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Leben in Harry Potter 6. Kapitel

    1
    Wir haben schon gegeneinander gespielt. Sie war im fünften Jahr in Hufflepuff, als ich nach Hogwarts gekommen bin.
    "Anna, richtig? Wir kennen uns noch von Hogwarts, erinnerst du dich?", fragt sie mich.
    Ich freue mich, dass sie sich auch an mich erinnert.
    "Na klar tu ich das!", antworte ich erfreut.
    Jessica Tremple und Will Connor sind die anderen beiden Jäger. Auch sie begrüßen mich sehr erfreut. Paul Klein ist der zweite Treiber. Ich verstehe mich auf Anhieb gut mit ihm.
    Letztendlich kommen dann auch noch die beiden Trainer, Jill Johnson und Frank Walter. Frank ist der Co-Trainer und Jill der Cheftrainer. Beide freuen sich sehr, mich kennenzulernen.

    "Na dann wollen wir mal das Foto machen. Drei Leute vorne. Die drei Jäger bitte. Will in die Mitte und Jessica und Tara rechts und links von ihm. Oben in die Mitte Paul und Hamish. Anna neben Paul und Eunice neben Hamish", ruft McLeod. "Ja das sieht super aus.
    "Jill und Frank, stellt euch noch zwischen die beiden Reihen. Ja bestens", fügt er hinzu.

    Danach begeben wir uns in eine sehr lange Teambesprechung, in der über die ganze Saison gesprochen wird. Aber ich stelle fest, dass ich mich hier sehr wohl fühle.
    Erst gegen 23.30 Uhr kehre ich in die Wohnung zurück.
    "Anna bist du es?", ruft George aus dem Wohnzimmer, als ich dir Tür schließe.
    "Bist du etwa noch wach?", rufe ich, obwohl das gar nicht nötig ist, er steht nämlich schon im Gang, um mich zu begrüßen.
    Er küsst mich kurz und fragt dann:
    "Und? Erzähl, wie war es?"
    "Wahnsinnig toll. Die Teamkameraden sind wirklich spitze und die Trainer auch. Erinnerst du dich an Tara Kyle aus Hufflepuff? Sie ist auch im Team", sage ich, als er nickt.
    "Die Familien und Freunde bekommen übrigens Dauerkarten, wenn wir sie beantragen. Also wie wärs?", sage ich noch.
    "Das wäre toll", sagt George.
    Wir reden noch eine Weile und gehen dann ins Bett.
    Ich werde ab sofort immer dienstags und donnerstags von 17 bis 21 Uhr Training haben. Montags habe ich frei und mittwochs und freitags ist von 8 bis 11 Uhr und dann wieder von 13 bis 17 Uhr Training. Samstags oder sonntags sind meistens Spiele und wenn nicht ist an dem Tag auch noch Training.
    Ich habe also morgen gleich mal frei.

    Dienstags klappt es dann tatsächlich, dass Angelina bei uns vorbeikommt. Es ist wahnsinnig toll, sie mal wieder zu sehen.
    "Also...du wohnst jetzt also bei Fred und George?", fragt sie grinsend.
    "Ja in der Tat", antworte ich ebenfalls grinsend.
    "Und wie geht es Fred?", fragt sie dann unsicher.
    "Lass mich raten, du magst ihn immer noch", antworte ich nur.
    "Naja...ich weiß nicht. Hat er denn eine Freundin?", fragt Angelina dann.
    "Nein das hat er nicht", antworte ich und muss noch mehr grinsen.
    In dem Moment kommen die Zwillinge auch rein und freuen sich auch riesig, Angelina mal wieder zu sehen.


