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Küsse, Bann und Biene

Wer sagt denn, dass Liebe nicht auch freundschaftlich sein kann? Denn auch diese Art von Liebe kann kompliziert werden, wenn plötzlich eine Kätzin dazwischen steht. Vor allem, wenn diese Kätzin Pfützenfeuer ist!

Das ist eine weitere Geschichte von mir zu einem Schreibwettbewerb! Sie ist vermutlich ein wenig untypisch für das Thema „Verhängnisvolle Liebe“, aber ich glaube, ich habe schon einige Verbotene-Liebe-Geschichten geschrieben, es ist also mal ganz was anderes! (Ob das jetzt gut oder schlecht ist, ist eine andere Frage…) Und so einen „super“ Titel habe ich auch noch nie gemacht… Nun ja, wenigstens ist er auch mal was Neues. ;)

Viel Spaß beim Lesen!

    1

    „Erde an Wurzelfall!“, rief Schwarzfell, als er merkte, dass sein bester Freund ihm kein Stück weit zugehört hatte, „Ich rede mit dir!“ „Pfützenfeuer…“, murmelte dieser geistesabwesend. Schwarzfell folgte dem Blick seines Freundes.
    Pfützenfeuer, eine silbern – getigerte Kätzin mit blauen Augen, gab sich gerade mit ihrer Freundin Blumenpelz die Zunge. Ohne Frage war Pfützenfeuer die hübscheste Kätzin des Flussclans, ziemlich sicher sogar die schönste im ganzen Wald! „Sie ist so toll…“, schnurrte Wurzelfall. „Oh ja, du liebst sie“, nickte Schwarzfell und verdrehte seine Augen, „So wie ungefähr ALLE anderen Kater in unserem Alter. Und das nur, weil sie hübsch ist, ihr tagträumenden Fellkugeln!“ „Irgendwann sag ich es ihr bestimmt…“, beschloss Wurzelfall. „Genau“, sagte Schwarzfell, „Ist ja nicht so, dass du das schon versuchst, seitdem wir Schüler sind oder so…“ „Rede mir das nicht andauern aus!“, verlangte der Kater. Schwarzfell stöhnte: „Sie ist toxisch, Wurzelfall. Ich meine, sieh sie dir doch mal an! Noch keine Katze hatte so viele Liebesaffären in anderen Clans und ist damit davongekommen!“ „Das war immer nur ein wenig Flirten!“, verteidigte Wurzelfall sie. Schwarzfell rümpfte die Nase. „Glaub doch nicht alles, was sie sagt. Reicht doch schon, dass Wasserstern ihr das als ihre Mutter abnimmt!“
    „Mir was abnehmen?“, fragte Pfützenfeuer plötzlich. Die Kater hatten gar nicht bemerkt, dass sie hergekommen war! Sie konnte sich ein Lächeln einfach nicht verkneifen. Sie würde das zwar nicht zugeben, aber Schwarzfell hatte recht – Sie hatte schon den einen oder anderen Kater aus dem einen oder anderen Clan manchmal das eine oder andere Mal getroffen.
    „Eigentlich seid ihr beide niedlich“, lächelte sie. „Niedlich?“, wiederholte Wurzelfall. Pfützenfeuer kicherte. Wurzelfall war sich sicher, dass er total doof aussehen musste, so schüchtern, wie er sie gerade ansah. Er musste handeln!
    „Pfützenfeuer, ich mag dich!“, rief er also. Pfützenfeuer schnurrte. „Ich mag dich auch. Ich mag alle hier! Und ich mag Blattfrische!“, erklärte sie, „KOMM, BLUMENPELZ! Gehen wir raus, die Sonne genießen!“
    Zum Abschied drückte sie ihre Nase gegen Wurzelfalls Stirn, dann sprang sie zusammen mit Blumenpelz aus dem Lager. Kurz konnte man noch ihr warmes Lachen hören, dann waren sie verschwunden.
    „Sie hat mich geküsst…“, stammelte Wurzelfall. „Wurzelfall! Sie hat schon viele Kater geküsst! Und außerdem wird sie dasselbe tun, das sie immer tut! Zuerst spielt sie ein wenig mit deinem Herz und dann lässt sie es fallen und sieht dir zu, wie du vor einem Trümmerhaufen stehst!“ „Du bist nur eifersüchtig!“, behauptete Wurzelfall. Schwarzfell legte genervt seine Ohren zurück.
    „Brauchst du Beispiele?“, fragte er, „Wie wäre es mit Vogelfeder, damals noch Vogelpfote aus dem Donnerclan? Er wollte ihr zu Liebe schwimmen lernen, wäre dabei fast ertrunken und alles, was sie dazu zu sagen hatte, war, dass er, falls es passiert wäre, eh nicht ihr Traum-Kater gewesen war!“ „Glaubst du, ich habe Chancen, ihr Traum-Kater zu sein?“, fragte Wurzelfall.
    „Wurzelfall!“, rief Schwarzfell empört, „Gut, nächstes Beispiel! Weißt du noch der Streuner, der sich ihretwegen immer öfter in Clan-Nähe aufgehalten hat und auf einer großen Versammlung fast vom Schattenclan zerrissen worden wäre, weil sie ihn für den Streuner hielten, der ihre Beute geklaut hatte? Sie hätte ihm ruhig sagen können, dass er sich von fremden Katzen fernhalten sollte!“ „Hat sie halt vergessen“, sagte Wurzelfall.
    „Apropos Schattenclan … Erinnerst du dich an Streifenkralle? Er hätte sich wegen ihr beinahe dem Flussclan angeschlossen, obwohl Pfützenfeuer erst wenige Monde davor seinen Bruder verlassen hat!“, sprach Schwarzfell weiter, doch Wurzelfall zuckte einfach nur mit seinen Schultern.
    „Und was ist mit Beerensee aus dem Windclan? Er hat seine Freundin in seinem Clan für sie verlassen!“, zählte Schwarzfell weiter auf. „Selbst Schuld“, meinte Wurzelfall. „Ich weiß doch selbst, dass das blöd von ihm war, vor allem, weil sie keine drei Nächte zusammen waren. Ich will doch nur sagen, dass sie bei niemandem bleibt! Sie wird einfach dein Herz brechen!“, antwortete Schwarzfell. „Wenn sie mich dafür aber irgendeine Zeit lang liebt, ist es das wert!“, miaute Wurzelfall. Schwarzfell schüttelte den Kopf.
    „Ich geh mal spazieren. Hoffentlich bist du wieder halbwegs normal, wenn ich wieder da bin, denn deine blinde Sturheit ist echt nicht auszuhalten!“, beschloss er.

