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­ŁĹę­Łĺć­Łĺç­ŁĺÉ­Łĺô­Łĺć ­ŁĹ╗­Łĺë­Łĺć ­ŁĹ║­ŁĺĽ­ŁĺÉ­Łĺô­ŁĺÄ

Mit einer raschen Handbewegung z├╝ndete Heath die Kerzen in dem dunklen und verranzten Zimmer an. Ihr Schein war nicht allzu hell, jedoch eindeutig genug, zumindest f├╝r Emily. Sie machte es sich auf der harten Matratze so gut es ging gem├╝tlich und zog die Beine an. Ob es hier richtigen Strom gab, hatte sie Heath gar nicht gefragt. Aber sonst m├╝ssten die Bewohner ja auch Wasser aus dem Brunnen sch├Âpfen, um sich zu waschen. Augenblicklich fiel der Blick ihrer braunen Puppenaugen auf den Brunnen, der au├čerhalb des steinernen Hauses lag. Ein Schauer ├╝berkam sie, vielleicht musste man ja tats├Ąchlich kaltes Regenwasser benutzen. F├╝r gew├Âhnlich h├Ątte sie das verspottet, genauso wie Heaths Familie, aber es machte ihr nicht so viel Angst, wie sie erwartet hatte.

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    Vorwort

    Voil├á, hier ist mein Beitrag zu dem Schreibwettbewerb von Kii. Worauf wartest du? Hol dir 'nen Tee, wickel dich in eine Decke ein und genie├č die Show, k├Ânnte jetzt etwas dauern. Vielleicht ist es nur eine Billigstory, aber das hindert mich nicht daran, zu hoffen, dass sie dir trotzdem gef├Ąllt.
    Oof, awkward ...

    F├╝r alle, die noch nicht wissen, wovon ich spreche: diese Geschichte existiert nur, weil sie bei einem Wettbewerb mitmacht. Trotzdem habe ich mir M├╝he damit gegeben, weil ich nicht nur irgendeine Kurzgeschichte hinschmei├čen wollte, die ich in zwei Tagen geschrieben habe und keine wirkliche Moral oder einen Appell hat.
    Sie ist zwar noch immer sehr kurz und kann auf keinen Fall so etwas wie ein ganzes Buch f├╝llen. Ich habe einen Appell eingebaut, vielleicht nicht nur einen, und m├Âchte den Leser zum Nachdenken anregen, so wie es bei vielen anderen Geschichten auch ist. Dazu habe ich auch ein offenes Ende gelassen, damit du als Lesender selbst spekulieren, genauso wie du dir eine eigene Meinung bilden kannst. Aber ich werde dir nat├╝rlich nicht vorbeten, was ich beabsichtigt habe, das musst du schon selbst herausfinden ;)
    Das Thema des Wettbewerbs war Liebe, aber vielleicht habe ich sie nicht ganz so dargestellt, wie es viele erwartet h├Ątten.
    Und an diejenigen, die es interessiert: ja, meine Geschichte hat den 1. Platz erhalten:)

    Achtung!
    Es wird eine Fortsetzung f├╝r diese Geschichte geben, jedoch wird man sie nicht hier auf dieser Plattform nachlesen k├Ânnen.
    Dazu unten mehr.

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    ((big))((cur))((bold))Ôůá((ebold))((ecur))((ebig)) Das Wochenende ging viel zu schnell vorbei. Wenn es nach Emily ginge, dann h├Ątte es ruhig noch zwe
    Ôůá

    Das Wochenende ging viel zu schnell vorbei. Wenn es nach Emily ginge, dann h├Ątte es ruhig noch zwei Tage l├Ąnger sein k├Ânnen, aber das funktionierte nat├╝rlich nicht. Nicht in dieser Welt.
