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The First Girl in the Maze runner

Wie wärst du in the maze runner als das erste Mädchen auf der Lichtung?

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    Ich schlage die Augen auf. Nach ein paar Minuten realisiere ich, dass ich in einem stockfinsteren Käfig sitze. Plötzlich bewegt sich dieser aufwärts! Ich zucke zusammen. Mein Herz startet einen schmerzhaften Marathon und mir wird übel!
    Was passiert hier? Wo bin ich? Und vor allem, WER bin ich?
    Während der Käfig sich weiter stetig aufwärts bewegt, wird mir mit Entsetzen klar, dass ich nichts mehr über meine Vergangenheit weiß!
    Mir fällt nichts ein, nicht mein Name, nicht mein Alter, nicht meine Familie... NICHTS!
    Was ist hier nur los!
    Langsam kriege ich Panik und mir kommen die Tränen. Ich setze mich in die hinterste Ecke, schlinge meine Arme um meine Knie und weine stumm vor mich hin.
    Ich weiß nicht wie lange es so geht, doch irgendwann hält der Käfig mit einem Ruck an.
    Ich hoffe, dass sich die Käfigtüren öffnen, aber es bleibt weiterhin dunkel und gespenstisch still.
    Ich atme tief durch. Ganz ruhig! Es wird alles gut!
    Diese Worte sage ich mir immer wieder in Gedanken.
    Langsam beruhigt sich mein Herz wieder.
    Ich fahre mir durch die Haare. Sie fühlen sich gesund, glatt und lang an. Jetzt echt! Ich weiß nicht mal, wie ich aussehe! Also wenigstens das kann ich doch herausfinden. Dieser Käfig ist vollgestopft mit irgendwelchem Zeugs, Lebensmittel, Kleidung, da wird sich doch wohl ein Spiegel finden.
    Ich krieche eine Weile suchend umher, kann jedoch keinen finden. Super!
    Ganz plötzlich öffnen sich zwei Türen über dem Käfig und Licht strömt herein.
    Vor Schreck springe ich ein Stück zurück, voll in einen Haufen Lebensmittel! Eine Kiste knallt auf meinen Kopf und hinterlässt einen stechenden Schmerz!,, Scheiße!", fluche ich und bin angenehm überrascht von meiner Stimme. (Ich höre sie ja zum ersten Mal.) Sie hell, klar und melodisch.
    Mit einem lauten Quietschen öffnen sich die Käfigtüren und schnell verziehe ich mich zurück in meine Ecke.
    Ein Junge, ungefähr ein Jahr älter als ich, springt hinein. Er schaut sich suchend um, anscheinend bin ich in den Schatten ziemlich gut versteckt.
    Als er mich dann doch sieht, werden seine Augen groß.
    ,, Das kann nicht wahr sein!", flüstert er.
    ,, Was brauchst du denn solange Newt?", ruft ein anderer Junge von oben.,, Kennlernkuscheln?"
    Er lacht über seinen eigenen Witz.
    Also heißt der Typ hier Newt.
    Ich mustere ihn misstrauisch und stelle fest, dass er ziemlich gut aussieht. Blonde Haare, braune Augen, groß, seinen freien Armen nachzuurteilen, gut trainiert und muskulös. So, als hätte er den Großteil seines Lebens hart auf dem Feld gearbeitet, oder so.
    Uch er mustert mich.
    Dann dreht er sich langsam um und sagt, den Blick nach oben gerichtet:,, Das glaubt ihr mir nie, wenn ich es euch erzähle."
    Hä! Haben die etwa noch nie ein Mädchen gesehen, oder was? Moment! Nur Jungsstimmen und Newts überraschtes Gesicht...
    , Die scheinen wirklich noch nie ein Mädchen gesehen zu haben!', denke ich.
    Newt kommt vorsichtig auf mich zu. Erschrocken presse ich mich an die Käfigwand und stehe ängstlich auf.
    ,, Ganz ruhig.", sagt Newt freundlich.,, Wir tun dir nichts."
    Doch ich bin nicht ruhig! Ich sehe an den Rand des Käfigs. Nur Jungen, die blöd gucken, kein einziges Mädchen! Das fängt ja schon mal gut an!
    ,, Soll ich dir helfen, Süße?", fragt einer grinsend.
    Er hat ein brutales Gesicht, dunkelblonde, fettige Haare und seltsam geschwungene Augenbrauen.
    ,, Nein, danke!", zische ich. Dann springe ich hoch, halte mich an der Kante des Käfigs fest und schwinge mich mit Hilfe eines Saltos nach oben. Nanu! Ich bin wohl ziemlich beweglich!
    Aber das sind gerade meine letzten Gedanken.
    Um mich herum stehen wirklich ausnahmslos Jungen!
    Alle sehen mich verwirrt oder misstrauisch an.
    Nur der Vollidiot, der mich so blöd angemacht hatte nicht. Der grinst weiterhin.
    , Dem gehe ich besser aus dem Weg!', denke ich., Sonst schleppt mich dieser Gorilla womöglich noch in den Urwald!'
    ,, Also, Süße!", sagt er und tritt einige Schritt vor. Eigentlich wollte ich ja so viel Abstand wie möglich zwischen uns bringen, aber sonst denkt er noch, ich habe Angst vor ihm! Den Triumph gönne ich ihm auf keinen Fall! Also bleibe ich stur stehen und verschränke meine Arme, um das Zittern, das von meinen Händen ausgeht, zu verstecken.
    ,, Mein Name ist Gally.", sagt Augenbraue jetzt.
    ,, Ich bin der Hüter, das heißt der Chef, der Baumeister. Und ich würde mich geehrt fühlen, einem so hübschen Mädchen die Lichtung zeigen zu dürfen. Glaub mir, bei mir bist du in guten Hän..."
    Weiter kommt er nicht, denn beim Sprechen versucht er einen Arm um meine Hüfte zu legen und DAS wird mir dann wirklich zu viel! Ich folge einem plötzlichen Impuls und versetze ihm ein paar Schläge! Was immer ich gerade getan habe, es scheint ihm seine Bewegungsfähigkeit genommen zu haben, denn er kippt um, wie ein gefällter Baum und bleibt mit wutverzerrtem Gesicht liegen. Die anderen brechen in Gelächter aus und jemand hinter mir fragt:,, Wie hast du das gemacht?"
    Es ist Newt, der mich verwundert und belustigt zugleich anschaut.
    ,, Keine Ahnung.", sage und zucke ratlos mit den Schultern, kann mir ein kleines Lächeln jedoch nicht verkneifen.
    ,, Okay Leute, haltet mal alle die Klappe!" Ein anderer Junge tritt vor. Ca. zwei bis drei Jahre älter als ich, dunkelhäutig, ein wenig kleiner als Newt. Mir ist sofort klar, dass er hier der Boss ist. Was er sagt geschieht und wird nicht hinterfragt!
    ,, Jeff, Clint, bringt Gally ins Krankenzimmer. Versucht ihn irgendwie wieder zu beleben. Es sei denn, unser Frischling hier kann das selber.", sagt er und sieht mich erwartungsvoll an.
    Ohne zu wissen, woher ich mir da so sicher bin, sage ich: ..Er wird sich in ungefähr sieben Minuten wieder bewegen können."
    ,, Sicher?",, Sicher."
    Big Boss nickt und stellt sich mir vor.,, Also, ich bin Alby, Anführer der Lichter. So nennen wir uns, weil wir hier auf der Lichtung leben. Lichtung - Lichter.
    Verstehst du? Gut. Newt ist der zweite Anführer hier und der Hüter der Feldarbeiter. Er wird dir gleich alles zeigen. Klar?"
    Ich nicke. Dann fällt mir aber doch noch eine Frage ein.,, Warum kann ich mich an nichts erinnern?"
    Alby sieht mich kurz an.,, Wissen wir nicht. Alles was wir aus unserer Vergangenheit wissen dürfen, sind unsere Namen. Der wird dir in ein paar Tagen wieder einfallen."
    ,, Okay.", sage ich mit zitternder Stimme. Jetzt, wo die Euphorie über Gally verflogen ist, bin ich wieder ängstlich und verunsichert. Ich atme tief durch. Ich will auf keinen Fall vor den ganzen anderen hier in Tränen ausbrechen und mich vollkommen zum Horst machen.
    ,, Komm.", murmelt Newt mir zu, der anscheinend bemerkt hat, dass es mir nicht gut geht.,, Ich führe dich rum."
    Er legt mir eine große Hand auf den Rücken und führt mich von den anderen weg.
    Seltsamer Weise habe ich nichts gegen seine Berührung. Tatsächlich fühle ich mich ein wenig sicherer und ein angenehm warmes Kribbeln geht von seiner Hand aus durch meinen Körper...
    , Und, hast du dich entschieden?", fragt Newt mich.
    Seit meiner Ankunft sind einige Stunden vergangen.
    Er hat mich herumgeführt, mir alle Jobs gezeigt, das, mit dem Labyrinth und den Griewern und so erzählt und die drei Regeln erklärt. Nun soll ich mich für einen Job entscheiden. Aber der einzige Job, der mich irgendwie interessiert, wäre Läufer.
    ,, Naja...", druckse ich herum.,, Ich könnte mir vorstellen als Läufer zu arbeiten. Ich will helfen hier rauszukommen und das kann ich nicht von hier aus."
    Die Nachricht, dass wir in einem riesigen, sich ständig verändernden Labyrinth gefangen sind, hatte mich aus irgendeinem Grund ziemlich kalt gelassen.
    ,, Hast du mir nicht zugehört, was ich dir über das Labyrinth erzählt habe?", fragt Newt mich fassungslos.,, Oder bist du einfach nur lebensmüde?"
    Ich verdrehe genervt die Augen.,, Ja, ich habe dir zugehört und nein, ich bin nicht lebensmüde. Ich glaube einfach nicht, dass ich es hier auf der Lichtung so lange aushalten würde."
    Doch Newt schüttelt den Kopf.
    ,, Vergiss es. Läufer werden auserwählt. Außerdem sind sie die größten, schnellsten und stärksten von uns und du bist... naja..."
    Ich verenge wütend die Augen.,, Ja?"
    ,, Naja, du hast dich noch nicht gesehen. Du bist eher klein und zierlich, als groß und trainiert und..."
    Den Rest kriege ich nicht mehr mit, denn ich drehe mich wortlos um und laufe auf den kleinen Wald zu, der sich an der westlichen Mauer entlang zieht.

    ,, So ein Idiot!", grummle ich vor mich hin, während ich durch den Wald stapfe.
    Was bildet sich der sich eigentlich ein? Sagt mir ins Gesicht, dass ich schwach bin! So ein arroganter, überheblicher...
    Ich bin so wütend auf Newt und den Rest der Welt, dass ich gar nicht merke, wie hinter mir jemand her schleicht. Erst, als es ein lautes Knacken gibt, fahre ich erschrocken herum.
    ,, Wer ist da?", frage ich mit erstaunlich fester Stimme.
    Innerlich bin ich nicht halb so selbstsicher. Was, wenn es wieder Gally ist, der kommt, um sich zu rächen? Denn ganz ehrlich, ich weiß nicht mehr, wo ich hin schlagen muss, damit er den toten Mann spielen kann.
    Doch das Schicksal scheint es gut mit mir zu meinen, denn statt Gally kommt jemand hinter einem Baum hervor, den ich noch nicht kenne.
    Es ist ein großer, muskulöser Asiate, der mich frech grinsend ansieht. (Na, wer könnte DAS wohl sein?;-))
    Ich starre stur zurück.
    ,, Gibt es ein Problem?", frage ich mit genervtem Tonfall.
    ,, Nö,", antwortet der Typ und starrt mich weiter grinsend an.
    ,, Ja, dann mach 'nen Abflug!", sage ich und drehe mich wieder um.
    ,, Darf ich nicht.", ruft mir der Asiate nach und kommt mir hinterher gerannt.
    Mit hochgezogenen Augenbrauen drehe ich mich um.
    ,, Sagt wer?"
    ,, Newt,", kommt es von hinter uns.,, Nachdem du in den Wald gegangen bist, hat er gesagt wir sollen hinterher und ein Auge auf dich haben, damit du nicht ins Labyrinth rennst."
    Ich sehe empört zu, wie ein zweiter Typ aus den Schatten tritt.
    ,, Habt ihr keine anderen Hobbies, als die Neuankömmlinge zu stalken, oder was?"
    ,, Eigentlich... nein. Hier gibt es nicht gerade viele Beschäftigungsmöglichkeiten.", antwortet mein erster Babysitter.
    ,, Verraten mir meine Nannies wenigstens ihre Namen?"
    ,, Ich bin Minho und das ist Ben. Wir sind Läufer.", antwortet der Aisiate.
    Sofort werde ich hellhörig.
    ,, Läufer?"
    Die beiden nicken.
    ,, Was muss ich tun um auch Läufer zu werden?", frage ich sofort nach. Wenn die Gelegenheit schon mal da ist...
    Doch die beiden sehen mich an, als hätte ich eben verkündet, sie müssten von nun an Ballettunterricht nehmen.
    ,, Hast du sie noch alle?", fragt Minho mich entgeistert.,, NIEMAND will Läufer werden!"
    ,, Doch! Ich!", sage ich entschlossen.,, Ich kann nicht den ganzen lieben langen Tag nur auf der Lichtung rumhängen! Das kann ich einfach nicht!"
    Ben und Minho starren mich mit offenen Mündern an.
    ,, Mund zu, sonst fliegt was rein!", sage ich frech.
    Minhos seltsame Grimasse wird zu einem anerkennenden Lächeln.
    ,, Gut, wenn du dir so sicher bist..."
    ,,Äh, Minho,", meldet sich jetzt Ben zu Wort.,, hast du sie dir mal angesehen? Sie ist zwei Köpfe kleiner, als du und sieht ehrlich gesagt nicht so aus, als ob sie lange durchhalten..." Als er mich ansieht, klappt er den Mund sofort zu. Ich gucke anscheinend noch wütender, als ich mich fühle.
    ,, Hast DU nicht gesehen, was sie mit Gally gemacht hat? Drei Schläge und - ZACK! Liegt er am Boden! Ich müsste nur wissen, wie schnell du laufen kannst.
    Da macht sich ein kleines Wettrennen nachher bestimmt gut.", beschließt Minho.
    Ich strahle die beiden an.

