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Allein auf Mission

Dies ist eine uralte FanFiction zu dem Shipping NejiTen von mir.
Ehrlich gesagt ist sie an einigen Stellen ziemlich brutal, weshalb man sie nicht lesen sollte, wenn man zu jung ist oder Probleme damit hat von Gewalt zu lesen.
Es geht NICHT um Selbstzweifel, Selbstverletzung oder etwas in diese Richtung

    1
    Die Mission



    >Unterschätzt mich ruhig, das wird lustig!<, grinste TenTen in sich hinein.
    Wütend stapfte sie einen kaum belaufenen Weg in Konoha entlang, mal wieder trauten ihr ihre ach so tollen Freunde nicht zu, dass sie diese nun wirklich läppische Mission alleine schaffte. Aber denen würde sie es zeigen! Eins stand fest, nie wieder würde TenTen mit Hinata über ihre Missionen sprechen, solange Kiba und/oder Shino zuhören konnten. Erst bei ein oder zwei Missionen hatte sie mit ihnen ein Team bilden müssen, davon konnten sie sich jawohl kein anständiges Urteil über ihre Fähigkeiten bilden.
    Eigentlich hätte auch Neji zu diesem Treffen gehen sollen, doch war dieser noch auf einer anderen Mission, weshalb sie einspringen sollte.
    Um sich von ihrer Wut abzulenken, beschloss sie, Waffen shoppen zu gehen, dass hatte ihr doch noch immer geholfen. Bei der Mission sollte sie eine wichtige Schriftrolle von einem Spion abholen und zurück ins Dorf bringen. Was es genau für eine Schriftrolle war, wusste TenTen nicht, aber es interessierte sie auch nicht. Auftrag war nun mal Auftrag. Nachdem sie genügend neue Kunais, Shuriken, Schwerter, Morgensterne und allerlei weiterer Waffen gekauft und sicher in einer Schriftrolle verstaut hatte, beschloss sie loszugehen. Am Tor angelangt überprüfte sie noch einmal, ob sie auch wirklich alles hatte, bevor sie losstürmte. Am zweiten Tag kam sie pünktlich zum angegebenen Treffpunkt, doch wartete sie noch immer als es schon zu dämmern begann. Wenn dem Spion etwas zugestoßen sein sollte, hatte sie ein Problem, weder wusste sie, wer ihr Spion war, noch ob er vielleicht von anderen Shinobi begleitet wurde, sie kannte lediglich das geheime Zeichen, dass ihn ausweisen würde. Mittlerweile wurde es schon wieder Morgen und die junge Kunoichi wartete immer noch. So langsam wurde sie richtig müde, sie hatte Angst gehabt, dass er vielleicht genau dann vorbei gekommen wäre, während sie geschlafen hätte, dass wäre wieder typisch. Erst gegen Mittag beschloss sie dann, sich auf den Rückweg zu machen. Doch genau darauf hatten die Taki-Nins gewartet. Hätte sie nachts versucht einzuschlafen, hätten sie sie schon wachzuhalten gewusst.
    Einige Meter ließen sie sie laufen, bevor sie die junge Kunoichi umzingelten und alle gleichzeitig auf sie zu geschossen kamen. Blitzartig reagierte sie, ließ unzählige Waffen auf ihre Angreifer niederprasseln, doch waren es einfach zu viele. Schlussendlich lag die Waffennarrin gefesselt am Boden und musste mit ansehen, wie einer ihrer Angreifer mit einem Verwandlungsjutsu ihr Aussehen kopierte. Immerhin schienen sie nicht vorzuhaben TenTen umzubringen, das war ja schon mal etwas Gutes. Mit Gewalt versuchten sie TenTen dazu zu bringen, ihnen Namen und Rang zu nennen, doch blieb das Mädchen standhaft.
    TenTen jedoch erfuhr von ihnen, wie enttäuscht sie waren, dass sie gekommen war, immerhin wäre ihnen ein Hyuuga versprochen worden und sie waren fest entschlossen, das Byakugan an sich zu reißen.
    Gegen Abend seufzte ihre leider wirklich gute Kopie und meinte: „Ich muss langsam aber wirklich los, versucht ruhig noch etwas rauszukriegen, nur wenn ich noch länger trödle, werden sich die Freunde der kleinen Schlampe bestimmt Sorgen machen. Außerdem weiß ich nicht, wie gut ich sonst noch die Byakugan-Träger überzeugen kann. Die sind ja immer besonders mistrauisch.“
    „Pass auf dich auf, Iku“, der offensichtliche Anführer drückte der falschen TenTen einen Kuss auf die Lippen, bevor sie verschwand.
    Selbst ihre Schriftrollen hatte diese 'Iku' mitgenommen. Auf dem Weg nach Konoha rief sich Iku noch einmal genau den Kampfstiel der Konoha-Kunoichi ins Gedächtnis, um ihn gut imitieren zu können. Zwar beherrschte die Taki-Anbu Raum-Zeit-Jutsus, doch war sie nie wirklich überragend darin gewesen.
    Nach zwei Tagen stand die falsche TenTen dann auch schon vor Konohas Tor, grüßte die beiden Wachen freundlich und machte sich geradewegs auf zum Büro des Hokage.
    Sacht klopfte sie und trat auf ein mürrisches: „Herein“, ein.
    Drinnen sah sie die berühmte Tsunade und zwei Ninjas in einem ähnlichen Alter wie die Kunoichi, die sie spielte. Eigentlich war Iku eine erwachsene Frau, verheiratet und zählte zu den fähigsten Ninjas ihres Dorfes.
    „Äh“, machte sie überrascht. „Soll ich spä-“
    Doch wurde sie schon unterbrochen: „Ten-chaaan!“, schrie ihr der Junge mit der schwarzen Topffrisur ins Ohr und fiel ihr um den Hals. „Wir haben uns wegen den ganzen Missionen ja ewig nicht mehr gesehen, aber morgen früh müssen wir alle unbedingt noch einmal zusammen trainieren! Auch Gai-Sensei hat seit Langem mal wieder frei!“
    Statt ihrem üblichen, vorwurfsvollen 'Lee!', meinte sie heute nur fröhlich: „Klar, gerne. Ist ja auch schon ewig her.“
    Augenblicklich war Neji TenTens ungewöhnliches Verhalten aufgefallen, auch dass sie, als sie reinkam, erst fragen wollte, ob sie wieder rausgehen sollte, war merkwürdig. Normalerweise wäre sie direkt vor Lees Knuddel-Attacke in Verteidigungsposition gegangen. Allerdings hatte sie die Jungs vielleicht nicht richtig gesehen und sie war bestimmt auch müde von ihrer Mission, erklärte es sich der Hyuuga. Nur kurze Zeit später erklärte die falsche TenTen, dass sie geschlagene zwei Tage auf den Spion gewartet hatte, dieser aber offensichtlich nicht aufgekreuzt war. Tsunade befürchtete zu Recht, dass man den Spion entlarvt und beseitigt hatte. Während Tsunade davon sprach, musste Iku sich ein fieses Grinsen schwer verkneifen. Oh, dieser Wurm hatte vielleicht um sein Leben gebettelt.
    Nach der Berichterstattung ging sie mit den beiden Jungen nach Hause.
    „Warum wart ihr bei Tsunade?“, erkundigte sich Iku bei den offensichtlichen Freunden dieser 'Ten'.
    Nun waren es alle beide Konohas, die verwirrt waren, TenTen würde doch niemals das '-sama' hinter ihrem früheren Vorbild vergessen.
    Allerdings sprach es keiner an und Neji erwiderte nur kühl: „Ging um eine Mission.“
    „Was für eine Mission?“, TenTen hätte direkt verstanden, dass sie nicht weiter fragen sollte, doch Iku war ja hier, um an Informationen zu kommen.
    Außerdem hatten Neji und sie schon zuvor eine ähnliche Unterhaltung gehabt, da ja eine Mission für sie zusammen angestanden hatte.
    Vielleicht war sie aber auch wirklich nur müde, so beschloss Neji, sie erst beim morgigen Training genauer im Auge zu behalten.
    „Wir dürfen nicht darüber sprechen“, brummte er kühl.
    Die Spionin war heilfroh, dass dieser weißäugige Typ sie bis zu ihrer Tür brachte. Zwar hatte sie dem Mädchen auch die Hausschlüssel abgenommen, aber sie hatten ja wirklich so gar keinen Ton aus der blöden Zicke herausbekommen, dementsprechend kannte sie auch ihre Adresse nicht. Zu Ikus Verwunderung war die gesamte Wohnung leer und es wies auch nichts darauf hin, dass hier noch andere Leute wohnen würden. Am nächsten Morgen blickte Iku stolz auf ihren Empfänger. Gestern hatte sie dem grünen Männchen unauffällig einen Peilsender an das Stirnband geheftet, da ihr am 'üblichen' Trainingsplatz nun wirklich nicht wirklich viel gesagt hatte.
    „Hallo, Jungs“, winkte sie fröhlich und hoffte, dass die Konoha-Kunoichi wirklich eine recht fröhliche Person war und sie sich gerade nicht völlig verriet.
    „TenTen“, strahlte sie der vermutliche, ehemalige Sensei an und Iku traute ihren Augen kaum, der Typ sah ja genau so aus wie das grüne Männchen gestern, nur in etwas älter. Sie trugen sogar den selben grünen Sportanzug. Die eindeutige Verwandtschaft der Beiden war kaum abzustreiten. „Du kommst genau richtig zum Aufwärmtraining! Erst übt ihr tausend-fünfhundert Faustschläge und dann folgen direkt die zweitausend Fußtritte!“, rief Gai enthusiastisch.
    „Ja!“, stimmte auch die kleinere Version viel zu laut mit ein. „Und wenn wir das nicht schaffen, müssen wir siebenhundert Runden um ganz Konoha laufen! Auf den Händen!“
    >Das kann nur ein schlechter Scherz sein! Das meinen die doch niemals ernst!<, dachte Iku, wie sehr sie sich täuschte.
    So langsam verstand die erwachsene Kunoichi, warum das Mädchen auch nach der schlaflosen Nacht und gegen fünf ausgebildete Anbu erschreckend lange durchgehalten hatte. Diese TenTen hatte bis zum äußersten gekämpft und selbst dass sie offensichtlich im Nachteil war, hatte sie keine Anstalten gemacht, aufzugeben. Tatsächlich empfand Iku einen gewissen Respekt dem Mädchen gegenüber.

