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Gold's Warrior Stories: Staffel 1; Band 1 Verbotene Liebe

"Das Schicksal des langen Klangs wird von einer Feder und einem Wolf entschieden werden"

    1
    Staffel 1; Buch 1; Verbotene Liebe

    Donnerclan:
    Anführer: Blattstern
    Braun – getigerte Kätzin mit gelben Augen
    2. Anführer: Baumharz
    Schwarz – weißer Kater mit grünen Augen
    Heiler: Löwenzahn
    Sandfarbener Kater mit gelben Augen
    Krieger: Adlerfeder
    grauer Kater mit gelb – grünen Augen
    Mohnblüte
    Dunkelgrau – getigerte Kätzin mit blauen Augen, Mentorin von Minzpfote
    Ahornschweif
    Roter Kater mit gelben Augen; Mentor von Braunpfote
    Mausezahn
    Schwarz – weißer Kater mit grünen Augen
    Weißtatze
    Weißer Kater mit etwas längerem Fell und grün – blauen Augen
    Schüler: Minzpfote
    Graue Kätzin mit blauen Augen; Tochter von Blattstern und
    Adlerfeder
    Braunpfote
    Braun – getigerter Kater mit gelben Augen; Sohn von Blattstern und
    Adlerfeder
    Königinnen: Rehbein
    Kleine, braune Kätzin mit weißen Tupfen und grünen Augen; Partnerin von
    Ahornschweif; Mutter von Echojunges, Federjunges und Wolfsjunges
    Älteste: Streifenpelz
    grau – getigerter Kater mit blauen Augen
    Wespenstachel
    Sandfarbene Kätzin mit braunen Augen

    Schattenclan:
    Anführer: Kieselstern
    Großer, schwarzer Kater mit grünen Augen
    2. Anführer: Mohnglanz
    Schwarze Kätzin mit blau – grauen Augen
    Heiler: Fuchsblut; Mentor von Glutpfote;
    Roter Kater mit blauen Augen
    Krieger: Bienenstachel
    Sandfarbener Kater mit bernsteinfarbenen Augen
    Rosenkralle
    Dreifärbige Kätzin mit blauen Augen
    Nebelnacht
    Dunkelgraue Kätzin mit braunen Augen
    Ahornblatt
    Roter Tigerkater mit grün – blauen Augen
    Wurzelbein
    Schwarz – weißer Kater mit blauen Augen
    Haselblüte
    Sandfarbene Kätzin mit gelben Augen

    Schüler: Zurzeit Keine
    Königinnen: Graspelz
    Dreifärbige Kätzin mit gelben Augen; älteste Königin im
    Ganzen Wald; Partnerin von Baumfall
    Älteste: Baumfall
    Weißer Kater mit bernsteinfarbenen Augen
    Windclan:
    Anführer: Sonnenstern
    Cremefarbene Kätzin mit blauen Augen
    2. Anführer: Gansfeder
    Kleine, weiße Kätzin mit braunen Augen
    Heiler: Graublüte
    Hellgrau – getigerte Kätzin mit bernsteinfarbenen Augen
    Krieger: Vogelschnabel
    Schwarzer Kater mit gelben Augen
    Moorkralle
    Dunkelgrauer Tigerkater mit hellblauen Augen
    Wolfspelz
    Weißer Kater mit grünen Augen
    Schüler: Eispfote
    Ganz hellgrauer Kater mit sehr hellblauen Augen
    Tigerpfote
    Braun – getigerte Kätzin mit bernsteinfarbenen Augen
    Königinnen: Kaninchenohr
    Sandfarbene Kätzin mit weißen Tupfen und grünen Augen;
    Mutter von Sandjunges und Taujunges; Partnerin von
    Wolfspelz
    Älteste: Kirschblatt
    Weiße Kätzin mit blauen Augen, fast taub und blind
    Sonnenblume
    Braun – getigerte Kätzin mit gelben Augen

    Flussclan:
    Anführer: Abendstern
    Alter, dunkelgrauer Tigerkater mit grau – blauen Augen
    2. Anführer: Froschteich
    Junger, roter Kater mit bernsteinfarbenen Augen;
    Heiler: Moospelz
    Schwarz – weißer Kater mit braunen Augen
    Krieger: Krähenhauch
    Dunkelgrauer Kater mit gelben Augen; bildete Waldpfote
    fertig aus, da seine Mentorin in die Kinderstube umzog
    Kirschblüte
    Sandfarbene Kätzin mit weißen Stellen auf der Brust, dem
    Bauch und den Pfoten
    Rabenfeder
    Schwarzer Kater mit weißer Schwanzspitze und grau – blauen
    Augen; ehemaliger Streuner; Mentor von Farnpfote
    Fischauge
    Schwarz -Weißer Kater mit grauer, rechter Vorderpfote
    Und blauen Augen; Mentor von Eulenpfote

    Schüler: Eulenpfote
    Weiße Kätzin mit grauen Sprenkeln und grünen Augen;
    Tochter von Kirschblüte und Krähenhauch
    Waldpfote
    Schwarzer Kater mit dunkelgrünen Augen; Sohn von
    Kirschblüte und Krähenhauch
    Farnpfote
    Grau – schwarzer Kater mit gelben Augen; Sohn von
    Kirschblüte und Krähenhauch
    Königinnen: Traumsee
    Dreifärbige Kätzin mit gelben Augen; Partnerin von
    Rabenfeder; Mutter von Buntjunges und Nachtjunges
    Älteste: -







    PROLOG
    Löwenzahn legte sich in sein Nest. Die Blattleere war erst seit Kurzem vorbei, keine Katze war am Grünen Husten gestorben. Moment, es stimmte nicht ganz: Seine Schwester Blattfall wurde vor kurzem erst zur Anführerin. Eines ihrer Leben hatte sie dank der schlimmen Krankheit jedoch einbüßen müssen.
    Löwenzahn schlief trotzdem bald ein. Plötzlich fand er sich beim Mondstein wieder. Eine Katze saß davor. Es war seine Schwester Schneefall, die erst vor kurzem von einem Streuner ermordet worden war. Sie begann zu sprechen: „ Das Schicksal des langen Klangs wird von einer Feder und einem Wolf entschieden werden.“ Im Hintergrund war weit entferntes Kampfgeschrei von Katzen zu hören. Dann begann sie zu verblassen. „Schneefall, warte! Was meinst du damit?“, rief Löwenzahn, doch er erhielt keine Antwort.
    Der Kater fuhr aus dem Schlaf hoch. Der Traum war vorbei, doch Löwenzahn wurde nicht schlau daraus. „Ich spreche demnächst lieber mit Blattstern“, beschloss er. Die Sonne ging gerade auf und nur die Jungen von Rehbein rauften spielerisch in der Mitte des Lagers. „Langsam könnten sie Schüler werden“, überlegte Löwenzahn. Eigentlich hätte es sehr schön sein können, doch der Heiler wusste nicht, was der Traum bedeuten sollte, was in unruhig machte.
    Kaum hatte Blattstern die Patrouillen eingeteilt, sprach Löwenzahn sie auch schon an: „Guten Morgen, Blattstern, wir müssen reden.“ „In Ordnung!“, gähnte diese. Plötzlich war er sich nicht mehr sicher, ob diese Idee so gut war, immerhin kannte er den Sinn der Prophezeiung noch nicht. „Also, was ist?“, riss sie ihn aus seinen Gedanken. Jetzt gab es kein Zurück mehr. „Schneefall hat mir etwas prophezeit“, miaute er, dann wiederholte er die Worte der Sternenclankätzin:„Das Schicksal des langen Klangs wird von einer Feder und einem Wolf entschieden werden.“ „Hast du eine Ahnung, was das bedeuten könnte?“, fragte Blattstern. Der Kater wollte zuerst verneinen, doch dann ging ihm plötzlich ein Licht auf. „Rehbeins Jungen könnten gemeint sein!“, flüsterte er. Blattstern legte den Kopf schief. „Es sind Junge, Löwenzahn. Glaubst du das wirklich? Außerdem heißt keines davon Klangjunges“, zweifelte Blattstern. „Aber eines heißt Echojunges. Ein Echo ist auch ein Klang. Außerdem sind sie schon alt genug, um Schüler zu werden. Du hast selber gesagt, du hast dir schon Gedanken darüber gemacht, wer die Mentoren für sie sein sollen“, widersprach Löwenzahn. „Ich vertraue dir, aber ich denke etwas anderes“, miaute Blattstern. „Was denkst du?“, fragte Löwenzahn. „Ich denke, dass es sich hier vielleicht um Katzen aus verschiedenen Clans handelt. Im Windclan gibt es zum Beispiel einen Wolfspelz.“ „Aber ich kenne keine Katze, die Echo – Irgendwas oder Feder – Irgendwas heißt“, erklärte Löwenzahn. „Vermutlich hast du recht“, gab Blattstern zu, „Aber es sind Junge. Ergibt das für dich einen Sinn?“ „Nein“, miaute Löwenzahn, „Aber ich denke, der Sternenclan weiß, was er tut.“
    Kapitel 1
    „Alle Katzen des Donnerclans, die alt genug sind, ihre eigene Beute zu machen, mögen sich unter dem Hochfelsen versammeln!“, rief Blattstern, die Anführerin des Donnerclans, „Ich möchte heute zwei Katzen zu Kriegern machen: Braunpfote!“ Der Kater trat vor. „Der Sternenclan ehrt deine Disziplin und deinen Wissensdurst. Vom heutigen Tage an wirst du Braunnase heißen!“ Glücklich schnurrend presste der junge Kater seine Stirn gegen die von Blattstern. Dann wurde Minzpfote gerufen, die sofort einen Schritt nach vorne trat. „Der Sternenclan ehrt deine Neugierde und Kreativität. Vom heutigen Tage an wird dein Name Minzblatt sein!“ Auch sie stieß ihren Kopf gegen den ihrer Anführerin. Die anderen Katzen riefen: „Braunnase, Minzblatt!“ Etwas später sagte Blattstern: „Ich bin noch nicht fertig. Wir werden nun auch noch drei neue Schüler bekommen: Wolfsjunges! Von heute an wirst du Wolfspfote heißen. Dein Mentor wird Mausezahn! Ich hoffe, du wirst deine Fähigkeiten im Jagen und dein Kampfgeschick gut an Wolfspfote weitergeben!“ Wolfspfote presste ihre Stirn zufrieden gegen die von Mausezahn, Blattstern fuhr aber schon fort: „Federjunges, vom heutigen Tag an heißt du Federpfote! Dein Mentor wird Weißtatze sein! Ich bin mir sicher, er wird sein gutes Urteilsvermögen und seine Weisheit an dich weitergeben“ Glücklich schnurrend presste auch Federpfote ihren Kopf gegen ihren neuen Mentor. „Und nun, sagte Blattstern, „Echojunges! Von heute an heißt du Echopfote! Dein Mentor wird Adlerfeder sein! Hoffentlich wird er seine Fähigkeiten im Spurenlesen und Anschleichen gut an dich weitergeben!“ Echopfote drückte auch ihre Stirn gegen die des Kriegers. Die anderen Katzen riefen die neuen Namen der Schüler und der Krieger. Stolz lag in den Blicken der neuernannten Katzen. In Löwenzahns Blick lag aber auch etwas anderes, etwas …. fast schon Misstrauisches. Doch niemand bemerkte es. Blattstern wollte schon vom Hochfelsen springen, um zu zeigen, dass sie fertig war, doch Baumharz sprang zu ihr hinauf und flüsterte ihr etwas ins Ohr. Sie zuckte mit der Schwanzspitze. Baumharz sagte noch etwas und Blattstern schien ihm zuzustimmen. Dann wandte sie sich an den Donnerclan: „Baumharz hat mir soeben mitgeteilt, dass ich nichts davon gesagt habe, dass seine Patrouille heute Morgen Flussclangeruch auf unserer Seite der Grenze gewittert hat.“ Weiter kam sie nicht, denn die meisten Katzen begannen, durcheinander zu reden. „Bestimmt sind das Beutediebe!“, knurrte Mausezahn. „Oder sie spionieren uns aus, um uns anzugreifen!“, befürchtete Mohnblüte. Streifenpelz fauchte: „Wir sollten sie angreifen, bevor sie es tun!“ „Ruhe!“, rief Blattstern, „Wir werden den Flussclan nicht angreifen, da wir nicht wissen, wieso er die Grenze übertreten hat. Ihr sollt einfach nur die nächste Flussclanpatrouille, die ihr seht, fragen, was sie auf unserem Territorium verloren hat. Ich bin mir sicher, dass sie mit keiner bösen Absicht die Grenzen nicht respektiert haben.“ Damit sprang sie vom Hochfelsen.
    Wolfspfote strahlte: „Könnt ihr euch vorstellen, dass wir nun Schüler sind?“ „Irgendwie nicht. Das ist so unglaublich!“, antwortete Federpfote, doch sie wurde schon von Echopfote unterbrochen: „Wir werden die besten Krieger sein, die der Wald jemals gesehen hat!“ „Wenn du meinst….“, murmelte Federpfote, „ich bin ja schon glücklich, wenn ich eine durchschnittliche Kriegerin werde!“ „Lasst uns unsere Nester machen!“, schlug Wolfspfote vor und zusammen trugen sie frisches Moos in ihren neuen Bau.
    „Du bist mir auf den Schweif getreten, Federpfote!“, beschwerte sich Echopfote. „Entschuldigung“, antwortete die Kätzin, „ich suche nur nach einer passenden Stelle für mein Nest.“ „Zum Glück müssen wir später nur noch ein einziges Mal in den Kriegerbau oder vielleicht noch ein zweites Mal in den Königinnenbau umziehen und dann wieder zurück in den Kriegerbau!“, maunzte Wolfspfote. „Ihr vielleicht!“, gab Echopfote zurück, „ich wäre gerne Anführerin!“ „Das glaubst du doch selber nicht!“, kiekste Federpfote und Wolfspfote sprang spielerisch auf die Schultern ihrer Schwester. Die beiden kugelten dann auf dem Boden durch den Bau, ohne auf Federpfote zu hören, die rief: „Hey, passt auf! Unsere Nester!“ Plötzlich steckte Rehbein den Kopf in den Schülerbau „Schlaft gut!“, miaute sie zärtlich. „Mama, wir sind keine Jungen mehr!“, protestierte Wolfspfote, als Rehbein jeder der drei einmal über das Ohr leckte. Nur Federpfote schnurrte leise. Dann ging Rehbein in den Kriegerbau und die Wurfgefährtinnen legten sich auch hin.
    Kaum eine Sekunde schien vergangen zu sein, als Mausezahn den Kopf in den Schülerbau steckte. „Guten Morgen“, begrüßte er sie, „Lust, euer erstes Training zu absolvieren?“ Wolfspfote, Federpfote und Echopfote sprangen sofort auf. „Trainieren wir zusammen?“, fragte Federpfote hoffnungsvoll. Weißkralle nickte. „Da ihr alle das Territorium kennenlernen müsst, können wir heute ruhig zusammenbleiben“, erklärte er. Federpfote ließ ein leises Schnurren hören. Voller Neugierde folgten die Schülerinnen ihren Mentoren. Plötzlich hörten sie etwas im Gebüsch rascheln. Wolfspfote wollte darauf zuspringen, doch Mausezahn hielt sie auf. „Immer erst angreifen, wenn du weißt, was du angreifst!“, mahnte er sie. Die Wurfgefährtinnen schnupperten. „Eine Maus, oder?“, fragte Federpfote. Echopfote sprang darauf zu, erwischte sie jedoch nicht. „Ich habe sie nicht erwischt“, maunzte die junge Kätzin enttäuscht. „Wie denn auch, ohne ein einziges Mal gehört zu haben, wie man Mäuse richtig fängt?“, schnurrte Adlerfeder. „Können wir das jetzt lernen?“, bat Wolfspfote. „Jetzt lernt ihr erst mal unser Territorium kennen“, miaute Weißtatze.
    Nachdem sie schon einige Zeit gelaufen waren, trafen sie auf eine Flussclanpatrouille. Sie bestand aus einem jungen, schwarzen Kater, welcher wohl noch ein Schüler war, einem dunkelgrauen Kater und einem roten Kater. „Hallo Krähenhauch! Sei gegrüßt, Froschteich!“, begrüßte Weißtatze den dunkelgrauen und den roten Kater. Adlerfeder und Mausezahn nickten ernst. „Guten Morgen!“, wurden auch sie von den beiden Flussclankatern begrüßt, „Braucht ihr etwas?“ „Nein, uns geht es gut, aber wir haben letzten Sonnenaufgang Flussclangeruch auf unserem Territorium gefunden“, erzählte Adlerfeder. „Das tut uns Leid!“, miaute Froschteich, „Aber Buntjunges und Nachtjunges sind vor einem Sonnenaufgang ausgebüxt und Buntjunges ist in den Fluss gefallen. Wir mussten euer Territorium betreten, um sie da wieder rauszuholen.“ „Wir verstehen!“, sagte Adlerfeder, „Der Sternenclan sei mit euch!“ „Mit euch auch!“, verabschiedeten sich die Flussclankater. Die Donnerclankatzen gingen einige Schritte in Richtung Lager. „Wo ist Echopfote?“, fragte Adlerfeder plötzlich. „Hier!“, rief die Kätzin und eilte von der Grenze zwischen Flussclan und Donnerclan zu ihren Clankameraden. „War nur in Gedanken…“, murmelte sie. Also gingen die Katzen zurück in das Lager. „Ich erzähle Blattstern, warum die Flussclankatzen die Grenze übertreten haben“, beschloss Adlerfeder. „Glaubst du ihnen den?“, fragte Mausezahn skeptisch. „Schon. Junge machen nun manchmal Blödsinn beim Spielen“, schnurrte Adlerfeder. Weißtatze stimmte ihm zu: „Ich glaube ihnen auch. Der Duft ging nicht weit in unser Territorium.“



