x
Springe zu den Kommentaren

Die Tribute von Panem- Tödliche Flammen

Sie ist die Enkelin von Präsident Snow. Sie muss in die symbolischen Hungerspiele. Symbole sind nur Symbole, doch was ist, wenn es nicht so läuft, wie es eigentlich geplant war? Und was müssen Katniss und Peeta tun, damit keine neue Rebellion beginnt? Und was, wenn dann doch alles schief läuft?

    1
    „Prolog“: Alle Rechte an den Figuren, sowie an der Handlung, die vor meinem Fanfiktion passiert ist, liegen bei Suzanne Collins. Ich empfehle, zue
    „Prolog“: Alle Rechte an den Figuren, sowie an der Handlung, die vor meinem Fanfiktion passiert ist, liegen bei Suzanne Collins.

    Ich empfehle, zuerst die Bücher zu lesen, bzw. die Filme zu schauen, bevor ihr das FF lest.

    In einem Teil der Geschichte geht es auch um die Enkelin von Präsident Snow, in meiner Geschichte nenne ich sie Blair.

    Zeitlich liegt meine Geschichte knapp vier Jahre nach der Rebellion, sodass Blair 16 Jahre alt ist und Katniss und Peeta jetzt 21 Jahre alt sind. Ihre Kinder sind drei und ein Jahr alt.

    Ihr werdet aber auch erfahren, wie es evtl. mit Katniss und Peeta weitergeht und was nach der Rebellion in Panem passiert.

    ________________________________________________ __________________________________

    1. Kapitel

    Blair

    Ich schreie und versuche mich aus der festen Umklammerung des blonden Friedenswächters zu befreien. Ich spüre seine harten Bauch- und Brustmuskeln sogar durch die dicke Uniform, so trainiert ist er. Ich schaffe es nicht, mich los zustrampeln, denn je mehr ich mich bewege, desto stärker schnüren sich seine starken Unterarme um meinen Bauch. Es hat keinen Sinn, ich werde so oder so verlieren. Vom vielen Schreien tut mein Hals schrecklich weh und ich muss schwer schlucken. Ich kenne meine Zelle jetzt schon so lange, dass ich natürlich schon alle Ausbruchmöglichkeiten getestet habe, es ist sowieso unsinnig mich im Präsidentenpalast einzusperren, denn dort habe ich 16 Jahre gelebt, also schon mein ganzes Leben lang. Ich kenne diesen Ort, mein Gefängnis, allzu gut und das selbe gilt auch für die meisten der Wachen, nur dieser hier scheint neu zu sein. Zu Anfang an habe ich die neue Regierung der Republik Panem für naiv gehalten, für mich war es offensichtlich, dass man damit rechnen sollte, dass ich alle Geheimverstecke und Fluchtwege aus diesem Palast kenne, doch erst knapp ein Jahr nach Panems Neugründung ist mir klar geworden, dass es ihnen komplett egal ist, ob ich zu flüchten versuche oder nicht, denn sie würden mich sowieso wieder fangen und mich zurückbringen. Es geht ihnen darum, dass ich so lange an dem Ort bleibe, der mich an den geliebten Menschen meiner Kindheit und frühen Jugend zu erinnert. Den Menschen, der vor knapp vier Jahren gestorben ist: meinen Großvater. Als ich begriffen hatte, was der Plan der Regierung war, habe ich eine ganze Woche nicht mehr vernünftig gegessen, so erstarrt war ich in meiner Trauer. Ich tauchte erst aus ihren dunklen Tiefen, die einen von der gesamten Außenwelt abschirmen und einen nichts anderes fühlen lassen, als den dumpfen Schmerz der Trauer, auf, als ich eines morgens mit Beruhigungsmitteln vollgepumpt und angeschlossen an einen Tropf, aus dem stetig eine weißliche Flüssigkeit in meinen Unterarm lief, in einem Krankenbett aufwachte. Mein Kopf dröhnte und mir wurde schwindelig, als ich versuchte, mich aufzusetzen. In diesem Moment schwor ich mir, dass ich nun immer stark sein wollte, mich nie wieder so gehen lassen wollte, wie in der letzten Woche. Ich musste jetzt stark sein, stark für meinen schon verstorbenen Großvater, stark wie der Spotttölpel, mein großes Vorbild. Sie ist mein Vorbild, immer noch, nach all der Zeit. Obwohl sie die gesamte Ordnung in Panem durcheinandergebracht hat, obwohl sie meinen Großvater umbringen wollte. Sie hat es zu Recht getan- sie hat es definitiv zu Recht getan. Mein Großvater war ein wunderbarer Mensch, er hat mich geliebt und vergöttert. Ich war sein ein und alles. Als ich klein war habe ich von Politik noch nicht viel verstanden, doch die vielen Jahre in Gefangenschaft haben auch ihre Vorteile, da ich Zugang zur Bibliothek des Anwesens habe, habe ich sehr viel gelernt. Vor allem habe ich mich für die Politik und die Geschichte von Panem interessiert, mit dem Hintergedanken, dass ich, wie schon viele Familiengenerationen vor mir, Politikerin werde, doch nachdem ich über all die Dinge gelesen habe, die mein Großvater gemacht hat, habe ich mich offiziell von diesem Wunschdenken verabschiedet, niemand möchte die Enkelin eines der schlimmsten Diktatoren im Parlament haben. Und so habe ich mich innerlich den Rebellen angeschlossen, sie haben für Gerechtigkeit in ganz Panem gekämpft, sie haben für all das gekämpft, was mein Großvater ihnen mit seinen Sichtweisen nicht geben konnte und sie hatten mit dem allen so recht. Als ich meinen Großvater am Tag seiner Hinrichtung in seinem Wintermantel aus dunkelgrauer Wolle sah, konnte ich keinen Schritt weiter zu meinem Sitzplatz gehen, nur mit Hilfe von Antonius, der mir seinen Arm anbot und mir beruhigend die Schulter tätschelte, schaffte ich es ohne einen großen Zusammenbruch auf meinen Platz. Nur eine einzelne Träne rann mir über die linke Wange. Ich erinnere mich nicht mehr an viel, ich habe mich einfach nur auf einen entfernten Punkt an der Hauswand des Parlaments konzentriert, doch eine Sache habe ich dann doch mitbekommen: Als Katniss den Peil in ihren totbringenden Bogen spannte, sah ich, dass mein Großvater seien Lippen bewegte: Ich bin mir bis heute nicht sicher, was er gesagt hat, aber es war etwas, was Katniss zu zögern brachte. Von diesem Moment sind die Bilder in meinem Kopf gestochen scharf: Katniss schloss kurz die Augen, zog den Bogen nach oben und schoss den Pfeil ab- und traf direkt in das Herz von Alma Coin. Der Tumult, der daraufhin ausbrach, war nicht mehr zu stoppen, jeder versuchte zu fliehen oder auf den Spotttölpel zuzurennen. Katniss schrie und wurde von einem halben Dutzend Friedenswächtern vom Platz gezehrt. Im Gesicht meines Großvaters war ein irres Lachen zu sehen und in diesem Moment dachte ich, dass ihn eigentlich der Pfeil hätte treffen sollen- und das er das durchaus verdient hätte. Wir sind nun endlich an meiner Unterkunft angekommen. Der blonde Friedenswächter öffnet die Tür, die mit in Mahagoni eingeschnitzten Rosen verziert ist. Wo mich alles an diesem Ort an meinen Großvater erinnert, ist dies das einzige Überbleibsel, dass ganz offensichtlich an seine grausame Herrschaft erinnert. Die Rose ist laut den Gesetzen kein verbotenes Zeichen, aber trotzdem wagt niemand so wirklich, eine dieser Blumen in der Öffentlichkeit auszustellen oder gar sie einer Geliebten zu schenken- den Status als Zeichen der Liebe hat sie schon lange verloren. Der Friedenswächter drückt mich sanft in den Raum hinein. Für Fremde ist dies hier kein Gefängnis: Für sie muss es durchaus wie in einem Palast wirken. Die Decke ist hoch, die Wände sind mit bedruckten Stofftapeten tapeziert, die Einrichtung wirkt wie aus einer schon längst vergangenen Zeit. Doch ich darf diesen Raum nur zu bestimmten Zeiten verlassen, jeden Tag um zehn Uhr darf ich in die große Bibliothek und um 15 Uhr darf ich einen Spaziergang durch den großen Park des Anwesens machen, aber alles nur, wenn mindestens drei Friedenswächter bei mir sind. Ich bin hier eingesperrt und ich kann im Großen und Ganzen noch nicht einmal etwas dafür, ich habe mir ja nicht ausgesucht, seine Enkelin zu sein. Wenn ich nicht so oft ausgebrochen wäre, dürften mich meine alten Freundinnen vielleicht ab und an einmal besuchen, aber so hatte ich seit vier Jahren keinerlei Kontakt mehr zu ihnen und weiß daher auch nicht, was mit ihnen geschehen ist. Vielleicht ist jemand während der Übernahme des Kapitols gestorben, vielleicht leben sie aber auch einfach so weiter, wie sie vorher gelebt haben und vermissen mich gar nicht. Dieser Gedanke schmerzt so sehr, dass ich mich auf das Sofa werfe, das mitten im Zimmer steht und meinen Kopf in eines der altrosa Kissen vergrabe. So liege ich einen Weile dort, ohne mich zu bewegen, ich verharre einfach in meiner Position. Doch dann geht plötzlich der Fernseher an. Eine Sondersendung, denke ich sofort, denn für die regulären Nachrichten ist es noch zu früh. Die Nachrichtensprecherin streicht sich eine blonde Haarstähne aus der Stirn und blickt dann direkt in die Kamera. „Dies ist eine Nachricht, die sich an alle Kapitolskinder richtet, die zwischen 12 und 18 Jahren alt sind. Sie sollen sich morgen Nachmittag am Platz vor dem Palast einfinden, um an der Ernte für die symbolischen Hungerspiele teilzunehmen.“

