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Nacht des Neumonds

Die junge Echopfote hat mit Hass, Wut und Trauer zu kämpfen. Was wäre das Leben ohne Rache?

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     Hierarchie des FunkenClans:
    Anführerin:
    Funkenstern|43 Monde |klein mit langem, orangefarbenem Fell und blauen Augen |w|
    Zweiter Anführer:
    Nachtkralle|39 Monde |stämmig mit grau-schwarz getigertem Fell, überlangen Vorderzähnen und grün-grauen Augen |m|
    Heiler:
    Wellenfrost|56 Monde |schlank mit weiß-grauem Fell und blauen Augen |m|
    Liliennacht|27 Monde |groß mit silber-grauem Fell und grauen Augen |w|
    Heilerschüler:
    Minzpfote|8 Monde |klein mit schwarzem Fell, weißen Pfoten und mintgrünen Augen |w|
    Krieger:
    Glutsprung|34 Monde |muskulös, schwarz-rot getigert mit dunklen Augen |m|
    Libellenfeuer|72 Monde |mittelgroß, braun-rotes Fell, rötliche Augen |w|
    Blattfunkeln|36 Monde |klein, schlank, weiß-schwarz gestreift, blaue Augen |w|
    Flusstraum|45 Monde |mittelgroß mit grau-blauem Fell und blauen Augen |m|
    Herzhauch|21 Monde |klein mit rotem Fell und grünen Augen |w|
    Plätschervogel|21 Monde |mittelgroß mit grauem Fell und grauen Augen |m|
    Apfelpelz|42 Monde |groß mit schwarz-grau getigertem Fell und braunen Augen |w|
    Quellensprenkel|42 Monde |groß, weiß-goldenes Leopardenmuster und gold-gelbe Augen |w|
    Vollmondfuß|42 Monde |klein, komplett schwarzes, kurzes Fell und blaue Augen |m|
    Tigerzahn|61 Monde |stämmig, schwarz-orange getigert, lange Zähne und orange Augen |m|
    Erlenschnauze|18 Monde |mittelgroß mit braun-weißem Fell und grünen Augen |m|
    Höhlenschweif|18 Monde |stämmig, schwarzes Fell und blaue Augen |m|
    Sturmschrei|18 Monde |klein, graues Fell und graue Augen |w|
    Todesblitz|15 Monde |stämmig, groß mit weiß-grau-schwarzem Fell und dunklen Augen |m|
    Schüler:
    Löwenpfote|11 Monde |groß, honigfarbenes Fell mit grünen Augen und schwarzen Pfoten |m|
    Echopfote|11 Monde |groß mit langem schwarzem Fell und einem grünen und einem blauen Auge |w|
    Traumpfote|8 Monde |klein mit rot-weißem Fell und hellblauen Augen |w|
    Eispfote|8 Monde |klein mit weißem Fell und grauen Augen |w|
    Fuchspfote|8 Monde |schlank und groß mit fuchsrotem Fell und grünen Augen |m|
    Königinnen:
    Birkenwunsch|34 Monde |klein, weiß-braunes Fell und braune Augen |w| Mutter von Jubeljunges, Blaujunges, Springjunges und Bachjunges|
    Vogelschnee|29 Monde |klein, hellbraunes Fell mit blauen Augen |w| Mutter von Dornenjunges und Efeujunges
    Sonnenfluch|89 Monde |groß mit grauem Fell und grauen Augen |w| zu alt, um Junge zu bekommen, hilft aber beim Aufziehen
    Junge:
    Jubeljunges|5 Monde |groß mit weißem Fell und grünen Augen |m|
    Blaujunges|5 Monde |klein mit blau-weißem Fell und blauen Augen |w|
    Springjunges|5 Monde |klein, weißes Fell mit grauen Augen |w|
    Bachjunges|5 Monde |mittelgroß mit weißem Fell und grau-blauen Augen |w|
    Dornenjunges|2 Monde |klein mit hellbraun getigertem Fell und braunen Augen |m|
    Efeujunges|2 Monde |klein mit grau-braunem Fell und braunen Augen |m|
    Älteste:
    Blütenherz|93 Monde |groß, schlank mit weiß-rotem Fell und blauen Augen |w|
    Sandnacht|97 Monde |klein mit sandfarbenem Fell und dunkelblauen Augen |m|
    Krähenohr|101 Monde |klein mit schwarzem Fell und einem weißen Ohr, blaue Augen |m|
     
     
     
     
     
