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Beim hundertersten Mal geht alles schief

Als Helenas magische Kugel zu Bruch geht, macht sie sich auf, um die Konsequenzen so gut wie nur irgend möglich abzuwenden. ~ Eine Story mit dem Grundgedanken ... Schützt die Natur.

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    Hallo o(*^@^*)o

    Dies ist meine Geschichte für den Schreibwettbewerb mit Bedingungen von VikTak, in dieser Runde mit folgenden Vorgaben:

    - mindestens 1000 Wörter
    - (zumindest in einem Teil der Geschichte) Thema Wurzeln
    - eine der Figuren soll kein Mensch sein


    Meine Geschichte hat 1356 Wörter.

    Hoffentlich gefällt sie euch. Es ist echt nicht meine beste, aber was soll's:)

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    Mit schweißüberströmtem Gesicht lehnt sie sich an die raue Rinde der gewaltigen Eiche und lässt erschöpft ihren Kopf zurückfallen, ihr Atem geht schwer. Der Spaten fällt mit einem dumpfen Aufschlag neben ihr zu Boden. Er hat gute Dienste geleistet. Durch mehrere Tage intensiver Arbeit, Tausende von schmerzenden Blasen, unzählbare Gedanken ans Aufgeben, entstand das gewaltige Loch zu ihrer Linken. Daneben türmt sich ein riesiger Berg aus Erdklumpen, Dreck und anderen Überresten aus längst vergangenen Zeiten. Minutenlang sitzt sie nur so da und beruhigt ihren Atem, während sie mit dem an den Baumstamm gelehnten Kopf in die volle Baumkrone starrt. Kaum kann Licht hindurchdringen, so dicht ist das Blattwerk. Ein leiser Windhauch fährt durch die Äste und nicht nur die raschelnden Blätter scheint er wiederzubeleben. Auch das Mädchen richtet sich nun wieder auf und nähert sich leicht schwankend vor noch immer andauernder Erschöpfung dem Loch im Erdboden. Gute dreißig Meter tief und in der obersten Schicht mit einem Durchmesser von knappen fünf Metern. Es ist endlich fertig. Endlich. Es ist das Ziel, das sie so verbissen verfolgt hat.
    ✿✿✿
    „Daro, du gibst das sofort wieder her!“, rief sie dem Wichtel genervt zu, welcher mit durchscheinenden, pergamentartigen Flügeln in der Zimmerecke flatterte und schadenfroh grinste. „Hol es dir doch selber“, lachte er keckernd und drehte waghalsige Pirouetten durch das Zimmer, die magische Kugel immer in der Hand. Erschöpft ließ sich Helena auf dem mit bunt bestickten Decken gezierten Bett nieder. „Bitte, Daro. Du weißt, dass das echt in Hose gehen kann.“ „Hab ich vergessen“, hörte sie ihren kleinen Freund in schrägem Singsang sagen, doch es klang keineswegs ernst gemeint. Ein kurzer Blick zur Zimmerdecke bestätigte ihre Gedanken. Mit dem Kopf nach unten hing er von der geschmückten Zimmerlampe, die Kugel in den ausgestreckten Ärmchen mühsam in die Luft haltend, das Grinsen doch noch immer nicht verloren. „Ich hab echt keine Lust mehr, dir ständig hinterherzuschreien“, murmelte das Mädchen, während es sich zurückfallen ließ und mit ausgebreiteten Armen auf ihrem Bett liegen blieb. Der Wichtel kicherte nur.
    Eine Weile rührte Helena sich nicht, hielt lediglich die Augen geschlossen, horchte in sich hinein. Es hatte tatsächlich keinen Sinn, auch nur den schwachen Versuch zu unternehmen, Daro ansatzweise zu erziehen. Ihr Puls schlug langsam wieder ruhig.
    Erst ein ohrenbetäubendes Klirren ließ sie hochschrecken und kerzengerade auf ihrem Bett sitzen. „Was hast du gemacht?“, fragte sie alarmiert, ihr Blick huschte suchend durch das Zimmer. Und sie schlug erschrocken die Hand vor den Mund. „Bist du verrückt?“, schrie sie den Wichtel an, stürzte schnellen Atems zu den auf dem Teppich liegenden Scherben. Hilflos versuchte sie, zwei zusammenpassende Teilchen wiederzusammenzustecken, aber sie fielen unumstößlich zurück in den kleinen Haufen. In ihr schien ebenfalls etwas zerbrochen zu sein. Irgendetwas, das nun ihr Herz schwer werden ließ. Jeder hatte so eine Kugel. Warum, wusste niemand. Aber sie durfte unter keinen Umständen kaputt gehen. Warum, wusste ebenfalls niemand. Es war einfach so. Menschen, deren Kugel zerbrach, passierten schreckliche Dinge. Was genau, das wusste niemand. Denn keiner von jenen, die ebendieses Schicksal ereilt hatte, hatte überlebt.

