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Diese Blattleere war anders

In dieser Fanfiction zu Warrior Cats geht es um Folgendes:

Es ist Blattleere und der DonnerClan möchte wie jedes Jahr das Schneefest feiern. Nur leider gibt es draußen im Wald eine Kätzin, die einst vom Clan verbannt wurde und nun auf Rache aus ist. Deshalb entführt sie ein Junges...

Mein Beitrag zum Schreibwettbewerb Warrior Cats - forgotten stories (Teil 2) im Dezember.

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    PROLOG

    Obwohl die ersten kleinen Schneeflöckchen in diesem Jahr direkt vor den bernsteinfarben glühenden Augen der Kätzin vorbei schwebten, sah sie sie nicht, denn sie war in Gedanken versunken. Sie lief gerade über eine Wiese, die sich unter ihren Pfoten vom ersten Schnee schon ziemlich nass anfühlte, obwohl er nicht liegen blieb. Plötzlich stoppte sie. Sie konnte den Wald sehen. Erneut lief sie los, beschleunigte ihre Schritte immer mehr, bis sie schließlich rannte. Am Wald angekommen hielt sie erneut an. Keuchend von ihrem Lauf stand sie da und starrte mit einer Mischung aus Ehrfurcht, Neugierde und Begierde zwischen die Bäume. Jedes Mal, wenn sie keuchte, hing ihr Atem als weiße, fast durchsichtige Wolke eine Sekunde lang in der Luft, bevor er sich auflöste. Langsam beruhigte sie sich wieder, atmete ruhiger. Hoffentlich würde sie von keiner Grenzpatrouille gesehen werden. Die Kätzin schlich zum Waldrand. Sog die Gerüche des Waldes ein, die selbst in der Blattleere genauso da waren wie in der Blattgrüne. Es war so lange her, dass sie hier gestanden hatte. Damals allerdings im Wald, auf die Wiese starrend, nicht wissend, wohin mit sich. Mit einer ungeheuren Wut erfüllt. Und ganz allein. Auch diesmal war sie allein. Doch diesmal stand sie auf der Wiese und starrte in den Wald. Sie machte einen Schritt in den Wald. Hielt die Luft an. Doch sie hörte nichts. Die Kätzin lief los. Sie kannte den Weg immer noch, stellte sie erstaunt fest. Nach so vielen Monden. Sie lief und lief, und irgendwann hatte sie ihr Ziel erreicht. Sie stand da, wo sie so oft gestanden hatte. Versteckt hinter einem Baum, vor dem Lager des DonnerClans. Gut, damals hatte sie nicht hinter einem Baum gestanden, aber trotzdem war sie immer aus dieser Richtung gekommen, wenn sie jagen oder auf Patrouille gewesen war. Die beste Beute hat es am Waldrand gegeben. Und dort war sie immer hingelaufen. Die Kätzin schnupperte. Viele andere Katzengerüche hingen in der Luft, neue wie alte. Doch alle schienen im Lager zu sein. Sicher, es war ja erst einmal Sonnenaufgang, bestimmt schliefen alle noch. Schnell huschte die Kätzin von Baum zu Baum. Immer weiter nach vorne. Dann durch den Ginstertunnel. Freude stieg in ihr auf, als sie sich im geschmückten Lager umblickte. "Die werden sich wundern", flüsterte sie und ein Grinsen nahm auf ihrem Gesicht Gestalt an. Dann lief sie zum Kriegerbau. Es konnte losgehen.