    Kapitel 2
    Drei Monde vergingen, bis eines Tages folgendes passierte:
    Mausezahn sagte: „Wenn ihr möchtet können wir heute wieder mal alle zusammen auf Jagdpatrouille gehen, das haben wir schon länger nicht mehr gemacht.“ Die Schülerinnen waren dafür. „Ich liebe gemeinsame Patrouillen!“, schwärmte Federpfote. So ging es los.
    „Möchte jemand sagen, wo wir jetzt sind?“, fragte Adlerfeder die Schülerinnen. „ Ganz nah bei der Grenze beim Flussclan!“, miaute Echopfote, ohne zu zögern. „Und was riecht ihr?“, bohrte Mausezahn nach. „ Alten Flussclangeruch! Er ist vielleicht von vor zwei Sonnenaufgängen“, antwortete Federpfote. „Aber auf unserer Seite des Territoriums!“, quickte Wolfspfote alarmiert. „Ihr habt Recht!“, stellte Weißtatze fest. „Nicht schon wieder!“, knurrte Mausezahn. „Wir gehen zu Blattstern!“, beschloss Adlerfeder, „Sofort!“ Mausezahn murmelte zustimmend, Weißtatze setzte sich bereits in Bewegung. Die Schülerinnen mussten sich anstrengen, überhaupt noch hinterher zu kommen, so schnell liefen ihre Mentoren. Im Lager angekommen, gingen Mausezahn, Adlerfeder und Weißtatze direkt zu Blattstern. Echopfote wunderte sich allerdings: „Ist das denn wirklich so schlimm? Vielleicht haben die Flussclankatzen die Grenze ja nur versehentlich übertreten! Oder es ist eine Katze beim Fischen in den Fluss gegangen und ist auf der falschen Seite wieder auf das Ufer geklettert.“ Federpfote antwortete: „Ich stimme dir zu. Immerhin herrscht Frieden!“ „Das kann sich aber immer ändern!“, stellte Wolfspfote fest, „aber wenn sie einen Krieg anzetteln wollen, kriegen sie meine Krallen zu spüren!“ „Na, na, na, wie redet ihr denn da?“, wunderte sich Rehbein, die gerade zufällig in der Nähe stand. „Da war Flussclangeruch auf unserem Territorium!“, erzählte Wolfspfote prompt. „Du glaubst, sie würden angreifen?“, quietschte Federpfote. „Warum nicht?“, wollte Wolfspfote wissen. „Dann bin ich um jeden Krieger froh, der das Gesetzt der Krieger achtet und die Grenzen nicht übertritt!“, stellte Federpfote fest. Echopfote zuckte zusammen. „Ist etwas, Echopfote?“, fragte Rehbein. „Nein!“, stotterte Echopfote, „ich habe nur gerade dasselbe wie Federpfote gedacht.“ „Keine Sorge, Abendstern fängt nicht allzu schnell einen Streit an!“, tröstete Rehbein ihre Jungen. Mohnblüte saß etwas weiter entfernt mit einem Stück Frischbeute, doch als sie hörte, was Rehbein sagte, verschluckte sie sich fast daran. Dann näherte sie sich Rehbein und fragte: „Du sprichst schon von dem Abendstern, der den Flussclan anführt?“ „Ich beruhige sie doch nur“, murmelte Rehbein. „Ich kenne niemanden, dessen Stolz so schnell verletzt ist wie seiner. Außer vielleicht Streifenpelz….“, antwortete Mohnblüte. Federpfote sah sie mit großen Augen an. „Musste das jetzt sein?“, fragte Rehbein. „Ist schon gut „, beruhigte Ahornschweif, der gerade dazu gestoßen war, „sie müssen die Wahrheit doch kennen!“
    In dieser Nacht schlief Federpfote schlecht ein. Immer wieder wachte sie auf. Als es schon fast so dunkel war, dass selbst sie kaum noch etwas sehen konnte, beschloss sie, mit ihren Wurfgefährten zu sprechen. „Echopfote? Wolfspfote?“, fragte sie leise und stupste vorsichtig den gräulich – silbernen Pelz von Wolfspfote an. „Ist was?“, murmelte diese schlaftrunken, doch Federpfote drehte sich schon in Richtung Echopfote. Doch ihr Nest war leer! „Echopfote ist weg!“, quietschte sie. „Was?“, rief Wolfspfote leise. Schon war sie hellwach. „Wir müssen es jemandem sagen!“, sagte Federpfote, „Unseren Eltern oder Blattstern oder unseren Mentoren oder….“ Weiter kam sie nicht. Wolfspfote hatte ihre Pfote auf das Maul von Federpfote gelegt. „Wir gehen sie selber suchen, sonst kriegt sie vielleicht Ärger“, murmelte sie. „Aber im Wald sind möglicherweise Füchse… oder Flussclankrieger!“, protestierte Federpfote. „Hast du etwa Angst?“, schnurrte Wolfspfote. „Natürlich nicht!“, wisperte Federpfote. „Dann los!“, trieb Wolfspfote ihre Schwester voran.
    „Und wir folgen ganz sicher ihrer Spur?“, wisperte Federpfote. „Ich erkenne den Geruch von Echopfote, wenn ich ihn rieche! Und das tust du auch, du hast nur Angst!“, zischte Wolfspfote. Etwas freundlicher fügte sie hinzu: „Aber keine Sorge, ich mache mir auch Sorgen um sie!“ Federpfote nickte. Sie spürte die Anspannung ihrer Schwester förmlich in ihrem Pelz knistern. Wieso wollte sie nur nicht zugeben, dass sie genauso viel Angst hatte, wie Federpfote selbst?

    „Fuchsdung, wir haben die Spur verloren! Hier waren so viele Katzen, wir sind wieder an der Flussclangrenze!“, murrte Wolfspfote nach einer Weile. „Wir sind genau richtig!“, widersprach Federpfote, „Schau!“ Wolfspfote blickte auf. Dort stand Echopfote. Aber da war noch eine zweite Katze bei ihr, eine, die Flussclangeruch trug.

    „Schön dich wieder zu treffen!“, schnurrte die Katze.
    „Ein Kater!“, wisperte Wolfspfote, doch diesmal war sie es, der man die Pfote auf das Maul drückte. „Ich will das hören!“, zischte Federpfote.

    „Ich habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich dich hier treffe!“, murmelte Echopfote. „Heißt das, du willst unsere Treffen beenden?“, fragte der Kater. Seine Augen waren voller Trauer. „Natürlich nicht, du Mäusehirn!“, schnurrte Echopfote, „ich wollte es dir nur sagen!“ „Weißt du, Echopfote, ich mag dich!“, schnurrte der Kater, „ich mag dich sogar sehr. Mehr noch, als eine normale Freundin.“ „Heißt das, dass du mich liebst?“, fragte Echopfote. „Ja“, schnurrte der Kater. Nun schnurrte auch Echopfote und drückte sich dicht an den Kater. „Ich liebe dich auch, Waldpfote!“ „Nicht Waldpfote!“, miaute der Kater, „Ich wurde gestern zu Waldpelz!“ „Wie schön!“, freute sich Echopfote für ihn. Sie blieben einige Minuten dicht aneinandergepresst stehen, bis Echopfote schließlich ernst wurde: „Waldpelz, heute haben wir Flussclangeruch auf unserer Seite des Territoriums wahrgenommen. Und dieser Geruch stammt von dir! Ich habe natürlich so getan, als wäre ich total verwundert, aber wir müssen irgendetwas tun. Wir haben unsere Gerüche letztes Mal wohl nicht gut genug überdeckt.“ „Was sagt deine Anführerin dazu?“, wollte der Kater wissen. „Sie hat dem Clan noch nichts gesagt, aber sie weiß Bescheid. Ich habe mitgekriegt, wie die Krieger, die auf dieser Patrouille waren, mir ihr darüber gesprochen haben.“ „Auf einer Patrouille mit Abendstern und Fischauge habe ich deinen Geruch auch bemerkt, aber ich weiß nicht, ob Fischauge oder Abendstern auch etwas davon bemerkt haben“, erklärte Waldpelz. „Ich glaube aber, dass Blattstern ihn auf der großen Versammlung darauf ansprechen wird“, gab Echopfote zu bedenken. „Abendstern ist furchtbar stolz. Vermutlich wird er den Donnerclan beschuldigen, seinen Clan schlecht aussehen zu lassen, damit alle Clans den Flussclan als Beutediebe sehen.“ „Kann das zu einen Krieg führen?“, fragte Echopfote. „Vermutlich. Frischbeute zu stehlen, kann einem Clan leider schnell vorgeworfen werden“, antwortete Waldpelz.

    Wolfspfote merkte, wie nervös Federpfote war. „Die Sonne geht bald auf!“, flüsterte Federpfote, „Löwenzahn steht oft früh auf, um Kräuter zu sammeln. Was, wenn er uns findet?“ „Wir müssen ihnen ein Zeichen geben, du hast Recht!“, stellte Wolfspfote fest. Sie sah zu einem mittelhohen Baum, dessen obere Äste noch über Waldpelz und Echopfote hingen. Sofort zog sich Wolfspfote daran hoch, dicht gefolgt von Federpfote. Kaum waren sie oben, rissen sie einige Blätter ab, die sie langsam auf die beiden Katzen hinabsegeln ließen.

    Die beiden Katzen sahen nach oben. „Die Sonne geht auf!“, stellte Waldpelz erschrocken fest. Sofort begannen die beiden Katzen damit, ihren Geruch zu überdecken und ihn sich ordentlich aus dem Fell zu lecken. „Treffen wir uns morgen wieder?“, fragte Echopfote. Waldpelz sah sie an: „Morgen ist eine große Versammlung.“ „Dann werden wir hoffentlich beide zum Mitkommen erwählt!“, murmelte Echopfote und sprang davon.


    Wolfspfote und Federpfote rannten ihrer Schwester hinterher. „Sollen wir ihr sagen, dass wir sie erwischt haben?“, fragte Federpfote während dem Rennen. „Nicht jetzt! Die Sonne geht bald auf, ich möchte nicht, das unser Fehlen auffällt!“, antwortete Wolfspfote.
    Nachdem sie eine Weile gerannt waren, miaute Federpfote: „Wir schaffen es nicht rechtzeitig, ins Lager zu kommen, wenn wir den normalen Weg nehmen. Ich kenne eine Abkürzung, folg mir!“ „Aber was wird dann aus Echopfote?“, wollte Wolfspfote wissen. „Sie wird sich besser rausreden können, wenn wir nicht auch noch dabei sind!“, antwortete Federpfote und Wolfspfote musste ihr zustimmen.

    Kaum waren sie im Lager angekommen, schlüpften sie in ihren Bau. „Echopfote ist wie erwartet noch nicht da“, stellte Federpfote enttäuscht fest. „Ich bin so müde, ich könnte einen ganzen Mond lang schlafen!“, gähnte Wolfspfote. „Ich bin auch müde“, murmelte Federpfote, „aber ich würde vor Sorge um Echopfote kein Auge zu tun!“

    Etwas später hörten sie die Stimme von Minzblatt, die heute Nachtwache gehabt hatte: „ Hallo Echopfote, wo kommst du denn her?“ „Ich war draußen spazieren!“, log sie mit Unschuldsmiene. „Die ganze Nacht?“, hackte Minzblatt nach. „Ich bin im Wald dann eingeschlafen….“, erklärte die junge Katze. Das schien auch Löwenzahn gehört zu haben, der gerade aufstand. Wolfspfote dachte kurz, sie hätte in seinen Augen eine Mischung aus Entsetzen, Misstrauen und Furcht gesehen, doch als sie ihn ein zweites Mal ansah, war etwas in seinen Augen, was sie nicht deuten konnte.

