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Blutsterns Geheimnis - Teil 2

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    Im letzten Teil habe ich mich vertan und habe Mondblick als ((red))Kätzin((ered)) angegeben, obwohl er ein ((blue))Kater((eblue)) ist. Ich setzte mic
    Im letzten Teil habe ich mich vertan und habe Mondblick als Kätzin angegeben, obwohl er ein Kater ist.

    Ich setzte mich zwischen Tauglanz und Wellenmeer.
    „Glückwunsch“, schnurrte die zweite Anführerin des WindClans.
    „Auch von meiner Seite“, schnurrte Blütensturm. Dankbar sah ich die beiden an, nur Wellenmeer schwieg.
    „Freust du dich nicht für Blutfleck?“, fragte Tauglanz und Wellenmeer knurrte nur.
    „Was ist nur mit ihm los?“, fragte Blütensturm.
    Ich zuckte nur mit den Schultern und die Versammlung wurde weitergeführt. Im DonnerClan gab es nichts neues zu berichten, auch im FlussClan war alles beim Alten. So war die große Versammlung schneller vorbei als gedacht und ich war so aufgeregt Leopardenherz von den guten Neuigkeiten zu berichten. Seelengeist trug den Leichnam des toten zweiten Anführers und ich legte an Geschwindigkeit zu, bis ich bei Sonnenstern war. Ich trabte neben ihr und sie sagte ruhig: „Ich habe dich zum zweiten Anführer ernannt, weil du aus meiner Sicht den klarsten Verstand im ganzen Clan hast.“
    Ich hatte damit nicht gerechnet, aber antwortete: „Dafür bin ich dir sehr dankbar und ich bin erschüttert über Finsterherz´ Tod. Wie konnte Kokosblüte nur so etwas schreckliches tun?“
    „Das beschäftigt mich auch schon die ganze Zeit. Sie hatte keine Gründe und trotzdem sind die Beweise eindeutig.“
    Ich nickte und fragte die Anführerin: „Was wirst du nun mit ihr machen? Im Clan kann sie nicht bleiben.“
    „Lass uns das morgen klären, wenn unsere Gedanken wieder klar sind“, miaute sie und ich merkte wie sehr die Müdigkeit an ihr zerrte. Auch ich merkte meinen müden Knochen und so liefen wir schweigend zum Lager. Leopardenherz saß aufgeregt am Frischbeutehaufen.
    „Blutfleck! Wie war es?“, fragte sie stürmisch.
    „Tragisch... Kokosblüte hat Finsterherz umgebracht...“
    „Was? Wie kann sie nur zu so etwas fähig sein?“
    „Ich weiß es nicht, aber Sonnenstern will morgen mit mir beraten was wir mit ihr machen“, miaute ich leise und teilte ihr so versteckt die guten Neuigkeiten mit.
    „Mit dir? Du bist ihr neuer zweiter Anführer?“, fragte sie erstaunt.
    „Ja. Sonnenstern hat mich zu Finsterherz´ Nachfolger ernannt.“
    „Das freut mich für dich“, schnurrte sie und so legte ich mich in den Kriegerbau. Am nächsten Morgen rief Sonnenstern mich in ihren Bau.
    „Was machen wir mit Kokosblüte?“, fragte sie mich.
    „Ich würde sie verbannen und wer sie auf unserem Territorium sieht hat die Erlaubnis sie zu töten.“
    Sie seufzte tief: „Am liebsten würde ich so etwas nicht verkünden wollen, aber es ist die einzige Möglichkeit unseren Clan zu schützen.“ Damit schickte sie mich aus dem Bau und rief den Clan zusammen.
    „Alle Katzen die alt genug sind Beute zu jagen sollen sich versammeln!“
    Einige Katzen taumelten verschlafen aus den Bauen und putzten erst ihr Fell.
    „Wir haben entschieden, was nun mit Kokosblüte geschehen wird. Für die, die es noch nicht erfahren haben, Kokosblüte hat auf der großen Versammlung unseren zweiten Anführer Finsterherz ermordet. Ich habe Blutfleck zu meinem neuen Stellvertreter ernannt.
    „Blutfleck!“
    „Blutfleck!“
    „Blutfleck!“
    Es rief der ganze Clan, am lautesten Leopardenherz und meine Wurfgeschwister. Dann rief ich mir wieder ins Gedächtnis, dass wir nur Halbgeschwister waren.
    Sonnenstern erhob ihre Stimme wieder: „Kokosblüte, du wirst aus dem Clan verbannt werden und wenn ein Krieger dich vor Sonnenuntergang auf dem SchattenClanterritorium erwischt, hat er meine Erlaubnis dich zu töten. Nun verlasse das Lager und tritt uns aus den Augen.“
    Kokosblüte knurrte und sah mich mit einem wütenden Blick an.
    „Ihr werdet schon sehen was passiert, wenn ihr mich verbannt“, fauchte die Streunerin drohend.
    Ich sprang vom Felsen und stellte mich knurrend vor Kokosblüte: „Verschwinde aus unserem Lager. Verlasse das Territorium und lass dich nie wieder blicken!“ Meine Clangefährten jaulten zustimmend.
    Dann trat Erkenntnis in ihre gelben Augen und sie verließ das Lager mit gesenktem Kopf. Einige Krieger atmeten erleichtert aus und dann merkte ich, dass es jetzt an mir lag die Patrouillen einzuteilen.
    „Seelengeist, gehe mit Luchsohr und Kleepfote an die DonnerClangrenze.“ Seelengeist nickte und verließ mit ihren Patrouille das Lager.
    „Wieselpelz, Tulpenglanz und Hundepelz, ihr müsst jagen, der Clan braucht Frischbeute“, sagte ich und die drei stürmten in den Kiefernwald.
    „Lavaherz, such dir drei Krieger und prüfe die FlussClangrenze.“
    Die Kriegerin nickte und nahm Dunkelherz und Abendrot zusammen mit Tropfenpfote mit.
    „Ich werde mit Bienenstreif und Glutflamme als zweite Jagdpatrouille in den Wald gehen“, verkündete ich und sprang zu meiner Patrouille.
    „Wo werden wir hingehen?“, fragte mein Bruder und ich sagte gelassen: „Wir werden uns Richtung DonnerClan halten.“
    Ich lief allein tiefer in der Wald und so teilten wir uns auf. Ich entdeckte eine Eidechse in den Nadeln und schlich mich langsam an. Sie würde mindestens zwei Krieger satt machen. Ich sprang, nagelte das Beutetier am Boden fest und tötete sie mit einem Pfotenschlag. Ich fing noch zwei Frösche und kehrte dann zu unserem Anfangspunkt zurück. Glutflamme und Bienenstreif waren schon zurückgekehrt und trugen reichlich Beute mit sich. Wir liefen zurück und ich dachte an Leopardenherz und unsere Jungen. Friedlich liefen wir zurück ins Lager und legten die Beute auf den Frischbeutehaufen. Leopardenherz spielte mit unseren Jungen und ich lief zu ihnen. Besser konnte mein Leben zu diesem Zeitpunkt nicht sein...

    2. Kapitel

    Es war Nacht, ein Monde nachdem Kokosblüte verbannt wurde und ich hörte das Getrappel von Pfoten. Instinktiv wollte ich meine Gefährten wecken. Aber die anderen schliefen tief und fest und wären sicher wütend, wenn die Geräusche nichts ernstes waren und ich ihnen die Erholung stehlen würde.
    Ich kam auf die Pfoten, schlüpfte leise zwischen Luchsohr und der schnarchenden Tulpenglanz hindurch und gelangte auf die Lichtung. Der Mond schien hell, trotzdem konnte ich in dem fahlen Licht keine Bewegung ausmachen.
    Von der gegenüberliegenden Seite des Lagers wehte eine sanfte Brise, doch sie brachte nur den vertrauten Geruch nach Kiefern mit sich. Ich wollte gerade wieder ins Nest zurückkehren, als ich außerhalb des Lagers wieder ein Rascheln hörte. Waren das Dachse? Oder die Streuner, die uns vor drei Sonnenaufgängen angegriffen hatten? Ich prüfte die Luft, konnte aber nicht ungewöhnliches ausmachen.
    Dann drehte der Wind und kam von einer komplett anderen Richtung. Dabei brachte der Windhauch nicht nur den bekannten Duft der Kiefern mit sich, sondern auch den von Katzen!
    Mit entsetzen sah ich dunkle Schatten im Lagereingang auftauchen. Es kamen immer mehr Katzen in das Lager geströmt. Im Mondlicht erkannte ich die schimmernden Pelze der Streuner, aber es waren deutlich, deutlich mehr als letztes Mal, sie waren sogar in der Überzahl.
    Mir schlug das Herz bis zum Hals ich realisierte, was hier passierte.
    Streuner griffen das Lager an.
    „Streuner“, jaulte ich. „Streuner im Lager!“
    Ich schoss zurück in den Kriegerbau und weckte meine Clangefährten.
    „Steht auf!“ drängte ich. „Streuner greifen das Lager an!“.
    Die Krieger sprangen erschrocken auf, dann entspannten sie sich wieder.
    „Bleib mal locker“, maulte Hundepelz. „Die Wachen würden uns schon Bescheid geben.“ In diesem Moment zerriss ein Schrei die Luft. Himbeerschweif hielt Wache! Ich rannte aus dem Bau, während die anderen den Rest weckten. Himbeerschweif war ganz allein! Während ich rannte stieß ich Warnrufe aus um das komplette Lager zu wecken.
