlich natürlich aber nur um danach sofort wieder in ihren üblichen Erklärmodus zu verfallen und zu sagen:

    "Das ist aber normal .."

    Sie stockt im Satz, wechselt auf ihren weicheren, langsameren Ton und widerholt noch mal:

    "Das ist normal, dein Problem ist einfach, dass du ständig draußen bist, wo dich jeder jederzeit mit seinem .. oder eher ihrem .. Blödsinn belästigen kann. Was denkst du, warum man .. zum Beispiel .. ähm .. Katrin so selten sieht?"

    Ich: "Weil .. ähm .. "

    Eileen: "Richtig, weil sie ihre Ruhe braucht und sich die meiste Zeit in ihrem Zimmer verkriecht. Wenn du das auch ab und zu brauchst, geh einfach zu Mario und besprech das, im Camp gibt es genug Ruheecken."

    Ich: "Hm .. kommt das nicht irgendwie komisch."

    Eileen: "Ne warum?"

    Von ihr hatte ich eigentlich als erste erwartet, dass sie sich über mich lustig macht, wenn ich sage, dass mir der Camp mittlerweile viel zu trubelig geworden ist. Aber sie reißt mich schon wieder aus meinen Gedanken und erklärt:

    "Aber am Morgen ist ja eh Wochenende, da kannst du dich ausruhen."

    Ich: "Ja endlich wieder zu Hause."

    Eileen: "Das würde ich lassen."

    Ich: "Was?"

    Eileen: "Ja in die Wochenendebelastung gehen. Das heißt ja nicht aus Spaß so. Du musst erst mit deiner Familie verhandeln, dann kofferpacken, dann nach Hause fahren, dann Koffer wieder auspacken, dann kannst du nur eine Nacht schlafen, dann will deine Familie sicher alles wissen was passiert ist, dabei musst du dann aufpassen was du alles erzählst und was nicht, dann musst du den Koffer noch mal umpacken, dann wieder hier in fahren und so weiter."

    Ich: "Also mit meiner Familie müsste ich eher verhandeln, wenn ich übers Wochenende hier bleiben wollte."

    Eileen: "Dann tu das! Außerdem setzt du dich doch eh vor den Computer, sobald zu zu Hause bist und spielst die Nacht durch."

    Ok, da dürfte sie recht haben. Sie lehnt sich zurück und erklärt weiter:

    "Die Alternative ist, du bliebst im Camp. Am Wochenende ist keine Schule, Morgenspaziergang und Sport sind optional. Fast alle sind bei ihren Familien, das Camp ist also komplett leer .. du kannst zwei Tage lang einfach im Gras liegen und Nichts tun."

    Irgendwo hat sie ja recht, aber meiner Familie das schmackhaft zu machen wird schwer .. extrem schwer.

    Ich: "Wer ist denn alles noch übers Wochenende da?"

    Eileen: "Die, die Probleme mit ihrer Familie haben also Merle, Katrin, Anny und Ich natürlich. Außerdem die in Langzeit Therapie, also Jacky aber von der sieht und hört man ja nichts und die mit Gerichtsbeschluss also Manuel."

    Ich überlege und ein ruhiges Wochenende im Camp zusammen mit Katrin, hört sich doch recht verlockend an.

    Eileen: "Und Leute, welche die Verhandlungen mit ihren Eltern versaubeuteln. Nächste Etage?"

    Ich: "Etage?"

    Eileen: "Ja, du hattes doch so Sachen, die du nicht verstehst, ich kann dir sicher dabei helfen."

    Sagt sie wohl in der Vorfreude mal wieder was erklären zu dürfen und leckt dabei genüsslich ihren grünen Plastiklöffel ab.

    Ich: "Warum genau waren heute morgen alle Mädchen, in einem .. ähm .. anderen .."

    Ich will es nicht aussprechen aber sie nimmt mir schon die Worte aus dem Mund:

    ".. so schlonzig angezogen? Naja .. hm .. sagen wir mal so .."

    Sie fasst sich etwas verlegen an den Nacken und fährt dann fort:

    ".. ich bin mit Peter und Mario übereingekommen, dass das mit dem hübsch machen und der Modenschau etwas außer Kontrolle geraten ist, also hab ich mich bereit erklärt, eine Reihe von kleinen Einzelgesprächen zu führen und dabei jeder ihren ganz persönlichen Grund gegeben, sich wieder normal zu verhalten."

    Ich: "Normal?"

    Eileen: "Ja Normal! Denn es ist nicht normal im Camp geschminkt rumzulaufen."

    Ich: "Warum war denn dann .."

    Eileen: ".. die ganze Zeit anders? Nun, meist gibt es einen Anlass und dann schaukelt sich das hoch, das war kurz bevor du kamst Bezy die sich für Marco hübsch gemacht hat und dann wollte Anny wohl mithalten und dann kommt es sofort zu nem Wettrüsten .. der kalte Krieg sagt dir was oder?"

    Ich nicke, sie erklärt weiter:

    ".. und dann kamst halt du .. mit deinem Modeverständnis."

    Sie hängt den zweiten Teil des Satzes so an, als ob es keinen anderen Grund gäbe, dass Mädchen sich für mich hübsch machen.

    Eileen: "Nächstes Stockwerk?"

    Ich: "Ja das mit den Zigaretten."

    Eileen: "Ach so ja. Das funktioniert so, dass man ab 16 im Camp rauchen darf aber nur nach dem Essen auf dem Balkon. Man kann auch auf dem Weg zur Schule oder im Ausgang rauchen."

    Ich: "Ja das weiß ich."

    Eileen: "Kleiner Spaß, was du meist ist dass ich Zigaretten verkaufe. Ja das ist soweit richtig .."

    Sie sagt das leicht verlegen und erklärt leise weiter:

    "Ich verkauf denen die Zigaretten, welche mir meine Eltern geben, weil 'Sie' wohl geraucht hat."

    Ich: "Und was machst du mit dem Geld?"

    Sie stupst eine der Taschen unter dem Tisch an. Unter der Hand Zigaretten verkaufen, um sich davon Kartoffel und Möhren zu kaufen, ich muss kurz lachen.

    Eileen: "Alternativ kann man damit auch Leute bestechen."

    Ich: "Thug Life."

    Eilee: "Ähm .."

    Ich: "Kleiner Spaß. Was hat es genau mit diesen silbernen Kugeln im Camp auf sich?"

    Eileen: "Ha .. a .. ah. Nicht so schnell, einige Geheimnisse des Camps musst du schon selber lösen. Das wäre fies, wenn ich dir das einfach verrate und die anderen selber drauf kommen müssen. Aber du bist ja ein schlauer Junge, das bekommst du auch so raus .. gibt übrigens ne Überraschung für alle die das rausbekommen."

    Sagt sie in einem leicht gehässigen sarkastischen Ton, welcher so gar nicht in die Situation passt, in der wir gerade zusammen Eis essen.

    Ich: "Dann ähm .. was war das mit der Umkleide."

    Eileen: "Ach die Schlampen. Ja mit denen habe ich heute morgen noch geredet .."

    Sie leckt ihren Löffel ab und macht dabei eine lange bedeutungsvolle Pause, also würde sie überlegen, wie genau sie etwas formulieren soll.

    Eileen: "Das war wohl einfach so, dass die mit dem schiefen Bikini bei dir einfach mal antesten wollte, wie du dich so verhältst. Die wollte nichts böses oder so .. die ist einen bisschen wie Bezy nur merkt man das bei der nicht auf den ersten Blick."

    Ich: "Das weißt .."

    Eileen: ".. je nachdem was du getan hättest .. hm"

    So gibt der Satz zwar eigentlich nicht weiter aber was solls, sie erklärt unter dessen weiter:

    "Genau kann ich dir das natürlich nicht sagen, klang aber so. Übrigens .."

    Sie wedelt mit ihrem grünen Löffel in der Luft herum, sieht zur Seite und sagt:

    ".. sie wollte sich noch mal persönlich bei dir entschuldigen. Wenn du verstehst was sie damit meint."

    Sie sieht mich wieder an und zwinkert mir mit einem Auge zu.

    [o]Sag ihr, das wir uns dafür treffen

    [x]Sag ihr, das ist schon ok.

    Ich: "Och, das geht schon ok .. ich seh sie ja bei Englisch. Und was war mit der anderen."

    Eileen: "Hm, das hörte sich eher so an, als würde sie das in Ruhe besprechen wollen. Die andere? .. Ähm .. Ach .. Ach die Unten ohne?"

    Ich finde es ja schon doof von mir, dass ich die beiden Mädchen in meinen Gedanken immer 'blondes'- und 'Schaal'Mädchen nennen aber sie ..

    Eileen: "Die ist einfach bekloppt. Die geht auch ohne Grund regelmäßig hoch und brüllt rum .. du hast dich wahrscheinlich einfach zu stark gewehrt."

    Ich: "Gewehrt?"

    Eileen: "Keine Ahnung wie da richtiges Verhalten aussieht aber wenn du einfach mitgespielt hättest dann .. naja .. aber du kannst ja immer noch die Entschuldigung von unserer Knotenkönigin unter vier Augen entgegen nehmen .. ich kann dir dann auch ihren BH mitgeben."

    Mittlerweile wird es selbst mir klar, was sie hier impliziert also entweder sie hat wirklich recht und die Blonde will wirklich was von mir oder sie versucht mich hier irgendwie zu testen. Da ich es aber komplett unpassend finde, mit einem Mädchen ein Eis zu essen, um dann zu sagen, dass man lieber ein anderen Mädchen treffen würde, kommt mir so unpassend vor, dass ich sie besser abwürge, bevor mir der Gedanke zu Kopf steigt.

    Aber obwohl das blonde Mädchen war ja schon hübsch vor allem im Bikini, wo ihr Nippel .. Nein .. schnell an was anderen denken .. Katrin am Wochenende im Camp .. ne nicht stark genug .. Stück Holz .. verdammt auch nicht .. Eileen vor mir .. oh Mist ich starre sie viel zu lange an, ohne was zu sagen.

    Ich: "Bikini .. das war kein HB. Ne, ich las das lieber ich versteh solche Mädchen nicht."

    Eileen, lässt sich in ihren Stuhl zurück sinken und sagt:

    "Dir ist wohl echt nicht zu helfen oder? .. glaub mir, eines Tages ärgerst du dich noch, dass du so ne Chance nicht genutzt hast, nur weil du in sowas wie mich verliebst warst."

    Sie zuckt mit den Schultern und stochert wieder im Eis rum, welches sich nur langsam leert.

    Ich: "Warum machen die das überhaupt mit mir?"

    Eileen: "Frage, mit wem sonst und Antwort, weil denen entweder langweilig ist oder die damit versuchen sich von ihren Problemen abzulenken. Oder gesteigertes Libido?"

    Ich: "Libido?"

    Frage ich, weil es mich wundert, dass sie so ein altmodisches Wort dafür benutzt aber sie antwortet auch schon, allerdings mit einem ganzen Löffel Eis im Mund.

    Eileen: "Gesteigertes Libido ist eine Nebenwirkung einiger Medikamente. .. meist irgendwas in Richtung Schlafmittel."

    46
    Knöchel ( Tag 10 Freitag Nachmittag )

    Ich: "Also sind die Mädchen im Camp so .. ähm .."

    Eileen: ".. Notgeil, wegen Medikamenten? Ja .. kann man so sagen."

    Verwirrt sehe ich sie an, als mir einfällt dass ich selber mal vor einiger Zeit ein Medikament von meiner Ärztin bekommen habe, wo genau das drinstand und versuche mich zu erinnern, ob ich da wirklich auch wuschiger war als sonst.

    Eileen: "Natürlich nicht alle aber einige und auch nicht nur aber die Mischung machts halt. Hey was denkst du?"

    Ich: "Ich hab selber mal was bekommen, wo das auch im Beipackzettel stand."

    Eileen: "Und?"

    Ich: "Kann mich nicht so gut erinnern."

    Eileen: "Langweilig .. Wenn man doch schon mal sein Fehlverhalten auf Medikamente schieben kann, dann sollte man das auch ausnutzen."

    Ich: "Ich würde eher gerne wissen, wie ich mich vor dem Fehlverhalten andere schützen kann."

    Eileen: "Tija, wie man Mädchen halt so abschreckt. Zieh dich eben kacke an .. zum Beispiel mit Schuhen mit Klettverschluss."

    Sie sieht unter den Tisch und korrigiert sich dann leise und nachdenklich:

    "Au, du trägst ja Schuhe mit Klettverschluss. Bei dir ist das eh komisch, auf der einen Seite bist du korrekt auf der anderen dann wieder einen kompletter Bastard."

    Sie reibst sich nachdenklich über die Unterlippe und sagt dann:

    "Du solltest das dringen vereinheitlichen, in die ein oder andere Richtung ist egal."

    Sagt sie in einem wenig ernsten Ton und steckt sich einen großen Batzen Eis in den Mund.

    Ich: "Vereinheitlichen? Gibt es da ein Institut für Bastardnormung in der Schweiz oder so?"

    In dem Moment verschluckt sie sich, hält sich die Hand vor Mund und Nase und kämpf erstmal um Luft.

    Ich: "Alles ok?"

    Sie nickt und sagt dann nach einer Weile:

    "Ha .. Witzig."

    Und scheint wieder normal klar zu kommen.

    Ich: "Ach genau, wegen deinem Tabletten .."

    Ich deute auf den halb leeren Blister auf dem Tisch und wollte mich nach ihrem Tabletten Ich erkundigen aber die schneidend mir den Satz ab und antwortet trocken:

    "Kommen leider ohne gesteigerte Libido aus."

    Ich: "So meinte ich .."

    Eileen: "Kleiner Spaß, fühl dich doch nicht immer sofort angegriffen. Ja, was soll damit sein, ne menge harter Kram, von dem ich von der Hälfte selber nicht weiß, was das ist."

    Ich: "Nein, ich meine dein Tabletten Ich."

    Eileen: "Es gibt ein Tabletten Ich?"

    Ich: "Wenn du die nimmst wirst du immer so albern und .."

    Eileen: ".. locker ich weiß. Aber das bin auch ich, nur in albern. Apropos albern, hast du was dagegen, dass ich den Rest von dem Eis komplett zermatsche, wenn das .."

    Ich: ".. halb geschmolzen ist, schmeckt das so besser, ja, dass mach ich auch immer."

    Sie sieht mich kurz mit ihren großen braunen Augen an und fängt dann an mit ihrem Löffel im Rest zum zu pantschen. Da sie endlich mal eine Weile nichts sagt, habe ich Zeit zu realisieren, dass dies hier wohl mein erstes gemeinsames Eisessen mit einem Mädchen ist, wenn man mal von einem komplett gestellten Eisessen absieht, welches ich mal mit einem Mädchen aus der Grundschule hatte, welche mir gegen Ende ihr ekelhaftes 'Blauer Engel' in meinen Eisbecher gekippt hat.

    Wenn man das ganze aus der amerikanischen Perspektive betrachtet sogar mein erstes Date.

    Eileen: "Was ist denn jetzt mit den Tabletten?"

    Ich: "Wie?"

    Eileen: "Ja du wolltest doch irgendwas wissen."

    Ich: "Ja dein Tabletten Ich, das scheint mich zu mögen."

    Eileen: "Mein Tabletten Ich, das nicht existiert, mag alles. Und? Übrigens möchtest du den letzten Löffel?"

    Sie hält mir den letzten Bissen Eis auf ihrem Löffel hin.

    Ich: "Ne Danke, kannst du haben .. Also ich hab so das Gefühl, dass dein .. ähm du dann Sachen machst .. ähm also .. machen könntest, die dir um Nachhinein nicht so gefallen .."

    Eileen: "Ach das .. joar .. hm. Da .. das ist ganz einfach .."

    Sie kratzt sich erst verlegen am Nacken, stützt sich dann aber auf den Tisch ab und beugt sich zu mir vor.

    [o]Bleiben wo ich bin

    [x]Nach hinten ausweichen

    Etwas erschrocken weiche ich nach hinten weg, wo rauf sich gerade mal kurz unsere Nasenspitzen berühren.

    Eileen: "Sag einfach: 'Aus! Böse!' und hau mir mit was Weichem auf den Kopf."

    Verwundert sehe ich sie an, wie sie sich wieder auf ihren Sitz zurück fallen lässt.

    Eileen: "Macht Katrin auch immer so, von mir aus, darfst du das jetzt auch."

    Aus Gewohnheit fange ich an, noch den letzten Rest Eis aus dem Becher zu kratzen.

    Eileen: "Wenn du doch den letzten Löffel hättest haben wollen, hättest du was sagen müssen."

    Ich: "Au .. ja .. schon ok. Ich kratze immer noch den Rest aus, ist einfach zu schade. Aber müssen wir nicht langsam mal los?"

    Eileen: "Du schon ich nicht."

    Sie lehnt sich zurück, grinst kurz packt dann aber ihre Taschen zusammen und sagt:

    "Kleiner Spaß, als würde du hier ohne mich wieder raus finden."

    Ich sehe mich um und merke nicht nur, dass die Flohmarktstände, an denen ich mich orientiert hätte, langsam abgebaut werden, sondern auch, dass gefühlt alle zwei Häuser einen Gasse vom Zentrum weg führt.

    Eileen: "Der große Nachteil von Mittelalterstädten .."

    Ich: ".. man findet leicht das Zentrum aber nicht so leicht wieder heraus."

    Eileen: "Las mich raten, du hast auf dem Weg hierher auch Hardy gefragt."

    Ich nickt, während sie sich mit ihren Taschen so bepackt, dass es einiger maßen bequem zu sein scheint und sie sogar noch eine Hand frei hat, mit welche sie prompt die Richtung angibt. Still gehe ich ihn nach zu einer Gasse, die mir aber gar nicht bekommt vor kommt.

    Als wir in immer engere und auch etwas dunkler werdende Gassen einbiegen muss sie mein Zögern bemerktet haben und sagt nur platt nach hinten:

    "Abkürzung."

    Ich nicke und folge ihr durch die engen Gassen welche von Efeu bewachsenen Steinwänden und Fachwerffassaden mit grünen Schlagläden gesäumt werden.

    Nach einer Weile kommen wir aus der Stadt heraus auf eine Landstraße, welche einen kleinen Hügel hinauf führt.

    Die Straße wirkt einsam und hat auch keinen richtigen Bürgersteig, allein eine Riehe von rotweißen Poldern trennt die Fahrbahn vom Fußgänger weg, welche gerade einmal breit genug ist, dass zwei Personen neben einander gehen können, was sie auch direkt tut.

    Da die Sonne schon etwas tiefer steht werfen die Polder lange Schatten auf die Straße. Recht und links neben uns liegen weite Wiesen und am Wegesrand wächst hohes goldenes Gras, wahrscheinlich irgend ein wildes Getreide. Irgendwie habe ich wieder Lust einen Halm zu pflücken aber damit würde ich mich wahrscheinlich vor ihr nur lächerlich machen.

    Es ist so still, dass man fast nur den Wind hören kann aber ich meine auch schon die ein oder andere Grille zu hören. Endlich wieder Ruhe, das scheint im Kern auch der Grundzustand dieser Gegend hier zu sein.

    Als etwas meine Hand berührt, ziehe ich sie aus Gewohnheit einfach weg und sage kurz:

    "Au, schuldigung."

    Eileen: "Hm?"

    Ich: "Ach, nichts. Bin irgendwie an deine Hand gekommen."

    Eileen: "Ach .. ähm .. macht nichts."

    Als wir an einem kleinen Stück Wald vor bei kommen, fange ich schon mal langsam an zu überlegen, wie ich meiner Familie am besten verständlich machen kann, dass ich gerne im Camp bleiben würde. Als ein Auto an und vorbei kommt, macht sie einen Schritt nach innen, worauf sich wieder unsere Hände kurz berühren.

    Ich: "Schon ok."

    Ich mache ebenfalls einen Schritt weg von der Fahrbahn, wodurch mein Hosenbein bei jedem Schritt das Gras am Wegesrand streift. Hätte ich keine lange Hose an, würde das sicher kitzeln denke ich mir und muss kurz schmunzeln.

    Als das Auto weg ist, nehmen wir wieder unsere alten Positionen ein und gehen weiter wortlos neben einander her. Nach einer Weile kann ich es doch nicht lassen und fahre im Gegen mit meiner Hand durch das Gras.

    Es kitzelt wirklich, um kurz ihre Reaktion zu überprüfen, sehe ich kurz zu ihr aber da sie wegguckt mache ich mir nichts weiter drauß. Ich überlege, ob von ihr wohl auch das typische 'las das', 'das ist albern' oder 'das ist ekelig' kommen würde, was ich von anderen Mädchen immer höre.

    Auf einmal fühle ich ein Kitzeln auf meinem Handrücken. Dämliche Mücke, ich ziehe meine Hand hoch und schlage mit der anderen darauf. Als ich nachsehe, habe ich leider keine Mücke erwischt.

    Minimal enttäuscht strecke ich meine Arme in die Höhe und gähne, diese Landluft scheint müde zu machen. Ich sehe auf die Uhr an meinem ausgestreckten Arm, bemerke dass ich gar keine trage und lasse die Arme wieder sinken, natürlich so, dass ich auf keinen Fall Eileen neben mir treffe.

    Nach eine Weile stoße ich versehentlich gegen ihre Hand.

    Ich: "Schuldigung."

    Muss mir ständig so was dummes passieren, besser ich nehme meine Hand hoch und verschränke die Arme, bevor sie noch sauer wird. Zu meiner Verwunderung sagt sie diesmal gar nicht. Ich sehe zu ihr rüber und werde sofort angeschnaubt:

    "Dann behalt doch deine scheiß Hand."

    Ich: "Was?"

    Sie verschränkt ebenfalls die Arme, tritt einen kleinen Stein von der Straße und schnauft wütend.

    Ich: "Was ist den los?"

    Eileen: "Ich will deine Hand nehmen und du zieht die einfach weg."

    Sagt sie laut aber ohne den üblichen aggressiven Unterton.

    Ich: "Ähm .. was willst du denn mit meiner Hand?"

    Eileen: "Na was wohl .. ich wollt rein beißen."

    Sagt sie in einem genervten sarkastischen ton.

    [o]Ihr meine Hand geben

    [o]Hand wieder runter nehmen

    [x]Hand oben behalten

    Mir ist klar, dass die das ironisch meint aber das Bild wie ich ihr meine Hand gebe worauf sie einfach stupf in meine Hand beißt lässt mich wohl erstmal nicht mehr los. Zur Sicherheit beschließe ich meine Hand aber erstmal in meinen verschränkten Armen zu lassen.

    47
    Umsonst ( Tag 10 Freitag Nachmittag )

    Eine Weile gehen wir so weiter stumm neben einander her, obwohl jetzt neben dem Wind und vereinzelten Grillen auch noch ihr Atem zu hören ist. Nach einiger Zeit nimmt sie selber die Arme wieder runter und macht auch von der Körperhaltung einen etwas weniger angespannten Eindruck.

    Weil mir die Arme langsam einschlafen, nehmen ich sie kurze Zeit drauf selber wieder runter, halte aber so viel Abstand zu ihr, wie es mir gerade noch nicht unhöflich erscheint.

    Allgemein etwas ratlos sehe ich zu unsere linken, wie die Stadt hinter der großen Wiese erscheint, unbemerkt müssen wir wohl das ein oder andere mal einen leichten Schlenker gemacht haben, ich sehe hinüber von oben in die Stadt hinein. Friedlich liegt es da das doch recht übersichtliche Dorf, naja übersichtlich, wenn man nicht gerade in einer der kleinen Gassen steht.

    Als ich noch überlege, schnappt etwas nach meinen Fingern. Ich versuch zwar erst wieder instinktiv weg zu ziehen aber da meine Finger von etwas hartem festgehalten werden, lasse ich es einfach. Als ich an meinem Arm herunter blicke, sehe ich, dass sie meinen Mittel- und Ringfinger mit ihren Mittelknochen festhält, so dass unsere Handrücken einander zugewandt sind.

    Verwirrt sehe ich zu ihr. Jedoch macht sie keine Anstalten einen Reaktion zu zeigen und guckt einfach gerade aus.

    Unschlüssig was ich machen soll, lasse ich sie einfach meine Finger festhalten. Was solls sie tut mir damit ja nicht weh, obwohl sie es sicher könnte, wenn sie wollte und um sie gar nicht erst auf dumme Ideen zu bringen lasse ich sie einfach machen.

    Nach einiger Zeit auf der Landstraße, welche auch immer mal wieder von einem Baum besäumt wird, von denen einer so schräg Richtung Straße wächst, dass wir ihm ausweichen müssen, lässt sie plötzlich meine Hand los, als es einen recht steilen Hügel hinaus geht. Als ich mich noch frage warum, taucht vor uns auch schon plötzlich das Krankenhaus auf.

    Es ist die Seite mit der Brücke und der großen Glasfront, welche allerdings einen anderen Stiel hat als die Glasfront des Resorts weiter unten. Weiter wortlos gehen wir über die Brücke, durch den zu dieser Zeit recht belebten Eingangsbereich, betreten zusammen mit einigen Patienten und einem Arzt einen der riesigen Aufzüge, fahren ins Erdgeschoss und verlassen das Krankenhaus in Richtung Camp.

    Vor der Schleuse angekommen, drückt sie kurz die Klingen und stemmt sich dann mit ihrer ganzen Kraft gegen die schwere Eisentüre, als hätte sie das schon einhundert mal getan. Nur dieses mal öffnet sich die Türe nicht wie sonst üblich.

    Eileen: "Was zum?"

    Ich: "Alles ok?"

    Eileen: "Ja, die Türe geht nur nicht auf."

    Ich: "Ist das normal."

    Eileen: "Ja aber das heißt, wir sind geschlossen?"

    Ich: "Du meinst die Türe ist geschlossen?"

    Eileen: "Ne, wir sind geschlossen. Rein rechtlich sind wir jetzt eine geschlossene Kinder- und Jugendpsychiatrie."

    Ich: "Und jetzt?"

    Eileen: "Warten?"

    Sie zuckt mit den Schultern, lehnt sich an die Wand und fährt fort:

    "Naja, so müssen wir zumindest nicht erklären, warum wir beide gleichzeitig angekommen sind."

    Ich: "Dürften wir das nicht."

    Eileen: "Keine Ahnung wie der genaue Wortlaut deiner Aufgabe war aber wenn du das alleine machen solltest, dass las dir dein Heft von Peter abzeichnen und ich meins von Mario."

    Ich: "Und was bringt das?"

    Eileen: "Die beiden benutzen immer ihre Armband und Peters geht 5 Minuten vor."

    Ich: "Also doch besser nicht sagen, dass wir fast die ganze Zeit zusammen waren .. also zusammen unterwegs."

    Eileen: "Das müsste denen eigentlich egal sein .. aber das wir zusammen 'ein' Eis gegessen haben, musst du denen jetzt nicht unbedingt erzählen. Außerdem war war ich die meisten Zeit shoppen, keine Ahnung was du die zeit über gemacht hast."

    Ich: "Ich hab Suzy rüber ins 'Spiegelcamp' gebracht."

    Eileen: "Spiegelcamp?"

    Sie zieht eine Augenbraue hoch und ich versuche zu erklären:

    "Da drüber, wenn man den Weg weiter geht, kommt man in ein Camp .."

    Eileen: ".. das wie unseres ist? Ich weiß was du meist. Ich fand nur den Namen 'Spiegelcamp' .. interessant."

    Ich: "Wie heißt das denn richtig?"

    Katrin: "Camp 0 oder nach der Klinikzählung Station 0 Ost, also offene Psychiatriestation für Jugendliche und junge Erwachsene Nummer 0 Ostseite."

    Katrin ist mal wieder ohne Vorwarnung plötzlich aufgetaucht.

    Ich: "Hi, die haben da einen Aquarium mitten in ihrem Bunker stehen."

    Eileen: "Deswegen nennen wir die ja auch Aquarien."

    Katrin: "Wir? Du."

    Eileen: "Ich und Tanja."

    Ich: "Und wie heißen wir?"

    Eileen: "Camp 00 oder Station 00 West."

    Katrin: "Na'aa .. das 'west' in inoffiziell, das steht auf keinem offiziellen Dokument drauf."

    Sie stellt sich auf ihren Zehenspitzen und tippt sich dabei auf die staubige Nase. Überhaupt ist sie beinahe komplett mit weißen Staubt bedeckt, welcher auf ihren üblichen schwarzen Klamotten noch deutlicher zu sehen ist. Wahrscheinlich kommt sie gerade von Steinmetzkunst.

    Eileen: "Ich bekomm ja meine offiziellen Dokumente nicht in die Finger."

    Katrin: "Auch nicht als Campassistenz?"

    Fragt sie mit einem ironischen Unterton und erklärt dann:

    "Das 'west' fügen die immer an, weil die von der Krankenhausverwaltung immer sie Stationen abkürzen also zum Beispiel S4W und aus den Spinnern werden eben S0O und aus uns S00 und da das 'O' so scher von einer Null zu unterscheiden ist bekommen wir eben das 'W' für West. Obwohl wir ja eigentlich eher im Nord-Westen liegen, damit der Bunker besser an die Steinband passt und die ist ja nicht ganz gerade."

    Mit einem lauten knarren wird hinter uns die Schleuse geöffnet.

    Peter: "Entschuldigt bitte, ging nicht früher .."

    Katrin: "Alles ok. Ist das West bei uns eigentlich offiziell?"

    Peter: "Ach die Geschichte. Offiziell sind wir gerade die geschlossene Kinder- und Jugend-Psychiatrie Station 101.000."

    Katrin: "Geschlossen?"

    Eileen: "Noch ne Null mehr?"

    Peter: "Nein, wartet das war früher, als es das Konzept der wahlweise geschlossenen und offenen Station noch nicht gab."

    Katrin: "Ha genau, Tanja hat mal davon erzählt. Immer wenn die Station geschlossen oder geöffnet wurde, mussten alle einen Wisch unterschreiben, dass sie in eine andere Station verlegt werden, obwohl man immer noch auf dem selben Zimmer war."

    Peter: "Das hat dir Tanja vielleicht erzählt, das hat sie aber nicht erlebt."

    Eileen: "Also Station 101.00? Und Camp Nummer."

    Peter: "Genau. Camp Nummer? Wie so sollten wir ne Camp Nummer haben, wenn wir kein Camp sind?"

    Peter lacht, als er uns auch die Tür zum Gelände öffnet.

    Eileen: "Ach stimmt ja, wir sind ja gar kein Camp. Ich bin heute aber auch irgendwie schusselig."

    Ich: "Steht das nicht überall drin also die Namen Camp und Campbewohner?"

    Peter: "Auf den internen Dokumenten."

    Katrin: "Das ist einen Wasserputzer."

    Ich: "Wasserputzer?"

    Ich kenne das Wort aber eher von meinem Zahnarzt.

    Katrin: "Woas du kennst den Wasserputzer vom Zahnarzt nicht? Das Ding womit man Löcher aus den Zähnen rausmacht?"

    Ich: "Doch schon .. also dieses kleine Ding, das so summt und mit Wasser .."

    Eileen: ".. das ist einen verficker Bohrer. Wasserputzer sagen die nur, damit kleine rothaarige Kinder keine Angst haben. Scheint ja nicht nur bei Kindern zu funktionieren."

    Peter: "Du sollt das F-Wort nicht sagen."

    Katrin: "Was rothaarig?"

    Eileen: "Wasserputzer ist ein Euphemismus, eine nette Umschreibung für etwas schlimmes. Wenn die Leute hier die ersten paar Tage nicht schnallen, dass sie in der Geschlossenen sitzen, ist die Chance halt höher, dass sie bleiben und sich helfen lassen .. und nicht gleich nach den ersten paar Minuten heulend ihre Eltern anrufen .."

    Wir betreten das Gelände.

    Katrin: "Außerdem ist das 'Camp' also das Gelände mit den Hütten optional und Teil einer andauernden besonderen Therapie zur Entspannung und zum Aufbau von- oder zur Wiedererlangung von verlorener Selbstständigkeit. Diese dauernde Therapie kann jedoch bei Bedarf eingestellt werden."

    Eileen: "Tija bei Pech pferchen die uns allesamt in den Bunker und lassen und nur zum Ausgang aufs Gelände."

    Erschreckt sehe ich sie an. Das Camp ist mir jetzt schon zu voll, was wird erst los sein, wenn man uns alle den ganzen Tag über in den Bunker sperrt? Sie gähnt:

    ".. und wenn ich mir die leere hier auf dem Gelände so ansehe, könnte man durch aus davon ausgehen."

    Jetzt sieht auch Katrin nicht mehr so gelassen aus.

    Peter: "Ist aber nicht so, gerade sind alle freiwillig im Bunker."

    Katrin: "Wieso des?"

    Peter aber zuckt nur mit den Schultern und geht in Richtung Bunker. Worauf wir ihm folgen.

    Im Bunker angekommen, kommt können wir schon ein lautes Gespräch hören welche vom Wohnzimmer zu kommen scheint. Dort sitzen alle Bewohner auf den Couchen und unterhalten sich kreuz und quer.

    Zu meiner Verwunderung tragen die meisten Mädchen wieder ihre üblichen bunten Sachen und die meisten scheinen auch geschminkt zu sein. Auf der Suche nach anderen Änderung suche ich Sofa für Sofa mit den Augen ab und bleibe erst ganz hinten an einer mir nicht bekannten Person hängen.

    Ganz auf dem hintersten beigen Sofa unter dem Fenster sitzt ein breit gebauter blonder Junge mit kurzen Haaren. Als er mich erblickt erhebt er sich sofort, und streckt seine Hand aus, worauf ich auf ihn zugehe, er mich aber als erster begrüßt:

    "Tommy, alles klar?"

    Ich: "Daniel, ja soweit alles ok."

    Ich gebe ihm über die Entfernung die Hand worauf er fester zudrückt, als ich es erwartet hatte. Ich lasse mir allerdings nichts anmerken. Kurz drauf werde ich zur Seite geschoben.

    Eileen: "Eileen .. sehr erfreut. Entschuldige, meine rechte Hand habe ich eben angeschnoddert."

    Sie gibt ihm die linke Hand, worauf er auch seine Like gibt und sie sichtlich viel zu stark zudrückt. Er lässt sich jedoch nichts anmerken und gibt danach Katrin die rechte Hand, welche sich kurz vorstellt. Bei Mädchen schneit er allgemein nicht fest zuzudrücken, eigentlich auch verständlich.

    Eileen dreht sich zu Peter um, welcher wahrscheinlich Tommys frisches Logbuch ausfüllt und fragt:

    "Gelände ist nach wie vor offen oder?"

    Anny steht plötzlich auf und sieht mit einem panischen Blick zu Peter, welche aber nur locker sagt:

    "Sicher, lasst aber eure Lockbücher hier, ich muss euch noch wieder eintragen."

    Wir nicken und geben ihm unsere Lockbücher.

    Ich: "Was jetzt?"

    Frage ich als ich hinter Eileen und Katrin in Richtung Gelände trotte.

    Eileen: "Was wohl? Mathe."

    Hätte ich doch bloß nicht gefragt.

    48
    Kohl Inspektion ( Tag 10 Freitag Nachmittag )

    Mario: "Wo wollt ihr denn hin?"

    Als wir gerade den Bunker verlassen kommt uns Mario entgegen.

    Eileen: "Uns ne Bank suchen und dort in Ruhe Hausaufgaben machen."

    Mario: "Das könnt ihr später auch noch machen, kommt erstmal wieder mit rein."

    Wir zucken alle fast zeitgleich mit den Schultern und folgen ihm dann zurück in den Bunker wo er auf Höhe des Wohnzimmers stehen bleibt und uns prüfend ansieht.

    Mario: "Ihr wart im Dorf oder?"

    Katrin: "Die beiden ich nicht."

    Mario: "Ihr habt doch nicht etwa vergessen, dass man nach einem Ausflug ins Dorf sich zur Durchsuchung anmelden muss."

    Wenn ich ehrlich bin, meine ich sowas in der Richtung in den Regel gelesen zu haben.

    Eileen: "Ja schon .. aber ich dachte, als Aufsichtsassistenz .."

    Sie gestikuliert ein wenig aus schweifend und steck mit dabei irgend etwas in meine rechte Hosentasche.

    Mario: "Keine Ausnahmen, was hast du dabei und hast du für alles Quittungen?"

    Er deutet auf die Taschen unter ihrem Arm.

    Eileen: "Das .. ähm .. das müssen die anderen nicht unbedingt wissen. Aber ich hab für fast alles Belege."

    Sie korst kurz in der Tasche ihrer etwas zu großen Jeans, zieht einen packen Zettel heraus und gibt diese Mario zusammen mit den Taschen. Fügt aber noch hinzu:

    "Für den Kohlkopf habe ich leider keine Quittung, den hab ich geschenkt bekommen. Die Bäuerin auf dem Markt hat mich schon komisch genug angeguckt, weil ich überhaupt ne Quittung haben wollte."

    Mit einem Grinsen fügt sie hinzu:

    "Ich bin allerdings auch nicht traurig, falls der hier ins Campeigentum übergeht."

    Ich muss kurz lachen und Mario seufzt:

    "Gut, ich werde das hier überprüfen. Hast du noch was."

    Er guckt zu mir und Eileen stupst mich in den Hintern, wo sie den Zettel in meine Hosentasche gesteckt hat.

    [o]Sie ignorieren

    [x]Mario den Zettel einfach geben

    Ich habe zwar kleine Idee, was sie schon wieder vorhat aber so schlimm kann es ja nicht sein. Also hohle ich den Zettel hervor und gebe ich Mario.

    Mario: "Ah .. ein Eis mit zwei Kugeln und Waffel. Du hast deine Aufgabe also erfüllt, super. Setzt euch einfach so lange ins Wohnzimmer bis wir fertig sind, ok?"

    Es war wohl einfach ein Kassenbeleg. Wir nicken und setzten uns zu den anderen auf die letzten verbleibenden Plätze.

    Anny: "Warum müssen wir hier warten?"

    Fragt sie als hätte sie nur auf uns gewartet.

    Katrin: "Weiß nicht also Mario durchsucht erstmal deren Einkauf .."

    Sie deutet auf mich und Eileen.

    Katrin: "Und Peter kontrolliert wahrscheinlich gerade den Zaun."

    Emily: "Den Zaun? Warum."

    Eileen: "Der Zaun muss dicht sein, wenn wir im geschlossenen Status aufs Gelände dürfen."

    Sie sieht erst Anny eine Weile an - dann kurz Jacky, als würde sie eine Reaktion erwarten. Wahrscheinlich weil die Beiden sonst immer sofort in Panik geraten, wenn auch nur der Verdacht besteht, das Camp könnte geschlossen werden.

    Wohl etwas enttäuscht verschränkt Eileen die Arme legt ihre Füße unter dem Fliesentisch ab und macht erstmal gar nicht.

    Bezy: "Ach .. wo waren wir stehen geblieben?"

    Tommy: "Ihr hattet gefragt, wo ich meine Freundin kennen gelernt habe .."

    Folgend erzählt Tommy eine Geschichte, welcher ich aber ebenfalls nicht zuhören sondern mir eher überlege, wie ich eventuell ein Gespräch mit Katrin anfangen könnte. Aber Emly reißt mich aus meinen Gedanken, als sie mich anspricht:

    "Wie viele Freundinnen hattes du eigentlich schon?"

    Ich: "Ähm ja, das hatte ich doch schon erzählt oder? Zwei Kinderarten Freundinnen und diese komische Beziehung, die man nur knapp so nennen kann."

    Bezy: "Im Zweifel immer eine Beziehung weniger aufzählen als eine zu viel."

    Anny: "Nein, andersrum."

    Merle: "Und was war mit dem Mädchen als du 12 warst?"

    Ich: "Au, das hab ich zu Kindergartenbeziehung gezählt."

    Bezzy: "Genau .. Kindergartenbeziehung heißt nicht, Beziehung im Kindergarten sondern Kindergarten Artige Beziehung also eine wo man nichts macht. Also nichts sexuelles."

    Emily: "Du hast nur mit drei Mädchen jemals was gemacht."

    Ich: "Wenn man die Internetsachen wegrechnet .."

    Anny: "Boar .. Internet zählt nicht. Da kann man jedem alles vormachen."

    Bezy: "Man kann auch Leuten in Real gut was vormachen."

    Anny: "Ja aber das ist sehr viel schwerer."

    Bezy: "Aber nicht unmöglich .. ich kenn viele die andere einfach ausnutzen."

    Salfia: "Es gibt schon miese Kerle."

    Eileen: "Das geht auch andersrum, 'Sie' kannte ihren Freund ja auch ausgenutzt bis zum Anschlag."

    Tommy: "Wer?"

    Bezy: "Sie, hat ihr Gedächtnis verloren und nennt ihr altes ich immer nur 'Sie'."

    Er nickt kurz.

    Anny: "Aber die haben sich doch geliebt oder?"

    Eileen: "Nach der mit bekannten Faktenlage gehe ich mal davon aus. Ja."

    Anny: "Ja das ist aber nicht ausnutzen."

    Eileen: "Wie würdest du das nennen, wenn man sich einfach alles bezahlen lässt?"

    Anny: "Keine Ahnung aber ausnutzen ist, wenn einer in einen verliebt ist, der andere aber nicht aber trotzdem ne Beziehung eingeht."

    Eileen: "Schon wieder so ne Spezialvokabel."

    Flüstert sie uns zu aber sagt dann lauter etwas ton- und verständnislos:

    "Ok .. aber ist das nicht normal?"

    Emily: "Das einer den anderen gar nicht liebt?"

    Eileen: "Ja."

    Anny: "Das ist gar nicht nicht-normal."

    Victoria: "Wie kommst du den da drauf?""

    Eileen: "Ganz einfach, weil man sich nicht hinsetzten kann und warten kann bis irgendeine Form von Verliebtheit genau zwei Menschen exakt so trifft. Da ist die Chance doch viel zu niedrig. Es trifft einen und der muss dann den anderen eben bitten es zu probieren und dann klappt das oder es klappt eben nicht."

    Anny: "Was? Also ich hab das oft erlebt, dass es Zwei genau gleichzeitig getroffen hat."

    Eileen: "Dann hat eben einer gelogen."

    Emily: "Das ist aber unromantisch."

    Eileen: "Ich bin ja auch antiromantisch."

    Tommy: "Was hast du gegen Romantik?"

    Eileen: "Nichts, ich entwickel nur keine romantischen Gefühle. Ist Teil meiner Störung .. en."

    Bezy: "Und was ist, wenn der andere Nein sagt."

    Eileen: "Dann wird sich beim ersten die Verliebtheit langsam einstellen und sich einen neues Ziel suchen. Wenn Zwei denn konsequent genug ist und klar und deutlich Nein sagt und nicht rumdruckst."

    Sie rutscht etwas auf dem Sofa hin und her, und stößt mich dabei versehentlich mit dem Ellenbogen. Als sie ihre Position gefunden hat sagt sie laut:

    "Dass ist nämlich die Schweinerei, den anderen mit vielen 'Vielleichts' warm zu halten und so ein loskoppeln der Verliebtheit zu verhindern."

    Bezy: "Ha .. Friendzoned."

    Eileen: "Das ist schon wieder was anderes, dass kann man ja machen."

    Bezy: ".. ehm .."

    Einige sehen sie komisch ab aber sie erklärt sich direkt:

    "Warum, dann sagt man eben 'Hey, das ist jetzt doof gelaufen, dass es dich erwischt hat aber halt einfach ne Armlänge Abstand von mir und guck mich nur an, wenn ich gerade mit dir rede.' "

    Victoria: "Das klingt aber sehr hart."

    Eileen: "Hart? Hart wäre, das Ganz vom evolutionsbiologischen Standpunkt zu betrachten. Dann sind wir nur noch Säugetiere, die solange mit körpereigenen Drogen zu gepumpt werden, bis die Viecher sich anständig vermehrt haben."

    Jetzt muss selbst Katrin schlucken und fragt anschließend:

    "Warum braucht Mario denn so lange?"

    Eileen: "Der inspiziert sicher den Kohlkopf."

    Tommy: "Kohlkopf?"

    Katrin: "Sie hat einen Weißkohl geschenkt bekommen. Nicht das sie darin Drogen ins Camp schmuggelt."

    Ich muss schmunzeln bei dem Gedanken, dass Mario gerade wirklich den Kohl Blatt für Blatt zerlegt und prüfend die einzelnen Blätter gegens Licht hält.

    Tommy: "Ich hab gesehen, wie irgendwelche Kinder einen auf dem Weg hierhin kaputtgeschlagen haben."

    Merle: "Jedes Jahr um die Zeit gibt es in der Gegend massig Kohl, die wissen gar nicht wohin damit."

    49
    AG ( Tag 10 Freitag Nachmittag )

    Bezy: "Aber mal zurück zum Thema .."

    Ich hatte es befürchtet.

    Katrin: "Haben die denn keine anderen Sorgen?"

    Flüstert sie mir zu und nimmt mir damit die Worte aus dem Mund.

    Bezy: "Würdest du hergehen und bei einem Mädchen, dass dir deine Liebe gesteht .."

    Sie steht auf und wendet sich an Tommy.

    Katrin: "Wie soll ihm den 'Seine' Liebe gestehen?"

    Sie hat den Fehler bemerkt und muss lachen. Sie hat ein leises fröhliches Lachen. Naja wie ein Mädchen mir meine Liebe gestehen kann, habe ich ja vor ein paar Tagen erlebt.

    Bezy: "Na .. also .. Würdest du hergehen und bei einem Mädchen dass dir ihre .."

    Merle: "Seine. Es ist das Mädchen."

    Anny: "Warum eigentlich?"

    Eileen: "Diminutive sind immer sächlich. Das Tischchen, das Schühchen und so weiter."

    Bezy: "Egal .."

    Sie dreht sich zu Eileen, Katrin und mir.

    Bezy: "Würdest du hergehen und bei einem Mädchen, das dir seine Liebe gesteht sagen: 'Ok, las es uns versuchen, obwohl ich dich nicht liebe'. "

    Zu meiner erschrecken wendet sie sich direkt an mich. Ich überlege schnell, was ich am besten antworte.

    [x]Ja

    [o]Nein

    Da ich nicht davon ausgehe, dass die Antwort irgendwie noch mal wichtig sein könnte. Antworte ich einfach wahrheitsgetreu, denn ich habe mir, während meiner ersten großen Verliebtheit in ein schüchternes Mädchen, wirklich mal geschworen, dass ich jedem Mädchen eine Chance geben würde, welche dies tut .. welches dies tut .. korrigiere ich mich selbst in meinen Gedanken.

    Katrin: "Jaor .. würd ich machen, warum nich. Ne?"

    Antwortet sie in einem albernen norddeutschen Akzent.

    Tommy: "Lesbisch."

    Katrin: "Nö, Bi .."

    Bezy: "Dich mein ich nich. Und dich auch nicht."

    Sie guckt zu Eileen, die aber gar nicht reagiert.

    Ich: "Ich denke schon, wenn es keinen wirklich guten Grund gibt."

    Emily: "Wie kommts?"

    Ich: "Ja als ich das erste mal richtig übel verliebt war .. hab ich mir halt geschworen, dass ich jedem Mädchen zumindest ne Chance gebe."

    Merle: "Das war das mit 13 im Religionsunterricht oder?"

    Ich: "Ne, das war kurz drauf aber mit 13"

    Merle: "Dann ist das neu erzähl!"

    Ich: "Ok, also .. am einem gewissen Zeitpunkt hatten wir in der Schule AGs und da wurden dann ganz verschiedene Klassen zusammen geworfen. Ich war in der 6 und wir wurden mit 7 und 5 Klässlern zusammen geworfen."

    Bezy: "Und du hast dir direkt ne Milf klar gemacht?"

    Ich: "Ne ich hab einfach ganz normal mitgemacht und dann mussten wir nur ganz ganz kurz was aufführen. Keine paar Minuten Schauspielleistung und ich hab mir aus irgend einem Grund gedacht 'Man hat sie das aber gut gemacht'. Ich weiß bis heute nicht warum, denn eigentlich war meine Einstellung zu dem Kram eher 'Wann ist das endlich vorbei?'. "

    Victoria: "Und?"

    Ich: "Ja als ich dann einen Tag drauf oder so schlafen gegangen bin, hab ich halt überall ihr Gesicht gesehen und musste ständig an das Mädchen denken."

    Katrin: "Überall ihr Gesicht gesehen? Klingt nach R44.1 optische Halluzination."

    Sagt sie künstlich besorgt.

    Emily: "Wie sah sie den aus und wie war sie so."

    Ich: "Total unscheinbar, zwar groß aber ziemlich schüchtern. Dunkle glatte dunkle Haare und ne Zahnspange."

    Bezzy: "Reicht. Was war dann?"

    "Ich wusste erst gar nicht wieso und konnte mir das gar nicht erklären. Als ich sie dann die Woche drauf wieder in der AG Gesehen habe, hab ich jedes mal einen Schreck bekommen, wenn ich sie gesehen habe oder wenn sie was gemacht hat."

    Bezy: "Schreck?"

    Katrin: "Kenn ich, geht weg."

    Ich: "Ja das mit dem Schreck hat sich nach einer Weile gelegt aber dann kam die Übelkeit. Jedes mal, wenn ich sie gesehen habe, ist mir schlagartig übel geworden."

    Bezy: "Das nennt man in der Fachsprache .. Schmetterlinge im Bauch."

    Ich: "Das waren aber ziemlich viele oder ziemlich große Schmetterlinge. Ich bin ihr deswegen extra aus dem Weg gegangen."

    Emily: "Wie unromantisch, hast du sie gar nicht angesprochen?"

    Merle: "Wie denn, wenn ihm davon übel wird."

    Victoria verkneift sich das Lachen.

    Ich: "Alles ok, kannst ruhig lachen, ich finde die Geschichte ja selber komisch."

    Sie lacht kurz los, fängt sich dann aber wieder und sagt:

    "Wie bei Southpark .. da muss der eine ja auch immer kotzen, wenn er versucht mit seiner Freundin zu sprechen."

    Ich: "Stimmt, jetzt wo du es sagst .. wegen Southpark wusste ich dann auch endlich, was mit mir los ist."

    Bezy: "Liebesaufklärung durch Southpark."

    Ich: "Geahnt hatte ichs ja schon, schließlich hatte ichs mir ja auch gewünscht."

    Emily: "Gewünscht?"

    Ich: "Ja, jedes Jahr wünsche ich mir halt was in der Richtung aber es geht immer schief. In diesem Jahr hatte ich mir gewünscht mich endlich mal zu verlieben, um zu wissen wie das ist."

    Eileen: "Und es hat dich so übel getroffen, dass dir jedes mal übel geworden ist? Tija, man sollte vorsichtig sein, was man sich wünscht, es könnte in Erfüllung gehen."

    Victoria: "Ist schon doof, wenn die Träume auf so fiese Art zerstört werden."

    Ich: "Träume naja, ich hatte jetzt nicht so die große Intention mit ihr zusammen zu kommen."

    Bezy: "Nicht?"

    Ich: "Nein! Ich war 13 sie 12 oder so, da hab ich doch nicht an die ernsthafte Beziehung gedacht."

    Emily: "Weiter?"

    Ich: "Ah ok .. also das ist halt eben immer schlimmer geworden und ich hab sie auch immer sofort überall entdeckt, so als hätte ich ne Superkraft sie über Meter hinweg in jedem Raum instand zu finden. Worauf mir dann jedes mal schlecht wurde."

    Emily: "Und?"

    Ich: "Ja ich hab meine Kumpels gefragt, was man dagegen tun kann."

    Eileen: "Andere 13 Jährige? Dumme Idee, ganz dumme Idee."

    Ich: "Ja, die haben sich dann über mich lustig gemacht."

    Eileen: "Was auch sonst? Die verstehen davon doch selber nichts und können mit der Information gar nicht anders umgehen."

    Victoria: "Wie gemein."

    Ich: "Naja es ging, einige der Witze waren zugegeben ganz gut. Aber das die mich immer extra noch einmal drauf aufmerksam gemacht haben, wenn sie in der Nähe war hat genervt."

    Eileen: "Ich dachte du konntest sie eh immer über Meter erspähen .."

    Ich: "Ja aber irgendwann hab ich trainiert sie zu über sehen, ich hab sogar immer beim Fernsehen weg geguckt, wenn eine bestimmte Werbung kam."

    Emily: "Werbung? Was?"

    Ich: "Es lief damals eine Eiswerbung in welcher eine Mädchen vorkam, welche ihr Ähnlich sah."

    Eileen: "Moment mal, über welchen Zeitraum reden wir gerade."

    Ich: "Ähm, so ein einhalb Jahre."

    Anny: "Haha, verliebt sein geht nicht so einfach weg, wie du sagst."

    Eileen: "Was? Das ist doch nicht normal .. ist sie dir entgegen gekommen?"

    Ich: "Nein, ich hab kaum ein Wort mit ihr gewechselt."

    Eileen: "Das ist doch nicht normal. Das muss dir doch aufgefallen sein."

    Ich: "Sicher und ich hab dann auch irgendwann mal einen älteren Kumpel gefragt und der meinte, dass ich einfach dem Mädchen meine Liebe gestehen soll und dann geht das weg."

    Bezy: "Als ob."

    Emily: "Und das hast du dann gemacht?"

    Ich: "Ja."

    Eileen: "Den Mut hattest du?"

    Ich: "Das hatte nichts mit Mut zu tun."

    Bezy: "Seit wann hat ein Liebesgeständnis nichts mit Mut zu tun?"

    Ich: "Wenn einem das Ergebnis egal ist? Naja, also mir war ja vollkommen klar, dass sie Nein sagt als warum Angst haben?"

    Emily: "Ist das nicht voll demütigend, wenn man einen Korb bekommt."

    Bezy: "Nicht wenn man einen haben will. Aber erzähl weiter."

    Ich: "Ich also mir einen Satz zurecht gefummelt, am nächsten Tag in der Pause hin. Sie saß mit Freundinnen zusammen auf einer Treppe."

    Victoria: "Ffff .. vor den Freundinnen? Du hast ja vor gar nichts Angst."

    Ich: "Ich hab mich dann einfach vor sie hingekniet."

    Salfia: "Hingekniet? Au .. wie romantisch."

    Katrin: "Kommt ja auch scheiße, wenn sie auf einer Treppe sitzt und er so von oben .."

    Ich: "Und hab dann gesagt 'Hey, ich würde gerne wissen ob du einen Freund hast, weil ich hab mich in dich verliebt.' "

    Bezy: "12 Jähre fragen ob sie einen Freund hat .. aa .. ija."

    Ich: "Sie war da schon 13."

    Eileen: "Das ist ein einhalb Jahre später. Der Satz klingt nach nem Tipp deiner älteren Freunde oder?"

    Ich nicke.

    Emily: "Und dann?"

    Ich: "Hat erschrocken den Kopf geschüttelt und sich hinter ihren Freundin versteckt."

    Eileen: "Jap klingt nach 13, den 12 Jährige hätte vor Überforderung einfach los gelacht."

    Emily: "Und du?"

    Ich: "Ja, ich bin dann wieder weg, aber in meine Kumpel gerannt, die mich für die Aktion dann über gefeiert haben."

    Emily: "Gefeiert? Fragt sie erschrocken."

    Ich: "Ja, die haben das wohl für so ne Art Scherz gehalten, haben mich in den Schwitzkasten genommen und sind wild rumgesprungen."

    Emily: "Und sie?"

    Ich: "Ist danach ne Woche nicht zur Schule gekommen, eine Freundin von ihr hat mich noch gefragt, was das sollte und dann fast nichts mehr."

    Victoria: "Und was hast du geantwortet?"

    Ich: "Der Freundin? Ja, dass ich mich halt in sie verliebt hätte und wissen wollte woran ich bin und dass ich das Nein akzeptiere."

    Katrin: "Du hast das arme Ding völlig fertig gemacht."

    Ich: "Ja, im Nachhinein tut er mich auch leid."

    Eileen: "Warum? Du hast getan was du wolltest, wenn sie das mit 13 noch nicht aushält, ist das ihre Schuld. Außerdem .. Woche Schulfrei."

    Anny: "Musst du immer so hart sein?"

    Gerade erst angespornt antwortet Eileen in einem nicht ernstgemeint aber nicht weniger bissigen Ton:

    "Meiner Meinung nach, hätte der Zahnspangen Moppel mal besser ja gesagt, was besseres als das hier bekommt der in seinem Leben nicht mehr."

    Anny: "Woher willst du wissen, dass sie dick war?"

    Eileen: "Weil er die anderen beiden Weiber als dünn beschrieben hat, hier hat ers nicht getan und da er höflich ist und das hier fehlt .."

    Ich: "Sie war lediglich ein wenig breiter."

    Eileen: "Sag ich doch. Die wird sich entweder ihr Leben lang ärgern oder sich einreden dass das ein Streich von dir und deinen Kumpels war."

    Peter: "So Campgelände ist für alle mit Ausgangstufe A und höher freigegeben."

    Eileen: "Endlich, hol deine Sachen."

    Sie stupst mich an und verschwindet in Richtung Ausgang.

    Tommy: "Alter, was hat die denn?"

    Fragt er, als sie außer Hörweite ist.

    50
    Ellenbogen ( Tag 10 Freitag Nachmittag )

    Ich zucke nur mit den Schulter und lasse Tommy und die anderen zurück, als ich mich an den Stühlen vorbei quetsche, die mal wieder niemand rangeschoben hat.

    In meinem Zimmer angekommen greife ich mir die alte Basttasche, dessen untere Ecke mittlerweile so derart ausgefranst ist, dass ich Angst habe zumindest meinen losen Zirkelkasten zu verlieren. Aber als ich nachsehe, ist dieser verschwunden, etwas verwundert verlasse ich mein Zimmer und denke mir:

    Hat mich der Dieb jetzt auch schon bestohlen? Was war das? Ring, Kette, Uhr .. und Zirkelkasten? Wer klaut neben einem Ring, einer Uhr und eine Kette denn ausgerechnet denn noch einen Zirkel?

    Als ich Mario auf dem Flur begegne sage ich:

    "Mein Zirkelkasten fehlt."

    Mario: "Ja, den haben bei der Durchsuchung deines Zimmer gefunden. Du weißt doch, dass man keinen spitzen Gegenstände besitzen darf."

    Ich: "Ja aber die Spitze fehlt."

    Mario: "Komm mal kurz mit."

    Ich folge ihm zu einem hohen Schrank im Flur und schließt diesen auf. In diesem stehen auf verschiedenen Ebenen Schuhkartons mit Namen darauf.

    Ich erinnere mich, hier sollte ich, als ich angekommen war, mein Handy und mein Deo rein tun, weil man diese Sachen hier nicht haben darf. Er nimmt den Karton mit meinem Namen aus dem Regal, öffnet ihn und schaut sich meinen Zirkelkasten genauer an.

    Mario: "Tatsache, keine Spitze. Na dann geht das ok .. euch fällt aber auch immer was neues ein."

    In meinem Karton findet sich lediglich mein Deo.

    Ich: "Darf ich kurz?"

    Mario: "Sicher."

    Ich schnappe mir mein Deo und sprühe mir kurz unter meinem Poloshirt etwas unter die Arme.

    Merle: "Hey darf ich auch."

    Ich: "Warum?"

    Frage ich etwas verwirrt und überrumpelt.

    Merle: "Weil ich den Geruch mag. Das ist doch dieses limitierte Zeug oder?"

    Ich: "Au sorry dumme Frage .. ist aber Männerdeo."

    Merle: "Och, ich werde schon nicht spontan Feuer fangen."

    Mario: "Ist auch besser so .. spontane Selbstentzündung ist im Camp verboten."

    Sie legt die weiße Deodose zurück in den Karton, welcher auch gleich wieder von Mario weggeschlossen wird.

    Mit meiner Tasche über dem Arm und der Zirkel in der Hand begebe ich mich aufs Gelände, wo aber noch keinen Spur von Eileen zu sehen ist also setzt ich mich einfach an den nächst schattigen Tisch, lege die Sachen ab und schaue ein wenig übers Camp.

    Es ist mal wieder einer dieser ewigen Nachmittage, wo die Sonne zwar schon etwas tiefer steht aber es noch Stunden dauert, bis sie wirklich untergeht. Ein leicht oranges Licht fällt schräg durch die Bäume und projiziert wundervolle Schattenspiele auf dem weichen Erdboden.

    Ich breite langsam meine Sachen aus und schaue in mein Heft, was für Mathe noch so zu erdigen war. Als ich gerade leicht angestrengt nach Aufgaben suche, rumpelt es vor mir auf dem Tisch.

    Eileen hat allerhand Zeug regelrecht auf den Tisch ausgekippt. Darunter viele Bücher, einige Hefte, ihren eigenen Zirkelkasten und ein komischen Konstrukt aus Strohhalmen und Knete, welcher sofort unter einem dicken Buch begraben wird.

    Sie nimmt sogleich das Buch von der Konstruktion und hält es mir hin.

    Eileen: "Hier! Ist doch deins oder?"

    Ich blicke auf und sehe, dass es der Hexenhammer ist.

    Ich: "Ach, das .. ja."

