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Nerea Marini - Version 2

Version zwei von Reas Geschichte!
50 Word-Seiten lang, ihr 5. Jahr ist zwar immer noch dasselbe, aber ihr werdet sehen..

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    5. Jahr (oder auch: Das Jahr, in dem es fast nur um Quidditch geht) „Bist du bereit?“ Davies sah mich fragend an und hielt den Schnatz in seiner H

    5. Jahr (oder auch: Das Jahr, in dem es fast nur um Quidditch geht)

    „Bist du bereit?“
    Davies sah mich fragend an und hielt den Schnatz in seiner Hand.
    Ich salutierte. „Aye.“
    Er grinste, dann ließ er den kleinen goldenen Ball los, der sofort mit den Flügeln flatterte und in die Luft schoss.
    Ich fixierte ihn, wartete kurz und stieß mich dann vom Boden ab.
    Mein blauer Zopf flatterte hinter mir her wie ein Drachenschwanz, während ich dem Schnatz hinterherraste.
    Ich war mitten im Auswahlspiel für das Ravenclaw-Quidditchteam.
    Ich hatte mich als Sucherin beworben, wie immer.
    Dieses Jahr hatten wir einen neuen Kapitän, deshalb musste ich mich wieder bewerben, aber ich hatte fast keine Zweifel, dass ich es ins Team schaffen würde.
    Und tatsächlich: Nur eine Minute später schnappte ich mir den Schnatz und landete wieder elegant aufs Feld.
    Cedric, der in der Tribüne saß und zusah, jubelte mir zu.
    Ich grinste ihn an und ließ den Schnatz wieder los.
    So ging das etwa eine Stunde weiter.
    Dann klatschte Davies in die Hände und rief uns zu sich.
    „Ok, Nerea“, sagte er grinsend zu mir, „ich glaube, ich muss dir nicht extra noch sagen, dass du im Team bist, oder?“
    „Nö.“ Lachend warf ich ihm den Schnatz zu, den er geschickt auffing.
    Cho neben mir stöhnte frustriert, konnte ein Lächeln aber nicht unterdrücken. „Mensch, Rea, dir sollte man verbieten, Quidditch zu spielen! So hat doch niemand eine Chance!“
    Ich grinste sie charmant an. „Bring mich doch gleich um. Und hey, du solltest mir danken. Dadurch, dass du nicht in der Mannschaft bist, kannst du mit Cedric in der Tribüne sitzen…“
    Sie wurde knallrot und kickte mir gegen das Schienbein, aber ich lachte einfach.
    Jaja, sie wollte es immer noch nicht zugeben.
    Sie war doch eindeutig in ihn verknallt.
    Ich stieß mich wieder ab und flog eine Siegesrunde.
    Ich liebte es zu fliegen.
    Der Wind im Gesicht, das Gefühl über alles zu stehen…
    „Hey!“, brüllte Davies mir von unten zu. „Willst du hier Wurzeln schlagen, oder warum bist du noch hier?“
    „Ich glaube, es ist physikalisch unmöglich, in der Luft Wurzeln zu schlagen, Captain“, brüllte ich zurück.
    Er verdrehte die Augen. „Abflug, Marini.“
    Ich landete elegant und ging zu den Umkleiden.
    Nachdem ich mich umgezogen hatte, ging ich pfeifend den Weg zum Schloss hoch, da lief mir Cedric über den Weg.
    „Und wieder im Team, Glückwunsch.“
    „Hattest du Zweifel?“, konterte ich.
    „Nein“, erwiderte er grinsend.
    „Angst solltest du aber haben. Wir machen euch platt.“
    „Träum weiter.“
    „Wir wissen doch beide, dass ich die Schnellere bin“, lachte ich.
    „Jaja.“
    Er gab mir eine Kopfnuss und wir gingen zusammen zum Schloss.
    Als wir in entgegengesetzte Richtungen gehen mussten, umarmte Cedric mich zum Abschied lang. „Schlaf gut, Marini.“
    „Du auch, Diggory.“

    „Morgen.“
    Ich sah auf und mein Herz sprang erstmal in die Höhe.
    Fred Weasley, seit zwei Jahren mein Schwarm, hatte sich vor mir hingesetzt und gähnte.
    „Wie lang bist du diesmal aufgeblieben?“, fragte ich ihn schmunzelnd.
    „Keine Ahnung, hab nicht auf die Uhr geschaut. Hoffe, du trainierst auch viel. In wenigen Tagen ist das Spiel. Gryffindor gegen Ravenclaw“, erinnerte er mich.
    „Wenn hier jemand trainieren muss, dann ihr“, entgegnete ich grinsend.
    „Wir besiegen euch sowieso“, konterte Fred.
    „In deinen kühnsten Träumen.“
    „Na, na, wird hier gestritten?“ Flitwick eilte auf uns zu.
    Ich grinste. „Nein, Professor. Wir argumentieren. Das ist ein Unterschied.“
    Flitwick musterte uns belustigt und ging zurück zum Lehrertisch.
    „Argumentieren, ja?“
    Charmant grinste ich Fred an. „Jep.“
    Er lachte. „Ok. Aber ehrlich, gegen Harry wirst du dich wirklich anstrengen müssen.“
    Ich verzog das Gesicht. „Ja, da hast du ausnahmsweise Recht.“
    Es war wirklich schwer gegen Harry Potter zu gewinnen.
    Einmal hatte ich gegen ihn verloren.
    Das war eine etwas längere Geschichte.
    Fred grinste mich wieder an und mit diesen Sorgen und seinem Lachen im Ohr ließ er mich zurück.


    Verteidigung gegen die dunklen Künste

    „Professor Lupin also.“
    Ich sah stirnrunzelnd auf meinen Stundenplan. „Weißt du schon, was das für ein Typ ist?“
    Cedric zuckte mit den Schultern. „Ich weiß genauso wenig wie du. Ich hoffe nur, er ist besser als Lockhart.“
    „Das würde ich ihm auch raten, ich brauche echt mal einen kompetenten Lehrer für mein Lieblingsfach“, knurrte ich.
    Professor Lockhart war unser VgdK-Lehrer im vierten Jahr gewesen und ehrlich – er war der schlimmste, den ich bisher hatte.
    Immer nur hatte er von sich selbst geredet, wie toll er war und was er für fantastische Sachen getan hatte.
    Ich hatte ihm kein Wort geglaubt, leider anders als die anderen Mädchen in der Klasse. Sie hatten Lockhart geradezu angehimmelt, was ich echt nicht nachvollziehen konnte.
    Es war wie mit Cedric, nur dass es Lockhart definitiv NICHT unangenehm war und Ced war auch hundertmal schlauer als er.
    Ich kann sogar jetzt nicht sagen, was wir genau im Unterricht bei ihm gelernt hatten, außer seine ganzen Titel, die ich mir sowieso nicht merken konnte.
    Also bitte.
    Noch während ich in meinen inneren Lästereien über Lockhart versank, flog die Tür zum Klassenraum auf und Professor Lupin stand vor uns.
    „Guten Morgen“, begrüßte er uns strahlend. „Treten Sie nur ein!“
    Mit einem halbwegs guten Gefühl trat ich mit den anderen Schülern in den Raum.
    Das erste, was ich bemerkte, war ein großer Schrank, der in der Mitte stand und seltsamerweise ruckelte, als wäre etwas darin gefangen.
    „Kommen Sie näher, es ist nichts Gefährliches“, sagte Lupin aufmunternd. „Also, guten Morgen erstmal. Mein Name ist Professor Lupin und ich bin euer diesjähriger Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste. Liege ich richtig, wenn ich sage, dass ihr noch keine Irrwichte durchgenommen habt?“
    Verwirrtes Raunen fuhr durch die Gruppe, einige sahen verständnislos drein, wieder andere machten den Eindruck, als ob sie wüssten, was Irrwichte waren.
    Ich jedenfalls hatte keinen Plan.
    „Offenbar schon“, bemerkte Lupin freundlich. „Nun gut, das ist nicht schlimm, aber es ist wichtig zu wissen, wie man gegen sie vorgeht. Eigentlich hätte das schon im dritten Jahr vorkommen sollen, aber offenbar wurde nichts daraus. Das können wir jetzt nachholen.“
    Er ging zum Schrank rüber. „Ein Irrwicht hat keine bestimmte Gestalt. Wenn man sich allerdings allein einem nähert, verwandelt es sich in das, wovor man sich am meisten fürchtet.“
    „Dann kein Wunder, dass wir es nicht gemacht haben“, murmelte ich. „Ich bezweifle stark, dass Quirrell die Stunde ohne eine Ohnmacht überstanden hätte.“
    Alle lachten, sogar Lupin.
    „Wenn man einen Irrwicht erledigen will, gibt es einen einfachen Zauber“, fuhr er fort. „Sprecht mir nach: Riddikulus!“
    „Riddikulus!“, riefen wir.
    „Sehr gut, sehr gut… Während ihr das sagt, denkt an etwas Witziges, in das sich euer Irrwicht verwandeln soll. Verstanden?“
    Wir nickten und Lupin zog seinen Zauberstab. „Also gut. Wer will zuerst?“
    Viele Hände hoben sich, aber weder meine noch die von Cedric war dabei.
    Meine größte Angst? Was war das überhaupt?
    Ich hatte eine leise Ahnung, aber ich war mir nicht sicher.
    „Evan, komm!“, rief Lupin und ein Junge aus Hufflepuff trat hervor.
    Mit einem Schnippen seines Zauberstabs öffnete Lupin den Schrank und ein blasser hagerer Mann stieg heraus, mit roten Augen und spitzen Eckzähnen…“
    „Riddikulus!“, rief Evan und dem Vampir fielen alle Zähne aus.
    Alle prusteten los.
    „Sehr gut, sehr gut!“, lachte Lupin. „Bethany?“
    Sie trat nach vorne und der Vampir verwandelte sich in eine riesige Schlange.
    „Riddikulus!“
    Eine Schlange auf dem Skateboard.
    So ging es die ganze Zeit weiter, dann nickte Lupin Cedric aufmunternd zu, der auf einmal sehr, sehr verunsichert aussah.
    „Komm schon“, raunte ich, er holte tief Luft, zog seinen Zauberstab und ging ein Paar Schritte nach vorne.
    Die flügellose Fledermaus, die Jenna aus Hufflepuff heraufbeschworen hatte, trippelte einmal um ihn herum und verwandelte sich.
    Es war entweder etwas Kleines oder es lag auf dem Boden, denn ich konnte nichts erkennen.
    Wie die anderen reckte ich den Hals, um zu sehen, was der Irrwicht geworden war, aber da rief Cedric schon: „Riddikulus!“, wobei mir allerdings auffiel, dass seine Stimme um einiges heiserer klang als sonst.
    Ich bemerkte, wie mir einige Leute merkwürdige Blicke zuwarfen, darunter auch Lupin.
    Verständnislos hob ich eine Augenbraue.
    Was denn?
    Cedric ging schnell zurück und der nächste Schüler trat vor.
    Ich sah meinen besten Freund besorgt an, aber bevor ich was sagen konnte, rief Lupin: „Nerea, komm!“
    Ich schreckte au, zog meinen Zauberstab und ging nach vorne.
    Der steppende Schrumpfarm verwandelte sich – und wurde zu einem leblosen Körper am Boden.
    Einen außergewöhnlich hübschen Jungen mit dunklen Haaren und grauen ausdruckslosen Augen, ein Blutrinnsal im Gesicht, offensichtlich tot.
    Ich merkte gar nicht, wie ich meinen Zauberstab fallen ließ und er klappernd aufschlug.
    Mein Gesicht fühlte sich sehr kalt an, wahrscheinlich war ich gerade weiß wie eine Wand.
    Lupin trat eilig vor und rief „Riddikulus!“
    Die Leiche verpuffte zu einem Rauchwölkchen und Lupin musterte mich besorgt. „Nerea?“
    Ich hörte nichts mehr. Ich drehte mich um und rannte aus dem Raum.


    „Nie wieder“, stöhnte ich, „trainiere ich mit Davies im Regen.“
    Ich ließ mich erschöpft auf einen Sessel vor dem Kamin fallen und strich mir das nasse Haar aus dem Gesicht.
    Cho sah von ihrem Buch auf und grinste. „Ich dachte, du magst Regen.“
    „Nicht, wenn ich zweieinhalb Stunden darunter auf einem Besen einem goldenen Ball hinterherjagen muss!“
    Sie lachte. „Und was hat Davies getan?“
    „Er war total streng! Wir mussten Sprints auf dem Besen üben und wenn sich mal jemand beschwerte, dass er nichts sehen konnte, hat er ihn angeherrscht, er solle sich gefälligst nicht so anstellen“, beschwerte ich mich. „Ich hätte nie gedacht, dass ich das jemals sagen würde, aber er ist schlimmer als Goldstein!“
    „Wer ist schlimmer als Goldstein?“
    Davies betrat den Gemeinschaftsraum und sah mich misstrauisch an.
    „Äh… Cho“, antwortete ich schnell. „Immer, wenn ich meine Hausaufgaben vergesse, hält sie mir einen Vortrag.“
    Davies hob eine Augenbraue, ging aber nicht weiter darauf ein.
    Cho trat nach mir. „Ernsthaft?“, zischte sie.
    „Jap.“ Ich grinste sie offen an. „Wir wollen doch nicht riskieren, dass ich aus dem Team geworfen werde.“
    „Naja, wenn ich dann Sucherin werde…“
    „Denk nicht mal daran.“
    „Nerea?“
    Ich drehte mich um und sah Penelope Clearwater auf mich zukommen.
    „Cedric wartet draußen auf dich“, teilte sie mir mit und verschwand mit einem Kichern in die Mädchenschlafsäle.
    Ich verdrehte die Augen und stand wieder auf.
    Immer, ich schwöre, immer, wenn jemand auch nur Cedrics Namen sagte, fing irgendein Mädchen an zu kichern.
    Oder zwei.
    Oder zehn.
    Müde ging ich zur Tür und öffnete sie. „Was?“
    Cedric lachte. „Wow, Rea, so fröhlich erlebt man dich selten.“
    Ich seufzte resigniert. „Training war eben hart.“
    „Was, bei dem Wetter habt ihr trainiert?“
    „Dasselbe habe ich Davies auch gesagt. Kaum zu glauben, dass ich so was sage, aber ich glaube fast, ich hätte dich lieber als Kapitän.“
    „Sollte ich diesen letzten Kommentar als Kompliment oder als Beleidigung aufgreifen?“
    „Ach, keine Ahnung.“
    Er lachte wieder. „Ich glaube, du brauchst eine Aufmunterung.“
    „Glaube ich auch. Also verschwinde aus meinem Blickfeld“, entgegnete ich grinsend.
    „Danke dafür.“
    „Immer gerne.“
    „Normalerweise würde ich dir vorschlagen, zum Quidditchfeld zu gehen und eine Runde zu fliegen…“
    „Tu’s nicht.“ Ich musste unwillkürlich gähnen.
    Cedric grinste. „Nein, ich hätte auch nicht erwartet, dass du zugestimmt hättest.“
    Ich bemerkte eine Gruppe von Mädchen, die zu uns rüberstarrten.
    Wieder verdrehte ich die Augen.
    Ich war nicht eifersüchtig oder so was, ehrlich.
    Cedric war mein bester Freund, ich kannte ihn seit ich klein war und er war wie ein Bruder für mich.
    Aber man kann sich nicht vorstellen, wie nervig das ist, wenn man immer mindestens zehn Mädchen hatte, die in seine Richtung starrten.
    Ihn nervte das auch, er gab es nur nie offen zu.
    Cedric wäre nicht Cedric, wenn er es tun würde.
    „Wann ist das Spiel gegen Gryffindor?“, fragte er mich gerade.
    „In drei Tagen“, murmelte ich. „Ich muss hart trainieren, Harry ist echt gut. Auch wenn ich das nie vor ihm zugeben würde. Oder vor den Zwillingen.“
    „Naja, wenn ihr Gryffindor besiegt, muss ich nicht gegen ihn spielen. Also sieh zu, dass du den Schnatz fängst“, meinte Cedric grinsend.
    „Ihr müsst so oder so gegen sie spielen, Ced. Zum Ausgleich.“
    Er verzog das Gesicht. „Stimmt.“
    Ich lachte auf, weil mir auffiel, wie verrückt dieses Gespräch war.
    „Jedenfalls, ich sollte dir noch was von Fred ausrichten. Er fragt dich, ob du am Wochenende nach dem Spiel mit ihm nach Hogsmeade gehen möchtest.“
    Hätte ich in dem Moment etwas in der Hand gehalten, hätte ich es fallen gelassen.
    „Und das sagst du mir erst jetzt!“
    Cedric lachte. „Wollte dich zappeln lassen.“
    „Dreckskerl.“
    „Ich dich auch, Rea.“

    In wenigen Stunden würde das Spiel beginnen.
    Gryffindor gegen Ravenclaw.
    Marini gegen Potter.
    Ich lief gerade zu den Umkleiden, da hielt Fred mich auf.
    „Hast du mit Diggory geredet?“
    „Wir reden 24 Stunden am Tag, Weasley. Ja, ich komme gerne mit nach Hogsmeade.“
    „Gut.“ Er sah erleichtert aus.
    „Vorausgesetzt, ihr besiegt uns nicht. Also auf jeden Fall.“ Ich grinste ihn offen an, dann ging ich zu den Umkleiden, während er lachte.
    Auf dem Weg dahin hörte ich Oliver Wood, wie er mit Harry redete.
    „Und pass auf, die Sucherin von Ravenclaw ist echt gut…“
    Mit einem Grinsen schlenderte ich weiter und betrat die Umkleide.
    „Ok, Ravenclaw, Teambesprechung“, rief Davies nach einer Weile.
    Ich zurrte schnell meine Armschützer fest und wir versammelten uns in eine Ecke der Umkleide.
    „Wir wissen, Gryffindor ist gut-“
    „Genialer Anfang, Captain.“
    „Klappe, Marini. Also: Wir wissen, Gryffindor ist gut, aber wir sind besser. Wir haben geniale Jäger, die besten Treiber, einen Hüter, der alles hält und, obwohl ich das nur widerwillig zugebe, eine fantastische Sucherin.“
    „Hey!“, protestierte ich.
    „Wir werden gewinnen, ich hab’s im Gefühl. Gebt alles auf dem Feld. Und du vor allem, Marini“, fügte er mit einem strengen Blick hinzu. „Potter hat bisher fast jedes Spiel gewonnen.“
    Ich hob die Hände. „Himmel, ist ja gut.“
    „Also dann. Gebt alles!“
    Wir jubelten, dann gingen wir vor dem Ausgang zum Feld in Position.
    Die Gryffindors waren schon auf dem Feld.
    „Und das Team von Ravenclaw“, rief Lee Jordan schließlich. „Davies, Stretton, Burrow, Inglebee, Samuels, Page uuuuund Marini!“
    Ich schoss als Letzte aus dem Bogen.
    Wir drehten einmal eine Runde ums Feld und verharrten dann in der Luft vor den Gryffindors.
    Ich grinste und winkte Harry zu, der vor mir war.
    Er winkte zurück.
    Der Gute.
    Madam Hooch ließ die Bälle los und Harry und ich warteten, bis der Schnatz aus unserem Blickfeld verschwand.
    Dann flog ich nach oben und ließ meinen Blick über das Feld schweifen.
    „Und Davies hat den Ball, er passt zu Stretton, HALT IHN, WOOD-“
    Ich hörte Stöhnen von den Gryffindors und grinste.
    Tja.
    Da sah ich auf einmal etwas glitzern.
    Ich überlegte nicht lang und zischte darauf zu.
    Harry bemerkte es und nahm sofort die Verfolgung auf.
    „Und Marini hat den Schnatz gesehen, sie und Potter liefern sich ein Wettfliegen, wer wird zuerst ankommen?“
    So schnell wie ich konnte flog ich darauf zu, ich war fast da…
    Da knallte ein Klatscher gegen meine Schulter.
    Ich schrie auf und konnte mich nur mit Mühe auf dem Besen halten.
    Als ich mich umdrehte sah ich George schadenfroh grinsend ein Paar Meter weiter fliegen.
    „Idiot“, murmelte ich, lachte aber.
    „Sehr schöner Klatscher von Weasley, Marini fällt fast vom Besen, Spinnet hat den Quaffel…“
    Ich hatte den Schnatz verloren, verdammt!
    Immerhin, Harry sah ihn auch nicht mehr.
    Ich flog wieder aufmerksam über das Feld.
    Währenddessen schoss Gryffindor noch drei Tore.
    Wenn ich den Schnatz nicht fand, würde Gryffindor gewinnen.
    Und Fred wäre sehr enttäuscht, dass ich nicht mit ihm ausgehe.
    Quatsch, ich würde natürlich trotzdem zusagen.
    Das Spiel ging noch zwanzig Minuten ereignislos weiter.
    Also, ereignislos für die Sucher.
    Der Stand war bei 50 zu 70 für Gryffindor.
    Dann entdeckte Harry etwas und schoss los.
    Bitte, lass es kein Bluff sein, flehte ich in Gedanken und flog ihm hinterher.
    Nein – es war kein Bluff!
    Jetzt sah ich den Schnatz auch und wurde schneller.
    „Und wieder wurde der Schnatz gesichtet, Potter und Marini liefern sich wieder ein Rennen, komm schon Harry!“
    Die Zuschauer feuerten uns an.
    Wir waren mittlerweile Kopf an Kopf.
    Harry streckte die Hand aus, ich schlug sie weg.
    Dann machte ich einen Satz nach vorne, fiel fast vornüber vom Besen und schnappte mir den Schnatz.
    Und ich rollte vom Besen.
    Zum Glück waren wir nur etwa einen Meter über den Boden.
    Ich fing mich ab und streckte dann den Schnatz in die Höhe.
    „Und Marini hat den Schnatz gefangen, Ravenclaw gewinnt!“
    Das ganze Team flog zu mir runter und fiel mir um den Hals.
    Ich lachte, ließ den Schnatz los und fing ihn wieder ein.
    Harry landete neben mir und lächelte schief.
    „Brillant gespielt, ehrlich“, sagte ich zu ihm.
    Er lächelte jetzt richtig. „Du warst aber besser. Wood hat mich gewarnt…“
    „Danke für das Kompliment!“, brüllte ich Wood zu, der noch vor den Toren flog.
    Davies wuschelte mir durch die Haare. „Bist ja doch nicht so inkompetent, wie ich dachte.“
    Ich sah ihn gespielt eingeschnappt an. „Meine Güte, Davies, du hast es ja richtig auf mich abgesehen!“
    Er lachte nur.