    Sonnenstern erschien am Eingang ihres Baus und ließ ein lautes Miauen ertönen, bevor sie auf die Lichtung sprang.
    Ich sah mich kurz um. Meine Clangefährten folgten mir, waren hellwach und bereit zum Kampf. Schattenblut, mein Vater, lief voran, seine Pfoten berührten kaum den Boden als er den Streunern entgegensprang.
    Kometenpfote und Tropfenpfote drängten aus dem Schülerbau, die Augen weit aufgerissen, das Nackenfell gesträubt. Ihre Schwester Kleepfote tauchte hinter ihnen auf.
    „Bleibt zurück!“, blaffte ich. „Das ist kein Kampf für Schüler!“
    „Fuchsdung noch einmal!“, fauchte Kometenpfote durch zusammengebissene Zähne und die drei Schülerinnen stürmten mir hinterher. Wie mutig sie sind. Ich war beeindruckt, obwohl ich mich besser fühlen würde wenn sie in ihrem Bau wären.
    Es ertönte ein Schrei, der abrupt abbrach. Mir gefror das Blut in den Adern. Himbeerschweif!
    Mit einem riesigen Satz sprang ich die Angreifer von hinten an. Ein paar Herzschläge lang rang ich damit, dass sich von allen Seiten Fell gegen mich presste und ich keine Wucht in meine Schläge legen konnte. Ich warf mich gegen die Katzen ringsum, um mir ein wenig Platz zu verschaffen. Schließlich konnte ich angreifen, langte mit den Pfoten zu, schlitzte in kochender Wut wahllos irgendwelche Angreifer auf. Dabei war mir egal wer sie waren.
    Dann tauchte ein oranger Kater auf, der uns schon auf ein er Patrouille angegriffen hatte.
    „Du schon wieder!“, knurrte der Streuner. „Willst du weitermachen wo wir letztes Mal aufgehört haben?“
    „Flohpelz!“, fauchte ich und schlug ihm die Klauen in die Schnauze.
    „Verschwinde aus unserem Lager!“
    Der Kater taumelte zurück, überrascht von der Kraft meines Schlages. Mit Genugtuung sah ich, wie das dunkle Blut auf aus den Kratzern quoll.
    Ich duckte mich weg, als der Streuner mit seinen Krallen nach meiner Schulter langte, sodass er nur mein Fell streifte. Es gelang mir, meinen Kopf in den Bauch des Angreifers zu rammen, so dass er zusammenklappte und zu Boden ging.
    Ein schwarz-weißer Streuner drängte sich zwischen mich und den Streuner, streckte sie Krallen nach Kometenpfote aus, die Seite an Seite mit mir kämpfte. Schützend schob ich mich dazwischen und bohrte dem Streuner die Krallen in die Schulter.
    „Hau ab!“, rief ich Kometenpfote zu. Doch die Schülerin machte keine Anstalt zu gehen. Stattdessen attackierte sie den Streuner hinter ihr und rammte ihn die Klauen in die Flanke. Der Kater schrie schmerzerfüllt auf und verschwand im Getümmel.
    Ich war wütend auf Kometenpfote. Ich hatte Angst um sie, gleichzeitig war ich aber auch sehr stolz. Unsere Blicke kreuzten sich und ich nickte ihr anerkennend zu, bevor wir uns wieder in den Kampf stürzten.
    Die ersten Bündel aus kämpfenden Katzen lösten sich von der Gruppe und setzten ihre Kämpfe wenige Fuchslängen weiter fort. Während ein Verschnaufpause erkannte ich, dass viele Streuner stark verletzt waren und meine Clangefährten sich tapfer hielten.
    Am Himmel zogen Wolken auf, die die einzigen Lichter der Nacht verdeckten. Der Mond blitzte nur noch hier und da kurz auf. Die Luft war feucht und schwer und ich fühlte die ersten Regentropfen auf meinen Pelz.
    Ich hatte Kometenpfote aus den Augen verloren, schaute mich verzweifelt um und fand sie mit einer Streunerin ringend. Dann sah ich Springregen, die am Lagereingang unter einem gewaltigem Tigerkater begraben lag, der Springregens Schultern mit den Krallen bearbeitete. Springregen wand sich fieberhaft um den Angreifer abzuschütteln.
    Ich sprintete los und rammte den Tigerkater von der Seite. Er wurde gegen den Fels geschleudert und der Streuner keuchte als ihm die Luft aus der Lunge gepresst wurde. Bevor er sich erholen konnte, riss ich ihm die Hinterläufe auf. Jaulend rannte der Flohpelz davon.
    „Danke Bruderherz“, keuchte Springregen und eilte sofort Luchsohr zu Hilfe, der sich mit einer schlanken schildpattfarbenen Streunerin balgte.
    In der Dunkelheit und dem Regen, der mit jedem Herzschlag stärker wurde, war es zunehmend schwerer meine Gefährten von den Streunern zu unterscheiden. Als ein rot-orangener Kater auf mich zugestürmt kam, sprang ich aus dem Weg und hob angriffslustig die Pfoten.
    „Hey, ich bin´s!“
    Ich erkannte Abendrots Stimme und nahm die Pfoten runter. „Tut mir leid.“
    Hinter Abendrot konnte ich Eschenfell ausmachen. „Hier entlang“, miaute der hellbraune Kater und richtete die Ohren auf eine Meute Streuner, die sich mit Hundepelz, Schmetterlingsflügel und Tulpenglanz einen Kampf lieferten.
    Mit Eschenfell und Abendrot an meiner Seite war ich mir auf einmal sicher; Wir können diesen Kampf gewinnen.
    Ein weiterer Streuner kam auf uns zugeschossen. Eschenfell war am nächsten dran und ich wartete, dass er sich auf den Streuner stürzen würde. Doch stattdessen machte Eschenfell platz und ließ den Kater passieren.
    „Eschenfell... was zum-?“, setzte ich an.
    Eschenfell beachtete mich gar nicht. Mit einer triumphierenden Fauchen versenkte er die Klauen in Abendrots Nacken.
    Vor Entsetzen war ich wie erstarrt. Abendrot war ebenso derart überrascht, dass er sich ein paar Herzschläge lang nicht wehrte. Den Moment nutzte Eschenfell aus und warf sich auf den rot-orangenen Kater, drückte ihn zu Boden und schlitzte ihm die Kehle auf. Blut schoss aus der Wunde. Abendrots Läufe zuckten noch kurz, dann hauchte er sein leben aus.
    „Eschenfell!“, würgte ich hervor. Ich selbst hatte auch schon getötet, aber so brutal war ich nicht vorgegangen. „Was tust du da?“
    Er machte sich nicht die Mühe mir zu antworten und stand über dem leblosen Körper von Abendrot, das Maul rot vor Blut. Er sah aus wie ein Killer. Ich war fassungslos und dann, neben Eschenfell erschien Kokosblüte. Sie schmiegte sich an ihn, wie als wären sie Gefährten.
    „Schön dich zu sehen... Unser Plan geht auf“, säuselte sie. Die beiden sprangen zurück in den Kampf am Lagereingang und kämpften an der Seite der Streuner. Eine Weile sah ich wie gelähmt zu, bis ich mich zwang, den Betrügern hinterherzuhetzen. In mir reifte eine schreckliche Erkenntnis.
    „Verräter!“, jaulte ich. „Verräter! Ich dachte, du wärst den Clan treu!“
    Wenn Eschenfell nun an der Seite der Streuner kämpfte, dann ist er nie ein Freund es SchattenClans gewesen. Ich war mit ihm auf Patrouille gegangen, hatte mit ihm Beute geteilt. Immer wieder hat er Treue bewiesen... Und jetzt wendet er sich gegen uns. Wobei hatte er noch gelogen? Mir gefror das Blut in den Adern, als mir plötzlich aufging, das er und Kokosblüte der Angriff sauber geplant hatten. Häufig war Eschenfell allein auf “Patrouille“ gegangen.
    Als er mich näherkommen sah, zog er sich aus dem Getümmel zurück und wartete ruhig auf mich. Er schien so selbstbewusst, als würde er die Pfoten gleich auf einen Frosch einschlagen lassen. Diesen selbstgefälligen Ausdruck kratze ich ihm aus dem Gesicht!
    Doch als ich die Krallen nach Eschenfell ausstrecken wollte, rammte mich jemand von der Seite. Ich konnte mich nicht auf den Pfoten halten und fiel. Über mir stand ein silbergrauer Kater. Auch er war uns auf der Patrouille begegnet.
    Der Streuner stürzte sie gleich auf meine Kehle. Ich riss die Vorderpfoten hoch, grub meine Klauen dabei in seine Schnauze und drückte seinen Kopf zurück.
    Der Silbergraue jaulte auf, schlug meine Pfote weg, ließ sich auf mich fallen und erdrückte mich fast mit seinem Gewicht. Ich versuchte ihn mit den Hinterbeinen herunterzustoßen, aber er war zu schwer. Als ich mich hin und her wand und mich zu befreien, entdeckte ich Schattenblut, der sich einen gewaltigen Kampf mit einem langhaarigen Kater und einer schwarzen Streunerin lieferte. Trotz meiner eigenen gefährlichen Lage bewunderte ich meinen Vater, der zwischen den Flohpelzen hin- und hersprang und sie zum Lagereingang drängte.
    Auf einmal tauchte Sonnenstern in der Dunkelheit auf und ging mit ausgefahren Krallen auf den Langhaarigen los, die sofort davonrannte. Schattenblut verpasste der Streunerin einen heftigen Stoß. Sofort suchte sie das Weite.