    2
    2.Kapitel Katniss Die untergehende Sonne scheint mir ins Gesicht. Ich knie neben einer Birke, die weiße Rinde bildet einen hellen Kranz um meine Bein
    2.Kapitel

    Katniss

    Die untergehende Sonne scheint mir ins Gesicht. Ich knie neben einer Birke, die weiße Rinde bildet einen hellen Kranz um meine Beine. Ich sitze hier schon seit heute Morgen und pelle nervös die Rinde vom Baum. Dr. Aurelius hat mir gesagt, dass ich einfach in den Wald gehen soll, wenn ich wieder Rückfälle habe. Das passiert momentan wieder sehr oft, aber ich muss das vor den Kindern verstecken-vor Peetas und meinen Kindern. Sam ist noch zu klein, um überhaupt etwas von meinem Zustand mitzubekommen, aber Willow ist jetzt schon alt genug, um einige Fragen zu stellen. „Mummy, wieso weinst du wieder“, hat sie mich heute Morgen gefragt. Ich habe sie einfach auf den Arm genommen und trug sie in die Küche. Ich habe nicht geschluchzt, ich war einfach nur still, als mir unaufhörlich Tränen über die Wangen liefen. Vor meinem inneren Auge sah ich immer noch Rues dunkle Augen direkt neben den hellblauen von Prim. Das sind die Träume, die mich in der Nacht, an schlimmen Tagen auch tagsüber überrollen. Bilder meiner Spiele, Bilder von Distrikt 13, Bilder der Nacht, in der Prim starb und auch viele Bilder von Kapseln, Mutationen und den vielen Opfern, die diese Revolution gefordert hat. Die vielen Opfer, die ich noch nicht einmal persönlich kannte. Peeta hatte mir schon einen Rucksack gepackt. Ich war gestern auch schon den ganzen Tag im Wald und Peeta hat wohl damit gerechnet, dass ich heute wieder hin gehen werde. Aus dem Rucksack duftete es verführerisch nach frisch gebackenen Brötchen, die macht Peeta jeden Morgen. Peeta kümmert sich auch an schlechten Tagen zusammen mit Effie um die Kinder. Sie wohnt jetzt zusammen mit Haymitch im Haus gegenüber von unserem im Dorf der Sieger, sie mögen sich wohl doch lieber, als sie zu Anfang zugeben wollten. Peeta betreibt eine Bäckerei in der wieder aufgebauten Innenstadt von Distrikt 12 und führt das Andenken an seine Familie weiter. Er hat das Einweben ohne weitere Rückfälle überstanden: Er scheint sich noch nicht einmal mehr an die Zeit zu erinnern, in der er mich innig gehasst hat. Und wenn er sich doch einmal erinnern sollte, dann erzählt er es mir nie. Distrikt 12 bekommt wieder mehr Bewohner, niemand muss mehr gezwungenermaßen in den schrecklichen Bergwerken arbeiten, jeder darf sich seinen Beruf selber aussuchen. Niemand verhungert mehr. Alles ist normal- nur ich nicht. Ich bin eine Wüste. An manchen Tagen hilft es, dass ich eine Liste in meinem Kopf mache, über die Dinge, für die ich dankbar sein kann- eine Familie, keinen unsäglichen Krieg mehr, keine Diktatur, sondern eine Republik- doch an manchen Tagen ist das echt schwer, da denke ich nur an die, die wegen mir sterben mussten und an die, die ich eigenhändig umgebracht habe: Prim, Rue, Finnick, Boggs, Glimmer, Cato…. Die Liste dieser Menschen ist an diesen Tagen viel länger, als die mit den schönen Dingen. Doch trotzdem schaffe ich es dann irgendwann aufzustehen und zum Frühstück zu gehen- und wenn es nur für meine Familie ist. Abends essen Peeta, Haymitch, Effie, die Kinder und ich immer zusammen. Effie hat es nach knapp einer Woche in Distrikt 12 nicht mehr ausgehalten das zu essen, was ich am Tag gejagt habe und was Peeta dann daraus gemacht hat. Peeta kann zwar wunderbar backen, aber kochen kann er genau so gut wie ich- nämlich gar nicht. Deshalb kocht sie jetzt immer für uns alle, und das nicht einmal schlecht. Effie war es auch, die mich nach der Rückkehr nach Distrikt 12 betreut hat und mich durch die beiden Schwangerschaften begleitet hat. Sie hat zwar keine eigenen Kinder, aber sie behandelt Willow und Sam wie ihre eigenen. Peeta hilft mir immer wieder aus meinen Panikattacken heraus und Haymitch ist meine Verbindung zu der direkten Außenwelt. Wenn die anderen beiden immer ein Blatt vor den Mund nehmen, wenn es um Panem geht, spricht Haymitch alles immer gerade heraus. Ich weiß, dass alle drei es gut mit mir meinen und ich bin ihnen auch sehr dankbar dafür. Ich öffne die Augen. Der Himmel hat sich in ein tiefes Orange verfärbt. Das Orange des Sonnenuntergangs. Peetas Orange. Peeta. Ich merke gar nicht, dass ich aufstehe, den Rucksack schultere und nach Hause gehe. Ich denke nur an Peeta und an die Kinder. Ich fühle mich wieder in die Zeit ohne Peeta in Distrikt 13 zurückversetzt. Ich kenne dieses Gefühl und ich weiß auch, dass ich erst Ruhe finden werde, wenn ich meine Familie wiedersehe. Ich renne durch das Dickicht, mein dunkelroter Wollmantel bleibt an den Ästen hängen. Ich habe ihn bei der Siegertour in Distrikt 5 getragen und er erinnert mich an Cinna, es ist einer der wenigen Kleidungsstücke, die ich noch von ihm besitze. Ich komme endlich auf den gepflasterten Platz in der Mitte vom Dorf der Sieger. Als ich auf die Terrasse trete, sehe ich als erstes Peeta, er trägt den dunkelgrauen Cardigan, den ich so gerne an ihm mag. Ich umarme ihn stürmisch und drücke ihm einen Kuss auf den Mund. „Mummy“, höre ich Willow rufen. Ihre nackten Füße schlittern über die Fliesen und hinter ihr höre ich die tapsigen Schritte von Sam. Ich knie mich auf die Erde und drücke auch den beiden einen Kuss auf die Stirn. Das ist immer einer der schönsten Momente: Ich sehe meine eigene Familie, die Menschen, die ich am meisten liebe. Sie alle sind um mich und ich kann auf sie aufpassen, sie schützen. So verharren wir einen Moment, auch Peeta hat sich auf die kalten Fliesen gekniet und nun sind wie alle in einer festen Umarmung umfangen. Dann höre ich die Melodie, die immer kurz vor den Nachrichten beginnt. Wir lösen uns von einander und Peeta und ich wenden uns dem Fernseher zu, während die Kinder wieder in Richtung Garten gehen. Ich sehe, wie die Nachrichtensprecherin sich eine blonde Haarsträhne aus der Stirn streicht. Dann blickt sie direkt in die Kamera. „Dies ist eine Nachricht, die sich an alle Kapitolskinder richtet, die zwischen 12 und 18 Jahren alt sind. Sie sollen sich morgen Nachmittag am Platz vor dem Palast einfinden, um an der Ernte für die symbolischen Hungerspiele teilzunehmen.“ Ich bin wie erstarrt und kann nur an eines denken: Der große Irrsinn geht wieder los. All das, wofür ich gekämpft habe, all das wofür Menschen gestorben sind, war umsonst.

    3
    3. Kapitel Blair Es ist ungerecht- etwas anderes fällt mir dazu nicht ein. Wir Kinder können doch neben den Distrikten eigentlich am wenigsten etwas
    3. Kapitel

