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Gold's Warrior Stories: Staffel 1; Band 4 Suche nach Blattstern

Schwarzpfote hat die Schüler in ein riskantes Abenteuer gestürzt, nachdem er vorgeschlagen hat, Blattstern zu suchen. Sie kommen ihr aber immer näher. Doch während Schwarzpfote versucht, seiner Liebe seine Liebe zu gestehen, verliebt Veilchenpfote sich in ein Hauskätzchen. Außerdem darf Hellsterns Prophezeiung nicht vergessen werden: Wenn der Schüler das Ziel seiner Reise gefunden hat, muss er wissen, ob er leben oder lieben will.

    1
    Donnerclan:
    Anführer: Blattstern
    Braun – getigerte Kätzin mit gelben Augen

    2. Anführer: Wolfsherz
    Grau – getigerte Kätzin mit grünen Augen; Mentorin von Hellpfote

    Heiler: Löwenzahn
    Sandfarbener Kater mit gelben Augen

    Krieger: Adlerfeder
    grauer Kater mit gelb– grünen Augen

    Mohnblüte
    Dunkelgrau – getigerte Kätzin mit blauen Augen; Mentorin von
    Schwarzpfote

    Ahornschweif
    Roter Kater mit gelben Augen

    Mausezahn
    Schwarz – weißer Kater mit grünen Augen

    Weißtatze
    Weißer Kater mit etwas längerem Fell und grün – blauen Augen

    Minzblatt
    Graue Kätzin mit blauen Augen; Mentorin von Veilchenpfote

    Braunnase
    Braun – getigerter Kater mit gelben Augen; Mentor von Igelpfote

    Rehbein
    Kleine, braune Kätzin mit weißen Tupfen und grünen Augen

    Federfrost
    Weiße Kätzin mit grünen Augen; Mentorin von Schneepfote


    Schüler: Schwarzpfote
    Schwarzer Kater mit dunkelgrünen Augen

    Igelpfote
    Braun- getigerte Kätzin mit hellgrün- gelben Augen

    Hellpfote
    Heller, fast weißer Kater mit blauen Augen

    Schneepfote
    Weiße Kätzin mit gelben Augen

    Veilchenpfote
    Hellbraun – getigerte Kätzin mit gelben Augen

    Königinnen: -

    Älteste: Streifenpelz
    grau – getigerter Kater mit blauen Augen

    Wespenstachel
    Sandfarbene Kätzin mit braunen Augen

    Schattenclan:
    Anführer: Kieselstern
    Großer, schwarzer Kater mit grünen Augen

    2. Anführer: Mohnglanz
    Schwarze Kätzin mit blau– grauen Augen

    Heiler: Fuchsblut
    Roter Kater mit blauen Augen

    Glutherz
    schwarze Kätzin mit orangen Augen


    Krieger: Bienenstachel
    Sandfarbener Kater mit bernsteinfarbenen Augen

    Rosenkralle
    Dreifärbige Kätzin mit blauen Augen

    Nebelnacht
    Dunkelgraue Kätzin mit braunen Augen

    Ahornblatt
    Roter Tigerkater mit grün– blauen Augen

    Wurzelbein
    Schwarz – weißer Kater mit blauen Augen


    Weißohr
    Weißer Kater mit gelben Augen

    Blumenfleck
    Dreifärbige Kätzin mit bernsteinfarbenen Augen

    Flockenhagel
    Weiße Kätzin mit blauen Augen; hört schlecht


    Schüler: -

    Königinnen: Haselblüte
    Sandfarbene Kätzin mit gelben Augen, erwartet Junge von
    Wurzelbein

    Älteste: Baumfall
    Weißer Kater mit bernsteinfarbenen Augen

    Graspelz
    Dreifärbige Kätzin mit gelben Augen

    Windclan:
    Anführer: Sonnenstern
    Cremefarbene Kätzin mit blauen Augen

    2. Anführer: Gansfeder (zurzeit in Kinderstube)
    Kleine, weiße Kätzin mit braunen Augen

    Heiler: Graublüte
    Hellgrau – getigerte Kätzin mit bernsteinfarbenen Augen

    Krieger: Vogelschnabel
    Schwarzer Kater mit gelben Augen

    Eisnase
    Ganz hellgrauer Kater mit sehr hellblauen Augen

    Tigerschweif
    Braun – getigerte Kätzin mit bernsteinfarbenen Augen


    Kaninchenohr
    Sandfarbene Kätzin mit weißen Tupfen und grünen Augen

    Sandwirbel
    Sandfarbene Kätzin mit hellgelben Augen

    Tauherz
    Weißer Kater mit hellgrauen Flecken und grünen Augen


    Schüler: -

    Königinnen: Gansfeder
    Mutter von Schwarzvogeljunges, Fleckenjunges und Glanzjunges

    Älteste: Kirschblatt
    Weiße Kätzin mit blauen Augen, fast taub und blind

    Sonnenblume
    Braun – getigerte Kätzin mit gelben Augen

    Flussclan:
    Anführer: Abendstern
    Alter, dunkelgrauer Tigerkater mit grau– blauen Augen

    2. Anführer: Froschteich
    Junger, roter Kater mit bernsteinfarbenen Augen

    Heiler: Moospelz
    Schwarz – weißer Kater mit braunen Augen

    Krieger: Krähenhauch
    Dunkelgrauer Kater mit gelben Augen

    Kirschblüte
    Sandfarbene Kätzin mit weißen Stellen auf der Brust, dem
    Bauch und den Pfoten

    Rabenfeder
    Schwarzer Kater mit weißer Schwanzspitze und grau – blauen
    Augen; ehemaliger Streuner

    Fischauge
    Schwarz -Weißer Kater mit grauer, rechter Vorderpfote
    Und blauen Augen

    Eulenflügel
    Weiße Kätzin mit grauen Sprenkeln und grünen Augen


    Farnkralle
    Grau – schwarzer Kater mit gelben Augen


    Traumsee
    Dreifärbige Kätzin mit einem gelben und einem blauen Auge

    Buntfell
    Dreifärbige Kätzin mit blauen Augen

    Nachtbriese
    Schwarze Kätzin mit blauen Augen

    Schüler: -

    Königinnen: Kirschblüte
    Sandfarbene Kätzin mit weißen Stellen auf der Brust, dem
    Bauch und den Pfoten; Mutter von Streifjunges, Tüpfeljunges
    Und Sprenkeljunges

    Älteste: -


    Andere: Wald
    Schwarzer Kater mit grünen Augen; ehemaliger Flussclankrieger
    (Waldpelz) und Gefährte von Echo (Echoflügel); lebt bei der
    Streunergruppe

    Pepper
    Alter grauer Kater mit gelben Augen und einem schiefen Maul,
    Streuner, lebt im Zweibeiner Ort

    Chili
    Rote Kätzin mit blauen Augen, lebt im Zweibeiner Ort, Hauskatze

    Floh
    Hellbrauner Kater mit hellgrünen Augen, Hauskatze, Bruder von Chili, lebt im Zweibeiner Ort

    Angora
    Weiße Kätzin mit blauen Augen, auf einem Ohr taub, lebt im Tierheim

    Socke
    Schwarzer Kater mit gelben Augen, lebt im Tierheim, Bruder von Chili und Floh

    Nora
    Dreifärbige Katze mit einem gelben und einem blauen Auge, lebt im Tierheim


    Prolog

    Die Kätzin lächelte. „Es ist leichter, diese Katzen zu kontrollieren, als ich dachte. Wieso versucht ihr es nicht auch einmal, Silver, oder Raupenfuß?“, wollte sie wissen. „Wir können es nicht“, gab Silver zu. „Was heißt, ihr könnt es nicht?“, fragte die Kätzin erstaunt. „Nun, wir wissen nicht, warum du das kannst, aber wir vermuten, dass du die einzige Katze bist, die andere kontrollieren kann“, meinte Raupenfuß. Die Kätzin sagte nichts. „Es gibt sicher etwas, was dich von den anderen Katzen hier unterscheidet, aber wir wissen nicht, was es ist“, meinte Silver. „Eigentlich ist das ja auch egal“, stellte die Kätzin fest, „Hauptsache, wir besiegen die Clans. Vor allem den Donnerclan!“ Die beiden Kater nickten zustimmend. Beide hatten ein böses Lächeln aufgesetzt. „Der Plan nimmt jedenfalls Formen an“, schnurrte Silver, „Und an Blattstern konnten wir uns auch schon rächen!“ „Was ist, wenn sie zurückkommt?“, fauchte Raupenfuß, „Dann sind die Schüler Schuld! Nervige kleine Biester! Ich hoffe, ein Monster erwischt die! Blattstern darf nicht mehr in den Clan zurück, sie ist ein viel zu mächtiger Gegner!“ „Also, Raupenfuß, zwei dieser Schüler sind Echos Jungen!“, knurrte Silver, doch Echo miaute: „Was aus Schwarzpfote wird, ist mir egal. Er hat es gewagt, sich gegen mich zu erheben. Er mag genauso aussehen wie sein Vater, doch sonst hat er nichts von uns. Aber möglicherweise bekomme ich Igelpfote noch auf unsere Seite!“

