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Nelkensee's Entscheidung

Rosensturm fehlt immer öfter wenn Nelkensee aufwacht. Und dann steht Nelkensee vor der Entscheidung das Leben ihrer Freundin zu retten oder ihr Geheimnis zu wahren...

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    Auf meiner rechten Seite fliegt der der Wald nur so vorbei während ich in Höchsttempo an seinem Rand entlang jage. Der weiße, flauschige Schwanz de
    Auf meiner rechten Seite fliegt der der Wald nur so vorbei während ich in Höchsttempo an seinem Rand entlang jage. Der weiße, flauschige Schwanz des Kaninchens hüpft kurz vor mir auf und ab, ich komme ihm immer näher. Als das Kaninchen einen Haken in den Wald schlägt, kratze ich ganz knapp an einem Baum vorbei die Kurve, als sich plötzlich etwas braunes in mein Sichtfeld schiebt. Zu spät bemerke ich, dass ich genau auf es zurase und grabe meine Krallen in den Boden. Es bringt nicht sonderlich viel und ich krache mit voller Geschwindigkeit in die andere – ich habe inzwischen bemerkt, dass es sich um eine Katze handelt – hinein. Sie gibt ein ersticktes Jaulen von sich und wir kugeln gemeinsam einige Schwanzlängen über den ausgetrockneten Waldboden. Als wir schließlich still liegen bleiben, steckt meine Schnauze komplett in dem braunen Fell und hinter mir kann ich lautes Lachen hören, als mir der vertraute Geruch auffällt.Verlegen rapple ich mich auf und beginne mein Fell glatt zu streichen. „Musstest du mich unbedingt umrennen!“ bei seiner Stimme schlägt mein Herz etwas schneller, aber ich fange mich schnell wieder. „Ich.. ich war hinter dem Kaninchen-“ „Wissen wir doch, Nelkensee!“ Stahlenwind stupst mich neckend in die Seite. Strahlenwind ist meine Schwester und an meine andere Seite tritt Rosensturm, meine beste Freundin. „Was tut ihr hier?“ wollte ich von den beiden wissen. „Wir sind mit Laubwirbel und Klettenpelz auf Patrouille, aber wir sind schon auf dem Rückweg.“ antwortet Rosensturm, immer noch belustigt schnurrend. „Oh, du dämlicher Fellball, jeder außer Laubwirbel selbst, sieht, dass du ihn magst! Wann willst du ihm das endlich sagen!“ Super, Strahlenwinds Lieblingsthema: meine Liebe zu Laubwirbel. Warum musste ich auch ausgerechnet IHN umrennen, das ist mir so peinlich! Mittlerweile habe ich meine Fassung wieder gefunden. „Jetzt erzähl mir nicht, dass du besser bist! Ich weiß ganz genau, dass du schon seit Ewigkeiten in Wellenkralle verliebt bist!“ Nun guckt Strahlenwind verlegen zu Boden. Rosensturm ist seltsam ruhig geworden, schon seit einiger Zeit. Sie spitzt die Ohren, als würde sie etwas hören, was sehr weit weg ist. „Set ihr endlich fertig!“ ruft Laubwirbel von hinten, wo er gemeinsam mit Klettenpelz steht und wartet. „Oh, wir sind fertig, wenn du schon Wurzeln geschlagen hast!“ rufe ich zurück, wende mich jedoch trotzdem zum gehen. Wenn er mit mir spricht, fäng mein Herz immer an etwas höher zu schlagen, und ich probiere das irgendwie zu verbergen. Zum Glück scheint es ganz gut zu funktionieren, außer bei Stahlenwind. Sie hat es natürlich sofort bemerkt. Ich schließe mich der Patrouille auf dem Weg zum Lager an. Zwischendurch wäre ich beinahe über eine hervorstehende Wurzel gestolpert, konnte mich aber gerade noch so abfangen. Das Territorium des Wiesenclans – meines Clans – ist groß und weitläufig. Der Großteil besteht aus Heidelandschaft und wild bewachsenen Wiesen. Dennoch ist es zurzeit sehr schwer genügend Beute zu erlegen, dass der ganze Clan satt wird, trotz der Blattgrüne. Es herrscht eine unglaubliche Hitze, die nur in dem kleinen Waldstück, in welchem unser Lager liegt, etwas erträglicher wird. Der Boden ist ausgetrocknet, die Blätter der Bäume welk und wir alle durstig. Jeden Abend führt Glockenstern ihren Clan zum etwas entfernter gelegenen Bach um zu trinken. Die Beute verkriecht sich vor der Hitze in ihren Bauen oder ist bereits verdurstet. Es ist eine schwere Blattgrüne, für alle vier Clans.

