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Drarry Fanfiction: Eine heimliche Liebe

    1
    Schlaflose Nächte:
    Das erste Mal, dass Draco den berühmten Harry Potter sah, spürte er etwas, was es vorher noch nie gespürt hatte. Ein neues Gefühl, dass ihn erstmal völlig aus der Fassung brachte. Und es würde lange dauern, bis er wusste, was dieses Gefühl bedeutete. Diese grünen Augen gingen ihm einfach nicht mehr aus dem Kopf. Oft lag er deswegen wach. Hogwarts war tief versunken in schwarzer Nacht. Goyle schnarchte und Crabbe redete mal wieder im Schlaf. Irgendwas von Cremetörtchen. Wütend warf Draco sein Kissen gegen seinen Kopf. „Was? Wo? Wir werden angegriffen!“ Crabbe schreckte so schnell auf und war so verwirrt über diesen nächtlichen Angriff, dass er aus seinem Bett fiel. „Autsch.“, stöhnte er und rieb sich den Po. Dann murmelte er irgendetwas Unverständliches und kroch zurück ins Bett, wo er auch wieder sofort eindöste. Draco wusste, dass etwas völlig falsch war. Wie konnte er so etwas fühlen? Wieso schlichen sich immer diese wuscheligen dunklen Haare in seine Gedanken, das schiefe Lächeln und diese Blitznarbe, die seinem Gesicht das gewisse Extra gab. Manchmal wollte er einfach zu ihm hingehen, mit ihm reden. Er wäre schon zufrieden damit, nur sein Freund zu sein. Doch jedes Mal, wenn sie sich begegneten, sagte er irgendetwas Blödes. Doch das war Tarnung, um nicht zu zeigen, wie gerne er einfach seine Hand halten wollte. Draco wurde ganz schlecht und da er in nächster Zeit sowieso nicht einschlafen konnte stieg er aus dem Bett und warf sich einen dicken Pullover über. Leise schlich er sich aus dem Schlafsaal und durch den Gemeinschaftsraum. Draco ahnte nicht, dass es jemandem im Gryffindor Turm genauso ging. Mitten in der Nacht erwachte Harry aus einem unruhigen Traum. Er blickte sich um und tastete nach seiner Brille. Dort lag Ron. Doch plötzlich veränderte sich die Gestalt vor seinen Augen. Plötzlich lag dort nicht mehr Ron, sondern Draco. Harry rieb sich die Augen. Das musste noch eine Nachwirkung von dem Traum gewesen sein. In seine Träume schlich Draco Malfoy sich oft. Meistens um ihm blöde Schimpfwörter an den Kopf zu werfen. Harry sah noch mal hin, und da war es wieder Ron. Sein bester Freund, der auf sein Kissen sabberte. ‚Wieso hasst Draco mich so?’ ging es Harry durch den Kopf. Oft hatte er ihn beobachtet. Manchmal, wenn Draco sich unbeobachtet fühlt, hat er dieses Lächeln im Gesicht. Dann wüsste Harry gerne, was ihm im Kopf herum ging. Harry stand auf und sah aus dem Fenster. Es dauerte noch ein bisschen, bis die Sonne aufging. Vor ihm lag sein Tarnumhang und ohne genau zu wissen warum, nahm er ihn in die Hände und warf ihn sich über. Dann machte er sich auf den Weg durch das verlassene Schloss. Das machte er öfter, wenn er nicht schlafen konnte.Ein paar Minuten streunte er so durch das Schloss. Sein Zuhause. Einmal begegnete er Mrs. Norris, der Katze, doch sie konnte ihn nicht sehen. Trotzdem machte er einen großen Bogen um sie. Einmal ist er ihr bei einer nächtlichen Wanderung auf den Schwanz getreten, als er nicht aufgepasst hat. Sie fauchte wie verrückt und es dauerte nicht lange bis Filch in Nachthemd und Laterne angerannt kam. Er musste echt einen sechsten Sinn nur für seine dämliche Katze haben. Harry bog in einen Korridor ein und erstarrte. Dort, bei einem Erkerfenster saß Draco. Was machte der denn hier draußen? Draco ahnte nicht, dass er beobachtet wurde. Er starrte aus dem Fenster in eine klare dunkle Nacht. Er hatte angefangen die Sterne zu zählen, aber als er sich das fünfte Mal verzähle, gab er auf. Früher dachte er immer, diese Gefühle würden irgendwann verschwinden, doch bis jetzt hatte sich keine Verbesserung gezeigt. Er war sogar kurz davor zu Madam Pomfrey zu gehen und sie zu fragen, ob es dafür ein Gegenmittel gibt. Doch dann hatte er sich doch nicht getraut. Wie hätte er es auch erklären sollen? ‚Jetzt sehe ich sein Gesicht schon in der Fensterscheibe.’ dachte Draco verzweifelt. Das war alles so verdreht. Sowas sollte er nicht für einen Jungen empfinden und schon gar nicht für den überheblichen Harry Potter. Den berühmten Jungen, den die ganze Schule liebte. „Hallo.“ Die Stimme war zart und unsicher. Doch er erkannte sie sofort. Er würde sie unter Tausenden erkennen. Er drehte sich um und da stand er vor ihm. Gleich lag ihm wieder ein blöder Spruch auf der Zunge, doch diesmal konnte er sich zurück halten. Doch dadurch hörte sich das „Hallo.“ sehr kratzig an. Harry setze sich ihm gegenüber und sah aus dem Fenster. Und dann schwiegen sie. Keiner wagte es ein Wort zu sagen, aus Angst irgendwas kaputt zu machen. Sie genossen einfach das Gefühl, die Nähe des anderen. Draco sah ihn an und alle Gedanken waren wie weggeblasen. Da war nur noch er. Harry bemerkte, dass Draco ihn beobachte und sah zurück. Dabei bemerkte er dieses spezielle Lächeln und musste grinsen. Draco grinste ebenfalls und dann lachten sie. Wie zwei gute Freunde. Dabei berührten sich ihre Hände und sofort wich Draco alle Luft aus den Lungen. Er wollte ganz seine Hand hallten. Eigentlich wollte er noch so viel mehr, aber das war zu riskant. Deshalb bewegte er sich einfach nicht und wartete was passierte. Doch es passierte nichts. Harry zog die Hand nicht zurück. Eigentlich hätte er das tun müssen, doch er konnte es nicht. Deswegen sah er einfach hoch zu den Sternen. Die beiden wollten sich keine Gedanken darüber machen, was das zu bedeuten hatte. Das würden sie noch früh genug herausbekommen.

    2
    Im Zaubertrankunterricht:
    Harry wusste nicht mehr, wann Draco etwas Besonderes für ihr wurde. Fakt ist, zwischen ihnen war schon immer etwas. Am Anfang war er sich sicher, dass dieses etwas, Hass ist. Draco war beleidigend und meistens unausstehlich. Doch dann gab es da diese Momente. Wenn sie sich in die Augen sahen. Dann sah Harry nicht den Jungen, der ihn ständig runter machte, sondern jemanden, der sich versteckt und nicht zeigen will, wie er wirklich ist. Gerne hätte Harry ihm gesagt, dass er sich nicht verstellen muss. Einmal mussten sie in Zaubertränke zusammen arbeiten. Sie waren ganz hinten in der Ecke und, so gut es eben ging, ungestört. Snape beäugte sie kritisch, ging dann aber wieder weiter. „Weißt du noch, letztens…auf dem Korridor…ich…“ Das war das erste Mal, dass Harry Draco stottern hörte. Es machte ihn verletzlich und sympathisch und er musste schmunzeln. Harry hatte oft an diese Nacht zurück gedacht. Sie hatten einfach da gesessen und sich angesehen. Ganz ohne die üblichen Masken. Die Worte verließen Dracos Mund, bevor er sie aufhalten konnte. Eigentlich hatte er für sich entschlossen, nie über diese Nacht nachzudenken, geschweige denn zu reden. Doch das war unmöglich. Und dafür hasste er sich selber und dieser Hass musste irgendwo hin. Meistens bekamen ihn die Erstklässler ab. „Nicht hier.“, raunte Harry und sah sich hektisch um. Dann warf er weitere Zutaten in den Kessel. Das Gebräu warf grüne Blasen und stieg immer weiter an. „Mist, mist mist…“, fluchte Harry und schwang seinen Zauberstab um die Brühe aufzuhalten, die jetzt über den Kesselrand quoll. Dabei sah er so gut aus, dass Draco alles andere vergaß. „Harry Potter!“, dröhnte Snapes Stimme durch den ganzen Klassenraum. Sofort drehten sich sämtliche Köpfe nach ihnen um. Inzwischen war der ganze Tisch mit grünem Schleim voll. Dieser tropfte nun langsam auf den Boden. Es stank widerlich. „Draco, jetzt hilf mir doch mal.“, sagte Harry, während Snape mit langen Schritten auf sie zu kam. Jetzt erst riss er sich von Harrys Anblick los. Er liebte es zu sehen, wenn er in Schwierigkeiten war. Nicht, weil er es genoss, wenn er Ärger bekam, sondern, weil er dann unglaublich heiß aussah. Er konnte nicht genau sagen, was es war. Vielleicht der wilde Blick in seinen Augen. „Ja, Draco. Hilf dem armen Potter.