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Verseucht - der letzte Überlebende / Mord im Moor

(Meine forgotten Storys Geschichte zum Thema "Horror") Die Augen waren endlos Schwarz, die Krallen lang wie Flussgras und es besaß eine dritte Zahnreihe wie ein Krokodil. Es war auf die doppelte Größe angeschwellt. Es richtete sich vor ihr auf. Ihre Ähnlichkeit glich mehr einem Berglöwen, als einer Katze.
Sie war nicht mehr wiederzuerkennen!
"Fuchspfote?"
Was war bloß passiert an dem Tag, als Bachpfote endlich Schülerin wurde? Passend zu Halloween eine Horror Story! 3 Katzen, aber es kann nur (k)einer überleben...

    1

    Verseucht - der letzte Überlebende

    [Nick] Prolog

    Das letzte Sonnenlicht verschwand hinter den Wipfeln der Eschenbäume. Der Himmel wurde erst orange, dann färbte er sich schon recht bald tief schwarz. Der Vogelgesang wurde leiser, das Blätterknistern verschwand und Stille herrschte.
    Zwei Gestalten wanderten in einer Reihe durch das Moor. Ihre Schritte waren vorsichtig und bedacht, als wollten sie die Stille nicht zerbrechen. Zumindest kam der Hintere von den Zweien einem so vor. Der Kater lief in geduckter Haltung. Sein Blick fuhr immer wieder herum und seine Muskeln zitterten vor Anspannung.

    Die vordere Kätzin hingegen schien keine Angst zu haben. Ohne Hemmung schritt sie voran. Sie hatte besches langes Fell mit vielen weißen Tupfern. Ihre Augen waren groß und leuchteten lebhaft in dem sanften Braunton von Haselnüssen.
    Plötzlich hielt die besche Katze. „Was meinst du Nick? Hier ist doch ein guter Lagerplatz?“, fragte und löste die Stille auf.
    Der Kater mit dem Namen Nick zuckte zurück. Die Stimme der Kätzin hatte ihn erschreckte. „äh… Was hast du gesagt, Fleck?“ Er richtete endlich seinen Blick zur Vorderen. Tiefe Augenringe gruben sich unter seine hellblauen Augen. Er wirkte erschöpft.
    Fleck schnaubt empört, aber wiederholt ihren Satz trotzdem erneuert. „Was hältst du von dieser Höhle als Schlafplatz?“
    „Welche Höhle?“, hätte Nick beinahe gesagt, aber da sah er sie auch.
    Zwischen zwei großen Steinbrocken versteckt war eine Öffnung. Kleinere, jedoch scharfkantige Felsen ragten vor dem Eingang aus der Erde. Efeu hing an den Rändern. Ein Pfad aus Dreck und Schlamm wies die Richtung ins Innere der Steingemäuer. Es war zu dunkel um zu erkennen, was sich in der Dunkelheit der Höhle versteckte. Er reckt seinen Kopf nach vorne und prüft die Luft. Es roch schon Mal trocken. Nick sehnte sich nach Schlaf und hätte fast zugestimmt, aber da mischte sich noch ein zweiter Geruch unter. Es roch wie Säure, aber hatte auch eine unverkennbare Note von Metall und Verwesung. Nick verzog die Miene. „Na ja, ich weiß nicht… Da stinkt irgendwas entsetzlich. Und ich meine nicht stinken wie Fuchsdung oder so sondern eher gefährlich stinken… wie die Luft bei den Donnerwegen, aber ganz anders.“
    „Ach, Mäusedreck!“ Fleck winkt ab. „Ich riech nichts. Das bildest du dir nur ein.“
    Fleck wollte Nick mit in die Höhle ziehen, aber der sträubte sich dagegen und hielt sich mit den Krallen im torfigen Boden fest.
    „Fleck, ich bin zwar Müde, aber meine Sinne sind hellwach. Das riecht gefährlich!“ Sein Nackenfell hat sich aufgestellt und er knurrt leise.
    „Was ist bloß mit dir los?“, fordert Fleck zu wissen. Sichtlich genervt von ihrem Kameraden seufzte sie laut auf.
    Nick starrt weiterhin auf die Höhlenöffnung. Auf einmal bemerkt er ein Flimmern in der Höhlen Öffnung. Ein rotes Licht taucht kurz auf und verschwindet wieder. Nick konnte es nicht mit Bestimmung sagen, aber an etwas hatte ihn das rote Leuchten erinnert. „Da! Hast du das auch eben gesehen?“
    Fleck folgt seinem Blick. „Wo? Da ist doch nichts?“
    „Doch- „, Nick brach ab. Es war wahrscheinlich eh nur ein Lichtspiel gewesen. Auch die Luft roch wieder normal. „Wahrscheinlich habe ich mich bloß geirrt…“, gab er zu. Aber ganz schenkte er seinen Worten nicht Glaube.
    „Können wir nun rein gehen?“ Ungeduldig knetete Fleck ihre Vorderpfoten.
    Nick schaute noch einmal zur Höhle. Eine kalte Welle lief über seinen Rücken.
    Unbestimmte Angst kroch in seine Pfoten. Er wusste nicht woher sie kam, aber sie war einfach da. „Kannst du vielleicht trotzdem vorgehen und schauen, ob da wirklich nichts ist?“
    Flecks Augen funkelten genervt. Aber schließlich gab sie doch nach. „Meinetwegen!“
    „Angsthase“, murmelte sie im vorbei gehen.
    Nick verfolgte Flecks Weg zur Höhle mit den Augen. Nick hielt aufgeregt die Luft an, als sie die Höhle betrat, Er hörte das rhythmische Klackern der Krallen auf dem Steinboden bei jedem ihrer Schritte. Aber nach und nach verhallten die Schritte und sie entfernte sich immer weiter bis Nick sie nicht mehr hörte. Es musste wohl eine ziemlich weitläufige Höhle sein…
    Die Kälte der Nacht kroch unter sein schwarzes Fell und die Stille legte sich erneuert über die Landschaft. Nun war Nick alleine. Ganz alleine…
    Er hörte ein leises Pfeifen. Nicks Kopf fuhr herum in die Richtung, aus der er das Geräusch vernommen hatte.
    Er rechnete mit einem Vogel oder sowas ähnliches, aber stattdessen erkannte er flimmernde Umrisse eine Katze. Sie wendete ihm den Rücken zu, aber man erkannt noch ihre Hinterpfote. An ihr saßen lange Krallen, viel länger als bei normalen Katzen. Ein tiefes Knurren kam aus der Richtung des Flimmerns. Ruckartig fuhr der Kopf der Katze herum. Nick erschrak und im nächsten Moment bevor er das Gesicht sehen konnte war sie schon wieder verschwunden.
    Ein Windhauch schüttelte seinen Pelz durch, als wäre etwas an ihm vorbeigehuscht.
    Das Pfeifen erklang erneuerte. Dieses Mal aus einer anderen Richtung, knapp zwei Schwanzlängen neben ihm
    Es kostete Nick viel Überwindung hin zu schauen. Ein Wimmern entfuhr ihm.
    Doch zu seiner Überraschung war zu seiner Rechten nichts. Dort standen nur die kargen blätterlose Bäume des Moors, die im Mondschein aussahen wie die Skelette toter Katzen. Unter den Bäumen wucherte allerlei Unkraut wie verschrumpelter Löwenzahn oder Moose. Zwischen zwei besonders hochgewachsenen Bäumen war eine Kuhle in der sich Wasser gesammelt hatte.
    Wasser?
    Beim genaueren hin sehen erkannte man komische weiße Lichtblitze auf der Oberfläche.
    Seine Pfoten waren schwer wie Blei, als er sich der Pfütze näherte, aber Neugier trieb ihn weiter.
    Ein greller Schrei ließ ihn herumfahren. Er kam aus der Höhle. Die merkwürdige Wasserpfütze war vergessen.
    „Fleck!“ Nick wollte losstürmen, aber seine Beine waren wie gelähmt.
    Im Höhleneingang flimmerte es. Der stechende Geruch kehrte zurück, doppelt so stark wie beim ersten Mal. Aus dem Flimmern wurde die Silhouette eines Tiers sichtbar. Die Ränder verfestigten sich langsam. Ein Pfeifen erklang direkt neben seinem Ohr.
    Das Tier nahm mehr und mehr Gestalt an bis…
    „Nein…“, hauchte Nick und konnte seinen fassungslosen Blick nicht abwenden.

