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Lunas Rettung - eine Woodwalkers FanFiction

Die junge Wolfs-Wandlerin Luna, die als Haushund gehalten wird, merkt, dass sie nicht dazugehört. Sie wusste es schon immer, nur sie wusste nicht, wie groß das alles wirklich war...

Das ist eine selbstgeschriebene Woodwalkers FanFiction, Ich hoffe sie gefällt euch!

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    Leise jaulend verkroch ich mich nach oben, in Emilys Zimmer. Sie hatte mich mal wieder geschlagen und verfolgte mich die Treppe hoch. Warum sie mich geschlagen hatte und dies immer wieder tat, wusste ich auch nicht. Ich lag eigentlich nur friedlich in meinem Körbchen, denn ich war leider kein Mensch, ich war ein weißer Wolf. Emily dachte, ich sei ein Hund. Ich als Tier war für sie nur Dreck, ein Boxsack sozusagen. Sie behandelte mich wie ein unartiges Sofakissen. Wenn sie gewusst hätte, dass ich ein Wolf war, hätte sie das vielleicht nicht gemacht, aber das wusste sie eben nicht. Das lag vor allem an diesem blöden „Züchter“. Er hatte mich einfach von der Straße gesammelt. Das fiel nicht auf, weil es in dieser Gegend viele Straßenhunde gab. Genau genommen war ich davor nicht mal ein Straßenhund, sondern ein wilder Wolf. Der angebliche „Züchter“ war ein Betrüger, der nicht mal den Unterschied zwischen einem Straßenhund und einem Wolf erkennen konnte. Nachdem der Typ mich eingesammelt hatte, verkaufte er mich als einen „reinrassigen weißen Schäferhund“, und so landete ich bei Emily. Ich hätte Emily liebend gerne die Wahrheit erzählt, doch ich war und blieb ein Wolf, kein Mensch.

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    Am nächsten Morgen wachte ich schon früh auf, weil Emily eine Flasche Cola nach mir geworfen hatte. Zum Glück eine aus Plastik, die halbwegs verschlossen war. Ein bisschen davon lief aus, zum Glück nicht auf mich. Ich schnupperte an der braunen Pfütze und rümpfte die Nase. Emily rief nach mir, wie immer nannte sie mich Amy. Ich konnte ihr ja schlecht sagen, dass mein Name Luna war. „Amy, bring her und komm! Wir müssen los!“ Was, ich sollte ihr das Ding bringen, obwohl sie es nach mir geworfen hatte? Aber na gut, ich wollte schließlich keine Schläge. Bekam ich aber doch noch, weil ich versehentlich ein Loch in die Flasche biss. Mein Mund füllte sich mit Schaum und ich ließ die Flasche fallen. Der letzte Rest Cola lief aus, daneben würgte ich die Cola hoch. Emily bekam einen Schreikrampf und trat mich durchs ganze Zimmer. Daraufhin kamen ihre Eltern ins Zimmer und bekamen ebenfalls Schreikrämpfe über Cola und Hundekotze im Teppichboden. Da verkroch ich mich lieber woanders und wartete darauf, dass wir losgingen, wohin auch immer Emily mit mir wollte.

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    Wie sich herausstellte, wollte sie shoppen gehen, denn heute war Samstag, also Shopping-Tag für Emily. Natürlich nicht alleine, sondern mit Leona und Emma, ihren zwei engsten Beratern und Bewunderern. Ich nenne sie immer die Ziegen-Gefolgschaft. Sie liefen mit Emily zu ihrem Lieblingskleidungsgeschäft, dem Shirts&Jeans unserer Stadt. Es war wahrscheinlich der einzige an der ganzen Westküste, da Shirts&Jeans eher in den mittleren USA aktiv war. Emily zog mich zu einem vollgeklebten und von Hunden vollgepissten Laternenpfahl und band mich dort eng fest. Jetzt gehen die da einfach rein und lassen den armen Hund so da stehen?, sagte plötzlich eine klare Frauenstimme in meinem Kopf.