    „Ich wusste du würdest es schaffen!“
    „So wie mindestens die halbe Schule“, lachte ich.
    Cedric grinste. „Jetzt müssen wir aber gegeneinander spielen.“
    „Ich mach dich fertig.“
    „Viel Glück dabei.“
    „Brauch ich nicht, ich kann es auch so“, konterte ich.
    „Das werden wir sehen.“
    „Ja, werden wir.“
    Er gab mir eine Kopfnuss. „Du musst auch immer das letzte Wort haben, oder?“
    Ich grinste verschmitzt. „Ich dachte, das wüsstest du.“
    „Rea!“
    Fred lief auf mich zu.
    Cedric hob die Hände, wie als würde er sich ergeben und entfernte sich.
    „Hey, gutes Spiel!“
    „Jaah, hätte nicht gedacht, dass du Harry besiegst, ganz ehrlich“, meinte er.
    „Ich auch nicht“, prustete ich.
    „Also gibt es doch eine Chance, dass du mit mir ausgehst?“
    „Die gab es schon immer“, rutschte es mir heraus.
    Sehr gut, Rea.
    Du hast deinem Schwarm praktisch gesagt, dass du in ihn verknallt bist.
    Ich musste echt lernen, meine Klappe zu halten.
    „Ach ja?“ Fred musterte mich aufmerksam.
    „Also, treffen wir uns am Samstag um 3 Uhr nachmittags? Ja? Super. Bis dann!“
    Ich drehte mich um und rannte Cedric hinterher, der schon den Weg zum Schloss raufging.
    „Und?“, fragte er mich.
    „Was, und?“
    „Was wollte er?“
    „Ach so… Nichts Besonderes. Wollte mir nur zum Spiel gratulieren.“
    Cedric hob eine Augenbraue.
    „Das war alles, wirklich!“
    „Ok, ok, ich glaube dir.“
    Er legte mir den Arm um die Schultern und wir betraten zusammen die Schule.
    Und mit den üblichen dreitausend eifersüchtigen Blicken.
    Ehrlich, alle zusammen waren sie immer noch dümmer als ein Bergtroll.
    Es gibt tatsächlich Menschen, die verstehen den einfachen Satz „Er ist nur mein bester Freund“ nicht.
    Traurig, aber wahr.
    „Sie tun es schon wieder“, knurrte ich.
    „Das sind die Nebenwirkungen, wenn man mit mir befreundet ist.“
    „Verbesserung: Wenn man als Mädchen mit dir befreundet ist.“
    „Genau.“
    Ich schnaubte.
    „Sie sind nun mal neidisch auf dich.“
    „Auf mich?“, fragte Cedric verwundert.
    „Die wollen auch so eine coole beste Freundin haben.“
    „Ich werde dir mal nicht widersprechen.“
    „Für diesen Satz vergebe ich dir, dass du so beliebt bist“, erwiderte ich mit ernster Miene.
    „Danke… Glaube ich.“
    Wir lachten und Cedric gab mir einen Kuss auf die Wange. „Was würde ich nur ohne dich machen?“
    „Das, mein Lieber, haben sich viele gefragt“, antwortete ich grinsend. „Kein Cedric ohne Rea.“

    Am Samstag saß ich nach dem Frühstück im Gemeinschaftsraum und las „Quidditch im Wandel der Zeiten“.
    Als Cho reinkam, klappte ihr die Kinnlade runter.
    „Diesen Tag streiche ich mir rot im Kalender an“, brachte sie heraus. „Nerea Marini sitzt vollkommen ruhig auf einem Sessel und liest ein Buch. Ohne irgendwelche Tics zu haben. Das geht in die Geschichte ein.“
    „Ich würde sagen, zuerst geht der Tag in die Geschichte ein, an dem du endlich offen zugibst, dass du in Cedric verknallt bist“, konterte ich.
    Cho wurde wieder rot und ich lachte in mich hinein.
    Na also.
    „Wann hast du dein Date?“, fragte sie und brachte mich damit völlig aus dem Konzept.
    „Äh… 3 Uhr.“
    „Hast du vor, vier Stunden im Gemeinschaftsraum zu sitzen und zu lesen?“
    Ich hob die Schultern. „Zum Mittagessen gehe ich noch einmal raus.“
    „Wenn du das aushältst, gewinnst du zehn Galleonen.“
    Ich hob interessiert den Kopf. „Wirklich?“
    Cho lachte. „Nein.“
    „Mist.“
    Sie stand schmunzelnd auf und ging aus dem Gemeinschaftsraum.
    Als sie die Tür öffnete hörte ich, wie sie „Oh… Hi“ sagte.
    Ich grinste.
    „Hi, Cedric!“, sagte ich laut.
    Lachen.
    Ich stand auf und ging zur Tür.
    „War es so eindeutig, dass ich es war?“, fragte er lachend.
    „Erstens bist du es immer, Ced. Zweitens kenne ich Cho mittlerweile gut genug, um zu wissen, wer sie so aus dem Konzept bringt.“
    „Ich bringe sie aus dem Konzept?“
    „Wie so ziemlich jedes Mädchen in Hogwarts“, fügte ich hinzu.
    „Jedes?“
    „Fast jedes.“
    Cedric hob die Hände und lachte. „Ok.“
    Die nächsten vier Stunden verbrachte ich tatsächlich nicht im Gemeinschaftsraum.
    Ich lieferte mir ein Wettfliegen mit Cedric zum Verbotenen Wald, ging in die Bibliothek und besuchte Hagrid.
    Und dann war es 3 Uhr nachmittags.
    Ich verließ das Schulgelände und wartete auf dem Weg zum Dorf auf Fred.
    Und ja, ich musste warten.
    Als es zwanzig nach drei wurde, lief eine mir bekannte Gestalt mit feuerroten Haaren auf mich zu.
    „Sorry“, keuchte Fred, „wir mussten noch was erledigen…“
    Er sah zum Schloss, wie als würde er auf etwas warten.
    Dann ertönte ein lauter Knall und man hörte Filch rumzetern.
    Ich prustete los. „Was habt ihr jetzt wieder angestellt?“
    „Ach, nur eine kleine Rauchbombe in Filchs Büro“, murmelte er grinsend. „Wir gehen besser, bevor er noch auf mich aufmerksam wird.“
    Lachend gingen wir den Weg nach Hogsmeade runter.
    Im Dorf trafen wir auf Draco Malfoy, der wie immer mit seinen Gorillas unterwegs war.
    „Hast dir wieder einen neuen genagelt, Marini?“, fragte er höhnisch. „Wer ist es nächstes Mal?“
    Ich zählte bis drei um mich zu beruhigen.
    Dann ging ich einfach wortlos an ihn vorbei.
    „Beachte ihn einfach nicht“, riet Fred mir. „Er ist ein Mistkerl.“
    „Das ist nichts Neues.“
    „Genau. Also beachte ihn einfach nicht.“
    Ich seufzte. „Wenn das so einfach wäre. War eben ein echtes Wunder, dass ich nicht explodiert bin.“
    Er grinste schief.
    Wir gingen zu Zonkos, zum Honigtopf und schließlich in die drei Besen auf ein Butterbier.
    „Nächste Woche ist das Spiel gegen Hufflepuff, richtig?“
    Ich nickte und grinste. „Freu mich schon auf Cedrics Gesicht, wenn ich ihm den Schnatz vor der Nase wegschnappe.“
    Fred lachte. „Ja, ich mich auch.“
    Schmunzelnd nahm ich einen Schluck Butterbier.
    Als wir zurückgingen lief uns wieder Malfoy über den Weg – nur hatte er diesmal keine Zeit, irgendwas zu sagen, da er gerade schreiend zur Schule rannte, Crabbe und Goyle im Schlepptau.
    Ich hob die Augenbrauen. „Ähm...“
    „Wem oder was auch immer ihn so verschreckt hat schicke ich Blumen“, kommentierte Fred.
    Ich prustete los. „Die gehen auf mich.“
    Wir blieben vor dem Eingang stehen und lächelten einander verlegen an.
    „Also…“, fing ich an.
    „Wir leben noch, deshalb denke ich mal, es ist ganz gut gelaufen“, scherzte Fred.
    Ich lachte. „Hattest du so eine große Todesangst?“
    „Mit dir auf jeden Fall.“
    „Kein Wunder, ich bin gefährlich.“ Ich grinste teuflisch.
    „Das ist mir aufgefallen.“

    Ich lief gerade den Korridor mit einem versonnenen Lächeln auf dem Gesicht entlang, als ich Cedric traf.
    „Na, das ist ja richtig gut gelaufen“, bemerkte er.
    „Wa-- Spionierst du mir nach, Ced!“
    Cedric hob die Schultern. „Solltest aufpassen, wo du entlanggehst. Ihr wart direkt vor dem Fenster vom Hufflepuff-Gemeinschaftsraum.“
    „Oh.“
    „Aber ja, ich habe dir nachspioniert.“
    Ich lachte und schlug ihn auf den Hinterkopf. „Ich kann es echt kaum erwarten, bis ich dich im Spiel besiege.“
    Er lachte ebenfalls. „Träum weiter.“
    Wir liefen zusammen den Gang entlang.
    „Also… Glückwunsch.“
    „Danke. Das wird bestimmt eine Erleichterung für die halbe Schule.“
    Er grinste. „Jaah. Für mich etwas weniger.“
    „Weil ich weniger Zeit für dich habe?“
    „Das wäre doch eine Erleichterung.“
    „Ey!“
    Cedric lachte. „Ich meinte, weil dann die halbe Schule weiß, dass nichts zwischen uns läuft und sich Hoffnungen machen.“
    Ach jaah.
    „Wow, du tust mir so leid.“
    „Spar dir deinen Sarkasmus.“
    „Geht nicht, das gehört zu mir dazu wie mein Besen.“
    Er lachte wieder. „Ach jaah, wie konnte ich das vergessen?“
    „Aber falls du das denkst… Fred und ich sind nicht zusammen.“
    „Noch nicht.“
    „Genau. Aber“, fügte ich schnell hinzu, „sag das bloß niemanden, sonst fängt die ganze Eifersucht wieder an.“
    „Meine Lippen werden verschlossen bleiben.“
    „Danke.“
    Ich klopfte mit dem Adler-Türklopfer an die Holztür vom Ravenclaw-Gemeinschaftsraum, aber bevor er mir die Frage stellen konnte wurde die Tür aufgerissen und Cho stand vor mir.
    Als sie meine Begleitung sah wurde sie blass und verschwand zurück in den Gemeinschaftsraum.
    Ich seufzte.
    „Was war mit ihr los?“, fragte Cedric verwirrt.
    Das brachte mich zum Lachen. „Ach nichts. Bis dann.“
    Ich gab ihm einen Kuss auf die Wange und machte die Tür hinter mir zu.
    „Cho, jetzt mal ehrlich, eindeutiger geht’s nicht.“
    Sie saß auf dem Sofa und starrte in die Flammen des Kamins.
    „Gib es doch wenigstens vor mir zu. Ich werde dich ganz sicher nicht deswegen beurteilen, das weißt du doch.“
    Cho seufzte. „Ok, na schön, ich… mag ihn.“
    Ich hob die Hände. „Na endlich! Falls du dir den Tag rot im Kalender anstreichen wolltest, werde ich dich nicht weiter aufhalten.“
    Grinsend setzte ich mich neben sie. „War es so schwer?“
    Sie seufzte wieder. „Es ist nur… Tut das nicht jedes Mädchen in Hogwarts?“
    „Nicht jedes.“
    „Ja, ok, du bist ausgenommen. Du weißt, was ich meine.“
    „Cho, es gibt zwei Gruppen von Mädchen in Hogwarts. Die, die Cedric nerven und die, die ihn nicht nerven und das sind nur wenige. Ich kenne Cedric lange genug um zu sagen, dass du so ziemlich eine der einzigen bist, die ihn nicht nervt.“
    „Zu welcher Gruppe zählst du?“, erkundigte sie sich.
    „Gute Frage.“
    Cho lachte.
    Ehrlich, wenn ich mich anstrengen würde, würde ich sogar einen Dementor zum Lachen bringen.
    „Kannst du ihn fragen, ob… Also, du weißt schon…“, fragte sie zögerlich.
    Ich tat, als würde ich überlegen. „Hmm, mal sehen… Wenn du nett zu mir bist…“
    Cho blickte erschrocken.
    Ich lachte und stieß sie mit der Schulter an. „Klar mach ich das.“
    Sie lächelte. „Danke.“

    „Marini, meine Güte, jetzt konzentrier dich mal!“, brüllte Davies, nachdem ich wieder den Schnatz verpasst hatte.
    Ich stöhnte auf. „Wir trainieren hier schon zwei Stunden, Captain! Das hat nichts mit Konzentration zu tun!“
    „Wir müssen trainieren, wenn wir gewinnen wollen! Diggorys Team ist echt stark dieses Jahr, das solltest du doch am besten wissen!“, beharrte er.
    Ich schnitt ihm eine Grimasse und warf den Schnatz wieder in die Luft.
    „Es sei denn natürlich, du willst deinen kleinen Freund nicht besiegen“, spottete Samuels, während er vorbeiflog.
    „Noch so einen Kommentar und dein Schläger knallt gleich, aber nicht gegen einen Klatscher“, fauchte ich.
    „Jetzt habe ich aber Angst.“
    „Du weißt, dass ich es ernst meine.“
    „Marini, Samuels, wollt ihr einen Kaffeeklatsch halten oder trainieren? Ab auf eure Posten, und zwar sofort!“, brüllte Davies zu uns hoch.
    Mit einigen sehr unschmeichelhaften Ausdrücken Davies und Samuels gegenüber jagte ich dem Schnatz hinterher und holte ihn schon nach einer Weile ein.
    Dabei flog ich an Fred vorbei, der auf der Tribüne saß und zusah.
    „Ich kann ihm beim nächsten Spiel einen Klatscher reinschlagen, wenn du möchtest“, bot er an, als ich vor ihn stehen blieb.
    „Verlockend, aber lieber nicht. Wenn du unseren Treiber ausknockst, haben wir ein Problem.“
    Fred lachte. „Ok.“
    Das Training ging noch eine ganze Stunde weiter und danach fühlte ich mich, als hätte Fred mir einen Klatscher reingeschlagen – und zwar an jeder Stelle meines Körpers.
    Immer noch fluchend ging ich zum Schloss zurück, als er mich einholte.
    „Hätte niemals gedacht, dass es einen schlimmeren Kapitän als Wood geben würde, ehrlich“, bemerkte er.
    „Tja“, murmelte ich.
    „Jetzt seid ihr wenigstens bereit.“
    „Wenn ich nicht vorher auseinanderfalle.“
    „Ach, das schafft ihr schon.“
    Ich verzog das Gesicht. „Frage mich, wie Cedric sein Team trainiert. Vielleicht sollte ich mich verkleiden und nachschauen.“
    Fred grinste. „Wenn er dich nicht erkennt, tut es niemand.“
    „Ich mein es ernst. Ich verkleide mich und gehe dann zum Feld zurück.“
    Er hob die Hände. „Ich werde dich nicht aufhalten.“
    „Danke.“ Grinsend machte ich einen Knicks und rannte zum Ravenclaw-Turm.

    „Ich kann es nicht fassen!“
    Ich stürmte knapp anderthalb Stunden später in den Gemeinschaftsraum und warf meinen Schal auf einen Stuhl.
    Alle drehten sich um.
    „Was denn?“, fragte Terry Boot vom Sessel aus.
    Ich antwortete nicht und ließ mich neben Cho auf das Sofa fallen.
    Sie hob eine Augenbraue. „Darf ich wissen, warum du so außer dich bist?“
    „Warum? Warum! Weil Davies ein verdammtes Schwein ist, darum! Bitte sag’s ihm nicht“, fügte ich schnell an Burrow gewandt zu, der ebenfalls im Team war.
    Er grinste und tat, als würde er sich die Lippen verschließen.
    Ich zog die Beine an und stützte missmutig meinen Kopf auf die Arme.
    „Ok… Und weiter?“
    „Während er uns drei Stunden in der Kälte hart trainieren lässt, trainiert das Hufflepuff-Team nur eine Stunde und zwar so leicht, wie es geht! Und trotzdem sind sie eins der besten Teams der Schule!“, zeterte ich.
    „Bitte was!“, rief Burrow. „Ehrlich, wir müssen hier einiges ändern.“
    „Ich weiß, oder?“
    „Du hast es wirklich durchgezogen?“, fragte Cho ungläubig. „Fred hat mir von deinem Plan erzählt, als ich ihn gefragt habe, warum du mit halb verhülltem Gesicht aus dem Gemeinschaftsraum gestürmt bist.“
    „Ich musste mich eben aufklären!“
    „Und deswegen machst du so einen Aufstand?“, fragte sie belustigt.
    „Versuch dich mal, in meine Lage zu versetzen! Davies lässt uns drei verdammte Stunden trainieren und danach fühlen wir uns alle wie als hätte er uns den Lähmfluch auf den Hals gejagt. Und währenddessen trainiert Cedric sein Team eine knappe Stunde und danach sind sie besser als wir!“, beschwerte ich mich.
    „Es ist halt Cedric“, sagte ein Mädchen aus einer Ecke und kicherte.
    „Klappe!“, fauchte ich.
    „Rea, beruhig dich“, sagte Cho grinsend. „Ihr schafft es trotzdem, du bist eine brillante Sucherin.“
    „Vorausgesetzt ich werde nicht von der halben Schule gelyncht, weil ich vor Cedric den Schnatz gefangen habe“, knurrte ich in Richtung des Mädchens, das eben gekichert hatte.
    Cho lachte. „Ich glaube, du gehst besser schlafen, bevor du hier noch komplett an die Decke gehst.“
    Ich brachte irgendwie ein halbes Grinsen zustande und stand auf. „Erstmal muss ich was essen.“