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    KAPITEL 1

    "Heiliger SternenClan! Was ist DAS denn?" Erschrocken fuhr Flockenwirbel aus dem Schlaf hoch. Das hatte wie ihre Schwester Himbeerwolke geklungen! Die weiße Kätzin stand auf, schüttelte sich das Moos aus dem Fell und lief nach draußen. Und sofort sah sie auch den Grund für den Aufschrei ihrer Schwester. Die Tannenzweige, die Himbeerwolke gestern mühevoll mit klebrigem Beerensaft am Kriegerbau befestigt hatte, waren abgerissen und wie es aussah, in alle Kleinteile zerhackt. "Wer war das!", schrie Himbeerwolke. "Ganz ruhig", sagte Flockenwirbel schnell und schmiegte sich beruhigend an das schwarzweiße Fell ihrer Schwester. In den Augen ihrer Schwester sammelten sich Tränen. "Immer wenn ich mir für etwas Mühe gebe, macht jemand es kaputt", jammerte sie und schniefte. Flockenwirbel seufzte innerlich. Das war leider der schlechte Charakterzug ihrer Schwester; sehr weinerlich und generell sehr emotional. "Himbeerwolke, jetzt beruhige dich mal wieder. Nadelbäume wachsen auch in der Blattleere. Wir holen einfach neue Zweige und dann...", versuchte der Bruder der beiden, Dunkelschatten, zu helfen. Was ihm missglückte. "Aber in zwei Tagen ist doch schon das Schneefest! Wie sollen wir das denn noch schaffen!", rief die Schwarzweiße und blinzelte heftig, um die Tränen aus ihren Augen zu vertreiben. Nussstern, der Anführer des Clans, kam hinzu. "Was ist denn hier los!", entfuhr es ihm, als er die abgerissenen Tannenzweige sah. Er schaute mit zusammengekniffenen Augen in die Runde. "Wer war das?" "Ja, also das wüsste ich auch gerne!", sagte Himbeerwolke. "Kannst du denn keinen Geruch an den Zweigen feststellen, den du kennst?", erkundigte sich Regenschauer, ein großer dunkelgrauer Kater und trat vor. Flockenwirbels Herz begann schneller zu schlagen. Sie mochte Regenschauer schon immer. Ja, sie war schon ein bisschen in ihn verliebt. »Ein bisschen?«, lachte eine Stimme in ihrem Kopf, aber Flockenwirbel ignorierte sie. "Nein", erklärte Himbeerwolke. Nussstern beugte sich zu den Zweigen - oder besser, zu dem, was davon übrig war - hinunter und schnupperte daran. Plötzlich zuckte er zusammen. "Was ist denn, Nussstern?", fragte Brombeerpelz, der beliebte zweite Anführer, alarmiert. Er glaubte immer, den Anführer beschützen zu müssen. Aber eigentlich war Brombeerpelz sehr nett und deshalb war er auch Flockenwirbels bester Freund. "M-mir geht's gut", stammelte Nussstern und hob den Kopf wieder. "Kommt", sagte er und lief zum Hochstein. Er sprang hinauf und berief eine Versammlung ein. "Alle Katzen, die alt genug sind, um eigene Beute zu erjagen, mögen sich hier am Hochstein versammeln!" Mit neugierigen Blicken strömten die Katzen aus den Bauen, setzten sich unter dem Hochstein und schauten zu Nussstern hoch. "DonnerClan!", begann Nussstern. "Ihr wisst, dass in zwei Tagen das Schneefest ist. Deshalb haben wir auch gestern schon mit dem Schmücken des Lagers angefangen. Heute Morgen fand Himbeerwolke die Zweige, die sie am Kriegerbau befestigt hatte, abgerissen und in alle Kleinteile zerrissen vor. Und nein, ich verdächtige niemanden von euch, keine Sorge. Denn ich fand einen Geruch an den Resten von den Tannenzweigen, der mir sehr bekannt vorkam. Es war..." Hier machte er eine Pause und holte tief Luft. "...der Geruch von Bernstein." Einige der älteren Krieger und auch einige der Ältesten schnappten erschrocken nach Luft, während die jüngeren Krieger, die Schüler und die Jungen verwirrt dreinblickten. "Und du bist dir ganz sicher, Nussstern? Kein Irrtum möglich?", erkundigte sich Federherz, eine Älteste mit cremefarbenem Fell. In ihren dunkelblauen Augen konnte Flockenwirbel Besorgnis erkennen. »Was haben die nur alle? Und wer ist Bernstein?«, dachte sie. Nussstern seufzte. "Nein, Federherz. Es tut mir leid. Der Geruch ist eindeutig." "Wer ist denn diese Rennstein?", quiekte Fleckenjunges plötzlich und sprach damit aus, was alle jungen Krieger, Schüler und Jungen dachten. "Bernstein, nicht Rennstein", berichtigte ihn seine Mutter Funkenblüte. "Weißt du, Fleckenjunges", wandte sich der Anführer an das braunweiß gefleckte Junge, "vor gar nicht so vielen Blattwechseln, als deine Mutter gerade erst Schülerin geworden war, gab es eine junge Kriegerin namens Bernsteindorn im Clan. Sie hatte das Ziel, zweite Anführerin zu werden, und schreckte dafür vor nichts zurück." Fleckenjunges machte große Augen. "Ich hieß damals noch Nusswind und hatte gute Chancen, zweiter Anführer zu werden. Aus diesem Grund hasste mich Bernsteindorn. Sie setzte alles daran, dass sie an meiner Stelle zweite Anführerin wurde, und wenn sie mich dafür töten musste. Blattgrüne kam und Blattgrüne ging, Blattfall kam und Blattfall ging, und dann kam die Blattleere. In dieser Blattleere wurde ich zweiter Anführer. Und Bernsteindorn wurde blind vor Hass. Sie versuchte alles, um mich auszuschalten. Überfiel mich im Schlaf - zum Glück konnte ich mit ihr kämpfen, da ich schnell aufwachte... Sie versuchte mich auch auf Patrouillen in Schluchten oder von steilen Abhängen hinunter zu stoßen. Ich glaube, einmal hat sie sogar meine Beute vergiftet, mit Todesbeeren, aber zum Glück habe ich es rechtzeitig entdeckt. Doch auch die Blattleere ging irgendwann und es kam der Tag, an dem die ersten Blumen wieder blühten. Es war Blattfrische geworden. In der Mitte der Blattfrische versuchte sie mich über den Fluss zu locken, der endlich wieder aufgetaut war. Doch dadurch, dass das ganze Eis geschmolzen war, führte der Fluss mehr Wasser denn je. Hinüber führte nur ein rutschiger Baumstamm. Bernsteindorn meinte, auf der anderen Flussseite gute Beute entdeckt zu haben. Sie wusste, dass ich abrutschen und von der Strömung mitgerissen werden würde. Also verneinte ich. Das machte sie so ungeheuer wütend, dass sie mich ansprang und begann, mit mir zu kämpfen. Dadurch flog ihr Vorhaben auf und der Clan verbannte sie. Doch sie kam noch einmal zurück und ermordete dem damaligen Anführer Gelbstern kaltblütig im Schlaf. So wurde ich Anführer. Seit dem Tag, an dem man sie aus dem Wald verbannte, habe ich sie nie wieder gesehen." Hier endete Nussstern. Alle hatten ihm gebannt zugehört. "Also hat sie die Zweige kaputt gemacht?", flüsterte Fleckenjunges. Nussstern nickte. "Sie ist wieder da", sagte er. "Sie weiß, dass es wieder Blattleere ist, und sie weiß auch, dass der DonnerClan bald wieder das Schneefest feiert. Während wir in Feststimmung sind, wird sie wie ein Schatten nachts durchs Lager huschen und unschuldige Katzen töten. Und nicht nur Katzen. Auch den Schmuck macht sie kaputt. Mit den kaputten Zweigen hat sie ihr Zeichen gesetzt. Damit wir wissen, dass sie wieder da ist. Ich sage euch eins, DonnerClan; seht euch vor!" Dann sprang er vom Hochstein, verschwand in seinem Bau und ließ seinen Clan aufgeregt und verängstigt tuschelnd zurück.