    Mein Körper brannte, meine Lunge war keine Ausnahme und meine Pfoten drohten unter mir einzuknicken. Die bemooste Trainingslichtung hatte Blutflecken und die Luft war beinahe zu dick zum Atmen. Ein tiefer Atemzug noch, dann würde ich auf ihn losgehen. „Zu langsam!“, fauchte mein Mentor auch schon und schoss erneut auf mich zu, woraufhin ich mich blitzschnell zur Seite wegrollte und ihm die Hinterbeine in den Bauch stieß. Mein Mentor flog einige Schwanzlängen weit weg und richtete sich wütend knurrend wieder auf. „Falsch! Falsch, falsch, falsch!“, stieß der Kater sauer hervor, „Nimm dir ein Beispiel an Löwenpfote! Er kann das alles!“. Mein zweifarbiger Blick fuhr zu dem honigfarbenen Schüler, der mir einen selbstgefälligen Blick zuwarf und dann selbstverliebt anfing, mir vorzuführen, wie er um seine Mentorin herumschlich. Blattfunkeln schien recht desinteressiert, was ihr Schüler tat, sie folgte ihm zwar mit den Augen, doch man sah ihr an, dass sie mit den Gedanken ganz woanders war. Und leider hatte ich da so eine Ahnung: Bei Löwenpfotes Vater, meinem Mentor Nachtkralle. Apropos Löwenpfote: Er ging jetzt auf Blattfunkeln los und erwischte sie hart am Kopf, doch sie sah aus, als würde sie das rein gar nicht stören, denn sie starrte zu Nachtkralle hinüber. Das war keineswegs neu für mich, aber jetzt reichte es!
    „Echopfote! Du kommst SOFORT zurück!“, brüllte Nachtkralle mir hinterher. Ha! Der konnte mich mal! Ich war mit Abstand die schnellste Schülerin im FunkenClan, da sollte er erstmal versuchen mich einzuholen! Falls er und Löwenpfote nicht vor lauter Selbstverliebtheit gegen einen Baum rannten und sich dabei alle Knochen brachen, was ich mir sehnlichst wünschte. Jetzt hast du mich also kennengelernt:
    Ich bin Echopfote, 11 Monde alt und lebe im FunkenClan. Und ich hasse Löwenpfote und seinen Vater. Blattfunkeln war früher echt nett, sie half, nachdem meine Mutter bei der Geburt starb, doch wahrscheinlich nur, weil Löwenpfote sich gleichzeitig in der Kinderstube befand und somit auch Nachtkralle. Löwenpfote scheint seine Mutter nicht besonders zu vermissen, zumindest meinte er, als sie vor einem halben Blattwechsel starb, gerade als wir Schüler wurden: „Nur die Stärksten überleben. Die Schwachen brauchen wir nicht.“. Seitdem verabscheue ich ihn, davor war ich jedoch anders drauf gewesen… wie dem auch sein. Und mit hassen meine ich nicht nur nicht mögen, nein. Wegen ihm habe ich unzählige Narben, wegen seinem Vater bin ich hinten mit dem Training, da er es nicht für nötig hält, mir etwas beizubringen. Für ihn zählt, dass ich Löwenpfote nachahme und dass ist gar nicht einfach, denn Blattfunkeln starrt sowieso die ganze Zeit nur zu Nachtkralle hinüber. Dadurch macht Löwenpfote alles falsch, was man falsch machen kann und ich lasse mich nun wirklich nicht dazu herab, dass nachzumachen. Nachdem ich ihnen davongerannt war, saß ich im Lager auf einem Baum und sah auf das Geschehen hinab. Eine leichte Brise kräuselte mein tiefschwarzes Fell, als mein Mentor vor Schlamm triefend und außer Atem im Lager ankam. Ein zufriedenes Grinsen umspielte meine Lippen, denn offenbar war er ordentlich im Dreck gelandet, genau wie sein Sohn, der sich jetzt angewidert die Nässe aus dem Pelz schüttelte und dabei alle umliegenden Katzen mit Schlamm bespritzte. Doch niemand wagte es, sich zu beschweren, denn Nachtkralle war unser zweiter Anführer. Nur Sandnacht, Krähenohr und Blütenherz schnurrten belustigt. Er schaute sich um, die überlangen Zähne gebleckt, dann stolzierte er los, um sich scheinbar bei Funkenstern über mich zu beschweren. Gerade in dem Moment raste unser Heiler aus ihrem Bau und sah sich gehetzt um. „Hilfe! Funkenstern braucht Hilfe!