    „Ok, Team, hier rüber!“, rief Davies vor dem Spiel.
    Ich stand müde auf.
    Die halbe Nacht war ich aufgeblieben und hab mich im Bett hin und her geworfen.
    Wir versammelten uns um unseren Kapitän.
    „Ich weiß, vielleicht war ich etwas zu hart mit dem Training in diesen Tagen“, fing er an.
    „Wie kommst du denn darauf?“, unterbrach ich ihn.
    Die anderen lachten und, oh Wunder, selbst Davies konnte ein Grinsen kaum unterdrücken.
    „Wie ich sagte, vielleicht war ich etwas zu hart mit dem Training, aber wir haben uns deutlich verbessert.“
    „Ja, nachdem wir uns wieder zusammengebaut haben“, murmelte ich.
    „Marini.“
    „Tschuldigung.“
    „Ich werde es knapp halten: Gebt euch Mühe“, beendete Davies seine Rede.
    Wir stellten uns wie immer in Position vor dem Bogen auf.
    Da drehte sich Samuels zu mir um.
    „Nerea?“
    „Ja?“
    „Sorry wegen gestern. Ich konnte es nicht unterdrücken.“
    Ich grinste. „Vertrau mir, ich weiß genau wie sich so was anfühlt.“
    Er lachte, dann wurde unser Team aufgerufen.
    Mit deutlich besserer Laune schoss ich aufs Feld und vollführte sogar eine übermütige
    Drehung in der Luft.
    Dann verharrten wir wie immer in der Luft vor den Hufflepuffs.
    Cedric gab Davies die Hand.
    Unser Kapitän hatte wohl ziemlich fest zugedrückt, denn als Ced hochflog schüttelte er seine Hand, als hätte er was Verbranntes angefasst und formte in meine Richtung mit den Lippen „Au!“
    Ich gab mir alle Mühe, nicht loszuprusten.
    Der Schnatz schoss vor mir in die Höhe und zischte dann weg.
    Ich gab ihm einen Vorsprung, flog dann über das Feld und hielt Ausschau.
    „Schon nervös?“, rief Cedric mir grinsend zu.
    Ich antwortete nicht, sondern schoss im Sturzflug in die Tiefe.
    „Und Marini hat offenbar schon den Schnatz gesehen, direkt nach dem Anpfiff, ist das zu fassen?“, rief Lee aufgeregt.
    Cedric holte auf, Kopf an Kopf zischten wir Richtung Boden.
    Dann, nur wenige Meter vor dem Aufprall, riss ich meinen Besen hoch und flog wieder nach oben.
    Cedric schrie auf und konnte sich gerade noch abfangen.
    „Und es war ein fantastischer Wronski-Bluff von Marini, echt genial, Diggory wäre fast zerschmettert worden…“
    Ich grinste triumphierend zu ihm runter und ignorierte die empörten Rufe, die von den Tribünen kamen.
    „Und das Publikum protestiert, aber es war ein sauberer Trick von Marini, das Spiel geht weiter, Burrow im Quaffelbesitz…“
    Cedric flog wieder zu mir hoch. „Ernsthaft?“
    Ich lächelte unschuldig. „Das, mein Freund, nennt man Quidditch.“
    Er grinste. „Warte nur, dafür wirst du bezahlen.“
    „Wie du meinst.“
    Ich hielt wieder Ausschau.
    Ab und zu sah ich was glitzern, aber dann war es zu schnell wieder weg.
    Mittlerweile stand es 60 zu 40 für uns.
    Ich hatte Recht: Cedrics Team war wirklich besser geworden.
    Dann hörte ich ein Zischen in der Nähe von meinem Ohr.
    Als ich mich umdrehte, sah ich den Schnatz ein Paar Meter weiter in der Luft rumschießen.
    Jetzt habe ich dich, dachte ich und flog direkt auf den goldenen Ball zu.
    Cedric bemerkte es und er sah den Schnatz offenbar auch, denn er nahm ebenfalls die Verfolgung auf.
    „Und diesmal ist es wirklich der Schnatz, Marini scheint zu führen, aber Diggory holt auf!“
    Bald waren Cedric und ich wieder Kopf an Kopf.
    Ich versuchte, die Hand auszustrecken, aber Cedric stieß mich zur Seite.
    Fluchend flog ich wieder zurück.
    Und dann passierte etwas, was noch nie passiert war.
    Wir streckten den Arm zur gleichen Zeit aus – und fingen den Schnatz gleichzeitig!
    Ich starrte auf unsere Hände, die sich beide um den Ball geschlossen hatten.
    „Das ist noch nie passiert, Leute! Marini und Diggory haben gleichzeitig den Schnatz gefangen! Äh… Was passiert in diesem Fall?“
    Cedric und ich ließen den Schnatz wieder los und landeten.
    „Sag mal, war das Absicht?“, fragte ich ihn misstrauisch.
    Er hob die Schultern. „Wollte schauen, was passiert.“
    „Wir haben gerade Geschichte geschrieben, das ist passiert“, bemerkte ich grinsend.
    Madam Hooch landete neben uns und rief etwas zu Lee, das ich wegen des Lärms nicht hörte, Lee aber offenbar schon, denn kurz darauf meldete er sich wieder zu Wort.
    „Tja, der Schiedsrichter hat gesprochen, beide Mannschaften bekommen 150 Punkte!“
    Ich grinste Cedric an.
    „Und das Endergebnis… 210 zu 200 für Ravenclaw!“
    Die Zuschauer jubelten so laut, dass mein Trommelfell fast platzte.
    Ich jubelte mit.
    Mein Team flog zu mir runter und begrub mich unter Umarmungen.
    „Hilfe, ich ersticke“, rief ich lachend.
    Cedric sah dem Ganzen grinsend zu.
    Ich befreite mich von meinen Teammitgliedern und fiel auch ihm um den Hals.
    „Wofür ist das?“, lachte er.
    „Ach, keine Ahnung. Ich will dich einfach ersticken.“
    „Tu es nicht, du brauchst mich noch.“
    „Sagt wer?“
    Cedric gab mir eine Kopfnuss. „Du.“
    Richtig. Ich ließ ihn los und grinste ihn breit an.
    „Und was hast du gelernt? Unterschätze niemals Nerea Marinis Fähigkeiten als Sucherin.“
    „Dich sollte man nicht ‚Sucher’ sondern ‚Finder’ nennen“, ergänzte er grinsend.
    „Richtig, Diggory. Wer hätte gedacht, dass du so schlau bist?“
    „Du kleines Biest“, lachte Cedric und kitzelte mich so lange durch, bis ich um Gnade flehte.

    Es fand wieder ein Quidditch-Spiel statt, aber diesmal war ich nicht auf dem Feld, sondern in den Tribünen.
    Hufflepuff gegen Gryffindor.
    Ich wusste nicht genau, wen ich anfeuerte.
    Gerade stand es 30 zu 10 für Hufflepuff.
    Harry und Cedric flogen gerade wie zwei Adler über alle anderen und hielten Ausschau nach dem Schnatz.
    Währenddessen schlug George Applebee einen Klatscher in den Schädel.
    Ich jubelte mit den Gryffindors mit.
    Ich war so gefangen vom Spiel, dass ich nicht merkte, wie Cedric und Harry auf einmal in eine Richtung schossen, bis ich die aufgeregten Rufe der anderen hörte.
    „Und die Sucher haben den Schnatz entdeckt, Wettrennen zwischen Diggory und Potter!“, rief Lee.
    Ich stand auf wie die anderen und jubelte ihnen zu.
    Ich wusste immer noch nicht, wen ich anfeuerte.
    Sagen wir einfach, beide.
    Dann spürte ich eine seltsame Kälte.
    Ich richtete meinen Blick nach unten und keuchte entsetzt auf.
    Dementoren.
    Auch die anderen wurden darauf aufmerksam, am meisten Harry.
    Er blieb wie erstarrt stehen – und fiel dann vom Besen.
    Ich schrie auf.
    Cedric hatte gerade den Schnatz gefangen, er hatte eindeutig nichts bemerkt, bis er sich umdrehte.
    Seine Augen weiteten sich.
    Harry fiel gefühlt zehn Meter, da verlangsamte sein Fall sich irgendwie.
    Dumbledore eilte aufs Feld und verjagte die Dementoren mit seinem Patronus.
    Ich hatte unseren Schulleiter noch nie so zornig erlebt.
    Schnell ging ich die Stufen runter und rannte aufs Feld.
    Harry war bewusstlos geworden.
    Cedric landete neben mir und sah sichtlich betroffen aus.
    „Madam Hooch, bitte, lassen Sie uns noch einmal spielen, das ist nicht fair…“
    „Mr Diggory, Sie haben fair und ehrlich gewonnen, dagegen kann man nichts sagen.“
    „Aber er ist vom Besen gefallen, er hatte keine Chance-“
    Aber Hooch hatte sich schon abgewandt und untersuchte Harry wie die anderen Lehrer.
    Ich legte ihm eine Hand auf die Schulter.
    Cedric sah zu Boden. „Ich werde mir für den Rest meines Lebens Vorwürfe machen.“
    „Es war nicht deine Schuld, Ced…“
    „Ich hätte es bemerken müssen!“
    „Aber das hast du nicht. Cedric, komm schon, du hast fair gewonnen. Das hat auch Madam Hooch gesagt. Es hilft auch nichts, wenn du dir die Schuld gibst“, beruhigte ich ihn.
    Er schüttelte aber den Kopf. „Ich hätte aufpassen müssen, Rea. Ich hatte bemerkt, dass er auf einmal weg war, aber ich habe mir nichts dabei gedacht…“
    „Cedric. Hör auf. Es war nicht deine Schuld.“
    Wir sahen wortlos zu, wie Harry in den Krankenflügel gebracht wurde.
    Die Gryffindor-Mannschaft ging mit.
    „Denkst du, sie werden mich jetzt hassen?“, fragte Cedric plötzlich.
    Ich sah ihn schockiert an. „Cedric, Himmel, nur weil du sie besiegt hast werden sie dich nicht hassen! Mich hassen sie doch auch nicht!“
    Aber egal, was ich sagte, es konnte ihn nicht aufmuntern.
    Ich seufzte, als er schließlich niedergeschlagen in die Umkleiden ging.
    Ich liebte Cedric, klar.
    Aber er musste einfach aufhören, sich für alles Vorwürfe zu machen.

    2
    Ein Tag vor dem Spiel Irland gegen Bulgarien

    „Hast du auch alles eingepackt?“
    Ich verdrehte die Augen. „Jaah, Mom. Himmel!“
    „Entschuldige Schatz, aber du willst ja auch nicht dann beim Stadion feststellen, dass du etwas Wichtiges vergessen hast…“, rechtfertigte sie sich.
    „Mom, wenn du mich nicht gehen lässt werde ich nicht mal am Stadion ankommen! Also lass mich einfach gehen, ich hab alles!“
    Sie hob die Hände und trat zurück. „Wie du meinst. Viel Spaß bei der Meisterschaft.“
    „Danke“, murmelte ich genervt, gab ihr einen Kuss auf die Wange und ging aus dem Haus.
    Wegen Mom musste ich mich jetzt besonders beeilen, sonst hätte ich den Portschlüssel verpasst und das wäre nicht gerade gut gewesen.
    Ich rannte den feuchten Weg zum Dorf Ottery St Catchpole entlang und wurde von gefühlt 136 Muggeln gefragt, warum ich denn „so spät im Dorf unterwegs war“.
    Ich brummte einfach irgendwas und eilte weiter.
    Als ich endlich den Wieselkopf erspähen konnte, war es schon dunkel geworden.
    Auf dem Hügel hörte ich Stimmen und ich beschleunigte, wenn auch außer Atem, meine Schritte.
    „Wir müssen bald los. Weißt du, ob wir noch auf jemanden warten müssen, Amos?“, fragte eine fremde Stimme.
    „Ja, Moment noch“, antwortete eine jüngere, diesmal mir sehr bekannte Stimme. „Wo ist Rea?“
    Ich sprintete die letzten Meter auf dem Hügel und blieb dann schlitternd neben Cedric stehen.
    „Rea… ist… hier…“, keuchte ich und Ced lachte.
    „Hat es so lange gedauert?“
    „Mom“, knurrte ich und umarmte ihn zur Begrüßung.
    Amos gluckste. „Na, dann sind wir ja komplett! Die Lovegoods sind vor einer Woche angereist und die Fawcetts haben keine Karten bekommen. Sonst wohnt hier ja niemand, oder?“
    Ich wollte antworten, da bemerkte ich, wer noch da war.
    Harry, Ron, Hermine, Ginny, ein Mann mit roten Haaren, der wahrscheinlich Mr Weasley war, und – die Zwillinge.
    Fred und ich starrten uns mit großen Augen an.
    „Nur noch eine Minute!“, rief Mr Weasley und Amos hielt einen alten Stiefel hoch.
    „Schick“, kommentierte ich, während Mr Weasley Hermine und Harry erklärte, wie Portschlüssel funktionierten. „Immer wieder erstaunlich, wie sie die Portschlüssel auswählen.“
    Cedric schnaubte amüsiert.
    Wir legten alle einen Finger auf den Stiefel und Mr Weasley sah auf die Uhr.
    „Drei…“, murmelte er. „Zwei… Eins…“
    Das übliche Gefühl, wie als wäre ich am Bauchnabel fortgerissen, trat augenblicklich ein.
    Wir flogen eine ganze Weile lang, dann spürte ich festen Boden unter den Füßen und ließ los.
    Und, o Wunder, ich schaffte es, aufrecht zu bleiben, wenn auch leicht schwankend.
    „Da hast du’s“, sagte ich grinsend zu Cedric. „Hab’s doch gewusst, dass du mich letztes Mal weggestoßen hast. Ich kann sehr wohl das Gleichgewicht halten.“
    Er lachte. „Ok, erwischt.“
    Ich gab ihm eine Kopfnuss. „Trottel.“
    „Morgen, Basil“, begrüßte Mr Weasley einen älteren Zauberer und reichte ihm den Stiefel.
    „Ach, hallo, Arthur“, erwiderte Basil. „Augenblick mal… Weasley…Weasley… Vierhundert Meter zu Fuß von hier, das erste Feld, auf das ihr stößt. Diggory… zweites Feld… fragen Sie nach Mr Payne.“
    Amos, Cedric und ich verabschiedeten uns von den Weasleys und gingen zu einem Tor.
    Während Amos den Muggel bezahlte, entdeckte ich eine junge Frau mit blonden kurzen Haaren, die mir und Cedric zuwinkte.
    Wir winkten zurück.
    Das war Raven McKent, die ich kennengelernt hatte, als ich zum ersten Mal nach Hogwarts kam.
    Sie war die Treiberin in der Hufflepuff-Mannschaft gewesen und ich konnte mich nur zu gut an das eine Mal erinnern, wo sie mich mit einem Klatscher fast vom Besen geworfen hätte.
    In dreißig Metern Höhe.
    Sie sah zierlich aus, aber ich hatte noch nie einen Treiber gesehen, der die Klatscher so fest wegknallte.
    Nachdem Amos bezahlt hatte (was ziemlich lange dauerte, da ich ihm mit dem Muggelgeld helfen musste), gingen wir zu unserem Platz und bauten unser Zelt auf.
    Ich ließ mich sofort auf ein Bett fallen.
    „Weckt mich auf, wenn das Spiel beginnt“, stöhnte ich.
    Ced warf mir grinsend ein Kissen an den Kopf. „Ich könnte dich auch einfach schlafen lassen.“
    „Wenn du das tust, verhexe ich dich, dass dir die Fingernägel hochrollen.“
    „Das wäre in der Tat schmerzhaft.“
    „Na also.“


    Nach dem Spiel

    Ich wurde in der Nacht von Schreien und Gelächter geweckt.
    Erschrocken fuhr ich hoch.
    Durch die Stoffwand konnte ich hören, wie auch Cedric und Amos sich regten.
    „Was ist los?“, fragte Cedric verschlafen.
    Ich zog mich schnell an und rannte nach draußen.
    Und erlitt fast einen Herzinfarkt.
    Überall auf dem rannten maskierte Leute um und verfluchten jeden, auf den sie trafen.
    Vor allem Muggel und Muggelstämmige.
    Ich taumelte entsetzt ein Paar Schritte zurück.
    „Rea?“
    Cedric trat neben mich.
    Dann sah er es auch. „O nein-“
    „Lauft!“, rief Amos, nachdem er ebenfalls zu uns gekommen war.
    Ich ließ es mir nicht zweimal sagen und rannte aus dem Zelt in den Wald in der Nähe.
    Da packte mich jemand an der Schulter.
    „Wohin so schnell?“, zischte eine Stimme.
    Großartig.
    „Äh… weg?“, schlug ich vor.
    Der Todesser, der mich gefangen hatte, lachte gehässig.
    „Was ist dein Blutstatus?“
    Ich tat, als würde ich nachdenken. „Wissen Sie, das ist schwer zu erklären…“
    Dann schockte ich ihn.
    Er brach zusammen und ich rannte weiter.
    „Verdammter Idiot“, murmelte ich. „Was ist dein Blutstatus?“
    Auf einmal knallte jemand in mich rein.
    „Hey!“, rief ich, da erkannte ich George.
    „Rea! Bei Merlin, tut mir leid!“
    Er half mir hoch.
    „Alles gut“, murmelte ich. „Ist bei euch alles ok?“
    „Die anderen sind geflohen, ich weiß nicht, wo sie sind“, rief Fred verzweifelt.
    „Ich bin sicher, es geht ihnen gut“, versuchte ich ihn zu beruhigen.
    Ich wollte ihn fragen, ob er Cedric gesehen hatte, aber wahrscheinlich hätte das seine Laune nicht verbessert.
    Er sah mich hilflos an. „Wir sollten wohl besser getrennt flüchten.“
    „Es wird alles gut“, flüsterte ich und drückte seine Hand.
    Dann rannten wir in entgegengesetzte Richtungen in den Wald davon.
    Ich stolperte über eine Baumwurzel und fluchte.
    Aber als ich gerade aufstehen wollte, hörte ich eine tiefe Stimme.
    „Morsmordre!“
    Ich blieb wie erstarrt stehen.
    Am Himmel erschien plötzlich ein leuchtender grüner Totenkopf mit einer Schlange.
    Das Dunkle Mal.
    Oder besser, das Nicht-So-Dunkle Mal, so hell wie es leuchtete.
    Ich hörte Stimmen in meiner Nähe, die aber nicht nach Todessern klangen.
    Das waren eher Jugendliche.
    Dann viele Stimmen, die „Stupor!“ riefen.
    Dann: „Aufhören! Das ist mein Sohn!“
    Ich zuckte entsetzt zusammen und rannte auf die Stimmen zu.
    Gefühlt zwanzig Leute standen mit erhobenen Zauberstäben vor drei Jugendlichen.
    Harry, Ron und Hermine.
    Ich hielt Ausschau nach Cedric, konnte ihn aber nicht erkennen.
    War… War er…
    „Das waren wir nicht!“, rief Harry gerade und deutete auf das Dunkle Mal.
    „Lügen Sie nicht, Sir!“, rief Crouch wütend. „Sie wurden am Tatort entdeckt!“
    „Das Mal kam von da drüben“, sagte Hermine mit zitternder Stimme. „Da war jemand… Er hat eine Beschwörung gesprochen…“
    „Sie scheinen ja sehr gut zu wissen, wie man das Mal aufruft, Fräulein!“
    „Vielleicht konnten wir jemanden erwischen“, sagte Amos plötzlich und ging auf die Lichtung zu.
    „Sei vorsichtig!“, rief ich.
    Amos’ Augen weiteten sich. „Das ist Mr Crouchs Elfe! Mit einem Zauberstab!“
    Ich und alle anderen schnappten nach Luft.
    Er hielt uns den Zauberstab hin, da rief Harry auf einmal: „Hee – das ist meiner! Den hatte ich verloren!“
    Alle starrten ihn an.
    „War das ein Geständnis?“, zischte Amos. „Hast du ihn fortgeworfen, nachdem du das Mal beschwört hast?“
    Also echt.
    „Amos, mach mal halblang!“, rief ich vorwurfsvoll. „Denkst du wirklich, Harry Potter würde das Dunkle Mal heraufbeschwören?“
    Er sah verlegen aus. „Hm… Nein, natürlich nicht… Verzeihung…“
    „Rea!“
    Ich drehte mich erschrocken um und keuchte.
    Cedric rannte auf mich zu.
    Ich fiel ihm um den hals. „Himmel, ich dachte schon…“
    „Ist alles ok?“, fiel er mir ins Wort.
    „Bei mir schon.“ Ich warf einen besorgten Blick auf die Elfe, die nun zitternd auf dem Boden lag und ängstlich zu seinem Meister heraufschaute.
    „Wir gehen wohl besser“, murmelte ich und zusammen rannten wir aus dem Wald raus.


    6. Jahr

    Trimagisches Turnier
    Die Abordnungen aus Beauxbatons und Durmstrang kommen am Freitag, den 30. Oktober, um sechs Uhr nachmittags an. Der Unterricht endet eine halbe Stunde früher.
    Die Schüler werden gebeten, Taschen und Bücher in die Schlafräume zu bringen und sich vor dem Schloss zu versammeln, um unsere Gäste vor dem Willkommensfest zu begrüßen.

    Während alle um mich herum aufgeregt tuschelten, seufzte ich nur.
    Jaja, das Trimagische Turnier.
    In den letzten Tagen wurde kaum über war Anderes geredet.
    Alle wollten teilnehmen, obwohl es nur für Schüler ab 17 erlaubt war.
    Alle außer mir.
    „Nur noch eine Woche!“, rief Ernie Macmillan aus Hufflepuff. „Ob Cedric das schon weiß? ich glaub, ich geh und sag’s ihm…“
    „Nicht nötig, ich hab ihm schon-“, fing ich an, aber Ernie war schon weggerannt.
    Dann halt nicht.
    „Cedric?“, fragte Ron hinter mir ahnungslos.
    „Diggory. Er wird sicher am Turnier teilnehmen“, antwortete Harry.
    Bitte was!
    „Dieser Idiot soll Hogwarts-Champion werden?“, rief Ron.
    Ich wirbelte so schnell herum, dass mein Zopf rumpeitschte.
    „Wag es nie wieder“, zischte ich, „so einen Kommentar loszuwerden. Ich kenne Flüche, die lassen dir Hören und Sehen vergehen.“
    Ron sah mich erschrocken an und ich entfernte mich zornig.
    Wäre ich länger geblieben, hätte ich ihn zu Drachenfutter verarbeitet.

    Ich saß am Ravenclaw-Tisch und las gedankenverloren in einem Buch, als ich lautes Gekicher hörte.
    „Ich spendiere der ganzen Schule ein Butterbier, wenn das nicht Cedric ist“, murmelte ich genervt und blickte auf.
    Jep, es war Cedric mit seinem kichernden Fanclub.
    Ich seufzte und sah wieder auf mein Buch.
    Armer Kerl.
    Jemand setzte sich neben mich.
    Ich drehte mich um und lächelte, als ich Fred erkannte.
    „Hey.“ Er grinste breit.
    „Hey.“
    „Unfair, dass wir nicht am Turnier teilnehmen dürfen, was?“
    Ich sah ihn erstaunt an. „Um ehrlich zu sein, nein. Ich würde niemals da teilnehmen, da sind schon Leute umgekommen!“
    „Ja, aber… Das wäre doch eine Abwechslung! Und ohne Risiko ist das Leben langweilig.“
    Ich seufzte. Ja, das stimmte.
    Ich hatte ziemliche Angst, dass Cedric dort teilnehmen wollte.
    Seine Augen hatten etwas zu sehr geleuchtet, als Dumbledore vom Turnier erzählt hatte.
    Fred kniff auf einmal die Augen zusammen und sah an mir vorbei zum Feuerkelch.
    „Sag mal, wirft der gerade seinen Namen in den Kelch?“
    „Seinen…“ Ich wirbelte herum.
    Nein.
    O Merlin, bitte nicht.
    Cedric stand tatsächlich vor dem Kelch und warf einen Zettel ein, unter Jubeln von seinem Fanclub.
    Ich hatte einen Kloß im Hals.
    Cedric, du Idiot, warum?
    Fred stand mit düsterer Miene auf und verließ die Große Halle.
    Ich ließ meinen Kopf auf die Hände fallen und hob ihn erst wieder, als sich abermals jemand neben mich setzte.
    „Rea?“
    „Was?“, knurrte ich und sah Cedric an.
    „Was ist los mit dir?“
    Ich seufzte verzweifelt. „Sag du’s mir.“
    „Bist du wütend, weil ich meinen Namen eingeworfen habe?“, fragte er.
    „Dieses Turnier ist gefährlich, Ced.“
    „Weiß ich. Aber ich schaffe das.“
    „Wie kannst du dir so sicher sein?“, fuhr ich ihn an. „Da sind Leute gestorben! Deswegen hat es auch in den letzten hundert Jahren nicht stattgefunden! Was, wenn es dieses Jahr wieder passiert?“
    Ich schluckte. „Ich möchte dich nicht verlieren, Cedric. Das ist alles.“
    Er schwieg kurz und nahm mich in den Arm. „Rea, wir wissen doch nicht einmal, ob ich ausgewählt werde. Und selbst wenn es passiert… ich möchte Hogwarts Ehre machen.“
    Ich schloss die Augen und nickte langsam.
    Den ganzen Tag hielt ich daran fest, dass er möglicherweise nicht ausgewählt werden würde.

