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La chica libra

Es geht in der Geschichte um ein Mädchen, dass alle Elemente beherrscht und aus einem Waisenhaus abgehauen ist.

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    Ein freies Mädchen: Lautlos huschte ich durch den hellen Wald, auf der Suche nach einem Versteck. Mein Rücken schmerzte unter dem Gewicht des große
    Ein freies Mädchen:

    Lautlos huschte ich durch den hellen Wald, auf der Suche nach einem Versteck. Mein Rücken schmerzte unter dem Gewicht des großen Rucksacks, und der Wind wirbelte mein langes blondes Haar durcheinander. Schließlich öffnete sich der Wald und ich stand auf der Promenade. Der Wind blies den salzigen Geruch der Ostsee zu mir hinüber und ich zog tief die Luft ein. Es musste sehr seltsam aussehen, wie ich da mitten auf der Promenade stand, mit geschlossenen Augen und einem riesigen Rucksack. Ich öffnete die Augen und lief wieder ein Stück in den Wald. Dann machte ich mich unsichtbar und huschte abermals zurück auf die Promenade. Das Meer, der Wind, die Erde, die Pflanzen, die ganze Natur rief nach mir. Ich konnte mit Feuer sprechen, mich unsichtbar machen, fliegen, das Wasser kontrollieren, zu Rauch werden, und zu Schatten auch... Das alles konnte ich, seit ich denken kann. Ich war im Waisenhaus aufgewachsen, denn meine Eltern waren tot. Das Waisenhaus war ein schrecklicher Ort gewesen, damals, als ich meine Kräfte noch nicht richtig beherrscht hatte, wurde ich manchmal wieder sichtbar, wenn ich Geld oder Essen klaute, und dann wurde ich oft geschlagen. Die anderen Kinder waren alle brav, sie hatten Angst vor dem Direktor; ein bulliger Typ, der so breit war wie eine Tür und so wenig Köpfchen hatte wie eine Stecknadel. Genau das hatte ich mal zu ihm gesagt, damals, als ich 9 war, dann wurde ich von ihm höchstpersönlich vermöbelt und musste ohne Essen ins Bett. Manchmal fragte ich mich, warum ich nicht meine Kräfte einsetzen konnte, wenn mich jemand verprügeln wollte. Heute weiß ich, dass ich in Gefahrensituationen meine Kräfte nicht benutzen kann. Deshalb versuche ich, jedem Konflikt aus dem Weg zu gehen, was gar nicht so einfach ist, denn irgendwie gerate ich immer in Schwierigkeiten. Ich kam an einer nach Parfüm riechenden Frau vorbei, an einem Mann, der aufs Handy starrte und einen winselnden Hund an der Leine hatte, und an einem knutschenden Pärchen. Ich nahm die Richtung, die weg von den ganzen Cafés, Parks und Restaurants führte. Weg von den ganzen Menschen. Immer weiter ging ich, nach einiger Zeit kam ein Sturm auf, doch ich sorgte dafür, dass er sich Richtung Norden bewegte. Irgendwann endete die Promenade und ich musste am Strand weiterlaufen. In der Ferne war eine Burgruine zu erkennen, eigentlich das ideale Versteck, doch ich mochte Burgen nicht. Sie erinnerten mich zu sehr an die Zeit im Waisenhaus. Schnaufend blieb ich stehen und sah mich um. Hier wuchs sehr viel dichter Strandhafer, der die Sicht auf den Sand verdeckte und etwas größer war als ich. Mit meinen Kräften ließ ich einen kleinen, leicht zu übersehenen, Weg erscheinen. Ich lief immer weiter in den Strandhafer hinein, bis ich schließlich nicht mehr wusste, wo das Meer war. Nur noch den Himmel konnte ich erkennen, das helle Blau schimmerte so wunderschön über mir, dass es fast so aussah, wie das Meer selbst. Ich holte mein Zelt aus dem Rucksack und baute es auf. Es war nicht besonders groß, dafür aber stabil, wasserfest und gemütlich. Mein Schlafsack war aus Wolle, doch ich benutzte ihn nur im Winter, normalerweise schlief ich lieber draußen. Wenn ich die Augen schloss, hörte ich Stimmen, Stimmen, die nur von den Elementen kommen konnten. Ich versuchte immer wieder, sie zu verstehen, doch sie sprachen eine andere Sprache, die wahrscheinlich nie jemand gehört hatte, außer mir. Ich packte meine Sachen aus, dann ging ich hinaus, in die inzwischen kühle Luft, und suchte nach Steinen und Stöcken für ein Lagerfeuer. Mit den Steinen bildete ich einen Kreis und die Stöcke legte ich in die Mitte. Dann schloss ich die Augen und flüsterte. Ich flüsterte das, was ich hörte, wenn Flammen in der Nähe waren, oder ich Feuer erschaffen wollte. Und es antwortete mir, ich weiß nicht, woher diese Stimme kam, ob sie nur in meinem Kopf war, oder durch den Wind zu mir hergetragen wurde, doch ich hörte sie. Es war eine züngelnde, knisternde Stimme, die mich lobte und leise mit mir sprach, und obwohl ich sie nicht verstand, wusste ich, was das Feuer mir sagen wollte. Ich öffnete wieder die Augen und eine kleine Flamme erschien auf meiner Handfläche, es tat nicht weh, es war nur so ein kribbelndes Gefühl, wie als würde ein Käfer über meine Haut laufen. Vielleicht waren die Elemente auch Tiere, wer weiß? Das Feuer kroch mir den Arm hinauf, wuselte mir durch die Haare, und sprang dann wie von selbst in den Kreis mit den Steinen und Stöckchen. Das Feuer wurde größer, dann wieder kleiner, es wurde zu Formen, mal erhob sich eine kleine Feuerkugel, mal spritzten Funken umher, und mal war es ganz still und es schwieg. Ich legte meinen Schlafsack vor das Feuer, schloss die Augen, ließ den Wind über mich hinwegwehen, hörte ihm zu, was er mir erzählte. Es klang wie eine Gute-Nacht-Geschichte und ich dachte vor dem Einschlafen nur noch an eines: Ihr seid meine Freunde.

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