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The Guardian with the red eyes

Steve hatte immer nur ein Lebensziel: Seinen Vater stolz zu machen und einen Drachen zu besorgen.
Doch im Leben kommt es oft anders, als man zu hoffen wagt.

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    Ich streckte die Hand nach oben, um mich an dem Felsen an dem ich hing hochzuziehen. Meine Muskeln brannten und Schweiß lief mir in die Augen. Ich fluchte und wischte ihn weg, als ich oben saß. Aus einem Impuls heraus drehte ich mich um, um zu schauen wie viel mir noch fehlte.

    Mir blieb der Atem weg. Dort, direkt vor mir. Eine dunkle Grotte, in der ein schwacher, orangener Lichtschein glühte. Endlich! Nach zwei Stunden des zermürbenden Aufstiegs war ich endlich oben angekommen. Ich würde endlich dieses verdammte Ei von dieser verdammten Nebelspitze runterholen.

    Es war wirklich nicht einfach gewesen den genauen Standort des Eis herauszufinden, aber schlussendlich hatte Isabelle ihn mir doch verraten. Die süße kleine Isabelle, die aussah wie siebzehn aber in Wahrheit schon viel älter war. Doch auch sie hatte meinen Intrigen nicht standhalten können. Grinsend erinnerte ich mich an unser letztes Gespräch.

    „Isabelle“, flüsterte ich und sah in ihre roten Augen, die sie von ganzem Herzen hasste. Sie wandte den Blick ab und starrte auf den Boden. „Steve…Ich kann dir das Versteck nicht verraten. Sie würden mich umbringen“, erwiderte sie und sah mir wieder in die Augen. Ich senkte scheinbar niedergeschlagen den Kopf.

    „Du weißt das das mein Lebensziel war. Das Einzige was ich immer wollte, war, dieses verdammte Drachenei zu sehen. Ich will es nicht einmal mitnehmen. Ich möchte es nur einmal sehen und meinem Vater davon berichten“, sprach ich überzeugend weiter. Sie schluckte und zuckte die Schultern.

    Ich hatte sie. Jetzt würde sie mit dem Geheimnis herausrücken. „Es…Es ist auf der Nebelspitze“, brachte sie kaum hörbar hervor. „Danke Isabelle“, murmelte ich und beugte mich vor um sie zu küssen.


    Sie hatte nichts geahnt. Nicht erwartet, dass ich versuchen würde das Ei zu stehlen. Nur ärgerlich, dass es so lange gedauert hatte sie rumzukriegen. Ich hätte mir von Anfang an denken können, dass es auf dem höchsten Berg der Insel versteckt war.

    Die Nebelspitze - ein wirklich interessanter Name. Ich hob meinen Blick um die Spitze dieses Bergs anzusehen, der immer in Nebel getaucht war. Ich lächelte leicht. Die Einwohner dieser Insel waren wirklich kreativ.

    Aufatmend ging ich auf die Grotte zu. Schon hier draußen spürte ich, dass es immer wärmer wurde. Ich tat einen letzten beruhigenden Atemzug und betrat die Grotte. Je tiefer ich in den Berg hineinging, desto wärmer wurde es. Außerdem nahm der Schwefelgestank zu, der Fels wurde rauer und der Gang verengte sich.

    Bald musste ich an einigen Stellen sogar auf allen Vieren kriechen und meine Schultern schrammten am Felsen entlang. Zum Glück hatte ich mein Hemd nicht vorher ausgezogen. Mittlerweile floss der Schweiß mir regelmäßig in die Augen und ich musste immer wieder stehenbleiben und Pause machen.

    Wie tief reichte dieser verdammte Gang? Seit einiger Zeit führte er auch noch abwärts, ich bewegte mich also in Richtung Erdmittelpunkt. Gerade in dem Moment, als es schon fast unerträglich heiß wurde und so hell, dass ich die Augen schließen mussten erreichte ich die Höhle.
    Ich hielt den Atem an, denn es sah atemberaubend aus. Leuchtendes Magma floss unter mir vorbei und grub sich dann wieder in den Felsen, wie bei einem unterirdischen Fluss. Vor mir war eine dünne Steinbrücke, an deren Ende sich eine Art Sockel befand.

    Vorsichtig stand ich auf um einen besseren Blick darauf zu erwischen, als sich mir etwas in den Weg stellte. „Na wen haben wir denn da. Einen Eindringling“, sagte der Krieger, den ich vor mir sah.

    Ich antwortete nicht und betrachtete ihn genauer. Gut sehen konnte ich ihn nicht, da er gegen das Licht stand, doch er war muskulös und hatte ein Schwert in der Hand. Mit langsamen Bewegungen wich ich einige Schritte zurück.

    „Na na, nicht so schüchtern“, witzelte der Krieger und kam seinerseits einen Schritt nach vorne. Ich war ihm mein teuflisches Grinsen zu und spannt hinter meinem Rücken den Bogen, den ich unbemerkt hervorgeholt hatte.

    Er kam einen weiteren Schritt auf mich zu und ich konnte ihn genauer erkennen, da meine Augen sich an das Licht in der Grotte gewöhnt hatten. Er hatte markante Gesichtszüge und strahlend rote Augen.
    Etwas baff besah ich mir seine Augen genauer. Sie waren nicht so, wie bei den anderen Lavagöttern auf der Insel. Die anderen Götter hatten zwar ebenfalls rote Augen, allerdings waren diese bei ihnen noch entweder orange oder gelb gesprenkelt. Je weniger Sprenkel Augen hatten, desto mächtiger war der jeweilige Gott.

