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Night School 2.0

Habt ihr euch eigentlich mal gefragt, wie es nach dem letzten Band mit Sylvain weitergeht?

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    Das Treffen mit Nathaniel war vorbei. Sylvain eilte in die Umkleide der Night School und streifte flüchtig die schwarzen Sachen ab, die er trug. Mit finsterer Miene eilte er in den Jungstrakt, wo er die Tür zu seinem Zimmer aufstieß und eintrat. Er hatte bereits seine Koffer gepackt, bereit, zu seinen Eltern nach Frankreich zu fliegen. Doch er hatte nicht vor, jemals wieder zurückzukommen, zumindest nicht als Schüler. Schwerfällig nahm er das große Engelsbild von der Wand und legte es auf seine Koffer. Sylvain verließ das Zimmer wieder, um sich von Isabelle zu verabschieden. Auf der großen Treppe kam ihm Allie entgegen. "Sylvain! Warte!", rief sie ihm außer Atem zu. Ungerührt blieb er stehen. "Ja?", gab er distanziert zurück. Er dachte an Allie vor einem Jahr, das wütende, benachteiligte Mädchen aus der Großstadt mit Feuer in den Augen. Sylvain hatte sich sofort unsterblich in sie verliebt... Mit ihren Worten holte Allie ihn in die Gegenwart zurück. "Danke dass du mich vor Nummer 6 beschützt hast, Sylvain.", sagte sie. "Das hätte ich für jeden gemacht."; wehrte er den Dank ab und flüchtete sich in einen der langen Flure Cimmerias. Mit langen Schritten ging er auf Isabelles Bürotür zu, die in der Holzvertäfelung der Wand beinahe unsichtbar war. Energisch klopfte Sylvain dagegen. "Herein!", kam es gedämpft von innen und er trat ein. Isabelles Mine verdüsterte sich. "Sylvain. Du willst nach Hause, stimmt's?" "Ja. Danke für alles, Isabelle. Rufst du mir eine Limousine und den Jet?", erwiderte er. Die Direktorin nickte kurz und griff zu dem Telefonhörer. Ohne noch ein Wort zu sagen, verließ Sylvain das Büro. Er musste nur noch ein bisschen warten, dann würde er Allie hinter sich lassen. Niedergeschlagen lief er in die Bibliothek. Nicole fand er in Rachels Arm im hinteren Teil des Raumes. Sylvain räusperte sich. Erschrocken drehten sich die Beiden um. "Sorry wenn ich störe, aber ich fahr bald. Viel Glück und passt bitte auf.", meinte er. Seinen Blick richtete er auf den Boden. Nicole zog ihn völlig unerwartet in eine feste Umarmung. "Du wirst mir fehlen, mon ami.", flüsterte sie in seinen Bauch hinein. "Du mir auch.", hauchte er und löste sich aus ihrer Umklammerung, "Ich muss jetzt leider. Ciao, Rachel!" Mit langen Schritten rannte er in sein Zimmer. Dort sah er aus dem Fenster. Diese lange Auffahrt, dieser dichte Wald, diese ganzen vertrauten Gesichter, diese Schule... Wie würde er sie vermissen! Doch es war seine eigene Entscheidung gewesen und jetzt musste er gehen. Ein schwarzer Rolls Royce fuhr die Auffahrt entlang. Traurig nahm er seinen Koffer und lief in die Eingangshalle. Isabelle hielt ihm die Tür auf. "Sylvain.", sagte sie mit brüchiger Stimme. "Ja?" Er drehte sich um und sah eine vereinzelte Träne über ihre Wange laufen. "Pass auf dich auf.", schluchzte sie, "Und jetzt Abmarsch!" Sylvain drehte sich um und stieg in den Wagen. Der Chauffeur schlug die Tür zu und fuhr los. Weg von Cimmerias großen Wäldern, weg von seinen Freunden, weg von Allie.