    In einer bodentiefen Verbeugung trat sie vor den hölzernen, mit aufwendigen Schnitzereien versehenen Thron und wartete ab. „Guten Tag“, sagte die weiche Stimme Aeryns würdevoll, was Helena als Zeichen galt, sich wieder aufzurichten. Während sie möglichst unauffällig ihre Hand über einen kleinen Fleck auf ihrem samtgrünen Kleid wandern ließ, suchten die Augen Aeryns, so blau wie der Himmel, ihren Blick. „Was führet dich zu mir?“ Aufrecht saß sie auf ihrem Thron, ihre Aura wirkte majestätisch, doch gleichzeitig weich und vertrauenswürdig. Ihre Haare, golden wie die besten Strahlen der Sonne, waren in komplizierten Flechtfrisuren hochgesteckt worden. „M-meine Kugel“, erwiderte Helena, versuchend, ihre Stimme so fest klingen zu lassen, wie nur irgend möglich, „sie ist zerbrochen.“ Mit vor Nervosität zitternden Händen griff sie fahrig in ihre Tasche, holte auf ihrer flachen Hand die Stücke hervor. Ihr Blick richtete sich auf die Oberste des Landes, deren Augen doch lagen geweitet auf den Splittern. Einige Sekunden lang herrschte Stille. Dann richtete sich Aeryns Blick erschrocken und langsam auf Helena. „Wie hat sich dies zugetragen?“, fragte die majestätische Frau, vor Verblüffung bewegten sich ihre Lippen leicht, ohne Töne abzugeben. „Mein Wichtel“, erklärte Helena mit klopfendem Herzen, „Daro, er … sie ist ihm heruntergefallen.“ „Warum?“ „Keine Ahnung, er hat rumgetur–“ Helena wurde unterbrochen von einer kurzen Handbewegung Aeryns. „Nein, weshalb hast du das zugelassen?“, fragte sie. Ihre Hände krallten sich nun wieder in die Armlehnen ihres Throns, sodass die Knöchel weiß aus ihren zarten Fingern hervortraten. „Das weiß ich nicht, es … sonst ist nie etwas passiert.“ Zitternd steckte Helena die Splitter wieder in die rote Umhängetasche, „ich bin hergekommen in der Hoffnung, Ihr wüsstet eine Lösung. Etwas, das das Schlimmste abwendet?“ Nervös sah sie Aeryn in die Augen. Dies war der Moment, der Augenblick, der ihr Schicksal besiegeln würde. „Hundert Mal geht alles gut“, sagte die Oberste leise, „aber beim hundertersten Mal passiert das Gegenteil“, ihr Blick richtete sich wieder starr auf Helenas Augen, „Suche die Wurzeln deiner Vorfahren, deine einzige Hoffnung ruht bei ihnen.“