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    KAPITEL 2

    Die Kätzin hatte die ganze Zeit neben dem Lager gesessen und Nusssterns Rede zugehört. Nun grinste sie zufrieden. Der Clan wusste von ihr, alle wussten es, und sie hatten Angst vor ihr. Nussstern auch. Genau wie sie es wollte. Die Kätzin stand auf und lief in den Wald. Ihr graubraun getigertes Fell war zwischen den genauso braunen Bäumen fast nicht zu sehen. Lange Narben zogen sich darüber. Sie taten nicht mehr weh. Schon lange nicht mehr. Sie war bei der Höhle angekommen, die sie gefunden hatte und in der sie schlief, und kroch hinein. Drinnen legte sie sich hin. Schloss die Augen. Sie konnte sich genau an die Gesichter von allen erinnern, als sie verbannt worden war. Nusswind hatte geschockt ausgesehen. Funkenpfote war eine Mischung zwischen wütend und verzweifelt gewesen. Regenpfote hatte geknurrt, als sie an ihm vorbei gelaufen war. Flockenjunges, Dunkeljunges und Himbeerjunges hatten gar nicht verstanden, was überhaupt los war. Sicher. Die waren ja damals erst einen Mond alt gewesen. Federherz hatte nur den Kopf geschüttelt. Und Brombeerpelz... Die Kätzin öffnete die Augen. Brombeerpelz hatte sie nicht einmal angesehen. Hätte er ihr nur ein Viertel von der Liebe gegeben, die sie ihm gegeben hatte, hätte sie sicher vergessen, wofür sie so sehr gekämpft hatte. Wäre er nur ihr Gefährte gewesen, dann wäre es ihr sicher egal gewesen, ob sie zweite Anführerin war oder nicht. Sie seufzte. Ja, sie hatte Brombeerpelz geliebt. Aber er sie nicht. Die Narben auf ihrem Fell taten nicht mehr weh. Schon lange nicht mehr. Viel größer und schmerzhafter war die Narbe an ihrem Herzen. Die Kätzin schloss erneut die Augen. Sie dachte an Brombeerpelz. An sein wunderschönes Fell. Seine langen Krallen. Alles an ihm. Sie liebte alles an ihm. Immer noch. Dann kam Regenpfote in ihre Gedanken. Jetzt hieß er Regenschauer. Aber auch er hatte Angst vor ihr. Das konnte man ihm ja auch nicht verübeln. Die Kätzin blinzelte und öffnete die Augen. Wenigstens Regenschauer hätte ein bisschen weniger Angst vor ihr haben können als die anderen, fand sie. Denn er war ja schließlich ihr kleiner Bruder.