    „Ihr wollt was?“
    Ungläubig starrte ich die Zwillinge an, die breit grinsend mit einem Alterungstrank vor mir standen.
    „Wir wollen mit einem Alterungstrank den Feuerkelch austricksen“, wiederholte George.
    Ich schüttelte den Kopf. „Vergesst es. Das klappt niemals.“
    Fred grinste noch breiter. „Das werden wir herausfinden.“
    Ich konnte ein Lächeln nicht unterdrücken.
    Es wurde nicht klappen, das war einfach klar.
    „Also dann“, rief Fred, nahm einen Tropfen vom Trank. „Ich geh voraus.“
    Unter den gespannten Blicken der anderen trat er vor die Linie, holte tief Luft – und sprang dann darüber.
    Oh, wow, es hat ja wirklich funktioniert, dachte ich verblüfft, als auch George über die Linie trat.
    Doch bevor die zwei ihren Namen einwerfen konnten, ertönte ein lautes Zischen und die Zwillinge flogen aus dem Kreis.
    Sie schlugen ein Paar Meter weiter direkt neben mir auf.
    Und als sie sich aufrichteten, sprossen aus ihren Gesichtern lange weiße Bärte.
    „Schick“, kommentierte ich grinsend. „Da müsst ihr nicht mal warten, bis ihr endlich Haarwuchs bekommt.“
    Die Zuschauer lachten schallend und die Zwillinge stimmten auch mit ein.
    Ich reichte George grinsend eine Hand und zog ihn vom Boden hoch. „Ich glaube, ihr geht besser zu Madam Pomfrey.“
    Immer noch lachend machten sich Fred, George und Lee auf dem Weg zum Krankenflügel.
    „Man sagt, Warrington aus Slytherin sei früh aufgestanden, um seinen Namen einzuwerfen“, sagte Dean.
    Ich hob eine Augenbraue. „Der Typ, der sogar für Quidditch zu dumm ist?“
    Harry schüttelte angewidert den Kopf. „Bloß nicht.“
    „Und alle Hufflepuffs reden von Diggory“, meinte Seamus Finnigan verächtlich. „Ich hätte nicht gedacht, dass er sein gutes Aussehen riskieren würde.“
    „Ich hätte nicht gedacht, dass du deine hässliche Fresse riskieren würdest, Finnigan“, fauchte ich.
    Er zog den Kopf ein und Hermine schmunzelte amüsiert.
    „Hört mal!“, rief sie plötzlich.
    Angelina Johnson war unter Jubel der Gryffindors eingetreten und grinste etwas verlegen.
    „Ich habe meinen Namen in den Kelch eingeworfen“, teilte sie uns mit.
    Ich riss die Augen auf.
    „Du machst Witze“, rief Ron.
    „Bin ich froh, dass auch jemand aus Gryffindor teilnimmt“, sagte Hermine mit einem breiten Lächeln.
    „Ich drück dir die Daumen!“, rief ich aufgeregt.
    „Danke, Rea.“ Angelina lächelte mir zu.
    „Ja, besser du als dieser Schönling Diggory“, knurrte Seamus.
    „Finnigan.“
    „Tschuldigung.“
    Ich steckte den Zauberstab, den ich drohend rausgezogen hatte, wieder weg.
    „Pass lieber auf, Seamus.“ Hermine verschränkte grinsend die Arme. „Ich habe mitbekommen, wie sie Jimmy Peakes gestern den Flederwichtfluch auf den Hals gejagt hat, als er so eine Bemerkung gemacht hat. Übrigens sehr gelungen“, fügte sie an mich gewandt hinzu. „Peakes hat immer noch Narben an den Armen.“
    Ich grinste und Seamus verzog sich hastig.
    Niemand legt sich mit Rea an.

    Ich war ein nervöses Wrack.
    Harmloser kann man es beim besten Willen nicht ausdrücken.
    Gleich hätte Dumbledore die Namen der Champions angekündigt.
    Das Halloween-Festessen konnte ich bei weitem nicht so genießen wie immer.
    Als sich die Teller schließlich leerten, räusperte sich Dumbledore.
    „Nun“, sagte er, „der Kelch ist bereit, seine Entscheidung zu treffen! Die Champions werden gebeten, in der Kammer zur Rechten des Lehrertischs zu warten.“
    Die Kerzen erloschen und nur noch das blaue Feuer des Feuerkelchs flackerte im Dunkeln.
    Ich sah zum Hufflepuff-Tisch und fing Cedrics Blick auf.
    Ich konnte es nicht genau erkennen, aber es sah aus, als würde er versuchen, mich stumm zu beruhigen.
    Half leider nicht.
    Die Flammen im Feuerkelch loderten auf einmal rot auf und ein Zettel flog raus und landete in Dumbledores Hand.
    „Der Champion für Durmstrang“, las Dumbledore, „ist Viktor Krum!“
    Überall brach Tumult aus während Krum an Dumbledore vorbeischlurfte, aber ich saß einfach stumm auf meinem Platz und wartete mit klopfendem Herzen, dass es weiterging.
    Ein weiterer Zettel flog aus dem Kelch.
    „Champion für Beauxbatons ist Fleur Delacour!“
    Wieder brach Jubel aus.
    Nur noch der Hogwarts-Champion fehlte.
    Als ein weiterer Zettel rausflog, hielt ich die Luft an und schloss die Augen.
    „Der Hogwarts-Champion…“
    Bitte nicht Cedric, bitte nicht Cedric!, flehte ich verzweifelt.
    „…ist Cedric Diggory!“
    „NEIN!“, schrien ich, Seamus und Ron gleichzeitig.
    Nein, nein, nein‼
    „Ausgerechnet der nichtsnutzige Schönling!“, stöhnte Fred.
    Da platzte mir der Kragen.
    „Noch ein Wort und du wirst es bereuen, mich jemals kennengelernt zu haben!“, schrie ich ihn an.
    Cho drehte sich erschrocken zu mir um. „Rea!“
    Das Blut rauschte in meinen Ohren.
    Wütend stand ich auf und stürmte aus der Halle.
    Unter dem ganzen Tumult bemerkte mich sowieso niemand.

    Ich ging mit hängendem Kopf den Korridor entlang, sodass bloß niemand merkte, wie rot und geschwollen meine Augen waren.
    Ich war einfach wütend.
    Auf Cedric, auf den Feuerkelch und auf mich selbst, weil ich Cedric Vorwürfe machte.
    Vielleicht reagierte ich über.
    Vielleicht würde alles gut werden.
    Ich hoffte es so sehr.
    Jemand holte mich ein. „Rea?“
    „Hi, Cho“, sagte ich dumpf.
    „Ist alles ok?“, fragte sie zaghaft.
    „Bin nur müde.“
    „Nein, bist du nicht.“
    „Warum fragst du dann überhaupt!“, rief ich verzweifelt.
    „Rea, ihm wird schon nichts passieren“, sagte Cho sanft. „Das letzte Mal, als jemand gestorben ist, war Jahrhunderte her. Ihm wird nichts passieren.“
    „Das sagst du“, murmelte ich.
    „Hast du so wenig Vertrauen in ihm?“
    Ich blieb stehen. „Es geht hier nicht um Vertrauen, Cho! Mein bester Freund hat sich gerade für ein Turnier eingetragen, bei dem schon erfahrene Zauberer umgekommen sind! Die haben einmal sogar einen Basilisken für eine Aufgabe benutzt! Einen Basilisken‼“
    Ich hatte Angst, gleich in Tränen auszubrechen.
    Cho legte mir einen Arm um die Schultern und wollte etwas sagen, da gingen die Zwillinge an uns vorbei.
    „Sollten die Regeln umschreiben“, murmelte einer von ihnen.
    „Jaah, total unfair, dass wir nicht teilnehmen dürfen.“
    „Ach, ihr zwei wolltet teilnehmen?“, rief Malfoy höhnisch zu ihnen rüber.
    Ich ahnte Schlimmes.
    „Dachtet wohl, mit dem Geld könnt ihr endlich ein neues Haus kaufen?“
    Atme, Rea. Ein und Aus.
    „Was wir damit machen würden, geht dich einen Dreck an, Malfoy“, knurrte George.
    Ein.
    „Denkt wohl, ihr wärt gut als Champions.“
    Aus.
    „Besser als Diggory auf jeden Fall.“
    Ein.
    „Ich dachte, der Kelch sucht nur Leute mit Köpfchen aus.“
    Aus.
    „Dann würde ich gerne wissen, wie Diggory-“
    „KLAPPE HALTEN! ALLE BEIDE!“
    Malfoy, George und sonst alle, die stehengeblieben waren, um sich das „Schauspiel“ anzuschauen, starrten mich erschrocken an.
    Bevor ich die zwei Idioten verfluchen konnte, drehte ich mich um und rannte raus, so schnell wie ich aus der Großen Halle geflohen war.

    Zornig schoss ich über das Quidditchfeld.
    Ich konnte mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal so ausgerastet war.
    Ich meine, klar, ich war immer wütend geworden wenn jemand über Cedric lästerte, und ein Paar Mal hatte ich auch Leute verflucht, aber ob ich schon mal so die Fassung verloren hatte?
    Hm.
    Keine Ahnung.
    Meine Kehle brannte immer noch, so laut hatte ich geschrien.
    Großartig.
    Einfach großartig.
    Erst wurden wir von Todessern angegriffen, dann wurde Cedric als Champion für ein lebensgefährliches Turnier gewählt und nun das.
    Ich musste mich auf andere Gedanken kommen, deshalb übte ich den Wronski-Bluff.
    Erinnerung an mich selbst: Nie wieder Quidditch-Tricks üben, wenn man aus irgendeinem Grund abgelenkt war.
    Ich war so in Gedanken versunken, dass ich erst in letzter Sekunde merkte, wie nah ich schon am Boden war.
    Erschrocken schrie ich auf, riss den Besenstiel nach oben und konnte mich gerade noch mit den Füßen bremsen.
    Ich stolperte und fiel der Länge nach auf den Boden.
    „Ich dachte, der Wronski-Bluff dient dazu, den gegnerischen Sucher auszuschalten.“
    Fluchend rappelte ich mich auf und drehte mich um.
    Es war Cedric. „Alles ok?“
    „Ja“, fauchte ich.
    „Ich meinte nicht körperlich.“
    Verzweifelt riss ich die Hände hoch. „Warum fragt ihr mich überhaupt, wenn ihr alles besser wisst!“
    Er hob die Schultern.
    „Bitte sag mir, dass du meinen Nervenzusammenbruch eben nicht mitbekommen hast.“
    „Würde es dich beruhigen?“
    Ich fluchte. „Jetzt nicht mehr.“
    Cedric nahm mich in den Arm und ich konnte mich nicht mehr halten.
    Ich brach in seinen Armen zusammen und brach in Tränen aus.
    Ich konnte nicht mehr.
    Ich konnte einfach nicht mehr.
    „Du bist echt die einzige, die wirklich zu mir hält, Rea“, murmelte Cedric, „und nicht nur, weil ich beliebt bin.“
    Ich lachte traurig auf.
    „Hast es wahrscheinlich nicht mitbekommen, aber nachdem du eben weg warst, musste Malfoy unbedingt noch was loswerden.“
    Ich sah zu ihm auf. „Ist das eine Aufforderung, zurückzugehen und ihn zu Brei zu verarbeiten?“
    Cedric lachte. „Nein. Das habe ich schon erledigt.“
    „Bitte was?“
    „’Kann es wohl nicht lassen, Aufmerksamkeit zu suchen, was? Schmeißt sich erst an Diggory ran und macht dann so einen Aufstand.’ Jetzt liegt er im Krankenflügel.“
    „Kleiner Schleimbeutel“, knurrte ich. „Nur so aus Neugier, was hast du ihm denn auf den Hals gejagt?“
    Er grinste. „Hab mir ein Beispiel an dir genommen. Flederwichtfluch.“
    „Das hätte ich gerne gesehen.“
    „Ja, das glaube ich auch. Ist schreiend weggerannt. Ich hätte schwören können, das einer der Weasley-Zwillinge mir einen anerkennenden Blick zugeworfen hat.“
    „Ich hoffe wirklich, es war George.“
    „Warum?“
    „Weil ich dann einen Grund weniger habe, ihn zu vermöbeln“, knurrte ich.
    „Beachte sie einfach nicht. Du bringst dich noch in Schwierigkeiten.“
    „Sagt der Vertrauensschüler, der Draco Malfoy verflucht hat“, lachte ich.
    „Ich meine es ernst. Du könntest dich wirklich in Schwierigkeiten bringen.“
    „Das ist es wert.“
    Cedric drückte mir einen Kuss auf den Scheitel. „Du bist die beste, Rea.“
    „Gleichfalls.“

    Ich saß gerade in Zauberkunst, da warf mir jemand einen zusammengeknüllten Zettel auf den Hinterkopf.
    Ich war schlau genug, nichts zu sagen und nahm den Zettel.
    Als ich sicher war, dass Flitwick nicht in meine Richtung schaute, öffnete ich ihn.

    Kommst du mit mir zum Ball?

    Fred.
    Ich grinste.
    Dann zog ich meine Feder hervor und schrieb: Natürlich, du Idiot.
    Nachdem ich mich wieder vergewissert hatte, dass Flitwick wegschaute, warf ich den Zettel nach hinten.
    Ein leises Lachen bestätigte, dass Fred die Nachricht bekommen hatte.
    Nach dem Unterricht fing er mich ab.
    „Also, kommst du?“
    „War meine Antwort nicht klar genug?“
    Fred schmunzelte. „Wollte nur sichergehen.“
    „Hast du jetzt. Ja, ich komme.“ Ich grinste boshaft. „Vor allem, weil ich noch mit jemandem eine offene Rechnung habe.“
    „Ja? Mit wem?“
    „Mit jemandem, der mir vor knapp einem Jahr hinterherspioniert hat. Jetzt kann ich es erwidern.“
    „Du meinst als…“
    „Genau.“
    „Liege ich richtig, wenn ich vermute, dass es sich um Cedric handelt?“
    Ich seufzte. „Ich könnte jetzt lügen, um dir nicht die Laune zu vermiesen, aber du würdest mich durchschauen.“
    „Mach ich dir damit das Leben schwer?“
    „Irgendwie schon?“
    Fred biss sich auf die Lippe. „Ich weiß gar nicht mal, warum ich noch sauer auf ihn bin. Es ist immerhin ein Jahr her und es war nur ein Quidditch-Spiel. Und außerdem hat er Malfoy verflucht, als er dich beleidigt hat. Das macht ihn sofort sympathisch.“
    Ich lachte. „Damit hat er mich ehrlich überrascht. Hat George eigentlich zugegeben, dass er ein Mistkerl war?“
    „Jaah, schon irgendwie. Er hat es nicht gesagt, aber er sah ziemlich beklommen aus.“
    „Also hab ich keinen Grund mehr, ihn zu vermöbeln?“, fragte ich.
    „Ich hoffe nicht.“
    „Da hat er Glück gehabt.“
    Fred lachte. „Legt euch bloß nicht mit Rea an.“
    „Das habe ich auch gesagt“, sagte ich grinsend.


    Vor der ersten Aufgabe

    „Drachen“, murmelte ich missmutig. „Sehr toll, wirklich. Drachen.“
    „Wir haben’s verstanden, Rea“, sagte Cho belustigt.
    „Warum ausgerechnet Drachen?“, knurrte ich.
    „Was hast du erwartet, Minimuffs?“, lachte sie. „Komm schon, Rea, er wird es schaffen. Entspann dich einfach.“
    Ich verschränkte die Arme. „Jaah, ok. Mein bester Freund versucht gleich, von einem riesigen feuerspeienden Biest ein goldenes Ei zu stehlen, da kann man sich doch gleich richtig entspannen, was?“
    Cho verdrehte grinsend die Augen und legte mir einen Arm um die Schultern. „Und trotz allem kannst du es nicht lassen, sarkastisch zu sein.“
    „Wird auch immer so sein“, lachte ich.
    Nachdenklich sah ich in Richtung der Drachengehege, aus denen entweder ohrenbetäubendes Brüllen oder Flammenstöße hervordrangen.
    „Ich sehe besser nach ihm“, sagte ich plötzlich und stand auf.
    „Wünsch ihm Glück.“
    Ich nickte Cho zu und machte mich auf zum Zelt der Champions. Es drang kein Laut daraus hervor, woraus ich schloss, dass die Champions offensichtlich zu nervös waren, um den Mund aufzumachen.
    Ich trat vor den Eingang und rief: „Hallooh? Kann Mr Diggory kurz mal aus dem Zelt rauskommen?“
    Ich konnte förmlich spüren, wie Cedric grinste, obwohl ich ihn nicht sah. Einen Moment später öffnete sich der Zelteingang und mein bester Freund stand vor mir.
    „Wow, jetzt brauchst du nur noch spitze Eckzähne und du kannst als Vampir durchgehen“, kommentierte ich, als ich sah, wie blass er war.
    Cedric grinste. „Jaah, wüsste zwar nicht, warum mir das was nützen sollte, aber ok.“
    „Trottel“, lachte ich und umarmte ihn. „Versuch bitte, nicht gegrillt zu werden.“
    „Sag das dem Drachen“, entgegnete er.
    „Werd ich schon noch machen. Kann zwar nicht versprechen, dass ich sein Brüllen übertönen kann, aber-“
    Im nächsten Moment rief ihn jemand und Cedric drehte sich um.
    „Viel Glück“, wünschte ich ihm und wollte ihm einen Kuss auf die Wange geben, da drehte er sich um und unsere Lippen trafen sich versehentlich.
    Plötzlich blitzte ein grelles Licht auf und wir wirbelten herum.
    „Soso“, sagte eine Stimme und eine Frau mit blonden gelockten Haaren, einer auffälligen Brille und einer grünen Feder in der Hand trat neben Cedric. Neben ihr stand ein Mann mit einer Kamera in der Hand.
    Rita Kimmkorn.
    Sie hatte doch nicht vor…?
    „Wie schön“, schwärmte sie. „Zwei junge Leute, die ihre Liebe geheim halten wollen.“
    „Wir wollen gar nichts geheim halten, das war nur ein Versehen-“, rief ich wütend, aber ich wurde von Barty Crouch unterbrochen der ebenfalls zu uns getreten war.
    „Mr Diggory, wenn Sie erlauben, wir würden gerne mit Ihnen anfangen“, sagte er mit missbilligenden Unterton an Cedric gewandt.
    „Ich…“ Cedric drehte sich mit hilflosem Ausdruck zu mir um.
    Ich nickte ihm zu und warf Rita einen hasserfüllten Blick zu. „Geh ruhig.“
    Während ich zurück zur Tribüne ging, machte sich ein sehr, sehr ungutes Gefühl in mir breit.

    Das erste, was mir in den nächsten Tagen auffiel war wie Fred und George mir aus dem Weg gingen.
    Und das war schon seltsam.
    Als ich bemerkte, dass alle Mädchen mich noch schiefer ansahen als sonst, wurde ich noch misstrauischer.
    Und als auch Cho mir aus dem Weg ging, verstand ich die Welt nicht mehr.
    „Sag mal, weißt du, was die alle für ein Problem haben?“, fragte ich Cedric verwirrt, als mir wieder eine Gruppe Slytherin-Mädchen auffiel, die mich hasserfüllt anstarrten.
    Er zuckte ebenso verwirrt mit den Schultern. „Keinen blassen Schimmer.“
    Ich musste es früh genug erfahren.
    Leider.
    „He, Marini, wo hast du deinen Lover gelassen?“, rief eine höhnische Stimme mir zu.
    Ich seufzte und drehte mich um. „Malfoy, sperr deine Lauscher auf, sonst verwandle ich dich in einen Flubberwurm und vertrau mir, ich bin dazu fähig. Er. Ist. Nur. Mein. Bester. Freund.“
    Malfoy grinste spöttisch und seine Gang kicherte. „Brauchst es gar nicht zu bestreiten. Hier-“
    Er warf mir eine Ausgabe des Tagespropheten zu. Mit einem sehr schlechten Gefühl blätterte ich ihn durch, bis ich zu einer Schlagzeile kam, bei dem mein Magen vor Zorn sich umstülpte.