    Sylvain saß in einem der tiefen Ledersitze des Jets. Sie waren bereits auf Flughöhe. In der letzten Stunde hatte er viel Zeit zum nachdenken gehabt. Er war zu dem Schluss gekommen, dass er Allie wirklich geliebt hatte. Wirklich. Ihre hübschen grauen Augen, das samtige braune Haar... Aber er hatte es einfach überstürzt mit ihr. Auf dem Sommerball, als Ruth gestorben war, hätte er sie nicht an die Mauer pressen sollen, sich nicht an sie pressen sollen. Doch er hatte nicht anders gekonnt. Jeden Abend hatte er sich vorgestellt, gleich würde Allie auf seinem Fensterbrett hocken und gleich darauf neben ihm liegen. Damit hatte Sylvain sich getäuscht.
    Sehr sogar. Stattdessen war sie Nachts zu Carter geklettert. Er hatte immer noch nicht verstanden, was Carter hatte, das er nicht hatte. Mädchen waren ihm eine Rätsel, obwohl er immer wusste, wie sie auf ihn hereinfielen. Alle, bis auf Allie Sheridan. Die Nacht auf dem Dach schlich sich in sein Gedächtnis. Wie er gesagt hatte, er liebe sie und Allie nichts darauf zu erwidern wusste. Danach war alles zu schnell gegangen. Der Anschlag auf seinen Vater, seine überstürzte Reise zu ihm, Carter anstelle von ihm bei Lucindas Treffen mit Nathaniel, das Hotelzimmer mit nur einem Bett. Allie und Carter. Das war das Detail, das ihn am meisten störte: Carter.

    Der Asphalt summte unter den Reifen des schwarzen Rolls Royce und die Sonne schien durch das geöffnete Fenster. Der Wind strich durch Sylvain braune Locken und zerzauste sie. Sehnsüchtig sah Sylvain aus dem Fenster. Die südfranzösische Landschaft war durchzogen von lila Lavendelbüschen und gelblichen Gräsern. Im Sommer war Allie so begeistert davon gewesen... Er schreckte aus seinen Gedanken hoch, als er die Stimme seiner Mutter hörte. "Sylvain! Tu es là! Da bist du ja!", rief sie begeistert. Der Chauffeur öffnete ihm die Tür. Bereitwillig stieg er aus. Ein Klumpen aus Trauer, Eifersucht und Selbstmitleid steckte in seinem Magen fest und verursachte Bauchschmerzen. Seine Mutter viel ihm um den Hals. "Maman. Ich hab dich vermisst.", gab er ehrlich zu. "Oh, mon cherie, du musst müde sein. Komm rein und ruh dich ein wenig aus.", antwortete Mrs. Cassel. Sylvain folgte ihr nach drinnen, wo er von seiner Mutter als erstes in einen der bequemen Sessel gedrückt wurde. "Wie war die Reise?", hakte sie nach. "Ganz in Ordnung.", meinte er, "Wie geht's Dad?" Der Blick seiner Mutter wurde trüb. "Naja. Könnte besser sein, non?" "Ja, du hast recht. Sonst alles in Ordnung?", fragte Sylvain nach. "Oui, merci. Aber du, tu es malade? Bist du krank?", antwortete sie besorgt. "Non, Maman. Alles in Ordnung.", log er. "Na dann, du bist sicher hungrig.", konterte Mrs. Cassel. Sylvain seufzte. Essen hatte ihm gerade noch gefehlt! Auch so war ihm schon schlecht genug. Doch da war seine Mutter auch schon aufgesprungen und in die Küche geeilt. Widerwillig blieb er sitzen. Mit Allie war es hier so schön gewesen... Mit ihr hatte der weiße Marmorboden geglänzt, ohne sie war er grau und matt. Sylvain stützte seinen Kopf auf die Hand. Der Klumpen aus Trauer, Eifersucht und Selbstmitleid war größer geworden und stach in seinem Magen. Er schluckte. Kurz darauf kam Mrs. Cassel mit Lourdes im Schlepptau wieder zurück. Die Köchin des Hauses hielt eine Platte voller bunter Macarons und Weichkäse in den Händen und stellte sie vor ihm ab. "Sylvain, tu es triste?", fragte sie ihn bestürzt. (Bist du traurig?). "Non, Lourdes.", gab er ihr zu verstehen. Das Essen rührte er nicht an. Stattdessen trat er hinaus auf die Terrasse. Ein sanfter Wind strich ihm um die Nase. Kurzentschlossen zog Sylvain sich den Motorradhelm über und stieg auf seine knallrote Maschine. Mit einem Höllentempo preschte er die Auffahrt hinunter, auf die Landstraße und schließlich an den Strand. Dort stieg er ab und zog seine Sneaker aus. Der Sand fühlte sich warm und weich an zwischen seinen Zehen. Sylvain lief zum Wasser. Hier war der Sand kühler und Wellen nippten an seinen Füßen. Er ließ sich zu Boden sinken und streckte alle viere von sich. Er wollte gerade so unglaublich gerne Carter sein und Allie küssen, sie an sich ziehen und mehr anstellen mit ihr... Eine vereinzelte Träne lief ihm über die Wange. Es zerriss ihm gerade fast das Herz, allein zu sein. "Allie!", flüsterte er, "ALLIE!"