    „Oh, schön, dass du uns nachkommst!“, freute Pfützenfeuer sich, als sie ihn entdeckte. „Ich wollte nicht zu euch …“, begann Schwarzfell, doch er verstummte plötzlich. Pfützenfeuer stand jetzt direkt vor ihm. Sie roch gut! Nach nassem Gras und frischen Gänseblümchen… Schwarzfell schüttelte den Kopf. Er wollte nicht auch in ihren Bann gezogen werden! „Wusstest du, dass deine hellgelben Augen wie zwei Sterne in deinem dunklen, samtigen Pelz wirken?“, fragte sie. Ihre blauen Augen bohrten sich plötzlich ganz tief in seine. Sie war noch viel, viel schöner, als es ihm bis jetzt jemals aufgefallen war.
    Schwarzfell wich zurück. Irgendwie gefiel sie ihm plötzlich. Ihre Unberechenbarkeit fand er nun irgendwie aufregend! Pfützenfeuer hingegen schien es zu gefallen, dass sie jetzt wieder ein wenig zu ihm rutschen konnte. „Ich habe schon viele Kater geküsst… Aber einen Kuss von dir wünsche ich mir schon lange!“, seufzte sie, „Ob du es glaubst oder nicht, aber ich mag dich! Alle anderen sind so langweilig, auch wenn es Spaß macht, sie zu sehen… Du bist anders…“ Schwarzfell schnurrte. Er hatte Wurzelfall jetzt wohl jede Menge Unsinn erzählt – Pfützenfeuer war wundervoll! Und sie hielt ihn für etwas Besonderes! Ehe er es sich versah, drückte er seine Nase gegen ihre. Pfützenfeuer schnurrte sanft beim Küssen. Und sie küsste gut! Überhaupt nicht zurückhaltend, aber auch nicht grob. Einfach nur stürmisch! Sanft strich sie mit ihrer Wange gegen seine. Er fühlte sich plötzlich schwerelos. Er brauchte gar nichts mehr! Nur noch Pfützenfeuer! „Oh, Schwarzfell“, seufzte sie, „Wie glücklich ich mich doch schätzen kann, so mit dir hier!“
    Langsam – aber nach Schwarzfells Geschmack viel zu schnell – lösten sie sich voneinander. „Pass auf dich auf, ja?“, schnurrte sie, dann waren sie und Blumenpelz auch schon wieder verschwunden.
    Schwarzfells Herz pochte laut. Was hatte er sich nur gedacht? Das alles, was sie jetzt zu ihm gesagt hatte, sagte sie sicher zu allen anderen Katern, deren Herzen sie zerbrach. Schwarzfell beschloss, den Vorfall einfach zu vergessen und zurück ins Lager zu gehen, doch seine Gedanken wanderten immer wieder zu Pfützenfeuer. Meinte sie das, was sie gesagt hatte, ernst? Vermutlich nicht. Aber trotzdem war da dieser kleine Teil ihn ihm, der hoffte, dass sie ihn mochte. Frustriert fuhr er seine Krallen aus. Er kannte ihr Spiel doch! Gerade eben hatte er Wurzelfall doch davon gewarnt! Was hatte sie nur mit ihm angestellt?
    Eilig ging er zurück ins Lager. Das Wetter war irgendwie komisch: Es lag noch ein wenig Schnee, aber eigentlich konnte man schon überall Blumen und Insekten sehen. Blattfrische halt. Warum er sich jetzt wohl Gedanken darüber machte? Er schob es auf seine gemischten Gefühle.