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    KAPITEL 3

    Flockenwirbel schreckte hoch. Sie hatte etwas gehört. Da! Schon wieder. Ein Geräusch, wie wenn Krallen über etwas kratzten. Leise stand die Weiße auf und schlich zum Ausgang des Baus. Vorsichtig schaute sie aus dem Ausgang heraus. Erst nach rechts, dann nach links. Links sah sie die Kinderstube. Eine Kätzin verschwand gerade darin. »Nanu, welche Königin ist denn so spät noch wach?«, fragte sich Flockenwirbel. Sie lief hin. Spähte in die Kinderstube. Etwas bewegte sich im Dunkeln. Die Kätzin von eben? Plötzlich hörte sie ein erschrockenes Fiepsen, dann sprang etwas sie an. Flockenwirbel duckte sich gerade noch rechtzeitig weg und starrte das Etwas geschockt an. Eine Kätzin. Sie trug ein Junges am Genickfell im Maul. Flockenwirbel kannte das Junge. Es war Fleckenjunges! Der kleine, braunweiß gefleckte Kater blickte angsterfüllt hin und her. Langsam hob die fremde Kätzin den Kopf, bis Flockenwirbel ihre Augen sehen konnte. Die weiße Kätzin schnappte erschrocken nach Luft und machte einen Schritt rückwärts. Die Augen der Anderen glühten bernsteinfarben! "Bernstein", zischte Flockenwirbel. Die graubraun Getigerte kniff die Augen zusammen. Dann setzte sie Fleckenjunges ab, um sprechen zu können, trat ihm jedoch mit der Pfote auf den Schweif, sodass er nicht weglaufen konnte. "Flockenjunges. Wie groß du geworden bist", sagte sie mit einem verächtlichen Unterton in der Stimme. "Ich heiße Flockenwirbel", knurrte Flockenwirbel. "Und du gibst jetzt besser dieses Junge da her, sonst..." "Sonst was?", lachte Bernstein. "Bringst du mich dann mit deinen", sie verdrehte übertrieben die Augen, "tollen Kampftricks zu Strecke?" Flockenwirbel bleckte die Zähne. Diese Kätzin reizte sie irgendwie zur Weißglut. "Gib. Ihn. Her. Sofort.", sagte sie gefährlich leise. Doch Bernstein schüttelte nur den Kopf und nahm Fleckenjunges mit einem "Träum weiter!" wieder ins Maul. Nur wenige Momente später war sie in den Wald verschwunden. Flockenwirbel rannte ihr nach, bemerkte aber schon am Lagerausgang, dass sie keine Chance hatte. Bernstein schien den Wald besser zu kennen, als Flockenwirbel es jemals tun würde. Sie sprang gekonnt auf Wurzeln, stieß sich ab und sauste so wie ein Schatten davon. Mit Fleckenjunges. Flockenwirbel blieb stehen. Was sollte sie nur tun? Nussstern wecken? Oder einfach wieder schlafen gehen und so tun, als wäre nichts gewesen? Sie wusste es nicht. Schließlich entschied sie sich dann doch für Ersteres und lief zum Anführerbau. "Nussstern?"
    "Ich rufe alle Katzen, die alt genug sind, um eigene Beute zu erjagen, auf, sich hier am Hochfelsen zu versammeln!" Nachdem Flockenwirbel ihn geweckt und ihm in knappen Worten erzählt hatte, was passiert war, war Nussstern sofort auf den Hochstein gesprungen und rief nun den Clan zusammen, der mit verschlafenen Gesichtern aus seinen Bauen trottete. Doch als Nussstern ihnen berichtete, was geschehen war, sahen sie gleich um einiges wacher aus. Und sehr erschrocken. Funkenblüte weinte. Man konnte es ihr nicht verübeln - sie hatte ihr Junges verloren. "Und niemand - ich wiederhole; NIEMAND folgt ihr und versucht, Fleckenjunges auf eigene Pfote zu retten! Sie ist viel zu stark. Das musste ich schon am eigenen Leibe erfahren. Wir werden Fleckenjunges gemeinsam retten. Aber vorher lassen wir sie eine Weile in ihrem Erfolgsgefühl schwelgen, und wenn sie sich sicher genug fühlt, ihn alleine zu lassen - falls das irgendwann so ist - dann, und nur dann, werden wir ihn retten. Ich möchte ungern Krieger an eine Wahnsinnige verlieren." Mit diesen Worten sprang er vom Hochstein und verschwand wieder im Anführerbau. Auch die anderen gingen wieder in ihre Baue, aber an Schlaf war nicht zu denken. Ganz im Gegenteil. Aus dem Schülerbau hörte man reges Getuschel. "Und wenn jemand losgeht und ihn retten will?", vernahm Flockenwirbel Seidenpfotes Stimme. "Dann bringt sie den um, hat Nussstern doch gesagt", entgegnete Blaubeerpfote. "Und jetzt seid ruhig, ich will schlafen." Eine Weile war es tatsächlich still. Aber lange blieb es das natürlich nicht. "Psst... Seidenpfote. Seidenpfote!", hörte man Rotpfotes Stimme. "Was denn?", miaute Seidenpfote. Sie klang sehr wach. Anscheinend war sie zwischenzeitlich nicht eingeschlafen. "Wollen wir ihn retten?" "Wen, Fleckenjunges? Vergiss es, Rotpfote, ich habe doch vorhin nur gesponnen. Ich werde nicht losziehen, denn ich möchte ungern sterben." "Hm", machte Rotpfote nur noch, dann verstummten die Gespräche. Flockenwirbel nickte. Zum Glück war Seidenpfote vernünftig. Sie wusste, wie naiv Schüler manchmal waren. Dann glaubten sie, alles schaffen zu können. Flockenwirbel schüttelte den Kopf und trottete zum Kriegerbau. Die Schüler würden Fleckenjunges also nicht retten wollen. Bevor sie einschlief, überlegte Flockenwirbel hin und her. Und nach einer Weile stand ihr Entschluss fest. Sie würde gehen und das Junge retten. Morgen würde sie aufbrechen. Dann schlief Flockenwirbel ein und man hörte nichts mehr außer ihr gleichmäßiges Atmen.

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    KAPITEL 4

    Die Kätzin hatte das Junge behutsam in ihre Höhle gebracht und setzte es nun auf dem Boden ab. Sie musste aufpassen, dass ihm nichts zustieß, denn sie würde es dem Clan unversehrt zurückgeben wollen. Aber nur, wenn sie sie dafür wieder aufnahmen. Ein einfacher Handel, wie die Kätzin fand. Ein Junges dagegen, dass sie im Clan sein durfte. Ja, sie wollte wieder in den Clan. Zu Brombeerpelz. Mittlerweile war es ihr egal geworden, ob er sie nun liebte oder nicht, sie wollte wenigstens in seiner Nähe sein. Sie sah zu, wie das Junge sich aufrappelte. Es schaute sich um, drehte sich schließlich zu ihr und zuckte erschrocken zurück, als es sie sah. "B-bitte tu mir nichts!", winselte es. Umso überraschter schien es zu sein, als die Kätzin einfach nur den Kopf schüttelte und seufzend meinte; "Natürlich tue ich dir nichts, wir wollen doch nicht, dass dir etwas passiert." Es sah sie erstaunt an. "A-aber willst du mich nicht fressen?", miaute es. Die Kätzin verdrehte ihren leuchtenden, bernsteinfarbenen Augen. Junge! Die konnten manchmal wirklich pessimistisch sein. "Nein", entgegnete sie einfach und machte sich daran, Moos und Blätter von ihrem Nest mit der Pfote zu dem Jungen zu schieben. "Bau dir ein Nest daraus. Ich hole uns Essen. Und komm ja nicht auf die Idee, wegzulaufen." "Aber..." Seufzend drehte sich die Kätzin, die schon im Weggehen gewesen war, um. "Was?" "Zuhause im Clan kuschele ich mich immer ganz eng an meine Mama, wenn ich schlafe..." Es schniefte. "Hier ist aber nicht dein Zuhause, ... Wie heißt du?" "Fleckenjunges", sagte es leise. "Fleckenjunges." Sie nickte und er hob den Kopf. "Wenn du älter wirst, musst du sowieso lernen, allein zu schlafen." Er machte große Augen. "Wirklich?" "Ja", sie gab es auf, weggehen zu wollen, und setzte sich, "schon im Schülerbau hat jeder sein eigenes Nest und im Kriegerbau erst recht. Und denk nur mal an euren Anführer - der schläft in seinem Bau ganz alleine." Es starrte sie an. "Ich werde niemals Anführer!" Sie nickte. "Gut so. Setz dir nicht zu hohe Ziele. Denn manchmal..." Sie seufzte. "Was ist?" Fleckenjunges kroch ein wenig näher zu ihr. "Manchmal schaffst du es nicht, sie zu erreichen, und dann wirst du unsagbar traurig. Und wütend. Du willst etwas...", sie machte eine Pfotenbewegung durch die Luft und er zuckte zusammen, "etwas kaputt machen, etwas... etwas... verletzen, verstehst du? Du willst dich an irgendwem rächen." Zu ihrer Überraschung nickte er verständnisvoll. "Früher gab es noch ältere Jungen in der Kinderstube. Sie sind jetzt Schüler. Seidenjunges und Blaubeerjunges. Ich hatte das Ziel, mit ihnen zu spielen, aber sie haben mich nie gelassen..." Die Kätzin sah erstaunt auf es herab. Konnte dieses kleine Junge wirklich schon verstehen, wie sie sich damals gefühlt hatte? Es bemerkte ihren erstaunten Blick nicht und fuhr fort. "Nachts bin ich vor lauter Wut im Bauch aufgewacht. Ich habe die Wände zerkratzt - nun ja, ich habe es versucht. Es hat nicht funktioniert..." Es sah auf seine kleinen Krallen. "Alle wundern sich immer, warum meine Krallen immer noch so kurz sind. Das kommt daher, dass sie abbrachen, als ich versuchte, an der Wand zu kratzen." Jetzt sah es nach oben. "So in etwa fühlt sich das an, oder?" Sie seufzte. "Genau so." Dann stand sie auf und machte sich doch noch auf den Weg. Sie wollte Essen holen. "Ach, Fleckenjunges?" "Ja?" Es blickte auf. "Du kannst heute Nacht gerne bei mir schlafen." Dann lief sie aus der Höhle.