    Sobald sie am Montagmorgen aufstand, f├╝hlte sie die Last der noch gar nicht wirklich begonnenen neuen Woche auf ihren h├╝bschen schmalen Schultern und wollte sich gleich wieder in ihr Prinzessinnenbettchen fallen lassen. Vielleicht sollte sie einfach liegen bleiben und ihre Mutter dreist bel├╝gen? Sie hatte sich eine Erk├Ąltung geholt, als sie mit den anderen letzten Abend noch nach Hause gegangen ist, konnte sie ja erz├Ąhlen. Ob das realistisch war? Sie hatten nur zehn Minuten von Jays Haus bis hierher gebraucht. Da konnte man sich unm├Âglich eine Erk├Ąltung holen, vor allem weil es ja nicht einmal wirklich kalt war. Aber bei dem Gedanken an Jay und seine sch├Ânen roten Locken begann ihr Herz erneut zu flattern, genauso wie am gestrigen Abend, als er sich dazu bereit erkl├Ąrt hatte, sie nach Hause zu begleiten, damit sie nicht alleine gehen musste. Die anderen waren zwar auch gefolgt, aber sie gingen hinter ihnen, wahrscheinlich sogar aus einer hinterh├Ąltigen Absicht heraus. Dennoch musste sie ihnen ausnahmsweise dankbar daf├╝r sein, wie listig sie sich manchmal verhielten. Lyra sagte, dass Jay hundertprozentig auf sie stehen musste, so wie er sie anschaute. Und das machte sie unglaublich gl├╝cklich, denn er war eindeutig der niedlichste Junge in der ganzen Klasse. Beinahe jedes M├Ądchen flog auf ihn, und dass er sich ausgerechnet in sie verliebt hatte, pushte ihr Ego etwas. Was nicht bedeutete, dass es nicht sowieso schon unglaublich gro├č war.
    Emily wusste ganz genau, wie gut sie aussah und dass sie der Schwarm vieler Jungs war. Sie, mit ihren blassblonden Locken, die ihr bis zur H├╝fte gingen, immer gl├Ąnzten und jeden Tag nach einer anderen Blume rochen. Sie hatte au├čerdem eine schlanke Taille und eine beachtliche Oberweite, was ihr wohl in den Genen liegen musste. Genauso wie ihr symmetrisches Gesicht mit den gro├čen braunen Augen, die von einem schwarzen Wimpernkranz umrandet wurden.
    Als ihr Blick gerade seinen Weg zu ihrer Schultasche fand, fiel ihr auf einmal auf, dass ihre Klassenlehrerin angek├╝ndigt hatte, dass sie eine neue Sch├╝lerin bekommen w├╝rden, was sie sofort hellwach machte. Augenblicklich sa├č sie senkrecht im Bett. Neue Sch├╝lerin bedeutete neue Gefahr.
    Mit dem Gedanken sprang sie aus dem Bett und riss sogleich die Schrankt├╝r auf, um sich etwas passendes zum Anziehen herauszusuchen. Es musste etwas sein, was ihre Sch├Ânheit unterstrich, damit sie auch all die Aufmerksamkeit bekam.
    Nachdem sie sich eine Stunde lang in Schale geschmissen hatte, lief sie die Treppe hinunter in die K├╝che, um sich schnell ein St├╝ck Toast in den Mund zu stecken und im n├Ąchsten Moment aus der Haust├╝r zu st├╝rmen. Sie durfte um keinen Preis zu sp├Ąt kommen, am besten sollte sie sogar zu fr├╝h da sein. Sie war auch schon l├Ąngst weg, bevor ihre Mutter ihr noch irgendwas hinterherrufen konnte. Sie hetzte aus der T├╝r durch den farbenfrohen Garten voll duftender Blumen ├╝ber die Stra├če und fummelte ihr Handy aus der Hosentasche ihrer kurzen Hose, um die Uhrzeit zu ├╝berpr├╝fen. Sie hatte noch genug Zeit. Im Durchschnitt brauchte sie f├╝nf Minuten bis zur Schule, und der Unterricht w├╝rde erst in f├╝nfzehn beginnen. Also hatte sie genug Puffer. Dennoch wollte sie das Gef├╝hl nicht verlassen, dass sie sich beeilen sollte. Demnach raste sie ungew├Âhnlich hastig ├╝ber die Stra├čen und ignorierte jegliche Leute, die sie m├Âglicherweise kannte und sie begr├╝├čen wollten.
    Sie erreichte das klotzige graue Schulgeb├Ąude noch fr├╝h genug, um nicht in die Menge schwitzender Sch├╝ler zu gelangen, die sich wie jeden Morgen alle gleichzeitig durch die engen T├╝ren quetschten. Zum Gl├╝ck wurde ihr Klassenraum von ganz oben nach ganz unten versetzt, da sie dort die Fenster erneuerten, daher musste sie auch keine gef├╝hlt einhundert Stufen nach oben latschen und war nach kurzer Zeit schon im Raum. Alles andere h├Ątte sie au├čerdem auch au├čer Puste gebracht, und m├Âglicherweise Schwei├čflecken auf ihren Klamotten hinterlassen.