    „Spiel doch nicht immer so mit den ganzen Katern!“, verlangte Blumenpelz von ihrer Freundin, „Irgendwann hat das noch Konsequenzen für dich, ich kann es schon sehen vor meinem inneren Auge!“ „Sei keine Spielverderberin!“, entgegnete Pfützenfeuer, „Wasserstern liebt mich, immerhin bin ich ihr einziges Junges. Sie würde mich nie aus dem Clan schmeißen!“ Blumenpelz schnaubte. Sie hatte trotzdem kein gutes Gefühl dabei. „Aber ich muss schon sagen, Schwarzfell war besonders einfach zu bekommen!“, kicherte Pfützenfeuer, „Obwohl er so ziemlich der einzige Kater ist, von dem ich nicht dachte, dass er in meinen Bann gezogen werden kann!“ „Naja, du bist halt unwiderstehlich!“, grinste Blumenpelz, „Aber spann mir nicht Wieselschweif aus! Er ist definitiv MEIN Traum-Kater!“ „Oh…“, machte Pfützenfeuer, „Dabei sieht er SO GUT aus!“ „Pfützenfeuer!“, rief Blumenpelz. „Ich mach nur Spaß!“, kicherte diese, „Du darfst deinen Wieselschweif behalten! Optisch kann man ihn sowieso nicht von Wurzelfall unterscheiden – Ich habe noch nie Geschwister gesehen, die sich so ähnlich sehen! Keine Ahnung, wer wer ist“ „Nun, Schwarzfell kann sie unterscheiden. Und ich auch!“, erzählte Blumenpelz. „An ihrem Aussehen?“, zweifelte Pfützenfeuer, „Oder weil Wurzelfall tollpatschiger als ein Vogel-Küken ohne Nest ist?“ „Du bist unmöglich“, stöhnte Blumenpelz, lächelte dabei aber.

    „Schon zurück?“, fragte Wurzelfall, als er seinen Freund das Lager betreten sah. „Ich dachte nur, vielleicht ist Pfützenfeuer doch gar nicht so schlecht“, erklärte er. „Wirklich?“, fragte Wurzelfall erfreut, „Wie bist du darauf gekommen?“ „Hab einfach nachgedacht“, schwindelte Schwarzfell. Kaum merklich schüttelte er den Kopf. Was tat er da nur? Sie spielte mit ihm wie mit allen anderen auch! Weder er noch Wurzelfall sollten sie küssen! Es würde einfach nur zu gebrochenen Herzen führen! Wurzelfall schien das jedoch anders zu sehen: „Wenn das so ist, sag ich ihr am besten gleich, dass ich sie nicht einfach nur mag – Ich liebe sie!“ „Vielleicht solltest du nichts überstürzen!“, hielt Schwarzfell ihn schnell zurück. „Du hast recht, ich sollte mir gut überlegen, was ich sagen werde“, beschloss Wurzelfall. „Was überlegen?“, fragte plötzlich eine Stimme, die fast identisch war mit Wurzelfalls. Wieselschweif. „Ich mag Pfützenfeuer“, erklärte Wurzelfall seinem Bruder, welcher daraufhin nachdenklich den Kopf schief legte. „Da gibt es ein Problem, fürchte ich“, meinte er, „Ich mag sie auch.“
    „Jeder Kater mag sie. Sucht euch lieber jemanden, der auch bei euch bleibt. Ich glaube, Blumenpelz mag dich, Wieselschweif!“, sagte Schwarzfell rasch, doch die Brüder schüttelten energisch die Köpfe. „Sie hat irgendetwas an sich, dass sie unwiderstehlich macht“, erklärte Wieselschweif. „Warte nur, bis du einmal in ihren Bann kommst! Du MUSST sie dann einfach lieben!“, schnurrte Wurzelfall. Schwarzfell legte die Ohren zurück. Das, was er da erlebt hatte, als sie ihn geküsst hatte, musste der Bann sein! Und den fühlten die anderen Kater ständig? Das musste doch furchtbar sein! Warum war diese Katze nur so bezaubernd? Und wieso blieb er davon mehr oder weniger verschont?

    Später im Kriegerbau vermutete Schwarzfell: „Vielleicht ist sie ja irgendwie magisch?“ „Unsinn“, gähnte Wurzelfall, „Sie hat einfach Charme. Und sie ist total hübsch und weiß, wie sie das kriegt, was sie will. Das ist alles!“ Leise fügte er hinzu: „Und ich hoffe, ich bin das, was sie will!“ „Du bist eine unmögliche Fellkugel, weißt du das?“, fragte Schwarzfell, doch sein bester Freund war bereits eingeschlafen.

    „Schwarzfell, wach auf!“, rief Wurzelfall plötzlich, „Du wirst nie herausfinden, was passiert ist!“ Müde blinzelte der dunkle Kater seinen Freund an. „Ich hoffe, es ist wenigstens was Wichtiges. Ich wollte eigentlich länger schlafen, wo ich doch auf keiner Morgenpatrouille eingeteilt bin!“, grummelte er. „Machst du Witze? Es ist bereits Sonnenhoch!“, rief Wurzelfall, „Und ich muss dir was sagen!“ Schwarzfell legte die Ohren zurück. Er hätte auch nichts dagegen gehabt, den ganzen Tag lang zu schlafen. „Du bist der schlimmste Morgenmuffel, den ich je kennengelernt habe!“, sagte Wurzelfall, der bereits ahnte, was seinem Freund durch den Kopf ging.
    Feierlich räusperte Wurzelfall sich: „Pfützenfeuer hat mich geküsst! Und nicht nur so wie gestern! RICHTIG! Ich habe ihr gesagt, dass ich sie liebe!“ „Glückwunsch“, murmelte Schwarzfell halbherzig, „Hat sie dir auch gesagt, in wie vielen Nächten genau du Geschichte sein wirst für sie?“ „Halt die Klappe!“, sagte Wurzelfall triumphierend, „Du bist nur eifersüchtig! Du errätst auch nie, was sie gesagt hat!“ Schwarzfell legte den Kopf schief und ahmte ihre Stimme furchtbar schlecht nach: „Ich habe schon viele Kater geküsst… Aber einen Kuss von dir wünsche ich mir schon lange! Ob du es glaubst oder nicht, aber ich mag dich! Alle anderen sind so langweilig, auch wenn es Spaß macht, sie zu sehen… Du bist anders…“
    „So ähnlich“, grummelte Wurzelfall, „Woher weißt du das?“ Enttäuscht schlug Schwarzfell mit dem Schweif. Sie hatte es also wirklich nicht so gemeint, als sie es zu ihm gesagt hatte! Eschrocken stellte er fest, dass er sich noch an die genaue Satzstellung erinnerte! Und ihr süßer Geruch erst…
    „Schwarzfell?“, fragte Wurzelfall, „Alles okay?“ „Ich glaube, sie nutzt dich nur aus!“, beeilte er sich zu sagen. Warum war er nur so enttäuscht? Er kannte ihr Spiel doch!
    Genau in diesem Moment betrat auch Wieselschweif den Bau. „Ob ihr es glaubt oder nicht – Aber Blumenpelz und ich sind jetzt zusammen! Du hattest recht gehabt, Schwarzfell!“, begrüßte er sie. Schwarzfell stellte seine Ohren auf. Es gab also auch noch Kater, die sich trotz Pfützenfeuer Gefährten suchten!