    Schließlich hatte sie es tatsächlich geschafft und setzte sich völlig fertig unter einen Baum.
    „Ten-chan, wo bleibst du?“, Lee sprang auf und ab, er wollte weiter Trainieren, diesmal den Kampf.
    Beinahe gänzlich am Ende ihrer Kräfte rief sie nur zurück: „Ich trinke nur kurz etwas.“
    Schließlich rang sie sich wieder auf die schlappen Beine und erinnerte sich erneut an den Kampfstil des Mädchens. Sie zog eine Schriftrolle heraus und versuchte so viel zu beschwören, wie sie konnte, was nicht annähernd an das herankam, dass diese TenTen ihr vorher in völlig übermüdetem Zustand gezeigt hatte.
    Nun war sich Neji endgültig sicher: Das konnte nicht TenTen sein. Mit einem gezielten Schlag mit dem Juken, setzte er sie außer Gefecht. Schwer spuckte Iku Blut und brach zusammen, das Verwandlungsjutsu schaffte sie nun auch nicht mehr aufrecht zu erhalten.
    „Du greifst deine Freundin mit einem solchen Jutsu an? Willst du mich verarschen!“, keifte Iku ungehalten.
    „Ich bitte dich“, knurrte Neji gefährlich. „Das du nicht TenTen bist, erkennt man jawohl sofort. Sie ist sehr viel schneller als du, geschickter und sie würde nie ihre Deckung so sehr vernachlässigen. Mal davon abgesehen, verhält sie sich auch ganz anders. Also wer bist du? Und wo ist TenTen?“
    Der Hyuuga strahlte eine Kälte und Bedrohung aus, die selbst Gai und Lee gänzlich unbekannt war. Da sie nicht antworten wollte, schleifte das Team sie kurzer Hand zu Tsunades Büro, erklärten dieser die Situation und ließen einen Yamanaka ihr Hirn durchforsten. Nachdem sie gefunden hatten, was sie brauchten, schickte Tsunade die Drei mit einige Chu-Nin sofort los, um ihre ehemalige Teamkollegin zu retten.
    Nie zuvor hatte Team Gai ein so hohes, gestresstes Durchschnittstempo, bei welchem die anderen Teammitglieder wirklich keine Chance hatten mitzuhalten.

    2
    Die Rettung



    Schon wieder banden sie TenTen an einem Stuhl fest und versuchten unter Schmerzeinfluss an Informationen zu gelangen, doch hielt sie noch durch. Beinahe war es unerträglich, doch sie schaffte es, ihnen nicht das zu geben, was sie wollten. Wie lange sie nun schon hier war, wusste sie nicht mehr. Mittlerweile hatte die junge Kunoichi einen neuen Folterer, der noch grausamer war, als der vorherige. Dieses Mal nahm er einen Metallstab zur Hand, dessen Spitze verdächtig rot leuchtete. Gnadenlos bohrte er das glühende Ding in TenTens Schulter.
    So laut sie konnte schrie sie auf. Schrie. In der naiven Hoffnung es könnte den Schmerz auch nur ein wenig lindern.

    „AHHHHH!“, drang es selbst zu den Konoha-Nins, die gerade die ersten Wachen des Gefangenenlagers kurz hinter der Grenze zu Taki-Gakure ausschalteten.
    „Das war TenTen“, bemerkte Lee überflüssigerweise.
    Auch Gai und Neji hatten die Stimme sofort erkannt. So schnell sie konnten, kämpften sie sich zu ihr durch. Ihre immer wiederkehrenden Schmerzensschreie sorgten zwar dafür, dass sie sich umso mehr beeilten, doch auch dafür, dass selbst Neji etwas unvorsichtig wurde und das obwohl er gerade Lee die ganze Zeit dafür maßregelte vorsichtiger zu sein.
    Der muskulöse, vernarbte Mann zog abermals den Stab wieder aus TenTens Fleisch heraus, diesmal aus ihrem Oberschenkel. Ihr Schreien verstummte und sie atmete unter Tränen schwer.
    Gefühlskalt legte der Mann den Stab zurück in die Glut und fragte gefährlich: „Umentschieden?“
    „Nie … mals“, schaffte sie gerade so zu keuchen, bevor der Mann einen weiteren, schon vorgeglühten Stab erneut in ihrer Schulter versenkte. „AHHHH!“
    „Dachte ich mir“, erklärte er nur gelassen.
    Wieder schrie das Mädchen aus vollster Kehle, die schon ganz wund war und bei jedem Weiteren ihrer heiseres Schreie zu brennen begann.
    Urplötzlich sprang die Tür auf, beinahe desinteressiert blickte der Mann zu dieser. Als er realisierte, dass es keiner seiner Verbündeten war, schmiss er reflexartig den Metallstab aus TenTens Schulter gen Tür.
    „Scheint als wären deine Freunde aufgetaucht, Schätzchen“, grinste er irrwitzig. „Ich werde auch sie einfangen. Die sind doch bestimmt gesprächiger als du.“
    Fast hätte Neji seinen eigenen Augen nicht getraut: Ihr Gesicht war so geschwollen, dass man TenTen fast nicht mehr erkennen konnte, ihre Klamotten hingen in blutigen Fetzen, die Haare hingen schlaff und verfilzt herunter, kaum ein Fleckchen ihrer Haut färbte sich nicht in einem dunklen Lila.
    „Neji“, riss Gai seinen ehemaligen Schüler aus der Schockstarre. „Lee und ich werden ihn ablenken, in der Zeit schaffst du TenTen hier raus.“
    „Oh, du bist also der sagenumwobene Neji. Siehst du, Schätzchen, die sind jetzt schon gesprächiger als du. Jetzt kenne ich endlich mal deinen Namen, TenTen“, lachte er irre und stellte sich mit gezücktem Schwert vor die Kunoichi, starrte in die weißen hasserfüllten Augen. “Du hast Geschmack, Mädchen. Oh, ich wüsste nur zu gerne, was ihm in deinem Köpfchen alles passiert ist. Meinst du, ich kann das noch übertreffen, Schätzchen?”
    Trotz erschreckend harter Gegenwehr und immer wieder eintrudelnder Verstärkung ging Gais Plan auf und nachdem Neji mit TenTen aus der Tür verschwunden war, zündete Lee eine Rauchbombe. Er und sein Sensei sowie die Konoha-Chu-Nin flohen. Erst hinter der Grenze zu Taki-Gakure machten sie Halt, um TenTen zu verarzten.
    „Ich hätte damit rechnen sollen, dass es eine Falle ist“, presste sie vorwurfsvoll hervor. „Als ob sich ein Spion derart verspäten würde“, sie ignorierte die mehrfachen Anmerkungen, dass sie besser nicht sprechen sollte. „Es … tut mir … Leid“, ihre Stimme bröckelte und ihr brannten salzige Tränen in den Augen. „Ich war unvorsichtig- Ich-“
    Fast sauer drückte Neji ihr die Hand auf den Mund. Wäre er nicht so besorgt um sie, wäre er jetzt vermutlich wirklich aufgebracht.
    „Man kann auch nicht immer mit Allem rechnen“, erklärte Gai liebevoll.
    Auch wenn ihr Mund nicht zugehalten werden würde, wüsste TenTen keine Antwort, so schloss sie nur die Augen und versuchte sich etwas auszuruhen. Doch der Sanitätsninja konnte auch nur erste Hilfe leisten und notdürftig die meisten Blutungen stillen. Jetzt musste sich das Team auch beeilen, falls die Taki-Nins die Verfolgung aufnehmen würden und so nahm Neji TenTen wieder huckepack und sie eilten weiter. Besorgt spürte Neji die schwere, ungleichmäßige Atmung an seinem Rücken. Das einzige Mädchen, das er wirklich schätzte, war in einem solchen Zustand und er konnte nichts tun, außer sie so schnell wie möglich nach Konoha zu schaffen. Doch auch das würde schwierig werden, für den Weg nach Konoha lag noch ein zwei-Tages-Marsch vor ihnen und auch wenn sie die Pause in der Nacht strichen, würde sie noch eine ganze Weile durchhalten müssen.