    2

    [Bachpfote] Schock am Fluss

    Die Sonne ging auf und nach und nach erwachten alle langsam. Nur eine Kätzin war schon vorher wach gewesen. Bachpfote strotzte nur so vor Energie. Die ganze Nacht konnte sie nicht schlafen vor Aufregung.
    Es war heute ihr erster Tag als Schülerin vom Eichenclan!
    Während die andern verschlafen aus ihren Nestern tappten sprang Bachpfote wie ein Flummi um sie herum. „Ich kann es kaum glauben! Ich bin jetzt eine Schülerin!“, quiekte sie vergnügt.
    In ihrer Eile trat sie aus Versehen auf einen roten buschigen Schweif und jemand maunzte erschrocken auf.
    „Autsch, wer war das?“ Fuchspfote sprang auf und klemmte ihre schmerzende Schwanzspitze hinter ihre Beine. Ihr Blick raste durch den Schülerbau und hielt bei einem grauen Kater. „Eisenpfote, du warst das doch wieder- „
    „Nein, ich bin das nur gewesen!“, beruhigte Bachpfote ihre Schwester, bevor noch ein Unglück passierte „Ich war einfach so aufgeregt und habe nicht richtig aufgepasst, wo ich hintrete!“
    Fuchspfote grummelte etwas und ließ das den Blick von Eisenpfote los. „Achso, sag das doch gleich…“
    Bachpfote meinte Fuchspfote erröten zu sehen, aber das konnte man schwer sagen bei ihrem fuchsroten Pelz.
    „Also, das machen wir jetzt!“, wechselte Fuchspfote hastig das Thema. „Oder bist du mir nur auf den Schwanz getreten um hier rum zu stehen?“ Sie lächelte.
    „Nein“, Bachpfote schnurrte
    Es klang wie der Gesang einer Nachtigall, wenn sie schnurrte, dachte Fuchspfote und lächelte in sich hinein.
    „Ehrlich gesagt wollte ich erstmal zu Silberfang gehen, schließlich ist sie meine Mentorin!“ Stolz schwang in ihrer Stimme mit.
    „Dann mach das Mal, kleine Schwester! Ich muss jetzt zum Trainingshang.“ Sie legte den Kopf leicht zur Seite und gab die Sicht frei auf eine kleine Narbe an der Wange. Der hellrote Strich teilte ihr Wangenfell in zwei Hälften.
    Die Narbe hatte sie bekommen bei einem unerlaubten Ausflug aus dem Lager. Dabei war sie dummerweise auf ein paar Hunde getroffen. Damals war ihre Schwester Fuchspfote noch ein Junges gewesen und hatte noch keine Kampfzüge gelernt. Trotzdem probierte sie anzugreifen. Glücklicherweise waren Krieger in der Nähe gewesen und konnten den Hund verscheuchen und verhinderten das schlimmste. Durch die schnelle Rettung, konnte die Heilerin alle Wunden rechtzeitig verarzten, aber die kleine Narbe blieb. Und Fuchspfote störte sie nicht einmal- im Gegenteil! Sie sah in der Narbe eine Art Trophäe, ein Zeichen, dass sie mutig genug gewesen war um gegen die Hunde zu kämpfen. Wann immer sich die Gelegenheit bot, prahlte sie mehr oder weniger unauffällig damit herum.
    „Wir sehen uns!“ Fuchspfote verabschiedete sich und trabte davon.
    Bachpfote sah ihr hinterher. Jetzt waren sie endlich beide Schüler. Ein warmes Gefühl prickelte in ihrer Brust. Jetzt durften sie in den gleichen Bauen schlafen und durfte auch bei den Schülergesprächen dabei sein. Und am aller besten war: sie wurde nun endlich zur Kriegerin ausgebildet!
    Fröhlich hüpfte sie über die Lichtung zu der wartenden Silberfang. „Da bin ich!“ Sie blieb stehen und musste immer noch wie wild schnurren. „Was lerne ich als Erstes? Jagen? Kämpfen? Klettern?“
    Silberfang guckte vergnügt. „Ich liebe den Elan der neuen Schüler… Nun, zuerst wollte ich dir das Territorium zeigen, aber das geht gerade leider nicht…“
    „Wieso?“, fragte Bachpfote.
    „Ich weiß es nicht. Mir wurde das nur von Orkanstern befohlen. Aber ich glaube es hat was mit der Grenze zwischen Wald und Moor zu tun.“
    Bachpfote fröstelte es. „Brr, Moor. Das ist immer so nass und die Nebelschwaden sehen aus wie zurückgelassene Seelen der Verstorbenen.“
    Silberfang schmunzelte. „Wenn du meinst… Aber ich mag das Moor auch nicht. Doch darum geht es heute ja auch gar nicht. Denn ich will dir das Fischen beibringen!“
    Bachpfote horchte auf. „Fischen? dann werde ich heute sogar Beute ins Lager bringen!“ Bachpfote jauchzte begeistert auf.
    „Na dann folg mir Mal!“ Silberfang ging voraus und Bachpfote hinterher.
    Es dauerte nicht lange, da hatten sie schon den Fluss erreicht.
    Das Wasser funkelte im Licht der Sonne wie Diamanten. Algenbesetzte Felsen in aller Größe standen an dem Ufer und einige auch innerhalb des Flusses. Sie waren vom Wasser rund geschliffen wurden und funkelten jetzt mit dem Fluss in der Morgensonne.
    Silberfang warnte sie vor den Felsen. Man konnte leicht ausrutschen!
    Bachpfote hielt sich streng an die Anweisung ihrer Mentorin. Auf ein Bad am frühen Morgen hatte sie nämlich echt keine Lust.
    „Du musst dich steif ans Ufer kauern. Die kleinste Bewegung kann dich verraten. Also ungefähr so…“, erklärte Silberfang und bückte sich tief. „Siehst du? Wenn vor mir der Fluss wäre, müsste ich nur noch warten und könnte einen fangen…“
    Nach einer Weile, als Silberfang ihr auch noch gezeigt hatte wie man einen Fisch aufspießt und ihn aus dem Wasser holte, war es so weit. Bachpfote durfte ihren eigenen Fisch fangen.
    „Dann zeig Mal, ob du das gelernte auch anwenden kannst.“, schnurrte Silberfang.
    Mit kribbelnden Pfoten setzte Bachpfote sich ans Ufer. Vor Aufregung vergaß sie für einen Moment ihre Aufgabe.
    Den Kopf weit runter und die Vorderpfoten bereit machen zum Angriff.
    Ihre Augen verfolgten die Wege der Fische, aber sie waren alle zu weit weg. Für einen Moment erlaubte sie sich ihr Spiegelbild zu betrachten.
    Ihr schauten zwei verschieden farbige Augen entgegen. Das eine hatte das Blau des Himmels eingefangen und das andere Auge besaß einen frischen Grünton. Bachpfote mochte ihre verschiedenfarbigen Augen nicht. Es war, als hätte man sich bei ihrer Geburt nicht entscheiden können, ob sie grüne oder blaue Augen haben sollte und gab ihr einfach beides, wie ein Art Mischwesen.
    „Bachpfote, konzentriere dich! Den Fisch hättest du kriegen können!“
    Bachpfote schreckte auf aus ihren Träumereien. „Entschuldigung, ich war gerade in Gedanken…“, nuschelte sie eilig und Hitze schoss ihr in den Kopf.
    Wie Peinlich…
    Bachpfote nahm sich vor wegen Silberfangs Tadel jetzt unbedingt einen Fisch zu fangen und guckte starr aufs Wasser. Vorsorglich schickte sie alle Kraft in ihre vorderen Pfoten. Der nächste Fisch hatte keine Chance!
    Mit einem Mal verdunkelte sich das Wasser. Bachpfote kniff die Augen zusammen um etwas erkennen zu können. Was ist das?
    Schwarze Haarbüschel tanzten in der Schwärze wie Farn im Wind. Aus einem Riss drang regelmäßige roten Schwaden und stieg auf als wären es Rauchwolken.
    Das Etwas drehte sich langsam…
    Bachpfote hielt angespannt die Luft an.
    Ein Katzengesicht kam zu Vorschein.
    Das Maul der Katze war weit aufgerissen und Blut bedeckte die Zähne. Die Augenhöhlen waren leer, statt Augen klafften dort zwei große Löcher. Über dem Nacken zog sich eine breite Wunde, überkrustet und verdreckt. Merkwürdig verdreht saß der Kopf am restlichen Körper. Überall waren rote Flecken. Hoffentlich war das nicht alles sein Blut!
    Bachpfote schrie und sprang mindestens zwei Fuchslänge nach hinten. Zitternd vergrub sie ihre Nase im Fell von Silberfang. „D-da…“
    „Was ist da?“ Silberfang trat verwundert zu der Stelle, wo Bachpfote gefischt hatte. Zuerst sagte sie überhaupt nichts.
    „Widerlich“, knurrte sie dann „Ich kann es nicht glauben wie unehrenhaft wurde hier gekämpft! Der Angreifer hat auf die Augen und das Herz gezielt, anstatt einen schnellen sauberen Todesbiss zu wählen.“ Als sie sah wie Bachpfote die Tränen in die Augen schossen fügte sie noch schnell dazu „Aber natürlich ist töten nie eine Lösung… Und vermutlich war es nur ein Fuchs oder ein Dachs…“
    Bachpfote schluckte. „Ja, ok…“ Es war ihr peinlich, dass sie wie ein kleines Junges ausgeflippte. Krampfhaft probierte sie die Tränen zurück zu halten.
    „Aber dann müsste man eigentlich Fuchsgeruch oder sowas finden…“, rätselte Silberfang.
    Bachpfote nickte bloß. Ihr Gehirn lief gerade Dickflüssig wie Honig.
    „Na ja, wir sollten erstmal zum Lager zurückkehren.“ Sorgevoll musterte Silberfang Bachpfote. Die Kleine war ja fast noch ein Junges.

    Bachpfote sah beschämt zu Boden, als sie beim Lager angekommen war. Sie hatte sich erschreckt wie Junges.
    Silberfang rannte sofort zum Anführerbau.
    Lautlos schlängelte Bachpfote zwischen den Katzen durch. Sie ertappte sich dabei, wie sie erst noch die Richtung der Kinderstube einschlagen wollte. Sie bemerkte ihren Fehler, machte schnell kehrt und hastete zum Schülerbau.
    Als sie drinnen war, blieb sie erstmal stehen. Sie probierte sich zu erinnern, wo ihr Nest gewesen war. Plötzlich sah alle Nester gleich aus. Sie sog die verschiedenen Gerüche der Schüler ein. Blind ließ sie sich von ihrer Nase führen. Die Gerüche waren viele und überlappten sich. Am Ende hielt sie inne vor einem Nest ganz am Rand. Ja, hier war ihr Geruch. Seufzten ließ sie sich ins Moos fallen. Vielleicht hätten sie heute mit Silberfang lieber Fährtensuche machen sollen?
    Der Schock saß ihr anscheinend noch in den Gliedern. Aber zu Recht…
    Bachpfote beschloss erstmal nicht weiter nach zu denken. Das Training war hart und der Vorfall mit der toten Katze im Fluss hatte sie mehr mitgenommen, als sie sich zustehen wollte. Sie würde jetzt erstmal ein wohlverdientes Schläfchen machen. Sie schloss die Augen und sie bemerkte wie der Schlaf sie mitriss.
    „Bachpfote, fühlst du dich schon wieder besser?“ Silberfang war auf einmal neben ihr aufgetaucht und holte Bachpfote wieder in die Realität.
    „Also eigentlich noch nicht so gut. Ich bin ehrlich gesagt auch ziemlich Müde und…“
    „wunderbar, Orkanstern will nämlich mit dir reden!“, plapperte Silberfang einfach weiter.
    Bachpfote zog die Stirn kraus. Hatte sie ihr überhaupt zugehört? Erst jetzt fiel ihr auf wie durch den Wind Silberfang wirkte. Ihr Blick wanderte immer wieder unruhig umher und ihre Muskeln waren dauerhaft angespannt.
    Bachpfote war verwundert. Sie hatte gedacht sie wäre die, die der Vorfall am meisten mitgenommen hatte. Obwohl… Eigentlich war sie beim Entdecken der Katze im Fluss doch noch normal gewesen?
    Während Bachpfote nachdachte zog Silberfang sie mit sich zum Anführerbau. Der Efeuvorhang teilte sich und Orkanstern kam ihnen entgegen. „Da bist du ja! Komm doch rein!“, sagte er an Bachpfote gewandt.
    Sie nickte und folgte ihm in den Bau. Silberfang wollte hinterherkommen, aber Orkanstern sah sie entschuldigend an. „Kannst du erstmal draußen warten? Ich möchte gerne allein mit ihr reden.“
    Silberfang reagierte für eine Sekunde nicht, doch dann nickte sie kurz und drehte sich um.
    Bachpfote machte es sich derweil im Anführerbau bequem. Schüler hatten das Nest neu gemacht und es sah verlockend gemütlich aus, frisches Moos, eingeflochtene Strohhalme und die Flaumfedern einer Eule. Wie gerne hätte sie ein wenig geschlafen…
    Orkanstern kam wieder rein und gesellte sich zu Bachpfote. Seine Miene wurde härter und der Ernst stand ihm auf der Stirn.

