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Die Entführung

Ich hatte nicht vor entführt zu werden. Und ich hatte schon gar nicht vorgehabt, als Geisel durch halb Europa zu reisen.
Aber Owen Kenneth hatte offenbar andere Pläne.
Und ich musste versuchen in dieser neuen, kriminellen Welt zu überleben.
Wenigstens hatte ich Owen auf meiner Seite, das glaubte ich zumindest...

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Als mein Kopf mein Knie berührte, wusste ich dass es keinen Ausweg mehr gab. Dunkelheit umgab mich und das einzige, dass ich hören konnte war das Keuchen und Schluchzen meiner kleinen Schwester. Der Gedanke an sie machte mich wahnsinnig und ich trat aufgebracht gegen den Kofferraum. Nun ja, treten so gut ich das in dieser Enge eben konnte.
Meine Handgelenke brannten von den schmutzigen Seilen, an denen schon leicht Blut geklebt hatte, bevor man sie mir und meiner Schwester angelegt hatte. Namina, meine Schwester, hatte sich bei dem Anblick übergeben. Als sie nicht aufhörte zu wimmern, hatte einer der Männer sie geschlagen und so zum Schweigen gebracht. Ich hatte nichts dagegen machen können. Und trotz allem hatte keiner der Männer auch nur ein Wort mit uns gewechselt. Sie hatten uns aus der Ferienwohnung geschleift, geknebelt und uns in den Kofferraum geworfen, wie Leichensäcke, die wir bald vielleicht auch seien würden.
Noch eine Stunde zuvor hatte ich mich so sicher gefühlt wie immer. In einer hellen Wohnung, relativ zentral in der Stadt gelegen und mit Straßenlaternen direkt vor der Tür. Ich war mir immer sicher gewesen, dass man nur aus dunklen Gassen und Clubs entführt wurde, und nicht aus der eigenen Wohnung. Oder Ferienwohnung. Doch es hatte nur knappe zehn Minuten gedauert bis die vier Männer uns beide von der Couch, in den Kofferraum ihres Jeeps geschleift hatten und losgefahren waren. Ich hatte getreten, geschrien und gebissen. Ich hatte alles getan was ich im Selbstverteidigungskurs vor ein paar Jahren gelernt hatte und nichts hatte uns hier vor bewahren können.
"Laila bist du wach?" Die Stimme meiner kleinen Schwester ertöne so leise hinter mir, dass ich sie fast nicht gehört hätte.
"Wer kann bei einer Entführung einschlafen Namina? Besonders wenn sie erst vor einer halben Stunde stattgefunden hat" zischte ich gereizt zurück.
"Vielleicht vor Stress" antwortete sie beleidigt. Ich verdrehte die Augen, ließ mich aber auf das Gespräch ein, um Namina ein Gefühl von Sicherheit zu geben. Sicherheit, in der wir uns beim besten Willen nicht befanden. Aber vielleicht auch, um meinen eigenen rebellierenden Magen ein wenig zu beruhigen.
"Ich schlafe nicht Namina, keine Sorge. Ich bin bei dir."
Namina begann wieder leise zu schluchzen. "Sie werden uns töten nicht wahr?"
Ich wollte ihr nicht antworten. Ich hielt es für viel wahrscheinlicher, dass man uns verkaufen, vergewaltigen oder vielleicht sogar versklaven wollte. Aber das behielt ich für mich.
"Nein, dass glaube ich nicht. Dann hätten sie uns schon getötet, Namina. Sie wollen bestimmt nur Lösegeld von unseren Eltern oder sowas." Ich versuchte zu verhindern, dass meine Stimme zitterte.
"Mum und dad haben kein Geld..." flüsterte sie. Ich seufzte und antwortete ihr nicht mehr. Sie hatte Recht und dass wussten wir beide.
Als der Wagen hielt waren wir bestimmt nicht länger als eine Stunde gefahren, doch es fühlte sich wie eine halbe Ewigkeit an. Gleißend helles Licht fiel in den Kofferraum und blendete mich. Ich kniff angestrengt die Augen zusammen, als mich vier Hände packten und hoch rissen.
Das erste was ich sah waren die Bäume. Dann wanderte mein Blick über die Lichtung. Holzpflöcke waren in die schlammig, feuchte Erde gerammt und Mädchen waren daran festgebunden. Sie sahen nicht minder schockiert aus, als ich mich selbst fühlte. Um die Lichtung herum hatten schwarze Autos geparkt und vor ihnen standen einige Männer. Keiner von ihnen sah weniger gefährlich aus als diejenigen, die mich gerade an einen der Pflöcke bunden.