    Erst nach einer halben Ewigkeit schlug sie die Augen wieder auf. Mit jedem Sprung, den Neji tat, zog sich ein stechender Schmerz durch ihren Unterleib bis in ihre Brust hinein, verzweifelt versuchte sie es irgendwie zu vertuschen, achtete betont auf ihre Atmung und Mimik, begann allerdings schließlich ein wenig zu husten, immerhin war ihr gesamter Hals von dem vielen Schreien völlig gereizt.
    “Alles in Ordnung?”, fragte Neji sofort und bemerkte natürlich direkt, wie sie versuchte unauffällig etwas an ihrem Oberteil abzuwischen.
    Leicht begann TenTen zu nicken und hoffte inständig, dass niemandem auffiel, dass sie gerade Blut ausgehustet hatte: “Zumindest besser als vorher. Ich-ich kann aber bestimmt auch selbst laufen, das wird schon.”
    “Kommt auf keinen Fall in Frage!”, rief Gai aus und sprang neben die Beiden. “Selbst wenn du das könntest, besteht die Möglichkeit, dass die Taki-Nins uns noch immer folgen und du wärst in deinem Zustand viel zu langsam. Mal davon abgesehen, dass es unverantwortlich wäre, dich mit den Verletzungen selbst laufen zu lassen.”
    Auf der anderen Seite sprang Lee zu ihnen: “Aber ich könnte sie auch mal nehmen Neji”, versicherte er. “Immerhin trägst du sie jetzt schon weit über die Hälfte der Strecke, wenn du erschöpft bist-”
    “Das passt schon”, stellte der Hyuuga überraschend herrisch klar. “Schwer ist sie nun wirklich nicht, außerdem müssen wir unser Tempo halten, ein Wechsel wäre bloße Zeitverschwendung.”
    Überrascht blickte TenTen hinter ihren geschwollenen Wangen und Augenlidern hervor. Wie lange hatte sie denn geschlafen? Und vor allem hatte Neji und nicht nur er das ganze Team seit dem keine einzige Pause eingelegt?
    Urplötzlich stieg eine Übelkeit in dem Mädchen auf, wie sie sie zuvor noch nie verspürt hatte.
    Leicht klopfte sie gegen Nejis Schulter und röchelte: “Lass mich runter … sofort.”
    So schnell sie ihre wackeligen Beine trugen, taumelte sie ein wenig von ihren Freunden weg und übergab sich schließlich auf dem freien Waldboden, bevor sie sich nicht mehr halten konnte, auf alle Viere stürzte und sich wieder übergab. Es war kein hochgewürgter Essensbrei, schließlich hatten ihr die Takis doch überhaupt kein Essen gegeben. Nein, sie brach schlichtweg einfach nur einen Haufen Blut aus, vielleicht war es gemischt mit ein wenig Magensäure, doch primär war es tiefrotes Blut.
    “TenTen!”, Neji kniete sich zu ihr und zog einige ihrer Haare zurück, bevor er wieder zu Gai sah. “Wann kommen denn endlich die Medic-Nins?”
    “Mir wurde nur gesagt, dass sie unterwegs seien und sie uns entgegen kommen, aber sie waren vorher wohl noch auf einer anderen Mission, deswegen kann ich dir nicht sagen, wo wir sie treffen werden”, erklärte der ehemalige Sensei sorgenvoll.
    Doch wie aufs Stichwort hörten sie nun Inos entfernte Stimme: “Haaallo!”
    In einer ordentlichen Geschwindigkeit, die keineswegs an die des Rettungsteams heran reichte, kam das Vierer-Team der Mediziner angestürmt. Die Begleitung von Team Gai hatte sich seit dem Stop auf einige Wurzeln gesetzt und versuchten irgendwie wieder zu Kräften zu kommen. Wie konnten diese Drei nur so eine Energie haben, selbst wenn es um eine ehemalige Teamkameradin ging, war das doch etwas übertrieben, fanden sie. Immerhin hatten ihre Füße sie nur noch wegen den vielen Nahrungspillen getragen, während diese Drei kaum welche zu sich genommen hatten.
    Schnell hatte Ino sich ebenfalls zu TenTen gekniet, die sich nur schwer noch in dieser Position halten konnte. Besorgt inspizierte Ino das erbrochene Blut.
    “Das sieht gar nicht gut aus”, befand sie und leitete ihr Team an, ihr zu assistieren.
    Erst legten sie sie auf den Rücken und begannen dann sogleich weitere inneren Blutungen zu stillen, ehe sie sich an die Äußeren machten.
    Nach Außen hin blieb Neji als Einziger des Teams sehr gefasst, tronte regelrecht auf einer Wurzel und beobachtete jeden einzelnen Schritt übergenau, als wüsste er besser, was die Medic-Nins zu tun hatten, als es diese selbst wussten. Rhythmisch tippte sein rechter Zeigefinger immer wieder aufs Neue auf den linken Oberarm. Es machte keinerlei Geräusche und auch seine Miene wirkte regelrecht kühl und gefasst, doch bemerkten Gai und Lee neben ihrer eigenen Angst um TenTen auch ganz eindeutig seine große Sorge, die allen anderen Anwesenden völlig unbemerkt blieb. Jene Begleiter des Teams fragten sich sogar schon, warum auch gerade er sie alle so gehetzt hatte, wenn es ihm doch ohnehin kaum wichtig zu sein schien.
    “Was ist denn nur passiert?”, fragte Ino schockiert, als sie eine der vielen Verletzungen an einem ihrer Beine zu desinfizieren begann.
    “Das war nur ein Kunai”, erklärte TenTen heiser, als sie beobachtete, an welcher der Wunden sich Ino gerade zu schaffen machte. “Es tat kaum weh, das war gar nicht so schlimm.”
    “Aber es ist irgendwie verätzt, eine normale Kunai-Verletzung würde ganz anders aussehen”, erklärte Ino, während sie achtsam eine Salbe auftrug.
    Nun wandte sich TenTens Blick ab, eigentlich hätte sie es lieber noch verheimlicht, damit es ihr Team nicht erfuhr, aber einen Mediziner anzulügen, könnte fatale Folgen für sie haben: “An seinem Messer war irgendeine Art Paste. Ich weiß nicht genau, was es war, aber es ließ mich halluzinieren. Ich habe diese Halluzinationen nicht nur gesehen und gehört, sondern bildete ich mir auch ein es riechen und sogar spüren zu können. Vielleicht war es auch ein sehr gutes Gen-Jutsu, aber das bezweifle ich, weil in diesen Halluzinationen Dinge passiert und Personen aufgetaucht sind, von denen sie nicht hätten wissen können, dass es mich verletzt oder dass ich sie überhaupt kenne”, erklärte sie ausführlich, auch wenn ihre Stimme heiser, kratzig und sehr leise war.
    Neji und auch die anderen beiden Teammitglieder achteten auf jedes einzelne ihrer Worte, obwohl ihnen klar war, dass es nicht für ihre Ohren bestimmt war. So leise sie auch sprach, sie wollten wissen, was ihr widerfahren war, wovor sie sie nicht hatten bewahren können.
    Die Erinnerung traf TenTen wie ein Schlag und sie richtete sich gegen den Rat der Medics in den Sitz auf und machte Anstalten weiter aufzustehen: “Wir müssen weiter. Vielleicht kommen sie uns sonst hinterher.”
    “Was hast du auf einmal? Bleib bitte liegen, TenTen. Keine Sorge, wir kommen noch rechtzeitig in Konoha an”, versuchte Ino sie zu beruhigen und drückte sie an ihrer Brust vorsichtig zurück Richtung Boden.
    Doch bäumte sich das verletzte Mädchen erschreckend stark gegen sie auf und wuchtete sich erst auf ihre Knie, um besser in den Stand gelangen zu können: “Du verstehst das nicht, Neji ist in Gefahr, wenn wir hier bleiben und vielleicht-”, daran wollte sie eigentlich überhaupt nicht denken. “Vielleicht haben sie auch schon andere eingeschleust. Auch Hinata-chan und jeder andere Hyuuga schwebt in Gefahr. Wir müssen sie sofort warnen! Sie wollen an das Byakugan, dass war der einzige Grund, warum Neji mit auf die Mission sollte! Und-und wenn wir seine Familie nicht warnen, wird vielleicht noch jemand entführt und die haben sicher keine Skrupel jemandem die Augen rauszuschneiden, dass kannst du mir glauben!”
    Mittlerweile stand sie, wie auch immer ihre schwachen Beine das schafften, sie krallte sich an Inos Kragen fest, um sie zu überzeugen. Als die Yamanaka jedoch nur irritiert von ihrem einen Auge wieder zurück zum Anderen starrte, schubste TenTen sie beiseite und ging in die Richtung in die sie auch vorher gelaufen waren. Nun gehen war vielleicht übertrieben, sie schleppte sich, doch deutlich schneller als es ihre Verletzungen, Inos Meinung nach, zulassen dürften. Sie musste fürchterliche Schmerzen haben, trotz des Schmerzmittels, welches sie ihr indiziert hatte und dennoch schaffte sie es, auf zwei Beinen ihren Weg fortzusetzen.
    “TenTen!”, sofort war Neji an ihrer Seite und stützte sie mit seinem kräftigen Arm.
    Was er jetzt tut sollte, wusste er auch nicht, einerseits musste er seinen Onkel informieren, andererseits konnte er ihr kaum zumuten die anderen Verletzungen erst zu versorgen, wenn sie schon in Konoha angekommen waren.
    “Neji”, sie sah ihn überzeugt an, erst Recht als sie den kaum wahrnehmbaren Zwiespalt in seinem Blick sah. “Ihr habt keine Pause gemacht, stimmt’s? Genau das ist ihre Taktik. Wenn ihr alle erschöpft und übermüdet seid, dann werden sie uns angreifen. Wir müssen jetzt weiter und so schnell wie möglich deine Familie warnen. Du weißt, dass du für diese Mission bestimmt warst, das heißt, es ist denen völlig egal, ob ihr Byakugan-Träger nun von der Hauptfamilie ist, oder nicht. Wir müssen euch schützen”, fast schien sie ihn überzeugt zu haben und als nur noch das letzte Bisschen Zweifel in seinem Blick aufleuchtete, fügte sie noch an. “Bitte”, wieder wartete sie einen Moment, als in seinem Innern wohl erneut, die Sorge um sie zu gewinnen begann. “Lass’ das alles bitte nicht umsonst gewesen sein. Ich ertrag das nicht, wenn nur wegen mir einem Hyuuga etwas passieren würde, bitte Neji.”
    Schwer schluckte er. Was sollte er denn auf sowas nur erwidern können? Er könnte ihr die Bitte nicht abschlagen, aber er könnte doch genauso wenig riskieren, dass TenTen länger als nötig diesen Schmerzen ausgesetzt war, außerdem was wäre wenn, sie ernsthafte Schäden davontragen würden?
    Schließlich gewann ihre Bitte, hatte sie doch so viel Hoffnung in ihre Stimme gelegt. Er setzte sie wieder auf den Boden und hockte sich vor sie: “Los, komm’. Wir sind schneller in Konoha und bei einem Krankenhaus, wenn ich dich trage. Lee! Du läufst vor und warnst Hinata, sie soll es ihrem Vater erklären. Ich komme dann nach”, Nejis Worte klangen wie ein Befehl.
    Natürlich war ihm klar, dass er Lee in Sachen Geschwindigkeit nicht das Wasser reichen konnte und er war auch der Meinung, dass ihr Wohl weit über dem eines jeden Hyuugas stand und für ihre Gesundheit demnach schneller gesorgt werden sollte, als für die Sicherheit seiner Familie, doch könnte er es sich in dieser Situation auch nicht verzeihen, TenTen aus den Augen zu lassen.
    Zwar wollte auch Lee nur ungern in dieser Situation von der Seite seiner besten Freundin weichen, doch befolgte er Nejis Befehl und lief so schnell er konnte los. Sie war seine beste Freundin und er wollte gerade jetzt natürlich bei ihr sein, aber selbst wenn sie gesund war, wurde ihr oft übel, wenn er sie bei den Geschwindigkeiten trug und er war sich sicher, dass es in ihrem jetzigen sicher nicht förderlich war. Außerdem hatte Neji eine solche Präsenz und Entschlossenheit ausgestrahlt, obwohl Lee sich sicher war, dass er sich in diesem Moment ziemlich unsicher gewesen sein musste, dass ihm gar keine Möglichkeit blieb zu widersprechen.