    Hatte der Silbergraue mich nicht zu Boden gedrückt und mir die Luft abgedrückt, so hätte ich einen Triumphschrei angestimmt.
    Doch schon im nächsten Herzschlag wurde ich Zeuge, wie Eschenfell sich von hinten an meine Vater anschlich. Ich wollte meinen Vater warnen, aber es kam kein Laut über meine Lippen. Wie in einem Albtraum entfaltete sich die schreckliche Tat vor meinen Augen, ohne dass ich etwas unternehmen konnte.
    Eschenfell machte einen Satz und wollte auf den Rücken meines Vaters springen, der ihn aber im allerletzten Augenblick bemerkte und wich zur Seite, so dass der Verräter auf den Boden aufschlug. Kurz blieb Eschenfell die Luft weg. Schattenblut stand über ihm, deutlich verwirrt.
    „Was ist los mit dir?“, miaute er. „Wie kannst du den SchattenClan hintergehen?“
    Töte ihn jetzt! Mir wurde schwarz vor Augen, aber ich kämpfte dafür, dass ich bei Bewusstsein blieb. Dabei versuchte ich den Angreifer abzuschütteln.
    Eschenfell erholte sich wieder und griff Schattenblut erneut an.
    Schattenblut war geschockt, aber zumindest zweifelte er nicht länger. Mein Vater sprang hoch, drehte sich geschickte in der Luft und landete hinter Eschenfell. Der wirbelte herum stieg auf die Hinterläufe und stürzte sich mit den Vorderpfoten auf Schattenblut. Dieser rollte zur Seite und sprang kampfbereit auf.
    Ich spannte alle Muskeln an um freizukommen, aber der Streuner drückte mich nur noch stärker zu Boden. Sosehr ich mich auch wand und um mich schlug, es brachte nichts.
    Als ich mich das nächste Mal zu meinem Vater umsah, lauerte der sprungbereit auf Eschenfell, der mit blutigem Maul auf ihn losging. Eschenfell hatte der Schweif in die Höhe gestreckte und ließ ich winken, wie ein Kiefernzweig im Wind.
    Aus dem Augenwinkel nahm ich einen braun-weißen Fleck wahr. Ich verrenkte schmerzhaft den Hals, um zu sehen wer dort war. Kokosblüte schlich sich an meinen Vater heran! Mit dem Schweif hat er ihr ein Zeichen gegeben.
    Ich unternahm einen weiteren Versuch mich zu befreien, doch der Streuner hielt mich zu fest. Mir blieb nichts anderes zu als mit angsterfüllten Augen zuzusehen. Verzweiflung überkam mich. Das muss ein Albtraum sein! Mein Vater ist in Lebensgefahr und ich kann gar nichts unternehmen!
    Kokosblüte stieß ein Knurren aus. Schattenblut sah sich um. In diesem Moment sprang Eschenfell. Er landete auf seinem Rücken und ritze Kehle und Bauch auf. Nun stürzte sich auch Kokosblüte auf ihn und hielt ihn fest, während Eschenfell ihn weiter mit den Klauen bearbeitete. Schattenblut blutete aus vielen Wunden.
    Wut und Entsetzen verliehen mir neue Kräfte und so stieß ich den Streuner weg. Ich stürmte zu meinem Vater. „Runter von ihm!“, krächzte ich mich heiserer Stimme.
    Eschenfell sprang auf und Kokosblüte hielt inne. Aber sie hatten nur ihre schreckliche Tat vollendet. Mein Vater lag tot am Boden, die Glieder von sich gestreckt, der Lebensgeist aus seinen gelben Augen war verschwunden.
    „Nein... nein...“ Ich rang nach Luft. Das ist nicht passiert!
    Kokosblüte trat vor und stellte sich zwischen mich und die Leiche meines Vaters. Hass wütetet in mir. Ich machte mich zum Sprung bereit, doch Kokosblüte stieß mich einfach mit der Pfote von sich, da ich so erschöpft von dem Kampf mit dem Silbergrauen war.
    „Warum?“, würgte ich hervor, obwohl es mir bewusst war.
    „Blutfleck, ich wollte dich die selben Schmerzen spüren lassen wie mich, als ich von Sonnenstern verbannt wurde. Ich bin nicht mehr sauer auf dich, mein lieber. Ich habe mich gerächt.“
    Verzweifelt wiederholte ich die Frage: „Warum?“
    „Hör zu“, miaute Kokosblüte mit zuckersüßer Stimme. „Ich mag dich, Blutfleck. Du bist anders als die anderen SchattenClankatzen, mehr wie ich. Ich weiß, dass du Finsterherz getötet hast, ich weiß auch, dass du Nebelschleier aus Wut ermordet hast. Dir ist doch bestimmt klar, dass du mit mir und den Streunern ein besseres Leben in diesem Lager haben wirst. Wir werden das Lager für uns nehmen. Schließe dich uns an, Blutfleck! Wir verstehen uns gut. Ich würde dich sogar vor Eschenfell zu meinen Stellvertreter ernennen.“ Ich hatte alles was ich wollte. Ich war zweiter Anführer, hatte eine Gefährtin und Junge. Mehr brauchte ich nicht.
    „Selbst wenn ich dir glauben würde“, fauchte ich, „Meinst du, ich würde mich euch anschließen? Nachdem ihr meinem Clan das angetan habt, nachdem du und Eschenfell meinen Vater getötet habt? Niemals!“
    Zu meiner Überraschung sah Kokosblüte ehrlich enttäuscht aus. Doch schon im nächsten Herzschlag sah sie mich barbarisch an. „Wie du willst“, miauten sie mit ekelerregender gespielter Freundlichkeit, „dann stirb eben mit dem Rest deines Clans!“
    In meinem Kummer und meiner Wut stürzte ich mich auf sie, spürte den Geist meines Vaters an meiner Seite, aber Kokosblüte wich zur Seite. Dann waren sie und Eschenfell in der Dunkelheit verschwunden.
    Mir schlug das Herz bis zum Hals, das Blut rauschte in meinen Ohren, sodass es sogar den Regen übertönte. Alles schien so unwirklich, nicht real.
    Als der Langhaarige auf mich zusprang, hatte ich das Gefühl alle Zeit der Welt zu haben, um die Krallen auszufahren und sie ihm über die Augen zu ziehen. Er war überrascht und machte schnell kehrt.
    Ich kämpfte weiter wie ein SchattenClankrieger, durch das mondelange Kampftraining war es mir in Fleisch und Blut übergegangen, trotzdem war ich mir meiner Schläge nicht bewusst, genauso wenig derer, die ich abbekam.
    Ich konnte nur an eine Sache denken: der Ausdruck völliger Fassungslosigkeit auf dem schmerzverzerrtem Gesicht meines Vaters.
    Der tobende Regen glich dem Sturm aus Wut und Hass in meinem Herzen. Die Tropfen spritzten hoch, sammelten sich in immer größeren Pfützen, die zu kleinen Bächen wurden.Der Boden war rutschig und in dem dichten Regen war nichts zu erkennen.
    Inmitten des Chaos entdeckte ich Distelbrand, die nah des Lagerwalls mit einem weißen Streuner kämpfte. Ich sprang durch den Schlamm um der Ältesten zu helfen. Distelbrand war auf die Hinterpfoten gestiegen und drückte den Streuner gegen den Wall. Als sie jedoch zuschlagen wollte, rutschten ihre Pfoten weg und sie stürzte. Mit einem triumphierenden Jaulen stürzte der Weiße sich auf sie, biss und kratzte was das Zeug hielt. Distelbrand stieß einen Schrei aus, der ihre Schmerzen und Panik verkörperte.
    Ich rannte los, warf mich auf den Streuner und drängte ihn zurück, biss ihm in die Schulter, zerkratze ihm die Schnauze, bis er heulend im Kampf verschwand. Ich bekam einen Schock, als ich mich Distelbrand zuwandte; Die alte Kätzin lag tot im Schlamm, die Glieder von sich gestreckt, der Regen rann durch das blutverschmierte Fell.
    Ich stieß ein wütendes Knurren aus. In der Nähe erblickte ich Hundepelz und Lavaherz, die mit zwei Streunern kämpften und wollte ihnen schnell zu Hilfe eilen. Bevor ich sie erreichen konnte, hörte ich einen verzweifelten Schrei von der Kinderstube.
    „Hilfe!“
    Vor der Kinderstube konnte ich ein Knäuel kämpfender Katzen ausmachen. Ich erkannte Lindenschnee, die mittlerweile auch zwei Jungen zur Welt gebracht hatte, Lilienjunges und Kringeljunges. Zusammen mit Leopardenherz hielt sie die Stellung, aber sie wurden von drei Streunern beiseite gedrängt. Sie wollten die Jungen, das Herz des Clans holen. Nicht mit mir!
    „Ich komme!“, jaulte ich und drängte mich zwischen Gruppen aus kämpfenden Katzen durch. Als ich näher kam hörte ich das zarte, ängstliche Wimmern von Lindenschnees Jungen und die kräftigeren von meinen.
    „Wir können kämpfen!“, rief Sturmjunges. „Wir beschützen die Kleinen!“
    „Jeder Flohpelz der sich an uns herantraut bekommt unsere Krallen zu spüren“, stimme Sprenkeljunges zu.