    Im Klassenraum sa├čen bisher noch nicht viele Sch├╝ler, nur ein paar wenige, die verschlafen auf ihren Pl├Ątzen sa├čen und wenig motiviert aussahen. Emily lie├č sich auf ihren Platz fallen und holte erneut ihr Handy heraus, um Lyra zu schreiben und sie zu fragen, wo sie denn bliebe. Seltsamerweise erhielt sie schon sehr fr├╝h eine Nachricht, die die Worte "Bin krank, viel Gl├╝ck" beinhielten. Genervt st├Âhnend legte sie ihr Handy auf den Tisch und rutschte etwas auf dem alten und vollgekritzelten Stuhl hinunter. Das hatte ihr jetzt noch gefehlt. Ihre beste Freundin, die nicht zur Schule kam. Zwar hatte sie noch andere Freunde in der Klasse, aber mit niemandem verstand sie sich so gut wie mit Lyra. Sie konnten sich verst├Ąndigen, ohne Worte benutzen zu m├╝ssen. Und ehrlich gesagt hatte sie Angst davor, Jay und vor allem der neuen Sch├╝lerin ohne sie gegen├╝berzutreten. Es gab einen gro├čen Unterschied von Selbstbewusstsein im Beisein von Freunden und Selbstbewusstsein ohne Freunde. Der Tag war definitiv gelaufen, ohne dass er ├╝berhaupt richtig begonnen hatte.
    Man konnte ihr deutlich ansehen, wie tief ihre Laune gesunken sein musste, denn sie starrte lustlos aus dem Fenster. Sie bemerkte auch nicht, wie sich der Raum weiter f├╝llte und die ganzen restlichen Sch├╝ler sich unmotiviert auf ihre St├╝hle plumpsen lie├čen. Auch Jay betrat den Raum, aber sie beachtete ihn nicht, weil sie zu besch├Ąftigt war. Um genau zu sein war sie mit den Gedanken bei v├Âllig anderen Dingen, so wie sie gerne abzuschweifen drohte.
    Erst als ihre Lehrerin den Raum betrat und ein lautes "Aufstehen!" von sich gab, schreckte sie aus ihren Gedanken hoch und stand instinktiv auf, genauso wie der Rest der Klasse. Das mussten sie jeden Morgen machen, damit sie besser sehen konnte, wer fehlte und wer da war.
    Nach ein paar Sekunden setzten sich alle wieder und erst dann fiel ihr auf, dass jemand im T├╝rrahmen stand und desinteressiert an die gegen├╝berliegende Wand starrte. Man hatte sie anfangs nicht bemerkt, da sie nicht hereingekommen war, so wie normale neue Sch├╝ler es tun w├╝rden. Emily konnte sie aber von ihrem Platz aus gut erkennen und musterte sie sofort. Sie sah definitiv nicht so aus, wie sie es erwartet hatte. Sie hatte sich ein niedliches M├Ądchen mit rundlichem Gesicht und kleiner Stupsnase mit Sommersprossen vorgestellt, das von kastanienbraunen Locken umrandet wird, was in ihrer Vorstellung nat├╝rlich noch von Harfenmusik und g├Âttlichem Glanz begleitet wurde. Halleluja.
    Aber das M├Ądchen, was sie nun dort stehen sah, erinnerte kein bisschen an die engelsgleiche Vorstellung. Eher an das komplette Gegenteil. Sie trug komplett schwarze Klamotten, die beinahe schon an ihrem d├╝rren K├Ârper klebten. Jedoch zeigte sie kein bisschen Haut und sah so aus, als w├╝rde sie aus einer Art Winterlandschaft kommen, dabei war doch Sommer. Sie trug sogar schwarze Stiefel mit Nieten, die wohl eigentlich f├╝r kaltes Wetter gedacht waren. Ihr Gesicht war eingefallen und so schlank, dass man ihre Wangenknochen ganz deutlich erkennen konnte. Dazu hatte sie dunkle Schatten unter den Augen und ihre Nase sah so spitz aus, dass Emily sofort an die Spindel aus dem M├Ąrchen Dornr├Âschen denken musste. Sie selbst sah ja sogar schon ein wenig aus wie eine Hexe. Die fettigen Haare auf ihrem Kopf waren kaum von ihren dunklen Klamotten zu unterscheiden und gingen ihr bis zu den Schultern. So weit Emily es erkennen konnte, besa├č sie auf einer Seite einen extrem kurzen Sidecut, aber der Rest ihrer Haare waren unordentlich geschnitten und auch nicht gek├Ąmmt. Man konnte beinahe meinen, sie w├╝rde sie nie k├Ąmmen oder sich anderweitig um sie k├╝mmern, geschweige denn ├╝berhaupt waschen. Schnell zog sie eine Verbindung von dem M├Ądchen zu der bekannten Charakterdarstellung Tim Burtons, sie sah ja beinahe so aus, als w├Ąre sie einem seiner Filme entsprungen.