    3

    [Fuchspfote] Streit zwischen Schwestern, Mutprobe

    Mit zwei fetten Eichhörnchen im Maul stolzierte Fuchspfote ins Lager. Sie ließ ihre Beute auf dem Frischbeutehaufen fallen und wand sich mit erhobenem Kinn an Felsenzahn. „Na, wie war ich heute?“
    „Spitze wie immer!“, beteuerte ihr Mentor und seine Mundwickel zuckten vergnügt nach oben.
    Das Lob ging runter wie Öl, aber Fuchspfote tat unbeteiligt. „Ach, meinst du?“
    Felsenzahn musste schnurren. Er kannte die kleinen Spielchen seiner Schülerin gut und amüsierte sich an ihnen. „Wir treffen uns nach Sonnenhoch noch einmal hier, klar?“
    „Klar!“, antwortet Fuchspfote.
    „Nur zwei Eichhörnchen? Wie jämmerlich, Fuchspfote…“, hörte sie eine Stimme, nachdem Felsenzahn gegangen war.
    Fuchspfote schellte ruckartig herum. „Was hast du den gefangen, Eisenjunges?“ Sie fauchte den grauen Kater mit dem matschbraunen Flecken böse an.
    „Dir muss wohl entgangen sein, dass ich schon seit vier Monden auch Schüler bin. Aber das macht nichts. Nicht jeder kann so schlau sein wie ich…“ Sagte Eisenpfote gehässig. Er grinste und seine gelben Augen blitzten böse zurück.
    Spannung entstand und Fuchspfote juckte es in den Pfoten nach vorne zu Springen und ihm mit ihren Krallen sein blödes Grinsen vom Gesicht zu kratzen. Stattdessen blieb sie feindselig stehen.
    „Ich meinte damit nur, dass du dich wie ein Junges benimmst. Schau, du hast selber nur eine Maus und einen Spatzen mitgebracht?“ Zufrieden über ihren Konter leckte sich Fuchspfote in Ruhe ihr rotes Fell glatt, welches sich bei ihrem kleinen Ausraster aufgestellt hatte.
    Eisenpfote verzog das Gesicht und tat überlegen. „Aber wer mag schon Eichhörnchen? Die schmecken so nussig und um an sie ran zu kommen müssen wir in den Baumkronen springen wie bekloppte Meisen.“ Er versetzte Fuchspfotes Beute einen abfälligen Stoß.
    „Das sagst du doch nur, weil du Angst hast runter zu fallen! Und überhaupt- Spatzen muss man doch auch oben in den Baumkronen fangen!“ Sie schob ihre Eichhörnchen zu sich und packte sie am Nacken. „Ich bring das jetzt zu den Ältesten.“
    „Nun, meinem Spatzen habe ich aber am Boden beim Moor gefangen.“
    „Du warst beim Moor?“ Wiederwillig legte sich Bewunderung in ihre Stimme. Sie setzte ihre Beute wieder ab. „Mein Mentor hat mir verboten dort zu jagen. Der Sternenclan weiß warum. Hat deiner es dir nicht verboten?“
    „Doch klar, aber das hat mich nicht gehindert.“ Zufrieden nahm er Fuchspfotes schockierte Miene zur Kenntnis.
    „Du warst unerlaubt dort!“, stieß sie hervor.
    „Vielleicht?“
    „Gleich grinst du nicht mehr. Ich bin gespannt wie Orkanstern reagiert, wenn ich ihm erzähle, wo du diesen netten Spatzen herhast!“
    „Ach, du wirst es ihm erzählen?“ Er sah in keiner Weise beunruhigt aus und das wurmte Fuchspfote. Ihr Nackenfell sträubte sich gegen ihren Willen und ihre Nase witterte Gefahr. „Ja, werde ich…“
    „Du wirst es…“
    „Wieso bist du so komisch?“
    „Ich soll komisch sein?“
    „Ja, verdammt noch einmal und hör jetzt auf damit!“, schrie Fuchspfote eine Spur zu laut. Die anderen Katzen drehten die Köpfe zu ihr und Fuchspfote genoss einmal in ihrem Leben nicht das Rampenlicht.
    „Ihr könnt wieder weggucken. hier ist nichts Interessantes…“, flüsterte Fuchspfote verbissen. „Wir hatten… eine kleine Meinungsverschiedenheit.“, sagte sie nun wieder laut und rang sich zu einem Lächeln ab. Die Katzen schaute wieder weg.
    „Du bist lustig, wenn du Angst hast.“
    „Angst wovor?“, fragte Fuchspfote. „Vor dir? Da muss aber schon einiges passieren.“
    „Nein, ich rede von dem Moor.“
    Und tatsächlich kroch Kälte unter ihren Pelz. Aber schnell fasste sich wieder. „Pah! Ich bin einfach meinem Clan treu. Und das ist ein Unterschied“ Sie machte einen feindseligen Buckel.
    „Du bist noch dümmer als deine Schwester!“, fauchte Eisenpfote „Ihr könnt Mut und Untreue nicht unterscheiden.“
    „Lass meine Schwester aus dem Spiel, Hauskätzchen!“ Die herumstehenden horchten auf und sogen scharf die Luft ein. Es war bekannt, dass Eisenjunges keine blutabstammende Clankatze war. Seine Mutter hatte sich noch während sie trächtig war, dem Clan angeschlossen. Also war er streng gesehen ein Hauskätzchen. Und vom ersten Moment hatte Eisenpfote Fuchspfote gehasst. Und der Hass wurde anschließend erwidert.
    „Du arrogantes Clanjunges! Du glaubst du wärst etwas Besseres!“ Eisenpfote bleckte die Zähne und legte sein silber-braunes Fell eng an seinen Körper an.
    „Was ist Hauskätzchen? Beleidige noch einmal meine Schwester und du spürst meine Klauen!“
    „Dieses Wehleidige Fellknäuel ist eher das Hauskätzchen von uns Dreien. Das kuscht sogar, wenn ein Schmetterling auf ihrer Nase landet!“
    „Ich habe dich gewannt!“, presst Fuchspfote mühsam hervor. Ihre Wut ist nicht mehr zu stoppen. Sie schickt die Energie in die Hinterläufe, stieß sich ab und warf Eisenpfote in den Dreck. In der gleichen Sekunde schießt ihre andere Klaue nach vorne und zerfetzt ein Stücken Bauchfell.
    Eisenpfote reagiert schnell, rollte sich seitwärts weg und springt wieder auf seine Pfoten.
    Fuchspfote setzt schon zum nächsten Angriff an. Ihre Pfoten schießen abwechselnd nach vorne und wieder zurück, sie trafen Mal Rücken, Mal Bein.
    Der graue Kater ließ das nicht auf sich sitzen. Schwungvoll glitt unter Fuchspfotes Beinen durch.
    Ihre Blicke schnitten sich für einen Moment, seine verhassten Gelben und ihre Kleegrünen.
    Während er unter ihr durch rutscht fährt er seine Krallen aus und zieht ihre Beine weg und steht wieder auf ehe Fuchspfote ihn unter sich begraben kann.
    Die rote Kätzin strauchelt. Knapp kann sie ihr Gleichgewicht halten, doch der nächste Schlag bringt sie aus der Bahn. Ihre Pfoten gleiten ihr weg und sie kippt um.
    „Ha, friss meinen Staub, verwöhntes Kätzchen!“, kommentiert Eisenpfote seinen Angriff.
    Fuchspfote richtet sich schon wieder auf und plant im Kopf ihre nächsten Züge, als eine Stimme den Kampf unterbricht.
    „Hört sofort da draußen auf!“ Orkanstern steckt seinen Kopf durch den Efeuvorhang und augenblickliche Ruhe herrscht.
    Kleinlaut zieht Fuchspfote ihre Krallen wieder ein und Eisenpfote tut es ihr nach.
    „Ihr benehmt euch wie Jungen, alle beiden! Und nun entschuldigt euch!“
    „Tut mir leid“, murmelt Fuchspfote verkrampft. Eisenpfote nuschelte Etwas, das eigentlich so gut wie alles bedeuten könnte, aber Orkanstern wertete dies als Entschuldigung. Zufrieden kehrte er wieder in seinen Bau zurück.
    „Du glaubst du wärst super toll, aber was hälst du von einer Wette?“, raunt Eisenpfote ihr ins Ohr.
    „Was habe ich davon?“, antwortete Fuchspfote keck.
    „Der Verlierer muss einen Mond lang die Ältestennester sauber machen!“
    Fuchspfote ging sich das Angebot durch den Kopf und nickte. „Ich möchte noch hinzufügen, dass du in dem Mond auch Bachpfotes und mein Nest immer säubern musst und mich und meine Schwester mit deinen Sprüchen verschonst!“
    „Und falls ich gewinne andersrum…“ Eisenpfote grinste über diese Aussicht.
    „Was muss man bei der Wette überhaupt tun. Vorher will ich noch nicht einwilligen!“
    Eisenpfote schnurrte. „Du, deine Schwester und ich müssen eine Nacht im Moor verbringen. Wer kreischt, zurückläuft oder heult, verliert.“
    „Ich bitte dich, das soll alles sein?“ Fuchspfote tat lässig, aber in ihren Gedanken zweifelte sie. Bachpfote konnte schreckhaft sein… Aber andererseits war der Preis schon verlockend. Und für eine Nacht würde Bachpfote sich ihr zur Liebe sicher zurückhalten.
    „Ich bin einverstanden!“
    „Gut, Wir treffen uns bei Sonnenhoch an der Grenze.“ Noch lachte Eisenpfote, aber nicht mehr lange, dachte Fuchspfote.

    „Nein!“
    „Wie Nein?“ Fuchspfote riss die Augen weit auf.
    „Nein, ich mach da nicht mit…“, murmelte Bachpfote ein wenig eingeschüchtert. Verlegen zog sie den Schwanz ein.
    „A-aber ich habe doch schon zugesagt! Du musst mitmachen! Das ist sonst die totale Blamage für mich!“ Fuchspfote war ganz zitterig. Zorn loderte in ihr. „Du musst!“, wiederholte sie mit Nachdruck.
    Bachpfote zog ihren Kopf ein. „Du hast ja nicht das gesehen und gehört, was ich gesehen und gehört habe…“
    Fuchspfote fauchte. Sie konnte es nicht wahr haben gegen Eisenpfote zu verlieren, weil ihre Schwester nicht mitmachen wollte. „Und was hast du bitteschön gehört und gesehen, was ich nicht habe?“
    „Orkanstern hat mir alles erzählt. Die tote Katze, die ich im Fluss gefunden habe…“
    „Du hast eine tote Katze im Fluss gefunden?“, unterbrach Fuchspfote sie.
    Bachpfote nickte, weil ihr die Erinnerung ein Kloss im Hals verursachte. „Und diese war Silberfangs Bruder. Nick hieß er. Aber er hat schon vor einiger Zeit entschieden Streuner zu werden…“
    „Dann ist das halt so. Vielleicht wurde er angegriffen von einem Fuchs, Hund oder was auch immer!“ Aus Fuchspfote sprudelte die Wut.
    „Nein, sonst hätten wir Gerüche gefunden oder Krallen und Bissspuren. Aber laut Blattfrost ähneln die Bisse keinem bekanntem Raubtier…“ Bachpfote schauderte es. Die alte Heilerin irrte sich so gut wie nie.
    „Blattfrost ist schon alt und verwirrt. Und was hat das überhaupt alles damit zu tun, dass du nicht mitwillst?“ Fuchspfote war verzweifelt. Silberfang tat ihr leid, aber sie konnte nicht einsehen, was dass mit ihrer Wette zu tun hatte. „Oder bist du einfach Feige?“
    „Nein, nein! Aber der Fluss führt direkt aus dem Moor! Im Moor muss etwas Gefährliches sein…“
    „Fuchsdung!“, schrie Fuchspfote so laut, dass das ganze Lager drauf aufmerksam wurde. Aber jetzt störte es sie nicht Mal, dass sie alle anschauten. „Du bist einfach ein riesen Feigling! Ich setzte mich für dich ein und jetzt sollst du Mal was für mich machen! Eisenpfote hatte Recht auch wenn mich es anwidert das zu sagen. Du bist Feige wie ein Hauskätzchen! Dann gehe ich eben alleine!“
    „W-warte doch!“, Bachpfote stand entsetzt auf. Tränen kullerten ihre Wange runter.
    Fuchspfote hörte sie nicht mehr. Sie war schon auf der anderen Seite des Lagers bei Eisenpfote. „Ich gehe alleine und dafür bleiben wir bei nur Ältestendienst, wenn ich gewinne, Ok?“
    Eisenpfote starrte sie unverblümt an. Er seufzte lang.
    Drohend knurrte Fuchspfote. In ihrem Blick war deutlich abzulesen, dass sie in ihrer Stimmung eine ganze Dachshorde nieder machen könnte.
    „Meinetwegen. Heute bin ich großzügig.“
    Bevor Eisenpfote noch einen beleidigenden Spruch hinzufügen konnte, stolzierte Fuchspfote wieder weg. Als sie an Bachpfote vorbei ging, tat sie so, als wäre ihre kleine Schwester Luft.
    „Fuchspfote warte doch!“ Bachpfote zerrte an ihrem Schweif.
    „Fass mich nicht an!“, brüllte Fuchspfote.
    Bachpfote fuhr zusammen und nickte. Noch eine Träne bahnte sich ihren Weg. Ihre Augen schimmerten von den zurück gehaltenen Tränen, die nun doch kamen.
    Fuchspfote wendete sich wieder ab.
    Bachpfote stürmte aus dem Lager.

    4

    [Bachpfote] Verfolgt und Gefangen

    Eine Weile saß Bachpfote mit hängendem Schwanz regungslos am Ufer. Silberfang hätte sie gelobt für ihre Haltung. Aber Bachpfote war nicht zum Fischen hier.
    Die Mittagssonne stand nun am höchsten Punkt. Jetzt würden Fuchspfote und Eisenpfote aufbrechen.
    Aber irgendwie fühlte sich alles furchtbar falsch an. Fuchspfote war ihre Schwester, sie sollten doch immer zusammenhalten.
    Die verschiedenfarbige Augen waren getrübt. Zwei Seiten stritten sich in ihr. Die grüne und die blaue Seite:

    Fuchspfote hat Eisenpfote angegriffen, als der mich beleidigt hat. Sie hat sich für mich eingesetzt...
    - Aber Gewalt ist nie die Lösung.
    Sie sah so enttäuscht aus, als ich sagte ich komme nicht mit... ich wollte sie doch nicht verletzten...
    - Du kennst Fuchspfote. Sie ist manchmal ziemlich störrisch und schnell eingeschnappt!
    Aber sie...
    - wenn sie eine gute Schwester ist, wird sie dich verstehen.
    Wenn ich eine gute Schwester wäre, hätte ich meine Angst überwunden und wäre mit ins Moor gekommen.
    - Deine Angst ist begründet. Im Moor lauern Gefahren. Du musst dir keine Vorwürfe machen.
    Aber das heißt ja Fuchspfote ist den Gefahren auch ausgesetzt!
    - sie schafft das.
    Irgendjemand aus dem Moor hat Nick umgebracht. Was wenn sie die Nächste ist?
    - Sie kann sich wehren
    Die Bestie hat Nick bezwingt!
    - Was kannst du dann schon groß ausrichten?
    Ich muss es wenigstens versuchen!