    Als ich zu der Kinderstube hinjagte, bemerkte ich dass jemand direkt hinter mir lief. Panisch blickte ich über meine Schulter und atmete erleichtert auf als ich Kometenpfote erkannte. Ihr graues Fell war mit Blut beschmiert und klebte an ihrem Körper.
    Zum Reden blieb keine Zeit. Ich sprintete mit Kometenpfote zur Kinderstube und fielen gemeinsam die Streuner von hinten an.
    Ich attackierte einen schwarz-weißen Streuner und stieß ihn um. Drohend hielt ich meine Klauen an seine Kehle und als er um sein Leben bettelte ließ ich ihn laufen. Kometenpfote kümmerte sich um eine orangefarbene Kätzin, hatte ihre Zähne in sein Hinterbein geschlagen. Ich verpasste ihm ein paar Schläge über die Ohren und dann verschwand er Jaulend im dichten Regen. Nun war nur noch eine graue Kätzin übrig. Ich war mindestens doppelt so groß wie sie, trat bedrohlich ein paar Schritte auf sie zu, dann sah sie ein, dass sie keine Chance hatte und rannte panisch an mir vorbei.
    „Die wären wir für´s erste los!“, rief Kometenpfote.
    „Danke“, schnurrte Leopardenherz und schmiegte sich an mich. „Wir hatten solche Angst um die Jungen.“
    „Die hätten wir nicht reingelassen!“, krähte Mitternachtsjunges.
    Ganz hinten in der Kinderstube hockten Lilienjunges und Kringeljunges, die Augen weit aufgerissen vor Angst.
    „Gut gemacht, meine Jungen. Ihr werdet bestimmt sehr gute Krieger“, miaute ich. An Kometenpfote gewandt sagte ich: „Du bleibst hier und verteidigst die Kinderstube.“ Fast hatte ich damit gerechnet, dass sie widersprechen würde, aber sie miaute sicher: „Du kannst dich auf mich verlassen, Blutfleck!“
    Zufrieden, dass ich den Königinnen und den Jungen hatte helfen können, begab ich mich wieder auf die Lichtung. Dort sah ich die Geschwister Kleepfote und Tropfenpfote, die mit zwei deutlich größeren Streunern kämpften. Einer hatte Kleepfote auf den Boden gedrückt und wollte der jungen Kätzin gerade die Kehle aufschlitzen.
    Ich sprang auf den Streuner und stieß ihn von Kleepfote. Sobald sie frei war, rappelte sie sich wieder auf und half Tropfenpfote.
    Ich verpasste den Streunern so lange Schlage bis sie das Weite suchten.
    „Danke, Blutfleck“, keuchte Kleepfote. „Ich habe schon den SternenClan gesehen.“
    „Geht es euch sonst gut?“, fragte ich.
    Obwohl die Beiden ziemlich zerkratzt waren, nickten sie bloß. „Wir sind den Umständen entsprechend in Ordnung.“
    „Dann geht zu den Ältesten und helft dort.“ Ich deutete mich den Ohren auf Bärentatze und Dämmerlicht, die mit zwei kräftigen Streunern kämpften. Dämmerlicht war am Ende ihrer Kräfte angelangt, teilte aber immer noch tapfer aus.
    Die beiden Schülerinnen stürmten davon.
    Als ich mich umsah erkannte ich, wie schlecht es um den SchattenClan stand. Überall lagen verletzte oder sogar tote Katzen. Bei Dunkelheit und Regen waren Freund und Feind nicht zu unterscheiden.
    „Rückzug! SchattenClan, zieht euch zurück!“

    2
    Sonnensterns Stimme, die am Lagereingang stand, hallte durch das Lager. Der komplette Clan rannte zu ihr. Wir hatten verloren und unsere Anführerin gab das Lager auf. Ich stellte den Befehl unserer Anführerin nicht in Frage und trabte zu ihr. Trotzdem wagte ich noch einen letzten Blick zurück. Kokosblüte und Eschenfell standen auf dem Felsen, auf dem Sonnenstern stehen sollte. Kokosblütes Maul war voller Blut, das Blut meines Vaters und von Abendrot. Sie grinste und dieses selbstgefällige Grinsen wollte ich ihr aus dem Gesicht schlagen. Aus dem Lager heraus blieb ich plötzlich stehen.
    „Blutfleck, wir müssen weiter“, sagte Sonnenstern.
    „Nein... Ich gebe das Lager nicht einfach so auf!“
    Mit diesen Worten machte ich kehrte und ein paar Krieger folgten mir, um zu sehen was ich vorhatte. Ich sprintete, meine Pfoten berührten kaum den Boden. Ich sprang mit einem kraftvollen Sprung auf den Fels und vergrub meine Zähne in Eschenfells Kehle. Er sackte zusammen und Blut schoss im hohen Bogen aus der Wunde. Nun sah ich Kokosblüte an. Sie sah entsetzt aus und ich fauchte: „Wenn du die Grenzen aller Clans verlässt, dann bleibst du am Leben, wenn nicht wird es dir genauso ergehen wie Eschenfell.
    Sie stand mir stur gegenüber und jetzt wurde mir bewusst, dass mein ganzer Clan und die Streuner uns ansahen.
    „Wie du willst“, schnurrte ich und und bevor sie reagieren konnte, holte ich aus und stieß sie vom Felsen. Ich sprang ihr hinterher und knurrte: „Geh. Verschwinde.“
    Zu meinem Erstaunen befahl Kokosblüte den Streunern zu gehen. Als sie an mir vorbeilief knurrte sie: „Wir sehen uns wieder.“
    Als alle Streuner das Lager verlassen hatten, fingen meine Clangefährten an zu jubeln:
    „Du hast es geschafft!“
    „Blutfleck!“
    „Wir haben gesiegt!“
    Sonnenstern sah stolz aus und ich sprang zu meinen Clangefährten. Der Jubel verklang aber schnell nachdem klar wurde wie viele Katzen ihr Leben gelassen hatten. Das alles nur wegen meinem Traum...
    „Es sind so viele gestorben...“, keuchte ich und mein Clan sah mich erschrocken an.
    „Wer, Blutfleck, wer ist tot?“, fragte Sonnenstern und lief erwartungsvoll zu mir.
    „Ich habe Abendrot, Distelbrand und Schattenblut sterben sehen...“
    Lavaherz schrie auf. Abendrot war ihr Bruder.
    „Wo ist er?“, fragte sie niedergeschlagen. Ich führte sie zu dem Leichnam ihres Bruders und da brach sie wimmernd zusammen.
    Plötzlich zuckte ein Blitz durch die Nacht und beleuchtete einen blutverschmierten Körper. Als ich genauer hinsah, erkannte ich einen rot schimmernden Schweif. Es war meine Mutter... Ich sprintete zu ihr und kauerte mich neben sie. Meine Geschwister liefen zu mir, setzten sich nur schweigend neben mich und trauerten.
    Den Rest der Nacht und den darauffolgenden Tages verbrachten wir mit dem Wiederaufbau des Lagers und in der Nacht die Totenwache für die gefallenen Clangefährten. Mein Herz war schwer, als Schattenbluts und Apfelschweifs Körper in das Grab viel.
    Sonnenstern kam auf mich zu und bat mich ihr in ihren Bau zu folgen.
    „Blutfleck, ich muss dir etwas anvertrauen. Im Kampf gegen die Streuner habe ich ein Leben verloren. Ich habe nur noch ein einziges übrig. Ich wollte es dir nur sagen, damit du dich etwas auf deine Anführerrolle vorbereiten kannst.“
    Innerlich breitete ich mich auf ihren Tod vor, würde aber auch nicht zurückschrecken da etwas nachzuhelfen.
    Ich verließ den Bau und stellte mich mit erhobenem Kopf auf den Felsen um die Patrouillen einzuteilen.
    „Lavaherz und Wieselpelz, Kräutersee will dass ihr mit ihm als Begleitschutz Kräuter sammeln geht.“ Die zwei nickten und gingen zu dem Heiler, der bereits wartete.
    „Schleichmond, Dunkelherz ihr geht gleich mit mir zur DonnerClangrenze.“ Die jungen Krieger blieben sitzen und nickten nur schwach. Himbeerschweif war stark verletzt und die Wunden heilten nur langsam.
    „Schmetterlingsflügel, Tulpenglanz und Kleepfote, sorgt dafür, dass der Frischbeutehaufen wieder voll ist.“
    Damit hatte ich alle Patrouillen ausgesendet. Ich sprang vom Felsen zu Schleichmond und Dunkelherz.
    „Los, wir gehen zum DonnerClan“, rief ich den beiden zu und schon trabten wir schnell aus dem Lager. An der Grenze erneuerten wir die Markierungen und eine Patrouille des DonnerClans stolzierte auf uns zu.
    „Ihr seht aber zerfetzt aus. Hat die Beute zurückgeschlagen?“, fragte ein Krieger höhnisch.
    „Nein. Und unsere Probleme gehen euch nichts an.“
    „Lass es sein, Käferflügel“, knurrte Blütensturm. „Das ist der zweite Anführer des SchattenClans.“
    „Nun, aber es würde mich auch interessieren warum ihr so stark verwundet seid.“
    „Streuner“, antwortete ich trocken.
    „Ich hoffe, es sind nicht zu viele verletzt“, miaute die dritte Katze in der Patrouille. Ich glaube sie heißt Flammenschwinge.
    „Es sind viele verletzt und gestorben.“
    „Wer?“, fragte Blütensturm besorgt.
    „Abendrot, Distelbrand, Schattenblut und Eschenfell“, antwortete ich und als ich den Namen meines Vaters aussprach brach beinahe meine Stimme.