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    Sonnenstrahlen kitzeln meine Nase als ich den Kopf aus dem Kriegerbau strecke. Laubwirbel ist dabei, seine Pflichten als zweiter Anführer zu erfüllen, und teilt geschäftig die heutigen Patrouillen ein. Neben mir taucht Wellenkralle aus dem Bau auf. „Weißt du ob Laubwirbel Rosensturm schon auf Patrouille geschickt hat?“ frage ich ihn in der Hoffnung, dass er Ja sagen würde.
    „Nein, tut mir leid, das weiß ich nicht.“ antwortet er und dreht sich Richtung Frischbeutehaufen.
    Ein leichtes Unbehagen macht sich in mir breit, während ich an Rosensturms Nest denke. Verlassen und kalt, nur noch ein leichter Hauch ihres Geruchs. Was wenn sie nachts jagen war und ihr etwas zugestoßen war? Sie musste schon einige zeit weg sein. Langsam ging ich auf die leichte Erhebung vor Glockensterns Bau zu, auf der Laubwirbel stand. „Süßwolke, du führst eine Jagdpatrouille in Richtung des verlassenen Dachsbaus. Nimm… Flammentanz und Kieselschweif mit.. und… Ja, Nelkensee.“ Dann schnippte Laub wirbel mit dem Schwanz und machte sich selbst auf um auf Patrouille zu gehen. Ich war etwas enttäuscht, dass ich nicht mit ihm gehen konnte und hätte vorher gern noch etwas gegessen, aber was solls. Während ich auf dem Weg zu Süßwolke – einer weißen, langhaarigen Kätzin - bin raschelt das Brombeergebüsch auf der anderen Seite des Lagers und ich kann braun getigertes Fell aufblitzen sehen. Schnell ändere ich die Richtung. „Wo warst du Rosensturm? Du bist immer öfters nachts weg..!“ frage ich vorwurfsvoll. „Warum willst du das wissen?“ Sie nimmt eine leicht abwehrende Haltung ein und verengt ihre grünen Augen zu Schlitzen. Überrascht trete ich leicht rückwärts. „Ich.. ich habe mir Sorgen gemacht!“. „Nun, du brauchst dir keine Sorgen um mich zu machen! Ich bin kein Junges mehr und kann auf mich aufpassen!“. Den letzten Satz fauchte sie ungehalten bevor sie sich arrogant abwandte und Richtig Kriegerbau stolzierte. Komplett Überrumpelt blieb ich stehen. Was war das denn bitte? Warum hatte sie gleich so austicken müssen? Immer noch verwirrt ging ich nun doch zu Süßwolke und Flammentanz die schon ungeduldig warteten. „Na endlich, was war denn da los?“Flammentanz sah mich neugierig und vorwurfsvoll zugleich an. Wir waren Freunde, aber eigentlich nicht so wie ich und Rosensturm. „Ich habe keine Ahnung. Sie muss Ameisen im Pelz haben:“ sage ich und zucke ratlos mit den Ohren. Rosensturm hat noch nie ohne Grund so reagiert. Was ist bloß in letzter zeit los mit ihr?

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    In den letzten Tagen seit unserer Auseinandersetzung, wird es mit Rosensturm immer schwieriger. Sie reagiert immer unerwartet und plötzlich n verschieden Stimmungen. Mal essen wir gemeinsam und geben uns die Zunge wie immer und dann ist sie plötzlich wieder gereizt und misstrauisch.