    Ihre Reue überwog. Aber sie wollte nicht alleine gehen und sie durfte außerdem Orkanstern nichts sagen. Sonst würde ihre Schwester noch mehr Ärger kriegen. Sie musste sich an jemanden wenden, dem sie vertrauen könnte.
    Sollte sie Silberfang fragen?
    Nein, Bachpfote wollte sie nicht noch mehr belasten.
    Vielleicht Regenpfote und Rindenpfote. Die Geschwister würden sie verstehen, so hoffte sie.
    Aber die beiden würden sie nicht ernst nehmen. Bachpfote stellte sich vor wie sie ihr gut zuredeten in den Heilerbau bringen würden.
    Auch von den anderen Schülern und Kriegern kam niemand in Frage.
    Bachpfote atmetet tief ein.
    Nein, sie musste alleine gehen!
    Bachpfote fühlte sich äußerst unwohl in ihrer Haut, als sie sich aus dem Lager schlich. Sie hasste es Regeln zu brechen, aber andererseits musste sie ihrer Schwester helfen! Nachdem sie den Fluss verlassen hatte, flitzten sie los. Ihre Pfoten berührten kaum den Waldboden. Blätter in buntesten Farben stoben auf, als sie über die Wiesen preschte. Dann war ihr immer ziemlich Mulmig zu Mute, weil es dort keine Versteckmöglichkeiten gab und sie lief noch schneller. Nach den Wiesen wurde es einfacher. Die Eichenbäume standen hier sehr dicht aneinander und boten einen guten Schutz. Jedoch konnte das auch zum Problem werden. Bachpfote raste durch den Wald, vergaß das Tempo zu drosseln und stolperte hochkant über eine, der vielen Wurzeln. Beim Aufprall blieb ihr kurz die Luft weg, aber sie hatte sich glücklicherweise nichts gebrochen. Schnell rappelte sie sich wieder auf. Etwas langsamer, aber auch konzentrierter stürmte sie zwischen den Bäumen hindurch.
    Nach einer Weile wurde das Blätterdach spärlicher und die Lücken zwischen den Bäumen größer. Bachpfote erklomm noch den einen letzten Hügel und blieb dann stehen. Das Moor erstreckte sie vor ihren Pfoten. Sie zitterte leicht. Die letzten Schritte ging sie ganz vorsichtig.
    Ich schaff das schon, sprach sie sich selber Mut zu. Ihre Pfoten sackten im weichen Boden ein. Ihr Herz schlug schneller. Hoffentlich sah sie keiner. Ihr Blick raste umher. Nein, sie war alleine. Dann los!
    Mit der Schnauze dicht über dem Boden tappte sie langsam los. Sie roch die Gerüche von abgestorbenen Pflanzen und fauligem Moorwasser. Aber keine Spur von Fuchspfote.
    Bachpfote warf einen Blick zurück. Wenn sie sich beeilen würde, könnte sie vor der nächsten Patrouille noch schnell zurück rennen und ihre Spuren beseitigen. Sie zögerte, doch entschloss sich dann weiter zu gehen. Sie musste es ihrer Schwester heute beweisen. Sie schämte sich Gezweifelt zu haben.
    Sie ging immer tiefer ins Moor. Sie fühlte sich etwas komisch und dieses Gefühl stieg nach jeder Sekunde, wo sie Fuchspfote nicht fand, mehr und mehr an.
    Ihre Beine wurden nach einer Zeit müde und taten weh. Bachpfote beschloss eine kleine Rast zu machen. Etwas Grummelte laut. Bachpfote schaute auf ihren Bauch. Seit heute Morgen hatte sie nichts gegessen. Doch auf dem Weg hierher hatte sie weder ihre Schwester, noch Beute gerochen. Es war wie ausgestorben hier.
    Ein Pfeifen ließ Bachpfote aufschrecken. Die Melodie war traurig und langsam. Sie gehörte zu keinem Singvogel, der Bachpfote bekannt war. Es war beinahe gruselig.
    Ihre Ohren zuckten. Woher kam diese Melodie bloß?
    Auch ihre Augen suchte die farblose Nebellandschaft ab. Überall das gleiche Bild… Karge leichenblasse Bäume zwischen vermoderten Gräsern und Pfützen. Hier und da schoss Unkraut aus dem Boden und einige Moose hatten sich an den Stämmen festgesetzt. Auch vor ihr war ein kleines Wasser Rinnsal und ihre hellblauen Augen schaute ihr entgegen.
    Aber etwas passte nicht in das Gesamtbild. Bachpfote knetete ihre Lippen. Warte… hellblaue Augen? Sie hatte ein dunkelblaues und ein grünes Auge, aber kein hellblaues Augenpaar! Bachpfote sprang alarmiert auf.
    Wie gebannt starrte sie aufs Wasser, aber die Augen waren wieder verschwunden und das Pfeifen mit ihr.
    Sie schüttelte sich. Das war ganz sicher nur Einbildung. Trotzdem wollte Bachpfote schnell möglichst weiter.
    Sie stand auf und eilte schnell davon. Schlitternd stoppte sie wieder. Da war was… ein Geruch… Fuchspfote! Sie war ganz nah. Ihr Geruch kam aus dem Norden. Ich muss weiter ins Moor…
    Aber das konnte auch nicht Bachpfotes Freude schüren endlich ihre Schwester gefunden zu haben. Zielstrebig folgte sie der Witterung. Ich komme! Wer ist jetzt der Feigling?
    Wieder erklang das Pfeifen, die traurige Melodie. Vor ihr bildetet sich eine Nebelwand und zwei hellblaue Lichter stachen aus dem Weiß raus. Schon wieder die Augen.
    Dieses Mal gab es keinen Zweifel, sie waren echt.
    Bachpfotes Beine waren erstarrt. Tatenlos sah sie zu wie die blauen Lichtblitze immer näherkamen. Renn doch endlich!
    Aber es kam ihr nicht nur so vor, als könnte sie ihre Beine nicht bewegen, sondern es war tatsächlich so. Ihre Tatzen steckten bis zum Knie im Schlamm. Ihr war es schleierhaft wie das passieren konnte.
    „Geh weg!“, schrie sie den näherkommenden Nebel an. Sie hörte ein Knurren. Angst schnürte ihr die Kehle zu.
    Endlich gab der Schlamm ihre Pfoten frei und es war ihr egal, ob ihre Schwester nun sauer auf sie war oder nicht. Sie wollte nur zum Lager. Ohne zurück zu schauen preschte sie los. Sie war noch von der vorherigen Wanderung erschöpft und Müde. Sie musste noch einmal ihre letzten Energiereserven aufbrauchen.
    Ganz knapp kriegte sie die Kurve. Vor ihr, vier Fuchslängen entfernt, waren sie schon wieder, diese hellblauen funkelnden Augen.
    Scharfe Nadelspitzen stachen ihr in die Seite. Sie brauchte eine Pause. Aber sie hielt nicht an und die Seitenstiche wurden doller. Himmel, sie war nur eine 6 Monde Alte Schülerin. Kannte das Leben kein Erbarmen?
    Eine Höhle tauchte in ihrem Augenwinkel auf. Vielleicht konnte sie sich dort verstecken? Spitze Steine umrahmten den Eingang. Sie hatten etwas Bedrohliches an sich, doch für solche Gedanken hatte Bachpfote keine Zeit. Ohne nachzudenken schlug sie den Weg zur Höhle ein.
    Hinter der Öffnung zog sie ein langer Tunnel, locker groß genug für zwei Katze in ihrer Größe. Hier zügelte sie ihre Pfotenschritte. Das Pfeifen verklang langsam. Wahrscheinlich konnte der Ton nicht durch das feste Gestein dringen.
    Sie fühlte sich beruhigt, zu beruhigt. Deshalb war sie umso mehr geschockt, als sie das Pfeifen wieder hörte. Vor Schreck schrie sie laut auf. Der Gang zitterte. Loser Staub und Kiesel fielen zu Boden. Dann rumpelte es besonders Laut. Sie wünschte es wäre bloß ihr Magen gewesen… war es aber nicht. Riesige Felsbrocken lösten sich von der Decke. Bachpfote beförderte sich mit einem Sprung aus deren Reichweite. Wie ein Blitz schossen die Felsen zu Erde. Das Echo verstärkte den Knall. Bachpfotes Trommelfell schien zu explodieren. Die Wucht riss sie ein paar Meter mit.
    Kleinere Brocken fiel auf ihr Fell, Große Stabwolken türmten sich auf. Wieder und wieder hörte sie gewaltige Schläge. Ihr Schrei war der Auslöser gewesen, die Höhle fiel in sich zusammen. Ihre Muskeln waren am Ende. Zusammengekauert lag sie auf dem Stein und ertrug den Krach und den Schmerz der auf sie landeten Felsensplitter. Sie heulte leise. Doch vor allem machte ihre die Angst zu schaffen. Nach jedem Knall betete sie, dass es sie nicht treffen würde. Selbst wenn sie rennen könnte, würde es nichts bringen. Auch ihre Katzenaugen konnten bei kompletter Dunkelheit nichts sehen. Am Ende lief sie nur in Gefahr, den Felsen in die Bahn zu laufen und erschlagen zu werden. „Sternenclan, bitte helft mir! Ich will nicht sterben! Fuchspfote, wenn du mich hören solltest, es tut mir leid… Ich war eine schreckliche Schwester! Ich hätte dich begleiten sollen. Könnte ich dir das nur persönlich sagen… Ich habe so schreckliche Angst…“
    Doch das erneuernde Poltern verschluckte ihre Worte. Ihr Schicksal war hart wie die Steine, die sie umschlossen. Bachpfote horchte prüfend. Nein… Das Pfeifen war wieder da. Ihr Schluchzen wurde lauter.
    Auch das blaue Licht flackerte wieder auf. Sie sah es vor ihrem innerlichen Auge.
    Jetzt ist eh alles egal, dacht Bachpfote.
    Bachpfotes Muskeln verkrampften sich. Ein eisiger Hauch umflog ihre Knöchel. Bachpfote hielt angespannt die Luft an. Sie wartete ab. Aber es passierte nichts.
    Bachpfote wollte aufstehen, aber sie konnte ihr Hinterbein nicht bewegen. Als sie es trotzdem probierte, warf der Schmerz sie wieder zu Boden.
    Da lieg ein Felsen auf deinem Bein, flüsterte jemand ganz nah an ihr Ohr.
    „Fuchspfote?“, fragte Bachpfote hoffnungsvoll.
    Nein, ich bin Nick, also der Geist meiner selbst…
    Bachpfote erkannte den schwarzen Pelz wieder. Nur war er so schwach, ja gleich durchsichtig, dass sie ihn nur beim nahen hinschauen erkannte. Die hellblauen Augen hätte sie aber sehen müssen im Fluss… Nein, hätte sie nicht. Da waren keine. Sie spürte, dass die Stimme die Wahrheit sagte. Eine andere Möglichkeit, als ihm zu glauben hatte sie auch nicht.
    „Nick!“ Sie konnte ihre Verwunderung schwer verbergen. Es rumpelte, aber wurde danach auch wieder still. Etwas leiser sagte sie dann: “Der Kater, den…“
    …du im Bach gefunden hast? Ja, genau der.
    Tausende Fragen schwirrten in Bachpfotes Kopf herum, aber sie wagte es nicht zu fragen. Sie hatte Angst Nick würde wieder verschwinden.
    Du kannst ruhig fragen.
    „Kannst du meine Gedanken lesen?“
    Ja, aber nur wenn ich nah genug bei dir bin und du deinen Geist nicht verriegelst.
    „Und was würde passieren…, wenn ich das täte?“
    Dann wärst du hier alleine eingesperrt und hättest niemanden zum reden oder der Hilfe holen kann.
    „Du kannst Hilfe holen?“ Ein Hoffnungsfunke flammte auf. Bachpfote sah zwar nur Schwärze, war sich nichts destotrotz sicher, dass die gesamte Höhle verschüttet sein müsste. Es drang auch keine frischen Luftzüge mehr in die Höhle, was auf einen verschlossenen Eingang hinwies.
    Ich kann… aber dann sollst du im Gegensatz auch mir helfen.
    „Wie soll ich dir helfen? Du bist schon Tod.“ Bachpfote biss sich auf die Lippe „Also ich kann dir natürlich helfen. Aber ich meinte nur- „
    Du sollst nicht direkt mir helfen, sondern meiner Freundin.
    „Was muss ich tun?“ Bachpfote knirschte mit den Zähnen. Sie hatte schon wieder ihr Bein aus Versehen bewegt.
    Das sage ich dir, wenn es so weit ist.
    „Geht das auch genauer?“, fragte Bachpfote.
    Nein.
    Bachpfote schloss die Augen. Sie hatte keine sonstige Wahl. „Gut, ich helfe dir und du mir.“
    Er nickte. Aber es konnte genauso gut Einbildung sein. Bachpfote sah nur seine Augen sich bewegen.
    Ach ja, noch eine Sache…
    „Jaaa?“, sagte Bachpfote gedehnt.
    Sei leise! Und wenn du ein Fauchen oder Knurren hörst, rühr dich nicht.
    „Aber wieso?“ Bachpfote wurde übel. Was sollte das denn bedeuten? Sie hatte eine Ahnung, aber konnte die nicht aussprechen…
    Ich kann es dir noch nicht erkläre. Ich hol erstmal Hilfe.
    „Warte! Sag, was meinst du damit? Du kannst es ruhig sagen. Ich bin kein Junges mehr- „Ihre Stimme brach ab. „Dann bin ich eben leise…“

