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Katzenherz ~ das Geheimnis im Sternenlicht

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1 Kapitel - 7.979 Wörter - Erstellt von: - Entwickelt am: - 887 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

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    ((big))Katzenherz ~ das geheimnis im sternenlicht((ebig)) Prolog „Düsternacht, bitte komm Mal her!“, rief mich mein Anführer Zedernstern vom Gro

    Katzenherz ~ das geheimnis im sternenlicht

    Prolog

    „Düsternacht, bitte komm Mal her!“, rief mich mein Anführer Zedernstern vom Großfelsen aus.
    Ich hob den Kopf. „Ja, was ist?“, nuschelte ich während ich meine Spitzmaus und den Wühler behutsam auf dem Frischbeutehaufen ablegte.
    „Es geht um die Zweibeiner-plage an der Waldgrenze!“
    Sofort war mein Interesse geweckt. Ich ließ von meinem Beutestück ab und rannte rüber zum Anführerbau.
    Mit einem Nicken lud mich Zedernstern stumm ein einzutreten.
    Ehrfürchtig betrat ich die Behausung meines Anführers. Die Schüler hatten frisches Moos in sein Nest gelegt und die Stein-Wände schimmerten silbern. Irgendwann würde das hier mein Bau sein und ich wäre der auf dem Hochstein, denn so war das Gesetzt der Krieger für 2.Anführer. Aber bis dahin sollten hoffentlich noch viele Blattwechsel verstreichen.
    Nachdem mein Blick wieder zu Zedernstern gewandt war, erkannte ich schnell die ernste Lage nur anhand seines Gesichts.
    „Nun, in der Nähe der Grenze gibt es immer wieder Vorfälle von, Zweibeiner-Angriffen‘. Krieger können nicht in Ruhe jagen und einige Schüler wurden sogar fast von ihnen gefangen und mitgenommen. Wir können uns sowas nicht leisten. Noch ist Blattgrüne, aber die nächste Blattleere wird kommen und dann wird uns das kostbares Territorium kosten. Also frag ich dich, meine zweiten Anführer. Was würdest du tun?“
    Ich überlegte einen kleinen Augenblick. „Nun, von fern bleiben wird es auch nicht besser. Wir müssen sie vertreiben! Wir müssen ihnen klar machen, wessen Wald das hier ist!“, miaute ich mit fester Stimme. „Wir müssen Kämpfen, wenn‘s sein muss! Es könnte auch zukünftig extra Grenzpatrouille geben und…“
    „Düsternacht!“, unterbrach mich Zedernstern.
    Ich schaute ihn fragend an. Er wollte doch meinen Rat wissen.
    „Du denkst viel zu einfältig. Auf Gewalt folgt Gewalt. Wenn wir die Zweibeiner angreifen, werden sie das wiederum nicht auf sich sitzen lassen.“
    Ich schnaubte verächtlich, aber gerade so, dass Zedernstern es nicht hörte. „Hast du etwas eine bessere Idee?“, fragte ich zurück.
    Zedernstern schüttelte den Kopf. „Nein, aber Gewalt hilft auch nichts.“
    Unruhig knetete ich meine Pfoten. „Was hilft den statt Gewalt besser?“
    Zedernstern setzte einen nachdenkenden Blick auf. „Gute Frage, mein Krieger…“ Es war das erste Lob an diesem Abend. „Aber deine Idee ist leider ein Haufen Mäusedreck.“ Oder eher nicht… Ein einziges winziges Kompliment wäre ja auch viel zu viel verlangt.
    „Lass mich einfach Mal nachdenken Düsternacht.“
    Während Zedernstern grübelte schielte ich nach draußen auf die Lichtung und erhaschte einen Blick auf Minzfeder. Ich schenkte ihr ein freundliches Lächeln, doch sie zog nur matt die Mundwinkel hoch. Dann senkte sie ihren Blick zum Boden. Ihre Ohren legten sich steif an ihren Kopf an. Was war mit ihr los?
    Minzfeder war meine Gefährtin, und zwar schon seit mindestens zehn Monden. Sie war schon immer eher schüchtern gewesen, aber trotzdem war das keine bloße Schüchternheit…
    War etwas Schlimmes passiert? Wenn ja musste ich sofort zu ihr!
    „äh, Zedernstern, können wir unser Gespräch auf später verschieben?“
    Zedernstern schreckte hoch aus seinen Überlegungen. Wie ein verwirrtes Wiesel blickte er ängstlich um sich. „Wie? Was? Ja, klar…äh…“
    „okay, danke!“ Noch bevor Zedernstern etwas erwidern konnte, war ich schon verschwunden und auf die Lichtung gerannt.
    „Minzfeder, dir geht es doch nicht gut. Sag, was ist passiert?“
    Besorgt umkreiste ich sie.
    Minzfeder blickte immer noch verbissen weg.
    „Och bitte, ich will dich wieder lächeln sehen. Es ist nicht schön, wenn du besorgt bist.“
    Minzfeder lächelte schwach. Na, bitte!
    Ein zufriedenes Schnurren groll aus meiner Kehle. „So, und jetzt erzähl doch.“
    Minzfeders Wiederstand brach. Sie rückte näher an ihn ran, sodass er ihr leises Flüstern verstehen konnte. „Aber bitte sie nicht böse…“
    „Wieso sollte ich? Außerdem, dir kann ich nie lange böse sein!“ Ich brachte dies so locker über die Lippen, aber langsam machte ich mir wirklich Sorgen, was sie dort bedrückte und wieso ich sauer sein sollte?
    „Ja, aber dieses Mal ist es was anderes…“ Sie seufzte laut hörbar. „Ich habe beschlossen Heilerin zu werden.“
    Es dauerte ein paar Momente bis die Informationen in meinem Gehirn ankam.
    Heilerin werden?
    Mir entging die wichtigste Information nicht:
    Heiler durften keine Gefährten haben.
    Wir durften keine Gefährten sein.
    War das ihr Ernst?
    Meine Gesichtszüge erstarrten. Mein Atem beschleunigte sich und mir wurde etwas schwindelig, sodass ich mich setzte musste um nicht umzukippen. „D-das soll ein Scherz sein, oder?“, erkundigte ich mich bei ihr mit einem versteinerten Lächeln.
    „N-nein… Hör auf so zu lächeln, das macht mir Angst…“
    Ich überhörte ihren Vorwurf. „Du entscheidest das einfach so von heute auf Morgen, dass du Heiler werden willst? Dein Ernst?“
    Minzfeder knurrte leise. Statt der Angst es ihm zu sagen blitzte jetzt Wut in ihren Augen. „Nein, schon seit ein, zwei Monden geht mir der Gedanke durch den Kopf! Aber du bist ja immer sooo in deine Arbeit vertieft, dass du es nicht bemerkt hast!“ Von Satz zu Satz wurde ihre Stimme hysterischer „Der Clan immer an erster Stelle! Der Clan, der Clan! Zweibeiner-streit, Grenz-probleme! Streuner! Zedernstern meckert nur! Bla bla bla!“, äffte sie mich nach. „Ich gehöre doch auch zum Clan, aber im Gegensatz verhälts du dich echt doof mir gegenüber! Ich bin doch auch noch da, aber du hast nie Zeit für mich und ich habe doch auch Probleme, nicht nur du! Also stell dich nicht so an. Manchmal…manchmal… denke ich du magst mich nicht Mal…“
    Betreten schaute sie schon wieder woanders hin.