    Blair

    Es ist ungerecht- etwas anderes fällt mir dazu nicht ein. Wir Kinder können doch neben den Distrikten eigentlich am wenigsten etwas für die Hungerspiele. Aber trotzdem müssen wir für all das zahlen. Und zwar mit unserem Leben. Wir müssen für das zahlen, was Großvater und seine Abgeordneten vor knapp 80 Jahren beschlossen haben, in Zeiten, in denen an unsere Generation noch nicht einmal zu denken war. Die Nachrichtensprecherin hat nach diesem unheilverkündenen Satz eine kurze Pause gemacht, als wollte sie auf die Reaktion der Zuschauer warten. Wahrscheinlich wartete sie auch, aber eher ließ sie diese Pause, damit alle Kapitolsfamilien diese schreckliche Nachricht erst einmal verdauen konnten. „Dies ist der Beschluss der gesamten Regierung, eine Abstimmung ist durchgeführt worden, in die auch der Kreis der noch lebenden Sieger mit einbezogen worden ist.“ Das war klar. Die Sieger mussten von allen am härtesten Kämpfen und wieso sollten sie sich für die traumatischen Ereignisse und für ihre toten Verbündeten und Freude nicht rächen wollen? Sie hätten aber auch allen Grund dafür. Insgeheim bin ich mir sicher: Ich werde einer der Tribute sein, ich werde für alles, was mein Großvater angerichtet hat, büßen müssen. Was wäre das auch für eine Story: „Enkelin von Snow nun auch in den Hungerspielen- Wie sie unter den Entscheidungen ihres Großvaters leiden muss“. „Die Regeln für die Ernte sind die selben Regeln, wie für die Jahre zuvor. Die Tribute werden aus den 12- bis 18-jährigen Kapitolskindern ausgelost. Dabei gilt wie immer: pro Jahr gibt es einen Pflichtzettel mehr. Da sich keiner für die Tesserasteine eintragen wird, wird die Anzahl aller Lose der 74. Hungerspiele, die durch die Eintragung für die Tesserasteine entstanden sind, durch ein Losverfahren unter den Kapitolskindern aufgeteilt.“ Ich schnaufe spöttisch auf: Aus „ Die Geschichte von Panem“ weiß ich, dass das ziemlich viele sind, da können sie uns auch alle in die Arena schicken. „Die weiteren Regeln wird Präsidentin Paylor morgen zu Beginn der Ernte klären. Ich wünsche ihnen noch einen schönen Abend und danke ihnen für ihre Aufmerksamkeit. Hier geht es nun weiter mit dem Abendprogramm und der Dokume….“ Ich schalte auf der Fernbedienung herum, hektisch versuche ich den Fernseher auszuschalten, finde aber den Ausknopf nicht. Ich gelange nur vom einen Sender zum nächsten. Und überall sehe ich nur eins: Wiederholungen der Hungerspiele, überall Natur, Waffen, Blut. So werde ich auch enden, denke ich, als ich gerade sehe, wie eine Bombe explodiert und die nahe stehenden Tribute von einer großen Staubwolke überrollt werden. Als sich die Wolke gelichtet hat, ist da nichts mehr. Nur noch die braune, lehmige Erde, über die sich langsam der Staub ausbreitet. Und ich habe Angst. Angst vor der Ungewissheit, die einen in der Arena erwartet. Angst vor den letzten Tagen im Kapitol, Angst vor den Mittributen und Angst vor dem Sterben. Ich bin mir sicher: Ich werde an diesen Hungerspielen teilnehmen müssen. Es würde keinem auffallen, wenn sie so viele Zettel wie möglich mit meinem Namen beschriften. Ich lege mich wieder flach auf das Sofa und lasse die Beine baumeln. Ich denke nur, dass ich diese Spiele überleben muss. Ich muss es einfach. Dann kann ich den Menschen da draußen zeigen, wer ich wirklich bin. Für sie bin ich einfach nur Snows brave Enkelin, die Enkelin eines schlimmen Tyranns und Diktators. Das Mädchen, dass höchstwahrscheinlich seine Eigenschaften geerbt hat. Ich wäre kein schlimmer Verlust, für niemanden. Aber das bin ich nicht. Ich bin im Kopf eine Rebellin. Ich denke nicht, dass alles was Großvater gemacht hat, richtig war. Ich sehe ihn nicht durch die rosarote Brille, ich denke genau so über ihn wie alle anderen: Er war der schlimmste Mensch, den Panem je erlebt hat. Ich bin so wie alle anderen. Ich muss ihnen das zeigen, ich muss ihnen sagen, dass man Menschen unrecht tut, wenn man sie nach ihren Familien und ihrem Aussehen bewertet. Gegen diesen Drang kämpfe ich schon seit vier Jahren an. Ich bekomme nie mit, wie die Leute auf den Straßen über mich reden, aber ich bin auch nicht dumm, ich kann lesen und in den Zeitungen stehen genügend falsche Tatsachen über mich, besonders an Großvaters Todestagen. Ich bin es leid. Und dann schlafe ich ein.

    4
    4. Kapitel Katniss Es klingelt an der Tür. Keiner öffnet sie. Es herrscht Totenstille. Man kann nur das leichte Blätterrauschen der Weide in unsere
    4. Kapitel

    Katniss

    Es klingelt an der Tür. Keiner öffnet sie. Es herrscht Totenstille. Man kann nur das leichte Blätterrauschen der Weide in unserem Garten hören, vermischt mit den Geräuschen unserer spielenden Kinder. Es klingelt wieder und ich wende den Kopf zu Peeta hin. Er starrt mich an. Er scheint genauso geschockt zu sein wie ich. Sein Blick ist leer. Das bringt mich dazu, mich zu bewegen. Ich gehe auf ihn zu, meine Knie zittern, aber ich schaffe es trotzdem aufrecht bei ihm stehen zu bleiben, ihm die Arme um den Hals zu schlingen und durch sein blondes dichtes Haar zu streichen. Wir lehnen uns gegeneinander, sind des anderen Stütze. Wir sind beide bis ins Mark getroffen. Alles, wofür wir gekämpft haben, wofür wir unser Leben aufgegeben haben, ist hin. Wir haben versucht mit dem, was in unseren beiden Hungerspielen und der Rebellion passiert, so gut wie es geht umzugehen. Wir haben uns sogar zeitweise damit arrangiert. Wir haben uns mit den vielen Toten abgefunden. Aber jetzt sind alle um sonst gestorben- Prim ist um sonst gestorben. Diese ganze schreckliche Rebellion hätte nicht sein müssen, wenn jetzt alles wieder von vorne anfängt. Ich wäre nicht gebrochen worden, Peeta wäre nicht eingewebt worden. Wir wären das Traumpaar der Hungerspiele gewesen und mir wäre auch irgendwann klar geworden, wie dringend ich Peeta brauche, wie sehr ich ihn liebe. Plötzlich klopft jemand gegen die geöffnete Terrassentür. „Hallo“, flüstert eine kratzige Stimme. Haymitch. Peeta und ich lösen uns voneinander, wir halten uns aber immer noch an den Händen, so geben wir uns Kraft, für das, was jetzt kommt. Strähnen seines dunkelblonden Haars hängen ihm lose ins Gesicht, den Rest der Haare hat Haymitch unordentlich hinter die Ohren gestrichen. Seine hellgrauen Augen starren uns etwas verwirrt an, als würde er sich wundern, dass wir auch begriffen haben, was der Beginn der symbolischen Hungerspiele bedeutet. Dann geht er auf uns zu und schiebt uns auf das schwarze Wildledersofa, das in der Mitte des Wohnzimmers steht. „Effie kommt auch gleich nach“, verkündet er, greift nach einem schon benutzten Wasserglas, das auf dem kleinen Glastischchen