x
Springe zu den Kommentaren

Mysterium

    1
    „Du tust so, als hätte ich eine Wahl." Die Person sah seinen Gegenüber mit funkelnden Augen an. Diese schmunzelte nur und erwiderte ruhig: „Jeder hat eine Wahl. Es ist eine Frage des Mutes und der Moral, welche Wahl man trifft."
    „Ihr solltet euch hören", sagte eine herrische Stimme aus dem Nichts, „Wie ihr über Moral und Mut sprecht." Ein bitterer Unterton. „Dabei besitzt ihr sie beide nicht. Noch nicht." Der bittere Unterton klärte sich auf und es wurde still. Drei Personen standen in einem Dreieck zusammen und betrachteten, wie gerade die Sonne aufging.
    Nach einer Weile begann die Person zu sprechen, die als letztes gesprochen hatte. „Bald ist es soweit und ihr dürft leben." Sie wandte sich zuerst zu einer Person. „Mögest du lernen, mutig sein und mit einem Feuer im Inneren für das Recht kämpfen, für welches auch immer du es befindest." Mit den Worten drehte sich die Person zu der anderen Person, welche als aller erste gesprochen hatte. „Und du“, der Sprecher legte eine kurze bedachte Pause ein, „Mögest du, einen Wandel zur Klarheit erfahren, entscheiden, was du tun willst und retten, was du zu retten beliebst." Diesmal schwiegen alle und niemand sagte etwas, nachdem die Worte verklungen waren.
    Ein klirren Durchschnitt die Stille und es wurde strahlend hell. Nur tausende Flüsterstimmen erfüllten den Raum und immer wieder sagten sie: „Geht leben, geht leben, geht Leben, ..."


    2
    Thor

    Der eine Junge drehte sich suchend um. Wo war bloß sein Bruder?
    Schnellen Schrittes bewegte er sich Richtung Untergeschoss. Dort befand sich meistens sein Bruder.
    Und heute hatte er so einen seltsamen Traum gehabt...
    Thor schüttelte wieder den Kopf und beeilte sich und da kam er nach einiger Zeit an seinem Ziel an und schaute sich um. Kein Loki, doch stattdessen...Ja, stattdessen sah er eine kleine, grünliche Schlange.
    Schlange? Thor’s Kopf Schoß hoch. Er liebte Schlangen!
    Der kleine Bursche ging ganz langsam, aber auch sehr aufgeregt auf das Wesen zu und fixierte es mit seinen durchdringenden Augen. Fasziniert setzte er sich langsam zu der Schlange, die erstaunlich ruhig und gelassen blieb und sich dazu nicht vom Fleck rührte. Gerade, als er sie berühren wollte, ertönte eine schneidende Stimme: „Thor! Loki! Wo seid ihr?" Thor wandte seinen Kopf weg von der Schlange. Er sah, wie seine Mutter, Frigga und Königin von Asgard geradewegs in seinen Gang abbog. „Hier Mutter." Thor zuckte zusammen, als er die ruhige und gelassene Stimme seines Bruders, neben sich vernahm. Wo kam er auf einmal her? Verwirrt sah der Kleine wieder zu der Stelle, wo erstmals, die Schlange lag und jetzt sein Bruder stand.
    „Ah, wunderbar", hörte Thor seine Mutter dies sagen und konnte aus der Stimme Erleichterung hören.