    „Nein, nein! Ich mag dich doch! Wieso sonst wären wie Gefährten?“, beteuerte ich ihr aufrichtig.
    „Das ist auch egal. Ich will Heilerin werden. Ich fühle, dass es meine Bestimmung ist.“
    „Wirklich?“
    „Ja, wirklich!“ Ohne mit der Wimper zu zucken erwiderte sie meinen Blick.
    „Du… Fuchsherz!“, fauchte ich. „Nur weil ich meinen Job ordentlich mache, heißt es nicht, dass ich dich vernachlässige! Und nur weil ich Mal meckere musst du nicht gleich sauer sein!“
    Sie wirbelte herum. „Wie hast du mich gerade genannt?“ Minzfeder baute sich vor mir auf und fletsche drohend die Zähne.
    „Fuchsherz!“, wiederholte ich ungerührt. „Willst du etwa kämpfen? Ich dachte du bist jetzt eine Heilerin?“ Der gehässige Ton passte sonst nicht zu mir, aber ich war einfach nur wütend auf sie.
    „Das ist genug! Ich will doch einfach nur Heilerin sein!“ Sie stieß sich vom Boden ab und segelte durch die Luft direkt auf mich zu. Die Krallen waren ausgefahren und das Maul weit aufgesperrt.
    Reflexartig schoss ich zur Seite und krallte mich mit den Krallen im Boden fest um nicht umzufallen. Minzfeder schlug eine ganze Fuchslänge neben mir auf.
    „Gut, dass du als neue Heilerin nicht kämpfen musst!“
    Damit stachelte ich ihre Wut noch eher an. Sie rappelte sich auf und raste dann mit erhöhter Geschwindigkeit auf mich zu.
    Aber kurz bevor sie vor mir stand, war sie verschwunden. Verwirrt blickte ich mich um.
    Ich spürte weiches Fell unter meinem Bauch ehe mich etwas voller Kraft nach oben warf. Minzfeder.
    Ich keuchte kurz als die Luft aus meiner Lunge gepresst wurden, als ich auf dem Lagerboden aufschlug. Ich schnaufte kurz, stand mit wackligen Beinen auf und drehte mich wieder zu Minzfeder.
    Ich hörte wie das Blut in meinen Ohren rauschte und wie das Herz wild in meiner Brust pochte. Etwas in mir warf jede Vernunft über Bord, als sich ein roter Wut-Schleier um meine Augen legte.
    Mit einem Brüllen stürzte ich mich auf sie. Minzfeder duckte sich, dennoch streiften meine Klauen ihre Stirn.
    In Kampfstimmung machte ich sofort kehrt um erneuert anzugreifen, aber dann schwand die Wut plötzlich, als ich meine Tat sah.
    Ein kleines rotes Rinnsal entstand auf Minzfeders Stirn. Drei kleine Bluttropfen tropften vor Minzfeders Tatzen, gefolgt von weiteren und mehr Blut.
    Wie in Zeitlupe hob Minzfeder ungläubig den Kopf.
    Erst jetzt verschwand das mächtige Wut-Gefühl richtig und die Panik strömte auf mich ein. Ich hatte sie wirklich angegriffen. Zitternd blickte ich auf meine Krallen.
    Die eine, mit der ich sie wahrscheinlich getroffen habe, schimmerte leicht rot.
    „Du… ich… blute?“, stammelte Minzfeder. Das Blut lief ihr am Gesicht runter und verklebte ihr Fell.
    Von Angst ergriffen wirbelte ich herum und stürmte los.
    Es war mir einfach zu viel.
    Ich hatte es übertrieben.
    Ich musste einfach Mal weg, einen Ortwechsel.
    Hoffentlich verbannt mich Zedernstern jetzt nicht, wegen der Sache mit Minzfeder…
    Noch im Laufen musste ich schlucken. Das würde er doch nicht tun, oder? Aber eine Strafe würde es geben, ganz sicher. Vielleicht würde ich meinen Posten verlieren. Er hasste mich sowieso.
    Ein bitterer Geschmack machte sich auf meiner Zunge breit.
    Ich verdrängte diesen Gedanken in die letzte Ecke meines Gehirns sowie all meine anderen Sorgen.
    Ich konnte es nicht ändern und hatte nicht die Kraft darüber zu grübeln.
    Ich musste mich schlagartig an Silberbarts letzten Worte erinnern. Der Älteste war noch vor einigen Monden an Grünen Husten gestorben. Es war ein großer Verlust für den Clan gegeben. Wäre er nicht so alt gewesen, hätte man ihn wahrscheinlich zum 2.Anführer gemacht. Ich wusste noch genau was er gesagt hatte: „Es gibt keine Probleme, nur Herausforderungen.“
    Aber Herausforderungen die man nicht meisterte waren am Ende doch Probleme.
    Ich zwang mich zum regelmäßigem atmen, unteranderem um keine Seitenstiche zu bekommen.
    Mit einem kurzen Blick über die Schulter kontrollierte ich, ob Minzfeder mir folgte. Tat sie nicht.
    Ich ließ mich ins Grass plumpsen.
    Eine kleine Brise kräuselte meinen Pelz. Grillen zirpten vor sich hin. Und die Sterne funkelten fast noch heller am Himmelszelt als für gewöhnlich.
    „Ach Sternenclan…“, meine Stimme war kaum lauter als ein flüstern.
    „Manchmal frage ich mich… ob meine Bestimmung nicht woanders liegt, als hier im Clan als zweiter Anführer.“
    Die Sterne glühten nur weiter stumm und eisig.
    „Ich meine, ich habe das Gefühl, dass alles was ich mache von Zedernstern nur kritisiert wird, als suche er nur irgendwas an mir um zu meckern. Das fühlt sie wie versagen an, wieso hat er mich überhaupt gewählt? Na ja, bald wird er mich eh wieder zu einem normalen Krieger machen, weil ich Minzfeder angegriffen hab.
    Was denkt sie sich auch dabei? Einfach so Heiler werden? Ich meine, wer würde anders regieren. Also nicht wütend…
    Bitte antworte doch Sternenclan!“
    Eine größere Böe zog auf. Ich kniff die Augen zusammen, als der Wind mir direkt ins Gesicht wehte. Warte… Aus dem Pfeifen bildete sich Stück für Stück ein Wort!