    -Seine Sicht-

    Was bin ich nur für ein Vollidiot! Ich habe das Glück, das erste Mädchen auf der Lichtung herumzuführen und schaffe es sie innerhalb von zwei Minuten sauer auf mich zu machen!
    Klasse hinbekommen, Newt! Wirklich klasse!
    Ich habe zwar keinen Vergleich, aber mir ist klar, dass es nicht viele Mädchen auf der Welt geben kann, die so schön sind.
    Rotgoldenes, schimmerndes Haar, leuchtend blaue Augen, helle, reine Haut und eine schlanke, zarte Figur.
    Ich wollte sie doch nur schützen! Irgendwie habe ich das Gefühl, auf sie aufpassen zu müssen.
    Was in diesem Labyrinth lebt - das kann man jemandem wie ihr nicht zumuten! Ich hoffe Minho und Ben halten sich gut versteckt! Wäre echt peinlich, wenn sie wüsste, dass ich die Beiden gebeten habe, auf sie aufzupassen...
    Aber - wie üblich - ist das Schicksal nicht auf meiner Seite.
    Als ich nervös zum Wald herüber sehe, kommt das Mädchen gerade mit Minho und Ben aus diesem heraus spaziert. Sie scheinen sich über irgendetwas zu amüsieren. Alle drei lachen und sehen sich suchend um. Gott, bitte lass sie nicht nach mir suchen!
    Und natürlich... Schon kommen sie auf mich zu.
    Das Mädchen strahlt mich an.
    ,, Minho ist klasse!", verkündet sie grinsend.
    Aus einem unerfindlichen Grund versetzt mir dieser kleine Satz einen gewaltigen Stich.
    ,, Wieso?", frage ich, bissiger, als beabsichtigt.
    ,, Wenn ich heute Abend gut laufe, werde ich Läufer!", sagt sie glücklich.
    Erschrocken und wütend gleichzeitig drehe ich mich zu Minho um.,, Was!"
    Minho sieht mich an.,, Was denn? Sie ist vielleicht nicht die größte, aber sie kann jemanden mit ein paar Schlägen fertig machen. Und der Hüter der Läufer bin ja wohl immer noch ich, oder?"
    Ich schaue ihn finster an. Er und das Mädchen starren stur zurück und Ben guckt von einem zum anderen.
    Da es anscheinend keinen Sinn hat, zucke ich einfach mit den Schultern und seufze:,, Macht doch was ihr wollt. Wenn du so durchgeknallt bist, dann..."
    Sie strahlt mich an und umarmt mich stürmisch.
    Oh Gott! Wie reagiert man denn jetzt darauf?
    Doch dann ist es auch schon wieder vorbei.
    Ich spüre, wie mir die Röte ins Gesicht schießt. Die Tatsache, dass Ben und Minho dämlich grinsen, macht es auch nicht gerade besser.
    ,, Okay...", beginne ich, immer noch leicht fahrig und ohne wirklich zu wissen, was ich sagen soll.,, Ach ja! Heute Abend veranstalten wir ein kleines Fest. Machen wir jeden Monat, wenn ein neuer Frischling hoch kommt. Wenn's dunkel wird, geht's los."
    Sie nickt und schaut mich mit ihren durchdringenden Augen an. Dann fragt sie:,, Gibt es hier sowas, wie 'ne Dusche?"
    ,, Ja. Zeig ich dir gleich.", sage ich.,, Aber vorher müssen wir noch einmal zur Box. Gucken, ob noch Klamotten für dich mit hochgeschickt wurden.
    ,, Alles klar."
    ,, Okay, ihr Turteltäubchen.", mischt sich Minho ein.,, Ich schlage vor ihr geht gleich los und flirtet nachher weiter, es wird in ein paar Stunden dunkel."
    Sie streckt ihm die Zunge raus, stimmt jedoch zu.
    Bei der Box angekommen, gehen wir suchend durch die Lebensmittel und Kleidungsstücke. Von den Letzteren gibt es jede Menge, allerdings keine für Mädchen. Zwischen dem unzähligen Zeugs finde ich endlich eine Tasche, in der eindeutig Mädchenklamotten sind. Ich sehe hinein und sehe einige BH's. Daraufhin mache ich die Tasche schnell wieder zu und sage dem Mädchen Bescheid.
    Dann zeige ich ihr die Duschen.
    ,, Gibt's hier auch 'nen Schlüssel? Ich hab echt keinen Bock vor den Typen hier nackt herumtanzen zu müssen."
    Diese Worte bringen mich wieder aus dem Konzept. Plötzlich habe ich die Szene, wie sie gerade beim Duschen ist vor mir! Spinnst du, Newt! Reiß dich mal zusammen!
    ,, Ja klar, warte!" Schnell hole ich den Schlüssel.
    ,, Danke.", antwortet sie und lächelt mich an.
    Ein wenig peinlich berührt über die Stille stehen wir nebeneinander.
    Dann durchwühlt sie die Tasche.
    ,, Wahnsinn! Die haben sogar einen Föhn dazugepackt!", durchbricht sie das Schweigen.
    Ich lächle sie an und sage:,, Dann probiere ihn doch gleich mal aus! Du hast noch ungefähr eine Stunde."
    ,, Alles klar!", antwortet sie.,, Bis nachher."
    Ich winke ihr noch mal zu und mache mich auf den Weg zur Küche.
    - Deine Sicht -

    Es fühlt sich so gut an, den ganzen Schweiß und Dreck loszuwerden. In der Tasche habe ich außer den Klamotten und dem Föhn noch eine Bürste, Zopfgummis, Shampoo und Duschbad gefunden. Das Shampoo und das Duschbad duften nach Zitrone und erfrischen wunderbar.
    Als ich aus der Dusche trete, fühle ich mich ein bisschen, wie neugeboren.
    Das kleine Fenster, das genau über der Dusche hängt, habe ich mit meinem alten T-Shirt verhangen. Wer weiß, auf was für Ideen Gally und seine Freunde kommen.
    Auf der Suche nach einer Steckdose für den Föhn, drehe ich mich langsam im Kreis.
    Nachdem meine Haare trocken sind, krame ich wieder in der Tasche. Nach einigem Wühlen ziehe ich ein hübsches, rotes Oberteil mit wenig Ausschnitt hervor. Nicht zu viel Dekolleté am ersten Abend.
    Während ich nach einer Jeans suche, finde ich in der Tasche einen kleinen Spiegel. Na endlich!
    Die Schöpfer haben echt an alles gedacht...
    Als ich in den Spiegelschaue, bin ich überrascht. Klar, Gally hat gesagt, dass ich hübsch bin, aber ehrlich gesagt, habe ich geglaubt, er hätte das erste Mädchen auch angemacht, wenn es ausgesehen hätte, als wäre sie gegen die Wand gelaufen.
    Doch aus dem Spiegel schauen mir zwei strahlend blaue Augen entgegen. Diese sitzen in einem schönen, blassen Gesicht, über das sich einige Sommersprossen ziehen. Umrahmt wird es von rotgoldenen, glänzenden Haaren. Ein wenig enttäuscht bin ich von meiner Figur. Ich bin genau so klein und zierlich, wie Newt gesagt hat. Was nicht heißt, dass ich keine schönen Proportionen habe.
    Kurz um, ich bin wirklich hübsch.
    Ich werfe noch einen kurzen Blick auf mein Spiegelbild, das mich jedes Mal von neuem erstaunt, dann packe ich die restlichen Sachen zusammen und bringe sie zum Schlafplatz, wo bereits eine Hängematte für mich aufgehängt wurde.
    Zuerst habe ich keinen Plan, wo die Küche ist, doch dann höre ich aus einer Ecke der Lichtung Gelächter.
    Erleichtert die Party doch noch gefunden zu haben, eile ich auf den Lärm zu.
    Als ich ankomme, drehen sich viele Köpfe und von einem der Typen kommt ein Pfiff.
    Ich drehe mich zu dem Kerl um und gehe auf ihn zu.
    ,, Wie heißt du?", frage ich betont freundlich.
    ,, Winston, Hüter der Schlitzer.", antwortet er mich einem Macho-Lächeln.
    Ich lächle zurück und ramme ihm mein Knie in die Weichteile.,, Freut mich dich kennenzulernen."
    Um uns herum lachen sich die anderen ins Fäustchen.
    ,, Na endlich! Wie lange brauchst du denn im Bad?", höre ich eine Stimme hinter mir.
    Ich drehe mich grinsend um und antworte:,, Ich bin ein Mädchen, Newt. Wir achten nun mal auf Körperpflege ... denke ich..."
    Er lacht.,, Komm, ich stell dich jetzt mal Alby vor."
    Alby... wer war das noch mal? Ach ja! Big Boss!
    Der dinkelhäutige Typ von heute Morgen!
    Newt nimmt mich am Arm und führt mich durch die anderen Jungen.
    ,, Hey, Alby!", ruft Newt und winkt ihm zu.,, Frischling, Alby, Alby, Frischling!"
    Wir schütteln uns die Hände.
    ,, Hi.", grüße ich ihn.
    ,, Hi. Minho meinte, du wolltest dich als Läufer bewerben?", sagt er und sieht mich fragend an.
    ,, Ja.", antworte ich, ohne Newts missbilligenden Blick zu beachten.
    ,, Das nenn' ich mal mutig. Ihr lauft nachher gegeneinander?"
    Ich nicke und sage übertrieben selbstsicher:,, Er wird meinen Staub schmecken!"
    ,, Das wage ich doch stark zu bezweifeln!", ruft Minho hinter mir.
    ,, Das werden wir ja gleich sehen!", sage ich herausfordernd.
    ,, Na, dann auf zur Rennstrecke!", fordert Alby uns auf.
    Diese Rennstrecke, stellt sich als eine ca. 100 m lange Bahn, die mit Holzpfählern abgesteckt ist, heraus.
    Benutzt ihr die Bahn oft?", frage ich und deute auf die vielen Fußabdrücke.
    Die Anderen grinsen und Newt sagt:,, So ziemlich jede Woche versucht jemand Minho zu schlagen, aber bisher hat es noch niemand geschafft."
    ,, Für alles gibt es ein erstes Mal. Schließlich haben die Schöpfer es ja auch geschafft, unsere Erinnerungen zu löschen und uns in ein riesiges Labyrinth zu sperren, das sich von selbst verändert und von grauenhaften Viechern bewohnt ist, die jeden umbringen, der sich ihnen nähert. Fragt mich nicht wieso, aber ich habe das Gefühl, dass es sowas nicht allzu oft auf der Welt geben kann.", sage ich und zucke aufgesetzt ratlos mit den Schultern.
    Die Jungs grinsen und nicken zustimmend.
    ,, Fangt ihr heute noch an, oder müssen wir die ganze Nacht warten?", fragt jemand hinter uns.
    Ich drehe mich um und sehe, dass die Lichter sich um uns herum versammelt haben und gespannte Gesichter machen.
    ,, Oky, okay.", sage ich beschwichtigend.,, Kommt runter!"
    Minho und ich stellen uns an den Anfang der Strecke, Alby und Newt ans Ende.
    Und Jeff, der Hüter der Sanis, wird das Startsignal geben.
    Komischerweise macht mir der Gedanke, dass ich mich gleich zum kompletten Vollpfosten machen werde, überhaupt nichts aus. Mich beschäftigt eher die Frage, was ich mache, wenn ich nicht als Läufer arbeiten darf.
    Jeffs Stimme unterbricht meine Gedankengänge.
    ,, Auf die Plätze... fertig... LOS!"
    Ich laufe los! Meine Haare werden mir aus dem Gesicht geweht, als ich davon renne und Minho schon nach wenigen Sekunden hinter mir lasse! Ich bin ziemlich überrascht über meine eigene Schnelligkeit! Ich werde immer schneller, doch bevor ich mein Höchsttempo erreicht habe, ist die Strecke vorbei.
    Erstaunt stelle ich fest, dass ich kaum außer Atem bin und Minho gerade mal drei Viertel der Strecke hinter sich hat. Ich bin anscheinend eine echt gute Läuferin.
    Als Minho ankommt, schnappt er erst mal nach Luft. Dann fällt er vor mir auf ein Knie, als wollte er mir einen Heiratsantrag machen und sagt:
    ,, Liebes unbekanntes Mädchen,
    wie sich eben gezeigt hat bin ich es kaum würdig gegen dich oder gar mit dir zu laufen, doch frage ich dich hier und jetzt: Willst du eine meiner Läufer werden?"
    Ich bekomme einen tierischen Kicheranfall, doch irgendwie schaffe ich es hervor zu pressen:,, Ja, ich will!"
    Dann pruste ich erst richtig los!
    Ich lache so sehr, dass ich mich an Newt festhalten muss, um stehen zu können.
    Jetzt fangen auch die anderen Lichter an zu lachen, denn Minho hatte meine Hand ergriffen und einen dicken Schmatz draufgepflanzt. Das kam so plötzlich, dass ich einen Satz nach hinten mache, genau auf Albys Fuß. Der hüpft jetzt auf einem Bein und hält sich den Fuß. Das wiederum bringt die Anderen nur noch mehr zum Lachen.
    Tatsächlich liegen jetzt einige auf dem Boden, da sie sich nicht mehr auf den Beinen halten können.
    ,, Okay Jungs!", ruft Newt.,, Wollen wir hier weiter rumstehen, oder jetzt endlich den Griewer anzünden?"
    Leicht verwirrt drehe ich mich zu ihm um.,, Griewer?"
    ,, Keine Sorge! Nur eine Griewer-Nachbildung. Eine Art... Kampfansage gegen diese Viecher."
    Ich nicke.
    ,, Na dann los!", ruft Minho.
    Der,, Griewer'' ist ein Gestell aus Holz, das irgendwie an eine riesige Kuh erinnert. Der Kopf ist aus einem Schädel gemacht, der die Kuh anscheinend grusliger machen soll.
    ,, Das ist also ein Griewer.", sage ich gespielt fasziniert.
    ,, Wir haben nun mal nur eine ungefähre Vorstellung, okay? Niemand, der je einen Griewer gesehen hat, hat überlebt!", verteidigt sich Newt.
    Lachend beschwichtige ihn:,, Schon gut, du Spaßbremse!"