    Außerdem war in dem letztem Viertelmond dreimal ihr Nest morgens leer. Immer wenn ich sie darauf anspreche reagiert sie abweisend oder aggressiv. Und langsam habe ich wirklich Angst meine beste Freundin zu verlieren. Ich probiere jetzt das Thema zu meiden, denn ich habe den Eindruck, dass sie Angst hat dass ich ihr gefolgt sein könnte. Kurz habe ich sogar mit dem Gedanken gespielt es zu tun, habe es aber wieder verworfen. Sie ist meine beste Freundin! Ich muss sie nicht beschatten. Sie hat bloß eine schwierige Phase und braucht etwas Zeit für sich. Dafür dass Rosensturm immer mehr auf Abstand geht, verstehe ich mich mit Strahlenwind besser denn je und auch Flammentanz wird zu einer richtigen Freundin. Die Dämmerung setzt ein, während ich gemeinsam mit Strahlenwind ins Lager komme. Unsere Jagd war heute ausnahmsweise mal erfolgreich. Ich habe ein Eichhörnchen und mehrere Mäuse erlegt, während meine Schwester eine große Taube hinter uns herschleppt. Sie hat einen großartigen Fang gemacht! Laubwirbel miaut erfreut als er unseren Fang sieht und schickt mich lobend zu den Königinnen, um ihnen das Eichhörnchen zu bringen. Ich bin fast ein wenig stolz und seine Aufmerksamkeit lässt mein Herz mal wieder rasen, obwohl er so zu jedem Krieger war. Die Kinderstube liegt gut geschützt hinter einem Brombeerdickicht, welches das halbe Dach bildet. Die andere Hälfte übernimmt ein großer Felsen, der an seinem Fuße etwas hohl ist, also genau das richtige für die Königinnen. Saatduft liegt erschöpft im hinteren Ende, hebt jedoch den Kopf als sie mich kommen hört. Sie erwartet Junge, die bald soweit waren und die Hitze machte ihr am meisten zu schaffen von uns allen. Als ich die Kinderstube betrat warfen mich die Jungen – Kornjunges und Lorbeerjunges – von Birnenblüte fast um. Aufgeregt miauend begutachteten sie das Eichhörnchen in meinem Maul während Birnenblüte ihnen belustigt zusah. Ich hätte auch gerne mal Junge. Aber momentan sah es ja nicht danach aus
    würde das in naher Zukunft geschehen. Die Königinnen nehmen das Eichhörnchen dankbar an und ich mache mich auf den Weg, um endlich meinen eigenen Hunger zu stillen. Am Rand des Lagers wartet Strahlenwind schon auf mich. Sie hat eine fette Wühlmaus für mich rausgesucht und winkte mir mit dem Schwanz zu. Ächzend ließ ich mich neben ihr nieder. „Ich könnte Monde schlafen..!“ Raune ich ihr in einem dramatischen Tonfall zu der sie belustigt schnurren lässt. „Wie willst du eigentlich mit Laubwirbel weitermachen?“ ich sehe sie überrascht an. „Ihr könnt nicht einfach so, nebeneinander her leben. Du musst was unternehmen! Selbst ein Blinder sieht, dass ihr füreinander geschaffen seit!“ fügt sie hinzu. „Warum denn ich!“ unbehaglich rutsche ich hin und her. Wenn Strahlenwind erst mal angefangen hatte würde sie nicht mehr locker lassen. „Weil Kater zu viel Schiss haben um so etwas zu tun.“. „Ach und du bist auf einmal Profi, oder wie?“ Neckend sehe ich sie an. Zu meiner Überraschung sagt sie: „Ja! Ich habe heute morgen mit Wellenkralle gegessen.“ Erstaunt sehe ich ihr in die Augen, in die ein versonnener Ausdruck tritt. Ja vielleicht sollte ich das auch mal machen.