    Sp├Ątestens jetzt h├Ątte sie das Interesse verlieren m├╝ssen, da sie ja wohl keine Konkurrenz darstellte, aber sie ertappte sich dabei, wie sie das fremde M├Ądchen noch immer anstarrte und genau musterte. Das Problem dabei war, dass sie im Schatten der T├╝r stand und man daher nicht sonderlich viel erkennen konnte. Jedoch war sie relativ gro├č, wahrscheinlich beinahe 1.80 Meter, wovon Emily nur tr├Ąumen konnte. Aber so wie sie aussah, konnte und wollte sie sowieso niemals eine Modelkarriere beginnen. Jedoch blickte sie niemanden aus der Klasse an, sie starrte nur gegen die Wand, als wollte sie im n├Ąchsten Moment entweder wieder heraus sprinten, oder aber gleich aus dem Fenster springen. Emily kaute nachdenklich auf ihrer Unterlippe herum, ohne es richtig zu realisieren, und fuhr sich mit der rechten Hand durch die weichen blonden Haare. Sie zwang sich, den Blick von dem M├Ądchen abzuwenden. Dabei sollte sie doch jetzt eigentlich vollkommen gl├╝cklich sein und das Interesse verlieren.
    ┬╗Kommst du bitte herein?┬ź meinte die Lehrerin h├Âflich mit dem Blick zu der neuen Sch├╝lerin gewandt, die noch immer im T├╝rrahmen stand und nicht wirklich danach aussah, als wolle sie der Bitte nachkommen. Nach einigem Z├Âgern betrat sie ihn dann doch und stakste neben die Lehrerin an das Pult, um danach niemanden anzusehen und einfach nur in die Leere zu starren, als w├╝rde sie das alles komplett kalt lassen und sie nicht im geringsten interessieren. Was Emily verwunderte, schlie├člich musste man doch irgendwie nerv├Âs sein, wenn man in eine Klasse voller Fremder kam. Eine Zeit lang schwiegen alle, darauf wartend, dass sie etwas sagte und sich vorstellte, aber nichts geschah. Sie starrte nur weiterhin in die Leere, aber f├╝r einen sehr kurzen Moment traf sich ihr Blick mit dem von Emily und sie konnte ihre wie Smaragde leuchtenden Augen blitzen sehen. Ihr Herz setzte einen Schlag lang aus, um dann im n├Ąchsten Moment in doppelter Geschwindigkeit weiter zu schlagen. Irgendwie faszinierte sie das. Sie wusste nicht, wie dieses M├Ądchen das anstellte, aber aus irgendeinem Grund konnte sie ihre Augen nicht von ihrer Gestalt abwenden. Vielleicht waren es ihre leuchtend wirkenden Sehorgane, vielleicht aber auch ihr interessantes ├äu├čeres, was man tats├Ąchlich nicht alle Tage sah. Normalerweise w├╝rde Emily M├Ądchen wie sie als h├Ąsslich bezeichnen, aber das war sie irgendwie nicht. Doch, wenn sie genau dar├╝ber nachdachte schon, aber desto l├Ąnger sie sie betrachtete desto attraktiver wurde sie. War sie vielleicht wirklich eine Hexe?
    ┬╗W├╝rdest du dich deinen neuen Klassenkameraden bitte vorstellen?┬ź fragte die ├Ąltere Frau h├Âflich, da auch sie endlich mit dem Unterricht beginnen wollte. Das M├Ądchen schwieg jedoch noch immer und sah sie nicht einmal an, sondern starrte nur aus dem Fenster, so als w├╝rde sie sich wirklich w├╝nschen, einfach abzuhauen.