    Ich spitzte die Ohren:
    R…
    E…
    N…
    N…
    Renn? Wieso, wovor sollte ich wegrennen?
    Ich prüfte schnell die Luft. Kein Dachs, Fuchs, Hund, Streuner, geschweige den irgendjemand anderes außer mir. Merkwürdig.
    Dunkle Wolken, die die ganze Zeit den Mond verdeckt hatten, rissen auf.
    Im ersten Moment war ich viel zu überrascht anstatt was zu tun wie weg rennen.
    Etwas war anders am Mond.
    Statt dem gewohnten silber-weiß, strahlte der er Rot! Rot wie Blut.
    Es ist Blutmond!
    Renn! Schnell!
    Meine Muskeln waren unfähig sich zu bewegen. Der grelle rote Lichtstrahl traf mich. Beim Aufprall vom Mondlicht wurde ich zur Seite geschleudert. Ein unfassbarer Schmerz durchschoss mich, doch nicht nur vom Sturz. Mein ganzer Körper erfüllte sich mit diesem Schmerz. Ich riss den Mund auf zum Schreien, aber es war als würden sich hunderte scharfe Dornen in meinen Hals bohren und mich zum schweigen zwingen. Die Luftzufuhr war plötzlich einfach weg. Ich schnappte nach Luft. Noch ein letztes Mal krümmte ich mich zusammen, ehe mich eine erleichternde Schwärze empfing und umschloss.
    Danach verdunkelte sich die Welt um mir bis zum kompletten Schwarz und außer ein leises Piepen war absolute Stille.

    1. Kapitel Verwandlung zum Menschen

    Mein erster Gedanke war: Wieso friere ich so?
    Mein zweiter Gedanke war: Wieso tut mir alles weh?
    Mein Körper fühlte sich an wie auseinander geschraubt und falsch zusammengesetzt. Jeder einzelne Muskel tat mir weh. Außerdem war da noch diese unglaubliche Kälte die mit bis zu den Knochen drang und den ganzen Körper erschütterte.
    Meine Pfoten waren schon so taub, dass ich sie nicht Mal mehr richtig spürte. Es waren nur noch taube Klumpen an meinen Beinen.
    Mein Kopf schmerzte fürchterlich, als hämmerte jemand von innen dagegen.
    Was war hier passiert?
    Ich öffnete zaghaft meine Augen. Sogleich schloss ich sie wieder. Das grelle Sonnenlicht blendete mich. Sonnenlicht? Wie lange musste ich hier schon liegen, wenn es schon wieder Tag war?
    Ich blinzelte ein paar Mal bis meine Augen sich langsam an die Helligkeit gewöhnt hatten. Bereits jetzt wusste ich, dass sich etwas verändert hatte. Die Welt um mich rum wirkte so… bunt! Ich entdeckte vorher nie gesehene neue Farben. Insgesamt wirkten alles knalliger und fröhlicher.
    Ein Strauß Lilien blühten neben mir. Sie sahen so anders aus, aber besaßen keine Farbe, die ich kannte… Ein Wort plopte in meinem Kopf auf: Lila
    Was war Lila? Eine Farbe! Mich schauderte es. Woher wusste ich diese Sachen? Ein mulmiges Gefühl rumorte in meinem Magen, was von Sekunde zu Sekunde stärker wurde.
    Ich wollte aufstehen, aber ich konnte nicht. Es war, als hätte ich verlernt wie es ging. Ich nahm ein wenig Schwung rollte mich stattdessen auf die Seite und stützte mich mit meinen Pfoten ab.
    Ich unterdrückte ein schmerzhaftes Aufstöhnen und kniff die Zähne zusammen. Immer noch schmerzte alles.
    Für einen kurzen Moment stockte mir der Atem und der Herzschlag fiel für eine Sekunde aus.
    Meine Pfoten… sie waren keine Pfoten mehr! Es waren Hände. Felllose und platte Dinger. Meine so schönen spitzen Krallen waren stumpf geworden und hatten sich zurückgebildet. Sobald ich meine neuen Hände bewegt, ging ein Schauer durch meinen Körper. Das war komisch jede „Kralle“ einzeln bewegen zu können auch wenn es jetzt Finger waren. Abwechselnd ballte ich meine Hand zu Faust, nur um sie dann wieder zu öffnen. Es musste einfach ein Traum sein. Anders konnte ich mir es nicht erklären. Es war einfach zu unreal.
    Das traf mich ein Gedanke wie der Blitz. Was wenn mehr als meine Hände und auch scheinbar meine Augen zum Zweibeiner geworden sind.
    Ich probierte noch einmal mich auf zusetzte. Dieses Mal stemmte ich meine Arme nach hinten und stieß mich vom Boden ab. Ich blickte an mir herab.
    Tatsache, ich war ein Zweibeiner.
    Der Grund für die Kälte war es, dass dort wo Fell gewesen war nun kahle haut war. Nur loses Zweibeinerfell hing an mir runter. Kleidung!
    „Hör auf, du verdammte Stimme in meinem Kopf mir solche Begriffe einzuflüstern!“, schrie ich wütend und auch verzweifelt zugleich.
    Schnaufend sah ich noch am Rest von mir herab. Wie geahnt waren auch meine Hinterpfoten jetzt Füße und all mein schwarzer Pelz war von mir gewichen. Mein schönes schwarzes Fell… stattdessen habe ich hier diese… diese… Klamotten an. Sie waren zwar Schwarz, doch nichts konnte den seidenweichen Pelz ersetzten und die Momente im Mondschein, wenn das Schwarz einen silbernen Schimmer erhielt. All dies erschien mir so weit weg.
    Etwas Schweres lag auf meiner Brust, genauer genommen auf dem T-Shirt. Es war ein goldenes Amulett. Die Farbe der Klamotten hatte Auswirkungen gehabt auf mein Äußeres als Mensch. Sowie auch meine schwarzen Haare, aber ich konnte mich nicht erinnern je eine Kette wie ein Hauskätzchen getragen zu haben… Ich wollte sie erst abnehmen, aber ich ließ es doch, denn die Muster auf der Kette stimmten mich um. Es war ein halbes Katzengesicht. Die Augen waren kleine Diamanten. Die Kette fühlte sich wichtig an, wie die letzte Verbindung zur Katzenwelt auch wenn ich sie bevor diesem Tag noch nie gesehen hatte.
    Ach, wieso konnte ich nicht einfach aufwachen und wieder ein Krieger vom Donnerclan sein?
    Ich dachte traurig zurück an letzte Nacht. Der Streit mit Minzfeder war komplett außer Kontrolle geraten. Und das einzige was ich getan habe… war feige weglaufen. War dies die Strafe vom Sternenclan für das?
    Und wenn ja, wieso taten sie das? Ich habe mich doch immer nur bemüht für das beste von allen?
    Ich wollte frustriert Knurren, aber es kam nur ein schwaches Grollen raus, gefolgt von einem kurzen Hustenanfall.