    Als ich mich ein paar Stunden später in die Hängematte lege, denke ich, dass es hier SO schlimm gar nicht ist. Die meisten Jungs sind ganz okay und mit ihnen kann man auch Spaß haben.
    Und wenn es hier einen Ausgang geben sollte, werde ich alles daran setzen ihn zu finden.
    Dieses Versprechen gebe ich mir in Gedanken selbst und allen anderen, die auf dieser Lichtung wohnen.
    Mit diesem Gedanken schlafe ich ein.


    Wie verrückt schlage ich um mich! Meine Lungen drohen zu bersten! Ich brauche Luft!
    Dunkle Flecken bilden sich in den Winkeln meiner Augen, ich spüre, wie ich das Bewusstsein verliere, doch bevor ich völlig ins Schwarze gleite, sehe ich verschwommen das Gesicht eines Jungen.
    Gesichtszüge kann ich nicht erkennen, nur braune Haare bleiben mir im Gedächtnis.
    Dann versinke ich in Dunkelheit...
    Ich schrecke schweißgebadet auf.
    Zitternd sehe ich mich um und kann ein wenig beruhigter feststellen, dass ich in meiner Hängematte, umgeben von 40 schnarchenden Jungen liege.
    Ich atme tief durch und versuche einen klaren Gedanken zu fassen.
    Das ist kein normaler Traum gewesen, so viel ist sicher. So einen Mist kann man doch gar nicht zusammenträumen, oder?
    Das muss ein Teil aus meiner Vergangenheit gewesen sein. Aber wie ist das möglich? Ich meine, die Anderen können sich nur an ihren Namen erinnern und ich weiß noch nicht mal meinen.
    Und wer war oder ist dieser Junge?
    Ich muss ihn von irgendwoher kennen...
    Da mir klar wird, dass es nichts bringt hier rumzuliegen und über Dinge und Personen zu grübeln, an die ich mich sowieso nicht erinnern kann, schwinge ich meine Beine aus der Hängematte.
    Ich bürste schnell die Haare und spaziere dann Richtung Küche.
    Ich denke an das Fest von gestern Abend zurück.
    Am meisten hat es mir Spaß gemacht Gally zu verprügeln. Er kann es ja nicht auf sich beruhen lassen, dass ich ihn am Morgen so fertig gemacht hatte, also forderte er mich zu einem Ringkampf heraus. der endete damit, dass Gally mit zwei geprellten Rippen und einer gebrochenen Nase ins Krankenzimmer eingeliefert werden musste.
    Grinsend über diese Erinnerung gehe ich am Hühnerstall vorbei.
    An der Küche angekommen, überlege ich erstmal, was ich jetzt machen könnte.
    Schließlich setze ich mich unter einen Baum, lehne mich an dessen Rinde und lausche mit geschlossenen Augen dem Gesang der Vögel.
    Plötzlich fange ich auch an etwas zu summen.
    Die Melodie und der Text sind einfach in meinem Kopf aufgetaucht. Also noch eine Erinnerung...

    (Wer das Lied nicht kennt, unbedingt auf Clipfish suchen! (Auf YouTube gibt es bloß Cover) Das Lied heißt Safe and Sound von Taylor Swift.)

    Ich singe leise vor mich hin:

    I remember tears streaming down your face
    when I said "I´ll never let you go!"
    When all those shadows almost killed your light.
    I remember you said "Don´t leave me here alone!"
    But all that´s dead and gone and passed tonight.

    Just close your eyes,
    the sun ist going down.
    You´ll be alright,
    no one can hurt you now.
    Come morning light.
    You and I´ll be safe and sound.

    Don´t you dare look out your window,
    Darling, everything´s on fire.
    The war outside our door keeps raging on.
    Hold on to this lullaby.
    Even when the music´s gone.


    Just close your eyes,
    The sun is going down.
    You´ll be alright,
    No one can hurt you now.
    Come morning light.
    You and I´ll be safe and sound.

    Als das Lied zu Ende ist, rollt mir eine Träne die Wange runter.
    Warum bin ich anders? Warum kann ich mich an richtige Bruchstücke aus meiner Vergangenheit erinnern? Warum ich?
    Das letzte, was ich will, ist hier als Freak abgestempelt zu werden.
    Es reicht nicht, dass ich anders bin, weil ich ein Mädchen bin, nein! Ich muss auch noch die einzige DUrchgeknallte auf der gesamten Lichtung sein, die so irre ist, dass sie Läufer werden will!
    Wenn doch nur weiter Mädchen kommen würden,
    dann wäre ich wenigstens nicht mehr ganz allein.
    Ich habe das Gefühl, dass man hier ohne Freunde nicht weit kommt.
    ,, Hey!" Der Ruf lässt mich zusammenzucken.
    Schnell wische ich mir die Tränen weg und setze ein Lächeln auf.
    ,, Hey, Minho.", antworte ich.
    ,, Bist ´n Frühaufsteher, was? Macht sich gut als Läufer.", stellt Minho fest.
    ,, Gehen wir heute schon ins Labyrinth?", komme ich gleich zur Sache.
    ,, Nein. Heute trainieren wir nur. Ins Labyrinth geht´s erst übermorgen."
    Ich bin ein wenig enttäuscht, nicke jedoch.
    ,, Okay. Was trainieren wir denn so?", frage ich.
    ,, Naja, hauptsächlich während des Laufens Efeu abschneiden. So markieren wir uns die Wege.
    Und wir werden dein Langzeitgedächtnis in Sachen Abzweigungen merken ein wenig auf Vordermann bringen.
    Wieder nicke ich.,, Wann geht´s los?"
    ,, Gleich nach dem Frühstück, würde ich sagen."
    ,, Alles klar."
    Langsam trudeln auch die anderen Lichter ein und Bratpfanne macht sich an die Arbeit.

    Nach dem Frühstück spazieren Minho und ich zur nördlichen Mauer. Sie ist von Efeu überwuchert, an einigen Stellen jedoch abgeschoren.
    ,, Also gut, pass auf.", beginnt Minho und drückt mir einen Dolch in die Hand.,, Ich hoffe inständig, dass du dieses Messer nie zur Verteidigung benutzen musst, aber dafür ist das Teil eigentlich auch nicht gedacht. Sondern hierfür."
    Er zieht einen zweiten Dolch aus seiner Tasche, nimmt ihn in die rechte Hand und joggt an der Wand entlang. Im Laufen packt er eine dünne Efeuranke und schneidet sie lässig ab.
    Dann fordert er mich auf, es ihm nach zu machen.
    Nach einigen Versuchen kriege ich es ebenso problemlos hin, wie er.
    Zufrieden nickt er.,, Gut. Dann arbeiten wir jetzt noch an deiner Koordination."
    ,, Na dann los!", sage ich entschlossen.

    Zwei oder drei Stunden später gehen Minho und ich zum Mittagessen. Ich bin ein wenig erschöpft vom vielen Laufen, aber ich bin glücklich. Nur noch ein Tag Training, dann kann ich endlich helfen, aus diesem Alptraum zu entkommen.
    Nachdem wir uns unser Essen geholt haben, setzen wir uns unter den Baum von heute früh und reden noch ein bisschen.
    Ein plötzlicher Schrei unterbricht unser Gespräch.
    Erschrocken springe ich auf.
    ,, Was war das?", frage ich.
    Minhos Gesicht ist todernst.,, John.", sagt er nur.
    ( Erfundene Person. Keine Sorge, ihr habt nichts verpasst, aber ich brauchte irgendwen, an dem ich das Erklären kann.)
    ,, Wer?", will ich wissen.
    ,, Er ist - er war ein Läufer, aber dann hat ihn einer dieser Scheiß-Griewer zum Mutanten gemacht.
    Er hat eine schwere Krankheit, die ziemlich ansteckend ist. Zum Glück schicken die Schöpfer immer ein paar Spritzen mit dem Gegenmittel hoch.
    Hat Newt dir nichts davon erzählt?", fragt er verwirrt.
    ,, Kein Wort.", knurre ich.
    ,, Dann weißt du es jetzt.", sagt Minho schulterzuckend.
    ,, Kann ich ihn sehen?", frage ich, doch Minho schüttelt den Kopf.
    ,, Ne. Ist noch zu gefährlich."
    Ich sollte jetzt wahrscheinlich verängstigt sein und meinen Plan Läufer zu werden noch einmal überdenken, doch eigentlich festigt es meine Entschlossenheit nur.
    Wir gehören nicht hierher. Keiner von uns.
    Und ich werde helfen hier raus zu kommen und unser wahres zu Hause zu finden!

    2
    Ich bekomme keine Luft! Verzweifelt schlage ich um mich, meine Lungen brennen und mein Kopf scheint explodieren zu wollen!
    Ein Gesicht schiebt sich in mein Blickfeld.
    Braunes Haar, braune Augen, trainiert.
    Er scheint zu schreien! Der Junge schlägt mit den Fäusten gegen den Behälter, in dem ich gefangen bin, doch es hilft nicht! Ich spüre, wie mir der Sauerstoffmangel das Bewusstsein raubt.
    Mit letzter Kraft sehe ich, wie einige Männer den Jungen packen und ihn von dem Glaszylinder wegzerren. Dann umfängt mich Dunkelheit.
    Ich schrecke hoch. Wie gestern Morgen liege ich, umgeben von 40 anderen Lichtern, in meiner Hängematte und wische mir kalten Schweiß von der Stirn.
    Zitternd setze ich mich auf und fahre mir durch meine zerzausten Haare.
    Das war hundertprozentig derselbe Traum, wie letzte Nacht. Doch diesmal war es anders.
    Ich kann mich an mehrere Details erinnern, unteranderem das Gesicht des Jungen.
    Irgendwie kam mir sein Gesicht bekannt vor. Ich kenne ihn. Ganz sicher. Wieso wäre er sonst so ausgetickt, als ich ohnmächtig geworden bin?
    Ich kneife die Augen zusammen und reibe mir die Stirn. Das viele Nachdenken bereitet mir Kopfschmerzen.
    Ich stoße einen langen, schweren Seufzer aus und recke mich zum Wachwerden gen Himmel.
    Ich schlendere langsam zur Küche und setze mich wieder unter die große Eiche.
    Ich halte mein Gesicht in die ersten Sonnenstrahlen und Summe wieder das Lied von gestern.
    Ich halte mir die Ohren zu, als sich die Tore mit einem lauten Krachen öffnen. Als ich das vorgestern
    Abend das erste Mal erlebt habe, wäre ich fast an einem Herzinfarkt gestorben!
    Mit einem kleinen Lächeln denke ich an diesen Moment zurück.
    Newt hatte mich zum,, Gehöft", wie sie es nannten gebracht.
    Wir hatten uns noch ein wenig unterhalten, als es auf einmal fürchterlich rumste.
    Vor Schreck hatte ich nach Newts Hand gegriffen.
    Er war anscheinend erst ein wenig verwirrt, doch dann hatte er seine Arme um mich gelegt und geflüstert:,, Schon gut. Es ist alles gut."
    Und ich glaubte ihm. In seinen Armen habe ich mich zum ersten Mal seit meiner Ankunft sicher gefühlt.
    Ich erinnere mich an seinen Geruch.
    Er hat nach frisch umgegrabener Erde und nach verschiedenen Kräutern.
    Seine Stimme war genauso beruhigend. Irgendwie samtig und warm...
    Moment! Aufhören! Ich werde mich nicht in Newt verlieben! Das darf ich nicht!
    Ich bin Läufer und setze ab morgen täglich mein Leben aufs Spiel! Ich will ihn doch nicht verletzen!
    Und wenn ich sterben würde, während ich mit ihm was habe, schaffe ich das garantiert.
    Die Stimmen der näherkommenden Lichter reißen mich aus meinen Träumereien.
    Die Mauern sind echt die zuverlässigsten Wecker des Planeten.
    Minho kommt zu mir spaziert und schlägt vor nach dem Frühstück gleich mit dem Training zu beginnen.
    Ich stimme eifrig zu. Je eher ich für das Labyrinth bereit bin, desto besser.
    Wir ziehen das Training genauso durch, wie gestern.
    Im Grunde verläuft der Tag genauso ab, wie gestern.
    Doch vor dem Abendbrot zeigt mir Minho noch das Quartier der Läufer.
    Er gibt mir ein paar Laufschuhe, eine Digitaluhr und eine Machete.
    ,, Bete, dass du die nie benutzen musst.", sagt er mit einem finsteren Blick auf die Machete.
    Ich mache eine übertriebene Gebets-Geste.
    Minho ver dreht grinsend die Augen.
    1 1/2 Stunden später kuschele ich mich in meiner Hängematte unter die Decke.
    Ich bin nervös, morgen werde ich das Labyrinth betreten, das schon so vielen das Leben genommen hat.
    Ich atme tief durch und schließe meine Augen.
    , Ich schaffe das!', denke ich., Du schaffst das, Gwen!'
    Moment! Gwen!
    , Ich heiße Gwen!' Dieser Gedanke geht mir ungefähr hundertmal durch den Kopf.
    Ein leises Lächeln erscheint auf meinem Gesicht. Und dieses Lächeln bleibt, bis ich eingeschlafen bin.