    5

    [Fuchspfote] Im Moor

    „Bereit, schreiend zu deinem Clan zurück zu laufen?“
    Fuchspfotes Miene war hart. Eisenpfotes Sprüche prallten einfach ab. „Nein, ich bin doch nicht wie meine Schwester.“ Sie spie die Wörter verachtend aus.
    Eisenpfote wich überrascht zurück. „Traurig, wenn die eigene Schwester ein jämmerlicher Feigling ist…“, meinte er spöttisch. Genau achtete er auf ihre Züge, während er die Wörter sprach.
    „Traurig, wenn man ein arrogantes Hauskätzchen sein muss.“
    Eisenpfote blickte bitterböse, aber beschloss sich nicht ärgern zu lassen. Wenn Fuchspfote so kalt sein konnte, konnte er das erst recht. „Ich dachte du wolltest das ab jetzt unterlassen?“ Seine Stimme war gefasst. Er lächelte in sich rein. Ha!
    „Pff, als ob eine halbe Portion wie du gewinnen wirst. Hauskätzchen sind von Natur aus schreckhaft!“ Fuchspfote brodelte noch vor Zorn wegen Bachpfote und den ließ sie jetzt an Eisenpfote aus. Doch mit ihren Gedanken war sie weit, weit weg. Die Sprüche kamen eher automatisch. Der Rest von ihrem Gehirn fokussierte sich auf Bachpfote.
    „Und Clankatzen sind von Natur aus Arrogant! Du bist da das beste Beispiel! Du läufst rum wie die Königin vom Moor!“ Er fauchte leise. Es gelang ihm nicht ganz seine Kälte aufrecht zu halten. Seine Maske bekam risse und Wut schimmerte unter ihr hervor.
    „Ach, sei doch endlich Mal leise, Eisenpfote. Ich denke nach!“
    „Ich lasse mir nichts sagen, siehst du! Ich rede jetzt extra die ganze Zeit!“, knurrte er. „das wäre ja noch schöner, wenn du mir was befehlen könntest!“
    „Okay.“
    „Hörst du überhaupt zu, wenn ich rede?“
    „Ja, ja…“ Fuchspfote war noch furchtbar wütend. Sie kämpft für sie mit Eisenpfote und macht mit ihm den Pakt aus und Bachpfote…? Die ließ sie einfach im Stich! Und trotzdem musste sie jetzt mit diesem Mäusehirn an der Seite eine Nacht im Moor verbringen, wie ätzend! Das einzige beruhigende war, danach müsste der gefleckte Kater erstmal einen Mond lang Ältestennester säubern musste und sie hatte ihre Ruhe vor ihm! Vielleicht war es gut, dass Bachpfote nicht mitgekommen war, Beim ersten Blätterrascheln, hätte sie wahrscheinlich schon laut aufgekreischt. So stand ihre Chance wenigstens besser zu gewinnen! Aber vielleicht wollte Fuchspfote es sich auch nur einreden, weil sie tief in ihrem Herzen enttäuscht war?
    „Fuchspfote, hör Mal auf damit“ Eisenpfote schnaubte entnervt. „Das macht mich ganz irre!“
    „Ich tue doch gar nichts?“
    „Doch! Dieses dumme Pfeifen!“
    „Das bin ich nicht…“ Nun hörte Fuchspfote es auch. „Das ist doch nur ein Vogel.“ Noch während des Redens kamen ihr Zweifel. Es klang komplett anders. Viel verträumter und mit einer festen Melodie. „Nein, kein Vogel…“
    „Nun, es könnte auch Wind sein.“, warf Eisenpfote ein.
    „Seit wann klingt Wind so? Das Pfeifen ist viel komplexer aufgebaut. Nicht so schlicht und einfach wie Wind“
    Eisenpfote zeigte mit einem Blick seine Meinung: Tu nicht so, als wäre ich ein Junges! „Hast du bessere Ideen?“
    „Da…“ Staunend zeigte Fuchspfote nach vorne.
    „Lenk nicht ab!“ Eisenpfote trat auf und stellte sich vor Fuchspfote.
    „Schau Mal diese Augen…“ Fuchspfote ging um ihn herum. „Dieses Eisblau… verblüffend…“
    Eisenpfote schaute über seine Schulter netter Versuch. „Ich fall darauf nicht rein…“ Er stockte. Vor ihnen schwebten deutlich Katzenaugen in der Luft. Sie waren wirklich Blau wie Eis. Aber von ihnen ging auch Gefahr aus. „Das ist doch nur…“, erwiderte Eisenpfote, aber ihm fiel keine Clankatze mit so blauen Augen ein.
    „Das ist kein Trick von mir. Ich kann auch ehrlich gewinnen. Das ist doch nur ein Trick von dir!“ Mit festen Schritten ging sie auf die Augen zu. Ihr wurde bei jedem Schritt mulmiger zu Mute.
    Dann blieb sie eine Schwanzspitze vor den Augen stehen. Da erkannte sie, dass zu den Augen auch ein Körper gehörte. Doch der war so blass, fast dursichtig, dass man ihm von weitem sehr leicht übersehen konnte. Sein schwarzer Pelz war nur ein Schatten seiner selbst.
    „Wer bist du?“, fragte Fuchspfote mit zusammen gekniffenen Augen.
    Hast du keine Angst, fragte eine Stimme und die hellblauen Augen zwinkerten verblüfft.
    „Wieso sollte ich?“ Für Fuchspfote war es nur ein klarer Streich von Eisenpfote.
    Renn, kam panisch die Antwort.
    Fuchspfote lachte. „Du bist ziemlich schlecht. Ich habe keine Ahnung wie Eisenpfote es gemacht hat, aber es sieht täuschend echt aus, als wärst du ein Geist. Nur dummerweise habe ich keine Angst vor dir!“ Sie fuhr mit der Klaue durch die Geisterkatze und er löste sich in Wasser auf. Es war ein Geist…
    Du sollst Angst haben, damit ich dich beschützten kann!
    Beschützten, wovor? Fuchspfote schaute in die Pfütze, die entstanden war. Ihr Spiegelbild lächelte ihr siegessicher zurück. Doch was war das? Hinter ihr stand noch eine flimmernde Gestalt. Halb Katze, halb Monster. Es hatte komplett schwarze Augen. Das braun-weiße Fell stand in alle Seiten ab und von der Kopfform her hatte es verblüffende Ähnlichkeit mit einer Katze, aber das Gebiss… Wie bei einem Krokodil hatte es eine zweite Zahnreihe mit weiteren spitzten mörderischen Zähnen. An den vorderen hingen noch frische Blutstropfen… Das Ungetüm knurrte. Es klang wie der Schrei eines Berglöwen...
    „Fuchspfote renn!“, rief Eisenpfote.
    Fuchspfote konnte aber nicht. Ihr Blick blieb haften an dem katzenähnlichen Monster. Jetzt hob es seine Pranke. Sie war purpurn gefärbt. Die Krallen waren lang wie Schnurrhaare. Die Augen wollten sie bloß beschützten vor dem hier…
    „Wieso rennst du nicht?“ Panik mischte sich in Eisenpfotes Stimme.
    Von dem Monster ging ein komischer Geruch aus. Er war stechend, hatte eine Note von Metall und vor allem Verwesung.
    Fuchspfotes Gehirn war wie lahmgelegt. Die endlos schwarzen Augen zogen sie in ihren Bann. Angst. Ihre Pfoten gehorchten ihr nicht.
    „Fuchspfote!“

    6

    [Fuchspfote] Das Monster vom Moor

    Das Monster riss sein Maul weit auf. Fuchspfote spürte den Schmerz noch bevor sich die zweite Zahnreihe sich in ihre Schulter bohren konnte.
    Jemand schrie schmerzvoll auf.
    Aber es war nicht Fuchspfote…
    Das katzenähnliche Wesen hatte sich auf die Hinterpfoten aufgerichtet und schrie. Zwischen seinen Schulterblättern hing ein silber-brauner Fleck. Eisenpfote. Er holte aus und schoss mit seinen Krallen tief die die Kehle des Ungetüms.
    Das Monster wollte Luftholen und hustetet Blut. Die rote klebrige Flüssigkeit fiel auf Fuchspfote. Sie fuhr zusammen.
    Das fremde Wesen wendete sich abrupt und schleuderte Eisenpfote von ihm runter.
    Etwas wackelig landetet Eisenpfote auf den Pfoten. „Beweg dich endlich, Clan Kätzchen!“ Er zog sie an der Pfote mit sich fort.
    Das Monster bemerkte es und folgte ihnen.
    Sie fegten zusammen durchs Moor. Die Erde bebte von den schweren Schritten des Monsters. Endlich kam Fuchspfote wieder zur Besinnung. Das Blut war getrocknet und verklebte ihren Pelz. Ihre Muskeln gaben alles her für die Flucht. Eisenpfote neben ihr war aber immer noch ein bisschen schneller als sie.
    „Schneller! Es holt auf!“, rief Eisenpfote.
    Fuchspfote nickte. Sie brauchte ihren Atem zum Laufen. Sie spürte einen Luftzug an ihrem Rücken, wo knapp die Zähne des Monsters daneben schnappten. Ihr Herz setzte für einen Moment aus. Fuchspfote beschleunigte ihre Tempo. Ihre Beine überschlugen sich fast. Eine Träne glitzerte in ihrem Auge. Und Fuchspfote weinte eigentlich nie.
    „Da rein“ Eisenpfote deutete mit seiner Schwanzspitze auf das Loch eines Kaninchenbaus.
    Fuchspfote folgte seinem Befehl wiederstandlos. Sie gab noch einmal alles, stieß sich mit ihren Hinterpfoten ab und schoss in den Bau. Eisenpfote rannte hinterher. Ein Schlag ließ den Bau erzittern. Das Monster war ihnen gefolgt und steckte nun fest. Das hatte Eisenpfote einberechnet. Er hatte sich die doppelte Größe des Ungetüms zu Nutze gemacht.
    Trotz der gebannten Gefahr rannten beide in weiter bis sie zusammenbrachen. Der Kaninchentunnel hatte sich als ein verzweigtes Höhlen- und Tunnelsystem herausgestellt.
    „I-ich…“ Fuchspfote rang zwischen den Silben nach Luft. „Pause!“, keuchte sie. Sie setzte sich so weit es möglich war in dem engen Schacht.
    Eisenpfote gesellte sich neben sie.
    Als Fuchspfotes Puls wieder halbwegs normal war und ihre Atmung reden zuließ, wand sie sich an Eisenpfote. Ihre Augen glitzerten.
    „Weinst du?“, fragte Eisenpfote
    „Nein.“ In ihrer Stimme schwang ein Schluchzen mit. Sie schaute zu Boden. „Vielleicht…“ Sie knurrte frustriert, aber daraus entstand ein weiterer Hustenanfall „Ja, okay. Aber es fällt mir nicht leicht über Gefühle zu reden, verstehst du? Das ist meine Schwäche.“
    Eisenpfote blinzelte sie an im matten Höhlenlicht. „Du hast Schwächen?“
    „Wieso wundert dich das, Hauskätzchen.“ Trotz des Angriffs hatte Fuchspfote ihre scharfe Zunge nicht verloren.
    „Ein bisschen freundlicher. Ich habe dich gerade gerettet! Aber zurück zu deiner Frage: Du bist doch immer die perfekte Schülerin? Du kannst perfekt jagen, perfekt kämpfen, perfekt klettern und hast schon eine Narbe!“
    Sie errötete. „Nun, manchmal spiele ich mich ein bisschen auf… Eigentlich bin ich gar nicht so toll… Du hast es ja gesehen. Ich konnte mich eben nicht bewegen und du musstest mich retten. Ohne dich…“ Fuchspfote ließ eine Pause. Es kostetet ihr viel Überwindung. „…wäre ich wahrscheinlich Tod.“
    Eisenpfote wusste nicht was er dazu sagen sollte.
    Fragend legte Fuchspfote den Kopf schief. Unbewusst rückte ihre Narbe ins Licht. „Wieso beleidigst du mich nicht? Ich habe dir die perfekte Vorlage gegeben?“
    „Das erste Mal gibst du eine Schwäche zu? Ich finde dazu passt eine Beleidigung nicht“ Eisenpfote musterte sie.
    „Der vernünftige Eisenpfote gefällt mir irgendwie.“ Fuchspfote lächelte.
    „Die emotionale Fuchspfote auch.“ Eisenpfotes Schnurrhaare zuckten.
    „Aber eine Frage noch.“ Fuchspfote zögerte. „Wieso hast du mich gerettet? Du hasst mich doch?“
    „Zuerst bin ich immer noch eine Clankatze und helfe meinen Kameraden in Not. Und zweitens wollte ich es dir nicht gönnen dein Typisch-Hauskätzchen Bild zu füllen indem ich feige wegrenne.“ Er grinste nun doch etwas spöttisch.
    „Oder feige nichts tut wie ich… In der Situation war ich das Hauskätzchen… Obwohl, eher wie ein Clan Kätzchen. Weil anscheinend sind nicht alle Hauskätzchen Feiglinge“ Fuchspfote wollte schnurren, aber ein Kratzen saß ihr im Hals. Sie räusperte sich und sagte beschwichtigend, als Eisenpfote besorgt aufschaute: „Alles gut. Aber könnte ich irgendwo mir das Blut aus dem Gesicht waschen? Es fühlt sich nicht schön an von einem Monster angekotzt zu werden…“
    „Besser angekotzt, als Tod.“, zwinkerte Eisenpfote ihr zu.
    Fuchspfote schüttelte sich um das Blut so irgendwie los zu werden. Aber es hatte sich schon an ihrer ganzen linken Gesichtshälfte festgeklebt. Ihre Lider waren auf verklebt von dem purpurnen Zeug und ihr Maul hatte auch was abgekriegt. „Sieht es schlimm aus?“
    Eisenpfote hielt kurz inne. Seine gelben Augen ruhten kurz auf ihr. „Nein, man sieht fast nichts“
    Fuchspfote wusste, dass er lügte, aber trotzdem freute sie sich irgendwie. Er sorgte sich um sie.
    Eisenpfote hob die Schnauze. Seine Gesichtszüge wich jede Freundlichkeit. „Ich wittere das Monster! Ich weiß nicht wie es das geschafft hat, aber es kommt zu uns!“
    Auch der Boden vibrierte wieder. Ein halb Knurren, halb Zischen hallte durch den Gang.
    „Wir müssen los!“ Eisenpfote sprang auf. Fuchspfote stellte sich ruckartig hin. Eisenpfote spurtete los. Fuchspfote sah zwar nicht wo sie hin rannte, aber sie vertraute Eisenpfote.
    Dumpfer Schmerz breitete sich in ihrem Kopf aus. Höllische Kopfschmerzen kamen auf. Fuchspfote stöhnte. Hatte sie sich irgendwo den Kopf gestoßen oder woher kam das auf einmal?
    „Es kommt näher!“, rief Eisenpfote panisch.
    Die Wärme in Fuchspfote wich. Innerhalb Sekunden war sie kalt wie ein Eisklotz. Dann brannte sich Hitze in ihr Fell und ihr Pelz glühte. Ihre Beine rutschten weg, sie stolperte. Alles drehte sich. Fuchspfote konnte nicht mehr mit Bestimmung sagen wo oben und wo unten war.
    „Fuchspfote, steh auf!“, drängte Eisenpfote.
    Zitterig richtete sie sich auf. Ihre Beine fühlten sich noch furchtbar wackelig an. Schritt für Schritt setzte sie eine Pfote voreinander während sie zitterte wie Espenlaub.
    „Der Geruch wird stärker, gleich hat es uns!“
    Eisenpfote blieb stehen. Entmutigt ließ er die Schultern hängen. „Sackgasse…“, seine Stimme schwankte.
    Fuchspfote wurde schlecht vor Angst. „Bitte sag mir, dass das nicht wahr ist!“