    Das war definitiv kein Traum, so sehr ich es mir auch wünschte!
    Ich zwang mich Ruhe zu bewahren und atmete tief ein und aus, wobei ich bemerkte, dass auch mein Geruchssinn unter meiner Verwandlung litt.
    Was diese Nacht geschehen ist, würde sich rein logisch wahrscheinlich auch andersrum wiederholen. Ich musste also nur abwarten.
    Obwohl, es konnte ja nicht schaden Mal auszuprobieren wie es ist ein Zweibeiner, Mensch, zu sein.
    Also stand ich mit zitternden Knien auf. Für ein paar Sekunden hielt ich mein Gleichgewicht. Doch dann kippte ich nach vorneüber.
    „Wie schaffen Menschen es den ganzen Tag rum zu laufen, springen, hüpfen, tanzen und sowas? Vier Beine sind Zwei zu wenig.“
    Es kam mir komisch vor, wenn mir mein Unterbewusstsein Wörter vorsagte, aber ich hatte beschlossen, dass es auch nichts brachte sich dagegen zu wehren. Ich konnte es schließlich auch nicht ändern.
    Ich wischte mir den Schmutz von der Hose und probierte es noch einmal.
    Ein langer Eichen-Ast bot mir dabei Hilfe. Ich nahm ihn um mich auf ihm ab zu stützte. So konnte ich einigermaßen stehen ohne sofort wieder umzuknicken.
    Die ersten Schritte erfolgten dann noch holprig, aber immerhin ging ich das erste Mal als Mensch durch die Gegend.
    Zunächst stellte ich mit dann die Frage: Wohin soll ich denn gehen?
    Der Clan würde mich nicht erkennen. Sie könnten mich sogar angreifen.
    Ich bin ja jetzt ein Mensch…
    Und Überhaupt, den Clan konnte ich immer sehen, vielleicht nicht von der Höhe - Menschen waren mindestens dreimal so groß - aber viel interessanter wäre es doch die… Ich guckte in die Ferne, wo große Steinbauten in den Himmel ragten.
    Stadt, half mir die Stimme in mir auf die Sprünge.
    Aber viel interessanter wäre es doch die Stadt zu erkunden!
    Als Katze dorthin zu gehen war vielleicht der Horror, aber als Mensch bot mir die Stadt doch viel mehr Möglichkeiten, eine komplett neue Perspektive.
    Es war sehr leichtsinnig, aber die nun angeregte Neugier war nicht mehr zu Bremsen.
    Schon beim ersten Schritt in die Stadt, als meine Füße den Asphalt betraten, erahnte ich meinen Fehler, aber meine Neugier trieb mich weiter voran.
    Instinktiv hielt ich mich beim Erkunden der Stadt von den Autos fern. Ich war äußerlich Mensch, aber im inneren ruhte ein Stück weit die Katze.
    Im Zentrum der Stadt musste ich mich erstmal setzten auf eine Parkbank. Die bratzige Sonne schien direkt auf mich drauf. Hier gab es keinen Wald, geschweige den viele Bäume, die das Sonnenlicht abhalten konnten. Ich vermisste den kühlen Schatten der vor allem die Ruhe!
    Mein Gehör war hundertmal schlechter als Mensch – ich fühlte mich fast taub – aber seit ich die Stadt betreten hatte, hat sich meine Meinung zum Gehör rapide geändert. Jetzt erkannte ich auch wieso Menschen so schlecht hörten. Bei all dem Krach, das Dröhnen der Autos, das verfluchte Piepen aus Handys, viele reden, schimpfende und schreiende Leute, brauchte man ein weniger gutes Gehör um nicht verrückt zu werden und um all den Krach ertragen zu können. Meine Kopfschmerzen verstärkten sich. Ich vergrub den Kopf in meinen Händen. Ein leises Wimmern entschlüpfte mir.
    Der Krach.
    Die Kopfschmerzen.
    Die Hitze.
    im Schatten der Bäume habe ich etwas gefroren, aber in der sticken Stadt mittags…
    Ich konnte nicht mehr. Durch all die Menschen hindurch erspähte ich eine dunkle Gasse. Meine Rettung! Mit letzter Kraft erhob ich mich von der alten Parkbank und schleppte mich rüber zu der kleinen Gasse. Ich scherte mich nicht darum wie viele Leute ich dabei umstieß oder weg drängelte. Einige grummelten etwas wie „Pass doch auf, Junge!“ oder „Die Jugend von heute zeigt keinen Respekt mehr…“, als ich mich unwirsch weiter hindurch zwängte durch die Menschenmasse, aber ich hatte keine Zeit mich zu entschuldigen. Ich taumelte hin und her in all dem Trubel, doch behielt immer mein Ziel im Blick. Die letzten Schritte gab ich noch einmal alles. Als ich endlich den kühlen Schatten auf der Haut spürte sackte ich zusammen und fiel auf die Knie.
    Die Geräusche des Getümmels kamen jetzt nur noch gedämpft bei mir an und ich fühlte mich schon wohler in der Dunkelheit. Während sich meine Augen nach und nach an die Dunkelheit der Gasse gewöhnt, bemerkte ich, dass ich nicht alleine war…

    2. Kapitel: Ist das das Ende?

    Von einer alten mit Moos besetzten Mauer schauten mich stechende türkise Auge an. Erst hielt ich sie für Katzen Augen, aber beim zweiten Blick erkannte ich die Umrisse eines Menschenkörpers, genauer genommen eines Mädchens.
    Mein Menschen Körper verriet mir zwar viele Begriffe der neuen Welt, aber ich hatte keine Ahnung wie das so war mit anderen Menschen zu reden.
    „äh… sei gegrüßt, namenloser Stadt-Streuner?“, kam als einziges aus mir raus. Stadt-Streuner, war mir nur so raus gerutscht wegen ihrem offensichtlich schäbigen Aussehen. Ihre schwarze Jacke war schon viel zu klein und die Farbe blich schon aus.
    Passend zur Jacke hatte sie schwarze Handschuhe an aus robusten Stoff. Die Finger vom Handschuh waren abgeschnitten. Entweder hat sie es getan, weil sie sonst zu eng waren oder es war einfach… modisch.
    Die abgewetzte Leder-hose unterstützte das Bild vom Stadt-Streuner. Sie war wohl mal hellbraun gewesen, doch davon war nicht mehr viel zu sehen. Schmutz, Dreck und das Wetter hatten die Hose dunkelbraun gezeichnet.
    Ebenso ihr Gesicht deute auf ein eher bescheidenes Leben hin. Die blonden Haare waren stramm zu einem Zopf gebunden und sahen nicht sehr gepflegt aus. Kleine Blätter und Äste hatten sich bereits im Haare verfangen und einige fettigen Strähnen hatten sich aus dem Zopfgummi gelöst.