    Kapitel 1

    „Sicher, dass du weißt, wo wir hingehen?“, fragte Igelpfote, als Pepper die Luft prüfte und dann schulterzuckend auf ein weiteres Dach sprang. „Jungkatze, wir gehen zu Chili!“, miaute er und verdrehte die Augen, als wäre die Frage albern gewesen, lächelte aber. „Aber wenn du keinem Clan angehörst und auch kein Streuner oder Hauskätzchen bist, was bist du dann?“, fragte Schneepfote. Schwarzpfote lächelte. Pepper sprach schon die ganze Zeit über seine Vergangenheit, doch Schwarzpfote war so angespannt, dass er dem alten Kater nur halb zuhörte. „Mal so, mal so“, miaute der alte Kater und blieb stehen. „Aber ja!“, rief er und sprang vom Dach, „Kommt, Jungkatzen, ich weiß, wo sie ist!“
    „So, da wären wir!“, miaute Pepper und blieb vor einem eingezäunten Gebäude stehen. „Wo sind wir?“, fragte Veilchenpfote. „Hier riecht es nach Hunden“, stellte Schneepfote fest. Man sah ihr an, wie unwohl sie sich hier fühlte, doch auch die anderen Schüler wirkten auf die Aussicht auf Hunde nicht gerade glücklich. „Aber auch nach anderen Katzen…Und nach Beute wie Vögel und Kaninchen!“, miaute Hellpfote glücklich. „Wir sind hier beim Tiernest. Ich nenne es zumindest so. Hier kommen alle Tiere hin, auf die kein Federloser Vogel mehr aufpasst, oder solche, die gefunden wurden. Junge, Junge, wie ich aufpassen muss, dass die mich da nicht reinsperren. Zumindest wohnen hier ein paar Katzen, die Chili die oft besuchen geht. Vielleicht haben wir gerade Glück und sie ist hier“, erklärte Pepper. „Und wie kommen wir da rein?“, fragte Igelpfote skeptisch. „Nun, reinkommen ist weniger das Problem als rausgehen. Rein kommt ihr über offene Fenster, aber raus wird schon schwieriger, da die Federlosen Vögel aufpassen, wisst ihr? Aber Chili hilft euch sicher raus, weiß nicht, wie sie das macht…“, antwortete Pepper. „Das heißt, du warst da noch nie selbst drin?“, fragte Hellpfote und ihm war anzumerken, dass es ihm unangenehm war, vor dem „Tiernest“ zu stehen und zu erfahren, dass Pepper selbst kaum etwas darüber wusste. „Nö, wozu auch? Ich warte dann auf dem nächstbesten Monster auf euch, Jungkatzen. Für einen so alten Kater wie mich ist das Eindringen in Tiernester nichts mehr…“, miaute er und hob zum Abschied den Schwanz. „Danke, dass du uns hergebracht hast!“, maunzte Schneepfote. „Keine Ursache, Jungkatzen, keine Ursache!“, sagte Pepper und verschwand in die Richtung, in der er ein Monster vermutete.
    Schwarzpfote passte auf, dass kein Zweibeiner, oder Federlosen Vögeln, wie Pepper sie nannte, die Katzen entdeckte, als sie sich durch das Fenster zwängten. „Alle da?“, fragte er und erhielt ein zustimmendes Murmeln. „Und jetzt?“, fragte Schneepfote. „Wir sollten die Katzen suchen. Chili ist garantiert dort, falls sie überhaupt da ist!“, schlug Veilchenpfote vor und so huschten die Schüler in die Richtung, in der der Katzengeruch stärker wurde. Glücklicherweise schafften die Schüler es, ohne Zwischenfälle da hinzugelangen. „Da sind sie!“, schnurrte Igelpfote glücklich und wollte auf die Katzen zugehen, knallte dann aber gegen eine unsichtbare Mauer. Ein schwarzer Kater schien es gemerkt zu haben und öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch die Katzen konnten ihn nicht verstehen. Als keiner der Schüler etwas tat, rollte er genervt mit den Augen und ging aus der Sichtweite der Schüler. „Warte!“, rief Veilchenpfote, doch der Kater war nicht mehr zu sehen. „Wir kommen auch ohne ihn da rein!“, miaute Hellpfote bestimmt. „Bestimmt“, meinte Schneepfote, auch wenn sie nicht wirklich überzeugt klang. Plötzlich sprangen die beiden anderen Katzen, die bei dem Kater hinter der unsichtbaren Wand gewesen waren, erschrocken auf einen Baum aus Stoff und fauchten. Der schwarze Kater war wieder aufgetaucht, rannte so schnell er konnte auf die Tür zu und hing sich an den Griff. Sobald sie aufging, hörten die Schüler die weiße Katze so laut schreien, als hätte der Kater etwas wirklich schlimmes gemacht: „…DU, DASS WIR ÄRGER BEKOMMEN, WENN WIR DIE TÜR ÖFFNEN! DU BIST DER UNMÖGLICHSTE KATER, DEN WIR HIER JE HATTEN, SOCKE!“ „Angora, schrei doch nicht so, wir verstehen dich auch so“, miaute die Schildpattfarbene Kätzin neben ihr. „WAS?“, fragte die Weiße, ohne leiser zu werden. „Tut uns leid, sie ist halb taub“, miaute der schwarze Kater und ging zur Seite, sodass die Schüler eintreten konnten. „Ist Chili hier?“, fragte Hellpfote aufgeregt, „Also, tut mir leid, dass ich gleich frage, aber es ist ziemlich wichtig!“ „Ihr kennt meine Schwester?“, fragte der Schwarze überrascht, „Nein, sie ist nicht hier, aber sie hat vorgestern gesagt, dass sie in drei Tagen, also morgen, wiederkommt.“ „Also, eigentlich kennen wir sie nicht….“, miaute Veilchenpfote und als der schwarze Kater verwirrt den Kopf zur Seite legte, erklärte sie in knappen Sätzen, dass sie Blattstern suchten und dass sie dachten, Chili könne ihnen dabei helfen. „Oh je, ich hoffe wirklich, dass ihr sie findet! Ich heiße übrigens Socke. Und das sind Angora und Nora“, sagte der Kater, als Veilchenpfote geendet hatte. „Ich bin Veilchenpfote“, antwortete Veilchenpfote, „Und das sind meine Baugefährten Schwarzpfote, Igelpfote, Hellpfote und Schneepfote.“ Obwohl Angora und Nora so taten, als wären ihnen die Ankunft der Schüler total egal, bemerkte Schwarzpfote doch, wie die beiden versuchten, zu lauschen. „Weißt du, wo Chili jetzt ist?“, fragte er hoffnungsvoll. „Tut mir leid, aber leider nein. Chili ist immer überall, interessiert sich für alles und jeden und lernt gerne neue Dinge. Sie ist so überhaupt nicht das Hauskätzchen, dass man sich erwartet“, miaute Socke. „Was erwartet man sich den für Hauskätzchen?“, fragte Igelpfote. „Nun, die Streuner halten uns für faul, unwissend und in der Natur alleine nicht überlebensfähig. Dabei waren die allermeisten von ihnen auch mal Hauskatzen“, antwortete Socke. „Wieso sind sie denn keine Hauskatzen geblieben?“, fragte Schneepfote. „Vermutlich wollten sie frei sein. Viele Katzen werden von ihren Hausläuten eingesperrt oder nur in den Garten gelassen. Wir dürfen nicht herumstreunen, haben aber glücklicherweise einen Garten. Über ihn kommt Chili immer zu uns“, beantwortete Socke die Frage. „Was sollen wir denn bis zu ihrer Ankunft tun?“, fragte Hellpfote. „Nun, ich würde mich vor den Hausläuten in Acht nehmen, die wundern sich sonst, wie ihr hier reingekommen seid…“, meinte Socke. „Gut, wir schlafen nämlich sowieso lieber draußen“, meinte Schwarzpfote. „Mögt ihr noch was fressen? Es ist schon spät“, lud Socke die Schüler ein und wies auf eine Schale, die dieselben Futterbrocken beinhaltete, wie die, die Pepper ihnen schon gegeben hatte. „Lieber nicht, trotzdem danke“, sagte Hellpfote, knickte zur Verabschiedung seinen Schweif ein und ging nach draußen, wo er es sich auf einer Astgabel gemütlich machte. Schwarzpfote und Schneepfote entschieden sich, ihm zu folgen, doch Igelpfote und Veilchenpfote nahmen beide noch einige von den Futterbrocken. „So schlecht sind die nun auch wieder nicht“, überlegte Igelpfote, ging dann aber auch ziemlich bald schlafen. Veilchenpfote, welche sich noch ein wenig mit Socke unterhielt, schlief neben dem schwarzen Kater ein, beide schnurrten leise.