    Ich bog den Kopf in alle Richtungen oder versuchte es zumindest. Ich verrenkte mir jedoch fast den Hals dabei. Wer ist da? Und warum höre ich dich?, fragte ich stattdessen in meinen Kopf hinein. 

    Himmel, das ist auch noch eine Woodwalkerin!, erhielt ich als Antwort. Ich verstand rein gar nichts, doch mittlerweile war ich mir sicher, dass die Stimme von der seltsamen Frau mit den weißen Haaren kommen musste. Plötzlich wollte ich nur noch weg, sammelte all die Wut und Verzweiflung in mir und riss mich los. Das Halsband sprang mit einem „klick“ auf. Ich war frei! Lange konnte ich es jedoch nicht genießen, denn schon hörte ich Emily kommen und nahm einfach Reißaus. In der Hoffnung, Emily nie wiederzusehen, rannte ich aus der Stadt in den Wald hinein.

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    Erst nach einer Weile merkte ich, dass jemand mir folgte. War das Emily? Nein, sie hätte ich schon von weitem gehört. Ich drehte mich um und war erfreut, die weißhaarige Frau dort zu sehen. Wer bin ich, fragte ich sie, und warum passe ich nirgendwo rein? Ihre Antwort erhielt ich sofort: Kann sein, dass du dich nicht so fühlst, als würdest du hier reinpassen. Ich sehe von hier, dass du eine Wölfin bist. Und eine Woodwalkerin tatsächlich auch.

    Ich verstand immer noch rein gar nichts, diesmal fragte ich jedoch nach. Und sie erklärte es mir. Alles. Dass ich eine Gestaltwandlerin war und eine Wolfs- aber auch eine Menschengestalt hatte war erst nur der Anfang. Die Frau, von der ich mittlerweile wusste dass sie Lissa Clearwater hieß, war eine Adler-Wandlerin und leitete eine Schule für solche Wandler, oder Woodwalker, wie Lissa sagte. Sie erklärte mir noch so viel mehr über Woodwalker, aber für mich war von Anfang an klar gewesen, dass ich auf diese Schule gehen wollte. Als ich diesen Vorschlag mit Lissa besprach, willigte sie ein, mich mitzunehmen. Und so kam es, das wir Seite an Seite zu ihrem Wohnwagen liefen, den sie für Woodwalker ohne bekannte Eltern auf ihren Vortragsreisen mitnahm, so hatte sie es mir erklärt. Als wir den Wald verließen, hörte ich eine schrille Stimme hinter uns: „Was genau machen Sie da? Das ist doch meine Amy!“

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    Verdammt. Das konnte nur Emily sein. Ertappt, ertappt pochte die ganze Zeit in meinem Kopf herum. Ich wollte mich umdrehen und rennen, doch Lissa gab mir ein Zeichen zu bleiben. Sei um Mitternacht auf Emilys Balkon, wenn du rennst, gibt es keine Hoffnung mehr, flüsterte sie mir in den Kopf und ich verstand sofort. Wenn ich rannte, würde ich sie nie wiedersehen und es gab für mich keine Möglichkeit, auf die Wandler-Schule mit dem Namen Clearwater High zu gehen. Lissa Clearwater sagte stattdessen: „Ist das Ihr Hund? Ich habe ihn im Wald gefunden.“ 

    Augenblicklich beruhigte sich Emily, packte mich am Nackenfell und rief Lissa ein spitzes „Danke“ zu. Ich wusste, dass ich wegen der Flucht Ärger bekommen würde. Ich hoffte, sie würde mir nichts brechen, das hatte sie schon einmal gemacht. Hoffen brachte jetzt auch nichts, ich musste mich einfach gedulden und brav sein, um sie nicht noch wütender zu machen. Sie trat mir später dann mehrmals auf die linke Vorderpfote und ich spürte ein Knacken, konnte aber noch laufen. Weh tat es trotzdem. Es war bereits kurz vor elf, als Emily aufhörte, mich durch das ganze Haus zu jagen. Eigentlich wollte ich mich um zehn vor zwölf auf den Balkon schleichen, doch das war nicht nötig. Emily sperrte mich heute sowieso für die Nacht auf den Balkon, und da es erst elf war, beschloss ich, noch eine Weile zu schlafen. Mit seligen Gedanken an einen Ort voller Wärme, Freude und Schneefeldern schlief ich ein und wartete darauf, dass Lissa mich abholen kam.