    Am Abend hatte Sylvain keinen Appetit. Im Gegenteil, seine Bauchschmerzen waren noch schlimmer geworden. Lustlos stocherte in seinem Gemüse herum. "Sylvain, qu'est-ce que tu as? Was hast du?", fragte Mrs. Cassel. "Maman, das verstehst du nicht. Es ist nur so, dass wenn ich jetzt etwas essen würde... " Besorgt blickte ihm seine Mutter in die blauen Augen. "Ist es wegen Allie, cherie?" Sylvain richtete seinen Blick stur auf sein Essen. "Mon chère Sylvain, wenn du mir nicht sagst was los ist, kann ich auch nichts daran ändern!", rief Mrs. Cassel und ließ ihr Besteck klirrend auf ihren Teller fallen. Ruckartig hob er den Kopf. Das war zu viel für ihn. Wie zur Hölle wollte seine Mutter ihm helfen! Wollte sie Allie einreden, dass sie nicht in Carter sondern in ihn verliebt war! "Oh Maman, du verstehst mich wirklich am allerwenigsten!", warf er ihr an den Kopf und stürmte die Treppe nach oben in sein Zimmer.

    Es war spät in der Nacht. Draußen funkelten unzählige Sterne am Himmel und es roch nach salziger Meeresluft. Sylvain stand draußen am Balkon vor seinem Schlafzimmer und starrte in die Ferne. Die Bauchschmerzen waren fast unerträglich geworden, es war, als ob sich ein Teil von seiner einfach auflösen würde. Er wusste auch, was der Teil war: Allie. Sie fehlte ihm so sehr... In Cimmeria hatte Sylvain Allie wenigstens noch gesehen, wenn auch mit Carter, aber er hatte sie gesehen. Jetzt, über 24 Stunden nach seiner Abreise, begann ihr Bild in seinem Kopf langsam zu verblassen... Sein Magen zog sich schmerzhaft zusammen. Eilig lief er ins angrenzende Badezimmer, klammerte sich an der Kloschüssel fest und übergab sich. Diese Sehnsucht machte ihn fertig, machte ihn krank. Sylvain kniete vor der Schüssel, bis er sich wie leergepumpt fühlte. Komplett leer, keine Gefühle mehr, keine Gedanken, nichts mehr. Mit wackeligen Knien stand er auf und tastete sich zu dem großen, weichen Himmelbett vorwärts. Müde ließ er sich fallen. Er wickelte die Decke um sich und schlief ein.