steht, und schenkt sich Wasser aus der danebenstehenden Wasserkrug ein. Für einen Moment herrscht wieder Stille. Haymitch trinkt sein Wasser und Peeta und ich umklammern uns so sehr, dass es aussehen muss, als würden wir uns nie wieder loslassen. So bleibt es auch eine Weile, dann klingelt es wieder an der Tür. Weder Peeta und ich machen Anstalten, sie zu öffnen. Wir können noch gar nicht realisieren, was gerade eben verkündet wurde. Haymitch erhebt sich mit einem seufzen und kommt kurz darauf mit Effie wieder. Effie ist energisch wie immer, sie trägt aber keine typische Kapitolskeidung mehr. Ihre naturblonden Haare liegen in glänzenden Wellen über ihren Schultern, sie trägt einen olivgrünen Overall und ist nur sehr dezent geschminkt. Nur ihre Stilettos, auf die sie trotz ihrem Leben in Distrikt 12 nicht verzichten möchte, und ihre energische Stimme erinnern noch an ihre Zeit im Kapitol. Aber man gewöhnt sich auf jeden Fall daran, sie ist eine sehr angenehme Nachbarin. Sie stöckelt zum Sofa und drückt Peeta und mit je zwei Küsschen auf die Wange- einen rechts und einen links, so wie immer. Dann setzt sie sich zwischen Haymitch und mich und streicht eine kleine Falte an ihrem linken Hosenbein glatt. Man merkt, dass sie etwas nervös ist. Sie hat keine Ahnung, wie Peeta und ich auf die Nachrichten reagieren werden, aber sie wappnet sich anscheinend schon für verschiedene Szenarien, auf Tränen und Wutausbrüche. „Also…“, flüstert sie und räuspert sich dann. „Ihr habt ja sicher die heutigen Nachrichten gesehen…“ „Wie sollten wir auch nicht“, fragt Peeta mit einem leichten sarkastischen Unterton. „Diese Fernseher schalten sich von alleine an, man kann sie praktisch gar nicht verpassen“ Jetzt zischt er fast und umklammert meine Hand so fest, dass es fast weh tut. Man merkt, dass er wütend ist. „Peeta, das bringt jetzt nichts…“, flüstere ich. Meine Stimme hört sich kratzig an, fast so, als hätte ich über Stunden hinweg durchgängig geschrien. Und so fühle ich mich auch. Peeta wendet den Kopf zu mir und blickt mir in die Augen. Effie redet weiter: „Die symbolischen Hungerspiele sind nicht das, für was sie gehalten werden. Die Kinder müssen sich nicht gegenseitig umbringen. Dann wäre es ja genauso, wie vor der Rebellion.“ „Und wie funktioniert es dann“, frage ich. „Und wofür ist das ganze gut?“ „Wofür die symbolischen Hungerspiele gedacht sind, kann ich dir nicht sagen Katniss, ich weiß es nicht genau, ich kann es nur vermuten. Ich glaube, dass es eine Art späte Rache für die 75. Jahre der Hungerspiele. Haymitch und ich hätten nur eine Frage an euch beide: Habt ihr bei irgendeiner Abstimmung teilgenommen, bei der es um diese Spiele ging?“ Peeta und ich schütteln beide die Köpfe. „Wieso sollten wir“, fragt Peeta. „Die einzige Abstimmung, an die ich mich diesbezüglich erinnere ist, die mit Coin. Aber nach ihrem Tod haben wir uns doch darauf geeinigt, dass es keine Spiele mehr geben wird, das hat Paylor sogar selbst vorgeschlagen.“ Haymitch nickt zustimmend, er war bei der Besprechung auch dabei, genauso wie auch Johanna, Annie, Beetee und Enobaria und wir alle waren am Ende mit diesem Vorschlag einverstanden. Ich habe verstanden, dass ich Prim durch die Spiele nicht rächen kann. Durch sie wäre meine kleine Schwester noch früher gestorben, so ist sie mir zumindest noch knapp zwei Jahre länger erhalten geblieben. Auch Snow und das Kapitol hatten nur indirekt Schuld an ihrem Tod, denn diese Falle mit den Brandbomben stammt von Gale. Und Coin hat diesen letzten Angriff bewilligt, alleine die beiden haben Schuld an Prims Tod. Das habe ich dann auch verstanden und war glücklich, dass durch meine Entscheidung nicht noch mehr unschuldige Menschen, vor allem Kinder, sterben mussten. Doch ich habe anscheinend nicht mit Präsidentin Paylor gerechnet. Es ist wieder still im Wohnzimmer geworden. „Wir müssen euch noch etwas sagen“, bricht es dann aus Effie heraus. Zuvor waren Peeta und ich nur auf unsere ineinander verschränkten Finger konzentriert, doch nun schauen wir auf. Wir wissen beide, dass nun etwas kommt, mit dem wir beide nicht klarkommen werden. Effie holt einmal tief Luft und auch Haymitch seufzt wieder. „Ihr beide werdet ein Teil dieser Spiele sein.“ Da ist es. Ich sitze aufrecht auf dem Sofa und umklammere Peetas Hand. Er tut das selbe. Mein Gesicht zeigt keinerlei Regungen. In meinem Bauch breitet sich allerdings ein Schmerz aus, der sich so anfühlt, als hätte mir jemand mit einem Maschinengewehr mehrfach in den Bauch geschossen. Eine ekelige Masse dringt durch meine Speiseröhre nach oben. Ich springe auf und schaffe es gerade noch ins Badezimmer, wo ich mich ins Waschbecken übergeben muss. Ich spüre Peeta hinter mir. Er hält mir meine offenen Haare aus dem Gesicht und streicht mir sanft über den Rücken. Ich schaue durch den Spiegel in sein Gesicht. Er ist blass, als sei das ganze Blut seines Körpers direkt in seine Beine gesickert. Seine hellblauen Augen stechen unnatürlich klar heraus. Es dauert einige Minuten, bis wir uns wieder gefangen haben. Dann kehren wir wieder ins Wohnzimmer zurück. Haymitch und Effie sitzen immer noch auf dem Sofa und unterhalten sich leise. Als wir kommen heben sie allerding die Köpfe und unterbrechen ihre Unterhaltung. „Was bedeutet das: ‚Ihr werdet ein Teil dieser Spiele sein‘“, fragt Peeta mit etwas rauer Stimme. „Das heißt“, flüstert Effie, „dass ihr Mentoren sein werdet. Ihr müsst die Tribute der symbolischen Hungespiele mit allen Mitteln unterstützen. Meine kleinen Sieger.“ Man sieht Tränen in ihren schönen Augen glitzern und auch Haymitch sieht sichtlich mitgenommen und aufgewühlt aus. Effie holt tief Luft. „Es tut mir wirklich leid. Ihr müsst zusammen mit ihnen in die Arena zurück“ Einem hässlichen Geräusch gelingt es meinem Mund zu entfliehen und bildet ein jaulendes Schluchzen. Ich höre mich an, wie ein verletztes Tier und finde mich einen Moment später auf dem Boden kniend wieder. Peeta ist neben mir, auch ihm laufen Tränen über seine blassen Wangen. Ich kann nicht richtig hören, so laut weine ich, doch Willows helle, so kindliche Stimme gelangt trotzdem zu meinem Ohr: „Mummy, Daddy, warum weint ihr beide?“ Dieses arme kleine Mädchen und ihr kleiner Bruder, sie haben keine Ahnung, was ihre Eltern durchgemacht haben und wieso sie so oft weinen. Ich wünsche mir so sehr, dass sie nie von diesen schrecklichen Dingen erfahren müssen, aber das werden sie später sowieso. Sie sind einfach ahnungslos, noch zu klein und zart besaitet für die grausame, aber reale Welt. Vielleicht verstehen sie uns ja dann. Willow redet weiter: „Tante Effie, Onkel Haymitch, was sind die ‚Hungerspiele‘?

