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Marmorspiegel

Das ist wiedermal eine Geschichte für einen Schreibwettbewerb - Mein Beitrag zum Wettbewerb von Yasmine "Schwing den Füller"

Das Zitat habe ich so eingebaut, dass es jemand sagt.

Wortanzahl: 2586 Wörter

Hier wäre der Steckbrief, an den ich mich halten musste:

Art von Geschichte: Abenteuergeschichte, Fantasie
Mein ausgewählter Ort: einsturzgefährdete Ruine
Mein ausgewähltes Zitat: Derjenige, der nicht mutig genug ist Risiken einzugehen, wird niemals etwas im Leben erreichen
Name: Alina-Naila
Alter: 12
Geschlecht: weiblich
Aussehen: braune lockere Haare Hüft lang, Lila Augen, normal groß, dunkle Haut,
Stärken: Bücher schreiben, malen,
Schwächen: Klamotten, Haare,
Charakter: nett, hilfsbereit, lustig,
Familiensituation: zwei Eltern, drei jüngere Schwestern, alle Lila Augen
Hobbys: malen, basteln, Geschichten schreiben,
Geheimnis/ Besonderheiten: ihre Familie sind Hexen/Zauberer
sonstiges: eine gute Freundin, wohnt in einer anderen Welt wo nur Fabelwesen und Hexen leben

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    Prolog

    „Alina-Naila!“, hörte das Mädchen die verärgert klingende Stimme ihrer Mutter. Sie wusste, dass es ernst sein musste, wenn sie mit vollem Namen angesprochen wurde, weshalb sie sich blinzelnd aufsetzte. Müde unterdrückte sie ein Gähnen und schlurfte aus ihrem Zimmer hinein in die Küche. Dort bot sich ihr vielleicht ein komisches Bild! Ihre Mutter rührte angestrengt in einem Kessel, aus welchem lila Funken stoben, während sie versuchte, Alinas kleine Schwester Nele, die mit ihren drei Jahren das zweitjüngste Mitglied der Familie war, davon abzuhalten, eine Kröte dort einzutauchen. Gleichzeitig schnappte Walter, der Familienhund, nach den grünen Flammen unter dem Kessel, was vielleicht gefährlich klang, aber da er ohnehin zu klein war, um an die erhöhte Feuerstelle zu kommen, konnte nicht wirklich etwas passieren. Alinas andere Schwester, die zehnjährige Sophie, hielt das jüngste Mitglied der Familie im Arm. Dabei handelte es sich um Alinas letzte Schwester Tess, die noch nicht mal ein Jahr alt war.
    Aber das war normal. Zumindest für Alina. Denn Alina war eine Hexe. Eine Hexe, die mit ihrer Familie in einer magischen Welt lebte. Diese Welt hieß Phantasia. Hier lebten nur Hexen und Fabelwesen. Es gab keine Dinge wie Autos oder Handys. Für uns mag das unvorstellbar klingen, doch die Bewohner Phantasias kannten und wollten es gar nicht anders.
    Was allerdings seltsam war, waren die Amulette, die überall um Alinas Familie herumlagen. Sie kullerten über den Boden und häuften sich auf den Tischen. Gerade fischte ihre Mutter eine weitere Handvoll Amulette aus dem Kessel, musterte sie wütend und warf sie auf den Boden, woraufhin sie sich scheppernd in alle Richtungen davonmachten. Verwundert hob Alina eines auf. Sie wusste, was das für Amulette waren, die aus grünem Feuer entstanden – Sie konnten die Zukunft voraussagen. Da sie aber sehr kompliziert zu verstehen waren, nutzte man sie selten. Man beschränkte sich eher aufs Teesatzlesen, was zwar einfacher war, allerdings auch um einiges ungenauer. Außerdem gab es bei den Amuletten den Nachteil, dass man erst welche mit einer neuen Botschaft machen konnte, wenn die Weissagung, die beim letzten Mal Herstellen entstanden war, eingetroffen war. Folglich war es nicht verwunderlich, dass sie alle dasselbe zeigten: eine Figur, die in einer verfallenen Ruine etwas Großes mit ihren Armen umschlang. So genau konnte man es nicht erkennen.
    Besorgt sah Alinas Mutter das Mädchen an. Sicher hoffte sie bei jedem Amulette, das sie erschuf, dass es etwas anderes zeigen würde, doch das tat es natürlich nie.
    Alina verstand nicht. „Was ist denn?“, fragte sie. „Sieh dir die Figur genau an, Alina. Fällt dir denn nichts auf?“, wollte ihre Mutter wissen. Alina kniff die Augen zusammen. Sie erkannte, dass die Figur lilafarbene Augen hatte, was selten war. Nur zufällig hatten sowohl ihre Schwestern als auch sie Augen in dieser Farbe, obwohl es bei Kim und Nele eher wie blau aussah. Alina schluckte, als sie merkte, dass die abgebildete Figur zudem sehr lange lockere Locken besaß.
    „Das … bin ich…“, stotterte sie. Warum gab es eine Weissagung über sie? Normalerweise bekam man eine Vorhersage frühestens, wenn man erwachsen war!
    Ihre Mutter schien ihre Gedanken zu erraten. „Ich weiß nicht, Alina“, seufzte sie, „Aber sieh sie dir an! Findest du nicht, dass diese Amulette irgendwie … starke Magie ausstrahlen? Was auch immer das sein mag – Es muss wichtig sein!“ Langsam nickte die junge Hexe. „Ich sollte diese Ruine finden, oder?“, überlegte sie, „Ich muss wissen, warum das wichtig ist!“ Unsicher legte ihre Mutter den Kopf schief. „Du kannst nicht alleine gehen. Aber bestimmt ist es wichtig, da hast du Recht! Nimm bitte jemanden mit, dem du dein Leben anvertrauen kannst, Alina! Irgendetwas sagt mir, dass du … es brauchen wirst.“ „Du vertraust mir das einfach so an?“, fragte Alina skeptisch und versuchte, so zu tun, als hätten die Worte ihrer Mutter ihr keine Angst eingejagt. „Ich muss. Diese starke Magie … Wir können sie nicht einfach ignorieren“, erklärte ihre Mutter.
    Alina schluckte. Am liebsten hätte sie ihre Mutter an ihrer Seite. Aber sie wusste, dass sie sie nicht von ihrer Familie wegzerren konnte – Vor allem, weil Tess noch so klein war. Und mit ihrem Vater ging das genau so wenig! Dennoch wusste sie sofort, wen sie stattdessen mitnehmen würde: Lilith, ihre beste Freundin. Niemandem konnte sie mehr vertrauen als ihr!