    Nur diese türkisen-blauen Augen stachen aus all dem heraus.
    Das Mädchen machte einen Satz von der Mauer. Sie sprang schon fast wie eine Clan Katze…
    Unbeirrt ging sie auf mich zu und ich fühlte mich irgendwie unwohl. Direkt vor mir blieb sie stehen. Sie hatte immer noch kein Wort gesagt.
    Ich lief ganz rot an auch wenn es keinen wirklichen Grund gab.
    „Deine Kette.“, sagte sie tonlos, als wir Auge in Auge da standen.
    „äh, was?“, fragte ich noch etwas verwirrt und trat vorsichtshalber einen Schritt nach hinten.
    „Ich will deine Kette haben. Gib sie mir.“
    „äh, Nein! Das ist meins!“
    Ich legte den Kopf auf die Brust um einen kurzen Blick auf meine Kette zu erhaschen. Die eingravierten Zeichnungen und das halbe Katzengesicht, gekrönt mit Augen aus Diamanten baumelten immer noch um meinem Hals.
    Schützend umschloss ich die Kette mit meinen Händen.
    „Sei vernünftig. Gib sie mir oder willst du, dass was Schlimmes passiert?“ der drohende Tonfall war nicht zu überhören. Als das Mädchen einen weiteren Schritt auf mich zu machte, wich ich instinktiv zurück.
    Du bist ein Krieger vom Donnerclan! Sie sollte zurückweichen, kam es mir durch den Sinn.
    Dieser Gedanke gab mir die Entschlossenheit und Mut, die ich brauchte.
    Mit einem Kampfschrei schoss ich nach vorne und stürzte das Mädchen zu Boden.
    Sie kreischte sichtlich überrascht auf. Sie hatte wohl nicht mit Gegenwehr gerechnet. Ich drückte ihre Arme nach unten und stützt mein Knie auf ihrem Bauch.
    Plötzlich legte sich irgendwo in meinem Gehirn ein Schalter um. Ich musste nicht gegen meinen neuen Menschenkörper ankämpfen und probieren zu Knurren, fauchen und die Krallen benutzten. Andererseits musste ich auch nicht wie ein komplett normaler Zweibeiner sein. Ich brauchte ein Zusammenspiel zwischen Mensch und Katze.
    Ich war als Mensch größer und hatte zwei Beine. Dadurch hatte ich weniger Stabilität. Das musste ich ausgleichen mit gebückter Haltung und Armeinsatz. Den kurzen Moment indem ich abgelenkt war, nutzte meine Gegnerin. Sie wand sich aus meinem Griff raus wie ein Aal und rollte sich zur Seite weg. Noch Bevor ich Zeit hatte aufzustehen, rammte sie mir ihr Bein in die Seite.
    Ich wimmerte vor Schmerz. Der Schlag hatte gesessen. Ich presste die Zähne so aufeinander, dass ein Knirschen zu hören war.
    Eine kalte zierliche Hand legte sich an meinen Hals und machte den Verschluss meiner Kette auf.
    Die Tränen, die mir in die Augen geschossen waren bei dem Stoß in die Rippen, ließen alles verschwommen aussehen.
    Mit einer schwachen Hand Bewegung probierte ich nach meiner Kette zu schnappen.
    Das Mädchen zog die Kette ein Stück zurück und dann wieder näher ran. Ich probierte erneuert sie zu fangen, aber immer zog sie die Kette wieder rechtzeitig zurück. Das Mädchen machte sich einen regelrechten Spaß daraus.
    „Eins muss ich dir lassen…“, flüsterte sie leise, während sie letztendlich die Kette in eine der Hosentasche verstaute.
    „Du bist der erste, der mich zu Boden werfen konnte. Trotzdem bist du nicht gut genug um mich zu besiegen. Denn mich schlägt niemand. Anscheinend bist du neu in der Gegend, sonst hättest du längst von mir gehört und wärst so schlau gewesen ab zu hauen oder sich mir zu ergeben wie es alle Vernünftigen tun.“
    Mit dem Amulett in ihrer Hand stolzierte sie in die Dunkelheit zurück, wo ich einen Seitenweg vermutete, aber es nicht kontrollieren konnte.
    Wieso hatte ich gezögert? Wieso musste ich in dem kuren Moment die Konzentration verlieren? Das hätte selbst ein Schüler besser gemacht!
    Letztendlich sah ich ein, dass mir selbst Vorwürfe auch nicht halfen. Sollte dieses dumme Mädchen doch mit meinem Amulett abhauen! Konnte mir doch egal sein!
    Dachte ich…
    Nachdem der Schmerz langsam verklangen war setzte ich mich auf und ging am Rand des Getümmels den Weg zurück, den ich auch hergekommen war. Ich war vorbereitet und hatte dementsprechend mir jetzt auf dem Weg die Ohren zu gehalten und war extra nur im Schatten gelaufen. Fast wie ein Vampir…
    Ich wusste nicht, was das bedeutete, aber anscheinend fand mein Unterbewusstsein es passend…

    Als ich im Wald ankam, war es bereits wieder Nacht! Genüsslich zog ich einmal tief die kühle Nachtluft ein. Ich hatte aus meinen Erfahrungen gelernt und nichts würde mich zurücktreiben in die Stadt. Mir war es dort einfach zu… Laut, Eng und… ach, ich mochte es einfach nicht. Es war wie in einem riesigen Käfig gefangen zu sein.
    Zweifel keimte in mir auf, während des Weges zur Stelle, wo ich erwacht war. Am Morgen hatte ich mir eingeredet, dass es ganz einfach wäre wieder zurück verwandelt zu werden und beim Abenteuer in der Stadt hatte ich es verdrängt. Doch nun bekam ich es langsam mit der Angst zu tun, dass ich für immer so bleiben müsste.
    Ich musste fast vor Freude aufjubeln, als ich ein Katzenwispern hörte.
    Wieso ist wusste, dass es Katzenwispern war?
    Keine Ahnung, ich wusste es einfach.
    Und das Beste war, ich konnte es verstehen!
    „Düsternacht… Düsternacht… bist du hier?“
    Ich blickte rasch umher um die Katzen auszumachen, die das sagten. „ja, ja, das bin ich! Seid ihr es, Sternenclan?“, rief ich viel zu laut in die Nacht hinein. „Wo seid ihr? Bitte helft mir, ich- „
    „Ja, sind wir und wir wissen bereits alles.“, kam der ruhige Ton aus einer unbestimmten Richtung.
    „Woher? Könnt ihr es rückgängig machen?“
    „Eins nach dem anderen. Wie du gesehen hast und auch gefühlt, war letzte Nacht und auch diese Nacht Blutmond. Ein seltenes Phänomen und wir haben das „Glück“ es zu erleben. Genauer genommen ganze drei Tage. Aber der Blutmond ist verflucht…“
    Ich blickte hoch zu dem rot leuchtenden Kreis am Himmel und verkrampfte mich instinktiv.