    -Zeitsprung dreieinhalb Monate später-

    Ich bin nun schon seit einiger Zeit professionelle Quidditchspielerin. Ich fühle mich äußerst wohl in der Branche. Mein Team ist außerdem sehr erfolgreich und beliebt bei den Fans bin ich auch.
    Am besten im Team verstehe ich mich mit Paul. Es hat sich mittlerweile eine sehr gute Freundschaft entwickelt und wir verbringen auch viel Zeit miteinander.
    George hat bisher kein Spiel verpasst und er ist wahnsinnig stolz auf mich. Fred ist auch hin und wieder dabei und auch andere Bekannte kommen ab und zu.
    Heute steht das Spiel gegen Olivers Mannschaft an. Ich freue mich schon lange darauf, vor allem auch, weil ich Oliver jetzt schon eine Weile nicht mehr gesehen habe. Fred und George sind beide gekommen, um zuzuschauen.
    Das Spiel ist ein Heimspiel für uns, also sind wir schon etwas früher als Puddlemere United im Stadion. Ich bin immer wieder fasziniert von der Stimmung.
    Als Olivers Mannschaft ankommt, stehen wir gerade bei den Umkleiden und warten, bis wir uns umziehen können, da kommt er auf mich zu und schließt mich in seine Arme.
    "Ich hab dich vermisst Anna. Wie geht's es dir?", fragt er mich.
    "Es geht mir bestens und dir?", antworte ich.
    "Könnte nicht besser sein. Ich freue mich sehr auf das Spiel. Viel Erfolg euch!", sagt er noch, gibt mir einen geschwisterlichen Kuss auf die Wange und verschwindet dann mit seinem Team.
    "Hey Anna, kennst du Oliver Wood? Ich dachte du hast einen Freund?", höre ich Tara hinter mir sagen. Auch mit ihr verbindet mich mittlerweile eine gute Freundschaft. Sie klingt etwas sauer.
    "Ja das habe ich. Oliver ist mein Bruder", antworte ich etwas belustigt.
    "Oh Gott, entschuldige. Der Nachname, richtig. Daran habe ich nicht gedacht", sagt sie dann wieder freundlich und vor allem peinlich berührt.
    "Sag mal, Tara? Magst du meinen Bruder?", frage ich sie dann.
    "Quatsch, wie kommst du denn darauf?", antwortet sie und geht weg. Ich muss grinsen.

    Das Spiel verläuft sehr gut. Auch der Kommentator hat erwähnt, dass die heutigen Hüter Geschwister sind. Wir sind die ganze Zeit relativ gleichauf. Es wird sich also wirklich dadurch entscheiden, wer den Schnatz fängt. Die Montrose Magpies sind zur Zeit zweiter in der Tabelle und Puddlemere United ist erster. Beide Teams können allerdings im Fall eines Sieges Tabellenführer bleiben oder werden. Das heißt auch, dass eine von uns beiden Herbstmeister wird, da das das letzte Spiel vor der Winterpause ist.

    Eunice wirkt ein paar mal so, als ob sie den Schnatz gesehen hätte, aber muss dann immer wieder einem Klatscher ausweichen. Irgendwann kommt sie bei mir vorbeigeflogen und sagt, ich solle den nächsten Quaffel, den ich in die Hände bekomme, einfach irgendwo hinwerfen, das könnte eventuell als Verwirrung helfen.
    Ich tue also, wie es mir geheißen wurde und tatsächlich hilft es erstmal, aber der gegnerische Sucher hat die Aktion schnell durchschaut.

    Trotzdem schafft Eunice es ungefähr 20 Minuten später, den Schnatz zu fangen und bringt und damit einen Sieg, die Tabellenführung und damit die Herbstmeisterschaft. Oliver schaut ganz schön mies drein, als Eunice den Schnatz fängt. Die Fanblöcke der Magpies rasten komplett aus und freuen sich riesig über unseren Sieg. Zurecht. Denn die letzten sechs Jahre ist unsere Mannschaft immer knapp an der Meisterschaft vorbeigerast und die Herbstmeisterschaft ist doch schonmal ein guter Anfang, um dieser Strähne ein Ende zu bereiten.

    Als wir auf dem Feld landen und uns bejubeln lassen, kommt direkt Oliver zu mir und gratuliert mir zum Sieg:
    "Glückwunsch Schwesterchen, ihr wart wirklich ausgezeichnet und ich hatte keine Ahnung, WIE stark du bist. Respekt. Ihr habt es verdient."
    "Danke Oliver, ihr wart aber auch wirklich gut", antworte ich und umarme ihn.
    "Wir sehen uns dann an Weihnachten nehme ich an?", sagt er noch.
    "Ja, ich denke auch. Ich hab noch nichts mitbekommen, aber ich geh davon aus."

    Einige Tage später bekommen wir tatsächlich eine Eule, dass wir alle zusammen Weihnachten bei den Weasleys verbringen werden. Ben und Ginny werden auch von Hogwarts nach Hause kommen und Mum und Dad kommen auch.

    Am Morgen des 3. Advents wache ich sehr früh auf, weil ich wirklich schlecht schlafen konnte. Ich versuche leise aufzustehen, um George nicht zu wecken. Also setze ich mich an den Frühstückstisch und hole den Tagespropheten. Dabei liegt eine Eilmeldung Ich bekomme einen riesen Schreck, als ich auf der Titelseite das dunkle Mal sehe. Ich frage mich, was das zu bedeuten hat.
    Ich schlage Seite zwölf auf und beginne zu lesen.

    Vor circa drei Stunden gab es einen Todesserangriff auf die Hogwarts Schule für Hexerei und Zauberei. Viele Schülerinnen und Schüler aber auch Lehrkräfte sind verletzt worden. Unter den Angegriffenen sind hauptsächlich muggelstämmige Hexen und Zauberer. Des Weiteren müssen wir mit Bedauern berichten, dass es außerdem zu einigen Todesopfern gekommen ist. Die Familien der Betroffenen werden so schnell wie möglich kontaktiert.