    Im Schlaf kamen die Gefühle wieder. Sylvain träumte intensiv von Allie. Sie lag in der Traumwelt neben ihn, ließ ihre Fingerspitzen über seine Brust wandern, schmiegte sich an ihn und küsste ihn. "Ich liebe dich.", hauchte Sylvain. Ungläubig sah Allie ihn an. "Ich liebe Carter. Nur ihn allein. Du bedeutest mir nichts. Nicht das kleinste bisschen!" "Allie, nein..." "Was heißt hier nein? Ich darf lieben, wen ich will!", fauchte sie. Tränen liefen über sein Gesicht. "Bleib doch noch, nur ein kleines Bisschen... Ich habe so lange auf dich gewartet, jetzt lass mich nicht einfach fallen...", schluchzte er leise. "Ach nein?", meinte die Traum- Allie schnippisch, "Und wie willst du das verhindern?" Es schmerzte so sehr, doch Allie hatte Recht. Wie wollte Sylvain sie aufhalten? Er wusste es nicht. Langsam begann sich die Traum- Allie aufzulösen. Verzweifelt streckte Sylvain seine Hand nach ihr aus, doch er griff ins Leere. "Nein! Geh nicht! Lass mich nicht allein! Allie...! Bleib...!" Tränen rollten unaufhaltsam über seine Wangen. "Nein..."
    "Sylvain! Sylvain! Cherie!" Eine eindringliche Stimme riss ihn aus seinen Träumen. "Sylvain! Wach auf!" "Maman?" "Cherie, was hast du?" "Ich habe geträumt.", flüsterte er brüchig. Sein Kissen war tränennass und das Bettzeug zerwühlt. "Was machst du hier?" Mrs. Cassel sah ihn an. "Du hast nach Allie gerufen und als ich nachsehen wollte, was los ist, lagst du hier und hast geweint. Was hast du geträumt?" Vor Scham hätte Sylvain im Boden versinken. Das letzte Mal, dass er im Schlaf gesprochen hatte war über zehn Jahre her und da hatte er hohes Fieber gehabt. "Allie ist zu Carter gegangen. Während ich wegen Dad hier war, wäre ein Treffen mit Nathaniel gewesen, zu dem ich sie hätte begleiten sollen. Da ich weg war, hat Carter meinen Platz eingenommen. Irgendwas ist schiefgelaufen und die Zwei mussten flüchten. Sie sind in einem Bed and Breakfast untergekommen. Was soll ich sagen... Ich glaube sie haben zusammen geschlafen."

    Es war halb sechs in der Früh. Erschöpft von der Nacht kauerte Sylvain auf dem Sofa und wartete auf eine Limousine. Die sollte ihn zu seinem Vater ins Krankenhaus fahren. Er musste unbedingt mit ihm sprechen. Eine gute Viertelstunde später saß er in einem uralten glänzenden Bentley und starrte auf die südfranzösische Landschaft. Vor einem schönen weißen Gebäude in mitten von Lavendelbüschen hielt das Luxusauto und die Tür wurde geöffnet. "Monsieur Cassel", meinte der Chauffeur mit näselnder Stimme. "Merci.", antwortete Sylvain höflich und stieg aus. Er ging den langen weißen Kiesweg entlang zu dem modernen Privat- Krankenhaus. Leise glitt die Eingangstür aus Gas auf und er trat ein. An der Rezeption blieb Sylvain stehen. "Bonjour, ich würde gerne meinen Vater, Monsieur Cassel, besuchen. Ich bin sein Sohn Sylvain.", erklärte er. Die junge Französin hinter dem Empfang nickte. "Oui, Monsieur. Kommen sie." Sylvain folgte ihr eine glänzende weiße Treppe hinauf, einen langen Flur entlang, auf dem es stark nach Desinfektionsmittel roch und durch eine Glastür. "Voilà, Monsieur. Wir sind da. Klingeln sie einfach, wenn sie irgendetwas brauchen, d'accord?", sagte sie mit einer glockenhellen Stimme. "Oui, merci, Madame." Die junge Frau eilte wieder zurück nach unten und Sylvain klopfte an die Tür. "Herein!", kam die gedämpfte Stimme seines Vaters zurück. Leise zog er die Tür auf und setzte sich neben das Bett seines Vaters. "Salut Papa. Wie geht es dir?", fragte Sylvain. "Mir geht's so gut, wie es dir gehen würde, wenn du vor einem Monat fast in die Luft gesprengt worden wärst.", antwortete M. Cassel sarkastisch, "Und dir, Cherie?" Sylvain seufzte. "So gut wie dir, wenn Maman dich für einen Engländer verlassen würde." M. Cassel stutzte. "Stimmt etwas nicht, Cherie?", fragte er mit besorgtem Gesicht. "Alles stimmt nicht! Allie verlässt mich wegen Carter, du liegst im Krankenhaus und Maman überlegt sich krampfhaft wie sie mich aufheitern soll!", meinte Sylvain bitter. "Die Idee deiner Mutter kann ich nur unterstützen. Du hast in zwei Tagen Geburtstag! Du wirst siebzehn, genau wie Allie. Du solltest dich wenigstens ein bisschen freuen an diesem schönen Tag.", stellte sein Vater fest. Da hatte er mal wieder Recht. Wie gerne hätte Sylvain diesen Tag mit Allie gefeiert, in dem Pavillon wo er auch ihren Geburtstag vorbereitet hatte... Doch dazu würde es sicherlich nicht kommen. Nie wieder. "Du hast so recht, Papa, aber... ich weiß auch nicht... es geht einfach nicht!" "Mais Sylvain, rien n'est impossible! Nichts ist unmöglich! Ich denke, du solltest wieder gehen. Bald ist Visite. Danke dass du da warst!", meinte M. Cassel. "Kein Problem Papa. A bientôt." Zum Abschied lächelte Sylvain seinem Vater zu, dann verließ er den hellen weißen Raum. Rien n'est impossible. Nichts ist unmöglich. Was hatte er wohl damit gemeint?

