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Meine eigene Kurzgeschichte

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    Die Entführung

    Regen prasselte auf den Asphalt der Straßen. Vereinzelte Passanten flüchteten vor den großen Tropfen in ihre Häuser. Es war spät in der Nacht und nur ein paar Lichter brannten in der Ferne. Eine unheimliche Stille legte sich über die Gassen des Dorfes. Niemand hätte ahnen können, was in dieser Sekunde in der kleinen Straße hinter der alten Käserei passierte. Morgen früh, wenn die ersten Sonnenstrahlen wieder zu sehen waren, würde ein riesiger Tumult ausbrechen. Überall würde man Polizeisirenen hören, die Leute würden ihre Kinder nicht mehr alleine auf die Straßen lassen, zu groß wäre die Angst, auch ihr Kind zu verlieren…

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    Sonnenstrahlen kitzelten auf meiner Nase. Müde blinzelte ich. Ich merkte sofort, dass etwas anders war. Als ich meine Augen komplett aufschlug, erschauderte ich, ich lag nicht in meinem Bett zuhause. Ich war in einem alten, modrigen Raum, der nach Seetang stank. Geschockt setze ich mich auf und blickte mich um, auf der anderen Seite des Raumes waren noch zwei Betten, obwohl, eigentlich konnte man dies nicht wirklich als Betten bezeichnen, es waren vielmehr durch Motten zerfressene Matratzen. In einer der Schlafgelegenheiten regte sich etwas, und als ich genauer hinsah, erkannte ich eine zierliche Gestalt, die sich als kleines, hellblondes Mädchen entpuppte. Auf der rechten Seite des Zimmers erkannte ich eine Tür mit abgerundeten Ecken. Vorsichtig stand ich auf und lief über den knarzenden Holzboden. Ich wollte hier unbedingt raus, ich hatte keine Ahnung wie ich hergekommen war und hatte Angst. Ich wollte zurück zu meinen Eltern und meiner kleinen Schwester, sie würden mich bestimmt schon vermissen. Doch als ich an der Tür rüttelte, blieb sie verschlossen. Noch einmal drückte ich die Türklinke hinab und zerrte mit aller Kraft daran, doch nichts regte sich. Wütend trat ich mit dem Fuß gegen die schwere Eisentür. „Das habe ich auch schon probiert, wir kommen hier nicht raus“, sagte eine ruhige, sanfte Stimme hinter mir. Ich fuhr herum und blickte in das zierliche Gesicht des Mädchens, das eben noch auf der Matratze gelegen hatte. „Wie meinst du das, wir kommen nicht hier raus?“, fragte ich zaghaft nach. Ich verstand diese Situation nicht. Ich verstand nicht, wieso ich hier war, wieso dieses Mädchen hier war. Die Hellblonde erklärte: „Die Männer, die haben uns auf diesem Boot hier eingesperrt. Wir kommen hier nicht raus“ Von welchen Männern redete die Kleine bloß? Und wieso sollten sie uns hier einsperren. Das war doch Unsinn.

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    Doch plötzlich knarzte die Tür hinter mir und ein großer Mann trat ein. „Na ihr Wichtel, habt ihrs schön gemütlich, ja?“ brummte er und stellte zwei Schalen vor uns ab. Dann fuhr er fort, „Morgen früh segeln wir weiter. Dann werdet ihr vielleicht noch eine Zimmergenossin bekommen und…“ Ich unterbrach ihn als ich meinte: „Entschuldigung, doch ich werde garantiert nicht mit euch mitkommen, ich möchte jetzt gehen.“ Doch er lachte nur und ging. Schnaubend drehte ich mich wieder zu dem Mädchen. Was sollte ich denn jetzt machen? Verzweifelt ließ ich mich auf meine Matratze fallen. Das Mädchen tat es mir gleich. Würde ich meine Eltern je wiedersehen? Oder war das hier einfach nur ein dummer Scherz? Eine Gänsehaut überzog meinen Körper. Ich wollte nicht glauben, dass dies echt war, schließlich passieren Entführungen nur in Filmen und Büchern, oder nicht? Ich vergrub mein Gesicht in den Händen, das durfte einfach nicht wahr sein. „Sei nicht traurig.“, erklang die sanfte Stimme der Hellblonden. Ich blickte sie ungläubig an, wie sollte ich in dieser Situation nicht traurig sein? Ich meine, ich habe keine Ahnung wo ich bin, wie ich hierhergekommen war oder geschweige denn wo meine Familie war. Mit Tränen in den Augen ließ ich mich rücklings fallen. Schluchzend zog ich meine Beine an meinen Körper. Meine Schultern bebten unaufhörlich in ungleichmäßigen Frequenzen. Das war einfach zu viel für mich

    4
    Der Sturm prasselte an das kleine staubige Fenster und weckte mich. Anscheinend war ich gestern eingeschlafen. Ich öffnete meine Augen und streckte mich kurz. Noch immer konnte ich nicht richtig mit der Situation umgehen. Ein beengendes Gefühl machte sich in mir breit, was ist, wenn ich hier nie wieder rauskomme? Ich schniefte und setze mich dann auf. Meine Hände zitterten unaufhörlich und mein Herz schlug mir vor Panik, seit gestern, bis zum Hals. Um mich ein wenig zu beruhigen atmete ich tief durch und ging zu den zwei kleinen Schalen, die uns der Mann gebracht hatte. Als ich hineinblickte, wurde mir übel. In den Schälchen befand sich eine schleimige Substanz mit grünen Stückchen drin. Ich musste mir krampfhaft ein Würgen unterdrücken.

    5
    Plötzlich hörte ich einen Knall. Ich zuckte zusammen und starrte ängstlich die Tür an. Der Knall hatte sich wie ein Pistolenschuss angehört. Dann war es eine Weile still. Auf einmal ging es wieder, Peng. Mit großen Augen blickte ich die Tür an. Dann hörte ich schwere Schritte, die den Boden entlang schlurften. Langsam wurden sie lauter. Panisch schaute ich mich im Raum um und suchte nach einer Gelegenheit mich zu verstecken. Nun hörte ich, wie jemand einen Schlüssel ins Schlüsselloch schob. Ganz langsam drehte derjenige ihn. Ich drückte mich an die Wand, am weitesten weg von der Tür. Einige Sekunden war Stille, dann war ein leises klick zu hören. Scharf zog ich die Luft ein. „Bloß keine Panik.“, flüsterte ich mir mit zitternder Stimme selbst zu. Behutsam wurde die Tür geöffnet. Dann kam erst ein Bein, in schwarzen Stoff gehüllt, zum Vorschein, danach konnte ich einen Arm sehen. Als ich seine Blaue Jacke sah, mit Sternen auf der Schulter, entwich mir die Luft. Ich hatte nicht bemerkt, dass ich die letzten Sekunden die Luft angehalten hatte. Voller Erleichterung stürmte ich auf den Polizisten zu. „Bist du Lia Black?“, fragte der Mann und ich nickte wie wild mit dem Kopf. Er machte mir den Weg frei und da sah ich sie, meine Eltern. Überglücklich rannte ich in ihre Arme, ich hatte sie ja so vermisst. Eine kleine Freudenträne ran meiner Mutter über die Wange. Ich wischte sie mit dem Daumen weg und flüsterte: „Ich bin ja da.“ Erleichtert lächelte sie mich an und schloss mich noch fester in die Arme.

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