x
Springe zu den Kommentaren

Du

Zwei Blicke treffen sich und erheben sich gegen die Stimmen, die ihnen sagen, es doch endlich zu lassen.

    1
    Kleines gesichtloses Etwas.
    Kleines gesichtloses Etwas geht über die Straße, lässt sich für einige Sekunden einfangen von dem bunten Treiben dieser Stadt, von den hellen bunten Lichtern und den Menschen, die gehetzt herumlaufen, arbeiten, Besorgungen machen, in Restaurants strömen, lachen, rufen, schreien, weinen. Glück ausstrahlen und Angst verbreiten.
    Es geht noch nicht weiter, denn es liebt sie, diese Stadt. Es ist schließlich auch seine Stadt. Vertrautes Gefühl von Leben lässt die Gefahr, die dieser Ort ausstrahlt, verblassen. Die Naivität lässt die Irren vergessen, die sich durch die Straßen schlängeln, um ihr Spiel zu treiben.
    Es ist Hochsommer, die Sonne brennt auf die Köpfe des Ameisenhaufens nieder, wirft ihre Strahlen ohne jedes Erbarmen an die alten Fensterscheiben der schäbig wirkenden Häuser, welche älter sind als der Großteil der Menschen hier.
    Einige der kleinen Fenster sind weit geöffnet, um ein wenig von dem stehenden Sauerstoff in die Düsternis der abgedunkelten Wohnungen zu befördern, um das Atmen in der Enge zu ermöglichen.

    Es steht allein, das gesichtlose Etwas, betrachtet nur das Treiben, welches zu schnell an ihm vorbeizieht, um es auch nur annähernd in Worte fassen zu können.

    So viele Menschen, so viele Gesichter, Gesichter, hinter denen eine Geschichte steckt, eine Unbekannte, nur zu ermitteln durch Vertrauen, Vertrauen und Sprache.
    Hier, hier gibt es so viele unterschiedliche Sprachen, so viele einzelne Wörter aus Bruchteilen fremder Sprachen sind zu hören, doch es macht nichts, wenn man unwissend ist, die Vokabeln nicht kennt,
    all diese Wörter vermischen sich zu einer neuen Sprache, eine Sprache, die jeder hier versteht und spricht.
    Zusammenhalt, wenn einer unter geht, gehen die anderen mit. Niemand wird allein gelassen, wenn der kalte Winter kommt.
    So zumindest die Illusion, der sich die Schwärmer dieser Stadt so gerne hingeben, hier wird niemand allein gelassen, wir sind groß, weil wir zusammenhalten.

    Plötzlich stößt jemand das Etwas, das Undefinierte, welches keinen Namen bekommt. Wenn du keine Freunde hast, bist du hier namenlos, weil dich niemand kennt und wenn dich niemand kennt, dann wird dir auch niemand helfen, wenn du ein Problem hast.

    Ein Blick in mitternachtsblaue Augen, in eines dieser gehetzten Gesichter, die sich hier unter die Fröhlichen mischen, blass wie Pergament und langsam verschwindend in den Menschenmassen, keine Gesichter, die eine Geschichte zu haben, solche, die man einmal ansieht und dann vergisst. Doch diese Augen, sie passen nicht zu dem ausdruckslosem Gesicht, zu dieser Statur eines Menschen, die kaum wahrnehmbar ist.
    In graue Kleider gehülltes Pergamentgesicht ohne Namen, so wie das Etwas. Nur mit Augen.
    Die Augen bleiben stehen, heften sich an das Etwas, besehen das Etwas von unten bis oben.
    Erblicken ein in grau gehülltes Mädchen, welches sich wie ein gemeiner Taschendieb durch die vor Wärme zitternden Straßen der Stadt treibt, vermutlich auch in der Absicht, um sich dumm die Menschen anzuschauen, um die Vorteile, verankert im Kopf, spielen zu lassen und sich ein Bild zu machen von dieser heimatlichen Fremde, in der kaum einer deinen Namen kennt, auch Großstadt genannt, sie sieht auch so schrecklich verloren aus, zugleich perfekt in das Bild dieser Stadt passend, schön und geheimnisvoll. Auf der anderen Seite etwas an sich habend, was einen erschaudern lässt, wenn man seine Gedanken zu lange darauf richtet.
    Sie ist etwas Anderes, sie war keine dieser Ameisen, sie ist stehen geblieben und vergisst hier in diesem Moment ihre Aufgabe, der sie viel lieber nachgehen sollte als sich diese Viertel anzusehen. Denn bald sind die Menschen, die sie jetzt fühlen, weitergegangen, dann ist wieder alles fremd, aber jetzt steht sie nicht mehr allein, jetzt steht er mit ihr, starrt genauso die Massen an, hat das Mitlaufen vergessen.
    Kurz sind sie die Rettung für einander, doch sie wissen, dass sie wieder laufen müssen.
    Mit den anderen Leuten mit, hinaus, hinab, rein und raus.
    Und sie wissen, dass sie in entgegengesetzte Richtungen laufen werden.

Kommentarfunktion ohne das RPG / FF / Quiz

Kommentare autorenew