    Ich träume wieder, doch diesmal ist es ein anderer Traum.
    Ich sitze in einer Cafeteria, oder so.
    Neben mir sitzt der Junge aus meinem letzten Traum
    und mir gegenüber sitzt ein ziemlich hübsches Mädchen mit schwarzen Haaren und genauso blauen Augen wie ich.
    Die Beiden schauen besorgt drein.
    ,, Wieso hast du das getan?", fragt der Junge an mich gewandt.,, Du weißt, wie gefährlich es da ist!"
    ,, Ich weiß.", antworte ich automatisch und ohne es wirklich zu wollen.,, Aber gerade deshalb muss ich gehen! Ich will das nicht mehr! Ich will ihnen nicht länger beim Sterben zu sehen!"
    ,, Aber...", beginnt das Mädchen.
    ,, Besser ich als ihr!", unterbreche ich sie.
    Die Beiden sehen sich angespannt und traurig an.
    ,, Gwendolyn! Die Operation beginnt in 10 Minuten!", ruft ein Mann in den Raum hinein.
    Ich stehe auf und die anderen Beiden tun es mir gleich.
    Das Mädchen hat Tränen in den Augen. Was mir gleich passiert muss ziemlich schlimm sein.
    Der Junge sieht nicht viel besser aus.
    Ich beiße die Zähne aufeinander und strecke die Arme nach dem Mädchen aus.
    Sie wirft sich hinein und schluchzt:
    ,, Mach ich. Du auch auf dich, Teresa."
    Sie nickt und drückt mich noch mal an sich.
    Dann schlinge ich die Arme um den Jungen.
    ,, Ich hab dich lieb, Thomas! Was auch passiert!", flüstere ich in sein Ohr.
    ,, Ich dich auch.", murmelt er zurück und gibt mir einen Kuss auf den Kopf.
    Ich atme zitternd ein und drehe mich zur Tür.
    Im Ramen drehe ich mich noch mal um und winke ihnen mit einem schmerzlichen zu. Dann wird alles dunkel...
    ,, Hey! Frischling! Aufwachen!"
    Eine Kinderstimme unterbricht meine ( nicht ganz so) wundervollen Träume.
    Blinzelnd schlage ich die Augen auf.
    Neben meiner Hängematte steht ein kleiner Kerl, höchstens 13 Jahre alt, der an meiner Schulter rüttelt.
    ,, Aufstehen!", krakeelt er mir noch mal ins Ohr.
    ,, Okay, okay. Bin schon wach!", murmele ich verschlafen.,, Wer bist du eigentlich?"
    Der Kleine lächelt mich aus seinem rosigen Gesicht an.,, Ich bin Chuck. Ich war vor dir der Frischling. Minho hat gesagt, ich soll dich wecken. Du gehst heute mit ihm ins Labyrinth, oder? Also entweder bist du ziemlich mutig oder extrem dumm."
    ,, Ist immer wieder erstaunlich, wie nah diese beiden Eigenschaften beieinander liegen. Aber wie kommst du darauf, dass ich auch nur eines von beiden bin?"
    ,, Na schau doch mal. Du bist das erste Mädchen auf der Lichtung und meldest dich sofort, als Läufer! Das ist der unbeliebteste Job von alles und auch noch scheißgefährlich!"
    Chuck redet ohne Luftholen. Ich muss ein wenig lächeln. Der Junge ist irgendwie niedlich.
    ,, Los, beeil´ dich! Minho wartet bestimmt schon!"
    Echt, du schläfst wie ein Murmeltier! Hab ungefähr 5 Minuten gebraucht, um dich zu wecken!"
    ,, Ich hätte nicht gedacht, dass ich überhaupt schlafen kann.", sage ich, während ich mich mit Chuck auf den Weg mache.
    ,, Nervös?"
    Ich nicke.
    Schweigend laufen wir Richtung Nordtor.
    Aus der Ferne kann ich schon Minho sehen, der lässig an der Mauer steht und ziemlich ungeduldig aussieht.
    ,, Du bist zu spät!", ist seine, ach so freundliche Begrüßung.
    ,, Guten Morgen.", antworte ich.
    ,, Der Strunk hat gepennt wie ein Stein!", grinst Chuck.
    ,, Halt die Klappe!", sage ich und boxe ihm spielerisch gegen die Schulter.
    ,, Die Tore öffnen sich in 3 Minuten. Das nächste Mal bist du bitte pünktlich, ja?"
    Ich salutiere und sage:,, Aye aye, Captain Minho!"
    Er verdreht die Augen, kann sich ein kleines Grinsen allerdings nicht verkneifen.
    ,, Okay, Chuck. Du kannst deinen Hintern jetzt wieder zur Arbeit bewegen.", ordnet Minho an.
    ,, Viel Glück.", sagt Chuck.
    ,, Danke.", antworte ich und drücke ihn kurz an mich.
    Chuck strahlt mich an und geht dann mit federnden Schritten davon.
    ,, Bereit?", fragt Minho mich.
    Ich nicke und atme tief durch.
    Als das Krachen, der sich öffnenden Mauern ertönt, halte ich mir die Ohren zu.
    ,, Na, dann los!", ruft Minho, doch jemand hinter uns, unterbricht uns:,, Wartet!"
    Genervt dreht Minho sich um und ich tue es ihm gleich.
    Überrascht sehe ich Newt, der eilig auf uns zu gehumpelt kommt.
    ,, Ja?" Verwirrt schaue ich ihn an.
    ,, Ich wollte...dir...Glück wünschen!", schnauft er.
    ,,Ähm... Danke...", murmele ich und lächele ihn an.
    Was dann kommt, überrascht mich m meisten: Er gibt mir einen Kuss auf die Wange.
    Ich werde rot, wie eine Tomate.
    ,, Frischling, wir müssen langsam mal los.", mischt Minho sich grinsend ein.
    ,,Äh..." Fahrig gehe ich mir durch die Haare.
    ,, Gwen. Ich heiße Gwen. Das ist mir gestern Abend wieder eingefallen."
    Die Beiden lächeln und Newt sagt:,, Schöner Name."
    Ich lächele ihn noch einmal an und schließe ihn ein letztes Mal in meine Arme.
    Dann drehe ich mich um und laufe gemeinsam mit Minho in das dunkle Labyrinth.
    -Seine Sicht-

    Ich stehe so lange am Tor, bis ich Gwen und Minho nicht mehr sehen kann.
    Ich bin glücklich und besorgt zu gleich.
    Ich spüre noch, wie sie ihre Arme um mich legt und ihre weiche Wange an meinen Lippen.
    Doch gleichzeitig habe ich auch Angst um Gwen.
    Was, wenn sie nicht zurück kommt?
    ,, Hey, Newt!", unterbricht mich Albys Stimme.
    ,, Willst du weiter die Wand anstarren, oder bewegst du dich jetzt mal und arbeitest?"
    ,, Bin schon unterwegs Admiral Alby!", sage ich.
    Den Spitznamen haben Minho und ich ihm gegeben, um ihn zu ärgern.
    ,, Klappe, Strunk!", knurrt Alby.
    Grinsend gehe ich zurück aufs Feld.

    ,, Sie müssten längst wieder da sein!", sage ich nervös an Ben gewandt.
    ,, Ich weiß, aber Minho weiß, was er tut.", antwortet Ben offensichtlich bemüht, optimistisch zu klingen.
    Ich sehe ihn wenig überzeugt an.,, Sicher?"
    ,, Jungs, beruhigt euch! Sie kommen bestimmt gleich.", unterbricht Alby uns.
    ,, Das hast du schon vor einer Stunde gesagt!", fahre ich ihn an.
    So lange stehen wir schon hier: Eine Stunde!
    Ich gehe nervös vor dem Tor hin und her und weigere mich irgendetwas zu essen oder zu trinken.
    ,, Newt,", versucht Zart mich zu beruhigen.
    ,, Die Beiden schaffen das schon. Sie kommen..."
    ,, In 5 Minuten schließen sich die Tore! Wenn ihnen irgendetwas passiert, dann..."
    Ich schaffe es nicht den Satz zu beenden.
    Ich lasse mich mit geschlossenen Augen gegen die Mauer sinken.
    ,, Sie werden es schaffen!", sagt Chuck.
    Auch er sieht besorgt aus. Ich würde es nie zu geben, aber ich mag den Kerl.
    Auch, wenn er manchmal nervtötend sein kann, ist er im Grunde in Ordnung.
    Ich blicke immer wieder auf meine Uhr.
    Von Sekunde zu Sekunde werde ich angespannter.
    Dass beginnen die Mauern sich zu schließen.
    ,, Nein...", flüstere ich und renne zur immer kleiner werdenden Öffnung.
    ,, Da!", schreit Chuck und deutet auf zwei dunkle Gestalten, die in Höchstgeschwindigkeit auf uns zugerannt kommen.
    ,, Los! Gwen, Minho! Lauft!", brüllt Chuck neben mir.
    Uch die anderen Lichter feuern die Beiden an.
    Die Kleinere von Beiden lässt sich etwas zurückfallen und mir wird sofort klar, was sie sie vorhat!
    , Nein!', denke ich panisch.
    Doch zu spät!
    Gwen nimmt anscheinend ihre letzten Kräfte zusammen und knallt mit voller Wucht gegen Minho!
    Der fliegt die letzten Meter durch das Tor und fällt mir vor die Füße!
    Entsetzt sehe ich, wie Gwen mich aus traurigen Augen ansieht und die Hand zum Gruß hebt.
    Dann schließen sich die Tore und sperren die erste Person, die ich wirklich aufrichtig gern habe, in den schrecklichsten Ort der Welt.

    ,, NEIN!"
    Mein Schrei lässt die Anderen zusammenzucken, doch das ist mir scheißegal.
    Verzweifelt ( und wütend) ramme ich meine Faust gegen das Tor. Ich spüre, wie sich ein Bluterguss an meiner Hand bildet, doch auch das ist mir egal.
    ,, Oh nein!", sagt eine höhnische Stimme hinter mir.
    ,, Ist Prinzessin Tausendschön dem Tode geweiht?"
    Ich drehe mich um und sehe in Gallys (Arsch-)Gesicht, das noch von dem Ringkampf mit Gwen zugerichtet ist.
    ,, Halt dein dreckiges Schandmaul, du Strunk.", sage ich überraschend ruhig.
    Er grinst ekelhaft und sagt gespielt entsetzt:
    ,, Ach herrje! Wurde unserem Prinz Charming seine Cinderella genommen?"
    Das ist zu viel.
    Mit einem wütenden Aufschrei stürze ich mich auf Gally.
    Ich lasse meine ganze Wut, die ich seit Jahren mit mir herumtrage an ihm aus.
    Ich hätte ihn vermutlich ins Koma geprügelt, doch zwei Paar Hände packen meine Oberarme und zerren mich von ihm weg.
    Ich versuche mich aus ihren Griffen zu befreien, doch die Beiden halten mich stur fest.
    Ich schaue die Jungen, die mich davon abhalten, Gally den hässlichen Kopf abzureißen, an.
    Ich blicke in Minhos und Albys verbissene Gesichter.
    ,, Gallys Inneres nach außen zu prügeln, hilft Gwen auch nicht weiter.", sagt Minho leise.
    Ich atme tief durch und beruhige mich langsam wieder.
    ,, Habt recht. Sorry.", murmele ich, allerdings nicht besonders zerknirscht.
    ,, Jeff, Clint, bringt Gally ins Krankenzimmer. Und,", brummt er mit einem Blick auf mich.,, passt auf, dass ihm niemand das Hirn ausprügelt."
    Alle Energie verlässt mich und ich lasse mich auf die Knie fallen.
    Ich vergrabe mein Gesicht in den Händen und drücke meine Handballen gegen meine Augen.
    Minho lässt sich neben mich fallen und sagt an Alby gewandt:,, Mach dich mal nützlich und besorg´ uns was zu essen."
    ,, Bitte sagen tut nicht weh!", knurrt der, packt Bratpfanne am Arm und zerrt ihn Richtung Küche.
    ,, Hör mal,", beginnt Minho.,, ich weiß, dass bis her niemand ´ne Nacht im Labyrinth überlebt hat, aber sie ist anders. Sie ist was Besonderes."
    ,, Ich weiß.", sage ich leise.
    So sitzen wir schweigend neben einander und starren Löcher in den Himmel.
    ,, Essen!", unterbricht Chucks Kinderstimme die Stille.
    ,, Na endlich! Ich bin am Verhungern!", ruft Minho.
    Er nimmt Chuck die Teller ab und hält mir einen hin. Doch ich kann nichts essen! Mein Mund ist staubtrocken und mein Magen fühlt sich an, wie mit Watte gefüllt.
    Ganz langsam beginne ich zu realisieren, was passiert ist.
    Ich werde Gwen wahrscheinlich nie wieder sehen!
    Nie wieder ihre Stimme hören, ihr nie wieder durch die Haare streichen.
    In meinem Kopf dreht sich alles und das Atmen fällt mir von Sekunde zu Sekunde schwerer!
    Ich verkrampfe mich und versuche meine Atmung unter Kontrolle zu bekommen, doch es hilft nichts!
    Langsam wird alles schwarz...

    ,, Newt! NEWT! Komm schon, wach auf, Alter!"
    Jemand gibt mir eine Backpfeife.
    Blinzelnd schlage ich die Augen auf.
    ,, Was ist denn passiert?", nuschele ich.
    ,, Das Selbe könnte ich dich auch fragen!", ruft Minho aufgebracht.
    Er und Chuck sehen besorgt auf mich herab.
    Da Chuck sich das nie trauen würde, gehe ich davon aus, dass es Minho war, der mir die Ohrfeige gegeben hat.
    ,, Was ist passiert?", frage ich noch einmal.
    Aufgeregt berichtet Chuck:
    ,, Also, zuerst bist du ganz starr geworden und hast auf nichts mehr reagiert. Und dann bist du einfach zusammengeklappt."
    ,, Wir dachten du hättest ´nen Anfall, oder so!", sagt Minho.
    ,, Wehe ihr erzählt irgendwem, irgendwas!"
    Die Beiden versprechen mir zu schweigen, wie ein Grab und ich nicke zufrieden.
    Jetzt überfällt mich die Müdigkeit mit einem Schlag.
    Ohne ein weiteres Wort lege ich mich auf die Seite und schlafe ein.