    Eileen: "In der Zwischenzeit noch mal reingeguckt?"

    Ich: "Ne, bisher keine Gelegenheit gehabt."

    Ich nehme das Buch entgegen und lege es mitten auf den Tisch.

    Ich: "Hast du es gelesen? Von mir aus kannst du das auch noch ne Weile behalten."

    Sie reagiert nicht, sondern fummelt weiter an dem Gebilde herum und versucht einige Strohhalme wieder gerade zu biegen, ohne aufzusehen sagt sie:

    "So das ist eine Pyramide. Zumindest war das hier mal eine .. mit den Dingern wird man dir später in der Realschule extrem auf den Keks gehen, am besten du lernst das Ding in und auswendig."

    Ich: "Ich bin eigentlich .."

    Eileen: ".. auf der Hauptschule .. schlimm genug .. aber den Stoff hast du schon drauf, da noch die hundertste Aufgabe zu rechnen bringt gar nicht. Also das Ding hier .."

    Sie schiebt mir einen Pyramide aus Strohhalmen und Knetkugeln vor die Nase und zeigt dann mit einem Bleistift darauf.

    ".. ist eine Pyramide, das Ding besteht aus einer ganzen Menge Dreiecke. Hier, hier, hier, hier, hier und hier."

    Sie sagt dass in einem nicht besonders freudigen Ton aber trotzdem mit dem nötigen Elan und Druck in der Stimme.

    "Es gibt am Boden ein Quadrat aber auch dass kann man in zwei Dreiecke zerlegen. Zerlegen kann man übrigens auch die Dreiecke und zwar kann man durch zerlegen aus jedem beliebigen Dreieck ein Dreieck mit einem rechten Winkel machen und die sind recht einfach zu berechnen. Sagt dir Trigonometrie was?"

    Ich: "Ähm .."

    Eileen: "Es gibt bestimmte Formalen, wenn man mit Dreiecken arbeitet .."

    Ich: ".. a Quadrat plus b Quadrat gleich c Quadrat?"

    Eileen: "Bist ja doch nicht so doof."

    Anschließend lässt sich mich noch ein paar weitere Formeln aufsagen und belehrt mich dann über Winkelsummen in Dreiecken. Sie wirkt dabei jedoch allgemein etwas lustlos und nur die ersten paar Wörter jedes Satzes wirken so energisch wie sonst.

    Eileen: "So, das hier ist eine Sammlung der wichtigen Formalen, die nehme ich dir aber gleich weg, also präg sie dir beim Prozedere schon mal ein."

    Sie holt Luft, obwohl sie noch gar nicht so viel geredet hat und fährt fort:

    "Meist bekommt man eine oder zwei Sachen gegeben und muss dann den Rest selber finden, schon mal in nem Dreieck gemacht?"

    Ich nicke.

    Eileen: "Gut, das ganze gibt es jetzt in einer Pyramide, dort musst du dann über ein bis drei Dreiecke hindurch alle Werten finden. Wenn du zum Beispiel die Höhe der Pyramide kennst und die untere Kante dann .."

    Ich: "Dann sind das zwei Seiten von einem Dreieck, das hier sein könnte und mit dem Satz .."

    Eileen: ".. genau, so doof bist du ja gar nicht."

    Ich frage mich ob das ein Lob sein soll, als sie einfach weiter reden:

    "So, dann hast du damit ja wohl auch keine Probleme oder?"

    Sie nimmt sich das Marthe von ihrem Platz und legt es mir hin. Ich sehe mir die Aufgaben an, sie scheinen recht schwer zu sein, weil oft nur Werte vorgegeben sind, die so gar nichts mit einander zu tun haben aber ich nehme das Buch zu mir und fange an die erste Aufgabe komplett zu übertragen.

    Eileen: "Noar, du musst das nicht alles abschreiben. Mach was da steht und gut ist."

    Sie wirkt langsam etwas genervt, also beschäftige ich mich lieber mit den Aufgaben und wusle mich so durch. Das heißt Sachen die mir fürs erste zu schwierig erscheinen, überspringe ich einfach.

    51
    Zettel ( Tag 10 Freitag Nachmittag )

    So vergeht einige Zeit aber irgendwann komme ich an einen Punkt, wo ein bloßer Blick auf den Gebilde mit den geknickten Strohhalmen und Nachdenken mich nicht weiter bringt.

    Ich: "Ähm .."

    Eileen: "Was?"

    Ich: "Ich komme hier nicht weiter .."

    Eileen: "Las mal sehen .."

    Sagt sie langsam und tonlos, erklärt dann aber geduldig:

    "Na .. also .. wenn du eine außen Kante hast und den Winkel an der Spitze, dann kannst du den Winkel am Boden über die Winkelsumme berechnen und .."

    Sie sagt dann in einem derart genervten Ton, dass es offensichtlich ist, dass sie so gar keinen Bock mehr hat.

    Ich: "Wenn du keine Lust hast, musst du mir nicht helfen."

    Eileen: "Doch."

    Ich: "Warum?"

    Eileen: "Weil ich versprochen habe dir zu helfen und im Gegensatz zu dir bin ich ehrlich."

    Ich: "Im Gegensatz zu mir? Was ist mit dir?"

    Frage ich etwas unvorsichtig und ergänze auf:

    ".. los, dir scheint ja irgendwie nicht gut zu gehen."

    Eileen: "Du weißt doch genau, was los ist."

    Sagt sie etwas wütend und vorwurfsvoll. Ich denke nach.

    Ich: "Nein ich habe .."

    Noch bevor ich antworten kann ..

    Eileen: "Ich habe ja wirklich viel Geduld mit dir .."

    .. plötzlich hat sie ihre Kraft wieder und stemmt sich an ihrem Platz auf, schnauft laut, lehnt sich nach vorn über den Tisch und packt mich mit einem Satz am Kragen meinen Polohemdes.

    Eileen: ".. aber langsam reichts."

    Sie zieht mich an meinem Kragen nach unten zu sich hin auf den Tisch. Meine Stirn knallt gegen ihre, ich spüre ihren warmen Atem auf meinem Gesicht und ihre großen braunen Augen starren mich aus nächster Nähe wütend an.

    Eileen: "Ich kann sehr gut mit Ja und auch mit Nein umgehen und einem Vielleicht eventuell auch .. aber einfach ignorieren lasse ich mich nicht. Verstanden."

    Ich fasste sie vorsichtig an ihren Handgelenken aber sie macht keine Anstalten ihren Griff zu lockern.

    Ich: "Ich ignoriere dich doch nicht .."

    Eileen: "Aber du tust einfach so als wäre Nichts und das ist noch viel schlimmer als alles, was du hättest sagen können. Du kannst nicht mehr zurück zum Status Quo .. verstanden."

    Sie sieht mich noch grimmiger an und ich merke, wie sie ihre Stirn noch fester gegen meine drückt. Ich habe gar keine Idee, was ich falsch gemacht haben könnte oder warum sie so sauer ist aber sie sieht echt aus, was würde sie mir wehtun, wenn ich jetzt was unüberlegtes sage.

    Ich: "Ich weiß jetzt .."

    Eileen: "Und du hast mich angelogen!"

    Ich: "Wann?"

    Frage ich verzweifelt, denn ich möchte echt gerne, dass sie mich los lässt und viel dringender ist, dass sie nicht mehr sauer auf mich ist, während mein Zirkel in Reichweite liegt.

    Eileen: "Du hast gesagt, dass du bis jetzt nicht noch mal rein geschaut hast."

    Sie seiht nach unten, wo der Hexenhammer liegt.

    Ich: "Hab ich nicht."

    Was hat sie den immer mit diesem verdammten Buch?

    Eileen: "Und warum liegt dann der Zettel in einer anderen Seite?"

    Ich: "Zettel."

    Eileen: "Ja Zettel."

    Anstand sie zu beruhigen wird sie immer wütender.

    Ich: "Ach der, der ist rausgefallen und ich hab ihn wieder reingesteckt."

    Eileen: "Du hast ihn also nicht gelesen."

    Ich: "Nein."

    Plötzlich lässt sie meinen Kragen los, worauf ich etwas nach oben schnacke, während sie sich zurück lehnt und die Hände hebt.

    Eileen: "Achso, dann will ich nichts gesagt haben."

    Ich sehe sie verwundert an, worauf sie die Arme verschränkt, mit den Schultern zuckt und in einem ruhigen Ton sagt:

    "Kann ich ja nicht wissen, dass dir der Zettel nur raus gefallen ist."

    Ich halte mir erstmal meinen Nacken und frage dann:

    "Was hat es mit diesem Zettel überhaupt auf sich? Du bist doch schon mal deswegen so .."

    In diesem Moment erinnere ich mich daran, dass bei dem Theater um das Buch, als Katrin dabei war, sie auch irgendwas von einem Zettel erzählt hat.

    Eileen: "Um das herauszufinden könnte man ja .. Moment .. hm .. eventuell mal .."

    Sie seufzt und fügt dann in ihrem ärgerlich aggressiven Ton an:

    ".. den Zettel lesen?"

    Ich: "Von mir aus .. keine Ahnung, was ich da irgendwann mal drauf geschrieben habe."

    Ich ziehe den Hexenhammer zu mir, blättere ein wenig bis ich einen schmalen Zettel finde. Der Zettel ist offensichtlich zerknüllt und wieder plattgedrückt worden, was eine Erklärung dafür sein könnte, warum ich ihn in das Dicke Buch gelegt habe. Aus ihm findet sich die übliche krakelige Schrift in engem schwarzem Tintenstift und unten einigen große Bögen, als hätte jemand probiert, ob ein Stift auch schreibt.

    Ich: "Hör zu, ich weiß gar nicht mehr was ich da geschrieben habe."

    Was durchaus der Wahrheit entspricht, ich fertige zwar öfter Zettel mit Notizen und Gedanken an aber merke mir deren Inhalt nicht unbedingt. Ich sehe zu ihr hoch, während ich den Zettel aus einander falte.

    Sie sieht ganz ruhig da und hat noch nicht mal mehr die Arme verschränkt, sondern stützt sich bei beiden Armen auf der Sitzfläche ab und wiegt etwas nervös vor und zurück.

    Ich: "Ok, also .."

    Ich beginne langsam die schwierige Schrift laut vorzulesen:

    "Hallo .."

    Die weiteren Wörter sind nicht mehr zu lesen, da sie erst durchgestrichen und dann duzendfach überkrackelt wurden. Erst eine Zeile weiter wird es wieder lesbar. Ich ächzte leise, lesen dann aber genervt weiter:

    "Ich habe keine Ahnung, wie ich das alles genau schreiben oder eher beschreiben soll, so dass es nicht total komisch und .. oder merkwürdig rüberkommt aber ich versuche mein Bestes."

    Ein klein wenig kann ich mich an einen ähnlichen Brief erinnern, welche ich mal vorhatte einem Mädchen zu geben. Ich hatte mich damals aber umentschieden und den Brief lieber behalten. Das erklärt aber nicht, warum er im Hexenhammer steckt und warum sie sich deswegen so aufregt. Ich lese besser mal weiter:

    "Also, eigentlich ( also im Kern von der Persönlichkeit her, ohne andere Faktoren ) finde ich dich ganz nett, ehrlich, das merkst du eventuell nicht. ( Aus Gründen, zu denen ich gleich noch komme )."

    Ungeduldig verkrampft Eileen ihre Finger, die sie jetzt doch in einander verknotet auf dem Tisch abgelegt hat.

    Ich: "Ich beeil mich ja schon aber der Text ist echt schwer zu lesen .."

    Was habe ich auch Klammern in einem Brief benutzt und das ständig Worte durchgestrichen und andere darüber gequetscht sind, macht das Ganze noch schlimmer. Ich hole Luft und lese Weiter, doch der Text wiederholt sich noch einmal:

    "Also, im Kern mag ich dich, also wirklich, das merkst du wahrscheinlich nicht aber es ist mein Ernst. Im Gegensatz zu allen anderen bist du nämlich nicht gleichzeitig dumm und faul aber vor allem nicht langweilig. Du bist zwar tollpatschig und schwer .."

    Ab diesem Punkt folgt eine Zeile welche einfach komplett geschwätzt wurden, der Farbe nach zu urteilen gleich mit mehreren Stiften. Ich über springe die Zeile und fahre fort:

    ".. damit will ich in keinem Fall dich kritisieren oder dir sagen, dass du dich zu ändern hast. Aber du sollst halt verstehen, dass mein Verhalten aktuell einfach nicht dem entspricht, was ich eigentlich für dich empfinde .. also was ich über dich denke. Aber das sind dummerweise zwei Ebenen. Eins Punkt: Ich mag dich, also feindschaftlich. Das klingt jetzt sicher merkwürdig aber ich wäre echt gerne mit dir befreundet. Ich weiß das man das nicht in einem Brief schreibt aber es gibt da ein Problem und das ist Zwei Punkt und zwar .."

    Wieder einige schwarze Balken.

    "Und zwar, das ist schwer zu verstehen aber ich habe immer eine Art Blockade, wenn ich vor dir stehe und mit dir rede. Ich kann einfach nicht normal mit dir umgehen, so sehr ich das auch versuche. Immer wenn was ist, bekomme ich entweder gar keinen vernünftigen Satz zustande oder verhalte mich furchtbar."

    Es folgen einige Zeilen wo offensichtlich immer abwechselt die Wörter 'Das wichtigste' und 'Du musst verstehen' durchgestrichen sind, als wäre ich unschlüssig gewesen, mit welchen dieser Worte der nächste Satz wohl anfangen soll. Am Ende fängt der nächste Satz mit ersterem an, welche ich weiter vorlese:

    "Das wichtigste ist, dass ich dich einfach bitte mich zumindest nicht zu hassen, solange, bis ich es schaffe mich wieder einigermaßen normal zu verhalten, dass wird erfahrungsgemäß nicht sehr lange dauern – ein paar Tage höchstens – ich kenn das schon, soweit nichts ungewöhnliches. Solange du also kein Öl ins Feuer gießt, sollte sich also alles beruhigen."

    Der Rest des Blattes ist leer, nur die großen Kringel finden sich auf dem Blatt. Etwas erleichtert, dass es nur ein unbeholfener und zugegeben wirrer Liebes oder eher ja Freundschaftsbrief ist atme ich entspannt aus und sage:

    "Nen alter etwas wirrer Freundschaftsbrief von mir, was ist da jetzt so besonders dran?"

    Eileen: "Rückseite!"

    Ich: "Wie?"

    Wütend greift sie über der Tisch, reißt mit den Zettel aus der Hand und drückt ihn mir anders herum wieder in die Finger.

    Ich sehe mir den Zettel an, dieses mal wurden die Zeilen völlig ignoriert und der Text ist Quer ab der oberen linken Ecke an geschrieben. Ich seufze und lese die gequetschte Schrift vor:

    "Hi"

    Etwas anderes hätte auch nicht in die Ecke gespannt.

    ".. leider ist mir erst jetzt aufgefallen, dass der Text auf der anderen Seite einige Lücken enthält. Jeder könnte sich eigentlich denken, was ich meine aber bei dir .."

    Es folgen wieder einige geschwärzte Zeilen, dieses mal jedoch nicht so stark, dass sie auf die andere Seite durchdrücken.

    ".. sagen wir, um sicher zu gehen, dass du auch alles verstehst hier die Ergänzung. Es ist mir jetzt ziemlich egal."

    Zwei Geschwärzte Zeilen. Plötzlich reißt sie mir erneut den Zettel aus der Hand, dreht ihn und gibt ihn mir Kopf über wieder zurück.

    Eileen: "Da oben geht es weiter."

    Ich sehe mit den Zettel an und dieses mal geht es quer von Oben rechts aus los.

    "Hi, ich weiß wie komisch sich dieser Brief lesen wird aber ich bekomme es einfach nicht anders hin. Ich hoffe die Vorderseite liest sich nicht zu sehr verwirrend aber ich kann ja schlecht von dir verlangen, kein Öl ins Feuer zu gießen, wenn du nicht weiß was los ist. Wir kennen uns zwar noch nicht zu lange aber ich bin mir sicher, dass du ehrlich und vertrauenswürdig bist. Also hoffe ich dass ich ruhig ehrlich zu dir sein kann. Der Grund, weswegen ich mich in der Gegenwart noch schlimmer aufführe als sonst ist, dass ich dich ein wenig zu sehr mag."

    Ich seufze wegen dem schnulzigen Kram, den ich damals geschrieben habe.

    "Jedes mal, wenn ich normal mit dir reden will, geht das nur schwer oder gar nicht. Aber wenn du mir einen Grund gibst sauer auf dich zu sein oder mir einer Vorlage für abfälliges Verhalten bietest, dann geht auf einmal alles wie von selbst und ich kann ganz normal, ohne hängenbleiben in der Stimme ganz normal mit dir unterhalten. Also ganz normal ist das nicht, dass weiß ich auch, ich bin dann ja entweder wütend, gemein oder paternalis .."

    Eileen: "Paternalistisch heißt das Wort. Heißt so viel wie bevormundend."

    Ich: "Danke .. paternalistisch. Aber wenn ich das nicht wäre, könnte ich gar nicht mehr mit dir reden und das will ich auf keinen Fall, denn zum einen bist du im Gegensatz zu den anderen nicht langweilig und zu anderen:"

    Hier folgen einige freie Zeilen und die sonst krakelige Schrift wird etwas weicher und schwungvoller aber im Verlauf wieder kantig.

    "Ich hab mich in dich verliebt, das glaubst du mir jetzt eventuell nicht aber es stimmt und genau das ist der Hauptgrund für die Blockade. Also sei bitte ein wenig nachsichtig mit mir, solange das noch anhält, wie geschrieben geht das in ein paar Tagen wieder weg und ich kann dann normal mit dir umgehen. So normal, wie ich das eben kann. Mit Öl ins Feuer gießen meine ich also, dass du keinen Schritt in der Richtung auf mich zu machen solltest, vor allem nicht, wenn du es nicht so meinst. Glaub mir ich merk dass."

    In einem leicht anderen Winkel und mit wieder etwas schwungvolleren Buchstaben wurde wohl nachträglich noch etwas hinzugefügt, was ich ebenfalls vorlese:

    "Außer du liebst mich auch, dann sag mir das bitte. Ich weiß, wie unwahrscheinlich das ist aber es könnte ja sein."

    Ich lasse den Zettel sinken, denke kurz nach und sage dann:

    "Peinlicher Liebesbrief, den ich wahrscheinlich mal."

    Eileen: "Unterschrift?"

    Ich: "Wie? Ähm .."

    Eileen: "Liebesbriefe unterschreibt man für Gewöhnlich, in diesem Fall hier."

    Sie greift wieder über den Tisch, dreht den Zettel um, knallt ihr auf den Tisch und deutet auf die Kreise unter der Vorderseite. Ich sehe auf die großen Kringel kann aber kaum Buchstaben erkennen.

    Sie knurrt kurz und fährt dann mit ihrem Finger die Linien entlang, während ich langsam lese:

    "E .. i .. l .. e .. Eileen?"

    Sie lässt sich zurück auf ihre Bank fallen und nickt.

    Ich: "Also ist der Brief von dir?"

    Eileen: "Kennst du noch wen mit dem Namen?"

    Fragt sie genervt, atmet aber scheinbar erleichtert aus.

    Ich: "Also die Schrift sah meiner so ähnlich und .."

    Sie antwortet nicht, sondern sieht mich weiter wortlos an. Ich überlege was ich machen soll.

    [o]Annehmen, dass sie versucht mich reinzulegen

    [o]Annehmen, dass sie den Brief ernst meint

    [x]Annehmen, dass sie den Brief auf Tabletten geschrieben hat

    Wenn ich es mir genau überlege ist eine Hand voll Tabuletten wohl die logischste Erklärung für diesen Brief. Ich meine, sie macht ja unter Medikamenteneinfluss öfter komische Sachen.

    Ich: "Ähm .. also .. ich schätze .. du hast den Brief geschrieben als du unter dem Einfluss von Tabletten warst?"

    Eileen: "Jap, hätte ich anders gar nicht zustande gebracht."

    Sagt sie in einem sehr viel entspannteren und fast erleichterten Ton. Ebenfalls erleichtert atme ich auf, diese Erklärung hätte mir eigentlich gleich einfallen sollen.

    Ich: "Und du hattest nur Angst, dass jemand anderes den Brief in die Finger bekommen könnte. Deswegen auch der Ausraster letzte Woche .."

    Sie nickt.

    Ich: "Wieso sagst du das nicht gleich?"

    Ich halte ihr den Zettel hin, da sie ihn sicher wieder haben und vernichten will. Aber sie verdreht die Augen und sagt genervt aber nicht mehr wütend:

    "Steht doch im Brief, oder wieso meinst du wollte ich, dass du den endlich mal liest."

    Ich: "Ähm .. aber das ist doch nur .."

    Eileen: ".. nur was?"

    Sie zieht eine Augenbraue hoch.

    Ich: "Nur, etwas, dass dein Tabletten-Ich geschrieben hat?"

    Eileen: "Es gibt kein 'Tabletten-Ich' das bin auch ich .. nur etwas entscheidungsfreudiger .."

    Ich: "Und das was alles in dem Brief steht? Also das du .."

    Eileen: "Besitzt nach wie vor Gültigkeit .."

    Sagt sie in einem ruhigen Ton und steht dabei vor ihrer Bank auf, nur um langsam zum Bunker zu gehen.

    Vollkommen überrascht und verwirrt weiß ich gar nicht, was ich tun soll also frage ich:

    "Wohin?"

    Eileen: "Mich abreagieren .."

    Ich: "Ähm .."

    Eileen: ".. was schlagen, was nicht von der Genfer Konvention geschützt ist."

    Sagt sie im gleichen ruhigen Ton, was mir fast mehr Angst macht als ihre Ausraster.

    52
    KiR ( Tag 10 Freitag Abend )

    Ziemlich verwirrt bleibe ich auf meinem Platz auf der Bank sitzen und sehe ihr noch ein kurz hinter her. Aber dann sehe ich wieder auf den Tisch hinunter zu dem Zettel, beschließe jedoch ihn nicht erneut zu lesen, sondern etwas in Ruhe über die ganze Sache nachzudenken.

    Als sich jedoch vor allem wegen des Zeitablaufs, welchen ich zu rekonstruieren versuche, ein riesiger Knoten in meinem Gehirn bildet, lasse ich es lieber und denke stattdessen über ihre Motive nach.

    Aber als mir das noch mehr Kopfschmerzen bereitet, beschließe ich mich doch lieber den Dreiecken in meinem Heft zu widmen. Es fällt mir schwer dies zu sagen, aber Mathe ist in diesem Fall sehr viel leichter zu verstehen.

    Nach einer Weile habe ich alle Aufgaben aus dem Buch gelöst und nach der Probe der Proben scheinen diese sogar richtig zu sein. Ich lehne mich also zurück und sehe, dass die Sonne mittlerweile schon untergegangen sein muss, zumindest ist das Licht jetzt nicht mehr orange, sondern hat ein flüchtiges Blau angenommen.

    "Du solltest aufhören, du machst dir noch die Augen kaputt."

    Höre ich eine leise zaghafte Stimme. Ich drehe mich um und erspähe Jacky hinter einem der Bäume.

    Ich: "Ja, du hast recht."

    Ich stehe auf, aber als ich auf dem Tisch neben meinen auch Eileens ganze Sachen sehe, wird mir klar, dass ich nicht einfach gehen kann.

    Schüchternes Mädchen: "Was ist?"

    Ich: "Ich kann nicht einfach gehen, hier liegen ihre Sachen ja mit rum."

    Schüchternes Mädchen: "Und?"

    Ich: "Nicht das hier wer was klaut."

    Schüchternes Mädchen: "Was soll jemand mit Schulsachen?"

    Ich: "Stimmt auch wieder."

    Schüchternes Mädchen: "Warum holst du denjenigen nicht einfach?"

    Ich: "Hm .. naja .. Eileen ist gerade nicht ganz so gut auf mich zu sprechen."

    Schüchternes Mädchen: "Au .. je .."

    Sie verschwindet wieder hinter dem Baum.

    Als ich nachdenke, was ich jetzt am besten tun sollte und weil mir mein Nacken weh tut, sehe ich nach oben in die Bäume und erblicke mal wieder eine der großen silbernen Kugeln. Da sich scheinbar die Sonne noch in den weit oben angebrachten Bällen spiegelt.

    Als ich wieder zu ihr sehe, denke ich mir, dass ich ja einfach sie die Sachen fragen kann, die mich gerade beschäftigen.

    [x]Sie nach den Bällen in den Bäumen fragen

    [o]Sie fragen wie gefährlich Eileen wirklich ist

    Ich: "Was waren das noch mal?"

    Schüchternes Mädchen: "Was?"

    Ich: "Die Bälle."

    Schüchternes Mädchen: "Das dürfen wir nicht sagen."

    Sie kommt wieder hinter dem Baum hervor und krallt sich mit ihren kurzen Fingernägeln in die Rinde.

    Ich nicke nur und beschließe sie besser doch nicht mehr zu Eileen zu befragen.

    Ich: "Kannst du hier kurz aufpassen?"

    Schüchternes Mädchen: "Sicher."

    Sie setzt sich auf die andere Seite des Tisches, während ich auf stehe und richtig Bunker gehe. Als ich den Weg entlang schlendere frage ich mich, wie ich bei dem Licht noch gerade Linien ziehen konnte.

    Im Bunker angekommen, sehe ich Manuel auf einer Couch mit einem ganzen Stapel Büchern neben sich und auch ein paar andere Campbewohner scheinen einige der Bücher zu lesen. Ein großes Paragraphen Zeichen auf dem Cover seines Buchen verrät, dass es sich bei den meisten Bücher wohl um Gesetzestexte handeln wird.

    Ich: "Hi, alles klar."

    Manuel: "Was? Ah .. Ja ja alles top .. wir sind fast am Ziel."

    Ich: "Ziel?"

    Manuel: "Hier raus zu kommen natürlich!"

    Ich nicke und frage:

    "Wo ist Mario .. oder Peter?"

    Doch meine Frage wird von Emily übertönt:

    "Wo ist Tommy?"

    Sie und einige andere Mädchen sind geschminkt und in hübschen Klamotten im Wohnzimmer aufgetaucht und sehe sich fragend um.

    "Ganz in der Nähe .. Ratet mal."

    Klingt eine Stimme hinter einem der Bücher hervor. Die Mädchen sehen sich weiter um und mustern jeden einzelnen Platz. Anny guckt sogar in die Ecke zwischen den Sofas, wo das schüchterne Mädchen manchmal hockt.

    Suzy öffnet Manuels Zimmertüre, wo rauf dieser protestiert:

    "Er ist gar nicht auf meinem Zimmer."

    Suzy öffnet die Türe daneben aber zuckt nur mit den Schultern.

    Emily fährt mit den Augen erst über die Küchentüre, dann die Türe zum Krankenzimmer, dann eine mir unbekannte Türe ab, schüttelt den Kopf und sieht dann auf die Türe zum Multikultiraum. Fährt dann aber mit dem Blick wieder zurück zu der mir unbekannten Türe mit dem kleinen Bullauge und geht auf diese zu.

    Bezy: "Ach das kann doch nicht .."

    Aber Emily schreit die Türe an: "Das ist doch nicht dein Ernst .."

    Hinter der Türe bewegt sich was und ich stelle mich hinter die Mädchen, welcher sich um das kleine Bullauge versammeln. Hinter der Türe mit dem Bullauge ist noch eine Türe mit Bullauge und in diesem sehe ich Tommys grinsendes Gesicht, welcher undeutlich und dumpf klinget sagt:

    "Was?"

    Emily: "Was machst du da drin?"

    Sie schreit extrem laut, aber trotzdem scheint Tommy sie nicht richtig zu verstehen und antwortet:

    "Ich guck mich um?"

    Emily: "Was hast du gemacht?"

    Tommy: "Alles damit ich hier mal rein durfte."

    Emily: "Was hast du dir dabei gedacht."

    Tommy: "Ich wollte mal .. von innen sehen. Man gönnt sich ja sonst nichts."

    Emily: "Bist du Verrückt?"

    Tommy: "Ja, sonst wäre ich ja nicht hier."

    Emily: "Aber dein Ausgang."

    Tommy: "Was?"

    Mario: "Lasst Tommy mal für einen Moment in Ruhe sich beruhigen."

    Die Mädchen bis auf Emily gehen von dem Fenster weg und auch ich mache einen Schritt zurück. Mario holt einen Schlüssel aus seiner Tasche und öffnet das Bullauge der äußeren Türe.

    Mario: "Hast du dich beruhigt?"

    Tommy: "Muss ich dann wieder raus?"

    Mario: "Ja."

    Tommy: "Bää .. uhululululu .."

    Sein Gesicht versschwindet vom Fenster und er springt in dem Raum hinter der Türe herum und macht dabei komische Geräusche. Schulterzuckend verschließt Mario wieder das Bullauge und zieht den Ring an seiner Armbanduhr auf.

    Mario: "So und ihr setzt euch jetzt bitte hin oder verlasst den Bunker."

    Völlig vergessen was ich eigentlich wollte, setzte ich mich mit ein Paar anderen ins Wohnzimmer während andere genervt wieder aufs Gelände gehen.

    Ich: "Was ist das für ein Raum?"

    Anny: "Kirr."

    Merle: "K.I.R. Krisen-Interventions-Raum. Da kommt man rein wenn es einem nicht so gut geht."

    Anny: "Oder wenn man durch dreht .. ist halt ne Gummizelle."

    Merle: "Ja nicht ganz .. du müssest den Raum doch eigentlich schon kennen oder?"

    Ich schüttele den Kopf und bin doch etwas erschrocken, dass wir hier sogar eine Gummizelle haben. Wohl unzufrieden, dass Tommy gerade nicht zur Verfügung steht, verlassen auch die anderen Mädchen außer Merle das Wohnzimmer Richtung Mario und fragen, ihn nach dem Spieleraum oder Sonstigem.

    Merle: "Sag mal, kennst du gut und schnell lesen?"

    In dem Moment fällt mir ein, dass ich ja auch wegen der Sachen fragen wollte.

    Ich: "Es geht aber ich muss noch was erledigen."

    Merle: "Was denn?"

    Ich: "Meine und .. ähm .. Sachen liegen noch draußen und sie ist ja jetzt weg und .."

    Eileen: "Lass einfach liegen, klaut ja keiner und wenn es regnet, bekommen wir das mit .."

    Ich drehe mich erschrocken rum, bei der Person neben Manuels Bücherstapel handelt es sich um Eileen, welche ihre Beide unter sich geschlagen hat, weswegen ich sie erst nicht gesehen habe.

    Ich schrecke kurz zusammen aber sie sagt locker:

    "Erwähne einfach diese eine Sache nicht und alles ist gut."

    Seelenruhig, blättert sie in dem Buch welches sie vor sich hält.

    Ich: "Wolltest du nicht?"

    Eileen: "Jap, aber dummerweise ist der Kriesenraum ja gerade belegt."

    Sie sagt das in einem überraschend ruhigen Ton, als sich Mario über eine der anderen Couchen beugt und sagt:

    "Man muss auch andere Formen finden mit seinem Ärger umzugehen als auf Sachen einzuschlagen."

    53
    Diktat ( Tag 10 Freitag Abend )

    Eileen: "Da du eh hier bist, kannst du da mal kurz drüber gucken, ob das deiner Meinung auch so passiert ist?"

    Sie schiebt ein Blatt, welches auf dem Tisch liegt in meine Richtung. Ich nehme das Blatt und erkenne sofort eines dieser Formulare, welche man wohl ausfüllen muss, wenn einem was passiert ist. Ich lese das Blatt leise für mich.

    Was ist passiert? Ich habe es nicht geschafft eine Art von Aufgaben zu lösen, welche mir ansonsten leicht fällt. Ich habe mich darauf hin aufgeregt und als mein Lernpartner etwas dazu gesagt hat, von dem ich aber nicht mehr weiß was es war, habe ich mich gefühlt, als würde er sich über mich lustig machen und habe über reagiert.

    Warum ist das passiert? Oben.

    Wer war beteiligt: Ich, Er und Dr***cke

    Was konntest du dazu? Ich muss mich überarbeitet haben.

    Was konnten die anderen dazu? Er wahrscheinlich recht wenig aber Dr***cke sind einfach scheiße.

    Was kannst du tun, um so etwas in Zukunft zu verhindern? Weniger arbeiten und weniger hohe Erwartungen an mich selbst haben.

    Würdest du dich dafür entschuldigen? Bei ihm Ja, bei Dr***cken nicht.

    Ich runzle die Stirn und verneige mich geistig vor ihren Verschleierungstaktiken, alles auf Dreiecke zu schieben ist einfach genial. Auch muss ich kurz schmunzeln, weil sie das Wort im Text jedes mal quasi zensiert hat.

    [x]Sagen, dass alles in etwa so war.

    [o]Sagen, dass nicht die Dreiecke schuld waren.

    Ich: "Ja das kommt so hin."

    Sie lehnt sich offensichtlich erleichtert zurück aber Mario, welcher sich hinter mir auf die Lehne der Couch stützt, sagt in einem skeptischen Ton:

    "Könnt ihr Beide mal kurz mitkommen."

    Ich schlucke und auch sie wirkt ein wenig angespannt. Nervös folgen wir ihm ins Krankenzimmer, wo er aber erstmal einen prüfenden Blick in eine anderen Tür mit einem Bullauge wirft. Wenn ich das mit der Raumaufteilung nicht völlig in Tuck bringe, müsste er auch von hier aus in das Krieseninterventionszimmer sehen können aber war das nicht auch die Tür die ..

    Mario: "So ihr Beiden. Ihr scheint ein länger andauerndes Problem mit einander zu haben."

    Eileen: "Also .."

    Er steht im Türrahmen vor uns, wir stehen neben einander in dem engen Raum voller Medizinschränke.

    Mario: "Der Reihe nach und tretet bitte eine Armlänge von einander weg."

    Ich mache einen Schritt zur Seite und quetsche mich schon fast gegen einen der Schräke. Sie tut das gleiche und donnert gegen einen der Schränke. Welcher eine belchernes Scheppern von sich gibt.

    Eileen: "Ups, schuldigung, bin immer noch .."

    Mario: "Jetzt zu dir. Wie genau hast Eileen denn über reagiert?"

    Ich: "Ähm .."

    Eileen kratzt sich verlegen am Hals.

    Mario: "Ja?"

    Sie kratzt sich ganz schön lange verlegen am Hals. Wahrscheinlich will die mir etwas sagen.

    Ich: "Ja sie hat mich am Hals gepackt."

    Mario: "Ja, das hat sie auch so gesagt. Alles ok?"

    Ich: "Ja, ist ja nichts wildes."

    Er nickt, nimmt mir Eileens Blatt ab und dreht sich noch mal kurz zu Tommy in dem Bullauge um, welcher hinter ihm Faxen und vulgäre Gesten macht.

    Mario: "Wie genau meist du, hat er sich über dich lustig gemacht."

    Eileen: "Mit einer Suggestivfrage, ich mag keine Suggestivfragen."

    Mario: "Ok, aber das rechtfertigt keine körperlichen Angriffe."

    Eileen: "Ja, ich weiß."

    Mario: "Meist du, du kannst dich entschuldigen?"

    Eileen: "Iii .. ii .. iija .. Ja ok .. Ja Ich denke schon. Wenn er sich auch entschuldigt."

    Zögert dreht sie sich zu mir um und steckt mir ihre Hand hin. Aber Mario geht quasi dazwischen:

    "Meinst du, du kannst die Entschuldigung annehmen?"

    Wir beide sehen Mario verwundert hat.

    Mario: "Deine Schule hat mir berichtet, dass du öfter mal Entschuldigungen nicht annimmst."

    Ich schaue Mario verwundert an, nicht weil ich ihre Entschuldigung nicht annehmen würde, sondern weil Mario mit meiner Schule telefoniert und diese wohl ein paar uralte Sachen erzählt haben. Ich bin so geschockt, dass ich gar nicht weiß, was ich antworten soll.

    Ich: "Ja .. ähm also .. das ist diesmal also .. ja ich nehme die Entschuldigung an."

    Noch bevor Mario was sagen kann, steckt sie blitzschnell ihre Hand wieder aus und ich ergreife sie. Wir schütteln uns die Hände uns sie sagt:

    "Tut mir echt leid wegen deinem Hals."

    Ich: "Och schon ok."

    Hinter Mario rumpelt es an der Türe, Tommy zeigt die Finger ins Loch Geste und streckt dabei die Zunge raus.

    Mario: "Gut ihr könnt gehen."

    Wir verlassen das Krankenzimmer, auf dem Flur kommt uns laute Musik entgegen, denn die Türe zur Treppe nach unten ins Spielezimmer steht auf. Es kommet uns ausnahmsweise mal aktuelle Pop Musik entgegen.

    Ich: "Ähm .. sorry wegen der Suggestiv .. dem lustig machen .."

    Ich strecke ihr meine Hand hin, doch sie schlägt sie mit ihrer Handfläche weg und schnauft. Weil sie wieder ins Wohnzimmer geht, gehe ich runter in den Spieleraum.

    Unten angekommen setzte ich mich zu Emily und den anderen welche ihre üblichen Party Alibi Mensch ärgere dich nicht spielen, um in dem Raum sein zu dürfen. Ich kann zwar nicht genau verstehen, was sie sagen aber vermutlich soll ich mitspielen.

    Da das Spiel in meinen Augen eh nur aus Glück und ein wenig zählen besteht, kann ich neben bei in Ruhe der Musik lauschen, auch wenn sie für meinen Geschmack ein wenig zu laut ist. Da Anny mitspielt sind die Runden entsprechend lang, weil sie die Felder jedes mal per Hand abzählt. Die Musik im Hintergrund ist zwar nicht meine Lieblingsmusik aber es tut gut endlich überhaupt mal wieder Musik zu hören.

    Emily: "Was kennst du?"

    Ich: "Hm?"

    Emily: "Du bist so still?"

    Ich: "Ja ähm .. ich freu mich gerade, endlich mal wieder Musik zu hören."

    Bezy: "Was? Lass dir doch deinen Mp3 Player über die Mittagspause geben."

    Ich: "Das darf man?"

    Bezy: "Ja, mittags ist Musik hören mit Kopfhörern erlaubt."

    Salfia: "Wou .. sogar Kopfhörer."

    Sagt sie sarkastisch aber ich überhöre sie, da ein Lied gespielt wird, das ich sehr mag. Naja, was heißt mögen, es ist eben dieser typische Ohrwurm.

    Ich: "Mach das mal öfter."

    Suzy: "Dürfen wir ja nicht."

    Bezy: "Ach was, als würden die die Lider zählen, das ist MP3 CD, mach das einfach in die Shuffels."

    Ich beuge mich vor uns sehe, dass das die Musik gar nicht aus der alten Anlage kommt, sondern aus einem Tragbaren CD Spieler, welcher auf der Anlage steht.

    Bezy: "Nice ne? Ist von Tommy."

    Ich nicke und spiele weiter Mensch ärgere dich nicht, weil Anny mich schon ungeduldig anstupst. Das ganze geht eine Weile so weiter, bis es Draußen immer dunkler wird und sich der Raum langsam beginnt in den alten Scheiben zu spiegelt, so dass man nicht mehr nach hinaus sehen kann.

    Da plötzlich taucht ein Gesicht im Fenster auf, ein paar von uns erschrecken sich einige bekommen es gar nicht mit.

    "Buh!"

    Emily: "Ahhh .."

    Emily fällt von ihrem Sitzkissen und Suzy dreht die Anlage leiser.

    "Buhh .."

    Klingt es dumpf durch die alten Scheiben von draußen. Katrin hat sich einen Spaß gemacht und hält sich draußen eine Taschenlampe unter das Gesicht.

    Bezy: "Noar."

    Katrin: "Stubenhocker."

    Und sie verschwindet wieder, als Emily sich wieder aufrappelt.

    Bezy: "Der Trick ist uralt und auf jeder Party mit Terrasse schon tausendmal gebracht worden."

    Sie verdreht die Augen und die Anlage wieder lauter.

    Peter: "Bekommt ihr da unten noch was mit?"

    Bezy dreht wieder leise und alle ihre Köpfe nach oben zu Peter.

    Peter: "Telefonzeit Leute."

    Plötzlich springen alle auf und drängen sich die Treppe hinauf, müde steht auch ich auf und gehe den anderen nach. Oben versammeln sich alle in einer langen Schlange vor dem Telefon quer durch den Bunker.

    Peter: "Nehmt bitte Rücksicht auf den Datenschutz."

    Sagt er während die erste, und zwar Merle, schon fertig ist mit telefonieren und wütend den Hörer aufknallt. Danach telefonieren die meisten entweder ganz offen mit ihrer Familie, die wenigsten flüstern.

    Man hört das übliche "Mir geht es gut", "Ja ich pass auch mich auf" und das obligatorische "Gute Nacht". Aber einige streiten sich auch am Telefon wie Merle oder tauschen offensichtlich hohle Floskeln aus wie Katrin, die zwar feindlich bleibt aber nach dem Auflegen erstmal mit den Zähnen knirscht.

    Anschließend tätigt Emily zwei Telefonate, von denen sie beim zweiten so hibbelig und aufgeregt wirkt, als ginge es mal wieder um .. wie war noch sein Name?

    Als ich fast an der Reihe bin, berührt irgendwas meinen Hintern, ich dreh mich um, werde aber von vorne gefragt:

    "Hast du auch deine Telefonkarte?"

    Ich: "Ach verdammt."

    Ich taste meine Taschen ab aber frage mich dann, warum überhaupt, als ich langsam auf mein Zimmer gehe, dort meine Karte aus der Schublade hole und mich wieder ans ganz hintere Ende der Schlang stelle, um von dort aus jedes einzelne Gespräch mitzubekommen. Von denen die meisten ähnlich ablaufen, nur Salfia lässt mich etwas schmunzeln, welche ihre Eltern erst auf arabisch anbrüllt, um dann ganz nett auf deutsch "Ich liebe euch" zu sagen.

    Auf einmal berührt mich wieder etwas von hinten aber es ist dieses mal ein Daumen, welche sich in meine Rippen bohr.

    Eileen: "Du weißt was du zu tun hast oder?"

    Ich: "Ähm?"

    Eileen: "Deinen Eltern sagen, dass du übers Wochenende im Camp bleiben willst und deswegen sollen sie dir am Morgen einen Haufen frischer Wäsche mitbringen und deine Sachen mitnehmen, die sich per Hand nicht waschen lassen."

    Ich: "Hä?"

    Frage ich eher aus Müdigkeit und nicht weil ich den Sinn des Gesagten nicht verstehe.

    Eileen: "Ist doch ganz einfach, wenn deine Eltern Morgen kommen und du erst dann denen sagst, dass du bleiben willst, sagen die einfach: 'Du hast aber keine sauberen Sachen mehr .. dann müssen wir ja jetzt zweimal fahren, um dir welche zu bringen .. och komm doch mit' "

    Ich nicke. Erst schlägt sie mich fast zusammen und jetzt will sie unbedingt, dass ich übers Wochenende im Camp bleibe.

    Ich bin an der Reihe, schiebe die Karte in den Schlitz am Telefon und wähle aus dem Kopf meine Nummer.

    Ich: "Hi"

    Mutter: "Ah hallo du bists wie geht es dir, warum hast du Gestern nicht angerufen."

    Ich: "Entschuldige bitte, ich hab nicht dran gedacht, hier ist immer so viel zu tun."

    Mutter: "Zu tun?"

    Ich: "Ja, ich sitze den ganzen Tag an Schulaufgaben, weil der Direktor hat ja gesagt."

    Mutter: "Das du dich da so rein kniest .. kenn ich gar nicht von dir. Wie lange Schule habt ihr denn."

    Ich: "Im Kern nur ganz wenig aber ich mach viel außerhalb der Schule."

    Mutter: "Außerhalb?"

    Ich: "Ja auf dem Gelände, ich hab ne nette Mitschülerin, die hilft mir bei allem."

    Mutter: "Aber ihr solltet schon auch mal was anderes machen als lernen. Es geht schließlich um die deine Kopfschmerzen. Das ist ja toll, du kannst sie uns ja morgen vorstellen, wenn wir dich abholen."

    Ich: "Ja also .. ähm .. das hier im Camp ist schon anstrengend und .."

    Mutter: "Wenn man den ganzen Tag lernt .. aber morgen ist ja Wochenende, da kannst entspannen."

    Ich: "Ja aber ich finde, dass geht im Camp etwas besser."

    Mutter: "Ach, eben wars noch anstrengend."

    Ich: "Älso ähm .."

    Gerade als ich anfange zu straucheln, packt mich eine Hand im Nacken und drückt mir ins Genick.

    Ich: "Also es ist so, das Camp ist am Wochenende immer fast leer, da sind dann nur noch ich und .."

    Mutter: "Deine Mitschülerin?"

    Ich: "Ja schon aber darum geht es nicht. Es geht eher um die Autofahrt, also so schnell hin und zurück und nur einen Nacht in einem anderen Bett, obwohl ich jetzt das Bett hier gewöhnt bin und dann setzte ich mich wahrscheinlich eh nur den ganzen Tag vor den PC und dann muss ich ganz schnell neue Sachen packen und und und .. außerdem bekomme ich dann auch wieder ne Wochenendeaufgabe .."

    Mutter: "Achso .. bist du dir wirklich sicher?"

    [x]Ja

    [o]Nein

    Ich: "Ja, ich bin mir sicher."

    Mutter: "Aber nächstes Wochenende kommst du versprochen?"

    Ich: "Ja, wenn ich dieses .."

    Mutter: "Aber wie machen wir das mit der Wäsche."

    Ich: "Bringt mir einfach Sachen aus meinen Schrank mit."

    Eileen: "Und Bücher"

    Flüstert sie mir zu.

    Mutter: "Wer war das?"

    Ich: "Niemand .. ähm ..und es wäre super, wenn ihr mir ein paar Bücher mit bringen würdet."

    In diesem Moment fällt mir wieder ein, dass ich den anderen Mädchen ja noch CDs brennen sollte.

    Ich: "Auch und in meinem Zimmer fliegen ja überall gebrannte CD rum, bringt mir davon alle mit die ihr findet könnt."

    Mutter: "Habs mit aufgeschrieben wird gemacht und sonst geht es dir gut."

    Ich: "Super nur erschöpft .. und euch?"

    Mutter: "Alles in Ordnung, wir haben dich alle ganz doll lieb. Schlaf gut und Träum was schönes."

    Ich: "Ich euch auch, schalft gut."

    54
    Playstation ( Tag 10 Freitag Nacht )

    Das Telefon knackt und meine Familie ist weg. Im gleichen Moment lässt Eileen auch meinen Nacken los.

    Eileen: "Und jetzt drückst du einfach die .."

    Mario: "Nein, die Null und dann langsam die Karte ausziehen."

    Eileen: "Wollte ich doch gerade sagen."

    Mario: "Das ist fraglich, was mich aber viel eher interessiert ist, warum du Daniels Nacken in der Hand hast, während er mit seiner Familie telefoniert."

    Eileen: "Musste ihm nur kurz das Rückrad gerade ziehen."

    Mario: "Und welche Grund hat das, wenn ich das wissen darf."

    Ich: "Ich wollte übers Wochenende hier bleiben und musste meine Familie überreden."

    Mario: "Normalerweise sollte man sich in solchen Dingen an das Personal wenden. Ich schätze du überschätzt deinem Zuständigkeitsbereich etwas."

    Eileen: "Wo hören denn der Zuständigkeitsbereich von Freunden auf?"

    Fragt sie unschuldig, worauf Mario nur platt antwortet:

    "Du weißt genau was ich meine und nun da das Telefon dieses mal nicht wie aus Zufall nicht funktioniert .. darf ich bitten."

    Eileen: "Selbstverständlich."

    Sie schiebt mich bei Seite und dann ihre zerkratzte Telefonkarte in das Telefon. Als sie beginnt eine Nummer zu tippen, will ich mich gerade rumdrehen worauf sie aber leise sagt:

    "Bleibt mal kurz, ich brauch eventuell deine Hilfe."

    Als das Telefon knackt, sagt sie aber um so lauter:

    "Ah Frau Mutter .. ähm .. Mutter? Hallo ich bins ihre Tochter."

    Sie hält ein zerknülltes Stück Papier in der anderen Hand und will gerade beginnen von diesem abzulesen, als sie wohl unterbrochen wird und antwortet:

    "Ja, mir geht es gut .. ja die Schlafprobleme werden auch langsam besser. Und ihnen .. ähm dir? .. Auch das freud mich."

    Sie sieht wieder auf das Blatt und fragt:

    "Habe ich ein Haustier, irgendwas mit braunem Fell?"

    Die Stimme Antwortet für mich nicht hörbar, während sie einen Punkt auf der Liste durchstreicht.

    "Also Nein. Dann war die Erinnerung falsch. Spiele ich ein Instrument? Ich meine nämlich, dass ich ein wenig Noten lesen kann. Ich hab es mal versucht? Ok, das ist ja wenigstens etwas."

    Gelangweilt stehe ich daneben und frage mich, was ich hier soll aber sie hat mir geholfen also schätze ich, dass ich auch ihr helfen sollte.

    Eileen: "Ok, dann kann ich doch nicht tanzen .."

    Obwohl, bei dem Elan, den sie an den Tag gelegt hat, als es darum ging, dass ich im Camp bleibe verfolgt sich mit Sicherheit irgend eine Form von Eigeninteresse. Naja zumindest hat sich mein Verdacht etwas geschmälert, dass sie versucht, dass ich aus dem Camp geworfen werde. Denn mich über Wochenende hier zu haben, widerspricht dem schließlich komplett.

    Sie stupst mich leicht mit dem Ellenbogen an, als wäre jetzt mein Einsatz.

    Eileen: "Habe ich eine Playstation 2? .. ah das wissen sie .. ähm .. das weißt du nicht?"

    Stille.

    Eileen: "Naja, eigentlich sollte man das auch als Mutter wissen, schließlich sind die Dinger ja teuer .. müsste also ein Weihnachtsgeschenk gewesen sein. Wie teuer sind die Dinger?"

    Sie sieht mich direkt an.

    Ich: "Ähm .. also .. so 300€ .. meine ich."

    Eileen: "Dreihundert Euro."

    Stille.

    Eileen: "Ok, kann mich Vater dann hier anrufen oder in der Lobby? .. Ok gut, dann gute Nacht und träum was schönes."

    Stille.

    Eileen: "Danke."

    Sie legt auf und kratzt sich nachdenklich an der Backe, während Mario sagt:

    "Das hast du im Kern sehr gut gemacht aber deine Fragetechnik war ein wenig zu aggressiv und fordernd. Woher soll deine Mutter den wissen, welche Spielekonsole du hast?"

    Eileen: "Weil die Dinger teuer sind. Sowas gibt es für einen Mädchen höchstens als Weihnachtsgeschenk, wenn überhaupt. Also entweder meiner Familie ist reich oder da stimmt was nicht."

    Mario: "Eventuell warst du ja kein typisches Mädchen."

    Eileen: "Der rosa Kram, der angeblich alles mir gehören soll, spricht da ne andere Sprache."

    Mario: "Wie auch immer, du hast deine Aufgabe erfüllt. Irgend einen Wunsch?"

    Eileen: "Ne. Kann gerade keine Ablegung gebrauchen."

    Mario: "Da brauen sich aber nicht schon wieder irgendwelche Verschwörungstheorien in deinem Kopf zusammen oder?"

    Sie schüttelt den Kopf und geht in Richtung des Spieleraumen, da sie auf halbem Weg langsamer wird, meine ich dass sie will, dass ich mitkomme. Und da Mario leicht den Eindruck macht, er würde mir wieder seiner Meinung zu ihr sagen, sobald sie außer Hörweite ich, nehme ich schnell Anlauf und folge ihr.

    Wie erwartet, öffnet sie erst die Türe nach unten, als ich fast bei ihr angekommen bin. Zusammen gehen wir die schmale Treppe nach unten und dort dröhnt uns auch schon der Bass entgegen, welcher aber kurz drauf völlig verstummt.

    Anny: "Könnt ihr nicht anklopfen."

    Ich: "Was ist los?"

    Bezy: "Mario meinte, weil Freitag ist dürfen wir so laut Musik hören wie wir wollen. Aber wenn die das oben hören, drehen die uns den Saft für ne Minute ab."

    Ich gucke fragend aber die Antwort kommt auch schon.

    Merle: "Der Sicherungskasten ist direkt im Krankenzimmer, wo Peter und Mario gerade Berichte schreiben."

    Anny: "Hättet ihr angeklopft, hätten wir leiser machen können."

    Eileen: "Und das hättet ihr gehört?"

    Anny guck kurz nachdenklich, sagt dann aber nichts mehr.

    Wohl damit keine peinliche Stille entsteht, fragt Anny Tommy, welcher in einer Ecke hockt und gegen Suzy vier Gewinnt spielt:

    "Warum musstest du noch mal in den Krisenraum?"

    Tommy: "Als Manuel mir gesagt hat, dass ich hier in der geschlossenen Klapsmühle bin, wollte ich wissen, obs hier auch ne Gummizelle gibt und wie man da rein kommt. Und der dünne Typ mit den roten Haaren .."

    Bezy: "Peter."

    Tommy: ".. meinte dass man da nur reinkommt, wenn man durch dreht, also bin ich einen bisschen durch gedreht."

    Anny: "Bist du bescheuert, jetzt ist dein Ausgang auf 0."

    Manuel: "Er ist gerichtlich eingewiesen, wie ich, er hat eh 0."

    Anny: "Was hast du dir dabei gedacht?"

    Tommy: "Ja nichts .. ich meine, wenn man denn schon mal in der Geschlossenen ist und nicht in der Gummizelle war, ist das ja so, also würde man ins Fantasieland gehen und nicht mit der dicksten Achterbahn fahren."

    Einige gucken etwas verständnislos.

    Tommy: "Was habt ihr denn? Da hab ich halt ne tolle Story, die ich meinen Freunden erzählen kann."

    Domenick: "Street Credibility!"

    Tommy: "Ja man."

    Beide beugen sich vor und geben sich eine Ghettofaust.

    Eileen: "Gummizelle? .. Naja, das ist eher ne Tepichbodenzelle."

    Suzy: "Ja so Klischee Dinger mit wirklich Kissen an der Wand gibt es ja nicht mehr .."

    Eileen: "Doch oben auf der 9, also der richtigen Geschlossenen. Da is alles richtig .."

    Tommy: "Was? Wie kommt man dahin?"

    Bezy: "Wag es .."

    Tommy: "Warum? Ist doch sonst langweilig hier .."

    Anny: "Wenn du übertreibst, werden wir ganz geschlossen und dann müssen alle aus den Hütten raus."

    Maria: "Was?"

    Bezy: "Ach so schlimm ist das nicht, da muss schon einiges passieren."

    In diesem Moment geht der Tragbare CD Spieler wieder an und erschreckt einige von uns fast zu Tode. Schnell macht Suzy einen Hechtsprung auf das Gerät zu und drückt mindestens eine Minute lang auf den Knöpfen des Displays herum.

    Erst denke ich, dass wohl eine der Tasten nicht richtig funktioniert aber da nach jedem Knopf das Display fleißig blinkt schätze ich, dass die dabei ist eine Playlist zu programmieren. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich als Kind eine komplette Anlage geschenkt bekommen habe, welche man mit ganz viel knöpfchendrücken dazu bringen konnte, nur die wirklich guten Lieder einer CD zu spielen und da ich damals nur eine Best of 1998 CD hatte, war dies auch bitter nötig.

    Nach einer Weile ist sie fertig und das Gerät spielt überraschend gute aktuelle Lieder, wohl von der MP3 CD, von welcher aber alle eine andere Qualität haben, was man bei der unnatürlichen Lautstärke noch mal deutlicher hört.

    Als mir Eileen den Karton eines Schiffeversenken in die Rippe drückt, nicke ich und stelle eher abwesend meine Flotte auf, da wir uns bei dem Lärm nicht richtig verständigen können und ich die Buchstabenlesehilfezeichensprache nicht kann, geben wir uns die Koordinaten per in die Luft gemalten Buchstaben und mit den Finger gezeigten Zahlen an.

    55
    Indien ( Tag 10 Freitag Nacht )

    Einige Zeit vergeht, Draußen ist es mittlerweile stockfinster, außerdem wurde bereits zum fünften mal meine Flotte komplett ausradiert, da öffnet sich über uns die Türe aber noch bevor Bezy die Musik leiser drehen kann, ruft Mario laut genug nach unten:

    "So Ende für Heute, der Spieleraum wir jetzt geschlossen."

    Bezy: "Och ne .."

    Suzy: ".. noch einen paar Minuten."

    Anny: "Es ist noch keiner von uns Müde."

    Mario: "Nichts da, die Aktivitätenräume schließen um sieben Uhr. Wenn ich noch nicht Müde seit, könnt ihr euch auf dem Gelände aufhalten."

    Während er das sagt, kommt er langsam die Treppe runter.

    Salfia: "Können wir auf dem Gelände weiter Musik hören."

    Anny: "Da gibt es keine Steckdosen."

    Domenick: "Dann leg doch das Kabel so, dass das Ding drinnen eingesteckt ist und das Kabel durch die Tür nach Draußen geht."

    Mario: "Die Tür muss zu sein."

    Eileen: "Und? Die Dichtung der Fenster ist so hinüber, das geht auch zu, wenn da einen Kabel durchläuft. B16"

    Sagt sie beiläufig gefolgt von einer Koordinate, welche mein Schlachtschiff direkt auf der Brücke trifft.

    Mario: "Von mir aus, wir holen dass dann beim letzten Rundgang rein aber bis dahin auf eigene Gefahr."

    Tommy: "Sicher, juckt mich nicht, wenn an das Ding was drankommt."

    Als mein letzter spezieller Zerstörer versenkt wird, packen wir unsere Schiffe zurück ins Dock, während die Siegreiche Flottenkommandantin erklärt:

    "Als ob es regnen würde und das Kabel kann man ja austauschen, wir haben noch 3 Rasiererkabel im Campbesitzt."

    Anny: "Rasierkabel?"

    Merle: "Kabel mit Rasiererstecker, so heißen diese Kabel."

    Anny: "Hä .. warum .. das ist doch einen CD Spieler."

    Merle: "Weil diese Kabel das erste mal bei elektrischen Rasierern benutzt wurden."

    Manuel: "Das bei CD-Spielern sind aber Kleingerätestecker, Rasierstecker sind leicht anders."

    Mario schließt mit einem Schlüssel die Glastüre auf, worauf Bezy gleich nach draußen Läuft, um einen der Stühle zu holen, wobei sie prompt gegen einen davon gegenmeddelt.

    Bezy: "Au .. haaa .."

    Anny: "Wieder ein richtiger Bezy."

    Sie geht ihr nach und schiebt einen der schweren Stühle so unter des Fenster, dass sie den CD Spieler von Mario durchs Fenster entgegen nehmen kann. Nach und nach gehen die meistens in Freie aber einige wünschen den anderen auch eine gute Nacht und gehen nach und nach die schmale Treppe rauf.

    Mario schließt erst die Türe aber kurz bevor er auch das Fenster schließt dreht er an der Lautstärke und sagt eindrücklich:

    "Aber nicht lauter als so!"

    Und Schließt dann das Fenster, welcher wirklich ohne Probleme zu geht.

    Draußen setzt ich mich auf den großen Tisch auf der Terrasse und versuche mich ein wenig zu entspannen, doch Suzy reißt mich sofort aus meinen Gedanken.

    Suzy: "Wie dumm ist das eigentlich? Drinnen müssen wir was spielen und hier draußen können wir einfach so Musik hören?"

    Katrin: "Das ist ne Ausnahme, weil Freitag ist."

    Katrin ist wie aus dem Nichts aufgetaucht, beziehungsweise ist sie noch nicht mal aufgetaucht, denn ich kann sie in der Dunkelheit nicht sehen. Ihrer Stimme nach zu urteilen müsste sie aber hinter mit vor dem Tisch stehen, was mir einen leichten Schauer über den Rücken jagt, weswegen ich mich schnell umdrehe.

    Suzy: "Wie auch immer, manche Regel machen überhaupt keinen Sinn."

    Katrin: "Das ist auch so gewollt, damit man lernt sich auch an Regel zu halten, die einem nicht einleuchten."

    Ihre Stimmte kommt schon wieder ganz woanders her, was echt gruselig ist.

    Suzy: "Apropos einleuchten."

    Sie zieht einen kleine Taschenlampe aus ihrer Hosentasche und leuchtet dahin wo Katrins Stimme herkam aber vergebens, dort ist nichts und die mickrige Schlüsselbundlampe ist nicht stark genug, auch nicht, als Suzy in alle Richtungen leuchtet.

    Da sich Suzy danach aber wieder Salfia und Domenick zuwendet, habe ich endlich zeit mich ein wenig auf die Musik zu fokussieren. Nach einer Weile gehen erst Merle, dann Maria, Anny, Salfia und irgendwann sogar Domenick.

    Suzy: "Da die nun weg sind, können wir auch mal einen bisschen Müll rauswerfen."