    Während ich gelesen habe, musste ich anfangen zu weinen. George hat mich wohl gehört, denn er hat sich neben mich gesetzt und während er gelesen hat, hat er mich in den Arm genommen.
    "Ihm wird schon nichts passiert sein", sagt er und zieht mich näher zu sich.
    Da muss ich aber noch mehr anfangen zu weinen.
    "Ich muss zu meinen Eltern", sage ich dann.
    "Ich komme mit", antwortet er.

    Also apparieren wir sofort zu Shell Cottage, wo das Haus von Bill und Fleur ist.
    "MUM! DAD! Wo seid ihr?", rufe ich, als wir durch die Haustüre gehen.
    Ich gehe ins Wohnzimmer und ohne, dass jemand etwas sagt, bricht meine Welt zusammen. Mum und Dad sitzen nebeneinander auf der Couch. Weinend. Sie halten einen Brief in der Hand, auf dem ich das Hogwartswappen sehen kann. Bill und Fleur stehen ein Stück hintendran und betrachten meine Eltern mitleidig. Sofort breche auch ich wieder in Tränen aus. Ich will gerade nach draußen laufen, da hält George mich fest und nimmt mich in den Arm. Es tut so gut, zu wissen, dass ich jemanden habe, der sich so sehr um mich sorgt.
    "Können wir kurz raus?", frage ich George schluchzend.
    "Aber natürlich", antwortet er und wischt mir eine Träne aus dem Gesicht.
    "Er ist tot", sage ich weinend.
    Ich erwarte nicht, dass George etwas darüber sagt und als ob er das wüsste, nimmt er mich nur wieder in den Arm und wir bleiben so stehen, bis ich mich wieder ein wenig beruhigt habe.
    "Ich sollte zu meinen Eltern gehen", sage ich irgendwann.
    "Mum, Dad, Ben war unglaublich mutig. Er hat gekämpft und zwar nicht nur für sich, sondern auch für alle anderen Muggelgeborenen.

    Die nächsten Wochen sind sehr schwer für mich, aber ich kann es ganz gut vertuschen. Der einzige, der immer genau weiß, wie es mir geht, ist George. Er merkt jede Kleinigkeit, egal, was es ist.
    Er hilft mir, es verhältnismäßig gut zu verkraften.
    Oliver und ich haben einige Wochen von der Mannschaft frei bekommen, jedoch habe ich diese Auszeit abgelehnt, da das Quidditch mich für eine Weile auf andere Gedanken bringt.
    George begleitet mich zu jedem Training und ich habe auch ab und zu die Vermutung, dass er nachts nicht mehr schläft.

    "Sag mal George, kann es sein, dass du furchtbar müde bist?", frage ich ihn an einem Sonntagvormittag.
    "Wie kommst du darauf?", antwortet er trocken.
    "Ich bekomme doch mit, dass du nachts kein Auge mehr zu machst. Warum nicht?"
    "Weil ich mir Sorgen mache. Du hast ständig Albträume und rufst nach...naja, deinem Bruder. Ich habe das Gefühl, dich beschützen zu müssen."
    "George, ich liebe dich. Ich liebe dich wirklich sehr und ich weiß es unglaublich zu schätzen, was du in den letzten Wochen für mich getan hast und jetzt immer noch für mich tust. Und wenn ich dir das jemals zurückgeben kann, was ich unter diesen Umständen hoffentlich nie muss, dann werde ich dies tun. Aber du musst mir versprechen, endlich wieder zu schlafen. Du siehst nicht gut aus, glaub mir. Du bist völlig übermüdet. Bitte."
    "Anna du bist unglaublich und du weißt, dass ich dich auch liebe. Ich finde es wirklich unglaublich, wie tapfer du bist. Entschuldige, dass ich das jetzt so sagen muss, aber dein Bruder ist gestorben und was dir am allerwichtigsten ist, ist immer noch das Wohl anderer. Das ist bewundernswert. Du bist bewundernswert."
    Danach umarme ich ihn nur lange und gebe ihm einen leidenschaftlichen Kuss. Es ist länger her, dass wir und so geküsst haben.
    "Und jetzt habe ich leider ein wichtiges Spiel. Wir sehen uns später", sage ich und küsse ihn noch einmal zärtlich.
    "Ich komme mit", sagt George.
    "George...", beginnt er.
    "Nicht weil ich mir Sorgen mache. Ich habe eine Dauerkarte, schon vergessen?", antwortet er lachend.
    "Nein, natürlich nicht. Bereit?", frage ich und nehme seine Hand.