    „Mein Beileid“, sagte Flammenschwinge und neigte den Kopf.
    „Wie konnte Eschenfell sterben? Ich habe ihn im Kampf immer als unbesiegbar erlebt“, miaute Blütensturm.
    „Er wurde ermordet.“
    „Von wem?“ Langsam ging sie mir mit dieser Fragerei auf die Nerven. „Von mir.“
    Blütensturm sah mich erschrocken an und trat einen Schritt zurück. „Wieso, Blutfleck?“
    „Er wollte den Clan zerstören. Deshalb, Blütensturm“, antwortete Dunkelherz kalt. „Blutfleck hat uns alle gerettet. Sonnenstern wollte das Lager aufgeben, da ist Blutfleck zurückgestürmt, ist zu Kokosblüte und Eschenfell auf den Felsen gesprungen und hat Eschenfell getötet.“
    „Nun, wenn es so viel Stress bei euch gibt, wollen wir nicht weiter stören“, schloss Blütensturm ab und ich knurrte missbilligend.
    „Warum hat sie uns so ausgefragt?“, fragte Schleichmond.
    Ich zuckte nur mit den Schultern. Wir kontrollierten die Grenze zu ende und liefen dann zurück zum Lager.
    „Wo wart ihr so lange!“, rief Leopardenherz und stürmte auf mich zu.
    „Blütensturm hat uns ausgefragt.“
    „Wir hatten Angst, dass ihr den Streunern begegnet seid“, seufzte sie und ich nickte nur.
    „Gab es denn etwas besorgniserregendes?“, fragte ich sie.
    „Ja...“, antwortete jemand, aber es war Kräutersee.
    Besorgt sah ich ihn an, und er führte mich in seinen Bau. Dort lagen Himbeerschweif und... „Krähenschwinge!“, kreischte ich.
    „Was ist mit ihnen?“, fragte ich ängstlich, meine Beine zitterten und ich musste mich zusammenreißen, nicht wie ein kleines Junges loszuheulen.
    Krähenschwinge regte sich und ein Hustenkrampf schüttelte ihn. Es spritzte Blut, als er das Maul zum Husten öffnete. Ich trat erschrocken zurück, als ein paar Spritzer auf meine Pfoten fielen.
    „Er hat Bluthusten und das Moos in dem er liegt ist nass. Im Blattfall werden wir kein trockenes Moos finden. Außerdem gibt es ein Kraut, dass ihn heilen kann, aber das wächst nicht auf unserem Territorium.“ Der Vorschlag kam von Dämmerlicht.
    „Worauf willst du hinaus, Dämmerlicht?“, knurrte ich abgelenkt.
    „Eine Patrouille muss zu dem Zweibeinernest hinter dem Kiefernwald. Dort trocknen die Zweibeiner Gras und davor wächst das Heilkraut.“
    „Und du willst, dass wir dort hingehen“, stellte ich fest, die Älteste nickte. Ich nickte und sprang auf den Versammlungsfelsen.
    „Ich werde eine Patrouille zu dem Zweibeinernest hinter dem Kiefernwald anführen! Wir wollen trockenes Gras holen, damit die kranken Katzen nicht in nassem Moos liegen müssen. Will sich jemand freiwillig melden um mit mir zum Zweibeinernest zu gehen?“
    Bevor sich jemand melden konnte kreischte Leopardenherz auf und stürmte aus dem Kinderstube. „Sturmjunges! Er hat sich angesteckt!“
    Kräutersee rannte aus seinem Bau und schob Leopardenherz zu Seite. „Lindenschnee, schnapp´ dir deine Jungen und komm heraus! Ab jetzt nähert sich niemand der Kinderstube und Sturmjunges!“, verkündete er. Ich wollte lautstark protestieren, aber mir kam kein Laut über die Lippen.
    „Aber das kannst du nicht von mir verlangen, Kräutersee! Er ist mein Junges. Du...“, Leopardenherz jaulte, aber ihre Stimme versagte kläglich.
    „Bevor sich immer mehr Katzen anstecken müssen wir zu dem Zweibeinerbau! Wer will mit mir kommen?“
    „Ich, Blutfleck!“, rief Lavaherz, auch Hundepelz und Tulpenglanz wollten mitkommen.
    „Ich werde ebenfalls mit dir kommen, Blutfleck“, sagte ein Stimme und ich war überrascht als ich erkannte, dass es Sonnensterns warme Stimme war. „Gut. Wir werden sofort aufbrechen, damit die kranken Katzen schnell wieder geheilt werden“, knurrte ich gestresst und sprintete sofort aus dem Lager. Es fühlte sich gut an, wie meine Muskeln sich dehnten und streckten, sogar etwas entspannend. Trotzdem blieb mir im Hinterkopf, dass Sturmjunges Blut hustend in der Kinderstube lag und ich nicht zu ihm durfte, genauso wenig wie Leopardenherz.
    „Blutfleck, du musst doch nicht deine ganze Kraft für den Hinweg verbrauchen!“, rief Sonnenstern und als ich über die Schulter blickte sah ich, dass der Rest zurückgefallen war. Ich verlangsamte mein Tempo, bis sie mich wieder eingeholt hatten. Bald verschwanden die dichten Kiefern und wir kamen auf eine weite, grasbedeckte Wiese. Auf einem Hügel erkannte man die Umrisse des Baus. Das war die einzige Rettung für meinen Bruder und mein Junges.
    Der Bau erhob sich kantig hinter einer niedrigen, grauen Mauer und seine schwarzen Steine aus Holz ragten in den blauen Himmel.
    „Ist es das?“, fragte Lavaherz.
    Sonnenstern nickte, worauf ich vorschoss und den Schutz der Mauer suchte. Als die Patrouille mich erreichte, prüfte Tulpenglanz die Luft. „Keine gefährlich wirkenden Gerüche“, verkündete sie.
    Hundepelz schnaubte. „Ich kann außer Heu nichts riechen.“
    „Wartet hier.“ Sonnenstern sprang auf die graue Steinmauer, duckte sich und suchte mit scharfen Augen das sichtbare Gebiet ab.
    Ich machte einen kräftigen Satz zu ihr hinauf. Hellgraue Steins zogen einen Pfad bis zu einem großen Eingang. „Alles rein hier, oder Sonnenstern?“
    Sie nickte bloß und ich schaute zu Lavaherz hinab. „Ihr könnt hoch kommen!“
    Tulpenglanz sprang als erste über den Steinwall.
    „Sei vorsichtig!“, rief ich den anderen zu, während die Kriegerin sich auf den Weg zum Eingang fallen ließ. Ich sprang ihr hinterher, suchte sicherheitshalber das Gelände ein weiteres Mal ab, währenddessen Sonnenstern uns über den glatten Steinweg führte. Unterhalb der Holzwand, die den Eingang zum Bau blockierte, befand sich ein Loch. Sonnenstern sah mich an und schlüpfte dann durch den provisorischen Eingang. „Alles klar“, flüsterte sie.
    Lavaherz folgte ihr mit Tulpenglanz und Hundepelz auf den Pfoten. Ich glitt als Letzter durch den Eingang und das Holz zerrte an meinem Fell, wobei ich einzelne Fellfetzen einbüßte. Innen erhob sich die Decke so hoch, dass man meinen könnte, sie würde das Silbervlies berühren. Vereinzelte Lichtstrahlen fielen durch die Decke und ließen den Staub sichtbar werden. Lange Schatten warfen sich über den Boden. In den Ecken glänzte das Heu golden. Der Geruch nach Beute stieg mir in die Nase. Sonnenstern schien das zu bemerken und schnurrte: „Wir holen erst das Heu, dann das Heilkraut und erst dann jagen wir.“ Nun wurde mir schlagartig bewusst, dass ich Kräutersee nicht nach einer Beschreibung gefragt hatte.
    „Weiß jemand, wie das Kraut aussieht?“, fragte ich nervös. Ich sah sie alle an und zu meiner Erleichterung nickte Lavaherz. Sonnenstern winkte mich und Lavaherz zu einem Büschel Heu, Hundepelz und Tulpenglanz zu einem anderen.
    Lavaherz musste niesen und sie murrte: „Die Luft ist staubig.“ Sie blickte zu der hohen Decke auf und ein Sonnenstrahl blendete sie.
    Meine Schnurrhaare zuckten unbehaglich. „Komm mit.“ Ich führte sie zu einem Grasbüschel, riss eine Pfote voll heraus und wickelte das Heu um mein Bein, bevor ich es auf den Boden legte. Lavaherz machte es mir nach, so arbeiteten wir, schweigend, bis wir ein gutes Bündel zusammen hatten. Ein Halm hatte sich in meinen Schweif verfangen und ich zog ihn mit den Zähnen heraus. Mein Fell kribbelte. Der Geruch nach Maus ließ mir das Wasser im Maul zusammenlaufen. „Jetzt holen wir das Kraut“, flüsterte ich Lavaherz zu und sie nickte. Nur sie wusste von uns, wie es aussah. Sie trabte zum Eingang und wir folgten ihr. Lavaherz lief geradewegs auf ein unscheinbar aussehendes Kraut zu. Es hatte unscheinbar wirkende, pelzige Blätter und war ziemlich klein. Glücklicherweise gab es hier mehrere Pflanzen. Wir zogen sie vorsichtig, mitsamt der Wurzel aus der gefrorenen Erde.