    Hellpfote wachte auf. Neben ihm auf der Astgabel schlief Schwarzpfote, einen Ast darunter lag Schneepfote. Igelpfote hatte es sich unter einem Busch gemütlich gemacht und Veilchenpfote war inzwischen aufgestanden und trank aus einer Pfütze. „Ich hoffe, Chili kommt bald“, murmelte der Kater und sprang von Baum, wobei er Schwarzpfote versehentlich streifte, was ihn aufweckte. „Hellpfote?“, murmelte er noch halb schlafend, „Ist sie da?“ „Nein, leider nicht“, antwortete Hellpfote und trank aus derselben Pfütze wie Veilchenpfote. „Oh, Guten Morgen. Auch schon so früh wach?“, begrüßte sie ihren Bruder. Hellpfote murmelte etwas, was wie „Mhm“ klang und begann sein Fell zu putzen. „Ich gehe jedenfalls noch mal zu Socke“, maunzte Veilchenpfote und verschwand in das Tiernest. Hellpfote hatte nicht bemerkt, dass Schwarzpfote sich neben ihn gesetzt hatte. „Sollen wir uns die Zunge geben?“, fragte der schwarze Kater und legte sich neben Hellpfote. „Gerne“, antwortete Hellpfote, doch Schwarzpfote hatte schon begonnen, das Fell seines Baugefährtens zu säubern. „Weißt du,…“, begann er und schien nicht sicher zu sein, ob er weitersprechen sollte, doch Hellpfote hörte bereits zu. „Also, ich habe es ja ins Rollen gebracht, dass wir Blattstern suchen…“, sprach er zögernd weiter, brach dann aber wieder ab. „Du musst mir nichts sagen, wenn du nicht willst. Aber wenn du willst, habe ich immer ein offenes Ohr. Sogar Zwei“, miaute Hellpfote und Schwarzpfote lächelte, als er das hörte. Dass Hellpfote seine Spannung unter Sorglosigkeit versteckte, schien ihm neue Zuversicht zu geben. „Zumindest weiß ich nicht mehr, wie gut diese Idee war. Wenn jemandem hier etwas passiert, ist das meine Schuld…“, murmelte Schwarzpfote. „Unsinn. Wir sind doch alle freiwillig mitgegangen, oder? Und Außerdem: Uns wird nichts passieren! Wir bringen Blattstern zurück, besiegen Echo und leben wieder so friedvoll wie eh und je. Ganz einfach!“, miaute Hellpfote. „Und Igel können fliegen!“, rief Schwarzpfote leise. „Also, Schwarzpfote, wirklich! Es wird nichts passieren! Versprochen!“, sagte Hellpfote. „Das kannst du nicht versprechen“, murmelte Schwarzpfote. „Vielleicht nicht. Aber das Schicksal hat noch was vor mit uns. Wir gehen da durch. Zusammen! Und das kann ich versprechen!“, miaute Hellpfote. Schwarzpfote drückte seine Schnauze gegen Hellpfotes Wange. „Danke!“, miaute er, „Irgendwie schaffst du es immer, mich zum Lächeln zu bringen, egal wie aussichtslos die Lage ist.“ „Dafür sind Freunde doch da!“, entgegnete Hellpfote und lehnte sich leise schnurrend gegen Schwarzpfote.
    Schwarzpfote musste eingedöst sein, plötzlich hörte er, wie Igelpfote rief: „Da kommt sie!“ Er blickte auf und entdeckte Chili sofort. Ihr feuerroter Pelz betonte ihre schlanke Figur und sie sprang elegant auf die Katzen zu. „Hallo, Chili!“, begrüßte Socke seine Schwester, Angora und Nora winkten mit den Schweifen als Begrüßung. „Oh, hallo! Neuzuwachs? Du glaubst gar nicht, was passiert ist! Floh ist schon wieder beim Tierarzt, weil er mit dem Kater der Nachbarn gerauft hat. Ich bin vorbeigeschlichen, man, war da viel los! Der Kläffer von der alten Hausdame neben uns war da, ich glaube, den kastrieren sie endlich! Und dann war da noch so ein Kaninchen, das habe ich noch nie gesehen! Dann war da noch so ein Zweibeiner, der hat nur mit dem Tierarzt geredet, vielleicht Termine vereinbart oder so. Und dann war da noch so einer, der war mit einer braun-gestreiften Kätzin da, hab ich auch noch nie gesehen. Ganz hübsch, aber schon eher mager und ihre Hinterbeine waren verletzt. Tja, Floh hat gesagt, der Zweibeiner kam früher mit ihr täglich dahin, inzwischen hat er sich nicht mehr so oft blicken lassen, war aber trotzdem öfter da, als die meisten anderen Katzen. Arme Katze. Aber ich rede und rede, wer sind die denn?“, antwortete Chili, ohne auf Punkt und Komma zu achten. „Nun, die suchen dich“, antwortete Socke. „Mich?“, fragte die Kätzin erstaunt. „Hast du gesagt, braun-getigerte Kätzin mit verletzten Hinterbeinen?“, fragte Hellpfote. „Ja“, antwortete Chili, „Sah schmerzhaft aus. Ich habe noch nicht mit ihr gesprochen, aber Floh meint, sie sieht so aus, als würde sie erst mal etwas Ruhe brauchen. Dann hat er mir unterstellt, ich würde viel reden und dann habe ich zu ihm gesagt, er würde viel kämpfen und dann habe ich festgestellt, dass ich wohl wirklich viel rede. Aber er kämpft auch viel, da kann man nicht dran rütteln. Nein, kann man nicht. Weißt du noch, als er versucht hat, den Hund mit den schwarzen Flecken zu attackieren und dabei fast seinen Schwanz verloren hätte? Zumindest…“ „Chili“, unterbrach Socke seine Schwester, „Vielleicht solltest du diesen Katzen da erst mal zuhören?“ Chili öffnete den Mund, um zu antworten, doch Hellpfote sagte schnell: „Also, da du Blattstern kennst, kannst du uns ja auch möglicherweise zu ihr führen? Es ist nämlich so…“ Und dann erzählte er die komplette Geschichte.
    „Natürlich helfe ich euch!“, miaute Chili, „Ich bringe euch zu ihr, so schnell könnt ihr gar nicht schauen, auf geht es!“ „Kommen wir nachher hierher zurück?“, fragte Veilchenpfote. „Wozu?“, fragte Schneepfote verwirrt. Veilchenpfote warf einen Blick auf Socke, dann sah sie kurz zu Angora und Nora, danach seufzte sie leise. „Ich komme mit!“, miaute Socke bestimmt, woraufhin Veilchenpfote erfreut ihre Ohren aufstellte. „Aber dich hat noch niemand abgeholt! Du darfst dich nicht rausschleichen!“, protestierte Nora. „Nur weil ich nicht darf, heißt das nicht, dass ich es nicht tue!“, grinste Socke und sprang zu seiner Schwester, „Von mir aus sind wir bereit!“ „Dieser junge Kater! Kaum elf Monde alt und schon hält er sich für klüger als die älteren Katzen! Wenn du gehst, werden die Hausläute es bemerken und nach der Stelle suchen, durch die du verschwunden bist! Und wenn sie sie zustopfen, kann Chili nicht mehr kommen!“, fauchte Nora. „ICH VERSTEHE NICHTS, FLÜSTERT DOCH NICHT SO!“, miaute Angora. „Vielleicht finden sie die Stelle ja nicht. Ihr könntet sie ja mit Erde zuscharren?“, schlug Socke vor. Nora seufzte. „Gut. Aber das ist deine Verantwortung, Socke!“, meinte sie und erklärte Angora, was die Katzen ausgemacht hatten.
    Einige Minuten später hatten die Schüler, Chili und Socke das Tiernest verlassen, Angora und Nora hatten das Loch zugeschüttet. „Ist es weit, bis zum, wie sagtest du, Tierarzt?“, fragte Schneepfote. „Ungefähr eine Tagesreise“, antwortete Chili.
    Nachdem die Katzen schon ein Weilchen gelaufen waren, merkte Schwarzpfote, wie Hellpfote sich neben ihn schob. „Siehst du, alles wird gut!“, schnurrte der helle Kater und schlang seinen Schweif um den von Schwarzpfote. „Wie es Blattstern wohl geht?“, überlegte Schwarzpfote laut, „Was ist, wenn sie zu schwer verletzt ist, um mit uns zurückzukommen?“ „Das sehen wir, wenn es so weit ist. Mal die Situation nicht schwärzer, als sie ist“, sagte Hellpfote. „Und was, wenn Blattstern…?“, fragte Schwarzpfote, doch Hellpfote strich mit seinem Schweif über das Maul seinen Baugefährtens. „Schwarzpfote“, miaute er sanft, „Da ist nichts mehr, was wir fürchten müssen. Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt. Lass es einfach auf dich zukommen.“ „Meinst du?“, fragte Schwarzpfote und sah schon zuversichtlicher aus. „Ja, meine ich“, schnurrte Hellpfote, verschlang seinen Schweif wieder mit dem von Schwarzpfote und lehnte sich gegen den schwarzen Kater. Schwarzpfote schnurrte nun auch leise und warf einen Blick auf Hellpfote. Sein Fell war so hell, dass es beinahe weiß war, seine blauen Augen waren rund, aber wachsam. Die Narben vom Kampf mit der Streunerbande waren nicht mehr sichtbar, dafür war sein Pelz zu dicht. „Hellpfote, ich…“, begann er, wurde aber von einer Stimme unterbrochen: „Kommt schon, ihr schläft auf euren Pfoten ja fast ein! Habt ihr überhaupt zugehört?“ „Chili, sind halt Jungkatzen, hm? Wie du ja auch“, hörten sie Peppers Stimme. Weder Schwarzpfote noch Hellpfote hatten bemerkt, dass sich der Kater ihnen wieder angeschlossen hatte. „Oh, hallo, Pepper!“, antwortete Hellpfote und Schwarzpfote knickte als Begrüßung sein Ohr.
    Die Sonne stand schon tief, als die Katzen beim Tierarzt ankamen. „Jetzt können wir nicht mehr rein. Die haben nur offene Türen, wenn es draußen hell ist“, erklärte Chili, „Dann gehen wir eben Morgen hinein. Ich frage mich, ob Floh noch da ist… Seine Hausläute werden noch wahnsinnig mit ihm, so viel, wie er rauft. Aber zugegeben, der Kater der Nachbarn ist auch ganz schön frech. Dabei ist der sicher schon 84 Monde oder so,…“
    Veilchenpfote hörte Chili schon nicht mehr zu. „Redet sie immer so viel?“, fragte sie Socke. Dieser grinste. „Ja“, war seine Antwort. „Ich bin so froh, dass wir wissen, wo Blattstern ist!“, seufzte Veilchenpfote. „Ich freue mich auch für euch!“, miaute der schwarze Kater. „Wenn wir sie gefunden haben, schaffen wir es hoffentlich ohne Zwischenfälle zurück zum Donnerclan“, murmelte die Kätzin. Betretene Stille herrschte plötzlich zwischen den beiden Katzen. „Wie lebt man denn in einem Clan?“, fragte Socke. Veilchenpfote wunderte die Frage, doch sie sagte: „Es ist so eine große Gemeinschaft. Jeder ist für jeden da und man kämpft für den Clan bis zum Tod. Wenn man in einem Clan ist, dann weiß man einfach, dass da jemand ist, der für dich da ist. Zum Beispiel im Fall von Schwarzpfote und Igelpfote. Als ihre Eltern den Clan verlassen haben, waren sie nur ein paar Monde alt. Blattstern hat sie aufgezogen, als wären die beiden ihre Jungen. Warum fragst du?“ „Weil…“, miaute Socke, sprach aber eher mit seinen Vorderpfoten, „Naja, ich mag dich, Veilchenpfote. Und, wenn du gehst, würde ich gerne mitkommen…“ Veilchenpfote bekam heiße Ohren. Sie mochte Socke auch! Und er war bereit, alles, was er kannte, für sie aufzugeben, obwohl sie sich erst seit zwei Sonnenaufgängen kannten! Anstatt etwas zu sagen, drückte sie ihre Nase gegen seine und begann, zu schnurren.