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    Nervös und unsicher blicke ich mich um. Rosensturm ist schon wieder nicht da. Strahlenwinds Vorschlag von gestern geht mir immer noch durch den Kopf. Sie meinte ich solle Laubwirbel einfach fragen ob er mit mir essen wolle. Sie sagte: „Du musst etwas machen, dass du ihm auffällst.“. Vielleicht war genau jetzt der richtige Zeitpunkt. Ich trottete langsam zum Frischbeutehaufen, immer noch überlegend. Aber ich entschloss mich, dass ich es ja mal versuchen könnte. Ich wählte eine große Amsel, obwohl ich Vögel mit den Federn eher ungern esse, aber ich weiß dass Laubwirbel gerne Amseln isst. Vielleicht würde er zustimmen, auch wenn es nur wegen der Amsel war. Laubwirbel saß zwischen den Wurzeln der großen Eiche, die neben dem Lagereingang stand. Vorsichtig gehe ich auf ihn zu, jetzt kann ich keinen Rückzieher mehr mache denn er hat mich gesehen. Ich bleibe vor ihm stehen. „Magst du mit mir teilen?“ Ich zucke unsicher mit den Ohren, weil ich ganz genau weiß, dass Strahlenwind mich beobachtet. „Gerne.“ Antwortet Laubwirbel zu meiner Überraschung und blickt nicht auf die Amsel sondern direkt ihn meine Augen. Sein Blick ist warm und als ich zurückschaue fängt es in meinem Bauch an, wie in einem Bienenstock zu summen. Glücklich und aufgeregt lasse ich mich neben ihm nieder und schiebe ihm die Amsel zu. Während er den ersten Bissen nimmt, sehe ich mich im Lager um. Ich kann Strahlenwind mit Wellenkralle sehen, die sich zu einer Patrouille aufmachen. Das Brombeergebüsch zittert und dann tritt Rosensturm hervor, sie lässt ihren Blick schweifen und bleibt an mir hängen. Ihre Augen funkeln böse. Was habe ich ihr denn jetzt getan? Egal, ich werde mir diesen wunderbaren Moment nicht von ihr verderben lassen. Während ich mit Laubwirbel esse, schweigen wir die gesamte Zeit. Aber es ist eine angenehme Ruhe und ich fühle mich wohl und beschützt bei ihm. Als ich den letzten Bissen genommen habe stehen wir auf. Laubwirbel zögert kurz. „Sehen wir uns bei Sonnenuntergang noch einmal?“ fragt er schließlich. „Klar, gerne“ innerlich springe ich vor Freude auf und ab. Er streift mit dem Schwanz zu Abschied an meiner Flanke entlang, ehe er zu Glockensterns Bau trabt. Ich sehe ihm noch eine ganze Weile nach.

    Vor Sonnenhoch war ich mit Melissenblatt, ihrem Schüler Regenpfote und Flammentanz auf Jagdpatrouille. Am Abend rief Glockenstern ihren Clan zusammen um zum Bach zu gehen. Es würden nur ein paar Krieger hier bleiben. Als wir das Lager gerade verlassen hatten gesellte sich Laubwirbel zu mir. Schnurrend begrüßte er mich. Während des Weges unterhielten wir uns, hauptsächlich über Beute und was wir am liebsten aßen. Laubwirbel zuckte überrascht mit dem Schwanz als ihm sagte, dass ich Vögel eigentlich nicht so gern esse. „Dann hast du das nur für mich gemacht?“ fragte er. „Ja, nur für dich.“. „Nelkensee...magst du vielleicht morgen mit mir jagen gehen? Allein?“. Ich fange an zu schnurren. „Unglaublich gern.“. “Laubwirbel, komm du mal?“ Glockensterns Stimme schallt von vorne zurück. Er sieht mich noch kurz an, bevor er sich auf den Weg macht. Warmes Glück breitet sich in mir aus. Vielleicht hat Strahlenwind ja doch recht, und er mag mich so wie ich ihn.

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    Aufgeregt liege ich in meinem Nest ohne eine Auge zu zu machen. Ich kann einfach nicht schlafen. Also beschließe ich etwas spazieren zu gehen vielleicht werde ich auch etwas fangen. Nachts hat sich die Luft angenehm abgekühlt. Ich gehe langsam an Kieselschweif, der heute Nacht Wache hält vorbei, und mache mich Richtung Schlucht auf. Die große Schlucht die immer schmaler wird, bis man sie überspringen kann, bildet die Grenze zwischen dem Wiesenclan und dem Waldclan.