    Auch Blattstern schien gehört zu haben, was Echopfote gesagt hatte, denn sie sagte: „Gut, dann musst du heute nicht mitkommen auf die Versammlung. Schlaf dich aus!“ Echopfote öffnete den Mund, um zu protestieren, doch dann schloss sie ihn wieder. „Danke!“, stammelte sie, dann husche sie in den Schülerbau. „Hallo Echopfote!“, begrüßte Federpfote ihre Wurfgefährtin, doch Wolfspfote sagte nur: „Wir müssen über das, was heute Nacht passiert ist, reden!“ „Was ist denn passiert?“, fragte Echopfote mit Unschuldsmiene. „Das weißt du ganz genau!“, fauchte Wolfspfote und hatte sich zu fast doppelter Größe aufgerichtet (Federpfote fand, dass sie fast schon bedrohlich wirkte), Wir haben nämlich die Blätter auf dich und deinen Ach – so – Tollen Waldpelz geworfen!“ Für einen kurzen Moment war blankes Entsetzen in den Augen von Echopfote zu sehen, doch dann fauchte sie nur: „Ich weiß nicht, wovon ihr sprecht. Und jetzt lasst mich in Ruhe!“


    Kapitel 3

    Wolfspfote gähnte. Obwohl sie und Federpfote noch mal ein paar Stunden geschlafen hatten, war sie noch müde. Sie ließ ihren Blick über die Katzen schweifen, die Blattstern zum Mitkommen ausgewählt hatte: Der 2. Anführer Baumharz, ihren Mentoren Adlerfeder und den von Echopfote, also Weißtatze, sowie Mohnblüte, Minzblatt und Braunnase. Sie selbst und Federpfote durften auch mit.
    Auf dem Weg zum Baumgeviert trafen sie auf die Flussclankatzen. Als sie beim Baumgeviert ankamen, waren die Schattenclankatzen schon da, die Windclankatzen trafen etwas später auch ein. Eine schwarze Kätzin setzte sich zu Wolfspfote und Federpfote. „Hallo, ich bin Glutpfote!“, miaute sie freundlich. „Hallo Glutpfote, ich bin Federpfote und das hier ist Wolfspfote“, stellte Federpfote sich und ihre Baugefährtin vor. „Bist du eine Schattenclankriegerschülerin?“, fragte Wolfspfote. „Ich bin eine Heilerschülerin“, verbesserte Glutpfote die Kätzin. Wolfspfote bemerkte Waldpelz‘ enttäuschten Blick, als er Echopfote nirgendwo sehen konnte. Gerade in diesem Moment kamen auch die Windclankatzen an.
    Sonnenstern gesellte sich zu den anderen Anführern und Kieselstern übernahm als Erster das Wort: „Es geht dem Schattenclan gut. Wir haben eine neue Königin, nämlich Graspelz. Außerdem hat unser Heiler Fuchsblut jetzt eine Schülerin, nämlich Glutpfote.“ Katzen aller Clans riefen den Namen der neuen Schülerin. Mit einem Nicken gab Kieselstern das Wort an Sonnenstern weiter. Diese sagte: „Dem Windclan geht es auch gut. Tigerpfote und Eispfote sind inzwischen zu den Kriegern Tigerschweif und Eisnase geworden.“ Wieder riefen Katzen aller Clans die neuen Namen, dann fuhr Sonnenstern fort: „ Es sind uns allerdings ein paar Füchse begegnet, sie sind in Richtung Flussclan geflohen.“ „Danke für diese Nachricht!“, miaute Abendstern, „Bei uns im Flussclan läuft die Beute gut, es ist alles in Ordnung. Traumsee hat erst vor kurzem ihre beiden Jungen auf die Welt gebracht. Wir haben außerdem drei neue Krieger: Waldpfote, Farnpfote und Eulenpfote wurden zu Waldpelz, Farnkralle und Eulenflügel“ Auch diese neuen Krieger wurden mit Rufen begrüßt. „So, so“, begann Blattstern, „ Es ist alles gut im Flussclan? Dann würde ich gerne wissen, weshalb einer deiner Krieger die Grenze übertreten hat!“ „ Wir haben keine Grenzen übertreten! Und wir haben keine Beute gestohlen, wenn du das glaubst!“, fauchte Abendstern. „Das habe ich nicht gesagt!“, murrte Blattstern, „Ich möchte nur wissen, warum euer Geruch auf unserer Seite des Territoriums zu finden ist!“ „Das ist ja wohl die Höhe!“, fauchte Abendstern, „erst vor ein paar Sonnenaufgängen bemerkten wir euren Geruch auf unserer Seite der Grenze!“ „Überlegt erst einmal, welche Fehler ihr macht, bevor ihr uns anklagt!“, fauchte Froschteich von unten. Baumharz warf ihm einfach nur einen vernichtenden Blick zu. „Lasst diesen Streit!“, mischte sich nun auch Sonnenstern ein, „und betretet einfach kein fremdes Territorium mehr!“ Abendstern wusste zuerst nicht, was er sagen sollte, doch dann wandte er sich wieder an Blattstern: „Gut, Sonnenstern hat recht, lassen wir das. Aber wehe, ihr respektiert die Grenzen wieder nicht!“ „Solange ihr sie respektiert“, antwortete Blattstern, „respektieren wir sie!“ Damit war die Versammlung aufgelöst.

    „Ob Echopfote sehr enttäuscht ist, dass sie nicht mitdurfte?“, murmelte Federpfote. „Sie ist doch selber schuld!“, wisperte Wolfspfote, auch wenn sie kaum noch ihre Augen offen halten konnte.
    Kaum waren sie im Lager angekommen, tapsten die Wurfgefährtinnen in ihren Bau und schliefen sofort ein.

    Es schien nur wenig Zeit vergangen zu sein, als Adlerfeder seinen Kopf in den Schülerbau steckte. „Kommt, es ist inzwischen Sonnenhoch! Wir gehen zusammen auf Patrouille!“ Gähnend folgten die Kätzinnen dem Krieger. Mausezahn und Weißtatze warteten bereits auf sie. „Wohin geht es?“, fragte Echopfote. „Zur Flussclangrenze?“, schlug Wolfspfote vor. „Nein, mit dem hatten wir fürs Erste genug Streit“, antwortete Weißtatze, „wir gehen mitten im Territorium jagen, damit sich der Flussclan nicht angegriffen fühlt.“ „Sehr vernünftig!“, murmelte Federpfote.
    Als die Katzen schon eine Weile gelaufen waren, hörten sie eine Maus im Gebüsch rascheln. Echopfote sprang auf das kleine Tier zu, das sich vor Angst nicht bewegen konnte. Mit einem schnellen Biss tötete sie die Beute. „Gut gemacht!“, lobte Adlerfeder seine Schülerin. Diese sah stolz auf die fette Maus. Nach einiger Zeit hatten sie schon Einiges gefangen und machten sich auf den Rückweg.
    „Könnte nicht jeder Tag so sorglos und schön wie der heutige sein?“, hoffte Federpfote, obwohl sie wusste, dass das nicht ging. Zumindest jetzt nicht. Wo sie und Wolfspfote doch als einzige wussten, dass Echopfote jemanden aus einem anderen Clan mochte. Sie mochte diesen Kater nicht nur. Sie liebte ihn! Federpfote konnte sich selbst nicht vorstellen, jemals einen Kater zu lieben. Vor allem nicht, über das Gesetzt der Krieger hinaus! Allerdings hatten sie so schön zusammen ausgesehen. So vertraut. Sie sah zum Frischbeutehaufen, bei dem ihre Eltern nah aneinandergeschmiegt saßen und sich ein Eichhörnchen teilten. Dann sah sie zu Echopfote, die gedankenversunken in die Leere starrte. Ob sie an Waldpelz dachte? Ihr Blick schweifte zu Wolfspfote, die finster dreinblickte. Vermutlich war sie sauer, weil Echopfote das Gesetzt der Krieger einfach missachtete. Wieso war das eigentlich so kompliziert? Wäre es nicht viel besser, wenn alle vier Clans ein Clan wären? Aber die Anführer würden sich sicher nicht einigen, wer nun den neuen Clan anführen sollte. Außerdem wäre dann wieder dieses Argument gekommen, dass dann die Clans das verlieren würden, was sie auszeichnet. Und irgendwie stimmte das ja.

    Plötzlich kam Wolfspfote auf sie zu. „Wir treffen uns in der Sandkuhle“, sagte sie, „und ich bringe Echopfote mit. Lauf vor, damit es nicht so auffällt!“ Federpfote verstand, dass Wolfspfote mit Echopfote über Waldpelz sprechen wollte, aber ihr war unwohl dabei, niemanden einzuweihen. Gleichzeitig wollte sie, dass niemand ihrer Schwester nachsagen konnte, sie sei nicht treu. Also huschte sie schnell aus dem Lager.
    Kurze Zeit später tauchten Wolfspfote und Echopfote auf. Federpfote hatte kaum „Hallo!“ sagen können, da startete Wolfspfote schon mit ihrer Predigt: „Echopfote, du kannst dich nicht mehr drum herum reden, wir wissen, dass du Waldpelz triffst! Woher kennst du ihn überhaupt? Was willst du von ihm? Ist dir klar, dass ihr beiden einen Krieg zwischen Donner – und Flussclan auslösen könntet? Wieso hast du nicht wenigstens Federpfote und mich eingeweiht?“
    Wolfspfote machte eine kurze Pause, um zu atmen. Diese wurde von Echopfote sofort zur Verteidigung genutzt: „Ich habe ihn öfter mal auf Patrouillen gesehen und mochte ihn sofort. Irgendwann habe ich ihn dann unbemerkt gefragt, ob wir uns in der Nacht treffen können. Er hat Ja gesagt!“ „Was wolltest du denn bitte von ihm?“, bohrte Wolfspfote nach. „Weiß ich nicht“, gestand Echopfote, „aber wir haben uns immer öfter getroffen. Und ich will natürlich nicht, dass unser Clan gegen den Flussclan kämpft!“ „Wieso hast du uns nichts gesagt?“, mischte sich nun auch Federpfote ein. „Weil ich befürchtet habe, ihr würdet mir das ausreden wollen. Ihr seht selber, dass ich damit richtig lag! Ihr wollt es mir jetzt gerade ausreden!“, antwortete Echopfote. „Natürlich!“, fauchte Wolfspfote. „Du verstößt ja auch gegen das Gesetzt der Krieger!“, ergänzte Federpfote. „Federpfote, verstehst du denn nicht? Manchmal gibt es wichtigere Dinge als das Gesetzt der Krieger!“, erklärte Echopfote.
    Wolfspfote sah ihre Schwester verständnislos an. „Aber das heißt doch nicht, dass du ihn wieder treffen willst!“, fragte sie entsetzt. Echopfote schenkte Wolfspfote einen vielsagenden Blick. „Doch!“, antwortete sie, „Ich liebe ihn! Wie schwer ist das zu verstehen?“ Wolfspfote warf ihr einen finsteren Blick zu. Federpfote blickte verwirrt zu ihren Schwestern. Welche von ihnen hatte Recht? Klar, es verstoß gegen das Gesetzt der Krieger, dass Echopfote Waldpelz liebte, doch hatte Echopfote Recht? War Liebe stärker als Grenzen es jemals sein konnten?
    Sie war so in Gedanken versunken gewesen, dass sie gar nicht mitbekam, wie ihre Schwestern begannen, zu streiten. „Du bist so ein Mäusehirn! Selber weißt du, dass du unseren Clan betrügst und trotzdem triffst du dich mit diesem Kater!“, fauchte Wolfspfote gerade. „Wie oft noch? Wir tun niemandem etwas Böses, wenn wir uns lieben!“, antwortete Echopfote schnippisch. „Außer dass Donnerclan und Flussclan möglicherweise einen unnötigen Grenzstreit beginnen, der Leben kosten könnte! Vielleicht dein Leben! Verstehst du denn nicht, dass wir einfach nur die Clans schützen wollen? Das ist doch so, oder Federpfote?“, fragte Wolfspfote. „Was? Ach so, ja klar!“, antwortete Federpfote hastig. „Du stellst dich auch noch gegen mich, wie?“, kreischte Echopfote, „Aber wenigstens habe ich noch Waldpelz, wenn der nicht für mich da wäre, wäre es Niemand!“ „So habe ich das nicht gemeint!“, entschuldigte sich Federpfote. „Dann steh nicht immer auf der Seite von Wolfspfote!“, grollte Echopfote, „Ich werde ihn wieder treffen, mir ist egal, ob ihr das verstehen könnt oder nicht!“ „Das würdest du nicht tun!“, fauchte Wolfspfote. „Sonst?“, fragte Echopfote. „Sonst gehe ich zu Blattstern!“, erklärte Wolfspfote. Bei diesem Satz klappten die Ohren von Echopfote nach hinten, sie hatte ihr Fell aufgeplustert, den Schweif, welcher doppelt so groß geworden war, zwischen den Hinterbeinen eingeklemmt und die Augen zu Schlitzen verengt. „Du würdest mich verraten?“, fragte sie. All die Wut war aus ihr verschwunden, da war nur noch Trauer, Angst und Hilflosigkeit. Auch Wolfpfote schien sich über ihre eigenen Worte erschrocken zu haben, doch ihr blieb keine Gelegenheit, sie zurück zu nehmen. Echopfote lief bereits weg, immer weiter in den Wald hinein. „Echopfote!“, rief Wolfspfote, doch die Kätzin konnte sie bereits nicht mehr hören. Federpfote wollte ihrer Baugefährtin folgen, aber etwas in ihr trieb sie zurück. Wolfspfote war inzwischen ein paar Meter hinter Echopfote hergelaufen, doch Federpfote hielt sie zurück. „Gib ihr Zeit!“, miaute sie beruhigend, „Sie kommt wieder, wenn sie einen klaren Gedanken gefasst hat.“ Wolfspfote sah Federpfote traurig an. „Aber es ist meine Schuld, dass sie wegläuft! Was, wenn sie sich dem Flussclan anschließen will?“, fragte Wolfspfote panisch. „Echopfote ist nicht dumm“, beruhigte Federpfote ihre Baugefährtin, „Sie weiß, dass sie kein offizielles Argument dafür hat.“ „War ich zu hart zu ihr?“, miaute Wolfspfote kleinlaut. „Nein!“, sagte Federpfote nach kurzem Überlegen, „Sie könnten wirklich einen Krieg auslösen.“

    Echopfote lief immer weiter in das Donnerclan – Territorium hinein. Erst nachdem sie kaum noch atmen konnte, blieb sie stehen. Alles war so furchtbar schief gegangen. Wieso hatten ihre Baugefährtinnen ihr Verschwinden nur bemerkt? Sie wusste, eigentlich traf Federpfote und Wolfspfote keine Schuld, doch Verzweiflung machte sich in ihr breit. Was sollte sie nun tun? Sie konnte nicht in den Flussclan, aber konnte sie zurück in den Donnerclan? Was, wenn Wolfspfote sie tatsächlich verraten hatte? Würde sie das tun? Ihre eigene Schwester? Aber hätte sie von sich gedacht, dass sie jemals einen fremden Krieger lieben würde? Heiße Tränen stiegen in ihre Augen. Alles, was sie sah, verschwamm, aber es war ihr egal. Sollte sie den Wald verlassen? Einfach ein neues Leben beginnen? „Das ist vermutlich das Beste“, murmelte sie, doch ihr Herz ließ nicht zu, dass sie den Wald verließ. Sie musste nur an Waldpelz‘ dunkelgrüne Augen denken und alles war wieder gut. Also trabte sie wie ferngesteuert zurück in Richtung Lager.