    7

    [Bachpfote] Dieser merkwürdige Geruch...

    Ein Säuseln wehte zu Bachpfote rüber. Sie hob den Kopf. Zwei hellblaue Lichter flimmerten zwischen den Steinen zu ihr rüber. Ob sie sich je daran gewöhnen würde? Ihr Pelz sträubte sich ungewollt, als Nick näherkam. „Und, hast du sie gefunden?“, fragte sie.
    Ich habe keine Katze gefunden, aber das muss nichts heißen…
    „Ist es schon Sonnenaufgang?“ Bachpfotes Augen fühlten sich mit Tränen. War es schon zu spät? Waren Fuchspfote und Eisenpfote schon wieder zu Hause? Sie ließ den Blick zu Nick nicht los wie ein stummes Gebet.
    Nein, wir haben noch genug Zeit. Es geht gerade Mal die Sonne unter.
    „Wenigstens eine gute Nachricht…“ Bachpfote blickte zu dem Felsen auf ihrem Bein. Sie konnte ihre Trauer nicht verbergen. Fuchspfote hatte Recht. Sie hatte immer Recht… Sie war wie ein feiges dummes Hauskätzchen. Sie war sie weggelaufen, hatte einen Steinschlag ausgelöst und saß hier drinnen fest. Eine Chance, dass sie hier ohne Hilfe rauskam, war beinahe unmöglich.
    Selbstmitleid hilft gerade nicht, Bachpfote.
    Bachpfote knurrte. „Sei Mal leise mit deiner Pfeif-stimme. Sonst lösen wir nur noch einen Steinschlag- „Bachpfotes Augen leuchteten. „Das ist die Idee! Wir lösen einen zweiten Steinschlag aus und der wird den Felsen von meinem Bein zerschlagen…“
    …oder dich lebendig begraben.
    Bachpfote schwieg. Das war halt der Haken an ihrer Idee. Sie hörte Fuchspfotes Stimme in ihrem Kopf. „Du bist einfach ein riesen Feigling!“ Fuchspfotes Miene war hassverzerrt und ihre Augen verengt zu kleinen Schlitzen. Sie türmte sich vor ihr auf und blickte auf die kleine Bachpfote herab. Bachpfote schluckte. Ihre Fantasie Fuchspfote fauchte und bleckte die Zähne. „Ich setze mich für dich ein und jetzt sollst du auch Mal etwas für mich tun!“
    „Nein, wir wagen es!“, sagte Bachpfote bestimmt. Sie schüttelte sich und vertrieb Fuchspfote aus ihrem Kopf.
    Nick pfiff verwundert. Sicher?
    „Ja! Ich kann nicht immer vor meinen Problemen davonlaufen und auf Rettung hoffen… Also du weißt was ich meine.“
    Wirklich überzeugt wirkte Nick nicht. Bachpfote dafür umso mehr. „Nick, du hast die besseren Augen. Du musst mir gleich sagen wie ich ausweichen muss, wenn wir den Steinschlag verursachen!“, befahl Bachpfote.
    Die Augen zuckten zustimmend.
    Bachpfote atmetet tief ein. Ihr war bewusst es könnte auch ihr letztes Mal sein. „Für Fuchspfote“, flüsterte sie ganz leise. Tiefe Wärme breitete sich in ihrer Brust aus, Schwesternliebe.
    Dann hob sie die Stimme und schrie so laut sie konnte. Bachpfote brüllte ihre Gefühle in die Welt. Die Angst, die Wut, der Selbstzweifel. Einfach alles.
    Sie war so in dem Rausch, dass es ein wenig brauchte bis Nicks Stimme zu ihr durchdrang. Es schepperte laut. Felsen lösten sich. „Bachpfote, nach rechts.“
    Sie sprang elektrisiert zur Seite und dies keine Sekunde zu spät. Beinahe wäre Bachpfote umgekippt, als ihr Hinterbein sie nach hinten zog.
    Es knackte laut. Staub schwang auf. Der Knall kam verzögert an ihrem Ohr an.
    „duck dich!“
    Bachpfote entspannte ihre Muskeln und sank augenblicklich zu Boden. Sie drückte ihren Körper so fest an den Boden, dass es fast weh tat.
    „Und jetzt- „Die restlichen Worte wurden übertönt von einem gewaltigen „Rums“. In Bachpfote stieg Panik auf. Wo musste sie jetzt hin.
    Etwas splitterte laut. Scharfe Steinbrocken sausten durch die Luft. Gewaltiger Druck wurde auf ihr geklemmtes Hinterbein ausgeübt. Bachpfote biss sich auf die Lippe und ignorierte den Schmerz. Hinter ihr zerbarst der Felsen in tausend Teilchen. Die Splitter flogen umher und einige trafen Bachpfote am Hinterkopf. Bachpfote wurde nach vorne geschleudert. Kaum war sie mit den Pfoten aufgekommen rannte sie schon. Ihr Bein zog sie wie einen Knüppel hinter sich her. Ein frischer Windzug kam ihr entgegen. Dort musste es raus gehen. Bachpfote steuerte auf den Ausgang zu. Während sie lief schrie sie sich die Lunge aus dem Leibe. Es war nicht mehr nötig. Schließlich war sie frei, aber Das gequetschte Bein tat höllisch weh.
    Hör auf zu schreien.
    „Nein!“, fauchte Bachpfote störrisch. Mit ihren vorderen Beinen zog sie sich weiter durch Geröll. Nun hüpfte sie mit ihrem Hinteren, damit das andere nicht so oft den Boden berühren musste. Jede Berührung war ein Biss ins Herz. Sie konnte es nicht mehr nur hinterher ziehen.
    Langsam hatte Bachpfote alle den krach und Schutt satt. Die Wut verlieh ihr die Kraft, die sie benötige um weiter zu kommen.
    Ich kann dir helfen. Lass mich weiter in deinen Geist und ich nehme dir den Schmerz.
    Bachpfote spürte wie Nick weiter in ihre Gedanken ein drang. Ihr Körper wurde langsam leichter. Sie schwebte fast. Wie eine Grille hüpfte sie durch die Dunkelheit. Ihr Bein war wie kerngesund.
    Freudig erkannte sie ein Licht am Ende des Tunnels. Bin ich Tod oder passiert das hier wirklich?
    Renn weiter!
    Bachpfote sauste los. Dem Licht immer näher und näher. Sie erkannte… Farben! Grün, Dunkelrot, Weiß, Violett! Sie hatte so lange in der Dunkelheit verharrt, dass sie beinahe die schöne Farbvielfalt außer Schwarz und Hellblau gar vergessen hatte.
    Bachpfotes Pfoten versunken im Gras. Es war eine Wohltat anstatt auf kaltem Stein zu liegen. Ihre Augen taten weh von dem hellen Licht. Sie blinzelte. „Wir haben es geschafft?“
    Wie man’s nimmt…
    Bachpfote verstand, als sie sich genauer umschaute. Felswände kesselten sie von allen Seiten ein. Sie waren allesamt glattgeschliffen. Klettern war schonmal ausgeschlossen. Das Licht kam von einem großen Loch in der Decke, durch der die Strahlen der Abendsonne fielen.
    Ein Bach sprudelte in durch die Höhle und alles war von Pflanzen überwuchert. „Es hätte Schlimmer sein können. Und es gibt hier wenigstens einen Ausweg.“
    Gibt es?
    „Irgendwo muss der Fluss wohl hinfließen.“ Es überraschte Bachpfote selber wie gefasst sie war.
    Bachpfote! Halt dir von dem Gestrüpp dort fern!
    „Da wird schon keine Schlange raus kommen…“ Das wäre ihre kleinste Sorge. Sie wurde gerade fast von Felsen erschlagen worden. Da wurde sie auch mit einer Wiesenschlange fertig.
    Nein! Der Geruch!
    Bachpfote sog tief die Gerüche ihrer Umgebung ein. Ein bitterer Geruch mit metallischem Untergeschmack mischte sich unter die des Löwenzahns, Moos und anderen Wildpflanzen. „Was ist das für ein Geruch?“ Bachpfote schloss die Augen um ihn besser analysieren zu können. Es roch dazu noch etwas faulig und hatte etwas an sich, was den Geist ganz neblig machte. „Was ist das?“
    Ich habe dir noch nicht die ganze Wahrheit erzählt…
    Bachpfote fühlte ein Kribbeln im Nacken. „Nick, was hast du mir verschwiegen?“ Sie imitierte den drohenden Ton von Fuchspfote und es wirkte.
    Die hellblauen Augen fuhren zusammen.
    Ich muss dich doch schützen…
    „Ich bin verdammt noch einmal kein Junges! Ich bin schon eine Schülerin! Und wenn du mir nicht die Wahrheit erzählen willst, werde ich einfach los trampeln und da ist es mir egal wie oft du mich warnst!“ Bachpfote schnaubte. Sie erschrak über sich selbst. Seit wann rastete sie so schnell aus? Nun, die Erlebnisse hatten sichtlich an ihren Nerven gezerrt.
    Die hellblauen Augen überlegten.
    Bachpfote fügte etwas freundlicher hinzu. „Wir sind doch Freunde? Und Freunde haben keine Geheimnisse voreinander?“ Sie zog die Schnute und blickte ihn mit dem Welpen Blick an. Ihre Kulleraugen blinzelten. Das Grüne, sowie das Blaue.
    Na gut, dann setzt dich Mal. Ich werde dir jetzt alles erzählen, was ich weiß…

    8
    [Fuchspfote] die Verwandlung!