    HOGWARTS-SCHÜLERIN MACHT SICH AN CHAMPION RAN

    Die 16-jährige Ravenclaw-Schülerin Nerea Marini (rechts) wurde am Tag der ersten Trimagischen Aufgabe mit ihrem angeblichen besten Freund und Hogwarts-Champion Cedric Diggory (links) in sehr inniger Haltung gesehen. Obgleich sie immer noch bestreitet, die beiden hätten etwas miteinander, beweist das beigelegte Foto eindeutig das Gegenteil. Die Frage ist: Haben Marini und Diggory gelogen, als sie behaupteten, sie seien nur Freunde? Oder hat der Hogwarts-Champion keine Schuld daran? „Ich würde ihr auf jeden Fall zutrauen, dass sie einen Liebestrank gebraut hat“, berichtet Draco Malfoy, ein äußerst aufgeweckter Slytherin-Schüler. „Sie sucht Aufmerksamkeit, wo sie kann und damit hätte sie sie auch gefunden.“ Marini äußerte sich bisher zu dieser Anschuldigung nicht, was ein Zeichen dafür sein könnte, dass sie es bereits zutiefst bereut, dabei erwischt geworden zu sein …

    Ich konnte nicht weiterlesen, sonst hätte ich noch Feuer gespuckt wie der Schwedische Kurzschnäuzler bei der ersten Aufgabe. Es war auch tatsächlich ein Bild dabei. Cedric und ich, genau in dem Moment wo wir uns versehentlich geküsst hatten.
    Wer diesen Artikel geschrieben hatte, musste ich gar nicht nachschauen.
    „Was sagst du jetzt dazu?“, höhnte Malfoy. „Enttäuscht, dass dein Plan aufgedeckt wurde, Marini?“
    Meine Hände zitterten vor Wut so stark, dass die Zeitung einriss.
    Ich zerknüllte sie, richtete meinen Zauberstab darauf und murmelte: „Duro.“
    Dann warf ich die steinhart gewordene Papierkugel nach Malfoy, der sich noch rechtzeitig duckte.
    „Wenn Hagrid hier wäre“, sagte ich mit gezwungen ruhiger Stimme, „würde ich ihn um seine drei größten und aggressivsten Knallrümpfigen Kröter bitten. Ich glaube, mit denen hast du schon genug Erfahrung gemacht, nicht wahr?“
    Mit diesen Worten drehte ich mich um und ging. Ich musste mich echt dazu zwingen, nicht alle drei Unverzeihlichen Flüche der Reihe nach auf ihn anzuwenden. Ich musste mein Leben wieder in Ordnung bringen und ein Aufenthalt in Askaban hätte das nur verzögert.

    „Cho! Hey, warte!“
    Ich rannte meiner Freundin hinterher, als sie gerade aus Zauberkunst kam. Als sie mich sah drehte sie sich um und beschleunigte ihre Schritte.
    „Cho!“ Ich holte sie ein.
    „Was willst du?“, fuhr sie mich an und ich sah erschrocken, wie rot und geschwollen ihre Augen waren.
    „Meine Freundin zurück“, sagte ich leise. „Cho, bitte, du musst mir glauben, alles in diesem Artikel ist gelogen… Naja, abgesehen von meinem Namen und die Tatsache, dass ich 16 Jahre alt und in Ravenclaw bin, aber…“
    Ihre Mundwinkel zuckten kurz, aber sie fing sich wieder. „Das sah auf dem Bild nicht so aus.“
    „Cho, das war nur ein Versehen. Bitte vertrau mir, ich würde doch so etwas nicht machen!“
    „Pass lieber auf, Chang!“, rief Pansy Parkinson zu uns rüber. „Hast du nicht gehört, was für eine hinterhältige Schlange sie ist?“
    „Du verpisst dich gefälligst aus meinem Leben, verstanden, Parkinson?“, fauchte ich sie an. „Cho, bitte, ignorier sie, du kennst mich doch, traust du mir wirklich so etwas zu?“
    Cho sah einen Moment lang unschlüssig aus. Sie sah von mir zu Pansy, die immer noch feixte.
    Dann sah sie mich wieder an und seufzte. „Entschuldige, Rea. Ich traue dir das wirklich nicht zu, es ist nur… Ich…“
    Ich seufzte erleichtert und nahm sie in den Arm. „Das reicht schon, danke.“
    Sie lachte. „Diese Kimmkorn tut wirklich alles, um eine gute Story zu bekommen. Obwohl sie dieses Mal ja ziemlich überzeugend war.“
    „Ja, aber wir wissen beide, dass es nicht stimmt“, entgegnete ich. „Ich hab’s dir gesagt, das mit dem Kuss war ein Versehen.“
    „Wirklich?“
    Ich wirbelte herum. Fred stand hinter mir.
    „Ja, wirklich!“, rief ich.
    Er grinste schief. „Wow, für einen Moment habe ich schon gedacht…“
    „Das war kein Moment, das waren vier Tage“, bemerkte ich trocken. „Nein, mal ehrlich, wenn das stimmen würde hätte ich doch wohl kaum für den Ball zugesagt!“
    „Das ist ein guter Punkt“, sagte Fred.
    „Dann hätte auf dem Zettel gestanden: Nein du Idiot, ich gehe doch sowieso viel lieber mit einem Hogwarts-Champion zum Ball.“
    Er lachte. „Das stimmt wohl.“
    Mit deutlich besserer Laune ging ich zur Großen Halle. Mit einer Person musste ich noch was klären.

    Ich entdeckte Cedric am Hufflepuff-Tisch – von seinem Fanclub umgeben, wie immer.
    Schnell eilte ich zu ihnen rüber, woraufhin (natürlich) mich alle böse anstarrten.
    „Ced, können wir kurz reden?“, fragte ich vorsichtig.
    „Meinst du über die Tatsache, dass du mich nur ausnutzt?“, fragte er mich bissig und irgendetwas in meiner Brust zersplitterte bei seinen Worten.
    „Ced, bitte, du kannst doch nicht wirklich glauben-“
    „Ich glaube, was ich will.“
    Ich spürte, wie meine Augen brannten. „Ced…“
    „Geh jetzt einfach.“
    „Ich gehe nicht, bis du mir zuhörst!“, rief ich. Mittlerweile starrten uns alle an.
    „Dann bitte“, sagte Cedric kalt. „Ich höre.“
    Ich holte zitternd Luft. „Ich hab’s dir gesagt, das war nur ein Versehen, ich wollte nicht… Ich würde dich niemals ausnutzen…“
    „Das sagst du“, warf Ernie Macmillan ein. Ich ignorierte ihn.
    „Cedric, komm schon, wir sind beste Freunde seit ich denken kann, ich dachte, du kennst mich. Diese Kimmkorn“ – ich spuckte den Namen förmlich aus – „hat sich alles nur ausgedacht um eine Story zu haben. Bitte“, fügte ich flehentlich hinzu, „du musst mir glauben…“
    Er sagte nichts und drehte sich weg. „Ich weiß echt nicht mehr, was ich glauben soll…“
    „Ich bin deine beste Freundin!“
    „Jaah, bist du?“
    „Jaah, bin ich“, sagte ich scharf.
    „Wenn du meinst…“
    Ich bemerkte, wie Susan Bones und einige andere Leute um sie herum anfingen zu grinsen.
    „Ist… Ist alles wieder gut?“, fragte ich vorsichtig. Ich wollte die Antwort eigentlich gar nicht hören.
    Cedric antwortete nicht und ich spürte, wie mich wieder Verzweiflung überkam.
    Toll.
    Jetzt hatte ich wegen dieser Kimmkorn meinen besten Freund verloren. Ich hätte sie umgebracht, ehrlich, ich hasste sie so abgrundtief.
    „Schön“, sagte ich leise. „Dann…“
    Aber als ich mich umdrehen und gehen wollte, fing Cedric an zu lachen.
    „Himmel, Rea, du hättest dich sehen sollen“, prustete er.
    „Wa-“
    „Dachtest du wirklich, ich habe auch nur ein Wort davon geglaubt, was in diesem Artikel stand?“, lachte Cedric und drehte sich wieder zu mir um.
    Ich war einen Moment sprachlos, dann schlug ich ihm auf den Hinterkopf. „Du mieser kleiner Dreckskerl!“
    Er stand immer noch lachend auf und umarmte mich.
    „Oh Mann, ich hasse dich so sehr, Diggory“, stöhnte ich.
    „Tust du nicht, du liebst mich mindestens so sehr wie ich dich.“
    „Jaah, ok, erwischt.“ Jetzt musste ich auch lachen. „Darf ich jetzt Rita Kimmkorn umbringen gehen?“
    „Ich werde dich nicht aufhalten“, antwortete Cedric grinsend und gab mir einen Kuss auf die Wange.


    Der Weihnachtsball

    „Cho, meine Güte, du stehst schon zwei Stunden vor dem Spiegel und zupfst an dir rum. Du siehst toll aus, ok?“
    Cho drehte sich unsicher zu mir um. „Findest du?“
    „Ja, zum 248ten Mal. Komm schon, du siehst großartig aus. Cedric fällt ihn Ohnmacht, wenn er dich sieht.“
    Sie lachte. „Jaja.“
    Ich grinste. Unter normalen Umständen hätte ich ihr ein Kissen an den Kopf geworfen, aber ich wollte nicht ihre Frisur ruinieren. „Ich kenne ihn mein ganzes Leben lang. Aber so wie ich ihn einschätze wird er dich erstmal eine halbe Ewigkeit mit offenem Mund anstarren und dann sagen: ‚Wow… Du siehst toll aus!’“
    „So genau kannst du das doch nicht wissen.“
    Ich grinste noch breiter. „Kann ich.“
    „Du siehst jedenfalls auch gut aus.“
    Ich hasste es, mich aufwendig zurecht zu machen.
    Deshalb hatte ich mich kaum geschminkt und ein einfaches nachtblaues Kleid mit silbernen Sprenkeln, die an Sterne erinnerten, angezogen.
    Haare schnell zu einem Zopf geflochten und fertig.
    So einfach ging es.
    Und währenddessen war Cho gefühlt anderthalb Stunden im Bad.
    Ich sprang von meinem Bett runter. „Jetzt komm endlich. Die Jungs warten schon.“
    Wir gingen die Treppe runter und ich öffnete die Tür und trat als erste raus.
    Cedric stand in einem schwarzen Festumhang an der Wand gegenüber.
    „Schick“, kommentierte ich. „Ich nehme an, ich bin heute nicht die, auf die du wartest?“
    Er lachte. „Ich nehme an, du hast Recht.“
    „Na dann.“ Ich machte einen Knicks und ging an ihn vorbei, blieb jedoch ein Paar Meter weiter stehen und spitzte die Ohren, als Cho auch rauskam.
    Ich hörte zuerst nichts, dann sagte Cedric: „Wow… Du siehst toll aus!“
    Ich grinste triumphierend.
    „Ach, so genau kann ich es nicht wissen, was?“, sagte ich laut.
    Lachen.
    Schnell ging ich zur Großen Halle, wo Fred auf mich wartete.
    „Hat es so lange gedauert?“, begrüßte er mich.
    „Hi, Fred, ja, du siehst auch gut aus und nein, Cho hat es einfach in die Länge gezogen.“
    Fred verbeugte sich lachend und reichte mir den Arm. „Darf ich bitten, Mylady?“
    „Klar doch.“ Grinsend hakte ich mich ein und wir betraten die Große Halle.
    Die Champions mussten mit ihren Partnern den Ball eröffnen und ich grinste Cedric jedes Mal zu, wenn er an mir vorbeitanzte.
    Er warf mir daraufhin einen Blick zu, der sagte: „Tu mir den Gefallen und sag einfach nichts.“
    Ich musste nichts sagen. Ich schaffte es auch so, ihn zu nerven.
    Nachdem die Champions den Ball eröffnet hatten, fragte Fred: „Tanzen?“
    Ich nickte und wir tanzten fünf Songs durch, ohne Pause.
    „Ok, stopp, ich brauche was zu trinken“, rief ich lachend, als der sechste anfing.
    Fred lachte ebenfalls und führte mich von der Tanzfläche.
    „Ich komme gleich zurück, ja?“
    Ich salutierte und setzte mich hin.
    Nachdem Fred weg war, setzte sich jemand neben mich.
    Es war George.
    „Hallo“, sagte ich etwas spitz.
    Ich hatte die Szene im Korridor immer noch nicht vergessen.
    „Hi“, erwiderte er verlegen.
    Ich verschränkte die Arme. „Kann man dir helfen?“
    „Rea, ich wollte mich entschuldigen. Ich war einfach wütend, dass ich nicht am Turnier teilnehmen konnte und ich hatte immer noch nicht vergessen, wie er uns besiegt hatte…“
    „Himmel, George, es war nur ein Quidditch-Spiel! Er wollte es sogar wiederholen, weil Harry vom Besen gefallen war!“, rief ich. „Warum denken alle, dass er nur ein hirnloser Mädchenschwarm ist!“
    „Ich weiß, entschuldige. Das war falsch von mir.“
    Ich seufzte. „Du hast Glück, dass ich dir verzeihe, sonst hätte der Abend sehr schmerzhaft ausgehen können.“
    George grinste halb. „Danke?“
    Fred kam zurück mit drei Flaschen Butterbier. „Lebst du noch, Bruderherz?“
    „Noch“, betonte ich.
    Er setzte sich grinsend neben uns. „Freut mich.“
    George hob die Hände. „Wenn man bedenkt, dass du mich das letzte Mal dass ich dich gesehen habe umbringen wolltest, ist das schon eine Glanzleistung.“
    „Es kann immer noch passieren, wenn du nicht die Klappe hältst.“
    „Ich werde mich in Zukunft zurückhalten.“
    „Verzeihung, wenn ich dieses sehr wichtige und tiefgründige Gespräch unterbreche, aber könnte ich mir Rea für einen Tanz ausleihen?“
    Entrüstet blickte ich zu Cedric hoch. „’Ausleihen’? Bin ich ein Buch, oder was?“
    „Ja, manchmal bist du wie ein wandelndes Lexikon. Vor allem, was Quidditch, Verteidigung gegen die dunklen Künste und lebensgefährliche Zaubererturniere angeht“, antwortete Cedric lachend.
    „Veto“, knurrte ich.
    Fred grinste. „Bring sie mir wohlerhalten zurück.“
    „Ich kann nichts versprechen.“
    „Leute!“, rief ich entsetzt.
    „Ach, komm schon“, lachte Cedric.
    Ich stand grinsend auf und ging mit ihm zur Tanzfläche. „Wird Cho nicht eifersüchtig?“
    „Das kannst du besser beurteilen als ich. Wird sie?“
    Ich dachte kurz nach. „Nö.“
    „Na dann.“
    Während wir tanzten, fragte ich: „Und, wie läuft der Abend?“
    „Großartig, bis du aufgetaucht bist“, scherzte Cedric.
    „Idiot.“
    „Danke.“ Er lachte. „Nein, ernsthaft. Du siehst großartig aus.“
    „Ist nichts Neues.“
    Ich stöhnte auf, als ich wieder eine Gruppe von eifersüchtigen Mädchen entdeckte. „Fängt das schon wieder an?“
    „Wie gesagt, das sind die Nebenwirkungen.“
    „Ich sollte es mir auf die Stirn schreiben“, sagte ich nachdenklich.
    „Was würdest du schreiben?“
    „’Ich bin nur seine beste Freundin, ihr hirnlosen Trollinnen’.“
    Er lachte. „Ich kann mir vorstellen, dass du das tun würdest.“
    „Naja, vielleicht würde ich es mir nicht unbedingt auf die Stirn schreiben. Ich könnte ein Banner in den Fluren aufhängen!“
    „Das wäre eine Idee.“
    Ich grinste. „Nicht unbedingt eine gute, aber naja.“
    „Weil es ja das erste Mal ist, dass du eine schlechte Idee hast.“
    „Hey!“, beschwerte ich mich.
    Cedric schmunzelte und drückte mir einen Kuss auf den Scheitel. „Einem kleinen Biest wie du muss man manchmal auch die Meinung sagen.“
    Ich lachte. „Cedric Diggory, ich schwöre dir, noch ein Wort und ich werfe dich eigenhändig aus dem Fenster.“
    „Tu es nicht, du brauchst mich noch“, sagte er grinsend.
    „Sagt wer?“, konterte ich.
    „Du“, lachte Cedric.
    „Und dein treuer Fanclub“, murmelte ich mit einem Grinsen, das aber sofort verschwand, als ich tatsächlich wieder eine Gruppe Mädchen bemerkte, die (o Wunder) mir eifersüchtige Blicke zuwarfen.
    „Ach, komm schon“, knurrte ich. „mal ehrlich, hat man denn nicht mal an Weihnachten seine Ruhe?“
    Cedric folgte meinem Blick und lachte. „Nicht solange du meine Freundin bist.“
    „Warum musst du auch so gut aussehen?“
    „Bei Beschwerden, wende dich an meine Eltern“, sagte er sachlich und ich hatte so einen großen Lachkrampf, dass ich die Augen schließen und meinen Kopf auf seine Schulter legen musste.
    „Himmel, Rea, ich hatte nie vor, dich an Lachern ersticken zu lachen“, meinte Cedric amüsiert, als ich mich halbwegs beruhigt hatte.
    „Dann pass gefälligst auf, was du sagst“, prustete ich mit Lachtränen in den Augen. „Ich dachte, du kennst mich!“
    Er wirbelte mich lachend herum und ich bemerkte Cho, die ein wenig sehnsüchtig in unsere Richtung blickte.
    Ich zwinkerte ihr zu und drehte mich zu meinem besten Freund um. „Und jetzt geh lieber, deine Prinzessin wartet schon ungeduldig darauf, dass du sie zum Tanz bittest.“
    Cedric gab mir spielerisch einen Handkuss und ich ging von der Tanzfläche und ließ mich neben Fred auf einen Stuhl fallen.
    „Bin zurück.“
    „Das sehe ich“, sagte Fred schmunzelnd. „Und auch so wohlerhalten, wie ich Diggory gebeten habe. Abgesehen von dem Teil, wo du fast vor Lachen verreckt bist, natürlich.“
    Ich brachte ein halbes Grinsen zustande. „Ich glaube, ich brauche frische Luft. Kommst du mit?“
    Er nickte und wir gingen zusammen raus.
    Der Himmel war nachtschwarz und von Sternen übersät.
    Langsam streiften wir durch die Rosenbüsche und ich atmete die Nachtluft ein.
    „Das habe ich gebraucht.“
    „Zu viel getanzt?“
    „Ja, definitiv“, lachte ich.
    „Ich glaube, dafür sind Bälle da“, entgegnete Fred grinsend.
    „Ach, sei doch leise.“
    Wir bogen um eine Ecke – da blieb Fred plötzlich vor mir stehen und starrte auf etwas hinter den Büschen, sodass ich es nicht sehen konnte.
    Sein Grinsen wurde breiter. „Falls du dich revanchieren wolltest“, raunte er mir zu, „ist das die perfekte Gelegenheit.“
    Er trat zur Seite und ich lugte mit fragendem Gesichtsausdruck hinter die Büsche.
    Und da musste ich auch grinsen. Jep, das war in der Tat die perfekte Gelegenheit.
    Cho und Cedric standen auf einer kleinen Lichtung und… Ja, küssten sich.
    Ich unterdrückte einen Siegesschrei und begrenzte mich auf ein leises „Endlich!“
    Mir war klar, dass diese Szene wohl eher privat war und zog mich deshalb leise zurück.
    Fred kam mit mir mit.
    „Nicht?“, fragte er.
    „Zu privat. Das war etwas, das eigentlich schon vor zwei Jahren passieren sollte. Ich verderbe es ihnen besser nicht.“
    „Wie du meinst.“
    Wir standen schweigend neben einem Springbrunnen und beobachteten die Sterne.
    Der Mond strahlte so hell am Himmel, dass wir in silbernes Licht getaucht wurden.
    Schon krass.
    Ich stand hier mit meinem Schwarm (seit drei Jahren), wie als ob nichts wäre.
    Irgendwie war es mir gerade zu still.
    „Und zwischen dir und Cedric lief wirklich nichts?“
    Ich nehme es zurück.
    Hätte er seinen Mund gehalten, wäre es besser gewesen.
    Ich sah ihn entgeistert an. „Sag mir bitte nicht, dass du auch einer von denen-“
    Fred brachte mich zum Schweigen, indem er mich küsste.
    Mein Herz setzte aus.
    Meine Augen waren wahrscheinlich mittlerweile so groß wie Galleonen geworden, denn als wir uns lösten lachte er leise auf.
    „Du hättest dein Gesicht sehen müssen“, schmunzelte er. „Natürlich habe ich das nie geglaubt. Ich musste dich nur irgendwie dazu bringen, mich anzuschauen.“
    „Dreckskerl“, murmelte ich grinsend.
    „Und?“
    „Was, und?“
    „Also, willst du…“
    Ich antwortete nicht.
    „Rea?“
    Lächelnd drehte ich mich zu ihm um und küsste ihn wieder.