“. Bei den Worten kam Bewegung in mich und ich sprang von meinem Baum. „Halt“, miaute Nachtkralle grinsend und versetzte Wellenfrost einen harten Schlag, weil dieser gerade zu seinem Bau laufen wollte, „ihr Schicksal liegt in den Pfoten des Sternenclans.“. „Nein!“, erwiderte unsere Heilerkatze wütend, „Es war Mord! Mord!“. Der Clan erstarrte und alle drehten sich um, als Blattfunkeln vom Schmutzplatz kam und sich die Pfoten leckte. „Hab‘ ich was verpasst?“, fragte sie und sah sich um, ihr Blick war so zufrieden und selbstgefällig wie der von Nachtkralle, dass man nur zwei und zwei zusammenzählen musste. Der Kater fegte Wellenfrost zur Seite und ging zu Funkensterns Bau hinüber, ich folgte ihm auf dem Fuße, wobei ich Löwenpfotes wütendes Knurren und Blattfunkelns drohendes Fauchen missachtete. „Bitte…“, miaute eine heisere Stimme, ganz sicher die von Funkenstern.  „Es ist aus!“, flüsterte Nachtkralle, das Grinsen hörte man ihm an. Dann hörte ich ein schreckliches Geräusch, und als ich hineinstürzte, sah ich, dass Nachtkralle über ihr stand und hämisch auf sie hinabsah. Bis er mich entdeckte.„Funkenstern ist tot!“, verkündete unser neuer Anführer dramatisch, „Es wird Zeit, dass ich aufsteige, als euer neuer Anführer Nachtstern!“ Jetzt richtete er den Blick zum Himmel, dann miaute er: „Unsere Vorfahren sagten, dass jede Katze, die bei Neumond stirbt, nichts Gutes im Schilde führte! Jetzt schaut hinauf! Seht ihr den Mond?“. Auch ich blinzelte hoch. Kein Mond, kein Licht. Wir hatten Neumond. Aber das wollte ich mir nicht gefallen lassen, ich glaubte es nicht! Schließlich war vor nicht allzu langer Zeit die Nacht des Schweigens gewesen, die Nacht in der der Vollmond schien und jede Katze in Gedanken bei den Verstorbenen war. Es konnte kein Neumond sein! „Da!“, rief da auch schon Wellenfrost, „Seht ihr nicht auch die Mondsichel?“. Der gesamte Clan richtete den Blick auf Nachtstern, der erstarrte. Aha. Er hatte Funkenstern also an Neumond umbringen wollen, um allen weiszumachen, dass sie böse gewesen war. Doch er ignorierte alles gekonnt. „Ich brauche einen neuen zweiten Anführer, aber zuerst will ich zwei neue Krieger ernennen! Echopfote, komm her.“. In allen Maßen überrascht ging ich zu ihm. „Ich sage, sie ist bereit eine Kriegerin zu sein. Du sollst Echoflucht heißen.“. Mein Fell sträubte sich protestierend. Echoflucht? Was war denn das für ein Name? Löwenpfote krümmte sich vor stummen Lachen, während Nachtstern mich selbstgefällig ansah und dann Löwenpfote zu sich rief. Er taufte ihn Löwentod. Ein schrecklicher Name, aber mich hatte ja niemand gefragt. So saß ich also nun schon seit einem Mond in diesem Clan fest, umgeben von Geflüsterfeuern. Nachtstern, der mittlerweile leider seine neun Leben erhalten hatte, machte mir das Leben schwer. Er hatte Blattfunkeln zu seiner neuen zweiten Anführerin gemacht, die mich Tag für Tag in so viele Patrouillen einteilte, dass ich abends für nichts anderes mehr Kraft hatte. Sie wollten es verhindern, da war ich sicher… Löwentod war inzwischen Mentor von Jubelpfote und führte sich auf, als wäre er der Anführer. Weil Herzhauch nicht nach seiner Schnauze hatte tanzen wollen, hatte sie nichts zu Fressen bekommen. Nur die sieben Monde ältere Sturmschrei hatte Empathie für ihn und erwartete Junge von ihm. Auch wenn jede Katze mich fragte, wann ich mir denn einen Gefährten nehmen würde, wusste ich eines: Ich war etwas Besonderes. Zumindest für mich. Also schmiedete