    5
    5. Kapitel Blair Mein Nacken tut weh. Ich muss mich wohl in der Nacht verlegen haben. Die Vorhänge des Fenster sind nicht geschlossen, also blendet m
    5. Kapitel

    Blair

    Mein Nacken tut weh. Ich muss mich wohl in der Nacht verlegen haben. Die Vorhänge des Fenster sind nicht geschlossen, also blendet mich die Sonne schon durch meine geschlossenen Augen. Jemand klopft an der Tür, wahrscheinlich einer der Friedenswächter, der mich zum Frühstück wecken soll. Es fühlt sich an, wie an einem ganz normalen Tag, ein Tag, der so ist, wie jeder andere. Aber erst als ich mich vom Sofa aufrichte, um die Tür zu öffnen erinnere ich mich. Heute ist die Ernte. Heute werde ich ausgewählt werden. Um mich wenigstens für einen kurzen Moment abzulenken lasse ich die Tür so kraftvoll wie möglich aufschwingen und starre direkt in die blassen Augen des Friedenswächters von gestern Nachmittag. Er sieht etwas verdutzt aus, grüßt mich aber in einem normalen Tonfall und drückt mir das mit meinem Frühstück vollgestellte Tablett in die Hand. Ohne auch nur ein Wort mit ihm zu wechseln knalle ich die Tür vor seiner Nase zu und stelle das Tablett ärgerlich auf den kleinen, runden Holztisch, der direkt neben der Tür steht. Es gibt mein Lieblingsessen: Pfannkuchen mit Apfelmus und Kirschblütentee, aber heute habe ich kein bisschen Hunger. Trotzdem zwinge ich mich zu ein paar Bissen von dem Pfannkuchen, wer weiß, wie lange ich noch so vernünftig essen kann? Ich stelle das mit Goldrändern verzierte Geschirr zusammen und bemerke dann erst den kleinen, zusammengefalteten Zettel, der unter dem Teller liegt. Ich entfalte ihn und lese das, was jemand mit geschwungener Handschrift darauf geschrieben hat. „Mach dich schön, deine Kleidung kommt sofort!“, steht da. Für wen soll ich mich den schön machen? Etwa für Panem, dass mich auch alle gut in Erinnerung haben, wenn ich in die Arena geschickt werde? Da klopft es auch schon wieder an die Tür und ohne darauf zu warten, ob ich sie hereinbitte stürmt eine große, schlacksige Frau herein. Ihre Haare sind hellblond und mit türkise Strähnchen verziert, ihre Haut sticht fast weiß hervor, doch man kann ganz deutlich die goldenen Tatoos erkennen, die beinahe an jedem ihrer Körperteile schimmern. Über ihrer rechten Schulter trägt sie eine riesige Ledertasche und auf dem anderen Arm hält sie einen großen, schwarzen Kleidersack. An den Füßen trägt sie schwarze Blockabsatzstiefelletten, die sie zu Kleidungstücken aus der Capitol Couture kombiniert hat. Diese Kleidung gibt es heute nur noch in ausgewählten Geschäften zu kaufen und ich bin mir sicher, dass sie sehr teuer ist. So viele verschiedene Stoffe und diese aufwendige Gestaltung habe ich nur in den Modezeitschriften gesehen, die aber mindestens schon vier Jahre alt sind. Mit energischen Schritten stellt sie ihre große Ledertasche und den Kleidersack auf dem Sofa ab und wendet sich dann mir zu. „Ich bin Venia“, sagt sie. Ihre Stimme hört sich irgendwie tief an, aber am Ende wird sie um mindestens eine Oktave höher. So sprechen alle Leute, die ursprünglich aus dem Kapitol stammen, doch bei Großvaters Beratern habe ich so etwas nie gehört, aller höchstens auf den Festen im Palast. Irgendwie erinnere ich mich an ihr Gesicht und ihre Goldtatoos, kann sie aber keiner Person zuordnen, die ich einmal persönlich getroffen habe. Es muss etwas mit den Hungerspielen zu tun haben, da bin ich mir sicher. Venia zieht eine Augenbraue nach oben und schaut mich auffordernd an. „Na, komm schon her, wir haben nicht mehr viel Zeit.“, sagt sie, wobei ihre komische Stimme von einem gestressten Unterton begleitet wird. Ich bin skeptisch, wofür brauchen wir denn viel Zeit, aber ich sage nichts, sondern setze mich auf einen Stuhl, den sie vor sich geschoben hat. Ich habe seit ihrer Ankunft noch kein einziges Wort gesagt, das scheint sie aber nicht zu stören. Sie redet einfach weiter, und dabei ist sie sehr schnell. Ich habe manchmal Schwierigkeiten, ihr zu folgen. Sie streicht mir durch die langen Haare. „Schön, schön, schön… Sehr schöne Haare, sehr dicht. Leicht gelockt. Eine sehr schöne Farbe...Buttertoffee…, du bringst sehr gutes Material mit. Sehr schön!“ Ich verstehe gar nichts mehr, was ist bitte Buttertoffee? Plötzlich stellt sich Venia vor mich und zieht mich hoch. Sie begutachtet mich, als wäre ich ein Tier. Ich möchte sie schon unfreundlich darauf ansprechen, als sie plötzlich begeistert in die Hände klatscht. „Endlich jemand, der schon auf Beauty 0 steht! Du ersparst dir so viele langwierige Prozesse und wir uns sehr viel Arbeit!“, ruft sie begeistert. „Uns“, frage ich bestürzt, „gibt es etwa noch mehr?“ Ich habe definitiv keine Lust auf noch mehr Irre von ihrer Sorte. Sie scheint nicht im Entferntesten verletzt von meiner Aussage zu sein, denn sie grinst mich nur breit an „Ja, natürlich! Flavius und Oktavia bereiten gerade die Mentoren für ihren großen Auftritt vor! Das wird alles so aufregend!“ Ihre Stimme wird mit jedem Wort noch höher und ich habe schon Sorge, dass sie irgendwann so hoch ruft, wie eine Fledermaus. Es gibt Mentoren, also hatte ich recht, dass es sich bei ihr wahrscheinlich um eine Stylistin der ehemaligen Hungerspiele handelt. „Und jetzt,…zieh dich schnell aus, damit du dein Erntedress anziehen kannst.“ Das finde ich so dreist, dass ich sie nur mit offenem Mund anstarren kann. Was erlaubt sie sich eigentlich? Es bleibt einen Moment still, dann kommt sie mit einem Seufzer auf mich zu und reißt mir das Kleid, dass ich auch beim Schlafen getragen habe, vom Leib. Ich schreie hysterisch auf, die Tür wird aufgerissen und drei Friedenswächter stürzen mit den Gewehren im Anschlag herein. Sie zielen im Raum hin und her und sehen meinen nackten Körper, während ich versuche meine Blöße mit den Armen zu verdecken. „Sie hat sich geweigert“, sagt Venia anklagend und zeigt mit dem Finger auf mich. Das Kleid hat sie sich über den Arm gehängt. Ein Offizier wendet sich an mich. Die Abzeichen blitzen an seiner Uniform. „Miss Blair, wir haben Befehle von oben, dass sie dieses Erntedress anziehen sollen und sich von der Stylistin zurecht machen sollen“, sagt er dann mit ruhiger Stimme. Er spricht nicht mit diesem komischen Kapitolakzent, wie Venia, wahrscheinlich kommt er ursprünglich aus Distrikt 2. Ich nicke nur und wende ihnen den Rücken zu. Wenn sie irgendjemandem von dieser peinlichen Situation erzählen und das morgen in allen Klatschblättern steht, werde ich ausflippen. Aber das spielt ja eigentlich sowieso keine Rolle mehr, denn ich muss ja bald in die Hungerspiele. Dann ist auch alles egal. Ich spüre, dass Venia näher an mich herantritt und mir vorsichtig eine Hand auf die Schulter legt. Sie ist ganz kühl und fühlt sich erfrischend auf meiner vor Wut heißen Haut an. Dann spricht sie ganz ohne den albernen Kapitolakzent: „Es tut mir leid, Blair. Ich hätte nicht so taktlos sein sollen.“ Man merkt, dass sie es ernst meint, deshalb drehe ich mich zu ihr um und lächle sie leicht an. Sie lächelt zurück und geht dann zum Sofa, um das Kleid, dass für mich bestimmt ist, aus dem Kleidersack zu befreien. Es ist schön, schlicht weiß. Venia winkt mich herbei und streift mir das Erntedress über. Es passt mit wie angegossen, mein Schultern liegen frei, sodass mein schlanker Hals betont wird. Das Oberteil ist enganliegend, doch der Rock ist fließend und knielang. Venia legt mir noch ein mit Blumen besticktes Tuch um die Arme. Als sie mir dann noch ein zart rosafarbenes Paar Ballerinas überstreif, sieht das Outfit perfekt aus. Doch sie ist noch nicht fertig. Aus der schwarzen Ledertasche zieht sie eine Haarbürste und eine kleine Make-Up Palette. Mit geübten Bewegungen bürstet sie mir die Haare durch und setzt mit der Schminke zarte Akzente auf mein Gesicht. Als ich wieder in den Spiegel schaue, bin ich begeistert. So schön habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt! „Danke“, wispere ich. „Danke, dass ich dich schön machen durfte“, wispert sie zurück und wir lächeln uns beide an. So komisch ich sie zu Anfang auch fand, trotz der kurzen Zeit, die wir uns erst kennen, verstehen wir uns eigentlich ganz gut und ich bin froh, in all den Jahren mal wieder einen „normalen“ Menschen zu sehen, der nicht in einer Uniform oder ähnlichem steckt. Dann wird die Tür geöffnet und zwei Friedenswächter kommen herein, die mich auffordern, ihnen zu folgen. Mit Venia im Schlepptau geht unsere kleine Prozedur durch den gesamten Palast und ich genieße, dass ich ihn noch ein letztes Mal in vollen Zügen genießen kann. Doch für mich ist dieser Moment, den ich als Abschied sehe, zu kurz, denn schon sind wir durch das Tor hinaus auf den Vorhof gegangen. Es ist voll dort. Der gesamte Platz ist in verschiedene Bereiche eingeteilt, in denen je Kinder desselben Alters stehen. Ihnen allen ist die Anspannung förmlich im Gesicht abzulesen. Ich werde von den beiden Friedenswächtern in eine Schlange manövriert, wo ich etwas meines Blutes in ein dickes Buch tropfen lassen muss. So wissen sie, dass ich zur Ernte erschienen bin. Dann werde in den Bereich gebracht, der für die 16-Jährigen reserviert ist. Ich stelle mich an den Rand, damit meine beiden Wächter mich immer im Auge behalten können. Von den umstehenden Kindern scheint mich niemand zu erkennen, ich war wohl zu lange nicht mehr in der Öffentlichkeit, doch irgendwie bin ich dafür auch dankbar, denn es werden bald sowieso alle erfahren, dass ich hier bin. Für einen Moment herrscht noch Unruhe auf dem großen Platz, doch dann betritt Präsidentin Paylor die große Bühne, die neben dem Palast aufgebaut ist und stellt sich vor das einsame Mikrofon, dass in der Mitte steht. „Meine Damen und Herren, willkommen zu den symbolischen Hungerspielen!“