    „Guten Morgen!“, rief Chili so laut, dass nicht nur die Schüler, Socke und Pepper aufwachten, sondern auch irgendwo ein Vogel aus einem Baum flüchtete. „Ist was?“, fragte Schneepfote erschrocken und suchte die Umgebung mit den Augen nach möglichen Gefahren ab. „Alles in Ordnung. Der Tierarzt ist offen! Ich habe gerade Floh mit seinem Hausmensch gesehen. Sie sind gerade reingegangen!“, erzählte Chili. „Super!“, rief Schneepfote und den anderen Schülern war anzusehen, wie erleichtert sie waren. „Wie kommen wir da rein?“, fragte Igelpfote. „Die Hausläute da wissen, dass ich komme und gehe. Wie wir das mit euch machen, ist eher eine Frage“, antwortete Chili. „Würden sie es merken, wenn du eine weitere Katze mitnehmen würdest?“, fragte Schwarzpfote. „Kann sein. Ich weiß nicht viel über die“, miaute Chili. „Und wenn wir wieder durch ein Fenster reingehen?“, fragte Veilchenpfote. „Da gibt es nicht so viele Möglichkeiten. Moment! Das Wartezimmer! Da ist das Fenster meistens offen! Allerdings sind da auch die meisten Hausläute. Wir könnten es trotzdem versuchen“, schlug Chili vor. Pepper meinte: „Mir ist das zu hoch. Ich war früher mal mit meinem Federlosen Vogel da und für einen so alten Kater wie mich ist das nichts mehr. Ich halte draußen Wache.“
    Die Zweibeiner staunten nicht schlecht, als sie sie sahen, wie sich einige Minuten später sieben Katzen durch das Fenster zwängten. Ein Zweibeinerjunges deutete quietschend auf die Katzen und schien Schneepfote besonders süß zu finden. Die Mutter des Jungen sagte aber etwas und das Junge sagte nichts mehr, sah die Katzen aber noch immer neugierig an. „Blattstern?“, fragte Igelpfote. „Blattstern, wir holen dich wieder zum Donnerclan zurück!“, ergänzte Hellpfote, doch sie erhielten keine Antwort. „Sie ist wohl nicht hier!“, miaute Schneepfote enttäuscht. Plötzlich hob einer der Zweibeiner Schneepfote auf. Diese kreischte erschrocken und biss dem Zweibeiner in die Hand, welcher sie dann jaulend fallen ließ. „Kommt uns ja nicht zu nahe!“, fauchte Schwarzpfote und stellte sich schützend vor die anderen Katzen. „So macht man das nicht!“, miaute Chili kopfschüttelnd und sprang auf den Schoss des Zweibeiners. Sie ließ ein leises Schnurren ertönen und sprang weiter zu einer Frau, die in einer Transportbox einen braun- getigerten Kater mit sich führte. „Hallo, Floh!“, miaute Chili, „Was machst du denn wieder hier?“ „Eine Wunde hat sich entzündet“, antwortete der Kater, „Aber sag mir, wer diese Katzen da sind. Oh, warte! Da ist Socke! Hi, Socke, komm mal her! Schön dich zu sehen, Bruder! Wurdest wohl auch endlich adoptiert, was?“ „Eigentlich nicht“, gab Socke zu, sprang aber zu seinem Bruder. „Oh, dann bist du abgehauen?“, fragte Floh und seine Augen leuchteten, „Wie spannend! Erzähl mal!“ „Floh, wir haben eine wichtige Frage!“, wickelte Socke ihn ab. „Ja?“, fragte Floh. „Weißt du, wo die braun- getigerte Katze ist? Also, die mit den verletzten Hinterbeinen?“ „Ja. Die haben sie gestern Abend abgeholt, die Zweibeiner. Vermutlich muss sie sich jetzt daheim erholen. Aber was heißt daheim? Sie hat erzählt, sie kommt aus dem Wald! Spannend, hm? Da wäre ich auch gerne! Sie sprach vom Jagen von Beute, von ihrer Familie, ihrer Position im Clan, den Bräuchen, die sie da so haben und und und,…“ „Wo ist sie jetzt?“, unterbrach Schwarzpfote ihn. Die Schüler waren Floh noch immer nicht näher gekommen, doch Schwarzpfote sprang bereits zu ihm, die anderen taten es ihm gleich. Flohs Zweibeinerin schien das nicht allzu toll zu finden, tat aber nichts. Stattdessen unterhielt sie sich mit einem anderen Zweibeiner und lachte. Vermutlich fand sie es seltsam, dass alle Katzen zu ihr gingen. „Wo sie jetzt ist? Lass mich nachdenken. Sie sagte nichts über die Reise mit dem Monster. Aber der Zweibeiner kommt mit ihr sicher wieder. Hier war mal so ein Kater, der hat sich auch ein Bein gebrochen und er hat erzählt, er hatte öfters mal Kontrolltermine hier gehabt. Sie kommt also bestimmt wieder!“ „Und wann?“, fragte Igelpfote. „Weiß ich nicht“, gab Floh zu.
    Plötzlich rief ein Zweibeiner etwas und die Zweibeinerin von Floh nahm seinen Transportkäfig und verschwand mit ihm in ein Zimmer. „Nein, hinterher!“, rief Hellpfote und sprang so schnell er konnte durch die zufallende Tür. Schwarzpfote, Schneepfote und Chili schafften es gerade noch hinterher, doch vor Igelpfote, Veilchenpfote und Socke schwang die Tür wieder zu. „Und jetzt?“, fragte Igelpfote. „Wir warten. Es kann nicht lang dauern, bis die da rauskommen“, miaute Veilchenpfote.
    Während sich Hellpfote, Schwarzpfote, Schneepfote und Chili in eine Ecke drückten, um nicht gesehen zu werden, sprang Floh aus seinem Käfig. Schwarzpfote merkte erst jetzt, wie groß Floh war. Mindestens 24 Zentimeter. „Was passiert jetzt?“, fragte Schneepfote. „Ein anderer von den Hausläuten wird ihn untersuchen!“, erklärte Chili. Floh verdrehte die Augen. Er wusste genau, dass sie da waren.
    Als die Tierärztin kurz den Raum mit Flohs Zweibeiner verließ, miaute der Kater: „Habt ihr gehört?“ „Was?“, fragte Hellpfote verwirrt. „Na, was die Hausläute besprochen haben“, miaute Floh und verdrehte seine Augen erneut. Chili grinste. „Floh, ich sagte doch bereits, dass sich die meisten Katzen nicht damit beschäftigen, was Hausläute reden“, miaute die feuerrote Kätzin. Floh seufzte, Chili flüsterte: „Ja, das sind seine Hobbys. Kämpfen und versuchen, zu verstehen, wie die Hausläute funktionieren. Und vielleicht noch wachsen.“ „Das habe ich jetzt aber gehört“, miaute Floh, „Aber gut. Wollt ihr jetzt wissen, was die Hausläute gesagt haben?“ Als er von den Katzen heftigen Bestätigungen in Form von Nicken, nervösem Scharren der Krallen und leisen „Ja!“ Rufen hörte, sagte er: „Sie sprachen über eure Freundin. Sie sagten, ihr Bein verheile gut. Sie schien irgendwie gestorben zu sein, lebt aber immer noch. Das verstehe, wer kann. Dann sagten sie einiges, was ich nicht verstanden habe und dann sagten sie, der Zweibeiner, der sie gefunden hatte, sei direkt neben der Hausdame, die mich behandelt, zuhause oder so.“ Ratlos sah Schneepfote zu Floh: „Aber wir wissen doch auch nicht, wo sie wohnt!“ Floh sah zu Chili. Ein breites Grinsen zog sich über sein Gesicht, Chili teilte den Ausdruck. „Schon mal mit einem Monster gefahren?“, fragte Chili. Im Nachhinein meinte Floh, noch nie so entsetzte Blicke von Katzen gesehen zu haben, wie nach dieser Frage.