    „Bitte wo bringen Sie uns hin!“
    Ich starrte Ludo Bagman mit aufgerissenen Augen an.
    Ehrlich, ich hatte mir nichts weiter gedacht, als Dumbledore mich sprechen wollte.
    Ich hatte mir auch keine Gedanken gemacht, als er mich zum See bestellte.
    Als ich bemerkte, dass Mr Bagman, Hermine, Ron und ein fremdes Mädchen auch dort waren, wurde ich misstrauisch.
    Aber jetzt war ich komplett fassungslos.
    „Also, um es zusammenzufassen… Wir vier hier werden gleich in eine Trance versetzt, als Geiseln in den See geworfen und dort am Grund gefesselt und da können wir warten, bis uns die Champions retten? Und wenn sie nicht kommen, ertrinken wir!“
    Bagman lachte schallend. „Natürlich nicht! Wenn der jeweilige Champion es nicht schafft, werden die Meerleute euch an die Oberfläche tragen. Wir würden niemals eure Leben gefährden!“
    „Aber die der Champions schon, oder was?“, murmelte ich so leise, dass nur Hermine es hörte.
    Sie drückte meine Hand.
    „Er wird es schaffen, Rea“, wisperte sie.
    „Du bist also das wonach sich Krum am meisten sehnt, was?“, sagte ich feixend, um sie aus dem Konzept zu bringen.
    Es klappte.
    Hermine wurde knallrot und Rons Gesichtsausdruck wurde düster.
    Ich kannte diesen Gesichtsausdruck und klatschte deshalb laut in die Hände.
    „Soo, wer ist bereit, bewusstlos am Grund des Sees gefesselt zu werden?“
    Dumbledore gluckste und Bagman strahlte fröhlich.
    „Ich hätte es nicht besser ankündigen können. Also, bereit?“
    Wir nickten, wenngleich das fremde Mädchen etwas zögerlich wirkte.
    Bagman hob den Zauberstab. „Insomnia!“, rief er und alles wurde schwarz.

    Ich wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, als ich aufwachte.
    Kam mir vor wie eine halbe Ewigkeit.
    Jedenfalls war ich unter Wasser, hielt die Augen nur mit Mühe offen (was vermutlich ein Rest vom Schlafzauber war, normalerweise konnte ich problemlos die Augen unter Wasser öffnen) und jemand hatte seinen Arm um meine Taille geschlungen und schwamm zügig mit mir nach oben.
    „Cedric?“, wollte ich sagen, aber es kamen nur Luftblasen aus meinem Mund.
    Es musste Cedric sein, der Arm, der mich festhielt, war definitiv der eines Menschen.
    Leuchtend blaue Haarsträhnen waberten um mein Gesicht wie die Tentakel einer Qualle.
    Da durchbrachen wir die Wasseroberfläche und ich wurde hellwach, als der kalte Wind mir ins Gesicht peitschte.
    Ich schnappte nach Luft.
    Mir war gar nicht aufgefallen, dass ich den Atem angehalten hatte.
    „Alles ok?“
    Ich wollte mich umdrehen, drohte aber dann, zu versinken.
    Verdammt.
    Meine Beine waren eingeschlafen.
    „Woah!“ Cedric hielt mich fest, sodass ich nicht untertauchte.
    „Alles gut, ich lebe noch.“
    „Das sehe ich.“ Er grinste. „Komm schon.“
    Wir schwammen ans Ufer und sobald wir aus dem Wasser stiegen, wurden uns Handtücher gereicht.
    Fleur war schon draußen, aber es sah nicht so aus, als hätte sie ihre Geisel gerettet.
    Sie sah immer wieder panisch aufs Wasser und murmelte etwas auf Französisch.
    Zitternd schlang ich mir mein Tuch um die Schultern.
    Verdammt, war das draußen kalt.
    Dann liefen die Zwillinge auf mich zu.
    „Alles ok?“, fragte Fred mich sofort.
    „Ich lebe noch“, lachte ich.
    Er grinste breit. „Freut mich. Immerhin warst du zwei Stunden da unten.“
    „Zwei Stunden!“ Entgeistert starrte ich ihn an. „Wow, der Schlafzauber ist deutlich stärker, als ich dachte.“
    Fred legte seine Arme um mich und wir warteten auf die anderen Champions.
    Harry tauchte als letzter auf, mit Ron und Fleurs kleiner Schwester.
    Typisch Harry.
    Er hatte das Lied zu Ernst genommen.
    Dumbledore räusperte sich und verschaffte sich Gehör.
    „Der Seehäuptling hat uns berichtet, was unter Wasser passiert ist.“
    Alle sahen ihn gespannt an.
    „Auf dem ersten Platz“, fuhr Dumbledore fort, „Cedric Diggory mit 47 Punkten! Er kehrte als erster mit seiner Geisel zurück und benutzte einen gelungenen Kopfblasenzauber.“
    Die Menge jubelte.
    Cedric grinste mich an. „Hatte hier jemand Zweifel?“
    Ich lachte und küsste ihn auf die Wange. „Nein.“

    „Fang!“
    Ich schoss auf meinem Besen nach vorne und fing den Quaffel, den Fred mir zugeworfen hatte.
    Er klatschte lachend. „Brav.“
    Grinsend warf ich den Ball wieder zurück und flog einmal um ihn herum. „Nerea Marini, der fliegende Hund.“
    Fred schmunzelte und warf mir wieder den Quaffel zu. „Hol den Ball!“
    Ich zischte an ihm vorbei und fing ihn auf.
    Dann lachte ich. „Trainieren wir gerade für Quidditch oder für meine Karriere als Hund?“
    Er lachte ebenfalls. „Gute Frage. Als Hund machst du dich jedenfalls gut.“
    „Ach, hör doch auf.“
    Elegant drehte ich eine Runde ums Feld und landete.
    Fred landete neben mir. „Gleich fängt die dritte Aufgabe an, richtig?“
    Das ungute Gefühl, das ich in den letzten Tagen immer wieder gespürt hatte, wurde wieder stärker. Ich schluckte.
    Er gab mir einen Kuss. „Er wird’s schaffen.“
    Unsicher nickte ich und sah zum Quidditchfeld rüber.
    Sie hatten einen Irrgarten darauf wachsen lassen, mit allen möglichen Hindernissen.
    Ich wollte mir nicht mal vorstellen, was da drinnen lauerte.
    Von Leuten, die einmal als Aufgabe geplant hatten, einen verdammten Basilisken zu fangen, konnte man nur Gefährliches erwarten.
    Ich strich mir die Haare aus dem Gesicht und seufzte. „Ich gehe wohl besser, ich wollte Ced noch einmal vor der Aufgabe erwischen.“
    …falls ich ihn danach nicht mehr wiedersehe, fügte ich in Gedanken hinzu.
    Fred nickte. „Wünsch ihm viel Glück von mir.“
    Überrascht hob ich die Augenbrauen.
    „Dass er da heil wieder rauskommt, meine ich“, ergänzte er mit dem Anflug eines Grinsens. „Den Pokal soll bitteschön Harry gewinnen.“
    „Hab schon gedacht…“ Ich schmunzelte, drehte mich um und ging Richtung Quidditchfeld (Verzeihung, ich meinte natürlich Irrgarten).
    Während ich den Weg zum Feld runterging, ließ ich allen meinen Sorgen noch einmal freien Lauf.
    Ich hatte das Gerücht gehört, dass eine Sphinx importiert wurde aber ich hoffte von ganzem Herzen, dass das nicht stimmte.
    Und wenn doch… Cedric war schlau.
    Die Champions standen schon in der Nähe des Irrgartens und sahen alle ziemlich nervös aus.
    Cedric lief unruhig im Kreis und sah sehr blass aus.
    Ich lief zu ihm rüber und er hob den Kopf.
    „Alles ok?“, fragte ich ihn besorgt.
    „Nur nervös“, murmelte er als Antwort.
    Ich biss mir auf die Lippe und Cedric brachte irgendwie ein Lächeln zustande. „Ich bin schon durch zwei Aufgaben gekommen, Rea, ich werde es diesmal auch schaffen.“
    Da hatte er Recht. Aber ich hatte trotzdem noch dieses seltsame Gefühl.
    „Pass einfach auf dich auf, ok?“
    Er drückte mich und gab mir einen Kuss auf die Stirn. „Das mache ich. Mach du dir als Gegenleistung keine Sorgen, ok?“
    Ich nickte unsicher.
    Jemand rief Cedrics Namen und er drehte sich kurz um. „Ich muss los. Wir sehen uns gleich.“
    „Viel Glück“, wünschte ich ihm mit heiserer Stimme.

    Ich saß zwischen Cho und Fred auf den Tribünen und klopfte mir mit meinem Zauberstab nervös gegen den Oberschenkel.
    Cedric sah zu mir auf und warf mir ein beruhigendes Lächeln zu.
    Ich konnte es nicht richtig erwidern.
    Bevor ich weiter darüber nachdenken konnte nickte Ludo Bagman Cedric und Harry zu und blies dann kräftig in seine Trillerpfeife.
    Die zwei Hogwarts-Champions rannten in den Irrgarten und die Hecke wuchs hinter ihnen zu.
    Mein Herz schlug mir bis zum Hals.
    Ich ließ versehentlich Funken aus meinem Zauberstab sprühen, die mir das Knie versengten.
    Fluchend steckte ich ihn wieder in meine Tasche.
    Fred drehte sich zu mir um und lachte. „Wow, du brennst ja richtig vor Sorge.“
    „Ach, halt den Mund“, murmelte ich, musste aber unwillkürlich grinsen.
    Eine halbe Stunde verging ohne besondere Ereignisse und das machte mich wirklich fertig.
    Ab und zu hörte man Kampfgeräusche oder man sah eine Stichflamme von den Hecken auflodern, aber offenbar war niemand ernsthaft verletzt, denn man sah keine roten Funken.
    Ich wurde immer unruhiger.
    Mach, dass es ihm gut geht, bitte…
    Dann hörte ich jemanden rufen und zuckte zusammen.
    Es war Cedric.
    Ich konnte nicht genau hören, was er sagte, aber er klang erschrocken.
    Kurz war es still und dann ertönte wieder Cedrics Stimme.
    Aber diesmal sagte er nichts.
    Er schrie.
    Ein markerschütternder, langer Schmerzensschrei.
    „CEDRIC!“
    Ich war aufgesprungen und an den Rand der Tribüne gestürzt.
    „Rea!“
    Fast wäre ich direkt in den Irrgarten gerannt, aber Fred und Cho standen ebenfalls auf und hielten mich fest.
    „Rea, beruhig dich, bitte!“, flehte Cho mich an. „Du kannst da jetzt nicht rein!“
    Cedrics Schreie verstummten.
    Ich stand mit bebender Brust da und sah verzweifelt auf den Irrgarten.
    Um uns herum war ebenfalls ein unruhiges Murmeln ausgebrochen.
    Ich setzte mich mit wachsender Panik wieder hin.
    Bitte, flehte ich wieder in Gedanken, Bitte, mach, dass er lebt…
    Wenig später wurde der gelähmte Krum aus dem Irrgarten gebracht, aber von Cedric war keine Spur.
    Ich musste mich einfach beruhigen.
    Wieder verging eine Stunde ohne dass irgendetwas passierte und mittlerweile hatte ich fast einen Nervenzusammenbruch erlitten.
    Die Zeit zog sich wie in Zeitlupe dahin.
    „Wann kommen sie endlich?“, murmelte ich verzweifelt.
    So lange konnte es doch nicht dauern!
    Wenn er doch wenigstens irgendein Lebenszeichen gegeben hätte…
    „Rea, beruhig dich“, raunte Cho und drückte meine Hand, aber ich sah, wie auch ihr die Sorge im Gesicht geschrieben stand.
    Ich konnte mich nicht beruhigen. Mein Herz zersprang fast vor Sorge.
    Dann ertönte ein Knall und zwei Gestalten erschienen vor dem Irrgarten.
    Ich schoss von meinem Sitz hoch und kniff die Augen zusammen.
    Um mich herum brandete Beifall auf, aber ich hatte immer noch einen Kloß im Hals.
    Irgendetwas stimmte nicht.
    Dann setzte mein Herz aus und ich hörte alles nur verschwommen.
    Es waren Harry und Cedric.
    Harry hielt den Pokal in seiner Hand, ihm liefen Tränen über die Wangen und er hatte sich über meinen besten Freund gebeugt, der… der…
    Ich hörte einen schrecklichen Schrei und es dauerte eine Weile bis ich begriff, dass er direkt aus meiner Kehle kam.
    Meine Beine bewegten sich von selbst, ich rannte die Treppe runter direkt auf Harry und Cedric zu.
    Dann ließ ich mich neben sie auf die Knie fallen.
    Wie Moody Harry wegschleifte, bekam ich kaum mit.
    Ich schüttelte Cedric, flehte ihn an und ignorierte das Brennen in meinen Augen.
    Er konnte nicht tot sein.
    Er. Konnte. Nicht. Tot. Sein.
    Ich betete, dass es nur ein Irrwicht war, bitte, es musste einfach ein Irrwicht sein… Das konnte einfach nicht sein.
    Dann brach ich schluchzend über ihn zusammen und ließ meinen Tränen freien Lauf.
    Jemand legte mir eine Hand auf die Schulter. „Rea…“
    „FASS MICH NICHT AN“, schrie ich.
    Ich sah mit bebender Brust in das ausdruckslose Gesicht meines besten Freundes, das mich nie wieder angrinsen würde.
    „Warum konntest du nicht einfach auf mich hören?“, schluchzte ich und legte ihm eine Hand auf die Wange. „Warum musst du so stur sein? Welchen Teil von ‚In diesem Turnier sind schon Leute umgekommen’ hast du nicht verstanden?“
    Jemand kniete sich neben mich und legte mir einen Arm um die Schultern.
    Cho.
    Ihr liefen ebenfalls Tränen über die Wangen und ich lehnte meinen Kopf an ihre Schulter und ließ mich einfach festhalten.
    „Bitte kommen Sie mit, Nerea“, sagte eine ruhige Stimme vor mir und als ich den Kopf hob, erkannte ich Dumbledore.
    Ich schüttelte heftig den Kopf und krallte meine Hand in Cedrics Arm.
    „Nerea.“
    „Ich gehe nicht“, schluchzte ich.
    „Rea, komm schon“, flüsterte Cho erstickt.
    Zitternd stand ich auf und folgte Dumbledore ins Schloss, wo wir die Treppe hoch in sein Büro gingen.
    Dumbledore setzte sich auf einen Stuhl hinter seinen Pult und sah mich ernst an. „Es ist schwer, Worte zu finden, die nicht leer klingen, aber es tut mir wirklich leid.“
    Ich lachte traurig auf.
    Er deutete auf einen Stuhl vor ihm. „Bitte setzen Sie sich.“
    Ich setzte mich hin und vergrub mein Gesicht in meine Hände.
    „Ich weiß genau, wie Sie sich fühlen.“
    „Tun Sie das?“, murmelte ich erstickt.
    „Das tue ich. Es ist normal, so einen Schmerz zu spüren zu bekommen, es gehört zum Leben dazu-“
    „DANN WILL ICH NICHT LEBEN!“, schrie ich, sprang auf und warf eine Porzellantasse, die auf dem Tisch stand, gegen die Wand, sodass sie zersplitterte.
    Viele Portraits zuckten erschrocken zusammen, manche zeterten los, aber ich ignorierte sie.
    „Bitte setzen Sie sich wieder“, sagte Dumbledore ruhig, ohne sich was anmerken zu lassen.
    „Ich will mich nicht setzen, ich will einfach meinen besten Freund zurück!“, brüllte ich.
    „Kein Zauber kann die Toten wieder zum Leben erwecken, das ist-“
    „Dann töten Sie mich!“, schluchzte ich. „Töten Sie mich, los, lassen Sie es einfach enden, lassen Sie mich einfach bei ihm sein!“
    „Ich werde Sie nicht töten, Nerea“, sagte Dumbledore geduldig, „denn Sie haben noch Gründe zu Leben. Ich bin der Meinung, dass es viel schlimmere Dinge gibt als der Tod, aber auch der Tod kann viele Dinge abrupt enden lassen.“
    „Ach was, wirklich?“, rief ich mit schriller Stimme.
    „Beruhigen Sie sich“, erwiderte er. „Sie müssen mich entschuldigen, ich fürchte, wenn ich nicht gleich eingreife wird heute Abend noch jemand sterben. Ich lasse Sie hier, damit Sie über alles nachdenken können. Bitte unterlassen Sie jeglichen Versuch, sich umzubringen.“
    Mit diesen Worten verließ Dumbledore das Büro und ließ mich allein zurück.
    Viele Portraits warfen mir mitfühlende Blicke zu, aber ich ignorierte sie, ließ mich auf den Boden sinken und brach erneut in Tränen aus.

    Seit diesem Tag war ich wie gewandelt.
    Während ich vorher keine Gelegenheit ausließ, einen frechen Spruch loszuwerden, fiel es mir nun schwer, auch nur zu lachen. Ich brachte keinen Patronus mehr zustande.
    Meine Freunde sorgten sich ziemlich um mich, weil ich so abweisend und still war.
    Ich wollte unbedingt wieder lachen können, wieder die alte, schlagfertige Rea werden, die sogar Dementoren zum Lachen brachte. Aber es ging einfach nicht. Ich konnte nicht.
    In mir war ein schwarzes, tiefes Loch, was niemand wieder füllen konnte.

    3
    Vor dem 7. Jahr

    Ich ging die Treppe runter, mit meinem Brief aus Hogwarts in der Hand.
    „Hallo, Schatz.“ Mom lächelte mir zu.
    Ich brachte es nicht fertig, zurück zu lächeln. „Morgen.“
    Sie stand von ihrem Stuhl auf und ging auf mich zu. „Gibt’s was Neues? Was musst du für das nächste Jahr einkaufen?“
    „Nichts Besonderes“, murmelte ich. „Neues Zaubertrankbuch… Neue Lederhandschuhe für Kräuterkunde, die alten sind total löchrig… Neues Buch für Verteidigung gegen die dunklen Künste… Und ich bin Quidditch-Kapitän.“
    „Gut, sehr gut, dann gehen wir am besten-“ Mom unterbrach sich und wirbelte zu mir herum. „Du bist Quidditch-Kapitän?“
    Ich warf ihr den Brief und das Abzeichen zu. „Davies hat die Schule abgeschlossen und deshalb haben sie mich zum neuen Kapitän gewählt. Steht alles drin.“
    Mom durchflog den Brief und ein Strahlen breitete sich auf ihrem Gesicht aus. „Das ist großartig, Liebling, gratuliere!“
    Ich hob die Schultern und nahm wieder das Abzeichen entgegen. „Ja, schon.“
    In Wahrheit tickte ich innerlich total aus vor Überraschung und Freude. Ich konnte es nicht glauben, als ich den Brief sah.
    Aber ich konnte es einfach nicht zeigen.
    Der Grund ist klar, oder?
    „Was ist großartig?“
    Mein großer Bruder Matt kam gähnend die Treppe runter.
    „Bin Quidditch-Kapitän“, murmelte ich und machte mir einen Tee.
    Seine Augen weiteten sich. „Was, ehrlich?“
    Ich zuckte mit den Schultern.
    „Welcher Idiot wählt dich denn zum Kapitän?“
    Normalerweise hätte ich mit irgendeinem Spruch gekontert. Diesmal nicht.
    „Guter Versuch, Matt.“
    Matt seufzte. „Ich hab’s versucht. Hör mal, du kannst nicht für immer mit hängendem Kopf rumlaufen.“
    „Du hast gut reden“, sagte ich leise und nahm einen Schluck Tee.
    Er seufzte wieder und nahm mich in den Arm.
    „Pass auf“, sagte ich tonlos, als mein Tee überschwappte.
    „Sorry.“ Matt ließ mich wieder los und musterte mich besorgt. „Aber…“
    „Das reicht, Matt“, sagte Mom schneidend.
    „Ich wollte nur…“
    Sie warf ihm einen Blick zu und er verstummte.
    „Wir sollten am besten gleich losgehen, damit wir nicht zu großen Andrang in der Winkelgasse vorfinden.“ Mom fuhr mit ihrem Zauberstab einmal über den Esstisch und die Tischdecke glättete sich.
    Ich nickte, stellte meine Tasse ab und ging nach oben. „Ich mach mich fertig.“
    Ich schloss meine Zimmertür und sah mich um.
    Überall an den Wänden hingen Fotos, die mir beim Ansehen immer wieder einen Stich versetzten.
    Ich nahm eins von der Wand, setzte mich auf mein Bett und betrachtete es.
    Ein Junge mit grauen Augen, der einem blassen Mädchen lachend durch die Haare wuschelte.
    Ich konnte nicht anders, ich musste einfach lächeln.
    Ein trauriges, schmerzerfülltes Lächeln, aber es war ein Lächeln.
    „Rea?“
    Matts Kopf erschien in der Tür und ich steckte das Foto wie aus einem Impuls heraus ein.
    „Ja?“
    „Wollte nur nach dir schauen.“ Er warf mir einen kurzen Blick zu und ging wieder raus.
    Ich schloss die Tür und zog meinen Zauberstab.
    Bis jetzt hatte ich es nicht geschafft, aber vielleicht…
    Ich dachte mit aller Kraft daran, dass ich Quidditch-Kapitän war und murmelte: „Expecto Patronum!“
    Da schob sich das Bild von Cedrics Leiche in mein Gehirn und wieder kam nur formloser Nebel aus meinem Zauberstab.
    Frustriert steckte ich ihn wieder ein und setzte mich wieder auf mein Bett.
    „Rea, kommst du?“, rief Mom von unten.
    „Jaah, Moment!“, rief ich zurück und stand wieder auf.
    Mit einem letzten Blick auf die Fotos an den Wänden nahm ich meine Tasche und ging aus dem Zimmer.