    6
    6. Kapitel Katniss Peeta und ich brauchten lange; um uns wieder zu beruhigen. Zu schmerzhaft sind die Erinnerungen, die schon zu lange in mir wüten.
    6. Kapitel

    Katniss

    Peeta und ich brauchten lange; um uns wieder zu beruhigen. Zu schmerzhaft sind die Erinnerungen, die schon zu lange in mir wüten. Doch jetzt kommen sie mit aller Kraft zurück. Meine ersten Spiele: das Trainingscenter, die Arena, die mich so an den Wald zu Hause erinnert, Jägerwespen, Glimmers aufgedunsener Körper, der Speer in Rues Bauchdecke, die Mutationen, die Cato zerfleischen und die ganze Zeit Peeta, mal in der Höhle, mal mit den Nachtriegelbeeren in den Händen. Dann meine zweiten Spiele: Cinna, wie er von Friedenswächtern zusammengeschlagen wird, tot, dann die große Wasserfläche, die tropischen Temperaturen, Finnick mit seinem Dreizack, tot, Johanna mit ihrer Axt, Peeta, wie er leblos am Boden liegt, mit einem Herzstillstand bedingt durch das starke Kraftfeld, die Schnattertölpel, die die hilflosen und schmerzverzerrten Schrei meiner Lieben imitieren, Beetee mit der Drahtspule, der Gewitterbaum…. Diese und noch viel weitaus schrecklichere Bilder stürzen zusammen mit der Erinnerung an die Hungerspiele auf mich ein. Wir hatten gerade noch genügend Zeit, um die nötigsten Dinge zu packen und uns die Kinder zu schnappen. Zunächst wollte Willow nicht aufhören uns über die Siele auszufragen, doch niemand wollte ihr eine Antwort geben. Irgendwann ist sie so penetrant geworden, dass Peeta es ihr erklärt hat. Dass früher jedes Jahr 24 Jugendliche in eine Arena gesteckt wurden und sich so lange bis auf den Tod bekämpfen mussten, bis nur noch einer übrig blieb- der Sieger. Dass Peeta und ich bei den beiden letzten Spielen mitmachen mussten. Wie wir das erste Mal gewannen- die schrecklichsten, blutigsten Wahrheiten verschwieg er ihr, sie ist ja gerade erst vier Jahre alt. Dann die zweiten Spiele, dass wir beide wegen des Tricks mit den Beeren nicht überleben sollten, aber alles dafür taten, dass der andere überlebt. „Es gab keinen Sieger der 75. Hungerspiele“, erklärt er ihr, „denn die meisten noch lebenden Tribute wurden von den Rebellen gerettet, doch nicht ich und eine Freundin von uns- Johanna. Du wirst sie bald kennen lernen“, verrät er ihr. Sie drückt sich die ganze Zeit an seinen Oberkörper und hört gespannt zu. Dann erzähle ich kurz von der Rebellion, dass ich ohne Peeta beinahe verrückt geworden bin und dass wir viele Freunde an diesen Krieg verloren habe, darunter auch ihre Tante, meine Schwester. Ich verschweige ihr allerdings, dass ihr Vater mich so sehr hasste, dass er mich umbringen wollte, das wir sie wohl erfahren müssen, wenn sie älter ist. Wir gehen zusammen mit Effie und Haymitch den teils wieder asphaltierten, teils noch mit Schotter und Geröll bedeckten Weg zum Bahnhof entlang. Man kann die Vögel zwitschern hören. Sam schläft auf meinem Arm und Willow geht wieder an Peetas Hand. Effie und Haymitch folgen uns mit ein paar Metern abstand und ziehen die zwei Koffer hinter sich her. Als wir am Bahnhof angekommen sind, steht der Zug schon bereit, der silberne Edelstahl glänzt in der Sonne und sieht so aus, als würde der Zug nicht von diesem Planeten stammen. Willow ist aufgeregt, so etwas hat sie noch nie gesehen. Ich habe den Zug jetzt schon lange nicht mehr gesehen und habe ihn auch nicht vermisst, zu viele schmerzhafte Erinnerungen verbinden mich mit ihm. Als wir den Zug betreten ist Sam auch aufgewacht und ich setze ihn auf der Erde ab. Er tappst freudig seiner großen Schwester hinterher, die den gesamten Zug erkunden will. Haymitch hat währenddessen das Gepäck abgegeben, dass nun von Bediensteten des Kapitols in unsere Kabinen gebracht wird. Wir vier setzen uns geschlossen um den Tisch aus Mahagoni im Speisewagen. Den Tisch, in den ich auf der Fahrt zu meinen ersten Spielen ein Buttermesser gerammt habe. Die Schreiner des Kapitols haben sich zwar die größte Mühe gemacht das zu verstecken, allerdings zeugt eine kleine Einkerbung immer noch von diesem Angriff. So wie wir jetzt dasitzen, ich komme mir vor wie auf dem Weg zu meinen eigenen Spielen. Es bleibt still, man hört nur die Kinder. Dann beginnt Haymitch zu reden. „Ihr habt sicher schon mitbekommen, dass ich nicht mit in die Arena kommen werde. Ich weiß auch nicht, wieso wieder ihr beide gehen müsst, aber seid euch sicher: Keiner wird bei diesen Spielen sterben, ihr seid außer Lebensgefahr. Eure einzie Aufgabe ist, dass ihr eure Tribute in der Arena betreut. Effie und ich werden währenddessen auf Sam und Willow aufpassen.“ Effie nicht zustimmend und ich bin erleichtert, dass wenigstens die Kinder in sicheren Händen sind. Ich traue dem Gedanken an eine Arena, an die Spiele, ohne Tote nicht, es fühlt sich einfach viel zu utopisch an, so etwas kann es nicht geben, so etwas passt nicht zusammen. Es klopft plötzlich an der Tür und ich zucke zusammen. Herein kommt mein Vorbereitungsteam: Flavius und Oktavia, nur Venia fehlt. Ich stehe auf und umarme sie. Endlich mal wieder ein bekanntes Gesicht aus dem Kapitol, die drei haben Peeta und mich zwar bei allen Fernsehshows, zu denen wir nach der großen Rebellion eingeladen wurden, betreut und vorbereitet, aber ich freue mich immer wieder, wenn ich meine alten Freunde wiedersehe. So verrückt sie auch sein mögen, jeder Mensch ist etwas verrückt und das macht ihn zu etwas Besonderem. Umso schmerzlicher vermisse ich Venia und als ich mich nach ihr erkunde winkt Flavius nur ab und sagt: „Die hat geraden noch etwas zu tun, du wirst sie aber spätestens bei der Vorbereitung zur Parade durch das Kapitol sehen.“ Damit gebe ich mich auch zu frieden. Die beiden haben mal wieder übertrieben, gleich drei Friedenswächter schleppen riesige Koffer mit Schminkzeugs in den Raum und schieben gleich vier Kleiderständer herein: zwei für Peeta, zwei für mich. „Eure Kinder werden in einem anderen Wagon vorbereitet“, piepst Oktavia, „Sie sind wirklich reine Goldstücke!“ Auf der gesamten Fahrt ins Kapitol werden wir geschminkt, frisiert und eingekleidet. Währenddessen werden wir von Effie über die groben Regeln für die symbolischen Hungerspiele unterrichtet. Haymitch bedient sich dabei so großzügig am Büfett, dass man denken könnte, es gäbe kein morgen mehr. Eigentlich keine schlechte Idee, denke ich, vielleicht gibt es das ja wirklich nicht mehr. Deshalb fange ich schnell an mir ein gigantisches Stück Zitronenkuchen in den Mund zu stopfen und drücke Peeta gleich auch ein Stück in die Hand, man kann ja nie wissen. Unsere Stylisten versuchen zur gleichen Zeit zwei Outfits im Partnerlook für Peeta und mich zu finden. Plötzlich steigt mir Galle in den Hals auf. Ich schaffe es nicht mich zu entschuldigen, sondern muss so schnell wie möglich auf die Toilette rennen. Ich höre noch, wie Peeta irritiert meinen Namen sagt und hinter mit her geht, dann erbreche ich mich in die Toilette. Ich würge noch eine Weile, während Peeta die Badezimmerschränkchen nach Vomex durchsucht. Mein Bauch tut weh und ich rolle mich zu einer kleinen Kugel zusammen und schließe die Augen, um mich ganz auf die Schmerzen zu konzentrieren und sie etwas regulieren zu können. „Katniss“, flüstert Peeta, kniet sich neben mich und fährt mir mit seiner Hand über die Stirn. Seine Haut fühlt sich rau an, aber ich weiß, welche Wunderwerke diese Hände vollbringen können. „Deine Stirn ist etwas wärmer als normal, ich glaube, dass du vielleicht einfach etwas gegessen hast, auf das du allergisch reagierst. Mir fällt nichts ein, auf das ich allergisch reagiere, aber trotzdem nicke ich brav. „Na komm“, flüstert Peeta ir ins Ohr und hebt mich auf seine kräftigen Unterarme. Ich spüre, wie sich die trainierten Muskeln unter den Ärmeln seines Shirts bei jedem seiner Schritte mitbewegen. Ich werde von ihm in den Salon zurückgetragen und auf meinen Stuhl gesetzt. Als Peeta von seiner Spontandiagnose erzählt, versuchen alle weitere Diagnosen zu treffen und ich kann mich beruhigt aus dem Gespräch ausklinken. Auch ich überlege, was das eben gewesen sein könnte. So etwas habe ich schon mehrfach gehabt…genauer gesagt immer dann, wenn ich im selben Zustand war… Aber das kann nicht sein, es darf einfach nicht sein. Das wäre zwar die schönste Nachricht, die ich seit langem bekommen habe, allerding kommt sie zu einem äußerst unpassenden Zeitpunkt, ich muss doch jetzt in die Spiele. Ich komme nicht dazu weiter darüber nachzudenken, denn nun werde ich in ein babyblaues, kurzes Kleid gezwängt, dass meine Figur besonders gut zur Geltung bringt, Peeta trägt einen Anzug aus dem gleichen Stoff und in der selben Farbe. Babyblau… Meine Haare werden noch schnell so geflochten, wie ich sie immer trage und dann fahren wir auch schon ins Kapitol ein. Unser Zug wird von vielen aufgeregten Kapitolbewohnern empfangen, die uns zujubeln. Sie freuen sich, dass sie uns endlich wiedersehen dürfen, denn nach meiner zweiten Schwangerschaft haben wir uns fast endgültig aus dem Leben in der Öffentlichkeit entfernt. Es war uns zu stressig, immer perfekt aussehen, immer nett grinsen- obwohl das für Peeta nicht wirklich schwer ist- immer im Mittelpunkt stehen. Doch nun hätte sich das auch erledigt, vielleicht hatten sie ja sorge, dass uns das Leben mit Privatsphäre ganz schnell langweilig werden würde. Als wir aus dem Zug treten, jeder ein Kind auf dem Arm, winken wir der kreischenden Menge lächelnd zu und werden dann von Friedenswächtern, die uns vor der tobenden Menge trennt, und mit Haymitch, Effie und unserem Vorbereitungsteam in Schlepptau zu einer großen Limousine mit abgedunkelten Scheiben durch das Kapitol chauffiert und hinter einer großen Bühne neben dem Präsidentenpalast abgesetzt. Dort, wo Prim gestorben ist. In meinem Mund breitet sich wieder ein eigenartiger Geschmack aus, doch dieses Mal schaffe ich es den Brechreiz zu unterdrücken. Man scheint zu sehen, dass ich mich nicht wohl fühle, denn Peeta drückt mir aufmunternd die Hand und schaut mir mitfühlend in die Augen. Jeder von uns hat jetzt ein Kind an der Hand, auch ihre Kleidung ist
    allerding schwarz, aber Willows Haare sind genauso geflochten, wie meine. Man kann vom Platz lautes Stimmengewirr hören, dass aber plötzlich von einer mir bekannten Stimme unterbrochen wird. „Meine Damen und Herren, willkommen zu den symbolischen Hungerspielen!“ Auf dem Platz wird es schlagartig still.

    7
    7. Kapitel Blair Auf dem Platz vor dem Palast ist es still, man könnte sogar eine Stecknadel fallen hören . Alle sind gespannt, wer in die Arena mus
    7. Kapitel