    3
    Loki

    Loki blickte seinen Bruder nicht an. Sein versteinerter Blick lag geduldig auf seiner Mutter. Der einzigen Person, der er wichtig war. Die ihm wichtig war. Oder?
    Loki blinzelte, um die verwobenen Gedanken zu vertreiben. Gerade, war es nicht an der Zeit, über solche Dinge nachzudenken. In den Augen seiner Mutter sah der kleine Junge Erleichterung und Freude. Sie kam auf sie beide zugeschrittenen und half Thor erst auf die Beine, als wäre er ein Säugling, der gerade laufen lernt und umarmte dann ihn, Loki.
    Etwas erstarrt, erwidertet er die Umarmung und verinnerlichte ihren Geruch in seinem Gedächtnis. Diese Mischung aus Veilchen und blühenden Rosen...
    Schlussendlich löste sich der kleine Loki aus der Umarmung von seiner Mutter und sah wieder sie, mit seinem versteinerten, aber mit einem Funken Erwartung Blick an.
    „Kommt, es ist Zeit, eine Mahlzeit einzunehmen." Mit dem Worten nahm Frigga ihre Söhne bei der Hand und schritt mit ihnen davon.
    Loki dachte noch an den Streich, den er Thor spielen wollte, der ihm aber misslungen war, da seine Mutter dazwischen gefahren ist. Er war ihr aber nicht wirklich böse.

    4
    Thor

    Nach dem Essen hatte er sich in sein Gemach verzogen, da es schon spät wurde und auch Loki fand sich ein. Thor hatte noch einen Kuss von seiner Mutter bekommen, ein Gute-Nacht-Kuss und jetzt starrte er die Decke an. Er wollte nicht einschlafen. Ihm kam sein seltsamer Traum in den Sinn. Der Kleine stand schließlich nach einer Weile auf und schlich sich aus seinem Gemach. Er würde heute Nacht, wahrscheinlich nicht zum Schlafen kommen, also konnte er genauso in den Keller gehen. Sein Vater, der All Vater, Odin, König von Asgard wollte dort einmal ihm und seinem Bruder etwas zeigen. Thor beschloss, jetzt einmal ein Blick darauf zu werfen, weshalb er nun die Gänge entlang schlich. Auf Zehenspitzen huschte er nicht unbedingt wie ein Schatten durch die goldenen Flure, aber mehr oder weniger unbemerkt. Thor war darauf bedacht, keine Aufmerksamkeit zu erregen und hielt Ausschau nach Wachen, die nachts hier herumstromerten.
    Gerade als er einen neuen Gang betreten wollte, flüsterte jemand über seine Schulter. „Du solltest nicht hier sein." Thor wirbelte herum. Loki! Seine grau-grünen Augen leuchteten in der Finsternis und starrten ihn unentwegt an. „Du auch nicht", wisperte er nur zurück. Thor konnte immer noch nicht verstehen, wie Loki es immer wieder schaffte, so unbemerkt sich an jemanden heran zu schleichen, aber an ihn selber, schaffte es niemand sich ihm heimlich zu nähern. Loki erwiderte darauf nichts, stattdessen drängte er sich an Thor vorbei und beschritt den verlassenen Gang. „Loki!" Thor schüttelte den Kopf und eilte ihm nach, leise. „Thoooor", flüsterte Loki mit einem genervten Unterton zurück. „Loki...Loki —", sagte Loki’s Bruder wiederholt, als er neben ihm herging. „Ja, mein Name ist Loki. Ich bin nicht taub", zischte Loki nun sichtlich genervt. „Du weißt doch nicht —" „ ... Wo du hinwillst?" Thor nickte stumm und sah seinen Bruder an.
    In diesem Moment wurde ihm klar, dass er unrecht hatte und Loki genau wusste, wohin er hinwollte. Er sah es an seinem überlegen Lächeln und in seinem entschlossenen Blick. Er nickte leicht.

    *
    *

    Loki verstand wohl, dass Thor es verstanden hatte und ging schweigend weiter.
    Dies war wieder eine dieser Eigenschaften, die Thor an Loki beinahe gruselig fand. Woher wusste er es? Woher wusste er immer solche Sachen?