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    Das war also der Grund, weshalb sich die beiden jungen Hexen nun in einer verfallenen Ruine befanden. Es war leicht gewesen, sie zu finden, da die Ruine auf den Amuletten genau so aussah wie die, in der sie immer gespielt hatten, als sie noch kleine Kinder gewesen waren.
    „Inzwischen ist sie ganz schön heruntergekommen“, meinte Alina traurig. Lilith stimmte ihrer Freundin zu. Fast sah es so aus, als würde die Ruine beim nächsten etwas kräftigeren Stoß zusammenbrechen. „Wie konnte sie sich in diesen wenigen Jahren nur so sehr verändern?“, überlegte Alina laut. „Keine Ahnung“, antwortete Lilith und so zur Seite. Alina verspürte plötzlich so etwas wie Schmerz, als die Erinnerungen an diesen einst so schönen Ort in ihr hochkamen. Klar, eine Ruine war das hier immer schon gewesen, seitdem sie sie kannten. Aber halt eine Ruine, die gut erhalten war. Sie war sicher gewesen. Vertraut.
    Zur Sicherheit bauten die Mädchen ihr Lager vor der Ruine auf. Anschließend legten sie sich nebeneinander auf den Boden, wie sie es früher immer getan hatten.
    „Erinnerst du dich noch, wie wir uns hier immer ein Lagerfeuer gemacht haben und uns Legenden erzählt haben?“, fragte Alina. „Klar“, lächelte Lilith. Sie erinnerten sich beide sogar sehr gut. „Meine Lieblingsgeschichte war die mit den Nicht-Magischen“, fuhr Lilith fort. „Ausgerechnet die?“, wunderte Alina sich über ihre Freundin. „M-Hm“, machte die und verschränkte die Arme hinter ihrem Kopf. Kopfschüttelnd tat Alina es ihr gleich. Die Legende besagte, dass sich einst ein adeliger Zauberer in eine Nicht-Magische verliebt hatte, die er nur über ein magisches Portal in seinem Schloss erreichen konnte. Sie liebte ihn auch, doch ihre Liebe war zum Scheitern verurteilt. Die Nicht-Magische zeigte ihren Freundinnen die magische Welt, in der der Zauberer lebte. Die wiederum zeigten sie weiteren Freunden, bis irgendwann viele Nicht-Magische von dieser Welt wussten. Sie begannen, die magischen Tiere zu fangen und raubten die Naturschätze dieser Welt. Daraufhin wurden alle Nichtmagischen verbannt. Das Portal wurde versperrt und der Zauberer konnte seine Geliebte niemals wieder sehen. Damit er nicht einfach zurück zu seinem Portal ging, belegte man die Nicht-Magischen mit einem Fluch, dass sie, wenn sie Phantasia betreten würden, die Welt Stück für Stück zum Untergang bringen würden. Niemals wieder sollte jemand Nicht-Magisches diese Welt betreten.
    „Manchmal, da würde ich gerne jemand Nicht-Magischen treffen“, riss Lilith ihre Freundin plötzlich aus ihren Gedanken. „Warum das denn?“, wollte Alina wissen.
    Nervös setzte Lilith sich auf. „Keine Ahnung“, gab sie zu, „Es ist nur … Sie sind doch wie wir, oder? Nur ohne Magie.“
    Nachdenklich legte Alina den Kopf schief. „Weiß nicht“, antwortete sie, „Aber wir werden eh nie so jemanden kennenlernen, also ist es ja auch egal.“ „Wahrscheinlich hast du recht“, nuschelte ihre Freundin und wendete ihren Blick der Ruine zu.