    Fuchspfote schwankte gefährlich. Keuchend stützt sie sich an der Felswand. Sie gab ein gurgelndes Geräusch von sich. „Mein Kopf hämmert so fürchterlich… „
    „Fuchspfote, reiß dich zusammen! Es ist der falsche Zeitpunkt um Drama zu machen!“, fauchte Eisenpfote sie an. Entnervt knurrte Eisenpfote in die Dunkelheit. Die Gerissenheit gleich sterben zu müssen nahm er für sein Verhältnisse recht tapfer.
    Fuchspfote zog die Mundwinkel runter und schüttelte betrübt den Kopf. „Ist kein Drama“, war die Antwort. Wimmernd drehte sie den Kopf weg.
    Ihr Kopf fühlte sie schrecklich an. Tausend Felsbrocken hämmerten auf sie ein. Jeder Gedanke schmerzte. Es schmerzte zu denken.
    Ihr Magen gurgelte währenddessen wie ein Hexentrank. Fuchspfote wiederstand dem Drang sich zu übergeben. Ihre Zunge schmeckte nach Mäusegalle. Auch sprechen hatte jetzt seinen Ekel.
    „Hast du dich irgendwo gestoßen oder so? Das Monster hat dich doch nicht etwa verletzt?“ Eisenpfotes Schnauze tauchte vor Fuchspfotes Gesicht auf. Eisenpfote legte Fuchspfote auf den Bauch. Sie schrie. Eisenpfote zuckte erschrocken zurück. Etwas vorsichtiger inspizierte er ihr Fell. Trotzdem wimmerte Fuchspfote. Eisenpfote war verwirrt. Fuchspfote hatte keine Verletzungen abgesehen von ein paar blauen Flecken. Wieso krümmte sie sich dann am Boden wie ein Regenwurm?
    „Was ist bloß mit dir Los?“
    Fuchspfote schien ihn kaum zu hören.
    „Monster?“ Fuchspfotes Blick wurde glasig. Das lebhafte Grün wurde trist und fahl. Ihre Pupille wurde größer. Sie schaute auf einen unbestimmten Punkt hinter ihm.
    „Wenn das Monster kommt, verteidige ich dich. Keine Sorge!“ Schon wieder, fügte Eisenpfote in Gedanken hinzu. Es war ein kläglicher Versuch sie zu beruhigen. Er wusste gegen das Monster hatten sie keine Chance.
    Fuchspfote zeigte keine Reaktion. Eisenpfote war skeptisch, ob sie seine Worte noch gehört hatte. Sie jaulte erneuerte wie ein geschlagenes Junge. Bei jedem Wimmern fühlte Eisenpfote sich, als würde sein Herz zerreißen. Die starke Kämpferin zeigte Tränen. Dann musste es was Ernstes sein.
    Langsam war der Monster Geruch schon ziemlich intensiv. Eisenpfote schaute um sich herum. Aber die Bestie war noch nicht zu sehen. Er schauderte. Vielleicht versteckte es sich hier irgendwo im Schatten. Falls dies so war, konnte es ruhig weiterhin versteckt bleiben.
    Fuchspfote öffnete den Mund einen Spalt zum Reden.
    Eisenpfote sog scharf die Luft ein. „Was ist? Spreche ruhig! Ich mache mich auch nicht über dich lustig!“ Ihm war es egal wie verzweifelt er klang. Er machte sich ernsthafte Sorgen.
    Fuchspfote hätte gern etwas gesagt, aber ihre Zunge war unbeweglich. Den genauen Wortlaut wusste sie sowieso nicht, Ach Sternenclan, sie wusste gar nichts! Aber die Botschaft war ihr klar. Und dieses Mal tat es nicht Mal weh daran zu denken. Denn diese Aufgabe erledigte nicht ihr Gehirn, sondern ihr Herz. Mit doppelter Geschwindigkeit pumpte es ihr Blut durch ihren Körper. Sie fühlte sich zwar mehr Tod, als lebendig, aber solange ihr Herz schlug und sie noch etwas fühlte, ruhte sie unter den Lebenden.
    Gar wie ein Stromschlag erfasste etwas Kaltes Ihre Brust. Fuchspfote krächzte. Die Luft blieb ihr weg. Ein Splitter aus Eis, schärfer als jede Kralle.
    Von außen gab es kein Eissplitter und keine Felsen.
    Aber innen tobte der Sturm.
    Eisenpfote richtete seinen Blick wieder auf Fuchspfote. Ihre Augen quollen hervor unter ihrem fuchsroten Pelz. Mit der Blutlache des Biests auf ihrer linken Gesichtshälfte und dem zerrupften Fell tat Fuchspfote ihm leid. Sie sah so elendig aus. Am liebsten hätte er weggeschaut.
    Langsam versagten Fuchspfotes Muskeln. Ihre Pfoten spürte sie einfach nicht mehr. Als wären sie einfach nicht existent. Doch ihre Augen konnten ihr das Gegenteil beweisen. Dann kroch die Leblosigkeit ihre Beine hoch. Beine, hatte sie überhaupt noch welche? Ja, aber sie hatte nicht mehr die Kontrolle über sie. Nach und nach wurde ihr ganzer Körper gelähmt. Nun nahm es sich die Wirbelsäule vor. An der Grenze zwischen Kontrolle und nicht Kontrolle war Eis. Ihre Tränen stoppten. Das Eis ging taktisch voran. Nahm sich erst die weniger wichtigen Sinne bis es zum Herz voran schritt. Die Höhle wurde dunkler. Als würde sie durch eine Schicht Dreck gucken. Eisenpfote war nur ein grauer Fleck, der mit den Höhlenwände verschmolz. Jemand nahm ihr noch das Rest Sonnenlicht, was durch schmale Ritzen in der Decke fiel. Doch selbst, als es komplett Dunkel war, wurde es noch schwärzer. Nicht Mal bunte Farbpunkte oder Lichtblitzte tanzten in ihrer Sicht. Es war einfach nur Schwarz.
    Ein schwaches Miauen kam aus der Ferne. Der Klang wurde verzerrt an ihr Ohr weiter geleitete. Aus der Ferne miaute es noch einmal, leiser als das vorherige Mal. Dann konnte Fuchspfote nicht mehr sagen, ob es ein Miauen war oder ein schwaches Echo ihres Gedächtnisses. Schmerz bekam eine neue Dimension. Ihr Herz schlug, ihre Lunge atmetet, ihr Gehirn dachte. Nur glitt ihr die Kontrolle aus der Pfote. Nicht sie atmete, nicht ihr Herz schlug und nicht ihr Gehirn dachte. Es waren fremde Mächte die über ihre Sinne herrschten und den wahren Besitzer, Fuchspfote, einfach abschalteten. Ein Gedanken ging noch. Bachpfote. Nur ein verschwommenes Bild ihrer verschiedenfarbigen Augen trat in ihr Gedächnis. Ihr Name, noch ihr komplettes Aussehen war ihr entfallen. Noch einen aller letzten Gedanken. Fuchspfote flehte ihren Körper an. Eisenpfote. Eine Kampfszene baute sich vor ihrem inneren Auge auf. Auch das Bild war verschwommen und lückenhaft. Ein grau-brauner Kater warf sich vor sie. Ansonsten waren alles bunte Punkte. Das Bild verblasste. Nein, es verblasste nicht ganz. Aus dem Pixel Wirr-war traten schwarze Augen in den Vordergrund. Mit der restlichen Schwärze waren sie einfach verschwunden. Und dann kam… Nichts.
    Fuchspfote sah nichts.
    Fuchspfote hörte nichts.
    Fuchspfote fühlte nichts.

    Aber ihr Körper lebte.

    9

    [Eisenpfote] Lauf!
    Es wurde furchtbar still in der Höhle. Eisenpfote hatte ganz rot geweinte Augen. Er hatte Fuchspfote angebettelt etwas zu sagen und sie durchgeschüttelt, aber sie rührte sich nicht mehr. Nur ihr Herzschlag verriet, das sie noch lebte.
    „Fuchspfote, wenn das ein Scherz ist, ist der nicht lustig! Verdammt noch einmal…“ Wie oft hatte er den Satz schon gesagt? Eisenpfote wusste, dass es kein Scherz war. Es fühlte sich komisch an in seinem Bauch. Er legte die Schnauze auf die Pfoten und schloss seine Augen. Das Monster würde sie eh gleich erledigen. Beinahe beneidete er sie um ihre Ohnmacht.
    Eisenpfote beschlich ein unruhiges Gefühl. Er roch noch einmal genau hin.
    Das Monster war ganz in der Nähe… Es stand direkt hinter Fuchspfote!
    Vor Panik schrie Eisenpfote und sprang mindestens eine Fuchslänge zurück. Seine Augen bohrten sich in die Stelle, wo Fuchspfote lag.
    Im halbdunkel erkannte er die klaren Konturen von Fuchspfote, doch es war nichts von dem Monster zu sehen… Es muss sich verstecken!
    Seine Augen taten weh vom starren. Alle Muskeln zitterten vor Anspannung, bereit zum Kämpfen.
    Fuchspfotes Flanke zuckte und Eisenpfoten Ohren legten sich flach an.
    „Fuchspfote?“, fragte er zögerlich. Seine Angst vor dem Monster hinderte ihn auf sie zu zugehen. „Pass auf, hinter dir ist das Monster! Ich wittere es!“, rief er ihr zähneklappernd zu.
    Fuchspfote blieb liegen. Nur ihre regelmäßig hebend und sinkende Brust, verriet ihr Leben.
    „Ich mein es ernst! Fuchspfote, wach auf!“ Er machte einen Satz nach vorne und wollte sie wegziehen, aber sie entriss sich ihm.
    „Bist du endlich wach- „ Seine Stimme riss ab. Fuchspfote hatte ihren Kopf in den Nacken gelegt und schaute ihn an. Ihre eine Pfote lag noch immer auf seiner. Die Stelle wo sich ihre Felle berührten war bitterkalt.
    Verlegen schaute sie ihn an, aber das war es nicht, was ihn beunruhigte.
    Es waren ihre Augen!
    Sie waren schwarz wie die des Monsters! Aber nicht Nachtschwarz, sondern endlos schwarz. In normalen Augen gab es ein lebendiges Funkeln, aber nicht in diesen. Eisenpfote war vor Schock erstarrt. Fuchspfote richtete sich zu ihrer vollen Größe auf. Ihre Beine waren auf ihre doppelte Größe angeschwollen, die Krallen lang wie Flussgras und ihr ganzer Körper groß wie ein Berglöwe. Das Blut auf ihrer Wange hatte sich an ihre Fellfarbe angepasst. Sie öffnete ihren Mund. Eisenpfote zählte die Zahnreihe, drei! Es waren allesamt Reißzähne, tausende Reihen von Spitzen langen Zähnen, alle tödlich. Die Mahl- und Backenzähne hatten sich minimiert auf ein paar Hinteren Reihen. Auch ihr Fell hatte sich verändert. Es wirkte Ledernder und härter.
    „Leichte Beute wie ich sehe…“, flüsterte jemand. Fuchspfote bewegte ihre Lippen passend dazu, aber die Stimme klang etliche Oktave tiefer und eisiger.
    Eher aus Reflex stürmte er los.
    Der Geruch war nun klar definierbar. Das Monster stand nie hinter Fuchspfote, sondern war Fuchspfote. Wahrscheinlich schon seit sie die Höhle betreten hatte.
    Eisenpfote schwitzte Wasser und Blut. Er probierte zu verstehen, was hier vor sich ging, aber sein Hirn blockierte.
    Lange Krallen stiegen in seine Sicht. Ehe er es realisiert hatte, stachen sie sich in seine Schulter. Er stolperte.
    Fuchspfote nutze es und grub ihre Klaue tiefer in seine Schulter. Eisenpfote schrie, als sie ihre Knochen traf. „Geh weg von mir!“, brachte er stöhnend hervor. Vor Schmerz kniff er seine Augen zusammen. „Wieso tust du sowas?“ Es war ein leises Fiepen und die Frage war eher eine Feststellung.
    Die Blicke trafen sich. Weil sie nicht mehr Fuchspfote ist. Einen Moment meinte er einen grünen Blitz im schwarz zu sehen. Einbildung oder nicht?
    Sie kam näher und aus unbestimmten Gründen kribbelte Eisenpfote verlegen. Wie unpassend war das jetzt von seinem Körper?
    Sie kam näher. Eine Schwanzspitze lag zwischen ihnen. Dann legte sie den Kopf nach hinten und machte das Maul auf. Ihre Zähne schnappten in seinen Rücken.