“ Snape klang amüsiert. Draco übersah die Lage und wusste nicht was zu tun war. Sein Zauberstab war vom dem Gebräu begraben worden und er hatte keine große Lust da rein zu fassen. Es reichte ihm schon, dass das Zeug seine Schuhe beschmutzte. Mit einer flüssigen Zauberstabbewegung ließ Snape den missglückten Zaubertrank verschwinden. Dann erinnerte nur noch ein beißender Geruch daran. „10 Punkte Abzug von Gryffindor.“ Harry ließ sich erschöpft auf seinen Stuhl fallen. Schon wieder hatte er einen Punktabzug bekommen. Zum Glück beendete Snape bald darauf den Unterricht. Ron wartete an der Tür, als Snape sagte: „Potter, Malfoy, ihr werdet aufräumen.“ „Aber…“, wollte Harry widersprechen. „Ohne Magie. Dann denkst du vielleicht das nächste Mal ein bisschen besser darüber nach, was du in deinen Zaubertrank wirfst.“ Und damit war Snape aus der Tür. Ron und Hermine standen an der Tür und sahen ihn entschuldigend an. „Wir gehen schon mal essen.“ „Ja, guten Appetit.“, knurrte Harry. Und dann waren sie allein. „So.“, sagte Harry und drehte sich mit einem Lächeln auf dem Gesicht zu Draco um. „Jetzt kannst du reden.“ Draco funkelte böse. „Putz gefälligst. Schließlich ist es deine Schuld, dass wir das Essen verpassen. Was hast du da eigentlich rein geworfen?“ „Tut mir Leid, ich war abgelenkt.“ „Ach, ja.“ Jetzt klang Draco ein bisschen verunsichert. „Von was denn?“ Harry sah ihn lange an, doch sagte kein Wort. Draco glaube verstanden zu haben und kam langsam auf ihn zu. Sollte es wirklich wahr sein? Sollte er so ähnlich empfinden wie er? Mit langsamen Schritten kam Draco jetzt auf ihn zu. Kurz vor Harry blieb er stehen. Zuerst wollte er zurück weichen, doch dann musste er vor einem Schrank stehen bleiben. Harry musste zu ihm aufblicken und versuchte verzweifelt seine Atmung zu kontrollieren. Er konnte nun Dracos Atem spüren. Langsam beugte sich Draco vor und streckte den linken Arm an ihm vorbei. Harry schloss die Augen, auf alles vorbereitet, was nun kam. „Entschuldigung, ich müsste da mal ran.“, sagte Draco mit einem überheblichen Grinsen, griff sich einen alten Lappen und drehte sich weg um damit die Tische abzuwischen. Verdutzt blieb Harry an den Schrank gedrückt stehen und atmete tief ein und aus. In den letzten Sekunden hatte er die Luft angehalten. So nah waren sie sich noch nie. In den restlichen Minuten, in denen sie das Klassenzimmer auf Vordermann brachten, bekam Harry keinen klaren Kopf mehr. Er müsste Draco doch hassen. Aber wie konnte er jemanden hassen, der so schöne Augen hatte, so gut duftete und ihn so dermaßen aus der Fassung brachte. Draco musste es einfach ausprobieren. Wie weit konnte er gehen? Sollte er irgendetwas sagen. Doch wie so oft fehlten ihm die richtigen Worte. Sie waren ziemlich schnell fertig. „Ich werde jetzt etwas essen gehen. Und ich hoffe ich werde nie wieder mit dir arbeiten müssen. Das hier…“ Er zeigte mit dem Lappen, der immer noch in seiner Hand war, durch den Raum. „…hat echt keinen Spaß gemacht.“ Und ohne Harry noch einen Blick zu würdigen war er aus der Tür. Harry seufzte. Er wurde aus diesem Jungen nicht schlau. Er wartete noch ein paar Sekunden, dann wollte auch er nachsehen, ob es noch etwas zu essen gab. Vielleicht hatte Ron ihm etwas von dem Hühnchen aufgehoben. Obwohl die Wahrscheinlichkeit dafür nicht sehr hoch war. Er bog um die Ecke und wurde an die Wand gedrückt. Der Griff war stark und bestimmt. Zuerst wusste er nicht, wie ihm geschah, dann erkannte er die blonden Haare und das Grinsen, das nur einer Person gehören konnte. Und dann trafen Dracos Lippen die von Harry. Es war ein kurzer intensiver Kuss. Und dann war es auch schon wieder vorbei. Ein letzter Blick, dann war er verschwunden.

    3
    Am See:
    Jungs gehen mit Mädchen aus. Das hatte Draco nie in Frage gestellt. Mit reinblütigen Mädchen. Das schärfte ihm sein Vater schon von klein auf ein. Es gibt auch einige heiße Slytherin-Mädchen, mit denen Draco gerne redet, aber bei keinem dieser Mädchen fühlt er sich so wie bei Harry. Die Verwirrung, die der Junge der Überlebte ihn ihm auslösten, waren kaum zu ertragen. Oft frage er sich dann, ob es eigentlich einen großen Unterschied machte, ob der andere männlich oder weiblich ist. Im Grunde sind wir doch alle Menschen. Konnte er sich von so etwas Unwichtigem wie dem Geschlecht vorschreiben lassen, wenn er lieben könnte und wen nicht? Draco würde sich auch nie als schwul bezeichnen. Nicht mal in seinen tiefsten und persönlichsten Gedanken. Es könnte nur sein, dass er eben zufällig auf einen Jungen stand. Aber wäre dieser Junge doch nicht ausgerechnet Harry Potter. Er wird von allen geliebt. Vor allem die Lehrer schätzen ihn. Den guten Quidditchspieler. Den berühmten Harry Potter. Nur im Zaubertränkeunterricht hat er Probleme. Bei Snapes Unterricht ist das aber auch kein Wunder. Dieser Mann muss ihn echt hassen. Manchmal wünschte Draco, das könnte er auch. Dann würden ihm die ganzen Beleidigungen, die er Harry an den Kopf warf, um wenigstens ab und zu mit ihm zu sprechen, nicht so wehtun. Wie letzte Woche. Draco war mit ein paar anderen Slytherin-Jungs auf dem Weg in die große Halle, als einer sagte: „Seht mal wer da kommt... unser liebe Potter.“ Einige kicherten. Draco, der gerade erst aus dem Bett gestiegen ist, zuckte zusammen und sah sich hektisch um. Dann erkannte er ihn in dem Gedränge. Mit einer Bewegung, brachte er seine Frisur in Ordnung und zog sein Hemd glatt. Da war es wieder, das Gefühl in seinem Bauch. Wie vor einem wichtigen Test, oder einem Quidditchspiel. Harry, in Begleitung seiner zwei Anhängsel Ron und Hermine, kam immer näher und Draco sah, wie er die Augen verdrehte, als er zu ihnen sah. Das tat weh. Fast so sehr, wie wenn er ihn nicht beachten würde. „Hey Potter, ich hab gehört du bist beim letzten Quidditchtraining vom Besen gefallen.“ Die anderen Slytherin lachten. „Aber mach dir keine Sorgen. Du darfst bestimmt bei Hagrid in der Hütte wohnen, wenn die dich von der Schule werfen, weil du zu schlecht bist.“ Crabbe und Goyle grölten und Draco lachte mit ihnen. Harrys grüne Augen trafen die von Draco für einen kurzen Augenblick, bevor seine Freunde ihn weiter zogen. Als sie außer Sicht waren fühlte sich Draco so schlecht, dass ihm richtig übel war. Hatte er sich nicht gesagt, dass das aufhören muss? Er wollte das nicht mehr. So war er doch eigentlich nicht. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Harry sein Freund werden könnte, war sehr gering. Also was sollte er tun? Diese Frage stelle er sich, wie so oft, als er alleine am See unter einem Baum sah. Etwas abseits, damit ihn nicht alle gleich sahen. Er mochte es, dann und wann ungestört zu sein. Manchmal las er auch ein Buch, dass er sich aus der Bücherei ausgeliehen hat. Wenn das seine Kumpels wüssten, würden sie ihn bestimmt auslachen. Plötzlich tauchte ein Schatten über ihm auf. Er wollte schon eine spitze Bemerkung machen, dass er gefälligst ihn Ruhe gelassen werden will, dann erkannte er Harry. „Du kannst lesen?“ fragte dieser. Aber es klang freundlich und nicht gemein. „Ja, stell dir vor, ich kann lesen.“, scherzte Draco. Schnell blickte es sich um und schaute, ob niemand in der Nähe war. „Willst du dich setzten?“ Hatte er das gerade wirklich gesagt? Zu dem Jungen, der eigentlich sein Feind war. Der ihn jetzt vermutlich auslachen würde. Schnell blickte er weg. Aber zu seiner Überraschung setzte sich Harry neben ihn. „Der See sieht wunderschön aus.“, sagte Harry verträumt. So schwarz und dunkel könnte man denken, dass er gefährlich ist, aber wenn man genau hinschaut…“ Jetzt drehte er den Kopf zu Draco „…erkennt man die ganze Schönheit.“ In Dracos Bauch begann es zu kribbeln und verlegen schaute er in sein Buch. Er wusste nicht, was er darauf sagen sollte, also schauten sie beide auf den See und blieben so sitzen, bis die Sonne hinter dem Schloss unterging.