    Federpfote und Wolfspfote waren inzwischen auch zurück in das Lager gegangen. Währenddessen war Wolfspfote sehr grüblerisch gewesen. Sie stellte sich vor, sie wäre an der Stelle von Echopfote, doch sie konnte ihre Wurfgefährtin trotzdem nicht verstehen. War Echopfote wirklich stur genug, einen Krieg zu riskieren? Wolfspfote schüttelte den Kopf, aber sie war sich nicht sicher, ob das berechtigt war. War ihre Freundschaft mit ihrer Schwester nun eigentlich zerstört? Oder war das ein harmloser Streit, der morgen vielleicht in Vergessenheit geraten würde? Wieso war alles nur so kompliziert? Am liebsten würde sie wie ein Junges aufheulen, aber das würde sie auch nicht weiterbringen.

    Auch Federpfote verstand Echopfote nicht. „Wie kann man nur mit offenen Augen derart ins Unglück rennen?“, fragte sie sich. Aber ihre Gedanken lagen woanders: Was, wenn wirklich ein Krieg ausbrechen würde? Ihr stand das Fell zu Berge, wenn sie nur daran dachte, kämpfen zu müssen. „Sei kein Mäusehirn!“, schimpfte sie mit sich selbst, „Du bist fast Kriegerin!“ Aber das doofe Gefühl der Angst wollte einfach nicht verschwinden. Es war dar. Unumgänglich. Wie ein Bach mit starker Strömung, den sie überqueren wollte: Wenn sie das Schicksal einfach machen ließe, würde es sie an neue, unbekannte Dinge treiben. Aber selbst wenn sie dagegen ankämpfte, war sie nicht stark genug.
    Im Lager fragte zum Glück niemand, wo sie gewesen waren, oder warum Echopfote nicht da war. Nur Löwenzahn hatte wieder diesen unbekannten Blick in den Augen, der sich wie eine Kralle direkt in Wolfspfotes Herz bohrte. Traurig sackte sie am Boden zusammen. Dann kam plötzlich Braunnase auf sie zu „Ist etwas, Wolfpfote?“, fragte er behutsam. Am liebsten hätte sie geantwortet: „Ja, sogar sehr viel! Echopfote liebt einen Flussclankater, ich habe mich heillos mit ihr zerstritten und weiß nicht, wo sie jetzt ist!“ Stattdessen sagte sie: „Nichts Besonderes. Ich habe mich nur ziemlich heftig mit Echopfote gestritten und sie ist beleidigt abgehauen!“ Gleich darauf bereute sie das. Was, wenn Braunnase jetzt nach Details fragte? Doch das tat er nicht. Stattdessen miaute er sanft: „Das wird schon wieder. Als Minzblatt und ich noch Schüler waren, stritten wir auch ständig. Aber später haben wir begriffen, dass Streit uns nicht weiterbringt. Das einzige, was vorantreibt, ist Liebe. Wenn dein Kopf nicht mehr weiter weiß, lass einfach dein Herz entscheiden. Aber verschließe den Kopf nicht ganz.“ Irgendwo tief in sich drinnen, wusste Wolfspfote, dass Braunnase Recht hatte. Aber stimmte das auch für ihre Situation? Denn wenn Echopfote ihr Herz entscheiden ließ, würde es sie dann nicht zu Waldpelz führen?
    Plötzlich tauchte eine braune Kätzin im Lager auf. Es war Echopfote! Wolfspfote ging auf sie zu und flüsterte ihr heimlich etwas ins Ohr: „Echopfote, ich wollte nur….“ Aber die braune Kätzin wisperte nur: „Schülerbau!“
    Also trafen sich Wolfspfote, Echopfote und Federpfote kurze Zeit später dort. „Ich hätte nicht weglaufen sollen!“, murmelte Echopfote. „Du hast einfach Zeit für dich gebraucht. Deswegen machen wir dir keine Vorwürfe“, beruhigte Federpfote ihre Baugefährtin. „Hauptsache ist doch, dass du jetzt weißt, was du tun wirst“, miaute Wolfspfote. „Das weiß ich eben nicht!“, erklärte Echopfote, „Das einzige, was mir klar ist, ist dass ich es mir niemals verzeihen könnte, Waldpelz einfach sitzen zu lassen.“ „Dann geh halt heute Nacht noch einmal zu ihm und erkläre ihm, dass eure Treffen zu gefährlich sind“, schlug Federpfote vor. Echopfote klappte ihre Ohren nach hinten, doch sie nickte: „In Ordnung, ich versuche es!“ „Sollen wir dich begleiten?“, fragte Wolfspfote. „Nein“, antwortete Echopfote, „ich wäre gerne noch ein letztes Mal mit ihm alleine.“ „Das verstehen wir“, miaute Federpfote.
    In der Nacht stahl Echopfote sich dann wieder aus dem Lager. Wolfspfote wollte ihr schon heimlich hinterherschleichen, doch Federpfote hielt sie auf: „Du musst ihr vertrauen, sie wird ihren Fehler wieder gut machen.“ Wolfspfote zögerte, doch dann hörte sie auf ihre Wurfgefährtin und rollte sich in ihrem Nest zusammen. Schlafen konnte sie trotzdem kaum. „Glaubst du, sie schafft es?“, fragte sie Federpfote. „Bestimmt, ich glaube an sie!“, erklärte Federpfote. Wolfspfote war sich nicht so sicher, doch sie sagte nichts mehr. Vielleicht war es gemein von ihr, ihrer Wurfgefährtin nicht mehr zu vertrauen, nur weil sie einmal eine Dummheit gemacht hatte.

    Echopfote war inzwischen bei der Flussclangrenze angekommen. „Waldpelz, bist du da?“, fragte die junge Kätzin. „Ja!“, schnurrte der Kater von der anderen Seite der Grenze. „Schön dich zu sehen!“, fügte er hinzu. „Wir sollten uns nicht….“, weiter kam sie nicht mehr. Sie sah direkt in seine wunderschönen, grünen Augen. Alles war gut, wenn sie diese Augen nur sehen konnte. Es war nicht nötig, Schluss zu machen. Nicht jetzt. Nicht heute. Vielleicht nie. Sie gehörte zu ihm, das wurde ihr jetzt gerade klar. Sie würde seine Welt zerstören, wenn sie einfach ging. Aber das war nur die halbe Wahrheit. Sie würde damit außerdem ihre eigene Welt zerstören. „Was sollten wir nicht?“, bohrte der Kater erschrocken nach, „Du willst doch nicht Schluss machen?“ „Aber nein!“, beruhigte sie ihn, „Das habe ich dir doch letztes Mal schon gesagt. Mein Problem ist halt, dass meine Schwestern wissen, dass wir uns treffen. Sie sind mir letztes Mal heimlich gefolgt, ohne dass ich sie bemerkt habe.“ „Würden sie uns verraten?“, fragte Waldpelz. „Nein!“, antwortete Echopfote bestimmt, obwohl sie sich nicht ganz sicher war. Waldpelz sah Echopfote traurig an. „Was sollen wir jetzt nur tun?“, fragte er und versuchte, so zu tun, als wäre er nicht genau so verzweifelt wie Echopfote. Diese nahm alle ihren Mut zusammen und schlug vor: „Wir könnten weglaufen. Zusammen. Nur wir zwei. Für immer!“ Der Kater sah sie noch trauriger als vorher an. „Ich kann nicht!“, brachte er schließlich hervor, „Ich kann meinen Clan nicht zurücklassen. Es tut mir Leid, Echopfote.“ Echopfote antwortete nicht sofort. Sie musste sich leider eingestehen, dass sie das auch nicht konnte. Der Gedanke, ihre Schwestern zu verlieren, schmerzte ungemein. Aber der Gedanke, dass sie versprochen hatte, mit Waldpelz Schluss zu machen, war genauso schlimm. Dann brach die ganze Geschichte aus ihr hinaus. Wie ihre Schwestern ihr aus dem Lager gefolgt waren, dass sie die Blätter runterfallen gelassen hatten, wie sie sich mit ihnen gestritten hatte und ihr Gespräch im Schülerbau. Hätte sie sich selber stoppen wollen, wäre es ihr wohl nicht gelungen. Danach herrschte kurzes Schweigen, bis Waldpelz plötzlich rief: „Ich hab’s! Wir treffen uns einfach seltener und du behauptest, du hättest dich von mir getrennt!“ Echopfote überlegte. Der Plan könnte funktionieren, doch war sie bereit, ihre Schwestern anzulügen. Sie sah noch ein weiteres Mal in Waldpelz‘ grüne Augen. Für ihn würde sie das tun. Wenn ihre Schwestern herausfinden sollten, dass sie sie belog, würden sie ausrasten. Vielleicht auch zu Recht. „Ich mache das Richtige, auch wenn ich von ihnen nicht erwarte, dass sie das verstehen!“, dachte sie. „In Ordnung!“, schnurrte sie als Antwort und schmiegte sich dicht an Waldpelz. Schnurrend blieben sie fast bis zum Sonnenaufgang so stehen. „Nur wir zwei!“, dachte Echopfote, „Genau jetzt ist alles perfekt.“ Als sie sich voneinander lösten, sog Echopfote noch einmals Waldpelz‘ Geruch ein. Er roch nach Flussclan, aber viel vertrauter, als die meisten Donnerclankatzen. Zum Abschied leckte er ihr übers Ohr. „Treffen wir uns in drei Sonnenaufgängen wieder hier?“, fragte er. „Ja!“, schnurrte Echopfote. Glücklich sprangen die beiden Katzen davon, nicht ohne ihre Gerüche noch schnell zu überdecken.

    Auf den Rückweg hatte Echopfote jedoch ein schlechtes Gewissen. Sollte sie tatsächlich lügen? Durfte sie das? Aber wenn sie es nicht tat, würden ihre Schwestern sicher keine Ruhe geben und wollen, dass sie doch Schluss machte. Warum gab es diese Grenzen nur? Warum waren Waldpelz und sie nur in zwei verschiedenen Clans? War sie eigentlich untreu, wenn sie ihn liebte? Warum war alles so schrecklich kompliziert?
    Inzwischen war es leicht für sie, an Katzen vorbei zu schleichen. Mohnblüte, welche Nachtwache hielt, bemerkte sie nicht, also war sie schnell wieder im Schülerbau. „Hast du wirklich Schluss gemacht?“, begrüßte Wolfspfote sie. „Ja…“, log Echopfote. „Sagte ich doch!“, triumphierte Federpfote, „Wir können ihr vertrauen!“ Bei diesen Worten wäre Echopfote vor Scham am liebsten in den Boden versunken. Sollte sie nun doch ehrlich sein? Das war vermutlich ihre letzte Chance! „Ich bin echt stolz auf dich!“, miaute Wolfspfote inzwischen, „Ich hätte nie gedacht, dass du den Clan dermaßen über deine Gefühle stellen kannst!“ „Ach, ja?“, fragte Echopfote, ohne zu wissen, ob sie jetzt ehrlich sein sollte oder nicht. „Natürlich! Das muss hart gewesen sein“, maunzte Wolfspfote. „Lass sie, Wolfspfote“, sagte Federpfote sanft, „Sie braucht Zeit, um dass, was passiert ist, verarbeiten zu können.“ Mit diesen Worten rollte sie sich in ihrem Nest zusammen und schlief ein. Wolfspfote und Echopfote taten es ihr gleich, doch Echopfote konnte in dieser Nacht kein Auge schließen. Sie wälzte sich von links nach rechts und wieder zurück, streckte sich aus und rollte sich ein, doch sie wollte einfach nicht einschlafen. Was sollte sie jetzt bloß tun? Wer war ihr wichtiger? Der Clan oder Waldpelz?

    2

    Kapitel 4

    Die letzten zwei Tage war Echopfote ziemlich schweigsam gewesen. Sie hatte sich Sorgen gemacht, als sie mit ihrem Mentoren und Mohnblüte bei der Flussclangrenze patrouillierte, aber es war nirgends Waldpelz‘ Duft war zunehmen. Heute Nacht würde sie ihn endlich wieder treffen. Sie schnurrte leise. Ihre Schwestern schliefen bereits, trotzdem wartete sie noch einige Minuten, damit sie sie ja nicht weckte. Der Mond stand schon hoch am Himmel, als sie sich endlich aus dem Lager schlich. Sie wurde nicht von ihrem Vater Ahornschweif bemerkt, welcher Nachtwache hatte. Allerdings hatte sie noch immer ein schlechtes Gewissen, weil sie ihre Schwestern anlog. „Stell dich nicht so an!“, fauchte sie sich selber an. Wieso hatte sie ihren Schwestern nur nicht die Wahrheit gesagt? Aber hätte sie es getan, hätten ihre Schwestern wieder gesagt, dass sie Waldpelz vergessen sollte. Ihre Gefühle wechselten auf dem Weg zu Waldpelz von Aufgeregt, über Traurig und Unentschlossen zu Wütend. Als sie ankam, war Waldpelz bereits bei der Grenze. „Hallo, Echopfote!“, schnurrte er sanft. Sie leckte ihm als Begrüßung zärtlich übers Ohr. Er blinzelte sie langsam an, sie blinzelte noch langsamer zurück. Konnte dieser Moment nicht unendlich sein? Jetzt war sie glücklich. Im Lager war sie das nie. Nicht mit dem schlechten Gewissen, Federpfote und Wolfspfote anzulügen. Waldpelz sah sie wieder mit seinem Waldpelz – Blick an. Sie verlor sich komplett in diesen Augen. Sie zitterte, wenn sie daran dachte, dass sie ihn beinahe auf Wunsch von ihren Baugefährtinnen verlassen hätte. Das könnte ihnen so passen! Beide waren noch nie verliebt gewesen, beide kannten das Gefühl nicht, zwischen Liebe und Treue auseinandergerissen zu werden. „Alles in Ordnung?“, fragte Waldpelz. „Mehr als das!“, schnurrte sie und kuschelte sich näher an den Flussclankater. Nach einer Weile fragte sie: „Wenn wir aufhören, uns zu treffen, sind wir dann schwach, weil wir unser Herz verschließen, oder sind wir stark, weil wir unseren Clan über unsere Gefühle stellen?“ „Beides“, miaute Waldpelz. Das Wort hallte tief in ihr nach. Er hatte Recht. „Aber wir werden doch nicht aufhören? Ich habe in letzter Zeit das Gefühl, dass du Schluss machen willst“, sagte Waldpelz. „Ich würde nie Schluss machen. Ich könnte das gar nicht. Es macht mir nur Sorgen, dass meine Schwestern davon wissen“, miaute Echopfote. Der schwarze Kater rückte ein wenig von Echopfote ab, um ihr in die Augen zu schauen. „Ich denke, du kannst ihnen vertrauen“, maunzte er.
    Als die Sonne aufging, sprangen die beiden Katzen davon, beide in die Richtung ihres Lagers. Keine davon achtete darauf, die Duftspuren zu überdecken. Echopfote war schnell im Lager und kuschelte sich dort gleich in ihr Nest. Niemand hatte ihr Fehlen bemerkt.