    Als ich am nächsten Morgen aufwache, springe ich sofort auf und renne zum noch geschlossenen Tor.
    Nach einem kurzen Blick auf die Uhr weiß ich, dass sich die Tore in zwei Minuten öffnen werden. Und ich bin mir nicht sicher, ob ich sehen will, was die Griewer mit Gwen angestellt haben.
    Auf einmal stehen auch Minho und Chuck neben mir und auch die anderen Lichter versammeln sich langsam vor dem Tor.
    Eine Minute.
    Bitte lass sie am Leben sein.
    Eine halbe Minute.
    Bitte, bitte, bitte, bitte, bitte...
    Das Krachen und Rumpeln ertönt, die Tore öffnen sich - und niemand steht davor.
    Ich starre den Gang hinunter und bete stumm.
    ,, Komm schon, Kleine!", höre ich Minho neben mir flüstern.
    Auch die restlichen Lichter sehen gespannt ins Labyrinth hinein.
    Als sich nach 5 Minuten immer noch nichts getan hat, ergreift Alby das Wort:
    ,, Anscheinend hat Gwen es nicht geschafft. Wir werden das erste Mädchen der Lichtung ziemlich sicher nicht vergess..."
    Seine kurze Ansprache wird von allgemeinem Luftholen unterbrochen und Ben ruft:
    ,, Ich glaub´s nicht!"
    Während Alby gesprochen hat, habe ich mich ihm zu -und dem Labyrinth den Rücken zugewandt.
    Doch jetzt wirbele ich schneller als der Blitz herum.
    Und tatsächlich - da kommt Gwen angelaufen!
    Sie sieht aus, als wäre sie durch die Hölle gegangen... was im Grunde ja auch stimmt.
    Ich schließe sie in meine Arme, kaum dass sie angekommen ist.
    Mit einem Schrecken stelle ich fest, dass ihre Haut eiskalt ist und sie zittert.
    Ich nehme ihr Gesicht in meine Hände und zwinge sie so, mich anzusehen.
    Ihre Lippen zittern ebenso, wie ihr restlicher Körper und ihre Augenlieder flattern.
    Dann sieht sie hinunter auf ihre eine Hand, die sie gegen ihre Taille gedrückt hält.
    Entsetzt bemerke ich das Blut, das an ihren Fingern klebt.
    ,, Sanis!", brülle ich.
    Schon sind Jeff und Clint zur Stelle.
    Ihre Augen weiten sich, als sie die Wunde sehen.
    ,, Scheiße!", flüstert Jeff.
    Gwen schwankt.
    ,, Ist nicht so schlimm, wie´s aussieht.", haucht sie mit dünner Stimme.
    Dann kippt sie nach vorn, in meine Arme.

    3
    Schmerzen! Nur Schmerzen!
    Alle anderen Gefühle sind aus meinem Körper wie gelöscht! Da sind nur diese unerträglich glühenden Schmerzen!
    Vage spüre ich, wie sich eine Nadel in meine linke Armbeuge bohrt, dann sind die Schmerzen urplötzlich weg und ich sinke in einen traumlosen Schlaf...

    ,, Wann wird sie wieder aufwachen?"
    ,, Jeden Moment. Ich hab ihr genug für 5 Stunden Schlaf gegeben."
    Blinzelnd öffne ich die Augen.
    Mir ist schlecht, schwindelig und ich habe tierische Kopfschmerzen.
    Verwirrt sehe ich, wie Newt, Minho, Alby und Jeff um mein Bett stehen und sich besorgt leise unterhalten.
    ,, Was ist denn hier los?", murmle ich und stöhne kurz auf. So einen Schädel hatte ich ziemlich sicher noch nie.
    ,, Gwen!", ruft Newt erleichtert.,, Wie geht's dir?"
    ,, Bestens.", sage ich ironisch.
    ,, Was hast du dir nur dabei gedacht?", fragt Minho.
    Auch er sieht erleichtert aus, doch gleichzeitig wirkt er wütend.,, Das war 'ne verdammt beschissene Aktion! Du kannst von Glück reden, dass du noch am Leben bist! Du hast mindestens einen 2-Liter-Eimer Blut verloren und wärst beinahe verblutet!
    Tu das nie- und ich meine wirklich NIE- wieder!"
    Ich she ihm einige Sekunden ausdruckslos ins Gesicht, dann sage ich mit verstellter Stimme:
    ,, Hey, Gwen! Schön, dass du wieder wach bist! Ach übrigens, ich wollte mich bei dir bedanken, dass du meinen Hintern davor gerettet hast, von einem Griewer weggebissen zu werden!"
    ,, Ha ha ha.", sagt er trocken und ich muss grinsen.
    Jeff sieht mich mit großen Augen an.
    ,, Wie hast du nur die Nacht da drin überlebt? Und dann noch mit so 'ner Verletzung!"
    ,, Das würde mich auch interessieren.", mischt sich Alby ein.
    Aber ich schüttle leicht den Kopf.
    ,, Bitte, fragt nicht jetzt. Ich fühle mich, als ob eine Horde wildgewordener Nilpferde auf meinem Gehirn Stepptanz gelernt."
    Alle grinsen und nicken, bis auf Newt.
    Er lächelt nur ganz leicht und streicht mir sanft über die Wange.
    ,, Dann ruh' dich noch ein bisschen aus."
    Ich nicke und drücke seine Hand ein wenig.
    ,, Dann lassen wir Gwenny noch ein bisschen schlafen.", sagt Alby.,, Newt, kommst du?"
    ,, Du kannst sie ja heute Abend besuchen.", schlägt Jeff auf Newts grimmigen Blick hin vor.
    Wiederwillig zwar, aber einverstanden nickt Newt.
    ,, Bis heute Abend.", murmelt er und drückt meine Finger noch einmalzusammen.
    Dann gehen er und die anderen 3 hinaus.
    Ich sinke zurück ins Kissen, mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen.
    Ich lege meine Hand an die Stelle meines Gesichts, die Newt so zärtlich berührt hat.
    Ich bin verliebt.
    Das kann ich nicht länger leugnen.
    Die weichen Knie, mein klopfendes Herz, meine wirren Gedanken...
    Ich wäre unsensibel oder blöd oder beides, wenn ich es leugnen würde.
    Immer noch lächelnd schließe ich meine Augen und versinke Minuten später in behaglicher Wärme und Dunkelheit...

    ,, Gwen? Hey! Komm schon, wach auf! Essen!"
    Der köstliche Duft von gebratenem Fleisch und Kartoffeln und ein sanftes Rütteln an meiner Schulter wecken mich.
    ,, Mmmm...", murmle ich und fahre mir mit der Zunge über die Lippen. Jetzt erst meldet sich der Hunger.
    ,, Danke, Newt. Ich bin am Verhungern."
    Ich nehme ihm den vollbeladenen Teller dankbar ab und beginne, alles in mich reinzustopfen.
    ,, He he! Nicht so gierig! Wenn du kotzen musst, wisch ich die Sauerei nicht weg.", sagt Newt lächelnd.
    Ich bekomme einen tierischen Hustenanfall, der mich umgebracht hätte, wenn Newt mir nicht auf den Rücken geklopft hätte.
    Als ich aufgegessen habe, fragt er:
    ,, Wie hast du das nur geschafft?"
    Ich beiße die Zähne aufeinander und schließe die Augen. Eigentlich ist es das letzte, was ich will, diese grausamen Stunden noch einmal durchleben zu müssen.
    Allein der Gedanke daran, lässt mich das Gesicht verziehen und kurz aufstöhnen.
    ,, Alles klar?", fragt Newt mich erschrocken.
    ,, Ja, alles klar. Ich glaube einfach... ich bin noch nicht bereit darüber zu reden."
    ,, Okay."
    ,, Aber vielleicht könntest du mir erzählen, was passiert ist, nachdem ich ohnmächtig geworden bin?"
    Er räuspert sich.
    ,, Naja, als sich die Tore geschlossen haben, hat Gally erstmal rumgeätzt ich hab ich K.O. geschlagen..."
    Ich unterbreche ihn.
    ,, Du hast ihn K.O. geschlagen?", frage ich lachend.
    ,, Was denn? Der Typ hat sich darüber lustig gemacht, dass du hättest sterben können!"
    Ich lächle und sage:
    ,, Schon gut. Das ist echt lieb von dir."
    Er erzählt weiter. Eigentlich ziemlich ereignislos.
    Als er endet, nicke ich.
    ,, Die Hüter haben eine Versammlung einberufen. Sie beginnt in 10 Minuten, aber ich muss auch nicht hingehen, wenn du - "
    Doch ich unterbreche ihn erneut.
    ,, Ich habe eine Nacht im Labyrinth überlebt, da werde ich ja wohl auch eine Nacht allein im Bett überleben."
    Er lächelt und streicht mir eine Strähne aus dem Gesicht.
    ,, Okay. Ich komme morgen früh noch einmal vorbei, ja?"
    Wieder nicke ich.
    Er beugt sich zögernd zu mir runter und haucht mir einen Kuss auf die Wange.
    Wie beim letzten Mal schießt mir die Röte ins Gesicht. Mein Herz setzt ein paar Sekunden aus, um dann doppelt so schnell weiter zu schlagen.
    Verlegen lächle ich ihn an und streiche mit den Fingerspitzen über seinen Handrücken.
    ,, Bis morgen früh.", sage ich leise.
    Er drückt kurz meine Finger zusammen und geht dann zur Tür.
    Als er verschwunden ist, lasse ich mich zurück ins Kissen sinken.
    Herr im Himmel, mich hat's wirklich erwischt...
    Ich schließe die Augen und lasse mich ins Land der Träume gleiten...
    Ich liege auf einer Metallplatte.
    Sie fühlt sich kalt an.
    Ich fühle mich schlapp, so, als wäre mein Kopf mit Watte gefüllt.
    ,, Gwen!"
    Der Schrei dringt wie durch eine Schallwand zu mir durch.
    ,, GWEN!"
    Der Junge schreit wieder.
    Jetzt mischt sich eine andere Stimme ein. Die eines Mannes.
    ,, Raus hier! Der OP ist steril!"
    ,, Sie haben es versprochen! Sie haben versprochen, dass sie ihr Gedächtnis behalten darf!"
    ,, Es ist zu einem größeren Zweck, das weißt du!", sagt jetzt noch eine dritte Stimme.
    Die einer Frau.
    Was soll das alles bedeuten?
    Ich will etwas sagen, doch ich bin wie gelähmt.
    Ich spüre einen Pikser in der Armbeuge und Augenblicke später umfängt mich Dunkelheit...

    Als ich am nächsten Morgen aufwache, fühle ich die warmen Sonnenstrahlen auf meinem Gesicht.
    Ich strecke mich zum Wachwerden und sehe mich im Zimmer nach einem Glas Wasser um, da klopft es an der Tür.
    ,, Ja?"
    Zu meiner Freude kommt Newt mit einem Tablett herein, dass mit zwei Tellern und Tassen beladen ist.
    ,, Frühstück!", ruft er.
    ,, Super! Bin am Verhungern!"
    Ich rücke im Bett ein Stück zur Seite, damit er auch Platz hat.
    Als er neben mir sitzt und unsere Arme sich berühren, startet mein Herz wieder einen Marathon.
    ,, Und? Was habt ihr gestern Abend auf der Versammlung besprochen?"
    ,, Es ging um deinen Job. Wir sind der Meinung, dass du nicht länger als Läufer arbeiten solltest."
    Ich verschlucke mich an einen Brötchen.
    ,, Was!", keuche ich zwischen zwei Hustern.
    (Gibt es dieses Wort überhaupt? ;))
    ,, Du hast eine tiefe Wunde an der Seite. Die würde sich beim Laufen immer wieder öffnen, sagen die Sanis. Und außerdem waren wir einstimmig der Meinung, dass du so einen Mist nicht noch mal erleben musst."
    Ich bin sprachlos. Doch nicht aus Glück oder Erleichterung. Sondern aus Wut!
    ,, Das kann doch nicht euer Ernst sein!", rufe ich wütend und springe trotz der Schmerzen auf.
    ,, Gwen, bitte...", versucht Newt mich zu beruhigen, doch ich drehe mich zur Tür und stapfe aus dem Raum.
    Was denken diese Vollidioten eigentlich, wer sie sind!
    Läufer ist wirklich der einzig spannende Beruf hier!
    Und die Verletzung...
    Ich bin nicht aus Zucker! Das habe ich ja wohl bewiesen!
    Unbewusst bin ich zur Küche gelaufen und setze mich jetzt unter dieselbe Eiche, wie die ganzen letzten Tage auch.
    Die überraschten Blicke der Frühstückenden Lichter ignoriere ich.
    So lange, bis Jeff mit verärgerter Miene vor mir steht.
    ,, Wer hat dich entlassen?", fragt er mit misstrauischem Blick.
    ,, Ich mich selbst.", knurre ich zurück.,, Hast ein Problem damit?"
    ,, Ja!", sagt er wütend.,, Deine Verletzung ist nicht mal zur Hälfte verheilt, du brauchst Ruhe und - "
    ,, Ich bin kein Porzellanpüppchen! Und nur, weil ich einen kleinen Schnitt an der Seite habe, heißt es nicht, dass ich nicht mehr als Läufer arbeiten kann! Und das ging nicht nur an dich, sondern an alle Hüter, die hier sind! Ihr könnt mich alle!"
    Ich springe auf und stürme - schon wieder - in den Wald.
    ,, Gwen!"
    Der Ruf gehört zu Minho, das erkenne ich sofort, doch ich drehe mich nicht um.
    Blöderweise ist auch Minho Läufer und sehr schnell bei mir.
    Er packt mich an den Schultern und sieht mich eindringlich an.
    ,, Wir wollen nur dein Bestes!"
    ,, Mein Bestes?" Ich lache hohl.
    ,, Glaubt ihr denn, es geht mir besser, wenn ich hier festsitze?"
    ,, Ja! Ja, das glauben wir! Wir waren uns einig, dass du sowas nicht noch einmal brauchst! Newt hatte außerdem fast einen Herzinfarkt, als du ins Labyrinth gesperrt wurdest! Er ist ganz starr geworden und in Ohnmacht gefallen! Ihr habt beide wie Leichen ausgesehen! Willst du das dir und ihm wirklich noch einmal antun?"
    Ich stehe mit heruntergeklappter Kinnlade da.
    Newt, der Newt in den ich mich Hals über Kopf verliebt habe, hatte wegen mir einen Ohnmachtsanfall?
    Das rührt mich so sehr, dass mir Tränen in die Augen steigen.
    ,, Ist schon gut.", murmelt Minho und zieht mich in seine Arme.
    Ich heule mich richtig aus. So, wie ich es schon am ersten Tag hätte tun sollen.
    Als ich mich einigermaßen beruhigt habe, sehe ich Minho eindringlich an.
    ,, Wehe du erzählst das irgendwem!"
    Zu meiner Überraschung grinst er.
    ,, Du hörst dich genauso an wie Newt!"
    Das zaubert ein Lächeln auf mein Gesicht.