ich einen Plan. Er war verrückt und finster… sehr finster. Nacht für Nacht lag ich da, sah zum Mond hinauf… und feilte an meinem Plan. Sowas hatte ich mir nie zugetraut, dachte ich oft, wenn sich in meinen zweifarbigen Augen das Silbervlies spiegelte und der Mond, der Nacht für Nacht abnahm. Wenn die Brise der Nacht mein langes schwarzes Fell kräuselte und die Kälte der Blattleere unter meinen Pelz kroch. Auch wenn mich tagtäglich die Wut und Trauer, gemischt mit unbändiger Müdigkeit einholte, gewann mein Wille die Macht über mich. So tat ich, was mir gesagt wurde, immer begleitet von einem Gefühl der Schwere, ausgelöst durch meine anhaltende Trauer um Funkenstern und meine Wut auf Nachtkralle und Löwentod. Und diese Wut schloss immer mehr Blattfunkeln mit ein. Nun, wenn ich dann auf meiner Birke lag, eine Pfote baumeln ließ und im Rhythmus dazu meine Gedanken kreisten, die weiße Rinde an meinem Bauchfell kratzte und ich mit einem Auge – meistens mit meinem blauen – in den Himmel sah, dann wurde aus dieser Schwere eine Art Schwerelosigkeit, aus dem Gefühl, eingesperrt zu sein, wurde Weite und mein Gehirn fing richtig an zu arbeiten. Als ich also eines weiteren Abends dalag und mein Blick starr und bewegungslos gen Himmel ging, fiel mir die dünne Mondsichel auf. Sie war nur noch hauchdünn…
    Ein Zweig knirschte. Eine Eule schrie. Bei jedem Geräusch schrak ich zusammen und drehte mich um, um zu sehen, ob mich jemand verfolgte. Der Heilerbau zeichnete sich als beinahe unerkennbare Silhouette in der Nähe ab. Meine Schnurrhaare strichen an den Brombeerranken entlang, als ich ihn betrat und witterte. Dem SternenClan sei Dank, alle drei Heiler waren wohl auf nächtlicher Kräutersuche, wie ich es ihnen ‚empfohlen‘ hatte. Leise schlich ich an Minzpfotes Nest vorbei, zu dem, wo Nachtstern lag. Er röchelte leise im Schlaf, was wohl an den Todesbeeren lag, die ich ihm untergejubelt hatte. Leider hatte ausgerechnet Glutsprung ihm das betreffende Beutestück angeboten, der lag jetzt hinter dem Lager… Löwentod hatte seinem Namen alle Ehre gemacht und ihn getötet. Nachtstern hatte jetzt nur noch ein Leben, glaubte ich zu wissen. Viele hatte er in unnützen Kämpfen gegen Streuner vergeudet, wobei auch Vollmondfuß und Libellenfeuer ihr Leben ließen. Nun, und gerade zu diesem genialen Zeitpunkt war ich da, während er allein war und vollkommen wehrlos. Alle Gefühle strömten auf mich ein… mein schwarz befelltes Gesicht verzog sich in Schmerz und Wut. Bevor mich die Woge des Hasses überspülte und ich in dem Zorn versank, dass er Funkenstern umgebracht hatte, dass er mich benachteiligte und ausnutzte, und dass er mir so viele Wunden zugefügt hatte, und, und, und... da sprang ich auf ihn und drückte feste mich einer Pfote auf seine Schnauze. Nachtstern wachte sofort auf und starrte mich wutentbrannt wie entsetzt an. Die Woge des Hasses prallte gegen eine unsichtbare Wand, hinter der sie schäumte und tobte, und die Welle der Zufriedenheit brach zu mir durch. „Rache“, miaute ich nur, dann sauste meine erhobene Pfote auf seine Kehle zu. Keine Sekunde zu früh. Denn er wollte sich aufbäumen, stürzte dann aber unter einem furchteinflößenden Gurgeln in sein Nest zurück. Hier war meine Arbeit getan, beschloss ich nach einem kurzen Blick auf den erschlaffenden Nachtstern. Auf dem Weg zu meinem nächsten Ziel stieß ich gegen einen Fellhaufen, was mich nicht sonderlich interessierte. Mit ein paar wenigen Sätzen war ich im Anführerbau, wo normalerweise Löwentod und Blattsprenkel schliefen. Doch er war leer.