    Ich habe immer wieder das unheimliche Gefühl dass mir jemand folgt, die trockenen Äste knarren und die Büsche knistern als würden sie gleich in Flammen auf gehen. Ich bin selten nachts draußen und werde das Gefühl der Beklommenheit nicht los. Plötzlich kann ich ganz genau Pfotenschritte hinter mir hören und in einem Adrenalinstoß werfe ich mich in den nächsten Busch, welcher dummerweise ein Brombeerbusch ist. Das passt mal wieder zu mir und meiner Tollpatschigkeit.
    An die Stelle wo ich ich gerade noch stand tritt eine andere Katze. Ich überlege noch ob ich sie anfallen soll, da sie unser Territorium betreten hat, als mir der unglaublich vertraute Geruch bewusst wird und ich mich nur knapp zurückhalten kann, nicht die Luft einzuziehen. Direkt vor steht Rosensturm. Sie ist also wieder aufgestanden. Witternd hebt sie den Kopf, ehe sie sich in meine Richtung dreht. Sie weiß wohl dass da jemand ist. Soll ich rauskommen? Rosensturm wird mir schon nicht den Kopf abreißen. Aufgeregt verlasse ich mein Versteck und trete vor. „Du! Was machst du hier?“ Rosensturm faucht mir mitten ins Gesicht. Erst zucke ich zurück, fange mich aber schnell wieder. „Dasselbe könnte ich dich fragen! Ich bin spazieren.“ Gebe ich wenig freundlich zurück. „Und das soll ich dir Glauben? Du spionierst mir nach!“ Sie hat sich auf den Boden gekauert und sieht aus als würde sie mich gleich anfallen. „Nein tue ich nicht! Du schleichst dich immer davon! Du bist meine beste Freundin, ich mache mir bloß Sorgen um dich?“ Mittlerweile beginne auch ich zu fauchen.“Triffst du dich mit jemandem?“ Misstrauisch und überrascht sie sie hoch. „Du hast mir doch nach spioniert!“. „Nein, natürlich nicht! Aber du schleichst dich fast jede Nacht weg und bist offenbar auf dem Weg zur Grenze! Also?“. „Mein Leben geht dich einen Dreck an! Eine tolle Freundin bist du mir!“ Sie will schon gehen aber ich will sie so schnell nicht davon kommen lassen. „Was soll das jetzt heißen! DU hast doch immer miese Stimmungen, siehst mich böse an und meidest mich! Das ist doch nicht meine Schuld!“ ich springe vor um sie aufzuhalten. „Du hast bloß noch Augen für Laubwirbel und Strahlenwind! Für mich hast du überhaupt keine Zeit mehr!“ sie sieht so sauer aus, so habe ich sie noch nie erlebt, und wir kennen uns seit der Kinderstube. „Rosensturm! Hast du Schmerzen? Ist was passiert? Du bist nicht mehr wieder zu erkennen!“ Ich sehe sie flehend an. „Ich merke doch dass etwas nicht stimmt! Warum kannst du mir nicht sagen was es ist!“. „Lass mich in Ruhe!“ Sie wendet sich ab und rennt davon.