    - Seine Sicht -

    Seit 5 Minuten haue ich jetzt meine Stirn gegen die Wand und kann mittlerweile nicht mehr gerade gucken.
    Wieso sage ich immer das Falsche!
    Alby hat mir extra eingeschärft, es ihr vorsichtig beizubringen, weil er schon so eine Reaktion erwartet hat.
    Aber das bin echt so typisch ich! Ich kann wohl einfach nicht vorsichtig.
    ,, Newt!"
    Jeffs Schrei erschreckt mich so, dass ich vom Bett rutsche.
    ,, Hast du sie noch alle?", fahre ich ihn an und komme wieder auf meine wackligen Beine.
    ,, Ob ich sie noch alle habe? Wünschst du dir eine Gehirnerschütterung, oder was?", faucht er zurück.
    Ich reibe mir die Stirn und schüttle den Kopf.
    ,, Ich versuche herauszufinden, warum ich immer das Falsche sage."
    ,, Na, da gibt's auch einfachere Wege.", grummelt Jeff und drückt mir einen Eisbeutel in die Hand.
    ,, Drauf halten."
    Dann gibt er mir noch ein Glas Wasser und setzt sich schließlich neben mich.
    ,, Und? Wann hast du dich in sie verknallt?"
    Ich verschlucke mich an meinem Wasser und keuche mit puterrotem Gesicht:,, Was?"
    Jeff verdreht die Augen.
    ,, Jetzt stell dich nicht blöd. Jeder blinde Strunk kann das erkennen, die Einzige, die das noch nicht mitbekommen hat, ist Gwen."
    Ich fange an herumzustottern:
    ,,...Ähm...also, ich...Ähm...Ach, was soll's! Vielleicht mag ich sie wirklich! Aber erzähl mir nicht, dass ich der Einzige bin, der sie klasse findet!"
    Jeff hebt beschwichtigend die Hände.
    ,, Ruhig, Brauner! Und nein, du bist nicht der Einzige.
    Aber ich glaube, du bist der Einzige, der bei ihr eine Chance hätte."
    Ich mustere ihn mit hochgezogenen Augenbrauen.
    ,, Wer bist du? Der Liebesflüsterer?"
    Er streckt mir die Zunge raus und steht auf.
    ,, Sag ihr was du fühlst. Oder lass es sein und zeig, was du für ein Feigling bist."
    Ich starre mit offenem Mund die Tür an, durch die er gerade verschwunden ist.
    Ein wenig verwirrt erhebe ich mich nun ebenfalls und gehe die Treppe hinunter.
    Den Eisbeutel schmeiße ich in eine Ecke.
    Jetzt stehe ich einfach nur da und starre die Wand des Gebäudes an.
    Ich weiß nicht wieso, doch ich denke plötzlich an den Tag, an dem ich mir den Knöchel gebrochen habe.
    Hätte es geklappt, wäre ich dann an einem anderen, einem besseren Ort?
    Ich verspüre den Drang, es erneut zu versuchen, doch bevor ich eine Entscheidung treffen kann, unterbricht mich eine Stimme.
    ,, Newt!"
    Erschrocken drehe ich mich um und sehe Chuck eilig auf mich zu laufen.
    ,, Newt!", ruft er noch einmal.
    ,, Was ist denn los?", frage ich.
    Er schnappt nach Luft und japst:
    ,, Gally - Gwen - er - hat sie - angegriffen!"
    Es fühlt sich an, als hätte mir jemand ein Messer ins Herz gerammt und es dann noch einmal herumgedreht.
    ,, Dieser verdammte...", beginne ich, doch mir fällt kein Schimpfwort ein, das Gallys Abartigkeit auch nur annähernd beschreiben würde.
    Ich renne los und ignoriere die Schmerzen in meinem Fuß!
    Lange muss ich nicht suchen.
    So gut wie alle Lichter stehen versammelt in einer riesigen Traube um etwas in ihrer Mitte herum.
    Mit Hilfe meiner Ellenbogen schaffe ich mir einen Weg durch die Menge und was ich da sehe, nimmt mir den Atem.
    Vor meinen Füßen liegt Gwen. Eine furchtbar zugerichtete Gwen.
    Lange Kratzer ziehen sich über ihre bleichen Arme und ihr schönes Gesicht.
    Ihre Lippe ist aufgeschlagen und an ihrem Kinn bildet sich ein Bluterguss.
    Jeff kniet über ihr und fühlt ihren Puls.
    Ich kann mich nur schwer von ihrem Gesicht lösen, aber ich she auf die andere Seite der Küche.
    Da steht Gally, mit einem Verband um den Kopf, von zwei Anderen festgehalten und anscheinend völlig durch den Wind.
    Er murmelt vor sich hin. Ich kann nicht alles verstehen, aber ich höre immer wieder das Wort böse heraus.
    Ich hätte nicht übel Lust ihm seinen kleinen dreckigen Hals umzudrehen, aber ich kann mich beherrschen.
    Schnell knie ich mich neben Gwen und greife nach ihrer Hand.
    Inzwischen ist auch Alby da und erteilt - wie eigentlich immer - Befehle.
    ,, Ben, Winston, schmeißt Gally in den Bau! Sorgt dafür, dass sich ihm niemand nähert! Ich möchte nicht, dass noch eine Schlägerei angezettelt wird!
    Und Minho, bring Gwen in die Krankenstube! Sie muss versorgt werden!"
    Ich will gerade fragen, warum ich nicht Gwen wegbringen darf, da ertönt ein Signal.
    Ein furchtbar lautes Dröhnen, das mir nur allzu bekannt ist.
    ,, Was war das?"
    Ich zucke zusammen. Gwens Stimme unterscheidet sich dermaßen von denen der Jungen, dass sie sich anhört, wie eine Nachtigall zwischen einer Horde Krähen.
    Schnell knie ich mich wieder neben sie und nehme ihre Hand in meine.
    ,, Das war die Box. Sie kommt wieder rauf. 3 Wochen zu früh."
    - Deine Sicht -

    Wie oft in meinem verdammten Leben werde ich noch solche Schmerzen ertragen müssen?
    Ich bekomme um mich herum alles wie durch einen Schleier mit.
    Die Jungen scheinen Kondensstreifen hinter sich her zu ziehen und durch einen Mundschutz zu sprechen.
    Ihre Stimmen klingen gedämpft, aber ich kann die Aufgebrachtheit heraushören.
    Vage merke ich, wie jemand meinen Puls fühlt. Dann ertönt plötzlich ein lautes Geräusch und ich sammle meine Kräfte um 3 Wörter zu sagen:
    ,, Was war das?"
    Jemand greift nach meiner Hand und ich muss ihn nicht mal ansehen, um zu wissen, dass es Newt ist.
    Ich erkenne seinen Geruch, seine warmen, langen Finger, die Sicherheit, die er ausstrahlt.
    Er sagt:,, Das war die Box. Sie kommt wieder rauf. 3 Wochen zu früh."
    Darauf fällt mir nichts mehr ein.
    Soweit ich weiß, ist die Box bisher immer regelmäßig gekommen.
    Jetzt erteilt Alby Befehle.
    Gally wird in den Bau gesperrt - JUHU! - und ich komme ins Krankenzimmer - schon wieder... -.
    Minho trägt mich ins Gehöft und legt mich sanft auf dasselbe Bett, wie heute Morgen.
    Prompt steigt mir Newts Geruch in die Nase, der an der Decke haften geblieben ist.
    ,, Schlaf dich ordentlich aus.", sagt Minho und gibt mir einen Kuss auf die Stirn.
    Der Kuss ist rein geschwisterlich, aber er wärmt mich bis in die Zehenspitzen.
    Ich denke, ich habe in Minho eine Art großer Bruder gefunden.
    Auch wenn er manchmal den narzisstischen Macho raushängen lässt, liebe ich ihn wie einen Bruder.
    Und deshalb darf er jetzt auch nicht gehen.
    ,, Kannst du hier bleiben?", frage ich ihn.
    Meine Stimme klingt hohl und kratzig.
    Minho lächelt ein wenig und zieht sich dann einen Stuhl ans Bett.
    ,, Klar."
    Er nimmt meine Hand in seine und hält sie fest. Er hält sie auch noch fest, als ich einschlafe und dahin gehe, wo ich nie mehr hin darf.
    Ich bin wieder im Labyrinth.
    Ich stehe mit Minho an der Ecke eines Ganges und spähe um diese herum.
    ,, Wie sieht's aus?", fragt Minho.
    ,, Alles leer. Komisch. Ich hätte schwören können, das Vieh ist hier lang gelaufen..."
    ,, Die Dinger sehen vielleicht nicht so aus, aber sie können ziemlich schnell werden. Wir sollten besser gehen, bevor er wieder kommt."
    Ich nicke zustimmend und wende mich schon zum Gehen - als ich höre.
    Ein Klackern und Brummen über Minho und mir.
    Ich bin wie erstarrt. Auch Minho bewegt sich nicht.
    Ängstlich sehe ich ihn an und meine Hand wandert zu der Machete an meinem Gürtel.
    Langsam, ganz langsam ziehe ich sie hervor. Minho tut es mir gleich.
    Dann gehen wir vorsichtig einige Schritte rückwärts.
    Wir sind schon fast am Ende des Ganges und ich habe die Hoffnung, der Griewer würde uns vielleicht in Ruhe lassen - da springt er auf einmal von der Mauer und kommt auf uns zugerast!
    ,, Lauf!", brüllt Minho und das lasse ich mir nicht zweimal sagen!
    Ich wirbele herum und gemeinsam rennen wir den Gang hinunter!
    Doch der Griewer holt mit beunruhigender Geschwindigkeit auf!
    Wir sind schon um 5 Ecken gerannt, da mache ich den Fehler mich umzudrehen!
    Ich übersehe einen riesigen Stein und falle der Länge nach hin!
    Als Minho merkt, dass ich fehle ist er schon 100 Meter weiter!
    ,, Hau ab!", schreie ich, aber er denkt natürlich nicht einmal dran und kommt zurückgerannt.
    Muss ausgerechnet jetzt der Gentleman in ihm zum Vorschein kommen!
    Er zerrt mich an den Armen hoch und stellt mich wieder auf die Füße.
    Aber es ist zu spät!
    Der Griewer hat uns eingeholt und stürzt sich ohne Zögern auf uns!
    Ich kann nicht anders: Ein Schrei entfährt meiner Kehle!
    Glücklicherweise ist Minho noch bei Verstand stößt mich gerade rechtzeitig aus dem Weg!
    Der Griewer rennt mit einem markerschütterndem Knall gegen die hinter uns liegende Wand!
    ,, Los!"
    Minhos Schrei löst mich aus der Schreckstarre!
    Mit Lichtgeschwindigkeit laufen wir den Gang hinunter und lassen den noch leicht benebelten Griewer hinter uns!
    Wahllos rasen wir um Ecken und bringen schnell einige Kilometer zwischen uns und den Schleimscheißer.
    Nachdem wir gut und gerne eine halbe Stunde gelaufen sind, ohne das Tempo zu drosseln, lehnen wir und keuchend gegen eine Mauer und lassen uns zu Boden gleiten.
    ,, Das war...", beginnt Minho.
    ,,...total krass!", beende ich den Satz.
    Er schüttelt lachend den Kopf.
    ,, Du hast echt nicht mehr alle Latten am Zaun."
    Das Lachen vergeht ihm urplötzlich, als er auf seine Uhr blickt.
    ,, Scheiße!", flucht er und springt auf.
    Erschrocken erhebe ich mich ebenfalls.
    ,, Was ist denn los?"
    ,, Wir haben nur noch eine viertel Stunde! Dann schließen sich die Tore!"
    Ich spüre, wie alle Farbe aus meinem Gesicht weicht.
    ,, Dann los!", sage ich und kann ein Zittern in meiner Stimme kaum unterdrücken.
    Wir rennen durchgängig in Höchstgeschwindigkeit!
    Keine Pausen, kein ausgiebiges Luftholen!
    Ich wage schon zu hoffen, dass wir es doch noch schaffen, da die Biegung an der wir stehen, die Vorletzte vor den Toren ist, als es rumst und poltert!
    ,, Scheiße!", brüllt Minho noch einmal und wird noch schneller!
    Ich hätte gern mitgeflucht, aber ich will mir die Puste sparen.
    Noch um eine Ecke, dann sehe ich die Tore!
    Alle Lichter stehen versammelt auf der sicheren Lichtung und beginnen zu schreien und zu rufen, als sie uns sehen!
    Wir sind fast am Tor, doch die Öffnung ist zu klein für uns beide, das sehe ich sofort!
    Ich 2 Sekunden habe ich einen Entschluss gefasst.
    Minho hält die ganze Lichtung mit am Laufen.
    Wenn nur einer leben kann, dann soll er es sein!
    Ich lasse mich ein wenig zurückfallen und nehme meine letzten Kräfte zusammen!
    Ich ramme meine Schulter mit voller Wucht in seinen Rücken!
    Der Zusammenprall lässt ihn abheben!
    Er fliegt die letzten Meter durch das Tor und landet vor den Füßen der einzigen Person an die ich mich erinnere, die ich liebe!
    Traurig sehe ich in Newts entsetztes Gesicht und hebe zum Abschied die Hand.
    Dann schließen sich die Tore.