    Die ersten paar Meter war er noch hinter seinem Teamkameraden hergekommen, doch schon nach kurzer Zeit hatte Lee Neji gnadenlos abgehängt. Anfangs hatte die Medic-Nins und auch Gai-Sensei gegen Nejis Beschluss demonstriert, doch mittlerweile folgten den Beiden all diese Konoha-Nins, selbst wenn gerade Ino noch immer oft genug ihren Unmut darüber kund tat.
    Gai lief als einziger neben den Beiden, während alle anderen Probleme zu haben schienen, überhaupt mithalten zu können.
    Erst als sie schließlich in Konoha ankamen, drosselte sich so langsam die Geschwindigkeit des Hyuuga. Obwohl er sich dennoch nichts aus Höflichkeiten machte, niemanden am Tor grüßte und zielstrebig über die Hausdächer einiger Anwohner sprang, um schließlich völlig fertig im Krankenhaus in der Notaufnahme anzukommen und TenTen in die fähigen Hände von Shizune gab, die sofort einige Andere zusammen rief und sie mitnahm.
    Shizune hatte ihm gesagt, er könne hier warten, bis sie fertig waren und TenTen wieder außer Gefahr wäre. Doch wie könnte er hier sitzen bleiben und nicht sofort zur Berichterstattung zu seinem Onkel eilen? Wieso blieb er dennoch hier sitzen? Wieso rührte er sich nicht, wo er doch um seine Pflichten Bescheid wusste? Und wieso machte ihn das ständige Auf- und Abgelaufe seines ehemaligen Senseis nicht völlig kirre?
    Nach einigen Minuten kam auch Lee zu ihnen gestoßen, er schien schon mit Hinata gesprochen zu haben und erkundigte sich sofort nach TenTens Wohlergehen.
    “Noch wissen wir auch nichts genaues. Verzeih’, ich hätte sofort zu dir kommen sollen”, entschuldigte sich Neji direkt und machte keinerlei anstalten es jetzt zu ändern und zu seiner Familie zu gehen.
    “Wo-wo ist sie?”, schwer atmend kam hinter Lee nun auch Hinata durch die Türe und mit ihr auch Shino und Kiba.
    Nach dem ersten, überraschten Blick nickte ihr Cousin nur zu einer der Türen, an der ein rotes Licht leuchtete.

    Nach einigen Stunden qualvollem Wartens kam Shizune aus dem Raum wieder heraus, lächelte und erklärte, dass sie erst einmal zur Beobachtung dort bleiben müsse und etwas Ruhe brauchte, sie aber vorerst außer Lebensgefahr wäre.
    Da sie selbstverständlich noch narkotisiert war, war ihr Besuch, während sie auf ihr Zimmer gefahren wurde, eher weniger befriedigend.
    Als TenTen ihre Augen aufschlug, war sie allein. Das Zimmer, in dem sie sich umsah, war eindeutig ein Krankenzimmer, auch wenn es sehr dunkel war. Zu Beginn besah sie sich erst einmal ihrer Lage. Wie sahen ihre Arme und Beine aus? Wie ihr Bauch? Und was war dieses Ding auf ihrem Gesicht?
    Erst im zweiten Moment erkannte sie all diese Verbände, da der schnelle Wechsel ihrer angesehenen Punkte nur langsam von ihren Augen kompensiert wurde und so alles zu Beginn etwas schwammig aussah. Das ‘Ding’ auf ihrem Gesicht war eine Sauerstoffmaske. War es wirklich so schlimm gewesen?
    Schon nach den ersten Augenblicken beschloss sie aufzustehen, immerhin schien sie mittlerweile keine Schmerzen mehr zu haben. Dass sie voll auf Schmerzmitteln war und das sie gerade deswegen besser nicht aufstehen sollte, weil ihre gesamte Wahrnehmung noch völlig getrübt und irritiert war, realisierte sie gar nicht. Bemerkte jedoch, dass die Infusion sie behindern würde und zog sich, ohne weiter darüber nachzudenken, die Nadel heraus.
    Schwer torkelte sie zur Türe, was sie draußen wollte, wusste sie noch nicht, aber sie hatte diesen fürchterlichen Drang sich zu bewegen. Woher er so plötzlich kam, wusste sie ebenfalls nicht und wo sie hin wollte, konnte sie auch nicht sagen. Als sie die Türe einen Spalt breit öffnete, sah sie die Nachtschwester zu einem Zimmer eilen, dass geklingelt hatte. Sie nutzte die Chance, dass sie jetzt vermutlich nicht allzu schnell aufgehalten wurde und ging zu den Aufzügen. Im Erdgeschoss suchte sie ein Fenster, schließlich wusste sie nicht, ob sie die Schwester beim Nachteingang wieder zurück auf das Zimmer schicken würde.
    Nachdem sie aus dem großen Fenster geklettert war, vertrat sie sich draußen etwas die Füße. Suchte sich einen schönen Platz auf einer Lichtung in dem Wald direkt neben dem Krankenhaus und setzte sich auf einen alten Baumstumpf. Der Himmel sah umwerfend aus, überall glitzerten unzählige Sterne über dem sonst so tiefen Schwarz, kurz hatte TenTen nach dem Mond gesucht, bis ihr auffiel, dass er sich wohl für die heutige Nacht nicht zeigen würde. War denn wirklich schon Neumond?
    “Solltest du wirklich hier draußen sitzen?”, hörte sie Gais vorwurfsvolle Stimme aus der Dunkelheit und drehte ihren Kopf in seine RIchtung.
    “Ich konnte nicht länger bewegungslos da herum liegen”, erklärte sie, lächelte und tat so, als hätte sie es tatsächlich versucht gehabt. “Außerdem ist die Nacht so wunderschön.”
    Gai trat aus dem Schatten heraus und bot ihr seinen Arm an: “Gehen wir ein Stück?”
    Zwar hatte sie mittlerweile einen etwas sichereren Gang als zuvor, als sie aufgestanden war, doch war sie dennoch dankbar für die angebotene Stütze, auch wenn sie schon vermutete, dass er sie zurück ins Krankenhaus bringen würde. Natürlich brachte er sie zurück, auch wenn er zuvor einen Umweg machte, um sich mit ihr ein wenig zu unterhalten.
    Gai-Sensei erklärte ihr, dass Inobu in ihren Erinnerungen gesucht hatte, um herauszufinden, wie viele Informationen TenTen preisgegeben hatte und wie beeindruckt er von dem Durchhaltevermögen der Waffenspezialistin war. Normalerweise würde auch ein Jo-Nin bei solch furchtbaren, körperlichen Qualen zu reden beginnen. Auch bei den Halluzinationen und den Gen-Jutsu war sie standfest geblieben, obwohl sie unheimlich darunter gelitten zu haben schien. Dann begann Gai zu erzählen, dass Inobu ihm verraten hätte, was sie ihr gezeigt hatten und was ihr so nahe gegangen war, dass sie beinahe doch zu reden begonnen hätte.
    Wie angewurzelt blieb TenTen stehen. Erst jetzt fiel es ihr wieder ein und sie schlug sich die Hand auf den Mund, um sich nicht wieder übergeben zu müssen.
    “Sie … sie haben Hyuuga-Kindern die Augen herausgeschnitten”, stammelte sie paralysiert.
    Allein bei der Erinnerung kam ihr die Galle hoch und ließen ihre Augen vor Tränen überquellen.
    “Ich hab ihnen gesagt, ich würde sie da raus holen. Ich muss zurück”, schluchzte sie, hörte Gais Beruhigungsversuche nicht einmal. Urplötzlich schaute sie auf und krallte sich in Gais grünen Anzug. “Es war ein Gen-Jutsu, oder? Sag mir, dass es ein Gen-Jutsu war! Sie haben nicht wirklich- Oh Gott, sie haben so laut geschrien.”
    “TenTen, beruhige dich”, unterbrach er sie immer wieder, wovon sie sich gar nicht irritieren ließ, bis sie ihn fordernd nach einer Antwort anstarrte. “Keine Sorge, es war nicht real. Beruhige dich, du darfst dich im Moment nicht so sehr aufregen”, schützend schloss der ehemalige Sensei sie in eine Umarmung. “Bitte, bitte beruhige dich. Das ist nie passiert, Nejis Familie weiß Bescheid und keiner von ihnen ist verschwunden. Ihnen geht es gut, auch den Kindern.”
    Die Zeit verging, während Gai TenTen noch immer tröstete. Vermutlich hätte er sie gar nicht so früh auf diese furchtbaren Erinnerungen angesprochen, aber wenn er es nicht tat, würden es die Ärzte tun. Außerdem hatte sie in jeder Halluzination, die durch ein Gift hervorgerufen wurde, immer nur eine einzige Person gesehen, dem in diesen Visionen sogar noch schrecklichere Dinge widerfahren waren, als TenTen sie hatte ertragen müssen. Gleichzeitig war sein Name auch das Einzige, das sie aus ihr herausbekommen hatten.
    “TenTen”, mit beruhigendem Ton strich Gai ihr über den Rücken, er musste es wissen. “Du hast ihnen von Neji erzählt, stimmt’s?”
    Dem jungen Mädchen fiel alles aus dem Gesicht und auch ihre Beine gaben nach, ihre Stimme war nicht mehr als ein schwaches Hauchen: “Nein”, verzweifelt schüttelte sie langsam den Kopf, in dem Wissen, dass es falsch war, dass sie seinen Namen preisgegeben hatte. “Nein, das wollte ich nicht”, langsam ließ Gai sie herunter, dass sie auf dem Boden sitzen konnte. Während er sie weiterhin in dieser Umarmung hielt, prasselten all die fürchterlichen Erinnerungen wieder auf sie ein. “Neji”, schwer schluchzte sie seinen Namen. “Es tut mir Leid, es tut mir so Leid. Dass-dass- Ihm geht es doch gut, oder?”
    Gai nickte langsam, streichelte ihr behutsam durch das offene Haar.
    “Aber ich hab’ nichts gesagt, au-außer seinem Namen, oder?”, hoffnungsvoll blickte sie ihren früheren Lehrer an, versuchte eine Antwort aus seinem Blick zu deuten.
    Gequält lächelte er sie an: “Hast du nicht. Nur wie du zu ihm stehst.”
    Erschöpft ließ sie ihren Kopf hängen, begleitet von einem erleichterten Lächeln: “Das ist gut.”
    Sie erinnerte sich an die Szene, vermutlich hatten sie seinen Namen schon öfter gehört und hatten einfach erfahren wollen, wer er war, denn diese Halluzination war weniger schlimm, als die Anderen.
    Neji war stark verletzt und lag blutend am Boden. Irgendwie hatte TenTen es geschafft seinen Peiniger nieder zu schlagen, obwohl es auch ihr schwer fiel, sich auf den Beinen zu halten.