    „Das sollte reichen“, verkündete Sonnenstern stolz. Ich hatte einen Mordshunger, stürmte in den Bau, dicht gefolgt von Lavaherz und den anderen. Ich ließ mich in ein Kauern fallen. „Mir nach“, zischte ich Lavaherz zu und wir wollten gerade zu einem Heuballen laufen um eine Maus zu fangen, als Sonnenstern einen Ballen neben uns entzückt rief: „Oh, das ist ein ganz große Maus!“ Ich sah sie an, auch mir stieg der Geruch in die Nase. Aber das ist keine Maus, das ist Rattengeruch! Nebelschleier hatte mir beigebracht, dass ich mich von diesen Tieren fernhalten sollte. Er hatte gesagt, dass eine Ratte gute Beute wäre, aber das ein ganzes Rudel tödlich war. „Vorsicht! Das sind Ratten!“
    Während ich noch jaulte, rannten vier riesige Ratten aus dem Schutz der Heuballen. Tulpenglanz heulte überrascht auf. „Die greifen uns an!“ Sie hüpfte wie ein Reh in die Luft, als eine Ratte sich in ihr Bein verbiss. Ich machte einen Satz direkt auf den Rücken der Ratte und spürte wie das Blut des Tieren meine Pfoten tränkte. „Bist du verletzt?“
    Tulpenglanz wimmerte vor Schmerz und aus der Wunde strömte Blut hervor. Hundepelz kam zu Hilfe geeilt, schlug mit den Pranken nach einer Ratte, die quiekend das Weite suchte.
    „Da sind noch mehr!“, kreischte Tulpenglanz.
    „Hol sofort Hilfe!“, heulte ich Hundepelz zu.
    „Aber...“, er begann zu widersprechen.
    „Sofort habe ich gesagt!“
    Der Krieger schoss aus dem Bau. Ich wappnete mich. Tulpenglanz konnte durch ihre Wunde nur mit den Pfoten zuschlagen.
    Sonnenstern wurde von einer Gruppe Ratten umzingelt, sie schlug verzweifelt um sich. Lavaherz schrie, als sich eine Ratte in ihren Schweif verbiss. Sie schlug nach dem Tier und als sie sich löste grub die Kriegerin ihre Zähne in die Kehle der Ratte. Einen Herzschlag später sprang die nächste auf ihren Rücken. Ich schoss hervor und riss den wendigen Körper von Lavaherz´ Rücken. Dabei riss die Ratte ihr ein paar Büschel Fell aus.
    „Sonnenstern!“, rief Tulpenglanz und ich wirbelte herum.
    Zwei Ratten griffen sie an, eine klammerte sich an ihr Rückgrat, eine andere krallte sich in ihr Hinterbein. Ich überlegte; würde ich ihr nicht helfen, könnte ich vielleicht Anführer werden, aber die anderen Krieger würden mich verurteilen. Also beschloss ich, ihr zu helfen. Ich packte die größte am Nacken und schleuderte sie weg.
    Ich stürzte mich auf die Ratten, die sich an seinen Pelz klammerten. Als Sonnenstern sich wieder auf die Pfoten rappelte, tötete ich eine weitere Ratte. Hinter mir hatte es Tulpenglanz auf die Pfoten gerappelt und lehnte sich an Lavaherz. Ich sah die verletzte Kriegerin an. So konnte sie sich nicht mehr lange gegen die Ratten kämpfen.
    Zum Eingang zu rennen wäre zu gefährlich. Wenn wir mit dem Kämpfen aufhören würden, hätten die Ratten leichtes Spiel. Unsere einzige Hoffnung war es, dass wir zusammen kämpfen mussten.
    „Katzen, stellt euch Schweif an Schweif!“, jaulte ich.
    Die Katzen unserer Patrouille stellten sich aneinander, die Schweife fest verschlungen. Wir stiegen auf die Hinterbeine, verteidigten uns mit den Vorderpfoten und bildeten einen Kreis aus tödlichen Klauen. Sonnenstern schnaufte schwer, aber trotzdem schlug sie einige Ratten zurück. Lavaherz kreischte zufrieden, wenn sie einen der Gegner zurückschlug. Tulpenglanz schlug trotz ihrer Verletzung auf die grauen Leiber ein. Mein Maul füllte sich mit dem Geruch der Ratten und dem von frischem, warmen Blut. In meiner Brust stieg Panik auf. Tulpenglanz wankte und Lavaherz sackte gegen meine Flanke. Wir hatten keine Chance.
    „Rennt zum Ausgang!“, jaulte ich. Als wir uns langsam auf das Loch zubewegten, blitzte Fell in meinem Augenwinkel auf. Ich fauchte, bleckte die Zähne und fuhr die Krallen aus.
    „Ich bringe Hilfe!“, rief Hundepelz.
    Luchsohr und Seelengeist rannten auf uns zu, Schmetterlingsflügel, Mondblick und Springregen folgten. Sie warfen sich in die Flut aus Ratten, zerbrachen Rückgrade und verbissen sich in den Leibern der Ratten. Die Ratten rannten kreischend in die Ecken des Baues, flohen in die dunklen Schatten, aus denen sie gekrochen waren.
    Ich fiel erschöpft auf den Steinboden, neben mir kauerte Lavaherz. Sie keuchte, tiefe Wunden zogen sich über ihren Pelz, aber ihre Augen glänzten freudig. „Wir haben es geschafft!“, keuchte sie.
    Ich leckte mir zufrieden das Blut vom Maul. „Ja, das haben wir.“
    Neben mir ertönte ein schwaches Stöhnen.
    „Tulpenglanz, was ist mit dir?“, ich stürmte an ihre Seite und blickte ihr in die glitzernden Augen.
    Ein brauner Blitz schoss an mir vorbei und stieß mich von ihr weg. „Mach Platz, Blutfleck!“, fauchte Kräutersee und kauerte sich neben Tulpenglanz. „Holt Spinnweben!“, befahl sie. Luchohr und Seelengeist rannten davon, sprangen auf die riesigen Heuballen und streckten sich in die hintersten Ecken um die Spinnweben zu bekommen.
    „Sonnenstern!“ Bei Mondblick erschrockenem Ruf erstarrte ich. Die goldene Kätzin lag auf dem Steinboden, eine tiefe Wunde hatte ihren Bauch aufgerissen und Blut strömte heraus.
    „Kräutersee!“, kreischte ich.
    „Warte!“, knurrte sie, „Tulpenglanz blutet schwer.“
    Ich kauerte mich neben sie und jetzt, wo ich sie so sah, wusste ich nicht, wie ich sie hätte töten wollen. Ich legte meine Pfoten auf die Wunde, versuchte verzweifelt die Blutung zu stillen, aber meine Pfoten tränkten sich nur mit Blut. „Es tut mir leid“, flüsterte ich. „Ich habe dich im Stich gelassen, Sonnenstern...“
    „Nein, nein das hast du nicht, Blutfleck. Du hast mir das ermöglicht, was ich mir immer erträumt habe. Eine Katze, der ich beruhigt meinen geliebten Clan überlassen.“ Sie musste neu Atem schöpfen. „Du hast so tapfer gekämpft. Nun ist es an dir, die Patrouille sicher nach Hause zu führen...“ Ich untersuchte ihre Wunde, aber kein Blut floss noch aus der Wunde, es regte sich kein Lebenszeichen unter der dem blutverschmierten Fell. Sonnensterns Kopf war nach hinten gefallen und ihre Augen blickten glasig und leer ins nichts.
    „Kräutersee“, fauchte ich. „Sie ist tot.“
    Ich kauerte mich neben den Leichnam und legte ihr die Nase auf die Stirn. „Ich werde den Clan mit meinen neun Leben beschützen.“ Es war zu viel für mich und so brach ich erschöpft zusammen.

    „Blutfleck...“, hauchte Kräutersee mir ins Ohr. Ich bewegte mich dazu, die Augen zu öffnen. Es war alles real. Ich lag in dem Bau, neben Sonnenstern Leichnam. „Wie geht es Tulpenglanz? Ist sie wieder im Lager?“
    Kräutersee legte seinen Schweif auf meine Schulter und die Berührung beruhigte mich. „Sie wird sich erholen. Wir haben genug Kräuter um ihr zu helfen.“ ich starrte auf den leblosen Körper von Sonnenstern. Die grünen Augen, die einmal voller Leben waren, starrten nur leer in die Luft und das blutverschmierte Fell stand verfilzt ab.
    Ich schaute mich in dem Bau um. Der intensive Geruch nach Ratten überdeckte alles andere, trotzdem war es hier still und leer. „Was ist mit Lavaherz?“
    „Alles gut. Ich bin hier, Blutfleck“, sagte sie und schleppte sich zu Sonnensterns Leiche. Sie erwies ihr eine letzte Ehre. Bis sich jeder von ihr verabschiedet hatte, dauerte es eine Weile. „Hat jemand die Kräuter?“, fragte ich panisch. Hundepelz rief aus der Dunkelheit: „Ich habe sie. Vor dem Kampf habe ich sie zwischen zwei Heuballen versteckt. Ich hole sie!“
    Ich hievte Sonnenstern Leichnam auf meinen Rücken und schleppte sie aus dem Zweibeinerbau. Es hatte angefangen zu regnen, das Gras war rutschig und der Boden war schlammig.
    „Lass mich sie den Rest tragen, Blutfleck“, bat mich Mondblick. Ich nickte und Springregen hievte den Körper auf Mondblicks Rücken.