    4
    Der Raum der Wünsche:
    Die Sonne schien schon hoch über den Dächern des Schlosses, als Harry die Augen aufschlug. Es wurde gestern spät, und das Quiddtich Training hatte ihn komplett ausgepowert. Es war Sonntag, und er war alleine im Schlafraum. ‚Die anderen sind bestimmt schon beim Frühstück’, dachte er sich. Er war nicht böse, dass sein bester Freund Ron ihn nicht geweckt hatte. Er wusste vermutlich, dass er in letzter Zeit jede Minute Schlaf gebrauchen konnte, die er kriegen konnte. Langsam stieg er aus dem Bett und zog sich an. Draußen war herrliches Wetter. Harry stellte sich ans Fenster und atmete tief die duftende Frühlingsluft ein. Er bekam wieder dieses glückliche Gefühl, wie immer, wenn er über das Hogwarts Gelände, mit dem See und den Wäldern, blickte. Alles sah so magisch aus und er fühlte sich zuhause. Auf dem Weg nach unten zur Großen Halle kamen ihm Ron und Hermine entgegen. Es dauerte, bis sie ihn sahen, da sie sich wegen irgendwas zu streiten schienen. „Ich werde dich nicht schon wieder die Hausaufgaben abschreiben lassen, du musst endlich lernen…Oh, guten Morgen Harry.“, sagte Hermine. „Du musst dich, glaube ich, beeilen, wenn du noch was zu essen willst.“, begrüßte Ron ihn. „Und vielleicht triffst du dort noch Ginny. Sie hat gesagt, sie wolle auf dich warten.“ Dabei grinste er blöd. „Ja gut, bis später dann.“, sagte Harry und ließ die zwei wieder alleine. Tatsächlich saß Ginny als eine der letzten noch am Gryffindor Tisch. Harry setzte sich ihr gegenüber und fing, nach einem genuschelten ‚Guten Morgen’, an einen Toast mit Butter zu bestreichen. „Hi Harry.“, erwiderte Ginny. „Ich hab auf dich gewartet. Ich hab da eine Frage.“ Während sie das sagte, sah sie zu einem Mädchen mit blondem Pferdeschwanz, das ein paar Plätze weiter entfernt saß und auffällig oft zu ihnen sah. Als sie bemerkte, dass Harry sie ansah wurde sie rot und sah auf die Schale mit Müsli vor sich. „Sophie würde gerne mal ein Butterbier mit dir trinken gehen. Da fällt mir ein, so direkt sollte ich das nicht sagen. Naja, wie auch immer. Was sagst du?“ Harry war mit so was, so früh am Tag total überfordert. Als er nach einer Ausrede suchte, schweifte sein Blick rüber zum Tisch der Slytherins. Dort entdeckte er Draco. Und er musste ein bisschen grinsen, als er sich genau so verhielt, wie Sophie eben. Er wurde knallrot, blickte nach unten, stand dann auf und verließ hastig den Raum. „Und?“, hakte Ginny nach. „Was und?“, fragte Harry verdutzt, der die Frage schon wieder vergessen hatte. Zur Antwort deutete Ginny mit dem Kopf in Sophies Richtung. „Ich überleg’s mir.“, murmelte Harry in seinen Toast. „Okay, ich habe meinen Auftrag ausgeführt.“, lachte Ginny. „Ich lass dich dann alleine.“ Mit diesen Worten erhob sie sich und Harry beobachtete sie beim rausgehen. Sophie folgte ihr auffällig unauffällig. ‚Mädchen sind komisch.’, dachte Harry und aß weiter. Als er wieder auf dem Weg nach oben war, überlegte er, was er an diesem schönen Tag noch anstellen sollte. Seine Hausaufgaben hatte er schon erledigt. Vielleicht würde er mal wieder Hagrid besuchen. Da sah er Draco Malfoy, der gerade um eine Ecke verschwand. Ohne, dass er das wirklich wollte, folgten seine Beine dem blonden Jungen, bis er vor der Wand stand, die zum Raum der Wünsche führte. ‚Wollte er Draco wirklich dorthin folgen?’, fragte Harry sich, als sich vor seinen Augen eine Tür bildete. Allem Anschein nach hat der Raum der Wünsche die Frage für ihn beantwortet. Mit etwas zittrigen Fingern drehte er den Türknauf und trat ein. Dieser Raum war einer seiner Lieblingsorte in Hogwarts. Die Berge aus altem Krempel, das staubige Licht, dass sich in buntem Glas bricht, die Stille… „Hast du vor mit diesem Mädchen auszugehen?“ hörte Harry eine Stimme von oben. Er blickte rauf und sah Draco lässig auf einem alten smaragdgrünen Sessel sitzen, der ziemlich wacklig auf einem Berg von Plunder stand. „Wieso? Bist du eifersüchtig?“, fragte Harry und grinste frech. Mit einem gekonnten Sprung landete Draco vor Harry und sah ihm intensiv in die Augen. Dabei hatte er einen Gesichtsausdruck, als würde er verzweifelt versuchen ein Rätsel zu lösen. Harry blickte in die hellgrauen Augen, die aussahen, als würde ein Sturm in ihnen toben. „Ich hab gemerkt, dass du mir gefolgt bist.“, sagte Draco und ein verschmitztes Grinsen huschte über sein Gesicht. Sofort spürte Harry wieder dieses Kribbeln im Bauch. Und plötzlich überkam ihn das Verlangen Dracos Gesicht in seine Hände zu nehmen und ihn zu küssen. Und als könnte der Raum Gedanken lesen (was vermutlich sogar stimmte), kam von hinten ein Vogel angeflattert und sauste nur knapp an Harrys Kopf vorbei. Dieser war davon so überrascht, dass er einen Schritt nach vorne stolperte. Reflexartig hielt er sich an Draco fest, was dazu führte, dass sie beide übereinander auf dem Boden landeten. Dabei landete Harrys Mund nur wenige Zentimeter von Dracos Lippen entfernt. Und ohne wirklich zu wissen, was da gerade passierte und ohne die Kontrolle über seine Handlungen zu haben, senkte Harry seine Lippen auf die von Draco. Dieser war von dem Sturz und dem Kuss erstmal total überrascht, ließt sich dann aber auf die Situation ein. Er schlang seine Arme um Harry und zog ihn noch enger an sich. Harry vergrub seine Hände in den hell blonden Harren und Draco entfuhr ein leises Stöhnen. So lagen sie dort in diesem geheimen Raum und vergaßen alles um sich herum. Erst als ein alter Plattenspieler anfing eine super kitschige Melodie zu spielen, mussten sie lachen und lösten sich etwas von einander. Sie setzten sich hin und Draco versuchte seine völlig verstrubbelten Haare in Ordnung zu bringen. „Was ist das bloß mit uns?“, fragte Harry etwas außer Atem. „Egal was es ist, es muss ein Geheimnis bleiben.“, antwortete Draco.