    Das Spiel ist das letzte in diesem Jahr. Es ist das Achtelfinale des britischen Pokals. Wir gewinnen es allerdings haushoch und beginnen schon auf dem Feld, ausgiebig zu feiern. Paul umarmt mich und gibt mir vor lauter Freude sogar einen Kuss auf die Wange. Einige Momente später stehen auch Fred und George auf dem Feld, um uns zu gratulieren.

    So schnell, wie die Weihnachtszeit begonnen hat, ist sie dann auch schon wieder vorbei. Das neue Jahr hat begonnen und es geht mir wieder ziemlich gut. Auch meinen Eltern geht es besser. Natürlich ist es schlimm einen Bruder zu verlieren und noch schlimmer ist es, ein Kind zu verlieren, aber das Leben muss weitergehen.

    Einige Tage nach Neujahr sitzen Fred, George und ich gemütlich am Frühstückstisch.
    "So, ich treffe mich jetzt mit Angelina und muss euch demnach alleine lassen", sagt Fred, als er plötzlich aufsteht.
    "Na dann viel Spaß", sagen wir beide.
    George und ich sitzen noch eine ganze Weile am Tisch und ich bemerke, dass er mich die ganze Zeit anstarrt.
    "Was ist los?", frage ich ihn irgendwann grinsend.
    "Heirate mich!", antwortet er.
    "Was?", frage ich und verschlucke mich fast an meinem Kaffee.
    "Heirate mich!", wiederholt er.
    "Das meinst du doch nicht Ernst, oder?"
    "Doch absolut."
    "Es tut mir leid George. Ich liebe dich, aber so sicher nicht."
    Dann stehe ich auf und gehe mich umziehen.

    "George hat mich heute Morgen mehr oder weniger gefragt, ob ich ihn heiraten möchte", erzähle ich abends Ginny, die erst nächste Woche wieder Schule hat.
    "Er hat was!", fragt Ginny völlig begeistert.
    "Naja es war mehr eine Aufforderung. Er meinte nur "heirate mich!"."
    "Und was hast du gesagt?", fragt sie neugierig.
    "Ich habe nein gesagt."
    "Was hast du?"
    "Ich habe ihm gesagt, dass ich das so nicht möchte und dann bin ich gegangen. Ich weiß nicht, wo George jetzt ist."
    "ANNA?", ruft er plötzlich.
    "Jetzt weißt du es wohl. Ich geh dann mal besser", sagt Ginny ein wenig belustigt.
    "Es ist wegen diesem Paul, richtig? Deswegen möchtest du mich nicht heiraten, oder?", fragt er sauer.
    "Wegen was? Sag mal, spinnst du? Er ist mein Kollege und guter Freund."
    "Ach ja? Hast du mal gesehen, wie er dich ansieht?"
    "Nein habe ich nicht, aber wie auch immer er es tut, was hat das damit zu tun, was er für mich ist?"
    "Er steht auf dich, kapierst du das nicht?"
    "Na und? Ich stehe nicht auf ihn, das ist das wichtige?
    "Mhm."
    "Sag mal George, willst du mir gerade irgendetwas unterstellen?"
    "Naja du hast zur Zeit ziemlich viel Zeit außer Haus verbracht. Ich kann dir einfach nicht vertrauen. Ihr Schlammblüter seid doch alle gleich!"
    "Sag mal tickst du noch ganz richtig? Ist es das, was du von mir denkst? Ist es das wirklich? Denn wenn das so ist, dann wäre es wohl besser, wenn wir diese Sache hier beenden."
    "Ja das wäre es wohl."
    "Na dann, auf Wiedersehen George."
    "Auf Wiedersehen."

    Erst als ich bereits 15 Minuten durch Ottery St. Catchpole gelaufen bin, fällt mir ein, dass es eigentlich gar keinen Ort gibt, an dem ich bleiben kann. Bei den Weasleys wäre es äußerst unangebracht. Von meinen Eltern will ich mich so weit wie möglich fernhalten, um sie nicht in Gefahr zu bringen. Dann fällt mir Oliver ein. Ihn könnte ich fragen, ja.

    "Oliver, bist du da?"
    "Ja, ich bin im Garten."
    "Hey Anna, was gibts?"
    "George und ich haben uns mächtig gestritten und jetzt will ich fragen, ob es möglich wäre, wenn ich erstmal für eine Weile hier bleibe?"
    "Ja natürlich. Du weißt, dass du immer zu mir kommen kannst. Und sonst Anna? Wie geht es dir? Und Mum und Dad?"
    "Mir geht es gut soweit. Mum und Dad sind mittlerweile auch wieder einigermaßen gut drauf, aber du weißt ja, Ben fehlt eben. Aber es geht schon. Und wie geht es dir?"
    "Ich bin nach seinem Tod einige Wochen gar nicht mehr aus dem Haus. Jetzt treffe ich mich aber seit einigen Wochen mit deiner Teamkollegin Tara", erzählt er erfreut.
    "Oh nein, wirklich? Das freut mich riesig für dich.
    Dann erzählt er mir, wie es dazu kam.
    "Oliver? Wäre es okay, wenn ich heute Nacht mit in deinem Zimmer schlafe?"
    "Aber natürlich Anna."