    „Rea! Rea, warte mal!“
    Ich drehte mich um und sah Thomas Bradley auf mich zulaufen.
    „Ja?“
    „Ich hab gehört, du bist dieses Jahr Kapitän“, sagte er und lächelte mir zu.
    Ich nickte.
    „Weißt du schon, wann die Auswahlspiele sind?“, fragte Bradley.
    „Bin mir noch nicht sicher, aber ich denke mal, diesen Samstag“, antwortete ich. „Ich sag dir Bescheid, wenn es feststeht, ja?“
    Er nickte und ich ging weiter.
    Da kam Fred mir entgegen. „Tag.“
    „Hallo.“ Ich gab ihm einen Kuss. „Wie waren deine Ferien?“
    „In Ordnung.“ Er hob die Schultern und ging mit mir mit. „Dein Bruder ist doch im Orden, oder?“, ergänzte er mit leiserer Stimme.
    „Ist er. Ich durfte aber nie mitkommen.“
    „Ja, das habe ich bemerkt. Sonst hätten wir uns ja gesehen“, meinte Fred.
    „Ja, wahrscheinlich.“
    Wir gingen schweigend weiter.
    „Warum so schlecht gelaunt, Marini?“, rief eine höhnische Stimme auf einmal.
    Malfoy.
    „Ach, was weiß ich“, murmelte ich und ging an ihm vorbei.
    „Ohne Diggory bist du wohl nicht mehr so mutig, was? Hast nicht mehr deinen kleinen Beschützer, der dich vor den bösen Slytherins verteidigt?“
    Ich blieb wie angewurzelt stehen.
    „Ich habe nie verstanden, warum er es getan hat“, spottete Malfoy, während die anderen Slytherins lachten. „Vielleicht war es aus Mitleid, er war ja schon immer so ein Weichling-“
    Ich bekam gar nicht mit, wie ich meine Bücher fallen ließ und mich auf ihn stürzte.
    Und hätte Fred mich nicht festgehalten, hätte ich das kleine Miststück zu Brei verarbeitet.
    „Rea, beruhig dich!“, rief Fred, während Malfoy mich ausgesprochen erschrocken anstarrte, wie der Rest seiner Gang.
    „Einen Teufel werde ich tun!“, schrie ich, riss mich los und zog meinen Zauberstab.
    Malfoy schielte mit ängstlicher Miene auf den Zauberstab, der auf seine Brust gerichtet war.
    „Hast du mir sonst noch was zu sagen?“, fauchte ich. „Oder soll ich dich direkt verfluchen? Nur zu, sag mir einfach Bescheid!“
    Er sagte nichts, sondern starrte weiter mit blassem Gesicht auf meinen Zauberstab.
    „Rea-“
    „MARINI!“
    Professor McGonagall und Professor Sprout eilten auf uns zu.
    „Was soll das werden?“, herrschte McGonagall mich an, nachdem sie sich einen Überblick verschaffen hatte.
    „Oh, nichts Besonderes, Professor“, knurrte ich. „Ich überlege nur, welchen Fluch ich benutzen will.“
    „Sie werden überhaupt keinen Fluch benutzen!“, rief sie aufgebracht. „Lassen Sie Ihren Zauberstab sinken! Zehn Punkte Abzug für Ravenclaw! Was ist nur in Sie gefahren?“
    Schwer atmend senkte ich meine Hand und sah Malfoy hasserfüllt in die Augen.
    „Ich schätze, das kann dieser Mistkerl Ihnen selbst erklären.“
    Von Malfoy kam nur ein Wimmern und ich drehte mich um und rannte weg.


    Ravenclaw gegen Hufflepuff

    „Ok, Team, hier rüber!“, rief ich den anderen in der Umkleide zu, nachdem sie sich umgezogen hatten.
    „Ich habe eigentlich nicht viel zu sagen“, sagte ich, als sich alle um mich herum versammelt hatten. „Gebt alles und damit meine ich nicht nur, dass ihr gut spielt, sondern, dass ihr auch als Team spielt. Viel Glück.“
    So etwas zu sagen war Davies nie eingefallen, dachte ich. Ob Cedric schon mal so eine Rede gehalten hatte? Bestimmt.
    Ich spürte wieder einen scharfen Schmerz in der Brust und ging vor dem Ausgang in Position.
    Mein Team folgte.
    Dann rief Lee uns auf: „Und das Team von Ravenclaw! Marini, Bradley, Chambers…“
    Ich schoss als Erste aufs Feld und verharrte vor dem Hufflepuff-Kapitän Zacharias Smith, der mich mit hochgezogener Augenbraue musterte.
    Ich sah ihn kalt an.
    Ich kannte Smith nur vom Sehen, aber ich wusste, dass er niemals, ich wiederhole, NIEMALS, so gut war wie sein Vorgänger.
    „Marini, Smith, reicht euch die Hände“, rief Madam Hooch zu uns hoch und ich schüttelte Smiths Hand.
    „Du wirst sehen, ich habe mein Team deutlich stärker trainiert als Diggory“, zischte er mir zu. „Und es wird diesmal deutlich härter für dich sein.“
    „Erklär mir lieber nicht, was das bedeutet, sonst könnte versehentlich ein Schläger der Treiber gegen deinen Schädel knallen“, knurrte ich, ließ seine Hand los und flog nach oben.
    Der Schnatz schoss aus der Kiste und verschwand.
    Summerby flog über das Feld und hielt Ausschau, aber ich war zu zornig, um ihn nachzuahmen.
    Dieser verdammte Schweinehund Smith.
    Dieser. Verdammte. Schweinehund.
    Verstand denn niemand, wie ich mich fühlte?
    Ich wollte kein Mitleid, aber konnten sich nicht alle wenigstens mal zusammenreißen und solche Sprüche für sich behalten?
    Ich meine, was hatte ich ihnen denn getan?
    Wütend zog ich meine Runden, da schoss Summerby auf einmal an mir vorbei.
    Verdammt!, schoss es mir durch den Kopf und ich nahm sofort die Verfolgung auf.
    Aber bevor ich ihn erreichen konnte, flog ein Klatscher von irgendwoher auf Summerby zu und schlug ihn fast vom Besen.
    Als ich mich umdrehte, sah ich Terry Boot, der mich angrinste.
    „Danke“, formte ich mit den Lippen und sah mich wieder um. Der Schnatz war verschwunden, deshalb flog ich wieder nach oben und hielt Ausschau.
    Nach zwanzig Minuten war der Stand bei 80:40 für uns.
    Jaah, Smith, tolles Team hattest du auf jeden Fall aufgestellt.
    Man sieht’s, ihr seid echt gut geworden.
    Summerby sah in meine Richtung und ich nutzte die Gelegenheit.
    Ich schoss im direkten Sturzflug auf den Boden zu.
    Er nahm augenblicklich die Verfolgung auf und ein triumphierendes Grinsen umspielte meine Lippen.
    Der Wind peitschte mir die Haare aus dem Gesicht und ich sah ihn an. Ein sehr, sehr großer Fehler, wie ich im nächsten Moment feststellte.
    Summerby hatte graue Augen.
    Wie Cedric.
    In meinem Kopf verschwamm alles, als ich ein Déjà-vu hatte, und mein Grinsen verschwand.
    Im letzten Moment bemerkte Summerby, was ich vorhatte und schoss wieder nach oben.
    Ich schaffte es nicht, mich abzufangen und knallte auf die Erde.
    Das letzte, was ich spürte, war, wie etwas neben meinem Ohr rumflatterte und ich reflexartig danach griff.
    Dann verlor ich das Bewusstsein.

    „Ich dachte, der Wronski-Bluff dient dazu, den gegnerischen Sucher auszuschalten.“
    „Warte nur, dafür wirst du bezahlen.“
    „Rea?“
    „Rea!“
    „Rea, wach auf!“
    Mit dem Gefühl, als wäre ich stundenlang unter Wasser gewesen, riss ich die Augen auf.
    „Oh Merlin, sie lebt!“
    „Ich hab schon gedacht?“
    „Rea, ist alles ok?“, fragte Chos ängstliche Stimme neben mir.
    Ich drehte mich langsam um und stützte mich auf. „Glaub schon“, murmelte ich.
    Sie sah mich weiter besorgt an. „Du hast mir solche Angst eingejagt! Du bist einfach im Sturzflug aufs Feld geknallt!“
    „Alles gut, wirklich“, wiegelte ich ab. „Wie… wie ist das Spiel ausgegangen?“
    Ich versuchte, in den Mienen meiner Teamkameraden irgendwas zu erkennen, aber sie sahen mich ausdruckslos an.
    Dann verriet sich Chambers und auf seinem Gesicht breitete sich ein Grinsen aus.
    „Nein?“, sagte ich gedämpft.
    „Doch!“, jubelte Bradley. „Du hast den Schnatz gefangen, bevor du bewusstlos geworden bist!“
    Ich strahlte – zum ersten Mal seit Wochen.
    Mein Team und Cho umarmten mich und ich lachte frei.
    „Also wirklich, bitte aufpassen!“, rief Madam Pomfrey und eilte auf uns zu. „Ich habe gerade erst ihre Rippen geheilt!“


    Kampf in Hogwarts, Harrys sechstes Jahr

    „Pass auf!“
    Ich riss George nach unten, bevor ihn ein Lichtstrahl treffen konnte.
    „Danke“, keuchte er, sprang wieder auf und lief in das Schloss.
    „Warte!“, rief ich und rannte ihm hinterher.
    Überall in Hogwarts waren Todesser und ich hatte keine Ahnung, wie sie reingekommen waren.
    Ich war einfach nur zu Hause und habe immer wieder versucht, einen Patronus hervorzubringen, da sind Sirius und Piper direkt vor mir appariert und haben mir gesagt, das Dunkle Mal sei über Hogwarts aufgetaucht.
    Ich war sofort mitgekommen und tatsächlich: Der leuchtend grüne Schädel leuchtete über das Schloss und drinnen waren aufgeregte Rufe zu hören.
    Jetzt rannte ich mit Fred und George durch die Korridore und schockte jeden Todesser, den uns über den Weg lief.
    Snape rauschte an uns vorbei zum Astronomieturm und rempelte mich an.
    Ich sah ihm stirnrunzelnd nach, da zog Fred mich auch schon weiter.
    Da entdeckte ich eine leider allzu bekannte Gestalt und meine Eingeweide gefroren zu Eis.
    Meine Fingerknöchel wurden weiß, als ich den Zauberstab so fest packte, dass er fast zerbrach.
    Ich rannte der Gestalt hinterher, stolperte über einige bewusstlose Körper und rappelte mich sofort auf.
    Da holte ich ihn ein und drückte ihn an die Wand, den Zauberstab auf ihn gerichtet.
    „Hallo Wurmschwanz“, knurrte ich gefährlich.
    Ein kleiner rattenartiger Mann mit feuchten, blutunterlaufenen Augen starrte mich ängstlich an.
    Der Mann, der Lily und James Potter betrogen hatte.
    Der Mann, der Cedric ermordet hatte.
    „I… Ich… W… Was…“, quiekte er.
    „Und versuch gar nicht erst, dich zu verwandeln“, fauchte ich. „Ich kann dich immer noch verfluchen. Petrificus Totalus!“
    Ich ließ Wurmschwanz los und er fiel versteinert zu Boden.
    Schwer atmend zielte ich mit dem Zauberstab auf seine Brust.
    „Das hier“, fauchte ich ihn an, „ist die Rache für das, was du in der Nacht der dritten Trimagischen Aufgabe getan hast. Dafür, dass du meinen besten Freund umgebracht hast!“
    Wurmschwanz’ Augen waren mit Angst erfüllt.
    „Avada-“
    „Expelliarmus!“
    Mein Zauberstab flog mir aus der Hand und ich wirbelte zornig herum.
    Cho fing ihn auf und eilte auf mich zu.
    „Entschuldigung“, knurrte ich. „Ich war gerade dabei, jemanden umzubringen.“
    „Das weiß ich!“ Cho sah mich mit halb besorgter, halb zorniger Miene an. „Und daran musste ich dich hindern!“
    „Mich daran hindern? MICH DARAN HINDERN? DIESER SCHWEINEHUND HAT CEDRIC UMGEBRACHT!“, schrie ich.
    Sie warf Wurmschwanz einen hasserfüllten Blick zu. „Ich weiß. Aber Cedric hätte nicht gewollt, dass du deswegen zum Mörder wirst.“
    „Er hätte…“
    Ich hielt inne, als mich die Wucht ihrer Worte traf.
    Sie hatte Recht.
    Cho warf mir meinen Zauberstab wieder zu und ich sah Wurmschwanz voller Abscheu an. „Denk bloß nicht, wir sind fertig miteinander, du rückgratloser Wurm.“
    Und mit diesen Worten rannte ich den Korridor entlang und ließ ihn versteinert auf dem Boden zurück.


    Ein gutes Jahr später, im Ligusterweg

    „Und du bist dir sicher, dass das die richtige Adresse ist, Mad-Eye?“, fragte ich gefühlt zum 127sten Mal.
    „Rea, wenn du nicht gleich die Klappe hältst, verhexe ich dich, verstanden?“, knurrte Mad-Eye.
    Tonks drehte sich grinsend zu mir um. „Hör lieber auf ihn. Ich musste es auf die harte Tour rausfinden.“
    Wir landeten vor einem altmodisch aussehenden Haus und Harry lief aus dem Haus auf uns zu.
    Hermine umarmte ihn mit einem Freudenschrei und Ron klopfte ihm auf den Rücken.
    Harry strahlte uns an. „So viele von euch hätte ich gar nicht erwartet!“
    „Plan geändert“, bellte Mad-Eye. „Gehen wir rein, dann können wir alles besprechen.“
    Harry hielt uns die Tür auf und wir traten ein.
    „Also, Harry, Dädalus hat dir wahrscheinlich schon gesagt, dass wir Plan A aufgeben mussten…“
    Er erklärte ihm den ganzen Plan und Harrys Strahlen wich einer ungläubigen und abwehrenden Miene. „Nein!“, rief er. „Kommt nicht infrage!“
    Ich verschränkte die Arme. „Harry, das ist die sicherste Lösung.“
    „Die sicherste Lösung!“ Er starrte mich entgeistert an.
    Ich hob die Schultern. „Ok, ok, die sicherste Lösung für dich. Aber das ist doch der Punkt.“
    „Wenn ihr glaubt, ich lasse es zu, dass sechs Leute ihr Leben für mich riskieren…“
    „Weil es ja für uns alle das erste Mal ist“, warf Ron ein.
    „Das ist was anderes…“
    „Hör zu, Junge, entweder du gibst uns die Haare freiwillig oder wir nehmen sie mit Gewalt! Du hast keine Wahl!“, knurrte Mad-Eye und funkelte Harry grimmig an.
    Er seufzte wütend, riss sich ein Büschel Haare aus und ließ sie in die Zaubertrankflasche fallen, der sofort golden wurde.
    „Sieht aus wie Felix Felicis“, bemerkte ich trocken. „Das könnten wir gebrauchen.“
    „Schade nur, dass es wesentlich schlimmer schmeckt“, meinte George.
    Ron, Hermine, Fleur, George, Fred und (wenn auch widerwillig) Mundungus stellten sich vor Mad-Eye auf und nahmen jeder einen Schluck vom Trank.
    Die Wirkung zeigte sich sofort.
    Nur wenig später standen sieben Harrys vor mir.
    „Wow – wir sind absolut gleich!“, riefen Fred und George gleichzeitig.
    Nachdem sich alle umgezogen hatte, teilte Mad-Eye alle Potters ihren Beschützer zu.
    „Moment“, sagte Harry, als er fertig war. „Und was ist mit Rea?“
    Mad-Eyes Miene verfinsterte sich leicht, was mir nicht entging.
    „Es ist immer wieder schön, sich geschätzt zu fühlen, Mad-Eye“, knurrte ich.
    Einer der Potters lachte. Ich tippte auf einen der Zwillinge.
    „Wenn ich dir einen Befehl gebe, musst du darauf hören!“, bellte er. „Jedenfalls“, sagte er an Harry gewandt. „Unsere Nerea hier hätte eigentlich nicht mitkommen, aber sie war sturer als ein Hippogreif…“
    „Wenn du dachtest, ich drehe im Fuchsbau Däumchen, während ihr euer Leben riskiert, hast du falsch getippt!“, fauchte ich ihn an.
    Mad-Eye tat, als hätte er mich nicht gehört. „Deshalb schwirrt sie einfach als zusätzlicher Beschützer um uns herum und hält uns mögliche Gefahren vom Leib. Sie fliegt dann direkt zum Fuchsbau. Aber Rea“, knurrte Mad-Eye an mich gewandt, „wenn du die ganze Zeit nur Harry beschützt und damit die Tarnung auffliegt, bringe ich dich eigenhändig um, verstanden?“
    Ich grinste. „Wie du meinst.“
    Wir gingen nach draußen und ich stieg auf meinen Nimbus 2000.
    „Viel Glück, allesamt!“, brüllte Mad-Eye. „Wir sehen uns in etwa einer Stunde am Fuchsbau. Ich zähle bis drei. Eins… Zwei… DREI.“
    Ich stieß mich vom Boden ab und schoss nach oben.
    Gerade flog ich in Bill und Fleurs Richtung, da tauchten auf einmal überall um uns herum Kapuzengestalten auf.
    Ich keuchte auf. Wie…?
    „Todesser!“, schrie ich und schockte einen von ihnen.
    Alle beschleunigten und ich schoss zu Ron und Tonks, um ihnen die Todesser vom Leib zu halten.
    Überall flogen Lichtblitze, Todesser fielen zu Boden, entweder geschockt oder sogar tot.
    Da schrie jemand: „Sectumsempra!“
    Der Fluch streifte Georges Ohr und meine Schulter.
    Ich schrie auf und fiel fast vom Besen.
    Verdammt, das tat weh!
    Ich versuchte, den Schmerz zu ignorieren und flog schneller.
    Die einzigen, die ich erkennen konnte, waren Mad-Eye und Mundungus, deshalb drehte ich mich in ihre Richtung.
    Plötzlich bekam Dung Panik und disapparierte.
    Ich fluchte. Dieses verdammte Miststück!
    Da erstarrte ich.
    Denn ich hatte bemerkt, warum Mundungus abgehauen war.
    Lord Voldemort höchstpersönlich war aufgetaucht.
    Ich spürte, wie auch in mir langsam Panik aufkeimte, aber ich wäre nicht zurückgeflogen.
    Aber bevor ich was tun konnte, hob Voldemort den Zauberstab und rief: „Avada Kedavra!“
    Der Fluch traf Mad-Eye direkt ins Gesicht und schleuderte ihn vom Besen.
    „NEIN!“, schrie ich, doch er war verschwunden. „MAD-EYE!“
    Voldemort flog davon und ich spürte Zorn und Tränen in mir aufsteigen.
    Bill und Fleur flogen auf einem Thestral an mir vorbei und ich sah ihre geschockten Mienen.
    Mir war klar, was Mad-Eye mir in diesem Fall gesagt hätte: „Lass mich einfach zurück und bring deine Mission zu Ende!“
    Ich schluchzte auf, flog aber weiter.
    Als ich den Fuchsbau erkannte landete ich (nicht gerade elegant) und stolperte vom Besen.
    „Rea!“
    Hermine rannte auf mich zu.
    „Mir geht’s gut, nur die Schulter“, murmelte ich. „Nichts, was Molly nicht wieder richten könnte.“
    Sie stützte mich und half mir ins Haus.
    Ich ließ mich aufs Sofa sinken und im nächsten Moment fielen mir die Augen zu.