    Er war ihr Gefährte gewesen und Seelengeist war seine Tochter. Nun begannen meine Wunden schmerzhaft zu ziehen und ich konnte nur an den Schmerz denken, den der Clan fühlen musste, wenn sie davon hörten. Als wir über den Hügel liefen und der Kiefernwald in Sicht kam, bemerkte ich durch den Schmerz, wie Mondblick sich an mich lehnte um ihm etwas Gewicht zu abzunehmen. Wir taumelten über die Wiese, der Regen prasselte kalt auf uns und eine Windböe nach der anderen wehte uns beinahe von den Pfoten. Umso froher waren wir, als wir in den Kiefernwald kamen. Immer näher kamen wir dem Lager und ich konnte den Lagerwall sehen, der immer noch etwas zerstört war. Ich taumelte durch den Lagereingang, wankte auf wackeligen Beinen auf die Lichtung und blieb lange genug stehen, damit Seelengeist Sonnensterns Körper von mir nehmen konnte. Ich sackte auf die Nadeln, die sich in meinem Zustand wie ein Geschenk des SternenClans anfühlte.
    „Blutfleck!“ Leopardenherz war zu mir gesprungen, ich spürte ihre Zunge sanft auf meiner Wange.
    „Papa? Bist du ok?“ Es war Sprenkeljunges die fragte. Ich konnte fühlen, wie sie ihren kleinen Pfoten in meine Flanke stemmte.
    Ich schloss erschöpft die Augen und ließ mich von der Dunkelheit davontragen.

    Ich erwachte im Heilerbau, der Geruch von Kräutern empfing mich und meine Wunden waren versorgt. Leopardenherz lag neben mir, die Jungen hatten sich an ihren Bauch gekuschelt. Sie regte sich und mir wurde schlagartig bewusst, dass ich vielleicht die Totenwache von Sonnenstern verpasst hatte. „Die Totenwache für Sonnenstern!“
    „Mach dir keine Sorgen, sie liegt auf der Lichtung.“ Ihre Stimme klang gebrochen und heiser.
    Ich eilte aus dem Bau und Glutflamme sprang auf mich zu.
    „Wie geht es dir?“, fragte er und es schwang Eifersucht mit.
    „Gut.“ Ich blickte an ihm vorbei, sah meine Clangefährten, die trauernd und führerlos um den Leichnam der Anführerin saßen.
    Dämmerlicht saß ganz nah an Sonnenstern und jaulte wehmütig: „Ich habe sie in den Tod geschickt! Ich bin dafür verantwortlich!“ Niemand sagte etwas dazu. Es war Sonnenuntergang, die Umrisse des Halbmondes waren leicht zu erkennen.
    Neben Dämmerlicht kauerte Mondblick. „Ich hätte sie nicht gehen lassen dürfen... Ich wusste, dass es ihr letztes Leben war.“ Der Eingang des Heilerbaus und Kräutersee trat mit Nusspfote hervor. „Wie geht es Lavaherz und Tulpenglanz?“
    „Eigentlich ganz gut. Ich habe eine Salbe auf die Wunden getan.“ Während er sprach, fiel sein Blick auf mein blutverschmiertes Fell. „Ich sollte dich auch noch behandeln.“ Ich schüttelte energisch mit dem Kopf. „Nicht bevor die Totenwache vorbei ist.“ Nun trat er einen Schritt auf mich zu, ich konnte auf den Heiler herabsehen und Kräutersee miaute: „Du musst mit mir zum Mondstein reisen. Deine neun Leben warten auf dich.“
    Ich blinzelte sie an und spürte ein Gefühl der Wärme in mir aufsteigen. Ich war nun der Anführer des SchattenClans.
    „Wir werden jetzt losziehen. Nusspfote wird sich um Tulpenglanz und Lavaherz kümmern.“
    Ich schaute den trauernden Mondblick an, der neben seiner Tochter Seelengeist. „Kommst du zurecht?“ Er nickte schwerfällig. „Ich habe noch unsere Jungen...“, murmelte er.
    Ich nickte verständlich und sah wie Leopardenherz mit unseren Jungen auf mich zulief. Die Kleinen stürzten sich auf mich und ich leckte allen Dreien über den Kopf. „Du kommst zurück, oder?“, fragte Sturmjunges und ich schmiegte mich an seinen kleinen Körper. „Natürlich komme ich zurück. Ich kann euch doch nicht einfach alleine lassen“, schnurrte ich. Sprenkeljunges und Mitternachtsjunges zogen mich auf den Boden und schmiegten sich noch stärker an mich.
    „Lasst euren Vater gehen“, schritt Leopardenherz ein. Als mich erhob, brannte mein Fell und als ich aufsah, bemerkte ich, wie Luchsohr mich anstarrte. Lindenschnee schaute ehrfürchtig aus der Kinderstube. Wieselpelz und Bussardfeder trotteten am Ältestenbau entlang. Ihre Felle waren stachelig und sie hatten die Ohren angelegt. Ab jetzt lag ihr Schicksal in meinen Pfoten. Ich sah zu Kräutersee, der am Eingang wartete.
    „Lass uns gehen, Blutfleck!“ Seine Stimme klang bestimmt, trotzdem sehr freundlich. Ich trabte zu ihm und er verließ vor mir das Lager. Ich sah in den Himmel. Es war Halbmond... „Kräutersee, ist heute nicht das Treffen der Heiler?“, fragte ich den aufgewühlten Heiler. Er blickte verwirrt in den Himmel. „Das ist vorbei... ich habe es verpasst.“ Er wirkte niedergeschlagen. Also lief ich zu ihm und legte meinen Schweif über seine Schulter. „Du kannst auch jetzt noch mit den Ahnen sprechen.“ Er seufzte und setzte sich in Bewegung.
    Kräutersee lief ein bisschen vor mir, verließ den Kiefernwald und wir betraten das DonnerClan-Gebiet, bevor uns der Geruch der WindClan-Grenze entgegenwehte, wo ich Kräutersee einholte. Ich wollte nicht, dass er einer Patrouille ohne meinen Schutz begegnet. Ob er den Kriegern erzählen würde, dass ich nun der Anführer des SchattenClans war? Ich blieb stehen, als mir bewusst wurde, dass der SternenClan alles sah. Also auch die Morde, die ich begangen hatte. Was, wenn sie sich weigern würden mir meine neun Leben zu geben? Ich lief wieder weiter, meine Wunden brannten schmerzhaft. Der Mond erhellte den Pfad, der sich durch das Heidekraut zog. Der Wind pfiff uns um die Ohren, weswegen ich die sich nähernde Patrouille nicht hören konnte.
    „Was macht ihr hier?“ Tauglanz blaue Augen leuchteten in der Dunkelheit.
    „Wir...“ Kräutersee wollte antworten, aber ich unterbrach ihn. „Wir suchen ein wichtiges Kraut für unsere kranken Clangefährten.“
    „Das stimmt nicht, Blutfleck...“ Kräutersee seufzte. „Wir wollten es nicht preisgeben.“ Die zweite Anführerin sah uns skeptisch an.
    „Ja, wir ziehen zum Mondstein“, erklärte ich nun ehrlich.
    Freihimmel und Bachklang flankierten die zweite Anführerin, wie als wollten sie einen schützenden Wall um sie errichten. Bachklang schob sich an Tauglanz vorbei und stellte sich provozierenden vor uns.
    Ich knurrte drohend. „Ihr müsst uns passieren lassen. Ich muss meine Leben bekommen um den SchattenClan zu führen!“
    Tauglanz Blick wurde etwas weicher. „Sonnenstern ist tot?“ Ich nickte nur und die Stimme der Kätzin zitterte leicht. Sie zeigte ihren Clangefährten an, uns gehen zu lassen. „Lasst sie gehen...“ Die Krieger traten zur Seite und ließen Kräutersee und mich passieren.
    Hinter dem Moor und der Heidelandschaft lag der Donnerweg, still und verlassen. Wir überquerten den Weg und folgten den Spuren des Pfades durch das Zweibeinerterritorium. Unter dem glitzernden Silbervlies zogen wir weiter, ich versuchte die Schmerzen meiner Wunden so gut wie möglich auszublenden, zwang mich weiter, obwohl meine Beine einfach nur nachgeben wollten. Wir machten einen Bogen um eine Scheune. Solch einen Bau wollte keiner mehr freiwillig betreten, und so erreichten wir die Hochfelsen, bevor der Mond vollständig oben stand.
    „Wir sind gut vorangekommen.“ Der Heiler keuchte, als wir uns zu Eingang des Ahnentors schleppten. Ich hoffte, dass sie mir meine Leben geben würden, während wir durch den tiefschwarzen Tunnel liefen. Wer würde am Mondstein warten? Katzen des SternenClans oder des Waldes der Finsternis?
    „Kräutersee?“, ich konnte seine Schritte noch hören, aber ich hatte das Verlangen danach seine Stimme zu hören, nur um sicher zu gehen.
    „Ich bin hier.“
    Ein grelles Licht flammte vor mir auf.
    „Beeil dich!“, drängten er. „Der Mond beginnt zu scheinen!“
    Mit Herzrasen sprintete ich Kräutersee hinterher. Als wir am Mondstein ankamen, blendete mich sein grelles Licht.
    „Komm her und berühre den Mondstein mit deiner Nase.“ Während er erklärte, stieß er mich hart nach vorne.
    Angst packte mein Herz. „Wer wird auf mich warten?“ Er blinzelte verwirrt. „Das weiß ich nicht...“
    Ich lief langsam nach vorne und schloss die Augen, kauerte mich hin und legte meine Nase an den Stein. Ich wartete darauf, dass Licht mich durchflutete und ich in einen ruhigen Schlaf fallen würde, der mich zu den Ahnen bringen würde.