    Es sind einige Wochen vergangen. Der Frühling hat begonnen und es ist Anfang März.
    Ich habe seither gar nichts mehr von George gehört. Ich habe mich ein paar mal mit Fred getroffen, aber George weiß davon nichts. Ich will heute einige Dinge in der Wohnung abholen, die noch dort sind.
    Ich steht also an der Wohnungstür und klingle.
    "Anna?", sagt George fragend, als er mir die Tür öffnet. "Was machst du hier?"
    "Hallo George, auch schön, dich zu sehen. Ich will nur meine restlichen Sachen holen. Ich bin gleich wieder weg."
    Dann lässt er mich rein und ich sammle den Rest zusammen und stecke ihn in meine verzauberte Tasche.
    "Ich vermisse dich", sagt George plötzlich, der im Türrahmen steht. "Es tut mir unglaublich leid, was ich gesagt habe, das musst du mir glauben. Ich war ein Idiot."
    "Naja, nur leider hast du es gesagt und ich muss dir leider mitteilen, dass du mir damit das Herz gebrochen hast. Und ein "es tut mir leid", macht das sicherlich nicht rückgängig."
    "Anna. Bitte. Hör mir zu."
    "Nein George. Ich denke nicht, dass es etwas zu bereden gibt. Ich muss dann auch wieder."
    Mit diesen Worten verlasse ich auch schon wieder die Wohnung und appariere draußen so schnell wie möglich. Wieder bei Oliver angekommen breche ich in Tränen aus, aber ich weiß eigentlich gar nicht warum. Eines weiß ich jedenfalls: ich liebe ihn noch und das ist mir heute erneut bewusst geworden. Aber ich will ihn nicht gewinnen lassen.

    Von nun an gibt es Tage, an denen es mir leicht fällt, nicht so viel an George zu denken. Und dann gibt es Tage, an denen ich nicht weiß, wie ich ihn je vergessen soll und diese Tage überwiegen leider.
    Aus irgendeinem Grund erscheint George auch zu jedem Spiel der Saison, versucht jedoch nie, mich abzufangen oder mit mir zu reden.
    Mr. und Mrs. Weasley laden mich immer wieder zum Essen ein, ich suche jedoch immer eine Ausrede, um nicht kommen zu müssen. Ich würde sie furchtbar gerne mal wieder sehen, aber ich möchte vermeiden, George zu treffen.
    Ich habe mich heute mit Fred verabredet.
    Wir gehen in einen Park in London und gehen ein wenig spazieren.
    "Sag Anna, wie geht es dir?"
    "Es könnte besser sein und dir? Wie läuft es mit Angelina?"
    "Es läuft gut, aber das tut jetzt nichts zur Sache. George liebt dich Anna. Er verlässt kaum noch die Wohnung. Er hat so viel an Lebensfreude verloren und..."
    "Hör auf Fred", unterbreche ich ihn. "Glaubst du etwa, ich liebe ihn nicht mehr. Falls du das glaubst, dann ist es nicht wahr. Im Gegenteil. Ich liebe und vermisse ihn von Tag zu Tag mehr. Ich weiß nicht, wie ich es noch länger ohne ihn aushalten soll, aber er hat mir mein Herz gebrochen."
    "Ich weiß, dass er das hat. Ich weiß auch, was er gesagt hat, aber er denkt er hat dich bereits verloren. Ich habe noch nie eine so tiefe Verbundenheit zwischen zwei Menschen gesehen. Ihr seid zusammen durch dick und dünn gegangen. Und ich verstehe, dass du sauer auf ihn bist und auch, dass du ihn nicht gewinnen lassen möchtest. Aber ich denke, du solltest mit ihm reden."
    "Und warum kann er nicht mit mir reden?"
    "Weil er es versucht hat und du nichts davon wissen wolltest. Bitte Anna, er hat eine zweite Chance verdient. Irgendwann wirst du mir dankbar sein."
    Dann gehe ich auf Fred zu und nehme ihn in den Arm. Er hat Recht. Ich muss mit George reden.
    "Ist er Zuhause?", frage ich Fred.
    "Ja, sollte er", antwortet er lächelnd.