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    „Alina!“, hörte Alina plötzlich eine Stimme, die weit entfernt schien, „Alina, steh auf!“ „Was ist denn?“, nuschelte sie. Lilith sah ihre beste Freundin mit großen Augen an. Um sie herum war es noch stockfinster „Ich glaube, da hat sich was in der Ruine bewegt“, teilte sie ihrer Freundin mit. „War sicher irgendein Tier oder so“, murmelte Alina und drehte sich auf die andere Seite, doch Lilith schüttelte verärgert den Kopf. „Ich gehe nachschauen!“, verkündete sie. „Mach das. Aber lass die Ruine nicht einstürzen oder so“, antwortete Alina verschlafen. „Sehr witzig“, murrte Lilith ironisch und betrat vorsichtig die Ruine.

    Alina wachte auf, als Sonnenstrahlen ihre Nase kitzelten. DAS war eine Zeit zum Aufstehen, nicht irgendwas mitten in der Nacht! Obwohl es natürlich furchtbar für sie war, wenn sie sich so wie hier nicht ausreichend stylen konnte, doch das musste wohl ausfallen, wenn man campte. Blinzelnd sah sie sich um. Wo war Lilith?
    „Lilith?“, rief Alina und stand auf. War ihre Freundin vielleicht noch immer in der Ruine? Ausschließen konnte die Hexe es ja nicht, also betrat auch sie vorsichtig das alte Gebäude. „Lilith?“, rief sie mit gedämpfter Stimme. Hoffentlich war ihr nichts passiert! „Auch schon wach, Alina?“, hörte sie allerdings sofort eine Antwort. „Erschrecke mich nicht so!“, verlangte sie von ihrer Freundin. „Komm!“, strahlte diese und packte Alinas Handgelenk, „Du wirst nie glauben, was ich dir jetzt zeigen werde!“
    Vorsichtig kletterten die Mädchen in die Kerker der Ruine hinab. „So weit unten waren wir früher nie!“, beschwerte Alina sich. „Wir sind gleich da!“, beruhigte Lilith ihre Freundin, „Schau!“
    „Wow“, entfuhr es Alina, als sie das sah, worauf ihre Freundin zeigte. Es handelte sich um einen glasklaren Spiegel, eingefasst in hellblauen Marmor, von Rosen und Efeu umwachsen. Aber der Spiegel zeigte nicht sie und Lilith oder die Ruine. Nein.
    Er zeigte einen Jungen mit roten Haaren und braunen Augen, der ungefähr in ihrem Alter sein musste. „Weißt du, was das ist?“, fragte Lilith. Langsam nickte Alina. Natürlich wusste sie es. Das war es. Das war das Portal, das in die Welt der Nicht-Magischen führte! Mit der Zeit war die Versperrung wohl einfach verschwunden.
    Langsam bewegte Lilith ihre Hand darauf zu. „Nein, nicht berühren!“, rief Alina schnell, „Sonst landest du vielleicht noch in der Welt von denen!“ Lilith erklärte: „Das ist doch das, was ich vorhabe!“
    Erschrocken musterte Alina ihre Freundin. „Ich wollte immer schon wissen, wie man ohne Magie lebt… Wie man ohne Magie … leben kann“, erklärte sie. Außerdem nuschelte sie noch irgendetwas von „Teesatz“, aber sie sprach so leise, dass Alina sie nicht verstehen konnte.
    „Und wenn du es nie wieder zurückschaffst?“, fragte Alina. „Das Schicksal wird schon was mit mir vorhaben“, meinte Lilith schulterzuckend. Alina schluckte. Ihr Blick fiel wieder auf den rothaarigen Jungen.
    „Wie ist deine Welt so?“, wollte sie wissen, doch er gab ihr keine Antwort. „Er kann dich nicht hören“, erklärte Lilith.