    5
    In der Besenkammer:
    Es regnete. Schon den ganzen Tag über. Die Wolken hingen grau und schwer über Hogwarts. Es war einer dieser Tage, an denen man am liebsten gar nicht aus dem Bett steigen möchte. Der Wind pfiff um die Türme des Schlosses und das Wasser lief in richtigen Bächen die Hügel hinab. Niemand käme auf die Idee an solch einem Tag freiwillig einen Fuß vor die Tür zu setzen. Fast niemand. Draco Malfoy stand alleine in der Kälte und genoss das Gefühl, wie der Regen auf sein Gesicht fiel. Er musste mal raus. Einen klaren Kopf kriegen. Diese Sache mit Harry erdrückte ihn und er hatte niemanden mit dem er reden konnte. Seine Freunde würden ihn auslachen. Und er wollte sich lieber gar nicht vorstellen, was passieren würde, wenn sein Vater das herausfinden würde. Dann fing Draco an zu laufen. Der Schlamm unter seinen Füßen spritzte bei jedem Schritt. Er rannte immer weiter, ohne Ziel. Bei dem ganzen Regen war es schwer etwas zu sehen, und Draco trat öfters in eine große Pfütze. Aber merken tat er das kaum. Er konzentrierte sich ganz darauf einen Fuß vor den anderen zu setzen. Seine Lungen brannten, aber er fühlte sich frei. Als seine Beine schließlich schlapp machten blieb er stehen und versuchte seine Atmung zu kontrollieren. Er atmete tief ein und sah sich um. Weiter entfernt konnte er die heulende Hütte erkennen. In dem düsteren Licht und dem Regen wirkte sie noch unheimlicher als sonst. Ein greller Blitz zuckte vom Himmel, dicht gefolgt von einem grollenden Donner. Dracos blonde Haare klebten ihm nass im Gesicht und als sein Körper sich langsam wieder beruhigte, merkte er, wie kalt es war. Er war nass bis auf die Unterhose und fing an zu zittern. Langsam machte er sich auf den Weg zurück ins Schloss. Aber sein Ausflug hatte sich gelohnt. Es ist ihm klar geworden, dass er diesmal nicht das tun konnte, was sein Vater von ihm verlangen würde. Er musste wahrscheinlich zum ersten Mal in seinem Leben etwas tun, dass sein Vater nicht gut heißen würde. Etwas, dass er nie erfahren darf. Aber Draco wollte Harry. Wie er noch nie zuvor etwas gewollte hatte, Er wollte seine Hand halten, ihn küssen… Aber es würde kompliziert werden. Sie mussten es vor allen geheim halten. Auf dem Weg zu seinem Schlafraum versuchte er so wenig Menschen wie möglich über den Weg zu laufen. Er hatte keine Lust erklären zu müssen, warum er so pitsch nass war. Seine Klamotten tropften und er hinterließ eine nasse Spur. „Uiii, da ist aber einer ganz schön nass.“, ertönte eine singende Stimme. „Lass mich in Ruhe Peeves.“, sagte Draco genervt. „Das wird Filch gar nicht gefallen.“ Und dann fing der Poltergeist an lauthals zu lachen und nach dem Hausmeister zu rufen. Draco verdrehte die Augen und setzte seinen Weg fort. Im Schlafraum angekommen zog er sich die nassen Klamotten aus und warf sich aufs Bett. ‚Wie können wir kommunizieren, ohne, dass es jemand mitkriegt’, überlegte Draco. Dann kam ihm eine Idee und er schnappte sich sein Lehrbuch der Zaubersprüche. Am nächsten Tag verließen Harry und seine Freunde nach einer Stunde Verwandlung, das sie mit den Slytherins hatten, den Klassenraum. „Seht mal, Draco hat was fallen gelassen.“, sagte Ron amüsiert, als er sah, dass Draco Malfoy, der ein paar Meter vor ihnen lief, ein kleiner Zettel aus der Tasche fiel. „Mal sehen was da drauf steht. Vielleicht enthüllen wir jetzt seine geheimsten Geheimnisse.“ Harry sah Draco hinterher, der ihn den ganzen Unterricht über nicht eines Blickes gewürdigt hatte. Ron öffnete währenddessen, mit einem erwartungsvollen Grinsen auf den Lippen, den Zettel. „Wer das liest ist doof.“, las er enttäuscht vor. „Sehr originell.“ Hermine lachte über Rons Gesichtsausdruck und Harry versuchte einen Blick auf den Zettel zu werfen. Als Ron ihn einfach wieder auf den Boden fallen lies, konnte Harry den Zettel unbemerkt wieder aufheben. Er ließ sich zwei Schritte zurück fallen und betrachtete die geschwungene Schrift. Dann fingen die Buchstaben vor seinen Augen an zu tanzen und der Text veränderte sich: ‚Triff mich nach dem Quidditch Training im vierten Korridor im dritten Stock.’ Harry konnte nicht anders, als zu lächeln. Ein angenehmes Gefühl der Vorfreude machte sich in seinem Magen breit. Gerade noch rechtzeitig konnte er das kleine Stück Papier in seinem Umhang verschwinden lassen, bevor einer der anderen ihn damit erwischten. Den ganzen restlichen Tag kreisten seine Gedanken um das Treffen am Abend. Beim Quidditch konnte er sich kaum konzentrieren und wurde um ein Haar von einem Klatscher getroffen. Nach dem Training beeilter er sich, um aus seinen schwitzigen Quidditch Klamotten zu kommen und sich umzuziehen. Ron oder Hermine konnte er im Gryffindor Gemeinschaftsraum nicht entdecken und er war ganz froh darüber. Den richtigen Korridor zu finden war nicht schwer. Hier oben war um diese Uhrzeit kaum jemand mehr. Draco stand schon da. ‚Er sieht in diesem Licht unglaublich süß aus’, dachte Harry, als er näher kam. „Ich hab schon befürchtet du kommst nicht.“, begrüßte Draco ihn. Verstohlen sah er sich noch mal nach rechts und links um, dann nahm Draco Harrys Hand und zog ihn noch näher an sich. „Dieser Zettel war schlau.“, sagte Harry und spielte mit Dracos Fingern. Draco lachte und lehnte sich nach vorne. Kurz bevor ihre Lippen sich berührten hörten sie von der anderen Seite des Ganges eine Gruppe Schüler näher kommen. Draco sah sich schnell um und entdeckte eine kleine hölzerne Tür. Mit einem geschickten Griff öffnete er die Tür und zog Harry hinter sich in den kleinen Raum. Aber als Raum konnte man das kaum bezeichnen. Es war eher eine Art Besenkammer. Es war dunkel und sie stießen ein paar alte Besen um. Sie lachten und hofften, dass niemand das Gerumpel gehört hatte. Dann küssten sie sich. Zuerst vorsichtig, dann immer stürmischer. Draco drückte Harry an die Wand und fuhr ihm langsam mit der Hand unter sein Hemd. Harry zog mit einer Hand an seiner Krawatte und warf sie in die Ecke. Dann knöpfte er sich Dracos Krawatte vor. Als nächstes folgten sein Pullunder und sein Hemd. Harry sah auf Dracos nackten Oberkörper und fuhr mit den Fingern seine Bauchmuskeln nach. Er konnte nicht glauben, dass er das hier gerade tat. Es war vollkommen verrückt. Draco wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, als sie draußen jemanden vorbei gehen hörten. „Ich glaube es gibt gleich Abendessen.“, sagte Draco, der nicht wusste, was er sonst sagen sollte. Er konnte keinen klaren Gedanken fassen. „Ja vielleicht sollten wir lieber gehen…bevor jemand fragt, wo wir waren.“, antwortete Harry langsam und musste dann wieder lachen. Hektisch sammelten sie ihre Klamotten vom Boden ein und zogen sich wieder an. Das war in dem kleinen Raum ein wildes hin und her von Armen und Stoff. Tatsächlich versank die Sonne gerade hinterm Horizont, als sie aus der Besenkammer stolperten. Gerade als wieder eine Gruppe Erstklässler um die Ecke bog. „Wir sehen uns.“, sagte Draco kurz angebunden und verschwand. Harry sah ihm lächelnd hinterher und machte sich dann auf in Richtung Abendessen. Ron und Hermine saßen schon am Tisch und fragen Harry auch gleich wo er gewesen war. „Bei Hagrid.“, war seine kurze Antwort und er fing an zu essen. Hermine beäugte ihn. „Trägst du da etwa eine Slytherin Krawatte?“ „Eh…nein?“, stotterte Harry. Dann sah er sich um, wo Draco gerade in die große Halle kam. Mit einer roten Gryffindor Krawatte um den Hals.

    6
    Eifersucht auf dem Quidditchfeld:
    Es war der Morgen an dem Tag des großen Spiels. Gryffindor gegen Slytherin. In der Großen Halle war viel Aufruhr. Es hatten sich zwei Lager gebildet. Diejenigen, die Gryffindor unterstürzten und die Slytherin Fans. Harry saß mit seiner Mannschaft und ein paar Freunden am Tisch und frühstückte. Harry knabberte an einem Buttertoast und beteiligte sich nur mäßig an der Disskussion. „Sie haben die schnelleren Besen. Wir müssen also versuchen, sie auszutricken.“, sagte die Jägerin Demelza Robins. „Ob schnellere Besen oder nicht, gegen unsere Klatscher haben sie keine Chance.“, lachte Jimmy Peakes und klatschte den anderen Treiber Richy Cote ab. Die ganze Mannschaft war guter Dinge, dass sie dieses Spiel heute gewinnen konnten. Ginny, die neben Harry saß legte plötzlich ihren Arm um Harrys Schultern. Und sofort wurde ihm wieder warm. So wie es in letzter Zeit immer war, wenn er Ginny ansah, oder sie ihn zufällig berührte. „Unser Harry macht Draco schon platt.“, sagte Ginny gut gelaunt und sah ihn mit strahlenden Augen an. Draco. War es möglich, dass man zwei Menschen gleichzeitig mochte? Die Gefühle verwirrten Harry, und das konnte er vor so einem wichtigen Spiel nicht gebrauchen. Da er auch gerade mit seinem Toast fertig war beschloss er schon aufzustehen. „Also gut, esst nicht zu viel. Mit vollen Magen kann man nicht gut fliegen.“, sagte er mit einem Lächeln, dass ihm nicht so ganz gelingen wollte, zu seinen Mannschaftskammeraden. „Aber wenn ich nervös bin muss ich essen.“, entgegnete Ron mit vollem Mund. Harry war schon ein paar Meter gegangen als Hermine ihm hinterher kam. „Geht’s dir gut?“, fragte sie. Sie hatte gemerkt, dass Harry in den letzten Wochen ziemlich still war. „Ja, klar.“, antwortete Harry abwesend. Hermine merkte, dass das nicht so ganz stimmte. Vielleicht war es tatsächlich nur die Aufregung vor dem Spiel. Vielleicht steckte aber auch was anderen dahinter. Aber das musste bis nach dem Spiel warten. Jetzt musste Harry sich konzentrieren. Hermine hatte ihn wohl ziemlich intensiv angeschaut, denn jetzt sagte Harry noch mal mit Nachdruck: „Es geht mir gut. Wirklich! Ich bin nur etwas nervös wegen dem Spiel.“ Und das was nicht mal gelogen. Denn bei dem Spiel würde er auf Draco treffen. Harry stand mit seiner Mannschaft bereit, um sich in die Lüfte zu erheben. Seinen Besen hielt er fest umklammert und von allen Seiten hörte er die lauten Rufe der Quidditch-Fans. Als er sich dann auf den Besen schwang und vom Boden abstieß, tobte das Publikum. Und als er den frischen Wind in seinem Gesicht spürte und sein ganzer Körper vor Aufregung kribbelte erinnerte es sich wieder, warum er Quidditch so liebte. Ginny war direkt neben ihm, und ein Blick von ihr mit diesem strahlenden Lachen gab ihm das Gefühl alles schaffen zu können. Dann gab Madam Hooch das Startsignal und die Bälle wurden frei gelassen. Wie bei jedem Spiel bleib Harry anfangs weiter oben und beobachtete, wie Gryffindor die ersten 20 Punkte machte. Dann allerdings griff Slytherin an und erzielte 10 Punkte. Harry sah noch, wie Ginny mit dem Quaffel im Arm zum Angriff über ging, dann eregte etwas anderes seine Aufmerksamkeit. Jemand flog an ihm vorbei. Harry hätte gar nicht hin schauen brauchen. Schon an dem Geruch, der ihm dabei entgegen schlug, erkannte er, dass es Draco war. Dieser hielt etwas weiter vorne an uns sah sich zu Harry um. Erst wollte Harry ihm zulächeln, dann erkannte er Dracos Gesichtsausdruck. Er sah wütend aus. Und verletzt? Hatte Harry etwas verpasst? Am liebsten wäre er zu ihm hingeflogen um ihn zu fragen, was los sei. Doch er wusste, dass er von dem Publikum mit Ferngläsern beobachtet wurde. Während er Draco noch verwirrt anstarrte, drehte dieser sich um, sah zu einem Punkt, der etwa zwei Meter über ihm flog. Dann sauste Draco blitzschnell in die Höhe in Richtung der tiefhängenden Wolken. „Harry, wach auf.“, holte ihn jemand aus seiner Starre. Er blinzelte irritiert, und schon sauste er hinter Draco und dem Schnatz her. Dracos Besen war schnell und Harry verfolgte ihn immer höher, bis sie in den Wolken verschwanden. Sofort war alles um ihn herum weiß und Harry sah weder Draco nach den Schnatz. „Was läuft da mit dieser Rothaarigen?“, hörte er plötzlich eine Stimme hinter sich. Harry erschrack so sehr, dass er fast vom Besen gefallen wäre. „Was?“, war das geistreichste was er hervorbrachte, wärend er sich noch auf seinem Besen sortierte. „Ich sehe, wie du sie immer ansiehst. Du magst sie, stimmt’s?“ „Ich…“, setze Harry an, verstummte dann aber, weil er nicht wusste wie der Satz weiter gehen sollte. „Können wir nicht nachher darüber reden?“ Aus den Augenwinkeln sah Harry immer wieder den Schnatz auftauchen. Er wusste nicht, wie das Spiel weit unter seinen Füßen stand, aber er wollte es beenden. Konnte er jetzt Draco einfach so den Rücken zukehren? Draco jedenfalls konnte es und schoss an ihm vorbei. Nun flogen sie dicht an dicht hinter dem Schnatz her und sahen, wie die Erde unter ihnen immer näher und näher kam. Harry war nun so konzentriert auf den kleinen goldenen Ball, dass er alles ausblendete. Draco neben ihm. Die jubelnde Menge auf den Zuschauerbänken. Jetzt ging es nur noch darum, den Schnatz als erstes in die Finger zu bekommen. Sie jagten über das Quidditchfeld und als Draco einem Torpfosten ausweichen musste, sah Harry seine Chance. Er beugte sich nach vorne, streckte seine Hand aus, und seine Finger schlossen sich um das kalte Metall. Das Publikum rief Harrys Namen und er strahlte, als seine Mannschaftskameraden ihm auf die Schulter klopften. Dann sah er sich nach Draco um, doch er konnte ihn nirgends entdecken. Gryffindor gewann das Spiel mit 210 zu 70. Doch nachdem das Adrenalin Harrys Körper verlassen hat kam ihm wieder Dracos Gesichtsausdruck in den Sinn. Und etwas in seinem Magen zog sich schmerzlich zusammen. Da half es auch nichts, dass Ginny ihm lachend in die Arme fiel und ihm zu seinem gelungenen Fang gratulierte. Nachdem Harry sich umgezogen hatte, traf er im Gemeinschaftsraum auf Ron und Hermine. „Gutes Spiel.“, sagte Hermine. „Ein paar wollen noch nach Hogsmeade und mit einem Butterbier anstoßen.“ Harry musste unbedingt mit Draco reden. „Geht ihr schon mal vor, ich komm dann nach.“, sagte er zu den beiden. Ron sah ihn stirnrunzelnd an, aber er kam nicht dazu etwas zu sagen, denn Hermine zog ihn schon zur Tür. Als sie weg waren, zählte Harry noch bis Hundert und ging dann auch nach draußen. Doch wo sollte er Draco finden? Einer plötzlichen Eingebung folgend, machte er sich auf den Weg zum See. Es dämmerte schon und ein kalter Wind wehte um seine Nase. Glücklicherweise hatte er seinen Gryffindor Schal umgebunden. „Was willst du hier? Ich hab gesehen, dass deine Angebetete in Richtung Hogsmeade verschwunden ist.“ Harry hatte Draco tatsächlich am See gefunden. Gekonnt warf Draco kleine Steinchen über das Wasser und Harry beobachtete wie sie 5, 6 mal hüpften, bis sie im Wasser versanken. „Bist du etwa eifersüchtig?“, fragte Harry im näckischem Ton um die Situation etwas aufzulockern. „Das hättest du wohl gern.“, schnaubte Draco und warf drei Steine aufeinmal in den See. Sie platschten auf und versanken sofort. „Hey.“ Harry nahm Dracos Hand und zwang ihn damit sich zu ihm umzudrehen. Dracos Finger zitterten. Vielleicht war es die Kälte. „Da ist nichts mit Ginny. Du brauchst dir keine Sorgen zu machen.“, sagte Harry sanft. Dann streckte er die Hand aus und strich Draco eine hell blode Strähne aus der Stirn, die ihm ins Gesicht gefallen war. Draco schaute noch immer verunsichert, und um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, zog Harry Dracos Gesicht langsam zu seinem ran und küsste ihn.

    7
    Weihnachten in Hogwarts Teil 1:
    Waren Harry und Draco jetzt zusammen? Wie würde das weiter gehen? Konnte es sein, dass Draco in ihn verliebt ist? Nein, das wäre doch total absurd. Aber nur bei der Idee wurde Harry ganz flau im Magen. Und wenn es so wäre, würde Draco jemals zu ihm stehen? Vermutlich nicht, bei dem Vater. Das und mehr ging Harry durch den Kopf, als er alleine im Gryffindor Schlafsaal auf seinem Bett lag. Es war ungewohnt still. Seine Mitbewohner sind alle über die Weihnachtsferien nach Hause gefahren. Ron hatte ihn zwar gefragt, ob er Weihnachten bei ihm verbringen will, aber Harry hatte abgelehnt. Er brauchte ein bisschen Ruhe, die würde er bei den Weasleys bestimmt nicht kriegen. Außerdem wollte er ein bisschen Abstand von Ginny halten. Er musste sich über ein paar Dinge klar werden. Und er konnte sich etwas Schlimmeres vorstellen, als Weihnachten mit Hagrid im verschneiten Hogwarts zu verbringen. Heute Morgen hatte er seine Freunde am Bahnhof verabschiedet und seitdem das Zimmer nicht mehr verlassen. Seufzend setze er sich im Bett auf, als der Hunger zu groß wurde. Er hatte zwar etliche Schokofrösche und Lakritz-Zauberstäbe verdrückt, wie der Haufen an leeren Papierchen auf dem Nachttisch bewies, aber gegen den Hunger half das leider nicht. Es war ungewohnt das Schloss so leer und ruhig zu erleben. Selbst die Gemälde schienen Ferien zu machen, denn viele waren leer. Harry war das ganz recht, denn er hatte den alten, schlamm braunen Pullover angezogen, den Hagrid ihm zu seinem Geburtstag gestrickt hatte. Die Ärmel waren viel zu lang und hier und da hingen Fäden heraus, aber er war kuschlig warm. „Oh hi Harry. Schicker Pullover.