    Ich klopfe also an die Tür von der Wohnung.
    Nach ein paar Augenblicken öffnet George sie und starrt mich nur an.
    Ohne etwas zu sagen nehme ich ihn in den Arm und drücke ihn fest an mich. Aus irgendeinem Grund muss ich wieder anfangen zu weinen.
    "Es tut mir so leid George", schluchze ich in die Umarmung hinein.
    "Nein Anna, mir tut es leid", sagt er.
    "Ich liebe dich so sehr und ich könnte niemals ohne dich leben", sage ich dann.
    "Ich auch nicht Anna."
    Dann küsst er mich und mir wird bewusst, wie sehr ich es vermisst habe. Seine weichen, warmen Lippen auf meinen.

    Von diesem Tag an sind George und ich wieder zusammen und zwar glücklicher als jemals vorher.
    Zwei Wochen später feiern Fred und George ihren 20. Geburtstag. Momentan gibt es wieder unzählige Angriffe auf Zauberer. Nicht nur auf Muggelgeborene, sondern auf alle. Deshalb feiern wir ihren Geburtstag auch nicht wirklich.
    Da wir wissen, dass wir in Sicherheit sind, machen wir uns auch keine großen Sorgen um uns selbst, sondern eher um Ginny, die noch in Hogwarts ist.
    Und als ein paar Tage später sogar die Quidditchsaison unterbrochen wird, wissen wir, dass etwas wirklich nicht stimmt. Mittlerweile hab auch ich wirklich Angst vor dem, was wohl kommt.
    Und dann, in der Nacht auf den 2. Mai werden plötzlich alle aus dem Schlaf gerissen: Harry, Ron und Hermine sind in Hogwarts und es wird wohl zu einer Schlacht kommen.
    "Es wird alles gut", verspricht George mir und gibt mir einen Kuss auf die Stirn, bevor wir und der Rest des Ordens nach Hogsmeade apparieren.

    Kurz nach unserer Ankunft ist die Schlacht schon in vollem Gange. Fred, George und ich kämpfen Seite an Seite, bis wir uns trennen müssen.
    "Passt bloß auf euch auf", rufe ich den beiden noch hinterher. "Ich liebe euch und wehe, ich sehe euch nicht wieder."

    Ich habe viele alte Freunde kämpfen sehen und auch Oliver scheint irgendwo im Schloss zu sein. Ich würde ihn zu gerne finden, aber es geht nicht.
    Nach Ewigkeiten scheint die Schlacht sich zu beruhigen und Voldemorts Stimme ertönt. Wir sollen uns um die verletzten kümmern.
    Ich mache mich also auf den Weg zur großen Halle. Als ich so das Schloss durchstreife, erinnere ich mich an die tollen Zeiten, die ich hier verbracht habe und ich hätte niemals erwartet, dass ich unter solchen Umständen zurückkehren würde.
    Im nächsten Augenblick breche ich in Tränen aus. Ich bin in der großen Halle angekommen und das erste, was ich sehe, sind die Weasleys. Ich zähle jedoch einen zu wenig. Fred. Wo ist er? Ich renne sofort zu ihnen und breche neben George zusammen. Fred ist tot. Das allerschlimmste ist: Er lächelt noch. George hat mich bemerkt und nimmt mich in den Arm. Er weint einfach nur und ich habe ihn noch nie weinen gesehen.
    Dann stehe ich auf und umarme jeden aus der Familie einmal, die allesamt ebenfalls am heulen ist. Natürlich.
    Sie wissen auch alle, dass ich vor einigen Monaten genau dasselbe durchgemacht habe und dass ich weiß, wie sie sich jetzt fühlen. Das einzige, das ich nicht nachempfinden kann, ist, wie George sich fühlt. Fred war nicht nur sein Bruder, nein er war sein Zwillingsbruder, sein bester Freund und der, der immer da war. Und jetzt ist er weg und zwar für immer.
    Den Rest der Schlacht erleben wir nur noch am Rande. George ist, als wäre er abwesend. Er ist gar nicht ansprechbar. Er sucht zwar meine Nähe, aber spricht eben nicht.

    Das erste Mal, dass er etwas sagt, ist, als wir gerade nach Hause gehen wollen.
    "Anna, ich kann jetzt nicht in die Wohnung."
    "Ja, das verstehe ich. Komm", sage ich dann und ziehe ihn einfach mit zum Gemeinschaftsraum der Ravenclaws. Einige Freiwillige bleiben hier, um beim Wiederaufbau des Schlosses am nächsten Tag zu helfen. Die meisten von ihnen sind allerdings Gryffindors. Deshalb ist der Gemeinschaftsraum der Ravenclaws auch leer. Ich ziehe ihn einfach in meinen ehemaligen Schlafsaal, in mein ehemaliges Bett. Hier gibt es keinerlei Erinnerungen, die er mit Fred in Verbindung bringen kann.
    Ich weiß, dass es ihm irgendwann besser gehen wird und dass er es irgendwann verkraften kann, über Fred zu reden, aber ich weiß auch, dass das sehr viel Zeit brauchen wird. Noch mehr als bei mir mit Ben.