    Blair

    Auf dem Platz vor dem Palast ist es still, man könnte sogar eine Stecknadel fallen hören . Alle sind gespannt, wer in die Arena musste. Paylor macht eine kurze Pause. Dann beginnt sie mit ihrer Rede: „Am heutigen Tag findet die Ernte statt, es werden dabei 24 Tribute, je ein Junge und ein Mädchen aus den Kapitolskindern ausgewählt und einem der Distrikte zugeteilt. Und hier sind ihre Mentoren…“ Sie tritt einen Schritt zur Seite. Man hört es summen und sieht, wie sich zwei silbern glänzende Metallplatten aus der Bühne in die Luft erheben. Auf ihnen stehen ein Mann und eine Frau, die siegessicher ins gespannte Publikum winken. Die Haare der beiden Mentoren sind schon mit einigen silbernen Strähnen durchzogen, was darauf schließen lässt, dass ihre Hungerspiele schon einige Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte zurück liegen. Trotzdem wirken sie immer noch unglaublich stark, so wie sie sich jetzt hinten auf der Bühne aufstellen. „Distrikt 1: Vera und Ace“, stellt Paylor die beiden vor. Dann erheben sich nach der Reihenfolge ihrer Distrikte mit der Zeit ziemlich viele Metallplatten aus dem Boden, Distrikt 2: Zira und Odan, Distrikt 5: Shiloh und Ethan, Distrikt 10: Athena uns Áneas. Alle sind schon älter, einige sogar schon so alt, dass sie sicher schon Enkelkinder bekommen haben, doch alle wirken kräftig, sehr kräftig. Ich würde meine Hand nicht ins Feuer legen wollen, dass sie in der Arena nicht ungeahnte Kräfte entfalten würden, denn in ihrer Jugend müssen sie ja definitiv kräftig oder äußerst intelligent gewesen sein, sonst hätten sie ihre Spiele nicht gewinnen können. Nun wird es aufregend: Musik wird eingespielt, als eine riesige Metallplatte in die Lüfte gehoben wird, auf der gleich mehrere Menschen stehen. „Aus Distrikt 12“, verkündet die Präsidentin, „Katniss uns Peeta Mellark zusammen mit ihren beiden Kindern Willow und Sam!“ Alle auf dem Platz beginnen noch lauter zu jubeln, als bei den Mentoren zuvor. Katniss trägt das jüngste Kind, Sam, auf der Hüfte, Peeta hat sich neben Willow gekniet. Die gesamte Familie winkt schüchtern ins Publikum. Katniss wirkt blass und ausgezehrt, wenn man genau hinsieht, scheint sie nur ein Schatten ihres früheren Ichs zu sein, doch als Peeta zu ihr hinauf lächelt, erhellt sich ihr Gesicht etwas. Er tut ihr sichtlich gut. Als die Platte wieder auf dem Boden aufgesetzt hat, kommt eine blondhaarige Frau in Overall du mit eleganten Stilettos auf die Bühne und nimmt die Kinder wieder mit von der Bühne, während Katniss und Peeta sich schon Hand in Hand in die Reihe der anderen Sieger aufstellen. Nun tritt auch wieder die Präsidentin vor. „Vielen Dank, dass ihr euch für diese besonderen Spiele zeitgenommen habt, um die Tribute als Mentoren zu unterstützen“, wendet sie sich an die Sieger. Für mich ist es wie ein leichter Tritt in den Magen, durch die Nachrichten ist mir klar geworden, dass die Sieger zum Teil für diese Spiele verantwortlich sind, doch dass sie uns auch noch helfen sollen in der Arena zu überleben kommt mir wie ein Witz vor. Sie haben alle große Rachegelüste auf das Kapitol, wieso sollten sie uns nicht für die Schmerzen, die sie erfahren mussten, nicht auf bezahlen lassen, mit unserem Leben? Doch ich verdränge diesen Gedanken sofort, Sieger wissen genauso gut wie alle anderen, dass wir Kapitolskinder fast am wenigsten etwas für die Hungerspiele können. Paylor wendet sich wieder an die Zuschauer. „Dieses Jahr werden die Spiele anders: Es sind schließlich nur symbolische Hungerspiele. Diese Spiele werden nur diese eine Jahr stattfinden, sozusagen ein Tribut an die tausenden von Tributen, die während der eigentlichen Hungerspiele gestorben sind. Es wird auch niemand sterben müssen, er wird in der Arena nicht von einem Mittribut umgebracht werden“, -die Menge seufzt erleichtert auf, keine Familie wird also ihre Kinder verlieren- „noch werden die Tribute verhungern oder an Krankheiten sterben. Denn sie haben einen kleinen Zusatz, jeder Tribut bekommt einen eigenen Mentor, der mit ihm durch die Arena reist. Die Tode werden lediglich gespielt, es soll eine Erinnerung an alle anderen Spiele davor sein. Der Rest läuft so ab, wie bei allen anderen Spielen auch: Es wird eine Parade durch das Kapitol geben, genauso wie die Interviews und die Trainingswertungen. Auch das Spenden für ihren Favoriten werden natürlich gerne entgegengenommen, diese werden von den zurückgebliebenen Siegern eingelöst werden.“ Nach dieser Ansprache löst sich die gesamte Anspannung von allen Anwesenden. „Diese Spiele werden live übertragen und es ist Pflicht, sie anzuschauen. Diese Regel stieß auf keinen großen Wiederstand, denn fast alle Bewohner des Kapitols waren früher große Fans der Spiele gewesen und freuen sich, dass es wieder etwas vergleichbares auf den Bildschirmen zu sehen gibt. „Und nun kommen wir zu Ernte, wie immer: Laydies first!“ verkündet Präsidentin Paylor und wieder tritt urplötzlich schweigen auf dem Platz ein. Zwei große Glaskugeln werden von schwarz gekleideten Angestellten des Kapitols auf sie Bühne geschoben, rechts für die Mädchen, links für die Jungen. Viele kleine Zettelchen liegen durcheinander darin. Wie viele davon wohl meine sind? „Distrikt 1“, verkündet Paylor und greift in die Kugel mit dem Zetteln der Mädchen. „Doria“, liest sie vor. Ein Teil der Anspannung des Publikums fällt, als ein kräftiges, dunkelhaariges Mädchen auf die Bühne tritt und selbstsicher eine Hand in die Höhe streckt. „Valentin“, liest Paylor auf dem Zettel vor, der aus der Kugel der Jungen stammt. Nach und nach kommen immer mehr Tribute auf die Bühne, stellen sich zu den Mentoren und bekennen sich so zu einem der Distrikte. Distrikt 4: Grant und Harper, Distrikt 7: Jermain und Rainbow, Distrikt 10: Gabriel und Thea. All diese Tribute sind nicht jünger als 14 Jahre und ich freue mich schon, dass es dieses Jahr vielleicht keinen 12- jährigen Tribut geben wird, doch dann kommt sie, als Ira die Bühne betritt wird aus der gelassenen Stimmung ein bedrücktes Schweigen. Egal ob töten nun dabei ist, oder nicht, die meisten wollen nicht, dass ein so junges Kind schon bei etwas vergleichbarem wie den Hungerspielen mitmachen soll, doch so sind nun einmal die Regeln. Doch Ira wirkt optimistisch und stellt sich zu ihren Mentoren Savanna und Damian, die sie mit offenen Armen empfangen. Die ganze Zeit denke ich die Dinge noch einmal durch, irgendwo muss es doch einen Harken geben, wieso sollte dien Regierung so etwas veranstalten, wenn sie keinen Profit daraus ziehen kann? Ich habe keinen blassen Schimmer und mir fällt auch nichts Falsches am Regelwerk auf. Plötzlich werde ich werde aus meinem stetigen Gedankenkarussel gerissen. „Distrikt 12: Blair Snow“. Von der Bühne hört man jemanden laut aufschreien, ein dumpfes Poltern und einen jungen Mann, der panisch nach den Sanitätern ruft.

    8
    8. Kapitel Katniss Piep. Piep. Piep. Ich höre das Piepen, ich habe es schon mehrfach gehört, als ich in Distrikt 13 war. In der Krankenstation. In m
    8. Kapitel