    Zur Nachmittagspatrouille wurden unter anderen Schwarzfell und Pfützenfeuer eingeteilt. „Kann ich mit dir unter vier Augen sprechen?“, bat Schwarzfell mittendrin. „Ich „spreche“ gerne mit dir!“, schnurrte Pfützenfeuer. Hatte sie gerade gezwinkert, als sie sich von den anderen Katzen entfernten?
    „Ich wollte dich gestern auch länger küssen“, schnurrte sie. „Nein, das wollte ich eigentlich nicht!“, sagte Schwarzfell schnell und wich zurück. „Eigentlich?“, kicherte Pfützenfeuer. „Hör zu“, begann er, „Wurzelfall mag dich wirklich! Bitte spiel nicht einfach mit seinen Gefühlen!“ „Ich spiele nie!“, erklärte Pfützenfeuer, „Ich sammle Erfahrungen!“ „Klar…“, sagte Schwarzfell und verdrehte die Augen, doch Pfützenfeuer sagte: „ Ich meine er ernst, Schwarzfell! Ich will wissen, wie sich Liebe anfühlt! Du hast es mir gezeigt! Schon vor langer Zeit sogar! Aber ich wollte dich nie enttäuschen! Es ist ganz normal, dass ich einfach ein wenig … üben wollte… für dich!“ „Was…?“, stammelte Schwarzfell. Er war sich nicht sicher, ob er das, was er da hörte, verstanden hatte, doch er hatte keine Zeit mehr, darüber nachzudenken – Seine Nase traf bereits die von Pfützenfeuer. „Dein Fell ist wunderschön weich“, murmelte sie, als sie mit ihrem Hals gegen seinen strich. Schnurrend drückte Schwarzfell seine Nase gegen ihren Hals. „Du riechst gut“, gab er zu. Beide kicherten. Schwarzfell fühlte sich so gut wie schon lange nicht mehr. Pfützenfeuer war einfach zu gut, um wahr zu sein!
    Erst als er sich erinnerte, dass er Wurzelfall gerade vor einem gebrochenen Herzen bewahren wollte, löste er sich von ihr. Was hatte er nur wieder getan? „Gehen wir lieber zu den anderen. Sie wundern sich sicher, wo wir bleiben“, beschloss er. Pfützenfeuer nickte. „Du hast wohl recht“, seufzte sie, „Obwohl ich gehofft hatte, wir könnten uns noch ein wenig länger küssen! Hast du heute Nacht Zeit?“ Schwarzfell schüttelte den Kopf. Alles, was sie gerade gesagt hatte, war sicher auch nur eine ihrer Lügen! Schuldgefühle packten ihn. Er hatte soeben seinen besten Freund hintergangen!

    Schwarzfell senkte seinen Kopf. Wurzelfall sah so glücklich mit Pfützenfeuer aus, obwohl sie erst wenige Tage zusammen waren. Wie lange ihre Beziehung wohl halten würde? Am längsten war Pfützenfeuer bis jetzt mit Tauchherz zusammen gewesen. – ungefähr sechs Monde – Tauchherz war nach ihrer Trennung zwar mit einer anderen Flussclankätzin – Rosenblatt – zusammengekommen, aber Schwarzfell hatte das Gefühl, dass der Kater Pfützenfeuer trotzdem immer noch vermisste. Am kürzesten hielt sicher die Beziehung mit Beerensee aus dem Windclan. Nach wenigen Tagen gingen die beiden getrennte Wege. Schwarzfell fragte sich, warum jemand jemanden wie Pfützenfeuer verlassen würde. Oder war sie es, die einfach jemand neuen wollte? Vermutlich.