    Sie wurde von Weißtatze geweckt, indem dieser Federpfote rief: „Komm Federpfote, wir gehen trainieren!“ „Dürfen Echopfote und Wolfspfote auch mit?“, fragte Federpfote. „Nein, Echopfote und Wolfspfote gehen auf Patrouille mit ihren Mentoren“, erklärte Weißtatze. „Dann bis nachher!“, miaute Federpfote und verließ das Lager mit ihrem Mentor. Etwas später verließen auch Echopfote, Wolfspfote, Mausezahn und Adlerfeder das Lager.

    „Also Federpfote, was würdest du tun, wenn ein Dachs dich angreifen würde?“, fragte Weißtatze seine Schülerin. Federpfote überlegte. Es war schon länger her, dass Weißtatze mit ihr einen Dachsangriff übte. Sollte sie dann auf den Rücken des Dachses springen? Oder wäre es besser, im die Flanke zu zerkratzen? „Ich denke, ich würde auf seinen Rücken springen“, erklärte sie. „Nein, falsch!“, miaute Weißtatze, „Wenn du zu langsam bist und er sich fallen lässt, kann er dich mit Leichtigkeit zerdrücken.“ „Oh!“, murmelte Federpfote. Peinlich berührt sah sie auf ihre Vorderpfoten. „Greif ihn lieber von der Seite aus an. Dachse sind zwar schwerer als Katzen, aber Katzen sind um einiges wendiger“, erinnerte Weißtatze sie. „Am besten, wir üben das noch einmal“, miaute er. Federpfote sah zu Weißtatze. Sie musste auf seine Seite zielen. Also stoß sie sich vom Boden ab, zielte mit eingezogenen Krallen auf ihn – und wurde von ihm zur Seite geschleudert. „Nicht schlecht!“, maunzte er, „aber zu schwach!“ Federpfote rappelte sich auf. Einige versuche später hatte sie es tatsächlich geschafft, seine Seite zu treffen. Nachdem es ihr mehrere Male hintereinander gelungen war, erschwerte Weißtatze es ihr, indem er sich nun auf sie zubewegte. Es brauchte einige Zeit, bis sie es schaffte, ihn auch nur zu berühren. „Versuche nun, mich umzuwerfen, wenn du mich triffst!“, forderte Weißtatze sie auf. „Aber ich könnte doch nie einen Dachs umwerfen!“, protestierte Federpfote. „Ich weiß“, schnurrte Weißtatze belustigt, „Diese Übung sorgt nur dafür, dass du mehr Kraft anwendest. Das kann bei einem Dachs immer nützlich sein.“ Ohne Vorwarnung preschte er auf sie los. Federpfote rettete sich mit einem Sprung auf die Seite. „Federpfote, das war nicht ganz das, was wir gerade besprochen haben“, mahnte ihr Mentor streng, aber freundlich. „Du hast mich gar nicht gewarnt!“, stellte Federpfote verwundert fest. „Würde ein Dachs das tun?“, maunzte Weißtatze mit einer Spur Belustigung in seiner Stimme. „Äh, nein!“, gestand Federpfote. Weißtatze übte noch bis fast zum Sonnenuntergang mit ihr. „Ich habe das Gefühl, dass du besser wirst!“, lobte Weißtatze sie am Ende des Tages. Federpfote seufzte leise. Sie war immer erst dann gut, wenn sie Sachen wiederholte. Sie würde in einigen Sonnenaufgängen wohl wieder tollpatschig einem Dachs gegenüber wirken. „Du wirst es irgendwann auswendig können!“, tröstete Weißtatze sie, als hätte er ihre Gedanken gehört. Dann fügte er hinzu: „Als ich noch ein Schüler war, habe ich auch immer am längsten von allen gebraucht, neue Dinge zu verstehen und im Gedächtnis zu behalten. Aber dafür war ich der Ehrgeizigste von uns dreien.“ „Drei?“, bohrte Federpfote nach. Sie wusste nur, dass Mausezahn der Bruder ihres Mentors war. Dieser erklärte: „Mausezahn und ich hatten noch eine Schwester namens Veilchenpfote. Sie starb noch als Schülerin an einer Krankheit, die unser Heiler nicht heilen konnte, kurz vor unserer Kriegerzeremonie.“ Er sah traurig aus, obwohl er versuchte, es sich nicht anmerken zu lassen. „Das tut mir leid für euch“, sagte Federpfote. „Schon in Ordnung, ich wollte eigentlich keine alten Geschichten rauskramen!“, erklärte er. Schon sah er wieder etwas fröhlicher aus. Sie waren inzwischen am Heimweg, als Federpfote eine Idee hatte. „Weißtatze, wäre es nicht viel einfacher für uns alle, wenn wir nicht vier Clans, sondern nur einer wären? Dann gäbe es keine Grenzstreite mehr. Und wir wären zusammen doch auch viel stärker, wenn irgendwelche Tiere, wie zum Beispiel Dachse, uns angreifen wollen würden.“ „Du ähnelst immer mehr meinem früheren ich!“, schnurrte Weißtatze, doch dann wurde er ernst, „Aber es wäre nicht besser. Wenn wir sämtlich Gesetzte neu umkrempeln würden, könnten auch manche vergessen werden. Wir würden vergessen, wer wir sind.“ Etwas, was Weißtatze da sagte, klang richtig. Etwas anderes Klang eher – bedauernd. Und doch hatte er Recht.
    Im Lager angekommen, schnappte Federpfote sich eine Maus und legte sich vor den Schülerbau. Wolfspfote kam auf sie zu. „Du wirst es nicht glauben!“, fauchte sie wütend, „Aber ich war mir sicher, wieder Flussclangeruch auf unserer Seite der Grenze gefunden zu haben! Echopfote hat dann „Wo?“ gefragt und ist ganz zufällig zuerst in Mäusedreck gelatscht und dann über die Spur. Das war doch sicher Absicht!“ Federpfote sah sich um, ob auch niemand Wolfspfote gehört hatte, doch das schien zum Glück nicht der Fall zu sein. Löwenzahn saß zwar vor dem Heilerbau, doch er konnte sie nicht gehört haben, wenn er nicht extra gelauscht hatte. Aber da war so ein seltsamer Blick in seinen Augen. Ein Blick, den Federpfote nicht deuten konnte. Sie war sich sicher, dass er sie, Wolfspfote und vermutlich auch Echopfote nicht das erste Mal so anschaute, obwohl sie es erst jetzt das erste Mal richtig mitbekam.
    „Hast du Löwenzahns Blick bemerkt?“, fragte Federpfote Wolfspfote. „Jetzt gerade nicht, aber ich habe in schon mal gesehen“, antwortete ihre Baugefährtin. Dann fügte sie hinzu: „Aber jetzt sag schon: War das Absicht oder nicht?“ Federpfote hätte am liebsten „nein“ gesagt, obwohl sie sich ziemlich sicher war, dass Echopfote die Spur absichtlich verwischt hatte. „Wir können sie ja fragen!“, schlug sie zögernd vor. Der Schweif ihrer Baugefährtin huschte unruhig hin und her. Ihre Augen waren zu Schlitzen verengt und ihre Ohren waren dicht an ihren Kopf gepresst. „Du nimmst sie in Schutz!“, fauchte Wolfspfote, „Was wenn sie uns angelogen hat und noch immer Waldpelz triff?“ „Nicht so laut!“, beschwichtigte Federpfote ihre Wurfgefährtin. „Du kannst sie ja fragen“, miaute Wolfspfote nun schon etwas beherrschter, „Ich gehe!“ „Wohin?“, quickte Federpfote erschrocken. „Jagen! Da kann ich meine Gedanken immer am besten sammeln!“, antwortete Wolfspfote, dann war sie auch schon verschwunden.
    Sie rannte immer schneller weg vom Lager. Sie blieb erst stehen, als sie sich sicher war, dass ihr niemand folgte. „Was, wenn Echopfote tatsächlich nur tollpatschig gewesen war? Das würde doch bedeuten, dass Flussclankrieger unabhängig von Echopfote und Waldpelz die Grenze überquerten!“, dachte Wolfspfote erschrocken. Sie hatte vergessen, dass sie jagen wollte. So schnell sie konnte, hetzte sie zurück ins Lager. Wem sollte sie das erzählen? Ihrem Mentor? Ihren Eltern? Blattstern?
    Im Lager angekommen, krachte sie beinahe mit Federpfote zusammen. „Ist was passiert, Wolfspfote? Du bist früh zurück!“, stellte sie verwundert fest. „Ich erzähle es dir im Schülerbau, davor hole ich nur noch schnell Echopfote!“, war die Antwort der gräulich – silbernen Kätzin.
    Kurze Zeit später saßen sie alle drei in ihrem Bau. „Was willst du, Wolfspfote?“, fragte Echopfote ihre Wurfgefährtin. „Hast du die Flussclanspur absichtlich verwischt?“, fragte Wolfspfote nur. „Nein, natürlich nicht!“, miaute Echopfote schnell. Federpfote fand, dass sie das fast zu schnell gesagt hatte, sagte aber nichts, weil sie nicht wollte, dass ihre beiden Schwestern wieder einen Streit beginnen. „Dann stimmt meine Befürchtung!“, fauchte Wolfspfote. „Was befürchtest du?“, fragte Echopfote. „Ich glaube, dass die Flussclankatzen vergessen haben, was Grenzen sind! Vielleicht sind sie sogar Beutediebe!“, erklärte Wolfspfote. Echopfotes Augen glänzten erschrocken. „Glaubst du, es kann zu einem Kampf kommen?“, quickte Federpfote. „Wenn sie mit der Grenzübertretung nicht aufhören, kann ich mir das ehrlich gesagt gut vorstellen“, grummelte Wolfspfote. Federpfote standen sämtlich Haare ihres Pelzes zu Berge. Der Gedanke, es könnte zu einem Kampf kommen, machte ihr schrecklich Angst. „Stell dich nicht so an, du bist fast Kriegerin!“, schimpfte sie mit sich selbst, doch so konnte sie sich auch nicht mehr Mut machen. „Die Flussclankatzen sind keine Beutediebe!“, fauchte Echopfote Wolfspfote gerade an. „Woher willst du das wissen?“, fragte Wolfspfote. „Weil“, stammelte Echopfote, „Weil wir doch gar keinen Beweis haben!“ Ihr Fell stand nicht weniger hoch als das von Federpfote. Wolfpfote musterte ihre Baugefährtin. „Wieso regt dich das so auf?“, wollte sie wissen, doch noch bevor Echopfote antworten konnte, wurden Wolfspfotes Pupillen riesig, als wäre ihr die Antwort gerade selber eingefallen. „Du triffst noch immer Waldpelz, oder?“, fragte sie.
    Echopfote wollte protestieren, aber sie wusste, wenn sie jetzt log, würde sich wahrscheinlich nie wieder eine Chance ergeben, ehrlich zu ihren Schwestern zu sein. Also miaute sie: „Ja, ich treffe ihn immer noch.“ Sie erwartete, dass Wolfspfote ausflippen würde, oder ihr wenigstens einen Vortrag hielte, doch sie tat nichts davon. Stattdessen sah sie Echopfote nur mit großen, bedauernden Augen an. „Ich habe dir vertraut!“, miaute sie leise. Dann drehte sie sich um und rannte zum zweiten Mal an diesem Tag aus dem Lager. „Wolfspfote!“, rief Echopfote, doch ihre Wurfgefährtin war bereits aus dem Lager verschwunden. Echopfote war traurig, weil Wolfspfote sie dermaßen nicht verstand, aber vor allem war sie wütend auf sich selbst, weil sie ihren Wurfgefährtinnen nicht die Wahrheit gesagt hatte. „Was, wenn Wolfspfote mir das nie verzeihen wird?“, fragte sie sich leise. Sie wurde von Federpfotes Stimme zurück in die Wirklichkeit geholt: „Du hast einen Fehler gemacht.“ „Das ist ja ganz was Neues!“, murrte Echopfote ironisch. Federpfote ließ sich davon aber nicht beeindrucken und sprach weiter: „Außerdem hast du Angst, entweder uns oder Waldpelz zu verlieren.“ „Federpfote, was soll das?“, murrte Echopfote. Diese sah ihr direkt in die Augen. „Hast du denn nicht verstanden?“, fragte sie, „Du musst wissen, wer dir wichtiger ist.“ „Aber wieso können wir denn nicht so leben wie bisher?“, maunzte Echopfote verzweifelt, „Ich treffe Waldpelz, bin dem Clan aber trotzdem treu!“ „Wirklich?“, fragte Federpfote, „Und was würdest du tun, wenn ein Kampf zwischen Flussclan und Donnerclan entstehen würde und du zufällig gegen Waldpelz kämpfen müsstest?“ Echopfote antwortete nicht. Sie wusste, was sie tun würde. Sie würde ihn nicht verletzen, sondern nur so tun, als würde sie versuchen, ihn zu besiegen, aber sie wusste, wenn sie das zugeben würde, würde Federpfote das erreicht haben, was sie wollte: Sie hätte ihr bewiesen, dass sie ihrem Clan nicht mehr eindeutig treu war. Federpfote schien jedoch zu verstehen, was das Zögern ihrer Wurfgefährtin zu bedeuten hatte. Langsam schmiegte sie sich an Echopfote. „Ich verstehe dich ein bisschen“, miaute sie, „Auch wenn ich mir nichts aus Katern mache. Aber ich verstehe Wolfspfote auch. Und wenn du ehrlich bist, weißt du, dass sie Recht hat.“ Die Worte taten weh, aber sie stimmten. „Was soll ich jetzt machen?“, fragte Echopfote. „Sag Waldpelz, dass es vorbei ist. Danach kannst du dich mit Wolfspfote aussprechen“, schlug Federpfote vor. „Nein!“, protestierte Echopfote. „Nein?“, wiederholte Federpfote erstaunt. „Es geht nicht“, murmelte Echopfote, „Ich kann doch nicht einfach sagen: Tschüss, Waldpelz, das war’s, ich liebe dich zwar immer noch, aber meine Schwestern finden, wir gehören nicht zusammen, weil wir aus unterschiedlichen Clans kommen.“ „Warum geht das nicht?“, fragte Federpfote sanft. „Weil ich ihn liebe, Federpfote! Wieso versteht ihr das nicht?“, miaute Echopfote. „Glaubst du, ich würde das nicht verstehen?“, fragte Federpfote, „Oder fragst du mich nur, weil ich und Wolfspfote es nicht gutheißen, dass du ihn triffst?“ Echopfote gab es zwar nicht zu, doch Federpfote hatte Recht. Federpfote schien die Einzige zu sein, die noch einen Überblick über die jetzige Situation hatte.