    Die Schlacht von Hogwarts

    „Du bist gekommen!“
    Cho rannte auf mich zu und fiel mir um den Hals, sobald ich aus dem Portraitloch rausgeklettert war.
    „Hat ein wenig gedauert, Aberforth war ein wenig angepisst“, murmelte ich und machte mich von ihr los. „Komm schon.“
    Wir rannten aus dem Raum der Wünsche und ich blieb wie erstarrt stehen.
    Als mich Chos Patronus erreichte mit der Nachricht, Hogwarts wäre von Todessern angegriffen worden, hätte ich niemals erwartet, dass es so schlimm sein würde.
    Das halbe Schloss war zerstört und in Flammen, auf dem Boden lagen überall bewusstlose oder tote Körper von Schülern oder Todessern und hunderte von Leuten rannten durch die Korridore und über das Gelände.
    Überall flammten Lichtblitze auf, Leute duellierten sich – und wir waren mittendrin.
    „Rea?“
    Ich schüttelte kurz den Kopf. „Ja, entschuldige. Gehen wir.“
    Während wir durch Hogwarts jagten, mussten wir immer wieder herabstürzenden Felsbrocken, Flüchen oder Flammen ausweichen.
    Cho schaffte es, Rookwood zu schocken, der sich mit Susan Bones duellierte.
    „Achtung!“, schrie jemand und im nächsten Moment wurde ich zurückgerissen, sodass ein grüner Lichtstrahl nur knapp an meiner Nase vorbeischrammte.
    Mein Herz machte einen Sprung vor Schreck und ich drehte mich um.
    Fred grinste schief. „Ich glaube, du solltest aufpassen, wo du hinrennst.“
    „Glaube ich auch“, krächzte ich. „Danke.“
    „Kein Ding. Ich bleibe wohl besser bei dir, solltest du wieder in Lebensgefahr geraten.“
    Er ließ es wie ein Witz klingen, aber ich konnte im Moment nicht wirklich darüber lachen.
    Fred schien es zu merken, denn er zog mich weiter.
    Da lief Harry uns entgegen und rannte direkt in Richtung des Ravenclaw-Turms davon.
    Verwirrt rannte ich ihm nach und holte ihn ein. „Harry, wo willst du hin?“
    Er wirbelte herum. Mir fiel auf, wie gehetzt er aussah. „Ich muss etwas suchen, tut mir leid, ich hab nicht viel Zeit.“
    „Harry, du gehst gerade zum Ravenclaw-Turm. Dann kannst du doch einer Ravenclaw sagen, was du suchen musst!“
    „Ich… Also gut.“ Harry warf nervöse Blicke über seine Schulter. „Es geht um das verschollene Diadem von Ravenclaw.“
    „Das… Das was?“
    Ich starrte Harry mit großen Augen an.
    „Rea, bitte, wenn das alles ist…“, sagte er ungeduldig und wollte schon gehen, aber ich hatte auf einmal eine Idee.
    „Harry, warte kurz!“, rief ich und er drehte sich wieder um. „Man sagt, niemand Lebendes hat bis jetzt das Diadem gesehen… Was, wenn du mit jemandem reden musst, des tot ist?“
    „Mit jemandem…“ Harrys Miene erhellte sich. „Rea, wer ist der Geist vom Ravenclaw-Turm?“
    „Die graue Dame. Junge Frau, lange Haare, trägt ein langes Gewand. Ich habe sie nicht gesehen, aber du findest sie schon. Viel Glück!“, wünschte ich ihm und rannte wieder davon.
    Was ich im nächsten Moment bereute.
    Viel Glück.
    Das waren meine letzten Worte an Cedric…
    Bevor…
    „REA, WEG DA!“
    Ich spürte, wie jemand mir hart gegen den Rücken stieß und ich nach vorne stolperte – bevor drei Tonnen Fels auf mich herabstürzen konnten.
    Ich schlug hart aber halbwegs unverletzt auf dem Steinboden auf. Überall um mich herum war Staub, ich konnte kaum was erkennen.
    Hustend richtete ich mich auf und spuckte Blut aus.
    Verdammt.
    Lippe gerissen.
    Ich drehte mich um – und blieb stocksteif stehen.
    Eine Hand ragte aus einem Hügel aus Fels heraus. Panisch fing ich an, Felsbrocken beiseite zu schieben.
    George, Percy und Ron rannten ebenfalls zu mir und halfen mit.
    Dann sahen wir sein Gesicht.
    Ich hörte nichts mehr. Ich bekam nicht mit, wie George einen Schrei ausstieß.
    Ich konnte nicht einmal schreien.
    Wie betäubt ließ ich mich auf die Knie sinken und sah in Freds ausdruckslose Augen.
    Er hatte mein Leben gerettet.
    Er hatte mich weggestoßen und sein Leben für mich gegeben.
    Ich hörte gackerndes, irres Gelächter hinter mir und schloss die Augen.
    Langsam stand ich auf und zog meinen Zauberstab.
    „Rea?“, fragte Ron mich unsicher.
    Rons Miene nach hatte ich einen ziemlich gefährlichen Ausdruck in den Augen.
    „Nicht jetzt“, sagte ich leise.
    „Aber…“
    „ICH HAB’S SATT, OK?“, schrie ich. „ICH HABE WEGEN VOLDEMORT UND SEINEN SCHLÄGERKUMPELS FAST JEDEN VERLOREN, DER MIR ETWAS BEDEUTET! SIE HABEN MEINE FREUNDE UMGEBRACHT – ICH WERDE SIE UMBRINGEN!“
    Ich war wie von Sinnen und rannte direkt in die Schlacht.
    Kein Todesser war von meinen Flüchen sicher. Ich schockte jeden, der mir über den Weg lief, sprang über Felsbrocken, verfluchte alles, was einen schwarzen Mantel und eine Maske hatte.
    Dann hielt mich jemand fest.
    „Rea, hör auf.“
    „Lass mich los!“
    „Du kannst nicht einfach--“
    „DAS IST MIR EGAL!“, brüllte ich. „Ich will sie umbringen… Sie alle umbringen…“
    „Rea, bitte!“
    Schwer atmend hielt ich inne und Bill ließ mich vorsichtig los, als könnte ich jeden Moment wieder explodieren.
    Da nahm ich in meinen Augenwinkeln ein silbernes Leuchten wahr und drehte mich um.
    „Rea?“
    Ich hob die Hand und sah mit zusammengekniffenen Augen zum Wald rüber.
    „Rea, was--“
    „Bill!“, rief jemand.
    Er wirbelte herum und ich nutzte die Gelegenheit und rannte zum Verbotenen Wald, aus dem ein schwaches silbriges Leuchten drang.
    Als ich mich näherte erkannte ich einen Patronus, von dem ich die Form aber nicht erkennen konnte.
    Ich folgte ihm in den Wald, wich herabhängenden Zweigen aus und versuchte, mit dem Patronus mitzuhalten, der immer schneller wurde.
    Ich konnte kaum sehen, wo ich hinlief, denn alles wurde immer dunkler, als wir tiefer in den Wald drangen.
    Auf einmal blieb der Patronus auf einer kleinen Lichtung stehen – und erlosch.
    „Warte!“, rief ich, aber er war weg.
    Verwirrt blickte ich mich um. Hatte der Patronus mich hergeführt oder hatte ich mir das Ganze nur eingebildet?
    Ich wollte gerade wieder rausgehen, da stieß mein Fuß gegen etwas Hartes. Ich hob es auf.
    Es war ein Schnatz, der in zwei Hälften gespalten war, als wäre er aufgebrochen worden.
    Mir fiel ein, dass Schnatze ja Körperspeicher hatten und sich nur für den öffneten, der ihn als Erstes berührt hatte.
    Ich hatte zwei Fragen: Wer hatte ihn geöffnet? Und was war in dem Schnatz drin gewesen?
    Ich beäugte den Innenraum, um zu schauen, ob ich was übersehen hatte, aber er war leer.
    Deshalb suchte ich wieder den Boden ab.
    War das, was darin versteckt war, vielleicht rausgefallen?
    Gerade als ich dachte, dass es viel zu unwahrscheinlich war, fand ich wieder etwas.
    „Lumos“, raunte ich und im Licht meines Zauberstabs erkannte ich einen goldenen Ring mit einem großen schwarzen Stein in meiner Handfläche.
    Ich sah ihn mir genauer an. Der Stein war eckig und in der Mitte zerbrochen und offenbar hatte er schon vorher einige Kratzer gehabt.
    Waren das überhaupt Kratzer? Das sah eher aus wie eine Art Symbol.
    Aber vielleicht bildete ich es mir nur ein.
    Gedankenverloren drehte ich den Ring in meiner Hand. Wem hatte er gehört?
    Und warum wurde er so sicher in einem Schnatz verwahrt?
    Ich trug ebenfalls einen Ring, aber er war nicht so auffällig.
    Meiner sah aus wie ein silberner Blätterkranz und hatte keinen Stein.
    Cedric hatte ihn mir einmal zum Geburtstag geschenkt…
    Ich seufzte.
    „Warum so frustriert?“
    Vor Schreck ließ ich fast den Stein fallen und wirbelte herum. Mein Herz setzte aus.
    Drei Gestalten kamen auf mich zu.
    Ein vernarbter Mann mit einem rollenden blauen Auge, der sich auf einen Stock stützte, ein rothaariger Junge mit einem schelmischen Grinsen und ein auffallend hübscher Junge mit dunklen Haaren und grauen Augen. Alle drei wirkten rauchgrau und doch zum Greifen fest.
    „Nein“, flüsterte ich gedämpft. „Nein, nein, nein, ich bilde mir das nur ein, ich habe mich eben offenbar selbst ausgeknockt--“
    „Tust du nicht“, meinte Fred grinsend.
    „Ihr… Ihr alle…“
    „Das war schon immer deine Schwäche“, knurrte Mad-Eye, aber er lächelte. „Du glaubst einfach nie, was du siehst.“
    „Jaah, entschuldige, ich sehe hier Leute, die eigentlich tot sein müssten, da fragt man sich doch gleich, warum das so ist--“
    „Ich glaube, das ist das erste Mal seit Jahren, dass du sarkastisch bist“, lachte Cedric.
    Ich war immer noch verwirrt – um es harmlos auszudrücken. „Aber wie… Seid ihr… Seid ihr Geister?“
    Fred zuckte mit den Schultern. „Das musst du wissen.“ Jetzt standen alle drei vor mir. „Bei mir war kurz alles weiß und dann – bamm! – bin ich auf einmal hier. Hast du irgendwas gemacht?“
    „Ich…“ Ich sah auf den Ring in meiner Hand. Hatte er…?
    Cedric kam noch näher.
    „Bist du es wirklich?“, krächzte ich.
    „Nicht gerade in Fleisch und Blut… aber ja“, antwortete er mit einem leisen Grinsen und umarmte mich.
    Ich war überrascht, wie fest er sich wirklich anfühlte.
    „Ich wollte nie, dass ihr sterbt“, flüsterte ich erstickt und vergrub meinen Kopf in seiner Schulter.
    „Hätte mich auch gewundert“, warf Cedric ein.
    „Du hast keine Ahnung…“
    „Du hast keine Ahnung, wie viel ich gesehen habe, Rea“, unterbrach er mich. „Glaub mir, ich habe mich jeden Tag schrecklich gefühlt, als ich gesehen habe, wie viel Schmerz du durchmachen musstest…“
    „Gib dir jetzt bitte nicht die Schuld daran, dass du gestorben bist“, warnte ich ihn.
    „Hätte ich mir im Irrgarten mehr Zeit gelassen...“
    Ich schlug ihm auf den Hinterkopf. „Ich wusste es!“
    Cedric und Fred lachten und sogar Mad-Eye knurrte amüsiert.
    „Jetzt geh lieber, Rea“, sagte Mad-Eye, nachdem Cedric mich losgelassen hatte. „Du hast noch eine Schlacht zu kämpfen.“
    Ich sah sie nacheinander an.
    „Werdet ihr bei mir bleiben?“, raunte ich.
    Fred lächelte mir zu. „Immer.“
    Es war, als ob ein großer Knoten in meinem Herzen sich gerade gelöst hätte.
    Jetzt erst fiel mir auf, wie viel Last ich wirklich seit Cedrics Tod getragen hatte und wie viel mehr es in den vergangenen Monaten geworden war.
    Auf einmal fühlte ich mich unglaublich frei.
    Ich rannte zurück in die Schlacht, diesmal mit Cedric, Fred und Mad-Eye an meiner Seite.
    Sie konnten zwar nicht viel ausrichten, aber ich wusste, dass sie mir beistanden und das beruhigte mich.
    Die ganze Beklommenheit der letzten Jahre war verschwunden, ich fühlte mich wieder so stark und frei wie vorher.
    Bis die Temperatur beträchtlich sank.
    Ich und alle anderen um mich herum hielten wie erstarrt inne. Um uns herum bildete sich Eis auf den Felsen und Mauern.
    Dementoren.
    Hunderte von Dementoren.
    Sie glitten auf uns zu, schwarz und rauchig, umzingelten uns und streckten ihre schorfigen Hände nach uns aus.
    Ich vergaß zu atmen. In meinem Kopf zuckten Bilder auf.
    Cedric, reglos und kalt, der mich mit seinen ausdruckslosen Augen anstarrte, ohne zu sehen.
    Mad-Eye, wie er getroffen wurde und von seinem Besen fiel.
    Fred, wie er halb von Felsbrocken begraben da lag.
    Ein Dementor stürzte sich sofort auf einen Schüler, der seinen Zauberstab fallen ließ.
    Ich wusste es sofort: Wir waren verloren.
    „Rea, dein Patronus! Schnell!“, rief Cedric mir zu.
    „Ich kann nicht… Ich kann das nicht!“, krächzte ich verzweifelt. „Du hast es doch gesehen, ich habe es nie geschafft-“
    Er sah mich durchdringend an. „Du kannst das, Rea. Wir sind bei dir.“
    „Ihr…“
    Ich konnte nicht zu Ende reden. Ein Dementor hatte mich an die Kehle gepackt und ich wurde in die Höhe gehoben.
    „Rea!“, schrie Fred.
    Ich spürte, wie etwas aus mir rausgesogen wurde. Ich wusste, es war zwecklos, meine Seele wurde rausgesogen, ich würde nicht einmal sterben…
    Da fiel mein Blick auf Cedric, Fred und Mad-Eye.
    Sie waren hier. Sie waren bei mir.
    In meinem Kopf ruckte irgendwas und ich zog meinen Zauberstab.
    „EXPECTO PATRONUM!“
    Mein silberner Rabe brach aus der Spitze, leuchtender und stärker als je zuvor und flog im Kreis um uns herum.
    Der Dementor, der mich festhielt, ließ mich wieder los und ich fiel schwer atmend zu Boden.
    Der, der dabei war, dem anderen Schüler die Seele auszuhauchen, wich ebenfalls zurück, als mein Patronus sich ihm näherte.
    Nach und nach verzogen sich alle Dementoren und die Temperatur wurde wieder normal, aber ich hielt meinen Zauberstab zur Sicherheit immer noch oben.
    Als ich mir wirklich sicher war, dass sie weg waren, ließ ich meine Hand sinken und der silberne Rabe verschwand.
    „Oha“, brachte ich heraus.
    „Hab dir doch gesagt, du kannst es schaffen“, bemerkte Cedric grinsend.
    „Jaah, ist gut.“ Ich ließ mich auf einen Felsbrocken sinken.
    Den Ring hielt ich immer noch in der Hand und ich betrachtete ihn nachdenklich. „Werdet ihr verschwinden, wenn ich ihn loslasse?“
    Mad-Eye hob die Schultern. „Gut möglich. Aber vergiss nie, wir werden nie wirklich verschwinden.“
    „Ich könnte ihn auch für immer tragen…“
    „Keine gute Idee.“ Fred setzte sich neben mich. „Wir gehören nicht hierher, Rea. Du solltest ihn gleich loslassen.“
    Ich hob den Blick und sah ihn an. Dann kam ein merkwürdiges Gefühl in mir auf.
    „Was ist?“, fragte Cedric besorgt.
    „Ach, keine Ahnung“, murmelte ich und stand auf. „Dann… Dann muss ich jetzt…“
    Fred stand ebenfalls auf und küsste mich. „Ich fürchte schon.“
    Meine Eingeweide wurden zu Eis und ich senkte den Blick. „Verdammt.“
    Cedric kam auf mich zu und umarmte mich. „Bleib bitte immer noch die Rea, die ich kenne“, murmelte er mir ins Ohr.
    „Werd’s versuchen.“ Ich vergrub meinen Kopf in seine Halsbeuge und er gab mir einen Kuss auf den Scheitel.
    Ich machte mich von ihm los und umarmte auch Mad-Eye, der ziemlich überrascht schien, mich aber nicht wegstieß.
    „Mach’s gut, Rea“, knurrte er. „Und vergiss nicht…“
    „… immer wachsam“, beendete ich den Satz für ihn und lächelte.
    Ich trat zurück, sah sie alle noch einmal an – und warf den Ring so weit weg wie ich konnte.
    Dann rannte ich los.
    Ganz instinktiv.
    Einen Augenblick lang rannten die anderen an meiner Seite, dann verschwand Mad-Eye.
    Wenig später löste sich auch Fred in Nichts auf.
    Es waren nur noch Cedric und ich, wie früher. Wir rannten weiter, bis wir an einen Abgrund kamen.
    Ich blieb nicht stehen.
    Ich nahm Anlauf – und sprang.
    Mitten im Sprung verschwand schließlich auch mein bester Freund und ich kam alleine auf der anderen Seite auf.
    Schwer atmend blieb ich stehen. Sie waren weg – aber ich fühlte mich trotzdem noch wie vorher. Aus irgendeinem Grund war ich überzeugt, dass ich sie bald wiedergesehen hätte.
    Mit einem Schlag kehrte ich ins Hier und Jetzt zurück.
    Ich war in einer Schlacht. Ich musste Hogwarts verteidigen, solange es noch ging.
    Ich setzte mich wieder in Bewegung und schockte einen Todesser, der ziellos herumrannte.
    Dann entdeckte ich Cho, die sich mit Lucius Malfoy duellierte.
    „Avada Kedavra!“
    Ich handelte ohne nachzudenken. Das war wohl meine stärkste Eigenschaft, abgesehen von meinem Sarkasmus.
    So schnell, wie ich konnte rannte ich auf meine Freundin zu, stieß sie weg, bevor Lestranges Fluch sie treffen konnte – und wurde selbst getroffen.
    Ich hörte ein Sirren, ein grüner Blitz – dann wurde alles schwarz.

    Ich wachte wenig später auf, aber ich war nicht mehr auf dem Schlachtfeld.
    Es kam mir vor, als wäre ich in King’s Cross gelandet, nur dass alles weiß war. Ich blickte mich um. Links und rechts neben mir war je ein Zug. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich in einen von beiden einsteigen musste.
    Der eine hätte mich als Geist zurückgebracht und der andere hätte mich weitergehen lassen.
    Auf die andere Seite. Ins Paradies, oder was auch immer.
    Ich musste nicht lange überlegen.
    Diesen Entschluss hatte ich schon vor drei Jahren gefasst. Vor drei Jahren, als ich den toten Cedric gesehen hatte.
    Ein Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus, wobei mir auffiel, dass meine Lippe zwar offenbar geheilt war, ich aber dort immer noch eine Narbe hatte.
    Jetzt wusste ich, warum ich mir so sicher war, Fred, Cedric und Mad-Eye wiederzusehen. Als sie zurückgekommen waren, hatte ich nicht sie geholt – sie hatten mich geholt.
    Ohne zu zögern stieg ich in den Zug, der weiterführte, und wartete.
    Er fuhr langsam los und ich sah zu, wie weiße Landschaften vor meinen Augen vorbeizogen und mit einem Strahlen wartete ich darauf, meine Freunde wiederzusehen.


    Aberforth stand am Fenster vom Büro des Schulleiters und sah zu, wie alle Schüler unten feierten.
    Voldemort war endgültig tot, die Todesser waren geflohen und es bestand keine Gefahr mehr. Die zahlreichen Dementoren waren außerdem vertrieben worden und waren zurück nach Askaban gekehrt.
    „Gut gemacht, Bruderherz.“
    Aberforth drehte sich zum Portrait seines verstorbenen Bruders Albus Dumbledore um. „Jaja“, knurrte er. „Ich muss sagen, ich hätte niemals erwartet, dass es funktioniert hätte…“
    Albus lächelte. „Daran hatte ich keine Zweifel. Aber vertrau mir, ich habe Nerea Marini lange genug gekannt, um zu wissen, was ihr helfen konnte und worauf sie aufmerksam wurde. Übrigens sehr schlau von dir, deinen Patronus unkenntlich zu machen.“
    „Aber sie ist tot“, warf Aberforth ein. „Sag jetzt bloß nicht, dass das auch Teil deines Plans war, Albus.“
    „Ich hatte nicht erwartet, dass du das verstehen würdest“, antwortete er, „aber ja, das war es. Sie ist als Heldin gestorben. Sie hat hunderte von Dementoren allein vertrieben – nun, zugegeben, nicht ganz allein – und zudem noch ihr Leben für ein anderes gegeben. Und jetzt kann sie die Personen wiedersehen, die ihr am meisten etwas bedeutet hatten.“
    „Ja“, sagte Aberforth ungeduldig. „Aber…“
    „Bruderherz, es gibt weitaus schlimmere Dinge als der Tod. Das verstehen viele Leute nicht, aber es ist wahr. In ihrem Fall war der Tod sogar besser als alles andere.“
    Aberforth fing jetzt an, im Raum umherzuschreiten, während die Portraits ihm zusahen. Er verstand seinen Bruder manchmal nicht. Wie konnte Tod besser als Leben sein?
    „Würdest du das auch von Ariana sagen?“, fragte er schließlich mit einem düsteren Unterton. „Dass ihr der Tod ein Segen war?“
    Albus’ Miene wurde traurig. „Wie das für sie war, kann ich nicht sagen. Ich habe… sie wohl zu wenig gekannt“ – Aberforth schnaubte – „aber für mich war es das auf keinen Fall. Ich konnte keine Nacht mehr ruhig schlafen. Und ich weiß, dass es dir genauso geht.“
    Das brachte ihn zum Nachdenken. Langsam verstand er, was sein Bruder meinte. Dass Ariana gestorben war, hatte ihn so erschüttert, dass er selbst tot sein wollte.
    Er wäre gestorben, nur um sie am Leben zu halten.
    Arianas Tod war für Aberforth deutlich schlimmer als sein eigener.
    „Was ist mit dem Ring?“, fragte er plötzlich. „Hat Marini ihn immer noch?“
    Albus schüttelte den Kopf. „Sie geriet kurz in Versuchung, aber nein. Der Hut hat sie nicht ohne Grund nach Ravenclaw geschickt. Tatsächlich ging ihr Verstand über ihren Mut.“
    „Aber, was wenn wir… Was, wenn Ariana…“
    „Ja, ich hatte erwartet, dass du das sagen würdest“, meinte Albus mit einem traurigen Lächeln. „Ich habe es schon versucht, Aberforth, und es bereits bitter bereut. Den Stein der Auferstehung kann nicht jeder benutzen.“
    Aberforth nickte langsam und sah wieder aus dem Fenster, im gleichen Moment, in dem ein Mädchen mit leuchtend blauen Haaren auf der anderen Seite ihrem besten Freund in die Arme fiel.

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