    „Nein?“, antwortete Schwarzpfote. „Und wir haben es auch nicht vor!“, quietschte Schneepfote dazwischen. Floh grinste noch breiter, sofern das überhaupt noch möglich war: „Willkommen in der Welt der Hauskätzchen! So was ist Alltag. Und wir zwingen euch noch nicht mal in enge Boxen, ab in ein anderes Nest der Hausläute zusammen mit Hunden und Spritzen zu gehen.“ Schneepfote machte ein undefinierbares Geräusch. „Wir besitzen kein Monster!“, warf Schwarzpfote ein. „Wir nicht. Aber die Hausdame, die mich untersucht hat. Und in dem fährt ihr heimlich mit und findet eure Blattstern“, miaute Floh. Keine der anderen Katzen konnte mehr etwas sagen, weil die Zweibeiner zurückkehrten. Vorsichtig schlichen sie sich heraus und stießen auf Igelpfote, Veilchenpfote und Socke. „Wir wissen jetzt, wohin wir müssen!“, strahle Hellpfote. Er strömte Selbstbewusstsein, Optimismus und Kampfgeist aus, was Schwarzpfote sich stärker fühlen ließ. Aber da war noch etwas anderes. Etwas, was er nicht definieren konnte und trotzdem genau wusste, was es war.

    In das Monster einzusteigen, gestaltete sich als schwieriger als gedacht. Und das nicht, weil die Katzen es nicht schaffen würden, ungesehen in den offenen Kofferraum zu klettern, – trotz der Kälte, immerhin war schon später Januar – Und auch nicht, weil die Katzen ein paar Minuten brauchten, um sich von Pepper und Chili zu verabschieden, sondern weil Socke den Clankatzen folgte. „Socke? Wohin gehst du?“, fragte Chili. Socke seufzte. Seine Augen waren rund vor Trauer, als er Chili ansah. „Mein Herz hat einen anderen Weg als den einer gewöhnlichen Hauskatze gewählt“, miaute er. „Was meinst du?“, fragte Chili, sah aber so aus, als wüsste sie, was er meinte. „Ich weiß, hier bin ich aufgewachsen. Aber ich werde keinen Tag länger darauf warten, von irgendeinem der Hausläute abgeholt zu werden. Ich … Ich gehe in den Wald. Mit den Clankatzen. Mit Veilchenpfote“, erklärte er. „Aber du hattest doch gar keine Gelegenheit, dich von Floh zu verabschieden! Und du kannst doch sowieso nicht einfach gehen!“, rief Chili. Socke senkte den Kopf. „Die Entscheidung ist schwer. Und ich würde sie nie einfach so leichtfertig treffen. Aber…“, miaute er, wurde aber von Chili unterbrochen: „Du gibst also alles was du kennst für eine Katze auf, die du gerade mal ein paar Sonnenaufgänge kennst?“ Socke zögerte mit seiner Antwort keine Sekunde: „Ja. Ich weiß, das ist schwierig zu verstehen und ich selbst verstehe mein Herz auch nicht, aber…“ „Aber du liebst sie“, endete Chili. Auch ihre Augen waren kugelrund und glänzten, vermutlich waren Tränen darin. „Ich wünsche dir ein schönes Leben, Bruder. Möge dein Herz dir den richtigen Weg gezeigt haben“, miaute sie tonlos. Socke schien noch etwas trauriger zu werden, als sie diese Worte nutze und sagte: „Ich wünsche dir ein Leben voller Abenteuer, Schwester. Möge dein Verstand dich das richtige tun lassen. Und sag Floh, dass ich sage, dass ich ihm ein verständnisvolles Leben wünsche. Möge seine Stärke ihm den Weg zeigen, ein langes Leben zu führen.“ Chili legte ihre Nase gegen die von Socke, welcher die Berührung erwiderte. „Warum kommst du nicht mit? Floh könnten wir auch noch schnell holen!“, schlug Schneepfote vor. Chili schüttelte den Kopf. Sie schien etwas sagen zu wollen, doch stattdessen rollte eine Träne über ihre Wange. Socke blieb einen Bruchteil einer Sekunde stehen. Sollte er seine Geschwister wirklich für die fremde Clankatze zurücklassen? Als er jedoch Veilchenpfote ansah, wusste er, dass sie nicht fremd war. Auch wenn sich sein Verstand sträubte, wusste er doch, dass sein Herz schon lang wusste, wer sie war. Veilchenpfote war nicht irgendeine Kätzin. Sie war seine Liebe. Ohne noch etwas zu sagen, sprang er mit den anderen Katzen in den Kofferraum des Monsters. Er wusste, dass er Chili und Floh das letzte Mal gesehen hatte. Sein Leben hier war vorbei. Eine neue Geschichte begann ihren Lauf zu nehmen. Und er wusste, dass er daraus nie mehr rauskommen würde, selbst, wenn er es wollte.

    Der Zweibeiner hatte die Katzen beim Losfahren nicht bemerkt. Die Fahrt dauert nicht besonders lang, doch die Katzen waren nervös gewesen. „Ob wir Pepper, Chili oder Floh je wiedersehen?“, überlegte Schneepfote, sprach ihre Gedanken aber nicht aus. Sie wunderte sich über Socke und Veilchenpfote. Sie saßen nah aneinandergeschmiegt da, als würden sie sich schon ewig kennen. „Wie kann er alles, war er kennt, nur einfach so aufgeben?“, fragte sich Schneepfote, schwieg aber weiterhin. Hellpfote sah in die Ferne und schien gerade nur körperlich anwesend zu sein, seine Gedanken waren irgendwo, weit, weit weg. Schwarzpfote legte seinen Schweif auf den von Hellpfote, woraufhin dieser leicht zusammenzuckte, sich dann aber an seinen Baugefährten schmiegte. Igelpfote hatte sich zusammengerollt und beobachtete Socke mit Schlitzaugen, als würde sie gerade ähnliche Gedanken wie Schneepfote haben.