    Ich erfahre jedoch in dieser Nacht, warum George immer wach geblieben ist, nachdem Ben gestorben ist. Ich schaffe es einfach nicht, einzuschlafen.
    Und das nicht nur in dieser Nacht. Das geht Wochen so weiter. Ich nutze Momente, in denen George duschen ist oder irgendeine Art von Beschäftigung hat, um zu schlafen.
    "Sag mal, hast du eigentlich nichts besseres zu tun, als mich die ganze Nacht zu beobachten?", fragt er mich an einem Morgen Ende Juli.
    "Was?", antworte ich fragend.
    "Es ist lästig. Ich brauche keinen Aufpasser."
    "Ich mache mir doch nur Sorgen um dich", sage ich ruhig, aber wiederum erschrocken, da er kaum gesprochen hat in den letzten Wochen.
    "Das muss du nicht ich komme bestens klar."
    "George, ich hab dich damals doch auch machen lassen."
    "Wie gesagt! Ich brauche keinen Babysitter."
    "Ist das gerade dein Ernst?", frage ich dann etwas wütend.
    "MEIN ZWILLINGSBRUDER IST TOT. ALLES, WAS MIR JE WICHTIG GEWESEN IST, IST INNERHALB VON SEKUNDEN ZERSTÖRT WORDEN!", brüllt er jetzt.
    "Achso. Der Rest deiner Familie ist dir also nicht wichtig? Ich bin dir nicht wichtig?"
    "Das kannst du nicht vergleichen."
    "GEORGE DU HÖRST MIR JETZT ZU. ICH WEIß, MAN KANN ES NICHT VERGLEICHEN, WIE DU ES NENNST. ABER ICH WEIß, WAS DU DURCHMACHST. FALLS DU DICH ERINNERST, HABE ICH VOR EINEM HALBEN JAHR EBENFALLS EINEN BRUDER VERLOREN. ICH WEIß, ER WAR NICHT MEIN ZWILLING, ABER TROTZDEM WAR ER MEIN BRUDER. DEINE ELTERN GEORGE...SIE HABEN EINEN SOHN VERLOREN. AUCH DEINE GESCHWISTER HABEN EINEN BRUDER VERLOREN. HAST DU EINE SEKUNDE DARAN GEDACHT? SEIT ZWEI MONATEN HAST DU MIT NIEMANDEM GESPROCHEN", schreie ich irgendwann. Dann sage ich noch, diesmal wieder etwas ruhiger: "Ich weiß, dass es schwer ist, aber du musst weiterleben. Bitte George, ich vermisse dich, obwohl du die ganze Zeit da bist."
    Dann herrschen einige Minuten Stille.
    "Du hast Recht. Es tut mir Leid. Bitte verzeih mir", sagt er dann und ein Stein fällt mir vom Herzen. "Kommst du mit zu meinen Eltern?", fügt er dann noch hinzu und das erste Mal seit Monaten lächelt er.
    Wir beschließen, auf Muggelart zum Fuchsbau zu fahren, um noch ein bisschen Zeit für uns zu haben.
    "Achso und Anna, ich habe deinen Geburtstag verpasst. Es tut mir Leid."
    "Ist doch nicht schlimm."
    "Doch. Fred und ich hatten seit Monaten schon ein Geschenk."
    Nach diesen Worten stoppt er kurz.
    "Aber du kriegst es noch."
    "Danke", sage ich lächelnd und dann bleibt George stehen.
    "Was ist?", frage ich ihn.
    "Du hast es nicht verdient, wie ich in den letzten Wochen mit dir umgegangen bin. Du warst immer für mich da und ich habe es gar nicht geschätzt. Ich wünschte so sehr, dass ich das irgendwie wieder gut machen kann."
    "Das hast du, als Ben gestorben ist und das hast du auch, weil du da bist."
    Dann lächelt er wieder und zieht mich in einen leidenschaftlichen Kuss, der eine Ewigkeit zu dauern scheint.
    "Danke, dass du wieder da bist", sage ich, als wir uns lösen.