    Die Tränen liefen ihre Wangen in Bächen hinab, während sie zusammengesunken über dem leblosen Körper beugte. Ein kleiner Haufen, ehemals ein risikofreudiger Wichtel. Ein Ergebnis der zerbrochenen Kugel. Sie unternahm gar nicht erst den Versuch, die Tränen wegzuwischen, ließ sie einfach laufen, ihr die Sicht verschleiern. Vorsichtig und mit zitternder Hand berührte sie Daro sanft an der Wange. Seine Haut war kalt. Sie zog die Hand wieder zurück, umfasste sie mit ihrer anderen und es entfuhr ihr ein leiser Schluchzer. „Warum?“, flüsterte sie erstickt, mittlerweile schwammen ihre Augen in Tränen, sodass sie nicht mehr als verschwommene Bilder wahrnehmen konnte, „warum hast du mich gerade jetzt im Stich gelassen?“ Ihr Herz fühlte sich an, als zerrte jemand ununterbrochen daran herum und sie schlug verzweifelt die Hände vors Gesicht. Sie musste unbedingt handeln. Denn unter keinen Umständen durften weitere derartig schreckliche Dinge geschehen. Unter keinen Umständen. Sie schluchzte erneut.

    Mit einem lauten Klatschen ließ sie die Bücher auf den Tisch fallen und schwang ihre Beine auf die andere Seite der langen Sitzbank. Umgeben von riesigen Regalen, so hoch und lang, dass kein Ende zu erahnen war, schlug sie einen der dicken Wälzer auf und blätterte wahllos in den vergilbten Seiten. Irgendwas musste hier doch zu finden sein. Irgendwas. Helena stützte den Kopf in die Hände, brütete mit noch heißen Wangen vom dauerhaften Weinen über den langen Texten. Stunden, Tage, Wochen. Nichts. Erst am Donnerstag der dritten Woche wurde sie fündig. „Ja“, murmelte sie erleichtert und atmete auf. Endlich eine Spur, wenn auch eine sehr undefinierte. „Wurzeln“, hieß es in dem etwa tausendsten von ihr durchkämmten Buch, „Ein Synonym, gleichbedeutend mit einer mathematischen Rechnung, einer Bezeichnung der Vorfahren und einem sich unter der Erde befindenden Teil von Bäumen. Letztere beide stehen in einem engeren Zusammenhang als auf den ersten Blick für möglich gehalten wird. Siehe auch ‚Wunderwerke der Natur – Verbindungen, wo sie nicht zu erahnen sind‘ von Marie Klausel.“ Das Mädchen strich über die entsprechende Seite. Eine leise Spur. Mal sehen, was die nächsten Tage brachten. Erkenntnis, wie sich herausstellt. Eine wahrhaftigere Spur. Wohin sie führte? Ins Ungewisse.
    ✿✿✿
    Bäume. Ein Konstrukt, so verzweigt und wunderbar, wie nur die Natur es erbauen kann. Jedes Blatt, jedes Ästchen, jedes Stück Rinde. Einzigartig. Wer eine Pflanze aus der Erde zieht, der entführt sie aus ihrem Lebensraum. Wer sie aus der Erde reißt, wird zum Mörder. Pflanzen sind Lebewesen. Wurzeln versorgen sie mit Nährstoffen. Zarte Natur? Sie ist vergleichbar mit uns Menschen. Lebewesen? Sind wir beide. Die Wurzeln sind die Vorfahren, das Fundament des ganzen Lebens. Der Stamm ist die Barriere zwischen den Lebenden … und den Toten. Die Äste beschreiben die Zeit, das Leben, das herrscht, bis die Kinder kommen. Und die Blätter sind die Nachfahren. Die Kinder. Es ist die Zukunft. Ein Baum wird alt. Viele Jahre, wenn nicht über mehrere Hundert. Hundert Jahre zerstören, in Minuten? Mit einer Kettensäge, betrieben mit Strom, einer Erfindung der Menschheit? Einer Erfindung von vielen. Manche von ihnen sind positiv, gewiss, doch viele sind mit Vorsicht zu behandeln. In die Schublade zu stecken mit der Aufschrift „Gib Acht. Bist du sicher, dass du hier hineinschauen willst?“.

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