Ich sah hoch und blickte in das Gesicht des Mannes, der meine Schwester geschlagen hatte.
Er grinste mich höhnisch an und ließ dann seinen Blick prüfend tiefer wandern.
Galle stieg in mir hoch als ich seinen dreckigen Gesichtsausdruck sah.
"Für die bekommen wir bestimmt noch einen saftigen Preis" grollte er und packte mein Kinn, um mich von allen Seiten betrachten zu können. "Sie ist jung und bestimmt noch Jungfrau. Mit den Titten wird das was." Er lachte und sein Mitstreiter stimmte mit ein, als sie mir den Rücken zu wanden.
Ich hatte mir immer geschworen, dass ich ein mutiger Mensch war. Ein Hauptcharakter in meinem eigenen Leben und so rebellisch wie die Frauen in meinen Büchern. Doch jetzt und hier fühlte ich nichts von dem versprochenen Mut. Ich spürte nur Angst, Panik, den Drang meine Schwester zu retten und mich in die Arme meiner Eltern zu werfen.
Sie mussten noch im Restaurant sein, in das sie hatten gehen wollen. Sie würden erst in ein oder zwei Stunden zurück sein und ich spürte mein Herz förmlich reißen, als ich an das entsetzte Gesicht meiner Mutter denken musste.
Als ich die Geräusche herannahender Autos hörte, blickte ich hoch. Und sah in die Augen eines hochgewachsenen Mannes. Er stand ein wenig abseits, an ein Auto gelehnt und beobachtete mich mit leicht zusammen gekniffenen Augen. Die Männer um ihn herum waren dieselben, die meine Schwester und mich entführt hatten. Starke Hauptrolle Laila, starke Hauptrolle, ermahnte ich mich selbst, als ich genauso intensiv zurück starrte.
Ich wusste nicht ob das klug war, wahrscheinlich eher nicht, doch ich beschloss nicht den Schwanz einzuziehen. Der Mann trug ein leicht aufgeknöpftes, dreckiges Hemd und darüber ein Jacket. Seine Hose war eine schichte, schwarze Jeans und dazu trug er Anzug Schuhe. Er stach ein wenig ins Auge mit seinen offensichtlich nicht hierher passenden Klamotten, doch das schien ihn nicht zu kümmern, als er nun den Blick über meinen Körper gleiten ließ.
Ich versteifte mich unter seinem Blick, was er bemerkt zu habe schien, denn er legte den Kopf leicht schräg und betrachtete mich amüsiert. Sein Blick machte mich wütend. Er hatte kein Recht mich so zu betrachten, geschweige denn sich ein Urteil von mir zu bilden. Ich starrte sauer zurück und versuchte ihn so gut anzufunkeln, wie das in meiner Position eben möglich war.
Er lächelte bloß zurück und wandte den Kopf den ankommenden Autos zu. Auch ich widmete meine Aufmerksamkeit nun den Autos und versteifte mich noch weiter, als ich die teilweise unglaublich alten Männer aus den Wagen aussteigen sah.
Ich hörte Namina wieder wimmern und bedeutete ihr mit einem Fußtritt, keine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Dabei spürte ich den Blick des Mannes auf meiner Haut brennen. Ich ignorierte ihn und beobachtete, wie nun jedes einzelne Mädchen an den Pfosten gezeigt wurde. Dann begannen die Männer zu bieten, bis jedes Mädchen verkauft war. Das hier war ein scheiß Mädchen-Kaution.
Mit jeden weiteren Mädchen schnürte sich mein Brustkorb weiter zusammen und meine Panik stieg. Der Mann betrachtete mich weiter seelenruhig und wechselte hin und wieder ein Wort mit den anderen Männern.
"Hier haben wir ein Brünette!"
Ich wurde auf die Füße gerissen und bevor ich richtig Halt finden konnte, hatte man mir die Hose und das Shirt ausgezogen und in den Schlamm hinter mir geworfen. Ich hielt die Luft an. Ich spürte wie mir die Röte in den Kopf schoss und ich meine Beine noch etwas fester zusammen presste, bei den widerwärtigen Blicken der Männer. Diese Geste brachte mir ein ziemlich unfreundliches Lachen ein.
"Einen Meter und siebzig groß, perfekte Größe für alles was sie mit diesem Objekt vor haben."
Wieder ein Lachen. Objekt. Ich begann zu zittern, ob vor Kälte, Scham oder Angst wusste ich nicht.
"Schöner Körper wie Sie sehen können, Herrschaften. Einige, wenige Muskeln, die sich bezahlt machen können und ein hübsches Gesicht" schloss der Mann und sah an mir herunter.
