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Jade Linea Canvas - die Psychopathin Panems

Das ist nur ein Anfang der Geschichte, an der ich schreibe.

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    Jade Linea Canvas sitzt auf dem kalten, festen Boden ihrer Zelle im Schneidersitz, ihre Finger spielen mit einem kleinen Kieselstein, sie lassen ihn hin- und her rollen, zur linken und zur rechten Hand, zur rechten und zur linken. Sie weiß nicht, wie lange sie schon so ausharrt. Seit Stunden? Tagen? Monaten? Sie weiß streng genommen gar nichts. Es war Winter, als sie hier her kam, das weiß sie. Der Schnee funkelte weiß auf den Hügeln ihrer Heimat, weiß wie die Uniformen der Friedenswächtern, die sie abholten, und, ein Lächeln stiehlt sich auf ihre Lippen, auch Snow funkelte. Seine Augen hatten sie hasserfüllt, aber, und allein deshalb war Jade die ganze Sache wert, auch verängstigt angefunkelt, als er höchstpersönlich mit ein paar seiner Marionetten ihr Haus stürmte. Hatte nichts sagen können, als er sie sah. Er hatte wohl nicht mit einem 13-jährigen Mädchen gerechnet, als er von dem Hacker erfuhr, der zwei Dutzend Atombomben unschädlich gemacht hat und die Dreistigkeit besaß, ihm selbst, Snow, zu drohen, in seinen privaten Gemächern das Licht flackern lassen hat, ihm in Morsezeichen die Nachricht „Stirb, Schlange.“ zukommen hat lassen. Nein, denkt Jade, damit hatte er nicht gerechnet. Genauso wenig hatte er damit gerechnet, dass es jemand ist wie sie, ein Karriero. Jemand, der ein Leben lang darauf hin trainiert, sich mit 17 oder 18 freiwillig zu melden, um die Hungerspiele zu gewinnen. Aber sie muss sich eingestehen, auch sie hat sich verrechnet. Sie hat nicht daran gedacht, dass ihr Signal zurückverfolgt werden konnte. Wie ein Idiot hat sie sich in Sicherheit gewiegt. Und dafür sitzt sie nun ihre Strafe ab, schon seit geraumer Zeit. Wie lange genau sie schon hier ist? Darauf hat sie keine Antwort. Aber der Tag ihrer Verhaftung war ein Montag gewesen, das weiß sie. Ein eiskalter Wintermontag. Drei Wochen werden es wohl sein, vielleicht auch mehr. Sie ist sich bewusst, das das Kapitol wohl einige Zeit lang bewusstlos gehalten hat. Ob sie etwas an ihrer Psyche verändert haben? Unwahrscheinlich. Sie hätte es wohl getan, mutmaßt sie. Ihr Angst vor den Rebellen gemacht, auf deren Seite sie wohl steht. Nicht wirklich, natürlich. Aber bist du nicht für das Kapitol, für Snow, bist du gegen sie. Dementsprechend ist sie wohl ein Rebell, aber keiner der Rebellen. Ob es überhaupt welche gibt? Vermutlich. Es müssen wieder Hungerspiele gewesen sein und nach jedem dieser Spiele gibt es in der Regel neue Rebellen. Wie viele es wohl sind? 10? Oder doch 100? In welchen Distrikten? Nicht in 1, wahrscheinlich. In 12 vermutlich. In 12, 11, vielleicht 3. Oder 13? Gibt es einen Distrikt 13? Jade lässt die Gedanken fallen. Bringt ja doch nichts. Ob es nun Rebellen gibt, oder nicht, es ändert nichts daran, dass sie hier festsitzt. Ihre Gedanken sollten nur um eine Frage kreisen: Warum sitzt sie hier? Warum ist sie nicht umgebracht worden? Es wäre ihr recht gewesen, umgebracht zu werden. Glatter Kopfschuss und alles ist vorbei. Was für eine wunderschöne Vorstellung. Aber jetzt ist sie nun mal nicht tot, was den Rückschluss erlaubt, dass das Kapitol noch nicht fertig mit ihr ist. Vielleicht wird sie öffentlich ausgepeitscht, an irgendeinem Volksfeiertag. Sie gluckst bei der Vorstellung, an einen Pfahl gebunden zu werden wie ihre Mutter, vielleicht sogar an den gleichen. Fast romantisch, was? Harte Peitschenschläge auf Brust, Hals, Rücken und Nacken. Deutlich besser, als die Folter, die sie hier erleidet. Gezielte Exekution durch Langeweile ist wohl die grausamste aller Foltermethoden. Alles, was sie tut, ist, den Avoxen, die ihr Essen bringen, lustige Namen zu geben und mit ihrem Kieselsteinchen zu spielen. Robin, der Kieselstein. Mit dem Namen ist sie sich noch nicht hundertprozentig zufrieden. Ist Thomas nicht viel besser? Nun, es wird wohl vorerst bei Robin bleiben. Sie merkt, wie ihre Beine einschlafen und steht auf, geht auf den kleinen Spiegel über ihrem behelfsmäßigen Waschbecken zu und besieht sich. Ihre Wangen eingefallen, das goldblonde Haar stumpf und dreckig, die sonst leicht sonnengebräunte Haut weiß und schmutzig. Das einzige, was sie triumphieren lässt, sind ihre Armmuskeln, die unter ihrem ehemals weißen Anzug spielen. Stark, massiv sehen sie aus. Die stundenlangen Liegestütze in ihrer Zelle machen sich bemerkbar. Für Hungerspiele bin ich bestens gewappnet, denkt sie. Kommt nur. Jagt mich, foltert mich, tötet mich. Kommt nur.

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    Es muss früher Mittag sein, das kalte, fade Essen scheint spät dran zu sein, als etwas geschieht, womit Jade nicht gerechnet hatte; ein Friedenswächter erscheint vor ihrer Zelle, sie kann seinen Helm durch das kleine Fenster in der schweren Tür aus weißem Eisen, welche, so hatte sie festgestellt, erstaunlich undurchdringlich ist, erkennen. Warum sich ein Friedenswächter wohl dazu herabgelassen hat, sich hierher zu begeben, hierher, wo niemand ist, außer Avoxen und mittel bis hochgefährlichen Verbrechern? Sie weiß es nicht, vermutet aber, dass es auch keine weitere Wichtigkeit haben wird, nicht für sie. Ihre Zeit ist noch nicht gekommen. Erstaunlich, dass er dennoch hier ist, denn soweit sie weiß hat sie keine nennenswerten Nachbarn, nicht, nachdem der Greis neben ihr verschleppt worden ist. Sie hatte ihn schreien gehört und spekuliert, was sie ihm wohl angetan haben mochten. Höchstwahrscheinlich hatten sie ihm die Zunge aus dem Mund herausgeschnitten und ihn zu einem Avox gemacht. Klingt unterhaltsam. Sie fährt mit ihrer Zunge in ihrem Mund herum, nimmt die Spitze in zwei Finger ihrer linken Hand und stellt sich vor, wie es sich wohl anfühlen würde, anstatt einer Zunge dort einen gefühlslosen Stummel Fleisch zu haben.

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