    Der Besuch bei den Weasleys fühlt sich seltsam an, aber er tut uns gut. Er tut auch den Weasleys gut. Es ist schön für sie zu wissen, dass George wieder auf eigenen Beinen stehen kann.
    Als wir abends nach Hause kommen, meint er plötzlich:
    "Ich will den Laden wieder aufmachen."
    "Sicher?", frage ich ihn.
    "Ja. Ich bin bereit dazu. Hilfst du mir?"
    Ich nicke freudig.
    In den nächsten Tagen helfe ich also George wo ich kann, um alles auf Vordermann zu bringen. Er erholt sich gut und ich weiß, dass er niemals wieder so sein wird, wie er gewesen ist, aber erstmal reicht es mir, dass er ansatzweise wieder so ist wie früher.

    Am Abend des 30. August sind wir wieder bei den Weasleys. Harry, Ron, Hermine und Ginny werden wieder nach Hogwarts gehen. Alle ins letzte Schuljahr. McGonagall ist jetzt Direktorin.

    Ein paar Tage später stehen wir gerade im Laden, der seit einer Woche wieder offen hat, als George sich zu mir dreht.
    "Anna? Hast du nicht Training?"
    "Nein. Also doch. Aber ich muss nicht gehen."
    "Doch. Bitte. Du darfst deine Karriere nicht meinetwegen aufs Spiel setzen."
    Nach einer Diskussion mache ich mich schließlich auf den Weg zum Quidditchfeld.

    "Hallo Anna. Sehr schön, dich zu sehen", sagt fast jeder, als ich ins Training komme.
    Es tut wahnsinnig gut, wieder zu fliegen.

    Die nächsten Monate vergehen schnell. George wird immer mehr der Alte. Ich höre ihn zwar noch regelmäßig weinen, aber ich lasse ihn in Ruhe, denn es ist das Beste, wenn er das mit sich selbst klärt.
    Weihnachten wird alles irgendwie doch noch mal einiges schlimmer, weil Fred nicht da ist, aber auch das wird besser werden. Das rede ich mir immer ein, aber aus irgendeinem Grund hilft es.

    Ein Tag, vor dem ich noch wahnsinnig Angst habe, ist der Geburtstag der Zwillinge. Aber ich beschließe, George einfach vorher darauf anzusprechen und ganz offen zu sein.
    "George?", frage ich also vorsichtig.
    "Was gibts?", fragt er und zeigt neben sich aufs Sofa, um mir zu zeigen, dass ich mich setzen soll.
    "Ich muss mit dir reden."
    "Schieß los."
    "Also naja...nächste Woche, da ist doch der...naja dein Geburtstag."
    "Richtig."
    "Ich habe ein bisschen Angst davor", sage ich dann ehrlich.
    "Ich auch. Glaub mir. Aber ich weiß nicht, wie es wird. Hauptsache du bist bei mir."
    Dann zieht er mich in eine Umarmung und ich lege einfach nur meinen Kopf auf seine Schulter. Das reicht mir schon als Antwort.

    Erstaunlicherweise ist George am Geburtstag außergewöhnlich stark. Man merkt ihm an, dass etwas nicht stimmt, aber ich bleibe immer bei ihm und gebe ihm Halt.
    Drei Monate später habe auch ich dann Geburtstag, aber auch das ist anders als sonst.
    Aber ansonsten macht George sich wirklich gut. Ich bin wirklich sehr froh, ihn zu haben und ich glaube er ist auch froh, mich zu haben.

    "George! George, wo bist du?", rufe ich an einem Tag im September, als ich vom Training zurückkomme.
    "In der Küche", höre ich ihn antworten.
    "Hallo", sage ich, als ich ihn die Küche stürme. Ich gebe ihm einen kurzen Kuss.
    "Rate, was das ist", sage ich und hebe den Brief in meiner Hand hoch.
    "Ein Brief", sagt George.
    "Süß, aber nein. Das ist eine Anfrage von der Nationalmannschaft. Sie wollen mich als Hüterin."
    "Wow Anna, das ist unglaublich. Glücklichwunsch."
    Dann umarmt er mich und gibt mir einen Kuss auf die Wange.

    In der kommenden Saison entwickle ich mich wahnsinnig weiter. In der Nationalmannschaft werde ich sogar Stammhüterin und bei den Montrose Magpies ist alles beim Alten.

    Einige Wochen nach meinem 20. Geburtstag bekommen wir tatsächlich eine Einladung zur Hochzeit von Oliver und Tara.
    "Unglaublich", sagt George. "Die beiden also."
    Ich muss grinsen.
    "Wahnsinn", sage ich nur.
    Ein paar Wochen später ist es dann so weit. Sie feiern auf einem Weingut in Schottland. Die Feier ist wirklich toll.

    George und ich haben mittlerweile wieder viel Kontakt zu Angelina, die auch wirklich niedergeschlagen nach Freds Tod war. Auch mit Ginny und Harry machen wir sehr viel. Und unsere Eltern wohnen auch wieder daheim.

    ...

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