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Highschool - ℒ♡ⓥℯ ˙˘˙

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    Hi, schön, dass ihr hier hergefunden habt. ^^ Nehmt euch ruhig Zeit beim Lesen am besten.
    Vorerst einmal ein paar Erklärungen, damit euch das Lesen und Verständnis etwas leichter fallen.
    - also ... diese Geschichte ist für einen Schreibwettbewerb geschrieben. Sie ist noch nicht komplett ausgefeilt, weil mir die Zeit ausging, aber sie ist fürs Erste fertig.
    - Ich hatte während dem Schreiben die komplette Zeit über Bilder von Animecharakteren vor Augen. Deshalb spielt die Story an sich auch in Japan. Dort spricht man Leute mit Nachnamen an, wenn man sich nicht besonders gut kennt. Es gibt verschiedene Endungen, die man anhängen kann (wie z.B. -san, -kun, -chan oder -sama (hab ich was vergessen? OwO)), mit verschiedenen Bedeutungen. Aber yes, nicht irritieren lassen davon, dass die Charaktere mal mit Takamura-kun beispielsweise und mal mit Takamura-san angesprochen werden.
    - Es ist eine Boyslove-Story. (Hehe, typisch ich xD)
    - Je nach Perspektive schreibe ich aus einer anderen Zeitform. Ich weiß, das entspricht nicht den Kriterien, aber ich hatte einfach diesen Drang danach ;-; Das letzte Kapitel dagegen ist im Präsens, auch wenn es Kaichis Sicht großteils ist.
    - Ich habe versucht, Schimpfwörter zu vermeiden, also ist nur sowas wie „Verdammt - Damn“ oder „Holy Shit“ enthalten, soweit ich mich erinnere. Die Wörter waren einfach am passendsten für die Situation, nicht übel nehmen.

    Sooo, und jetzt will ich gar nicht weiter so viel sagen, habt einfach Spaß beim Lesen und wenn etwas unlogisch erscheint, sprecht mich darauf an:}

    2
    Ich warte. Mein Blick wandert über das Spielfeld, die Risse und Vorsprünge, die sich am Boden aufgetan haben. „Takamura-kun!“ Mein Kopf schnellt nach oben. Grob werde ich zur Seite gestoßen. „He!“ Mit einem Satz springe ich auf den dunkelhaarigen Jungen zu, der mich beiseite geschubst hat und verschränke die Arme vor der Brust. Ich muss zwar zu ihm aufschauen, lasse mich aber keineswegs einschüchtern. „Wir trainieren hier jetzt. Also geh bitte vom Spielfeld runter.“ Die Stimme kommt von hinten und hallt an den alten, schon bröckeligen Wänden wider. Ich wirble herum. Ein hochgewachsener, athletischer Junge kommt durch die Außentür hinein. Das Einzige, was ich tue, ist, ihn anzustarren. Was mir erst zwei Sekunden später bewusst wird. Ich senke den Blick, als er vor mir stehen bleibt und mich einen Moment lang mustert. Dann gehe ich an ihm vorbei, ohne auch nur noch ansatzweise nach hinten zu sehen. Höre, wie der blond gelockte, große Junge ein paar Worte mit den anderen wechselt, der Basketball geprellt wird, den er die ganze Zeit in seiner Hand gehalten hat. Höre, wie die dreckige Glastür hinter mir klappern und klirrend ins Schloss fällt. Wieso habe ich nichts gesagt? Gerade eben ... Das wäre doch meine Chance gewesen. Stattdessen habe ich mich von ihnen lächerlich machen lassen. Oh Mann ... Wie hoffnungslos bin ich eigentlich? Leise seufzend lehne ich mich draußen gegen die Wand. Ja ... wie hoffnungslos ...