    Schneepfote war so in Gedanken vertieft gewesen, dass sie gar nicht mitbekam, wie sie mit den anderen Katzen das Monster verließ und Hellpfote als erster das Monster vor einem Zweibeinernest schlafend vorfand und die anderen darauf aufmerksam machte, indem er rief: „Seht mal, da ist das Monster des Zweibeiners, der Blattstern entführt hat!“ Langsam pirschte er darauf zu, doch Igelpfote bremste ihn. „Wir brauchen einen Plan! Oder willst du nur mit Glück versuchen, Blattstern zu befreien?“, fragte sie. „Mit Hartnäckigkeit“, verbesserte Hellpfote sie, sah dann aber ein, dass sie recht hatte. „Was hast du vor?“, fragte Schneepfote. Igelpfote überlegte, schien aber keine gute Antwort zu finden. „Wir können warten, bis es dunkel wird. Dann kann ich in das Nest, ohne, dass ich befürchten muss, dass man uns bemerkt. In der Dunkelheit bin ich so gut wie unsichtbar. Und wenn nicht mal Ahornschweif mich gesehen hat, schafft es ein Zweibeiner ganz bestimmt nicht“, schlug Schwarzpfote vor. „Und was tun wir dann?“, fragte Veilchenpfote. Hellpfote klappte die Ohren zurück. „Du sollst da nicht alleine rein! Was, wenn du nicht mehr zurückkommst? Wir kommen natürlich mit!“, miaute er. „Aber umso mehr wir sind, umso eher werden wir gesehen“, widersprach Schwarzpfote. „Ich komme einfach mit!“, miaute Socke, „Ich bin fast genauso schwarz wie Schwarzpfote!“ „Aber…“, begann Veilchenpfote, wurde jedoch von Igelpfote unterbrochen: „Wir wissen nicht, ob wir ihm vertrauen können!“ Veilchenpfote warf Igelpfote einen bösen Blick zu und sagte: „DU weißt es vielleicht nicht, aber ICH weiß, dass man das sehr wohl kann!“ „Leute“, zischte Hellpfote, „Jetzt mal im Ernst! Wir können Schwarzpfote da nicht alleine reinschicken, selbst wenn Socke mitkommt!“ „Vielleicht sollten wir uns aufteilen?“, schlug Schneepfote vor, „Zwei von uns könnten einen sicheren und schnellen Ausgang bewachen, während Socke und Schwarzpfote Blattstern suchen, die anderen beiden könnten in der Zwischenzeit einen sicheren Platz zum Schlafen suchen und vielleicht auch jagen.“ „Gute Idee! Aber was verstehst du unter Ausgang?“, wollte Igelpfote wissen. „Es muss irgendwo schnell rausgehen, falls der Zweibeiner sie bemerkt. Diesen Ausgang könnten wir jetzt schon suchen“, erklärte Schneepfote. „Gut. Ich denke, wir sollten es so machen. Gut gedacht, Schneepfote!“, sagte Schwarzpfote, woraufhin Schneepfote rot vor Freude wurde. Ihre Idee könnte helfen, Blattstern zu finden!
    Der Ausgang war schnell gefunden. Eine Dachrinne, welche zu einem leicht gekippten Fenster führte, bildete das ideale Gerüst, ungesehen in das Haus zu kommen. Schneepfote war nervös auf die Nacht. Während sie und Hellpfote im Garten Wache halten würden, würden Igelpfote und Veilchenpfote jagen gehen. Schneepfote atmete tief durch. Sie würde das hinkriegen!
    Die Nacht kam schneller, als es ihr lieb war. Sie zitterte, was nicht nur an der Kälte lag. Kaum waren Schwarzpfote und Socke im Nest verschwunden, witterte Schneepfote den Geruch von Schnee. „Glaubst du, es wird schneien?“, fragte sie. „Hoffentlich nicht!“, antwortete Hellpfote, „Diesen Winter sind wir vom Schnee ziemlich verschont geblieben und ich hoffe, dass das so bleibt!“ Leider behielt Schneepfote recht. Eine halbe Stunde später flogen dicke Flocken vom Himmel auf die beiden Katzen, doch das war ihre kleinste Sorge. „Wo bleiben die nur so lange?“, fragte Hellpfote und scharrte nervös in der eiskalten Erde. „Ob Igelpfote und Veilchenpfote einen guten Unterstand gefunden haben?“, murmelte Schneepfote und drückte sich dichter an ihren Bruder, um der Kälte zu entkommen. „Bestimmt!“, sagte Hellpfote und hoffte, dass seine Zuversicht richtig war.