    Sie macht sich an der Playlist zu schaffen, verdrückt sich aber und spielt versehentlich den indischen Taxifahrer von Punjavi MC. Was bei mir instand einen Ohrwurm hervorruft.

    Ich: "Las das mal."

    Suzy: "Muss das sein?"

    Ich: "Och kommt schon, sonst hab ich Morgen den ganzen Tag einen Ohrwurm."

    Suzy: "Wie oft."

    Ich: "Wie?"

    Suzy: "Ja, einmal .. zweimal .. dreimal."

    Ich: "Zweimal müsste reichen."

    Bezy: "Muss das? Aber dann auch gleich zwei mal meins."

    Suzy: "Jaja."

    Sie drückt den Playknopf und das Lied fängt an zu spielen und erst in diesem Moment erinnere ich mich wieder daran, dass ich, bevor ich ins Camp kam, immer wieder sehr lange Musik gehört habe. Vor allem immer dann, wenn ich über etwas nachdenken musste, um wieder einen klaren Kopf zubekommen oder einfach so aus Spaß.

    Wie zuhause meist auch, nehme ich meine Beide hoch auf den Tisch, welcher bei mir zuhause eher mein Bett wäre, schaukle ein wenig hin und her und hoffe, dass es dunkler genug ist, dass mich die anderen paar nicht sehen. Obwohl es jetzt ja eh nur noch Suzy, Bezy und Emily sind, denn die anderen sind entweder schon gegangen oder verstecken sich irgendwo in der Dunkelheit.

    Gerade als wieder dieses typische Musik und sonst nicht in meinem Kopf einsetzt, wechselt das Lied auf einen Track, welcher wohl eher nach Suzys Geschmack sein dürfte aber mich völlig rausbringt also warte ich ab, bis auch Bezys zwei Doppellieder vorbei sind und frage dann möglichst unaufgeregt:

    "Kann ich nocht mal .."

    Suzy: "Noar .. was findest du an dem Lied, das ist bescheuert."

    Bezy: "Uhrwurm, wenn man das Lied dann nicht 10 mal hört, wird man das Tage lang nicht los."

    Emily: "10 mal? Dann bin ich aber weg."

    Ich: "Zweimal noch reicht."

    Suzy: "Ok, dann zwei .. zwei .. zwei .. zwei."

    Sie zeigt dabei auf jeden von uns und als Emily gerade antwortet:

    "Dann aber einmal Ciara und einmal Miss Eliot"

    .. setzt das Gedudel des indischen Taxifahrers wieder ein und ich schaffe es für eine Weile wirklich komplett abzuschalten. Was will man sonst auch machen, wenn die Produzenten gefühlt jede auch nur verfügbare Tonspur belegt haben und diese einem das Hirn abdichten.

    Für einige Zeit geht es Rund und zu meinem Glück kann ich auch bei Emilys Wunschtracks ganz gut abschalten.

    Aber nach einiger Zeit ist dann auch Ende:

    Mario: "Ihr seid ja immer noch hier draußen, jetzt aber rein mit euch, bevor euch die Mücken zerstechen."

    Wir erheben uns, als Marios Stimme aus der Dunkelheit donnert:

    "Sieht so aus, als müssten wir demnächst echt mehr mit Musik machen."

    Emily: "Mit Musik, ja."

    Sagt sie noch als sie wir langsam durch das Dunkel um den Bunker herum gehen und unbeholfen den Hügel hoch stolpert, um auf die richtige Etage zu kommen. Was in der Finsternis gar nicht so einfach ist.

    Bezy: "So, dann mach Nacht Nacht Leute."

    Verabschiedet sich Bezy auf halben Weg und tapst in Richtung einer Kabine in welche recht weit entfernt noch ein oranges Licht brennt, welches ihr den Weg weißt.

    Ich folge Emily und Suzy in den Bunker, wo kaum noch Licht brennt, allein das Licht welches vom Krankenzimmer kommt, fällt in einem flachen Winkel ins Wohlzimmer und lässt die alten Couchen und Sofas gespenstisch aussehen.

    Ich bleibe einen Moment stehen und bewundere, wie einerseits bläuliches Mondlicht vom Balkon her auf die alten Möbel fällt und andererseits geldlich wirkendes Licht vom Krankenzimmer die Kanten selbiger hervorhebt.

    Die Bewegung eines Schattens im Krankenzimmer sagt mir aber, dass auch ich schleunigst auf mein Zimmer gehen sollte. Ich quetsche mich am großen Tisch vorbei und öffne leise meine Zimmertüre. Das Licht ist aus aber da die Vorhänge am Fenster über meinem Bett nicht zugezogen sind, habe ich genug blaues Licht zur Verfügung unter welcher ich mich umziehen und Bettfertig machen kann.

    Erschöpft falle ich ins Bett, höre aber immer noch den indischen Taxifahrer in meinem Ohr. Verdammt, was habe ich mir da angetan.

    Langsam schlafe ich ein, bis auf einmal sich die Zimmertüre öffnet und gleißendes weißes Licht ins Zimmer fällt. Der Silhouette im Türrahmen nach zu urteilen, steht Mario im Zimmer.

    Ich: "Wä .. was?"

    Mario: "Nicht du, schlaf weiter."

    Sagt er in einem beruhigenden und viel leiserem Ton als sonst.

    Als ich meine Augen gerade wieder zumachen will, geht auch noch die Badezimmertüre auf und Domenick kommt heraus.

    Mario: "Hast du geraucht?"

    Domenick: "Ähm .."

    Mario zieht zweimal Luft in die Nase und sagt dann wieder in einem lauteren, schärferen Ton:

    "Unterhalten wir uns morgen drüber, jetzt will ich einfach nur das Feuerzeug haben oder muss ich dich durchsuchen?"

    Domenick schüttelt den Kopf und gibt Mario etwas in die Hand, welcher sagt:

    "So und jetzt wird geschlafen."

    Unsere Zimmertüre schließt sich und ich bin wieder hellwach. Naja dafür ist jetzt aber auch der Taxifahrer nicht mehr so penetrant.

    Domenick: "Immer hab ich die Pech!"

    Sagt er, als es sich wieder in sein Bett wuchtet.

    Genervt starre ich an die graue Betondecke und frage mich, warum Mario immer genau dann reinkommt, wenn Domenick gerade raucht. Oder ist das Einbildung .. ich überlege noch kurz aber dann entscheide ich mich kurzerhand für Einbildung, um wieder unfreiwillig Platz für den indischen Taxifahrer zu machen.

    Ich muss wohl schon geschlafen haben, da öffne ich wieder meine Augen und sehe wieder hoch zur grauen Betondecke. Alles ist still nur draußen rauscht der Wind durch die Bäume. Etwas genervt drehe ich mich um und frage mich, warum ich wach geworden bin.

    Promt bekomme ich die Antwort von meiner Blase. Verdammt, ich muss pinkeln.

    Unwillig drehe ich mich erneut rum, da ich absolut keinen Bock habe, dass Mario wieder die Türe aufreißt. Aber Moment mal, das ist ja gar kein so schlechter Gedanke ..

    .. eventuell kommt er ja immer dann rein, wenn jemand ins Bad geht. Neugierig geworden und auch weil meine Blase sich nicht von mir bevormunden lässt, stehe ich möglichst leise auf und gehe zum Bad.

    Meine nächtliche Paranoia lässt meinen Blick kurz die Türe auf und ab wandern aber von elektrischen Kontakten ist keine Spur. Nur das blanke Holz mit zwei Metallscharnieren. Um mich selbst nicht zu blenden und weil meine Augen die Dunkelheit eh schon gewöhnt sind, lasse ich das Licht aus und setzte mich aufs Klo.

    Das blaue Mondlicht wirkt ungewöhnlich hell und wirft gespenstische Schatten im Duschvorhang. Als ich fertig bin, ist alles ruhig und ich krieche leise zurück in mein Bett .. von Mario keine Spur. Naja, der gute muss ja auch irgendwann mal schlafen.

    Ich sehe zum Fenster aber da der Mond schon niedrig über den Baumwipfeln steht ist wohl auch kein nächtlicher Besuch aus dieser Richtung zu erwarten.

    Ich weiß, dass ich eigentlich eher über den Brief und die Ereignisse von heute Mittag nachdenken sollten aber meine Paranoia flüstert etwas von Lichtschranken im Badezimmer und da ich gerade nur über eine Sache wirklich erfolgversprechend nachdenken kann, entscheide ich mich wieder für den indischen Taxifahrer.

    56
    Kornflakes ( Tag 11 Samstag Morgen )

    Ich: "Ah .."

    Peter: "Aufstehen."

    Ich falle vor schreck fast aus dem Bett, weil mir mal wieder die Sonne direkt ins Gesicht knallt.

    Neyse: "War da nicht was von wegen, man darf liegen bleiben .. am Samstag."

    Peter: "Ja, aber geweckt wird trotzdem."

    Ich: "Man darf .. liegen blei .."

    Meine Sprache funktioniert diesen Morgen noch nicht ganz so gut aber Peter versteht mich trotzdem und antwortet:

    "Ja, der Morgenspaziergang ist Samstags und Sonntags freiwillig und Sonntags wird eine Stunde später geweckt. Wollt ihr wirklich nicht mitkommen?"

    Ich schüttele den Kopf, stecke den Kopf unter meine Decke und beschließe noch etwas zu schlafen. Aber kaum ist Peter aus der Türe, da merke ich, dass mir mit dem Kopf unter der Decke abnormal heiß wird und dass mir mit dem Kopf über der Decke nach wie vor die Sonne ins Gesicht ballert.

    Also strecke ich mich wohl oder übel und beginne damit mich unter der Decke umzuziehen. Da die Sonne so extrem knallt, dass sie quasi durch die Decke scheint, habe ich im Vergleich zu sonst keine Probleme, die drei Löcher meines Shirts zu finden.

    Als ich meine Armbanduhr vom Nachttisch nehme, sehe ich, dass Peter uns nicht früher geweckt hat als sonst .. ich muss es gestern mit der Party in Anführungszeichen doch etwas übertreiben haben. Ich sehe zu Domenick, Nayse und dem anderen Daniel, die alle noch schlafen.

    Gut denen scheint auch nicht die Sonne ins Gesicht aber ich kann mich ja schlecht zu denen legen, um weiter zu schlafen. Naja, zumindest ist dadurch das Bad frei, weswegen ich in aller Ruhe meinen Zähne putzen und mich waschen kann.

    Während ich mir die siebte Schippe Wasser unter den Arm haue und hoffe, dass die komische Krankenhausseife endlich auch wieder abgeht, über lege ich, ob eventuell der Spiegel ein Einwegspiegel sein könnte und frage mich, noch etwas müde, was eigentlich hinter dem Spiegel sein müsste. Aber schon nach einer Minute habe ich die Antwort: 'Der Abstellraum mit den Wasserkästen'. Trotzdem berühre ich den Spiegel an der Wand kurz.

    Zu meiner Überraschung fühle ich jedoch kein kaltes Glas, sondern lauwarmes Plexiglas und mein Spiegelbild wölbt sich, als wäre dies gar kein Glasspiegel, sondern eine Kunststoffplatte mit einer Spiegelfolie dahinter .. Ich kippe mir einen Schippe Wasser durchs Gesicht, um den Rest schläfriger Paranoia wegzuwaschen.

    Unschlüssig was weiter zu tun ist, nach dem ich mein Bett gemacht habe, gehe ich einfach raus auf den Flur. Zu meiner Überraschung geht es dort recht hektisch zu, Merle und Victoria quetschen sich mit viel zu vielen Tassen und Teller auf dem Arm an dem großen Tisch entlang und decken den diesen.

    Merle: "Vorsicht."

    Victoria: "Sagt man nicht erst guten Morgen? Guten Morgen übrigens."

    Merle: "Guten Morgen und Vorsicht."

    Sie quetscht sich an mir vorbei und da kein Platz zum Ausweichen ist, drückt sie ihren Hintern direkt an meinem Oberschenkel vorbei.

    Victoria: "Wo warst du?"

    Ich: "Wo soll ich sein? Ich bin gerade erst aufgestanden."

    Merle: "Ich denke, die meint das Bad. - Kannst du uns mit dem Besteck helfen."

    Sie deutet auf einen Wagen, voll mit Tellern, Tassen und Besteck.

    Ich: "Hab mich bei mir fertig gemacht."

    Antworte ich, als ich zum Wagen gehe und mit einer Hand voller Besteck an jeden Platz Messer und Gebel lege.

    Victoria: "Hättest uns ja wenigstens Bescheid geben können."

    Ich: "Wie?"

    Victoria: "Ja, kurz zu uns und sagen .."

    Merle: "Ich meine, er meint 'wie' wie 'wie bitte', also warum."

    Victoria: "Damit wir .. ähm .. andere Sachen machen können .. im Bad."

    Merle: "Die meint, damit wir uns unter den Armen waschen können."

    Ich: "Ach ok stimmt, das würde ich vor euch ja auch nicht unbedingt machen."

    Victoria: "Bei dir ist das was anderes, uns störst du damit nicht."

    Merle: "Ganz im Gegenteil."

    Sie zwinkert mir zu, aber an ihrem Gesicht kann ich ablesen, dass sie das nicht ganz so ernst meint.

    Victoria: "Da besteht ja doch noch Hoffnung für wen .."

    Merle: ".. warum auch nicht, es ist nicht bewiesen dass .."

    Victoria: "Der Platz bekommt kein Messer!"

    Ich: "Warum?"

    Merle: "Da sitzt Eilee."

    Ich: "Ah .. stimmt .. warum darf sie noch einmal kein Messer haben."

    Victoria: "Sie hat irgendwann mal eines gegen die Dartscheibe da geworfen."

    Sie deutet auf eine Dartscheibe, welche an der Türe runter zum Spieleraum hängt, bei genauerer Betrachtung erkennt man einen breiten Spalt in etwas in der Mitte der Scheibe, welcher gut zu einem Buttermesser passen könnte.

    Ich muss schlucken als ich überlege, dass man schon eine ziemliche Kraft braucht, um ein extra stumpf gefeiltes Krankenhausbuttermesser so tief in eine Dartscheibe zu scheudern. Um mich abzulenken frage ich schnell:

    "Wie genau könnte ich denn Bescheid geben oder wie können wir das regeln?"

    Victoria: "Och das reicht, wenn du auf Kommando wegguckst und eine von uns das Kontrolliert."

    Ich: "Ok, Eilee rückt mir ja beim Zähneputzen eh immer auf die Pelle."

    Victoria: "Das würdest du für uns tun, dass ich aber nett von dir."

    Sagt sie, als die gerade mit einem Stapel Teller auf dem Arm Merle ausweicht.

    Merle: "Echter Gentleman eben und Danke fürs Helfen."

    Victoria: "Ja, das natürlich auch .. kannst du den Aufschnitt aus dem Kühlschrank in der Küche holen?"

    Darauf hin sprinte ich zur Küche und schnappe mit alle offenen Käse und Wurst Packungen. Welche zu meiner Überraschung voll sind mit Kondenswasser. In diesem Moment erinnere ich mich, dass aus irgend einem Grund ja der Kühlschrank, wie bei meiner Oma, auf der kältesten Stufe läuft. Wenn hier einmal jemand versehentlich Nutella oder Butter reinstellen würde, könnte man damit jemanden erschlagen.

    Beladen komme ich wieder am Tisch an, wo die Mädchen mir gleich die Packungen aus der Hand reißen und dessen Inhalt auf Tellern verteilen. Victoria klatscht sie einfach nur drauf, wogegen Merle keine Kunstwerke aus Käse faltet, während beide leise wohl das Gespräch von vorhin weiter führen.

    Victoria: "Ist das Eileen gegen über überhaupt fair. Sie will sich sicher auch die .. waschen."

    Merle: "Warum, sie kann die ja rausnehmen und im Waschbecken waschen."

    Victoria wird rot und guckt erschrocken mich an.

    Merle: "Er weiß das doch."

    Victoria: "Ah .. ok .. und?"

    Sie sieht mich an.

    Ich: "Was und?"

    Victoria: "Finden Jungs das nicht doof, wenn Mädchen sowas tun?"

    Ich: "Och, interessiert mich eigentlich nicht."

    Victoria: "Gar nicht?"

    Merle: "Ein Gentleman genießt und schweigt."

    Sagt sie in einem schnippischen Tonfall, als sie an der still stehenden Victoria vorbei geht, um weitere Tassen auf dem Tisch zu verteilen.

    Victoria: "Sind dir Titten den egal?"

    Merle: "Tija .. hes just an .. ass person."

    Sagt sie in einem britischen Akzent und klatscht mir im Vorbeigehen auf den Hintern. Stößt mich dann aber Kumpelhaft an und sagt zu mir:

    "Kleiner Spaß. Und das wir das jetzt geklärt hatten, komm morgen einfach ins Bad am besten komplett ohne zu klopfen."

    Victoria: "Was? Nein .!"

    Merle: "Spaß .."

    Victoria: "Bei dir weiß man nie, ob du das nicht doch ernst meinst. Wie auch immer, ich finde ihr beiden passt gut zusammen .. ich denke ich schreibe meine nächste Geschichte über euch."

    Merle: "Wird dass dann sowas wie diese Macho Fantasie - Lesben wieder zurück in die Heterosexualität zu bumsen?"

    Sagt sie beiläufig, ganz darauf fixiert meine wohl frevelhafte Anordnung von Messern und Gebel zu korrigieren.

    Victoria: "Du hast gestern erst gesagt, dass noch alles offen ist."

    Ich: "Was ist offen?"

    Merle: "Nun ja, ich kann halt eben noch nicht sagen ob ich .. in Anführungszeichen .. Kernpädophile bin."

    Victoria: "Oder überhaupt Pädophil, dass kann auch einfach einen Ausrutscher durch Gelegenheit gewesen sein."

    Merle: "Das versuchen zumindest mir die Psychologen einzureden."

    Victoria: "Einreden? Das stimmt! Du hast eine Sache gemacht und wenn du mal was anderes probieren würdest .."

    Merle: "Es zählt aber nicht das, was man gemacht hat, er zählt, ob man Fantasien in die Richtung hat und ob man sich das vorstellen kann."

    Victoria: "Nein, es zählt, was man gemacht hat .. oder was sagst du?"

    Sie sieht mich, mit dem Brötchenkorb in der Hand direkt an.

    [o].. was man gemacht hat.

    [o].. was man für Fantasien hat.

    [x].. ich weiß nicht.

    Ich: "Ich weiß nicht, ich hab von dem Zeug keine Ahnung."

    Versuche ich mich rauszureden und dem Thema zu entkommen.

    Victoria: "Was hast du denn schon gemacht?"

    Ich: "Nichts."

    Merle: "Nach deinem Meinung wären ja dann alle Jungfrauen asexuell .. inklusive dir übrigens."

    Victoria wird kurz rot, kontert dann aber:

    "Ja und erst mit dem ersten Mal bekommt man seine Sexualität."

    Merle: "Und woher weiß man dann, mit wem man sein erstes Mal haben will? Das suchen sich die Meisten eben nicht zufällig aus. Man hat eben vorher Fantasien, Wünsche und Vorstellungen."

    Victoria: "Das klang in deiner Geschichte aber anders."

    Merle: "Ausnahme. Frag jeden den du willst über 14 .. jeder kann dir sagen, welche Vorstellungen Derjenige von dem Geschlecht hat, mit welcher er gerne sein erstes Mal hätte."

    Victoria sieht zu mir und ich antwortet leise und wahrheitsgemäß:

    "Ja stimmt, ich hab halt romantische Vorstellungen von einem möglichst gleichalterigen Mädchen."

    Merle: "Also, jeder hat solche schönen Fantasien von dem bevorzugten Geschlecht und Angst vor ungewolltem Kontakt mit einem unpassenden."

    Victoria: "Angst, dann müsstest du ja Angst vor Sex mit gleichalterigen haben."

    Mittlerweile haben Beide den Tisch ganz vergessen und liefern sich über diesen hinweg einen Schlagabtausch.

    Merle: "Ja, du wirst lachen aber ich empfinde einen gewissen Grad an Angst, wenn ich daran denke, dass mir ein Junge in meinem Alter seinen riesigen dicken Schwanz irgendwo reinschiebt und mir dass dann wehtut."

    Vixtoria: "Das ist doch völlig bescheuert .. normalerweise will man dicke Schwänze! Und wenn es dir nicht passt, nim doch einen mit nem kleinen."

    Merle: "Wenn du meist dass dass bescheuert ist, kannst du gerne ein lesbisches Mädchen deiner Wahl fragen, die haben die gleiche Angst .. oder du fragst einen Jungen, die haben nämlich auch Angst vor Analsex. Für mehr Infos zu dem Thema, kannst du dir auch einfach eine aktuelle Gangsterrapplatte deiner Wahl anhören."

    Da der Tisch sowieso fertig gedeckt zu sein scheint, schließt Merle die Augen und geht mit erhobener Nase davon.

    Victoria: "Hochnäsige perverse Kuh. Die ist doch krank, findest du nicht auch .."

    Ich: "Das Thema ist nicht einfach .."

    Katrin: "Wenn sie nicht krank wäre, wäre sie nicht hier ..

    Katrin ist mal wieder ohne Vorwarnung bei uns aufgetaucht und fügt hinzu:

    ".. das mit den Lesben kann ich übrigens so bestätigen."

    Victoria: ".. bist du?"

    Katrin: "Nein, Bi. Selbst nach deiner Auslegung."

    Sie setzt sich auf ihren Platz und sagt nicht mehr.

    Ich will mich auch setzt aber da zupft mich Victoria vorsichtig am Ärmel und fragt leise:

    "Sag mal .. wie lang ist eigentlich dein Schwanz?"

    [o]Stark untertreiben

    [o]Stark übertreiben

    [x]Die Wahrheit sagen

    Ich: "Ähm .. nun ja .. das weiß ich gar nicht."

    Victoria: "Wie kann man das nicht wissen."

    Ich: "Ich hab das nie gemessen oder so?"

    Victoria: "Aber wir Mädchen wissen doch auch, wie groß unsere .."

    Eileen: "Jungs aber nicht, warum auch? Die müssen ja nichts kaufen, was passen muss. Ein ganz normaler netter Junge weiß das nicht und jetzt hör mal bitte mit dem Thema auf, du sieht doch wie rot er wird."

    Schnell taste ich mein Gesicht hab, er fühlt sich aber nicht wärmer an als sonst.

    Victoria: "Ahh .. gar nicht gemerkt .. tut mir Leid."

    Ich: "Schon ok."

    Katrin: "Och, du fragst sicher nur aus Recherchezwecken für deine Geschichten oder?"

    Victoria nickt und Eileen poltert:

    "Dann ist es eh, egal .. ich hab ja auch gesagt, dass ich einen 23cm Knüppel zwischen den Beinen habe aber im endgültigen Text war das wenig von die Rede .. au .. endlich hab ich mal einen Löffel an meinem Platz .. da hat aber jemand an mich gedacht .. muss ich ja noch nicht mal mehr aufstehen."

    57
    Acanthostega ( Tag 11 Samstag Morgen )

    Als sich Mario, Peter und die meisten anderen gerade setzten, schaufelt sie sich schon massig Kornflakes in ihre Schüssel und stopft sich den ersten Löffel ohne Milch rein.

    Ich: "Bitte."

    Eileen: "Wä?"

    Peter: "Man spricht nicht mit vollem Mund."

    Mario: "Na wenigstens schlingst du nicht so wie sonst .. Moment .. wo hast du den Teelöffel her?"

    Sie zuckt mit den Schultern, kaut eine Weile, schluckt und sagt dann unschuldig:

    "Lag einfach auf meinem Platz .. mit einem Teelöffel zu essen erinnert mich irgend wie .."

    Mario: "Du weiß genau, dass das nicht stimmt."

    Ein leichter Stupser in die Seite lenkt mich von Mario ab, welcher sich mit Eileen über passendes Essbesteck streitet.

    Katrin: "Hey."

    Ich sehe zu ihr, kann aber nicht sagen, da ich gerade kaue.

    Katrin: "Hab gehört, du willst übers Wochenende im Camp bleiben .."

    Ich nicke, sie lächelt ein wenig und sagt dann freudig:

    "Super, dann hab ich endlich mal einen Grund, mich auf beiden Ausgänge zu freuen."

    Ich: "Ausgänge?"

    Katrin: "Ja, es gibt ja entweder den Ausgang, dass ich nach Hause darf und den, dass nicht."

    Sie rutscht ein wenig nervös auf ihrem Platz hin und her:

    "Wenn mir der Ausgang egal ist, hab ich gleich viel weniger Stress. Und das Wochenende hier wird sicher witzig .. ich muss dir dann auch noch was sagen."

    Als ich überlege, was Katrin wir wohl sagen will, stößt mich Eileen heftig in den Rücken.

    Mario: "Du kannst nicht einfach behaupten, dass du dich an etwas erinnerst und dann denken, dass du alles bekommst."

    Sie hat mich bei wilden Gestikulieren wohl versehentlich angestoßen.

    Eileen: "Ich kann ja gerne gleich meine Eltern fragen, mit welchen Löffeln ich zuhause esse aber befürchte, dass die das nicht so genau wissen werden."

    Mario: "Und warum meinst du das?"

    Eileen wendet sich an die gegenüber liegende Reihe des Tisches:

    "Leute, wie teuer ist eine Playsation 2?"

    Mario: "Fängt nun das wieder an? Ich glaube, wir müssen deine Medikation überdenken."

    Wie aufs Stichwort kommt Peter mit einem Tablett voller Blister um den Tisch und verteilt Medikamente. Neugierig schielt Katrin auf das Tablett, stupst mich dann ungewöhnlich hart an und flüstert leise:

    "Hey, wenn du die blaue bekommst .. spuck die aus."

    Als ich gerade fragen will warum, kommt Peter auch schon zu uns. Katrin nimmt drei verschiedene Pillen und wird danach von Peter kontrolliert. Ich bekomme eine blass rote und eine blaue Pille. Ich nehme erst die Rote, schlucke sie aber packe mir die blaue hinter die Zahnreihe. Peter kontrolliert mich nicht und kümmert sich stattdessen um Eileen .. nachdenklich nimmt er einige Pillen aus dem Blister mit ihrem Namen drauf.

    Peter: "So .. ähm .. die ist ok .. die besser nicht, von der hier nur die Hälfte .."

    [o]Meine Tablette schlucken

    [x]Meine Tablette nicht schlucken

    Ich beschließe auf Katrins Rat zu hören aber da ich absolut keine Idee haben wohin mit der Pille, frage ich besser mal nach.

    Ich: "Was jetzt?"

    Katrin: "Wie was jetzt?"

    Ich: "Ja wohin mit dem Ding, ich kann die ja nicht wie ein altes Kaugummi unter den Tisch kleben."

    Sie grinst und verkneift sich ihr Lachen, was unglaublich niedlich ist aber dann sagt sie, zu meinem Schreck, laut:

    "Wenn du einen Knorpel in der Wust hattest, dann spuck den gefälligst in deinem Zimmer ins Klo und nicht auf den Teller."

    Mario sieht mich an und macht eine lässige 'schon ok' Bewegung. Darauf hin stehe ich auf, quetsche mich an den paar Stühlen vorbei in mein Zimmer, schließe die Badezimmertüre hinter mir und pule mir die Pille auf dem Mund, dessen blaue Farbe sich schon fast aufgelöst hat. Eine Sekunde sehe ich das Ding an und frage mich, was es wohl macht, aber dann lasse ich sie ins Klo fallen und ziehe ab. Danach spüle ich mir den Mund aus, weil das Ding doch schon einen üblen metallenen Geschmack hinterlassen hat. In der Hoffnung, dass keinem Aufgefallen ist, dass ich gar keine Wurst gegessen habe, will ich wieder raus an den Tisch, muss aber feststellen, dass Tommy und Domenick bereits abräumen.

    Peter: "Los hier, auf geht es zum Sport."

    Auch dass noch. Kann ich wenigstens noch einen Schluck Tee nehmen um den Geschmack los zu werden? Aber meine Tasse sieht bereits auf dem Wagen, da es sicher etwas komische wäre, daraus noch einen Schluck zu nehmen, folge ich Peter und den anderen.

    Wie auch gestern geht es komischerweise aus dem Camp hinaus, den weg hinunter zu Hardys Hütte. Es ist deutlich wärmer als Gestern und das Gras wirkt besonders trocken, zumindest hört es sich vom rascheln her so an. Hardy winkt uns zu, als wir die kleine Hütte in der Senke passieren aus welcher das Geräusch von Feilen entgegen kommt. Wir stehe wieder vor dem Ressort, welches fast schon wieder eindrucksvoll auf mich wirkt, wenn ich nicht mit meiner Zunge beschäftigt wäre .. man was ist in diesen Pillen .. pures Bleipulver?

    Merle und ich schieben die schweren Holzschiebetüren bei Seite als der Rest in die Halle eintritt und wir uns lose in dem hohen Raum verteilen.

    Peter: "Eileen .. alles breit?"

    "Jap"

    Kommt als Antwort von selbiger, welch zwei Bücher in der Hand hält.

    Victoria: "Oh, nein .. sag nicht, dass Eileen heute Sport bestimmt."

    Mutlos lässt Victoria die Schultern sinken.

    Eileen, welche sich auf eine der Bänke gestellt hat holt tief Luft und erklärt aus voller Lunge:

    "So Leute heute machen wir etwas, dass sich halb warmes Training nennt. Dabei geht es darum zu trainieren, ohne das man dabei ins schwitzen kommt."

    Katrin: "Klingt ja schon mal nicht übel."

    "Aufgrund von Platz und oder Zeitmangel ersetzt man Geschwindigkeit gegen Moment und Stecke gegen Hebel."

    Suzy grinst und stupst Salfia an, welche jedoch nur die Augen verdreht.

    "Das Aufwärmen ist kurz und hat semi dehnenden Charakter."

    Ich sehe mich um und stelle zu meiner Erleichterung fest, dass die anderen wohn genau so wenig verstehen wie ich.

    "Ganz einfach, erstmal die Arme .. dann die Beine."

    Alle machen die zugegeben wirklich einfachen Übungen nach.

    Victoria: "Zugegeben, ich hatte schlimmeres erwartet."

    "Da das aber angeblich nicht reicht .."

    Sie sieht zu Peter und dann wieder zu der konfus umherstehenden Masse.

    ".. machen wir jetzt noch ein paar Dehnübungen aber nicht zu stark ziehen."

    Auch die Dehnübungen gehen recht leicht von der Hand.

    "So, das müsste reichen. Jetzt schiebt bitte alle die Bänke von den Seiten in die Mitte."

    Eileen geht mit gutem Beispiel voran und schiebt die Bank, auf der sie bis dahin gestanden hat, in die Mitte des Raumes.

    "Jetzt sucht sich jeder einen Platz an der Bank .."

    Salfia und Suzy setzten sich auf die Bank.

    ".. dann gehen die Schwachen her, stützen sich mich beiden Händen auf die Bank .. strecken Oberkörper gerade nach hinten, lassen sich zur Bank hin runter und drücken sich mit den Armen wieder nach oben. Die Starken machen das gleiche, nur dem den Füßen auf der Bank und den Händen auf dem Boden. Die Mittleren machen dass mit beidem auf dem Boden."

    Salfia "Ew .. Liegestütze."

    Suzy: "Ich kann keine Liegestütze."

    Eileen: "Auch nicht mit den Händen auf der Bank?"

    Peter: "Die die das gar nicht können, gehen zur Sprossenwand, Packe sich eine Sprosse auf Brusthöhe, gehen einen Schritt weg und lassen sich mit ihren Gewicht gegen die Wand fallen und drücken sich wieder weg."

    Gar nicht glücklich über die von Peter ausgegebene Sondergenemigung, knirscht sie mit den Zähnen und erklärt weiter, während sie sich selber in die Position für Starke begibt:

    "Es geht allerdings nicht darum, zu viele wie möglich zu machen und dann am Ende fertig zu sein und zu schwitzen. Man macht so viel wie man kann, bis man merkt, dass man sich übermäßig anstrengt. Dann hört man auf und .."

    Sie sieht zu Katrin und Merle.

    ".. das ist aber kein Grund, gar nicht erst anzufangen! So und jetzt los."

    Wir beginnen aber die meisten haben schon nach ein paar Wiederholungen keine Kraft mehr.

    "Der Hauptvorteil ist, dass wir hier mit niedrigen Wiederholungen arbeiten und deswegen mehr Kraft einsetzten können. Der Nachteil ist allerdings, dass die meisten Körper nicht an dieses Training gewöhnt sind .. ihr müsst auch also selbst am Kragen packen und euch zwingen eure ganze Kraft einzusetzen, um euch hoch zu stemmen .. also wenn euer Atem wieder normal ist los .. noch ne Runde."

    Einige können nicht mehr, aber ich bekomme das noch ganz gut hin. Da tritt mich Eileen, bei ihrem Rundgang, leicht in die Seite:

    "Hey, du gehörst zu den Starken."

    Ich: "Seit wann?"

    Antworte ich aus Reflex.

    Eileen: "Seit gestern Mittag hab ich ein wenig höhere Ansprüche an dich."

    Sie sieht zur Seite und ergänzt:

    "Außerdem kommst du dir nicht doof vor, dass Katrin das kann und du nicht?"

    Sie ich auch zu Katrin rüber, sie hat ganz schnell die Position gewechselt. Ich schnaufe und gehe ebenfalls in die 'Position für Starke'. Nach ein paar weiteren Sätzen geht erneut den meisten die Kraft aus.

    Eileen: "Was denn schon Ende? Ich denke ich braucht ein wenig Motivation .."

    Sie legt das kleine Buch aus der Hand, blättert eine Weile in dem größeren, schlägt eine Seite auf, beute sich zu uns runter und hält uns ein altes Biologiebuch hin.

    Eileen: "Was ist das?"

    Victoria: "Irgend einen doofer Molch?"

    Katrin: "Aww .. der ist ja putschii ..."

    Eileen: "Ein Moch?"

    fragt sie beleidigt, holt tief Luft und erklärt dann, nach dem sie noch mal kurz "Nicht aufhören" sagt:

    "Das hier ist Acanthostega .. Acanthostega war so ziemlich das erste Lebewesen, das von sich aus an Land gekrochen ist. Dabei hat er sich alleine mit seinen Vorderarmen aus dem Wasser gestemmt und ist an Land gegangen. Seit ihm waren alle anderen Landwirbelwesen .."

    Katrin prustet leise: "Landwirbelwesen .."

    "Seit ihm waren alle anderen Landwirbeltiere in der Lange sich auf die gleiche Weise fortzubewegen. Nur einige von uns scheinen das nicht mehr zu können und das ist traurig. Was würde Acanthostega sagen, wenn er euch sehen könnte .. das sollte sich jeder einzelne von euch fragen."

    Katrin: "Sagen? Er würde wahrscheinlich irgendwelche Molchgeräusche machen."

    Ich muss lachen und kippe deswegen von der Bank. Auch Suzy und Emily machen scheinbar ihre Scherze und ziehen damit direkt Eileens Aufmerksamkeit auf sich:

    "Hey, findet ihr das Lustig? Wenn Acanthostega nicht die Kraft und den Mut gehabt hätte, an Land zu gehen, wären wir heute alle nicht hier. Also wollt ihr alle metaphorisch für immer im Wasser leben, oder an Land?"

    58
    Hebel ( Tag 11 Samstag Vormittag )

    Ich will gerade Lauft holen, um einen weiteren Satz Liegestütze mit meinen Füßen auf der Bank zu machen, da setzt sich Eileen neben mich und stupst meinen Fuß an. Leider kann ich mich in dieser Position nicht richtig umdrehen, um zu gucken, was sie da macht aber sie verlangt auch schon:

    "Los Fuß hoch! Dir trau ich etwas mehr zu .."

    Ich: "Äh .."

    Ich mache einfach wie sie sagt, worauf sie mir das kleine dicke Buch unter die Füße schiebt. Ich frage mich noch wieso, als ich meinen Satz anfange, da merke ich, dass es mit dem Buch plötzlich um einiges schwieriger ist.

    Eileen: "So .. sobald euch eure Übung zu leicht wird .. keine Sorge, es gibt eine einfache Möglichkeit .."

    Katrin: ".. als ob sich hier darüber jemand Sorgen machen würde."

    Flüstert Sie mir zu, als sie selber gerade wieder drei Stück hinter einander geschafft hat, zu meiner Überraschung ebenfalls mit den Füßen auf der Bank.

    Eileen: "Nicht flüstern - zuhören oder Melden .."

    Keiner sagt etwas.

    ".. auf jeden Fall gibt es eine einfache Möglichkeit die Übung schwieriger zu machen, wenn man besser geworden ist, man erhöht nach und nach die Position der Füße, am besten sind Bücher oder .."

    Peter: "Bücher, die man nach Möglichkeit nicht mehr braucht, falls man abrutscht."

    Eileen: "Abrutschen sollte man nach Möglichkeit generell nicht, deswegen ist die saubere und vor allem stabile Ausführung der Übung wichtig. Es bringt gar nichts, wenn man die Übung gerade noch so schafft aber dabei seinen Rücken nicht gerade halten kann. Auch ist es .."

    Peter: "Denkt immer daran, wenn ihr euch beim Sport verletzt, könnt ihr eine Weile keinen Sport mehr machen und das wirft euch weiter zurück, als ihr mit unsauberen Übungen voran kommt."

    Schneidet er Eileen erneut das Wort ab, während Katrin flüstert:

    "So ne Sportverletzung kann also echt praktisch sein. Wieder was gelernt."

    Peter: "Ihr müsst aber nicht unbedingt mit extrem schweren Gewichten oder dem krassesten Hebel trainieren, oft reicht auch einfach ein instabiler Untergrund, wie ein Ball oder für Anfänger eine Rolle."

    Während er das sagt, holt er einen Basketball aus dem Geräteraum und wirft ihn Eileen zu, welche diesen prüfen mustert, sich dann auf den Ball stützt und mit ihren Füßen auf der Bank bei Zehn zu zählen beginnt.

    Zu meiner Überraschung hört sie jedoch bei 7 auf und hält sich zähne knirschend das Handgelenk.

    Peter: "Wenn man zu fixiert auf eine einzige schwere Übung bleibt, dann vernachlässigt man die Sekundärmuskulatur. Ein Körper besteht nicht nur aus Bizeps und Bauchmuskeln, wenn man die anderen Muskeln zu stark vernachlässigt ist das am Ende eher schädlich als nützlich, weil die Muskeln dann unsymmetrisch am Körper ziehen. Gleichgewichtsübungen sind besonders gut für die Sekundärmuskulatur aber ich würde sagen, das reicht für Heute. Jetzt werfen wir uns jeweils zu zweit noch ein wenig den Ball zu, ums ausklingen zu lassen."

    Er sieht zu Eileen runter, welche dieses mal bis 6 gekommen ist aber sichtlich gegen den Ball kämpft.

    Die meisten laufen los und holen sich irgendwelche Bälle, ich stehe gerade auf und strecke mich, als Katrin mir einen Softball zuwirft, welche ich gleich wieder zurück werfe.

    Da wir eine ungerade Nummer an Campbewohner sind, muss Eileen sich mit Peter den Ball zu werfen, welcher sie ermahnt:

    "Nicht so feste, du musst deine Kraft besser einschätzen lernen."

    Eileen: "Ich kann die Dinger nicht so schnell runterregeln, ich hab gerade erst .."

    Ich höre gar nicht erst weiter hin und wende mich Katrin zu, welche aber nichts sagt, also frage ich:

    "Wie schafft du das eigentlich?"

    Katrin: "Was? Den Ball gerade zu werfen?"

    Ich: "Ne .."

    Katrin: "Kleiner Spaß, ich weiß die Liegestütze. Nun .. ich bin eben leicht, dann muss man nicht so viel heben."

    Ich: "Ah .."

    Katrin: "Außerdem hab ich ja teilweise ne Personaltrainerin."

    Sie sieht rüber zu Eileen.

    Nach einer Weile pfeift Peter auch schon in seine Trillerpfeife und bedeutet uns, dass für Heute wohl Ende ist. Alle bringen ihre Bälle weg, wo bei ich staune, dass es Merle und Emily es tatsächlich geschafft haben müssen, sich gegen seitig einen Tennisball zuzuwerfen.

    Ich trotte den anderen hinterher aus dem Ressort hinaus, welches immer noch einiger maßen eindrucksvoll auf mich wirkt.

    Merle: "Da geht man zwei mal hier durch und schon wirkt es gar nicht mehr so eindrucksvoll."

    Katrin: "Das ist der Reiz des Unerreichbaren. Man muss uns nur jeden Tag erzählen, dass wir hier nicht hin dürfen und schon finden wir es um einiges spannender. Das nennt man Antimarketing, ich hab mal davon gelesen."

    Merle: "Ich würde eher sagen Angebot und Nachfrage. Man hat uns das Angebot verknappt, also entsteht eine passive Nachfrage."

    Emily: "Wo hast du denn die Worte aufgeschnappt?"

    Katrin: "Wirtschaftsgymnasium, das haben die in der Schule."

    Emily: "Echt? Jetzt ohne Witz?"

    Merle wird leicht verlegen und antwortet:

    "Naja, so extrem nicht, ich hab da schon einige Kure extra belegt."

    Eileen: "Ist euch schon mal aufgefallen, dass die Matheaufgaben in den Büchern für die Hauptschule immer von Leuten handeln die irgendwas bauen und das alles immer in Millimetern ist, auch wenn es gar nicht um Geometrie geht – wohingegen es in den Büchern für Gymnasium fast immer um Geld geht und das da ganz oft Griechen und Römer abgebildet sind?"

    Keiner antwortet, als wir an Hardys Hütte vorbeigehen. Damit sie sich, nach der Sache mit dem Ball, nicht noch einmal vorgeführt fühlt antworte ich:

    "Also das mit dem Bauen in den Hauptschul .."

    Katrin: "Ne, wie soll uns das auch auffallen, die meisten von uns haben ja nur ein Buch und haben nicht die Zeit verschiedene Bücher zu vergleichen."

    Emily: " .. also jetzt wo du es sagst, kommt mir das echt so vor."

    Eileen wirkt zufrieden, dass ihr wenigstens einer Recht gibt.

    Auf dem Weg hoch, an den Gräsern vorbei, sagt Merle:

    "Also das mit den Griechen und Römern im Gymnasium kommt sicher daher, dass man ja jetzt immer stärker das Konzept verfolgt, dass man die Fächer unter einander verknüpft. Eigentlich ja eine gute Idee aber die erforderte Kooperation zwischen den einzelnen Lehrern der Fächer ist meist nicht gegeben."

    Worauf jedoch keiner antwortet, erst am Campeingang, begrüßt uns Mario:

    "Was denn los? Auf einmal so schweigsam?"

    Merle: "Hm .."

    Wir betreten erst das Gelände, dann Folge ich den anderen, welche sich komischerweise alle Richtung Wohnzimmer bewegen und sich dort auf den Sofas und Couchen verteilen, einigen gehen auf den Balkon.

    Die meisten bleiben aber auf den Sitzmöbel sitzen, einige wirken angespannt, andere dagegen völlig gelassen. Als ich etwas fragend dreinschaue erklärt auch schon Victoria:

    "Du weißt doch, dass heute wieder die Duelle sind oder?"

    Ich: "Ach stimmt."

    Victoria: "Du hast keinen Ärger mit deinen Eltern oder?"

    Ich schüttle den Kopf, während Mario auf dem Flur kommt und Domenick zu sich ruft.

    Domenick: "Bis dann Leute, falls ich nicht wiederkomme."

    Salfia: "Wenn du nicht in fünf Minuten wieder da bist, schicken wir einen Rettungstrupp los."

    Katrin summt leise die Melodie der Rettungstruppe.

    Salfia: "Wer kommt mit rauchen?"

    Die meisten nicken und so versammeln sich Raucher und Nichtraucher auf dem kleinen Balkon, dessen zwanzig Zentimeterdicke Panzerglasscheiben ich fast vergessen hätte. Immer noch verwundert, sehe ich durch einen der ebenfalls Handfreiten Spalten runter auf die Terrasse und die schweren Gartenmöbel.

    Ich: "Warum sind hier gleich noch mal diese Scheiben?"

    Anny: "Damit keiner hier runter springt und sich verletzt."

    Ich: "Verletzt? Wenn die Scheiben nicht währen, könnte ich von hier aus doch locker auf den Tisch unten springen und würde mir nicht mal wehtun .."

    Salfia: "Genau darum, dann kannst du doch ganz einfach abhauen."

    Ich: "Wenn der hohe Zaun nicht wäre."

    Salfia: "Och, der ist kein Problem, der hat einen Loch."

    Emily sieht sie verwundert an.

    Salfia: "Ja, da bin ich doch durch, als ich am ersten Tag abgehauen bin."

    Suzy: "Du bist abgehauen?"

    Salfia: "Ja, einfach aus der Bunkertüre raus aber dann bin ich erst nach oben zu der Bruchbude gelaufen, die Beiden aber nach unten und erst, als die schon angefangen haben den Zaun abzulaufen bin ich wieder selber zum Zaun, durch das Loch und dann ab runter am Krankenhaus vorbei zur Bushaltestelle."

    "Hey."

    ruft es von unten.

    Peter: "Unter 16 Jährige runter vom Balkon wenn geraucht wird."

    Emily: "Noar .."

    Genervt verlassen einige den Balkon, lassen aber die Balkontüre auf.

    Emily: "Und?"

    Fragt sie gespannt, während sie gerade noch mit den Füßen im Wohnzimmer steht.

    Salfia: "Ja, hatte kein Ticket und mein Portemonnaie vergessen."

    Suzy: "Oar .."

    Emily: "Oar .. wie doof."

    Salfia: "Was solls, gleich bin ich ja hier raus."

    Mario ruft Marias Nachnamen durch Wohnzimmer und ergänzt:

    "Balkontüre zu."

    Maria verlässt den Balkon und will die Türe hinter sich schließen, das grätscht Emily hinein.

    Emily: "Schnell schnell, lass mich noch mal ganz kurz ziehen."

    Suzy, lässt sie durch die fast geschlossene Balkontüre an ihrer Zigarette ziehen, bevor sie sich sich geknickt ins Wohnzimmer setzt:

    "Es ist scheiße 15 zu sein!"

    Ich hatte sie eigentlich als älter eingeschätzt aber, das könnte durch ihre Größe kommen, denke ich mir, werde aber sofort wieder aus meinen Gedanken gerissen, als Domenick die Balkontüre aufreißt und sich ärgerlich eine Zigarette in den Mund steckt.

    Domenick: "Boar!"

    Salfia: "Was ist, deine Familie?"

    Domenick: "Ne das scheiß Heim, Alter .. regen die mich auf."

    Schnauft er und schlägt danach mit beiden Händen mit voller Wucht gegen eine der Panzerglas scheiben. Das Glas donnert dröhnen laut .. was ihn genau so erschreckt wie uns.

    Salfia: "Alter!"

    Suzy: "Erschreck mich doch nicht so .. mein Herz!"

    Salfia steht auf und sagt: "Beruhig dich?"

    Domenick: "Ach alles ok .."

    Sagt er in einem erstaunlich ruhigen Ton.

    Domenick: ".. ich bin in der Psychiatrie ich darf das."

    Ich muss schmunzeln, die anderen lachen teilweise.

    Manuel: "Ja ne?"

    Suzy: "Man gönnt sich ja sonst nichts."

    Zitiert sie Tommy, welcher aber gerade nicht da ist.

    Salfia: "Dann bleibst du eben über Wochenende hier, ist ja so schlimm auch nicht. Vor allem, wenn man den den Pudding denkt."

    Emily: "Du wieder mit deinem Pudding."

    Sagt sie durch die einen Salt weite Balkontüre.

    Salfia: "Das war ja auch der geilste Pudding, den ich je gegessen habe."

    Als sie sieht, dass die meisten keine Ahnung zu haben scheinen, von was die redet erklärt sie:

    "Also letzte Woche, da kam meine Familie so spät, dass ich noch zum Mittagessen da war und da gab es einen Pudding zum Nachtisch, der war so herrlich .. der beste Pudding meines Lebens. Ok, hat sich zwar ein bisschen komisch angefühlt, da alleine mit Mario und Peter zu sitzen und tonnen weise Pudding in mich rein zu löffeln aber glaubt mir, der Pudding wars wert."

    Ich: "Alleine?"

    Salfia: "Ja."

    Ich: "Wo waren denn dann?"

    Eine Horrorvision überkommt mich, in der ich das ganze Wochenende alleine mit Mario und Pater im Camp verbringe und das Eileen mich doch reingelegt hat.

    Bezy: "Wir dürfen am Wochenende selber kochen .. und das machen dann die meisten auch."

    Salfia: "Kochen?"

    Bezy: "Naja, Fertigpizza."

    Salfia: "Ihr lasst das Essen hier aus wegen Fertigpizza?"

    Bezy: "Wenn du zuhause jeden zweiten Tag Fertigpizza isst und hier nur den Ökokram, dann bist du froh, wenigstens am Wochenende mal wieder ne Ofenfrische zu futtern."

    Salfia: "Stimmt, dieser verdammte Ökokram. Ich bekomm davon voll die üblen Pickel, ich hab kaum noch Abdeckstift, zuhause mach ich mir erstmal ne Maske."

    Sie drückt ihre Zigarette aus und verlässt den Balkon, als ihr keiner folgt sagt sie vorwurfsvoll:

    "Kommt mal rein, wir können die anderen schlecht alleine lassen."

    59
    Leichte Panik ( Tag 11 Samstag Vormittag )

    Wir verteilen uns also alle wieder auf die Sofas und Couchen. Vom Flur aus kommen Manuell und Eileen, welcher sich ebenfalls zu uns setzten.

    Salfia: "Und?"

    Manuel: "Ich darf ja nicht, hab nur einen Packen frischer Wäsche bekommen."

    Salfia: "Was denn reicht doch?"

    Manuel: "Naja .."

    Er streicht sich über die Oberlippe, wo sich mittlerweile ein leichter Flaum gebildet hat. Er sagt leicht ironisch:

    ".. ich müsste mich auch mal wieder rasieren."

    Tommy: "Auch stimmt ja, das darf man hier ja gar nicht."

    Victoria: "Doch, du kannst vom Camp für einen Euro einen Einmalrasierer kaufen und dich dann unter Aufsicht rasieren."

    Manuel: "Aww .. Einmalrasierer."

    Tommy: "Ja toll .. dann schneidet man sich versehentlich und dann heißt es, man hat sich geritzt .. ok, jetzt mal ohne Spaß, stehen die da echt hinter einem im Bad?"

    Anny: "Nein, du musst dich in dem großen Waschraum rasieren."

    Tommy: "Da würde ich ehrlich gesagt auch lieber Wachs nehmen."

    Victoria: "Dürfen wir nicht."

    Salfia: "Was?"

    Victoria: "Ja, zählt als 'sich selbst Schmerzen zufügen' das dürfen wir nicht."

    Salfia: "Ups .."

    Sagt sie leise.

    Tommy: "Im Waschraum, da alle rein und raus laufen? Hätte ich ja noch weniger Bock drauf."

    Bezy: "Stell dir mal vor, du willst dich da unten rasieren und die gucken dir dabei zu."

    Stille aber nach einer Weile lacht Tommy und dann auch die anderen.

    Tommy: "Die tun ja wirklich alles, damit man sich hier nicht wehtun kann."

    Er dreht sich nach hinten und zupft erst an dem grob gewebten Wandteppich, dann steht er aber auf, stellt sich auf das Sofa und hebt den Teppich ganz hoch.

    Der Teppich ist oben an einer Holzleise angebracht und in die Wand geschraubt. Zu meiner Verwunderung ist unter dem Teppich nicht gestrichen und der rohe Beton ist sichtbar, wie in meinem Zimmer.

    Tommy: "Alter .. was ist dass den? Meinen die, dass Jemand den Teppich abhängt und sich daran aufhängt?"

    Anny: "Hey, du darfst nicht hinter den Teppich gucken."

    Tommy: "Was? Wo steht das?"

    Anny: "Im großen Regelbuch."

    Ja, da erinnere ich mich an was.

    Anny: "Man darf den Teppich nicht anfassen, nicht hochheben und keine Witze darüber machen, dass hinter dem Teppich nicht gestrichen ist."

    Victoria: "Naja .. Regelbuch .."

    Versucht sie Tommy zu beschwichtigen, welcher eine Mischung aus Staunen, Verwunderung und absoluten Unverständnis zeigt.

    Victoria: ".. es ist eher eine kuriose Sammlung von allen Sachen, für die irgendwann mal irgend Bewohner ärger bekommt hat."

    Aber Anny labert einfach über sie drüber:

    "Außerdem, darf man das hier nicht machen."

    Sie hebt die Lehne einer Couch Lehne hoch, welches schon lange so kaputt zu sein scheint, dass der Korpus der Lehne nicht mitkommt. Nur die lederne Hülle hebt sich, darunter werden Schaumstofffetzen und kleinen Balken sichtbar.

    Anny: "Außerdem darf man nicht zu nah an Mädchen, wenn man ein Junge ist und man darf noch nicht mal Kuscheln und selbst so stehen darf man nicht."

    Sie stellt sich mit ihren Füßen so, dass sie zwischen Bezys breiten Beinen steht. Hm, genau die gleiche Vorführung haben die Beiden ja auch mir gegeben, als ich neu war.

    Bezy: "Aber Mädchen dürfen mit einander fast machen, was sie wollen .."

    Bezy packt Anny, so das Anny auf sie fällt und ihre Brüste in ihrem Gesicht landen.

    Anny: "Aber nur, wenn man nicht lesbisch ist."

    Jap, denke ich mir, dass ist haargenau die gleiche Vorstellung. Ich frage mich gerade, ob wohl jeder diese Showeinlage bekommt, als Bezy auch schon abberufen wird.

    Im Gegensatz zur mir, lässt Tommy die Vorstellung aber sichtlich kalt.

    Könnte das nicht eventuell auch zu den komischen Ritualen gehören, vor denen mich meine Kinderärztin gewarnt hat? Aber Moment mal, dann müsste meine alte Kinderärztin ja Bezy und Anny kennen .. wie lange sind die beiden noch mal im Camp? Eventuell gehören die ja hier schon zum festen Inventar.

    Ich versuche das alle zusammen zu puzzeln während das Wohnzimmer immer leerer wird, nur Merle kommt wieder zurück und lässt sich auf die Couch fallen. Da sie die Arme verschränkt hat und auf den Fliesentisch schaut, schätze ich, dass sie wohl eher nicht reden will.

    Plötzlich wird Domenick noch mal aufgerufen.

    Salfia: "Hä?"

    Domenick: "Einmal Heim, einmal Eltern."

    Sagt er freudig und macht sich vom Acker.

    Victoria: "Nicht alle die im Heim sind, sind auch gleichzeitig Waisen. Manche Eltern sind einfach überfordert .."

    Eileen: ".. oder leben in Umständen, welche das Wohl des Kindes gefährden."

    Ergänzt sie, während sie sich selber das Handgelenk massiert.

    Victoria: "War das nicht ein wenig zu hart?"

    Eileen: "Och ich fands ganz gut .. übrigens toll wie du mitgemacht hast?"

    Victoria: "Mitgemacht?"

    Merle: "Das wären wohl die meisten Liegestützen von allen."

    Victoria: "Achso, das .. ja."

    Ich: "Meintest du nicht, das Wochenende wird entspannend?"

    Eileen: "Korrekt, aber vorher muss man für die Ruhe auch was tun. Ich meine .. von was willst du dich ausruhen, wenn du nichts getan hast."

    Sie hebt die Schultern als Victoria aufgerufen wird, welche im Gehen noch sagt:

    "Gute Ausrede, wenn mich meine Eltern fragen, von was ich Muskelkater habe."

    Eileen: "Muskelkater kommt, wie sein kleiner Bruder, von unzureichender Mineralzufuhr."

    Ruft sie ihr nach und erklärt dann leise:

    "Wenn die sich jetzt mit ihren niedrigen Gewicht, hoch trainieren und dann langsam zunehmen würde, könnte sie im nu muskulöser werden als ich."

    Katrin: "Kampfkoloss Victoria."

    Anny: "Klingt irgendwie komisch."

    Eileen: "Warum? Victoria heißt schließlich Sieg."

    Katrin: "Stimmt, theoretisch könnte man ja eigentlich, wenn Victoria niest anstelle von 'Gesundheit Victoria' einfach 'Sieg Heil' sagen."

    Stille.

    Mario: "Daniel, deine Familie hat sich wohl irgendwie verfahren und wartet oben auf dem Parkplatz auf dich, gibt wohl viel zu schleppen."

    Katrin: "Was fürn Zufall, meine fährt auch immer 'versehentlich' oben auf den Parkplatz."

    Eileen: "Schleppen? Soll ich mit kommen."

    [x]Ja

    [o]Nein

    Wieso sollte ich auf ihre Hilfe verzichten? Ich nicke also, und will schon in Richtung Bunkerausgang, als mich Eileen von hinten antippt und fragt:

    "Willst du nicht deine .."

    Ich: "Ach meine Schmutzwäsche."

    Ich hechte in mein Zimmer und nehme dann meinen fertig gepackten Koffer, welcher mir aber noch auf dem Flur von Eileen abgenommen wird. Ich beschließe nicht zu protestieren, da ihre Laune nach dem Sport immer noch nicht die beste ist.

    Also machen wir uns auf den Weg hoch zur Krankenhausbrücke. Auf dem Weg dorthin, welcher über einen engen Pfad führt, wenn man nicht durch das Krankenhaus und die verbotene Lobby läuft, sagen wir nichts.

    Nach einem Moment, kommen wir hinter dem Krankenhaus raus, nachdem wir eine steile Treppe hinaus sind, müssen aber trotzdem noch über die Brücke. Auf dem Parkplatz angekommen sehen ich bereits aus der Ferne das Auto meiner Familie. Welche mir auch gleich entgegen kommt und mich herzlich begrüßt, sogar meine kleine Schwester nimmt mich in den Arm, was sie sonst nie tut.

    Nach dem ein ganzer Schwall über mich ergeht, wie sehr sie mich vermissen und wie schade es ist, dass ich nicht nach Hause komme, zähle ich noch einmal gründlich alle Gründe auf, warum ich dieses Wochenende lieber im Camp bleiben will:

    Mutter: "Jaja, das wissen wir schon .. außerdem gibt es ja da noch dieses Mädchen oder."

    Meine Mutter zwinkert mir im Spaß zu. Ich werde erst Rot und bekomme leicht Panik, wie Eileen jetzt reagiert .. langsam drehe ich mich um und sage beschwichtigend:

    "Naja, so ist da nun nicht .."

    .. jedoch steht Eileen gar nicht hinter mir, hinter mir steht nur mein Koffer, welchen ich für meine Familie zum Auto trage. Dort wartet schon ein praller anderer Koffer auf mich, es ist ein froschgrüner französischer Lederkoffer, welcher dank seiner Formgebung und dem Fakt, dass er bis zum bärsten gefüllt ist, auch noch aussieht wie ein Laubfrosch mit extremen Übergewicht.

    Ich kenne diese Koffer aus unserem Keller.

    Mutter: "Hier, pass aber gut drauf auf, der ist von deiner Tante aus Frankreich."

    Ich: "Merci."

    Mutter: "Willst du denn sofort wieder los, komm las uns wenigstens noch einen Kaffee trinken."

    60
    Schock ( Tag 11 Samstag Vormittag )

    Ich nicke und folge meiner Familie bis in die Lobby.

    Ich: "Also eigentlich dürfen wie hier nicht rein."

    Mutter: "Ach was .. wir sind hier quasi Kunden."

    Ich beschieße nicht zu widersprechen und folge meiner Familie durch die Lobby, hindurch den kleinen Garten und zu einem kleinen Kaffee in einem Glaskasten. Ich wundere mich, warum sich meine Familie hier so gut auskennt aber meine Mutter beatwortet die Frage auch schon:

    "Hier haben wir Kaffee getrunken, als wir letzte Woche ein wenig zu früh dran waren. Der Cappuccino ist ganz lecker."

    Wir setzen uns, als meine Mutter auch schon die Kellnerin ruft.

    Ich: "Ich darf leider keinen Kaffee."

    Schwester: "Warum?"

    Ich: "Nun, wir dürfen einiges nicht, der Kaffee ist halt verboten, weil das irgendwie aufputschen ist."

    Schwester: "Und warum sollt ihr nicht durch den Eingang."

    Als die Kellnerin kommt, bestelle ich einfach nur ein Wasser und erzähle meiner Familie von den ganzen Verboten und dass mich das nicht sonderlich stört, da ich eh die meiste Zeit für die Schule lerne.

    Schwerster: "Sind die anderen Jugendlichen nett?"

    Ich: "Ja .."

    Antworte ich beiläufig, weil ich gleichzeitig mit meiner Mutter über die Schule spreche.

    Schwester: "Freunde gefunden?"

    Ich: "Kann man so sagen .."

    Schwester: "Freundin gefunden?"

    Ich: "Nein."

    Sage ich erschrocken.

    Schwester: "Gibt es da keine Mädchen im Camp?"

    Mutter: "Hast du nicht erzählt, dass ein Mädchen dir hilft?"