    Tatsächlich ging alles fast schon einen halben Mond lang gut. Pfützenfeuer und Wurzelfall! Schwarzfell war sich nicht sicher, wie er das fand. Es war für Pfützenfeuer so unglaublich leicht, ihn um ihre Pfoten zu wickeln! Sie hatte Wurzelfall schon einige Male mit ihm hintergangen! Wieso ließ er das zu? Er hasste sich dafür!
    „Hallo, Schwarzfell!“, schnurrte Pfützenfeuer plötzlich, „Willst du spazieren gehen?“ Der Kater schüttelte den Kopf. „Wäre es nicht besser, wenn wir Abstand halten würden? Du bist doch mit Wurzelfall zusammen!“, miaute er. „Ach, Wurzelfall“, sagte sie wegwerfend, „Findest du, das ist ein Problem? Ich mag Risiko!“ „Er ist mein bester Freund!“, erinnerte Schwarzfell sie. „Aber vorher war dir das ja auch egal!“, klagte Pfützenfeuer. Schwarzfell spürte einen Stich im Herzen. „Es ist falsch. War es immer schon. Tut mir leid. Ich wollte das nicht tun! Wirklich!“, sagte er. „Ich habe es dir nicht leicht gemacht, mir zu widerstehen“, gab Pfützenfeuer zu, „Aber ich bringe es wieder in Ordnung! Versprochen!“ Schwarzfell wusste nicht, was er antworten sollte, da er überrascht von ihrem Verständnis war. Immer wieder lernte er etwas Neues über sie! Und irgendwie gefiel es ihm, dass sie auch eine verständliche Seite hatte! Erschrocken schüttelte er seinen Kopf. So durfte er nicht denken! Pfützenfeuer kicherte: „Du musst dich nicht irgendwie verstellen. Ich weiß, dass du mich liebst!“ Zum Abschied drückte sie ihre weiche Nase gegen seine Wange und verließ das Lager. Mit großen Augen sah Schwarzfell ihr nach.
    „Was war das denn gerade?“, fragte plötzlich eine Stimme. „Wieselschweif!“, rief Schwarzfell erschrocken. „Ich verstehe zwar, dass du wie jeder andere Kater in sie verknallt bist, aber dass du Wurzelfall so in den Rücken fällst, hätte ich von dir nicht erwartet!“, fauchte Wieselschweif, „Ich würde es ihm am liebsten sagen!“ Schwarzfell nickte. „Das verdiene ich wohl“, gab er zu. Überrascht stellte Wieselschweif seine Ohren auf. „Ernsthaft?“, fragte er. „Du kannst dir gar nicht vorstellen, was ich für ein schlechtes Gewissen habe“, erklärte Schwarzfell. „Dann sag es ihm selber“, entschied Wieselschweif, „So wird er dir eher verzeihen! Aber mach es sofort, sonst sag ich es ihm! Ich hasse es, dass jemand meinem Bruder wehtut!“ „Ich werde es ihm sagen. Er ist gerade auf Patrouille“, antwortete Schwarzfell und verließ das Lager.
    Wieselschweif sah ihm misstrauisch nach. Ob er ihm folgen sollte?

    Im Wald lief Pfützenfeuer Schwarzfell gleich entgegen. „Ich habe alles wieder in Ordnung gebracht!“, strahlte sie. „Was hast du getan?“, fragte Schwarzfell. „Nebensächlich…“, wich sie aus, „Aber jetzt können wir zusammen sein! Ist das nicht toll?“ Schwarzfell unterdrückte ein Schnurren und ging weiter in die Richtung, in der er die Patrouille vermutete. „Hey, Schwarzfell!“, rief Pfützenfeuer, „Freust du dich nicht?“ „Klar“, antwortete er, „Ich bin nur gerade auf der Suche nach Wurzelfall!“ „Vergiss Wurzelfall!“, fauchte Pfützenfeuer. „Aber…“, protestierte Schwarzfell, doch es war zu spät: Pfützenfeuer drückte ihre Nase gegen seine. „Wir können jetzt offiziell zusammen sein“, wiederholte sie. Schwarzfell machte sich langsam los. „Das ist schön! Ich geh nur noch schnell Wurzelfall suchen, dann komm ich zurück ins Lager. Geh doch schon mal vor!“, schnurrte er. „Wie du meinst, Gefährte!“, lächelte sie, dann verschwand sie so schnell wie immer.