    „Wie- verflucht?“
    Ich meinte einen Seufzer zu hören. „Ja, die Geschichte ist zu lang um sie zu erklären. So viel sei sicher: Es gab einen… Konflikt zwischen Mensch und Katze. Doch das ist ja gerade nicht wichtig! Also, zur deiner Verwandlung: Es geht alles wieder rückgängig, wenn du dich wieder ins Mondlicht stehst. Also so steht es zumindest in der Prophezeiung…“ Leichter Zweifel schwankte in der Stimme mit.
    Die Anspannung ließ langsam nach. Auch wenn es mir alles irgendwie zu einfach vorkam. Ganz langsam ging ich aus dem Schatten der Bäume hervor.
    Ich kniff die Augen zusammen und erwartete, dass was Ähnliches passieren würde wie bei der ersten Verwandlung. Vielleicht wieder so ein roter Strahl? Aber es passierte nichts…
    Wirklich gar nichts…
    Ich schlug die Augen wieder auf. Die Überraschung stand mir ins Gesicht geschrieben. „Sternenclan?“, zitterte ich „Wieso passiert nichts?“
    Sie gaben keine Antwort.
    „Sternenclan!“, sagte ich schon etwas energischer.
    „Es fehlt: Das Amulett. Das Amulett des Blutmondes.“
    Ich wurde ganz blass im Gesicht. Etwas DAS Amulett?
    „Wo ist es, Düsternacht?“
    „Ich…. Ich… hab es nicht mehr.“ Entsetzt schaute ich in die Richtung, wo ich die Stadt vermutete.
    Mir wurde klar, was dies bedeutete. Wenn ich nicht schnellstens mein Amulett zurückholen würde, müsste ich für immer ein Mensch bleiben.
    „Bleib ganz ruhig. Nicht aufregen, bitte! Das hilft nicht weiter. Wieso hast du es nicht mehr?“
    „Es wurde mir gestohlen.“
    „Beide?“, hakten sie nach.
    Ich blickte verwirrt drein. Wieso beide? Ich hatte doch nur eins.
    „Es gibt zwei Amulette mit jeweils einer Katzen Hälfte und einer Menschen Hälfte. Welches von den beiden hast du nicht?“
    Ich fühlte mich an, als hätte ich komplett versagt, obwohl ich doch nichts wissen konnte von diesen so „besonderen“ Amuletten. „Keins.“, flüsterte ich.
    „oh, das ist… überraschend…“, brachte der Sternenclan als einziges hervor. Keine Sorge! Das schaffst du irgendwie… Schlaf erstmal in Ruhe!“
    Schlafen. Klar. Noch ganz benommen setzte ich mich, lehnte mich gegen einen Baumstamm und legte erschöpft den Kopf nach hinten.
    Ich hätte mir ein Moos Nest bauen können- oder es zumindest versuchen, aber ich fühlte mich so kraftlos und ich war nicht in Fassung dafür.
    Also neigte ich mich nur gegen den Stamm und schlief ein.

    Ist das nun das Ende?
    3. Kapitel: Geb nicht auf!

    Mit neuer Entschlossenheit wachte ich am nächsten tag auf. Es lohnt sich nicht zu trauern oder zu Jammern hatte ich entschieden. Das würde mich auch nicht weiterbringen. Wenn ich je Minzfeder, Zedernstern oder meinen Clan wiedersehen wollte, musste ich mir das, oder die, Amulette wiederholen.
    Und für die Amulette brauchte ich das Mädchen…
    Dieses Mal war ich vorbereitet, als ich die Stadt durchschritt. Es war zwar immer noch grauenhaft und furchtbar Laut, aber ich wählte dafür extra eine leisere und weniger volle Nebengasse.
    Mein Blick schweifte umher nach der dunklen Gasse. Das einzige Problem war dabei: Hier gab es tausende Gassen und alle sahen gleich aus.
    So muss sich ein Hauskätzchen fühlen, wenn es das erste Mal den Wald betritt.
    Ich wurde aufmerksam auf eine ähnlich gekleidete Gruppe Jugendlicher wie das Mädchen mit meinem Amulett. Vielleicht kannten sie sie sogar?
    „Ähm, hi! Also ich habe eine Frage…“, begann ich, während ich auf die Gruppe zu ging.
    „Nein, wir haben kein Geld für dich und wehe du bettelst hier noch einmal! Zieh Leine, das ist unser Stadtteil! Klar? Und wenn es dir nicht passt, dann penn doch im Wald!“
    Überrascht über die heftige Reaktion geriet ich ins Stocken. Die Leute hier hatten es wohl nicht so mit der Höflichkeit, kam es mir sofort durch den Sinn.
    Ich lächelte gekünzelt. „äh, Nein nein. Ich wollte fragen, ob ihr ein Mädchen kennt? Es trägt schwarze abgewetzte Kleidung und solche Handschuhe ohne Finger. Ihr Haar ist blond und verklebt halt so wie…“ Ich wollte ihr sagen, doch ich befürchtete das würde nicht gut ankommen. „…so wie sie halt ist.“
    Einer von den Jungs machte eine Bierflasche auf, trank ein Schluck und grunzte nur abschätzig.
    „Also was jetzt? Kennt ihr sie, und wenn ja wo finde ich sie?“ Ungeduld machte sich im mir bemerkbar. Sehr schlau sahen die Jungs ja nicht aus…
    „Wenn wir es dir erzählen, haust du dann endlich ab und lässt uns in Frieden?“
    „Ja, klar! Natürlich!“
    Der eine Junge winkte mich näher ran und flüsterte mir was ins Ohr: „Geb uns all deine Wertsachen und Geld!“, schrie er und blitzschnell schoss seine Hände zu meinen Armen und klemmten sie auf meinen Rücken.
    „Was soll das?“
    „Jake, such ihn ab, ob er irgendwas Wertvolles hat.“
    Der Junge mit dem Namen Jake stand auf und taste mich ab. „Nein, er hat nichts dabei…“
    „Lasst mich los! Wir hatten einen Deal!“ Jedes Mal, wenn ich feste strampelte, schlossen sich seine Hände fester um meine Arme
    Der armes-Häschen-trick, ging es mir durch den Sinn. Ob er auch in der Menschenwelt funktioniert? Ich hatte ja nichts zu verlieren…
    Ich ließ alle Muskeln augenblicklich erschlaffen, wobei ich fast auf den Boden fiel.
    „Was ist mit dem Los?“, bemerkte ein anderer „Scheiße, Luk… hast du ihm die Hände zu stark gequetscht? Am Ende ist der noch Tot... darauf steht lebenslänglich…“ Der Kopf von Luks Kumpel wurde weiß wie ein Vampir. Vampir?
    „Wirklich?“ Erschrocken ließ mich Luk fallen. Es hat geklappt!