    Wolfspfote war inzwischen mitten im Wald stehen geblieben. Sie hatte ein Rascheln im Unterholz gehört und sog den Geruch einer Maus ein. Sie bückte sich, wartete, bis sie das kleine Tier sah und sprang darauf zu. Mit einem schnellen Pfotenschlag hatte sie sie getötet. Traurig dachte sie daran, dass das erste Tier, das Echopfote fangen wollte, eine Maus gewesen war. In Gedanken versunken vergrub sie ihre Beute. Als sie ein wenig weiter durch den Wald spazierte, bemerkte sie einen Vogel, der auf einem sehr niedrigen Ast saß. Sie sprang zu ihm hinauf, doch er war schneller, als sie dachte und sie erwischte ihn nur noch sehr unelegant in der Luft. So schnell sie konnte, vergrub Wolfspfote ihn, denn sie witterte bereits die nächste Beute. Ein Eichhörnchen saß einige Fuchslängen von ihr entfernt auf dem Boden und knabberte an einer Nuss. Wolfspfote sprang auf das Tier zu, doch sie war zu langsam und das Eichhörnchen floh auf einen Baum. „Fuchsdung!“, fauchte sie. Sie lief immer langsamer, denn ihr traten langsam Tränen in die Augen. Sie war noch immer wahnsinnig traurig, weil sie gedacht hatte, dass sie Echopfote vertrauen konnte und sich dann herausgestellt hatte, dass sie sie und Federpfote belogen hatte. Dabei hatten sie doch einmal eine so enge Bindung gehabt! Und das alles nur wegen einem Kater!
    Nachdem sie noch eine Maus gefangen hatte, sammelte sie ihre erlegte Beute ein und ging wieder in Richtung Lager. Dort angekommen, legte sie ihre Beute auf den Frischbeutehaufen. Beim Umdrehen knallte sie direkt mit Echopfote zusammen. „Wolfspfote, es tut mir leid, dass ich dich und Federpfote belogen habe!“, miaute die Kätzin. „Können wir im Schülerbau darüber sprechen?“, fügte sie hinzu. Weil sie noch immer wütend auf Echopfote war, wollte sie zuerst verneinen. Aber was, wenn Echopfote ihr sagen wollte, dass sie Waldpelz nun doch verließ? Also murmelte sie kurz etwas, das wie „In Ordnung“ klang.
    Im Schülerbau trafen Wolfspfote und Echopfote auf Federpfote, die dort anscheinend schon auf sie gewartet hatte. „Ich hätte euch die Wahrheit sagen sollten“, maunzte Echopfote niedergeschlagen. „Jeder macht manchmal Fehler!“, beruhigte Federpfote sie sanft, „Wichtig ist nur, dass man sie einsieht und wieder gut macht.“ „Es ist nur so“, erklärte Echopfote, „Ich weiß nicht, ob ich Waldpelz nun treffen sollte oder nicht.“ „Du verstößt damit aber gegen das Gesetz der Krieger!“, protestierte Wolfspfote. „Heißt das, dass du immer noch total gegen die Treffen von mir und Waldpelz bist?“, fragte Echopfote. „Ja, klar! Wann wird dir endlich klar, dass du einen Krieg riskierst?“, miaute Wolfspfote. Sauer sah sie ihre Wurfgefährtin an. „Ich dachte, du würdest uns jetzt sagen, dass du deinem Clan doch treu werden willst und Waldpelz verlässt!“ „Ich bin unserem Clan doch treu!“, verteidigte sich Echopfote. Dabei spürte sie den tadelnden Blick von Federpfote geradezu in ihrem Pelz. „Das glaubst du doch selber nicht!“, fauchte Wolfspfote, „Wir sind inzwischen elf Monde alt, also fast Krieger! Du solltest deine Gefühle langsam in den Griff bekommen!“ Echopfote legte ihre Ohren an, sagte aber nichts. „Echopfote, Wolfspfote hat Recht. Du kannst deinem Clan nicht ewig verschweigen, dass du Waldpelz triffst. Was tust du, wenn es jemand herausfindet?“, miaute Federpfote. „Es wird niemand etwas herausfinden, wenn ihr mich nicht verrät!“, sagte Echopfote selbstsicher. „Sei doch nicht mäusehirnig! Spätestens wenn du Kriegerin bist, merkt jemand irgendwann, wie du dich aus dem Kriegerbau schleichst“, erklärte Federpfote. „Federpfote, selbst wenn du hunderte von Gründen finden würdest, warum ich Waldpelz nicht treffen könnte, wüsste ich eine Antwort, warum ich ihn schon treffen kann. Ich liebe ihn! Dabei ist es mir egal, ob er in meinem Clan ist oder nicht! Hattest du noch nie das Gefühl, jemanden unbedingt wieder sehen zu wollen, egal was ist?“, fragte Echopfote. In ihrer Stimme schwang Wut und Frustration mit. „Ich verstehe, was du sagen willst, aber du merkst doch selber, dass eure Liebe keine Zukunft hat…“, begann Federpfote, doch sie wurde von Echopfote unterbrochen: „Federpfote, ich habe es satt, dass du mir immer die Situation erklären willst! Glaubst du, ich habe keine Gewissensbisse, wenn ich Waldpelz treffe? Glaubst du, es hat mir nicht unglaublich leidgetan, euch zu belügen? Ich liebe ihn einfach nur! Ich verschwöre mich nicht gegen meinen Clan, ich bin so wie immer. Und nun kümmert euch nicht länger um meine Angelegenheiten und haltet euch da raus! Wenn jemand davon erfährt, will ich nicht, dass ihr damit etwas zu tun hattet!“ Federpfote blieb noch immer ruhig, obwohl es ihr diesmal schwerer viel als sonst. „Wir haben aber etwas damit zu tun“, miaute sie. „Dann vergesst es doch einfach! Tut so, als wäre alles nie passiert! Ich will nicht, falls es jemals ans Licht kommt, dass ihr da irgendwie mitreingezogen werdet!“, erklärte Echopfote. Sie und Federpfote hatten inzwischen jedes einzelne Haar ihres Pelzes aufgestellt. Echopfotes Ohren waren nach hinten geklappt, ihre Augen zu Schlitzen verengt. Federpfote hatte ihr Maul bereits geöffnet, um zu antworten, doch Wolfspfote war schneller: „ Wir sollten mit dem Streiten aufhören. Mir hat mal jemand gesagt: Streit bringt uns nicht weiter. Das einzige, was vorantreibt, ist Liebe. Wenn dein Kopf nicht mehr weiter weiß, lass einfach dein Herz entscheiden. Aber verschließe den Kopf nicht ganz.“ Echopfote und Federpfote sahen sie gleichzeitig mit kugelrunden Augen an. „Ich hätte nie gedacht, dass so ein Satz von dir kommt!“, brachte Federpfote erstaunt, aber glücklich hervor. „Aber der meint doch gerade, dass ich zu Waldpelz gehe!“, triumphierte Echopfote. „Hast du mir überhaupt zugehört? Dieser Satz meint, dass du auf dein Herz hören sollst, den Kopf aber nicht ausschalten darfst. Aber wenn du einen Krieg riskierst, dann schaltest du deinen Kopf aus!“, maunzte Wolfspfote. Echopfote sah beleidigt aus und wollte auch schon etwas Scharfes entgegnen, als Federpfote sagte: „Echopfote, Wolfspfote hat Recht, aber ich glaube, wir werden dich nicht umstimmen können. Die Verantwortung deiner Handlungen trägst zurzeit nur du. Wir können versuchen, dich umzustimmen, aber am Ende musst du wissen, was das Beste für dich ist.“


    Kapitel 5

    Ein Mond später

    „Hiermit rufe ich alle Katzen des Donnerclans zusammen, die alt genug sind, ihre eigene Beute zu fangen!“, erscholl Blattsterns Stimme durch das gesamte Lager. Innerhalb weniger Herzschläge hatte sich der gesamte Clan versammelt. Den Katzen war klar, was heute geschehen würde. „Unsere Schüler werden heute zu Kriegern werden!“, rief Blattstern. Erfreutes Schnurren war von allen Katzen zu hören. „Federpfote, trete vor!“, rief Blattstern. Die junge Kätzin machte einen Schritt nach vorne, ihr war anzusehen, wie nervös sie war. „Der Sternenclan ehrt deine Neugierde und deine Freundlichkeit. Vom heutigen Tage an ist dein Name Federfrost!“, erklärte Blattstern und drückte ihre Stirn gegen die von Federfrost. Diese schnurrte glücklich. „Wolfspfote, trete vor!“, wurde nun auch Wolfspfote gerufen, „ Der Sternenclan ehrt deine Kraft und deinen Verstand. Ab heute ist dein Name Wolfsherz!“ Stolz schnurrend drückte auch Wolfsherz ihren Kopf gegen den von Blattstern. „Und nun, Echopfote! Der Sternenclan ehrt deinen Wissensdurst und dein Geschick! Von nun an heißt du Echoflügel!“ Als auch sie ihren Kopf gegen den von Blattstern gedrückt hatte, begannen die anderen Katzen die neuen Namen zu rufen: „Federfrost! Wolfsherz! Echoflügel!“ Stolz lag in dem Blick von Wolfsherz, in dem von Federfrost lag vor allem Aufregung und in dem von Echoflügel Glück. Endlich waren sie Krieger!

    Sie würden heute ihre erste Nachtwache haben. Die Sonne ging bereits unter, also setzten sich die Kätzinnen schweigend vor den Eingang, während die anderen Katzen in ihre Nester huschten. Echoflügel warf einen sehnsüchtigen Blick in Richtung Lagerausgang, doch sie blieb sitzen. In Gedanken war sie jetzt bei Waldpelz, sie dachte an seine schönen, grünen Augen. In Gedanken erzählte sie ihm gerade, dass sie nun endlich auch eine Kriegerin war. Und dass sie Echoflügel hieß. Ein schöner Name. Leicht, verspielt und zart, aber trotzdem edel. Sie musste sich davon abhalten, zu schnurren, da sie ja still sein musste in dieser Nacht.
    Wolfsherz dachte darüber nach, wie es jetzt war, Kriegerin zu sein. Sie mochte ihren neuen Namen, weil er so stark klang. Gleichzeitig bewachte sie jedoch den Lagereingang, auch wenn sie nicht dachte, dass etwas passieren würde. Wie es wohl war, im Kriegerbau zu schlafen? „Da schläft auch Braunnase!“, dachte sie verträumt, wunderte sich aber über sich selber. Wieso freute sie sich, Braunnase näher zu kommen? Ein seltsames, gutes Gefühl machte sich in ihr breit.
    Federfrost war auch in Gedanken. Die Vorstellung, Kriegerin zu sein, machte sie gleichzeitig stolz und nervös. Sie sah zu Echoflügel. „Ich hoffe, sie versucht nicht, Waldpelz noch immer zu treffen“, dachte sie, doch sie wusste bereits, dass ihre Hoffnungen unbegründet waren. Es hatte keinen Sinn, mit Echoflügel diskutieren zu wollen, sie war viel zu stur, um Waldpelz aufzugeben.

    Wolfsherz gähnte. Die Sonne war bereits aufgegangen, die ersten Krieger waren wach. „Ich denke, wir sind fertig. Lasst uns unsere Nester bauen!“, schlug Federfrost vor. Echoflügel nickte zustimmend.
    Als die Kätzinnen genügend Moos herbeigeschafft hatten, begaben sie sich damit sofort in den Kriegerbau. Einige Katzen schliefen noch. Wolfsherz sah zu Echoflügel und musste feststellen, dass ihre Wurfgefährtin ihr Nest sehr nah am Eingang platzierte, wohl um sich gut aus dem Bau herausschleichen zu können. Sie war enttäuscht, als sie das sah, doch sie hatte beschlossen, dass das Echoflügels Problem war. Sie sollte dann nur nicht sagen, Federfrost und sie hätten sie nicht gewarnt. Versehentlich trat sie einem Krieger auf den Schweif, der daraufhin erschrocken hochfuhr. „Tut mir leid!“, entschuldigte sich Wolfsherz schnell. Sie sah, dass sie ausgerechnet auf Braunnases Schweif getreten war. „Entschuldigung!“, wiederholte sie. Plötzlich fühlte sie sich, als würden ihre Beine gleich nachgeben. „Schon in Ordnung“, miaute Braunnase, „Aber vielleicht magst du als Entschuldigung ja am Abend mit mir jagen gehen? Nur wir zwei?“ „Ja, gerne!“, brachte Wolfsherz gerade noch hervor. „Super!“, freute sich Braunnase und verließ den Bau. Wolfsherz wunderte sich über sich selber. Was war nur los mit ihr? Wieso war sie ihn seiner Gegenwart plötzlich so ... verklemmt?
    Echoflügel warf ihr einen vielsagenden Blick zu. „Da ist wohl eine Kätzin verliebt!“, schnurrte sie. „Unsinn!“, wiedersprach Wolfsherz, doch bei diesem Wort schoss ihr das Blut in den Kopf. „Könnt ihr das später klären?“, fragte Federfrost und rollte sich in ihrem Nest zusammen. Etwas später waren alle drei Katzen eingeschlafen.
    Wolfspfote gähnte. Sie wusste nicht, wie lange sie geschlafen hatte, aber sie fühlte sich gut. Als sie den Bau verließ, merkte sie, dass es schon nach Sonnenhoch war. Braunnase sah sie und fragte: „Schon wach? Sollen wir jetzt schon jagen gehen?“ „Gerne!“, schnurrte Wolfsherz.

    Braunnase war sehr schnell, doch Wolfsherz kam ihm mühelos hinterher. Aus Spaß kletterte er auf einen Baum, dicht gefolgt von Wolfsherz. Er war ein irrsinnig geschickter Kletterer, Wolfsherz hatte Mühe, ihm zu folgen, doch er blieb immer wieder stehen und wartete auf sie. Nach dem längeren Ausflug hatten beide viel gefangen und über so ziemlich alles gesprochen, was es zu besprechen gab. „Mit dir befreundet zu sein ist wirklich schön!“, schnurrte Braunnase. Wolfsherz spürte einen Stich in ihrer Brust. Aus irgendeinem Grund wollte sie nicht, dass er das sagte. Es war ihr … zu wenig. „Du bist albern!“, dachte sie selber über sich, doch sie sagte nichts.

    Im Lager legten sie ihre gesamte Frischbeute auf den Haufen, nur ein Eichhörnchen behielten sie, um es sich zu teilen. Braunnase nahm als erstes einen Biss, dann schob er das Beutetier zu Wolfsherz, die sich auch einen Biss des saftigen Eichhörnchens schmecken ließ. In, nach Wolfsherz Meinung, viel zu schneller Zeit hatten sie das Eichhörnchen aufgegessen.
    Doch das war nicht der einzige Tag, an dem sie zusammen etwas machten. Den restlichen Mond waren sie immer öfter zusammen gewesen, wenn Echoflügel vermutete, dass Wolfsherz in Braunnase verliebt war, stritt sie das nicht mehr ab. Ihr Gefiel die Zeit mit Braunnase. Sie überlegte, was sie getan hätte, wenn Braunnase im Flussclan gewesen wäre, um Echoflügel besser verstehen zu können. Erschrocken stellte sie fest, dass sie nicht wusste, was sie getan hätte, obwohl sie, als sie länger darüber nachdachte, den Entschluss fasste, dass sie ihn dann wohl nicht treffen wollen würde.