    Ich: "Schon .. also .. eigentlich sind im Camp fast nur Mädchen .."

    Schwester: "Echt? Warum sind die da?"

    Ich: "Unterschiedlich, eine hat ne Essstörung, eine hat Probleme mit ihrer Familie, eine hat ein Problem mit Mobbing, andere haben Probleme mit .."

    Mitten in der Aufzählung fällt mir auf, dass ich ja Victorias, Katrins und Emilys Probleme ja ruhig aufzählen kann aber ich kann im Fall von Eileen oder Merle ja nicht einfach sagen: 'eine ist sau gefährlich und eine andere pädophile.' Also lasse ich es lieber und sage stattdessen:

    ".. bei einigen weiß ich es aber auch nicht."

    Mutter: "Und kein Hübsches dabei?"

    Ich: "Jetzt du auch noch? Ja, die meisten sind hübsch aber .."

    Mutter: "Aber nicht dein Typ?"

    Meine Mutter und meine Schwester lachen.

    Ich: "Aber ich hab halt mit der Schule zu tun."

    Mutter: "Die Rechnung bitte. Du musst aber auch mal ausruhen."

    Ich: "Hab ich gleich auch vor."

    Nachdem meine Mutter die Rechnung bezahlt hat, wirft sie mir den Keks ihres Cappuccinos hin. Eine alte Tradition, da ich als Kind in Cafés immer so lange gequengelt habe, bis ich den Keks und die Kondensmilch bekommen habe.

    Ich stecke den Keks ein und folge meiner Familie zurück zum Auto. Dort angekommen bekomme ich den Koffer in den Arm gedrückt und ..

    Katrin: "Deine Familie?"

    .. ich drehe mich, mit dem Koffer im Arm, leicht erschrocken rum. Katrin ist hinter mir aufgetaucht.

    Mutter: "Ah, ihr kennt euch?"

    Ich: "Ja eine Mit .. ähm ..Mitschülerin von mir."

    Sage ich, da mir das Wort Mitcampbewohnerin einfach nicht über die Lippen wollte.

    Mutter: "Ah .. Hallo."

    "Katrin"

    Stellt sich Katrin vor und reicht erst meine Mutter und dann meiner Schwester die Hand.

    Mutter: "Du bist also die Mitschülerin, von der Daniel so viel erzählt hat."

    Katrin: "Jaa .. wir verstehen uns echt gut .. manchmal wüsste ich gar nicht, was ich ohne ihn machen würde."

    Mutter: "Das ja toll."

    Etwas verschämt sehe ich weg und mein Blick fällt auf einen schwarzen Kleinbus, welcher gegenüber von uns parkt. In dem Bus am hinteren Fenster sitzt ein Junge ein wenig jünger als ich, der mich unter einem schwarzen Pony hindurch direkt anguckt. Er hat den wohl traurigsten Gesichtsausdruck, den ich jemals gesehen habe. Doch Katrin stößt mich an und ich fixiere mich wieder auf meine Familie.

    Katrin: "Jaja .. er träumt manchmal."

    Ich: "Sorry war abgelenkt .. worum gings."

    Katrin: "Minigolf."

    Ich: "Ich hasse Minigolf."

    Sage ich leise und greife mir verschämt in den Nacken. Ein klein wenig peinlich und vor allem seltsam ist es schon, dass Katrin auf einmal so offen mit meiner Familie redet.

    Meiner Mutter lacht:

    "Ja, das war schon immer so."

    Katrin: "Wir müssen dann aber auch schon wieder, nicht dass die sich fragen wo wir bleiben."

    Sie geht ein paar Schritte, bleibt dann aber stehen.

    Ich: "Ok, tschau .. machts gut."

    Meine Familie steigt ins Auto aber meine Schwester flüstert mir noch zu:

    "Los, nimm die als Freundin."

    Wenn das doch so einfach wäre, denke ich mir, als meine Familie vor meinen Augen wegfährt. Eigentlich will ich mich sofort wieder zu Katrin umdrehen, aber das Bild des Jungen lässt mich nicht los.

    [o]Zu Katrin

    [x]Nochmal zum Jungen umdrehen

    Ich kann einfach nicht anders und sehe noch einmal zu dem Bus hinüber, der Junge hält jetzt sogar noch seine Hand an die Scheibe und berührt diese geistesabwesend mit seinen Fingerspitzen.

    Katrin stößt mich licht in die Seite.

    Katrin: "Rmf .. ignorier den einfach."

    Schnaupt sie leise.

    Ich: "Du kennst?"

    Katrin: "Ja, ist mein Freund .. meine Familie könnte auch mal wegfahren. Nu komm .."

    Ich folge ihr mit dem Koffer im Arm die Treppe hinunter und erst auf halbem Weg trifft es mich wie der Schlag ..

    .. Katrin hat einen Freund. Erst überlege ich, ob sie nicht eventuell doch 'ein Freund' gesagt hat aber nein .. sie hat ganz eindeutig 'mein Freund' gesagt. Klang es eventuell irgendwie abwertend? Nein, ich bin mir sicher, das klang neutral.

    Als ich mir dessen unten am Fuß der Treppe gewahr werde, spüre ich einen ziemliches ziehen in der Brust. Nein, es fühlt sich eher so an, als würde jemand einen eiskalten Blitz durch meine Brust bohren.

    Um Gewissheit zu bekommen, will ich mich zu Katrin umdrehen, doch sie scheint verschwunden. Gelähmt schleppe ich mich zurück ins Camp, wo mir Peter die Türe öffnet, dessen Fragen ich einfach mit .:

    "Meine Familie wollte noch Kaffee trinken",

    "Nein, gab keinen Ärger mit meiner Familie"

    und

    "Nene, alles ok .. bin nur müde."

    .. Beantworte.

    61
    Hügel ( Tag 11 Samstag Vormittag )

    Ich schleppe mich aus der Schleuse heraus und lasse mich ein paar Meter weiter auf den kleinen Hügel fallen, von wo aus man so gut in das Sprechzimmer gucken kann.

    Ich liege dort einfach im Gras, den froschgrünen Koffer neben mir und starre ins Nichts, dabei frage mich leise:

    "So fühlt sich das also an, wenn einem das Herz bricht."

    Enttäuscht mach ich erstmal die Augen zu und döse ein wenig vor mich hin. Da ich aber nicht einschlafen kann, mache ich die Augen nach einer Weile einfach wieder auf und guckt weiter in die Äste des Baumes über mir.

    Da mir aber auch das nach einiger Zeit zu langweilig wird, strecke ich den Arm, ohne hin zusehen nach meinem Koffer aus. Als ich faul wie ich bin, die Wiese neben mir abtaste, denke ich mir: Dieses Camp hat einfach nur zwei Zustände. Entweder gehen die weirdesen Sachen ab – oder es ist so langweilig, dass man es kaum aushalten kann.

    Aktuell ist mir jedoch letzteres bei weitem lieber. Meine Finger ertasten etwas warmes weiches. Da ich denke, dass es mein Koffer ist, der einfach nur in der Sonne warm geworden ist, suche ich die runde Form nach der großen Metallschnalle ab aber finde sie nicht.

    Au .. ich muss wohl doch an einer anderen Stelle sein, als ich gedacht habe und so fühle ich in die andere Richtung und schon .. da ist ja die Schnalle. Mit dem langen Arm öffne ich die Schnelle und fühle im Koffer herum nach etwas, dass sich möglichst spannend anfühlt.

    Ah ein Buch, ein kleine Buch. Ich zieh es heraus und betrachte gegen das Sonnenlicht das Cover.

    "Lexikon des Geheimwissens"

    Lese ich in Gedanken vom Cover ab, welches ein Auge über einem Hexagramm zeigt. Wage erinnere ich mich an das Buch und das ich es als Kind mal gelesen habe. Naja gelesen ist eventuell ein wenig übertreiben, ich hab mir die Bilder angeguckt und eventuell mal eine der Bildunterschriften gelesen. Ich blättere etwas in dem Buch.

    Massig Text, Tabellen und gar nicht mal so viele Bilder, wie ich in Erinnerung hatte. Hatte ich nicht anhand dieses Bucher irgendwann mal versucht die Runenschrift zu lernen? Kommt mir eine Wage Erinnerung hoch. Beim durchblättern der Seiten, bleibe ich auf einer Seite hängen, welches ein Auge in einer Pyramide zeigt .. auf der gegenüber liegenden Seite ist ein Blutfleck? Ich blättere schnell weiter und fange einfach mitten drin an zu lesen. Ein Lexikon hat schließlich ja keine wirkliche Reihenfolge.

    Schnell werde ich von einem Eintrag zum nächsten geleitet. Ich lese Texte über irgendwelche komischen Leute die komische Theorien in noch komischere Büchern verfasst haben. Als ich über einen besonders komischen Lebenslauf schmunzle, frage ich mich, warum wir sowas zu Hause haben .. aber es muss wohl aus der Hippiezeit stammen .. ja 2. Auflage 1979 kommt knapp hin.

    Ich blättere wieder zurück zu dem Text über den russischen Theologen, dessen Namen ich nicht aussprechen kann aber da mir seine Beschreibung zu dröge ist und das Bild auf der anderen Seite einfach interessanter aussieht, lese ich etwas über Geometrie. Hm .. der Text über das Pentagramm könnte Katrin .. och ne .. jetzt muss ich doch wieder daran denken .. die Texte waren bis jetzt eine so willkommene Abwechslung. Ich konnte bis her nie Leute verstehen, die Bücher zur Entspannung lesen bis jetzt .. Ich seufze ..

    .. in dem Moment wird mir plötzlich das Buch aus der Hand gerissen, dass ich gerade noch schnell genug loslassen kann, dass keine Seite zerreißt.

    "Das ist doch nicht deren Ernst."

    Ich: "Was ist wessen Ernst?"

    Eileen steht über mir und hält mein Buch in den Händen.

    "Das die dir erlauben dieses Buch auszuleihen und mir nicht."

    Sie stemmt die Hände in die Hüften.

    Ich: "Jetzt warte aber mal."

    Sage ich eher aus Reflex. Wohl ziemlich überrascht, schaut sie mich herausfordert an.

    [o]Zurückrudern und ruhig noch mal nachfragen

    [x]Fragen was sie sich dabei denkt

    Ich weiß, dass das nicht richtig ist aber irgendwie überkommt mich der Drang meine schlechte Laune an ihr auszulassen.

    Ich: "Also .. du wolltest unbedingt, dass ich übers Wochenende hier bleibe und köderst mich damit, dass ich mich hier besser ausruhen kann als zu Hause und kaum bin ich wieder hier, da reist aus gerechnet du mir mein Buch aus der Hand."

    Ziemlich unbeeindruckt schlägt sie das Buch auf und sagt tonlos:

    "Aha, das ist also dein .. ok, dass ist wirklich dein Buch. Witzig, dass du das auch hast .. ah .. außerdem haben unsere Väter den gleichen Vornamen."

    Ich: "Kann ich dass das bitte wiederhaben?"

    Eileen: "Was ist dir denn für eine Laus über die Leber gelaufen. Tut mir ja schon leid aber du musst wissen, dass Buch haben wir hier auch aber die wollen mich das einfach nicht ausleihen lassen."

    Ich will Luft holen um etwas dazu zu sagen aber sie fährt bereits fort:

    "Ich bin auch nicht ohne Grund hier, Peter schickt mich, wir müssen noch deinen Koffer durchsuchen."

    Stimmt ja, denke ich mir, auch wenn ich mich frage, warum Peter das nicht gleich gesagt hat. Ich richte mich also auf.

    Eileen: "Warte warte, immer mit der Ruhe."

    Sagt sie, während sie ungewöhnlich gezielt in dem Buch blättert.

    Eileen: "Wusst ichs doch .."

    Flüstert sie leise zu sich selbst als sie mit dem Finger die Seite hinunter streicht aber dann lauter zu mir sagt:

    "Die nemen es uns nicht übel, wenn wir einen paar Minuten brauchen. Ich sage einfach ich hab dich nicht direkt gefunden und so .. und du sagst du hast einen ruhigen Ort gesucht."

    Danach flüstert sie weiter Sachen zu sich selbst, als wolle sie sich unbedingt etwas bestimmtes einprägen.

    Ich: "Was macht du da?"

    Doch sie setzt sich nur wortlos ins Gras, hält den Zeigefinger auf ihre Lippen und sagt leise:

    "Psssst .. gleich hab ich Zeit für dich."

    Genervt lasse ich mich wieder nach hinten ins Gras fallen, beobachte die Äste des Baumen und sehe auch kurz zu ihr rüber, wie sie mit dem Rücken zu mir sitzt und murmelt etwas hin und herschaukelt.

    Kurz denke ich, ob es nicht doch gar keine so schlechte Idee wäre ..

    Eileen: "So los geht es .."

    Sie steht auf, schiebt das Buch in meinen Koffer und nimmt diesen.

    ".. denkt dran, ich hab dich gesucht und als ich dich gefunden habe, sind wir sofort los."

    Ich nicke und folge ihr durchs Camp zum Bunker. Die Sonne steht hoch über den Baumwipfeln und wirfst harte Schatten mit scharfen Konturen auf den breiten Trampelpfad.

    Ich: "Warum regst du dich eigentlich über jeden Unsinn auf."

    Eileen: "Nicht über jeden, nur über Ungerechtigkeiten. Zum Beispiel dass ich manche Bücher einfach nicht ausleihen darf."

    Ich: "Also wenn du willst kannst du .."

    Eileen: "Dafür muss das Buch erstmal die Inspektion überstehen."

    Die Bunkertüre öffnet sich und Peter begrüßt uns aber anstelle Fragen zustellen, entschuldigt er sich:

    "Tut mir leid, aber ich hab einfach ganz vergessen, dass wir ja noch deinen Koffer durchsuchen müssen. Du hast doch noch nichts rausgenommen oder?"

    Eileen: "Er hat den Inhalt einmal im gesamten Camp verteilt und als ich ihn endlich gefunden habe, ganz schnell wieder eingesammelt."

    Peter: "Das kann ich erst bestätigen, wenn ich an allen Sachen Tannennadeln sehe."

    Er nimmt den Koffer entgegen und geht damit in den Krankenflügel, naja in diesen einen Raum.

    Peter: "Kannst ruhig mitkommen. Du hast doch nicht dagegen, dass Eileen mir dabei hilft oder."

    Er stellt den Koffer auf dem Tisch und öffnet ähnlich unbeholfen wie ich die beiden großen Schnallen. Eileen muss die eine Schnalle wohl wieder geschlossen haben. Peter öffnet vorsichtig den Deckel, so das er keine Knöpfe auf der Armatur über dem Tisch drückt.

    Ich frage mich immer noch, was diese ganzen Lampen und Schalter sollen, von denen aber aktuell nur eine einzige leuchtet.

    Peter: "So."

    Er hebt einen packen Bücher heraus:

    "Was ist den das? Ok. Ok. Ok. Ah .."

    Er legt ein Buch nach dem anderen auf die andere Seite des Tischen und das er das Lexikon des Geheimwissens mit "Ok" quittiert lässt Eileen kurz hinter seinem Rücken lächeln. Er hält jedoch bei einem ähnlich alten Buch inne. Es ist das Kamasutra. Er blättert es durch.

    Peter: "Ach so, das Original."

    Eileen: "Haben wir das nicht auch?"

    Peter: "Wenn da Namen drin stehen ist das egal."

    Er schlägt die erste Seite auf und sagt:

    "Ah, das sind die Bücher deiner Eltern. Ich hatte mich schon gewundert."

    Ich: "Ja, ich hab so wenige eigene Büchern."

    Peter: "Wenn du die schwierige Sprache verdauen kannst, ist das Kamasutra im Original durchaus lesenswert."

    Ich ziehe verwundert eine Augenbraue hoch. Hier im Camp ist so gut wie alles was mit Liebe zu tun hat verboten aber das Kamasutra sollte ich mal lesen? Dann fällt mir jedoch ein, dass ich mit fünfzehn oder so wirklich mal angefangen hatte das Buch zu lesen.

    Ich: "Besteht das echte Kamasutra nicht nur aus Gesellschaftslehre und gar nicht mal aus Stellungen."

    Peter: "Genau."

    Antwortet er, als er sich ein paar Gummihandschuhe überzieht und einen Stapel T-Shirts aus dem Koffer hebt und an Eileen weitergibt, welche diese ebenfalls mit Handschuhen begutachtet.

    Peter: "Hm .. könnte das Probleme geben .. was meist du?"

    Er beugt kritisch einen schwarzen Che Guevera Kapuzenpully und sieht zu Eileen rüber.

    Eileen: "Seit Domenique entscheiden hat, nun doch lieber Hiphopper zu sein .. seh ich da kein Problem."

    Peter: "Susanne?"

    Eileen: "Denke kaum, dass Miss RTL 2 News weiß wer Che Guevera ist. Ich würde eher sagen, das zählt als selbstverletztendes Verhalten, wenn man den draußen anzieht."

    Ich: "Der ist eh zu klein."

    Peter: "Da hat sich das ja. Au, der Gameboy geht nur in der Mittagspause."

    Er zieht einen uralten grauen Gameboy zwischen den Pullys her, welcher eigentlich meiner Oma gehört. Er legt ihn zu dem Pully auf die ganz linke Seite.

    Eileen: "Wää .. "

    Sie hält eines meiner T-Shirt angewidert am langem Arm von sich weg.

    Verwundet sehe ich zu ihr und auch Peter sieht sie fragend an. Ich kann mich gar nicht erinnern, irgendwelche weißen T-Shirts mit Aufdrucken zu besitzen und schmutzige Sachen wird mir meine Familie ja wohl nicht eingepackt haben. Plötzlich bekomme ich doch etwas Angst, mein viertzehnjähriges Ich hatte sich mal, in einem dieser Fun Shirt Shops, was machen lassen .. hoffentlich ist es ..

    Peter: "Was ist denn?"

    Eileen: "Da .. da .."

    Langsam dreht sie mit zitternden Händen das Shirt um .. erst sieht man nicht aber dann fällt mir ganz klein auf der rechten Brust ein kleines blaues Logo auf, so klein dass ich näher heran muss, um es erkennen zu können .. es ist das Logo eines anderen Krankenhauses.

    Eileen: "Da .. das muss unbedingt eingezogen werden .. oder das Hoheitszeichen muss doppelt rot durchgestrichen werden!"

    Erleichtert atmet Peter auf, während ich leise lachen muss.

    Peter: "Krankenhäuser sind keine Kriegsparteien. Das Shirt ist völlig in Ordnung."

    Eileen: "Aber .."

    Sagt sie in einem Tonfall von dem zumindest die Möglichkeit besteht, dass sie es nicht ganz so ernst meinen könnte.

    Peter: "Nichts da. Mach dich lieber hiermit nützlich und sag mir mal was das alles ist."

    Er drückt ihr eine komplette CD Spindel mir Rohlingen in die Hand.

    Eileen: "Ähm .. CDAM v3.4 sagt mir nichts .. müsste ich durchhören."

    Peter: "Dann mach das mal in einer ruhigen Minute."

    Prüfend sieht er sich die silbernen Scheiben an. Meine Familie hat wohl alles an selbst gebrannten CDs auf diese Spindel gepackt, was sie finden konnte.

    Jedoch legt sie die Spindel weg gleich wieder weg und will nach meinen Unterhosen greifen aber Peter ist schneller:

    "Das mach lieber ich, du kannst gehen."

    Sie zuckt mit den Schultern, greift sich die Spindel bleibt aber im Raum, während Peter mit den Handschuhen noch die Falten des Koffers abfühlt und ironisch sagt:

    "Das Ding ist perfekt für den Schmuggel."

    Als er durch die letzte Ritze ist, legt er wieder fast alles in den Koffer zurück.

    Peter: "Alles ok, nur halt der Pully und der Gameboy."

    Ich: "Warum noch einmal der Pully?"

    Peter: "Naja, zu einen könnte der Ärger machen, wenn wir Morgen einen Rechtsradikalen bekommen und die keine Zeit hat den auszuziehen aber es geht eher darum, dass wir den Rechten ihre Symbole und Figuren nicht erlauben und damit es fair ist .."

    Ich: "Ist denn schon mal wer mit einem Nazi T-Shirt hier aufgelaufen."

    Peter: "Passiert öfter als man denkt."

    Eileen: " Ich mochte das Motiv, kann ich doch nicht wissen dass das .."

    Ich sehe sie an, kann aber nicht ausmachen wie ernst sie das gemeint hat.

    Peter: "Wie auch immer, besser einmal zu viel als einmal zu wenig. So und jetzt kommt der Inhalt erstmal in deinen Schrank."

    Er gibt mir den Koffer, mit dem ich erstmal auf mein Zimmer gehe. Mit dem fetten Ding an den Stühlen vorbei zu kommen ist gar nicht so einfach.

    In meinem Zimmer angekommen ist es leer .. leer und still. Alle meine Zimmergenossen scheinen übers Wochenende nach Hause gedurft zu haben. Ich werfe den grünen Koffer auf mein Bett und wechsle erstmal nach Vorschrift die Bettwäsche. Dann lege ich die T-Shirts, Hosen und und zwei verschon gebliebenen Pullys in meinen Schrank, so das diese ganz oben liegen. Das ganze Zeug ist zwar teilweise noch hässlicher als das was ich gerade anhabe aber die Klamotten anzuziehen, die ich anhatte als ich Teil von Eileens Teeparty war, könnte Ärger geben. Aktuell scheint sie mich nämlich gar nicht mal so stark zu hassen wie sonst.

    Nachdem ich über das Bett streiche, um auch alles perfekt nach Vorschrift zu haben, greife ich in den Koffer um mir ein Buch zu schnappen.

    [x]Lexikon des Geheimwissens

    [o]Ein anderes

    62
    Eine Psychocamp Novelle – Bücher ( Tag 11 Samstag Vormittag )

    Ich schnappe mir das Buch und gehe aus dem Bunker hinaus aufs Gelände, der Sommerwind weht mir um die Nase und ich atme den Geruch von Tannen und warmer Luft ein. Das Camp scheint leer und ich denke mir .. endlich Ruhe.

    "Eine Frage."

    Ich drehe mich um und sehe Eileen, die hinter einem Baum auf mich gewartet hat.

    ".. den ein paar Sachen wollen da nicht so ganz stimmen."

    Sie kommt von dem Baum aus auf mich zu, wo sie vorher mit verschränkten Armen wohl auf mich gewartet hat:

    "Du hast kaum Bücher, so wenige, dass dir deine Eltern ihren alten Kram geben aber das eine Buch, dass du besitzt ist ein holperig aus dem Lateinischen übersetztes Originalwerk aus dem späten Mittelalter, das so schwer zu verstehen ist, das man jeden Satz zwei mal lesen muss. Also irgendwo stimmt da doch was nicht .. oder?"

    Ich: "Was soll das nicht stimmen?"

    Eileen: "Hast du wirklich nur dieses eine Buch oder wollten dir eine Eltern den Rest deiner eigenen Bücher nicht mitbringen?"

    Ich: "Das ist mein einziges ganz eigenes Buch. Also jetzt mal von 'Was ist Was?' Büchern abgesehen."

    Eileen: "Warum hast du es dir gekauft?"

    Ich: "Ich fand das Thema interessant."

    Eileen: "Aber warum sofort das Original, warum nicht eine einfach zu lesende Aufarbeitung."

    Ich: "Sowas gibts?"

    Eileen: "Sicher, es gibt auch Leute die das Thema interessiert, die sich nicht durchs Original quälen wollen und die gerne eine historische Aufarbeitung hätten."

    Ich: "Also ich hab gedacht aus dem Original erfährt man alles am besten."

    Eileen: "Und du hast das wirklich von vorne bis hinten gelesen? Von den Hexen auf ihren Besen und den Werwölfen bei Vollmond."

    Ich: "Naja, also das mit den Besen stimmt so nicht, dass ist laut dem Buch so ne Art Flugsalbe und das mit dem Wehrwölfen, das macht ein Gürtel."

    Sie zieht eine Augenbraue hoch und sagt an erkennend:

    "Du hast das Buch ja wirklich gelesen."

    Ich: "War das ne Fangfrage? Wie war das mit meiner Ruhe."

    Eileen: "Ja war ne Fangfrage aber auch die letzte für heute."

    Sagt sie in einem jetzt weniger kritischen und fast schon rechtfertigenden Ton und führt an:

    "Du musst aber schon zugeben, dass das schon komisch klingt. Dass du ein Buch hast aber das ist dann so ein Klopper und du versteht das Ding sogar noch. Ist dir nicht mal in den Kopf gekommen, dass es sehr viel mehr bringen würde mehr Bücher zu lesen die dafür leichter zu verstehen sind?"

    Ich: "Ne. Seh den Sinn darin nicht so .."

    Eileen: "Was?"

    Fragt sie laut aber wider holt es dann noch mal leiser:

    "Was? Den Sinn des Lesens oder was?"

    Ich Nicke und sie erklärt, während sie sich sichtlich zusammen reißen muss:

    "Also man liest, damit man Wissen erhält und Wissen ist Macht. Wenn du zu einem Thema viel gelesen hast, der andere aber nicht, dann hast du die Macht dem anderen zu sagen wie es ist. Und das kann man in fast jedem Gebiet erreichen."

    Ich: "Ja toll und dann lacht mich der andere einfach aus und wenn ich weiter rede, haut er mir eine aufs Maul."

    Eileen: "Und wo bitte ist das so außer in der dritten .. ach ja .. sorry .. du bist ja auf der Hauptschule, fast vergessen. Soll jetzt keine Beleidigung sein .. ist ja eigentlich eher traurig."

    Ich: "Hm .. ich weiß schon oft, dass ich Recht habe aber wenn ich drauf bestehe, regieren meine Freunde immer so komisch und dann gebe ich denen oft Recht .."

    Eileen: ".. nur damit du deine Ruhe hast."

    Sagt sie nachdenklich und kratzt sich am Kinn, während sie ein paar Schritte geht und nach ein paar Minuten sagt:

    "Dann versteh ich auch, warum du dir direkt die Quelle geholt hast. Dagegen können dann die wenigsten noch was sagen. Las mich raten, wenn du denen ein anderen Buch zeigt kommen so Sprüche wie: 'Es kann ja jeder ein Buch schreiben'. "

    Ich nicke, was sie ansport zu sagen:

    "Der Cousin von meinem Vater dessen Mutter ist Irgendwas mit Wissenschaft und der sagt, dass:"

    Ich lache, sie antwortet:

    "Jap Hauptschüler haben wie hier öfter. Das muss die Hölle sein. Wenn das noch nicht mal irgendwelche Leute von der Schule sind, die sowas sagen, sondern die eigenen Freunde. Wenn ich du wäre, hätte ich lieber gar keine Freunde."

    Sie steckt sich, da sie wohl jetzt die Antworten hat, die sie haben wollte.

    Naja fast, nach dem strecken, kommt die nächste frage:

    "Wie kommt es, dass deine Familie solche Sachen wie das Geheimlexikon hat?"

    Ich: "Keine Ahnung, dass müssen die weit vor meiner Geburt gekauft haben."

    Eileen: "Und warum geben die dir diese Bücher mit ins Camp."

    Sie beugt sich zu mir vor, stellt ihren Oberkörper leicht quer und sieht mich mit funkelnden Augen an:

    "Kann das sein .. das du teilweise sehr viel besser über das alles hier bescheid weist als wir und dass du es nur nicht zugibst, weil du was bestimmtes hier vorhast?"

    Sie kommt mir immer näher und ich weiche zurück.

    Ich: "Ich weiß nicht, was du meist."

    Eileen: "Komm schon, halt mich doch nicht für blöd. Der Mathe Lehrer ist begeistert von dir, ohne, dass du irgendwas geleistet hast, du löst das Rätsel in der Ausstellung ohne Probleme und jetzt schickt dir deine Familie auch noch diese Bücher zum Thema hier ins Camp. Und damit genau die Bücher, die hier auch in der Bibliothek stehen, die sich aber niemand ausleihen darf."

    Ich weiche weiter zurück, stolpere dabei jedoch über eine Wurzel und lande auf dem Hinter. Eileen beugt sich zu mir herunter und fletsch die Zähne.

    Ich: "Ich habe keine Ahnung, was du meist. Keine Ahnung warum der Lehrer mich mag. Das in der Ausstellung war Glück und die Bücher sind quasi meine, ich hab die von meinem Vater geerbt. Ich kenn den Inhalt teilweise, weil ich die als Kind gelesen habe .. also die Bilder kenn ich, nicht den Text."

    Eileen: "Hm .."

    Sie richtet sich auf und legt nachdenklich den Zeigefinger an ihre Lippen.

    Eileen: "Ah .. stimmt auch .. das könnte hinkommen, ich glaube dir mal."

    Sie kommt auf mich zu und hält mir die Hand hin.

    [o]Ihre Hand nehmen

    [x]Alleine Aufstehen.

    Ich: "Geht schon."

    Ich richte mich auf, klopfe mir Nadeln und Erde vom Hintern und mache mich auf in Richtung des Hügels.

    Sie versucht den Mund aufzumachen aber ich ignoriere sie einfach. Ruhe gibt es im Camp ja genug aber nicht in ihrer Nähe.

    Auf halbem Weg überlege ich noch kurz, ob ich nicht doch ein wenig zu forsch zu ihr war aber als ich bedenke, dass ich wegen ihr hingefallen bin, verwerfe ich den Gedanken wieder und stöbere im Lexikon nach vielversprechenden Themen. Wie früher orientiere ich mich an interessanten Bildern.

    Ich lese etwas über Symbole, Elemente, Planeten und deren Bedeutung. Als ich über ein Pentagramm stolpere, kommt mir zwar erst wieder Katrin in den Sinn aber dann auch Eileens Worte von Eben und die Erinnerung daran, dass sich einige meiner Klassenkamera par tout nicht davon überzeugen lassen wollten, dass ein Sozialistenstern 5 und ein Judenstern 6 Ecken hat.

    Anny: "Was liest du?"

    Ich: "Ein Lexikon über Symbole."

    Anny: "Ist das spannend?"

    Ich: "Ne."

    Anny: "Aha."

    Ich: "Was spannendes wäre mir zu aufregend, ich lese lieber langweilige Sachen, da kann ich mich entspannen."

    Anny: "Dann stör ich mal nicht."

    Ich: "Du störst nicht."

    Trotzdem entfernen sich sich ihre Schritte, welche man auf dem trockenen Boden leise hört. Da es mittlerweile fast Windstill im Camp geworden ist. Schade, ich mochte das rauschen in den Blätter oder eher in den Nadeln.

    Nach einer Weile hört man wieder das knacken der Nadeln, welches langsam näher kommt. Diesmal ist das Knacken lauter und man hört auch immer wieder einen Ast.

    Bezy: "Bock auf ne Runde Federball."

    Ich: "Ne sorry bin zu kaputt."

    Bezy: "Nu denn .."

    Die Schritte entfernen sich wieder, dann ist es wieder still.

    Erst als ich von Rosenkreuz über ein gutes Duzend Einträge irgendwie bei einem Adam Weißhaupt gelandet bin, höre ich wieder Schritte, dieses mal aber viel leiser und vorsichtiger, welche erst kurz vor mir aufhören, gefolgt von einer leisen Stimme:

    "Hör mal .."

    Sicher das schüchterne Mädchen vor mir zu haben, nehme ich mein Buch weg. Doch es ist Eileen, welche sehr viel weniger selbstbewusst als sonst vor mir steht und mit zusammen gesunkenen Schultern leise sagt:

    "Ich hoffe ich störe dich nicht .."

    Ich: "Du störst nicht .. solange du mich nicht anbrüllst, mich umwirfst oder mir Sachen aus den Händen reißt."

    Sie sieht dabei zu Boden, lässt dabei einen Arm nach unten hängen und hält dessen den Ellenbogen mit der anderen Hand.

    Eileen: "Ok .. ist hier noch Platz?"

    Ich nicke, als ich merke, dass es ihr ab jetzt mit der Ruhe wohl erst zu sein scheint. Ein wenig zu ernst, ihre übertreiben ruhigen Form wirkt fast schon ein wenig gruselig.

    Sie bleibt eine Weile wortlos neben mir stehen, setzt sich dann aber erst und legt sich dann auch ins Gras. Als ich mich entscheiden kann, welches von den vielen Themen, welche von Adam Weishaupt wegführen, ich weiter verfolgen soll halte ich ihr das Buch hin und frage:

    "Du bist wegen dem Buch hier oder."

    Eileen: "Nicht nur aber danke .. ich hab auch was zum Tausch. Also zum leih-tausch."

    Sie hält mir ein Buch hin, von dem ich sicher bin, dass ich den dunkel blass petrolen Einband schon schon mal gesehen habe. Sicher eines der Bücher vom Flohmarkt. Ich nehme das Buch entgegen, es scheint weder Titel noch Cover zu haben und noch älter zu sein als meins.

    Ich schlage es auf, auf der ersten Seite steht kein Namen nur 12 DM in Bleistift, auf der nächsten Seite steht der Titel.

    "Das Maschinengewehr"

    Lese ich leise vor und blättere vorsichtig in dem Buch, es besteht nur aus Text.

    Eileen: "Die Bilder sind alle ganz hinten. Man muss immer umblättern, wenn das Text das sagt."

    Ich: "Du hast das Buch dabei gekauft?"

    Eileen: "Ja, eigentlich wollte ich nur das Buch über die alten französischen Dampfloks haben und hab dann 4 Waffenbücher mit aufs Auge gedrückt bekommen."

    Verwundert drehe ich meinen Kopf zu ihr rüber, sie liegt mit angewinkelten Beinen mit ziemlich genau einer Armlänge Abstand neben mir auf dem kleinen Hügel. Ich bin mir bei ihrem Gesicht nicht ganz sicher, ob sie das ernst gemeint hat und versuche mich kurz aber vergeblich an unser Gespräch von Gestern zu erinnern.

    Als es mir nicht einfallen will, frage ich mich kurz, was ungewöhnlicher für ein Mädchen wäre, Waffen oder Dampfloks. Oder eher, was mir mehr Sorgen machen sollte.

    [o]Dampflocks

    [x]Waffen

    63
    Meinung ( Tag 11 Samstag Vormittag )

    Ich: "Du wolltest die Waffenbücher haben oder."

    Eileen: "Was sonst?"

    Sagt sie ein wenig abwesend, da sie nebenbei das Lexikon liest und fragt dann:

    "Gefällts dir?"

    Ich: "Ja aber das scheint schwerer Stoff zu sein. Also nichts was man einfach in Ruhe im Liegen lesen kann."

    Eileen: "Das Lexikon ist aber auch nicht ohne."

    Ich: "Ja aber da kann man einfach wo anders weiter machen, wenn man nichts versteht. Und ich hab nicht die Ruhe .."

    Sie antwortet nicht, als würde sie so aktiv dafür sorgen, dass ich meine Ruhe habe. Und da sie sichtlich Interesse an dem Lexikon hat, habe ich auch nicht vor, sie zu stören und lese deswegen eine Weile in dem Buch ..

    .. welches sich schon nach kurzer Zeit als extrem interessant herausstellt. Die Geschichte der Feuerwaffen im alten China ist zumindest spannender als der krumme Lebenslauf des siebten englischen Okkultistengurus in Folge.

    Der Text liest sich für einen Sachtext überraschend flüssig, was wohl aber eher daran liegt, dass einem im Vergleich zum Hexenhammer so ziemlich alles als flüssig geschrieben vorkommt. Und so lande ich nach einiger Zeit auch schon in der Moderne bei einer witzigen Konstruktion namens Nordenfell mit 16 Läufen.

    Ich will gerade nach hinten zu den Bildern umblättern, da spricht mich Eileen leise an:

    "Da wäre übrigens noch das drittes Thema worüber ich mit dir reden wollte."

    Ich: "Welches genau?"

    Frage ich etwas abwesend und ergänze dann, weil sie mit der künstlich leisen Stimme ein wenig schwer zu verstehen ist.

    Ich: "Du kannst schon etwas direkter und lauter reden nur nicht .."

    Eileen: "Hier."

    Sagt sie in einem neutralen Tonfall und hält mir das Lexikon des Geheimwissens hin. Ich nehme es – die Seite mit dem Eintrag zu 'Dreiecke' ist aufgeschlagen. Ich verstehe umgehend was sie meint, trotzdem bleibt mein Herz kurz stehen, dann fange ich mich aber und sage so ruhig und gelassen wie möglich.

    Ich: "Achso das, weißt du ich finde .."

    [x].. wir sollten einfach waren, bis das bei uns beiden aufhört.

    [o].. wir sollten da was aktiv gegen unternehmen.

    ".. ich finde, wir sollten einfach warten, bis das bei uns Beiden aufhört. Das gibt nur Ärger und wenn das bei dir in ein paar Tagen eh wieder vorbei ist, sollte ich kein Feuer ins Öl gießen."

    Sie lacht kurz leise, was mich sehr erleichtert, streicht sich eine Strähne aus dem Gesicht und sagt:

    "Feuer ins Öl gießen .."

    Ich: "Andersrum halt .."

    Versuche ich mit zu albern, um die Situation etwas zu lockern.

    Eileen: "Öl ins Feuer gießen ist gut. Du hast mit deiner Aktion am Mittwoch einen ganzen Öl Tanker in ne brennende Bohrinsel gerammt!"

    Antwortet sie trocken und ernst:

    "Da ist jetzt nicht mehr mit löschen oder ausbrennen lassen, das ist einen ausgewachsener Feuersturm."

    Ich richte mich auf und auch sie setzt sich in den Schneidersitz.

    Ich: "Und du gibt mir jetzt die Schuld dafür, dass du mich quasi."

    Eileen: "Ach was Schuld .. nicht Schuld .. der Schaden ist jetzt nun mal angerichtet."

    Ich: "Und was schlägst du vor? Hast du einen besseren Vorschlag als einfach abwarten?"

    Sie steht wortlos auf, stemmt die Hände ich die Hüften, dreht die Nase von mir weg in den Wind und sagt:

    "Also ich finde .. wir sollten es .. einfach mal versuchen."

    Ich: "Wä wä was versuchen?"

    Ich versteh nicht ganz, was sie meint und beim Versuch ebenfalls aufzustehen falle ich gleich wieder hin .. mein Fuß muss eingeschlafen sein.

    Eileen: "Kannst ruhig sitzen bleiben."

    Sie dreht sich wieder zu mir und sieht zu mir runter.

    Ich: "Was meist du?"

    Eileen: "Na was werde ich wohl meinen?"

    Sie kniet sich zu mir nach Unten, schnauft leise und erklärt:

    "Das wir es einfach mal versuchen sollten .. mit einander."

    Ich: "Was?"

    Eileen: "Was wie 'was versuchen' oder Was wie 'wie bitte'."

    Ich: "Das ist nicht dein Ernst oder?"

    Ich sehe sie entgeistert an, sie guckt amüsiert zurück.

    Eileen: "Das ist mein Ernst."

    Ich: "Du fragst mich also ernsthaft?"

    Eileen: "Ich frage dich also ernsthaft!"

    Ich: "Das ist keiner deiner Tricks."

    Sie knurrt leise und verschränkt die Arme:

    "Meiner Tricks? Welche tricks hab ich denn .. kann das sein, dass du mich da gerade mit wem verwechselst?"

    Ich: "Wie kommst du auf die Idee?"

    Eileen: "Nun .. wir sind in einander verknallt, das sollte doch wohl reichen oder? So ne seltene Chance sollte man doch nutzen oder?"

    Ich: "War ich nicht eben noch einen Bastard?"

    Eileen: "Bist du auch immer noch, ist aber kein Hindernis."

    Sie setzt sich zu mir und steckt sich.

    Ich: "Aber wir kenn uns doch kaum."

    Eileen: "Wir haben zusammen Doom gespielt, Trigonometrie gelernt und noch ganz viel anderen Quatsch zusammen gemacht .. wir waren sogar mal einen halben Tag an einander gefesselt, schon vergessen? Hast du das schon mal mit einem anderen Mädchen erlebt?"

    Ich: "Ja .. also Nein hab ich nicht aber ähm .. ich weiß kaum was über dich also was du so als Kind gemacht hast .. zum .. Beispiel .."

    Erst am Ende des Satzes fällt mir auch, wie unpassend das gerade war.

    Eileen: "Ich weiß auch nicht, was ich als Kind gemacht habe .. da haben wir was gemeinsam."

    Sie grinst und fragt dann schnippisch:

    "Noch irgendwelche Kontrapunkte?"

    Ich: "Ähm .. also .. du kennst mich doch gar nicht richtig .. was ist wenn ich einen komischer Perverser bin oder so."

    Eileen: "Pff .. ich hab vor dir gefesselt im Bett gelegen und gesehen, wie du mit den beiden Bitches aus Englisch umgegangen bist .. außerdem .."

    Sie legt den Finger an die Lippen und sieht Richtung Baumkrone ..

    "Hab ich deine Krankenakte gelesen .. ich kenn also auch deine Kindheit .. ein bissen zumindest."

    Ich: "Was?"

    Eileen: "Die lag da so einladend rum .. außerdem fragen sich die anderen Paare ja auch nicht gegen seitig über ihre Kindheit aus. Also .."

    Sie holt Luft und erklärt dann in ihrem üblichen selbstbewussten Ton:

    "Dafür spricht, dass wir beide die gleichen Sachen mögen, du magst Geschichte - ich mag Geschichte, du magst Englisch - ich mag Englisch, du magst Bogenschießen – ich mag Bogenschießen, du interessierst dich für Waffen – ich interessiere mich für Waffen."

    Sie deutet auf das dunkel petrolfarbene Buch in meiner Hand.

    "Ich mag gruseligen Okkultkram – du magst gruseligen Okkultkram, wir sind beide Einzelgänger, hoch intelligent, halten nichts von dummem Gerede über Sex und wir .."

    Sie macht eine bedeutungsvolle Pause:

    ".. wir finden beide dass man Müsli mit Teelöffeln isst."

    Ich: "Ok dann .."

    Eileen: "Warte warte, das waren erst die Gemeinsamkeiten. Jetzt kommen die Gründe .. also .. du bist immer noch nicht über deine komische Schmalspurpsychophatin hinweg und das sorgt dafür, dass du bis heute Probleme mit Englisch hast. Wie stellst du dir das vor, willst du darauf verzichten eine Weltsprache zu lernen, nur weil da ne Jugendliebe etwas unglücklich verlaufen ist? Glaub mir, ein paar Tage mit mir und du hast sie im Nu vergessen und besseres Englisch bring ich dir auch bei. Dann hast du ein Problem mit Mädchen die dich auf einer bestimmten Ebene angehen, dass bekomm ich auch im Handumdrehen hin. Darüber hinaus brauchst du dir mit mir auch keine Sorgen mehr zu machen, dass du irgendwas im Camp nicht verstehst. Ich kenn alle Geheimnisse .. glaub mir du wirst es echt nicht bereun .."

    Ich: "Also ich weiß nicht .."

    Sage ich, da ich diesen Block erst noch kognitiv verarbeiten muss. Um Zeit zu gewinnen, frage ich einfach schnell ..

    Ich: "Ja aber was bringt dir das?"

    Mit etwas weniger Selbstbewuss sein fasst sie sich in den Nacken und sagt dann aber in ähnlicher Lautstärke:

    "Weißt du, ich bekomme in letzter Zeit immer wieder kleine Schnipsel an Erinnerungen zurück, dass kann bedeuten .. dass ich demnächst mein Gedächtnis wieder bekomme und dann kann es sein, dass es mich dann quasi nicht mehr gibt und ich wollte vorher wenigstens mein Glück noch versuchen .. Du kannst das als so eine Art letzten Wunsch verstehen. Außerdem will ich das einfach und das ist für mich im Kern schon Grund genug .. also?"

    Ich: "Ähm .. also ich muss überlegen .."

    Eileen: "Was gibt es da zu überlegen? Hattest du nicht nach deiner Geschichte mit dem schüchternen Mädchen gesagt, dass du jedem Mädchen, was dir seine Liebe gesteht eine Chance geben würdest."

    Damit hat sie einen wunden Punkt getroffen, plötzlich fühle ich mich wieder in die Situation von damals versetzt aber Eileen reißt mich direkt wieder aus meinen Gedanken:

    .. bekommen also alle Mädchen eine Chance nur ich nicht oder wie?"

    []Ist schon ok.

    []Hör auf mich unter Druck zu setzten!

    64
    Trampel ( Tag 11 Samstag Mittag )

    Völlig verwirrt und überfordert, erst damit dass Katrin einen Freund hat und jetzt auch noch mit dem Flashback auf die Situation von damals mit dem Schüchternen Mädchen aus meiner Schule sage ich mir einfach: 'Ach was solls', und denke gar nicht weiter darüber nach und sage:

    "Ist schon ok."

    Als ein lächeln über Eileens Gesicht huscht, denke ich mir sofort, dass ich doch noch etwas länger hätte darüber nachdenken sollen.

    Eileen: "Na endlich .. du bist aber auch echt hartnäckig."

    Sie rollt sich zur Seite bleibt dann einfach im Gras liegen und schnauft. Ich überlege, was ich jetzt am besten sagen sollte und ob ich eventuell nicht doch noch einen Rückzieher machen sollte aber statt dessen sage ich lieber gar nichts.

    Eileen: "Warum eigentlich?"

    Ich: "Warum was?"

    Eileen: "Warum bist du mir gegenüber so abweisen, trotz das du in mich .."

    Ich: "Also ..ähm .."

    Eileen: "Sags mir einfach!"

    Sagt sie in einem Ton, welcher mich an unsere Abmachung erinnert.

    [x]Ihr sagen, dass ich immer noch denke, dass die mich verarscht.

    [o]Ausweichen.

    Ich: "Ganz ehrlich, ich denke einfach, dass du dich über mich lustig machst."

    Eileen: "Ja und .. darf ich das nicht?"

    War ja klar, bestimmt springt sie gleich auf, lacht mich aus und rennt lachend davon. Doch der Satz geht ganz normal weiter:

    ".. mich über die Situation lustig zu machen ist teilweise meine einzige Möglichkeit damit umzugehen und warum ich ab und zu fies zu dir bin, hab ich ja in dem Brief erklärt."

    Ich: "Nein ich meine, dass du das alles hier nur machst, um mit mir was zum lachen zu haben .."

    Eileen: "Keine Sorge ist schon echt. Kannst es ja nachprüfen."

    Sie streckt sich und wirft dann plötzlich einen Arm nach mir. Ich zucke zusammen aber ihre Hand landet einfach nur neben mir im Gras.

    Ich: "Ähm .. was genau prüfe ich da?"

    Eileen: "Reinbeißen. Du prüfst meine Hand einfach wie Piraten Goldmünzen prüfen .. Noar, du prüfst entweder meinen Puls oder meine schwitzigen Handflächen. Mir wäre es aber lieber du tätest ersteres."

    [x]Puls

    [o]Handflächen

    Ich drücke vorsichtig meinen Daumen auf ihr Handgelenk. Spüre aber keinen sonderliche hohen Puls.

    Eileen: "Was genau machst du gerade falsch?"

    Ich: "Au .. ähm .. ups der Daumen hat ja einen eigenen Puls."

    Ich lege ihr vorsichtig zwei Finger auf die Schlagadern, ihr Herz muss fast rasen. Noch bevor ich meinen eigenen Plus zum Vergleich nehmen kann, drückt sie mir auch schon ihren Finger unter den Kiefer, mein Puls ist fast normal.

    Eileen: "Ich mich über dich lustig machen? Wenn dann machst du dich doch über mich lustig."

    ich drehe meinen Kopf und sehe sie verwundert an.

    "Wer behandelt denn hier wen wie einen?"

    Fragt sie leicht beleidigt.

    Ich: "Wer behandelt wen wie was?"

    Eileen: "Tu nicht so. In der Stadt .. mit dem Eis .. auf dem Weg .. was sollte das eigentlich?"

    Ich: "Tut mir leid, ich hab das mit dem Eis einfach falsch verstanden und was du mit meiner Hand wolltest, weiß ich auch nicht."

    Eileen: "Was werde ich wohl mit deiner Hand vorgehabt haben?"

    Fragt sie sarkastisch und fragt dann:

    "Ist dir das Konzept des sogenannten 'Händchenhaltens' bekannt?"

    Ich: "Was?"

    Eileen: "Händchenhalten Komma das .."

    Ich: "Ich weiß, was das ist aber woher sollte ich den wissen, dass du ausgerechnet Händchenhalten willst."

    Eileen: "Wollte ich gar nicht."

    Ich will den Mund aufmachen aber sie ist schneller:

    "Ich dachte halt du wolltest. Nachdem ich das Buch wieder hatte und mein Brief in einer anderen Seite gesteckt hat als ich ihn platziert hatte. Bin ich natürlich davon ausgegangen, dass du den gelesen hast. Und da du nichts weiter zu der Sache gesagt hat dachte ich, dass du als selbsternannter Romantiker jetzt nicht mit der Tür ins Haus fällst. Als aber von dir so rein gar nichts kam, dachte ich dass ich da mal etwas nachhelfen sollte .. ok ich hab ein bisschen viel nachgeholfen."

    "Aber als du dann abgeblockt hast, hab ich mich halt ignoriert gefühlt und dass konnte ich nicht auf mir sitzen lassen. Deswegen bin ich ein klein wenig sauer geworden. Pssst pssst!"

    Sie zieht ihren Arm wieder zurück und richtet sich auf.

    Merle: "Hey ihr."

    Merle kommt zu uns mit einem Tablett auf dem Arm auf welchem eine Kanne und ein paar umgedrehte Gläser stehen.

    Eileen: "Nor, Schon mal was von anklopfen gehört? Jetzt ist die ganze Stimmung kaputt."

    Merle kniet sich hin und übergibt Eileen das Tablett, welche sich künstlich mokiert:

    "Reinplatzen und noch nicht mal Kekse?"

    Merle: "Wo kann man den hier Reinplatzen, das ist einen offenes Feld und du weißt genau das Mario mich schickt und wenn ich nicht gekommen wäre, wäre er persönlich .."

    Eileen: "Au dann Danke, das wäre echt übel ausgegangen. Wir sind jetzt nämlich jetzt fest zusammen weißt du."

    Merle: "Verarschen kann ich mich alleine und wegbringen könnt ihr das hier ebenfalls alleine."

    Sie dreht sich rum und geht, Eileen richtet sich jedoch auf und ruft ihr nach:

    "Bei mir im Zimmer schwimmen zwei Kühlpads im Waschbecken, wenn du magst, kannst du dir die holen."

    Danach kniet sie sich wieder hin und versucht das Tablett auf dem Hügel zu stabilisieren:

    "Such mal in etwas Faustgroßes."

    Ich: "Ich seh keinen Stein."

    Eileen: "Hier gibt es keine faustgroßen Steine, einen Ast oder so .. ah Moment .. hab schon."

    Ich: "Las mich raten die haben hier alle größeren Steine .."

    Eileen: "Und auch alle kleineren Steine .. als Jemand mal aus nem Einmachglasgummi und nem Ast ne Zwille gebaut hat."

    Sie rammt einen kurzen dünnen Ast quer in die Erde, stellt das Tablett drauf ab, wartet eine Weile und schenkt sich dann ein Glas roten Früchtetee aus der Kanne in ein Glas. Als sie es in einem Zug austrinkt sagt sie:

    "Mal wieder so viele Zuckerstückchen reingeworfen, wie gerade noch ging. Aber hey, ich brauch Zucker."

    Ich: "So ansträngend?"

    Eileen: "Jop, hab mir übrigens auch gut Tabletten eingeworfen für die Aktion."

    Das könnte erklären, warum sie gerade doch etwas sehr anders wirkt als sonst. Als sie gerade das zweite Glas halb ausgetrunken hat sagt sie:

    "Genau, bevor ichs vergesse. Eine Sache musst du verstehen, damit das klappt .. also das mit es nicht mehr Reiberein gibt als nötig. Du .."

    Sie deutet auf mich:

    "Du bist kein Romantiker, das musst du verstehen."

    Ich: "Was? Doch, ich bin klein Playboy oder so."

    Sie verschluckt sich, spukt dabei etwas Früchtetee auf den Erdboden, dreht sich weg und wischt sich mit ihren T-Shirt über Mund und Nase. Als die wieder zu mir sieht grinst sie:

    "Du .. Playboy als ob."

    Ich: "Was denn dann?"

    Eileen: "Auf jeden Fall kein Romantiker. Du hast absolut keine Erfahrung oder Gefühl in Sachen Romantik, du kannst die Gefühle andere dir gegenüber überhaupt nicht einschätzen, du kennst die Tropen nicht und alles was du hast sind irgendwelche vagen Klischees im Kopf.

    Ich: "Tropen?"

    Eileen: "Tropen nicht Tropen, also nicht der Urwald, sondern die romantischen Ideenbilder. Ist einen Fachbegriff aus der Literatur."

    Ich: "Aber wenn man kein Romantiker ist, dann ist man doch Player oder?"

    Eileen: "Als ob, du reagierst nicht auf Anspielungen, kennst diesen komischen Codex nicht und mehr als eindeutige Situationen nutz du auch nicht aus .. nein .. du gerätst sogar noch in Panik."

    Ich: "Soll ich dann gar nichts sein oder was?"

    Antworte ich und kann es nur schwer glauben, dass sie sich nicht über mich lustig macht.

    Eileen: "Du .. und das musst du verstehen .. bist ein Tram-pel-tier."

    Ich: "Wenn du meist? Und du willst mit einem Trampeltier."

    Eileen: "Genau, ich bin nämlich auch ein Trampeltier und Trampeltiere passen ab besten zu Trampeltieren findest du nicht."

    Ich sehe sie wortlos an.

    Eileen: "Komm schon, die Aktion mit dem Brief, das Eis, das Händchenhalten. Das war doch auch alles total unbeholfen und trampelig von mir oder. Wir müssen ab jetzt nur aufpassen, dass wir zusammen trampeln und nicht auf uns gegeseitig rum. Aber mit 'sags mir einfach' und 'sei mir nicht böse' passt das schon oder."

    Ich nicke, sie trinkt ihr drittes Glas herunter und sagt dann platt:

    ".. Ich muss pissen und noch was erledigen. Kommst du mit? Also was erledigen nicht pissen. Ähm, wäre es ok, wenn du das Tablett nimmst, ich las das sicher fallen."

    Sie zeigt mir ihre zitternden Hände.

    Eileen: "Das sind aber jetzt wirklich die Tabletten, nicht du."

    Ich nicke stehe auf und nehme das Tablett von der Astkonstruktion.

    Als wir in Richtung Bunker gehen frage ich:

    "Sag mal, hast du wirklich Tabletten genommen, nur um mich zu überzeugen?"

    Eileen: "Jop, ich hab mich aber bemüht und bemüh mich gerade noch so gut ich selbst zu bleiben wie ich kann, wenn man sich da reinfallen lässt wird man mega albern."

    Sie prustet, als wäre es immer noch anstrengend gegen die Wirkung zu kämpfen und fährt sich mit einer Hand durch die Haare.

    Ich: "War ja auch mega die Kaskade, wirkte fast so, als hättest du ne Liste abgearbeitet."

    Sie zieht einen Zettel aus ihrer Hose, geht mit dem Finger einen Text entlang und sagt:

    "Ich hab auch nichts wirklich wichtiges vergessen .. der ist eh unwichtig und der wäre nur für den Notfall."

    Ich: "Notfall?"

    Eileen: "Ich hatte dir noch was von 'Ihr' vorheulen können .. ich bin froh dass das nicht sein musste, das geht ja schon bisschen zu weit."

    Ich merke, wie sie langsam albern wird.

    Merle: "Hey."

    Wir kommen auf Höhe des großen Platzes an und Merle winkt uns zu:

    "Stell doch das Tablett zu uns."

    Ich nicke und gehe die paar Meter und stelle das Tablett zu Merle und der Schüchternen auf den Tisch, die gerade Mühle spielen. Beim klirren der Gläser schreckt das schüchterne Mädchen zusammen.

    65
    Durchbruch ( Tag 11 Samstag Mittag )

    Im Bunker angekommen sehe ich wie Tommy, Manuel und Katrin im Wohnzimmer sitzen. Der Fliesentisch ist über und über zugestellt mit weißen Büchern auf denen fast jeweils ein dickes schwarzes Paragraphensymbol prangt. Dazwischen liegen Blätter mit Notizen. Tommy, scheint eines der dünneren Bücher zu lesen, während Manuel einige Passagen aus einem der Dickeren abschreibt. Katrin sitzt auf der anderen Seite und liest einen neuen EMP Katalog.

    Eileen nimmt erst hinter mir Deckung und schiebt mich dann Richtung Tisch und sagt in einem deutlich von Medikamenten verwaschenen Ton:

    "Entschuldigt bitte, ich weiß, dass ich euch versprochen hatte zu helfen aber das lässt mein aktueller Zustand einfach nicht zu aber ich habe hier einen adäquaten Ersatz."

    Tommy: "Brauchst du gar nicht."

    Eileen: "Wäs?"

    Manuel: "Wir haben die Lösung auch ohne dich gefunden. Und zwar haben die bei uns beiden einen wichtigen verfahrenstechnischen Schritt ausgelassen. Nach Protokoll hätte uns eine Richterin oder zumindest eine vom Gericht unterstellte Amtsperson besuchen müssen und das ist ja nicht passiert, das können alle hier bezeugen und auch in den Akten ist nicht zu finden."

    Katrin: "Die haben das Camp einfach nicht gefunden."

    Juckst Katrin hinter ihrer Zeitschrift hervor.

    Manuel: "Der Grund ist erstmal egal, aufgrund dieses Verfahrensfehler können wir unsere Zwangsunterbringung hier beanstanden und im Gegensatz zu einer normalen Beanstandung muss diese in unserem Fall umgehend geprüft werden."

    Nach seiner Erklärung sieht er erwartungsvoll Eileen an.

    Eileen: "Aha .. seht ihr .. ihr kommt auch ohne mich zu recht. So wichtig bin ich gar nicht .. so ich geh jetzt pissen und dann penn."

    Manuell sieht sie mit großen Augen an und fragt dann leise, als sie bereits den Gang hinunter geht:

    "Was ist mit ihr?"

    Katrin: "400 Milligramm von dem Medikament, dessen Namen nicht genannt werden darf."

    Mario: "Ihr seid aber echt hartnäckig .."

    Mario ist den Flur hinunter gekommen und stützt sich auf dem hintersten schwarzen Sofa ab und sagt leicht im Scherz:

    ".. der ganzes Kram macht doch bestimmt hungrig. Außerdem finde ich, ihr solltet mal ne Pause machen, wenn ihr wollt, könnt ihr auch über Mittag die Bücher so liegen lassen, falls ihr Angst habt den Faden zu verlieren."

    Manuell: "Müssen wir gar nicht."

    Sagt er freudig und schlägt entschlossen sein Buch zu.

    Manuel: "Wir wissen jetzt, wie wir hier rauskommen."

    Mario: "Ah, ihr habt also einen Durchbruch."

    Manuel und auch Tommy legen ihre Buch weg, aber nicht ohne einen Papierschnipsel jeweils in die jeweilige Seite zustecken.

    Die meisten anderen strecken sich, oder stehen sonst wie behäbig auf und machen sich auf in Richtung Esstisch aber dort angekommen, erwartet uns nicht wie gewohnt ein fertig gedeckter Tisch. Sondern nur die leere Tischplatte mit einem Metallwagen in der Nähe.

    Mario: "Na da hat wohl jemand geschlafen."

    Merle: "Ach verdammt, wir hätten einen Ersatzplan machen müssen .."

    Katrin: "Wir?"

    Victoria: "Wäre das nicht Eilees Aufgabe gewesen?"

    Mario: "Richtig, wo steckt sie eigentlich?"

    Peter: "Hat sich krank gemeldet und ist auf ihrem Zimmer."

    Mario: "Gut .. aber zum Nachtisch sollten wir sie trotzdem dazu holen. Was euch angeht .. na dann improvisiert mal."

    [o]Einfach abwarten

    [x]Nachfragen.

    Ich: "Einfach Tischdecken? Dann brauchen wir den Küchenschlüssel oder?"

    Mario: "Hier?"

    Er hält mir ein Schlüsselbund hin, welches ich ergreife und dann einfach zur Küche gehe. Jedoch ruft Mario mir nach:

    "Willst du den Tisch ganz alleine decken?"

    Ich: "Ja, sind ja nicht viele."

    Mario: "9."

    An der Küchentüre angekommen überlege ich, welcher Schlüssel passen könnte und welcher die vielen farbigen Schlüsselüberzüge wohl für 'Küche' stehen könnte aber da ruft es schon den Flur hinunter:

    "Der Türkise."

    Ich benutze den Schlüssel der entsprechenden Farbe und die Türe öffnet sich. Ich gehe zu dem leeren Geschirrwagen und stelle erst 9 Teller, dann 9 Tassen und lege dann je 9 Gabeln, 9 Löffel und 8 Messer daneben.

    Als ich den Wagen aus der Küche schiebe frage ich mich, was es eigentlich zu Essen gibt und ob Teller überhaupt richtig sind aber kaum aus der Küche da steht auch schon Merle vor mir:

    "Teller .. ah ist richtig aber Schüsselchen brauchen wir noch. Und einen Toretenheber."