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    Kalte, unbändige Wut macht sich in mir breit und ehe ich klar denken kann folgen meine Pfoten ihrer Spur durch den Wald. Ich hatte recht und die Spur führt direkt auf die dünnste Stelle der Schlucht zu. Abrupt bleib ich stehen als ich Stimmen hören kann. Die eine gehört auf jeden Fall Rosensturm die andere kann ich noch nicht zuordnen, aber sie gehört einem Kater. Eine bittere Vermutung macht sich in mir breit. Was wenn Rosensturm sich verliebt hatte, in einen Kater aus einem anderen Clan? Es gab Geschichten über Katzen die verbannt wurden, weil das Gesetz der Krieger Liebe außerhalb des eigenen Clans untersagte. Ich schlich mich vorsichtig durch das Farngebüsch bis ich Rosensturm von hinten sehen konnte. Sie war über den tiefen Spalt im Boden gesprungen und stand mit dem Rücken zu mir auf der Seite des Waldclans. Neben ihr konnte ich einen großen grauen Krieger mit langem Fell erkennen. Das konnte doch nicht sein! Das war doch nicht etwa dieses arrogante Mäusehirn Nesselpelz? Es sah ganz danach aus. Ich lauscht bis ich verstehen konnte was sie sagten. Rosensturm schnurrte. „Ich liebe dich Rosensturm. Mehr als alles andere auf der Welt!“ Nesselpelz drückte sich eng an sie. Rosensturm sah so glücklich aus, wie ich sie seit bestimmt einem Mond nicht mehr gesehen hatte. „Ich liebe dich auch! Und ich muss dir etwas sagen.“ Ich konnte ihre Gesichter nicht sehen und zum Glück konnten sie mich nicht riechen, da der Geruch unserer Grenzmarkierungen meinen eigenen überdeckte. Ich konnte jedoch das Kribbeln auf Rosensturms Pelz förmlich spüren. „Ich..“ sie zögerte. „Ich erwarte Junge.“ Mir wurde schlecht und ich fühlte mich als würde mir ein schwerer Stein im Hals hängen. Ich brauchte einen kurzen Moment so dass ich Nesselpelz‘ Reaktion verpasste aber das war egal. Ich drehte mich um und stürmte in den Wald. Irgendwohin wo es ruhig ist, war mein einziger Gedanke. Als ich schließlich den Waldrand erreichte, ließ ich mich erschöpft zu Boden fallen. In meinem Kopf begannen die Gedanke sich zu sortieren. Meine beste Freundin war in Nesselpelz aus dem Waldclan verliebt und erwartete nun auch noch Junge von ihm. Ich konnte nun etwas nachvollziehen, dass sie misstrauisch war, aber ich war auch sehr enttäuscht, dass sie mir nicht mehr vertraute. Sie schien wohl nicht aufhören zu können sich mit ihm zu treffen war aber gleichzeitig zerfressen von Schuldgefühlen und Angst, dass jemand es herausfinden könnte. Es war offensichtlich dass der Schlafmangel und die Angst zu ihren Stimmungen beitrugen.. Als loyale Kriegerin sollte ich zu Glockenstern gehen und ihr berichten aber Rosensturm war meine beste Freundin! Auch wenn sie keinen Wert mehr auf mich legte fühlte ich mich, allein bei dem Gedanken, sie zu verraten unglaublich schlecht. Aber was würden Strahlenwind und Laubwirbel sagen, wenn sie wüssten, was ich weiß? Was sollte ich jetzt bloß tun?

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    Das Jagen mit Laubwirbel war großartig. Wir gingen immer öfter gemeinsam raus und immer öfter war Rosensturms Nest morgens leer, sodass es auch anderen Kriegern auffiel. Ich kämpfte immer noch mit meinem gewissen, welches mir sagte ich solle zu Glockenstern gehen. Ich wusste wenn es herauskam und die anderen erfuhren, dass ich es schon wusste, würden sie auch mich bestrafen. Es war Sonnenhoch und Rosensturm war noch nicht zurück. Ich beobachtete sie öfters, wann sie ging, wann sie kam, aber wir redeten seit unserem Streit nicht mehr miteinander. „Hast du Rosensturm gesehen?“ Laubwirbel riss mich aus meinen Gedanken. Er saß dicht neben mir und sah mich neugierig an. „Sie war schon seit Ewigkeiten nicht mehr auf Patrouille.“ Oh nein, nein, nein! Was sollte ich ihm jetzt sagen. Mein gewissen flüsterte immer noch, ich solle es ihm und Glockenstern erzählen. „Nein ich weiß nicht wo sie ist.