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    „Takamura-san ist also in der B?“ Kaichi strich sich eine Locke aus der Stirn. „Dann ist er in unserer Stufe?“ Während der Junge neben ihm nickte, zog er sich sein Trikot über den Kopf und tauschte es gegen ein Hemd. „Lass uns morgen wieder trainieren. Hat Spaß gemacht.“ Der andere grinste. „Klar.“, lächelte Kaichi, streifte sich den Träger deines Rucksacks über und tippte sich gestellt mit Mittel- und Zeigefinger seitlich gegen die Stirn. „Mach’s gut, Rie.“, murmelte er, riss die Tür zur Umkleide auf und stürzte mit einem Blick auf die Uhr fröhlich winkend davon. „Bis morgen!“ Seine Hand umklammerte sein Handy, als er es aus der Tasche zog. Im Rennen blickte er auf den Screen, scrollte durch seine Kontakte. „M ... Maari, Mahoto, ... ah, Maika-chan.“ Er hastete weiter, klickte den Kontakt an. An der Bushaltestelle machte er halt. Versuchte, seine Gedanken zu ordnen. Seine Finger flogen über die Tastatur, aber aus den Buchstaben und Worten wollten sich einfach keine Sätze bilden lassen. Wie sollte er die Nachricht beginnen? Mit einem simplen „Hey, Cutie?“ Oh Gott, nein. Bei dem, was er schreiben wollte, würde das am allerwenigsten passen. Frustriert löschte er die Nachricht wieder. Verdammt. „He! Steigen Sie auch noch ein, oder haben Sie vor, den ganzen Tag hier rumzugammeln?“ Er blickte auf. Ein mürrischer Busfahrer starrte zu ihm hinüber. „Sorry.“ Eilig stieg Kaichi ein. Hier im Nirwada hatte er ganz bestimmt keine Lust, den nächsten Bus zu nehmen. Oder auch nur zu versuchen, auf diesen zu warten. Mit einem Seufzen ließ er sich auf einen der schmutzig grünen Sitze fallen und lehnte seinen Kopf zurück. Für einen Augenblick starrte er ausdruckslos auf den Bildschirm seines Smartphones. Dann schaltete er es aus und steckte es ein. Würde er die Nachricht lieber nachher schreiben ... Nachher ... Oder auch gar nicht.

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    Der Gang ist kühl. Und leer. Eine morgendliche Brise strömt durch die weit geöffneten Fenster hinein; ebenso die ersten Sonnenstrahlen die nur langsam, Stück für Stück, dem grauen Gang eine etwas fröhlichere Ausstrahlung verleihen. Ich gähne leicht, stoße dann die Tür neben mir auf. Fast wäre ich wieder zurückgewichen. An einem der Tische sitzt schon jemand. Es ist ungewohnt. Meist kommen alle erst ziemlich spät, gerade noch so zu Stundenanfang. Schule steht bei den meisten nicht an erster Stelle. Nicht, dass mir die Schule sehr wichtig wäre… Ich hab nur keine Lust, jemandem von der Stunde auf dem Gang zu begegnen. „Ohayoo“, grüßt das Mädchen, sieht mich dabei aber nicht an. „Guten Morgen ...“, murmle ich kaum wahrnehmbar. Ich mustere sie aus dem Augenwinkel. Sie hat geweint. Ihre Augen sind gerötet. In dem Versuch, ihre Müdigkeit zu verbergen, hat sie übertrieben viel Make-up aufgetragen. Die dunkelblonden Haare wurden scheinbar in Eile zu einem Dutt hochgesteckt. Doch trotzdem strahlt sie noch immer eine natürliche Schönheit aus. Ich setze mich, packe mein Zeug aus schlage leise ein Blog auf. Das Geräusch des Bleistifts, wie er auf dem leeren Papier herumfährt und graue Linie hinterlässt, ist unnatürlich laut in der sich ausbreitenden Stille. „Was machst du da?“ Ich zucke zusammen. Seit wann interessiert sich jemand für das, was ich tue? „Ich ... zeichne.“, antworte ich langsam. Oder will sie sich einfach nur ablenken? Wie heißt sie noch gleich? Saehara ... Saehara Maika. Für einen Augenblick starre ich einfach nur auf das Papier, ohne den Stift bewegen. Ist sie nicht mit diesem ... diesem blond gelocktem Jungen aus der A zusammen? Was ist bloß passiert? Wieso hat sie geweint? Hat es damit zu tun? Ein leises Seufzen dringt über meine Lippen. Warum stell ich mir überhaupt diese Fragen? Warum interessiert es mich, zu erfahren, was los ist? Die Welt ist einfach kompliziert. Ich sollte mich nicht auch noch an solchen Dingen aufhalten ... Oh, verdammt. Was denke ich hier gerade? Etwas in mir wünscht sich, zu wissen, was geschehen ist. Wieso Saehara geweint hat. Aber was weiß ich schon? Beziehungen ... ich werde sie nie verstehen.

    5
    „Kaichi-san! Warte mal kurz!“ Abrupt blieb Kaichi stehen und drehte sich fragend um. „Was ist los?“ Er sah das Mädchen mit den dunklen Haaren vor sich mit hochgezogener Augenbraue an. „Saehara ...“, keuchte das Mädchen. Sie war wohl gerannt. „Saehara möchte dich fragen, ob ihr ... noch befreundet sein wollt. Sie hat sich nicht getraut, dich selbst anzusprechen, nachdem du ihr ... du weißt schon ... geschrieben hast. Aber du kennst sie ja. Sie könnte dich sicher nie vergessen.“ Das schwarzhaarige Mädchen setzte ein unsicheres Lächeln auf. Welches ebenso unsicher von Kaichi erwidert wurde. „Sag ihr bitte ... dass ich sie anrufen werde.“, antwortete er endlich. „Klar, mach ich.“ Während das Mädchen davonhastete, stieß er ein tiefes Seufzen aus. Es würde schwer werden, die richtigen Worte zu finden.