    Als ich gerade den Wagen wenden möchte sagt sie jedoch:

    "Warte warte, ich hol das kurz."

    Sie zwängt sich mit dem Gesicht zu mir eng an mir vorbei in die Küche hinein. Dabei drücken sich zu meinem Erschrecken ihre Brüste an mich. Da sie sich jedoch ungewöhnlich kühl anführen, werden es wohl die Explantete sein.

    Sie klappert hinter mir laut im Schrank und ein einer Schublade und sagt bei:

    "Sorry, wollte mich nicht so doll andichdrücken .. mein Räumlichesvorstellungsvermögen meinte, da wäre mehr Platz."

    Ich: "Och schon ok."

    Sie greift hinter mir her und stellt alles auf den Wagen aber auch dabei kommt sie mir ungewöhnlich nah.

    Merle: "Alles ok."

    Ich: "Ja."

    Ich schiebe den Wagen in Richtung des langen Tisches und verteile zusammen mit ihr alles an den jeweiligen Platz währen Bezzy und Anny einen großen Teller mit Glocke vom anderen Wagen in die Mitte des Tisches stellen.

    Bedeutungsschwer hebt Bezzy die Glocke.

    Anny: "Wasn das?"

    Merle: "Hm .."

    Nachdem sie das letzte Schälchen an scheinen Platz bestellt hat, beugt sie sich vor, stellt den Kopf quer und beäugt das große runde Teigige Etwas auf dem Tisch.

    Victoria: "Sind das Pfannkuchen?"

    Bezzy: "Irgendwie schon aber da ist Schokolade zwischen."

    Sagt sie, während sie versucht die erste dünne Teigschicht abzuheben.

    Victoria: "Da ist überallé schon Nutella zwischen, wie soll man dass denn essen?"

    Fertig mit ihrer Analyse richtet sich Merle auf, stemmt die Hände in die Hüften schließt die Augen und erklärt:

    "Das ist eine Crepéturm, die Crepé werden einzeln verteilt, gerollte und dann in Scheiben geschnitten. Endlich mal gibt es hier was aus der feinen Küche."

    Als sie jedoch die Augen wieder aufmacht, sieht sie mit entsetzten, dass Anny mit dem Messer ein Stück aus dem Crepéturm herausgeschnitten hat. So wie man es bei einer Torte tun würde.

    Merle: "Wä was?"

    Anny: "Hä? Ist was verkehrt, du meintest doch Cräptorte."

    Merle: "Crepéturm!"

    Sie hält sich die Hände an den Kopf.

    Bezy: "Wie isst man das den Sonst?"

    Merle: "Wie ich gesagt habe, man nimmt ein paar ab, rollt die und schneidet die in kleine Scheiben. Es sind immer nur jedes Zweite mit Nougat bestrichen, damit am sich die Finger nicht schmutzig macht."

    Anny: "Achso, sag das doch."

    Mario: "Jetzt ist eh zu spät .. Anny schneid einfach weiter .. dann bekommt jeder einen Stück."

    Merle: "Moment."

    Sie greift nach dem Tortenheber und will sich zumindest ein teilweise intaktes wunderschönes großes Crepé schnappen.

    Mario: "Nein, wir essen jetzt die Stücke, die Anny scheidet."

    Beleidigt lässt Merle den Tortenheber aus geringer Höhe auf den Tisch fallen.

    Peter: "Jetzt sei nicht albern, im Magen ist es egal, wie es vorher ausgesehen hat."

    Nachdem alle eine Stück bekommen haben, essen die meisten still. Meines schmeckt mir ausgesprochen gut aber durch die Form habe ich echt das Gefühl, gerade Torte zum Nachtisch zu essen und keine vollwertige Mahlzeit in Form von Schokopfannkuchen.

    Aus dem Augenwilkel sehe ich, wie Merle die einzelnen Schichten trennt, aufrollt und dann kleine Röllchen isst. Ihr bei dieser Fummelarbeit zuzusehen bringt mich schon dazu, mich ein wenig kulturlos zu fühlen weil ich mein Stück auch wie Torte esse.

    Ich sehe rüber zu Katrin, die zu meiner Erleichterung genau das gleiche macht nur frage ich mich, warum sie gar nichts sagt. Ob sie wohl weiß, dass ich mich komisch fühle, weil sie einen Freund hat?

    Bezzy: "Alter sind die mächtig."

    Merle: "Kein Wunder, in der Regel isst jede Person einen halben bis einen Crep. Es waren zwanzig Crep auf dem Teller und Anny hat neun Teile geschnitten das macht gut das Doppelte von der angedachten Portion. Und mit dem Puderzucker wart ihr auch nicht sparsam."

    Erst jetzt sehe ich, dass auf der Gegenüberliegende Tischseite eine ganze Packung Puderzucker steht. Da ich aber auch nach meinen Stück satt bin, esse ich nun nichts mehr.

    Victoria: "Wie viel Kalorien hat das denn?"

    Peter: "Das K Wort?"

    Victoria: "Es ist Wochenende."

    Mario: "Und genau da sollte man am wenigsten auf Kalorien achten."

    Peter: "Teilt schon mal den Nachtisch aus, ich werde mal nach unserer Kranken sehen."

    Ich will schon aufstehen, da stoppt mich Mario mit den Worten:

    "Du hast gedeckt, du musst erst beim Abendessen wieder ran."

    Merle steht auf und holt, unter dem anderen Wagen, eine große Schüssel hervor und stellt sie auf den Tisch. In ihr befindet sich der bereits bekannte vermeidliche Obstsalat, besteht aus einer zuckerigen durchsichtigen Brühe und ein par darin schwimmenden Oststücken, vorwiegend Stachelbeeren.

    Katrin: "Das Zeug gibt es aber auch nur in Krankenhäusern und Kindergärten."

    Flüstert sie mir leise zu.

    Mario: "Und?"

    Katrin: "Das war nur ne Feststellung. Ich meine, sowas macht sich doch keiner zu Hause."

    Bezzy: "1mm dicke Pfannkuchen mit 30cm Umfang macht sich ja auch keiner zu Hause."

    Merle: "Crepe, wenn ich bitten darf."

    Katrin: "Das dürfte aber eher an den fehlenden Gerätschaften liegen."

    Eileen: "Eh muss ich wirklich? Ich fühl mich echt nicht gut."

    Peter: "Ja, du musst auch nur einen Stück probieren und einfach bei uns sitzen."

    Peter kommt mir Eileen im Schlapptau zurück und setzt sich. Sie hingegen lässt sich auf ihren Platz fallen und bekommt von Merle einen Teller mit einem kleinen Stück Crepéturmtorte und die Packung Puderzucker zugeschoben.

    Peter: "Dass du so schlapp bist, kann auch gut an Unterzuckerung liegen oder an zu wenig trinken."

    Wie auf Zuruf schiebt ihr Merle auch noch ein Glas Früchtetee hin.

    Ich kümmere mich nicht weiter um den Tisch, an welchem eh nicht viel gesprochen wird und wende mich meine Obstzuckersuppe zu.

    66
    Langeweile ( Tag 11 Samstag Mittag )

    Eileen: "Eigentlich will ich gar nichts essen."

    Sagt das doch sehr abwesend wirkende Mädchen neben mir, dem gerade etwas Sabber den Mundwinkel herunter läuft. Man die Tabletten müssen mittlerweile echt reingehauen haben.

    Peter: "Nur Probieren, gib Pfannkuchentorte."

    Merle knirscht bei dem Begriff 'Pfannkuchentorte' zwar mit den Zähnen, serviert Eileen aber trotzdem ein Stück, fertig in kleine Stücke geschnitten. Diese stopft sich scheinbar ohne Luft zu holen ein Stück nach dem anderen in den Mund und kaut laut, was Katrin leise zum knurren bringt.

    Ich schaffe es endlich eine der schleimigen Stachelbeeren auf meinen Löffel zu bekommen und zerbeiße sie in meinem Mund. Sie schmeckt bitter, wer ist auf die Idee gekommen so was bitteres wie gerade mal so eben reife Stachelbeeren in solch eine Zucker Pampe zu packen?

    Neben mir ist die Cremeturm .. torte .. was auch immer .. ungewöhnlich schnell verdrückt und schon bekommt Eileen von Merle auch schon eine randvolle Schüssel Zuckerwasser mit Früchten vorgesetzt.

    Eileen: "Eh ich will nicht so viel essen."

    Peter: "Komm schon, du hast in letzter Zeit unnatürlich viel Gewicht verloren."

    Sie versucht verzweifelt nach den Früchten zu fischen, verliert dann aber sichtlich die Geduld und trinkt dann in einem Zug die ganze Schüssel auf. Danach hat sie mit den nun auf dem Trockenen liegenden Früchten leichtes Spiel.

    "Hab euch!"

    Mario: "So dann auf auf eure Zimmer."

    Ich: "Es gibt auch am Wochenende Mittagspause?"

    Katrin: "Sicher. Du wolltest dich doch ausruhen oder?"

    Ich meine einen ganz ganz leichten sarkastisch vorwurfsvollen Ton heraus zu hören, bin mir aber nicht sicher.

    Ich: "Ja ausruhen, nicht zu Tode langweilen."

    Etwas enttäuscht strecke ich mich und begebe mich wie die anderen auf mein Zimmer.

    Trotz das ich weiß, dass die anderen ja nicht da sind, erschrecke ich mich ein wenig, als ich in mein leeres Zimmer komme. Irgendwie hat der Raum mit den grauen glatten Betonwänden etwas gruseliges, wenn man alleine ist. Außerdem ist es ein wenig stickig, also gehe ich wieder hinaus und erwische gerade noch Peter, welcher mir sofort das Gitter vor meinem Fenster aufschließt und dann das Fenster öffnet.

    Schon aus Gewohnheit gebe ich ihm ein frisches paar Socken, um das Fenster offen zu halten.

    Peter: "Wenn dir so langweilig ist, warum holst du dir für die Mittagspause nicht was aus deinem Karton?"

    Ich: "Stimmt, da sind einen MP3 Player und einen Gameboy drin oder?"

    Peter: "Das hab ich mir nicht gemerkt."

    Ich: "Stimmt. Wäre ja auch ein bisschen viel .."

    Ich folge Peter aus meinem Zimmer hinaus, durch den nun wie leer gefegten Flur. Nur im Wohnzimmer stehen noch die Berge von Büchern auf dem Fliesentisch.

    Peter: "So .."

    Er schließt mit seinem Schlüssel den Schrank auf, holt einen Pappkarton mit meinem Namen heraus und und hält ihn mir offen hin. Ich nehme mir meinen MP3 Player und den alten grauen klobigen Gameboy.

    Peter: "Wow .. ist das der ganz Alte?"

    Ich: "Ja, der gehört eigentlich meiner Oma."

    Peter lacht.

    Ich: "Der gehört wirklich meiner Oma, ist ne längere Geschichte."

    Peter: "Die würde ich wann anders gerne mal hören."

    Ich verstehe und gehe zurück auf mein Zimmer.

    Dort angekommen, haue ich mich sofort aufs Bett und bleibe erstmal eine Weile so liegen und starre an die graue Decke, dann frage ich mich, ob die Decke wirklich einen anderen Grauton hat als die Wände oder ob das nur durch das Licht so wirkt .. da der Lichtschlag vom Fenster aber die Decke und zwei Wände gleichzeitig abdeckt müssen die Flächen wirkliche alle einen anderen Farbton haben. Aber wer sollte sich die Mühe gemacht haben, für jede einzelnen Wand eine eigenen Farbe abzumischen?

    Ohne meinen Blick von der Decke zu nehmen, taste ich auf meinem Bauch nach den Elektrogeräten und denke mir, dass es besser wäre diese quasi ganz für den Schluss aufzuheben, denn erfahrungsgemäß wird es dann besonders schwer gegen die Langeweile zu kämpfen. Wenn ich jetzt die erste halbe Stunde mit Musikhören und Spielen verbringe, wird die letzte um so härter. Also lege ich beide auf die Fensterbank, richte mich auf und beginne damit den grünen Koffer gründlich zu durch suchen, als plötzlich etwas in der Hand halte, das mir neu vorkommt.

    Meine Familie hat mir eine neue Gamestar geholt, glücklich etwas zu haben, dass nicht sofortige Langeweile ausstrahlt, drücke ich die Zeitschrift an mein Gesicht, lasse mich zurück ins Bett fallen und beginne dann zu lesen. Normalerweise springe ich immer zu den Stellen, die mich interessieren aber dieses Mal lese ich alles vom Editorial bis zum Impressum.

    Als ich den großen Test zu Battlefield 2 lese, bereue ich es schon ein wenig hier im Camp geblieben zu sein, denn zuhause hätte ja zumindest schon mal die Demo auf mich gewartet. 'Was hat denn das Camp dagegen schon zu bieten?'

    Frage ich mich, als ich die Zeitschrift auf meine Oberschenkel sinken lassen und bekomme auch schon blitzartig die Antwort eingegeben:

    "Eine Freundin"

    Sage ich leise für mich selbst und sehe dann von der Decke raus zum Fenster.

    Ich atme leise aus und beginne erst jetzt langsam zu realisieren, dass sie ja jetzt wirklich meine aller erste richtige Freundin ist. Nur fühlt es sich für mich irgendwie komisch an. Ich hatte zwar ehrlich gesagt keine so genauen Vorstellungen wie und wo ich meine erste richtige Freundin bekommen würde aber so hab ich mir das ganz bestimmt nicht vorgestellt.

    Ich kann bis jetzt auch irgendwie nicht richtig glauben, dass sie mich so gerne mag .. naja .. mögen tut sie mich ja offensichtlich nicht, sie hat sich eben in mich verliebt. Ich sehe wieder zur Decke und erinnere mich daran, dass ich auch mal kurz in ein Mädchen verliebt war, dass ich nicht mal leiden konnte.

    Das Zwitschern eines Vogels in einer der Baumkronen lenkt meinen Blick wieder nach draußen. Aber viel wichtiger ist es doch, ob ich sie überhaupt leiden kann .. also gefühlsmäßig ist da relativ wenig ..

    .. langsam wird mir klar, dass ich ja die ganze Zeit quasi mit den Gefühlen eines ziemlich gefährlichen schwer psychisch kranken Mädchens spiele oder sie 'ausnutze' wie Anny das nennen würde. Kurz wird mir ziemlich mulmig .. bei dem Gedanken und sogar fast schlecht, wenn ich daran denke, was passiert, wenn sie raus findet, dass ich was meine Gefühle ihr gegenüber angeht nicht ganz ehrlich war.

    Besser geht es mir allerdings bei dem Gedanken, dass ich ja bis jetzt kaum eine Möglichkeit hatte mal deutlich 'Nein' zu sagen. Wie ich sie einschätze, hätte ein 'Nein' zu weit mehr Problemen geführt als mein 'Ja'.

    Außerdem könnte sie noch ziemlich nützlich werden, wenn es darum geht, die anderen Mädchen auf Abstand zu halten, damit ich in Ruhe lernen kann .. außerdem hilft sie mir ja auch noch.

    Eventuell kann ich sie ja sogar noch umstimmen und ihr die Sache mit dem zusammen sein ausreden, mir müssten nur genug gute Gründe einfallen .. aber nicht jetzt, es ist Wochenende und ich greife wieder zu meiner Gamestar. Als ich jedoch in die Spielezeitschrift schaue sage ich mir entschlossen:

    "Ach zur Hölle mit Ausreden, einen Gamerweibchen war doch das, was ich immer haben wollte .. ich behalte sie."

    Ich lasse die Zeitschrift wieder auf meine Knie sinken, sehe nach Draußen und frage mich das erste mal ernsthaft, wie ich sie eigentlich finde .. hm ..

    .. also ihr Charakter ist aggressiv und laut aber nicht gemein .. und wenn sie wirklich nur fies zu mir ist, weil sie es mir gegenüber nicht anders kann deswegen .. das könnte sich ja nach und nach ändern. Jetzt wo die Sache klar ist ..

    .. sie ist intelligent und ehrlich ..

    .. außerdem ist sie mit ihren dunklen Haaren und dunklen Augen auch so ein bisschen etwas wie mein Typ.

    Als ich mich ehrlich frage, ob ich sie hübsch finde, setzt mein Gehirn kurz aus. Wahrscheinlich habe ich in der Vergangenheit ein Mädchen zu viel hübsch gefunden, dass mich nicht mochte. Ich scheine bei ihr eine Art Blockade zu haben.

    Wie immer, wenn ich in einem Gedankenprozess nicht weiter komme greife ich automatisch zum nächsten Musikgerät, zum Glück ist ja dieses mal eines vorhanden. Ich sage mir, dass die halbe Stunde bestimmt schon rum ist, schalte den MP3 Player ein und mein Hirn quasi aus. Mein letzter Gedanke ist noch eine Anmerkung von Eileen, dass intelligente Menschen nicht an Nichts denken können.

    Ich höre mich eine Weile durch die zwei dutzend Lieber, welche bei 192kbs auf meinen billigen MP3 Player passen und ärgere mich, dass ich nicht doch in 128kbs kodiert habe, dann hätte ich jetzt mehr Auswahl, wobei ich ich noch ständig Stücke skippe, welche mich an 'Sie' erinnern. Noch ein Grund, Eileen eine ehrlich Chance zu geben.

    Am Ende kann ich aber doch nicht anders als ein Lied zu hören, welches mich an 'Sie' erinnert. Ein Fehler .. sofort kommt der Schmerz wieder hoch .. schnell beschließe ich alle Lieber welche mit 'Ihr' zu tun haben zu löschen. Dieses Ding muss doch eine Funktion dafür haben.

    Während ein anders Lied läuft klicke ich mich langsam durch die verschachtelten Menüs, was irgendwie beruhigend und ablenken wirkt.

    Ich wusste gar nicht, dass mein Player eine Equalizerfunktion hat, leider nur mit vorgefertigten Einstellungen wie Klassisch, Pop und Felsen? Ich frage mich, ob das so eine art Hallsimulation ist, wie an meinem PC mit seinen super hightech Souroundboxen. Nach Felsen kommt sogar noch weicher Felsen .. ich runzle die Stirn. Es folgen Gewäsch und Technisch .. ich zucke nur mit den Schultern und drösel mich weiter durch die Menüs, aus denen ich aber immer wieder geworfen werde, weil ich Lieder skippen muss.

    Immer noch ohne Löschfunktion komme ich bei Sprache an und stelle das gute Stück aus reiner Langweile auf englisch um. Da ich teilweise von vorne beginnen muss, gehe ich noch einmal alles durch. Dieses mal bietet der Equalizer Classic, mit C, Pop und Rock ..

    Ich versehe die Augen und sage leise:

    "Noar, da hat mal wieder jemand nun bisschen zu viel übersetzt."

    Danach folgen Soft Rock', Jazz und Techno.

    Ich lache leise für mich, lege dann den Player weg und höre, ob sich draußen auf dem Flur etwas tut. Leider nichts .. ich greife zum Gameboy lasse diesen aber sofort wieder zurück in den Koffer fallen. Pokemon Geld ist eingesteckt, ein beinahe genau so traumatisches Erlebnis. Ich hab mir das Spiel irgendwann mal geholt und bei Pokemon damals mit in etwa 12 so kläglich versagt .. dass ich das Spiel bis jetzt nie wieder angerührt habe. Obwohl mich es bis heute noch reizt, es doch noch zu schaffen.

    Aber da mein Hirn mittlerweile durch Musik wieder frei ist, lege ich mich wieder zurück und stelle mir die Frage noch mal in Gedanken:

    Wie hübsch finde ich Eileen eigentlich? Sie ist groß, dünn .. ne Moment, sie hatte am Anfang doch diese Rollen? Da trug sie aber enge Sachen aber aktuell trägt sie ja fast nur noch diese zugroßen Shirts .. Verdammt, durch ihre komische Klamottenwahl ist sie so scher einzuschätzen. Ich versuch mich eher auf ihr Gesicht zu konzentrieren .. also ihr Gesicht ist eigentlich ganz hübsch aber sie lächelt so gut wie nie, sie grinst höchstens mal hämisch oder fletscht ihre Zähne.

    In dem Moment fällt mir ein, dass zu einen sich ja Peter und Mario in letzter Zeit immer wieder beschwert haben, dass sie abgenommen hat und an dem einen Tag im Krankenzimmer, wo sie nur ein Knopf Hemd an hatte, da hatte sie die Rollen schon nicht mehr.

    Jetzt fällt es mir etwas leichter, sie mir in normaler Klamotten vorzustellen und auch, wie sie wohl nackt aussieht.

    Ich schüttele ganz schnell meinen Kopf, um den Gedanken zu verdrängen. Denn dass will ich gar nicht wissen, ich bin froh, das ich mit ihr ganz sicher vor dem Thema meine Ruhe haben werde .. worüber ich eigentlich froh bin, denn die Begegnung mit den beiden Mädchen in der Kneipkur hat mir fürs erste gereicht.

    Außerdem waren bei dem Bild, welches ich für eine Sekunde im Kopf hatte, eh die Brüste falsch, die sind ja nicht echt. Wie wohl ihre echten Brüste aussehen? Ach egal ..

    Doch mein fieses Unterbewusst sein meldet sich und sagt:

    "Das ist bestimmt doch einen Junge."

    Ich: "Und wenn .."

    Versuche ich meine innere homophobe Stimmte zu ärgern. Mit Erfolg. Ich stecke mich und lesen den Rest der Zeit die Gamestar einfach noch einmal.

    67
    Susie und Strolch ( Tag 11 Samstag Mittag )

    Als bester Zeitfresser stellen sich die Grafikvergleiche heraus, ich sehe immer wieder abwechselt einen Felsen in Farcry mit und ohne x64 Bit Erweiterung an und wünsche mir dabei insgeheim einen 64 Bitprozessor .. oder einfach nur mein normales Farcry zuhause.

    Ach irgendwann werde ich sicher einen 64 Bit Prozessor besitzen, die können ja nicht ewig so teuer bleiben .. und dann guck ich mir den ganzen Tag Felsen an .. und höre dabei Musik mit der 'Felsen' Einstellung auf meinem MP3 Player.

    Ich muss lachen .. in dem Moment klopf es an der Türe.

    Mario: "Das wäre eine ideale Zeit zum Duschen."

    Ich: "Ist denn dafür noch Zeit?"

    Mario: "Aber locker .. noch ne ganze Viertelstunde aber hast du immer noch keine Uhr? Deine Eltern haben die doch eine in den Koffer gepackt oder?"

    Ich: "Ja kann sein .. ich seh' mal nach .."

    Sage ich gelangweilt, beuge mich vor und beginne noch einmal den Koffer durchzuwühlen. Als Mario die Türe wieder schließt, habe ich auch schon etwas in der Hand, was sich stark nach Uhr anfühlt.

    Ich ziehe meine Hand aus dem Koffer und halte einen TikTak Kinderuhr in den Fingern.

    Nach großartig, damit bin ich die Lachnummer eins im Camp. Von weitem könnte sie mit Glück aussehen wie eine normale schwarze Uhr aber von Nahem sieht man deutlich die Comic Zeiger.

    Naja egal, denke ich und suche mir Sachen fürs Duschen zusammen. Dabei lasse ich mir ein wenig mehr Zeit, um noch mehr Zeit tot zu schlagen. Später stehe ich auch schon im Bademantel in dem kleinen Badezimmer und betrachte mal wieder ungläubig das Rohr, welches einfach schräg nach unten aus der Wand ragt.

    Um dieses mal dem Wasser etwas mehr Zeit zugeben sich aufzuwärmen, drehe ich beide Hähne auf und schließe dann ganz schnell den Duschvorhang, damit nicht das ganze Band vollgespritzt wird.

    Als ich jedoch ein komischen Geräusch aus der Dusche höre, ziehe ich den Vorhang wieder weg und sehe, wie nur ein Teil des Wassers aus dem Rohr kommt. Der Rest spritzt wahllos aus der Wand oder läuft einfach erst die Tapete und dann die Kacheln hinunter, erstere nimmt dabei eine Besorgnis erregende Farbe an.

    Schnell drehe ich das Wasser ab und überlege, was ist jetzt am besten tun sollte.

    [o] Einfach trotzdem Duschen

    [o] Einfach zurück ins Zimmer

    [x] Bescheid geben

    Ich seufze, gehe zurück in mein Zimmer und öffne die Türe. Doch Mario ist nicht mehr zu sehen, auch nicht als ich einen Schritt aus der Türe mache und durch den Bunker sehe. Ich habe wohl mit dem Duschsachen zusammen suchen etwas zu sehr getrödelt.

    Vorsichtig trete ich in den Bunker an den großen Tisch und frage mich, was wohl schwerer wiegt, das Verbot bei Mittag sein Zimmer zu verlassen oder dass das Wasser gerade die Tapete aufweicht.

    Ich entscheide mich für letztere und trete vorsichtig in den Bunker und horche erstmal, es ist ungewöhnlich still .. schon fast gespenstisch still. Nichts regt sich, noch nicht mal aus den Zimmern tönt ein Geräusch.

    Kurz überlege ich, ob ich nicht besser jemanden frage, aber welche Tür gehört noch einmal zu welchem Zimmer und wer war jetzt eigentlich da und wer nicht? Ach egal. Ich gehe gehe erstmal zum Krankenzimmer und schau dort durch die Scheibe aber auch dort ist niemand. Es ist sogar das Licht ausgeschaltet und die Vorhänge der Fenster nach hinten sind zugezogen. Fast nur das Licht aus dem Bunker fällt in den Raum. In den Scheiben der Medizinschränke sieht man, wie sich die kleinen Lichter der Konsole spiegeln. Die meisten sind ruhig und grün aber eine einzige Lampe ganz am Rande blinkt auffällig rot.

    Was das wohl zu bedeuten hat?

    Ich durchquere weiter den absolut toten stillen Bunker und als ich an der Türe ankomme, ist diese zwar zu aber nicht verschlossen. Ich schiebe sie auf und sofort kommt mir die warme Sommerluft entgegen und das Licht blendet mich. Als sich meine Augen an das Licht gewöhnt haben, sehe ich über das Camp aber auch dort sehe ich niemanden, das gesamte Camp scheint leer zu sein. Nur aus irgend einem Grund hängen Wäscheleinen zwischen den Bäumen.

    "Hey. Was machst du hier draußen?"

    Ich erschrecke mich was zu Tode, als Peter mich von hinten anspricht.

    Ich: "Ich .. ähm .."

    Peter: "Du hast in der Mittagspause nichts auf dem Flur zu suchen. Ist es ein Notfall?"

    Ich: "Meine Dusche ist kaputt."

    Peter: "Das klingt ehrlich gesagt nicht nach einem Notfall."

    Ich: "Das Wasser läuft die Wand runter."

    Peter: "Das klingt schon eher nach einem Notfall .."

    Ich folge Peter in mein Zimmer, welcher trotz seiner sonst so freundlichen Art offensichtlich so gar nicht begeistert darüber ist, das ich unerlaubt mein Zimmer verlassen habe.

    Im Badezimmer angekommen, sieht Peter hoch zu dem Rohr, um welches Herum ein ziemlichen Loch in der Wand klafft, welches mir vorher nicht aufgefallen war. Es kann unmöglich in den paar Minuten, in denen das Wasser an war, aus geschwemmt worden sein.

    Peter: "Sieht so aus, als hätte jemand den Duschkopf mit einem Turngerät verwechselt."

    Ich: "Ich war das nicht."

    Peter: "Hab ich auch nicht behauptet, aber du hast dein Zimmer ohne Erlaubnis verlassen."

    Ich: "Ich dachte das wäre wichtig, weil das Wasser in die Wand läuft."

    Peter: "Da kann man jetzt eh nichts gegen machen. Du bekommst eine Ausgangsstufe abgezogen."

    Er nickt in Richtung meines Logbuchs, welches auf meinem Nachttisch liegt. Ich reiche es ihm, worauf er es einfach mitnimmt. Als er gerade die Türe öffnet frage ich:

    "Und wo soll ich jetzt duschen?"

    Er bliebt einen Moment stehen und sagt, in einem wieder freundlichen Ton: "Da wo die meisten anderen auch duschen, im Waschraum."

    Er schließt die Türe und ich lasse mich wieder aufs Bett fallen. Meine Güte, die nehmen das mit dem auf den Zimmern bleiben aber wirklich ernst. Ich bleibe erst noch eine Weile so liegen, bis ich mir wieder normale Sachen anziehe und dann doch noch einmal versuche zu lesen.

    Erst nach einer gefühlten Ewigkeit, klopft es erneut an meiner Türe gefolgt von einem Dumpfen:

    "Willst du nicht raus kommen?"

    Von der Stimme her müsste es Merle sein, also raffe ich mich auf und gehe dann langsam zur Türe, während ich mich frage, ob ich nicht doch versehentlich geschlafen habe, so gerädert wie ich bin.

    Als ich die Türe zum Bunker öffne, sehe ich jedoch niemanden. Nur eine der Getränkekisten steht so schief im Weg, dass ich diese mit dem Fuß aus dem Weg schiebe.

    Nach dem ich am Tisch entlang bin, sehe ich immer noch keinen und auch die Stapel von Büchern sind scheinbar mittlerweile vom Fliesentisch verschwunden.

    Als ich aus dem Bunker hinaus treten, blenden mich die Sonnen dieses mal nicht, weil die Türe wie fast immer offen stand und meine Augen sich an das Licht gewöhnen konnten. Doch auch das Campinnere ist erstaunlich leer, jedoch sind die Wäscheleinen noch da.

    Mit einem ungewöhnlichen Interesse betrachte ich alles, was wohl daher kommen muss, da ich mich in der Pause so gelangweilt habe.

    "Hay"

    Ich drehe mich zur Seite, wo Eileen an der Wäscheleine lang patrouilliert und mit etwas Abstand vor mir stehen bleibt. Sie trägt eine kaputte Hose und einen Bluse mit einem großen rosanen Fleck am rechten Kragen. Da ich nicht weiß, was ich sagen soll, sage ich auch einfach:

    "Hey"

    Sie zieht eine Augenbrauch hoch, als würde sie auf etwas waren.

    Ich: "Das ist deine Wäsche oder?"

    Eileen: "Genau, fast trocken, ich muss nur aufpassen, dass sich keiner an meiner Wäscheleine auf .. ähm .. verletzt."

    Ich nicke. Sie sieht mich weiter einen Moment lang an, was würde sie indirekt auf etwas hinweisen und sagt dann nach einer Weile:

    "Alles gut bei dir?"

    Ich: "Ja, nur die Dusche bei mir ist kaputt."

    Eileen: "Die ist nicht kaputt, die ist nur schwer zu bedienen, du drehst Kalt zwei mal rum und dann .."

    Erklärt sie ein wenig tonlos und leicht genervt, sie ist jetzt wohl wieder sie selbst.

    Ich: "Das Wasser läuft die Wand runter."

    Eileen: "Ok, dann ist die wirklich hinüber. Las mich raten, das Wasser hat mal wieder den falschen Weg genommen und die Muffe abgesprengt, die das Loch um die herum verdeckt?"

    Ich: "Hat sich das mit den Tabletten wieder gelegt."

    Sie sieht mich kurz an und sagt dann:

    "Sagen wir so gut wie .. das Problem ist nur, dass mich keiner davon abgehalten hat, zu viel Zuckerpampen-Tee zu trinken und zu viel vom diesem Zuckerpampen-Fruchtsalat in mich rein zu schaufeln."

    Ich: "Ist das schlimm?"

    Eileen: "Ja, überzuckern ist für mich fast so schlimm wie Notfalltabletten, ich kann kaum ruhig sitzen bleiben."

    Erst jetzt fällt mir auf, dass sie ein wenig auf ihren Füßen hin uns her wiegt.

    Ich: "Ja, ich hab auch viel zu viel von dem Zeug getrunken."

    Sie zieht die Augenbraue hoch.

    Eileen: "Glaub ich kaum, wie weit kommst du wieder hoch?"

    Ich: "Wo wie weit mit was?"

    Sie legt ihren Kopf zur Seite und lässt einen Spucketropfen ihren linken Mundwinkel herunter laufen. Als dieser von ihrem Hals zu tropfen droht, zieht sie diesen wieder nach oben, worauf dieser restlos zwischen ihren Lippen verschwindet.

    Kurz erschrocken, dass ein Mädchen sowas tut, fällt mir wieder ein, dass es ja zu einem Eileen ist und zum anderen dass die Tabletten wohl noch wirken.

    Eileen: "Na .. na .. komm schon .. wie weit schaffst dus."

    [o]"Nein, das ist ja widerlich."

    [x]"Ich versuchs'."

    Ich versuche es auch, aber erst nach dem ich mich gründlich umgesehen habe aber die viel zu großen schwarzen Metal T-Shirts auf der Leine geben uns ganz gut Deckung. Naja zumindest sieht man unsere Köpfe vom Bunker aus nicht.

    Ich schaffe es auf Anhieb von meinem Mundwinkel genau so weit wie sie und sage dann:

    "Dann ist das wohl Gleichstand."

    Eileen: "Von wegen Gleichstand! Nächste Stufe."

    Ich: "Wenn man das weiter macht, sabbert man sich an, ich hab das als Kind oft genug geschafft und wenn uns jemand sieht .."

    In dem Moment erinnere ich mich dran, wie das als Kind teilweise mein größtes Hobbys war und ich nur aus diesem Grund viel zu viel Zuckerkram getrunken habe.

    Eileen: "Stimmt .."

    Mir fällt ein Stein vom Herzen.

    ".. hier können wir das nicht machen aber ich kenne einen perfekten Ort dafür. Von da hab ich auch die Wäsche im Blick."

    Ich zucke zusammen, sie winkt mich hinter sich her, runter zu den älteren Kabinen, die etwas tiefer liegen, zu einer die nicht bewohnt oder eher bewohnbar zu sein scheint.

    Die Kabine hat einen kleinen Vorbau mit einem kleinen Geländer. Auf welches Eileen springt und sich dann ab Dach hoch zieht:

    "Einfach auf die Kiste, dann aufs Geländer springen und nicht an der Regenrinne, sondern am Dachgipfel hochziehen, schaffst du das?"

    Ich Schaffe es mit einiger Anstrengung und robbe dann auf dem Dach zu ihr, die sie schon an der Kante des Daches liegt. Das Dach der Kabine liegt im Schatten einiger niedrigerer Tannen und das Dach ist angenehm kühl. Die Äste rascheln leise über uns.

    Eileen: "Schön hier Oben oder? Los komm an die Kante."

    Ich nicke und robbe zur Dachkante, von dem Dach aus, kann man fast über das halbe Camp sehen und hat die Wäsche wirklich gut im Blick. Ich atme leise aus. Sie leckt sich mit der Zunge im Mund rum.

    Ich: "Sag mal, wo sind denn die anderen?"

    Frage ich, um eventuell das Duell doch noch irgendwie zu verhindern.

    Eileen: "Die hocken alle im Multikulti Raum und arbeiten daran das Camp zu verklagen."

    Ich: "Was?"

    Eileen: "Naja, die schreiben eine Beschwerde?"

    Ich: "Was war noch gleich der Multikultiraum?"

    Eileen: "Ne bessere Abstallkammer mit nem Bärenfell an der Wand und nem Klavier."

    Sagt sie, während sie ein wenig rumgurgelt und ergänzt:

    "Jetzt lenk nicht ab. Wer später wieder hochzieht hat verloren oder eben wer verliert .. also den Faden."

    Faden ist doch schon mal ein viel besseres Wort als Rotze, besonders besser fühle ich mich dadruch aber nicht. Trotzdem mache ich mit als sie 'Drei' sagt.

    Unsere Fäden machen sich auf die Reise und erstaunlich lange habe ich das Gefühl, dass ich den Faden noch unter Kontrolle habe. Als ich diesen langsam runter Richtung Erde wandern sehe. Nicht zu viel Spuke geben, sonst wird er unten zu schwer, soviel weis ich noch von damals.

    Als jedoch ein Windstoß kommt, klatschen unsere beiden Fäden zusammen.

    Erschrocken, beiße ich meinen Faden ab, worauf auch sie ihren, jetzt zusätzlich beschwerten, Faden nicht halten kann.

    Eileen: "Was machst du? .. Alter .. gemeinsam hätten wir das schaffen können!"

    Ich: "Was? .. Und wenn wir wieder oben sind, machen wirs dann wie Susie und Strolch?"

    Eileen: "Nicht?"

    68
    Schreibmaschine ( Tag 11 Samstag Mittag )

    Erschrocken sehe ich Eileen an, doch diese sieht einfach weiter vom Dach hinunter und sagt:

    "wäre doch witzig oder?"

    Ich: "Was wäre witzig?"

    Eileen: "Erster Kuss beim Zuckerspukefadenduell?"

    Ich muss kurz grinsen, erleichtert, dass sie das so gar nicht ernst zu meinen scheint. Entspannt, lasse ich meine Arme von der Dachkante baumeln. Irgendwie mag ich ihre alberne Tablettenversion. Bisher hatte ich zwar immer Angst, dass sie in dem Zustand was macht, für das mir ihre übliche Form eine reinhaut, aber gerade macht sie so gar nicht den Eindruck und dass beruhigt mich.

    Eine ganze Weil bleibe ich einfach so liegen und sehe mit ihr wortlos über das Camp. Es ist still, nur der Wind weht immer mal wieder durch die Äste über uns und lässt trockene Nadeln regnen. Das Rauschen der Bäume ist irgendwie beruhigend und ich bekomme langsam eine Idee davon was sie mit Ruhe meinte.

    Eigentlich komisch, in meinem Zimmer habe ich quasi genau das selber gemacht, nur wurde mir dort fast sofort langweilig.

    Langsam wandert der Schatten der Bäume von meiner Seite weg und ich merke, wie mein Rücken langsam warm wird, was sich erst wohlig anfühltm wird nach einer Weile echt unangenehme und ich rücke zu ihn hin. Ihre Seite liegt noch ausreichend im Schatten und ich frage mich, ob sie das vorhergesehen hat. Wenn ich jetzt noch näher zu ihr rücke wird langsam grenzwertig.

    [o]Weiter zu ihr hinrücken

    [x]Aufstehen

    Als ich zu allem Überfluss noch Durst bekomme, stehe ich langsam auf, werde aber prompt am Ärmel gepackt.

    Eileen: "Bist zu bescheuert? Steht doch nicht auf."

    Sie zieht mich zu sich runter.

    "So wie ich ist ok, aber nicht höher."

    Ich lege mich wieder hin, sie erklärt etwas ruhiger:

    "Die sehen uns, wenn wir hier zu hoch sitzen."

    Sie deutet auf eine dieser silbernen Kugeln, welche in einem der Bäume vor uns hängt.

    "Wo willst du überhaupt hin?"

    Ich: "Ich muss was trinken und es wird mir hier auch zu heiß."

    Eileen: "Ok, mit mir ist ja gerade eh nicht viel anzufangen, eventuell bin ich heute Nachmittag wieder .."

    Sie verschluckt den Rest des Satzes und fügt dann in einer anderen Tonlage an:

    "Ach .. kannst du mir einen Gefallen tun? Wenn du zu den anderen gehst, sagt denen bitte, dass es mir nicht gut geht .. also dass ich albernd rauf bin und gerade echt nerve .. ok?

    Ich: "Ja gerne aber wo sind die anderen eigentlich?"

    Eileen: "Im Multikultiraum."

    Ich: "Ok, was war das noch mal?"

    Eileen: "Das ist ne Abstellkammer mit nem Bärenfell an der Wand und nem kaputten Klavier."

    Ich nicke und robbe von dem Dach runter und lasse mich vorsichtig auf das Geländer fallen. Zum Glück bieten die dicken Holzbalken genug Trittfläche.

    Unten angekommen, gehe ich um die Kabine herum und denke im Vorbeigehen noch, dass wir auch leicht hätten eine der Scheiben treffen können.

    Als ich an der Wäscheleine vorbei Richtung Bunker gehe, meine ich ganz kurz erkannt zu haben, dass Eileen eben ein wenig traurig geklungen hat, verwerfe den Gedanken aber dann wieder. Das ist Eileen, sie kann ich mir gar nicht traurig vorstellen, höchstens wütend. Wenn ich was falsch gemacht hätte, hätte ich schon längst ein blaues Auge oder sowas.

    Im Bunker angekommen, muss ich den Multikultiraum erst gar nicht suchen, es muss einfach der Raum sein, aus welchem der meiste Lärm kommt. Ich klopfe an.

    "Ja .. wir wissen wir sind zu Laut .."

    Bezy reiß die Türe auf und sagt dann genervt:

    "Ach du .. Alter klopf doch nicht an. Komm rein."

    Der Multikultiraum ist zwar wirklich nicht besonders groß aber in jedem Fall kein Abstellraum. Er ist schmal aber lang und zugestellt mit ziemlich vielen Möbeln.

    Bezy: "Hier gilt, nur Mario und Peter klopfen an, alle anderen kommen immer gleich rein."

    Merle: "Wir hatten ja mal eine Reihe von Klopfzeichen ausgemacht aber an die hält sich ja keiner."

    Sagt Merle vorwurfsvoll mit verschränkten Armen in einer Nische stehend.

    Auf der linken Seite steht eine Bare, wie man sie bei den meisten Ärzten findet, jedoch mit einer Leoparden Decke überzogen, welche den medizinischen Charakter jedoch nur unzureichend verschleiert. Auf der anderen Seite stehen Bücherregale, mit ähnlich uninteressantem Inhalt wie im Wohnzimmer und an der Wand hängt ein Bärenfell, von dem ja schon mal die Rede war.

    Vorkopf steht ein Klavier, dessen Klappe jedoch geschlossen ist und auf dem eine Schreibmaschine steht, auf welcher Manuell fließen das eintippt, was Bezy wieder zu diktieren beginnt. Wegen der hohen Klappe und dem viel zu kleinen Hocker, tippt Manuel in einer sehr merkwürdigen Haltung.

    Ich: "Was wird das?"

    Frage ich leise.

    Anny: "Wir verklagen das Camp!"

    Sagt sie triumphierend.

    Tommy: "Wenn ich das richtig verstanden habe, dann schreiben mir eine Beschwerde, dass wir hier nicht richtig behandelt werden."

    Manuel, sieht von der Schreibmaschine auf und erklärt:

    "Das ist eine Formfehler, wir sind hier beide zwangsweise untergebracht und wenn das passiert, müssen spezielle Sachen beachtet werden. Uns hätte nämlich eine Richterin hier besuchen müssen, um die korrekte Unterbringung zu prüfen."

    Anny: "Das haben die vergessen und deswegen dürft ihr hier raus."

    Manuel: "Fast, wegen dieses Formfehlers ist unsere Unterbringung rechtswidrig, die müssen also unser beider Verfahren neu prüfen und die Chance ist recht groß das die einfach Sagen, dass wir gehen dürfen."

    Tommy: "Hey."

    Er stupst mich an:

    "Weißt du wo die eine intelligente bekloppte ist, die mit den schwarzen Haaren."

    Ich: "Eileen? Ja, der geht es aber nicht gut. Warum?"

    Bezy: "Nicht gut von 'ihr ist übel' oder nicht gut von 'sie redet mit sich selbst'?"

    Ich: "ähm, eher letzteres. Sie ist halt einen bisschen albern gerade .."

    "Nen bisschen?"

    Katrin ist gerade ohne Vorwarnung hinter mir aufgetaucht und ich frage mich dabei, ob sie wirklich schon vorher im Raum war.

    Tommy: "Och ne, ist die immer noch auf nem Trip? Wie lange dauert denn das?"

    Katrin: "Öhm .. so ungefähr bis 3 Uhr warum?"

    Manuel: "Die schreibst fast Fehlerfrei auf dem Ding hier .."

    Er deutet mit einer wütenden Geste auf die Schreibmaschine.

    Katrin: "Hast du zuhause nicht einen PC an dem du viel schreibst."

    Manuel: "Ja, aber ich schreib die Texte grob vor und korrigier dann die Fehler raus."

    Katrin: "Ich dachte Fehler zu korrigieren sei voll nicht leet."

    Manuel: "In Foren ist mir das auch shice egal aber eben nicht, wenn ich Texte für Versichernungsvergleiche schreibe."

    Anny: "Oder eben ne Anzeige."

    Bezy: "Formbeschwerde."

    Ich: "Warum schreibst ihr das nicht per Hand? Das ist doch genau so gültig."

    Bezy: "Haben wir schon geprüft, hier hat jeder ne Sauklaue."

    Manuel: "Es geht um die Maschinenlesbarkeit, ich will hier so früh raus wies geht. Wenn wir die Beschwerde Montag in den Postkasten werfen .."

    Katrin: "Warum nehmt ihr ne Maschine nicht mit nach Draußen?"

    Anny: "Dürfen wir nicht."

    Katrin: "Ja diese aber die andere geht, weil bei der ist eh schon was kaputt."

    Bezy: "Da ist das Farbband trocken."

    Katrin: "Kann man nass machen oder ihr nehmt das Band aus der da und tut das in die."

    Sie deutet auf eine noch älter wirkende Schreibmaschine im Schrank. Wie auf ein Kommando hört Manuel auf zu schreiben und Bezy schnappt sich die alte Maschine, wobei ich ihr nur knapp ausweichen kann.

    In ein paar Sekunden sind die Bänder getauscht und die meisten aus dem Multikulti raum hinaus. Ich und Merle bleiben als einzige zurück.

    Merle: "Na Danke und ich kann jetzt alles aufräumen oder wie?"

    Ich: "Was wäre denn aufzuräumen."

    Merle: "Das Alte Band in die neue Maschine und einen paar Sachen, die du nicht wissen kannst."

    Sie streich dabei das Leopardenplüsch über der Bare gerade, während ich versuche mit der Schreibmaschine klar zu kommen, nach ein paar Versuchen sitzt das Band endlich, während Merle einen Hocker in eine Ecke stellt und den Klavierdeckel öffnet und mit einem Schluss verschließt.

    Ich: "Ähm .. warum schließt du den Deckel so ab, das er aufsteht?"

    Merle: "Das gehört so, der Deckel ist schwer und jemand hat sich irgendwann mal damit die Finger gebrochen, also wird der so fixiert, dass man Spielen kann. Ist natürlich schlecht für die Tasten aber viel Staub gibt hier eh nicht. So fertig, kommst du mit raus?"

    69
    Eis ( Tag 11 Samstag Mittag )

    Ich nicke, und folge Merle aus dem Zimmer hinaus auf den Flur, wo sie kurz an die Scheibe des Medizinzimmers klopft und kurz sagt:

    "Wir melden den Multikultiraum hiermit ab."

    Peter der die Tür öffnet nickt, zückt sein Schlüsselbund und geht an uns vorbei wohl um die Türe abzuschließen.

    Merle: "Wir müssen den Raum immer vorher extra beantragen und wieder austragen."

    Ich: "Aber da gibt es doch kaum was interessantes drin."

    Merle: "Für die meisten nicht aber das Klavier ist ganz ok, finde ich."

    Ich: "Du kannst Klavier spielen .."

    Frage ich, als wir das Gelände betreten.

    Merle: "Ne aber Notenlesen."

    Anny: "Merle spielt Flöte .."

    Anny dreht sich von dem Tisch aus rum, an dem die meisten jetzt sitzen.

    Merle: "Querflöte."

    Sagt sie leicht beleidigt.

    Anny: "Ist doch Flöte."

    Merle: "Ja aber wenn man sagt, man spielt Flöte, denn hört sich das so an, als spiele man Blockflöte."

    Anny: "Und wo ist der Unterschied?"

    Merle: "Querflöte ist ein ernstzunehmendes Instrument, oder kennst du ein Orchester in welchem Blockflöten mitspielen?"

    Bezy: "Das ist der Unterschied zwischen dem hier .. und dem hier .. ."

    Sie hält sich erst Faust vor den Mund und dann neben den Mund.

    Anny: "Ist für mich alles Flöte."

    Bezy: "Sag ich auch aber wenn ich mal wieder zu viel auf der Fleischflöte spiele, regen sich immer alle auf."

    Anny: "Was ist ne Fleischflöte"

    Bezy macht die gleiche Bewegung wie eben bei der Querflöte, nur bewegt sie dieses mal ihre fast geschossene Faust und drückt dabei ihre gegenüberliegende Wange mit der Zunge nach außen.

    Bezy: "Hast du ja auch Erfahrung mit."

    Anny: "hab ich nicht .. also hab ich doch .. aber nicht so viel."

    Sie gerät etwas aus der Fassung und gestikuliert wild rum, Bezy grinst.

    Manuel: "Geht das auch leiser? Ich muss mich hier konzentrieren."

    Sagt Manuel etwas genervt von der anderen Seite des Tisches her.

    Bezy: "Soviel ist das doch gar nicht mehr."

    Manuel: "Ja toll aber der Tastenanschlag bei dem Ding ist ein ganz anderer und das große i geht nicht."

    Bezy: "Mach halt einen kleinen l."

    Manuel: "Bin ich auch schon drauf gekommen .."

    Anny: "Hey ich hab die geliebt ja?"

    Bezy: "Das kleine l oder das große i?"

    Anny: "Du weißt genau was ich meine!"

    Bezy: "Ach die Typen, die du gefleischflötet hast?"

    Anny: "Ja."

    Bezy: "Ja ja, du hast dich nur zufällig immer in die Typen verliebt, von denen du gerade was wolltest."

    Anny: "Und, dafür hab ich mich an die drei Dates Regel gehalten."

    Bezy: "Drei Dates? Du hast zu viele amerikanische Filme geguckt, wir haben hier in Deutschland keine Dates."

    Anny: "Sondern?"

    Bezy: "Treffen und wenn du einen Typen nur dreimal treffen musst, um ihm auf der Fleischflöte zu spielen .."

    Sie zuckt mit den Schultern.

    Anny: "Und wie machst du das?"

    Bezy: "Ich las mich einladen und polier ihm dafür auch immer die Flöte."

    Sagt sie grinsend zu Anny, welche schon wieder voll die Fassung verliert:

    "Was? Du kannst doch nicht beim ersten Treffen schon .."

    Bezy: "Einladen nicht Treffen."

    Anny: "Ey sagt ihr doch mal, das machen doch nur Schlampen oder?"

    Sie guckt Tommy an, welcher nur antwortet:

    "Keine Ahnung, hab schon so lange ne Freundin."

    Sie guckt Manuel an, welcher nicht reagiert.

    Sie guckt Merle an, welche schulterzuckent antwortet:

    "Das kommt ganz auf die soziologische Verbindung, sowie die kommunikative Tiefe der beiden Betroffenen an."

    Anny denkt kurz untermalt von einem langem "Ähhhh .." nach, hört dann aber damit auf und wendet sich an mich:

    "Sag mal, wenn du ein Mädchen einfach auf irgendwas einladen würdest .."

    Bezy: "Nicht irgendwas, mindestens ein Eis und das auch mindestens zwei Kugeln mit Sahne oder drei Kugeln ohne Sahne."

    Anny: "Ja, wenn du ein Mädchen auf ein Eis einladen würdest und die würde dir sofort dafür einen runterholen, ist das für dich ne Schlampe?"

    Das Thema ist mir sichtlich unangenehm aber ich versuche mein Bestes.

    [o]Ja

    [x]Nein

    Katrin: "Mit oder ohne Waffel?"

    Katrin ist mal wieder hinter und aufgetaucht.

    Anny: "Was ist daran so wichtig?"

    Katrin: "Waffeln sind schon wichtig."

    Anny: "Würdest du für ne Waffel .."

    Katrin: ".. für ne richtig gute Waffel, würde ich schon einen Völkermord anzetteln."

    Unterbricht Katrin Anny, welche die Backen aufbläst und dann laut fragt:

    "Also wer würde jetzt sagen, dass ein Mädchen, dass einem Jungen einen runterholt für ein Eis eine Schlampe ist, Hände hoch."

    Katrin: "Sofort auf den Scheiterhaufen mit der Schickse!"

    Merle: "Welche Sorten hat denn das Eis."

    Merle kommt zu uns und stellt ein Tablett mit Früchte Tee und Gläsern auf den Tisch.

    Victoria: "Mit welchen Sorten kann man denn am besten Kinder vom Spielplatz weglocken?"

    Katrin: "Von 7-9 mit Waldmeister und von 9-12 mit Vanille."

    Bezy: "Vanille? Keiner nimmt Vanille."

    Katrin: "Ich weiß aber seit ich 2 Girls 1 Cup gesehen habe, kann ich nicht mehr sehen, wenn jemand Schokoladeneis ist."

    Anny: "Was ist das .."

    Victoria: "Hör auf, ich hätte fast gekotzt, als ich das gesehen habe."

    Manuel: "Ich hab wirklich gekotzt, als ich das gesehen habe."

    Tommy: "Mal im Ernst wer, macht so einen scheiß."

    Katrin grinst: "Wie einfach alle den Film kennen."

    Sie sieht einen nach dem anderen an.

    Merle: "Der war kinematographisch jetzt nicht auf der Höhe aber mir wurde leicht flau im Magen."

    Anny: "Hä was?"

    Bezy: "Nen Porno, wo zwei Lesben Scheiße fressen."

    Anny: "Bah .."

    Etwas stupst mich von hinten an.

    Katrin: "Hast du den auch gesehen."

    Ich: "Ja, einen paar Klassenkameras haben sich den auf einer Lan-Party angeguckt. Ich bin erst später dazu gekommen und hab erst einfach gedacht, die essen da Schokoladen Eis. Hab dann auch irgendwie voll Hunger drauf bekommen und das so auch laut gesagt."

    Bezy: "Und das ist dir nicht aufgefallen?"

    Ich: "Ne bist fast zum Schluss nicht."

    Bezy: "Wie das?"

    Victoria: "Du hast dich nicht gefragt, warum die da in nem Porno Schokoladeneis essen."

    Ich: "Ne, gibt ja auch Pornos mit Bananen und so."

    Bezy: "Und du hast nicht gemerkt, dass deine Kumpel da einen bisschen komisch drauf reagiert haben?"

    Ich: "Doch, aber ich dachte vielleicht mögen die keine Lesben."

    Anny: "Welche Jungs mögen denn keine Lesbe?"

    Victoria: "Du weißt nicht, was diene Freunde für Pornos mögen?"

    Merle: "Klassenkameraden."

    Ich: "Nein, keine Ahnung .. ich will auch gar nicht wissen, auf was die so abgehen."

    Victoria: "Ich dachte Jungs reden darüber und tauschen die aus und so .."

    Ich: "Keine Ahnung, also ich nicht."

    Victoria sieht zu Tommy und Manuel.

    Tommy: "Ich hab ne Freundin."

    Manuel reagiert nicht.

    Katrin: "Sicher kennt man die Vorlieben seiner Klassenkameraden. Steht ja schließlich mit in der Klassenliste. Klaus mag Fette, Manfred mag Omas und Hansi mag fette Omas."

    Die meisten müssen lachen ..

    Victoria: "Du weißt also nicht, was deine Freunde für Pornos gucken?"

    Ich schüttele den Kopf:

    "Das wissen, meine ich nur die Jungs, die erstens eng befreundet sind .."

    Anny: "Hast du keinen engen Freunde?"

    Ich: "Doch aber ich bin nicht so scharf auf das Zeug und dann lassen mich meine Freunde die scharf drauf sind, damit auch in Ruhe .. außerdem habe ich kaum Freunde die da so scharf drauf sind."

    Anny: "Noch nie mitm besten Kumpel zusammen einen Porno am PC geschaut?"

    Ich: "Bei meinem besten Freund steht der PC auf dem Flur."

    Bezy: "Alter, man kanns auch übertreiben. Ich kante auch mal einen Mädchen, bei denen stand der PC auch aufm Flur .. eh da kannst ja noch nicht mal anständig Musik mit dem PC hören."

    Merle: "Da hat aber Jemand sehr pädagogisch wertvoll gehandelt."

    Sagt sie sarkastisch.

    Victoria: "Echt? Ich dachte immer bei Jungs wäre das so."

    Bezy: "Warum? Wir wissen doch auch nicht, welche Pornos wir so gucken."

    Victoria: "Mädchen gucken ja auch keine Pornos."

    Bezy: "Ich schon."

    Victoria: "Ja du .."

    Bezy guckt ein Mädchen nach dem anderen an, angefangen von Merle.

    Bezy: "Ok, das wäre in Deutschland illegal."

    Über Victoria.

    Bezy: "Ginbt es nur nicht zu."

    Und kommt bei Anny zum stehen, da sich diese hinter Katrin versteckt antwortet letztere in einem übertrieben ruhigen Ton, als wäre das völlig normal:

    "Ich mag am liebsten blutige indizierte Kannibalen und Vampir Fessel Pornos, aber da mein PC so wenig Speicherplatz hat, muss ich die immer nach dem gucken löschen."

    Die meisten müssen lachen.

    Manuel: "Ach verdammt .. vertippt."

    Er dreht das Blatt hoch und korrigiert mit Tippex.

    Manuel: "Kann man das nicht einbauen? So eine Schreibmaschine die einfach ein zweites Band mit Tippex hat, das wäre doch ne Erfindung .."

    Ich: "Gibt es .."

    Sage ich schnell, bevor eines von den Mädchen das Thema wieder in Richtung Pornos lenken kann.

    Ich: "Ich hatte mal ne Schreibmaschine die hatte genau das, also so ein zweites Band mit Tippex, man musste immer einen zurück und dann den Buchstaben, den man falsch hatte noch einmal drücken und dabei die Tippextaste halten."

    Manuel: "Schlaue Idee, ich war schon dabei mir einen extra Buchstaben auszudenken, der einfach nur ein einheitlicher Block ist aber so fällt das natürlich weniger stark auf und ist sparsamer. Naja .. auch wenn ich die Idee als erstes gehabt hätte, heutzutage hätte ich damit eh kein Geld verdienen können."

    Er lehnt sich zurück und steckt sich.

    Anny: "Kannst du die Schreibmaschine nicht mitbringen?"

    Ich: "Ich weiß nicht, ob ich die überhaupt noch habe und die ist extrem schwer, das ist ne elektrische."

    Merle: "So eine mit nem Runden Kopf?"

    Ich nicke

    Merle: "So eine hatte mein Vater auf der Arbeit, die ist super laut."

    Manuel: "Hat die dann einen Akku oder wie?"

    Ich: "Ne kommt in die Steckdose."

    Manuel, verschluckt sich da er gerade trinkt. Ihm läuft roter Früchteteee aus der Nase:

    "Schuldigung aber ne Schreibmaschine in die Steckdose zu stecken, dass wirkt so veraltet."

    Anny: "Aber das Ding da?"

    Sie deutet auf die uralte Maschine vor Manuel, die noch runde Knöpfe anstelle von modernen Tasten hat.

    Katrin: "Das nennt man das Uncanny Valley. Sachen die sehr alt sind sind cool aber Sachen die nur ein bisschen alt sind sind doof."

    Manuel: "Und wenn diese Maschine morgen hier wären könnten wir die erstens nirgends einstecken und zweitens, werde ich auch hiermit noch schnell genug fertig. Ich hab mir überlegt, dass wir auch eh nur ein Exemplar brauchen, das geht raus ans Gericht und die Klinik hier bekommt einfach die Vorschrift von Bezy .."

    Er hält einige Blätter hoch, die eine große verschlungene vereinfachte Schreibschrift zeigen.

    ".. die werden das schon lesen können, hier arbeiten schließlich auch Ärzte."

    70
    Nase ( Tag 11 Samstag Nachmittag )

    Manuel: "Obwohl .. ich hab ja eh nichts besseres zu tun .. von der Maschine hier bekommt man wenigstens keine Sehnenscheidenentzündung."

    Er spant ein weiteres leeres Blatt in die Maschine, welches sich sofort verhakt.

    Manuel: "Nu komm schon, was ist das eigentlich für Papier, was wir hier haben."

    Katrin: "Anti-Papercut Special Paper."

    Tommy: "Was fürn Zeug?"

    Manuel: "Es gibt spezielles Papier, womit man sich nicht ritzen kenn?"

    Er schnappt zieht das Blatt aus der Maschine und versucht sich damit zwischen Daumen und Zeigefinger zu scheiden. Erfolglos.

    Bezy: "Du musst das auch auf Spannung bringen."

    Er Spannt das Blatt wieder in die Maschine, richtet die Rolle rrichtig aus und beginnt zu tippen.

    Manuel: "Glaub ich dir auch so .."

    Ich drehe mich um und will noch mal nachfragen aber Katrin ist wie vom Erdboden verschwunden. Ich stehe auf und beschließe sie zu suchen, bevor Bezy und Anny wieder ihr Lieblingsthema ansprechen.

    Beide fragen mich zwar noch, wo ich hin will aber ich antworte einfach:

    "Mir die Beine vertreten .. hab in der Mittagspause nur rumgelegen."

    Ich streife eine Weile ziellos durch Camp und berühre einfach so immer mal wieder einen der Bäume. Es ist echt heiß geworden und ich überlege, ob ich nicht auf mein Zimmer gehen soll, um mir eine kurze Hose anzuziehen. Lasse es dann aber und beobachte ein paar kleine Vögel, welche in den Baumkronen zwitschernd hin und her springen.