    "Sylvain, komm runter, es gibt Abendessen!" Sylvain verdrehte die Augen. Vor einer Stunde hatte Lourdes ihm eine riesige Platte Macarons aufs Zimmer gebracht. Sie und seine Mutter wollten ihn nun schon seit zwei Tagen aufheitern, bis jetzt hatte aber noch nichts geklappt. "Maman, ich hab vor einer Stunde Lourdes Macarons gegessen, tu ne te soivens pas? Weißt du nicht mehr?", rief er nach Unten. "Oh. Schade, es gibt Ratatuille!", antwortete Mrs. Cassel. Ratatuille. Lecker! Aber warum hatte Lourdes sein Lieblingsgericht zubereitet? Normalerweise gab es zum Abendessen immer solche extravaganten Sachen... Entweder war Lourdes endlich zur Vernunft gekommen oder das war wieder nur ein Aufheiterungsversuch. Sylvain seufzte und stand von seinem Schreibtisch auf. Er hatte sich gerade verschiedene Privatinternate von Demeter in Frankreich angeschaut. In Paris, Marseille und Straßburg waren ein paar, doch das hübscheste hatte er in Lyon gefunden. Es lag versteckt in Mitten von den Traboules, geheimnisvollen unterirdischen Gassen, die die Leute früher zum transportieren wertvoller Waren genutzt hatten. Doch noch wollte Sylvain zu Hause bleiben. Er vermisste Allie immer noch, es war, als wäre ein Loch in seinem Herzen. "Sylvain! Komm, sonst wird das Essen kalt!", schrie seine Mutter und riss ihn aus seinen Gedanken. "Ja-ha!", rief er zurück und rannte die Treppe nach unten. Mrs. Cassel saß, wie üblich, in einer eleganten cremefarbenen Bluse und einem schwarzen Bleistiftrock auf ihrem Stuhl. "Guten Abend, Maman. Euh... danke für das Essen?", begrüßte Sylvain sie und ließ sich auf einen Stuhl gegenüber fallen. Er fühlte sich irgendwie falsch in seiner Jeans und dem ausgeblichenen T-Shirt. Mrs. Cassel lächelte. "Freust du dich schon auf Morgen?", fragte sie. "Naja... es geht. Lass mich raten, du hast mal wieder einen Haufen Leute eingeladen, den ich gar nicht kenne.", antwortete er wahrheitsgemäß. "Oh non, cherie! Also, Nicole hat gefragt, ob sie kommen darf. In Cimmeria ist gerade die Hölle los, ganz viele neue Schüler, ausserdem ist morgen Samstag. Ich meinte, sie kann gerne kommen, wenn sie mag. Ach übrigens, es gibt morgen einen Überraschungsgast! Schon aufgeregt?", meinte Mrs. Cassel lässig. In der Tat, jetzt war Sylvain nervös geworden. Dieser 'Überraschungsgast' war vermutlich nur irgendein dämlicher Vorsitzender von Demeter, doch man konnte ja noch hoffen. Er schüttelte den Kopf und schlang sein Essen hinunter. Sylvain wollte unbedingt, dass es schnell ging, bis Morgen zu warten. Er wusste dass das ziemlich naiv war, doch er konnte es sich nicht verkneifen. Nach dem Essen zog er sich um und legte sich ins Bett, in der Hoffnung, er würde schnell einschlafen. Doch insgeheim wusste er: das würde eine der längsten Nächte seines Lebens sein.