    Schwarzpfote tappte durch die Dunkelheit. Socke stolperte ihm hinterher. Man merkte, wie ungewohnt die Dunkelheit für ihn war. „Wie kannst du hier nur so normal laufen?“, fragte Socke. Schwarzpfote verstand, was er meinte. Seine Schritte waren so sicher wie im Tageslicht. „Ich weiß nicht“, antwortete er Socke, doch das stimmte nicht. Schwarzpfote war in der Nacht öfter wach. Er wollte jemandem etwas sagen, von dem er dachte, dass es sonst niemanden etwas angehe. Die Nacht sah er dafür als am geeignetsten an, da außer der Nachtwache niemand wach war. Doch er brachte nie den Mut auf, das, was er sagen wollte, endlich loszuwerden, weshalb er die Nacht dann oft dazu nutzte, die entsprechende Katze anzusehen. Inzwischen tat er das schon so lang, dass ihm der Unterschied zwischen Tag und Nacht nicht mehr so auffiel.
    Es musste schon einige Zeit vergangen sein, als er Blattsterns Geruch endlich wahrnahm, doch als er ihn hatte, lief er so schnell er konnte in die Richtung. Socke bemühte sich, hinterherzukommen und Schwarzpfote musste zugeben, dass das nicht einfach für ihn sein konnte, doch seine Gedanken waren woanders.
    „Blattstern?“, fragte er, als er den Körper einer schlafenden Tigerkatze sah. Diese sah auf. Sobald sie ihn sah, riss sie ihre Augen erstaunt auf. „Schwarzpfote!“, schnurrte sie und setzte sich mühsam auf, „Wie kommst du hierher?“ „Lange Geschichte! Wir müssen dich hier jetzt erst mal rauskriegen, Blattstern!“, schnurrte der Kater und presste sich gegen sie. „Oh, Schwarzpfote“, seufzte sie und leckte ihn liebevoll übers Ohr. So saßen sie für fast eine Minute, als Socke schließlich sagte: „Tut mir leid, dass ich unterbreche, aber wir müssen…“ Schwarzpfote nickte. „Stimmt. Blattstern, kannst du laufen?“, wendete er sich an seine Ziehmutter. „Ja, ich denke schon“, antwortete sie mit zusammengepressten Zähnen und stand auf. Sie humpelte einige Schritte und Schwarzpfote merkte, dass sie etwas Weißes um ein Bein gebunden bekommen hatte. Auf diesem Bein trat sie nicht auf. „Über die Dachrinne klettern kann sie damit aber unmöglich!“, raunte Socke Schwarzpfote zu und Schwarzpfote merkte, dass Socke wohl recht hatte, doch Blattstern miaute: „Ich kann damit sogar mehr als ihr denkt. Seitdem ich an der Wunde gestorben bin, erholt es sich langsam. Durch die Trennung vom Sternenclan braucht es nur etwas länger, denke ich.“ „Du bist gestorben?“, fragte Socke und schien überhaupt nicht zu verstehen, was Blattstern meinte, „Du lebst doch!“ Socke warf Schwarzpfote einen verwirrten Blick zu. „Wie viele Leben hast du noch?“, fragte Schwarzpfote besorgt. „Genug“, war Blattsterns Antwort. Schwarzpfote schien mit dieser Antwort nicht zufrieden zu sein, doch Blattstern sagte nichts mehr dazu, schien es aber zu bemerken. Socke hingegen verstand die Welt nicht mehr.
    Über die Rinne zu klettern erwies sich als ziemlich schwierig. Das war nicht nur, weil Blattstern sich mit nur drei Beinen hinunterquetschen musste, sondern auch, weil Schnee fiel, welcher die Rinne kalt, nass und rutschig machte. Glücklicherweise schafften die Katzen es trotzdem ohne Zwischenfälle runter.
    Schwarzpfote hörte, wie Blattstern leise schnaufte, als sie unten angekommen war. „Ich hoffe, sie schafft es zurück in den Clan“, überlegte Schwarzpfote und musterte sie vorsichtig. Schneepfote und Hellpfote, welche beide schon ganz nass vom Schnee waren, entdeckten Blattstern gerade und kuschelten sich an sie. „Mama!“, schnurrte Schneepfote, „Ich dachte schon, wir hätten dich für immer verloren!“ „Meine Jungen“, schnurrte Blattstern, drückte sich dicht an die beiden und zog mich sanft dazu. „Veilchenpfote und Igelpfote sind gerade auf der Suche nach einem Unterstand für die Nacht“, berichtete Hellpfote, „Du kannst doch gehen?“ „Ja, wenn auch nicht besonders schnell“, antwortete Blattstern.
    Bald schon hatten die Katzen Veilchenpfote und Igelpfote gefunden, welche beide überglücklich reagierten, dass Blattstern endlich wieder da war. Sie hatten einen Baumstumpf gefunden, welcher vorne hohl war und einen idealen Unterstand bildete. Außerdem hatten sie gejagt, doch hier hatten sie kaum etwas erwischt. Zwei magere Mäuse waren alles gewesen, was sich hatte blicken lassen.
    Als die Katzen am nächsten Morgen aufwachten, bemerkten sie, wie viel Schnee über Nacht gefallen war.
    „Wir sollten so schnell wie möglich zurück zum Clan“, meinte Igelpfote. Blattstern nickte. „Auf dem Weg dahin könnte sich der schwarze Kater ja vorstellen“, sagte sie. Socke schien zu verstehen, dass davon seine Aufnahme in den Clan abhing und man merkte, dass er leicht nervös wurde, es aber unter Kontrolle hatte.
    „Ich bin Socke, begann er, „Und ich habe Igelpfote, Schneepfote, Hellpfote, Schwarzpfote und Veilchenpfote kennengelernt, als sie dich gesucht haben. Sie sind beim Tiernest vorbeigekommen, wo ich früher wohnte, zusammen mit zwei anderen Katzen, einigen Hunden und noch ein paar Kleintieren. Dort haben wir auf Chili gewartet, welche uns zu Floh geführt hat, welcher wusste, wo du bist.“ „Oh, ja. Ich erinnere mich an den riesigen Kater“, antwortete Blattstern, „Und auch an die feuerrote Kätzin.“
    Schwarzpfote hörte Socke nicht zu, weil er seine ganze Konzentration auf Blattstern gelenkt hatte. Ihm war aufgefallen, dass sie ihr verletztes Bein noch immer nicht benutzte.
    Trotzdem schafften die Katzen es ein weites Stück, bis es langsam dämmerte. Inzwischen war es so kalt, dass Pfützen, an denen sie vorbeigekommen waren, zugefroren waren. In einem kleinen Wald machten die Katzen Rast und wollten sich einen geschützten Platz für die Nacht suchen. „Ich kann jagen gehen“, schlug Hellpfote vor. „Ich würde auch mitkommen!“, meinte Schwarzpfote. „Ich auch!“, sagten Veilchenpfote, Igelpfote, Schneepfote und Socke gleichzeitig. „Hellpfote und Schneepfote wären im Schnee am besten getarnt“, sagte Blattstern, „Außerdem sollten manche von uns nach einem geschützten Platz für die Nacht Ausschau halten.“
    Schlussendlich gingen Schneepfote, Hellpfote, Socke und Veilchenpfote jagen, während sich die anderen um einen Schlafplatz kümmerten. „Sollten nicht Igelpfote oder ich statt Socke gehen? Wir wissen nicht, wie gut er jagen kann“, wisperte Schwarzpfote Blattstern zu. „Einen von euch brauchen wir als Nachtwache, die anderen beiden sollten eine sichere Stelle finden und einer muss dann den Jägern zeigen, wo wir sind. Da wir nicht wissen, wie gut Socke darin ist und noch einige andere jagen, habe ich mich dafür entschieden, ihn auch noch als kleine Jagdunterstützung zu nehmen.“ „Verstehe“, antworte Schwarzpfote.
    Auch wenn er Blattstern als Mutter sah, brachte er ihr großen Respekt gegenüber. Er wusste, dass er sich nicht gegen ihre Entscheidungen zu widersetzen hatte. Trotzdem spürte er einen kleinen Stich im Herzen, als er einen Pelz, der fast mit dem Schnee verschmolz, weggehen sah, ohne, dass er sagen konnte, was er diesem Donnerclanmitglied sagen wollte. „Ich habe noch genug Chancen dazu“, sagte er sich selbst, doch irgendwie wusste er, dass er sich nicht wirklich traute, diese drei kurzen Worte zu sagen.
    „Der Baum scheint geeignet zu sein!“, unterbrach Blattstern seine Gedanken. Sie sah zu einem umgestürzten Baum, dessen Zweige so dicht waren, dass er einige trockene Stellen bot. „Ich kann als erste Wache halten!“, meinte Igelpfote. „Und ich könnte die anderen hohlen“, schlug Schwarzpfote vor. Blattstern stimmte dankend zu. Schwarzpfote merkte, wie sie leise stöhnte. „Vielleicht finde ich etwas für dein Bein“, sagte Schwarzpfote. „In der Blattleere“, sagte Igelpfote ironisch und Schwarzpfote musste zugeben, dass die Chancen, auf Mohnsamen zu treffen, kaum existierten.

    Schwarzpfote folgte den Gerüchen seiner Clangefährten sowie dem von Socke und er entdeckte Veilchenpfote schon sehr bald. Sie hatte einen Vogel und eine Maus gefangen, welche aber beide so mager waren, dass kaum drei Bissen daran waren. „In der Kälte schlafen die meisten Beutetiere leider“, sagte sie mit hängendem Kopf. „Ich weiß“, antwortete Schwarzpfote und er beschrieb ihr den Weg zum Lager. „In Ordnung“, nickte Veilchenpfote, „Ich hole noch schnell Socke, der ist hier ganz in der Nähe und du kannst schon Schneepfote und Hellpfote suchen.“ „Woher weißt du eigentlich, dass du Socke vertrauen kannst? Wir kennen ihn kaum“, wechselte Schwarzpfote das Thema. „Eigentlich weiß ich es gar nicht“, erklärte Veilchenpfote, „Das sagt mir einfach mein Herz. Und ich glaube, es hat recht.“ „Heißt das, man sollte einfach auf sein Herz hören, obwohl manche Katzen die Entscheidung, die dabei herauskommt, wohl nicht gutheißen würden?“, fragte Schwarzpfote, als seine Erinnerungen an jemanden zurückkamen. „Solange es niemanden schadet, sollte man immer auf sein Herz hören, denke ich. Wer sonst soll wissen, was man wirklich will?“, fragte Veilchenpfote und sprang davon, um Socke zu suchen. „Wer sonst?“, frage sich Schwarzpfote und fühlte plötzlich eine Bestätigung, doch der Geruch eines Kaninchens lenkte ihn ab. Obwohl er nicht zum Jagen eingeteilt war, folgte er der Spur, welche ihn zu einem zugefrorenen See führte. „Hier?“, fragte Schwarzpfote sich, doch seine Nase täuschte ihn nicht.
    Also tastete er sich vorsichtig über die spiegelglatte Oberfläche des Sees. Die Spur des Kaninchens war hier stärker und die Gruppe brauchte dringend Nahrung. Ein leises Knacken lenkte ihn ab. War das das Eis gewesen? Nein, darüber durfte er sich jetzt keine Gedanken machen. Er war ohnehin schon zu weit auf dem zugefrorenen See, um ohne Beute zurückzukommen. Der schwarze Kater suchte die Oberfläche mit seinen Augen nach dem Kaninchen ab, welches hier irgendwo in der Nähe sein musste, als er plötzlich ein schon etwas lauteres Knacken vernahm. Vorsichtig drehte er sich um. Er sah ein, dass es zu gefährlich war, hier weiterhin oben zu bleiben. Seine Pfoten waren von der Kälte inzwischen steif und er trottete nur langsam in Richtung Ufer zurück, auch, um das Eis nicht zu sehr zu belasten. Ein weiteres Knacken. Noch eins. Und noch eins. Der ganze See schien nicht mehr sicher zu sein. Als sich ein tiefer Riss vor ihm auftat, erkannte Schwarzpfote den Ernst seiner misslichen Lage und sprang über den Spalt. Sein Schwanz streifte die Wasseroberfläche, er verlor den Halt und spürte, wie die eisigen Wellen in verschlangen. Er wollte schreien, doch Wasser drang ihm in Mund, Nase und Ohren. Panisch strampelte er sich nach oben, nur um von einer weiteren Welle untergetaucht zu werden. Er versuchte, sich an der Eisscholle festzuklammern, doch dort, wo er sich festhielt, begann sie zu brechen und erneut wurde er von der eisigen Dunkelheit verschluckt. „Veilchenpfote!“, rief er, doch sie war zu weit weg, um ihn hören zu können. Sein Versuch, aufzutauchen, blieb erfolglos. Ihm war zu kalt, um sich noch richtig bewegen zu können und er war zu schwach, um sich nach oben zu reißen. Langsam näherte er sich dem Grund des Sees. Seine Lungen brannten und er verschluckte Wasser. Luftblasen stiegen aus seiner Nase in Richtung Loch, in das er gefallen war, doch Schwarzpfote hatte es aus den Augen verloren. Er schloss seine Augen und befürchtete, dass seine Lungen jeden Moment zerplatzen würden. Er bekam kaum mehr mit, wie ein weiterer Körper ihm hinterher sprang und krampfhaft versuchte, ihn an die Oberfläche zu ziehen.