    -
    “Neji”, röchelte sie schwer und schleppte sich näher an ihn heran, begann schwerfällig etwas auf seine nicht enden wollende Blutung zu pressen.
    “Hau ab, TenTen”, keuchte er, bevor er Blut hustete. “Bring dich in Sicherheit. Warum verschwindest du nicht?”
    Selbst in der Illusion war vor ihren Augen fast alles verschwommen: “Was soll die blöde Frage? Ich lass dich nicht zurück, lieber würde ich sterben.”
    “Nein”, Neji hatte ihre Hand genommen und von seiner Verletzung weggenommen. “Warum solltest du das tun?”
    In ihre braunen Rehaugen stiegen Tränen, als sie die Kraft verlor, sich selbst zu halten und auf seinen blutigen Oberkörper herab stürzte: “Weil ich dich liebe. Ich kann dich nicht hier lassen, ich kann dich nicht sterben lassen.”
    In diesem Moment hatte ihn jemand mit einem Schwert durchbohrt und ihren kraftlosen Körper an den Haaren emporgezogen. TenTen hatte geschrien, hatte versucht sich zu wehren und hatte ihm sogar einen kleinen Hieb verpassen können, wodurch sie kurz losgelassen wurde. Leidend und völlig verzweifelt war sie auf allen Vieren zu ihm gekrabbelt, schmerzen in jeder einzelnen Gliedmaße. Nur Zentimeter, bevor sie bei ihrem Hyuuga ankam, schnappte sich jemand ihr Bein. Verbissen hatte sie nach diesem Typen getreten, hatte ihre Fingernägel in den Zwischenraum zweier Fliesen geschlagen und so lange versucht der Kraft des Mannes zu widerstehen. So aussichtslos diese Lage auch war, streckte TenTen eine Hand nach Nejis Bein aus, bis die Fingernägel ihrer anderen Hand sich von ihrem Fleisch lösten und sie mitgeschleift wurde. Leidend hatte sie geschrien, hatte sich immer wieder versucht am rutschigen Boden fest zu halten und sie hatte geweint, geweint wie sie es nicht einmal nach dem Tod ihrer Eltern getan hatte.
    Dann war sie wieder aufgewacht und hatte in dieses verrückte, bösartige Grinsen geblickt.
    -

    Aus leeren, gebrochenen Augen betrachtete TenTen ihre Fingernägel. Sie waren rissig und teilweise, fehlten sie auch, doch dass sie an dieser Hand noch welche besaß, bestätigte ihr, dass es nicht real gewesen war.
    “Sie haben ihn umgebracht”, erzählte das Mädchen entmutigt und brach mit dieser Art, die sonst so gar nicht zu ihr passte, ihrem alten Sensei das Herz. “Sie haben ihn so unzählige Male umgebracht.”
    Bevor Gai etwas erwidern konnte, obwohl er auch nicht wusste, was er hätte sagen sollen, überkam TenTen ein Hustenkrampf, der erst nach mehreren Minuten ein Ende fand, als das ausgehustete Blut schon von ihrer Hand herunter tropfte.
    Zum Glück reagierte Gai sehr schnell und präsent, er hob die junge Kunoichi hoch und lief mit ihr zurück ins Krankenhaus, wo er kein Geheimnis daraus machte, dass sie abgehauen war.

    3
    Die Erinnerung




    Am nächsten Morgen kam Neji noch vor der regulären Besuchszeit ins Krankenhaus. Er hatte sich am gestrigen Abend noch mit seinem Onkel über die Vorkommnisse unterhalten, auch wenn er etwas weniger anwesend gewesen war, als sonst. Immer wieder war er mit den Gedanken an seine ehemalige Teamkameradin abgeschwifen.
    Als wäre ihr Zustand nicht schon genug für den jungen Jo-Nin, sollte er noch von den Yamanakas vollständigen Einblick in ihre Erfahrungen bekommen.
    “Nanu? Shikamaru, was tust du hier?”, eigentlich hatte Neji damit gerechnet niemanden außer TenTen in ihrem Zimmer anzutreffe, vielleicht noch Gai, Lee oder eines der Mädchen, aber den Nara-Jungen hatte er wirklich nicht erwartet.
    Genervt seufzte er auf und stand auf: “Ich wurde dazu abgestempelt, Wachhund zu spielen”, sein Blick zeichnete seine Missgunst, als er zu ihr sah. “Also echt, und ich dachte, sie wäre noch die Vernünftigste von euch, aber nein, Madam muss mitten in der Nacht abhauen und wundert sich dann, dass sie kollabiert. Warum ausgerechnet ich so einen ätzenden Job machen muss, weiß ich aber auch nicht.”
    “Sie ist kollabiert?”, besorgt wanderte das helle Weiß zu der schlafenden Patientin herüber.
    “Ja, aber ich muss echt dringend mal auf’s Klo, halt also kurz die Stellung”, wies Shikamaru ihn genervt an, fügte, als er schon in der Tür stand, noch an. “Sie pennt eh die ganze Zeit, solltest du also hinbekommen.”
    Nachdem der Chu-Nin die Tür hinter sich geschlossen hatte, setzte sich der Hyuuga zu ihr ans Bett und strich ihr vorsichtig eine Strähne aus dem Gesicht.
    “Was machst du denn nur?”
    Seine Stimme hatte wenig beruhigenden Effekt, ihr Puls schoss in die Höhe, denn sie hatte ihn auch in ihrem Traum gehört. Einem Traum in welchem sie sich augenblicklich wieder an all die Illusionen über Neji erinnerte, was sie ihm antaten. Wie sie ihn vor ihren Augen quälten und auch wie sie ihn immer wieder töteten.
    “Neji!”, rief sie unter Tränen, während sie halbwach aber hastik sich in den Sitz beförderte.
    Einige Sekunden blickte er sie überrascht an, bis er ihre Tränen auf die Decke tropfen sah: “TenTen, was ist los?”
    “Neji?”
    Es schmerze ihn, dass sie ihm einen solch verletzten Blick schenkte, ehe sie ihn leidend in eine feste Umarmung zog und sich ihrer Trauer etwas mehr hingab. Sie zitterte und schluchzte, während Nejis Schulter feucht wurde.
    So leise, dass es keiner von Beiden bemerkte, öffnete sich die Zimmertür erneut.
    Ihre Stimme war schwach, doch hörte er ihr intensiver zu als jemals zuvor: “Du lebst. Ich bin ja so froh.”
    Noch nie war der Hyuuga gut darin gewesen, jemanden zu trösten und auch jetzt fühlte er sich völlig aufgeschmissen.
    Warum machte sie sich denn ausgerechnet Sorgen um ihn? Immerhin war da genug, um dass sie sich derzeit sorgen konnte. Zum Beispiel darum wieder gesund zu werden.
    Zögerlich begann er ihren Rücken zu streicheln, dass hatte schon mal bei weinenden Kindern gesehen.
    “Bei mir steht das doch außer Frage”, murmelte er etwas abwesend.
    Einerseits hatte er das Gefühl, dass er etwas sagen musste. Andererseits begann TenTen nun noch mehr zu weinen und klammerte sich noch etwas fester an ihn.
    Klar, er sprach oft mit TenTen auch über ihre Probleme, aber er hatte sie selten so weinen sehn. Generell weinte sie fast nie. Selbst als er nach der Beerdigung ihrer Eltern mit ihr einen Spaziergang gemacht hatte, hatte sie nur wenige Tränen vergossen, hatte ihn sogar angewiesen, was er tun sollte, um sie zu trösten. Vermutlich war Neji in solchen Situationen der Letzte, den man sehen wollte. Zumindest war er das für jeden außer TenTen.
    Sie war stark und sie war sicher stärker als viele andere Kunoichi, dessen war sich Neji bewusst, aber sie scheute sich auch nicht ihre mentalen Schwächen zu zeigen und egal wie schlecht es ihr ging, sie hatte noch immer ein offenes Ohr für seine Probleme gehabt und hatte ihm immer einen schlauen Rat geben können.
    “Hey, Ten”, flüsterte er, selbst von diesem Anblick gequält. “Ich brauche deinen Rat.”
    Unter weiterem Schniefen riss sie sich ein wenig zusammen, es ließ die Erinnerungen verblassen, dass er mit ihr sprach.
    Allerdings schaffte sie es dennoch nicht, einen Satz zu bilden: “Hm?”
    “Meine beste Freundin weint. Was soll ich tun?”, fragte er sie gerade heraus, denn er wusste, dass sie die Einzige war, die ihm darauf eine Antwort geben konnte.
    Als er sie als ‘beste Freundin’ bezeichnete, hatte er kurz gestockt, war sie doch sehr viel mehr für ihn, als nur das.
    Ein zartes Lächeln schlich sich auf ihre Lippen und sogar lachte sie leicht auf. Er war doch einfach der Beste.
    “Schon gut”, langsam löste sie sich von ihm und lächelte ihn an, obwohl aus ihren geschwollenen Augen noch immer Tränen hervortraten. “Manchmal reicht es auch nichts zu sagen, danke.”
    Ein lautes Aufseufzen von der Tür riss ihre Aufmerksamkeit an sich, Shikamaru trat wieder herein, wie lange er da schon stand, konnte keiner von Beiden sagen: “Erinner’ mich daran, dich nicht noch einmal mit TenTen allein zulassen. Da ist man nicht mal fünf Minuten weg und schon hast du sie zu weinen gebracht.”
    Allerdings war Shikamaru nicht der Einzige gewesen, der in der Tür gestanden hatte, auch Gai und Lee standen dort mit Blumen in der Hand.
    Oh, Blumen. Ja, sowas war üblich, daran hätte auch Neji denken können. Immerhin hatte TenTen ihn schon mal gemaßregelt, dass man welche mitbrachte, als Lee damals so lange im Krankenhaus gelegen hatte.
    “TenTen-chan”, wimmerte Lee und rannte auf sie zu, fiel ihr stürmisch um den Hals.
    Schmerzerfüllte stöhnte die Patientin direkt auf, als er sie umarmte, allerdings schien er auch keinerlei Anstalten zu machen, sie loszulassen.
    “Lee, du tust ihr weh”, wies ihn der Hyuuga streng zurecht.
    Dieser wollte seine beste Freundin aber dennoch nicht loslassen: “Wir hätten das direkt bemerken sollen! Es tut mir so Leid, Ten-chan.”
    Die Tränen ihres besten Freundes ließen ihre mentale Stärke wieder durchscheinen. Auch wenn sie, wegen dieser viel zu festen und stürmischen Umarmung, wieder unter starken Schmerzen litt, lächelte sie nur fürsorglich und klopfte ein paar Mal auf Lees Rücken.
    “Alles gut”, beschwichtigte sie, spielte schon mit ihrer liebevollen Stimme ihre ertragenen Qualen herunter, die wohl nur Gai vollends verstand. “Mir geht es doch gut und ihr habt es wirklich schnell herausgefunden. Ich schaff’ das schon, immerhin hast du es damals auch geschafft, oder? Da wird das für mich doch ein Klacks! Haha-au!”
    Erst hatte sie kurz ganz selbstbewusst aufgelacht und sich durch den daraus resultierenden Schmerz direkt wieder verkrümmt.
    “Ten”, besorgt legte Neji eine Hand auf ihre Schulter, während er Lee vorwurfsvoll mit seinem weißen Blick durchbohrte.
    “Hey, TenTen”, lächelte nun auch der Sensei, dem es ebenfalls nicht entgangen war, dass das Mädchen die taffe Fassade nur Lee zu liebe aufgebaut hatte. “Ich hab dir ein paar Blumen mitgebracht. Ino meinte, dass du die magst.”
    Lächelnd betrachtete sie die Blumen, Ino hatte gelogen. Eigentlich wusste die blonde Kunoichi, dass TenTen andere Blumen sehr viel lieber mochte, aber die brachte man niemandem in ein Krankenhaus mit, sie standen eher für einen Verlust.
    “Danke, das ist lieb”, lächelte sie, als stimme es.
    “Ach, und Neji, draußen wartet Kou auf dich. Er sollte dich zu den Yamanakas begleiten”, erzählte Gai und als Neji nickte und sich auf den Weg machen wollte, hielt er ihn am Arm fest. “Neji, glaub’ mir, das willst du nicht sehen.”
    Genauestens kannte Gai sich vorstellen, wie sich der Hyuuga Vorwürfe machen würde, wenn er erfuhr, dass sie TenTen mit ihm hatten foltern können. Doch war dem Sensei auch klar, dass er der einzige Grund war, weshalb sie noch bei Verstand vor ihnen saß.
    Gewissenhaft sah Neji ihn an, den Zwiespalt, den er in sich trug, ließ er nicht nach außen durchscheinen: “Gai, ich muss das tun. Es könnten Informationen-”
    “Es wurden keine Informationen preisgegeben”, herrschte er ihn an. “Hör’ zu, diese Typen kannten deinen Namen, aber da hört es dann auch schon wieder auf. Ich hab es gesehen und dass möchte ich dir einfach nicht zu-”
    “Ahhh!”, schrie TenTen, wodurch sie die Männer unterbrach.
    Schreiend hielt sie sich den Kopf, der ihr das Gefühl gab, zu explodieren, während sie abermals von den Erinnerungen übermannt wurde. Ihr Puls, der sich auf einem der angeschlossenen Geräte abzeichnete, schoss maßlos in die Höhe. Viel zu schnell strömte die Luft in ihre Lungen hinein und wieder hinaus.
    Alarmiert sprang Shikamaru auf, als Einziger, der in dieser Situation zu wissen schien, was zu tun war, lief er auf den Flur und holte eine Pflegekraft.
    “Ten!”, Neji war direkt an ihrer Seite gewesen und hatte versucht sie dazu zu bringen, ihn anzusehen. “Hey, beruhig dich. Du bist in Sicherheit. Hey, Ten!”
    Erst als er sie ein wenig schüttelte, bemerkte sie ihn wieder und schaute zittrig zu ihm auf, während die Schwester ihr ein Beruhigungsmittel indizierte. Die Tränen, die gerade erst versiegt waren, liefen ihr nur so in Strömen wieder übers Gesicht.
    “Du-du darfst das nicht sehen, Neji”, hauchte sie noch, während das Sedativum zu wirken begann und sie langsam in seinem Arm zusammen sackte.
    Vorsichtig legte er das einzige Mädchen, dass ihn aus der Fassung bringen konnte, wieder richtig ins Bett.
    “Diese Flashbacks hat sie zwischendurch”, erklärte die Schwester und schraubte an einem Rädchen für die Infusion herum. “Das ist in ihrem Zustand leider noch normal, aber man sollte noch alle Andeutungen auf das Ereignis in ihrer Gegenwart zu minimieren. Du bist Neji, richtig?”, die Krankenschwester sah in die weißen Augen, die ihrer Patientin das ganze überhaupt erst eingebrockt hatten und nach welchen sie während ihren Albträumen immer wieder schrie. “Wenn du ihr diesen Willen abschlägst, solltest du vielleicht wissen. Dass die Taki-Nins die schlimmsten Gen-Jutsu hervorrufen können, die ich bisher behandelt habe. Die Meisten meiner Patienten haben danach unter Angststörungen gelitten. Wenn du es dir also immer noch angucken willst, bitte. Brich dem armen Mädchen ruhig das Herz.”
    Aufgebracht stürmte sie an ihnen vorbei. Diese jungen Ninjas wussten einfach nicht was gut für sie war!
    Auch Gai versuchte es noch einmal: “Selbst ich konnte es mir nicht komplett ansehen. Dein Onkel hat bestimmt auch Verständnis dafür.”
    Während er mit ihm sprach, beobachtete Neji lediglich TenTen, die mittlerweile schlief und als Gai fertig war, ging er einfach stumm aus dem Zimmer und von dort aus zu seinem Verwandten vor dem Krankenhaus. Eigentlich hatte Nejis Onkel ihm diese Aufgabe gar nicht geben wollen, weshalb es ihm jetzt schwer fiel, doch einen Rückzieher zu machen. Allerdings weigerte sich selbst Yonobu, jemandem diese Erinnerungen zu zeigen, der unter einem gewissen Alter war. Stattdessen hatte sich Nejis Begleitung, der es von Anfang an hatte übernehmen wollen, die Erinnerungen angesehen.
    Mehrfach hatte Kou abbrechen müssen, hatte sich übergeben und war dann erst wieder eingestiegen, wenn er sich etwas beruhigt hatte. Eigentlich hätte es sicher gereicht, wenn Yonobu diese Erinnerungen hätte ertragen müssen, doch wollte der Hyuuga-Clan auf Nummer sicher gehen. Falls dem Spezialisten nicht doch etwas entgangen war, deswegen hatte die Hauptfamilie beschlossen, dass es sich noch einmal jemand ansah, denen sie auch vertrauten. Erst am späten Nachmittag waren sie für heute fertig und es war für Neji sicher alles, aber nicht tröstlich, dass ein erwachsener, erfahrener Jo-Nin sich nicht länger als eine halbe Stunde die Erinnerungen seiner Kindheitsfreundin ansehen konnte, ohne zu kotzen.
    Auf dem Weg zum Hyuuga-Anwesen beschloss Kou, dass Neji ihn am nächsten Tag nicht mehr begleiten sollte und wandte sich mit dieser Bitte auch sogleich ohne Nejis Wissen an das Familienoberhaupt.