    Kurze Zeit später entdeckte er Wurzelfall. „Hey!“, begrüßte Schwarzfell seinen Freund, doch statt einer Begrüßung drückte er sich gegen ihn und murmelte: „Du hast recht gehabt, Schwarzfell! Sie hat es wirklich nicht ernst gemeint! Gerade vorhin hat sie mir gesagt, dass sie Schluss macht, weil sie sich in jemand anderen verliebt hat! Ich hätte dir glauben sollen!“ „Es … es tut mir so leid, Wurzelfall!“, stammelte Schwarzfell. Unruhig schluckte er. Das hatte Pfützenfeuer also mit „in Ordnung bringen“ gemeint! Vielleicht tat sie das ja jedes Mal? „Hast du eine Ahnung, wer ihr Neuer sein könnte? Wehe, es war irgendwer, den wir kennen!“, fauchte Wurzelfall. „Ich glaube, ich weiß es…“, wisperte Schwarzfell, doch er sprach so leise, dass Wurzelfall ihn nicht hören konnte. Noch nie hatte sich der schwarze Kater so schlecht gefühlt!
    „Das Problem ist halt, ich mag sie wirklich, Schwarzfell“, miaute Wurzelfall, „Wenn ich den erwische, der sie mir weggenommen hat!“ Schwarzfell wich ein Stück zurück und räusperte sich, doch bevor er etwas sagen konnte, wurde er von einer Katze auf den Boden gedrückt.
    „Was machst du denn hier, Wieselschweif?“, fragte Wurzelfall verwirrt, „Und warum drückst du Schwarzfell gegen den Boden? Lass ihn los!“ „Ich habe alles gehört! Er verdient es!“, zischte Wieselschweif. „Stimmt, ich verdiene es…“, murmelte Schwarzfell, „Aber ich wollte es ihm gerade sagen!“ „Was sagen?“, fragte Wurzelfall. „Ich habe dich aber gesehen. Gerade vorhin. Du hast nicht so ausgesehen, als würde es dir sehr leidtun!“, erzählte Wieselschweif, „Sie hat dich sogar „Gefährte“ genannt!“ Verwirrt sah Wurzelfall die beiden Kater an, als ihm plötzlich ein Licht aufging. „Du…“, stammelte er, „Du bist ihr neuer…“ Weiter kam er nicht, weil er sich selbst unterbrach: „WARUM! Wir waren Freunde!“ „Ich weiß! Es tut mir leid!“, sagte Schwarzfell schnell, „Es war dumm von mir! Irgendwie zog sie mich einfach in ihren Bann…“ „Und du konntest nicht widerstehen, obwohl ICH mit ihr zusammen war? ICH? DEIN BESTER FREUND! Du bist ERBÄRMLICH!“, fauchte Wurzelfall. „Ich werde nicht mit ihr zusammen kommen!“, versprach Schwarzfell. „Das sah vorher anders aus“, meinte Wieselschweif, „Der Kuss wirkte so vertraut.“
    „KUSS?“, fragte Wurzelfall, „Das verzeihe ich dir NIE! Hast du mir ABSICHTLICH ausreden wollen, ihr zu gestehen, dass ich sie liebe?“ Tränen sammelten sich in seinen Augen.
    „Nein! Es tut mir leid! Das meine ich echt aufrichtig! Und ich erwarte auch nicht, dass du mir verzeihst!“, rief Schwarzfell und sah Wurzelfall verzweifelt an. Seine Liebesaffäre mit Pfützenfeuer war ihm zum Verhängnis geworden! Er konnte nicht einfach Wurzelfall verlieren! „Natürlich verzeiht er dir nicht, du Verräter!“, fauchte Wieselschweif, „Wäre ich Wurzelfall, würde ich dir sogar Krieg erklären! Aber das ist seine Entscheidung.“ Schwarzfell starrte seinen Freund an. „Verschwinde einfach“, fauchte Wurzelfall, „Komm, Wieselschweif, wir gehen!“
    Traurig sah Schwarzfell ihnen nach. „Wurzelfall… Es tut mir so leid…“, murmelte er. Warum nur hatte er das getan? Noch nie hatte er sich selbst so sehr gehasst!
    „Oh, wow“, sagte plötzlich jemand. Pfützenfeuer! Hatte sie schon die ganze Zeit zugesehen? „So ein Idiot“, meinte Pfützenfeuer, „Das ihm nicht selber aufgefallen ist, dass er mir nicht würdig ist!“ „Was machst du hier?“, fragte Schwarzfell. „Nun, jetzt, wo wir Gefährten sind, verbringe ich Zeit mit dir!“, erklärte Pfützenfeuer. „Ich will nicht“, murrte Schwarzfell. „Ach, vergiss Wurzelfall, er ist es nicht wert, sich zu ärgern“, meinte Pfützenfeuer. Wütend sah Schwarzfell sie an. Woher sollte sie denn bitte wissen, wie viel Wurzelfall ihm wert war? „Du liegst falsch!“, sagte er, „Er ist mein bester Freund!“ „Er WAR dein bester Freund“, gähnte Pfützenfeuer und versuchte, ihre Nase gegen die von Schwarzfell zu drücken, doch er wich zurück. „Ich liebe dich nicht. Wir sind keine Gefährten“, sagte er. „Was?“, fragte sie geschockt, „Aber… warum nicht?“ „Lass mich allein“, verlangte Schwarzfell müde. Als sie nicht ging, rannte er einfach in die andere Richtung.

    „Ich glaub es immer noch nicht!“, fauchte Wurzelfall, „Mein bester Freund! Und er tut SOWAS!“ Wieselschweif nickte, doch Blumenpelz mischte sich plötzlich ein: „Ist jetzt auch egal. Sie haben sich getrennt. Pfützenfeuer hat es mir gerade vorhin erzählt.“ „Wirklich?“, fragte Wurzelfall, doch Wieselschweif zischte: „Ist jetzt auch egal! Passiert ist passiert!“ „Vielleicht sollte ich nach ihm schauen gehen“, überlegte Wurzelfall, „Ich meine, früher oder später hätte sie sich vermutlich wieder jemand neuen gesucht!“ Energisch schüttelte Wieselschweif den Kopf. „An deiner Stelle würde ich ihn niemals wieder auch nur ansehen“, meinte er, doch Wurzelfall beschloss: „Er ist mein bester Freund. Wir sollten keine untreue Kätzin zwischen uns bringen! Gehen wir ihn suchen!“