“ brachte ich schließlich hervor. Er warf mir einen liebevollen Blick zu und machte sich dann auf, um die Abendpatrouille einzuteilen. Die Dämmerung setzte ein und Rosensturm kehrte nicht zurück. Ich machte mir schon lange Sorgen und überlegte, Laubwirbel zu bitten eine Suchptrouille los zu schicken. Aber dann müsste ich ihm erzählen warum. Der Abend rückte immer näher und mehr und mehr und mehr Kriegern viel ihre Abwesenheit auf. Ihr musste etwas passiert sein! Sie trug Junge und konnte sich kaum mehr verteidigen. Ich musste auf der Stelle etwas tun. Erst unsicher aber dann dich bestimmt ging ich auf den Bau unserer Anführerin zu. „Glockenstern?“ rief ich schon, bevor ich ganz dort angekommen war. „Nelkensee. Komm rein.“ hörte ich ihre Stimme. Als ich eintrat konnte ich Laubwirbel direkt hinter ihr erkennen. „Du siehst aufgebracht aus. Was führt dich her?“ Die Anführerin sah würdevoll aus, wie sie gerade und aufrecht saß, den Schwanz ordentlich um die Pfoten gelegt. „Ich also…“ Zweifel überkamen mich. „Es ist wegen Rosensturm..“ sagte ich unsicher. „Ah ja, Laubwirbel sagte, sie sei öfters nicht da. Weißt du da etwas?“ Sie sah besorgt aber gleichzeitig auch streng aus. „ich mache mir sorgen um sie. Sie kommt sonst immer im Sonnenaufgang zurück aber jetzt fehlt schon den ganzen Tag! Was wenn sie von einem Dachs oder einem Fuchs erwischt wurde! Sie und ihre Jungen sind in ganz großer Gefahr!“ sprudelten mir die ganzen Sorgen des letzten Mondes aus dem Mund. Entsetzt sahen Glockenstern und Laubwirbel mich an. „Also erst mal ganz vom Anfang Nelkensee.“ Glockensterns Augen verrieten ihre Gefühle doch ihre Stimme blieb ruhig. Also berichtete ich ihnen von Rosensturms verhalten, Unserem Streit nachts und wie ich ihr gefolgt war. Als ich da angekommen war wo ich ihnen von den Jungen erzählte sprang Glockenstern auf. Sie sah wütend aus aber gleichzeitig besorgt. Ich wusste jetzt schon, dass es für Rosensturm Konsequenzen geben würde und bezweifelte meine Entscheidung. Laubwirbel hockte sich neben mich und ich presste mich eng an ihn. „Sch, alles wird gut. Du hast genau das richtige getan.“ Flüsterte er mir beruhigend zu. „Laubwirbel, stell einen Suchtrupp zusammen. Ich werde ihn selbst anführen.“ Glockenstern schritt aufgebracht hin und her. „Nelkensee, du bleibst im Lager und lässt dir von Moosfell etwas zur Beruhigung geben. Du zitterst ja!“ Ich nickte, und war ganz froh dass ich nicht mit suchen musste. Während Laubwirbel und Glockenstern gingen verharrte ich noch kurz und dachte über meine Entscheidung nach. Ich hatte Rosensturm verraten. Aber wenn sie in Lebensgefahr schwebte war es das doch wert, oder?

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    Ich lungerte am Rand des Lagers, während ich ungeduldig wartete bis Glockenstern zurück kehrte. Strahlenwind probierte verzweifelt mich zu beruhigen. Was wenn Rosensturm tot war? Diese Frage schoss immer wieder durch meine Gedanken. Was wenn…?
    Ich konnte die Truppe riechen, bevor man sie hörte. Ein grauenhafter Gestank nach Blut wehte übers Lager hinweg. Strahlenwind schien es auch wahrzunehmen, denn sie sprang auf und rannte in Richtung des Heilerbaus. Ich konnte Schritte hören und begann unkontrolliert zu zittern. Oh Nein, nein, nein, nein! Sie war tot! Bestimmt war sie tot! Der Brombeertunnel zitterte und Klettenpelz und Glockenstern brachen hervor. Sie trugen eine reglose Rosensturm in ihrer Mitte. Mein Herz drohte stehen zu bleiben, als ich plötzlich Laubwirbels Stimme neben mir hörte. „Mach dir keine Sorgen. Sie lebt, und sie wird bestimmt wieder.“ Seine Stimme klang weich und mitfühlend. Ich drückte mich schon zum zweitenMal heute an ihn. „Danke“ flüsterte ich. „Laubwirbel, danke. Weißt du ich..“ Da war sie wieder, meine Unsicherheit. „Ich liebe dich!“ Sagte ich dann doch und blickte hoch direkt in seine warmen bernsteinfarbenen Augen. Er presste die Schnauze an mein Fell. „Ich liebe dich auch!“ Das war der schönste Moment meines ganzen Lebens auch wenn er gleichzeitig so grauenhaft war.

