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Was fernes...



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    Der Mann eilte schneller die Straße entlang, verschloss seine Sinne. Die Kriegsversehrten wollte er nicht sehen, wollte nicht das leiden der Betroffenen hören und wollte es auch nicht spüren. Eine heftige Lungenentzündung hatte diesen Sommer zugeschlagen. An den westlichen Fronten und auch an der südlichen Front, wütete sie.
    Aber diese war nicht normal, nein, es war eine blutige Lungenentzündung.
    Der Mann eilte weiter und bog ab, direkt auf den Hermannsplatz. Er brauchte jetzt etwas Ablenkung. Sein Ziel war nicht der Platz, sondern die Scala. Alle Betroffenen waren auf Isolation, es war wirklich schlimm. Immer mehr und mehr starben daran, man sah keine Hoffnung. Erst verlief alles ganz - nun ja, den Verhältnissen beachtend - "harmlos", eben wie eine gewöhnliche Lungenentzündung, jedoch dann, wenn der Patient blau anläuft, so ist der Tod vorherbestimmt. Da gab es keine Hoffnung.
    So kannte das Nachtleben Berlins keine Grenzen und wurde so, umso verführerischer. Deshalb war er doch erst recht auf dem Weg. Als er schließlich ankam und diesen betörenden Glanz sah, schmolz der Mann dahin.
    Es gab da keinen Tod, kein Ende dieser Menschheit, nur eine sorgenlose Nacht, in einem sorgenlosen Haus.
    Er nahm Platz an einem glänzenden Tisch. „Ober!“ Der Mann schnipste mit dem Finger. Dieser kam natürlich hastig. Das Gesicht sah eingefallen aus, dicke Augenringe und er zitterte. Kurz hustete er, bevor er sein Notizbuch zur Hand nahm. „Entschuldigen sie mich, mein Herr.“ Murmelte dieser noch. Erst jetzt bemerkt er, wie auch hier, die Sorglosigkeit Risse bekam. Etwas rutschte er weg. Der Ober würde sterben. „Einen dreifachen, bitte.“ Damit verschwand der Ober. Der Mann richtete dann seinen Blick zur Bühne. Die berühmten Scala-Mädchen waren einfach famous.
    Jedoch sah man auch hier die Eingriffe dieser Lungenentzündung. Der Glanz bröckelte. Nach einiger Zeit kam dann sein dreifacher Scottch und er trank ihn leer, bestellte noch einen, bis er besoffen war.
    Somit erhob er sich und reichte das Geld einer Kellnerin, wandte den Rücken ab und ging.
    Das Nachtleben bekam Risse. Keiner konnte fliehen. Es war Krieg. Es starben Menschen. Viele starben. Zu viele. An diesem elendigen Krieg, an allen möglichen Krankheiten. Doch diese Krankheit würde sie alle vernichten.

    Er betrank sich, doch es half bald alles nicht mehr. Morgen würde er sterbend im Bett liegen, dessen war er sich bewusst. Immer weiter und weiter würde es gehen, bis die Krankheit jedes einzelne Leben verlischt.

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