    „Danke auch!“, rief ich freudig und wirbelte herum. Ich stieß mein Bein in Luks Bauch und schubste seinen Freund Jake weg. „Und ich habe nichts, weil eure tolle Freundin, das Mädchen, dessen Namen ich immer noch nicht weiß, mir bereits meinen einzigen Besitzt abgenommen hat…“
    Beim Umdrehen hörte ich noch den einen sagen: „Man, da hat uns Jade die Tour Mal wieder vermasselt. Obwohl… so viel kann der gar nicht dabei gehabt haben“ Er lachte schallend.
    So hieß sie also. Jade… eigentlich ein ganz netter Name für einen Menschen…
    Mit einem kurzen Blick prüfte ich, dass mir die Jungs nicht folgten.
    Den hatte ich es gezeigt! Leg dich nie mit Düsternacht an!
    Mit vor stolz rausgereckter Brust ging ich weiter durch die endlosen Straßen und Wege.
    Ein merkwürdiges Geräusch ließ mich die Ohren spitzen.
    „Es reicht ein kleines Beben,
    und das Licht vom Mondschein…“
    Erst dachte ich es wäre schon wieder der Sternenclan, aber es war eine Menschenstimme…
    An sich war es nichts wirklich Unnormales nach allem was ich durchgemacht hatte, doch diese Worte wurde hatten so einen melodischen Ton. Es klang wie ein Zauberspruch und es fühlte sich an als würde es mich verzaubern.
    Ein eiskalter Schauer lief mir über den Rücken.
    „um eine andere Welt zu erleben,
    und jemand anderes zu sein…“
    Außerdem konnte ich das Geräusch nicht orten woher es kam. Jetzt sehnte ich mich wieder nach meinen Katzenohren…
    „doch du findest dahin nur zurück,
    hast du bei der Suche Glück…“
    Ich schaute umher. Ich kniff meine Augen zusammen und erkannte ein Baumhaus in dem Wipfel einer Linde. Ich lauschte noch einmal und war mir dann sicher, dass daher diese Stimme kommen musste.
    Praktischer Weise baumelte eine Strickleiter von dem Baumhaus runter auf der ich bequem hoch klettern konnte.
    „Sonst bleibt es so für alle Zeit,
    und über die Clans kommt großes Leid.“
    Clans!
    Mit einem Satz sprang ich die letzten Meter hoch und stand der Fremden direkt gegenüber. „Hör auf mit dieser Beschwörungsformel um mich zu verwirren und rück raus was du über die vier Clans weißt! Sonst…“
    Ich brach mitten im Satz ab, als ich erkannte, wer mir da gegenüberstand. Jade!
    „Was glotzt du so? Und Woher weißt du wie ich heiße? Und übrigens - ich mache nur Musik und keine „Beschwörungsformel“. So schlimm ist es nun auch wieder nicht!“ Sie seufzte „Toll, jetzt hast du mich aus dem Takt gebracht!“
    Musik? Was war Musik?
    Brauchte sie dafür das unförmige braune Teil, was sie mit einem Band an ihrem Hals befestigt hatte. Gitarre.
    „Also von vorne… 5, 6, 7, 8!
    Es reicht ein Beben,
    und der Mondschein…“ Jade strich mit ihren Händen über die zarten Seiten dieses Instrument und sang dazu.
    „Ich habe noch eine Frage…“, unterbrach ich sie.
    „Nerv nicht. Warte… du bist der mit dem Katzenamulett…“
    „Ja, genau der!“, bejahte ich aufgeregt. „und ich brauche es unbedingt wieder! Aber zuerst… bitte erzähl mir was über Musik… Das klingt irgendwie so… wundervoll!“
    Jade rollte mit den Augen. „Da!“ Sie zog ein iPod aus ihrer Tasche und steckte mir Kopfhörer in die Ohren. Ein paar Mal tippte sie etwas drauf ehe ich das Herrlichste der Welt erlebte. Ich summte im Takt mitten, während „radioactive“ von imagine dragons lief. Ich verstand kein Wort von dieser Sprache, aber das war ich ja mehr oder weniger bereits gewohnt in dieser Welt voller neuen Wörtern. „was sagen die da?“, wollte ich wissen.
    „Ach, das ist Englisch. Alle berühmten Musiker schreiben auf Englisch. Nur bin ich halt schlecht in Englisch, deshalb schreib ich auf Deutsch.“
    Ich machte große Augen. „Ihr habt zwei Sprachen in der Menschenwelt? Ist das nicht mega kompliziert?“
    Jade musste laut los prusten, was ich nicht verstand. Was war komisch an meiner Frage?
    „Es gibt nicht nur zwei Sprachen, sondern hunderte! Wow, du hast ja schlechter in der Schule aufgepasst als ich!“
    „Was ist Schule?“
    Jade musste noch schallender Lachen. „Ich…“, japste sie nach einer Weile. „Deine Ironie ist einfach köstlich…“
    Beleidigt zog ich eine Schnute. „Nein, das war alles ernst gemeint.“
    Jades Lachen verstummte. „Oha…“, murmelte sie nach ein paar Sekunden der Verwirrung. „Wo bist du den aufgewachsen?“
    „Im Wald. Genauer genommen im DonnerClan.“, erklärte ich es ihr.
    „Im Wald leben noch andere Menschen? Wow, das ist ja cool!“
    „äh, nein. Keine Menschen…“
    Jade starrte mich ungläubisch an. Von Wort zu Wort brachte ich das blonde Mädchen mehr durcheinander.
    „Wer dann?“
    „Katzen.“ In meinen Augen funkelte für einen Moment das natürliche Katzengrün auf mit einer schwarzen schmalen Pupille.
    Einen Augenblick später hatte ich wieder meine Menschen Augen.
    „Aber- wie geht das? Hast du das mit Spezial-Effekten gemacht? J-ja, das hast du!“
    „Nein, ich kanns dir erklären, ich bin eine Katze!“, rief ich eilig und machte ein Schritt auf sie zu.
    Jade wich zurück. „Bleib Fern von mir!“, schrie sie.
    „Ich bin kein Mensch! Glaub mir! Ich brauche dafür wie gesagt nur das Amulett und…“
    Jade ließ mich nicht weiterreden. „Darum geht es dir also? Ja? Ums Amulett, wer es gestohlen hat dem gehört es!“
    „Ach, ja?“ Ich stürzte mich auf sie und riss ihr die Tasche weg, in der ich mein Amulett vermutete. Dabei verlor sie fast das Gleichgewicht, ruderte wild mit dem Armen, und fiel letztendlich hin.
    Siegessicher machte ich einen Spurt zum Ausgang.
    „Nicht so hastig!“ Jades Arm schoss nach vorne und packte mein Bein, woraufhin ich ebenso auf alle Viere fiel und die Tasche losließ.
    „Jade 2, du 0! Ich sag‘s doch! Ich gewinn immer!“ Das blonde Mädchen griff nach ihrer Tasche.