    Blinzelnd öffnete ich meine Augen. Ich stand in einer leeren Senke. Schatten umrandeten sie und ein milchiges Licht glimmte an dem Rand. Ich war doch nicht im Wald der Finsternis, oder? Mein Atem ging schnell, zu schnell und ich hatte Angst, das Bewusstsein zu verlieren.
    Am oberen Rand der Senke erschien ein silbernes Licht, das sich rasch ausbreitete. Es beleuchtete Katzen, meine Ahnen, bis die Senke und ihre Hänge mit unzähligen von ihnen gefüllt waren. Es roch nach Fluss, Laub, Heide und Kiefern; alle Clangerüche vermischten sich mit den silber glänzenden Fellen. Ein goldenes Fell stach aus der Menge hervor und trat hervor. Es war Sonnenstern.
    „Willkommen im SternenClan, Blutfleck.“ Sie verneigte sich respektvoll. Sie sah kräftig aus, die Wunden des Kampfes waren verschwunden und sie wirkte jünger. „Ich bin sehr stolz auf dich, Blutfleck. Ich weiß nun von deinen Taten, aber ich weiß auch, dass du es getan hast um deinem Clan zu helfen. Nebelschleier und Finsterherz haben dir verziehen und sind nun glücklich hier.“ Sie lächelte. „Außerdem hast du deine Gefährten vor den Ratten gerettet.“
    „Aber wir haben unsere Anführerin verloren... Du hättest mit uns zurückkommen sollen...“
    „Es war meine Zeit, Blutfleck. Kein Heiler hätte mir noch helfen können.“ Die SchattenClan-Anführerin beugte sich zu mir. „Als meine Zeit ablief, fing deine an.“ Ich neigte den Kopf, meine Zunge klebte am Gaumen, weil mein Maul so trocken war. Das war nicht der Wald der Finsternis, nicht mit Sonnenstern. Würde ich trotzdem meine Leben erhalten?
    „Mit diesem Leben gebe ich dir Mut“, flüsterte Sonnenstern.
    „Hast du Zweifel so lasse dein Herz dich voran führen, aber nicht zurück.“
    Sonnenstern Nase berührte meine Stirn und ein unheilvoller Schmerz schoss durch meine Körper. Ich wollte zurückweichen, aber es war, wie als ob meine Pfoten aus Stein wären. Sonnensterns Erinnerungen brannten sich in meinen Kopf. Kampf, Klauen, Blut, das Schnappen von Zähnen, getötete Gegner, wie ich Finsterherz tötete, genauso wie Nebelschleier und Eschenfell.
    Ich keuchte gequält, als Sonnenstern zurücktrat und der Schmerz nachließ. „Danke“, krächzte ich ungläubig.
    Eine weitere Katze trat aus den Reihen der Ahnen hervor. Goldmond. Ihr Name war mir bekannt. Sie starb als ich geboren wurde. Trotzdem kannte ich sie, wie als hätte ich sie kennengelernt.
    „Mein Leben endete, als deines begann, Blutfleck“, miaute die ehemalige Älteste. „Mit diesem Leben schenke ich dir die Liebe ein Mutter.“ Sie musste sich recken, um meine Stirn berühren zu können. Es durchfuhr mich ein Blitz der Liebe, wild wie ein tollwütiger Fuchs, mein Herz erhärtete, so dass kein böses oder schlechtes Gefühl es erreichen konnte, dass ich keine Angst mehr spüren konnte. So stark war die Liebe einer Mutter zu ihren Jungen. Goldmond trat zur Seite und ich sah in die Augen einer hellbraunen Kätzin „Ich trage den Namen Mandelblüte. Mit diesem Leben schenke ich dir Gerechtigkeit.“ Sie beugte sich vor und ich fühlte Sicherheit, sanft wie ein Wasserfall übergoss sie mich. Ich würde immer wissen was richtig war, obwohl Blattwechsel für Blattwechsel verstreichen würden.
    Mandelblüte trat zu Seite und eine andere Katze nahm ihren Platz ein.
    „Ich heiße Brandfell. Ich lebte lange Zeit vor dir im SchattenClan.“ Seine blauen Augen leuchteten wie die eines jungen Kriegers. „Dieses Leben soll dir Vertrauen schenken.“ Als er meine Kopf berührte spürte ich wie Friede mich ummantelte, als könne kein böser Gedanke mich ertasten.
    Eine neue Katze trat vor. Regenbogenherz. Sie war die Heilerin, die meiner Mutter bei ihrer Geburt geholfen hatte, heimlich still und leise im Schatten der Nacht, niemand hatte es mitbekommen. Ich sah ihr in die gelben Augen, nickte dankend. „Mit diesem Leben schenke ich dir Mitgefühl.“ Wärme erfüllte mich als sie mich berührte. Liebe zu kranken, verletzten Katzen, meinen Clangefährten, ängstlichen Katzen und verirrten Kätzchen überflutete mich.
    Die Heilerin wand sich ab und ein winziges Junges nahm seinen Platz ein. Es sah Schattenblut sehr ähnlich... „Ich bin Falkenjunges. Wir waren Wurfgefährten, aber ich war schwächer als du und bin kurz nach der Geburt verstorben. Mutter hat dir nie von mir erzählt.“ Ich war nicht in der Lage zu sprechen und nickte nur bedauernd. „Dein sechstes Leben soll dir Demut geben.“ Das Junges reckte sich und ich musste mich zu ihm beugen, damit er mich berühren konnte. Seine Berührung verschob die Welt um mich herum, ich erkannte die Clan-Territorien, die aber sofort zu einem winzigem Punkt in der Ferne wurden. Die Welt war so groß...
    Falkenjunges entfernte sich und ich erstarrte als die nächste Katze hervortrat. Es war Nebelschleier. „Es-es tut mir leid... Ich hätte dich am Leben lassen sollen. Du wärst uns eine große Hilfe gewesen.“
    Seine blauen Augen sahen mich an, kein einziger Funken von Rache glänzte in ihnen. „Ich habe dir verziehen, wie Sonnenstern schon sagte. Wir haben beide nicht gut gehandelt. Und mit diesem Leben will ich dir Hoffnung schenken“, flüsterte er. „Habe keine Angst vor dem was kommt, sondern hoffe auf die Wunder in dieser Zeit.“ Er berührte meine Stirn und es fühlte sich an wie als würde eine Böe mich erfassen, beinahe von den Pfoten reißen, wie als würde ich über eine weite Wiese rennen und den Boden kaum berühren.
    Nebelschleier trat zurück und trat in die Reihen der SternenClan-Katzen ein.
    „Mit diesem Leben gebe ich dir Geduld.“ Ich zuckte erschrocken zusammen als mich jemand am Kopf berührte. Abendrot... Er sah traurig aus, gleichzeitig aber auch fröhlich. Friede sickerte durch meinen Pelz, ließ mein Herz langsamer schlagen bis das Hier und Jetzt nur noch als ein einziger Herzschlag existierte. „Richte Lavaherz aus, dass ich auf sie aufpasse. Ich bitte dich.“ Ich nickte nur und sah ihn dankbar an. Abendrot verließ mich, die komplette Stille verschwand. Schattenblut und Apfelschweif traten zusammen auf mich zu und sahen mich an, voller Liebe. „Wir wollen dir dein letztes Leben zusammen geben, weil einer von uns sonst hätte verzichten müssen.“ Nun sprachen sie im Chor. „Zusammen geben wir das Leben der Treue, Treue zu deinem Clan und deinen Gefährten. Versprich uns, dass du es gut nutzen wirst.“ Ich nickte und trat von einer Pfote auf die andere. Er wollte, dass ich keine Morde mehr begehen würde, die es nicht wert waren. „Ich gehe jetzt alleine“, schwor ich.
    „Du wirst nie alleine gehen. Deine Ahnen werden immer bei dir sein. Du wirst ein großer Anführer werden, Blutfleck. Von diesem Augenblick an wirst du Blutstern heißen.“
    Ich schloss die Augen als die Ahnen meinen neuen Namen riefen. Ich würde ein großer Anführer werden und konnte es kaum erwarten, meinen Clan zu sehen. Der SternenClan wirbelte davon und nun stand ich alleine. Ich war aber nicht zurück am Mondstein als ich die Augen öffnete.
    „Wir haben es geschafft!“ Ein vertrautes Zischen erklang neben mir.
    Eschenfell!
    Er stand mit glühenden Augen neben mir. „So sehen wir uns wieder, Blutstern.“ Dabei spuckte er meinen Namen geradezu aus. „Wir haben es geschafft, dich in den Wald der Finsternis zu bringen. Wir haben dich geleitet, Finsterherz zu töten, genauso wie Nebelschleier. Nur hast du es nie mitbekommen. Wirst du uns für die Opfer danken, die du bringen musstest um Anführer zu werden?“
    Ich starrte ihn an. Opfer? Meinte er Schattenblut und Apfelschweif? Sonnenstern? „Lass mich in Ruhe!“, fuhr ich den Betrüger an. Als ich mich abwandte, entblößte Eschenfell seine scharfen Zähne. „Du kannst uns nicht davonlaufen“, fauchte er. Ich spürte, wie ihre Krallen an meinem Pelz zerrten, obwohl er eine Fuchslänge von mir entfernt war. „Das wird dir nie gelingen! Wir sind immer da, Blutstern!“

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