    Ich frage mich in dem Moment, ob es wohl erlaubt ist, sich einfach seine Schuhe auszuziehen, um Barfuß durch Gras zu laufen .. ich meine, wenn hier schon penibel alle größeren Steine entfernt wurden, dann werden hier ja wohl kaum Glassplitter oder so etwas liegen ..

    Ganz in Gedanken, bleibe ich erst vor dem Zaun stehen, mache dann aber kehrt und beschließe einfach mal den Zaun ganz entlang zu gehen. Ich bin jetzt schon wie lange in diesem Camp und weiß immer noch nicht, was zum Beispiel hinter dem Bunker liegt. Also wandere ich ein wenig am Zaun entlang, bis ich zur Schleuse komme und hinter einer der Hütten direkt auf Eileen stoße:

    "Hey."

    Ich: "Ähm .. hey."

    Stille

    Eileen: "Was für ne begeisterte Begrüßung."

    Ich: "Sorry, war etwas abgelenkt."

    Eileen: "Wovon?"

    Ich: "Vom abschalten und durchs Camp wandern .."

    Stille ..

    Sie steht mit verschränkten Armen angelehnt an eine der Kabinen und ich bin mir sicher, dass sie mittlerweile wohl wieder von Tabletten und Überzuckerung befreit, ihr übliches Ich ist.

    Ich: ".. und bei dir alles in Ordnung?"

    Als wäre genau das, was sie hören wollte, stößt sie sich von der Kabinenwand ab, geht ein paar Schritte auf mich zu und kratzt sich dabei verlegen am Kopf.

    Eileen: "Naja, jetzt wo mein Blutzuckerspiegel wieder normal ist, hab ich schon mal ein Problem weniger aber .."

    Sie zieht Luft zwischen den Zähnen her. Und geht an mir vorbei in Richtung des kleinen Hügels. Ich weiß zwar nicht warum aber ich folge ihr.

    ".. wenn ich ehrlich bin geht es mir gerade echt bescheuert."

    Ich: "Gibt es einen Grund, warum es dir nicht gut geht?"

    Sie kommt bei dem Baum zu stehen und dreht sich wieder zu mir um und sagt:

    "Nicht schlecht – bescheuert .. ich hab die ganze Zeit so einen komischen Geruch in der Nase, den ich nicht weg bekomme. Erst hab ich gedacht, das sind die Medikamente aber jetzt hab ich andere bekommen und der Geruch ist immer noch da, das ist echt nervig. Ich will dass das weg geht."

    Ich: "Ach das kenn ich, das stört erst, dann gewöhnt man sich dran und wenn er langsam weg geht will man noch, dass er bleibt und wenn er weg ist, ist man traurig."

    Eileen: "Du kennst das .."

    Sie sieht eine Augenbraue hoch und sieht irgendwie leicht erfreut aus, sieht dann weg und sagt:

    ".. die anderen kennen das alle gar nicht. Bin ich wenigstens nicht die Einzige. Ach .. das muss diese dämliche Verliebtheit sein."

    Ich erschrecke kurz, fasse dann aber meinen Mut zusammen und frage:

    "Du bist jetzt auch, also auch so ohne Zucker und Medikamente .."

    Eileen: "Hä? .. sicher .. da ändert sich doch nichts dran, nur weil ich einen paar zu viele Notfalltabletten genommen habe, um dir den Antra .. die Aufwar .."

    Sie denkt kurz nach.

    Eileen: ".. also das zu machen, was ich eben heute gemacht habe, ohne mich zu tote zu stottern oder einen Rückzieher zu machen. Die Notfalltabletten waren das Vehikel nicht die Intention."

    Sie dreht sich zu mir und fragt:

    "Warum hakst du eigentlich ständig nach?"

    Ich: "Naja weißt du .. ähm .."

    Eileen: "Sags mir einfach .. ok?"

    Ich: "Naja, ich kann einfach nicht richtig glauben, dass du mich magst."

    Eileen: "Warum."

    Ich: "Jetzt hakst du aber nach."

    Eileen: "Nicht ausweichen. Warum?"

    Ich: "Heute Morgen war ich noch ein Bastard und jetzt will du mir zusammen sein?"

    Eileen: "Also einen Bastrad bist du immer noch .."

    Ich: ".. und du willst trotzdem mit mir zusammen sein oder wie?"

    Frage ich sie ungläubig, die verdreht die Augen, geht in Richtung Camp und sagt leicht genervt:

    "Noar, muss ich dir jetzt erklären, wie eine Beleidigung funktioniert? Na von mir aus aber hör gut zu."

    Ich folge ihr, sie erklärt:

    "Das ich dich einen Bastard nennen ist Unsinn, weist du auch wieso?"

    Ich schüttele den Kopf.

    Eileen: "Was ist ein Bastard? Haben wir neulich erst in Deutsch gelernt."

    Ich: "Ein unrechtmäßiges Kind eines Adeligen, das wusste ich aber auch vorher."

    Eileen: "Und du bist? Ein Kind aus einer Familie mit einem eigenen Wappen. Das ist genau so unsinnig, als würdest du mich einen Hurensohn nennen oder Pedophiel."

    Ich: "Und wenn das so unsinnig ist, wieso sagst du das dann?"

    Eileen: "Ja komm ich jetzt drauf, Beleidigungen sind nämlich oft eine Form von Kritik. Wenn ich jemand ein Schwein nenne, was ist dann die Apellebene?"

    Ich: "Apellebene?"

    Eileen: "Watzlawick?"

    Ich: "Wer?"

    Sie verdreht die Augen und sagt dann:

    "Später, also wenn ich jemand eine Sau nenne, was will ich ihm dann damit sagen?"

    Ich: "Das er sich nicht so schweinisch benehmen soll."

    Eileen: "Und wenn ich Anny eine Schlampe nenne."

    Ich: "Das sie sich nicht so aufreizend verhalten soll."

    Eileen: "Genau und wenn ich dich einen Bastard nenne?"

    Ich: "Ja, ähm .."

    Eileen: "Dass du dich nicht wie so einen Bückling verhalten sollst, der alles hinnimmt und kuscht, drück mal deinen Rücken durch und zeig etwas Haltung."

    Ich: "Ach so meist du das .."

    Sie springt hinter mich, reißt meine Schultern nach hinten und rammt mir dann ihr Knie in den Rücken. Ergänzt dann aber noch:

    "Gibt natürlich auch hohle Beleidigungen, die einfach nur provozieren. Auf die einfach nur beiläufig eingehen, Bezy nennt Anny nur Schlampe, wenn ihr langweilig ist und Anny sich darüber aufregt."

    Ich: "Danke, so hab ich das noch nie gesehen."

    Eileen: "Das heißt: 'Hättest du mir auch früher sagen können, Alter'. "

    Ich: "Hättest du mir auch früher sagen können, Alter."

    Eileen: "Wie redest du denn mit deiner Freundin? Nu jetzt ist zu spät. Jetzt musst du lieb zu mir sein. Du kannst doch deine Freundin nicht mit 'Alter' ansprechen. Und das 'Hey' geht auch gar nicht."

    Ich: "Wie soll ich dich denn anderen?"

    Eileen: "Weis ich doch nicht .. denk dir was aus."

    Ich: "Aber müssen wir nicht, wegen den Anderen .."

    Eileen: "Ok, das ist ne Ausnahme aber wenn wir alleine sind .. a pro pros .. wir dürfen auch nicht zu lange beide gleichzeitig von den anderen weg sein. Los auf .."

    Sie winkt mich hinter sich her, ich folge ihr zum Campplatz.

    71
    Schwachstelle ( Tag 11 Samstag Nachmittag )

    Dort sitzt Manuel zurückgelehnt vor einer leeren Schreibmaschine und dreht Däumchen.

    Eileen: "Und schon abgegeben?"

    Manuel: "Ja, schreiben ans Gericht bringen gerade Merle und Victoria zur Post und die Kopie an die Klinikverwaltung ist auch schon raus."

    Bezy: "Jetzt heißts abwarten."

    Tommy: "Ich will aber nicht abwarten .. gibt es denn hier nichts, was machen machen kann?"

    Er steht auf und geht nervös um den Tisch.

    Bezy: "Nicht viel .."

    Tommy: "Boar .. ich brauch was zu tun."

    Er kommt auf mich zu. Wie mir Eileen geraten hat weiche ich nicht zurück.

    Auf einmal schubst mich Tommy mit beiden Händen weg.

    Tommy: "Los komm Alter .."

    Der Schubser war heftig aber mein Gleichgewicht konnte ich gerade noch halten.

    [o]Tommy eine reinhauen

    [x]Ruhig bleiben

    Ich: "Hey .."

    Tommy: "Boar, das bringt so nichts, ich brauch was was zurück schlägt .."

    Wütend geht er zum Tisch zurück.

    Bezy: "Sinnlos, mit Danny kannst du keinen Streit anfangen."

    "Hey, ich schlage zurück."

    Ruft Eileen und ballt die Fäuste

    Tommy: "Ich schlag keine Frauen .. Das ist so scheiß langweilig hier."

    Er stampft in Richtung Bunker.

    Eileen: " 'Ich schlag keine Frauen ..' "

    Äffet Eileen Tommy leise nach und knurrt:

    "Scheiß Macho .."

    Fügt dann aber in einem ruhigeren fröhlicheren Ton hinzu:

    "Bin ich froh, dass du keiner bist oder?"

    [o]Sagen, dass ich ein Macho bin

    [x]Zustimmen

    Ich nicke und sage: "Ne bin ich nicht .."

    Falsche Antwort, kaum haben die Worte meine Lippen verlassen, boxt Eileen mir auch schon volle Kanne in den Bauch. Ich sinke auf die Knie.

    Eileen: "Los steh auf und schlag zurück!"

    Ich: "Nein."

    Eileen: "Warum? Schlägst du jetzt doch auch 'keine Frauen'?"

    Ich: "Ne aber man schlägt keine Schwächeren .."

    Eileen: "Wen meinst du damit?"

    Sie steckt die Hand aus, als wolle sie mich an meinem Shirt hochziehen.

    Ich: ".. und stärkere schon gar nicht."

    Sie rümpft die Nase, nimmt aber ihre Hand zurück.

    Bezy: "Komm schon, las ihn in Ruhe."

    Eileen: "Gut, aber ihr habt nicht gesehen."

    Mario: "Nur, wenn das nie wieder vorkommt."

    Mario ist hinter uns aufgetaucht, verschränkt die Arme uns fragt:

    "Um was gings diesmal?"

    Anny: "Tommy hat Danny geschubst und dann hat Danny gesagt, dass er auch Mädchen schlägt und Eileen hat ihn dann geschlagen."

    Bezy: "Snitch."

    Eileen: "Kleines Missverständnis."

    Mario: "Du entschuldigst dich gefälligst."

    Sie verdreht die Augen:

    "Schuldigung."

    Mario: "Anständig."

    Sie steckt mir die rechte Hand hin, während sie die andere auf dem Rücken hält.

    Mario: "Und ohne zu festes Zudrücken."

    Anny: "Die macht X mit den Fingern hinter dem Rücken, dann gilt die Entschuldigung nicht."

    Mario: "Anny so was gibt es nicht."

    Ich reiche ihr die Hand und ich muss diese selber nehmen und umschließen, da sie ihre Hand fast gar nicht selber bewegt und auch nicht zudrückt. Ihr Handfläche ist ungewöhnlich feucht.

    Mario: "Gut, kann ich euch wieder alleine lassen oder muss ich mich dauerhaft dazu setzten? Brief habe ich übrigens gerade oben in der Verwaltung abgegeben, die lesen den spätestens Morgenfrüh. Was das fürs Camp bedeutet, überlegen wir gerade."

    Mario macht sich wieder auf in Richtung Bunker.

    Eileen: "Wir würden gerne was aus der Bibliothek ausleihen."

    Mario dreht sich um: "Dafür hab ich eigentlich keine Zeit."

    Eileen: "Eigentlich darf auch die Campassistenz die Bibliothek verwalten."

    Mario guckt kritisch, runzelt die Stirn und sagt dann:

    "Wehe es fehlt was aus dem Giftschrank."

    Er macht einen alten Schlüssel von seinem Schlüsselbund ab und wirft ihn Eileen zu, diese fängt ihn auf, grinst leicht und wartet dann, bis Mario außer Sichtweite ist.

    Eileen: "Na dann komm mal mit .."

    Ich folge ihr das Camp hinunter, immer noch mit ein wenig Problemen komplett Luft zu holen, man das Mädchen hat aber auch eine Kraft. Den Bunker entlang folge ich ihr, bis wir unten fast vor der Plane angekommen sind, dann dreht sie sich zu mir um, ich lauf fast in sie hinein. Sie stampft zweimal auf den weichen Erdboden, als würde sie es interessieren, wie weich dieser gerade ist.

    Eileen: "Meinst du, das reicht den anderen erstmal?"

    Ich: "Das hast du nur gemacht, damit die anderen denken .."

    Sage ich kurzatmig.

    Eileen: "Nein, das war wirklich ein kleiner Ausrutscher, noch mal ehrliche Entschuldigung deswegen."

    Ich ergreife ihre Hand und sage:

    "Schon ok."

    Zu meiner Überraschung, drückt sie dieses mal fester zu und hält meine Hand für einen Moment länger, als es üblich ist. Zieht diese dann aber abrupt zurück und guckt kurz auf den Boden und sagt leise und etwas holperig:

    "Weist du .. du .. dass mit dem keine Schwächeren und Stärkeren schlagen ist eine echt noble Einstellung und .. und dass du Tommy nicht zurück geschlagen hast, war jetzt auch nicht .. also es war genau die richtige Entscheidung und auch das du mich nicht geschlagen hast .. war auch gut so."

    Sie sieht hoch zu mir und fasst dabei vorsichtig meinen Arm an. Ich bekomme fast sofort Gänsehaut, da mich bis jetzt kaum jemand so berührt hat. Ich frage mich, was sie wohl vorhat ..

    Sie fügt in einem etwas lauteren Ton an:

    "Aber mich generell nicht zu schlagen, ist eine ziemlich dämliche Idee .."

    Sie packt meinen Arm fester und zieht mir mit einer ruckartigen Bewegung die Füße unter dem Boden weg. Ich falle auf den Waldboden aber eher ich mich orientieren kann, stürzt sie sich auch schon auf mich.

    Eileen: ".. weil ich kann unter Umständen ziemlich gefährlich sein und sich gar nicht gegen mich zu wehren, während ich richtig ausraste ist eine richtig richtig schlechte Idee."

    Ich versuche instinktiv mich zu wehren aber sie stützt sich mit ihrem gesamten Gewicht auf meine Schultern und ich kann nichts machen.

    Eileen: "Keine Angst, dass ist nur ne Übung."

    Keucht sie über mir und beugt sich dabei tiefer runter. Während ich weiter versuche sie wieder los zu werden.

    Eileen: "Du merkst, dass du so einfach nur deine Kraft verschwendest oder?"

    Während ich versuche dafür zu sorgen, dass sie wenigstens nicht noch näher kommt, erklärt sie in einem für die Situation ungewöhnlich ruhigen Ton:

    "Wenn ich ausraste, bin ich in der Regel ein wenig stärker wegen des Adrenalins aber auch sehr viel weniger intelligent. Wenn du das berücksichtigst, ist die Chance schonmal sehr viel geringer, dass ich dir dann weh tu."

    Sie sieht ihre rechte Oberlippe hoch und fletscht ihren Eckzahn. Während dessen versuche ich mit meinen Beine etwas zu machen aber sie drückt ihre Schienbeine so auf meine Knie, dass ich auch diese nicht richtig bewegen kann.

    "Und du musst natürlich auch noch die Überwindung haben, mir wenigstens einen bisschen weh zu tun. Ich begeh gerade übrigens einen fatalen Fehler, rein theoretisch könntest du mich direkt aufhalten .. mal sehn wann du drauf kommst."

    Sie lacht kurz.

    Durch eine verrenkte Bewegung, schaffe ich es mit meiner rechten Faust wenigstens an ihre Seite zu kommen.

    Eileen: "Du kannst aus der Position nicht weit genug ausholen, um einen Schlag an zusetzte und wenn das einen Leberhacken werden soll .. die sitzt links."

    Ich kann wirklich kaum dagegen schlagen und ihre Seite fühlt sie na wie aus Stahl. So stark scheinen ihren Muskeln zu sein.

    Hämisch grinsen fügt sie hinzu:

    "Also leider die falsche Antwort .. nächster Versuch ist nicht so schwer."

    Sie kommt mir mit ihrem Gesicht noch näher.

    Wenn ich sie schon nicht in die Seite boxen kann, dann kann ich ja mal versuchen .. überlege ich mir .. sie so los zu werden, wie ich damals im Kindergarten lästige Mädchen los geworden bin.

    Eileen: "Sag mal .. ist das dein Ernst? Du versuchst ernsthaft mich zu kritzeln? Tija .. leider bin ich nicht .. ah .. ahh .. aaah."

    Sie schreit laut auf und entgehen ihrer eigenen Aussage, scheint sie doch kitzelig zu sein. Sie verlagert zwar ihr Gewicht, um meine Hand loszuwerden aber das gibt mir nur die Gelegenheit mit meiner anderen Hand ebenfalls ihre Seite zu erreichen.

    Einmal alle meine Finger an ihrer Talie, krümmt sie sich zusammen und kann mich nicht weiter unten halten. Sie lacht unfreiwillig in einem hohen quietschenden Ton und versucht mit ihren Händen meine weg zudrücken. Dabei verliert sie das Gleichgewicht und wir beide kippen auf die Seite.

    Eileen: "Hey .. hey .."

    Sie versucht etwas zu sagen, dass ich aber nicht verstehe, weil sie zwischendurch immer wieder nach Luft schnappt und sich außerdem auf den Arm heißt, wohl um nicht so laut so hoch zu lachen. Es fühlt sich schon komisch an .. erst drückt sie mich nieder und jetzt krümmt sie sich wegen ein bisschen kitzeln zusammen.

    Was mich noch mehr verwundert ist, wie weich sich ihre Seiten jetzt anfühlen. Ich überlege, ob ich nicht die Chance nutzen und ihren Bauch anfassen soll.

    [o]Ihren Bauch anfassen

    [o]Los lassen und Abstand nehmen

    [o]Einfach weiter kitzlen

    [x]Versuchen, sie auf den Rücken zu drehen.

    Was denkt sie sich dabei, mich erst hierher zu locken und mich dann auf den Boden zu werfen? Immer noch etwas sauer auf sie versuche ich es hier heimzuzahlen und sie auf den Rücken zu drehen.

    Ich nehme Schwung und habe sie schon fast auf dem Rücken, als sie plötzlich ihr Bein quer stellt und die Bewegung so abrupt stoppt. Sie sieht mich kurz ernst an und sagt dann:

    "Tu das bitte nicht."

    Ich halte inne.

    Stille.

    Eileen: "Dreh mich bitte nicht auf den Rücken, so dass ich nicht weg kann. Dann bekomm ich echt Panik und dann tu ich dir wahrscheinlich wirklich weh."

    Ich lasse von ihr am.

    Eileen: "Danke."

    Wir beide holen Luft. Sie dreht sich auf den Bauch und sagt dann keuchend:

    ".. jetzt bin ich also plötzlich kitzlig, gut zu wissen .. das muss an dieser verdammten Verliebtheit liegen .."

    Sie dreht sich auf den Rücken und ihren Kopf zu mir.

    Eileen: "Wenn du mich jemals vor den Anderen kitzelst bist du übrigens tot. ne."

    Ich nicke und sehe sie an, wie sie mit offenem Mund Luft wohl, wobei sich ihr Bauch immer wieder senkt und hebt. Sie legt sich die Hand auf Selbigen und sagt leise:

    "Aua, mein Zwerchfell."

    Ich: "Was war das mit dem Rücken?"

    Eileen: "Aso .. ja .. dass ist was differenzierter. Du darfst mich halt nicht auf den Rücken drehen .. und auf den Boden drücken .. während ich mit dem Gesicht zu dir stehe .. oder halt gegen eine Wand oder was weiß ich .. so das ich nicht wegkomme .. dann bekomm ich Panik."

    Ich: "Und auf den Bauch, also du mit dem Gesicht von mir weg?"

    Eileen: "Das geht in Ordnung, dass machen Mario und Peter ja dauernd."

    Ich: "Dauernd?"

    Eileen: "Ja früher öfter mal .. wenn ich mich 'daneben benommen' habe .."

    Ich: "Und warum machst du das dann bei mir?"

    Eileen: "Als Übung, ich will dir nicht irgendwann mal wehtun, weil 'ich ausraste und 'du dich nicht wehrst und wir dann ZA .. ähm .. Zwangsabstand halten müssen. Ich weiß das war jetzt eventuell nicht die beste Idee, die ich je hatte aber mir schien die Gelegenheit günstig."

    Sie richtet sich auf und streckt sich, hat aber immer noch Probleme damit Lauf zu bekommen.

    Eileen: "Aber ich finde du hast recht, für uns .. also für unsere .. naja .. du weißt schon .. sollte strikt der kategorischen Imperativ gelten."

    Sie steht dabei auf und steckt triumphierend den Finger in die Höhe.

    Ich: "Was ist der kategorische Imperativ?"

    Eileen: "Das ist doch jetzt schon wieder nicht dein Ernst oder?"

    Sie sieht verblüfft zu mir herunter und knurrt.

    72
    Aufklärung ( Tag 11 Samstag Nachmittag )

    Knurrend steht Eileen über mir, ich stehe auf und frage:

    "Was ist los?"

    Eileen: "Du willst mir doch jetzt nicht allen ernstes erzählen, dass du nicht weiß was der kategorische Imperativ ist .. du weißt aber schon, was die Aufklärung ist oder?"

    Ich: "Ja sicher, ich war mit meinen verschiedenen Klassen auf so vielen Aufklärungs .. Dingern. Ich war alleine zwei mal in einer Familienbildungsstätte und einmal hat sich ne halbe Klassenfahrt darum gedreht .. ich kenn dass alles quasi auswendig."

    Sie zieht eine Augenbraue hoch und sagt dann:

    "Also entweder deine Schule ist nur halb so beschissen oder du kannst Sexualaufklärung nicht von der geistigen Aufklärung unterscheiden."

    Ich: "Es gibt zwei Aufklärungen?"

    Eileen: "So, du gehst jetzt an den vordersten Tisch, den im Schatten, während ich ein paar Bücher hole."

    Sie sagt sie so bestimmt, dass ich einfach nur nicke und mich auf den Weg zu besagtem Tisch mache.

    Dort angekommen verkante ich meine Füße mal wieder in den Streben unter der Tischbank, um mich, trotz nicht vorhandener Rückenlehre, zurück zu lehnen und in die Baumwipfel zu starren.

    Von wegen, ruhiges Wochenende im Camp. Da verspricht sie mir das blaue vom Himmel und dann schlägt sie mich persönlich fast zusammen.

    Ich lasse mich wieder nach vorne fallen und stütze mich mit den Ellbogen auf den Tisch. Dabei denke ich mir, dass sie auch recht haben könnte, wenn sie wirklich so gefährlich ist, dann täte ich ja wirklich gut daran sie zu stoppen. Oder ich lasse es darauf ankommen und sie bekommt dann eine dieser komischen Abkürzungen und muss sich von mir fern halten.

    Ob wohl, will ich das eigentlich? Ich puste mir eine Tannennadel von der Nase, welche aus dem Baum über mir gefallen ist.

    Bezy: "Heeeey!"

    Ich zucke zusammen, als mich Bezy aus meinen Gedanken reißt.

    Ich: "Hi."

    Anny: "Was machst du hier so alleine."

    Ich: "Warte auf wen."

    Anny: "Wen?"

    Bezy: "Ja wohl Eileen oder Katrin. Gibt ja nicht viel Auswahl heute."

    Anny: "Merle?"

    Ich; "Nein."

    Anny: "Warum nicht, du hängst doch auch mit Merle ab oder?"

    Ich: "Nein, ich meine ich warte nicht auf Merle."

    Bezy: "Auf wen dann?"

    Ich: "Eileen."

    Anny: "Warum?"

    Ich: "Irgendwas mit Aufklärung und Büchern."

    Anny: "Du willst was über Aufklärung wissen .."

    Sie strahlt mich förmlich an und ergänzt:

    ".. wir wissen quasi alles darüber. Worum gehts?"

    Ich: "Kategorischer Imperativ."

    Bezy: "Ah Kant."

    Anny: "Cunt? Ja das ist einen anderen Wort für Fotze."

    Bezy: "Fotze? Was für Wörter benutzt du denn .. ich hab mich wohl verhört!"

    Sagt Bezy künstlich empört und im üblichen Rechtfertigungsdruck antwortet Anny:

    "Wie sagst du denn dazu?"

    Bezy: "Pussy?"

    Anny: "Ist das so viel besser?"

    Bezy: "Es hört sich sehr viel besser als .. sehr viel wohliger und gemütlicher."

    Sie setzt sich mir gegenüber an den Tisch und sagt dann ablässig:

    "Fotze, das hört sich nach was an, wo man noch nicht mal freiwillig seinen Finger reinstecken will."

    Anny: "Ich kenn ne menge Typen, die haben das Fotze genannt und .."

    Bezy: ".. und was?"

    Anny: "Du weist schon."

    Bezy: "Du darfst halt Typen nicht alles durchgehen lassen. Sag du mal, was sagt du eigentlich immer?"

    Bezy sieht zu mir.

    Ich: "Immer? Ich brauch da nur selten mal einen Wort für."

    Bezy: "Und wenn, was sagt du?"

    [o]Fotze

    [x]Pussy

    Ich: "Ja eher mal Pussy, das klingt nicht so abwertend."

    Anny: "Ist ja auch normal, Jungs müssen Pussy sagen, weil das sonst eine Beleidigung wäre. Also eigentlich .."

    Bezy: "Das ist aber unfair."

    Anny: "Ne ises nicht."

    Sagt Anny trotzig. Das Thema passt mir immer noch nicht, vor allem nicht mit den Beiden. Naja, so schlimm sind die Beiden jetzt auch wieder nicht, ich erinnere mich da an einige Mädchen aus meiner Klasse die mir mit dem Thema immer ziemlich schlimm zusetzten.

    .. aber wo waren wir .. du interessierst dich für Kant oder?"

    Sagt sie in einem gespielt lasziven Tonfall und fährt sich dabei mit der Hand über ihre Latzhose ihren Bauch hinunter. Unter der Tisch angekommen sagt sie:

    "Kant hat den Begriff des kategorischen Imperatives geprägt und damit eine neue Epoche in der Kategorie der Moralphilosophie geschaffen .. jene der Ethik."

    Erklärt sie kalt und nimmt auch wieder ihre Hand auf den Tisch.

    Anny: "Hä?"

    Bezy: "Genau genommen ist der kategorische Imperativ nichts weiter als die Annahme, dass man nur nach dem Grundsetzten handeln sollte, bei denen man kein Problem damit hätte, dass diese ein allgemeinen Gesetzt werden könnten."

    Anny: "Hä?"

    Bezy: "Also, du sagst zum Beispiel dass es ok ist Fotze zu sagen, dann darfst du aber anderen auch nicht verbieten auch Fotze zu sagen."

    Anny: "Was?"

    Bezy: "Und wenn du es völlig ok findest Typen einfach an den Hintern zu greifen, dann musst du auch damit klar kommen, dass Typen dir einfach an den Hinter greifen."

    Anny hält sich die Hände vor den Hintern, als würde da irgend jemand gleich dran greifen. Sie sieht mich kurz drauf an aber ich sehe einfach zu Bezy.

    Anny: "Was was was? Das ist doch voll unfair."

    Bezy: "Im Gegenteil 'nur das wäre fair. Wenn du also nicht willst, dass irgendjemand 'Fotze' sagt oder Irgendjemand einfach an den Hintern greift, .. dann darfst du das auch nicht tun."

    Anny: "Es gibt aber große Unterschiede zwischen Mädchen und Jungs."

    Bezy: "Schlimm genug, den muss man nicht noch größer machen."

    Anny: "Aber das widerspricht allem dass .."

    Anny scheint völlig verwirrt zu sein.

    Eileen: "Deine Vorstellung von Beziehungen widersprechen halt grundlegend der Aufklärung und deswegen funktioniert die auch für keine paar Meter."

    Eileen ist wieder da und stellt gleich einen ganzen halben Umzungskarton voller Bücher mit meinem lauten .. Rums .. auf dem Tisch.

    Anny: "Was verstehst du schon von Beziehungen?"

    Eileen: "Nichts, aber dafür um so mehr von Aufklärung. So dann wollen wir mal, dass was Bezy gesagt hat war schon mal ein guter Anfang."

    Bezy grinst.

    Eileen: "Wenn das Licht der Aufklärung doch mal öfter in ihr aufflammen würde."

    Bezy: "Ich komme nur dann, wenn man mich am dringendsten braucht."

    Sagt sie mit verstellter tiefer Stimme, die wohl an Batman erinnern soll.

    Anny: "Das ist Aufklärung? Da sind ja gar keine Bilder drin."

    Anny blättert in einem kleinen gelben Heft mit einem weißen Feld für den Titel.

    Ich greife ebenfalls in den Karton und fische mir eines der Heftchen raus.

    Ich: "Die sind ja niedlich."

    Ich wende das kleine gelbe Heftchen in meinen Händen. Dabei fällt mir auf, dass es schon ziemlich zerschlissen ist weswegen ich vorsichtiger mit dem Durchblättern bin.

    Eillen: "Nicht so zaghaft, dass ist ein Reclamheft."

    Ich: "Ein was?"

    Vorsichtig blättere ich weiter.

    Eileen: "Boar, jetzt sagt mir nicht, du hast noch nie einen Reclamheft in der Hand gehabt."

    Ich: "Ich hab noch nie ein Reklame Heft in der Hand gehabt."

    Versuche ich so tonlos und trocken zu sagen wie möglich.

    Eileen, schnappt mir das Heft aus der Hand, haut mir damit leicht auf den Kopf und schnaubt:

    "Du lebst ja echt hinter dem Bildungsmond. Also .."

    Bezy: "Re .. clam .. mit C sind kleine Hefte, die man für einen paar Euro in der Bücherei bekommt, die wichtige Texte enthalten."

    Unterbricht Bezy. Eileen knurr zwar leise aber nickt einverstanden und setzt sich zu uns an den Tisch. Sie wühlt etwas in dem Karton und schiebt dann einen Schnellhefter wie euch ein paar Bücher zu mir.

    73
    12 ( Tag 11 Samstag Nachmittag )

    Ich schlage den Hefter auf und lese die Überschrift:

    "Die wichtigsten Aufklärer übersichtlich geordnet von .."

    Eileen greift mir dazwischen, schlägt die zweite Seite auf und erklärt:

    "So, das hier sind die wichtigsten Aufklärer, nach der Zeit geordnet. Die guten Herren hier hatten nacheinander verschiedene wichtige Idee, die zu dem geführt haben, was wir heute Aufklärung nennen. Das wichtigste ist, dass alle davon immer stärker für die Wissenschaft und gegen Aberglauben eingetreten sind."

    Sie fährt mit dem Finger eine Tabelle von Portraits entlang zusammen mit den Kernideen und dem wie diese Leute wohl was gesehen haben. Sie fährt fort:

    "Die ersten waren natürlich die wichtigsten, weil die die ganze Vorarbeit geleistet haben. Und dann geht es weiter mit den späteren, die muss man aber nicht unbedingt kennen .."

    Ich: "Kierkegaard und Berkeley, die kenne ich."

    Eileen: "Und woher das?"

    Fragt sie, als wolle sie mir gleich beweisen, dass ich diese nicht wirklich kenne.

    Ich: "Aus Sophies Welt, das sind doch Philosophen oder?"

    Sie zieht eine Augenbraue hoch, verschränkt die Armee und sagt dann:

    "Ach ne .. Aufklärung ist Philosophie."

    Ich: "Ach, dann weiß ich was du meist, das fing doch an mit jemandem, der in einem Kaminzimmer gesessen hat und sich gedacht hat, dass es einfach mal Aufklärer wird oder?"

    Eileen: "Genau das war Kant."

    Sagt sie sichtlich verärgert.

    Ich: "Ist was?"

    Eileen: "Alles gut .. ich hab nur mal wieder keine Ahnung, was das soll. Erst sagt du, du kennt die Aufklärung nicht und dann kennst du auf einmal Krieke .. irgend so den Dänen und Berkeley."

    Ich: "Schuldigung aber es ist lange her .. das mit Sophies Welt."

    Eileen: "Na dann hol das mal nach."

    Sie wühlt in dem Karton und reicht mir dann ein völlig zerknautschtes Buch. Ich schlage es auf:

    "Wou 600 Seiten."

    Eileen: "Wie viele Seiten hatte den dein Exemplar? Wenn das rund die Hälfte gefehlt hat, könnte das deine Wissenslücken erklären."

    Ich: "Ich hab es als Hörbuch zum Einschlafen gehört."

    Eileen: "Hörbuch, einschlafen? Wie alt bist du bitte."

    Katrin: "Eileen!"

    Katrin ist wie immer ohne Vorwarnung bei uns aufgetaucht und donnert ihre Hand auf den Tisch. Etwas, dass ich vor ihr nie erwartet hätte.

    Ich: "Ja, 12 damals .."

    Eileen: "Ist ja schon ok. Erklärt ja auch, dass du das alles nicht mehr so gut kennst."

    Katrin: "Um was geht es hier eigentlich?"

    Bezy: "Aufklärung."

    Anny: "Ja aber die langweilige, die mit alten Säcken in komischen Klamotten."

    Katrin: "Und ihr streitet euch gerade ob Hobbes oder Locke der coolere Ficker war oder wie?"

    Anny: "Die beiden streiten doch immer."

    Fragt sie etwas vorwurfsvoll.

    Eileen lehnt sich zurück, verschränkt die Arme hinter dem Kopf, seufzt und erklärt dann:

    "Ich hab mich nur mal wieder ein bisschen aufgeregt, weil .. er hier .. mal wieder keine Ahnung von den Grundlagen hat aber dann auf einmal Aufklärer kennt, die gar nicht wichtig sind."

    Katrin: "Und welche Aufklärer wichtig sind, bestimmst du?"

    Eileen: "Nein, aber wenn man Kant nicht kennt .."

    Ich: "Mir ist übrigens wieder eingefallen wer Kant ist, er meinte dass man nur Sachen glauben darf, die man selbst erfahren hat oder so. Und Berkeley meinte, dass nur weil ein Stein einmal auf den Boden fällt, wenn man ihn los lässt, dass man dann nicht sagen kann, dass er es auch ein zweites Mal tun wird."

    Bezy: "Genau."

    Ich: "Tut mir halt leid, ist halt 5 Jahre her?"

    Katrin: "Das braucht dir nicht im geringsten leid zu tun. Du bist ja nicht ihr Hund. Las ihn doch alle möglichen Philosophen kennen oder nicht kennen."

    Sie funkelt Eileen böse an, welche sich verteidigt:

    "Es geht hier nicht um wissen oder nicht wissen. Es geht darum, dass ich dieses Ungleichgewicht nicht verstehe. Erst kennt er die Aufklärung gar nicht .."

    Katrin: "Ihm ist doch wieder eingefallen wer Kant ist .."

    Eileen: "Das ist ja das Nächste, wie kommt man mit 12 an Sophies Welt? Ich meine ich hab mit 12 noch .. ähm .. keine Ahnung, was ich mit 12 gemacht hab aber bestimmt keine anspruchsvollen Philosophiebücher gelesen."

    Ich: "Ich glaub ich hab es geschenkt bekommen."

    Sage ich, werde aber komplett überhört.

    Katrin: "Was geht dich das überhaupt an?"

    Eileen: "Ich versuch nur zu helfen .."

    Katrin: "Indem du Leute anblökst?"

    Eileen: "Ich bin nun mal so, kann ich auch nichts für."

    Katrin: "Nein, du warst nicht immer so .. zumindest nicht zu Leuten denen du wirklich helfen wolltest."

    Katrin schnaubt und geht.

    Eileen pustet sich ein paar Haare aus dem Gesicht und sagt dann in einem übertrieben freundlichen Ton:

    "Lies einfach erstmal den Schnellhefter. Wäre zu schade, wenn Ich und Tanja den damals umsonst zusammengestellt hätten."

    Sie nimmt sich dabei ein anderes Buch aus dem Karton, legt die Beine auf die Tischkante, während Bezy in etwas das gleiche tut.

    Ich beginne in Ruhe zu lesen, auch wenn die Holzlehne der Bank doch etwas zu hart ist um mich komplett zu entspannen.

    Nach einer Weile kommt auch Merle zu uns, welche aber lieber ihr eigenes Buch liest, während Anny ihr Buch, trotz der vielen Bilder, Zuviel wird und sie sich lieber mit dem Oberkörper auf den Tisch fallen lässt und döst.

    Ich habe den Schnellhefter fast durch und freue mich, dass ich einige weitere Namen widererkannt habe, da kommt Victoria zu uns an den Tisch, die leise fragt:

    "Ah .. ähm .. ihr lest gerade? Gut ähm .. ich bin nämlich mit meinem neuen Werk fast fertig .. also .. wenn ihr etwas Abwechslung gebrauchen könnt."

    Eileen: "Nicht so schüchtern .. Omis homines, qui sese student praestare .."

    Anny: "Was?"

    Merle: "Latein .. Omis homises, qui sese student praestare .. ceteris animalibus, summa ope niti decent, ne vitam silentio transeant veluti pecora, quae atque ventri oboediadientia finxit. Alle Menschen, die danach streben mehr zu sein als die anderen Lebewesen, sollten mit aller Kraft danach streben, dass sie ihr Leben nicht in der Stille unbemerkt durchlaufen, wie das Vieh, das die Natur gekrümmt und dem Bauche hörig gemacht hat .. Der erste Satz aus 'der Verschwörung' Eilees 'Lieblingsbuch'."

    Sie setzt leicht kritische Anführungszeichen um das Wort Lieblingsbuch.

    Eileen: "zweit .. Lieblingsbuch .. .. es heißt einfach, dass man mit dem was man kann ruhig rausgehen kann und der Welt auch präsentieren sollte. Das heißt nicht .. ähm .. ja .. wenn ihr wollt .. dann könnten ihr ja. Sondern: 'Lest das gefälligst mal'. Präsentierst du deine Sachen der Welt?"

    Sie sieht mich an.

    Ich: "Ja schon. Also das was ich so gemacht habe, habe ich auch hochgeladen."

    Eileen: "Super, Katrin hat ja einen halben Roman auf ihrem PC und lädt den nicht hoch. Ich lach sie aus, wenn ihr ihre alte 20 Gigabyte Festplatte mal abraucht und die ganze Arbeit mitnimmt."

    Merle: "Also ich finde, man sollte schon die Sachen erst dann hochladen, wenn sie auch fertig sind."

    Eileen: "Morgen kann aber auch zu spät sein."

    Etwas stupst mich an der Schulter an, es ist Victoria, welche mir still einen hellblauen Schnellhefter hinhält, dabei aber etwas unsicher wirkt und auch leicht rosa im Gesicht ist aber das kann auch am Licht liegen.

    Ich nehme den Hefter, während Eileen und Merle noch diskutieren.

    Ich lese die Überschrift:

    "Unerwartete Wendungen."

    Victoria: "Psssst, nicht so laut."

    Sie setzt sich mir gegenüber.

    Ich lese für mich alleine:

    74
    Besondere Literatur ( Tag 11 Samstag Nachmittag )

    "Es ist ein warmer Sommertag an diesem Vormittag aber trotzdem ist fast niemand auf dem Spielplatz, nur zwei Jungs spielen Tischtennis". Lese ich halblaut für mich alleine.

    "Mit leichten aber zielstrebigen Schritten nähert sich ein Mädchen von der Straße her, sie ist leicht bekleidet und hat sich extra für diesen Tag zurecht gemacht. Sonst trägt sie nur die langweilige Uniform ihres Elite Internats aber heute ist es ein knall grüner Minirock welcher erst weit über dem Knie aufhört und ein pinktes Top mit viel Ausschnitt und dünnen Trägern. Die blonden welligen Haare hat sie hochgesteckt und ihre weißen Turnschuhe tragen sie leichtfüßig über den Platz. Die Armreife klimpern."

    Eileen: "Viel zu viel Gelaber über Klamotten."

    Sie hat mein Vorlesen entweder gehört oder von der Seite mitgelesen.

    Victoria: "Ich hab es doch schon gekürzt."

    Eileen: "Kürz weiter, Miniröcke hören immer weit über dem Knie auf. Deswegen heißen die so."

    Anny: "Aber es gibt Miniröcke die kürzer sind als .."

    Eileen: "Bei dem Bild stellt man sich eh den kürzesten vor den es gibt .."

    Anny: "Was ist so schlimm daran genau die Klamotten zu beschreiben? So kann man sich das doch viel besser vorstellen."

    Eileen: "Es klaut Raum für die Beschreibung der Persönlichkeit. Da muss was rein wie: 'Sie ist extra einen weiten Weg gekommen oder sie trägt extra viel Schminke, dass man sie nicht erkennt.' "

    Victoria: "Das ist ne gute Idee aber das füg ich später ein .."

    Die Art wie sich mich ansieht, verstehe ich als indirekte Aufforderung an weiter zu lesen:

    "Als sich sich den beiden Jungen näher, kommt sie langsam zum stehen und klimpert verlockend mit ihren Armreifen. Bei näherer Betrachtung sind diese Jungs genau das, auf was sie gehofft hatte. Ein schelmisches Grinsen umspielt ihre Lippen. Sie tritt näher .. 'Hey aus dem Weg, schreit einer der Jungen ganz in das Pingpong Spiel vertieft'. 'Ha, der geht an mich .. 23 zu 25 für mich.' Freut sich der andere Junge. 'Aber nur wegen der Tussy da .. hast du Tomaten auf den Augen?'. Mokiert sich der andere. Das war nun gar nicht die Reaktion auf die sie gehofft hatte, aber sie kannte das und wusste, dass man in machen Fällen etwas hartnäckiger sein musste. 'Findet ihr nicht, dass ihr mal ne Pause machen solltet?'. 'Nur Amateure machen ne Pause vor dem 4 Satz.' Sagt einer der Jungen flapsig, während er neben bei einen Hechtsprung nach dem Ball macht und diesen Richtung seines Gegners schlägt. 'Ihr seid Profis? .. cool'. 'Als ob, Tischtennis jetzt auf einmal cool ist, veralber wen anders ..'. Sagt der andere Junge, welcher gerade den Ball verfehlt hat, welcher mit hohem titschen über den Platz springt."

    Anny: "Titschen?"

    Victoria: "Na dieses hohe Geräusch was Tischtennisbälle machen, wenn sie wegspringen. Ich kannte kein besseres Wort dafür."

    Ich muss kurz grinsen und lese weiter: " 'Ich hab als Kind mal Tischtennis gespielt'. Sie hebt den Ball auf, welcher direkt vor ihren Füßen zu stehen kommt. Dabei bückt sie sich aus der Hüfte, um den Jungs einen tiefen Einblick zu zeigen. Wohin sie gerade den Ball verschwinden lassen will. 'Alte gib den Ball wieder'. Doch sie richtet sich nur langsam auf, ohne etwas zu sagen. 'Du solltest den Kindern wirklich den Ball wieder geben'. Sie erschrickt, als sie eine tiefe Stimme hinter sich hört. Sofort dreht sie sich um und sieht eine große starke schöne Gestalt hinter sich. 'Ähm, ja natürlich ..' stottert sie und wirft den Jungen schnell unbeholfen den Ball zu. 'Na klar Tischtennis gespielt, du kannst ja noch nicht mal werfen ..'. Sagt der eine Junge, der anderen sagt 'Danke, die wollte ..', als würden sie die Gestalt kennen. "

    Katrin: "Die Gestalt .. buhhhh."

    Sagt sie in einem gruseligen Ton.

    Victoria: "Warte, warte .."

    Ich lesen weiter: " 'Ich glaube nicht, dass sie euch ärgern wollte.' Sagte diese. 'Was dann?', fragt einer der Jungen. 'Das kläre ich mit ihr alleine'. Die große Gestalt winkt das Mädchen hinter sich her zum Sandkasten, die sich verteidigt .."

    Eileen: "Welches sich verteidigt?"

    Ich: "Wie?"

    Eileen: "Es ist 'das Mädchen' und man winkt 'das Mädchen' hinter sich her, 'welches' sich verteidigt."

    Anny: "Ist Mädchen nicht 'die'?"

    Bezy: "Nein, 'das'?"

    Victoria: "Weiter."

    Ich sehe wieder auf das Blatt und lese nun so laut vor, dass alle es mittlerweile gut hören können müssten: " 'Hey ich wollte nur einen kleinen Spaß machen'. 'Ach? Ist das nicht einen komischer Aufzug um nur einen kleinen Spaß zu machen?' Der Blick wandert von ihren Augen herunter auf ihren kurzen Rock, da wird ihr klar, dass er sicher unter ihren Rock gucken konnte, als sie sich nach dem Tennisball gebückt hat. Sie denkt schnell darüber nach, wie sie so schnell wie möglich aus der peinlichen Situation heraus kommen kann und versucht mit unbeholfenen Armbewegungen zu beschwichtigen. Dabei tritt immer wieder einige Schritte im Sand zurück. 'Hey pass auf was du machst'. Sagt die Stimme vor ihr. 'Hey alles gut, ich mags eben etwas luftiger bei der Hitze. Kein Grund zur Aufregung, bin schon weg ..'. Sie dreht sich rum und will so schnell los rennen, wie sie kann, da stoßt sie mit dem Kopf heftig gegen den Balken eines Spielhauses."

    Anny: "Spielhaus?"

    Victoria: "Ja wie heißen denn diese kleinen Holzhäuser in Sandkästen wo man drauf rumklettern kann?"

    Anny: "Ähm .."

    Katrin: "Weiter .."

    Ich räuspere mich und fahre fort: "Sie landet in den Armen der großen Gestalt und sieht dabei in die tiefen braunen Augen. Dabei fühlt sie ein Kribbeln, welches sie sonst nur bei bestimmten Jungen spürt. Sie will sich los reißen aber als sie merkt, dass sie gar nicht festgehalten wird, entspannt sie sich. 'Sag mal, was soll der Unsinn?' die Stimme klingt beruhigend und gar nicht so beängstigend wie sie sie noch vor einer Minute war genommen hat. "

    Eileen: "Hat Mario die alte Version gefunden und dir den Kopf gewaschen?"

    Victoria: "Nu warte doch mal ab .."

    Ich lese weiter, zum Glück bin ich so mit konzentriertem Vorlesen beschäftigt, dass ich mir gar keine Gedanken mache, was ich da eigentlich vorlese: " 'Nun ja, ähm .. das .. das .. ähm ..' Ihr fehlen die Worte und ehrlich sein kann und will sie nicht. 'Wenn du es nicht vernünftig erklären kannst, solltest du es besser lassen. Das sollte in jedem Fall eine Grundregel sein. Denn ich glaube nicht, dass das eben nur ein Spaß war.' Die dunklen Tiefen sehen direkt in sie hinein und die starken Arme halten sie aber nicht zu fest. Jeder andere hätte die Situation in dem Häuschen ausgenutzt .. 'Eventuell sind doch nicht alle gleich', dachte sie bei sich. Trotzdem wollte sie das nicht und stieß sich los, ohne widerstand konnte sie sich lösen, viel aber auf den sandigen Boden und blieb auf dem Rücken liegen, als sie realisierte, wie sie da jetzt lag, kniff sofort die Beine zusammen. 'Wenn ich dir helfen kann sag was ..' "

    Ich drehe das Blatt um und lese weiter, während Eileen demonstrativ gähnt:

    " 'Mit dir stimmt doch offensichtlich was nicht, du machst das doch nicht freiwillig oder?'. Sie sah ihn an und schüttelte den Kopf. 'Zwingt dich jemand dazu?'. Sie nickt .. 'Wer?'. Sie öffnete die Beine und deutete zwischen diese. 'Achso .. na das ist ja halb so schlimm .. das Problem lässt sich losen .. wenn du willst.' Sie fühlte sich zwar unsicher und ihre übliche Angst war deutlich vorhanden aber sie hatte das Gefühl, dass wenn sie es einmal versuchen wollte, dass dies die perfekte Gelegenheit ist. 'W .. weist du stotterte sie', während sie sich im Sand aufsetzte, 'Ich würde das Problem echt gerne lösen aber ich habe etwas Angst, sei also vorsichtig ok'? 'Mit was?'. 'Ja, du willst doch mein Problem lösen oder?'. Sie kniete sich vor ihn hin und sah ihm direkt auf die Hose.

    Eileen: "Ist das die Weichspühlversion? Außerdem weiß man mit der Struktur nie, wann wer redet."

    Victoria stupst mich mit dem Ellbogen an und bedeutet mir so, dass ich weiter lesen soll. Ich muss wohl so abgelenkt worden sein, dass ich gar nicht bemerkt habe, dass sie immer näher an mich ran gerückt ist. Ich lese weiter:

    " 'Eh ich hab kein Geld dabei und auch nicht so für ..', 'Ach du denkst ich sei eine Prostituierte? Nein ich hab nur eine problematische Vorliebe und du könntest die Ausnahme sein, die zur Regel werden könnte.' Verwundert sah er sie von oben an, sie schaute mit ihren großen Augen zurück, er konnte ihr die Bitte einfach nicht abschlagen. Als sie anfing seine Hose zu öffnen, zog er sie hoch zu sich auf Augenhöhe. Sie griff in sein mandelbraunes Haar, sah kurz in seine dunkel braunen Augen und dann küssten sie sich auch schon. Er war vorsichtig wie sie ihn gebeten hatte. Zu ihrer Überraschung, war seine Zunge kein riesiger widerlicher grober Lappen, sondern weich und warm. Er rammte sie auch nicht rücksichtslos in ihren Hals, wie in ihren Albträumen, sondern umspielte sanft ihre. Zwischen ihrer beider Zähne."

    Eileen: "Voll out of Character .."

    Alle ignorieren sie, also lese ich auch einfach weiter:

    [Aufgrund der Community-Richtlinien dieser Plattform fehlt hier ein Teil mit schlechten klischeehaften Sexszenen.]

    Eileen: "Was nur 15cm, wo ist mein stahlharter 19cm Prügel?"

    Victoria: "Das bist in der Version nicht du."

    Eileen: "Was?"

    Bezy: "Oder hast du mandelbraune Haare?"

    Anny: "Außerdem steht im Text überall 'Er'."

    Eileen: "Was? Du kannst mich in der Geschichte doch nicht einfach austauschen."

    Wirklich verärgert, verschränkt sie die Arme.

    Victoria: "Was denn los, die Alte Version gibt es doch noch."

    Katrin: "Jetzt reg dich doch nicht so auf."

    Wortlos steht Eileen einfach auf und geht.

    Katrin: "Noar .. wer geht mal kurz Mario Bescheid sagen?"

    Ich: "Ich mach das schon .."

    Schnell stehe ich auf und mache mich so schnell vom Acker, dass die anderen gar keine Zeit haben zu reagieren. Schnell hechte ich hoch zur Weggabelung. In der Mitte des Campplatzes, sehe mich schnell um, muss danach aber erstmal keuchen.

    75
    Vorschriften ( Tag 11 Samstag Nachmittag )

    Wo könnte sie bloß hingegangen sein, frage ich mich kurz, als mir wieder einfällt, dass ich ja gar nicht zu ihr, sondern zu Mario gehen sollte und der ist sicher im Bunker. Also mach ich mich gemächlich auf den Weg dahin, da die kurze Sprinteinlage immer noch schlaucht.

    Wie üblich steht die Bunkertüre zwar offen aber trotzdem ist es in dem Gebäude merklich kälter als draußen. Kein Wundern, das Ding besteht ja auch zum Großteil aus Beton.

    Als ich das Wohnzimmer passiere, meine ich an einem der Couchen ein schnelles huschen zu hören. Naja eventuell wieder Jacky, welche sich jetzt erschrocken in die Ecke kauert. Nicht sicher aber der Vorsicht halber rufe ich leise:

    "Ich bins nur."

    Keine Antwort. Am Wohnzimmer vorbei, muss ich weder Mario noch Eileen lange suchen, da beide am Esstisch stehen und leise, möglicherweise wegen Jacky, diskutieren.

    Mario: "Wenn wir den Tisch zu weit nach links verschieben, gehen aber die Zimmertüren von A2 und A3 nicht mehr richtig auf. Das geht wegen des Bandschutzes nicht."

    Eileen: "Und die Zimmer B3 bis B5?"

    Mario: "Deren Fluchtweg führt ja auch zur Feuertreppe .. ah, was führt dich her?"

    Er wendet sich zu mir, während er einen Zollstock zusammen klappt.

    Ich: "Die anderen meinten ich sollte, Bescheid geben, dass Eileen von uns weggegangen ist."

    Mario lacht:

    "Ja, das hab ich mitbekommen."

    Eileen: "Ich hab doch gesagt, mir ist heiß und ich geh."

    Ich: "Hab ich nicht gehört.

    Da ich keine Ahnung habe, ob ich mit dieser Aussage ihr gerade in den Rücken falle .. hänge ich an:

    ".. muss wohl zu leise gewesen sein."

    Da Mario aber nicht weiter sagt, sondern den Schlagwinkle einer Türe kontrolliert, hoffe ich dass alles ok war.

    Mario: "Das sieht gut aus."

    Ich: "Was ist los?"

    Mario: "Wie es aussieht machen Manuell und Thomas wirklich erst und schicken die Beschwerde wirklich ab. Das ist natürlich deren gutes Recht aber wenn hier wirklich Montag einen Richter aufläuft, möchte die Klinikleitung, dass hier alles streng nach Vorschrift läuft. Wir müssen da ein paar Sachen geraderücken und der Tisch ist nur der Anfang."

    Eileen: "Der Tisch steht nach dem nächsten Essen sowie so wieder schief. Ich finde, wir sollten mit Isolierband die richtige Position der Beine auf dem Boden markieren, dann müssten wir nie wieder .."

    Mario: "Das sieht aber komisch aus .. wenn du solche guten Ideen hast, kann dein Hitzeschlag ja nicht mehr so schwerwiegend sein. Da kannst du sicher den Umzungskarton Bücher wieder zurück in die Bibliothek bringen und dort etwas .. 'Ordnung' .. machen, wenn du verstehst. Wenn ihr euch beeilt, hab ich auch ne Überraschung für euch."

    Eileen: "Wer sagt, dass wir das zusammen machen?"

    Mario: "Ich, weil er bis ans oberste Regal kommt."

    Sie rückt einen Schritt zu mir, als wolle sie beweisen, dass sie kaum kleiner ist als ich. Als Mario aber einfach an uns vorbeigeht um weitere Zimmertüren zu überprüfen, zuckt sie einfach nur mit den Schulter und winkt mich hinter sich her.

    Ich folge ihr aus dem Bunker hinaus, wo uns eine Welle unangenehm warmer Luft entgegen kommt.

    "Warum bist du so schnell hinter mir her?"

    Fragt sie mich, während sie bis zur Gabelung vor geht.

    Ich: "Ähm .. also .."

    Eileen: "Hast du die erste Gelegenheit ergriffen, um zu fliehen oder haben die dich explizit hinter mir hergeschickt?"

    Ich: "So ne Mischung aus beiden .."

    Weiche ich aus, weil ich mir neben bei noch überlege, was ich sagen, wenn die anderen mich fragen, warum ich so schnell aufgesprungen bin. Aber anstelle der versammelten Meute, sitzt nur noch Bezy an dem Karton und liest ein Buch, welche sie aber bei unserem Anblick sofort hinein wirft.

    Bezy: "Öhm .. packt ihr das?"

    Eileen: "Ne ich pack das."

    Sie nimmt den Karton und macht beim tragen einen kleinen Bogen um mich, so als ob ich ihr ja nicht helfen solle. Sie schnauft.

    Ich: "Bist du böse?"

    Eileen: "Ne, Sachen die ich anschleppe schleppe ich auch wieder zurück. Außerdem hasse ich es Sachen mit anderen zusammen zu tragen."

    Ich: "Ich meine .."

    Ohne auch nur kurz überlegen zu müssen, antwortet sie: "Wegen Victoria? Sicher, oder wie würdest du dich fühlen, wenn man dich erst in eine Geschichte einbaut, nur um dich dann einfach auszuradieren und zu ersetzt."

    Ein paar Meter vom Geisterhaus entfernt, stellt sie den Karton kurz ab und erklärt:

    ".. oder wenn du eine Geschichte mit jemandem zusammen schreibst und dann einfach alles umgekrempelt wird, dass aus einer spannenden und sinnvollen Story so ein weichgespülter Dreck wird."

    Sie stützt sich auf den Knien ab. Ich schnappe mir den Karton, was von ihr jedoch nur mit einem Blick zur Kenntnis genommen wird, welcher am besten mit, 'von mir aus', zu umschreiben ist.

    Eileen: "Der Schund zu einer widerlichen Pampe verkommen, wo man Romantik nicht mehr von Erotik unterscheiden kann."

    Sie atmet durch und bekommt ein paar Schritte drauf auch wieder Luft und fragt dann ohne keuchen oder husten:

    "Aber sag mal .. hm .. warum bist du eigentlich so schnell da weg."

    Ich: "ähm .."

    Sie fügt in einem schnippischen Ton hinzu:

    "Ist wohl etwas gewöhnungsbedürftig Fickgeschichten über einen selber zu lesen .. oder?"

    Ich: "Einen selber?"

    Eileen: "Wen sonst? .. sag bloß, du hast nicht kapiert, was Victoria damit andeuten möchte."

    Ich schüttele den Kopf.

    Sie ächzt und versteht die Augen:

    "Aber dass das Mädchen Merle sein soll hast du gemerkt oder?"

    Ich: "Das ist ja auch offensichtlich."

    Eileen: "Naja, in dieser Version .. ist es wirklich einen Wink mit dem Zaunpfahl."

    Sie schließt die Türe des Geisterhauses auf, aus welchem uns, wie beim Bunker ein Schwall kalter Luft entgegen kommt. Nur dieses mal riecht es nicht nach Beton und nichts, sondern nach nass und Keller.

    Eileen: "Setzt mal kurz ab."

    Ich stelle den Karton auf eine der Treppenstufen und atme auch erstmal durch, während sie fortfährt:

    "In der Original Version, war das nicht so offensichtlich, die Handlungen etwas gröber und ich der Charakter, der jetzt du bist."

    Ich: "Ich bin?"

    Eileen: "Ja du bist, hast du das nicht gemerkt? Mandelbraune Haare, nussbraune Augen .. diese Zurückhaltung und zuvorkommen .. heit .. wenn das ein Wort ist .. wie heißt denn das Adjektiv dazu .."

    Ich: "Was?"

    Eileen: "Das heißt erstes 'wie bitte' und zweitens .. wie kann man das nicht merken?"

    Ich: "Warte warte, also Victoria schreibt Sexgeschichten über mich, wie ich Merle .."

    Eileen: ".. wie du Merle zurück in die Heterosexualität bumst .. ja."

    Sie packt den Karton und geht damit die Treppe rauf. Ich folge ihr, noch ziemlich verwirrt.

    Ich: "Das kann sie doch nicht ernst meinen, das tut sie doch nur um Merle zu ärgern, dass ist doch nur Spaß oder?"

    Zu meinem Entsetzten bleibt sie einfach auf der Galerie stehen, zuckt mit den Schultern, sieht nach oben und sagt platt:

    "Frag sie doch mal .."

    Dann zieht sie einen Schlüssel aus der Tasche, stellt sich auf die Zehenspitzen, steckt sich mit aller Kraft und mit einem quietschenden Geräusch zur Decke. Sie sieht dabei echt komisch aus .. nach einem Moment bemerke ich, das sie wohl versucht eine Dachluke über ihrem Kopf zu öffnen.

    Ich: "Soll ich helfen?"

    Eileen: "Bleib blos weg, wenn du auch nur daran denkst mich hoch zuheben .."

    Sie hat das Schloss getroffen, worauf sich die Luke nach unten öffnet ..

    Eileen: "Kopf weg!"

    .. eine steile Treppe ausklappt. Zu meiner Überraschung lässt die den Karton einfach unten stehen und klettern hinauf. Dort legst sie sich auf den Bauch und steckt den Arm nach unten.

    Ich verstehe schon und reiche ihr ein Buch nach dem anderen aus dem Karton an. Das ganze dauert eine Weile und wir wechseln kein weiteres Wort. Immer wieder schwirrt mir die Geschichte durch den Kopf. Beim lesen hab ich das Ganze für eine Art Witz gehalten, wie ich ihn aus dem Internet kenne. Kleines unschuldigen Mädchen schreibt übertrieben unrealistische Sexgeschichte mit offensichtlichen Fehlern.

    Ich hab schon einige davon auf verschiedenen Portalen gelesen, meist eingebettet in irgendwelchen Fremdscham erregenden Fanfictions und mir dabei ordentlich einen abgelacht aber jetzt, dass Ganze nicht nur von einer Person zu lesen, die ich kenne, sondern auch noch mit mir als Protagonisten und noch viel schlimmer mit Merle als .. naja dann wohl Antagonistin ..

