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Die Ritterin von Adams

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    Die Ritterin von Adams
    Es war einmal eine junge Frau, die Prinzessin von Lins. Sie lebte in Adams, dem großen Reich, welches ihrem Vater, dem König von Lins, gehörte. Dort gab es wunderbare Wesen wie Einhörner und Wichtel, es gab tausend schöne Orte, an denen sie sich erfreuen konnte, und doch war sie nicht glücklich. Sie wollte keine typische Dame sein. Sie wollte kämpfen und mit Gewichten trainieren wie es die Jungen durften, die sie schon öfter im Schlosshof gesehen hatte. Doch so etwas durfte sie nicht. Wenn sie dieses Thema ansprach, sagte ihre Mutter, die Königin von Lins, nur vorwurfsvoll:,, Kind, willst du unsere Familie nicht ehrenfest machen und einen schönen Prinzen heiraten, viele Kinder in die Welt setzen und dich weiter an solchen göttlichen Speisen laben? ‘‘
    Eines Tages jedoch, als sie wieder einmal im Bann der blitzenden Waffen die Jungen beobachtete, konnte sie nicht anders, und als die Knappen weg waren, schlich sie sich in die Abstellkammer, wo die Schwerter und Schilder aufbewahrt wurden und nahm eines der Schwerter in ihren Besitz.
    Am nächsten Morgen, als noch alle schliefen, ging sie in den riesigen Stall und sattelte ihr Einhorn.
    Es war wirklich wunderschön, mit seiner silberglitzernden Mähne, genau wie sie mit ihrem langen, braunen Haar und ihren kristallgrauen Augen. Deswegen hätte man sie ja sofort erkannt, also zog sie sich einen schwarzen Umhang über das seidige Haar und zog die Kapuze weit vornüber.
    Es dämmerte gerade, als eine im schwarzen Umhang gekleidete Gestalt im Galopp aus dem Tor des Schlosses Lins ritt. Sie wusste nicht wohin, oder wie sie ritt, aber sie wollte einfach nur weg, von ihrem fatiganten Alltag. Nach ein paar belanglosen Stunden kam sie an der Grenze zwischen dem Reichen- und dem Armen- Viertel des Landes an. Hinter der Grenze erstreckte sich ein Land voller Krieg und Verbrechen.

    Sie atmete tief durch und flüsterte ihrem Einhorn leise zu:,, Frischauf!‘‘, was so viel heißt wie:,, Auf geht’s!‘‘.Doch gleich darauf wieherte ihr Weggefährte ängstlich: An der nächsten Kreuzung, die noch etwa hundert Meter entfernt war, stand ein Junge in ihrem Alter, der sichtlich ohne großen Erfolg versuchte, einen Dieb zu schnappen, der, wie es schien, einer älteren Frau, vermutlich seiner Mutter, die letzte Goldmünze geklaut hatte. Sie zögerte nicht lang und stieg von ihrem Einhorn herab.
    Sie zwinkerte ihrer treuen Begleiterin zu, und diese verstand sofort. Noch ehe sie sich’s versah, sauste ihr Einhorn auch schon los in die linke Seitengasse. Sie selbst machte sich nach rechts auf.
    Gerade als der Dieb nach rechts flüchten wollte, kam sie an der Kreuzung an und versperrte ihm somit den Weg. Er wandte sich schnell von ihr ab und versuchte es mit links. Doch da hatte sich ihr Einhorn in voller Größe hingestellt, also blieb nur noch geradeaus. Der Junge ihres Alters hatte jedoch ihre List verstanden, und stellte sich ebenfalls in den Weg. Doch einen Weg gab es ja noch.
    Der Halunke wollte gerade triumphierend verschwinden, da erblickte sie ihre Chance und warf ihr Schwert, das die ganze Zeit nur an ihrem Gürtel gehangen war, auf die Mauer zu. Sie hatte ihn nur um wenige Zentimeter verfehlt, und er beschloss, dass es wohl besser war aufzugeben.

    Nachdem der Junge seiner Mutter die Goldmünze wieder gegeben hatte, lief er zu der für ihn noch unbekannten Gestalt im Umhang und sagte bewundernd:,, Wie kann ich dir nur ausreichend danken? Und wo hast du gelernt so mit dem Schwert umzugehen!‘‘ Doch sie erwiderte bloß mit verstellter Stimme:,, Das war mein erstes Mal, dass ich so etwas überhaupt in der Hand hatte. Und du brauchst mir nicht zu danken, außer du kennst eine Ausbildungsschule für junge Ritter, was ich bezweifele.‘‘ Da schmunzelte der junge Mann und flüsterte:,, Ich kenne sogar eine ganz passable.‘‘
    Er beschrieb ihr den Weg und freute sich anscheinend helfen zu können. So geschah es, und sie wurde zum Ritter ausgebildet.
    Eines Nachts, bei Lichtmond, ritt sie in das Schloss ihrer Kindheit zurück. Dort kam einem seit ihrem Verschwinden eine Welle der Traurigkeit entgegen, sobald man eintrat. Sie musste erfahren, dass ihr Vater verstorben und ihre Mutter nicht über das Reich herrschen wollte. Deshalb würde es schon am nächsten Tag ein Turnier geben, wobei der Gewinner den Thron besteigen durfte. Also trug sie sich in die Teilnehmerliste ein und gewann das Turnier. Zufällig nahm auch der Junge dem sie vor Jahren begegnet war dabei. Darauf enthüllte sie ihre wahre Identität und sie verliebten sich sofort. Sie herrschte von nun an mit ihm über das Reich und bekam eine Tochter, die man heute noch als Jeanne d’Arc kennt. Von nun an durften alle Mädchen Ritter und alle Jungen Krämer werden. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

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