    Wolfsherz hetzte einem Eichhörnchen hinterher. Sie machte sich sprungbereit, aber etwas zwickte ihr in die Seite. Dieses etwas war Echoflügel. „Echoflügel, lass das, mir entwischt noch das Eichhörnchen!“, protestierte Wolfsherz. „Eichhörnchen?“, wiederholte Echoflügel. Erst jetzt merkte Wolfsherz, dass sie nur geträumt hatte und im Kriegerbau lag. „Egal, vergiss es“, miaute sie, „Warum hast du mich geweckt?“ „Ich will dir und Federfrost was sagen, allerdings nicht hier. Können wir schnell das Lager verlassen?“, fragte sie. „In Ordnung“, miaute Wolfsherz. Echoflügel wirkte besorgt, aber auch sehr glücklich. Nachdem auch Federfrost von Echoflügels Plan erzählt wurde, verließen die Kätzinnen das Lager.
    Nachdem sie sich nach Echoflügels Meinung weit genug vom Lager entfernt hatten, fragte Federfrost: „Du wirkst besorgt, ist alles in Ordnung mit dir?“ Echoflügel seufzte. „Ich weiß nicht, wie ich euch das sagen soll“, miaute sie. „Du darfst und alles sagen, aber rede nicht lange darum herum, am Ende kommt sowieso dasselbe heraus“, ermunterte Federfrost ihre Baugefährtin. „Also gut, ich sage es euch“, begann Echoflügel, „Waldpelz und ich bekommen Junge!“ Wolfsherz schnappte geräuschvoll nach Luft, Federfrost klappte ihre Ohren nach hinten. „Wie willst du das denn erklären?“, stammelte Wolfsherz. „Das weiß ich eben nicht!“, gab Echoflügel niedergeschlagen zu. Kurz herrschte peinlich berührte Stille, bis diese von Federfrost gebrochen wurde: „Ich habe eine Idee! Wir müssten nur Braunnase überreden, mitzumachen. Er könnte so tun, als wäre er der Vater von Echoflügels Jungen!“ Während Echoflügel dankbar zu Federfrost sah, klappten sich Wolfsherz‘ Ohren nach hinten und ihr Kopf hing nach unten. Federfrost schien das zu bemerken. „Wolfsherz, das war nur eine Idee, aber wenn du etwas Besseres weißt, dann kannst du es natürlich gerne sagen!“, versuchte sie, ihre Baugefährtin zu trösten. „Nein“, stammelte Wolfsherz, „Ich … Ich kann ihn holen.“
    Kurze Zeit später war Wolfsherz mit Braunnase zurückgekehrt. „Wolfsherz, was ist los?“, fragte dieser verwirrt. „Ich glaube, wir müssen dir eine Menge erklären“, hob Wolfsherz an, doch sie wurde von Echoflügel unterbrochen: „Es ist meine Schuld!“ Dann sprudelte die ganze Geschichte aus der braunen Kätzin hervor. Braunnase unterbrach sie kein einziges Mal, nickte dann und wann, oder sah kurz entsetzt aus. „Und dann hatte Federfrost die Idee, dass du so tun könntest, als wärst du der Vater von meinen Jungen“, endete Echoflügel. Zuerst sagte Braunnase gar nichts. Echoflügel befürchtete schon, er würde die ganze Geschichte Blattstern erzählen, doch das tat er nicht. Stattdessen sah er Wolfsherz direkt in die Augen und sagte: „Wolfsherz, ich liebe dich und ich werde nie eine andere Kätzin lieben. Aber manchmal steht der Clan über den Gefühlen, also werde ich euch helfen. Ich werde so tun, als wären Echoflügels Jungen von mir.“ Wolfsherz schnurrte. „Du liebst mich?“, fragte sie glücklich. Braunnase schmiegte sich wie als Bestätigung dicht an sie. „Nur wird unsere Liebe nie einen Sinn haben“, seufzte Wolfsherz. „In dem Fall nicht“, miaute Braunnase traurig. Wolfsherz fühlte sich, als würde ihr Herz zerspringen. Den letzten Mond waren Braunnase und sie die ganze Zeit zusammen gewesen und nun, wo er ihr doch endlich gesagt hatte, dass er sie mag, konnten sie nicht zusammen sein.
    Sie blieben noch einige Zeit lang so stehen, bis Echoflügel sagte: „ Dann werde ich mich heute noch ein letztes Mal mit Waldpelz treffen und ihm sagen, dass es vorbei ist. Ich werde dir niemals genug Dank entgegenbringen können, Braunnase. Und euch auch nicht, Federfrost und Wolfsherz“ Ihre Stimme klang brüchig, doch sie schien zu wissen, dass es nicht anders ging.

    Der Tag ging viel zu schnell vorbei. Das Wissen, dass Braunnase und sie nicht zusammenkommen würden, schmerzte Wolfsherz ungemein. Die Wurfgefährtinnen gingen an diesem Tag früh in ihre Nester. Echoflügels Unruhe knisterte förmlich in ihrem Pelz. Es tat ihr furchtbar leid, ihren Clan zu belügen. Noch schlimmer fand sie es, dass Wolfsherz und Braunnase einverstanden waren, so zu tun, als wäre Braunnase ihr Gefährte.
    Echoflügel war noch in Gedanken, als sie das Lager verließ. Sie achtete nicht auf ihren Weg, doch da sie ihn sowieso auswendig kannte, brauchte sie nicht länger als sonst. Dann und wann hörte sie ein Rascheln hinter sich, doch auch darauf achtete sie nicht. In der Nacht waren öfters Beutetiere unterwegs, durch die ließ sie sich schon lange nicht mehr erschrecken.
    Kaum war sie an der Flussclangrenze angekommen, sah sie auch schon den dunklen Pelz von Waldpelz. „Hallo Echoflügel!“, begrüßte er sie sanft. Es war nicht kaum einen Mond her, als Echoflügel ihm erzählt hatte, dass sie nun eine Kriegerin war. „Hallo!“, antwortete sie. Der Kater schmiegte sich dicht an die Kätzin. Langsam blinzelte er sie an. „Waldpelz, es geht nicht mehr“, sagte Echoflügel, damit sie nicht anfing zu schnurren. Waldpelz rückte etwas von ihr ab, um sie von oben bis unten mustern zu können. „Also, wir können uns nicht mehr treffen“, fügte Echoflügel hinzu. Waldpelz‘ schöne, grüne Augen wurden plötzlich kugelrund und traurig. „Wieso?“, brachte er gerade noch hervor. „Weil wir doch Junge miteinander bekommen“, antwortete Echoflügel. Als Waldpelz nichts sagte, fuhr Echoflügel fort: „Und die Katzen in meinem Clan werden wissen wollen, wer der Vater ist, also…“ Weiter kam sie nicht. Sie hörte den Schrei einer Katze vom Flussclanterritorium. Echoflügel und Waldpelz wirbelten gerade rechtzeitig herum, um einen grau – schwarzen Kater mit gelben Augen zu sehen. „Verräter!“, rief dieser und sprang auf die beiden Katzen zu. „Farnkralle!“, rief Waldpelz erschrocken. „Da sieht einer an, mein eigener Bruder ist ein Verräter!“, wiederholte Farnkralle. „Wieso bist du mir gefolgt? Woher weißt du, dass ich mich nachts aus dem Lager schleiche?“, fragte Waldpelz. „Ich folge dir schon länger, aber bis jetzt hast du deine Spuren auf dem Weg hierher immer so gut verwischt, dass ich dich nicht gefunden habe. Heute warst du zu unvorsichtig“, erklärte der Kater wütend. Plötzlich sprang von der Donnerclanseite eine Kätzin auf die Katzen zu. „Minzblatt, was tust du hier?“, fragte Echoflügel verwirrt. „Ich hatte heute Nachtwache“, erklärte Minzblatt, „Und habe dich nicht zum ersten Mal verschwinden sehen. Ich wusste nicht, was du draußen tust, aber ich wollte keiner Schülerin nachspionieren, um meine Stelle als Kriegerin zu riskieren, weil ich meine Nachtwache nicht ordentlich mache. Aber du bist inzwischen Kriegerin und weil du dich noch immer rausschleichst, beschloss ich, dir zu folgen.“ Betreten sah Echoflügel zu Boden. „Wo ist Farnkralle?“, fragte Waldpelz plötzlich. Der Kater war weg. „Was wenn er die anderen Krieger aus dem Flussclan mitbringt, um gegen uns zu kämpfen?“, fragte Echoflügel. „Weshalb sollte er das tun?“, entgegnete Minzblatt. Waldpelz antwortete: „Farnkralle ist dem Gesetzt der Krieger treu ergeben. Auf großen Versammlungen spricht er nicht einmal mit Katzen aus anderen Clans. Wahrscheinlich ist er jetzt unheimlich sauer, weil ich mit Echoflügel zusammen bin.“ „Was tun wir jetzt? Du kannst in diesem Fall nicht in dein Lager zurück, aber genauso wenig ich in meines. Spätestens auf einer großen Versammlung fliegt alles auf“, miaute Echoflügel. Kurz blieben die Katzen stehen und überlegten. „Was wenn es wirklich zu einem Kampf kommt?“, fragte Echoflügel plötzlich. Als wäre es eine Antwort, stürzten alle Flussclankrieger auf die drei Katzen zu. „Lauf!“, rief Waldpelz. Echoflügel wusste, dass sie keine Chance gegen all diese Katzen hatte und rannte schneller als je zuvor. Sie merkte, dass Waldpelz direkt neben ihr war, doch sie konnte nirgends Minzblatt entdecken. Mitten in dem Donnerclanterritorium blieben die beiden Katzen stehen. „Haben wir sie abgehängt?“, fragte Echoflügel hoffungsvoll. Plötzlich hörten sie das Geschrei vieler Katzen. „Nein!“, rief Waldpelz erschrocken, doch es waren nicht die Flussclankatzen, die da ankamen: Es waren die Donnerclankatzen! Echoflügel war sich nicht sicher, ob das gut oder schlecht war, doch ihr blieb keine Zeit um zu überlegen, denn von der anderen Seite strömten Flussclankrieger auf sie zu. Die Donnerclan und die Flussclankatzen sprangen aufeinander zu, fauchten und begannen einen rasanten Kampf. Echoflügel wurde von einer sandfarbenen Kätzin umgeworfen, doch Waldpelz, stieß diese zur Seite. „Waldpelz, du?“, fragte die Kätzin entsetzt. „Ja, ich!“, antwortete Waldpelz und die beiden Katzen sprangen aufeinander zu. Von hinten näherte sich Farnkralle, doch Echoflügel bemerkte ihn und sprang auf seine Schultern. Die beiden kugelten über den Boden, Farnkralle hatte sich in ihrer Schulter verbissen, sie selber kratzte den Kater, wo sie ihn nur erwischen konnte. Er schlug ihr mit seiner Pfote ins Gesicht und heißes Blut quoll aus ihrer Wange heraus. Er war stärker als Echoflügel und drückte sie auf den Boden, doch sie wehrte sich. „Wenn du nicht wärst, wäre dieser Kampf nicht!“, fauchte Farnkralle. Er riss sein Maul auf, um ihr in die Kehle zu beißen, doch plötzlich wurde ihr das Gewicht von den Schultern genommen. Wolfsherz drückte den Kater nun zu Boden. Echoflügel hatte sie noch nie so wütend gesehen. Und auch noch nie so … bedrohlich! Sie zerkratze dem Kater die Schultern und die Flanke, dabei schien sie nicht einmal mitzubekommen, dass sich dieser in ihrer Pfote verbissen hatte. Der Kater zappelte, doch Wolfsherz ließ nicht locker. Ein dunkelgrauer Kater sprang plötzlich auf Wolfsherz zu, doch diese wich geschickt aus. Der Kater flog weiter als er es wohl geplant hatte und landete direkt auf Blattstern. Diese schubste ihn von sich, doch der Kater sah stärker aus als sie. Echoflügel wollte ihr helfen, doch jemand hielt sie auf. Eine weiße Kätzin mit grauen Sprenkeln fuhr mit ihren Krallen über Echoflügels Flanke. Echoflügel sprang sie an, womit die Kätzin wohl nicht gerechnet hatte und Echoflügel spürte, wie sie die Oberhand gewann.
    Federfrost kämpfte inzwischen gegen einen großen, schwarz – weißen Kater. Es dauerte nicht lange und er hielt sie am Boden fest. Er sah wütend aus und fuhr mit seinen Krallen über Federfrosts Flanke. Diese jaulte vor Schmerz auf, doch der Kater störte sich nicht daran. „Wieso kämpft ihr gegen uns?“, brachte die junge Kätzin gerade noch hervor. Sie wusste, mit Körperkraft alleine konnte sie ihn unmöglich besiegen. Der Kater wirkte irritiert. „Weil ihr unser Lager überfallen wolltet!“, fauchte er. „Wir wollten euer Lager nicht überfallen!“, wiedersprach Federfrost. Die Ablenkung schien zu funktionieren, denn der Kater ließ für einen kurzen Augenblick verwirrt locker. Federfrost nutze diese Zeit und kämpfte sich aus seinem Fang. Sie wusste nicht, ob ihre Idee gut oder schlecht war, aber sie kletterte so schnell sie konnte auf einen Baum, sprang auf einen mittelhohen Ast und schrie so laut sie konnte: „STOPP!“
    Alle Katzen drehten den Kopf zu ihr. Federfrost atmete kurz tief ein und aus, dann fuhr sie fort: „ Wir kämpfen umsonst gegeneinander! Niemand wollte irgendjemanden angreifen! Das ist ein Missverständnis!“
    Keine Katze sagte etwas, also fuhr sie fort: „Vielleicht ist es an der Zeit, dass Waldpelz und Echoflügel einiges erklären.“
    Ein paar Herzschläge später saßen die beiden Katzen neben Federfrost auf dem Ast. Waldpelz begann zu erzählen: „Also, unsere ganze Geschichte beginnt so….“ Alle Katzen hörten dem Bericht von den beiden Katzen zu, manchmal sagte Waldpelz etwas, manchmal sagte Echoflügel etwas. Die Zeit schien stillzustehen. Echoflügel endete: „Dann haben uns Minzblatt und Farnkralle entdeckt, beide sind in jeweils ihren Clan gelaufen und den Rest kennt ihr selbst.“ „Farnkralle, du sagtest, der Donnerclan würde planen, uns anzugreifen!“, fauchte Abendstern, „Erkläre das bitte!“ Farnkralle seufzte. „Das war für mich eine logische Schlussfolgerung: Sie sind entdeckt worden, könnten die Schuld auf uns schieben und vielleicht sogar angreifen!“, erklärte Farnkralle, auch wenn er eher mit seinen Vorderpfoten sprach. Blattstern nickte: „Gut, wenn das alles war, begeben wir uns wieder in unser Lager, der Flussclan bitte ihn sein Territorium. „Nicht so schnell!“, wiedersprach Abendstern, „Wir müssen erst unsere Verräter bestrafen.“ „Du kannst das gerne machen, Abendstern, aber ich denke, sie haben ihren Fehler eingesehen“, sagte Blattstern. Abendstern zuckte mit seinem Schweif: „Ich will das hier und jetzt klären“, erklärte er. „Nun“, sagte Abendstern, „Es liegt nicht an mir, den Donnerclan zu bestrafen, aber sehr wohl euch beide, Farnkralle und Waldpelz! Farnkralle, du hast dich unklar ausgedrückt und so einen unnötigen Krieg ins Leben gerufen. Du wirst dich einen Mond lang um die Ältesten kümmern.“ Farnkralle nickte. „Und du, Waldpelz, du hast das Gesetzt der Krieger gebrochen und trägst an diesem Krieg sehr viel mehr Schuld als Farnkralle. Du bist aus dem Clan verstoßen!“ Die Katzen wirkten entsetzt, als sie hörten, was Abendstern da sagte. „Aber Abendstern!“, protestierte Kirschblüte, „Er hat einen Fehler gemacht, aber er ist doch trotzdem mein Junges!“ „Kirschblüte, als Anführer ist es meine Pflicht, für meinen Clan da zu sein. Wenn also ein Kater in meinem Clan ist, von dem ich nicht weiß, ob er im Fall einer Schlacht gegen den Donnerclan, für den Donnerclan kämpfen würde, kann ich ihm nicht vertrauen. Somit stellt er eine Gefahr für unseren Clan dar“, erklärte Abendstern. „Nun gut!“, sagte Blattstern, „Ich werde mit meinem Clan in unser Lager gehen. Sie brauchen einen Heiler, genauso wie deine Katzen. Möge der Sternenclan euren Weg erleuchten!“ Abendstern nickte und die Flussclankatzen verließen das ihnen fremde Territorium. Waldpelz blieb stehen. „Wo soll ich jetzt nur hingehen?“, fragte er sich verzweifelt.
    Blattstern schien bemerkt zu haben, dass Waldpelz nicht mehr weiterwusste. „Du darfst fürs Erste in unserem Clan bleien“, sagte sie. Waldpelz stellte erfreut seine Ohren auf. „Ich sagte fürs Erste“, wiederholte Blattstern. Waldpelz schmiegte sich beim Gehen gegen Echoflügel. „Geht es dir gut?“, fragte er. „Ich habe ein paar Kratzer und Schrammen, aber das ist nicht schlimm. Du bist da!“, schnurrte sie. Auch Waldpelz schnurrte. „Was machen wir jetzt? Glaubst du, ich darf für immer in eurem Clan bleiben?“, fragte Waldpelz. „Das weiß ich nicht“, gestand Echoflügel, „Aber ich hoffe es!“