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    KAPITEL 5

    Flockenwirbel sollte zusammen mit Regenschauer, Dunkelschatten und Himbeerwolke losziehen, um Geschenke zu suchen. Die ideale Gelegenheit, um sich davonzuschleichen und Fleckenjunges zu retten. Eine Weile liefen sie durch den Wald. Flockenwirbel lief mit Absicht einfach geradeaus und beachtete die schönen Steine oder die anderen Sachen nicht, die sich gut als Geschenk eignen würden, während die anderen immer wieder vom Weg abwichen und mit etwas zurückkamen, was sie den anderen schenken wollten. Irgendwann schlug Dunkelschatten vor, zum Lager zurückzulaufen. "Wartet! Was ist das da?" Flockenwirbel starrte zwischen die Bäume. Da gab es natürlich nichts zu sehen, und genau deshalb war es eine gute Ablenkung. Die anderen schauten angestrengt in die Richtung, die Flockenwirbel ihnen gezeigt hatte. Währenddessen schlich die weiße Kätzin Schritt für Schritt von ihnen weg, bis sie so weit weg war, dass die anderen sie nicht mehr hörten. Dann begann sie zu rennen. Jetzt musste sie nur noch Bernstein finden. Flockenwirbel kannte eine alte Höhle im Wald, von der die
    Ältesten oft erzählt hatten. Niemand wusste sicher, ob die Höhle wirklich existierte. Sie würde es herausfinden. Vielleicht war Bernstein dort. Flockenwirbel wusste nicht genau, wo die Höhle war, konnte es aber ungefähr sagen und das reichte. Sie tappte in Richtung der Graufelsen. Es begann zu schneien, und diesmal blieb der Schnee auch liegen, was es für die Weiße zunehmend erschwerte, den Weg zu finden. Der langsam und leise fallende Schnee wurde rasch zu einem richtigen Schneesturm. Flockenwirbel kämpfte sich vorwärts. Sie sah die Graufelsen erst, als sie fast gegen einen von ihnen lief. Und nun musste sie den kleinen Pfad finden, von dem die Ältesten oft erzählt hatten und der angeblich zu der Höhle führte. Flockenwirbel fror, aber sie stapfte tapfer weiter. So hoch hatte der Schnee noch nie gelegen, seit sie denken konnte. Er ging ihr fast bis zum Bauchfell! Und immer noch schneite es. Irgendwann fand sie den Pfad dann doch, aber auf eine andere Art und Weise, als sie sich es vorgestellt hatte. Auf einmal rutschte sie aus. »Der Pfad existiert«, das war ihr erster Gedanke. »Aber er ist vereist«, das war ihr zweiter. »Und wie es scheint, rutsche ich ihn gerade hinunter«, war der dritte Gedanke. Schneller als sie schreien konnte, landete sie in einer kleinen, talähnlichen Kuhle. Flockenwirbel sah sich um. Durch den immer stärker werdenden Schneesturm erkannte sich fast nichts. Aber sie sah einen Schneehaufen, einen Ort, an dem sich der Schnee auftürmte. Durchgefroren stolperte sie hin und kroch ohne nachzudenken in die Höhle.