    Das Atmen ist mir noch nie schwerer gefallen als jetzt!
    Es ist, als würde mir jemand ein Kissen auf Mund und Nase drücken und mir so die Sauerstoffzufuhr abschnüren.
    Ich raufe mir die Haare, sinke zu Boden und versuche verzweifelt, meine Atmung wieder in den Griff zu kriegen.
    Ich würde gerne weinen, aber ich habe zu nichts die Kraft. Ich kann bloß da sitzen und hoffen, dass in den nächsten 10 Minuten kein mordlustiger Griewer um die Ecke schwabbelt.
    Allmählig beruhigt sich mein Atem wieder.
    Ich bekomme wieder einigermaßen Luft und kann mich wieder bewegen und denken.
    , Okay Gwen', sage ich mir., Jetzt trinkst du erstmal was und machst dir einen Plan zurecht.'
    Ich tue, was mein gesunder Menschenverstand mir sagt und trinke ein paar Schlucke Wasser.
    Dann stehe ich langsam auf.
    Ich atme tief durch und denke nach.
    Wo habe ich hier die größte Chance zu überleben?
    In den Mauern gibt es zwar spalte und Risse, aber keiner davon ist groß genug, um einen Menschen zu verstecken.
    Ich würde es vielleicht schaffen, die ganze Nacht durchzulaufen, aber die Griewer würden mich hundertprozentig trotzdem finden und dann wär ich aufgeschmissen.
    Ich könnte mich hinter dem Efeu verstecken, aber ein Windstoß aus der falschen Richtung, zum falschen Zeitpunkt, und ich wäre wieder völlig schutzlos.
    Mir gehen die Alternativen aus.
    Denk nach!
    Am Boden ist es zu gefährlich. Ich muss runter vom Boden, auf.... die Mauern!
    Hektisch sehe ich mich um und erblicke gleich darauf einige Efeuranken, die bis an die Spitze einer ungefähr 10 Meter hohen Mauer reichen.
    Nicht besonders hoch, aber von dort aus kann ich weiterklettern.
    5 Minuten später stehe ich 10 Meter über dem Boden und sehe mich nach einem höhergelegenen Versteck um.
    So geht das noch 30 Minuten, dann bin ich zu fertig um weiterzumachen.
    Ich liege schnaufend auf einer 150 Meter hohen Mauer und sehe kurz in den Sternenhimmel.
    Mir ist klar, dass ich nicht ewig schlafen kann, aber mir fallen die Augen beinahe zu, also rolle ich mich zusammen und schließe die Augen.
    Als ich aufwache, ist es tiefste Nacht und ein Blick auf meine Uhr sagt mir, dass ich mehrere Stunden geschlafen habe, obwohl es mir vorkam wie wenige Minuten.
    Ich frage mich schon, was mich geweckt hat, als das schaurige Geräusch wieder ertönt.
    Klackern. Brummen. Metallspikes, die sich in Stein graben.
    Und das nur wenige Meter unter mir.
    Ein Griewer muss mich doch noch gefunden haben.
    Ich sollte weglaufen, von der Mauer runter, mir ein neues Versteck suchen, doch ich bin unfähig mich zu bewegen.
    Der Griewer ist nun an der Kante angekommen und schiebt sich geräuschvoll darüber.
    Jetzt kommt wieder Leben in mich.
    Eigentlich ist es sinnlos, aber ich ziehe meine Machete, während ich mich langsam erhebe.
    So stehen wir einige Minuten regungslos da.
    , Vielleicht will er gar nicht angreifen.', denke ich, naiv wie ich bin., Vielleicht wollte er nur mal gucken.'
    In Zeitlupe bewege ich mich zum Rand der Mauer.
    Ich kann sein Gesicht zwar nicht sehen, aber ich bin sicher, dass sein Blick mir folgt.
    Ich bin an der Kante angekommen und will mich schon an den Abstieg machen, als ich auf den wahrscheinlich einzigen Zweig in 50 Metern umkreis trete!
    Das Knacken ist fast unnatürlich laut und macht den Griewer ganz offensichtlich ziemlich wütend.
    Er brüllt auf und kommt mit mindestens 60 km/h auf mich zu geschwabbelt!
    Ich tue das erste, was mir in den Sinn kommt und lasse mich zur Seite fallen!
    Das Vieh versucht zu bremsen, aber es hat zu viel Schwung und fällt brüllend und kreischend von der Mauer in die Tiefe.
    Doch trotz allem scheint mich einer seiner Arme doch erwischt zu haben!
    Ein glühender Schmerz zuckt von meiner linken Taille durch meinen ganzen Körper!
    Blut sickert aus meiner Seite und lässt mich fast den Verstand verlieren, als es sich am Boden in einer scharlachroten Pfütze sammelt!
    Ich bekomme einen totalen Panikanfall und versuche irgendwie die Blutung zu stoppen!
    Instinktiv drücke ich meine Hände gegen die Wunde.
    Langsam geht die Blutung zurück.
    Ich reiße mir ein wenig Stoff aus dem Oberteil, so dass es mir jetzt nur noch bis zum Bauchnabel reicht,
    und fertige einen notdürftigen Verband an.
    So,, verarztet" trinke ich noch einige Schlucke Wasser und stehe dann mit zitternden Knien auf.
    Vorsichtig mache ich mich an den Abstieg.
    Während meines Kampfes gegen den Griewer und meiner schlechten Erstversorgung hat es angefangen zu dämmern und in ungefähr einer halben Stunde öffnen sich die Tore!
    Dieser Gedanke gibt mir die Kraft weiter zu klettern.
    Dieser, und der Gedanke an ihn. An Newt.
    Ich werde die nächste Gelegenheit nutzen um ihm zusagen, was ich fühle. Ich kann das, was zwischen uns ist nicht länger ignorieren. Ich werde reinen Tisch machen und alles zwischen uns klarstellen.
    Vorausgesetzt natürlich, ich verblute vorher nicht, oder stürze von der Mauer 150 Meter in die Tiefe.
    Als ich in diese Tiefe schaue uns sehe, wie hoch ich immer noch über dem Boden bin, hätte ich mich am liebsten übergeben!
    , Nein Gwen! Dich trennen jetzt nur noch ein paar Meter von einem mehr oder weniger bequemen Bett, etwas zu essen und deiner großen Liebe und du wirst hier jetzt nicht wie ein Stoffpüppchen zusammenklappen, ist das klar!', schreie ich mir in Gedanken selbst ins Ohr.
    , Ja, Sir!', antworte ich der Stimme in meinem Kopf und klettere weiter.
    Als ich am Boden bin, lasse ich mich auf die Knie sinken und drücke dem staubigen Untergrund einen Kuss auf.
    Dann erhebe ich mich. Prompt wird mir schwindelig und ich muss mich an der Wand abstützen.
    Ich habe wohl mehr But verloren, als gedacht.
    , Du bist keine Stoffpuppe, du bist keine Stoffpuppe...', murmele ich mir immer wieder zu.
    Ich sehe mich um und meine Laune bessert sich augenblicklich. Ich kenne die Biegung, an der ich stehe!
    Sie ist nur 6 Gänge vom Tor entfernt!
    Als dann noch das Gepolter der Tore ertönt, würde ich einen Luftsprung machen, wenn mir nicht alles so wehtun würde.
    Vorsichtig mache ich mich auf den Weg.
    Immer einen Fuß vor den anderen.
    Ich biege um eine letzte Ecke, dann stehe ich vor den offenen Toren.
    Ich könnte heulen vor Erleichterung! Der Freudenkloß in meinem Hals wird noch größer, als
    die Lichter anfangen in Jubelgeschrei auszubrechen.
    Doch ich spüre schon die näherkommende Ohnmacht und konzentriere mich nur auf diese eine Person, die sich gerade umgedreht hat.
    Newt schließt mich in die Arme, kaum dass ich angekommen bin.
    Weiße Punkte tanzen vor meinen Augen.
    Er legt seine Hände um mein Gesicht und zwingt mich ihn anzusehen.
    Ich sehe hinab auf meine blutverschmierte Hand und bringe meine letzten Kräfte auf um zu sagen:
    ,, Ist nicht so schlimm, wie es aussieht."
    Dann bricht der Boden unter mir weg und lässt mich in die Dunkelheit stürzen.

    Ich fahre hoch.
    Panisch sehe ich mich um. Ich liege immer noch in der Krankenstation und Minho sitzt immer noch schnarchend neben mir.
    Ein Blick auf seine Uhr sagt mir, dass es noch spät nachts ist.
    Beruhigt lasse ich mich wieder in die Kissen sinken.
    Einige Stunden kann ich noch schlafen.
    Ich bin hier sicher. Hier gibt es keine Griewer, die mich umbringen wollen. Hier gibt es Sicherheit.
    Ich schließe wieder die Augen und versinke in einen, diesmal traumlosen Schlaf.

    4
    Am nächsten Morgen wachte ich auf. Das erste, was ich sah, war Newts besorgtes Gesicht.
    Er brachte mir Frühstück und erzählte mir was passiert war.
    Ich rappelte mich auf und zog mich unter die Eiche zurück, während Newt in eine der Hütten verschwand.
    Einige Zeit später ging ich in Richtung Wald zu, doch bevor ich auch nur in die Nähe des einzig ruhigen Ortes dieser Lichtung kam, wurde ich von hinten auf den Boden geworfen und meine Wunde an der Seite ging auf .Ich konnte vor Schmerz kaum atmen.
    Ich wollte mich aufrappeln doch ich konnte nicht.
    Taumelnd auf den Knien stützte ich mich mit meinen Händen auf und versuchte mich umzudrehen, um das Gesicht des Jungen zu erkennen, der mich fast zu Tode schlug .Er drehte mich nun um, nachdem er mir brutal in den Bauch, bei meiner Stelle trat und schlug mir gegen meine Lippe und zog seine Machete heraus, mit der er meine Arme aufschlitzte und mein zuvor unversehtes Gesicht
    verunreinigte.
    Ich schien nicht bei bewusstsein zu sein.
    Ich wusste nicht, wie es um mich geschah. Ich fühlte nur den Schmerz, der mich an meinem ganzen Körper durchfuhr.
    Und plötzlich wurde alles schwarz. Ich bemerkte noch die Schreie einpaar Lichter und einen Sani und Newt, die sich zu mir hinknieten, während Gally den ich nun mehr oder weniger erkannte, von mir weggeschleift wurde.
    Einpaar Stunden später wachte ich auf. Neben mir saß Minoh, schnarchend und hielt noch immer meine Hand, während er seinen anderen Arm vor der Brust verschrenkte.
    Ich stand langsam auf...