    Kapitel 6

    Löwenzahn sah besorgt aus. Er hatte sich die ganze Nacht um die verletzten Katzen gekümmert. Einigen ging es halbwegs gut, doch er machte sich vor allem um Blattstern und Baumharz Sorgen. Blattstern war erst als letzte bei ihm gewesen, da sie gesagt hatte: „Löwenzahn, ich habe mehrere Leben, kümmere dich zuerst um die anderen Katzen.“ Waldpelz, der Kater aus dem Flussclan, machte sich nützlich, indem er die ganze Nacht jagen war, zusammen mit Mohnblüte, die ihm das Territorium zeigte.
    Blattstern riss ihn mit einem schwachen Husten aus den Gedanken. Der Kampf gegen Krähenhauch schien ihr alles andere als gut getan zu haben. Der Heiler gab ihr noch einige Mohnsamen und Beinwell. „Kann ich dir helfen, Löwenzahn?“, fragte eine Stimme plötzlich. Es war Federfrost. „Federfrost, du kannst mir am besten helfen, wenn du endlich liegen bleibst. Dein Hinterbein ist gezerrt, du bleibst erst mal hier im Heilerbau“, antwortete Löwenzahn. Federfrost murmelte etwas, legte sich aber wieder in ihr Nest. „Du auch, Wolfsherz!“, rief der Heiler, als er sah, wie sich die graue Kätzin der Jagdpatrouille anschließen wollte. „Mir geht es gut!“, protestierte Wolfsherz, doch im selben Moment zuckte sie zusammen, weil sie eines ihrer Vorderbeine zu stark belastet hatte. „Wolfsherz, deine Pfote entzündet sich noch, wenn du nicht sofort zurückkommst! Wenn du dich unbedingt nützlich machen willst, dann such Wespenstachel oder Streifenpelz, und sag ihnen, dass ich mehr Beinwell brauche, sie sollen welchen holen! Aus ihrer Kriegerzeit kennen sie den bestimmt noch!“ Auch wenn Wolfsherz es für unwahrscheinlich hielt, dass sie den Ältesten etwas befehlen konnte, lief sie in den Ältestenbau. Wie erwartet waren die beiden Donnerclanmitglieder dort. „Hallo, Wolfspfote!“, begrüßte Streifenpelz sie. „Wolfsherz!“, verbesserte Wolfsherz ihn. „Na gut, dann Wolfsherz. Bist du da, um uns nach Zecken abzusuchen?“, fragte der Kater. „Nein, Löwenzahn schickt mich. Er will, dass ihr Beinwell sammelt“, erklärte die Kätzin. „Wir sind doch keine Schüler!“, protestierte Streifenpelz. „Aber zur Zeit haben wir keine Schüler!“, erinnerte Wolfsherz ihn. Streifenpelz erwiderte: „Dann geh du doch!“ Wolfsherz verließ genervt den Ältestenbau, doch Wespenstachel folgte ihr. „Ich kann gerne Beinwell sammeln. Wenn ich Ampfer oder Ringelblume finde, bringe ich das auch gleich mit!“, verkündete die sandfarbene Älteste. „Danke!“, schnurrte Wolfsherz, doch Wespenstachel war bereits verschwunden. Streifenpelz sah ihr kopfschüttelnd nach, sagte aber nichts.
    Echoflügel verließ kurz nach Wespenstachel das Lager. Sie hatte vor, für ihren Clan zu jagen, zusammen mit Adlerfeder, welchem es auch eher gut ging. Adlerfeder war während der ganzen Jagd still gewesen. Kurz bevor sie und ihr ehemaliger Mentor das Lager betreten wollten, fasste sich Echoflügel ein Herz und sagte: „Adlerfeder, es tut mir Leid. Alles, was passiert ist, tut mir Leid. Und ich weiß, dass falls irgendeine Katze an ihren Wunden sterben sollte, dass das meine Schuld ist. Ich erwarte nicht, dass mir irgendjemand verzeiht, nicht einmal Federfrost oder Wolfsherz. Und auch nicht du.“ Adlerfeder schüttelte den Kopf. „Nein, es tut mir Leid. Als dein Mentor war es meine Pflicht, dir beizubringen, dass der Clan das wichtigste ist.“ „Das hast du mir weit mehr als einmal gesagt!“, entgegnete Echoflügel. „Aber wohl nie verständlich genug“, antwortete Adlerfeder. „Ich bin für meine Taten verantwortlich. Dafür können nur Waldpelz und ich Verantwortung tragen.“ Adlerfeder blieb stehen. „Du hast deinen Fehler also eingesehen?“, fragte er. „Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich es tun!“, antwortete Echoflügel. Zuerst schwieg Adlerfeder. Dann jedoch sagt er: „ Jedes Unglück hat auch eine Spur Glück. Manchmal ist dieses Glück so klein, dass man es gar nicht wahrnehmen kann. Aber ich denke, in deinem Fall, kann man es mehr als nur sehen.“ Mit diesen Worten hob er seine Frischbeute auf und lief ins Lager. Echoflügel blieb stehen. Welches Glück hatte Adlerfeder gemeint? Nachdenklich packte auch sie ihre Beute und betrat das Lager.

    Wolfsherz wusste nicht, was sie fühlen sollte. Zum einen machte sie sich Sorgen, dass irgendeine Katze schlimmere Verletzungen davongetragen hatte, zum anderen war sie total glücklich und dankbar, da sie jetzt mit Braunnase zusammen sein konnte. Der Kater lag dicht neben ihr und schien zu merken, dass Wolfsherz unruhig war. „Alles in Ordnung?“, fragte er. „Also, natürlich nicht alles in Ordnung, wir hatten in der Nacht einen Kampf gegen den Flussclan, aber“, fügte er hinzu, wurde aber von Löwenzahn unterbrochen, welcher gerade auf ihn zu kam und nur sagte: „Braunnase, such Adlerfeder und Minzblatt und komm mit ihnen in den Heilerbau“ Er sah besorgt aus. Braunnase ließ seinen Blick durch das Lager schweifen und sah Adlerfeder, wie er seine Beute auf den Frischbeutehaufen legte. Minzblatt stand neben dem Kriegerbau, besserte die Wand aus und redete mit Federfrost, während diese wohl nach Spinnweben suchte. „Sie sind doch hier“, begann Braunnase, doch Löwenzahn war schon wieder im Heilerbau. Wolfsherz lief inzwischen zu Adlerfeder, um ihm zu sagen, dass er in den Heilerbau gehen solle, also machte sich Braunnase auf den Weg zu Minzblatt. „Minzblatt, kommst du kurz mit?“, fragte er. „Klar, wieso?“, wollte seine Schwester wissen, doch Braunnase bekam plötzlich ein ungutes Gefühl, dass etwas passiert sein könnte, weswegen er direkt auf den Heilerbau zusteuerte. „Ich komme, danke, dass du mir gesagt hast, was wir tun“, miaute Minzblatt sarkastisch, folgte ihm aber.
    Braunnase betrat den Heilerbau. Minzblatt und Adlerfeder standen direkt hinter ihm. Löwenzahn beugte sich über Blattstern, seine Schwester und Braunnases und Minzblatt‘ Mutter, sowie Adlerfeders Gefährtin. Diese ließ ein weiteres schwaches Husten hören. „Blattstern!“, rief Adlerfeder, doch sie antwortete nicht. „Adlerfeder, sie verliert gerade ein weiteres Leben“, miaute Löwenzahn mitfühlend und traurig zugleich. „Nein!“, protestierte Adlerfeder und ging so nah wie er nur konnte zu ihr. „Adlerfeder, sie hat zu viel Blut verloren“, erklärte Löwenzahn noch immer mitfühlend, doch Adlerfeder hörte ihm gar nicht zu. „Blattstern, bleib bei uns, bei deinem Clan, bei, bei …mir! Bitte!“, sagte er und drückte sich dicht an sie. Noch immer antwortete sie nicht. Braunnase sah, dass seine Mutter aufgehört hatte, zu atmen. Auch Minzblatt schien das gesehen zu haben, denn sie ließ ein lautes „Nein!“ ertönen. Einige Sekunden passierte gar nichts. Plötzlich hob und senkte sich Blattsterns Brustkorb wieder und sie fuhr hoch, als hätte sie einen Albtraum gehabt. „Blattstern!“, rief Minzblatt erleichtert. Braunnase schwieg. Seine Mutter hatte ein weiteres Leben verloren. Er erinnerte sich noch an ihre Zeremonie, wie sie ihre neun Leben bekommen hatte, doch inzwischen hatte sie nur noch sieben. „Adlerfeder…“, seufzte sie, als sie ihn sah, „Was ist passiert?“ „Du hast ein weiteres Leben verloren“, erklärte er. „Aber ich lebe noch“, sagte sie. „Aber nur noch mit sieben Leben“, maunzte Adlerfeder. Blattstern stand auf. Ihre Schritte waren noch wacklig und unsicher, aber sie stand. Minzblatt senkte den Kopf. „Das hätte nicht passieren sollen!“, miaute sie. Blattstern sah sie an, dann erklärte sie: „Aber es ist passiert, Minzblatt. So ist das Leben. Und so geht das Leben. Die Zeit geht weiter. Ich habe versprochen, jedes meiner Leben für meinen Clan zu opfern, und das tue ich. Ich bin Blattstern, Anführerin des Donnerclans! Ich sterbe, damit mein Clan lebt! Und wenn ein Anführer anders denkt, wie er seinen Clan leiten sollte, denkt er falsch! Es ist passiert. Aber morgen ist es nur noch eine Erinnerung, denn ich lebe!“
    Braunnase hatte erst jetzt bemerkt, dass Wolfsherz von draußen zugehört hatte. Sie sah weder so erschrocken wie Minzblatt über Blattsterns Worte zu sein, noch so verwirrt wie Adlerfeder, noch so zustimmend wie er selbst. Sie sah beeindruckt aus. Aber da war noch etwas anders in ihren Augen. Es war Respekt! Wolfsherz sah so aus, als hätte sie noch nie so viel Ehrfurcht vor jemandem gehabt. Er blieb noch eine ganze Weile bei Blattstern, Adlerfeder und Minzblatt. Blattstern ging es wieder gut und da der Heilerbau sowieso schon überfüllt war, schlüpfte er hinaus. Inzwischen war der Mond aufgegangen. Die meisten Krieger waren in ihrem Bau, nur Weißtatze saß beim Eingang, er hatte sich wohl entschlossen, Nachtwache zu halten. Braunnase ließ seinen Blick kurz durch das Lager wandern und entdeckte Wolfsherz. Sie ging auf ihn zu. Langsam blinzelte sie und drückte sich sangt gegen ihn. „Ist alles in Ordnung?“, fragte sie. Er nickte. Klar, Blattstern hatte ein Leben verloren, doch er wollte diesen Moment nicht ruinieren. Das Mondlicht schimmerte auf Wolfsherz‘ silbernen Pelz und tauchte ihn in ein überirdisch schönes Licht. Er sah sie lange an. Oder vielleicht auch kurz? Er hatte die Zeit vergessen. Er hörte nichts außer sein eigenes Schnurren, sowie das von Wolfsherz. Er sah nichts außer ihre schönen Augen, fühlte nichts, außer ihren warmen Pelz und roch nichts außer ihren vertrauten Duft. Wenn sie in einem anderen Clan gewesen wäre, wusste er, hätte er sie nicht getroffen, doch daran wollte er nicht denken. Diese Nacht gehörte nur Wolfsherz und ihm. Er schwang seinen Schweif um ihren. Sie erwiderte die Berührung und er war ihr näher als je zuvor. Seine Nase war ihrer nur noch wenige Millimeter entfernt. Als er noch überlegte, ob er ihr näher kommen wollte, berührten sich ihre Nasen bereits. Wolfsherz schnurrte. Braunnase schnurrte auch. Der Moment war perfekt. Wolfsherz und Braunnase ergänzten einander auf perfekt. Und egal was kommen würde, er war für sie da. Und er wusste, dass sie für ihn da sein würde.

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