    4
    Der Abend mit ihm




    Am Abend bat Hinata ihn, mit ihr zusammen erneut zu TenTen ins Krankenhaus zu gehen, da sie für die Nacht zu ihrem Schutz eingeteilt war. Selbstverständlich schlug er diese Bitte nicht aus und ging mit seiner Cousine durch Konoha.

    Den ganzen Tag über hatte TenTen Besuch bekommen, den sie größtenteils komplett verschlafen hatte. Eigentlich hatte sie sogar nur mitbekommen, dass Shikamarus Wachschicht irgendwann von Sakura und schließlich von Lee übernommen wurde. Bei Letzterem hatte sie sich am Häufigsten und längsten gezwungen wach zu bleiben. Hatte zur Freude der Pfleger sogar viel gesprochen und gelacht und war kein einziges Mal mehr kollabiert.
    Amüsiert lachte TenTen, als die Hyuuga in das Zimmer kamen: “Haha! Nein, du bist doch irre.”
    “Du nennst es ‘irre’, ich nenne es ‘erstrebenswert’!”, grinste Lee breit, zeigte mit seinem Daumen auf seine Brust. “Und wenn bei hundert Würfen einer daneben geht, dann werfe ich danach noch einmal zweihundert!”
    “Aber Lee, du kannst nicht für mich mit trainieren. Jetzt stell’ dir doch mal vor, ich komme aus dem Krankenhaus raus und du bist nicht nur viel schneller als ich und besiegst mich im Nahkampf, sondern wirfst auch noch zielsicherer als ich, das würde gehörig an meinem Ego nagen, Freundchen”, protestierte sie weiter.
    “Tija, dann hast du einen Grund, so schnell wie möglich wieder hart zu trainieren, um nicht hinter mir zurück zu bleiben”, lachte Lee laut und bemerkte erst jetzt seine Ablösung in der Türe. “Oh, Hinata, da bist du ja. Hallo, Neji.”
    “Hallo, Lee”, lächelte das schwarzhaarige Mädchen zuckersüß.
    Erst hatte auch TenTen fröhlich zu ihrem neuen Besuch gesehen, bevor sie sich dunkel an Nejis Vorhaben erinnerte und frustriert den Blick senkte. Fernab von all den fürchterlichen Dingen, die sie eigentlich niemandem zeigen wollte, erst Recht niemandem, der sich um sie sorgen würde, so hatte sie doch vorgehabt, Neji irgendwann selbst zu erzählen, was sie für ihn fühlte, das hätte er nicht so erfahren sollen.
    Natürlich blieb Neji, der einer der Wenigen war, der ihr die wahren Gefühle vom Blick ablesen konnte, ihre Verbitterung nicht verborgen und er wusste auch genau, worauf es sich bezog.
    Ruhig ging er zu ihr und legte TenTen fürsorglich eine Hand auf die schmale Schulter, als er ihr gestand: “Ich hab es nicht gesehen. Yonobu hat sich geweigert, es mir zu zeigen. Ich wäre zu jung.”
    Schlagartig sah die Patientin zu ihm auf. Die Vermutung lag nahe, dass das nicht der einzige Grund war, dass sich Yonobu geweigert hatte. Andererseits war sich TenTen durchaus bewusst, dass stattdessen ein anderer Hyuuga in ihren Erinnerungen herumgestöbert hatte und ihr blieb nichts weiter als die Hoffnung, dass dieser andere Hyuuga ein wenig Respekt vor ihren Gefühlen zeigte und sie nicht einfach ausplauderte.
    “Lee?”, fragte Hinata, unter dem Vorwand über den aktuellen Zustand ihrer Freundin aufgeklärt werden zu müssen und deutete zur Tür.
    Eigentlich wollte sie ihrem Cousin nur etwas Zeit mit ihr gönnen, was Lee jedoch gar nicht zu realisieren schien. Während der Besprechung wanderten die Beiden ein wenig durch die Gänge des Krankenhauses und Hinata brachte ihn auch noch bis zum Ausgang.