    Vor der heruntergekommen Halle macht er halt. Die alte Glastür stand offen. Vielleicht war Rie ja schon da. Erst beim Eintreten bemerkte er, dass es nicht Rie war, der die Tür wahrscheinlich offen gelassen hatte. Es war jemand anderes gewesen. Und dieser jemand saß jetzt im Schneidersitz mitten auf dem steinernen Basketballfeld. „Hey.“ Kaichis Stimme ließ die Person herumfahren. Anstatt einer Antwort, bleib sie stumm. „Takamura-kun, was machst du hier?“ Die Frage klang kälter als beabsichtigt. Dieser stand auf. „Tut mir leid.“, setzte er an. Ging ein paar Schritte auf Kaichi zu. „Ich werde wohl besser jetzt gehen.“ Er wollte an ihm vorbeigehen, wurde aber am Arm festgehalten. „Das war keine Antwort. Du bist jedes Mal hier, wenn wir kommen. Wieso? Willst du uns etwas fragen? Irgendetwas wissen?“ Er sah Takamura aus seinen hellbraunen Augen an. Registrierte das Zögern auf dessen Gesicht. „Nein. Ich ...“ Die Lüge schlug ihm hart entgegen. Seine Finger lösten den Griff um den Unterarm seines Gegenübers. Wieso sprach Takamura nicht einfach aus, was er hier immer tat? Wieso zum Teufel war er hier? Was könnte der Grund dafür sein? „Nein, sorry.“ Der Junge entglitt Kaichis Griff, drehte sich um. Er warf keinen Blick zurück, als er durch die Tür nach draußen verschwand. Kaichi sah ihm hinterher, merkte nur am Rande, wie die Tür erneut aufging und mehrere Leute in schwarz-weißen Basketball-Trikots hineinkamen. Rie klopfte ihm auf die Schulter. „War dieser schräge Typ wieder hier?“, grinste er zur Begrüßung. Kaichi nickte. Langsam. „Hör mal ... Es soll bald ein Basketball-Turnier verschiedener Schulen geben. Ich hoffe doch, unser Team wird dabeisein?“ Das löste ihn aus seiner Abwesenheit. „Ein Basketballturnier? Wirklich?“ Er zwinkerte grinsend. „Klar sind wir dabei. Lass uns unser Team gleich heute noch anmelden.“ Rie strahlte. „Perfekt. Den Sieg holen wir uns mit links!“ Kaichi nickte. „Locker!“

    6
    Ich laufe. Meine Beine schmerzen, doch es macht mir nichts aus. Im nächsten Moment pralle ich gegen etwas. Ich taumle zurück, erschrocken sehe ich auf. Mein Körper ist verkrampft und ich nehme die Kopfhörer ab. „E-entschuldige.“, stammle ich. Es ist kein Gegenstand, gegen den ich geprallt bin, sondern ein Mensch. „Kein Problem.“ Das Lächeln, die Augen, … Mein Blick wandert weiter. „K-Kaishi.“ Vermutlich klinge ich ziemlich überrascht. Spiegle damit in etwa wahrscheinlich den Gesichtsausdruck wider, der sich jetzt bei meinem Gegenüber zeigt. „Das ... sorry.“ Verwirrung mischt sich in seine Mine. „Wohnst du etwa hier in der Nähe?“, fragt er nach einer langen Pause. Ich nicke vorsichtig, sage jedoch nichts. „Dann ... wohnen wir nicht einmal weit voneinander entfernt.“, stellt er fest, als er merkt, dass ich seinen Smalltalk wohl nicht weiterführen werde. Was sollte ich auch sagen? „Hör mal ...“ Sein Ausdruck wird auf einmal ernst. „Möchtest du mir etwas sagen? Also ...“ Er lacht unsicher. „Wieso bist du immer in der Halle, wenn wir kommen? Wartest du auf jemanden dort? Wartest du ...“ Ein Zögern. „Wartest du auf uns?“ Ich schlucke. Senke den Blick. „Ich ...