Ich zitterte nun am ganzen Körper und die Unterwäsche, die mir noch geblieben war, fühlte sich durchsichtig und nicht existent an.
In meinen Ohren begann es zu rauschen, als die Männer anfingen für mich zu bieten.
Ich hörte sie nicht, ich hörte gar nichts mehr. Es war als hätte mir die Angst erst den Verstand und nun die Sinne vernebelt. Selbst wenn ich frei gewesen wäre, in diesem Moment konnte ich mich kein Stück bewegen.
"Ich werde sie nehmen" eine angenehme, junge Stimme drang an mein Ohr. Sie war so nah, dass ich zurück zuckte.
Seine Hand griff nach meinem Oberarm und drehte mich langsam während er mich betrachtete. Sein Griff war schmerzhaft, aber im Vergleich zu dem seiner Männer, fast schon angenehm.
Seine Augen huschten über meinen Körper. An keiner Stelle blieben sie lang und doch kam es mir so vor, als würde er jedes Detail registrieren.
"Sie wird als der Lohn dienen, der mir normalerweise zusteht. Das werdet ihr akzeptieren, nachdem ich nie eines der Mädchen kaufen wollte, richtig Richard?" seine Stimme blieb ruhig und doch hörte selbst ich die leise Warnung dahinter.
Richard, der offensichtliche Leiter dieser Kaution, betrachtete erst den Mann und dann mich.
"Wenn du es so willst Kenneth, auch wenn ich anmerken will, dass sie bestimmt nicht so viel wert ist..." Er sah mich abschätzend an und zuckte dann aber mit den Schultern.
"Wie du willst." Er gab mir einen kleinen Schubs in Kenneth Richtung und ging weiter zu meiner Schwester.
Der Mann, Kenneth, griff erneut nach meinem Arm und zog mich in die Richtung der Jeeps. Beim Gehen begann sich der Nebel in meinem Kopf zu lichten und ich blieb stehen. "Meine Schwester ich kann nicht.."
Ich merkte selbst wie rau und abgehackt ich klang, doch das störte mich nicht. Ich musste meine Schwester retten. Kenneth fuhr sich durch die Haare und seufzte genervt.
"Komm gefälligst mit."
Er wollte mich weiter ziehen, doch ich stemmte die Füße in den Boden und versuchte mich aus seinem Griff zu befreien. Nicht sonderlich erfolgreich. Er sah mich böse an. Dann zuckte er mit den Schultern.
"Wie du willst, Prinzessin" knurrte er und warf mich über die Schulter, wie einen Sack Reis.
Ich wollte mich wehren, doch als ich mit dem Kopf nach unten baumelte wurde mir meine Nacktheit schmerzlich bewusst und mir wurde übel.
Beim Jeep angekommen setzte er mich auf die Füße und öffnete den Kofferraum. Erschrocken wich ich einen Schritt zurück und prallte gegen den Körper einer der Männer. Er lachte und ich spürte, wie seine Hand an meinem Oberschenkel hoch zu meinem Hintern strich.
Mit einem Quietschen, das ich nicht verhindern konnte, sprang ich zurück in Kenneth Richtung.
Die Männer lachten.
Kenneth lachte nicht. Er drückte mir das Shirt in die Hand, dass er aus dem Kofferraum geholt haben musste und wandte sich an die Männer. Schnell schlüpfte ich hinein und stellte fest, dass es Kenneth gehören musste. Es reichte bis zur Hälfte meines Hinterns, verdeckte diesen jedoch nicht ganz, sodass ich das T-Shirt weiter runter zog und festhielt.
"Wag es dich ja nicht mein Eigentum anzufassen, Joe. Sonst werde ich dir zeigen, was ich mit Männern mache, die meine Regeln nicht akzeptieren." Kenneth Miene blieb ernst und die Männer verstummten.
Eigentum, mir wurde mulmig.
"Sorry Boss" murrte Joe und warf mir einen gehässigen Blick zu.
Kenneth wandte sich nun auch wieder mir zu und betrachtete mich kurz. Dann nickte er und zog mich am Arm zur Hintertür des Jeeps.
"Einsteigen." Er öffnete die Tür des Wagen und ich wurde erneut panisch.
"Ich kann nicht, meine Schwester, ich muss nach Hause" ich begann zu wimmern, wie meine Schwester vor mir, doch in Kenneth Miene las ich nicht den Hauch von Mitleid. "Ich sagte, einsteigen" fauchte er und noch bevor ich reagieren konnte, hatte er mich auf den Rücksitz geschubst und die Tür zu geknallt.

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