    Der, der vor mir stand musste verdammt stark sein, wenn ich keinen einzigen Sprenkel in seinen Augen erkennen konnte. Ich war so versunken in den Anblick seiner Augen gewesen, dass ich nicht mitbekommen hatte, wie er weiter auf mich zugekommen war.
    Ich zog die Sehne des Bogens noch weiter an und spürte, wie das glatte, geschliffene Holz unter meinen Fingern zitterte. Ich hatte immer noch kein Wort zu dem Gott vor mir gesagt, der mittlerweile schon die Hälfte der Brücke überquert hatte.

    Mit einer blitzschnellen Bewegung zog ich meinen Bogen hinter meinem Rücken hervor und schoss. Ich hoffte, dass ich den richtigen Winkel erwischt hatte, doch ich traf nur seinen Arm. Brüllend vor Schmerz ging er in die Knie und ließ sein Schwert fallen.

    Damit hatte er eindeutig nicht gerechnet. Er hob den Kopf und seine roten Augen bohrten sich in meine grünen. Grollend erhob er sich, konnte sein Schwert jedoch nicht aufheben, da es in die Magma gefallen war und dort versunken war.

    Lächelnd holte ich meinerseits mein Schwert hervor und hielt es abwehrend vor mich. Ich würde ganz ruhig warten, bis er so nah an mich herankam, dass ich ihn töten konnte. Leider hatte er ganz andere Pläne als ich. Wäre ja auch zu schön gewesen.

    Der Wächter sprang auf mich zu und ich duckte mich unter ihm weg. Er stieß sich von dem Felsen hinter mir ab und sprang abermals auf mich zu, dieses Mal auf meinen ungeschützten Rücken. Blitzschnell drehte ich mich um und hob mein Schwert.

    Er sprang direkt rein und das Schwert schlitzte seinen Bauch auf. Keuchend fiel er vor mir auf die Knie. „Dafür wirst du büßen, Steve O`Brian!“ Ich nickte nur nachsichtig und ging über die Steinbrücke zum Sockel. Mir kam kein einziger Gedanke in den Kopf, dass es vielleicht zu einfach gewesen war.

    Beim Sockel angekommen verschlug mir der Anblick des Eis den Atem. Es schillerte in verschiedenen Farbschattierungen zwischen dunkelviolett und dunkelblau. Ich steckte mein Schwert weg und nahm das Ei in beide Hände. Die Schale fühlte sich hart und kühl zwischen meinen Fingern an. Vorsichtig drehte ich mich um, damit ich endlich aus dieser Höhle rauskam.

    Ein paar Stiefel standen vor mir auf dem Boden und ich hob langsam meinen Kopf. Isabelle. Scheiße, was machte die hier. Ich brachte kein einziges Wort hervor, doch Isabelle verzog ihr Gesicht zu einem höhnischen Lächeln und sprach: „Du dachtest ernsthaft es würde so einfach werden?“

    Fluchend nickte ich, doch sie sprach schnell weiter. Sie genoss diesen Moment eindeutig. „Ich meine, gegen eine Illusion zu kämpfen ist nicht allzu schwer.“ Und wirklich, hinter ihr war niemand. Der Wächter war verschwunden. „…gesichert“ Oh, den Teil hatte ich nicht mitbekommen.
    Ich schaute ihr wieder in die Augen und schluckte. Dort war nichts mehr von der zarten, unschuldigen Isabelle geblieben. Und auch fast alle ihre orangenen Sprenkel waren verschwunden, geblieben war nur noch einer in jedem Auge.

    „Steve, ich rede mit dir. Antworte!“, schrie sie mich an. Verdammt! Wenn ich einem 2 Meter großem Krieger gegenüber stand war ich die Ruhe selbst, doch wenn Frauen mich anschrien verwandelte ich mich wieder in den verängstigten fünfjährigen von damals.
    Ich strafte meine Schultern und hob das Kinn leicht an: „Und was willst du jetzt tun?“ Sie zuckte mit den Schultern. „Ich sollte dich ausliefern. Du bist jetzt der Staatsfeind. Aber ich denke, für deinen Betrug solltest du bezahlen.“

    Bei diesen Worten glitzerten ihre Augen. Sie war wahnsinnig. Schluckend trat ich einen Schritt nach hinten und stieß gegen den Sockel, auf dem der wunderschöne Schatz gelegen hatte. Sie hingegen trat einen Schritt nach vorne, und ich wusste, was kommen würde.

    Sanft nahm sie das Ei aus meinen Händen. Ich wehrte mich nicht. Ich hatte schon gewusst, dass es vorbei war, als ich sie in dieser Magmakammer erblickt hatte. „So macht das ja keinen Spaß“, schmollte sie, doch dann verzog sich ihr Mund zu einem sadistischen Grinsen.
    Sie schnellte nach vorne und stieß mir einen Dolch zwischen die Rippen. Ein brennender Schmerz fuhr durch meinen Körper und ich krümmte mich vor. Sie versetzte mir einen Schlag und ich fiel auf die Knie, direkt vor ihre Füße. Mit der Fußspitze hob sie mein Kinn an, doch ich konnte sie jetzt schon nicht mehr deutlich sehen, da meine Augen von Tränen verschleiert wurden.

    „Das hast du jetzt davon“, flüsterte sie und trat mich von der Steinbrücke. Mein ganzer Körper schmerzte und es wurde immer heißer und heißer, bis zur Unerträglichkeit. Ich glaube, als ich in die Magma eintauchte lebte ich schon nicht mehr.

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