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    Ich schlief zwar nur eine Stunde, aber trotzdem sehr unruhig. Ich zuckte zusammen, als Lissa Clearwater in Adlergestalt auf dem Balkon landete. Ich hatte sie zwar noch nie so gesehen, aber irgendwie spürte ich, dass sie es war. Bist du wach?, flüsterte sie mir in den Kopf. Ich antwortete nicht. Wie willst du mich hier rausholen? Emily hat mich ausgesperrt, fragte ich sie stattdessen. Das werden wir schaffen, antwortete sie, Ich habe sowas schon mehrmals gemacht. Ich habe einen stabilen Ast mitgebracht, den nehme ich in die Krallen und du hältst dich dran fest. Du wiegst schließlich nicht so viel, das schaffe ich. 

    Miss Clearwater, ich fürchte das wird nicht gehen, musste ich schweren Herzens antworten, Emily ist mir mehrmals heftig auf die Pfote getreten. Ich kann mich, ganz gleich in welcher Gestalt, nirgendwo festhalten.

    Hm, das ist natürlich ungünstig, aber wir schaffen das schon. Dafür brauche ich allerdings Verstärkung, erklärte sie und sande einen wortlosen Ruf an alle Wandler in der Nähe. Ich habe bereits gestern, als ich dich getroffen habe, Verstärkung angefordert. Ich habe mir schon gedacht, dass es nicht einfach wird, dich hier rauszuholen, erklärte sie. Nach etwa zwei Minuten traf der besagte Wohnwagen vor Emilys Haus ein und zum Vorschein kamen ein großer, junger Mann mit Glatze und zwei Jugendliche, ein Mädchen und ein Junge. Das Mädchen hatte ihre schwarzen Haare, die bläulich schimmerten, hinter ihren Schultern hängen und trug nur schwarze Kleidung. Der Junge hatte Sandfarbene Haare und trug ebenfalls nur schwarze Kleidung. Es war schließlich eine nächtliche Mission. Wir hätten einen Plan B, aber dafür müsstest du dich verwandeln, wäre das schlimm?, fragte Lissa, während die Verstärkung unten eine Sprungkonstruktion aufbaute.

    Nein, antwortete ich kurz, mir war plötzlich etwas schlecht.

    Gut, dann hole ich jetzt die Sachen, antwortete sie, flog zu den anderen und kam kurz darauf mit einem großen Klumpen wieder. Sie entwirrte den Klumpen und sortierte die Bestandteile. Es waren ein schwarzes Kleid in ungefähr meiner Größe, noch ein etwas größeres Kleid in einem hellen Fliederton und ein paar Menschenfotos. Noch während ich herumrätselte, fing Lissa an sich zu verwandeln und zog sich das fliederfarbene Kleid über. Ich war jetzt schon überwältigt, jetzt sollte ich mich auch noch verwandeln? Ich würde das bestimmt schaffen, obwohl mir etwas schwindelig war. Kurz darauf zeigte mir Lissa die Fotos und ich spürte sofort ein Kribbeln. Dass Lissa mir lang und breit erklärte, ich solle in das Bild „eintauchen“, bekam ich gar nicht richtig mit. Ich merkte auch nicht bewusst, wie sich meine Gestalt veränderte. Irgendwann hörte das Kribbeln auf und ich zog mir geistesabwesend das schwarze Kleid über. Plötzlich wurde der Schwindel viel stärker und Hunger, Müdigkeit und Schmerz mischten sich in mir zu einem giftigen Brei zusammen. Ich stolperte beim Versuch, das Gleichgewicht zu halten und ging zu Boden. Das war das letzte, woran ich mich erinnerte, danach wurde mir schwarz vor Augen.