    Erneut fuhr ihre Hand zum Spiegel.
    Erneut rief Alina: „NEIN! Mach das nicht!“ Nervös biss sie sich auf die Lippe und sagte: „Das Risiko ist zu groß.“
    Lilith lächelte: „Man kommt zurück, das weiß ich.“
    Mit diesen Worten berührte sie nun langsam den Spiegel. „LILITH!“, schrie Alina erschrocken, doch es war bereits zu spät. Ein strahlend helles, blaues Licht umzeichnete Liliths Silhouette und riss sie in den Spiegel.
    Alina keuchte. Sie brachte kein Wort raus, als sie Lilith plötzlich neben dem rothaarigen Jungen entdeckte. Der schien sich kein Bisschen über ihr plötzliches Erscheinen erschrocken zu haben, er schien sich sogar darüber zu freuen, sie zu sehen. „Lilith!“, rief Alina, „Du kommst wieder zurück nachhause!“
    Weil Lilith sie verstehen sollte, obwohl sie sie durch den Spiegel anscheinend nicht hören konnte, zeigte Alina demonstrativ auf den Boden neben sich. Doch ihre Freundin schüttelte nur lachend den Kopf, hackte sich bei dem Jungen unter und zu zweit verschwanden sie langsam.
    „Oh, Lilith!“, flüsterte Alina. Langsam legte auch sie ihre Hand auf die Oberfläche des Spiegels. Wenn ihre beste Freundin von selbst nicht zurückkam, musste sie sie eben selbst holen gehen!
    Allerdings passierte nichts. Gar nichts. „Wieso lässt du mich nicht zu ihr?“, schrie Alina den Spiegel an.
    „Er lässt nur die passieren, die das auch wirklich wollen“, erklärte eine Stimme plötzlich. „Wer spricht da?“, fragte die junge Hexe alarmiert. „Nur ich“, antwortete die Stimme. Aus den Schatten trat ein junger Mann. Alina schätze ihn auf Mitte zwanzig, obwohl er dafür irgendwie viel zu müde und zu traurig aussah. „Keine Angst, ich wohne hier nur“, erklärte er. „Du … wohnst hier?“, wiederholte Alina. „Schon seit hunderten von Jahren“, bestätigte er. Verwirrt sah das Mädchen ihn an. Der Mann lächelte nervös. „Mein Name ist Jeldrik, ich bin der Erfinder dieses Spiegels“, erzählte er, „Ich habe mich früher oft mit einer Nicht-Magischen getroffen. Sie hieß Minna. Inzwischen existiert eine Legende über mich und ich muss leider sagen, dass jedes Wort wahr ist, dass man sich so erzählt.“ Plötzlich ging Alina ein Licht auf. „Sie sind der adelige Zauberer aus Liliths Lieblings-Legende!“, stellte sie fest. Alina erinnerte sich noch, dass er mit „Unsterblichkeit“ verflucht wurde. Sie hatte noch nie verstanden, warum das ein Fluch war und kein Geschenk. Jeldrik schien ihre Gedanken zu erraten, weshalb er erklärte: „Wenn irgendwann alle tot sind, die du geliebt hast und du weißt, dass du sie niemals wieder sehen wirst, weil du niemals ins Totenreich kommen wirst, dann ist das ein Fluch. Und zwar ein brutaler, schlimmer noch als jede Folter.“
    „Oh“, machte Alina. So hatte sie noch nie darüber gedacht!
    „Was meinst du eigentlich mit „Der Spiegel lässt nur die passieren, die das auch wirklich wollen“?“, wechselte Alina das Thema, „Ich will doch wirklich Lilith zurück!“ Jeldrik schüttelte den Kopf. „Du willst nicht da durch“, meinte er, „Du willst nur deine Freundin zurückholen. Das ist was anderes.“ „Und wie komme ich dann zu ihr?“, wollte Alina wissen. Jeldrik überlegte: „Ihr seid doch Freunde, oder?“ Das Mädchen nickte. „Dann wird sie irgendwann doch bestimmt wieder zu dir wollen“, vermutete der Zauberer.