    ┬╗Heath┬ź, kr├Ąchzte sie schlie├člich in der k├╝hlsten Stimmlage, die Emily je geh├Ârt hatte, und es jagte ihr beinahe schon einen Schauer ├╝ber den R├╝cken. War das nicht ein Jungenname? Oder hatte sie sich vertan? Ohne es zu wollen, wiederholte sie den Namen mehrere Male in ihrem Kopf in den verschiedensten Stimmlagen und kam anschlie├čend zu dem Entschluss, dass er einen sch├Ânen Klang hatte und in der Tat urspr├╝nglich ein Jungenname war, was sie dezent verwirrte.
    Das M├Ądchen, welches sich als Heath vorgestellt hatte, starrte noch immer mit vollkommen stumpfen Augen aus dem Fenster. Als Emily ihrem Blick folgte, erkannte sie die Eiche, die drau├čen auf dem Schulhof stand, die wohl schon sehr alt sein musste. Momentan sah sie wirklich prachtvoll aus, aber auch im Winter wirkte sie sehr majest├Ątisch. Entweder sie blickte sie nur an, weil sie nichts anderes zu tun hatte, oder aber sie bewies Geschmack.
    Emily konnte erkennen, dass ihre Lehrerin noch etwas erwartete, wie einen Nachnamen oder ihr Alter, aber das mysteri├Âse M├Ądchen schwieg. Eigentlich m├╝sste sie ihren Namen und das alles ja auch aus den Dokumenten kennen, aber wahrscheinlich sollte sie sich der Klasse noch einmal geb├╝hrend vorstellen. Das tat sie jedoch nicht. Die etwas ├Ąltere Frau gab es irgendwann auf und seufzte einmal tief.
    ┬╗Gut, Heath, setz dich doch bitte hier vorne neben Hannah, wenn du nichts mehr zu sagen hast┬ź, meinte sie mit einem schwachen L├Ącheln auf den d├╝nnen Lippen und zeigte auf den leeren Platz neben dem dunkelhaarigen M├Ądchen. Emily konnte erkennen, wie Hannah sofort blass wurde und das Gesicht verzog. Ihre Mitsch├╝lerin war keine sonderlich gute Schauspielerin und zeigte nat├╝rlich sofort, wie wenig begeistert sie von dem Gedanken war, Heath als Sitznachbarin zu bekommen. Heath blickte mit steinernem Ausdruck zu ihr hinunter und wirkte vollkommen desinteressiert.
    ┬╗Mach dir nicht ins H├Âschen, Glubschauge, ich freu mich auch nicht dar├╝ber┬ź, meinte das schwarzhaarige M├Ądchen mit den gr├╝nen Augen und starrte Hannah beinahe komplett nieder. Danach stolzierte sie an ihr vorbei und schl├Ąngelte sich durch die Tische, w├Ąhrend Hannah ihr entgeistert hinterhersah und der Rest der Klasse betreten schwieg. Nur Emily musste ein leises Auflachen unterdr├╝cken. Es war h├Âchste Zeit, dass man ihr mal derart auf den Fu├č trat. Es stimmte schon, dass sie etwas hervorstehende Aug├Ąpfel besa├č, aber das hatte ihr noch nie jemand so offen gesagt, weil niemand den Mut dazu besa├č. Aber Emily konnte sie sowieso nicht ausstehen, so war ihr das ganz recht.
    Sie genoss noch eine Weile Hannahs entgeisterten Blick, der sich so langsam in Wut umwandelte.
    Ihr Kopf lief wahrscheinlich teils aus Scham und teils vor Wut rot an, jedoch sagte sie nichts, da ihr m├Âglicherweise kein guter Konter einfiel und es jetzt sowieso schon zu sp├Ąt war. Jedoch hatte Emily sich dabei so sehr auf ihre Mitsch├╝lerin konzentriert und sich an ihrem Entsetzen am├╝siert, sodass sie erst realisierte, dass jemand vor ihr stand und offensichtlich etwas von ihr wollte, als diese Person ihre d├╝rre Hand auf ihren Tisch schlug. Erst dann bemerkte sie, wie Heath sich ihrem Gesicht unmittelbar gen├Ąhert hatte und sie direkt anstarrte, ohne auch nur den Ansatz eines Blinzelns zu zeigen. Von Nahem konnte sie erkennen, wie ihre Augen beinahe blitzten und sah, dass sie anscheinend fast komplett durchsichtige Sommersprossen besa├č. Erneut setzte ihr Herz einen Schlag lang aus und sie wich nach hinten zur├╝ck, was ihren Stuhl beinahe dazu brachte, nach hinten zu kippen, h├Ątte sie sich nicht rechtzeitig an dem zerkratzten Tisch festgehalten.