“ Meine Stimme ist nur sehr leise. Nicht mehr als ein Flüstern. Die sich ausbreitende Stille ist unangenehm. Auf der anderen Straßenseite gehen lachend ein paar Mädchen vorbei, die zu uns neugierig hinüberschauen. „Takamura?“ Ich merke, wie ich abgeschweift bin. „Ja. Ich warte ... auf euch.“, bringe ich endlich mühsam hervor. Spüre, wie merkwürdig die Worte klingen, als sie über meine Lippen dringen. Spüre Kaichi-kuns Augen auf mir ruhen. „Ich wollte euch die ganze Zeit fragen, ob ich ... Teil eures Teams sein könne. Natürlich bin ich kein Talent ... Natürlich. Ich bin nicht beliebt wie du. Wie die anderen. Bin nur Dreck für die aus unserer Schule. Aber ... ich würde gerne lernen, wie man spielt. Es wenigstens versuchen.“ Ich hole tief Luft. Meine Stimme zittert. Wie erbärmlich ... „Ich habe es nie über mich gebracht, zu fragen.“ Ich bin leiser geworden. Kaum noch hörbar. Als ich geendet habe, erwarte ich eine Antwort darauf. Doch es kommt nichts. Und ich wage nicht, nach oben zu sehen. Eine gefühlte Ewigkeit ist es still. Dann ertönt ein leises Lachen. Ich sehe hoch. Kaichi grinst mich an. Er nickt hinüber zu einem weißen Neubaugebäude. „Komm morgen mal zu mir. Ich zeig dir, wie man am besten mit einem Basketball umgeht.“ Ich lächle vorsichtig. „Lass uns gemeinsam trainieren.“

    7
    Kaichi legte seinen Stift zuseite und sah abwesend aus dem Fenster. Ein Brummen ließ ihn hochfahren. Müde nahm er sein Handy von der Tischplatte und blinzelte den Screen an, der hell in der Dunkelheit aufleuchtete. Vier neue Nachrichten. Rie hatte Ort und Datum des geplanten Turniers geschickt. Maika zwei Nachrichten, die fragten, wie es ihm ginge. Die vierte Nachricht kam von Takamura. Ein einfaches, kurzes „Hey“. Kaichi musste lächeln. Die letzten drei Tage hatten er und Takamura viel Basketball gespielt. Geübt. Takamura war zwar nicht sonderlich talentiert, aber in Ordnung. Und auch wenn er sonst immer so verschlossen wirkte, hatte sich nach nur wenigen Trainingsstunden sein Lachen das erste Mal gezeigt. Die anderen mochten vielleicht nicht gerade positiv über ihn sprechen, aber wer kannte ihn schon wirklich? Vorurteile. Nichts als Vorurteile. „Hi.“, schrieb Kaichi zurück. Dann scrollte er noch einmal zum Chatverlauf zwischen Rie und ihm. Fast ließ er das Smartphone fallen, verkrampfte seine Finger jedoch gerade noch rechtzeitig um das Gerät herum. Der Ort des Turniers war gut gewählt. Er war zwar noch nicht oft in der vorgesehenen Halle gewesen, hatte aber schon viele Bemerkungen über die perfekte Größe und den Aufbau gehört. Doch das Datum brachte ihn aus der Fassung. „Samstag ...“ Das wären nur noch zwei Tage bis dahin. „Wie sollen wir das nur schaffen ... In nur so kurzer Zeit ...“ Seine Finger flogen über die Tastatur. „Wer wird gegen uns spielen?“ Die Antwort kam fast sofort. „Weiß nicht. Lass uns abwarten.“ Kaichi rammte seine Faust gegen das Schreibtischbein. Verdammt. Frustriert starrte er den Bildschirm an, wartete darauf, dass noch weitere Infos kamen. Aber es kam nichts. Und die Uhr tickte im Dunkeln einfach weiter ...