“, lachte Hagrid, dem Harry im Eingang der Großen Halle begegnete. Im Schlepptau hatte er einen großen Tannenbaum. „Das hier ist der letzte.“, sagte Hagrid und nickte in Richtung des Baumes. „Komm ich helfe dir.“, beschloss Harry und griff nach den Ästen. Zusammen, Hagrid mehr als Harry, trugen sie den letzten Baum an seinen Platz. Die anderen 11 Weihnachtsbäume erstrahlten schon in dem Licht von hundert Kerzen. Ein paar Lehrer waren dabei große glänzende Kugeln und Sterne anzubringen. Eine kleine Bewegung mit dem Zauberstab und schon flogen die Sachen zu ihrem Platz. Ein Baum war komplett mit Zuckerstangen und kandierten Äpfeln behängt. An einem anderen hingen kleine Eulen und Besen. Von der Decke rieselte Schnee, der nie am Boden ankam. Es war einfach perfekt. „Ich schau mal, ob ich noch was zu essen bekomme. Bis morgen.“, verabschiedete Harry sich und sah zu dem Gryffindortisch. Dort saßen nur wenige Schüler. Unter anderem der Treiber Jimmy Peakes mit seiner Freundin. Harry nickte ihm zu und setzte sich dann etwas abseits vor eine große Schüssel mit Kartoffeln. Diese waren, ebenso wie das Hähnchen bereits kalt, aber es half, dass sein Bauch aufhörte zu knurren. „Darf ich mich setzten?“ Harry erschrak sich so sehr, dass er sich an seinem Kürbissaft verschluckte. Harry hustete und versuchte wieder normal Luft zu bekommen. „Du bist gar nicht Zuhause?“, fragte Harry, den vor ihm stehenden Draco Malfoy. „Offensichtlich nicht.“, grinste Draco und setze sich dann, ohne auf eine Antwort zu warten. Sofort wurde Harry schrecklich bewusst, wie blöd er in dem viel zu großen Pullover aussah und versuchte vergeblich ihn in Form zu ziehen. Draco nahm sich eine Plätzchen von dem großen Teller und knabberte daran herum. „Meine Eltern sind in die Vereinigten Staaten gereist und hatten wohl keine Lust mich mitzunehmen.“ Draco zuckte mit den Schultern. „Soll mir recht sein. Weihnachten war nie wirklich etwas, worauf ich mich gefreut habe.“ „Das war bei mir früher auch so, bevor ich nach Hogwarts kam.“, erzählte Harry. „Ich hab es gehasst. Einmal habe ich von meiner Tante einen Karton Hundekuchen geschenkt bekommen.“ Jetzt konnte Harry darüber lachen, als er daran zurück dachte. Draco lachte und Harry wurde bei dem Anblick ganz kribbelig. „Und wie hat es geschmeckt?“, fragte Draco neckisch. Und dann unterhielten sie sich stundenlang über vergangene Weihnachtsfeste. So kam es Harry zuminderst vor. Er dachte nicht mehr darüber nach, was das zu bedeuten hatte. Er genoss einfach die Zeit. Sie redeten wie ganz normale Freunde, bis sie ganz alleine in der großen Halle waren. „Vielleicht änderst du deine Meinung über Weihnachten noch, wenn du siehst, wie magisch es sein kann. Du kannst morgen mit zu Hagrid kommen. Also wenn du magst. Hagrid ist nett.“, sagte Harry, als sie sich auf dem Weg zu ihren Schlafräumen befanden. „Klingt gut.“, sagte Draco ohne lange darüber nachdenken zu müssen. Er fühlte sich merkwürdig frei, ohne ständig befürchten zu müssen, was Crabbe und Goyle und die anderen Slytherins von ihm dachten. Etwas unschlüssig standen sie nun vor der Abzweigung, die zum Slytherin Gemeinschaftsraum führte. „Also dann, bis morgen.“, sagte Harry, unschlüssig, was er nun tun sollte. Konnte er ihn umarmen. Er hatte so ein großes Bedürfnis diesen Jungen mit den hellgrauen Augen zu berühren. Doch bevor Harry irgendwas tun konnte, kam Draco auf ihn zu und hauchte ihm einen flüchtigen Kuss auf die Wange. „Gute Nacht, Potter.“, grinste er und mit diesen Worten verschwand er um die Ecke. Eine Minute stand Harry noch regungslos an der selben Stelle. Seine Finger befühlten die Stelle, wo Draco ihn geküsste hatte und fast bildete er sich ein, die Berührung immer noch fühlen zu können. Verstand einer diesen Malfoy. Gestern noch schubste er ihn halb die Treppe runter und jetzt hatte er ihn geküsst. Harry fühlte sich so leicht, dass es ihm fast so vorkam, als würde er zu dem Gryffindorturm hoch schweben. Es musste schon spät sein. Harry sah aus dem Fenster in die dunkle Nacht. Es hatte angefangen zu schneien. Es wirkte wie eine andere Welt da draußen. Und das Fallen der Schneeflocken war hypnotisierend. Für einen Moment vergass er was alles Schlimmes in seinem Leben passiert ist. Jetzt in diesem Moment war er glücklich. Dieses warme Gefühl in seinem Bauch fühlte sich gut an. Vielleicht muss man nicht immer alles analysieren. Vielleicht muss man nicht alles benennen. Vielleicht kann man einfach leben. Das tun, was einen glücklich macht. Dieses Weihnachten würde toll werden. Sie konnten Schlittschuh laufen und im Schnee spazieren gehen. Sie konnten ihre Rollen, die sie sonst immer spielten für ein paar Wochen ablegen und einfach sie selbst sein.

    8
    Weihnachten in Hogwarts Teil 2:
    Der Morgen begrüßte Draco mit blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein. Es war noch früh. Draco hatte sich noch vor dem Frühstück seine warmen Klamotten und die Pelzmütze geschnappt und war nach draußen gegangen. Überall glitzerte der Schnee. Es war ein schöner Tag und alles war ruhig. Hogwarts war wie ausgestorben. Die meisten Schüler waren über Weihnachten nach Hause gefahren, und der Rest lag noch in den warmen Federbetten. Draco begegnete nur einem Geist, der vor sich hin murmelnd durch die Gänge schwebte. Draco atmete tief durch, als er bis zu den Waden in Schnee stand. Die Luft roch frisch und nach Winter. Mit behandschuhten Händen formte er einen Schneeball und warf ihn an einen etwas entfernten Baumstamm. Es waren noch zwei Tage bis Weihnachten. Und dann kam noch Silvester und so lange würden die anderen weg sein. Außer Harry Potter hatte er jetzt keine Freunde hier. Wobei, waren Harry und er eigentlich Freunde? Oder was waren sie? Es fühlte sich anders an, als bei Crabbe und Goyle. Mal davon abgesehen, dass die beiden Idioten waren, die ihre Unterhosen falsch herum anzogen. Harry war so anders. Er war klug und witzig und freundlich, obwohl er so viel durchgemacht hat. Er hat so eine Ausstrahlung, dass man sofort mit ihm befreundet sein wollte. Und das lag nicht nur daran, dass er der Junge ist, der überlebt. Draco konnte nicht verstehen, dass nicht die ganze Welt in ihn verliebt war. Oder vielleicht war sie es ja. So wie er immer behandelt wurde. Aber die Menschen sehen selten hinter den Jungen, der den Angriff von Voldemort überlebt hat. Sie interessieren sich nicht dafür, dass er verständnisvoll oder ein guter Freund ist. Mit dem Fuß kickte Draco etwas Schnee weg und ärgerte sich, dass Harry so seine Gedanken dominierte. Als seine Handschuhe durchnässt und seine Nasenspitze vor Kälte rot war machte er sich auf den Weg zurück ins Schloss. Draco ging gleich mit seinen nassen, schweren Stiefeln in die Große Halle, was von dem Hausmeister Filch überhaupt nicht gerne gesehen wurde. Der Raum war von mehreren brennenden Kaminfeuern aufgewärmt und ein süßer Geruch lag in der Luft. „Guten Morgen.“, sagte eine Stimme hinter ihm. Dort stand Harry mit noch leicht verschlafenen Augen und Haaren, die in alle Richtungen ab standen. „Warst du schon draußen?“, fragte dieser dann und besah sich Dracos nasse Hose und die Stiefel, an denen immer noch Schneeklümpchen hingen. „Ja, es ist wunderschön draußen. Aber jetzt hab ich Hunger.“ Zur Bekräftigung seiner Aussage knurrte sein Magen. Nachdem die beiden gefrühstückt hatten, wollten sie wieder nach draußen, um den schönen Tag zu genießen. Draco hatte seine Stiefel und die Handschuhe am Kamin getrocknet und dann in Socken am Tisch gesessen. Nun waren sie satt und gemeinsam gingen sie zum Gryffindor-Turm um Harrys Jacke und die Mütze zu holen. Draco wartete vor der Tür und stritt sich gerade mit der fetten Dame, als Harry schon wieder kam. Er war so dick eingepackt, dass er ganz rund aussah und Draco konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. „Wer als letztes unten ist, ist ein stinkender Troll.“, rief Draco dann und rannte die Treppe runter. Harry dicht hinter ihm. Sie hielten erst an, als sie in den Schnee stolperten. „Ich hab gewonnen.“, rief Draco, der zeitgleicht mit Harry unten ankam. „Träum weiter. Ich hab dich abgehängt.“, entgegnete Harry.