    „Angst, Pfötchen?“, fauchte eine Stimme hinter mir. Erschrocken fuhr ich herum und entdeckte Löwentod, der den Eingang blockierte. „Ach“, höhnte ich, „wo ist denn deine Mami?“. Wutentbrannt starrte er mich an, dann miaute er: „Sie hat Angst gekriegt. Jetzt ist sie nur noch ein Haufen Fell und Knochen. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.“. Das wollte ich sehen und rammte ihn beiseite. Der Anführerbau lag oben in einem recht großen Astloch in einer Eiche, darum konnte man sich alles brechen, wenn man nicht den korrekten Weg nach unten nahm. Dort unten lag sie, zertrümmert von ihrem eigenen Ziehsohn. „Kein Mond heute Nacht, was?“, fuhr Löwentod hinter mir fort, „Genau passend…“. Was in den nächsten Sekundenbruchteilen passierte merkte ich mir, doch alles ging so schnell. Ich spürte eine Schnauze, die mich von hinten anschob, im nächsten Herzschlag fiel ich, konnte mich allerdings mit einer Pfote festhalten. Löwentod guckte sehr erstaunt, dass sein ach so toller Plan nicht aufging. Mit allerletzter Kraft zog ich mich hoch und sah dann etwas, was mir das Herz stillstehen ließ. Unter mir bewegte sich etwas. Nachtstern, blutüberströmt, stand unten und sah herausfordernd zu mir hinauf. Er oder der Krieger, der mir als Schüler so viel Ärger bereitet hatte? Wer hatte es als erstes verdient zu sterben? Er.
    Schnell war ich die Äste nach unten gesprungen, raste auf ihn zu, der mir entgegensah. Dieser Sack Fell hatte keine Chance gegen mich! Meine Zähne bohrten sich abermals in seine Kehle, bis ich Blut schmeckte, dann sackte er endgültig zusammen. Nur eine Frage stellte sich mir: Sogar Nachtstern wusste, wann er keine Chance mehr hatte. Warum hatte er sich so bereitwillig umbringen lassen? Diese Antwort blieb mir nicht verwehrt, denn Pfotenschritte näherten sich mir, die Pfotenschritte von Löwentod. Nicht mal einen Herzschlag später waren wir nur noch ein Knäuel aus Wut und Fellfetzen, dass durch die Dunkelheit rollte. Das möchte ich nicht leugnen… ich verlor in dem Kampf sicher Tränen. Niemals hatte ich gedacht, zur Mörderin werden zu können. Und jetzt war ich es doch, die Mörderin meines eigenen Anführers. Plötzlich standen wir uns gegenüber, Auge in Auge, und keiner wagte es einen Muskel zu rühren. Seine grünen Augen glänzten, aber nicht schadenfroh, wie sonst immer. Dann öffnete er sein Maul. Zuerst dachte ich, es würde nichts herauskommen, dann meinte er jedoch: „Mein Vater. Du hast meinen Vater ermordet.“. Da konnte ich nicht mehr länger stehen bleiben, ich wirbelte herum und rannte. „Echoflucht! Warte!“. ‚Niemals‘, hallte es in meinem Kopf, ‚niemals‘. Ohne jede Orientierung schlitterte ich weg von Lager, bis ich auf einmal den Boden unter den Pfoten verlor. Ich versuchte mich noch irgendwo festzukrallen, doch ich war zu weit gerannt. Gerade stürzte ich die Klippe hinab, über mir noch das Gesicht von Löwentod. Da tat ich etwas Instinktives. Zuschlagen. Ja, ich schlug zu, mit ausgefahrenen Krallen. Hatte ich mich festhalten wollen? Was hatte ich tun wollen? Selbst wusste ich es nicht mehr, und ich traf etwas oben… Löwentods Kehle. Der Kater fiel kreischend zu mir hinab, und dieses Kreischen wollte Gefühle in mir wecken, die ich jedoch unterdrückte. Nein. Keine Gefühle. Nicht für ihn. „Echoflucht…“, keuchte er, in den Augen stand ihm Trauer. Doch das war mir egal und der Boden war so nah, da dachte ich nur noch eines: Ich hatte meine Rache bekommen.

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