    Ein Sonnenstrahl kitzelte Sylvain an der Nase. Seufzend öffnete er die Augen und sah auf seinen Digitalwecker. Samstag! Schlagartig war er hellwach und sprang auf. Im Badezimmer ließ er sich heißes Wasser über den Körper fließen. Das tat gut... Zehn Minuten später stand Sylvain in Hose, Hemd und Schuhen auf dem Treppenabsatz. Erwartungsvoll ging er ins Wohnzimmer. Auf dem tiefen, weichen Sofa saß seine Mutter und lächelte ihn an. Neben ihr saß Nicole. Als diese ihn bemerkte, hüpfte sie in die Luft und fiel ihm um den Hals. "Joyeux anniversaire!", riefen Nicole und Mrs. Cassel unisono. "Merci! Schön dass du da bist, Nicole! Wo hast du Rachel und Zoe gelassen?", grinste Sylvain und setzte sich. "Oh, stimmt ja!", lachte seine Freundin, "Ihr könnt kommen!" Aus dem Flur hörte man plötzlich viele Stimmen. "Das wurde aber auch Zeit!" "Du standest die ganze Zeit auf meinem Fuß!" "Er hat uns nicht bemerkt!" Eine Gruppe von Leuten trat ins Wohnzimmer. "Alles gute zum Geburtstag!", riefen Alle. Sylvain erkannte Zoe, Rachel, Lukas und... Noch jemanden, von dem das Gesicht im Schatten lag. "Danke dass wir kommen dürfen!", meinte Rachel mit schiefem Grinsen. "Pas de problème."; meinte er lachend. Nicole lächelte. "Jetzt komm schon, er beisst nicht!", rief sie der einzelne Person am Ende der Halle zu. Das Mädchen trat aus dem Schatten. Lange, seidige, braune Haare und schuldbewusste graue Augen. Sein Herz machte einen Sprung. Allie! Langsam kam sie auf ihn zu. "Es tut mir so leid... Es war alles meine Schuld. Ich hätte dich nicht verletzen dürfen. Seit du gegangen bist, hat mir etwas gefehlt. Ein guter Freund, auf den ich mich immer verlassen konnte. Immer. Verzeih mir bitte, Sylvain.", sagte sie niedergeschlagen. Bestürzt riss Sylvain die Augen auf. Tropften da etwa Allies Tränen auf den Boden! Er ging auf sie zu und zog Allie in eine feste Umarmung. "Weißt du, mir hat auch etwas gefehlt. Nämlich du, du hast mir gefehlt. Deine Augen, die so schön glänzen können, dein Haar, das glänzender ist als alles Gold der Welt, einfach alles an dir, auch deine Fehler, deine Makel, einfach nur du. Ich verzeih dir."
    Er breitete seine Arme um sie wie ein Schutzschild und legte seinen Kopf an ihren. Sylvain wollte Allie nie wieder gehen lassen. "Danke.", flüsterte Allie und schmiegte sich an ihn. Schließlich sah sie ihm in die Augen. "noch ein letztes Mal.", hauchte sie und verschränkte ihre Hände in seinem Nacken. Dann zog sie ihn an sich und küsste ihn.



    So Leute, das war's. sorry wenn das ein bisschen lang geworden ist ;) Ich hoffe es hat euch gefallen. habt ihr noch andere Ideen, wie die Night School Reihe weitergehen könnte? Schreib mir doch mal ein Feedback in die Kommentare.
    Servus und bis bald!
    Eure Zwergi ( ja, ich bin ein Mädchen)

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