    Als Erwiderung flog ihm ein Schneeball ins Gesicht. „Na warte.“, lachte Harry und bückte sich um etwas Schnee aufzunehmen und eine Kugel zu formen. Währenddessen traf ihn ein weiterer Schneeball. Die zwei lieferten sich eine unerbittliche Schneeballschlacht, bis Dracos Finger so kalt waren, dass er keinen Ball mehr formen konnte. Kurzerhand drückte er Harry eine Hand voll Schnee ins Gesicht, worauf hin dieser das Gleichgewicht verlor. Harry hielt sich an Dracos Jacke fest, was zur Folge hatte, das die beiden Jungen übereinander im Schnee landeten. Draco über Harry. „Jetzt bist du geliefert, Potter.“, grinste Draco und nahm langsam etwas Schnee in die Hände. Doch Harry wollte sich das nicht gefallen lassen. Mit all seiner Kraft rollte er sie herum und saß kurze Zeit später auf dem verwunderten Draco, der damit nicht gerechnet hatte. Mit den Händen hielt er Dracos Hände auf dem Boden neben seinem Kopf fest und dieser hatte keine Chance mehr sich zu befreien. Er konnte nur noch mit den Beinen wackeln. Aber wenn er ehrlich war, lag ihm auch nicht viel daran, sich zu befreien. Harry schaute mit vor Anstrengung und Kälte roten Wangen auf ihn hinab. Und seine Lippen kamen immer näher und dann küsste er ihn. Sofort vergaß Draco, dass er im Schnee lag und ihm wurde heiß bis zu den Zehenspitzen. Es kam ihm wie eine Ewigkeit vor, bis Harry seine Hände los ließ und sie sich auf rappelten. Jetzt merkte Draco, wie kalt es war. Der Schnee war ihm in den Kragen gerutscht und das kalte Wasser lief ihm jetzt den Rücken runter. „Mir ist kalt.“, sagte er bibbernd. Harry klopfte Draco den Schnee von der Mütze und der Jacke und sagte: „Wir können schauen, ob Hagrid zu Hause ist. Seine Hütte ist gleich da drüben. Ich war ja sowieso heute mit ihm verabredet.“ „Und es ist okay, wenn ich mitkomme?“, fragte Draco etwas verunsichert. „Aber klar.“, grinste Harry, der diese Seite nur selten an Draco erlebte, und nahm die Hand seines Freundes. Als sie an die schwere Holztür klopften hörten sie von drinnen ein Klappern und dann schwere Schritte auf sie zu kommen. „Du liebe Güte, wie seht ihr denn aus?“, begrüßte Hagrid sie. „Hallo Hagrid.“ „Kommt sofort rein, ihr erkältet euch noch. Und das so kurz vor Weihnachten, das wollen wir ja nicht.“ Mit diesen Worten zog er die beiden in die warme Hütte. „Ich bring’ euch einen heißen Kakao. Und die nassen Sachen könnt ihr dort aufhängen.“ Als sie sich ausgezogen hatten setzen sie sich mit zwei dampfenden Tassen Kakao an den Tisch. „Hier. Die sind frisch gebacken.“ Hagrid stellte ihnen einen Teller mit merkwürdig geformten Plätzchen vor die Nase. Draco nahm sich höflicher weise eins. Der Keks war so hart, dass er sich fast die Zähne ausbrach. „Ich wollte gerade die zweite Ladung der Plätzchen machen. Ein Rezept von meiner Mutter. Aber ich muss kurz Feuerholz holen. Wenn ihr kurz übernehmen wollt?“ Die zwei Jungs sahen unschlüssig zu der großen Schüssel. „Ehm Hagrid, ich hab sowas noch nie gemacht.“, gab Harry zu. „Du hast noch nie Plätzchen gebacken? Das ist doch mit das Schönste an der Weihnachtszeit. Dann wird es ja höchste Zeit.“ Hagrid zeigte auf ein gelbliches Papier, das neben der Schüssel lag. „Im Rezept steht alles drin. Kann nichts schief gehen. Ich bin gleich wieder da.“ Dann schloss er die Tür mit einem gewaltigen Rumms. Draco hatte sich unterdessen das Rezept genauer angeschaut. „Da stehen ja ziemlich merkwürdige Sachen drauf.“ „Hast du schon mal sowas gemacht?“, fragte Harry Draco. „Einmal, mit sechs oder so. Ich hab solange gebettelt, bis meine Mum es erlaubt hat. Das Ergebnis war eine dreckige Küche und eklige Kekse. Das war dann auch wieder das Ende meiner Back-Kariere.“ Hagrid hatte die Zutaten schon alle zu Recht gestellt, dass die Jungs jetzt nur noch alles in der Schüssel zusammen mixen mussten. „Das ist so dämlich.“, sagte Draco, als er mit der Hand den klebrigen Teig knetete. Er zog seine Hand heraus und überall blieb der Teig kleben. „Warum mach ich das eigentlich?“ „Weil wir dieses Jahr das perfekte Weihnachten erleben wollen.“, antwortete Harry mit einem Grinsen und gab Draco einen Kuss auf die Wange.

    9
    Im Verbotenen Wald:
    Harry saß in Geschichte der Zauberrei und langweilte sich. Rechts von ihm saß Hermine, die versuchte jedes einzelne Wort von Professor Binns aufzuschreiben. Besonders schwierig war das nicht, denn der redete so langsam, dass es kein Wunder war, dass die Hälfte der Schüler fast einschlief. Harry musste Ron, der links von ihm saß, ab und zu anstubsen, damit er nicht den ganzen Unterricht verschlief. Im Moment behandelten sie die Hexenverfolgung im Mittelalter. Ein eigentlich spannendes Thema und Harry fragte sich zum wiederholten Male, warum Professor Dumbledore nicht endlich einen neuen Lehrer einstellte. Als Harry mal wieder mit seinen Gedanken statt im Klassenraum auf dem Quidditch-Feld war, gab es auf der anderen Seite des Raumes einen lauten Knall und augenblicklich breitete sich grüner Rauch bis in jede Ecke aus. Professor Binns schreckte auf und warf einen verwirrten Blick in die Runde. Kurz nach dem Rauch folgte ein beißender Gestank, der den Schülern die Tränen in die Augen trieb. Die Ersten hatten schon fluchtartig den Klassenraum verlassen, bevor Ron, der tatsächlich eingeschafen war, kapierte was überhaupt los ist. Dann schnappten auch sie sich ihre Sachen und stürmten mit zugehaltener Nase nach draußen. Dort stieß Harry beinahe mit Neville zusammen, der ganz grün im Gesicht aussah. „Das ist so eklig.“, stammelte dieser. „Dagegen sind die Berti Botts Bohnen die nach faulen Eiern schmecken gar nichts.“ „Habt ihr gesehen wer das war?“, frage Hermine, doch die Jungs schüttelten den Kopf. „Ich hab gerade so schön geträumt.“, beschwerte sich Ron und gähnte zur Bekräftigung. Harry und seine Freunde waren fast die letzten, die noch vor dem Klassenraum standen. Die anderen hatten sich schon in Richuntg Großer Halle und Mittagessen gemacht, obwohl die Unterrichtszeit noch nicht ganz rum war. Hermine sah nicht so begeistert von der Idee aus, dass sie einfach vor Ende des Unterrichts gehen sollten. Doch als sie sah, dass Professor Binns schon wieder in seinem Stuhl eingeschlafen war, sagte sie nichts und folgte den anderen. Nach dem Essen verabschiedeten sich Harry seine zwei Freunde in Richtung Bibliothek, denn seit neuestem gab Hermine Ron regelmäßig Nachhilfe, und dabei waren sie am liebsten alleine. Unterricht hatte er heute nicht mehr und es war einer dieser Tage, wo er nicht Quidditch üben konnte, weil die Ravenclaws das Feld belegten. Also nahm er sich noch eine Kürbispastete und fing an ganz langsam darauf herum zu kauen, um so viel Zeit wie möglich tot zu schlagen. Draco Malfoy saß in seiner letzten Unterrichtsstunde für diesen Tag. Rechts und links von ihm saßen Crabbe und Goyle. Diese zwei Hohlköpfe, die wahrscheinlich noch nie in ihrem Leben einen Zauberspruch korrekt ausgeführt haben, versuchten nun eine Feder verschwinden zu lassen. Dabei fuchtelten sie wie wild mit ihren Zauberstäben in der Luft herum. Wie war er, Draco Malfoy, an solche Nichtsnutze geraten? Wie anders alles hätte sein können, wenn er sich damals mit Harry im ersten Jahr ein Zugabteil geteilt hätte und nicht dieser Weasley, der ihm in den Kopf gesetzt hat, dass alle Slytherins böse seien. Womöglich wäre er dann mit ihm in Slytherin und gemeinsam würde ihnen die Schule gehören. ‚Scheiß Weasley’, fluchte Draco lautlos. ‚Und diese blöde Muggel-Granger, wer hatte die bloß nach Hogwarts gelassen?’. Neben Draco gab es einen Knall und die Feder, die vor Goyle explodiert war, regnete in winzigen glühenden Funken hinab. Goyle lachte stumpf und hielt Draco die Hand zum Abklatschen hin. Crabbe, der eines dieser Stückchen in die Haare bekommen hatte, sprang panisch auf und schlug sich immer wieder auf den Kopf, um seine Haare vor dem Feuer zu retten. Dieses Schauspiel brachte Goyle so sehr zum lachen, dass er rückwärts vom Stuhl kippte. Professor McGonagall konnte gar nicht so schnell den Zauberstab zücken, da hatte sich Crabbe, der den Kampf gegen die Flammen gewonnen und nun nach verbrannten Haaren stank, auf Goyle geworfen und versuchte auf ihn ein zu prügeln. Als guter Freund sollte Draco eigentlich versuchen seine zwei Kumpel auseinander zu bringen, aber dafür sah es einfach zu witzig aus. „Mr. Crabbe, Mr. Goyle. Nachsitzen! Und für sie beide 10 Punkte Abzug von Slytherin.