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    KAPITEL 6

    Die Kätzin hob den Kopf. Das Junge, das sich an ihren Bauch gedrückt hatte, schaute ebenfalls auf. "Was war das?", fragte es. "Jemand ist in unsere Kuhle gekommen", sagte sie und stand auf. Plötzlich stürzte in schnellem Tempo ein weißes Etwas in die Höhle. Eine Katze! Knurrend stand die Kätzin auf und beugte sich über den Haufen aus weißem Fell, der sich schnell hob und senkte. Fleckenjunges saß noch mit verstrubbeltem Fell im Nest und sah neugierig von einem zum anderen. Die weiße Katze richtete sich auf und versuchte, Vorder- und Hinterbeine zu sortieren. Anscheinend war sie völlig durcheinander. Das Junge und die graubraun getigerte Kätzin warteten geduldig ab. Schließlich stand die Weiße, wenn auch mit zitternden Beinen, und schaute die beiden an. "Na, so eine Überraschung", sagte die Graubraune. "Flockenwirbel. So sieht man sich wieder." "Gib das Junge her, sonst..." Die graubraune Kätzin lachte auf. "Du hast also immer noch nicht dazu gelernt", sagte sie. "Schade, schade. Sonst wüsstest du nämlich, dass ich das Junge nicht zurückgeben werde. Zumindest nicht auf diese Art. Nett fragen funktioniert bei mir nämlich nicht." Auf einmal rutschte mit einem lauten Schrei noch etwas Graues in die Höhle. "Also hast du dir auch noch Verstärkung mitgebracht", murmelte die Graubraune. "Das... Ich weiß nicht... Wo kommst du denn her, Regenschauer?", stammelte Flockenwirbel. Der Graue hatte sich aufgerichtet und sah die Weiße an. "Du warst einfach verschwunden und ich habe dich im Schneesturm davonschleichen sehen... Ich habe geahnt, wo du hinwolltest, und ich konnte nicht zulassen, dass sie..." Jetzt erst sah Regenschauer die Kätzin mit den Bernsteinaugen. Sofort fauchte er und stellte sich vor Flockenwirbel. "Du wirst ihr nichts tun!", rief er. "Hatte ich das vor?", fragte die Kätzin gelangweilt und verdrehte ihre bernsteinfarbenen Augen. Aber innerlich zerbrach bei ihr etwas. Ihr eigener kleiner Bruder war bereit, gegen sie zu kämpfen. Nun, er wusste nicht, dass er ihr Bruder war. Aber trotzdem. "Gib uns jetzt das Junge", sagte Regenschauer. "Nehmt mich wieder in den Clan auf", erwiderte die Graubraune einfach. Die anderen beiden starrten sie perplex an. "Was!", entfuhr es Flockenwirbel. "Niemals!" "Dann tut es mir leid", die Graubraune legte ihren Schweif um Fleckenjunges, "denn wenn ihr mich nicht wieder im Clan aufnehmt, werde ich ihn euch auch nicht zurückgeben." Die beiden Clankatzen sahen sich an. Schließlich nickte Regenschauer. Er würde vieles tun, um ein Junges zu retten. Schließlich hielt er sich an das Gesetz der Krieger. "Gerne hätte ich dich nicht wieder im Clan", sagte er, "immerhin hast du versucht, unseren Anführer umzubringen. Und es ist auch allein seine Entscheidung, ob du wieder in den Clan darfst. Wir können also nichts versprechen." Für einen kurzen Augenblick meinte Flockenwirbel, Freude in den Augen der Getigerten aufblitzen sehen. Doch so schnell wie sie gekommen war, war die Emotion auch wieder verschwunden. "Sehr gut, geht doch", miaute die Graubraune und packte das Junge am Genickfell. Regenschauer hätte Fleckenjunges zwar am liebsten selbst getragen - wer konnte schon wissen, ob diese Kätzin nicht irgendwann einfach wieder mit ihm weglaufen würde - aber Flockenwirbel stoppte ihn sanft. Besser so als gar nicht, schien ihr Blick zu sagen. Regenschauer seufzte ergeben und so folgten beide der Kätzin.