    “Willst du mir wenigstens erzählen, warum du nicht wolltest, dass ich es sehe?”, fragte Neji nach, während er sich langsam zu ihr auf die Matratze sinken ließ.
    Dass die Schwester genau von solchen Gesprächen in den ersten Tagen abgeraten hatte, ignorierte er, vielleicht auch nur deswegen, weil er überhaupt nicht mehr daran dachte.
    Langsam bewegte sich der Kopf, an dem spröde Strähnen unsauber herunter hingen, während andere in einem einzigen, lockeren Dutt zusammengefasst waren: “Sie hatten es ja auf das Byakugan abgesehen, deswegen handelten die meisten Gen-Jutsu auch von euch. Ich will nicht, dass du siehst, wie dir jemand die Augen rausnehmen will, auch keinem anderem Hyuuga.”
    Schutzlos zog sie ihre Beine heran und kugelte sich zusammen, legte das Kinn auf ihre Knie.
    Auch den ach so coolen Neji schmerzte es, dieses wunderschöne und sonst so glückliche Mädchen so niedergeschlagen und zerstört zu sehen. Kurz richtete er sich wieder auf, wobei ihn die braunen Rehaugen beobachteten, nur damit er sich hinter ihrem Rücken wieder setzen konnte. Mit einem langen Arm griff ihr ewiger Schwarm nach ihrer Haarbürste, bevor er den unsauberen Dutt öffnete und ihr langes Haar vorsichtig zu kämmen begann. Wie sie es bei ihm schon einige Male getan hatte, egal wie sehr er sich zu Beginn dagegen gewehrt hatte.
    Ihr zufriedenes Lächeln, dass Neji schon viel zu lange an ihr vermisst hatte, schlich sich unterdessen zurück auf ihre Lippen. Eine ganze Zeit lang blieb er damit beschäftigt, ihr zerzaustes Haar wieder in Form zu bringen. Die meisten Personen hätten sich dabei vermutlich unterhalten, aber die Beiden hatten schon oft einfach stumm nebeneinander gesessen. Seit TenTen ihm damals, als sie ihm das erste Mal gegen seinen Willen die schwarzen Haare gebürstet hatte, erzählt hatte, dass es sie ehrlich beeindruckte, dass er viel gesünderes und schöneres Haar hatte, als alle Mädchen die sie kannte, hatten sie eigentlich immer geschwiegen. Vielleicht lag es daran, dass Neji damals damit gedroht hatte, dass sie sein Haar nie wieder anfassen dürfe, wenn sie ihn weiter mit solchen Kommentaren nervte. Doch tatsächlich hatte es TenTen nie gestört, schweigend neben Neji zu sitzen und einfach nur seine Gegenwart zu genießen. Etwas das Lee oder Gai wohl niemals ausgehalten hätten, selbst wenn sie die Nachtwache übernommen hatten, hatten sie geschwafelt. Manchmal sogar so laut, dass es die Kunoichi um den Schlaf gebracht hatte. Irgendwann war ihr immer der Kragen geplatzt und sie hatte etwas nach den grünen Labertaschen geworfen.
    Das war auch immer ein großer Punkt gewesen, warum Neji und sie so oft zusammen Nachtwache verbracht hatte, ein Anderer war natürlich Lees Fan-Boy-Dasein und ein wieder Anderer war es beinahe immer schon gewesen, dass sie am nächlichen Lagerfeuer schon immer lange Gespräche geführt hatten. Die ihren waren selbstverständlich bei Weitem nicht so laut wie die von ihrem Sensei und Lee und manchmal gingen ihre Stimmen sogar hinter dem Geschnarche von Lee unter.
    Zu Beginn hatte eigentlich nur TenTen häufiger mal gesprochen, es tat ihr gut mal zu Wort zu kommen, immerhin hatte auch sie etwas Mitteilungsbedarf, wenn diese Wirbelwinde allerdings wach waren, konnte sie es vergessen, ernsthafte Gespräche führen zu wollen. Ab und an war sie sich schön blöd vorgekommen, gerade dem Jungen, der sich für niemand anderen außer sich selbst zu interessieren schien, ihre Zweifel und Sorgen zu offenbaren. Irgendwann jedoch, als sie ihm erzählt hatte, wie sehr sie sich doch ärgerte, hinter den beiden Jungs zurück zu bleiben, hatte Neji ihr ziemlich herrisch den Kopf gerade gerückt. Immerhin war sie eine äußerst fähige Kunoichi, es konnte niemand erwarten, dass sie mit einem Genie, Neji war nie sonderlich bescheiden gewesen, und einem Jungen mit überragendem Talent im Tai-Jutsu mithielt und doch tat sie es. Sie wurde oft von ihren Teamkameraden besiegt, das stimmte, doch im Gegensatz zu den Jungs war sie weder im Nahkampf noch im Distanzkampf aufgeschmissen. Schaffte es ein Gegner ausreichend Abstand zwischen sich und Team Gai zu bringen, hing die einzige Möglichkeit ihn weiter anzugreifen und unter Druck zu setzen bei TenTen.
    Es war nur das eine Mal gewesen, dass er sie aufgebaut hatte und eigentlich hatte er sie eher zusammengestaucht, dass sie so blöd war, so was dummes zu glauben, aber seit diesem Zeitpunkt wusste TenTen zum ersten Mal, dass Neji ihr tatsächlich zuhörte und nach einigen Monaten begann der stille Hyuuga, der sonst alles in sich hineinfraß, bei dem unscheinbaren Mädchen um Rat zu bitten. Manchmal half sie ihm überhaupt nicht und hörte ihm nur zu, immerhin hatte sie auch nicht auf alles eine Antwort. Doch während dieser Zeit am prasselnden Lagerfeuer wuchs TenTen für Neji zu einer wirklich guten Freundin und auch sie schloss ihn immer weiter in ihr Herz.
    An einigen Abenden hatten sie mehr gesprochen als an Anderen. An einigen Abenden hatten sie auch fröhlichere Themen als an Anderen. An einigen Abenden hatte TenTen sich gegen ihn geleht, wenn sie müde wurde oder fror und auch wenn Neji sie dafür hätte maßregeln müssen, schließlich sollten sie aufpassen, hatte er einen Arm um sie gelegt und ihre Nähe genossen.
    TenTen war schon lange klar, dass sie mehr für ihren kühlen Teamkameraden empfand, als bloße Freundschaft. Eigentlich war es auch Neji schon ziemlich lange klar und ausgerechnet sie hatte ihm damals erklärt, was er für sie empfand.

    -
    “Du, Ten?”, Neji legte das eingesammelte Holz neben die Feuerstelle, an der seine zitternde Seelsorgerin auf einem alten Holzstamm saß und sich die Hände wärmte.
    Fröstelnd zog sie die Decke, die sie sich übergeworfen hatte, über ihre Schultern: “Danke, Neji. Was gibt’s?”
    Auffordernd hatte sie auf den Sitzplatz neben sich geklopft und einladend die Decke für ihn aufgehalten. Derzeit war eisiger Winter, überall lag Schnee und ausgerechnet heute an Weihnachten, hatte Team Gai eine Mission aufgebrummt bekommen.
    Vermutlich war die Kunoichi die Einzige, die das nicht so richitg störte. Klar, wäre sie lieber vor dem Kamin bei einer heißen Tasse Kakao vielleicht mit etwas Schuss, aber auch an Weihnachten würde ihr zu Hause völlig leer sein. Ihre Eltern waren vor ziemlich genau drei Monaten bei einem Unfall verstorben und eigentlich freute sie sich, auf diese Weise den heiligen Abend an dem es ja um Liebe und Zusammensein ging mit jemandem verbringen konnte.
    Folgsam hatte Neji sich mit in die dünne Wolldecke gekuschelt und legte einen Arm um sein Teamkameradin.
    “Weißt du, da ist dieses Mädchen”, begann er und TenTen konnte sich schon denken, worauf es hinauslaufen würde. “Ich weiß nicht recht, ich hab’ sie immer für eine gute Freundin gehalten. Aber es ist anders, wenn ich bei ihr bin, bin ich immer viel entspannter und ich höre sie irgendwie auch total gerne reden. Außerdem fühle ich mich in ihrer Gegewart immer so …”, einen Augenblick überlegte er, wirklich beschreiben konnte er es eigentlich nicht, wie er sich gerade fühlte, aber er musst es wohl versuchen. “so befreit, denke ich.”
    “Oh, dass klingt ja fast so, als wärst du verknallt”, lächelte sie unbeschwert zu ihm hoch, ihren Kopf auf seiner Brust.
    Vielleicht sollte es sie traurig stimmen, dass sich ihr Schwarm in jemand Anderen verliebt hatte, doch eigentlich war TenTen immer klar gewesen, dass sie keine Chancen bei Neji hatte. Allein wenn man sie ansah, sah man doch schon, dass er einfach in einer ganz anderen Liga spielte, das hatte sie nie zu verdrängen versucht. Eigentlich freute sie sich sogar, denn wenn es ihren Neji glücklich machen würde, würde es auch sie glücklich machen. Sie würde ganz einfach diese Zeiten mit ihm genießen, die ihr noch bleiben würden.
    Eher weniger verwundert musterte er diese wunderschönen, großen Rehaugen, sowas hatte er sich sogar schon gedacht: “Und was meinst du, sollte ich jetzt machen?”
    “Na, sag’s ihr”, kam es von ihr wie aus der Pistole geschossen, bevor sie ein wenig schuldbewusst lächelte und ihre Arme auf ihren Knien aufstützte, um ihren Kopf hineinzubetten. “Naja, ich sag das so selbstverständlich, dabei hab’ ich es dem Jungen, in den ich schon seit Jahren verliebt bin, auch noch nicht gesagt. Das nenne ich mal Doppelmoral, was?”
    Nejis Miene verfinsterte sich schlagartig, was die Kunoichi durch ihren Blick in die Flammen, jedoch nicht bemerkte.
    “Du bist schon seit Jahren in jemanden verliebt?”, einerseits störte es ihn, nie etwas von diesem Jemand gehört zu haben, er hatte wohl schon als bester Freund völlig versagt. Andererseits zerknischte es ihn zu hören, dass sie für irgendeinen Typen so starke Gefühle hegte, der sie vermutlich nicht einmal zu schätzen wusste. “Du hast mir das nie erzählt. Warum nicht?”
    Leicht aber eher etwas melanchonisch begann sie zu lächeln: “Naja, du hast ja nicht gefragt. Außerdem gibt es da gar nicht so viel zu erzählen. Wir sind Freunde, aber er liebt jemand Anderes. Eigentlich ist das aber gar nicht so schlimm. Eigentlich will ich nur, dass er glücklich ist. Er muss mich gar nicht lieben, Hauptsache ist wir bleiben Freunde. Ehrlich gesagt, hab ich sogar ziemliche Angst davor, dass es komisch zwischen uns wird, wenn er davon erfährt.”
    Sanft nahm er sie wieder in den Arm, drückte ihren mit zwei Dutts bestückten Kopf gegen seine Schulter. Am Liebsten würde er diesem Typen gerade eine Reinhauen, auch wenn es noch so untypisch für ihn wäre. Wie konnte man sich nur in jemand anderen verlieben, wenn ein so wunderbares Wesen auf einen stand? Es wollte ihm einfach nicht in den Kopf gehen. So ein Idiot!
    -

    Vorsichtig band Neji ihre Haare wieder zusammen, während er sich an diesen Abend von vor zwei Jahren erinnerte. Damals hatte er sich ein Beispiel an ihr genommen und hatte TenTen nichts davon erzählt, dass er diese Gefühle für sie hegte und nun, wo gut zwei Jahre vergangen waren, hatte sich doch noch immer nichts an seinen Gefühlen geändert.

