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Vom Leben gefangen

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    Ich atmete aus. Ich sah die warmen Wolken, die aus meinem Mund ausstiegen. Ich krallte mich frierend an meinen Pullover fest, doch es brachte nichts.
    Ich atmete aus. Ich sah die warmen Wolken, die aus meinem Mund ausstiegen. Ich krallte mich frierend an meinen Pullover fest, doch es brachte nichts. Ich fror weiter. Es war eiskalt … und es regnete. Ich sank auf dem Boden zusammen und ließ es einfach regnen. Meine Haare klebten mir im Gesicht und meine Finger waren taub vor Kälte. Doch es war mir egal. Eine riesige, schwarze Wolke schwebte in mir und sie regnete in Strömen. Doch es hörte nie auf … sie regnete, was auch immer ich tat. Ich stand auf und wollte gehen, doch ich sah nichts. Ich stolperte umher, doch ich war zu erschöpft. Ich brach in mich zusammen und lag einfach auf dem Boden. Kein Licht erhellte mein Leben. Ich war nur traurig. Niemand war hier, ich hörte nur das Rauschen des Regens. Jeder Tropfen, der auf dem Boden aufschlug und sich in eine Pfütze mischte, saugte mehr Lebenslust aus mir heraus. Bis sie nicht mehr da war. „Steh auf“, flüsterte eine warme Stimme in mir. „Du darfst nicht sterben. Das Leben ist doch so schön.“ Es war grauenhaft … ich wollte sterben, doch niemand ließ mich sterben. „Nein!“, kreischte ich in die Dunkelheit. „Du musst Leben!“, zischte die Stimme nun unerwartet kalt. „Wieso?“, wollte ich wissen. „Das Leben ist schön!“, grollte die Stimme zurück. „Du bist einfach nur krank. Sehr krank. Du brauchst unbedingt Hilfe!“ „Ich will aber keine Hilfe!“ Wut kam in mir hoch. Jeder dachte, ich sei krank … doch ich war es nicht. Ich wollte einfach nur nicht leben, doch niemand hier akzeptierte das … „Wenn ich einmal tot bin, werde ich wenigstens verstanden, schließlich sind dort auch alle Toten.“ „Die Toten waren dumm. Sie haben Selbstmord begangen!“, knurrte die Stimme. Plötzlich aufkommender, eisiger Wind blies mir die Haare ins Gesicht, schleuderte mich hoch und wirbelte mich in der Luft umher. „Versprich, dass du niemals absichtlich sterben wirst!“, befiehl die Stimme wütend. „Versprich es!“ „Niemals!“, entgegnete ich mit fester Stimme. Wütend schleuderte mich der Wind heftiger herum und ließ mich heftig auf den Boden fallen. Es gab ein dumpfes Geräusch, als mein Kopf aufschlug. Ich zögerte nicht lange. Ich zog mit meiner blutigen Hand ein Messer aus meinem Gürtel. Doch plötzlich hielt ich inne. Was würden meine Freunde tun, wenn sie bemerkten, dass ich tot war? Sie wollten mich immer daran hindern, dass ich starb. Sie mochten mich, ich mochte sie. Das war der einzige Grund, wieso ich überhaupt noch am Leben war. Sie werden es verstehen, sagte ich mir. „Es tut mir leid ...“, flüsterte ich kraftlos und schlug mir das Messer in die Brust, blieb still liegen und wartete, bis es kein Leben mehr in mir gab, was mich hätte retten können.

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