“, donnerte Professor McGonagall durch die Raum. Mit einem Wedeln des Zauberstabs wurden die beiden immer noch miteinander ringenden Jungen auseinander und auf die jeweils andere Seite des Klassenraums verfrachtet. Nach dem Unterricht war Draco mal wieder alleine unterwegs. Seine zwei Anhängsel waren bei Filch beim Nachsitzen und das Einzige woran Draco denken konnte, war, dass er hoffte Harry über den Weg zu laufen. Er hatte in einem Buch etwas gelesen und dem wollte er unbedingt auf den Grund gehen. Allerdings schließt dieses Vorkommen ein Besuch des Verbotenen Waldes mit ein. Und ja, er hatte Angst dort alleine hinein zu gehen. Er war schon eine Weile ziellos umher gelaufen, als Harry ihm aus der Großen Halle kommend entgegenkam. Draco konnte Harry grinsen sehen, bevor dieser seine Emotionen wieder im Griff hatte, und sein Herz sank ein Stockwerk tiefer. Sein Bauch verkrampfte sich, als er auf ihn zu trat. „Hast du gerade Zeit?“, fragte Draco und versuchte dabei so zu klingen als wäre es ihm im Grunde egal, ob er Zeit hatte oder nicht. „Mehr als mir lieb ist. Wieso fragst du?“ Harry beäugte ihn skeptisch und versuchte zu erahnen, worauf der Blonde hinauswollte. „Ich würde dir gerne etwas zeigen. Allerdings müssen wir dafür etwas Verbotenes tun. Aber das sollte dich ja nicht abschrecken.“ „Ich weiß nicht…“, sagte Harry langgezogen. Es widerstrebte ihm die Regeln zu brechen. Das wollte er sich für die Momente aufheben, wo es absolut notwendig war. Allerdings kam es nicht häufig vor, dass er mit Draco alleine Zeit verbringen konnte. „Es geht um den Verbotenen Wald. Ich hab gelesen, dass…“ „Also gut.“, fiel Harry ihm ins Wort. „Aber hier sind zu viele Menschen.“ Und mit raschen Schritten ging er durch das große Tor nach draußen. Dass Draco ihm folgte erkannte er an seinem einzigartigen Geruch nach einer Mischung aus Zitronengrass und Apfelsaft. Harry nahm sich vor ihn irgendwann danach zu fragen. Es war kurz vor Halloween, weshalb es schon früh dunkel wurde und eine kalte Brise das Laub durch die Gegend fliegen ließ. Es waren nicht viele Leute draußen und Harry erwischte Draco nur zwei Mal dabei, wie er sich umsah, ob sie beobachtet wurden. Je näher sie dem dunklen Wald kamen, desto stärker schlug Harrys Herz. Worauf hatte er sich da eingelassen? Die Blätter der Bäume raschelten und die alten Äste ächzten im Wind. Das war immer noch ein Malfoy neben ihm. Und er war im Begriff mit ihm alleine in den Verbotenen Wald zu gehen. Wenn das alles nur eine Falle ist? Draco bemerke Harrys Zögern und sah sich ein drittes Mal um. Als niemand zu sehen war, griff er entschlossen nach Harrys Hand und fragte grinsend: „Angst Potter?“ „Träum weiter.“, erwiderte Harry lachend und setzte einen Schritt Richtung lebenslangem Nachsitzen, falls sie irgendjemand erwischen sollte. „Jetzt wäre der Moment mir zu sagen, was wir hier eigentlich wollen.“, sagte Harry, nachdem sie eine Weile schweigend nebeneinander immer weiter in den Wald vordrangen. „Um ehrlich zu sein, weiß ich gar nicht, ob wir sie überhaupt finden können.“ „Wie bitte? Sag nicht, du hast nur eine Ausrede gebraucht, um mit mir alleine zu sein.“, sagte Harry neckisch. „Als ob ich dafür eine Ausrede gebraucht hätte. Du wärst doch auch mitgekommen, wenn ich gesagt hätte, dass ich gerne auf Knallrümpfigen Krötern reiten möchte.“ Harry blieb lachend stehen und drehte sich zu Draco, sah ihm kurz in die leuchtend blauen Augen, die ihn alles vergessen ließen, und küsste ihn. An diesen Stromschlag, wenn ihre Lippen sich berührten würde er sich wohl nie gewöhnen. Draco machte einen Schritt nach hinten, um nicht umzufallen und stieß mit dem Rücken an einen Baum. Als Harry ihm nicht folgte packte Draco Harrys Jacke mit beiden Händen und zog ihn an sich heran. Und Draco küsste Harry, als wäre er ein Ertrinkender und Harry das letzte bisschen Sauerstoff. Erst ein Knacken ließ die zwei auseinanderfahren. „Psst!“ Draco hielt sich einen Finger vor die Lippen und deutete an leise zu sein. Harry nickte und sah sich langsam in alle Richtungen um. Die Sonne schien gerade noch genug, damit Harry nicht weit entfernt eine Bewegung ausmachen konnte. Im ersten Moment vermutete er einen Zentauren, weil er vier Beine ausmachen konnte, aber dafür war die Kreatur zu klein. Und sie bewegte sich zu leise fort. Harry wollte nach seinem Zauberstab greifen, doch Draco stoppte ihn. „Nicht.“, flüstere er und schaute mit staunenden Augen zu der Stelle, wo immer mehr von diesen Schatten auftauchten. „Das sind sie!“ Harry bekam kaum mit was Draco sagte. Er sah nur, dass das, was immer es war, auf sie zu kam. Sein Kopf schrie ‚Lauf!‘, doch seine Beine wollten nicht hören. Die letzten Sonnenstrahlen fielen golden durch die Baumkronen und tauchten den Wald in eine magische Stimmung. Es wirkte beruhigend und Harry erkannte, was dort durch den Wald schlich. „Das sind Wölfe.“, sagte er tonlos. Und seine Angst wurde gleich viel schwächer, als er in die Augen des Größten von ihnen sah. Das Fell leuchtete in der Abendsonne und die Augen waren fast menschlich. „Ich hab von ihnen gelesen, aber ich wollte nicht so recht an sie glauben.“ Draco setzte sich in Bewegung, direkt auf die Tiere zu. Insgesamt waren es fünf und alle so groß, dass einer alleine sie beide platt gemacht hätte. Doch obwohl sie keine Anstalten machten, sie anzugreifen, hatte Harry nicht das Bedürfnis auf Kuschelkurs mit ihnen zu gehen. Ganz anders wohl als Draco, der auch noch anfing mit ihnen zu reden. „Guten Tag. Es tut mir leid, dass wir hier so eingedrungen sind.“ Harry dachte Draco hätte den Verstand verloren und zischte ihn an, zu ihm zurück zu kommen. Doch Draco redete weiter und einer der Wölfe hielt den Kopf schief, sodass es tatsächlich den Anschein hatte, die Wölfe hörten ihm zu. „Mein Name ist Draco Malfoy, und das hier ist mein Freund Harry Potter.“ Trotz der außergewöhnlichen Situation kam Harry nicht drum rum über die Bezeichnung ‚Freund‘ zu grinsen. „Harry, komm her.“, forderte Draco ihn sanft auf. Mit langsamen, vorsichtigen Schritten ging er auf die Wölfe zu und schwor sich nie wieder bei einem von Dracos bescheuerten Plänen mitzumachen.
    „Ich habe in einem Buch in der Bibliothek gelesen, dass im Verbotenen Wald diese intelligenten Wölfe leben. Es kam wohl mal vor, dass sich zwei Werwölfe bei Vollmond gepaart haben und die daraus entstandenen Wolfsjungen wurden hier im Verbotenen Wald ausgewildert. Du hast doch bestimmt von den Gerüchten über Werwölfe hier im Wald gehört.“ Draco schaute diese wunderschönen Wesen fasziniert an. „Das zwei Werwölfe in Wolfsgestalt Kinder zeugen, kommt nur super selten vor. Ich glaube es sind nur zwei Fälle bekannt.“ Harry meinte zu erkennen, wie der erste Wolf einen Schritt auf ihn zu trat und dann den Kopf wie zu einem Nicken senkte. Dann setzte sich das Rudel in Bewegung und genau so leise, wie sie gekommen sind, waren sie wieder im Dickicht verschwunden. „Wow.“, brachte Harry heraus. Die beiden Jungen sahen sich an und waren sich beide nicht ganz sicher, ob das eben wirklich passiert ist. Eine kalte Brise ließ Draco erschaudern. Die Sonne musste inzwischen untergegangen sein und es wurde immer dunkler. „Wir sollten zurück.“, sagte Draco leise und Harry nickte. Sie fanden den Weg ohne Schwierigkeiten. Sie schwiegen beide, bis sie das Schloss erkennen konnten. Die Fenster leuchteten in der Dunkelheit und niemand dort ahnte was sie gerade erlebt hatten. Und sie mussten es nicht aussprechen, die beiden Jungen wussten, dass das für immer ihr Geheimnis bleiben würde. Eine Eule flog über sie hinweg und stieß einen Schrei aus. Draco sah nach oben, und dann zu Harry. Die grünen Augen leuchteten ihm entgegen und die Harre standen, durch den Wind zerzaust, in alle Richtungen ab. Mit einer vorsichtigen Bewegung strich Draco dem Schwarzhaarigen eine Locke aus der Stirn, sah abwechselnd von den Augen zu den Lippen und küsste ihn schließlich. „Ich…“, setze Draco an, verstummte aber dann. „Danke, dass du mitgekommen bist. Ich werde hier noch eine Weile warten, damit wir nicht zusammen ins Schloss gehen.“ „Ich hasse diese Heimlichtuerei.“, seufzte Harry, aber Dracos Lächeln war dieses Versteckspiel wert. Er verabschiedete sich mit einem letzten flüchtigen Kuss und machte sich dann auf den Weg zurück zum Schloss.

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