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    KAPITEL 7

    Im Lager rannten alle hin und her, als die vier ankamen. Doch als sie die Kätzin erblickten, die das Junge trug, schienen sie vor Angst zu erstarren. Sie bildeten eine Art Gasse, durch die die drei Krieger mit dem Jungen hindurchgingen. Viele der jüngeren Katzen keuchten vor Angst auf, als Bernstein an ihnen vorbei ging. Brombeerpelz verschwand im Anführerbau. Kurze Zeit später kam er mit Nussstern wieder heraus. Der Anführer sprang auf den Hochstein. "Ich rufe alle Katzen..." Mitten im Ruf brach er ab. Es waren eh schon alle anwesend. "Bernstein hat Fleckenjunges zurückgebracht." Es schien, als ob der Anführer gar nicht lange reden wollte. Er senkte den Kopf, als Flockenwirbel vortrat und ihm von unterhalb des Hochsteins etwas zuflüsterte. Er nickte und sie stellte sich wieder zu Regenschauer. "Bernstein möchte wieder im Clan aufgenommen werden", erklärte er dann. Sofort erhob sich heftiger Protest, aber es genügte ein Fauchen von Bernstein und alle waren still. Die Graubraune hatte Fleckenjunges inzwischen abgesetzt und er war sofort zu seiner Mutter gerannt. "Bernstein", wandte sich der Anführer an die getigerte Kätzin. "Wir werden dich wieder im Clan aufnehmen, aber..." Das Lächeln auf dem Gesicht der Kätzin erlosch sofort, als der Anführer das Wort 'aber' aussprach. "Aber du wirst im Ältestenbau leben und dir nie mehr einen Gefährten nehmen oder Junge bekommen dürfen. Hast du das verstanden?" Alle Köpfe drehten sich zu Bernstein. Diese nickte. Sie sah ein wenig traurig aus. "Trete bitte vor, Bernstein." Erstaunt machte sie einen Satz auf den Hochstein. Nussstern schaute gen Himmel. "SternenClan, ich rufe euch an, auf diese Kätzin hinab zu sehen. Sie hat viel Schlechtes getan, das ist wahr. Aber sie bereut ihre Taten und ist bereit, bis ans Ende ihrer Tage als Älteste in diesem Clan zu leben." Er blickte zu Bernstein. "Wenn ihr einverstanden seid..." Alle warteten gespannt ab. Ein Wind kam auf und strich erst Nussstern übers Fell, dann zerzauste er das von Bernstein. "Gut", sagte Nussstern und lächelte, "dann wirst du, Bernstein, ab heute unter dem Namen..." Er überlegte. "...unter dem Namen Haselnusspelz bekannt sein." "Haselnusspelz!" rief eine einzige Katze. Regenschauer. Er sah sich um. "Macht ihr nicht mit?", fragte er leise. Viele schüttelten verängstigt die Köpfe. "Haselnusspelz!", rief plötzlich noch jemand. Flockenwirbel. "Haselnusspelz! Haselnusspelz!", stimmten Dunkelschatten und Himbeerwolke mit ein. Und immer mehr machten mit. Federherz. Funkenblüte. Fleckenjunges. Sogar Nussstern. Und auch Brombeerpelz stand dort unten und rief ihren Namen. Haselnusspelz lächelte und Tränen des Glücks schimmerten in ihren Augen. Sie sprang vom Hochstein. Sofort kamen Katzen zu ihr und beglückwünschten sie. "Was für ein schöner Name, Haselnusspelz", sagte Regenschauer lächelnd. "Danke, kleiner Bruder", miaute sie. Erstaunt beobachtete sie, wie die Katzen um sie herum verwirrt, erschrocken, überrascht oder alles gleichzeitig aussahen, Regenschauer aber vollkommen gelassen blieb. Er lächelte. "Also weißt du davon", sagte er. "Ja, aber woher..." "Unsere Mutter", sagte er einfach. Sie nickte. Dann trat Brombeerpelz zu ihr. "Du... weißt doch sicher, wo man auch in der Blattleere Beute bekommt, oder? Du kennst dich doch im Wald aus", sagte er. "Ja, natürlich", miaute sie überrascht. "Dann komm." "Wohin?" "Wir gehen jagen!" Sie begann zu grinsen und folgte ihm. Auch wenn sie niemals mehr einen Gefährten haben oder Junge haben durfte, so würde sie Brombeerpelz doch immer lieben. Die beiden verließen gemeinsam das Lager. Flockenwirbel, Dunkelschatten, Himbeerwolke und Regenschauer standen nebeneinander und blickten den beiden hinterher. "Sie wirkte gar nicht so wahnsinnig", meinte Dunkelschatten. "Das liegt daran", sagte Flockenwirbel, "dass sie es nie war", beendete Regenschauer den Satz. Erstaunt schauten sich die beiden an und mussten lächeln. Die vier schauten in den Himmel, wo es langsam dämmerte. "Die Liebe zu Brombeerpelz war immer da und hat sie davon abgehalten, wahnsinnig oder blind vor Hass zu werden", fuhr Flockenwirbel schließlich fort. "Wartet mal, ist morgen nicht das Schneefest?", fragte Himbeerwolke plötzlich, als sich die vier schon trennen wollten. "Ja, stimmt! Daran habe ich überhaupt nicht mehr gedacht", sagte Regenschauer. "Nun, dann sollten wir aber jetzt schlafen gehen, sonst sind wir doch morgen müde!", meinte Flockenwirbel. "Ja, lasst uns schlafen gehen", fand auch Dunkelschatten. Und die vier tappten in den Kriegerbau und rollten sich in ihren Nestern ein. "Gute Nacht!", sagten sie zueinander und waren auch bald schon eingeschlafen.