    Eileen: "Und jetzt den Karton .."

    Reißt sie mich aus meinen Gedanken.

    Ich: "Ja ok .."

    Eileen: "Nicht am Stück, dass passt doch nicht! Zusammenfalten."

    Ich falte den Karton zusammen, reiche ihn ihr und steige dann selber die Leiter hinauf. Als ich den Kopf durch due Luke stecke, sehe ich, dass das Geisterhaus einen wohl sehr sehr großen Dachboden hat, es reicht etwas staubig aber trocken. Fast die gesamte Fläche ist eng zugestellt mit Regalen, welche so geformt sind, dass sie auch den letzten verfügbaren Platz einnehmen. Vereinzelt stehen ein paar Vitrinen zwischen den Regalen und alles ist voll mit Büchern und Schachteln. Quasi über mir kniet Eileen, welche die Bücher wieder in den Karton stellt. Da sie wie übliche ein weißes viel zu großes T-Shirt trägt, kann ich gerade mal ihre Knie sehen.

    Ich steige den Rest der Leiter hinauf und setzte mich gegen über vor ihr.

    Eileen: "Was denkst du?"

    Ich: "Ich? Nichts."

    Sie sieht mich an, als wolle sie wiederholen, dass das ja nicht geht.

    Ich: "Ich ähm .. ich denke, dass du aussieht wie ein Gesprenzt."

    Sie sieht mich kurz an, zupft dann etwas an ihrem T-Shirt und sagt:

    "Interessanter Gedanke. Dachte, du würdest noch Victorias Geschichte verdauen."

    Ich: "Das auch aber der Gedanke mit dem Gespenst gefiel mir besser."

    Eileen: "Nen Mädchen in hässlichen Schlabber Klamotten interessanter finden, als eine die Fickgeschichten über einen schreibt, dass muss man auch erstmal hinbekommen. So und nu los, wir sind nicht zum Spaß hier."

    Sagt sie in einem schärferen Ton und erklärt dann schroff:

    "Einfach nach Epoche und dann nach Thema und dann nach Alphabet das Autorennamens also Nachnamens!"

    76
    Schädel ( Tag 11 Samstag Nachmittag )

    "Ich hab schon grob vorsortiert, du musst also nur noch nach Alphabet sortieren. Ab besten orientierst du dich daran, wo Bücher fehlen, also wo Staubrändern sind."

    Erklärt sie schroff, ich nicke und schnappe mir die ersten paar Büchern. Es ist schon erstaunlich, wie schnell dieses Mädchen zwischen hart und .. naja .. wahrscheinlich noch härter umschlagen kann.

    Zum Glück ist der Dachboden gut beleuchtet, da durch ein großes Fenster Sonnenlicht von Draußen einfällt.

    Die Arbeit geht recht einfach von der Hand und nach einer Weile sind alle Bücher einsortiert, welche sie mir rausgelegt hat, während sie sich ein paar Bücher von mir schnappt.

    Ich gehe zu ihr, die sie ein paar Fuß von ihr entfernt steht. Als ich gerade fragen will, was ich tun soll, höre ich zu meiner Verärgerung keine 'Danke' oder 'Gut gemacht', sondern sehe nur, wie sie ihre Bücher liegen lässt, an mir vorbei geht und kontrolliert, ob ich auch alles richtig weggeräumt habe.

    Ich: "Ähm .."

    Eileen: "Na, das sieht doch halb so schlimm aus .."

    Sie zieht eines meiner der Bücher aus dem Regal und steckt es ein Buch weiter wieder hinein.

    [x]Protestieren

    [0]Es tollerieren

    Ich: "Also .."

    Eileen: "Jap, ich weiß, ich bin gerade mal wieder grenzwertig .."

    Sagt sie tonlos zum Regal gerichtet.

    " .. aber wenn ich jetzt hier .. also mit dir alleine auf diesem Dachboden nicht gemein zu dir wäre .. dann kippe ich um."

    Die haut dabei ein weiteres Buch von mir, mit Wucht in das Regal. Staub wird aufgewirbelt und sie muss nießen.

    Zu meiner Verwunderung hat sie ein extrem hohes Niesen, fast schon niedlich. Sie holt Luft und muss schon wieder niesen. Ich muss ein wenig lachen.

    Sie hält sich das zu große Tshirt vor die Nase und sagt:

    "Halt die Klappe .. "

    Und muss wieder niesen.

    Knurrend geht sie an mir vorbei zu ihren Bücher zurück. Welche sie aber recht schnell verteilt bekommt. Die winkt mich hinter sich her, in eine besonders dunkle Ecke des Dachbodens, wo das Licht von draußen so gut wie gar nicht reicht.

    Eileen: "So .."

    Sagt sie in einem zackigen und bedeutsamen Ton.

    ".. wir müssen hier jetzt .. 'etwas Ordnung' .. schaffen."

    Ich sehe mich um, so gut wie alles ist voller Staub und die Bücher machen auch eher den Eindruck, dass man sie einfach wahllos in die Regale gestopft hat. Eigentlich kann ich kaum glauben, dass diese durchgehend nach Alphabet geordnet sein sollen.

    Ich: "Na das kann aber dauern .. alleine Staubwischen."

    Bei dem Wort Staubwischen drückt sie mir einen alten Lappen in die Hand, welche aussieht, als würde er mehr Staub verteilen als aufwischen. Ich sehe verdutzt und minimal verzweifelt diesen Wisch in meiner Hand an.

    Eileen: "Kleiner Spaß, dass hier wird eine ganz besondere Säuberungsaktion."

    Sie grinst und dreht sich zu einer alten Vitrine um. Sie sieht mit einer bedeutsamen Geste einen kleinen Schlüssel aus ihrer Hose und schließt langsam das Schloss des alten Schranken auf. Sie lässt das klicken den Schlosses durch den gesamten Dachboden hallten und öffnet dann langsam die Türe.

    Ich: "Was ist das .."

    Eileen: "Ein wenig mehr Ehrfurcht wenn ich bitte dürfte .. das hier ist der Giftschrank des Inneren Camps Null."

    Sie sieht begeistert und irgendwie auch begierig die alten Buchrücken an.

    Ich sehe mir die Buchrücken an, die meisten sind entweder so abgegriffen, dass man sie eh nicht mehr lesen kann oder die Bücher sind in braues Papier eingeschlagen.

    Ich: "Und was sind das für Bücher?"

    Ich sehe zu ihr, aber die sieht immer noch fasziniert die Bücher an. Moment mal, ist das wirklich Sabber, der ihr das aus dem Mundwinkel läuft?

    Ich will nach einem der Bücher greifen, doch sie schlägt mir promt auf die Hand:

    "Nicht, zumindest nicht mit bloßen Händen."

    Sie hat wohl gemerkt, dass sie gesabbert hat und wischt sich mit dem Zipfel ihren Shirts den Mundwinkel ab.

    Ich nehme den Lappen und greife mit diesem nach einem der Bücher. Ich ziehe es heraus und lese, was jemand in Handschrift auf den Umschlag aus braunem Papier geschrieben hat:

    "Pantoffeltierchens Abenteuer?"

    Unter dem Schriftzug in geschwungener Schreibschrift hat jemand ein Pantoffeltierchen gemalt. Das Buch ist nicht besonders dick, eventuell gerade mal unter 100 Seiten.

    Ich: "Hä? So einen Aufheben wegen eines solchen Buches. Was ist so schlimm daran?"

    Eileen: "Würdest du das zurück nehmen, wenn ich dir sage, dass es 10 Millionen Menschen getötet hat?"

    Ich: "Was? Echt?"

    Eileen: "8 Millionen, bis zu 6 Millionen, das hier je nach Meinung 3 Millionen, die liegen hier alle so um den dreh."

    Sie zeigt dabei abwechselt auf verschiedene Bücher auf dem Regalbrett und grinst:

    "Na, ne Idee was das hier sein könnte. Italienisch genauer gesagt florentinisch, schwer schätzbare Zahl, nicht sonderlich lang .. hat was mit 2Pac zu tun."

    Ich: "Ähm .. keine Ahnung."

    Eileen: "Wenn es florentinisch ist es von .. in etwa .."

    Ich: "Ja, Mittelalter."

    Sichtlich unzufrieden presst sie die Lippen auf einander und greift zu einem anderen Buch aus dem Regal darüber:

    "Wie wäre es mit: Englisch, für das Regal hier recht neu, in Ägypten verfasst, ziemlich wirr und jemand hat offensichtlich versucht es zu verbrennen."

    Sie dreht das Buch, welches beachtliche Bandspuren aufweist. Ich schüttele den Kopf.

    Eileen: "Noar, eines noch. Frühe Neuzeit, geschätzte 1,5 Millionen Tote, dick, schwer verständlich .. na?"

    Ich: "Ich kenn nicht so viele Bücher."

    Eileen: "Und die die du kennst?"

    Fragt sie genervt und hält mir mit ihrem Lappen das Buch hin, welches ich mit meinem Lappen nehme. Sie schlägt es in meiner Hand auf und ich lese:

    "Malleus Maleficarum .."

    Eileen: "Das Buch was du selber hast, nur hier in der schwerer verständlichen Übersetzung. Oder kennst du noch einen Buch aus der frühen Neuzeit mit 1,5 Millionen toten? Bastard."

    Sie reißt mir das Buch aus den Fingern und haut mir damit auf den Kopf.

    Ich: "Aua .. hey."

    Da das Buch schon ziemlich alt und entsprechend und entsprechend motschig ist, tut es kaum weh, doch der aufgewirbelte Staub kitzelt in der Nase.

    Ich: "Das kannst du doch nicht machen .."

    Eileen: "Warum nicht? Die Bücher sind gefährlich .. nicht wertvoll."

    Sie tut so als wäre nichts weiter gewesen und knüpft an das Thema von vorhin an:

    "Wie auch immer Pantoffeltierchens Abenteuer schlägt sie alle."

    Sie nimmt nimmt das Buch aus dem Regal und hält es in den Händen, als wäre es ihr liebster Schatz.

    Ich: "Moment mal, gilt nicht der Hexenhammer als das unheilvollste Buch aller Zeiten?"

    Eileen: "Mag sein aber er reicht auf keinen Fall an Pantoffel heran."

    Es wirkt schon fast beängstigen, wie sie dieses Buch ansieht.

    Ich: "Aber wenn das so viel schlimmer ist, dann müsste man den Namen doch kennen oder?"

    Sie versteht die Augen:

    "Das ist doch nicht der richtige Name."

    Ich: "Wie denn, ich würde das echt gerne mal lesen."

    Eileen: "Kannst du vergessen, die leihen dir das niemals aus, die wissen, wie gefährlich die Dinger sind. Ich hatte nur mal kurz Pantoffeltierchens Abenteuer, weil das falsch abgelegt wurde. Ich kenn aber die echten Titel der Bücher aus einer alten Ausleihliste."

    Ich: "Und was sollen wir damit, wenn wir die nicht .."

    Eileen: "Verstecken. Was meist du, was das für einen Ärger gibt, wenn die Bücher finden, die kein normaler Mensch besitzen sollte und das auch noch hier."

    Sie beginnt das Regal leer zu räumen und erklärt dabei:

    "Wir stecken diese ganzen Bücher jetzt so unauffällig wie möglich zwischen die anderen und überall wo es geht hinter andere Bücher, wo sich Lücken ergeben und da wo ess passt unter die Regale und oben auf die Regale und damit man nicht sieht, dass die da nicht hingehören, stauben wir die zu .. also andere Bücher abstauben und die zustauben."

    Ich: "Damit andere Bücher sauber aussehen und die dann danach greifen weil die meinen, dass mit denen was nicht stimmt?"

    Eileen: "Eigentlich nicht a .. aber .. ähm .. das .. das das klingt auch ganz gut."

    Sagt sie, dreht sich auf dem Absatz um, welcher auf den alten Dielen ein quietschendes Geräusch von sich gibt, und machst sich dann daran ihren Satz Bücher in die Regale zu verteilen.

    Ich zucke mit den Schultern und fange an, die Regale nach den Stellen abzusuchen, wo besonders viele große Bücher bei einander stehen. Um die Exemplare aus dem Giftschrank dahinter zu platzieren. Dabei frage ich mich, warum man sich nicht schon längt auf eine .. oder zumindest ein paar Buchgrößen geeinigt hat.

    77
    Pupillen ( Tag 11 Samstag Nachmittag )

    Es regt mich immer minimal innerlich auf, wenn ich ein Bücherregal sehe, in dem es gefühlte einhundert verschiedene Größen von Bücher gibt und besonders, wenn zwei Bücher neben einander stehen, von denen eines nur einen halben Zentimeter größer ist. Ich bin mir zwar sicher, dass sie die Antwort kennen könnte und sehe zu ihr rüber, wie sie ihre Bücher versteckt, lasse den Gedanken dann aber schnell wieder fallen. Hinterher bekomme ich ein wirklich hartes Buch auf den Kopf.

    Aber kaum ein Regal weiter, fällt mir schon das nächste Ärgernis ins Auge. Vor mir stehen sieben Bücher die alle offensichtlich zusammen gehören und von denen die letzten drei ein offensichtlich anderes Design haben. Hätten die nicht lange genug die Gestaltung so lassen können, bis sich das Camp die letzten drei Bücher der Reihe auch gekauft hat?

    Das erinnern mich daran, dass ich als Kind mal die VHS-Kassetten von James Bond gesammelt habe, zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als das Design geändert wurde und ich meinen Wunsch von einer einheitlichen Wand mit allen Kassetten in einheitlichem Aussehen begraben musste.

    Aber in diesem Moment kommt mir eine Frage, die ich einfach stellen muss. Ich gehe zu ihr ein paar Regale weiter:

    "Hey .. ähm .. kann ich dich kurz was fragen?"

    Eileen, die gerade ein Buch zwischen zwei der Regale klemmt, zuckt etwas zusammen:

    "Eh .. ja .. wenn es nichts mit Dreiecken zu tun hat .. wenn du verstehst was ich meine .."

    Ich: "Warum hat das Camp überhaupt all diese gefährlichen Bücher? Ich meine Mein Kampf?"

    Ich halte ihr das oberste Buch meines Stapels hin. Sie sieht mich kurz mit großen Augen an, sagt dann aber recht kalt:

    "So ganz so klar ist mir das auch nicht aber ich denke, die sind noch hier aus der Zeit, als das Camp noch ne andere Funktion hatte."

    Ich: "Andere Funktion?"

    Sie kniet sich hin und drückt ein weiteres Buch ins Regal, dieses Mal hinter das Zwischenbrett und erklärt:

    "Das hier war mal eine Einrichtung mit .. sagen wir .. einer anderen Zielsetzung für die Campbewohner."

    Sie steht auf, klopft sich den Staub von den Knien und erklärt etwas ausweichend:

    "Die Leute die früher hier waren, die haben wirklich aus diesen Büchern gelernt, sonst wären die ja nicht so abgegriffen. Aber das war bevor die Klinik dringen Geld brauchte und das hier zu einer Geschlossenen wurde."

    [x]Weiter Nachfragen

    [o]Es bei der Erklärung belassen

    Ich: "Was waren das für Leute, für was haben die hier gelernt."

    Sie sagt nichts.

    Ich: "Sags mir einfach."

    Eileen: "Au .. tut mir leidet .. ne normales 'sags mir einfach' geht hier leider nicht, dafür müsstest du schon der Therapie 'Charakter Entwicklung' beitreten."

    Ich: "Die findet doch gerade gar nicht statt."

    Eileen: "Das ist ja gerade das Problem .. einen viel wichtigeres Problem ist allerdings, dass da oben der perfekte Platz für dieses Monster hier ist aber ich komm da nicht ran."

    Sie steckt sich, mit einem schweren Welzer in beiden Händen, hoch zu dem Regal, vor dem sie gerade steht. Es fehlt allerdings noch einen gutes Stück.

    Ich: "Soll ich dich?"

    Eileen: ".. Hochheben? .. wehe."

    Sie knurrt.

    Ich: "Nein, ich weiß doch, dass du das nicht magst."

    Ehrlich gesagt ist es mir erst in diesem Moment wieder eingefallen.

    Eileen: "Gut aufgepasst. Also ich stell mich einfach aufs Regalbrett hier und du stützt mich am .."

    Sie stellt ihren Fuß auf eines der unteren Regalbretter und ich strecke meine Arme aus, um ihre Hüfte zu umfassen. Überlege es mir im letzten Augenblick aber anders und drücke nur mit meinen flachen Handflächen gegen ihren unteren Rücken.

    Eileen: "Fast .."

    Sie streckt sich, rutscht aber etwas nach links weg. Ich korrigiere schnell gegen ..

    Ich: "Keine Sorge hab dich .."

    Doch meine Hände finden keinen festen Halt und rutschen mit dem Stoff ihres viel zu großen Shirts einfach weg. Sie lässt das Buch los und versucht sich noch zu halten aber zu spät, sie macht eine komische halbe Drehung und knallt gegen auf mich.

    Als ich Unten auf dem Boden aufkomme, kann ich mich zum Glück nach hinten abstützen aber im Stürz rast ihr Gesicht auf meines zu. Ihre Stirn trifft mit voller Wucht meine, danach rutscht sie mit den Füßen zur Seite und kommt neben mir auf dem Boden auf, kann sich aber ebenfalls noch abfangen.

    Eileen: "Ah .. fuck .."

    Ich: "Alles ok?"

    Ich halte mir meinen dröhnenden den Kopf und sehe zu ihr nach links.

    Eileen: "Ach .. geht schon .."

    Sie bewegt ihre Fuß und Handgelenke etwas, versucht sich aufzurichten, hält sich dann aber den Kopf und fragt ächzt:

    "Und bei dir?"

    Ich: "Ja alles ok .. du hast nur einen verdammt harten Schädel."

    Dabei halte ich mir den Kopf, der ziemlich dröhnt, frage mich aber eine Sekunde später ob das klug war das zu sagen, doch sie antwortet erleichtert ausatmend:

    "Das Kompliment, kann ich nur zu rückgeben. Autsch .."

    Ich: "Ne ganz schöne Kopfnuss."

    Ich versuche mich aufzurichten.

    Eileen: "Las!"

    Sie streckt den Arm aus und zieht mich am Ärmel wieder nach unten:

    "Wenn du jetzt aufstehst, dann kippst du direkt wieder um, bleibt erstmal liegen."

    Ich lasse mich wieder nach hinten fallen.

    Eileen: "Das wäre auch die richtige Antwort gewesen?"

    Ich: "Antwort für was?"

    Mein Schädel dröhnt und Nachdenken tut weh, doch sie erklärt:

    "Na als ich dich festgenagelt habe und du mich gekitzelt hast .. die richtige Lösung wäre ne Kopfnuss gewesen .. ich war viel zu nah mit dem Kopf bei dir und damit du es merkst, bin ich dir extra immer näher gekommen."

    Ich: "Na das hab ich jetzt hier mit ja nach geholt oder?"

    Eileen: "So macht man aber keine Kopfnuss."

    Ich: "Nicht?"

    Eileen: "Natürlich nicht. Wenn man seinen Kopf gegen den des anderen schlägt, dann tut einem das ja genau so weh. Man schlägt seine harte Stirn auf die weiche Nase des anderen. Mit der eigenen Stärke die schwäche des Gegners treffen .. boar wie hast du das geschafft in PC Spielen bis jetzt noch nicht völlig zu versagen. Tu mir einen gefallen und leih dir gleich wenigstes Sun Zus die Knust des Krieges aus."

    Ich: "Die Knust des Krieges?"

    Eileen: "Aua .. mein Kopf schmerzt zu doll um wütend zu sein."

    Sie knurrt.

    Ich: "liest du nur solche Bücher?"

    Eileen: "Ja, die philosophisch-politischen und Waffenbücher les' ich weil ich die mag und die Anderen muss ich ja lesen."

    Ich: "Wieso?"

    Mario: "Hey alles in Ordnung?"

    Ich drehe meinen Kopf und sehe, wie Marios aus der Luke ragt.

    Mario: "Was genau treibt ihr da?"

    Eileen: "Wir machen kurz Pause."

    Mario: "Wovon? Und ist das nicht ein denkbar ungeeigneter Ort."

    Er will gerade die Leitet hoch steigen, doch Eileen beruhigt ihn:

    "Wir sind beim Einräumen ziemlich übel mit den Köpfen zusammen geknallt."

    Mario: "Wie übel?"

    Eileen: "Kopfweh und Gleichgewicht im Eimer übel."

    Mario: "Wie lange ist das her?"

    Sie steckt im liegen ihre Uhr nach oben und sagt:

    "In etwas drei Minuten."

    Mario: "Gut, überprüft eure Adaptation."

    Eileen: "Ist das nicht einen bisschen übertrieben?"

    Ich: "Adapter was?"

    Eileen: "Pupillenschließrefelx .. los guck mal ins helle."

    Sie richtet sich auf und kommt mir mit einem Satz ganz nah und guckt mir direkt in die Augen. Ich zucke leicht zusammen. Sie packt mir ins Gesicht und zieht meine rechten Augenlieder aus einander.

    Eileen: "Ja bei ihm alles klar."

    Ruft sie laut in Richtung des Schachtes, weil Mario schon wieder von der Leiter runter ist und wendet sich dann zu mir.

    Eileen: "Los jetzt du .."

    Ich zögere kurz:

    "Los ich guck ins helle, du ziehst mein Lieder aus einander und guckst ob meine Pupille kleiner wird."

    Ich stecke vorsichtig meine Hand aus aber sie zieht ihre Lider schon alleine aus einander. Verdammt bei dem Licht kann ich ihre Pupille gar nicht von ihrer dunklen Iris unterschieden.

    Ich: "Guck mal in nem anderen Winkel! Ähm .. Bitte."

    Sie dreht sich etwas, worauf ich den Unterschied besser erkennen kann aber ihre Pupille ist bereits beschlossen, also halte ich die Hand gegen das Licht und nehme sie dann wieder weg.

    Ich: "Zum Glück .. alles ok."

    Eileen: "Ach ne .."

    Schnauft sie, richtet sich auf, muss sich aber noch kurz am Regal fest halten und torkelt dann in Richtung Luke. Ich richte mich auch auf und folge ihr, ohne mich abstützen zu müssen.

    Beim heruntersteigen der Leiter, gibt uns Mario leicht Hilfestellung und sagt dann:

    "Ok, dass mit dem Zusammenstoß scheint wohl zu stimmen. Macht erstmal Pause auf dem Gelände bleibt aber in Sichtweite, ich werde nachher Merle schicken um den Rest zu erledigen. Wegen der Belohnung unterhalten wir uns später."

    Eileen: "Das ist nichts mehr, nur noch das Buch auf dem Boden."

    Sagt sie etwas benommen.

    Mario: "Bei dem letzten Buch seit ihr zusammen gestoßen? So ein .. .. Pech aber auch."

    Sagt er in einem Ton, als würde er uns jetzt nicht mehr glauben.

    Schnell .. oder eher so schnell wie gerade möglich verschwindet Eileen in Richtung Camp, ich folge ihr.

    Auf dem Campplatz angekommen atmet sie tief aus und sagt dann:

    "Na das hab ich ja toll hin bekommen. Ich war wohl zu gierig auf verbotene Bücher und darauf dir einen bisschen was davon zu zeigen. Stattdessen bekomme ich entweder keinen geradem Satz raus oder schnauze dich sinnlos an .. tut mir echt leid, dass ich dich da oben so doof angeschnauzt habe aber ich konnte das einfach nicht anders .. aber wir beide alleine da oben .. sonst wäre ich geplatzt. Und dann lagen wir auch noch viel zu lange da oben rum .. jetzt hat Mario erstmal einen Auge auf uns .. klasse. Eh .. ich kann aber auch gar nichts."

    Sie setzt auf die leere Bank an den Tisch und lässt ihren Kopf richtig Tischplatte fallen, darauf hin hört man ein leises 'Tock' und dann ein:

    "Aua."

    Sie seufzt:

    "Und dann auch noch dieser doofe Sturz, in Mangas ist das immer ganz anders .."

    78
    Manga ( Tag 11 Samstag Nachmittag )

    "Mangas?"

    Frage ich kurz verwundert?

    Eileen: "Ja .. 'Sie' hat mir ja quasi Kistenweise Manga vererbt, die ich lesen muss. Aber du müsstest die Kiste eigentlich kennen, ich musste die je wegen SOFA abgeben."

    Sie scheint noch ordentlich Kopfweg zu haben, so leise und gequält sagt sie das, während sie den Kopf auf beiden Händen auf dem Tisch abstützt.

    Ich: "Du musst das lesen? Wer sagt das?"

    Eileen: "Die Therapie. Also .. wenn man Gedächtnisverlust hat, also meine Form mit dieser Fugu, dann kommt die Ersatzpersönlichkeit ja nicht aus dem Nichts, sondern ist meist aus Persönlichkeiten zusammengetackert, die man kennt. Manche Leute werden dann zum Beispiel zu ihrer eigenen Oma und bei mir besteht halt der Verdacht, dass ich quasi aus einem der Manga stamme, die 'Sie' sich so reingezogen hat."

    Ich: "Und?"

    Eileen: "Wie und? Das ist so viel, dass kann ich kaum schaffen. Die Comics gehen ja noch aber einen großer Teil davon sind sogenannte 'Light Novels'."

    Sie ist wohl trotz Kopfweh trotzdem in der Lange mich anzuschnauzen. Sie setzt wütende Anführungszeichen um das Wort Light-Novel und erklärt weiter.

    "Ne bescheuertere und plattere Prosaform wirst du so schnell nicht finden. Au .. mein Kopf .."

    Es ist ihr wohl doch zu anstrengen sich aufzuregen. Wenn das doch immer so wäre. Damit sie nicht gleich alles an mir auslässt versuche ich das Thema zu wechseln.

    "War das mit den Pupillen nicht etwas übertrieben? Ich meine, macht man das nicht nur bei Gehirnerschütterungen?"

    Sie nickt und erklärt:

    "Das ist zur Vorsicht, wäre ja schon peinlich, wenn man in einem Krankenhaus eine schwere Gehirnerschütterung übersieht."

    Ich nicke und gucke nach oben in die Baumwipfel, es ist schon spät geworden und die Sommersonne stahlt in einem tiefen Winkel in das Nadelbaumgeäst über mir. Ich lehne mich zurück, merke dann aber, dass meinem Schädel das nicht so gut tut und stütze dann meinen Kopf doch wieder auf meinen Arm.

    Ich atme entspannt aus und gucke dann wortlos über den Rest des Camps, wo die Tische und Bänke auch schon lange Schatten werfen. Noch in etwa eine Stunde und das Licht wird anfangen eine orange Färbung zu bekommen. Als ich mich gerade frage, ob ich das überhaupt merken werden, wenn ich bis dahin den Blick nicht abwende, stupst sie mich unter dem Tisch an:

    "Du?"

    Ich: "Ähm .. ja .."

    Eileen: "Die sehen ja gar nicht nach uns .. ich glaube die haben gerade was anderes zu tun?"

    Ich: "Oder denen ist halt klar, dass keiner von uns gleich wegen einer Gehirnerschüptterung umkippen wird."

    Eileen: "Oder zumindest nicht wir beide gleichzeitig."

    Sagt sie in einem leicht sarkastischen Ton, ändert aber dann plötzlich den Tonfall und sagt:

    "Dann sind wir also ganz alleine und könnten dann endlich mal .."

    Ich: "Hm?"

    Eileen: "Ja Pärchenkrams machen."

    Ich: "Was denn?"

    Frage ich ein wenig erstaunt und ratlos.

    Sie verschränkt die Arme, zuckt dann aber mit den Schultern und sagt:

    "Ach, was weiß ich .. hm .."

    Sie dreht die Augen nach oben, denkt nach, pustet sich dann eine Strähne aus dem Gesicht und sagt dann freudig:

    "Kopfkraulen .. du könntest mir einfach den Kopf kraulen."

    Sie dreht sich auf der Bank um, guckt in Richtung Campplatz und lockert ihr Haargummi. Ich stehe etwas ratlos auf und setzt mich, mit etwas Abstand, hinter sie und strecke vorsichtig die Finger nach ihren Haaren aus, während die sagt:

    "Sind zwar nicht frisch gewaschen aber so geht wenigstens einfacher."

    Ich: "Wieso?"

    Ich berühre vorsichtig ihren, recht kalten, weil leicht fettigen Haare, während die kühl antwortet:

    "Frisch gewaschen sind die so strohig, da würdest du deine Finger einmal reinstecken und nicht wieder raus bekommen."

    Vorsichtig fahre ich ihn in die Haare, frage aber noch mal:

    "Wo waren noch einmal die Extentions?"

    Eileen: "Exten .. ach diese langen Stähnen, eine davon ist vorgestern Nacht abgefallen und die andere hab ich in den Haarknoten mit eingebunden, die fängt etwa hier an. Die fährt sich mit dem Finger hinter dem Ohr lang."

    Ich nicke und versuche vorsichtig ihren Kopf zu kraulen. Sie steckt sich, atmet etwas und es scheint ihr wohl zu gefallen.

    Doch plötzlich schnalzt sie mit der Zunge und sagt trocken:

    "Fester."

    Ich nicke und drücke beim Kraulen etwas härter zu, versuche ihr aber nicht wehzutun. Deswegen versuche ich auch eher mit den Fingerkuppen zu massieren.

    "Fester, ist spür ja gar nichts .. und hast du überhaupt Fingernägel?"

    Ich: "Hey, wenn ich noch fester mache, tu ich dir weh."

    Zur Demonstration drücke ich fester zu und benutze auch meine Nägel.

    Eileen: "Das ist schon mal besser, trotzdem .. fester."

    Ich: "Hey ich mach ja schon, so fest ich kann."

    Eileen: "Alter, hast du keine Kraft in deinen Fingern?"

    Diesmal knurre Ich, mache aber weiter weil sie es ihr trotzdem zu gefallen scheint. Beim durchwühlen ihrer Haare, und davon gibt es ganz schön viele, gerät plötzlich ein Blatt zwischen meine Finger. Ich nehme es heraus uns sage:

    "Oh, ein Olivenblatt."

    Eileen: "Was? Achso .. oben am Drachenfelsen steht ein Olivenbaum, das Blatt muss dich da verfangen haben, als ich neulich gegen den Baum dort geschlagen habe."

    Ich: "Warum eigentlich? Hasts mich ziemlich erschreckt."

    Eileen: "Ich hab alle erschreckt und Ärger bekommen."

    Sie sagt eine kleine Weile nichts, erklärt dann aber:

    "Susanne hat mir gesagt, dass du in wen verliebt seist und ich dachte natürlich in Katrin und das hat mich ein wenig aufgeregt."

    Schnell fügt sie hinzu:

    "Nicht aus Eifersucht, sondern weil das ein riesen Chaos gegeben hätte."

    Ich: "Chaos?"

    Eileen: "Du wärest in sie verliebt gewesen, sie hätte aber einen Freund, würde dich aber nicht abweisen und trotzdem auf dich eingehen, du hättest Hoffnungen und dann fängt das Drama an, denn in der Regel wird dann das ganze Camp mit in den Strudel gezogen."

    Das war ein Schlag in die Magengrube, ärgerlich drücke ich beim Kraulen fester zu. Als ich merke, dass das nichts bringt sage ich:

    "Du klingst als ob du hellsehen könntest."

    Eileen: "Ich klinge so, als ob ich das schon einen paar mal erlebt hätte."

    Ich: "Nen paar mal?"

    Geschockt und unsicher ob, das jetzt einen Witz war oder ob Katrin das wirklich macht, höre ich unbewusst auf ihr den Kopf zu kraulen.

    Eileen: "Aber es ist ja zum Glück anders gekommen. Also zum Glück fürs Camp. Unter uns leidet aktuell Niemand .. naja .. fast niemand."

    Sie sieht verdächtig scharf in die Richtung eines Baumen, sagt dann aber:

    "Los weiter .. ähm .. bitte. Übrigens schuldigung, wegen dem 'Alter' und dem 'keine Kraft in den Fingern', dass ist nichts, was eine Freundin sagen sollte. Mach ruhig, so fest wie du magst."

    Da mir durch das ganze Drücken wirklich schon die Finger taub werden, mach ich ein wenig lockerer.

    "Aber schon mit Fingernägeln, bitte. Ist ja kraulen und nicht, massieren."

    Ich nicke und mache eine ganze Weile lang weiter, bis sie plötzlich leise aufschreit, sich weg duckt und laut schreit:

    "Au .. ah .. verdammt."

    Ich: "Alles ok? Ähm .. Tut mir leid."

    Eileen: "Ach schon gut alles ok, hast einen Pickel getroffen oder so. Dreh dich mal weg."

    Ich drehe mich zum Bunker hin um, während sie selber in ihren Haaren rumwuselt.

    Eileen: "So, erledigt."

    Ich: "Soll ich."

    Eileen: "Nene reicht erstmal, langsam erhöht sich auch die Chance, dass jemand und quasi erwischt."

    Ich: "Ist das?"

    Eileen: "Verboten? Nicht, wenn wir behaupten, das du mir einfach Nadeln aus dem Haar fischst, weil ich das gerade nicht kann."

    Ich: "Hast du immer schon ne Erklärung parat für alles was du machst?"

    Eileen: "Für gewöhnlich .. a pro pros, gewöhnlich es ist ungewöhnlich ruhig. Komm, auf zum Bunker."

    Sie seht immer noch etwas wackelig auf den Füßen auf und macht sich auf zum Bunker. Ich überlege kurz ob ich sie abstützen soll, halte dass dann aber für keine gute Idee.

    79
    Neue Leitung ( Tag 11 Samstag Nachmittag )

    Als wir den Bunker betreten, kommt uns wie immer die kalte Luft entgegen, welche dieses mal sehr angenehm ist. Doch schon nach ein paar Schritten wird Eileen plötzlich langsamer und ihr Gesicht verzieht sich. Erst jetzt fällt mir auf, dass sie bis jetzt einen doch recht fröhlichen Gesichtsausdruck hatte.

    Eileen: "Och nein, bitte nicht die."

    Wir näher uns langsam Mario und Peter, die mit einer Frau im Gang stehen. Die Frau dreht sich freudig um, kommt zusammen mit Mario auf uns zu und begrüßt uns:

    "Ah immer noch hier? Wie geht es dir?"

    Eileen: "Offensichtlich."

    Frau: "Und du, wer bist du?"

    Ich: "Ähm .. Daniel."

    Frau: "Hallo, freund mich dich kennen zu lernen."

    Mario: "Das ist Petra, sie ist auch eine Campleiterin so wie wir."

    Erklärt er kurz und geht dann zurück zu Peter, welcher über einem Plan brütet, welcher auf den Küchentisch ausgerollt ist.

    Petra: "Ah, Eileen, du hast es zur Campassistenz geschafft?"

    Eileen: "Ja, bin es aber eher geschafft worden."

    Petra lächelt und ich bin mir unsicher, do sie Eileens komischen Passivsatz versteht.

    Petra: "Du, das geht aber eigentlich offiziell nicht, bei deiner Diagnose."

    Die Frau geht eine Liste auf einem Klemmbrett durch, während sich Eileen den Kopf hält.

    Petra: "Das ist ja nichts gegen dich aber wir wollen hier alles so genau haben wie möglich."

    Eileen: "Na von mir aus. Dann gibt es eben keine Assistenz, um alle Regeln auch durch zusetzen."

    Sagt sie sarkastisch.

    Petra: "Nun das geht auch wieder nicht, es wurde gemeldet, dass es eine Assistenz gibt. Wir können ja nicht sagen, dass diese einfach verschwunden ist."

    Eileen: "Ja, viel Spaß beim Suchen."

    Sie dreht sich langsam rum und will gehen, springt dann aber plötzlich zurück als die Frau sagt:

    "Warum nicht du?"

    Sie deutet auf mich.

    Petra: "Ja, du hast laut Akte nichts schwerwiegendes also an Krankheit, keine Verstöße und verstehst dich gut mit allen."

    Eileen: "Der? Der hat einen Durchsetzungsvermögen von nem nassen Lappen und absolut keine Ahnung von den Regeln."

    Petra: "Der! Hat auch einen Namen. Außerdem bestimmt immer noch die Leitung über die Assistenz. Also gibt bitte deine Armbinde ab."

    Sie hält bestimmt die Hand auf. Unbeeindruckt murmelt Eileen:

    "Das ist aber meine .."

    Petra: "Gibt die Armbinde am."

    Eileen zuckt mit den Schulter löst den Magneten und gibt ihr die rote Armbinde. Petra reicht diese dann sofort an mich weiter.

    Petra: "Hier."

    Eileen: "Ist dass dann offiziell mit der Armbinde."

    Petra: "Natürlich!"

    Eileen: "Wird das auch schriftlich festgehalten."

    Petra: "Natürlich."

    Eileen zuckt mit den Schultern und macht sich genervt auf Richtung Wohnzimmer und wirft sich dort auf eine Couch. Unschlüssig was ich jetzt machen soll, schau ich auf die rote Armbinde mit den schwarzen Streifen in meiner Hand.

    In einem viel freundlicheren Ton als noch vor einem Minute sagt Petra etwas leiser zu mir:

    "Kannst die Armbinde ruhig direkt anlegen, bei der Assistenz geht es eigentlich eher weniger darum, die Regeln bis zum letzten Buchstaben durchzuboxen und die anderen damit zu drangsalieren als viel eher den Campbewohner zu helfen, die sich nicht so leicht zurecht finden und die eventuell Hilfe brauchen."

    Petra sieht rüber zum Wohnzimmer:

    "Wenn das Mädchen dir Ärger macht, dann komm bitte sofort zu mir. Ich kenn sie schon ein wenig länger als du und weiß, wie biestig und manipulativ sie sein kann. Las dich also nicht von ihr einschüchtern .. wenn ich schon daran denke, wie sie wohl an den Posten gekommen ist."

    Ich: "Also eigentlich hat sie die Psychologin einfach dazu .."

    Petra: "Aber das ist nicht ein Problem .. deine Aufgabe ist es eher die Schwachen vor ihr zu beschützen."

    Ich klippe die Armbinde an mein T-Shirt, da ich das Gefühl habe, dass wenn ich das nicht mache, mir die Frau gleich eigenhändig diese anlegt.

    Kaum schnappt der Magnet zu, da dreht sich Petra auch schon zu Peter und Mario um, welche immer noch mit ihrem Plan beschäftigt sind.

    Ich: "Könnte ich dann, das große Regelwerk?"

    Sie scheidet mir das Wort ab: "Großes Regelwerk? Ich kenn nur die Campregeln und die hast du doch bei der Ankunft bekommen und unterschrieben oder?"

    Ich: "Ehm .. ja."

    Petra: "Ja, dann weißt du ja alles."

    Sie geht schnellen schrittes zu Mario und Peter. Ich hingegen gehe verwundert ins Wohnzimmer und setzt mich auf die Couch gegen über von Eileen, welche die Arme verschränkt hat.

    Ich: "Ähm .. was war das gerade?"

    Eileen: "Geballte Inkompetenz in Persona."

    Ich: "Schuldigung."

    Eileen: "Für was? Ist doch nicht deine Schuld. Naja, du als Assistenz richtest gefühlt noch den wenigsten Schaden an."

    Peter: "Keine Sorgen .."

    Peter ist hinter mir aufgetaucht und lehnt sich an die Couch auf der ich Sitze und sagt:

    ".. das ist erstmal nur kosmetisch .. wir sind darin über eingekommen, dass das wirklich nicht die beste Idee ist, dich einfach zur Assistenz zu machen .. also du bleibst praktisch Assistenz ..

    Er deutet auf Eileen.

    ".. aber du sieht so aus."

    Er deutet auf mich.

    Eileen: "Na viel Spaß dieses Konzept Anny zu erklären."

    Peter: "Wenn ihr immer nah bei einander bleibt, fällt das keinem auf. Übrigens haben wir die Belohnung für euch fast vergessen. Ihr bekommt für eure Hilfe heute extra langen Ausgang bis 10 Uhr."

    Eileen grinst wieder freudig:

    "Naja, dann können wir ja mal mit eigenen Augen überprüfen, ob im Dorf wirklich die Bürgersteige hochgeklappt werden."

    Peter: "Nein nein, nicht fürs Dorf für die Disco, das Camp 8 hat ne riesen Party für alle Camps vorbereitet. Karten geben wir euch gleich."

    Eileen verdreht die Augen.

    "Was, denn klingt doch total witzig."

    Katrin ist mal wieder ohne Vorwarnung hinter uns aufgetaucht.

    Eileen: "Das letzte mal war das die peinlichste Kinderdisko aller Zeiten."

    Katrin: "Das war das Camp 10, das sind alle so um die 12, im Camp 8 sieht das anders aus."

    Ich: "Wie alt sind die denn da."

    Katrin: "Im Schnitt 13."

    Eileen: "Das machts natürlich um einiges besser."

    Katrin: "Was denn, was denn? Es liegen wichtige Entwicklungsschritte zischen dem 12 und zwölften Lebensjahr."

    Eileen: "Da spricht jemand aus Erfahrung."

    Katrin: "Also ich hab mich, gegen über als ich 12 wahr, stark verändert."

    Eileen: "Glaub ich dir aufs Wort."

    Sie schiel auf die Narben auf Katrins Arms, welcher grinsen diesen hinter ihrem schwarzen Kleid versteckt. Sie trägt, trotz des warmen Wetters ein schwarzes Kleid mit viel Spitze, welches knapp über die Knie geht und damit wohl von den Campregeln als ok durchgeht.

    Eileen schnauft und wendet sich zu Petra:

    "Muss das?"

    Perta: "Ja das muss und ihr werden euch beide benehmen."

    Sie dreht sich auf dem Absatz um, kaum ist sie außer Sichtweite legen beide Mädchen, wie auf Kommando, die Füße auf den Tisch. Eileen wirft zudem den Kopf in den Nacken und hängt ihre Armee nach hinten über die Couchlehne.

    Katrin setzt etwas weniger gelassen da und krost in ihrer Federmappe nach einem Stift, um sich dann ein paar Notizen in ihr Logbuch zu machen.

    Ich: "Dürfen wir selber in unsere Logbücher Sachen schreiben?"

    Katrin: "In dem Raum für Notizen .. ja."

    Ich: "Raum für Notizen."

    Katrin: "Mein Diagnoseteil ist vorne etwas länger, das führ zu sehr vielen leeren Blättern hinten."

    Ich denke kurz nach aber nach einer Weile fällt mir wieder ein, wie Buchbindung so in etwa funktioniert.

    Ich: "Und was schreibst du so?"

    Frage ich etwas unbeholfen.

    Katrin: "Geschichten .. also Notizen zu Geschichten, ganzen Geschichten passen ja hier nicht rein."

    Sie hält mir kurz ihr extrem dickes Logbuch hin, aber ich kann auf die Schnelle ihre Schrift nicht entziffern. Unter anderem, weil sie kreuz und quer Notizen, in unterschiedlicher Größe, gemacht hat.

    Ich: "Um was geht es denn?"

    Katrin: "Ist sicher nichts für dich, es geht um Dunkelheit und Verlust .. mit jeder Menge Blut und Gedärme."

    Fügt sie in einem unpassend freudigen Ton hinzu.

    Ich: "Blut und Gedärme in Geschichten sind mir zumindest lieber als .."

    Katrin: ".. die Hauptrolle in Erotikromanen mit fragwürdigem Konsens zu spielen?"

    Sie grinst kurz, lässt dann aber die Mundwinkel fallen und sagt etwas ernster:

    "Hat dich das so schockiert?"

    Ich: "Du hast auch gemerkt, dass ich das sein soll .. also in der Geschichte."

    Katrin: "Du nicht? Naja, wenn es dir nicht passt, sag Victoria einfach, dass du das nicht magst."

    Eileen: "Dafür isser zu höflich."

    Sie öffnet müde ein Auge.

    Katrin: "Solltest du lassen."

    Ich: "Was?"

    Katrin: "Höflich sein .. also durchgehend."

    Sie dreht sich zu mir, grinst mich an und sagt dann:

    "Sprich mir mal nach: Ich mag das nicht, wenn ich in deinen Geschichten vorkomme, bitte las das."

    Ich: "Ich mag nicht, dass ich in einen Geschichten vorkomme, bitte las das?"

    Katrin: "Genau."

    Eileen: "Au, da musst du jetzt aber deine letzte Geschichte ordentlich schwärzen."

    Ich: "Du schreibst auch Geschichten über mich?"

    Katrin: ".. Geschichten, naja eher eine. Das mit dem Fässern im Park hat mich irgendwie inspiriert .. wir sind zwei Amazonas Forscher im Urwald von Venezuela .."

    Eileen: "Der Amazonas liegt nicht in Venezuela."

    Katrin: "Auf jeden fall fallen wir in einem Fass, einen Wasserfall hinunter."

    Ich: "Und dann .."

    Katrin: ".. schlagen wir unten auf einem Felsen auf und werden zu einer einzigen blutigen Masse zermatscht, welche den Fluss hinunter zu einem alten Tempel der Maya gespült wird."

    Eileen: "Die Maya leben nicht in Venezuela."

    Ich: "Und dann?"

    Katrin: "Bin noch nicht weiter .. eventuell erweckt unser Blut die alten Götter oder es passiert auch einfach gar nicht .. das wäre auch lustig."

    80
    Exodus ( Tag 11 Samstag Abend )

    Petra: "Hier sind eure Pässe."

    Sie hält uns zwei Plastikkarten an Schlüsselbändern hin.

    Petra: "So und jetzt macht euch fertig, dann schafft ihr es vielleicht noch rechtzeitig."

    Eileen: "Fertig machen?"

    Petra: "Wollt ihr euch denn nicht hübsch machen für die Party?"

    Stille.

    Petra: "Wollt ihr euch denn gar nichts hübsches anziehen."

    Eileen: "Was denn? Hab ja nichts."

    Petra sieht mich an.

    [x]Sagen, dass ich auch nichts hübscheres habe.

    [o]Gehen und mir zumindest andere Sachen anziehen.

    Ich: "Also ich .."

    Petra: "Sag bloß du hast auch nichts zum Anziehen. Wie kommts?"

    Ich: "Ja ähm .. ich hab mich halt auf einen Sommercamp eingerichtet, wo man Campen geht und so .."

    Petra: "Du hast aber schon schicke Klamotten zu Hause. Antworte bitte ehrlich, das könnte wichtig sein, für die Therapie. "

    Ich: "Ja .. ähm .. ich denke schon, wenn ich da noch reinpasse .. das ist immer die Frage."

    Petra: "Ach so, ja .. dann .. könnt ihr euch ja schon mal auf den Weg machen."

    Eileen steht auf und ich folge ihr, Katrin winkt und noch zum Abschied:

    "Viel Spaß .."

    Als wir den Bunker verlassen, merke ich dass es Draußen schon deutlich dunkler geworden ist. Von einigen Tischen leuchten auch schon die orangen Petroleumlampen.

    Ich: "Warum dürfen wie hier eigentlich Petroleumlampen haben?"

    Eileen: "Weil die sicher sind, da kann man fast nichts mit anstellen."

    Ich: "Weil .. du .. ähm .."

    Ich stocke etwas, weil ich sie nicht beleidigen oder auf dumme Gedanken bringen will.

    Eileen: "Genau, weil ich das versucht habe .. was ist denn daran so schwer auszusprechen? Oder fängt das bei dir jetzt auch schon mit dem Stottern an?"

    Ich: "Ich wollte nur .."

    Eileen: "Was?"

    Ich: "Nett sein?"

    Eileen: "Unnötig."

    Sie macht plötzlich halt und als ich mich umdrehe sehe ich, dass wir vor einer der Hütten stehen. Die Wände der Kabine bestehen aus blau gestrichenen Balten von denen die Farbe leicht abblättert, wohingegen die weiße Farbe der Stützbalken besser in Schuss zu sein scheint. Durch die kleinen niedrigen Fenster scheint warmes Licht nach draußen und fällt auf unsere Gesichter.

    Ich überlege kurz wessen Hütte das ist, da bekomme ich auch schon die Antwort, als Bezzy die Hütte verlässt mit einem Karton auf dem Arm.

    Bezzy: "Noar, muss das wirklich sein?"

    Anny: "Ja ist doch eh nur wieder für einen Tag."

    Anny, kommt kurz drauf aus der Hütte mit einer über vollen Sporttasche, dessen Reißverschluss sicher nicht mehr zugeht. Oben aus der Tasche guckt sichtlich zusammen geknüllte Unterwäsche heraus. Sie stellt die Tasche ab und tut so, als würde ihr ihr Rücken unglaublich weg tun. Hört damit aber sofort auf, als sie uns näher betrachtet.

    Anny: "Ach ihr seid gar nicht Peter und Mario."

    Bezzy, welche gerade wieder in der Hütte verschwunden ist, nachdem die den Karton draußen abgestellt hat, ruft uns von drinnen zu:

    "Ihr könnt ruhig rein kommen .."

    Eileen drückt sich sofort an Anny vorbei in die Hütte, als ich gerade überlege, wie ich an Anny vorbei komme, welche gebückt in ihrer Tasche wühlt, ruft es noch mal von innen:

    ".. ja du auch, komm ruhig rein."

    "Aber .."

    Sage ich, während ich mich aber schon an Anny vorbei drücke und durch den kleinen weißen Torbogen in die Kabine trete, die innen viel größer ist als von außer erwartet. Was übrigens wohl daran liegt, dass sie recht weit nach Hinten rein geht.

    Ich: "Aber ist das nicht verboten sich in den Zimmern zu besuchen?"

    Anny: "Das ist ja kein Zimmer?"

    Eileen: "Die zählen trotzdem als Zimmer."

    Bezzy: "Ach was, jetzt wo du unsere Campassistenz bist, geht das doch locker in Ordnung. Ich hoffe nur, dass du deine neue Position nicht ausnutzt."

    Beim letzten Satz zwinkert sie übertrieben mit dem Auge.

    Ich: "Ich versuche mich unter Kontrolle zu halten .. aber was macht ihr hier gerade eigentlich?"

    Bezy: "Großer Exodus."

    Anny: "Wir ziehen aus."

    Eileen: "Ich schätze er weiß, was Exodus bedeutet."

    Anny: "Was mischt du dich ein? Du bist nicht mehr Assistenz."

    Eileen: "Doch aber Inkognito."

    Während sich Eileen und Anny streiten erklärt mit Bezzy:

    "Eigentlich dürfen wir diese Kabine gar nicht bewohnen, deswegen ziehn wir aus und müssen auch dafür sorgen, dass das so aussieht, als würde hier keiner Wohnen."

    Erst will ich etwas sagen wie: 'Das ist ja nicht schwer' aber dann sehe ich mich langsam um. Als erstes fällt mir auf, dass der halbe Boden voll Kleidung liegt und dann, dass das Hochbett, in welchem wohl beide schlafen, über und über voll geklebt ist mit Fotos. Die kompletten Balken des Etagenbettes sind vor lauter Fotos kaum zu erkennen, welche entweder Bezzy und Anny in witzigen Posten zeigen oder Bezzy mit Leuten, die ich nicht kenne. Als ich mich weiter umsehe, bemerke ich die ganzen Poster an den Wänden, für welche man ganze Stapel von Bravos hätte plündern müssen. Aber wenn ich daran denke, dass das Camp die Bravo quasi abonniert hat, könnte das sogar locker hin kommen. Ein Blick in die Tiefe des Raumes verrät mir, dass gegenüber der Türe ein großes Fenster liegt, welche knapp am Camphauptplatz vorbei sieht. Anstelle einer Gardine ist eine große Flagge der Niederlande angebracht.

    Bezzy: "Gefällts dir?"

    Ich: "Ja .. ähm .. cool. Ich dachte nicht, dass man es sich hier in den Kabinen so gemütlich machen kann?"

    Anny: "Dafür ist es aber auch kalt und ohne Dusche."

    Anny wendet sich von Eileen ab, welche wohl aufgeben hat, Anny den neuen Assistenz Status zu erklären.

    Ich sehe, dass sich in einer der Ecken ein Waschbecken befindet, in welchem aber gerade einige Duschgel Flaschen liegen.

    Bezzy: "Ach man kann es sich auch im Bunker einen gemütlichen machen. .. sag bloß du akzeptierst die Betonwände einfach."

    Anny: "Ihr habt noch nicht mal Poster aufgefangen?"

    Ich: "Doch .. ähm .. "

    Ich überlege, ob ich sagen soll, dass bei uns nur ein Poster von 50 Cent hängt und eine Zeichnung von Vater des anderen Daniel. Doch Eileen nimmt mir die Worte aus dem Mund:

    "Die haben einen Poster von 50 Cent mit einer Mossberg 590 in der Hand und ein Bild das einer der Daniels gemalt hat."

    Bezzy nimmt betrübt ein Bild nach dem anderen von den Bettpfosten des Hochbettes und murmelt:

    "Das bekomm ich nie wieder so hin."

    Ich will erst sagen: 'Mach doch einen Foto', bis mir einfällt das Kameras hier verboten sind.

    Eileen: "Nummerrier doch."

    Anny: "Wie denn?"

    Eileen: "P1B4."

    Anny: "Hä?"

    Eileen: "Pfosten 1 Bild 4."

    Bezy: "Am besten noch genaue Höhe relativ zum Boden und Neigungswinkel."

    Sie knibbelt etwas Tesafilm vom Holz.

    Mario: "Was macht ihr da?"

    Ich zucke zusammen, doch Eileen antwortet nur platt:

    "Helfen."

    Zu meiner Überraschung bleibt Mario vollkommen ruhig und rügt niemanden von uns, weder dafür, dass wir in der Kabine sind, noch dafür dass wir beide theoretisch trödeln. Er nickt nur und sagt dann:

    "Ihr seit ja eh auf dem Weg runter. Dann können euch Anny und Bezy Sachen für den Speicherraum mitgeben, also Kram, der nicht mit ins Bunkerzimmer passt."

    Wir nicken und bekommen dann auch schon ein paar Schuhkartons in die Hand gedrückt. Ich staple meine vor meinem Bauch, Eileen nimmt sie ihre unter die Arme. Mario trennt einen Schlüssel von seinem Bund und legt diesen auf meinen obersten Karton.

    Bezzy: "Bis dann .."

    81
    Getränke ( Tag 11 Samstag Abend )

    Als wir den Hauptweg entlang gehen, will ich Richtung Geisterhaus abbiegen.

    Eileen: "Wohin? Der Speicher ist wo anders."

    Ich: "Hä?"

    Eileen: "In der Schleuse."

    Ich: "Seit wann hat die einen Speicher."

    Eileen: "Seit wann hat das Geisterhaus einen?"

    Ich: "Das hat einen Speicher .. da ist doch die Bibliothek."

    Eileen: "Die ist auf dem Dachboden."

    Ich: "Speicher ist doch einen anderes Wort für Dachboden oder?"

    Eileen: "Keine Ahnung ist es?"

    Ich: "Ich meine schon."

    Sie knurrt und sagt dann sichtlich verärgert:

    "Hör auf sofort einzuknicken, wenn ich irgendwas anzweifle. Ist Speicher einen anderes Wort für Dachboden oder nicht?"

    Ich: "Ja ist es."

    Eileen: "Gut. Du weißt, ich weiß manche Sachen nicht wegen des Gedächtnisverlustes, da bist du keine Hilfe, wenn du so weg knickst."

    Wir stehen vor der Schleuse, welche sich auf Knopfdruck öffnet.

    "Das da."

    Sie deutet auf eine Türe gegenüber den Türen zum Arztzimmer.

    "Das da nennen wir Speicher, das fand wohl jemand cool von wegen Computer-Speicher. Da speichern einige böse Erinnerungen, bevor sie loslassen können. Und jetzt eben auch Annys und Bezzys Kram."

    Sie schließt die Türe auf, innen ist es dunkel und ich sehe nur ein paar Regale mit recht vielen Schuhkartons.

    Ich: "Was isn das alles?"

    Eileen: "Wie ich schon sagte, schlimme Erinnerungen."

    Ich: "Das sind aber fünf mal so viele Kartons wie Leute im Camp."

    Eileen: "Und? Viele lassen ihre Erinnerungen gerne hier, besonders die die nicht stark genug sind diese zu verbrennen?"

    Ich: "Verbrennen?"

    Eileen: "Jop, das ist der finale Schritt in der Vergangenheitsbewältigung. Du fackelst deine Vergangenheit einfach ab."

    Ich: "Hast du auch .."

    Ich stoppe den Satz, doch Eileen hat schon verstanden und artwortet:

    "Ich nicht aber 'Sie', einen bisschen Kram mit dem ich eingeliefert wurde oder den mir meine Eltern mitgebracht haben, der aber aussortiert wurde. Ich wüsste schon gerne was drin ist."

    Ich: "Warum guckst du nicht nach."

    Sie schließt die Türe zum Speicher, säufzt und sagt dann:

    "Weil die merken, wenn wie hier länger drin sind als nötig. So jetzt aber los .. die Party wartet."

    Ich zucke mit den Schultern und will ihr folgen, doch vor der Schleuse bleibst sie stehen und drückt einen Knopf, welcher die Schleuse jedoch nicht direkt öffnet, sondern eine Art Sprachanlage aktiviert. Aus einem Lautsprecher über dem Schleusentor ertönt blechern Peters Stimme.

    "Ah, ich sehe, dass seid nur ihr Beide .. Moment."

    Einen Moment drauf öffnet sich die Schleuse.

    Ich: "Haben die hier echt Kameras?"

    Eileen: "Ja zumindest hier, es kann ja nicht immer ein Arzt alle rein und rauslassen, wenn wir mal wieder geschlossen sind."

    Wir verlassen den Bunker und ich hänge mir die Eintrittskarte an dem Schlüsselband um den Hals.

    Eileen: "Alter .. trag das doch nicht so. Wie sieht das denn aus?"

    Sie befestigt ihrs an ihrer Hosenschlaufe und steck das Schlüsselband in ihre Tasche.

    Eileen: "So sieht das nach was aus."

    Es sieht wirklich viel professioneller aus und macht den den Eindruck einer Art Polizeimarke.

    Ich nicke, befestige meine Karte ebenfalls so und gehe stumm mit etwas Abstand neben ihr her, da sie den Weg zu kennen scheint. Wir machen uns auf den Weg nach unten. Es ist still nur hin und wieder hört man das ein oder andere dumpfe Rufen aus einem der anderen Camps. Die Bereiche, durch die wir gehen, sind entweder schon dunkel blau oder tief einfallendes oranges Licht blended uns.

    Eileen: "Was denkst du?"

    Ich: "Ähm .. ich denke wie wohl die Party wird."

    Eileen: "Nein über uns."

    Ich: "Uns."

    Eileen: "Ja uns .. schon vergessen."

    Ich: "Ja ähm ich .. ähm .. also darüber hab ich noch gar nicht nachgedacht, dass kam auch alles so plötzlich, ich meine .. ich kann das eigentlich gar nicht glauben."

    Sie verdreht die Augen und sagt künstlich gelangweilt:

    "Nu das Problem schon wieder .. was muss ich den tun, damit du mir glaubst."

    Ich: "Nein .. nein .. ich glaub dir ja."

    Was übrigens zumindest zum einem kleinen Teil gelogen ist.

    Ich: "Ich meine, ich kann nicht glauben dass ich einfach so jetzt ne .. ähm .."

    Ich sehe verlegen hoch zum Himmel.

    Eileen: "Freundin, das Wort heißt Freundin."

    Ich: "Ja .. Freundin habe."

    Eileen: "Warum glaubst du das nicht?"

    Sie muss eben, als ich nach oben gesehen habe, einen Stock aufgehoben haben, mit dem sie jetzt im Vorbeigehen im hohen Gras stochert, während sie leise sagt:

    "Meist du du bist zu hässlich für ne Freundin oder verdienst nicht eine zu haben?"

    Ich: "Doch aber .. ähm .. das ging ein wenig schnell .."

    Eileen: "Tija, hier drinnen vergeht die Zeit halt schneller .."

    Sie haut mit dem Stock ins Gras, wohl nach einer Käfer oder sowas. Als sie verfehlt, bleibt sie einen Moment lang stehen .. überlegt kurz und sagt dann lauter:

    ".. ach du hättest mich noch ne Weile aus der Ferne anschmachten wollen .. Stimmts?"

    Der letzte Wort klingt ziemlich herausfordernd.

    Ich: "Ähm .."

    Eileen: "Du hast doch Jahre lang diese komische Englisch-Tussy angeschmachtet oder? Tija, so funktioniert aber Liebe nun mal nicht .. man steht nicht rum und beobachtet nur, man trifft Maßnahmen."

    Ich: "Wenn du meist .."

    Eileen: "Sehr sogar .. durch dieses Anhimmeln macht man sich nur einen unrealistisches Idealbild, das dann im Weg rumsteht, wenn man sich dann wirklich näher kommt. Stell dir mal vor du hättest mich einen Monat oder so nur aus der Ferne angehimmelt .. nicht das ich was dagegen gehabt hätte .. aber wenn du dann wirklich mit mir zu tun gehabt hättest und dann erst gesehen hättest, wie ich wirklich drauf bin .. na das Trauma kannst du lange aufarbeiten."

    Sie schlägt mit dem Stock erneut ins Gras und hat dieses mal wohl auch etwas getroffen.