    Zwischendurch hatte Hinata mit ihrem Byakugan nachgesehen, ob sie die Beiden stören würde, wenn sie nun herein platzen würde und war jedes Mal wieder umgedreht, weil sie sich doch nicht getraut hatte, obwohl die Beiden sich vehement anschwiegen.

    "Du, Ten?", begann er das Gespräch wie an dem Abend damals.
    "Was denn, Neji?", in ihrer Stimme konnte er deutlich hören, dass sie es genoss, wie er durch ihr Haar fuhr.
    Langsam legte er die Bürste neben sich und zog ihren zarten Oberkörper gegen seinen, sodass sie halb auf ihm lag: "Der Junge, von dem du mir Mal erzählt hast. Hat er dich schon besucht?"
    Leicht nickte sie zur Antwort, wobei sie sich auch nur etwas mehr an ihn schmiegen könnte, ganz sicher war sich Neji da nicht. Aber TenTen wusste genau, an welchen Abend er gedacht hatte.
    "Er war sogar schon zweimal hier", murmelte sie verträumt.
    Sich völlig bewusst, dass sie ihm hiermit vermutlich verriet, dass er es war, der ihr das Herz gestoßen hatte, erzählte sie es ihm dennoch.
    Neji selbst machte das hellhörig. Auf Lee stand sie nicht, das konnte er sich beim besten Willen nicht vorstellen und er ging jetzt auch einfach Mal davon aus, dass es nicht viel mehr Leute gab, die hier häufiger hereinspaziert gekommen waren. Immerhin war ihr ausdrücklich Ruhe verordnet worden.
    Statt allerdings vorschnell zu schlussfolgern, kraulte er ihr den Kopf, wo er die Frisur doch gerade erst wieder hergerichtet hatte: "Und kam er allein?"
    "Beim ersten Mal schon", hauchte sie, öffnete ihre müden Augen wieder und blickte sehnsüchtig in dieses umwerfende Weiß, nach dem sie sich schon so lange sehnte. "Beim zweiten Mal hat er seine Cousine mitgebracht."
    In einer schnellen Bewegung, die in dem Kopf des Mädchens alles zum Rotieren brachte, drehte er sie zu sich herum und drückte seine Lippen zärtlich und doch ein wenig grob auf ihre.
    Warum hatte sie ihm denn so lange nichts gesagt? Wieso hatte sie es damals so umständlich formulieren müssen, dass er dachte, sie wäre in einen Anderen verliebt? Weshalb hatte er es nicht schon viel früher bemerkt?
    Erst hatte sich TenTen gewundert, genoss den Kuss aber. Sie hatte mit vielen Reaktionen von ihm gerechnet, auch damit dass er es schon die ganze Zeit über gewusst hätte, aber dass sie so plötzlich geküsst wurde, hatte sie überrascht. Gerade wo Neji doch sonst nicht so der impulsive Typ war und eigentlich am Liebsten alles durchplanen würde.

    Vor der Tür schluckte Hinata schwer, der Zeitpunkt war ungünstiger denn je und die Schwester wollte TenTen ausgerechnet jetzt die Medikamente geben.

    Wie in einer anderen Welt, in der sie keinen Schmerz mehr spürte, versank die Kunoichi in diesem Kuss, verschränkte die Arme hinter seinem Nacken und spürte wie Neji sein Werk, für das er sicher eine Viertelstunde gebraucht hatte, nun gänzlich zerstörte und den Zopf schließlich sogar wieder öffnete.
    Ein vorwurfsvolles Räuspern von der Tür ließ die Beiden blitzartig auseinander fahren.
    "Ich hab hier die Medikation für die Nacht. Entschuldigt, dass ich euch dafür stören muss", die Stimme der alten Schwester klang nicht so, als tät es ihr wirklich Leid.
    Mit einem Knall schlug sie ein kleines Glas Wasser auf den Nachttisch und daneben ein Döschen mit einigen Tabletten. Grob packte sie das Handgelenk der Patientin und indizierte ihr noch etwas über den Zugang, den man ihr gelegt hatte.
    Während Neji diese Frau mit bitterbösen Blicken strafte, schließlich ging sie viel zu grob mit seiner TenTen um, erkannte das Mädchen sie und verstand ihre Abneigung. Zu ihrem Pech hatte die alte Schwester auch gestern hier die Nachtschicht übernommen und hatte sicher einen gehörigen Einlauf verpasst bekommen, dafür dass TenTen in der letzten Nacht abgehauen und draußen zusammengebrochen war.
    Nachdem die Frau das Zimmer wieder verlassen hatte, stand nun Hinata ziemlich fehl am Platz mitten im Raum und knetete nervös ihre Hände.
    "Ähm, also", stammelte sie nervös. "Vielleicht sollten wir- also, ich bin mir sicher, dass Tsunade einverstanden wäre, wenn-wenn du meine Schicht übernimmst Neji."
    Wieder Mal wurde Hinata Zeuge eines der seltenen Male in denen Neji lächelte und diesmal wirkte es sogar ziemlich frech: "Danke, Hinata."
    Als sich das Hyuuga Mädchen der Hauptfamilie auf machte, um zu gehen, schluckte TenTen brav eine Tablette nach der Anderen.
    Nachdem die Türe wieder zugefallen war, drückte Neji seine Liebe fest an sich und legte sich mit ihr in das unbequeme Krankenhausbett, wo sie schnell einschlief. Vermutlich lag es unter anderem an den Tabletten, dass sie diese Müdigkeit so plötzlich überkam. Bis auch er irgendwann einschlief, fuhr er immer wieder ihren Nacken entlang.

    "Was ist denn hier los!", rief Shizune am nächsten Morgen bei der Visite aus.
    Die Nachtschwester hatte es nicht für nötig erachtet, die Beiden vor der Morgenvisite zu wecken. Allerdings kicherte Tsunade nur amüsiert über die beiden Ninjas in sich hinein.
    Etwas schwerfällig hatte sich Neji aufgesetzt und lächelte nun die Ärztinnen an, so ungewöhnlich es für ihn auch war: "Guten Morgen, ich hab natürlich aufgepasst, dass sie nicht wieder wegläuft."
    Gähnend nickte es irgendwo zwischen Decke und Kissen.
    "Ja, dass sehe ich!", beschwerte sich Shizune und sah auf ihr Klemmbrett. "Hatte nicht Hinata diese Nacht den Wachdienst?"
    "Das stimmt, wir haben getauscht", erklärte der Hyuuga, als wäre gar nichts dabei.
    "Ach?", grinste nun die Hokage und tippte auf einen Zettel. "Dabei bist du überhaupt nicht zu ihrem Schutz eingeteilt."
    Nicht annähernd so als höre er gerade zum ersten Mal davon, fragte Neji ziemlich sarkastisch: "Was nicht? Ach, wie ärgerlich. Dann hab ich ihre Schicht ja völlig umsonst übernommen."
    "Hm~m. Du traust regelrecht", murrte Shizune ebenso sarkastisch.
    Daraufhin stieg Neji brav aus dem Bett, damit die Beiden die Verbände wechseln und die Verletzungen begutachten konnten. Bis sie wieder Richtung Tür gingen, da legte er sich wieder zu TenTen.
    "Ach und Gai kommt dich gleich ablösen Neji", wies Tsunade noch darauf hin, dass er nicht ewig mit ihr da liegen bleiben konnte. "Lass dir dafür ruhig eine Erklärung einfallen, warum du die Schicht von Hinata übernommen hast."
    Eigentlich hatte er das gar nicht vor und jetzt, wo sich dieses zauberhafte Mädchen erneut an ihn kuschelte, dachte er gar nicht daran, auch nur einen Gedanken an Gai zu verschwenden.
    Tatsächlich dauerte es gar nicht lang, bis sich die Tür lautstark öffnete und ihr ehemaliger Sensei dort stand und TenTen und Hinata einen schönen, guten Morgen wünschen wollte.
    Erschrocken hatte er aufgeschrien, als seine Schülerin, ohne zur Tür zu sehen, ein Kunai nach ihm nur wenige Zentimeter neben seinem Gesicht in die Wand pfefferte.
    "Raus!", knurrte Neji unterstützend in einem so bedrohlichem Ton wie Gai ihn noch nie vernommen hatte.
    Statt auf das zu hören, was ihm befohlen wurde, sah das große, grüne Männchen guter Dinge in den abgedunkelten Raum hinein: "Neji? Bist du das? Holst du Hinata ab?"
    Beiläufig schaltete er das Licht ein, was ihm den Blick auf seine Schüler freigab, während diese gerade mehr oder weniger ineinander verschlungen, auf dem Bett saßen und ihn genervt anstierten.
    "Oh!", entfuhr Gai überrascht, bevor er zu realisieren schien, wobei er sie zu stören schien. "Ohhhhh", nun bemerkte er, dass sie wegen ihm und dem Licht so wenig begeistert wirkten. "Oh~oh", hastig knipste er das Licht wieder aus und wandte sich zur Tür. "Ähm, dann äh, viel Spaß noch."
    Peinlich berührt hastete Gai wieder aus dem Zimmer heraus und knallte dort mit Lee zusammen, dem er direkt erklärte, dass TenTen gerade keinen Besuch empfangen konnte.

    Ende

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