    Schwarzfell war schon eine Weile gerannt, als ein plötzlicher Schmerz seine rechte Vorderpfote durchzuckte. Langsam blieb er stehen, um sie sich ansehen zu können. Zuerst entdeckte er nichts, doch als er genauer hinsah, sah er, dass er auf eine Biene gestiegen war. Seine Pfote pulsierte unangenehm. Irgendwie sah sie jetzt schon ein wenig geschwollen aus. Das war ihm noch nie zuvor passiert, doch er erinnerte sich, dass es einmal Wurzelfall geschehen war, als sie noch Schüler gewesen waren. Er wusste noch, dass sie beide den ganzen Tag im Lager gesessen waren, weil Wurzelpfote gesagt hatte, dass seine Pfote total wehtat und Schwarzpfote ihm Gesellschaft leisten wollte. Er erinnerte sich an den Tag, als wäre es gestern gewesen! Sandschimmer, die Heilerin, hatte gemeint, dass sowas eigentlich nicht weiter schlimm war, wenn man nicht gerade allergisch war…
    Schwarzfell keuchte. Irgendwie hatte er plötzlich Probleme mit dem Atmen. Sein Herzschlag begann zu rasen! Bei Wurzelpfote damals war das nicht passiert!
    Ein plötzliches Geräusch ließ ihn zusammenfahren! Eine Katze kam auf ihn zu. War das Wurzelfall? „Endlich habe ich dich gefunden!“, sagte der Kater. Es war eindeutig Wurzelfall, Schwarzfell würde seine Stimme immer von der von Wieselschweif unterscheiden können. „Ich finde, wir sollten reden!“, meinte Wurzelfall.
    Plötzlich spürte Schwarzfell, wie sich der Schmerz, der von seiner Pfote ausging, über seinen ganzen Körper ausbreitete und auch immer stärker wurde! Er hörte kaum mehr, was Wurzelfall eigentlich sagte, seine Schmerzen wurden stärker und das Atmen wurde immer schwieriger. Angestrengt versuchte er, Luft zu holen, doch fast nichts von der eben eingeatmeten Luft erreichte seine Lunge. „Ich bin immer noch total enttäuscht von dir“, gab Wurzelfall zu, „Aber mein Verstand sagt mir, dass Pfützenfeuer sich früher oder später ohnehin jemand neuen gesucht hätte und ich will nicht, dass unsere Freundschaft so endet!“
    „Mein Blut brennt!“, stöhnte Schwarzfell.
    Verärgert schüttelte Wurzelfall den Kopf. „Versuch nicht, dich durch Mitleid irgendwie beliebter zu machen! Glaubst du, ich würde dir das abkaufen? Hörst du mir eigentlich zu?“
    Schwarzfell blinzelte. Die Umgebung wurde unscharf.
    „Mir ist … schwindelig“, sprach er weiter und versuchte ein weiteres Mal, Luft zu holen, hatte jedoch nicht mehr Erfolg als vorher.
    „Lass das und hör zu, die Sache ist die…“, fuhr Wurzelfall fort, doch Schwarzfell hörte ihm nicht weiter zu. Inzwischen erreichte gar kein Sauerstoff seine Lungen mehr!
    „Kann…nicht…atmen“, würgte er hervor.
    Wütend sah Wurzelfall ihn an. „Eigentlich wollte ich dir gerade eine Chance geben, unsere Freundschaft zu retten! Aber wenn du denkst, du müsstest das arme Opfer spielen, kann ich das auch lassen!“, fauchte er.
    Anstatt eine Antwort zu geben, übergab Schwarzfell sich so knapp vor Wurzelfalls Pfoten, dass dieser zurückweichen musste. Erschrocken musterte Wurzelfall ihn. „Luft… Bitte…!“, japste Schwarzfell, dann brach er zusammen.
    „Schwarzfell!“, rief Wurzelfall erschrocken. Der Körper des schwarzen Katers zuckte stark in unregelmäßigen Abständen. „Schwarzfell!“, schrie Wurzelfall, „Was ist?“
    Schwarzfell konnte keine Antwort geben. Sein Blut brannte wie Feuer, seine Lungen waren zugeschnürt, sein Körper bebte.
    Aufgebracht sah Wurzelfall seinen Freund an. „Was soll ich tun?“, fragte er verzweifelt. Wurzelfalls Blick viel auf Schwarzfells inzwischen dicke Schwellung. Kam die von einem Bienenstich? Seine Pfote hatte damals ähnlich ausgesehen, wenn man mal davon absah, dass seine Pfote damals nicht bis zum Hals rauf geschwollen war! So schnell er konnte zerrte er Schwarzfell in einen von den inzwischen kümmerlich kleinen Schneehaufen. Sandschimmer hatte dann doch auch seine Pfote gekühlt! Eilig rieb er den Schnee gegen Schwarzfells Hals. „Atme! Bitte!“, flüsterte er, „Pfützenfeuer ist mir egal, hörst du?“
    Tränen sammelten sich in Wurzelfalls Augen. Er wollte Schwarzfell nicht verlieren! Und schon gar nicht so! Pfützenfeuer war ihm plötzlich überhaupt gar nicht mehr wichtig! Hätten sie sich nicht wegen ihr gestritten, wäre Schwarzfell gar nicht erst hierhergekommen! Waren ihre Liebesaffären mit dieser Kätzin jetzt etwa ihr Verhängnis? Schwarzfell durfte nicht so sterben! Das letzte, was er zu Schwarzfall gesagt hatte, war, dass er aufhören sollte, so zu tun, als ob etwas wäre, wobei er doch gerade neben ihm am Sterben gewesen war! Wieso war ihm das nicht aufgefallen? Normalerweise wusste er doch schon, was Schwarzfell fühlte, ohne das er etwas sagen musste! „Geh noch nicht zum Sternenclan!“, flehte Wurzelfall und drückte Schwarzfell tiefer in den Schnee. Die Kälte würde doch dafür sorgen, dass die Schwellung bei seinem Hals zurückging, oder? Aber würde das schnell genug gehen? Oder erstickte Schwarzfell vorher?
    „Was treibst du da, Wurzelfall?“, fragte Wieselschweif plötzlich. Wurzelfall hatte ihn gar nicht herkommen hören, doch das war jetzt egal! „Schwarzfell…Er erstickt!“, erklärte er aufgebracht. „Dann lass ihn doch“, murrte Wieselschweif. Entsetzt sah der Kater seinen Bruder an. „Was redest du denn da?“, fragte er entsetzt. „Er verdient es. Ohne ihn hättest du die schönste Kätzin überhaupt haben können“, sagte Wieselschweif trocken. „Das ist mir egal! Ich will, dass er lebt!“, fauchte Wurzelfall. „Und deshalb drückst du ihn in diesen Schneehaufen?“, zweifelte Wieselschweif.
    „Es muss einfach funktionieren! BITTE!“, schrie Wurzelfall.
    „Schade um ihn wäre es jetzt halt wirklich nicht…“
    „Wieselschweif!“
    „Ehrlich gesagt, ich würde ihn einfach liegenlassen! Er ist schuld an deinem gebrochenen Herzen!“
    „Viel mehr Schuld trägt Pfützenfeuer!“
    „Er ist ein Betrüger! Wie kannst du nur dieselbe Luft atmen wollen, die er atmet?“
    „Weil er mein Freund ist! Er ist mir mehr wert als jede Kätzin! Ich verzeihe ihm! Und zurzeit atmet er ja gar nicht!“
    „Wurzelfall, vielleicht solltest du es einfach lassen…“
    „Sicher nicht! SCHWARZFELL, WACH AUF!“
    „Nun, er war schon immer ein verschlafener Fellhaufen…“
    „Das ist nicht lustig! ER STIRBT!“
    „Wenn du noch mehr Schnee gegen seinen Hals reibst, erfriert er noch!“
    „Sandschimmer hat damals auch meine Pfote gekühlt, erinnerst du dich? Es MUSS einfach funktionieren!“
    „Ich erinnere mich. Du hast schlimmer gehumpelt als sonst was!“
    „SCHWARZFELL, BITTE!“
    „Wer hätte schon gedacht, dass er so stark reagiert? Ich glaube, es ist zu spät, Wurzelfall.“
    „Wenn ich ihm zugehört hätte, hätte ich ihn vielleicht retten können! Das ist meine Schuld! Ihm sage ich, er sei ein schlechter Freund wegen einer Kätzin und selbst kann ich ihn nicht vor einem Insekt beschützen…!“
    „Nicht weinen, Wurzelfall! Du hast dein Bestes getan! Lass es einfach. Sein Körper ist schon ganz kalt.“
    „Das könnte am Schnee liegen! SCHWARZFELL!“
    „Es wird nicht funktionieren. Selbst wenn die Schwellung zurückgeht, heißt das nicht, dass wieder genau Sauerstoff durch seinen Körper fließen wird, bis er aufwacht und Luft holen kann!“
    „Nein, ich glaube, du hast recht! Aber … Das bringt mich auf eine Idee…!“