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    Abrupt fuhr er hoch. Sein erster Blick galt dem Zeiger der Schreibtischuhr, der langsam über die sechs wanderte. Halb ... Halb was? Panisch suchte er nach dem Stundenzeiger. Ein Sonnenstrahl drang von draußen hinein und blendete ihn. Halb acht. Kaichi sprang auf. Mit einem Fluchen riss er sich sein Hemd vom Körper und schlüpfte in ein frisches. Suchte hastig seine Schulsachen zusammen und stopfte sie in seinen Rucksack. Wieso hatte der Wecker nicht geklingelt? In fünf Minuten war er aus dem Haus. Band sich während dem laufen die Schulkrawatte um den Hals, versuchte, seine wilden Locken irgendwie zu glätten und zog sich eine helle Jeansjacke über. Mist. In zehn Minuten würde der Unterricht beginnen. Und er hatte nicht einmal eine gescheite Ausrede parat. Bus kam nicht? Nein, die wurde langsam alt. Verflucht. Der nächste würde erst in eineinhalb Stunden kommen. Es sei denn … Oh, Gott. Nein. Das wären mehr als zwei Kilometer Fußweg, wenn er einen anderen Bus nehmen würde. Er ließ sich auf die Bank an der Bushaltestelle fallen. Tastete in der Tasche nach seinem Handy. Ein langes Stöhnen entfuhr ihm. Vergessen. Na, wunderbar. Sollte er einfach zurückgehen? Die einzige gute Möglichkeit, oder nicht? Entnervt stand er wieder auf. Warf einen leicht nervösen Blick zur Bushaltestelle und lief von Neuem los. Erst langsam, dann schneller. Der Schlüssel glitt problemlos ins Schloss und die Tür sprang auf. Niemand da. Alle wohl schon weg. Kaichi schleuderte seinen Rucksack in den Flur. Stille. Seine Schritte hallten in dem leeren, engen Flur wieder. Vorsichtig ging er in die Küche, sah flüchtig zu den rot leuchtenden Ziffern der Uhr unter dem Herd. Zwei Minuten nach Schulbeginn. In einem kleinen Topf erwärmte er die Milch, kippte sie in eine große Tasse und verrührte sie zusammen mit Kakaopulver zu heißer Schokolade. Er würde diesen Tag einfach hier verbringen. Und mittags dann zusammen mit Rie und den anderen Basketball spielen. Immerhin hatten sie nur noch wenige Tage Zeit bis zum Turnier ... Und Kaichi konnte sich nicht leisten, auch nur einmal zu fehlen. Immerhin war er der Team-Captain. Der, der das Training voranbringen musste. Der, der dafür sorgte, dass sie das Turnier gewinnen würden. Als Kaichi die Tür zu seinem Zimmer öffnete, war der Schreibtisch noch genauso wie am Vorabend. Nur die Ecke des Handy-Bildschirms lugte unter einem roten Heftumschlag hervor. Sofort nahm er es an sich und umklammerte es. Was war nur mit ihm los? Das Smartphone reagiert nicht. Akku leer ... Auch das noch. Nach einem Ladekabel suchend, überlegt er sich, was er wohl den anderen sagen sollte. Rie, Maika, ... Sie würden es verstehen. Aber Takamura? Verdammt. Was war das bloß? Takamura hatte wahrscheinlich nicht einmal mitbekommen, dass Kaichi nicht in der Schule war. Immerhin waren die beiden ja in verschiedenen Klassen. Und war es nicht egal, was Takamura über ihn dachte? Doch irgendwie ließ es Kaichi nicht los ...
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    „Hey, Bro.“ Ein Grinsen strahlte ihm entgegen. „Heyhey“, erwiderte Kaichi sofort und schlug in Ries flache Hand mit seiner ein. „Wo warst du bitte? Hast ja nicht mal mehr auf meine Nachrichten geantwortet. Alles okay bei dir? Sicher, dass wir heute trainieren sollen?“ Er ließ die Fragen von Rie eine nach der anderen an sich abprallen, bevor er zu einer Antwort ansetzte. „Ganz sicher.“ Entschlossen sah er auf. „Zwei Tage. Wir haben nur noch zwei Tage! Ich kann jetzt doch nicht einfach aussetzen!“ Den sorgevollen Blick von Rie beachtete er nicht einmal ansatzweise. „Alle bereit?“ Dieser nickte und prellte Kaichi in einem Bodenpass den Basketball zu. „Klar.