    Katniss

    Piep. Piep. Piep. Ich höre das Piepen, ich habe es schon mehrfach gehört, als ich in Distrikt 13 war. In der Krankenstation. In mir steigt Panik auf: Ist wieder eine Bombe hochgegangen? Doch ich schaffe es mich zu beruhigen. Das Piepen und mein Herzschlag sind genau im selben Takt, ich zähle einfach mit…Eins, Zwei, Drei… Bei einhundert fange ich wieder von vorne an. Eins, Zwei, Drei… Ich habe meine Augen immer noch nicht geöffnet, das Licht ist wahrscheinlich auf ein Minimum heruntergefahren, doch durch meine geschlossenen Augenlieder wirkt es für mich so, als würde ich direkt in die grelle Sonne blicken. In meinem Unterleib pocht es schmerzhaft, ich kann mich gerade noch daran erinnern, dass es bei einer Rede, die ich nicht einordnen kann, genauso weh getan hat, und dass es plötzlich ganz schlimm wurde, ich weiß nicht, wieso. Plötzlich geht die Tür auf, ich höre, wie jemand mit leisen Schritten durch den Raum geht. Wenn man genau hinhört, dann erkennt man aber auch, dass ein Bein nicht das Richtige ist, es muss Peeta sein. Peeta bleibt immer noch leise, als er sich einen Stuhl an mein Krankenbett heranschiebt und mit seinen rauen Händen meine linke Hand umschließt. Jetzt habe ich keinen Zweifel mehr, es muss Peeta sein, denn nur er hat eine so beruhigende Wirkung auf mich. Meine Panik, die die gesamte Zeit versucht hat an die Oberfläche zu dringen, ist versiegt und ich werde ruhig, ja in einen beinahe meditativen Zustand versetzt. Wir verharren so einige Momente, Peeta streicht beruhigend über meine Hand und ich zähle die Atemzüge, wir atmen fast synchron. Dann öffne ich die Augen, nur ganz leicht, ich habe Angst vor dem grellen Licht. Als erstes sehe ich die Zimmerdecke, sie ist mit Holz verkleidet, helles Holz mit dunklen Flecken, dort, wo sich am Baum noch Äste befunden haben, wahrscheinlich das Holz einer Birke. Dann hebe ich leicht den Kopf, er pocht auch, aber längst nicht so schmerzhaft, wie mein Unterleib. Die Wände sind weiß verputzt und es wurden bunte Bilder aufgehängt, der Boden ist mit einem Teppich ausgelegt, es sieht sehr kuschelig aus. Ich spüre, dass Peeta mir sanft durchs Haar streicht und meinen Namen wispert. „Katniss…“ Er hört sich irgendwie erleichtert an, aber in seiner Stimme schwingt auch etwas Trauer mit, wieso nur? Vorsichtig wende ich meinen Kopf zu ihm, sein Gesicht ist bleich und er wirkt abgekämpft, und doch bringt er noch ein Lächeln für mich zustande. Ich bin so froh, dass ich ihn habe, ich brauche ihn…Dies ist wieder einer dieser Momente, in denen ich mich selbst dafür hasse, dass ich das nicht früher begriffen habe, aber das ist jetzt nicht mehr zu ändern. Ich muss die Zeit, die ich jetzt mit ihm habe genießen und darf nicht an unsere früheren Zeiten zurückdenken. Ich lächle zurück und hebe meinen Kopf, um ihn zu küssen. Doch er drückt mich wieder zurück in die Kissen und gibt mir einen leichten Kuss auf die Stirn. „Katniss, du musst dich schonen“, flüstert er. Ich bin noch komplett verwirrt. „Was ist denn passiert?“, frage ich mit irritierter Stimme. Ich kann mich nur an die schlimmen Schmerzen in meinem Unterleib erinnern, mehr weiß ich nicht. Für einen kurzen Moment ist es still im Raum, doch dann hört man Peeta seufzen. „Wusstest du, dass du schwanger bist?“ Schwanger. Seine Stimme scheint im Raum widerzuhallen. Schwanger. Ein Gefühlsstrudel überrollt mich. Ständige Übelkeit. Sehnsucht zu meiner Familie. Die Trauer um all die Toten, die mich die letzten Tage des übermannen wollte. Die Schmerzen, die immer noch in meinem Körper wiederhallen und vor einigen Stunden noch viel stärker waren, kaum aushaltbar. Ich nicke leicht und er fährt sich mit beiden Händen über das Gesicht. „Ich habe es auch vermutet…“, gesteht er. „Du hast eines noch bei der Ernte verloren“ Es ist wie ein Schlag in meine Magengrube, ich empfinde nur den Schmerz dort. Sonst bin ich nur erstarrt. Es ist unfassbar. Ich habe erst vor knapp einem Tag erfahren, dass wir noch ein Kind bekommen werden, und ich war mir dabei noch nicht einmal sicher. Ich habe mir gewünscht, dass ich erst später schwanger geworden wäre, so hätte mein ungeborenes Kind nicht in die Spiele gemusst. Ich kann es nicht ertragen, eines meiner Kinder, ob nun geboren oder noch ungeboren, bei den Spielen dabei sein müssen. Ich bin so getroffen, dass ich erst nur an diesen einen Satz denken kann: „Du hast eines noch bei der Ernte verloren“. Auf einmal werde ich stutzig: Nur eines soll ich verloren haben? „Nur eines“, frage ich auch Peeta. „Ja“, antwortet er, „Das andere lebt noch bei dir.“ Die Zahnrädchen in meinem Hirn beginnen, sich wieder zu drehen. Eines lebt noch, eines hat noch die Chance diese Welt kennenzulernen. Ich bin dankbar, es waren Zwillinge. Peetas und meine Zwillinge. Doch ich bin auch betroffen: Jetzt muss dieses kleine Wesen in mir in die Spiele, es wir schwer werden, auf es aufzupassen. Aber ich muss es schaffen. Dieser Kleine hier ist ein Kämpfer, er hat es definitiv verdient zu leben. Und jetzt ist es meine Aufgabe auf ihn aufzupassen. Dies ist eine Aufgabe, die ich schaffen muss! Des klopf an der Tür und Effie kommt gefolgt von Haymitch in den Raum gestürmt. „Süße, wir haben ein Problem“, sagt er. Er scheint es erst zu meinen, seine Augen glitzern gefährlich. Effie spurtet zu mir und drückt mich fest an sich, doch sie achtet darauf, dass sie mir nicht weh tut. „Es ist auch immer wieder schön dich zu sehen, Haymitch“, antworte ich. In meiner Stimme schwingt ein leicht gehässiger Unterton mit. Haymitch stützt sich mit beiden Händen auf die glänzenden Metallstangen am Ende meines Krankenbetts und funkelt Peeta und mich an. „Ihr sucht euch echt bescheidene Augenblicke für so etwas aus. Ihr hättet es uns doch wenigstens der Regierung sagen können, dann wäre das alles wohl nicht in so einer Katastrophe geendet.“ Er schnaubt. Effie legt ihm beruhigend eine Hand auf die Schulter, doch Haymitch scheint sie nicht zu registrieren. „Wir wissen erst seid wenigen Stunden, dass wir noch ein Kind bekommen und wir sind auch nicht davon ausgegangen, dass es Zwillinge werden würden.“ Haymitch rauft sich die Haare und geht nun ungeduldig im Zimmer umher. Er scheint sich etwas abreagiert zu haben. „Jetzt müssen wir uns zwingend etwas anderes überlegen. Nach dem Regelwerk muss Katniss als Mentorin in die Arena, aber das ist in ihrem Zustand ja nur zumutbar. „Was für ein Zustand denn bitte?“ ich bin ärgerlich. Haymitch schnaubt: „Was für ein Zustand, fragt sie. Süße, begreif es! Du bist schwanger! Schwanger! Wenn man dich in die Arena schicken würde, wäre das der reinste Selbstmord, für dich und für das Kind. Du wirst irgendwann nicht mehr kräftig genug sein, um dich gut genug um deine Tributin und dich kümmern zu können.“ Das reicht mir. Ich schwinge meine Beine aus dem Bett. Ich werde ihm jetzt zeigen, dass ich trotz meines Zustandes, wie er es nennt, immer noch gut genug bei Kräften bin. Ich reiße mir den Venenkatheter heraus, der an der Unterseite meines Handgelenkes angelegt ist, heraus, es fängt sofort stark an zu bluten. Effie schreit auf, Peeta und Haymitch sind still, sie sind wohl einfach geschockt von meiner heftigen Reaktion. Ich bin noch durch einige weitere Kabel mit diversen Geräten verbunden, auch diese reiße ich hemmungslos ab. Als Reaktion darauf fängt nahezu alles laut an zu piepen und zu zischen. Ich stehe auf und will zur Tür rennen, doch schon nach zwei Schritten knicken meine Beine unter mir weg, ich beginne zu schreien. Ich bin verzweifelt, ich bin einfach zu schwach, Haymitch hatte recht. Ich habe nicht bemerkt, dass ein halbes Dutzend Ärzte in mein Krankenzimmer gestürmt ist. Als jemand eine Beruhigungsspritze in meine Arm jagt, wir alles schwarz um mich herum.

    Ich wache mit einer Beatmungsmaske auf. Das Gummi fühlt sich zu eng um meine Kopf an. Ich versuche die Maske abzustreichen, doch zwei kühle, raue Hände rücken sie wieder an den richtigen Platz zurück. Peeta. Er ist da, um auf mich aufzupassen, um mich vor meinen Panikattacken zu schützen. Doch es fühlt sich alles so an, wie in meinen schlimmsten Erinnerungen: die Rebellion, meine seelischen und körperlichen Verletzungen. Nur, dass Peeta da ist und dass er mich nicht hasst. Zu meiner eigenen Beruhigung fange ich an zu singen. Das hat mich schon immer von der Welle der Panik heruntergeholt.



    Auf dieser Wiese unter der Weide, Ein Bett aus Gras, ein Kissen wie Seide. Dort schließe die Augen, den Kopf lege nieder. Wenn du erwachst scheint die Sonne wieder.



    Erst, als ich die erste Strophe gesungen habe, merke ich, dass ich das Berglied singe. Das Lied sang ich schon für Prim, für Rue und für meine Kinder. Jetzt singe ich es nicht mehr für mich, ich singe es für das Kind, dass noch keine Möglichkeit hatte, diese Welt zu sehen. Für das Kind, dass seinen Zwilling verloren hat. Tränen steigen mir in die Augen, es fühlt sich so an, wie damals in der Arena, als ich Rue in den Tod sang. Trotzdem singe ich tapfer weiter.



    Hier ist es sicher, hier ist es warm, Hier beschützt dich der Löwenzahn. Süße Träume hast du hier und morgen erfüllen sie sich. An diesem Ort, da lieb ich dich.

    Auf dieser Wiese, im tiefen Tal, Ein Blättermantel, ein Mondenstrahl. Dort vergiss den Kummer, leg beiseite die Sorgen. Fortgespült sind sie am Morgen.

    Hier ist es sicher, hier ist es warm, Hier beschützt dich der Löwenzahn. Süße Träume hast du hier und morgen erfüllen sie sich. An diesem Ort, da lieb ich dich.



    Ich singe dieses Lied für den toten Zwilling, für das Kind, dass ich noch nicht einmal kennenlernen durfte. Eine Träne rinnt aus meinem Augenwinkel in meine Haare, die sich um meinen Kopf herum kräuseln. Peeta streicht sie liebevoll beiseite, sagt jedoch nichts. Nach einer Weile kommt eine Krankenschwester ins Zimmer. Sie ist sehr freundlich und mit ihrer und Peetas Hilfe schaffe ich es, auf Krücken drei Mal im Gang hin und herzugehen. Wir unterhalten uns über banale Dinge wie das Wetter, aber ich bin auch froh, dass ich mal wieder mit einer fremden Person sprechen kann. Ich muss jämmerlich aussehen, aber beide sind besorgt um meine Wohlbefinden und nach der zweiten Runde bin ich schon außer Atem. Vielleicht hatte Haymitch doch recht. Aber ich muss einfach bis zu den Spielen wieder zu Kräften kommen. Das Essen im Krankenhaus ist spartanisch dafür, dass ich mich im Kapitol befinde, doch ich stopfe alles in mich hinein. Zum einen, weil ich wirklich Hunger habe, zum anderen, weil ich wenigstens etwas Speck bis zu den Spielen ansetzen muss. Der Arzt kommt am Abend vorbei, tastet kurz meinen Bauch ab und fühlt meinen Puls. Dann kommt er zu dem Schluss, dass ich morgen früh ins Trainingscenter ziehen kann. Die einzige Voraussetzung ist, dass ich versuche, mich zu entspannen, so gut es eben zu dieser Zeit geht. Als Peeta fragt, ob ich mit in die Arena muss, seufzt der Arzt laut. „Meiner Meinung nach währe das keine Optimale Lösung für Mutter und Kind, nur leider kann ich da nichts machen.“ Er hat also versucht sich für uns einzusetzen. Ich bin ihm dankbar dafür, auch, wenn es nicht geklappt hat. Peeta bleibt die ganze Nacht bei mir.

Kommentarfunktion ohne das RPG / FF / Quiz

Kommentare autorenew