    Zittern kauerte Wurzelfall sich zu seinem Freund und drückte sein Maul gegen das von Schwarzfell. „Was treibst du da?“, wollte sein Bruder wissen. „Ich werde für ihn atmen!“, beschloss Wurzelfall und atmete so gut er konnte ihn Schwarzfells Maul. Konnte das funktionieren?
    Minuten später erhob er sich wieder. Nichts war passiert. „Ich bin erbärmlich“, flüsterte er und drückte seinen Kopf gegen die Schulter seines Bruders, „Pfützenfeuer ist mir so egal! Schwarzfell soll einfach wieder atmen!“ „Tut mir leid“, antwortete Wieselschweif und ließ den Kopf sinken.
    „Danke“, hörten die beiden plötzlich ein schwaches Schnurren. „SCHWARZFELL!“, rief Wurzelfall und rieb seinen Kopf gegen Schwarzfells Wange, „Ich dachte, du wärst tot!“ Anstatt eine Antwort zu geben, rappelte Schwarzfell sich auf – uns übergab sich gleich noch einmal.
    Danach sank er gleich wieder zusammen. Wieselschweif verzog sein Gesicht, doch Wurzelfall bemerkte es nicht einmal richtig.
    „Warum hast du mich gerettet?“, fragte Schwarzfell benommen. „Weil wir Freunde sind, schon vergessen?“, fragte Wurzelfall, „Du bist wichtiger als Pfützenfeuer! Wetten, sie spannt gerade den nächsten Kater aus?“ „M-Hm“, machte Schwarzfell. Er fühlte sich schwach und müde und inzwischen brannte sein ganzer Körper schmerzvoll, aber er lebte. Dank Wurzelfall. „Ich kann nicht glauben, dass Liebe so gefährlich werden kann“, meinte Wurzelfall, „Aber beinahe hätte ich dich durch sie verloren!“ Schwarzfell nickte nur. Müde stützte er sich gegen Wurzelfall, welcher ihn zurück ins Lager führte.

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    Das war meine Geschichte für Nachtschattensterns Wettbewerb! Hier habe ich noch ein Bild, dass ich gezeichnet habe, als ich zuerst ein Trauriges Ende
    Das war meine Geschichte für Nachtschattensterns Wettbewerb! Hier habe ich noch ein Bild, dass ich gezeichnet habe, als ich zuerst ein Trauriges Ende geplant habe... Danke fürs Lesen!

    (Bzw. Ich habe den Hintergrund gezeichnet und so, aber irgendwelche "richtigen" Katzen aus dem Internet kopiert und angemalt - ging schneller, als eigene zu zeichnen und das Schattieren war dadurch einfacher)

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