    5
    Währenddessen war Minho auch aufgewacht und wollte mir verbieten aufzustehen, doch ich versicherte ihm, dass es mir gut ging.
    ,, Wo ist unser neuer Srunk?" fragte ich leicht grinsend, während sich Minho die Augen rieb.
    ,, Newt führt ihn gerade rum. Sollen wir zu ihnen gehen" antwortete Minho und ich nickte. Auf dem Weg zu den Beiden stellte mich Minho zur Rede:,, Du solltest echt mal mit Newt über eure Gefühle reden. Dann redet er auch nicht mehr ständich über dich.Sag ihm doch einfach, was du fühlst",, Ich fühle nichts. Ich... Wir.. Wir sind nur Freunde" log ich.Na wenn das so ist, macht dir das bestimmt nichts aus.Bevor ich darüber nachdenken kann, was er meint, zieht er mich in eine enge Umarmung, aus der ich mich nicht wieder befreien kann.
    „Was soll das! Minho lass mich los!“ Er hat beide Arme fest um mich gelegt und ist mit seinem Mund so dicht an meinem Ohr, dass sein Atem mich streift als er mir antwortet. „Psch! Sei still, ich will dir etwas demonstrieren.“ Demonstrieren? Was will er mir denn bitte demonstrieren? Wie man jemanden unglaublich wütend macht?
    Ich will ihm gerade noch einmal sagen, dass er mich los lassen soll und dass ich das nicht witzig finde, als ich laute Schritte höre. Durch Minhos feste Umarmung, kann ich jedoch nicht sehen, wer da kommt.
    Minho löst einen Arm um meine Hüfte und legt seine Hand auf meine Wange. Sein anderer Arm liegt jedoch noch immer eng um mich geschlungen, sodass ich mich immer noch nicht befreien kann. Was hat er verdammt noch einmal vor?
    Ich höre wie die Schritte immer näher kommen. Minho grinst kurz und sagt noch: „Jetzt pass genau auf!“, bevor er mir immer näher kommt. Will er mich etwa küssen!
    Bevor seine Lippen jedoch auf meine Treffen, höre ich jemanden ziemlich laut „Minho!“ rufen. Die Schritte von vorhin sind jetzt unmittelbar neben mir und bleiben stehen. Minho lässt mich los und dreht sich zu dem Jungen, der ihn gerade unterbrochen hat. Ein Glück!
    Ich drehe mich ebenfalls zu dem Jungen – meinem 'Retter' – um und erkenne, dass es Newt ist. Ist das so eine Angewohnheit von ihm? Immer genau zum richtigen Moment auftauchen und den Held spielen? Allerdings kann ich dieses Mal wirklich froh darüber sein.
    „Newt! Was gibt’s?“, fragt Minho scheinheilig und zieht mich dabei an der Hüfte zu sich ran. Ich sehe ihn immer noch verwirrt an, reagiere jedoch nicht weiter darauf.
    „Was tut ihr hier!“, fragt Newt in einer aufgebrachten Stimme. Wahrscheinlich hat er bemerkt, dass Minho mich unfreiwillig küssen wollte und ist nun ziemlich sauer.
    „Nichts verbotenes..“, antwortet Minho lässig und zwinkert zu allem Überfluss Newt auch noch an.
    Newt sieht von Minho kurz zu mir, wobei sein Blick kurz etwas weicher wird. Dann sieht er wieder sauer zu Minho.
    „Du kommst jetzt sofort mit mir mit!“, befiehlt er Minho. Der macht jedoch keine Anstalten sich auch nur einen Schritt von mir weg zu bewegen.
    „Ich würde lieber das hier noch kurz beendet. Also wenn du uns entschuldigst.“ Ich kann es nicht fassen! Das Minho so dreist ist! Unglaublich!
    Er nimmt mich an der Hand, zieht mich von Newt weg und beginnt dabei breit zu grinsen. Er kam mir gefährlich nahe.
    Newt stellt sich schützend vor mich, nimmt mich an der Hand und dreht sich zu mir um, sodass Minho nichtmehr an mich ran kommt.
    ,, Geht es dir besser?" fragte er hoffnungsvoll und ich nickte, während ich ihn umarmte.
    ,, Das ist Jeff." stellte er den Strunk mir dann vor.
    Wir drei unterhielten uns noch ein bisschen und gingen dann frühstücken.
    Ich erholte mich nicht besonders schnell. Ich durfte kaum die Krankenstation verlassen.
    Als ich eine Woche später auf der Krankenstation aufwachte erblickte ich Newt, der mit einem Glas Wasser und einem Teller voller Essen neben mir auf dem Bett saß.
    ,, Hey" begrüßte er mich, während ich mich mit viel Mühe aufrappelte.
    Er überreichte mir den Teller und wir unterhielten uns während wir aßen.
    Später wollte ich duschen gehen. Ich hatte schon eine Woche lang nicht geduscht .Wie konnte das nur passieren? Habt ihr hier sowas wie ne Dusche? fragte ich ihn dann als wir aufgegessen hatten.,,Ähh ja," antwortete er schnell.,, Chuck bringt dich hin, wir sehen uns dann später" ich nickte nur und sah, wie sich Newt in der Ferne mit Chuck unterhielt .
    Später holte mich dann chuck ab und wartete vor der Dusche auf mich. Er übergab mir neue Klamotten und ich duschte dann, und bemerkte nicht dass sich Chuck zurück an die Arbeit machte und Newt nun vor der Dusche auf mich wartete.
    Als ich mich fertig geduscht hatte, faltete ich die Klamotten auseinander, die mir Chuck gegeben hatte. Eine viel zu große Hose, ein Gürtel und ein T-shirt, welches mir bis zu den Knien ging. So etwas konnte ich doch unmöglich anziehen, also trug ich das oversized tshirt als Kleid mit dem Gürtel und darunter meine shorts, die ich zuvor trug, falls hier irgendwelche Jungs auf dumme Ideen kommen würden. Dann ging ich aus dem Raum, und strich mir dabei durch meine nassen langen haare.
    Geht das so? fragte ich newt, ohne zu wissen, dass er mit Chuck Plätze getauscht hatte, bis ich zu ihm sah, der lässig und fast ungeduldig an dem Baum saß und zu mir hochschaute.,, Du siehst gut aus" stammelte er wärend er sich aufrappelte.
    ,, Gwen.." stieß er hervor.
    ,, Hmm" brachte ich hervor, während ich ihn in sein immer näher kommendes Gesicht sah.
    ,, Ich liebe dich" sagte er bevor sich unsere Lippen berührten und dann küsste er mich.
    ,, Ich liebe dich" antwortete ich grinsend nachdem unser Kuss beendet war.
    Die nächsten Wochen verliefen wie im Flug, ohne dass ich auch nur einmal einen Fuß in die Nähe des Labyrinth gesetzt hatte.
    Newt und ich waren glücklich.
    4 Wochen nach dem Gally-Vorfall ging ich zu Minho um ihn zu fragen, wann wir wieder in das Labirinth gingen durften.
    Nach einem überzeugendem,, Ich habe mich jetzt 4 Wochen ausgeruht und einer Einwilligung von den Sanis war er einverstanden, wenn ich noch ein weiteres Wettrennen gegen ihn gewinnen würde. Ich willigte ein und am Abend rannten wir dann ein weiteres Mal um die Wette.
    ,, Auf die Plätze, fertig, LOS " schrieh Alby und ich rannte so schnell ich konnte ans Ziel. Ich wollte unbedingt wieder ins Labirinth. 100 Meter nach dem Ziel bemerkte ich, dass ich schon längst am Ziel angekommen war und bejubelte Minho ironisch, der gerademal drei viertel der Strecke zurückgelegt hatte und sich kurz vor dem Ziel hinlegte. Ich konnte mir wie die anderen Lichter ein Lachen nicht verkneifen und Minho tat es wie beim letzten Mal: er kniete sich auf einem Bein vor mich hin und sagte:,, Gwen, du bist nun wieder die alte, was das Rennnen angeht. Willst du wieder eine meiner Renner werden?
    nur diesmal nahm er Alby etwas ab und hielt mir eine Rennerausrüstung hin und ernannte mich zur neuen Hüterin der Renner.
    ,, Ja, ich will" antwortete ich lachend und auch die anderen Lichter lachten.

    6
    Gleich am nächsten Morgen liefen wir mit Ben in das Labirinth.
    Wo uns Griver angreiften. Wir verteidigten uns, verlierten uns jedoch aus den Augen. Ich sah auf meine Uhr. Die Tohre würden sich in 10 Minuten schließen. Mit Höchstgeschwindigkeit rannte ich
    zur Lichtung:,, Sind Minho und Ben schon da?" fragte ich die Lichter, die besorgt am Tor warteten und entteuscht ihre Köpfe schüttelten. Ohne nachzudenken rannte ich in das Labirinth zurück. Newt und die anderen wollten mich aufhalten, doch ich wollte die beiden nicht im Stich lassen.
    Schließlich kam ich bei Minho und Ben an Minho schien Ben zu tragen. Er muss sich etwas getan haben. Schnell rannte ich zu ihnen und wir schafften es gerade noch so durch den Spalt.

    Später lernten wir den neuen Frischling kennen. Er kam mir bekannt vor... Ja.. natürlich... er war der Junge aus meinen Träumen. Er kam mir komisch vor. Er war genauso hartnäckig wie ich und wollte auch unbedingt Läufer werden.
    Auf dem Fest verprügelte Gally der mittlerweile aus dem Bau entassen wurde einpaar Jungs und kämpfte schließlich auch den Frischling, der wie verrückt spielte, als er sich wieder an seinen Namen erinnerte.
    ,, Will sonst noch wer?" fragte Gally nachdem wir den Thomas, den Strunk gefeiert hatten.
    Alles war still, bis ich mich stumm meldete.
    Newt hielt meinen Arm fest und zeigte ihn mir.,, Das hat er das letzte mal mit dir gemacht" sagte er stürmisch wärend er versuchte mich aufzuhalten.,, Newt, ich liebe dich" sagte ich sampft während er mich anlächelte,,, aber das ist meine Entscheidung. Ich bin nämlich auf Rache aus "
    Wir machten uns bereit zu kämpfen. Ich hatte keine Angst

    7
    Gally war wohl noch immer sauer auf mich. Darum griff er mich auch zuerst an.
    Er schubste mich nach hinten, wo ich fast über einen kleinen Stein gestolpert wäre. Nun war ich an der Reihe. Ich stieß ihn zu Boden und setzte mich auf ihn. Ich ließ all meine Wut an ihm raus, die ich die letzten Monate auf der Lichtung nicht nicht rauslassen konnte.
    Ich begann auf ihn einzuschlagen. Ich konnte nicht aufhören, ihm meine Faust immer und immer wieder ins Gesicht zu schlagen.
    Ich war so wütend auf ihn, auf alle einfach. Ich schien mich gar nicht in den Griff zu bekommen. Erst lachten die unbeeiligten Lichter um uns herum, doch nach einer kurzen Weile, als Gally´s Blut an meinen Händen klebte und ich einfach nicht aufhörten ihn zu schlagen, begannen sie sich Sorgen zu machen.,, Ich glaub er hat genug" hörte ich eine Stimme doch ich achtete nicht darauf. Schließlich bemerkte ich, wie ich von zwei starken Jungs von ihm weg geschleift wurde.

    8
    Ich kniete da und wollte einfach nur weinen. Ich war so wütend. plötzlich fühlte ich eine Hand auf meinem Rücken. Erst dachte ich, es wäre Minho oder Newt, doch als ich mich umdrehte sah ich Gally. Was willst du? fragte ich noch immer halb schluchztend.
    Ich wollte dich sehen. antwortete er.
    Nein, ich meine wieso bist du hier? Solltest du nicht auf der Krankenstation sein?
    Ach, so schlimm ist das nicht. antwortete er warscheinlich um es cool aussehen zu lassen.
    So siehst du aber nicht aus. Antwortete ich. Ich habe dir die Nase blutig geschlagen und deine Lippe. Wie kannst du da nur so nett zu mir sein? Wer weiss was ich getahn hätte wenn mich die anderen nicht von dir weggezogen hätten.
    Er nahm mich in den Arm. Jetzt snd wir quitt lachte er .


    Gallly und ich wurden Freunde. Ben jedoch ging es immer schlechter. Er wurde gestochen.
    Thomas spritzte ihm das Heilmittel und er wurde wieder gesund.

    Thomas wollte Läufer werden. Doch ich sagte ihm, er müsse ert ein Rennen gegen Minho gewinnen. Und danach gegen mich laufen. Ich glaubte zwar nicht, dass er es gegen micht gewinnen würde doch ich ging darauf ein.
    Auf die Plätze.. Fertig.. LOS schrie Alby in diesem Monat schon zum 3. mal und Minho und Thomas rannten um die Wette.
    Thomas fiel es schwer Minho einzuholen, doch schaffte es noch rechtzeitig.
    Nach einigen Studen rannte der Frischling dann gegen mich. Ich war um einiges schneller als er.
    Am Ziel lobte ich ihn und wollte ihn gerade zum neuen Läufer ernennen, als mir Mihno eine Läuferausrüstungin die Hände drückte. Ich arnte schon was er vorhatte. Nein..Auf keinen Fall entgegnete ich doch er bestand darauf.
    Wiederwillig kniehte ich mich auf ein Knie und machte ihm einen Läuferantrag.,, Ist so ein Ding bei uns Läufern " erklärte ich unserem neuen Läufer.

    9
    Am nächsten Morgen machten wir 3 Läufer uns auf den Weg in das Labyrinth. Ben durfte noch nicht hinein. Er sollte sich noch ein wenig ausruhen.
    Die Griver hatten uns mal erstaunlicher weise in Ruhe gelassen. Es ist uns kein einziger über den Weg gelaufen.
    Doch wir fanden einen. Er war Tot.
    Minho holte ein Metallteil heraus und wir begaben uns schleunigst auf die Lichtung, wo wir es herausfanden. Es zeigte an, aus welcher Öffnung der Biester kam.

    Am nächsten Morgen gingen wir in das Labyrinth, um nachzuschauen, ob wir mit unserer Vermutung im Recht waren.
    Doch kaum hatten wir uns in die Nähe von Abschnitt 7 begeben, überfiel uns eine Vielzahl von unseren Feinden.
    Als ich von einem eine der Klippen hinuntergestoßen wurde, ging meine Wunde in der Seite auf. Das war das letzte was mir passieren konnte. Ich hielt mich am Rande der Klippe fest, konnte jedoch nicht hochklettern, aufgrund meiner Schmerzen.
    Als die beiden Jungs die Griver besiegt hatten, halfen sie mir auf und halfen mir in Richtung Ausgang wieder zurück zur Lichtung, wo die anderen Lichter schon auf uns warteten. Denn das Tor begann sich zu schließen. Ich konnte gerade noch laufen. Mir wurde schwindelig und es wurde schwarz.
    Wir waren schon in Sichtweite der anderen, als ich zu Boden stürzte.,, Lasst mich hier" ließ ich noch heraus, als ich das Bewusstsein verlor. Ich spürte noch, wie mich Minho hochnahm, über seine Schulter warf und in Richtung Ausgang rannte, wo Thomas schon wartete, denn er hatte überhaupt nicht mitbekommen, was passiert war. Er würde es nicht schaffen, wir waren gerade am Tor angelangt, als sich das Tor schon fast vollständig schloss. Ich schlug Minho, sodass er mich loslassen musste und schubste ihn mit letzter Kraft auf die Lichtung. Ich hörte noch Newt und ihn im Chor,, Nein!" rufen, als sich das Tor letztendlich schloss.

    10
    Und nun stand ich da. Im Labyrinth. Alleine. Bei den Grivern. In der Nacht. Und ich würde erst morgen früh aus dem Labyrinth kommen, FALLS ich die Nacht überleben würde.
    Ich schländerte voller Angst und nicht einmal richtig wach durch das Labyrinth. Mir wurde schwindelig. Denn meine Wunde an der Hüfte war wieder auf gegangen. Ich bin gerade um eine Ecke gebogen, als ich einen Griver sah. Auch das noch. Ich rannte leise an eine Mauer au

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