“ Geschickt nahm der blondehaarige Spieler den Ball an, spielte ihn aber nur wenige Millisekunden später an einen anderen Jungen mit hellem, orangeblondem Haar. Entspannt dribbelte der wiederum in Richtung Korb, täuschte vor und umrundete einen großen, breit gebauten Jungen. Kaichi grinste und lief los. Bog sich als Mitspieler an und legte mitsamt dem Ball einen Vollsprint hin, nur um den ein paar Meter später einzulochen. Schon hatten sich zwei kleine Mannschaften gebildet und der Basketball war wieder auf der anderen Spielhälfte. Kaichi strahlte. Das war das, was er liebte. Die Turnschuhe auf dem schon alten, doch so vertrauten Hallenboden, die flüchtig darüber hinwegsetzen. Das Geräusch, wenn der Ball auf den Boden prallte, gegen das Brett geschleudert wurde und unter fröhlichem Lachen durch das Netz fiel. Die Anspannung dabei, die ihren Platz mit Begeisterung teilte. Dieses warme Gefühl, das dabei entstand. Ein lauter Knall ertönte und Kaichi wirbelte herum. Er hörte, wie der Ball gegen die Wand und zurück prallte, hörte die verblüfften Rufe. In wenigen Sätzen war er bei der Person. „Rie! Rie, was ...“ Das Grinsen, das ihm entgegenkam, ließ ihn innehalten. „N-nichts Schlimmes ... B-bin ... nur hingekracht ... Nur ...“ Das schmerzverzerrte Gesicht, die verkrampfte Hand, die die seine umklammerte ... „R-Rie?“ Kaichi bekam es nur abgehackt hervor. Er schluckte. Das komplette Team war herangekommen, umringte den totenblassen Rie. Doch das bekam dessen Kumpel gar nicht mit. Das Einzige, was er sah, war der unnatürlich verdrehte Arm, auf dem Rie drauflag, die panischen, weit aufgerissenen Augen, den Schmerz, der sich in Ries bleichem Gesicht abzeichnete. „I-ich ... Ihr ... Das Turnier ...“ Es war nur ein leises, angestrengtes Keuchen. „Ihr müsst jemanden finden, der mich ersetzt. So kann ich unmöglich ...“ Er ließ seinen Kopf nach hinten fallen und schnappte nach Luft. „Rie, du ... Du kannst doch nicht ...“ Reine Verwirrung stand in Kaichis Gesicht Geschrieben. Verzweiflung. Sorge. Aber dann räusperte er sich. „Wenn du das willst, werde ich dich nicht hindern können. Aber ... Ich ... Habe sogar schon eine Idee ... wer dein Ersatz sein könnte ...“ Rie schloss die Augen. „Wer?“, flüsterte er endlich. Kaichi zögerte. „Takamura.“, sagte er. Leise. Sehr leise. Stille senkte sich über die Halle hinweg.

    8
    „Hierher!“ konzentriert beobachte ich unsere Gegner. Versuche, ihre Taktik auszumachen. Meine Schuhe quietschen auf dem nagelneuen, glatten Hallenboden. Fünf Spieler spielen gegen fünf. Fünf von uns, gegen fünf einer anderen Schule. Ich merke mit jeder weiteren Spielminute, dass ich kein richtiger Teil des Teams bin. Sie lehnen mich ab. Wollen ihren fünften Mann dabei haben. Aber nicht mich. Mich nicht. Wir sind bereits im dritten Spielviertel. Bis jetzt hat sich nichts Besonderes ereignet. Ein paar Körbe der einen Mannschaft, ein paar Körbe der anderen. Ich nehme dem Gegenspieler den Ball geschickt ab und drehe mich weg, als dieser mir ihn aus der Hand schlagen will. Suche nach einem freien Mitspieler. Doch sie scheinen alle so weit entfernt zu sein. Soll ich es im Alleingang versuchen? Ohne weiter nachzudenken, schlage ich ein Haken. Die anderen sind vielleicht größer als wir, aber in Schnelligkeit und strategischen Denken sind wir ihnen eindeutig überlegen. Meine Beine hasten über den Boden, ich höre, wie mein Atem mit dem sich wiederholenden Aufprall verschmilzt. Alles andere wirkt auf einmal weit weg. Nur der Korb, der Ball und ... „Hier, Takamura!“ Scharf bremse ich ab, wirble herum zu dem, der gerufen hat. Kaichi! Mit einem Bodenpass spiele ich ihm den Ball zu. Ich bewege mich nicht. Schaue nur gebannt hinüber, registriere, wie entspannt er in den Korb zielt ... und trifft. Ein Lächeln huscht über mein Gesicht. Wie gerne würde ich so gut spielen können wie er … Grell tönt ein Pfiff durch die Halle und lässt alle innehalten. Zweiminütige Pause. Danach würden noch zehn Minuten Spiel folgen. Ich sehe zu, wie die vier anderen meines Teams sich abklatschen und lachen. Wie der dunkelhaarige Junge, Kaichis wohl bester Kumpel, auf Spielfeld gerannt kommt und mit seinem unverletzten Arm alle stürmisch umarmt. Alle, außer mich. Ich sehe, wie glücklich sie sind. Spüre, wie es mir ein Stoß versetzt. Das Lächeln auf meinem Gesicht verschwindet. Löst sich in Nichts