    5
    Loki


    Loki lächelte im Schritt. Er liebte es, wenn Thor so dümmlich dreinschaute, wenn er, Loki, überlegener Thor war und seinem Bruder ebenbürtig war.
    Diesmal war es gar nicht so schwer, darauf zukommen, wie er darauf gekommen ist. Seit Vater ihnen angekündigt hatte, dass er ihnen etwas Großes zeigen wollte und wo, sprach Thor unentwegt davon. Loki war bereits kurz davor gewesen, sich um seine Ohren zu erleichtern, doch zum Glück hatte etwas anderes das Interesse seines Bruders auf sich gelenkt und ihn für kurze Zeit, zum wohligen Schweigen gebracht.
    Fenja. Fenja war etwas älter als er und Thor, doch sie verhielt sich genau wie sie. Die Asin
    hatte Thor förmlich den Kopf verdreht, weshalb er nun mit ihm, Loki, dauernd über sie sprach, beziehungsweise versuchte er es, denn Loki überlegte sich lieber, wie er Selbstmord begehen würde.
    Das hielt er einfach nicht aus! Immer wieder musste sein Bruder protzen und ihn mit irgendwelchen Zeug bequasseln. Doch das schlimmste war, dass er Fenja nicht leiden konnte und sie ihn. Und Thor, er verteidigte immer sie, immer diese blödsinnige Asin, anstatt ihn, seinen Bruder, der weitaus glamouröser war, als diese dumme Pute.
    Und ob Loki es wollte oder nicht, beschäftigte ihn die Tatsache, dass seinem Bruder Fenja wichtiger war, als er. Ihm tat dieser 'Verrat' in der Seele weh. Egal wie sehr Loki versuchte, seine gewöhnliche Gefühlskälte heraufzubeschwören, dies war eine einzige Stelle, in der er bloß ein verzweifelt eifersüchtiger Bruder war, der sich nach seinem Bruder sehnte.
    *
    *
    Unmerklich hatte Loki seine Hand zu einer Faust geballt. Dies merkte er, als er mit ihr ausholte, als Thor ihn aus seinen Gedanken riss, indem er ihn gegen eine kunstvolle Säule drückte.
    Der Schlag war gut gesetzt und streckte Thor zu Boden. "Auaaa...." Thor richtete sich taumelnd auf. Er rieb sich die Wange und sah Loki vorwurfsvoll an. „Was war das denn jetzt?"
    Loki sah ihn ehrlich entschuldigend an. „Tut mir leid, ich war abwesend und deine angewandte Hektik, hatte mich für Sekunden desorientiert."
    Thor nickte.
    Loki registriere diese Bewegung mit einem langen Augenaufschlag und wollte gerade gehen, da drückte ihm sein Bruder wieder gegen die Säule.
    „Sie sind noch nicht gegangen", hauchte er leise zu Loki und deutete nun hinter ihn.
    Nun sah der, der Thor geschlagen hatte, über die Schulter, vorbei an der Säule, zu einer gewaltigen Tür, die bewacht wurde, von zwei Wachen. „Wie kommen wir an ihnen vorbei", fragte Loki. Seine Stimme war wie immer leise und völlig ruhig, beinahe hypnotisierend. „Ich...Ich weiß es nicht", erwiderte Thor genauso leise. „Dann...weiß es wohl niemand", stellte Loki trocken fest. „Er...Ja", sagte Odinson mit einer deklamierenden Stimme, bevor er leicht aufgeregt fortfuhr, „Aber man könnte womöglich...wo...mö...glich...natürlich...Natürlich...! Er...die Wachen täuschen. Du könntest sie täuschen.“ Thor strahlte über das Gesicht. „Thor, du bist ein Genius", kommentierte Loki seine Idee sarkastisch. Doch sein Bruder überhörte dies und ging nur auf 'Genius' ein. „Ich weiß. Immer wenn man denkt, es gibt —" Loki unterbrach ihn: „Wenn du so genial bist, dann würdest du bedenken, dass unser Flüstern auffällt." Er unterstrich seine Worte, indem er kühl auf die aufhorchende Wache deutete. Sein Gegenüber senkte den Kopf und schwieg.

Kommentarfunktion ohne das RPG / FF / Quiz

Kommentare autorenew