    Es vergingen einige Tage, ehe Rosensturm aufwachte. Laubwirbel und ich waren jetzt Gefährten und ich konnte mir niemand besseren als ihn vorstellen. Als Rosensturm schließlich vollkommen genesen war berief Glockensturm ihre ältesten Krieger zusammen um sich zu besprechen. Ich wusste schon was kommen würde. Als zur Clanversammlung rief war fast der ganz Clan schon anwesend. Als sie sich an mich wandte senkte ich den Blick auf meine Pfoten. „Nelkensee, du hast schon seit einer ganzen Weile gewusst, dass Rosensturm sich mit Nesselpelz aus dem Waldclan trifft, hast aber dennoch nicht bescheid gegeben?“ Sie sah mich streng an. „Ich .. ich“ . „Schon gut, ich kann deine Treue zu deiner ehemaligen besten Freundin verstehen. Als du uns berichtet hast, tatest du dies im genau richtigen Moment und hast Urteilsvermögen und Verantwortungsbewusstsein bewiesen.“ Verlegen blickte ich zum Boden. Glockenstern wandte sich Rosensturm zu. „Rosensturm, du hast das Gesetz der Krieger vorsätzlich gerochen und dich mit einem Krieger aus einem anderen Clan getroffen ohne über die Konsequenzen nachzudenken. Außerdem wirst du Junge von ihm bekommen. Hast du nicht daran gedacht, wie es deinen Jungen als Halbclan-Jungen gehen wird? Es ist besser für sie und dich, eich Leben außerhalb des Clans zu führen. Wir schicken dich in die Verbannung. Du hast bis zum morgigen Tag am Sonnenuntergang Zeit, unser Territorium zu verlassen.“ Ich sah Rosensturm an. Ihre Augen glitzerten verzweifelt sei widersprach jedoch nicht. Sie verabschiedete sich von einigen Kriegern und verließ das Lager. Ich wurde von Schuldgefühlen zerfressen als ich ihr nach jagte. „Rosensturm! Warte!“ Sie blieb stehen und wandte sich um. Sie sah mich nicht wütend an, sondern enfach nur unglaublich traurig. „Es..Es tut mir leid alles“ sagte ich zu ihr. „Nein Nelkensee. Mir tut es leid. Ich habe mich vor allem dir gegenüber ungerecht verhalten und das tut mir leid. So weit hätte es nicht kommen dürfen aber jetzt ist es zu spät. Ich mache dir keinen Vorwurf, du hast das richtige getan.“ Rosensturm blickte niedergeschlagen zu Boden. „Wo wirst du hingehen?“. „Irgendwo hinter die Wiesen. Machs gut Nelkensee.“ Sie legte die Nasen spitze an meine und wandte sich dann ab. Ich sah ihr lange nach, bis sie hinter den Hügeln verschwand.

    Das Leben im Clan geht weiter, Strahlenwind und Wellenkralle werden ein paar und ich erwarte Junge. Ich bin über glücklich mit meiner Familie Laubwirbel, Disteljunges und Rosenjunges. Auch wenn ich oft noch an Rosensturm denke, vermutlich ist es so besser für uns alle.


    So das war es. Ich weiß ich bin die letzte die abgibt und entschuldige mich hiermit für die mehr als große Verspätung. Ich hoffe mein Betrag hat euch gefallen. Ich glaube man merkt, dass ich am ende das ganze aus Zeitnot etwas kürzen musste, ich hoffe, dass die Geschichte trotzdem nachvollziehbar und unterhaltsam ist. Ich weiß jetzt schon, dass ich viiiieeeel zu viele Wörter hab, ich denke dafür ist mir der Inhalt besser gelungen als sonst.
    Eure Ampferschweif^^

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