    „Schwarzpfote, nein!“, hörte er einen leisen, verzweifelten Ruf und spürte, dass ihm jemand das Fell gegen den Strich leckte. Er bemerkte, dass ein nasser, aber weicher Pelz sich an seinen zitternden drückte. „Geh nicht in den Sternenclan, bitte nicht! Ich … Ich liebe dich doch!“, miaute die Stimme brüchig und die Katze drückte sich dichter an seinen Pelz, sofern das überhaupt noch möglich war. „Hellpfote?“, keuchte Schwarzpfote und hustete eine Menge Wasser aus. „Oh, Schwarzpfote, du lebst!“, seufzte die Stimme, die Hellpfote gehörte, erleichtert und Hellpfote fuhr fort, das Fell seinen Clangefährtens zu trocknen. „Du liebst mich?“, stotterte Schwarzpfote und hustete noch einmal einige Züge Wasser aus. Hellpfote nickte. „Schon lang. Aber ich verstehe natürlich, wenn das nicht auf Gegenseitigkeit beruht“, miaute er, ohne mit dem Lecken aufzuhören. Schwarzpfote wurde warm vor Glück und er miaute: „Doch! Ich … Ich habe mich nur nicht getraut, es dir zu sagen!“ „Wirklich?“, fragte Hellpfote und er hielt kurz inne, um Schwarzpfote ansehen zu können, welcher zwar noch immer zitterte, doch nun auch leise schnurrte. „Ja“, antwortete Schwarzpfote und rieb seinen Kopf gegen Hellpfotes Kinn. Auch Hellpfote schnurrte leise, wurde nach einigen Minuten aber wieder ernst. „Kannst du laufen?“, fragte er. Schwarzpfote nickte und rappelte sich auf. Seine Beine zitterten und er fühlte sich, als würde er jeden Moment umfallen, doch er schaffte es, einige Schritte zu laufen, ohne zu taumeln. Als er jedoch ins Stolpern geriet, fing Hellpfote ihn sofort mit der Seite. „Wir müssen es zu den anderen schaffen“, miaute er und Schwarzpfote sah ein, dass er Recht hatte.
    „Was ist denn mit euch passiert?“, fragte Schneepfote, welche sie auf dem Rückweg sahen. „Schwarzpfote hat sich dazu entschieden, baden zu gehen“, sagte Hellpfote. Schwarzpfote bewunderte ihn dafür, wie er seine Anspannung unter Sorglosigkeit versteckte. „Was war denn?“, fragte Schneepfote erneut. „Wir erklären es im Lager“, sagte Schwarzpfote, weil er die Geschichte nicht gleich zweimal erzählen wollte. Kaum waren sie dort, mussten die beiden Kater auch gleich erzählen, was passiert war.

    „Ist dir kalt?“, fragte Hellpfote. Schwarzpfote war zuerst etwas orientierungslos, bis ihm klar wurde, dass er unter dem umgefallen Baum zusammen mit den anderen Katzen lag. „Ein wenig“, gab er zu. Hellpfote drückte sich schüchtern etwas näher an ihn. „Wie steht es denn jetzt zwischen uns?“, fragte er, „Noch weiß ja keiner, dass wir, also, dass wir uns unsere Liebe gestanden haben.“ Schwarzpfote war sich nicht sicher, worauf Hellpfote hinauswollte, also wartete er ab, dass Hellpfote weitersprach. „Ich meine, zwei Kater, das ist, nun ja, ungewöhnlich, oder?“, fragte er. Er verzog den Mund zu einem Lächeln, aber man merkte, wie angespannt er war. „Stimmt. Es ist ungewöhnlich“, antwortete Schwarzpfote, „Und vermutlich wird es auch nicht allen gefallen. Aber ist das so wichtig? Ich meine, ich liebe dich wirklich, Hellpfote. Dabei sind mir so kleine Details wie deine Fellfarbe oder dein Geschlecht egal. Und ob das den anderen Katzen gefällt, oder eben nicht, interessiert mich dabei nicht.“ „Du hast recht, Schwarzpfote“, schnurrte Hellpfote und er kuschelte sich dichter an ihn, „Ich liebe dich auch wirklich! Und ich denke, das wird uns der Sternenclan nicht verbieten!“ „Und selbst wenn, dann wäre es mir egal!“, ergänzte Schwarzpfote in Gedanken. Er hätte nie gedacht, dass Hellpfote genauso fühlte. Hellpfote wirkte immer so perfekt. Mutig, witzig, motivierend, immer gut drauf und weder zu nachdenklich, noch zu wenig. Und jetzt liebte Hellpfote einfach einen Kater! Ihn! Schwarzpfote war so glücklich! Und eigentlich machte Hellpfote dass nicht weniger perfekt. Wen würde ihre Liebe schon stören? Niemand hatte ein Recht, dem Herzen zu befehlen, was es fühlen sollte! Hatten das seine leiblichen Eltern auch gedacht? Kann sein. Aber sie waren zu weit gegangen! So sehr er Hellpfote auch liebte, er würde für ihn niemanden unschuldigen töten.

    Schwarzpfote wachte auf. Er merkte, dass Hellpfote sich in der Nacht ganz dicht an ihn gekuschelt hatte und ihn somit etwas aufgewärmt hatte. Vorsichtig betrachtete er ihn. Hellpfote war so hübsch. Sein Fell wirkte fast so weiß wie der Schnee, sein Gesicht war zu einem friedlichen Schlaf verzogen. Er zuckte kurz im Schlaf und drehte seinen Kopf zur Seite. Ein kaum auffallender Riss in seinem Ohr fiel Schwarzpfote ins Auge. Er musste noch vom Kampf mit der Streunerbande stammen. „Oh, Hellpfote! Ich hätte nie gedacht, dass du mich auch liebst“, flüsterte Schwarzpfote schnurrend. „Guten Morgen, Schwarzpfote!“, sagte Blattstern plötzlich. „Du bist schon wach?“, fragte Schwarzpfote und hoffte, dass sie ihn nicht gehört hatte. „Ich habe nachgedacht“, antwortete Blattstern und schien zu überlegen, ob sie weitersprechen sollte und entschied sich nach kurzem Überlegen dafür, „Ich kann nicht ganz sicher sagen, ob ich es zurück in den Clan schaffe. Oder genauer, ob es überhaupt einer von uns schafft. Und wenn nicht, will ich nicht, dass ihr als Schüler sterbt.“ Sie unterbrach sich kurz. Bestimmt überlegte sie, ob sie weitersprechen sollte. „Ich denke, ich sollte hier eure Kriegerzeremonie abhalten“, sagte sie schließlich. Schwarzpfote wusste nicht, was er antworten sollte. „Brauchen wir nicht erst die Prüfung? Und muss sich der Anführer nicht erst mit dem Mentoren unterhalten?“, fragte Schwarzpfote. „In eurem Fall ist das etwas anderes. Mit eurer Reise habt ihr mir schon lang gezeigt, dass ihr alle die Kriegerherzen habt.“ „Wieso sagst du das nur mir?“, wollte Schwarzpfote wissen. Blattstern lächelte mild und stand auf. „Komm!“, sagte sie und ging zu einer Schneepfütze, in der sich die beiden Katzen spiegelten. „Was siehst du?“, fragte sie und ging einen Schritt zurück. „Ähm, also, nur mich“, antwortete Schwarzpfote. „Wirklich?“, fragte Blattstern, „Also, ich sehe einen jungen Kater, der mehr Loyalität, Mut und Liebe als so mancher Krieger in sich trägt.“ „Ich bin nur ein gewöhnlicher Schüler“, wehrte Schwarzpfote ab. „Es kommt nicht auf das Alter einer Katze an. Auch nicht um ihren Status oder ihren Clan. Unsere Taten machen uns aus. Und mit deiner Entscheidung, mich zu suchen, hast du bewiesen, dass du weit mehr als nur ein gewöhnlicher Schüler bist. Das hast du mir eigentlich schon gezeigt, als du Echo entgegengetreten bist“, sagte Blattstern.
    Blattstern Worte hallten in Schwarzpfotes Kopf nach. Er wusste nicht genau, wie er damit umgehen sollte. In Gedanken durchlebte er die Reise noch einmal. „Ich denke, in dieser Reise habe ich endlich herausgefunden, wer ich bin. Und selbst wenn ich dabei draufgehe, ich werde dafür sorgen, dass Echo nie wieder jemandem etwas antut!“, versprach er sich selbst, „Und wenn ich etwas verspreche, dann halte ich es!“

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