auf. Erst als ein weiterer Pfiff verkündet, dass die kurze Zwischenpause vorbei ist, löse ich den Blick ab. Ich fühle mich verlassen. Wieso? Bin ich das nicht gewöhnt? Dieser argwöhnische Ausdruck, den Leute mir entgegenbringen, wenn ich ihnen über den Weg laufe. Wieso? Unser Team startet das letzte Spiel mit Vorsprung. Doch es läuft nicht so gut wie zuvor. Der rothaarige aus unserem Team verliert den Ball nur wenige Sekunden nach Beginn an einen Gegenspieler. Ich laufe los, versuche, ihn zurückzubekommen, komme aber zu spät. In einem lockeren Wurf landet der Ball im Korb, prallt von dem Ring zurück und fällt dann in einer geraden Linie durch das Netz. Verdammt. Nervös übernehme ich den Einwurf. Passe wieder Kaichi, der völlig ungedeckt in der Mitte steht. Er fängt den Ball. Dribbelt vor. Ein Krachen erfüllt die Halle. Kaichi geht zu Boden. Ich starre hinüber, muss mich beherrschen um nicht zu ihm zu laufen. Der Gegenspieler, der ihn gerammt hat, hebt abwehrend die Hände. Kaichi steht langsam auf. Wackelig, leicht schwankend. Aber er grinst. „Alles gut …“, murmelt er und streicht sich etwas verlegen eine Locke aus der Stirn. Ich lächle erleichtert. Immerhin ist er unser bester Spieler. Ohne ihn könnten wir den Sieg gleich an den Nagel hängen. Der Schiedsrichter lässt dich von dem Protest unseres Teams nicht beeinflussen. „Verdammt, das …“ Ich ziehe die Augenbrauen zusammen. Nicht einmal einen Freiwurf bekommen wir ... Nur den Ball. Damit wir genau dort starten, wo Kaichi gerammt wurde. Verärgert gehe ich in Position. Ich habe ein ungutes Gefühl bei diesem Spiel. So sehr ich mich auch bemühe, kein einziges Mal bekomme ich wieder den Ball. Ich versuche verzweifelt, dazwischenzugrätschen, doch muss statt einem Erfolg dabei zusehen, wie ein Korb nach dem anderen gemacht wird. Und wie wir langsam in den Rückstand wandern. „Takamura!“ Ich drehe mich herum und nehme den Basketball konzentriert an. Passe zurück an Obata-san, der mir wiederum zuspielt. Mein Blick fokussiert den Korb. Ich dribble vor, mache zwei Schritte; vor meinem inneren Auge spielt sich die Szene ab. Der Ball springt gegen das Brett, prallt ab, mit Kurs aufs Netz. Ich lächle. Das werden die zwei Punkte sein, die unserem Team den Sieg verschaffen. Dieser Korbleger. Ein Pfiff. Ein gellender, schriller Pfiff, der meine Trommelfelle kollabieren lässt. Spielende. Fassungslos stehe ich da, starre auf dem Ball. Noch immer. Alle sehen dorthin. Lösen ihren Blick nur langsam und lassen ihn stattdessen am Schiedsrichter haften. Dieser steht bloß da, die Arme verschränkt, die Lippen zusammengepresst. Die roten Ziffern der Anzeigetafel zeigen 47 zu 46. 47 zu 46 ... Sieg. Für unsere Gegner. Sprachlos sehe ich zu, wie sie aufeinander zurennen und sich in einer großen, wilden Umarmung feiern. Das kann nicht sein. Der Schiedsrichter muss diesen einen Korb ... er muss ihn gelten lassen! Oder nicht? Immerhin war er zu spät. Ich zittere. Merke erst jetzt, wie die Anstrengung mich überkommt. Mühsam, den Kopf gesenkt, verlasse ich das Spielfeld. Registriere nicht, dass hinter mir eine weitere Person in die Umkleide kommt. Erst als ich das Trikot über den Kopf ziehe, bemerke ich ihn. „Kaichi ...“ Sein Gesicht ist erhitzt vom Spiel, seine Händen zu Fäusten geballt. Ich zucke zurück. Senke den Blick. „Takamura-kun.“ Mehr sagt er nicht. Nicht mehr als meinen Namen, während er einen tiefen Atemzug nimmt. Ich sehe, wie wütend er ist. Doch nicht ... wütend auf mich? Während ich mir einen Hoodie überstreife, spüre ich seinen Blick auf mir ruhen. „Verdammt. Du hast es total versaut.“ Es ist nicht mehr als ein leises Knurren, und dennoch löst es eine gewaltige Kettenreaktion in mir aus. Ich keuche und schnappe nach Luft. Kann nichts sagen. Nichts darauf erwidern. „Verdammt. Du hättest nur schneller sein müssen. Wieso? Wieso …“ Meine Stimme ergreift das Wort, bevor ich auch nur einen Gedanken über einen Antwortsatz verschwinden kann. „Wenn du wütend bist, bitteschön. Aber mach mich gefälligst nicht zum Sündenbock.