    Ich: "Ich meine eher, wir kennen uns doch kaum?"

    Sie zieht eine Augenbraue hoch und sagt:

    "Du kennst mich besser als fast jeder andere hier im Camp .. du kennst mich sogar besser als meine eigenen Eltern."

    Sie verschränkt die Arme, zu meiner Schreck immer noch mit dem Stock in einer Hand.

    Ich: "Schuldigung."

    Eileen: "Für was .. ich hab das doch erwähnt, nicht du."

    Zu meiner Erleichterung geht sie ruhig weiterund und sieht zu rüber.

    Eileen: "Übrigens haben wir zusammen gelernt, zusammen Doom gespielt und wir waren sogar mal einen halben Tag aneinander gefesselt."

    Ich muss grinsten:

    "Ja stimmt."

    Ich hole auf und wir gehen wieder eine Weile wortlos durch die Anlage.

    Ich: "Aber was ist mit mir? Kennst du mich genug?"

    Eileen: "Naja, ich kenn jetzt nicht deine ganze Lebensgeschichte .."

    Sie fasst sich in den Nacken während sie mit der anderen mit dem Stock durch das Gras fährt und ergänzt dann leicht verlegen:

    ".. aber ich meine es reicht, nur Not könnte ich ja was fragen. Aber ich weiß, dass du kein Hurensohn bist."

    Ich: "Und was ist, wenn ich was anderes schlimmes wäre, einen Perverser oder so."

    Eileen: "Nein, bist du nicht."

    Ich: "Und das kannst du so sicher sagen."

    Sie stupst mir den Ellenbogen in die Seite:

    "Hey, ich lag im Krankenzimmer gefesselt vor dir und du hast nichts gemacht .. schon vergessen?"

    Ich erinnere mich.

    Ich: "Ja genau, was sollte das eigentlich? Ich meine das war doch total gefährlich .."

    Eileen: "Kann ich dir erklären, könnte aber deine Fantasie zerstören."

    Ich: "Ich hab keine Fantasie .. also damit."

    Naja so ganz stimmt das nicht, aber zumindest keine Fantasie mit ihr.

    Sie bleibt vor einem Camptor stehen, klingelt und gähnt:

    "Meine Hände waren so über meinem Kopf gefesselt, das ein Finger die ganze Zeit auf det Schwesternklingel lag .."

    Als sich das Tor gerade öffnet, lehnt sie sich zu mir rüber und sagt leise:

    "Ich hätte aber nicht drauf gedrückt, fast egal was du gemacht hättest."

    Das Tor oder eher das Gatter öffnet sich und vor uns steht eine junge Frau mit blonden welligen Haaren:

    "Ja bitte?"

    Sie begrüßt uns in einem freudigen freundlichen Ton. Ohne etwas zu sagen, zieht Eileen ihre Karte mit dem Schlüsselband so durch ihre Hosenschlaufe, nach oben, dass die blonde Frau die Karte problemlos lesen kann.

    Ich versuche das gleiche, da ich aber meine Karte tiefer in meine Hosentasche gesteckt habe, geht das spontan nicht und ich muss sie losfummeln.

    Blonde Frau: "Ah, Camp 1 .. ihr wurdet angekündigt und ich soll irgendwo anrufen wenn ihr da seid. Wisst ihr warum?"

    Eileen: "Ja."

    Stille

    Blonde Frau: "Und?"

    Eileen: "Sollen wir für uns behalten."

    Blonde Frau: "Ok?"

    Sagt die Arme leicht verunsichert, fügt dann aber in dem freundlichen Ton an:

    "Wie auch immer, wir freun uns, dass ihr nun hier seit, wenn auch etwas spät. Könntet ihr wohl aus dem Schuppen da einen der gemischten Getränkekisten holen und zur Campmitte bringen?"

    Die junge blonde Frau zieht einen gigantischen Schlüsselbund aus ihrer Tasche, den Eileen ihr gleich am Stück abnimmt, auch wenn es eher so aussah, als würde sie uns einen der Schlüssel abmachen wollen.

    Doch die Frau protestiert nicht.

    Ich folge Eileen bis zum Schuppen, durch das mir unbekannte Camp. Es wirkt so ganz anders als unseres, die Kabinen sind alle in etwa in der gleichen Farbe, einem dunklen Tannengrün, genau sowie einige Schuppen und ein eigenes Waschhaus mit großen weißen Piktogrammen für Männer und Frauen an den Wänden. Der Weg ist anständig mit Pflastersteinen befestigt und einige runde Steinformationen sehen aus wie vorgesehene Feuerstellen. Über einigen hängen sogar Petroleumlampen, die ihren gelben Schein weit werfen.

    Wir gehen zu dem genannten Schuppen, wo wir erstmal einige verschiedene Schlüssel ausprobieren. Und nach dem Öffnen gucken uns nur ein paar verstaubte klappbare Tischtennisplatten an.

    Ich: "Falscher Schuppen .."

    Eileen: "Alter .. die sehen auch alle gleich aus .."

    Erst nach zwei anderen Schuppen, öffnet sich vor uns fast eine kleine Lagerhalle mit Bergen von Getränkekisten. Die meisten davon zwar mit Leergut aber einige sind noch mit vollen Flaschen gefüllt. Da es die angekündigte gemischte Kiste einfach mal nicht gibt, improvisieren wir einfach.

    Eileen: "Nicht so viel Cola .. die Kinds müssen auch noch schlafen."

    Als wir die Kiste fertig haben, fragt sie mich:

    "Was davon schmeckt eigentlich am besten, wenn man das mischt. Ich kenn die Helfe ja nicht mal pur."

    Ich: "Mischt? Also pur schmeckt das meiste am besten."

    Eileen: "Ok, sonst hätte ich ne Flasche verschwinden lassen für uns irgendwann mal."

    Ich: "Wie das denn?"

    Eileen: "Ja auf dem Weg fallen lassen und dann bei Geteiltheit kurz wiederkommen und über unseren Zaun ins Gras unten am Camp werfen."

    Ich: "las das besser .."

    Eileen: "Ok."

    Sie nimmt die Kiste ganz alleine und wir machen uns auf dem Weg durchs Camp.

    Ich: "Soll ich nicht .."

    Eileen: "Nein."

    Ich trotte hinter ihr her, das Camp ist im Gegensatz zu unserem, richtig groß und es geht auch richtig tief rein. Nach den ersten paar Hütten verstehe ich, warum zwischen den Hütten und dem Weg immer noch so viel Platz ist, vor einigen Hütten sind Zelte aufgeschlagen und aus einigen hört man sogar Stimmen und nach einer kurzen Weile kommen uns auch schon die ersten Jugendlichen entgegen, sie sind um einiges Jünger als wir, in etwa zwölf bis vierzehn.

    82
    Party Hard ( Tag 11 Samstag Abend )

    Nachdem das große Camp immer belebter zu werden scheint, als wir uns dem zentralen Platz nähern kommt auch gleich schon ein Mädchen in meinem Alter auf mich zu, hält mir ihre Karte entgegen, welche ich in der Schnelle gar nicht lesen kann uns sagt:

    "Ah Danke, der Kasten ist nur Ersatz, der muss deswegen nicht unbedingt kalt sein, ihr könnt den einfach mit auf die Empore nehmen. Das ist auch das, wo ihr helfen könnt, wir haben immer wieder Übermütige, die da hochklettern, wenn die Party voll los geht."

    Eileen: "Welche Empore?"

    Mädchen: "Na die Empore, seid ihr zum ersten mal hier?"

    Wir nicken.

    Mädchen: "Ah bei euch hat ja gerade erst die Saison gewechselt, mein Fehler. Die Empore ist das das Ding da oben."

    Sie deutet hinter uns. Dort befindet sich ein kleiner Abhang, quasi in den Abhang hinein ist ein Holzgebäude gebaut, dessen obere Etage eine Galerie mit einem Geländer besitzt, so dass man dort oben wieder auf Bodenniveau steht.

    Eileen: "Ach die Galerie?"

    Mädchen: "Oder so .. sagt mal, wer von euch ist jetzt die Assistenz?"

    Sie sieht Eileen an, die ja bis jetzt gesprochen hat und den Kasten trägt, dann meine Armbinde.

    Ich: "Quasi offiziell ich und inoffiziell sie."

    Eileen: "Wir beide. Warum?"

    Mädchen: "Ich muss wissen, wer von euch dann den freien Cocktail bekommt .. ähm .. Marie?"

    Ein anders Mädchen mit einem Klemmbrett unter dem Arm kommt zu uns und fragt:

    "Ja?"

    Mädchen: "Wenn das Camp zwei Assis hat, wer bekommt dann den Cocktail?"

    Anderes Mädchen: "Sind die so überlastet, dass die zwei Assistenzen haben?"

    Eileen: "Ist einiges los neuerdings. Wird sind ja auch nur hier, weil wir uns dringen entspannen müssen."

    Anderes Mädchen: "Ich würde sagen, beide bekommen einen halben."

    Eileen verdreht die Augen.

    Anderes Mädchen: "Tut uns leid aber die Zutaten sind abgezählt."

    Sie zieht eine Rolle Lose aus ihrer Tasche kritzelt etwas auf zwei Stück, reißt diese ab und gibt sie uns. Ich nehme beide Zettel, darauf steht gedruckt Freier Cocktail und quer mit Kugelschreiber dick 'Halber!' darüber gekrakelt.

    Anderes Mädchen: "Und ähm der Kasten ist Ersatz, der kommt oben auf die Tribüne."

    Das Mädchen mit dem Klemmbrett deutet ebenfalls auf das Holzgebäude mit der Geländern.

    Wir machen uns auf den Weg den kleinen Abhang hinauf, wo Eileen den Kasten auf die Holzdielen donnert und sich dann darauf setzt:

    "Geizhälse! Ich würde dafür ja gerne eine der Flaschen verschwinden lassen, um bei Gelegenheit was daraus zu mischen. Was meist du?"

    [x]Las das lieber

    [o]Gute Idee

    Ich: "Las das lieber."

    Eileen: "Wenn du meist .. los las mal sehen wo wir diese Cocktails herbekommen."

    Sie steht von dem Kasten auf, steckt sich und macht sich auf den Weg durchs Camp. Schon nach einer Weile finden wir unweit der Empore die Boxen für die Musik samt DJ-Pult. Wo ein sichtlich erwachsener DJ die Kabelverbindung an zwei aufgedrehte Jungen dirigiert. Ein paar Schritte weiter steht ein Bierzelt, unter welchem einige Kühlschränke und eine überraschend professionell wirkende Theke stehen.

    Vor Selbiger hat sich bereits eine Schlange gebildet, über dessen Köpfe wir jedoch ohne Probleme zur Bedienung sehen können. Eine Erwachsene in einem etwas zu schicken Abendkleid kassiert während zwei Jungs knapp unter meinem Alter Lemonen schneiden und Eis mit einem Hammer in einem Handtuch klein schlagen.

    Eileen: "Wohn kein Geld für einen Mixer gehabt."

    Ich: "Oder der Mixer ist ne zu große Verletzungsgefahr."

    Eileen: "Ach was, das hier sind normale Urlaubscamps."

    Ich: "Echt? Haben die nicht Schule?"

    Eileen: "Doch aber irgend einen Bundesland hat gerade Ferien."

    Junge: "Baden-Württemberg."

    Ich: "Danke."

    Eileen: "Egal, was nimmst du?"

    Sie nickt in Richtung einer großen Tafel mit großer Schwungvoller weißer Kreideschrift. Auf dem Menü stehen allerhand Namen, die ich nicht zuordnen kann und klein darunter die Früchte welche wohl Teil der Cocktails sind.

    Ich habe gerade mal die Hälfte gelesen, da sind wir auch schon dran, was mich wundert, da die Schlange doch schon recht lang war.

    Bardame: "Bitte."

    Eileen: "Ich brauch noch, du!"

    [o]Mango

    [o]Papaya

    [o]Avocado

    [o]Drachenfrucht

    [x]Banane

    Ich: "Ich? Ähm .. ähm .. Banane."

    Da ich keine Vorstellung davon habe, wie Mango, Papaya, Avocado oder Drachenfrucht als Cocktails schmecken könnten, gehe ich einfach auf Nummer Sicher und wähle Banane.

    Eileen: "Ananas."

    Bardame: "Dann einmal Madagaskar Beach mit Banane und Cocus und einmal Bolivianischer Frühling mit Ananas und Kiwi?"

    Eileen: "Ne er nimmt Ananas und ich brauch noch."

    Ich: "Warum nehme ich Ananas?"

    Frage ich verwundert, während die Frau hinter der Bar in ihrem Abendkleid unbeholfen lächelt.

    Eileen: "Erklär ich dir später .."

    Sagt sie flapsig, während sie immer noch das Schild studiert.

    Ich: "Aber Ananas ist immer so sauer."

    Eileen: "Dann nimm Ananas mit Banane, wenn es sein muss."

    Ich sehe fragend die Bardame an, diese nickt aber und seiht zu Eileen rüber, während einer der Jungen schon anfängt Getränke und Fruchtstücke zu mixen. welche ohne vom Schild aufzusehen fragt:

    "Was ist in 'Pe-ru-an-ischer-Pa-ra-dies-Vo-gel' drin?"

    Sie macht extra pausen zwischen den Silben als würde sie andeuten wollen, was für ein Quatsch die Namen sind.

    Bardame: "Gar nichts, wir schenken hier keinen Alkohol aus."

    Eileen verdreht die Augen und sagt dann:

    "Dann einen halben Banane Ananas und einen halben Avocado Minze."

    Bardame: "Wir verkaufen keine halben Cocktails."

    Eileen: "Wir wollen die ja auch nicht kaufen."

    Sie nimmt mir die Gutscheine aus der Hand und legt diese auf den Tisch. Ungläubig betrachtet, die Dame die Zettel mit den Aufschriften 'Halbe!', während zumindest schon mal ein voller Bananen Cocktail von einem der Jungen auf den Tresen gestellt wird.

    Die Bardame grinst:

    "Für einen kleinen Aufpreis können wir den anderen auch zu einem ganzen machen."

    Eileen: "Ne, reicht."

    Bardame: "Will der Herr die hübsche Frau nicht vielleicht einladen?"

    [o]Ja

    [x]Nein

    Ein leises grummeln aus meiner Näher verrät mir, dass das keine gute Idee ist.

    Ich: "Nö."

    Und damit drehen wir und um und gehen wieder in Richtung, Galerie.

    Da es schon um einiges dunkler geworden ist, nehmen wir dieses mal den Kopfsteinpflasterweg, da dieses Camp hier nicht so frei von Stöcken und Steinen ist wie unseres. Trotz der angekündigten Party ist es relativ still und man kann trotz Betrieb am Cocktailstand und dem kommandierenden DJ, die Grillen zirpen hören. Wir kommen an einigen keinen Hütten und anderen großen Gebäuden vorbei.

    Eileen: ".. hast übrigens genau richtig reagiert. Las dir wegen mir bloß nichts aufschwatzen .. wää?"

    Sie macht plötzlich einen Schritt zurück und kippt gegen mich, während vor uns eine Türe aufspringt, aus welcher mit beschwingtem Schritt ein Bär mit einem Ghettoblaster spaziert kommt.

    "Schoo-koooo-lade .. Schoo-koooo-lade .."

    Klingt es aus dem Ghettoblaster, während hinter dem Bären zwei junge Erwachsene gelaufen kommen, die übertrieben klatschen und laut rufen:

    "Los macht alle mit .."

    Schnell bildet sich um den Bären eine Traube Kinder welche dem Bären auf den Campplatz folgen.

    "Alter .. müssen die uns so erschrecken?"

    Sagt Eileen sichtlich erschrocken, während ich sie wieder auf die Beine schiebe. Sie kontrolliert ihr Glas, während sich das 'Schoo-koooo-lade .. Schoo-koooo-lade' weiter entfernt. Und der tanzende Bär mit dem gelben T-Shirt langsam in der Dunkelheit verschwindet.

    Eileen: "Hätte ich einen volles Glas gehabt, hätte ich das jetzt schön auf meinen Klamotten verteilt."

    Das immer leiser werdende 'Schoo-koooo-lade' wird plötzlich wieder laut, scheinbar übernehmen jetzt die Boxen die Arbeit des Ghettoblasters.

    83
    Vitamin C ( Tag 11 Samstag Abend )

    Da man, wegen der Steigung von unsere Seite nicht hoch auf die Empore kann, müssen wir um das turmartige Holzgebäude drum rum. Oben stehen schon zwei junge Mädchen, die ihre Gläser in die Höhe heben.

    Eileen: "Tut mir leid aber hier oben soll keiner stehen."

    Mädchen: "Was? Und wer sagt das?"

    Eileen: "Ich, halt mal kurz."

    Sie drückt mir ihren Drink in die Hand und geht auf die beiden Mädchen zu.

    Mädchen: "Und wer seid ihr, ich kenn euch gar nicht, aus welcher Camp kommt ihr denn?"

    Eileen: "Wir sind die, die so selten rausdürfen, wenn ihr versteht, was ich meine. Ich finde es auch echt schade, dass wir uns noch nicht kennen."

    Das andere Mädchen, zupft das eine Mädchen am Ärmel und flüstert:

    "Komm las gehen, dass sind welche aus 0."

    Eileen: "Nicht ganz 00. Das Camp auf der .."

    Die Mädchen verschwinden hinter dem Turm und dem Geräusch nach zu urteilen, springen sie kurz drauf den Abhang hinunter.

    Ich: "Haben die so ne Angst vor uns?"

    Ich halte ihr ihren Cocktail hin, doch sie bückt sich und krempelt ihre Hosenbeine hoch.

    Eileen: ".. es steht zwar nirgendwo aber irgendwie sickert in jeder Saison durch, dass das ganz letzte Camp mit dem grünen Sichtschutz ne Geschlossenen ist. Wir sind sozusagen der Stoff aus dem deren gruselige Lagerfeuergeschichten sind .. da zeigt man einmal nicht Flagge und die werden frech."

    Ich: "Flagge?"

    Sie richtet sich auf, nimmt sich ihren Drink und erklärt:

    "Haarige Beine sind sowas wie das Erkennungszeichen vom Camp 00. Die aus den anderen Camps wissen das meist und die Dorfbewohner sowieso, was denkst du, warum die im Schwimmbad immer Platz machen, wenn wir kommen?"

    Ich: "Soll ich auch?"

    Eileen: "Was, die Hose hoch krempeln? Als Junge, wie ungewöhnlich, sorry aber das ist ein weibliches Privileg. Du musst dir schon einen Krankenhausshirt besorgen und Hannibal Geräusche machen."

    Ich: "Wo bekommt man die Shirts denn?"

    Eileen: "Die bekommen Privatpatienten wenn die alle ihren anderen Shirts wegsauen. Mach regelmäßig mit mir Sport und du hast eines bis Montag."

    Sie sieht an ihrem Strohhalm.

    Ich: "Schmeckts?"

    Eileen: "Entweder Avocado schmeckt nach nichts oder Minze schmeckt zu stark."

    Ich: "Was musstest du dir denn auch für eine Kombination aussuchen?"

    Eileen: "Rache, damit deren Zutaten am Ende nicht mehr Stimmen."

    Ich: "Und warum sollte ich Ananas wählen?"

    Eileen: "Mal ne andere Sache, wir sind da vorhin wo stehen geblieben."

    Sie sieht sich um und ruft umgehen in die Finsternis:

    "Hey, weg da."

    Ein Rascheln verrät mir, dass sich mindestens zwei Jugendliche wieder aus der Nähe der Galerie verdrückt haben.

    Eileen: "So zurück zum Thema, warum kannst du das mit uns jetzt noch mal nicht glauben?"

    Sagt sie schon langsam in einem verärgerten Ton.

    Ich: "Das bist ja nicht nur du, ich kann das alles hier nicht richtig glauben. Ich meine, ich hab plötzlich Freunde, versteh mich mit allen gut. Keiner ärgert mich .. glaube ich zumindest. Und ich bin auf einer Party .."

    Eileen: "Gut das mit dem Bären kann ich bis jetzt noch nicht glauben aber warst du denn in deiner Schule so unbeliebt .. wie auch immer scheiß doch auf die."

    Sie trinkt eine Schluck und pult sich dann ein Minzblatt aus den Zähnen. Dann reißt sie die Augen auf und fragt mich:

    "Kann es sein, dass ich wem ähnlich bin, der dich geärgert hat?"

    Ich überlege und dann fällt mir wirklich ein recht aggressives Mädchen aus meiner Schule wieder ein. Ich will gerade den Mund öffnen .. da unterbricht sie mich:

    "Bingo, ich hab recht oder?"

    Sie zieht die rechte Oberlippe hoch und fletscht ihren Eckzahn.

    Ich: "Ja."

    Zu meiner Überraschung lässt sie die Bombe aber nicht platzen, sondern presst nur die Lippen auf einander und sieht mich mit einem katzenähnlichen Blick an.

    Eileen: "So, dich hat also mal einen Mädchen geärgert, dass auch direkt und .. aggressiv war? Und deswegen denkst du jetzt, dass ich dich auch ärgere? Also nur ärgere?"

    Ich: "Tust du das nicht?"

    Eileen: "Nicht nur .. ich provoziere dich halt immer mal wieder."

    Ich: "Warum?"

    Eileen: "Weil du so reaktionsarm bist .."

    Sie stützt sich auf das Geländer und erklärt in einem entschuldigenden Ton:

    ".. du machst so selten was, zeigst so wenig von dir .. also deiner Persönlichkeit, da muss man einfach mal rumstochern, dass da was rauskommt. Provokation ist ja nicht immer was böses, die Mädchen in der Umkleide wollten dir sicher auch nichts, die wollten scheinbar wirklich .. du weißt schon."

    Sie nimmt einen langen Zug aus ihrem Strohhalm, holt dann Luft und sagt dann leicht amüsiert:

    ".. du wirst dich übrigens noch dein Lebtag ärgern, dass du hier mit mir deine Zeit verschwendest und nicht da runter gehst und .. noch mal nach denen suchst oder nach nem Mädchen, dass du noch gar nicht kennst."

    Ich gucke runter ins Camp und sehe, wie Scheinwerfer vom DJ Pult aus, eine mehr oder weniger stark feiernde Menge beleuchten. Die Lieder scheinen jugendlicher zu werden und der Bär ist auch nirgend mehr zu sehen.

    Sie sieht mich an und wartet ab.

    [o]Runter gehen

    [x]Oben bleiben

    Stille.

    Eileen: "Na von mir aus, da du ja scheinbar eh nichts besseres zu tun hast. Gemein bin ich zu dir von Zeit zu Zeit aus dem Grund, den ich in dem Brief erklärt habe aber das legt sich gerade wieder. Ich werd' versuchen ab jetzt ne richtige Freundin zu sein .. wenn keiner in der Nähe ist."

    Sie sieht zu mir mit dem Strohhalm im Mund.

    Eileen: "Aber dafür will ich dann auch ne Gegenleistung."

    Ich: "Gegenleistung?"

    Ich sehe sie verwirrt an.

    Eileen: "Nen Spitzname zum Beispiel. Aber wenn es geht nicht sowas generischen wie Schatz, auf diesem Kitschkram reagiere ich nämlich allergisch. Ach und du musst auch nicht mehr so extrem vorsichtig sein .. also mit dem was du sagst, manchmal wirkt das so, als würdest du bei mir immer noch mal zweimal nachdenken was du sagt, während du bei anderen einfach redest."

    Ich: "Das ist weil ich dachte .."

    Eileen: "Weil du dachtest, dass ich dich aus dem Camp haben will?"

    Ich: "Ja oder das du dich nur über mich lustig machst .."

    Eileen: "Ganz ehrlich .."

    Sie stochert mit ihrem Strohhalm, in ihrem Gals nach einem Stück Avocado und erklärt dabei:

    ".. wenn ich dich aus dem Camp hätte haben wollen, dann hätte ich das schon längst geschafft und auch wenn ich dir eine Beziehung vorspielen wollte, dann hätte ich das in keinem Fall so stümperhaft gemacht wie jetzt. Oder meist du ich hätte große Schwierigkeiten damit dir die perfekte Freundin vorzu spielen?"

    Ich schüttele den Kopf und denke mir, dass sie das sicher beides im Handumdrehen hinbekommen hätte.

    Eileen: "Ich kanns dir ja gerne mal vorspielen, um dich los zu werden, hätte ich dir einfach nur einmal platt auf die Nase schlagen müssen, die wäre dann angebrochen und da du minderjährig bist müssen die deine Eltern informieren und die hätten dich rausgeholt, sicher."

    Ich: "Und du?"

    Eileen: "Das hätte ich natürlich kurz nach einer Medikamentenumstellung gemacht, also ich hätte denn einen Tag vorher gesagt, dass es mir schlecht geht und dass ich ne Nebenwirkung haben und dann hätte ich einen anderes .."

    Ich: "Ich glaub dir ja .."

    Eileen: "Gut, was das andere angeht, so hätte ich doch einfach nur ne Version einer Nachhilfefreundin spielen müssen, also eins zu eins nur ohne die Nachteile."

    Ich: "Und das wäre keinem Aufgefallen, wenn du dich verstellt hättest."

    Eileen: "Doch aber keiner hätte sich getraut dir das zu sagen."

    Sie dreht sich um und ruft:

    "Hey, runter da .. mein Revier."

    Eine Gestalt kommt unbeeindruckt aus der Dunkelheit auf uns zu, sie ist mittelgroß, hat lange Haare, trägt einen voluminösen Minirock und ein Kragenhemd.

    "Hätten wir sicher schon aber Eilee ist so genial, dass du uns nicht geglaubt hättest."

    Merle kommt aus dem Schatten auf uns zu, stellt sich neben mich und stellt ihr Glas auf das Geländer.

    Merle: "Ihr seid gar nicht da unten Party machen?"

    Eileen: "Wie lange steht du schon da?"

    Merle: "Nicht lang genug, um den Kontext zu erfassen. Warum gings .. Kissen-Ritual?"

    Eileen: "Jap, hab gerade am Beispiel Ich erklärt, wie so was hätte aussehen können."

    Merle: "Ja ja Eilees Schauspielkünste sind, je nach Medikation, beeindruckend. Nur leider ändert die sich öfter und meist verrät Albern-Eilee sofort immer alles, also einmal Notfalltabletten und das Kissen-Ritual platzt."

    Ich: "Kissen-Ritual"

    Eileen: "Boar, hab ich dir doch erklärt du Bastard, wenn so einen liebestoller Trottel zu uns kommt, macht ihm eine von uns die Verliebte vor. Wir haben eben viel Langeweile und unser verlangen nach Unterhaltung wird vom nem Spielfilm einmal die Woche nicht gedeckt. Zu-hö-ren."

    Sie schnipst mir in den Nacken aber streichelt mir mit ihren Fußrücken gleichzeitig das Bein. Das eine ist wohl für Merle das andere für mich. Wenn ich nur wüsste, was der Wahrheit entspricht.

    Eileen: "Mal was anderes, wer genau hat dich eigentlich in dem Outfit auf ne Party losgelassen wo vorwiegend kleine Jungs rumlaufen?"

    Merle: "Ist das ne ernst gemeinte Frage?"

    Ich: "Petra?"

    Merle: "Bingo. Ich soll hier hin, damit ich mal wieder unter Leute komme aber ich soll mich an euch halten."

    "Völlig bescheuert .."

    Katrin ist ohne Vorwarnung bei uns aufgetaucht und stellt sich neben Eileen. Auch sie hat ein Glas Orangensaft, stellt es aber nicht auf dem Geländer ab, sondern hält es fest in beiden Händen.

    Eileen: "Haben die euch auch hier her geschickt?"

    Katrin: "Ja, als 'Belohnung' weil wir beim 'Saubermachen' geholfen haben."

    Sie betont die beiden Worten sichtlich ironisch.

    Eileen: "Mit diesem einen 'Reinigungsgerät', welches aus einem Stückpapier ganz viele kleine Papierstreifen macht."

    Merle: "Unter anderem."

    Ich: "Und das hat bis jetzt gedauert?"

    Ich sehe nach oben, am Himmel kann man anscheinend schon lange die Sterne sehen.

    Katrin: "Nein, aber die haben uns erst vor einer Weile los geschickt."

    Merle: "Immer wenn die Veranstaltung Schmeißen und da kommen zu wenig Leute hin, füllen die mit uns auf. Die da sehen so aus, als hätten die einen ähnliches Schicksal."

    Sie deutet auf eine Gruppe, welche abseits der Party um eine Petroleumlampe herumsitzt.

    Katrin: "Ach was denn, dass ist doch die Party der Jahrhunderts! Party Hard!"

    Mit einer ausgelassenen Freudigkeit, die ich sonst gar nicht von ihr kenne, reißt Katrin ihr Glas Orangensaft in die Höhe und stoßt damit Eileen an, welche prompt etwas Saft ins Gesicht bekommt.

    Sie leckt sich die Lippen und sagt:

    "Und ihr habt euch für Orangensaft entschieden?"

    Merle: "Wir bekommen als nicht Assistenz ja keine Cocktails gesponsert."

    Katrin: "Die hatten aber nur Ja! Orangensaft und der schmeckt nach Fuß. Also haben wir bei einigen 12 Jährigen ganz lieb gefragt, ob wir was von deren Hohem C abbekommen."

    Merle: "Wenn ihr auch wollt .. wir finden die sicher, die hatten Massen davon, die geben euch sicher auch was."

    Eileen: "Nene, die Medikamente die ich gerade nehme, vertragen sich nicht so mit dem .. Vitamin C."

    Merle die ebenfalls viel fröhlicher und vor allem lockerer wirkst als sonst sagt:

    "Aber Vitamin C ist gesund und hilft einem sich gegenseitig besser kennen zu lernen und das ist ja unsere hoch offizielle Aufgabe hier."

    Ich: "Das ist für euch ne echte Therapieaufgabe?"

    Merle: "Für euch auch, sollen wir euch mitteilen. Wir sollen alle dann auch einen Bericht drüber schreiben."

    Eileen verdreht die Augen und sagt dann:

    "Da brauch ich aber kein Vitamin C für, das geht aus so."

    Sie stellt ihr Glas ab, dreht sich zu mir und fragt mich:

    "Willst du mich heiraten?"

    84
    Heiraten ( Tag 11 Samstag Abend )

    Entgeistert sehe ich Eileen an, welche mich ausdruckslos ansieht, weswegen es mir schwerfällt zu erkennen, ob sie das mit dem Heiraten erst meint. Ich bin mir unschlüssig was ich sagen soll, also antworte ich einfach spontan.

    [o]Nein

    [x]Ja

    Sie will gerade den Mund aufmachen, da werden wir von einer würgenden Geräusch gestört, gefolgt von einem plätschern und einem:

    "Kotz .."

    Ein Mädchen hängt rechts neben uns über dem Geländer und hat sich wohl gerade den Abhang hinunter erleichtert.

    Victoria: ".. da wird einem ja schlecht bei."

    Eileen: "Was denn, wir sollen uns doch besser kennen lernen .."

    Merle: "Da bist du ja endlich wieder .."

    Victoria: "Was?"

    Mit glasigen Augen sieht Victoria elend zu uns hoch, während Victoria versucht ihr auf die Beine zu helfen.

    Victoria: "Danke .."

    Merle: "Kannst du dich an dem Geländer festhalten?"

    Vorsichtig geht Merle einen Schritt weg und Victoria sinkt schon wieder das Geländer hinunter.

    Katrin: "Musstest du dich denn so abschießen?"

    Victoria: "Komisch .. früher .. früher hab ich viel mehr vertragen."

    Merle: "Da hast du auch noch einen paar Kilo mehr gewogen und regelmäßig getrunken."

    Victoria: "Kannst recht haben .. alles deren Schuld, wie soll man denn seine hart erkämpfen Fähigkeiten erhalten .. wenn man im Camp nicht saufen darf."

    Ich: "Wo hast du überhaupt Alkohol her?"

    Merle: "Die Frage ist viel eher, wie wir sie wieder nüchtern kriegen, bis wir wieder hoch müssen."

    Victoria: "Dir fällt immer was ein, deswegen bis du ja meine beste Freundin. Bestimmt geht mir mit nem Schluck Orangensaft gleich besser."

    Katrin: "Nene, du das is ne schlechte Idee."

    Merle: "Kaffee .!"

    Victoria: "Das ist eine gute Idee."

    Katrin: "Und woher? Hey .. du könnest auch mal helfen?"

    Ich: "Ich? Ähm .."

    Katrin: "Nicht du .. also du natürlich auch .. aber eigentlich meine ich dich .. Eileen!"

    Eileen: "Was ähm .. war gerade etwas abgelenkt was gibts?"

    Merle: "Das gibts?"

    Merle zieht den Kopf von Victoria nach oben, welche auf dem Geländer hängt.

    Eileen: "Was soll sein, bringts zum kotzen und dann füllts mit Wasser und was zu essen."

    Merle: "Hat doch schon gekotzt."

    Eileen beugt sich kurz über die Brüstung, beurteilt kurz die Pfütze unter uns und sagt dann schulterzuckend:

    "Das müsste ein Mageninhalt sein. Ich geh mal nach Keksen Fragen."

    Sie geht den Abhang hinunter und lässt und alleine.

    Ich: "Kann ich was tun?"

    Victoria: "Ja, wir brauchen mal deine Hilfe?"

    Ich knie mich zu ihr hinunter.

    Ich: "Was kann ich tun?"

    Merle: "Später .. du musst jetzt erstmal auf die Beine kommen."

    Merle zieht Victoria nach oben und läuft .. oder eher humpelt mit ihr eine Runde.

    Ich: "Seit wann genau sind die beide befreundet?"

    Katrin: "Seit in etwas zwei Stunden."

    Merle: "Immer .. wenn sie über ne halbe Promille kommt .."

    Sagt Merle im vorbeihumpeln, während sie immer wieder Luft holen muss.

    Katrin: "Die macht von Vitamin C - Geht?"

    Merle: "Ja, sie ist ja nicht besonders schwer .. könnte aber mal mehr mithelfen."

    Ich: "Soll ich helfen?"

    Merle: "Wenn das für sie ok geht .."

    Sie schüttelt Victoria kurz, damit sie reagiert.

    Victoria: "Wäh .. ähm .. hä?"

    Merle: "Ich deute das mal als ja."

    Ich komme zu den Beiden und greife mit meinem Arm unter den von Victoria. Sie ist wirklich ziemlich leicht. Ob wohl ich da bei Mädchen nur wenige Vergleichswerte habe. Ich stütze sie hoch und merke, dass sie sich ziemlich warm anführt, keine Wunder, sie hat ja außer einem schwarzen T-Shirt und einer kurzen Hose nichts an.

    Merle: "Warte .. So! .. so können wir sie leichter halten."

    Merle packt meine Hand hinter Victorias Rücken. Ihre Hand fühlt sich noch wärmer an.

    Merle: "Nein!"

    Sie bleibt plötzlich stehen.

    Ich: "Was?"

    Merle: "Jetzt lässt sie sich nur noch schleifen .. Hey .. du musst schon selber auftreten."

    Victoria: "Meh .. außerdem wollte ich ihm noch was sagen .."

    Sie dreht sich zu mir und ich rieche deutlich, dass sie was getrunken hat.

    Victoria: "Du .. wir brauchen ganz ganz doll deine Hilfe."

    Merle: "Nicht jetzt!"

    Se sieht in Richtung Katrin.

    Katrin: "Kann ich was tun?"

    Victoria: "Ja du kannst meine Füße nehmen, ich will schlafen."

    Als wir uns rumdrehen, um die Empore noch mal zu umrunden, steht Eileen vor uns und sagt:

    "Gar keine schlechte Idee, aber vorher gibt es was leckres."

    Sie stopft Victoria einen Butterkeks in den Mund, welche wohl protestieren will aber nicht kann, da Eileen sofort nachstopft.

    Eileen: "Die Frage ist nur, mit was spülen wir nach. In dem Kasten da ist ja eins ungeeigneter als das andere. Alles flüssiger Zucker oder flüssiger Zucker mit Koffein."

    Ich: "Unsere Cocktails?"

    Eileen: "Gut, aber dafür schundest du mir was."

    Sagt sie zu Victoria und schüttet ihr ihren Minze Avocado Cocktail in den Mund, jedoch hält sie einen Strohhalm davor, damit sie sich nicht an den Blättern und Stücken verschluckt.

    Eileen: "Hier frische Minze und Nachtisch."

    Sie stopft ihr noch zwei Butterkekse in den Mund.

    Victoria: "Victoria ist müde, Victoria muss schlafen."

    Merle und ich setzten sie ab, dabei bohrt sich einer ihrer Rippen in meine Seite. Alter, ist das arme Mädchen knochig.

    Katrin: "Nicht komplett hinlegen, lehnt sie besser an die Türe. Und es reicht jetzt auch mit Butter Keksen .."

    Sie dreht sich zu Eileen um, welche mit den Schultern zuckt und sagt:

    "Mehr für mich."

    Katrin: "Wo hast du die überhaupt so schnell herbekommen?"

    Eileen: "Ich hab einfach genau das Gegenteil von euch gemacht .. sobald ich die Hosenbeine runtergekrempelt hatte, ging das eigentlich ganz einfach .."

    Sie sieht auf Merles kurzen Rock mit den hohen schwarzen Socken aber bevor diese protestieren kann, sagt Eileen auch schon:

    "Ich geh die dann mal wieder weg bringen."

    Im weggehen stopft sie sich noch einen Keks in den Mund und schmatzt dabei laut.

    Katrin: "Boar, die kann man echt im Dunkeln orten solange sie isst."

    Ich: "Hm?"

    Hinter mir diskutieren Merle und Victoria leise, ob sie jetzt schlafen soll oder nicht.

    Katrin: "Ist dir das noch nie aufgefallen, wie laut sie beim Essen schmatzt?"

    Ich: "Ne."

    Katrin: "Deswegen will ich auch immer, dass du zwischen uns sitzt obwohl das eigentlich ja voll egoistisch ist von mir."

    Ich: "Warum? Ich sitz gerne .. zwischen euch."

    Ich hätte fast '.. neben dir' gesagt aber ich weiß nicht, wie gut das bei ihr angekommen wäre.

    Katrin: "Na weil du dann die ganz Zeit nebem ihr sitzen musst."

    Ich: "Ach das Schmatzen ist mir bis jetzt gar nicht aufgefallen."

    Katrin: "Es ist ja nicht nur das .. hast du noch nicht gemerkt, wie furchtbar sie ist und dann eben das mit dem heiraten, ich hätt fast mitgekotzt. Und sie findet sowas auch noch lustig nach dem .."

    Sie seufzt.

    Ich: "Nachdem was?"

    Katrin: "Sie hat mal einem Jungen die übelste Liebe vorgespielt und dem Armen ist das so schlecht bekommen .."

    Merle: "Mach dir mal keine Sorgen, Danny ist zu schlau um auf sowas reinzufallen. Du musst wissen, dass war so plump .. das hätte jeder gemerkt."

    Katrin: "Nicht jeder .. sonst hätten wir das Theater damals ja nicht gehabt."

    Entgegnet Katrin leicht gekränkt.

    Merle: "Du hast aber wirklich mit jedem Mitleid."

    Ich: "Was ist passiert?"

    Katrin: "Eileen hat .."

    Merle: "Eilee hat einem Jungen Liebe vorgespielt aber auf die schlechteste Art, die du dir vorstellen kannst und er ist drauf reingefallen. Das war witzig"

    Katrin: "Das war gar nicht witzig. Er hat das Camp frühzeitig verlassen, obwohl er eindeutig noch Hilfe gebraucht hätte."

    Ich: "Was wie, was war jetzt genau?"

    Katrin: "Werde ich dir einen andermal erzählen, weil sie gerade sicher irgendwo steht und lauscht. Oder kommt euch das nicht komisch vor, dass sie so schnell Kekse auftreiben kann aber so lange braucht, um diese wieder weg zu bringen?"

    Eileen: "Hab ich was verpasst, worum gehts."

    Katrin: "Ach was ein Zufall."

    Eileen: "Ja hab ein wenig getrödelt und noch wen getroffen."

    Katrin: "Und wen, wenn man fragen darf."

    Eileen: "Zwei aus Camp 0, mit denen wir Englisch zusammen haben. Er weiß wen ich meine."

    Sie nickt zu mir rüber.

    Katrin: "Und über was redest du mit Aquarien zu lange? Unregelmäßige Verben?"

    Eileen: "Nein über einen unregelmäßigen Zwischenfall im großen Badehaus."

    Sie stellt sich neben mich und stochert mit einem Strohhalm in ihrem leeren Cocktail.

    Eileen: "Also ich hab mit den beiden Mädchen gesprochen und das ganze ist auch recht einfach erklärt, die beiden wollten, wie ich mir das bereits gedacht hatte, nichts böses. Die haben einfach nur Bezy falsch verstanden, die hatte ja in Englisch sowas gesagt wie .. der ist cool?"

    Ich: "Ich meine es war: 'Der ist ganz in Ordnung'. "

    Katrin sieht uns beide verwirrt an. Merle scheint zwar auch nicht zu verstehen, warum es geht aber sie scheint es deutlich weniger zu interessieren.

    Eileen: "Und das haben die beiden für so ne Art Geheimcode .. oder Wink mit dem Zaunpfahl gehalten. Du weißt wie Bezy drauf ist, die wissen wie Bezy drauf ist und wenn Bezy sagt dass einen Junge 'ganz in Ordnung' ist, dann kommet bei denen eben sowas an wie .."

    Eileen beißt ein Stück von einem Minzblatt ab, welches sie mit ihren Strohhalm aufgespießt hat und ergänzt:

    ".. kannst das dir sicher denken."

    Ich: "Achso .. ja das kann ich mir denken."

    Katrin knurrt und sieht uns abwechselnd an.

    Erst nach eine Weile fragt sie leise:

    "Ok, was ist passiert."

    Eileen: "Sorry hab den Betroffenen versprochen, da nichts drüber zu erzählen .."

    Ich will gerade den Mund aufmachen, da ergänzt Eileen:

    "Du übrigens auch, schon vergessen."

    [o]Katrin trotzdem die Sache in dem Kneippkur erzählen

    [x]Mich an mein Versprechen halten.

    Ich bin mir zwar nicht hundert Prozent sicher, dass ich so ein Verbrechen gegeben habe aber ich sollte es im Zweifel besser halten.

    Ich nicke.

    Katrin bläst die Backen auf, dreht sich rum und setzt sich neben Victoria an die Hauswand. Deren Kopf sofort auf Katrins Schulter fällt. Was Katrin zwar sichtlich nicht gefällt, die aber nichts macht außer weiter wütend die Backen aufgeblasen zu halten.

    85
    Schleichen ( Tag 11 Samstag Abend )

    Stille. Eine ganz Weile tut sich nichts, außer das Victoria hin und wieder leise schnarcht und das sich Merle nun auch auf das Geländer absinken lässt und so vor sich hin zu döst.

    Der Himmel ist schon deutlich schwarz, als die Musik leiser und ruhiger wird. Das bunte Licht vom DJ-Pult scheint sich in einzelne Lagerfeuer aufzuteilen und dann in die Hütten zu wandern aus denen dann nur noch schwaches oranges Licht scheint.

    Nach einer Weile kommt eine junge Frau zu uns hoch, es ist mittlerweile so Dunkel, dass ich nicht erkennen kann, ob es die Bardame oder die die uns begrüßt hat.

    Junge Frau: "Geht es eurer Freundin wieder besser? Ist ihr immer noch schlecht?"

    Victoria: "Wäh?"

    Merle rappelt sich auf und hilft dann Victoria auf die Beine aber diese kann schon fast wieder alleine stehen.

    Victoria: "Geht schon .. geht schon .."

    Merle: "Sei vernünftig .."

    Junge Frau: "Ah ihr drei gehört zusammen?"

    Eileen: "Wir fünf."

    Junge Frau: "Ach? Warum steht dann bei euch Camp 8 und bei euch Camp 5?"

    Eileen: "Ich mein wir kennen uns."

    Junge Frau: "Achso .. ja dann geht ihr drei nach Hause. Ihr wart die beiden Assis? Euch brauch ich gleich noch, wartet bitte einen Moment noch."

    Katrin guckt auf ihre Karte:

    "Wenn die uns schon unter falschen Nummer hier hinschicken, dann wenigstens alle unter der gleichen. Geht das?"

    Sie sieht sich um aber Victoria, kann ohne hin fast alleine laufen.

    Die drei verlassen die Galerie und ich trinke müde den letzten Rest meines Cocktails aus. Ich spieße zwar noch ein paar Stücke Banane auf aber bei den Ananas Stücken lasse ich es besser, das komische Gefühl auf den Zähnen würde nur beim einschlafen stören.

    Erschöpft lasse ich mich jetzt auf auf das Geländer sinken.

    Eileen: "Brauchst du den noch?"

    Sie greift nach einem Strohhalm.

    Ich: "Was willst du damit?"

    Eileen: "Ich bekomm die Avocado Stück mit einem nicht gepackt."

    Ich: "Ehm .. ich hab daraus getrunken."

    Eileen: "Und welche Krankheit hast du, dass mich das stört."

    Ich: "Gelegentlich mal Avten."

    Eileen: "Ich auch, also wen juckst."

    Sie schnappt sich meinen Strohhalm und isst genüsslich ihre Avocado Stücke, wie mit Essstäbchen.

    Eileen: "Alt .. ähm .. Avocado schmeckt ja nach nichts."

    Sie verkneift sich das Alter.

    Eileen: "Keine Antwort? Schon so müde?"

    Ich: "Es ist schon übelst spät, guck mal es sind schon Sterne am Himmel."

    Ich sehe nach oben. Der Himmel ist grau in grau, kein einziger Stern ist am Himmel.

    Ich: "Och .. doch nicht, keine Sterne am Himmel."

    Junge Frau: "Ah ihr seit noch da, super, ich hatte kurz Angst ihr währet schon weg gelaufen. Könnt ihr den Kasten zurück in den Schuppen stellen?"

    Sie gibt uns wieder den schweren Schlüsselbund und erklärt dann:

    "Den Schlüsselbund könnt ihr einfach bei euch im Camp abgeben, die wissen da schon wohin damit. Also sucht mich nicht. Bis dann und Danke für die Hilfe."

    Eileen, nimmt den Schlüsselbund mit der einen Hand und den kompletten Getränkekasten mit der anderen und geht dann den Abhang hinunter ich folge ihr. Etwas sehr viel Kraft für ein Sternchen, denke ich mir und versuche mir ein grinsen zu verkneifen.

    Ich folge ihr bis zum Schuppen, wo wir die Kiste einfach unsortiert stehen lassen und verlassen anschließend leise das Camp. Links und rechts liegen immer wieder Jugendliche, welche scheinbar an Ort und Stelle eingeschlafen sind.

    Umsichtig hat wohl jemand die meisten nachträglich mit Decken zugedeckt. Und ganz hinten meine ich aus dem Augenwinkel zu erkennen, wie ein Schatten weitere Partyleichen zudeckt.

    Wir verlassen das Camp durch das kleine Tor. Erst jetzt sehe ich den großen Kontrast zu unserem Camp, wo uns eine riesige Schleuse schützt, ist es hier nur ein einfaches hohes Holztor und ein Maschendrahzaun.

    Wir biegen den Weg hoch ab in Richtung unseres Camps, als sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnen sehe ich, dass der Himmel doch noch etwas bläuliches hat und sogar die Westseite noch dunkelrot leuchtet. Wir gehen leise an den hohen Gräser vorbei und machen dann aber einen Schlenker ..

    Ich: "Ähm .. wohin .."

    Eileen: "Resort?"

    Ich: "Resort? Warum."

    Eileen: "Darum."

    Sie hält den großen Schlüsselbund hoch, während wir auf einen Waschbetonplattenweg Richtung der großen Anlage einbiegen.

    Ich: "Nein, ich meine warum willst du jetzt unbedingt da-rein."

    Eileen: "Weil ich da-drin unbedingt was nachgucken will."

    Ich: "Was gibt es denn da nachzugucken?"

    Eileen: "Einfach den allgemeinen Zustand."

    Wir überqueren einen Hof, auf dem Stühle, Bänke und Sonnenschirme stehen. Der Platz liegt so, dass die Möbel lange Schatten in rotem Licht werfen. Vor einer großen Glastüre angekommen, fängt Eileen an, einige der Schlüssel auszuprobieren.

    Erstaunlich schnell passt einer und sie schiebt vorsichtig die Türe auf. Innen ist es still und dunkel, es ist wohl tagsüber ein kleines Kaffee doch die Theken und Auslagen sind leer. Sie sieht sich einen Ständer an, auf welchem sonst wohl Zeitschriften ausgestellt sind.

    Eileen: "Mist hier gibt nichts, los komm weiter."

    Sie winkt mich hinter sich her und wir gehen einen dunklen Gang entlang, rechts und links scheint es Zimmer zu geben. Nach einer Weile biegen wir ab und kommen in eine große Vorhalle. Die großen Streben der Dachfenster werfen lange scharfe schwarze Schatten gegen das schwache dunkelblaue Licht des Himmels. Wenn mich nicht alles täuscht dann müsste man in die große Turnhalle kommen, wenn man jetzt nach rechts weiter geht, doch sie biegt nach links ab, und geht eine Treppe hoch.

    Ich weiß zwar nicht, wo es hingeht aber dem leichten Chlorgeruch nach, muss hier irgendwo ein Schwimmbad sein. Ich denke kurz an, das Kneipbad aber das wäre eine ganz andere Richtung und auch nicht der gleiche Baustiel.

    Auf der zweiten Etage passieren wir so eine Art Wartezimmer, welches ebenfalls komplett leer wirkt. Einen langen Gang weiter, kommen wir zu einer Art Tunnelbrücke. Wie die, welche zu Deutsch führt. Im Gegensatz zu den anderen Gängen ist sie, dank der Fenster auf beiden Seiten, recht hell erleuchtet.

    Rot oranges Licht fällt in den langen Gang, draußen kann man den roten Himmel sehen. Wir schleichen nah aneinander den Gang entlang, da man uns sonst von außen sicher sehen könnte. Wahrscheinlich um den Tunnel nicht allzu tot wirken zu lassen, stehen immer wieder Pflanzen und sogar ganze Tischchen im Gang, denen wir ausweichen müssen. Plötzlich berührt ihre Hand meine und ich ergreife sie.

    Eileen: "Hey!"

    Flüstert sie:

    "Nicht jetzt."

    Ich: "Sorry."

    Eileen: "Oder hast du Angst? Wäre ja ok."

    Ich: "Nein, sorry Reflex."

    Ich sehe sie an, sie nickt, während ihr Gesicht leicht rot ist, was aber auch vom Abendlicht kommen könnte.

    Am Ende des Ganges stecke ich erstmal meinen Rücken durch, werde von ihr aber sofort wieder nach unten gezogen. Vor uns liegt ein Geländer, auf dem Boden robben wir uns zu dessen Rand und sehen durch die Streben nach unten in ein stilles Schwimmbad mit Wellnessbereich. Weiße Liegen stehen unangenehm anzusehen schief zum runden Beckenrand und überall liegen ebenfalls weiße Handtücher und Bademäntel herum.

    Eileen: "Na da hat aber jemand so gar nicht aufgeräumt."

    Ich: "Hey, das ist auf dem Prospekt, den wir bekommen haben."

    Eileen: "Du hast einen Prospekt bekommen."

    Ich: "Ja, als ich mit meiner Familie hier angekommen bin, das war da drauf."

    Sie nickt und robbt dann vom Geländer weg. Wir umgehen das Geländer sorgfältig und biegen dann in ein Treppenhaus ein, auf jeder Etage sieht sie kurz nach links und rechts bis wir im Erdgeschoss angekommen. Dort biegen wir um ein paar Ecken und gehen dann einen Gang entlang, durch die Glastüre am anderen Ende des Ganges scheint das erste mal helles Licht.

    Plötzlich packt sie mich am Nacken und zieht mich hinter eine Ecke. Ein Schatten huscht über den langen Flur, geworfen von etwas hinter der Glastüre.

    Eileen: "Ok, das war zu erwarte. Sorry .."

    Sie lässt meinen Nacken los, macht eine Handbewegung, dass ich ihr folgen soll.

    Wir gehen zurück zum Treppenhaus, wo sie einfach eine Feuertüre nach draußen aufschließt und dann die metallene Feuertreppe herunter geht, die letzten drei Stufen überspringt und auf einem staubigen Weg landen. Ich folge ihr und als ich gerade fragen will, was das alles soll, stehen wir schon auf dem Weg, der zu unserem Camp führt.

    Ich: "Was sollte das?"

    Eileen: "Kleine Abkürzung."

    Wir stehen vor der Schleuse unseres Camps, welche sich prompt öffnet.

    Mario: "Nah ihr beiden, wo wart ihr so lange."

    Eileen: "Komplizierte Geschichte, die Dame von der Party hat uns diesen Schlüssel hier gegeben und den sollten wir in unserem Camp abgeben aber auf unseren Karten steht ja Camp 8 und deswegen sind wir erstmal zu Camp 8, die wollten aber den Schlüssel nicht haben und deswegen habe ich gedacht, dass die Dame sich vertan hat, weil bei Katrin, Merle und Victoria steht ja Camp 9 und deswegen sind wir noch einmal zu Camp 9 aber die haben nicht mehr aufgemacht, also hab ich gedacht das wäre das beste, wenn ich die Türe von Camp 9 einfach aufschließe, den Schlüssel nach innen stecke und die Türe zu ziehe und naja .. da sind echt viele Schlüssel an dem .."

    Mario: "Die Leiterin vom Camp weiß wer ihr seid und der Schlüssel kommt zu uns."

    Eileen: "Ein Glück, dass der bei Camp 9 nicht gepasst hat."

    86
    Sterne ( Tag 11 Samstag Nacht )

    Mario sieht nicht so aus, als würde er Eileen irgendwas davon glauben aber sagt dann jetztendlich:

    "Ok, mir wurde gesagt ihr hat euch gut benommen und sogar geholfen."

    Er fügt leise an:

    "Was man ja von den anderen nicht behaupten kann."

    Lauter ergänzt er, etwas gekünstelt fröhlich:

    "Wie auch immer .. ihr habt euch benommen, ihr dürft länger aufbleiben."

    Ich: "Noch länger?"

    Frage ich müde.

    Mario: "Zwingt euch aber keiner zu."

    Ich werde in die Seite gestupst.

    Eileen: "Och komm, noch kurz auf dem Gelände Luft holen vom Kisten schleppen, die stickige Bu .. ähm .. Hauptgebäude Luft kannst du noch früh genug einatmen."

    Mario: "Gut, dann viel Spaß und macht rechtzeitig Schluss."

    Sie nickt und greift im Rausgehen noch eine Wasserflasche aus einem Kasten, neben der Schleusentüre. Ich zucke mit den Schulter und folge ihr auf das dunkle Campgelände. Einmal draußen angekommen, gewöhnen sich meine Augen recht schnell an die Dunkelheit und so finster ist es gar nicht.

    Trotzdem scheinen wir die Einzigen zu sein, die noch draußen sind und auch die Einzigen die noch Wach sind ..

    Eileen: "Was denkst du?"

    Ich: "Ich? Ähm .. also ich frage mich ob wir die Einzigen sind, die noch wach sind."

    Eileen: "Ne, die Hütten sind nur deswegen dunkel, weil alle in den Bunker ziehen mussten."

    Ich: "Stimmt ja .."

    Ich folge ihr über den Campplatz zwischen den Tischen hindurch bis ganz an den Rand, an der letzten Bank angekommen sagt sie:

    "Komm setzt dich."

    Ich setzt mich mit etwas Abstand neben sie.

    Die stützt die Hand auf ihrem Kinn ab und sagt dann:

    "Für den Sonnenuntergang sind wir leider zu spät .. hm."

    Ich: "Ach was, hier geht jeden Tag die Sonne unter. Gucken wir den eben Morgen."

    Eileen: "Da sind wir aber nicht ungestört."

    Ich sehe sie an und realisiere, dass wir wirklich hier ganz alleine sind, ich schlucke und da leichte Aufregung in mir hochkommt, versuche ich den romantischen Gedanken direkt wieder zu vertreiben. Das ist zwar theoretisch meine Freundin, aber auch immer noch Eileen.

    Sie legt ihren Kopf in den Nacken und macht ihr Haarband auf:

    ".. aber Sterne sind da, sogar ganz ganz viele."

    Ich: "Das sind ganz schön viele .. ganz viele keine Sternchen."

    Durch den fast wolkenlosen Himmel kann man echt extrem viele Sterne sehen.

    Eileen: "Den mag ich, den will ich haben .."

    Ich: "Welchen?"

    Frage ich, da sie auf keinen der Sterne deutet.

    Eileen: "Sternchen .. den Spitznamen .. der ist zwar nicht der kreativste aber wenigstens einer den nicht Jede zweite hat. Ok?"

    Ich: "Ok .. Sternchen."

    Ich versuche gleichzeitig nicht zu grinsen, da das Konzept Spitzname bei ihr schon ziemlich absurd wirkt und zum anderen dieses Kribbeln zu unterdrücken. Auch wenn sie ziemlich direkt und teilweise brutal ist, eine ungeheure Kraft hat und grenzwertig widerliches Zeug macht .. sie ist immer noch ein Mädchen.

    Eileen: "Danke .."

    Stille.

    Nach einiger Zeit sagt sie:

    "Ich hab übrigens noch was wichtiges vergessen .. das klingt jetzt vielleicht blöd aber du musst mir versprechen, sie in Ruhe zu lassen. Wenn es dazu kommt .."

    Ich: "Wen meist du?"

    Eileen: "Ja 'Sie' also Ich mit meiner .. richtigen Persönlichkeit. Ich kann ja jeden Morgen aufwachen und bin dann wieder 'Sie', also vor dem Gedächtnisverlust. Wenn also irgendwann jemand vor dir steht, der aussieht wie ich, dich aber nicht kennt .."

    Sie seufzt:

    ".. las sie bitte in Ruhe. Du musst ja nicht weglaufen oder so .. guten Tag sagen kannst du ja schon aber nerv sie bitte nicht."

    [x]Einverstanden

    [o]Ich werde im Dich kämpfen.

    Ich nicke:

    "Einverstanden."

    Eileen: "Gut, hab mit ihr so ne Art Abmachung in Abwesenheit, dass ich ihr nichts hinterlasse, was schlecht für sie ist. Und ihr Freund hat mir in der ersten Zeit ziemlich mit Briefen bombardiert."

    Ich: "Hat der nicht ne Neue?"

    Eileen: "Rückratloser Penner .!"

    Sie bäumt sich kurz auf, lässt sich dann wieder in die Bank sinken.

    Eileen: "Oh .. schuldigung, ich wollte ja nicht mehr so reden."

    Sie dreht sich verschämt etwas weg und sagt dann:

    "Ja das war schon eine komische Situation, ich sehe ihn das erste Mal, weiß gar nicht, dass er das ist und dann macht er Schluss mit mir .. obwohl mit mir geht ja gar nicht, mit 'Ihr' eher."

    Eine Weile sagen wir gar nichts und gucken wirklich nur in die Sterne.

    Eileen: "Du?"

    Ich: "Hm?"

    Eileen: "Darf ich deinen Arm haben?"

    Ich: "Sicher."

    Sage ich müde und Gedankenverloren, bis ich merke dass sie sich wirklich meinen Arm nimmt, näher rutscht und diesen um ihre Schultern legt. Sie fühlt sich leicht kälter an als ich, aber da es trotz der Nacht noch immer recht warm ist, auch ganz angenehm. Sie scheint nur leicht zu zittern.

    Ich: "Ist dir kalt?"

    Eileen: "Ne .. ähm .. ne .. eher warm."

    Sie hustet kurz.

    Ich: "Ich hoffe es wird gleich kühler."

    Und wirklich nach einer Weile fängt ein leichter Wind an zu wehen. Er bläst frische Luft in mein Gesicht und bringt die Blätter der Bäume zum Rauschen. Auf einmal greift sie vorsichtig meine Hand. Ihre fühlt sich kalt und schwitzig an, sie rutscht einmal kurz ab, greift dann aber bester zu.

    Ich versuche bloß nicht dran zu denken, dass ich gerade praktisch mit meiner Freundin kuschle und Händchen halte. Am besten lenke ich mich mit der verzweifelten Suche nach Sternbildern ab.

    Eileen: "Was denkst du?"

    Ich: "Ich denke, das da könnte gut Orion sein."

    Eileen: "Hm?"

    Ich: "Na die drei Sterne da .. in einer Reihe."

    Sie hickst kurz, als hätte sie Schluckauf aber es kommt nur einer.

    Ich: "Alle ok .."

    Eileen: "Ja ja .. alles in Ordnung."

    Stille, nicht passiert außer das der Wind weht und es endlich etwas kühler wird. Erst nach einer ganzes Weile sagt sie:

    "Und bei dir? Bist du glücklich."

    Ich: "Ja schon .. irgendwie .. ist halt noch voll ungewohnt."

    Eileen: "Geht mir ähnlich .."

    Sie hustet, hickst und schluckt dann wieder .. ihre Hand rutscht von meiner ab, sie greift sie aber