    Gerade als er den Satz beendet hatte, stand plötzlich der rothaarige Junge neben ihnen. „Hi“, sagte er, doch weiter kam er nicht, weil die Ruine auf einmal erzitterte und Steine von der Decke abbrachen, die den Ausgang verschütteten.
    „Der Fluch!“, erinnerte der Zauberer sich, „Die Welt zerbricht Stück für Stück, wenn Nicht-Magische sie betreten!“
    Im selben Moment erschien auch Lilith wieder. „Deine Welt“, sagte sie zu dem Jungen, „Ist genauso grau wie immer!“ Was meinte sie denn damit?
    „Aber dafür ist eure umso schöner!“, meinte der Junge schulterzuckend und berührte eine der vielen Rosen, die sich um den Spiegel schlangen. Sofort zerfiel sie zu Staub. Erschrocken zog er seine Hand zurück und murmelte irgendetwas. „Der Fluch“, wiederholte Jeldrik traurig, „Nicht-Magische können einfach nicht hier sein.“
    Mit großen Augen starrte Lilith ihn an, dann sah sie zu Alina und schließlich zu dem Jungen. „Alina, ich muss was beichten“, sagte sie schließlich. „Du kannst mir alles sagen!“, versprach sie ihrer Freundin. „Ich habe gelogen. Ich bin schon oft durch diesen Spiegel durch“, nuschelte Lilith, „Das ist Aaron. Mein … Freund.“
    Erschrocken sah Alina ihre Freundin an, dann schwenkte ihr Blick zu dem Jungen. „Wenn er auch schon öfter hier war, dann wird seine zerstörerische Kraft von Mal zu Mal stärker. Sie ist bestimmt schon um einiges kräftiger als beim letzten Besuch“, sagte Jeldrik deprimiert. „Deshalb ist die Ruine schon so zerstört“, stellte Alina fest, „Warum, Lilith? Wir hatten doch eine Mission!“ Wütend hielt sie ihr das Amulett vor die Nase, doch Lilith schlug es ihr einfach aus der Hand, woraufhin es leise klimpernd zu Boden fiel.
    „Ich weiß, dass Aaron nicht hier leben kann. Und darum will ich in der Welt der Nicht-Magischen leben“, erklärte sie ruhig. „Was?“, fragte Alina entsetzt, „Du bist doch erst dreizehn! Du kannst nicht so eine Entscheidung einfach so treffen! Das ist viel zu gefährlich!“ „Kann ich schon!“, widersprach Lilith, „Beim Teesatzlesen wurde mir vor Kurzem prophezeit, dass in meinem Schicksal ein Nicht-Magischer eine große Rolle spielt!“ Alina schüttelte entsetzt den Kopf, doch Lilith meinte nur milde lächelnd: „Derjenige, der nicht mutig genug ist, Risiken einzugehen, wird niemals etwas im Leben erreichen, Alina. Ich will was erreichen.“ Mit diesen Worten griff sie nach Aarons Handgelenk.
    Auf einmal erstarrte sie. „Lilith!“, riefen Alina und Aaron gleichzeitig, doch es war bereits zu spät.
    Ihr Atem setzte aus. All ihre Farbe verschwand. Sie verlor ihre Körperwärme. Ihre Bewegungen erstarrten. Vor ihnen stand jetzt eine Statue aus grauem Stein.
    „Nein, Lilith!“, schrie Alina und umarmte die Statue, als könnte sie sie damit wieder retten, „Komm zurück!“

    Jeldrik hob das zuvor auf den Boden gefallene Amulett auf. „Die Weissagung hat sich wohl erfüllt“, flüsterte er.

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