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    KAPITEL 8

    "Aufwachen, Flockenwirbel! Wach auf!" Die weiße Kätzin war sofort hellwach, als ihr einfiel, welcher Tag heute war. "Fröhliches Schneefest, ihr alle!", waren die ersten Worte, die sie an diesem Tag ausrief. "Fröhliches Schneefest, Flockenwirbel!", antworteten die anderen im Chor. Alle versammelten sich unter dem Hochstein, ohne dass Nussstern gerufen hatte. So war es jedes Jahr. Dann wurden die Geschenke verteilt. Jeder bekam viele, in Moos oder Blätter eingewickelte und mit Grashalmen zugebundene Päckchen. Und dann kam Flockenwirbels Lieblingsteil am ganzen Fest. Das große Auspacken. Alle teilten sich in Gruppen ein und dann ging es los. Die Schüler saßen beisammen und freuten sich über die hübschen Tannenzapfen und Ahornblätter, die sie einander geschenkt hatten. Fleckenjunges bekam einen neuen Moosball und Funkenblüte einen Stein, der fast wie eine Blüte aussah. Nussstern bekam seine Lieblingsbeute: eine Waldtaube. Diese verließen den Wald in der Blattleere, also musste jemand extra losgezogen sein, um eine zu finden. Federherz hatte einen aus Grashalmen geflochtenen Stern bekommen. Jemand hatte sich sogar die Mühe gemacht und zwei Grashalme oben überstehen lassen, sodass sie ihn über ihr Nest hängen konnte. Die anderen Ältesten hatten weiches Moos für ihre Nester bekommen. "Na klar, damit ihr das nicht erneuern müsst!", lachte Lavendelfell an die Schüler gewandt. Nun hatten alle ihre Geschenke ausgepackt und beschäftigten sich damit. Nur die Krieger und eine Älteste fehlten noch. "Fang du an, Haselnusspelz", meinte Brombeerpelz freundlich. "Na gut", lächelte die graubraun getigerte Kätzin und zog am Grashalm des ersten Pakets. "Das ist von mir", erklärte Regenschauer. "Oh, danke!", sagte Haselnusspelz, als sie ein Stück Holz aus der Blätterverpackung holte. Darin war ein hübsches Muster eingeritzt. Außerdem bekam sie noch ein kleines Festmahl von Flockenwirbel, Dunkelschatten und Himbeerwolke, die zusammen die leckersten Beutetiere für sie gefangen hatten. Nun war aber kein Geschenk mehr übrig. "Brombeerpelz?", Haselnusspelz klang etwas enttäuscht. "Mein Geschenk", er lächelte, "bin ich. Würdest du gerne meine Gefährtin sein?" Haselnusspelz starrte ihn sprachlos an. "Ich habe schon mit Nussstern geredet, er erlaubt es uns. Und du darfst auch im Kriegerbau schlafen und giltst als Kriegerin." "Oh Brombeerpelz", hauchte sie, "ich danke dir!" Schnurrend schmiegten sie sich aneinander. "Jetzt du", sagte Haselnusspelz zu ihrem Gefährten. Brombeerpelz bekam auch Beute von Flockenwirbel, Dunkelschatten und Himbeerwolke. Die Geschwister hatten jedem ein Festessen gefangen. Von Regenschauer erhielt er eine große Kastanie, die mit etwas Fantasie wie ein Katzenkopf aussah. Und von seiner Gefährtin bekam er ein - "Was ist das?" "Das", sie schmunzelte, "ist aus Eis. Meine und Regenschauers Mutter hat es immer 'Tränen des Silbervlies' genannt." Die Eisstücke sahen tatsächlich aus wie gefrorene Tränen. Und sie waren wirklich schön. "Danke", er drückte sich an sie. Dunkelschatten und Himbeerwolke bekamen auch Beute von Haselnusspelz, Brombeerpelz und Regenschauer. Von ihrer Schwester erhielten sie etwas, das aussah wie Perlen. "Das habe ich am Fluss gefunden", erklärte Flockenwirbel. "Ich weiß nicht, was es ist, aber ich dachte, dass es sich gut als Geschenk für euch eignen würde." Die beiden bedankten sich lächelnd bei ihr. Nun war Regenschauer an der Reihe. Auch in seinen Päckchen befand sich Beute, nur in dem von Flockenwirbel war ein Stein, der ein hübsches Muster trug. "Danke", miaute er mit einem Lächeln auf den Lippen. "Nun bist nur noch du übrig, Flockenwirbel", stellte Haselnusspelz fest. Aufgeregt biss Flockenwirbel den Grashalm des ersten Päckchens auf. "Von uns", hörte sie die Stimmen ihrer Geschwister, als sie auf ein grünes Blatt hinunter blickte. Das war in der Blattleere wirklich schwer bis gar nicht zu finden. "Vielen Dank", sagte sie erfreut. Im nächsten Päckchen war eine Muschel. "Ich bin in meiner Verbannung viel herumgekommen", meinte Haselnusspelz. "Danke." Das dritte Paket enthielt ein Stück Eis. Erstaunt musterte Flockenwirbel es. "Schau es dir mal von der Seite an", erklärte Brombeerpelz leise. Sie tat, wie ihr geheißen, und erblickte - "Eine eingefrorene Schneeflocke! Danke!" Nun war nur noch Regenschauers Paket übrig. Langsam öffnete Flockenwirbel es. "Oh, das... das ist wunderschön", stammelte sie. Vor ihr lag eine Kette aus einem Grashalm, an die er verschiedene Beeren angebracht hatte. "Komm, ich lege sie dir um", meinte Regenschauer und im nächsten Moment trug Flockenwirbel ihre Kette auch schon. "Danke", sagte sie. "Und da wäre noch was... kann ich dich kurz unter vier Augen sprechen?" "Natürlich." Er führte sie davon und brachte sie immer weiter vom Lager weg. "Augen zu", miaute er nach einer Weile sanft. Sie vertraute ihm und er führte sie irgendwo hoch. Oben stellte er sich neben sie. "Jetzt mach die Augen auf." Flockenwirbel öffnete die Augen. "Oh SternenClan", murmelte sie. "Was für ein schöner Ausblick!" Er hatte sie auf einen Felsen gebracht. Von dort oben konnte man fast den gesamten Wald sehen. "Da ist unser Lager!" Sie deutete mit dem Schweif in eine Richtung. "Und da -" "Schhhhh", machte er plötzlich und legte ihr den Schweif auf die Schnauze. "Ich wollte dich was fragen... Möchtest du meine Gef-" "Ja!", rief Flockenwirbel aus, noch bevor er den Satz beendet hatte. "Gerne", fügte sie nervös hinzu. Die beiden sahen sich an und mussten lachen. "Ich liebe dich", flüsterte er. "Ich dich auch", antwortete sie. Die beiden blieben noch dort, bis die Sonne unterging. Dann kehrten sie zum Lager zurück.

    10
    EPILOG

    "Dieses würde ich gerne Silberjunges nennen. Es hat silbergraues Fell. Genau wie du." In der nächsten Blattgrüne nach der Blattleere, in der Haselnusspelz wieder in den Clan gekommen war, brachte Flockenwirbel drei gesunde Junge auf die Welt. "Gut, dann heißt das hier aber Mondjunges. Schau..." Er leckte es sauber. "Es ist genauso weiß wie du." "Und das letzte?" Die beiden sahen das dritte Junge, ein schwarzes, an. Es fiepte und öffnete die Augen. "Komisch, dass es so früh schon die Augen aufmacht, nicht wahr?", murmelte Regenschauer. "Sieh mal", hauchte Flockenwirbel. "Die Augen!" Die frischgebackenen Eltern sahen sich an. "Denkst du das, was ich denke?", fragte Flockenwirbel. "Ja", antwortete ihr Gefährte. Er leckte dem schwarzen Jungen über den Kopf. Es sah ihn an. Lächelnd blickte er in die großen, bernsteinfarben glühenden Augen seiner Tochter. "Willkommen auf der Welt, Bernsteinjunges."



    ENDE

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