“ Am liebsten hätte ich die Worte sofort wieder heruntergeschluckt, doch jetzt ist es schon zu spät. Kaichi mustert mich aus zusammengekniffenen Augen. Sein Blick ist eiskalt. „Ich erkläre dir nur, was es heißt, zu langsam gewesen zu sein. Und da du derjenige bist, der den Ball hatte, hängt es demnach wohl an dir. Holy shit, du hast das Spiel komplett ruiniert.“ Und wieder ist meine Stimme schneller als ich. „Hättest mich gar nicht fragen sollen, ob ich deinen Kumpel ersetze, wenn du mich anscheinend sowieso nicht in deinem Team haben willst. Aber hey, soll ich dir mal was verraten?“ Ich verfalle in Ironie. Ironie, in der doch auch ein Stückchen Wahrheit steckt. „Damn, Kaichi-san, ich bin das gewohnt. Lasst mich ruhig in der hintersten Spielfeldecke stehen. Kenne ich ja schon. Hashtag Normalität, you know?“ Mit einem Mal spüre ich seine Hand, die mich an meinem Hoodie zu ihm heranzieht. Ich sehe hoch, treffe auf Kaichis braune, verärgert blitzende Augen. Sofort möchte ich in mir zusammensinken. Fühle mich klein. „Wieso? Wieso hast du mich gebeten, dir zu zeigen, wie man richtig Basketball spielt?“ mein Puls schießt in die Höhe. „Ich ... kenne den Grund nicht. Aber vielleicht …“ Ich sehe zu Boden. „Vielleicht liegt es daran, dass ich in der jemand anderen sehe. Ich habe bemerkt ... dass ich mich zu dir hingezogen fühle.“ Meine Kehle ist wie ausgetrocknet, als ich meine Gedanken endlich ausgesprochen habe. Kaichis Griff löst sich. Er taumelt zurück. Verblüfft. Verwirrt. Wie in Trance werfe ich mir meinen Rucksack über die Schulter und drücke ihm Trikot und Shorts mit dem Mannschaftslogo in die Hand. „Hier. Sag Rie danke fürs Ausleihen.“ Wie Feuer brennt Kaichis Blick auf mir. „Meinst du ... meinst du, du bist ...“ Ich nicke. Unsicher. Extrem unsicher. „Meine ich ... Tut mir leid, ich ... werde jetzt gehen.“ Ich habe genau das schon einmal erlebt. Genau das. Wenn auch nicht komplett gleich. Die Tür vor mir, mein einziger Fluchtweg um aus dieser merkwürdigen Situation herauszukommen. Kaichi, verwirrt, als ich an ihm schweigend vorbeigehe. Sein Blick in meinem Nacken. Und dann das laute Geräusch der Tür, die hinter mir zufällt.

    9
    Eine Nachricht flimmert auf und lässt den Bildschirm grell leuchten. Ich taste in der Dunkelheit nach meinem Handy. Verdammt. Es ist zwei Uhr nachts … Wer schreibt mir bitte um diese Uhrzeit? Ich entsperre das Gerät. Meine Augen überfliegen die Nachricht. Und bleiben verwirrt und erstaunt daran hängen.
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    Kaichi umklammert sein Handy. Er wartet. Verkrampft. Wartet auf eine Antwort. Doch sie kommt nicht. Sein Blick wandert aus dem Fenster. Über die hellen, gelblich leuchtenden Straßenlaternen. Über die dunkle Straße. Er schnappt nach Luft. In der Dunkelheit zeichnet sich eine kleine, schwarze Silhouette ab. Ohne zu überlegen, springt er auf. Schnappt sich eine Jacke, Schuhe, ... Stürmt nach draußen. Wortlos. Rennt hinüber zu der Person. „Kaichi ...“ Takamura sieht zu ihm auf. Ein unsicheres Lächeln umspielt seine Lippen. „Lass uns ... woanders hingehen, um zu reden ...“ Auch er ist unsicher. Sehr unsicher. Schweigend gehen sie nebeneinander her. Keiner von ihnen sagt auch nur ein Wort. Mitten auf einer kleinen Brücke machen sie halt. Sehen den kleinen Wellen des Flusses zu, die in der nur schwachen Beleuchtung geheimnisvoll schimmern. Auf einmal spürt Takamura den warmen Händedruck. Kaichis Handdruck. Er umklammert dessen Hand. Wie ein Ertrinkender. Sein Herz klopft schneller. Automatisch. Kaichi dreht sich zu ihm herum. Er kann nicht anders. Dieses Gefühl, das schon die ganze Zeit in ihm lauert ... Doch da ist auch diese Unsicherheit ... Langsam kommt er auf sein Gegenüber zu. Immer näher. Spürt die Wärme, als seine Lippen sich auf dessen Lippen legen. Spürt, wie all die Last von ihm abfällt. Ihn vergessen lässt, was passiert ist. Denn was zählt, ist das Hier und Jetzt. Dieser Moment ... Er könnte für immer und ewig bestehen bleiben.

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