    „Falsch!“ Mit meinem Fuß grätschte ich die Tasche außerhalb Jades Reichweite durch das einzige Fenster im Baumhaus! Wenn ich es nicht kriege dann keiner, außerdem ist es von hier oben für mich nur ein Katzensprung, wortwörtlich…
    Jade schrie voller Entsetzten auf und eilte zum Fenster. „Wo ist es? Was hast du bloß gemacht! D-das Amulett!“
    „Tja, jetzt kannst du die mein so teures und wertvolles Schmuckstück abschminken.“ Es tat gut zur Abwechslung Mal Jade panisch zu sehen ohne einem egoistischen und überheblichen Lächeln.
    „Es geht mir nicht nur um deins, sondern auch um meins! Es war das letzte Erbstück meiner Mutter und alles was ich von ihr besitze…“
    Ich wurde hellhörig. „Noch ein Amulett?“ Etwas das andere Amulett? Wäre das möglich? „Sah es so ähnlich aus wie meins?“ Plötzlich war ich ganz aufgeregt.
    „Na ja… Es war schon ein wenig anders als dein komischen Katzen-ding. Es war halt ein halbes Menschengesicht, Meine Mutter. Aber die Materialen waren gleich… Smaragde und Gold…“
    „Deine Mutter hat ein halbes Gesicht? Wie kann man damit essen?“
    „Natürlich nicht, Dummkopf! Das ist nur so dargestellt, weil das laut dem Künstler besser aussieht… oder was auch immer! Ist auch egal! Es bedeutet mir sehr viel! Und nun… nun ist es weg…“ Sie gab ein herzzerreißendes Schluchzend von sich. Das Mädchen legte von Sekunde zu Sekunde mehr von ihrer coolen Fassade ab. Ob das ihr bewusste war, dass sie vor einem Fremden heulte?
    Ich wollte noch was Abschätziges sagen so wie: „Dein-Pech-wenn-du-mein-Amulett-klauen-willst!“, aber die Worte blieben mir im Hals stecken. Es erschien mir nicht passend für diesen Moment.
    Wenn meine Mutter sterben würde und hätte mir nur ein Gegenstand hinterlassen, wäre ich natürlich auch furchtbar traurigen, wenn der weg ist. Andererseits klaue ich auch nichts…
    Ein schneidend Weißer Lichtblitz in der Mitte vom Raum riss mich aus meinen Gedanken und vor Schrecken fiel ich fast vom Baumhaus.
    Jade kreischte. Auch sie war nicht weniger überrascht als ich.
    Nach den ersten Sekunden des Schocks, erkannte ich langsam Strukturen in dem Licht-Spektakel, die Umrisse eines ovalen Gegenstandes.
    „Oh. Mein. Gott. Was passiert hier gerade? Ist das wieder einer deiner Tricks?“
    Mein Mund war zu trocken um etwas erwidern zu können.
    Aus dem Licht heraus blitzten nun auch zwei grünen Funken. Meine Augen verengten sich zu zwei schmalen Schlitzen. Die Konturen wurden stärker und ich erkannte es endlich.
    „Mein Amulett!“, schrien Jade und ich im selben Moment.
    Wir hatten beide Recht.
    Mein verschollenes Amulett mit der Katzenhälfte schwebte im Raum. Gleich daneben prangte ein identisches Stück nur als Mensch statt Katze. Es war verschmolzen zu einem Ganzen.
    Ein leises Flüstern drang an mein Ohr, aber es war zu leise um genaue Worte raus zu hören.
    „Hörst du das auch?“, fragte ich.
    „Ja, und es macht mir Angst. Genau wie der Rest in der letzten Stunde. Nimm doch dein dämliches Amulett und lass mich in Frieden!“
    Das Wispern wurde lauter. „Gut gemacht, Düsternacht.“
    Der Sternenclan.
    Ich schmunzelte. Heute Nacht würde ich wieder eine Katze werden.
    Ich griff nach dem neuen Amulett. Es wurde umhüllt von einem goldigen sanften Glanz. Ich hielt für einen Moment inne. „Jade?“
    „Was ist? Verschwinde doch einfach!“
    Ich wusste nicht, was mich dazu brach das zu sagen, aber in dem Moment war es einfach das Richtige! „Willst du nicht… mitkommen?“
    „Wohin? Falls du dich verlaufen hast ist das dein Pech! Bin ich dein Reiseführer? Zum Mond geht’s übrigens immer geradeaus!“, höhnte sie.
    Mir wurde ein wenig Nervös auch wenn ich wusste, dass das nur als Scherz gemeint war.
    „Nein, ich meine in meine Welt. Die Welt der Clans, als Krieger vom Donnerclan. Ich kann dir beweisen, dass ich eine Katze bin.“
    „Wieso solltest du mich in deinem Clan wollen? Jade runzelte die Stirn, verschränkte die Arme und hielt weiterhin einen Meter Sicherheitsabstand.
    „Nun, ich habe gesehen wie du kämpfen kannst, klettern und ich glaube du wirst eine gute Schülerin sein mit deiner Hartnäckigkeit.“
    Jade schnaubte halb belustigt, halb abschätzig. Warte, war das ein Ansatz von einem Lächeln auf ihrem Gesicht?
    „Außerdem“, fuhr ich fort „hast du hier doch keinen mehr. Du bist ganz alleine… also von dem was ich bisher gehört habe. Und… es soll nicht beleidigten rüberkommen, aber sehr wohlhabend bist du wohl nicht so. Ich meine dein Haus ist so… kleiner und… „
    „Ich hab’s verstanden danke!“, zischte sie scharf.
    Mist, jetzt hatte ich es vermasselt!
    „Aber… du hast schon Recht. Mit meinem Wohlstand, der Familie und dem anderen Zeug.“ Sie seufzte lautstark und blickte aus dem Fenster zu einem unbestimmten Punkt in die Ferne.
    „Wenn ich Mal so fragen darf. Was ist eigentlich mit deinem Vater?“
    „Pff, der kann mich Mal. Der zog bereits aus, als ich fünf war. Der Grund? Er hatte eine bessere Frau gefunden. So ein Model wie aus der Werbung mit massenhaft Geld. Ich weiß nicht Mal wie er richtig hieß. Wir sprachen zu Hause nie über ihm.“
    „Oh“ Mehr viel mir dazu nicht ein.
    Jade wendete sich ab vom Fenster und blickte wieder zu mir. „Versteh das nicht Falsch, ich glaube du bist immer noch verrückt, aber ein Versuch ist es Wert…“
    „Danke? Schätz ich Mal… Egal, also kannst du heute Nacht zum Waldrand kommen?“, Ich nickte in die Richtung, wo man vom Fenster aus den Wald ist seiner vollen Pracht bewundern konnte.
    Jade zögerte nun doch einige Augenblicke. „Na, gut… Ich werde da sein.“
    „Gut.“

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