    Eisenpfote gelang es knapp auszuweichen. Aber sein Gesicht war kalk blass.
    Endlich fügten sich so langsam dir Informationen in sein Hirn ein. Das hieß aber nicht, dass er es auch verstand. Er sprang auf und zog sein Bein weg.
    Tränen schossen ihm in die Augen. Das Blut lief. Der pure Schmerz sprudelte aus seinem Bein.
    Die Kreatur – Eisenpfote beschloss sie nicht mehr Fuchspfote zu nennen – setzte Flink zum Gegenangriff an. Ihre linke Pfote fuhr nach vorne während die andere sich sein Rückenfell krallte.
    Eisenpfote entwand sich dem Monster. Blutstropfen auf seinem Rücken sagten ihm, dass sie – nein es – getroffen hatte.
    Er wollte rennen, doch seine Schulter zwang ihm zum Bleiben. Er knickste weg.
    Das Monster gab komische Laute von sich. Es klang beinahe wie ein hämisches Lachen.
    Die Sekunde war eine perfekte Gelegenheit anzugreifen. Eisenpfote schlug mit ihrer Klaue nach ihr. Seine Klaue blieb in dem lederigen Pelz stecken. Es fühlte sich furchtbar falsch an probieren das Monster zu verletzten. Er sah in ihr immer noch Fuchspfote, wenn auch ein wenig verändert.
    Das Monster griff ihm am Nacken. Sie zog ihren Biss durch.
    Binnen Sekunden zog sein Leben an ihm vorbei. Die schönen wie die guten Erinnerungen.
    Fast überrascht war er, als der Schmerz seinen Hals durchflog. Blut strömte aus der Wunde und beklebte die Zähne vom Monster. Die Knochen blitzten unter dem Fleisch hervor, aber er lebte. Er rannte, plante die Schulter mit ein und belastete sie nicht. Sein Nacken fühlte sich nach gar nichts an. Weder konnte er ihn bewegen noch schmerzte er. Die Umgebung drehte sich ein wenig. Automatisch bewegten sich seine Tatzen weiter weg vom Monster. Sein Schweif bleibt hängen und zog ihn zurück.
    Das Monster hat sich seine Schwanzspitze zwischen ihren Zähnen geklemmt. Langsam ließ sie ihn leiden, indem sie ihren Biss verfestert
    Eisenpfotes Magen rebellierte. „Ich werde nicht aufgeben!"
    Er fuhr herum und biss seine restliche Schwanzspitze ab. Das meiste war Fell, aber auch Blutstropfen mischten sich ins grau. Es war zu viel passiert um die Gefühle dabei zu beschreiben.
    Der Boden unter Eisenpfote gab nach. Unfreiwillig hüpfte er mit dem blutenden Schwanz über den Boden, welcher zu knirschen begang. Es runpelte laut und der Felsboden riss auf. Eisenpfote verlor den halt und fiel.
    Das Monster klammerte sich mit den langen Krallen in den Spalten fest, doch hatte damit keine Pfote frei um nach Eisenpfote zu schnappen.
    Stünde er nicht unter Todesangst, dass der Boden weg gebröckel war, wäre er fast erleichtert. Je schneller er in die Tiefe raste, desto mehr Abstand zwischen ihm und Fuchspfote- nein, dem Monster.
    Der Wind bauschte im Flug sein Fell auf. Seine Pfoten tänzelten in der Luft.
    Unter ihm sah er Boden näher kommen. Er fürchtete sich. Konnte er auch sicher landen mit einem angebissenen Schweif? Würde er bei der Landung zur Seite fallen und sich sein Genick vollkommen brechen?
    Er kam auf noch bevor er zu Ende gedacht hatte. Doch statt schmetterden Geräuschen fühlte er weiches Gras unter ihm. Er blinzelte. Er hatte es geschafft, er war gelandet!
    Er schaute sich um. An einem Fluss, der durch die Höhle floss, saß eine weiße Katze mit verschiedenfarbigen Augen. Er brauchte ein bisschen bis er verstand. "Wolkenpfote?"
    Wolkenpfote schoss herum. Ihre Augen weiteten sich, als sie Eisenpfote entdeckte. "Wo ist Fuchspfote? Schnell, ein Monster treibt sich hier rum! Nick hat alles erzählt, ich- "
    Die letzten Worte gingen in einem Brüllen unter.
    "Sieh nicht hin!", wollte Eisenpfote noch rufen, aber Bachpfote drehte sich bereits in die Richtung des Gebrülls.
    Eisenpfote zog es das Herz zusammen zu sehen wie langsam aber sicher Bachpfotes Gesichtszüge entglitten.
    Durch das splitternde Loch streckte sich der Kopf des Monsters. Fauchend musste es feststellen, dass ihr Körper zu groß war um durch das Loch zu passen. Das Monster bleckte die Zähne, fauchte und knurrte.
    "Fuchspfote?" Bachpfote starrte wie hypnotisiert zu ihrer Schwester empor.
    Das Monster tobte weiter. Als ihre schwarzen Augen Bachpfote erblickten wurde es nur noch wilder.
    Eisenpfote drehte Bachpfotes Kopf weg. "Schau weg. Das ist nicht mehr sie!"
    Abwesend ließ Bachpfote sich vom Eisenpfote weglenken. Sie ließ den Blick zu Fuchspfote nicht los. "Fuchspfote ist... ein Monster.", stellte sie fest. Es klang aber mehr wie eine Frage. "Das Monster." Zwischen den Wörtern ließ sie Pausen.
    "Nein, so darfst du nicht denken! Fuchspfote ist Tod. Nur das Monster besetz ihren Körper!" Eisenpfote biss sich auf die Lippen. Es war ihm so rausgerutscht.
    "Sie ist Tod?", wiederholte sie Eisenpfotes Worte, Bachpfote schwankte gefährlich. Eisenpfote fing sie ab. Bachpfotes Grimasse hatte sich seit dem Anblick von "Fuchspfote" nicht verändert. Sie stand unter Schock.
    Felsen knackten. Eisenpfote musste sofort an splitternde Knochen denken. "Es hat den Fels durchbrochen!" Reflexartig rannte er los.
    Der Gestank des Monsters umwehte ihm.
    Eisenpfotes Blick raste. Wohin? Das Erste, was in sein Blickfeld fiel, war der Fluss.
    Dahin! Eilig schob er Bachpfote neben sich her und leitet sie zum Fluss.
    Eisenpfote war trotz verwundeter Schulter schneller als Bachpfote, die humpelt probierte Schritt zu halten.
    Das Monster hatte sie in ein paar Sätzen erreicht. Ihre große Planke schwang über Bachpfotes Kopf. Sie würde ihre eigene Schwester verletzen.
    Eisenpfote brachte es nicht übers Herz das mit anzusehen. Er schubste Bachpfote heftig zur Seite, seine Rippen hassten ihn dafür, und bekam an ihrer Stelle den Schlag ins Gesicht ab. Sein Körper war schon so geschunden, dass es nur eine kleine weitere Narbe war. Er hatte zu viel Schwung und fiel rücklings ins Wasser, seinem Ziel.
    Das Wasser fasste ihn härter als erwartet. Sofort zog es ihn nach vorne in den Strom. Eine weiße Fellkugel blitze neben ihm auf und verschwand gleich wieder aus seinem Sichtfeld. Das musste heißen, dass Bachpfote es auch geschafft hatte. Es war eine kleine Erleichterung.
    Das Wasser stach mit eisigen Stacheln in seine Wunden. Schwarze Streifen querten seine Sicht. Der Tod war nah. Das spürte er in jedem Knochen. Und er fürchtete sich nicht Mal vorm Sterben. Doch andererseits müsste er es wenigstens probieren zu überleben! Er kniff vor Schmerz die Zähne zusammen. Er wusste nicht wieso Bachpfote hier war, aber er musste sie schützen, Fuchspfote zu ehren!
    Schuldgefühle schossen auf ihn ein. Wegen seiner dummen Wette war das alles passiert. Wäre er doch als Hauskätzchen zu Hause geblieben. Mehr Schaden als Nutzen hatte er gebracht. Hoffentlich würde der Sternenclan ihn trotzdem aufnehmen. "Sei stark, Bachpfote", flüsterte er. Seine Stimme wurde vom Wind weitergetragen.
    Eine weitere Welle drückte ihn unter Wasser. Er schloss die Augen. Seine Herzschläge wurden langsamer bis sie verklangen. Sein Pelz sank auf dir Temperatur des Flusses ab. Wie ein treibendes Stück Holz wurde sein Körper einfach im Strom hin und her geschoben. Der Fluss machte eine starke Wende und der verkühlte Pelz vom Eisenpfote stieß gegen Bachpfote. Beinah gefühlskalt registrierte sie Eisenpfotes Tod. Und das nicht, weil er ihr nichts bedeutete. Sondern genau, weil er ihr was bedeutete. Gerade, als sich Eisenpfotes warme Seite gezeigt hatte, musste er gehen. Und es war niemand da um sie zu trösten. Sie sehnte sich so sehr nach dem Trost durch Fuchspfote, nicht das Monster, sondern ihre Schwester, dass es weh tat. Das Gefühl der Einsamkeit machte ihr stark zu schaffen. Nur Nick half ihr nicht laut los zu heulen in dem ganzen Schlamassel.

    10
    [Bachpfote] Allein

    ~Bachpfote… Nick suchte nach tröstenden Worten, aber fand keine.
    Die hellblauen Augen schwebten die ganze Zeit über ihr, während der Fluss sie gehörig durchschüttelte. Nur anhand der Augen erkannte sie noch oben und unten. Ungewollt trank Bachpfote Matschiges Flusswasser, als sie probierte etwas zu sagen. Es schmeckte furchtbar bitter. Ihre Gefühle waren wie der Fluss, aufwirbelten, bitter und durcheinander.
    Die Geschehnisse fühlten sich unreal an. In ihren Gedanken war sie noch die unschuldige Schülerin im Donnerclan mit einem nervenden Eisenpfote und den neckenden Sprüchen von Fuchspfote.
    Alles andere passte nicht in ihren Kopf. Fuchspfote soll ein Monster sein und Eisenpfote… Tod? Dazu war er die letzten Minuten seines Lebens sogar nett gewesen.
    Fast spürte sie eine Bindung zu Eisenpfote.
    Aber noch an meisten nahm Fuchspfote sie mit. Das Bild brannte sich in ihr Gehirn. Ihr war nicht entgangen wie Fuchspfote ihr beinahe das Auge zerkratze hatte. Eisenpfote hatte sie noch rechtzeitig aus ihrer Reichweite gekickt und selber dafür den Schlag kassiert.
    Ihre Lunge schrie nach Luft. Wasser war überall. Es kreiste sie ein wie ein Rudel Wölfe. Spitze Felsen aus dem Flussbett schrammten immer wieder an ihrem Rücken vorbei. Dünne rote Striche bildeten sich auf ihrem Fell. Das Blut waberte träge raus. Bachpfote strampelt sich hoch an die Oberfläche. Ihre Versuche waren nur halbherzig. Ihr Hinterbein fiel natürlich aus und die restlichen Drei hatten keine Energie mehr. So schnappte sie verzweifelt nach Luft, aber nur Wasser schoss in ihre Lunge.
    ~Bachpfote, probiere es noch einmal! Eisenpfote soll nicht umsonst gestorben sein!
    Bachpfote musste Nick verbissen zustimmen. Doch sie wusste nicht woher sie die Kraft hernehmen sollte.
    Ihre Beine verweigerten langsam ihren Dienst. Die Kälte fraß sich bis ins Mark. Wie lange war sie nun schon Unterwasser ohne Luft? Es kam ihr vor wie eine Ewigkeit. Und ohne Luft war der Tod sehr nah.
    Auch Nick war sehr still.
    Doch nach dem Tod durch Ertrinken, würde der Tod durch gebrochenes Herz kommen. Wie hatte sie eine Chance zu überleben, wenn alles ins Verderben führte.
    Sie war alleine.
    So alleine.
    Nick zählte nicht. Er ersetzte keine Mondelange Freundschaft oder Schwesternschaft.
    Außer Fuchspfote hatte sie nicht viele Freunde. Und sie war eine schlechte Freundin, sowie Schwester, gewesen. Immer wenn Fuchspfote sie brauchte, ließ sie sie im Stich. Und auch jetzt, erneuert. Sie versagte schon wieder. Vielleicht war es doch nur gerecht?
    Wäre sie nicht von Wasser umschlossen, hätte sie wieder geweint. Hier unten in der Stille gab es nichts, was sie von ihren düsteren Gedanken abhielt.
    Endlich sprach Nick wieder. ~Man sollte nicht Trauern um die Toten, sondern um die Zurückgelassenen. Sie sind die Ärmsten.
    Wie wahr.
    Vor ihren Augen kam ein Fels auf sie zu. Er wurde größer… Bachpfotes Muskeln waren alle starr. Sie konnte sich nicht bewegen. Kurz bevor ihr Kopf auf dem Felsen aufschlug, spürte sie den kommenden Schmerz und alles stürzte ein.
    Bachpfote lag mit dem Bauch auf dem Boden. Alles was sie sah war, Schwarz. Ihr Hinterkopf fühlte sich heiß an. Es roch nach Blut. Sie atmete nicht. Wasser gurgelte in ihrer Lunge. Das Herz gab keinen Ton von sich. Sie fühlte sich so losgelöst von ihrem Körper.
    ~Bachpfote, sterbe nicht!
    Tut mir leid Nick, aber es muss so sein.

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    So, alles Hauptcharas Tod ^^ Nur dumm, dass die Geschichte der letzte Überlebende heißt. Das liegt daran, dass das nur ein Altanativ Ende ist. An dem echten arbeite ich weiter auf Fanfiktion.de:
    https://www.fanfiktion.de/s/5bbcc2f40009260522bd25c0/1/Verseucht-der-letzte-Uberlebende

    Das ist nur die Version für forgotten Storys!

    Wer genaueres wissen will über das eigentlich Ende kann es in die Kommis schicken oder ne Nachricht schicken:)

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