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    Ich wachte an einem ganz anderen Ort wieder auf, es war ein weißer Raum mit getrennten Abteilen. In jedem Abteil standen ein Bett, ein Nachttisch und ein großer Schrank. Ich war nicht die einzige hier, noch zwei fremde Wandler befanden sich in diesem seltsamen Raum. Der eine schlief und die andere beachtete mich kaum, doch als sie merkte, dass ich wach war, änderte sich ihr gelangweilte Miene sofort. „Miss Rivergirl, holen sie Miss Clearwater, diese Luna ist wach“, rief sie erfreut. Sofort ertönten Schritte und aufgeregtes Gemurmel auf dem Flur hinter der Tür. Kurze Zeit später öffnete sich die Tür und Lissa Clearwater, dicht gefolgt von den beiden Jugendlichen von Gestern. „Luna, wie geht es dir? Das sind übrigens Carag und Tikaani“, begrüßte sie mich erfreut. „Hallo, ich bin Luna. Zu Ihrer Frage, Miss Clearwater, Ich habe Hunger und meine Pfote, äh, mein Handgelenk tut weh, aber sonst geht es mir ganz gut“, antwortete ich und versuchte ein Lächeln. Während Lissa mir etwas zu essen holte, sah ich noch eine Wandlerin im im Raum herumlaufen. Das war wohl die besagte Sherri Rivergirl, eine Biber-Wandlerin, die in der Krankenstation arbeitete. Das bedeutete, ich befand mich in der Krankenstation. „Ich bin Tikaani, Polarwolf, das ist Carag, er ist ein Puma“, meinte Tikaani und lächelte. „Oh echt, ein weißer Wolf? Wie cool, ich auch!“, bemerkte ich. Momente später wickelte Sherri mir etwas weißes um das Handgelenk und ich bekam einen Teller mit Salamibrötchen auf den Schoß gestellt. Ich aß relativ schnell auf, dann zeigte Tikaani mir die Schule. Es war ein wunderschönes Gebäude mit Glaskuppel. Die Rückseite der Schule bestand nur aus wild aufeinandergetürmten Granitblöcken, da konnte sogar ich, ein Wolf, zu den Fenstern hochklettern. Zum Schluss führte Tikaani mich zu meinem neuen Zimmer. Ich legte die paar Kleidungsstücke, die ich hatte, mit dem neuen Smartphone auf mein Bett. Lissa hatte mir das alles gestern noch organisiert. Dann erfuhr ich, wer meine Zimmergenossin war, und war sehr überrascht. Tikaani hatte sich bereit erklärt, mit mir zusammen zu wohnen! Ihre alte Zimmergenossin Berta wohnte jetzt mit Cookie, einer anderen Schülerin, zusammen. Lissa stellte zwei Farbeimer und Pinsel vor die Tür, mit denen wir unsere Zimmertür mit Namen versehen sollten. Das erledigten wir, gleich nachdem ich Tikaani mit dem Einräumen ihrer Sachen half. „Danke, echt lieb von dir, ich habe ja deutlich mehr Sachen als du“, bedankte sie sich und lachte.

    „Ach, keine Ursache,“ winkte ich ab, „Machen wir jetzt die Tür?“ Eine Minute später traten wir beide einen Schritt zurück und begutachteten unsere Tür, auf der jetzt ein dunkelblaues TIKAANI und ein hellblaues LUNA prangten. Hellblau war eindeutig meine Lieblingsfarbe, sie passte sehr gut zu meinen blonden Haaren und eisblauen Augen. Ich und Tikaani klatschten uns ab und mir fiel etwas auf. Ich war zum ersten Mal in meinem Leben richtig glücklich. Ich hatte Freunde. Ich wurde gleichwertig behandelt.
    Ich wusste nun, wer ich bin. Und das war auch gut so.

    Ich hoffe, meine kleine FanFiction hat euch gefallen, vielleicht schreibe ich ja noch weiter, wer weiß! Auf jeden Fall bis zum nächsten Mal!
    LG, Luna

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