    ┬╗Ich hab gesagt, ich muss vorbei, Prinzesschen┬ź, wisperte Heath lauernd, bevor sie sich wieder aufrichtete und ihr weiterhin ohne Unterbrechen in die Augen starrte. Sie konnte auch die Blicke der anderen Sch├╝ler auf sich sp├╝ren, was sie normalerweise begl├╝ckw├╝nschte. Diesmal f├╝hlte es sich jedoch unangenehm an. Sie blickte hinunter und bemerkte, dass ihre Tasche vollkommen im Weg stand, woraufhin sich ihre Wangen zart r├Âteten und sie die Tasche verlegen zur Seite schob. Sobald sie wieder zu Heath aufsah, w├╝rdigte diese sie schon keines Blickes mehr und stakste davon zu dem Platz, der ganz hinten lag und an den Sch├╝ler f├╝r gew├Âhnlich nur geschickt wurden, wenn sie den Unterricht st├Ârten und nervten. Deswegen stand er auch alleine da und es gab keinen Nebentisch. Niemand wollte dort hin, aber Heath setzte sich freiwillig auf den Platz. Emily traute sich nicht, noch einmal nach hinten zu blicken, einfach weil sie den Blick der Neuen auch schon so in ihrem R├╝cken sp├╝rte, auch wenn sie genauso gut wusste, dass das auch Einbildung sein konnte. Und als sie dann doch den Kopf nach hinten drehte, bemerkte sie, dass sie mit der Annahme vollkommen richtig lag. Sie sah sie nicht einmal ansatzweise an, stattdessen starrte sie nur ausdruckslos an die Tafel, so wie vorher auch, und machte nicht den Anschein, als w├╝rde sie gro├čartig interessieren, was um sie herum geschah.
    Emily wurde dazu gezwungen, wieder nach vorne zu sehen und sich auf die Schule zu konzentrieren, als sie das R├Ąuspern ihrer Lehrerin vernehmen konnte.
    ┬╗Dann haben wir ja jetzt alles gekl├Ąrt. Ich w├Ąre euch allen wirklich dankbar, wenn wir nun mit dem Unterricht, dem einzigen Grund f├╝r eure Anwesenheit hier, beginnen k├Ânnten.┬ź



    Ôůí

    Als die helle Glocke zur ersten Pause l├Ąutete, hatten sie schon alle Fenster in dem Raum aufgerissen, da die Hitze kaum auszuhalten war. Emily war es durchaus schwergefallen, sich auf den Unterricht zu konzentrieren, da sie andauernd das Gef├╝hl hatte, ihr Hals w├╝rde austrocknen, wenn sie nicht sofort etwas trank. Au├čerdem hatte sie die ganze Zeit die ungute Vorahnung, dass sie nach Schwei├č roch, was sie absolut nicht leiden konnte. Nat├╝rlich lenkte so etwas derma├čen ab, sodass es kaum eine M├Âglichkeit gab, der Evolutionstheorie von Darwin zu folgen, die vorne erkl├Ąrt wurde. Aber das war leider auch nicht das Einzige, was ihre Gedanken verr├╝ckt spielen lie├č. St├Ąndig musste sie an das schwarzhaarige M├Ądchen in ihrem R├╝cken denken und sich vorstellen, wie sie immer wieder von hinten beobachtete, was ihr haupts├Ąchlich Unbehagen bereitete. Genauso wie ihre unheimliche Erscheinung generell.
    Sie atmete aber auf, als sie endlich in die Pause gehen konnte und vermisste Lyra von Minute zu Minute immer mehr. Ihre beste Freundin lag nun wahrscheinlich im Bett und konnte den ganzen Tag schlafen, w├Ąhrend sie leiden musste. Tolle Freundin. Nachher musste sie ihr unbedingt alles vom heutigen Tag erz├Ąhlen und sie komplett volltexten. Das hatte sie nun davon, dass sie sie alleine gelassen hatte.
    Ehrlich gesagt traute sie sich aber auch nicht, ihre Brotbox aus der Tasche zu nehmen und etwas an dem Br├Âtchen zu knabbern, welches sie sich am gestrigen Abend noch gemacht hatte. Stattdessen starrte sie auf die Uhr und beobachtete den Sekundenzeiger, wie er ganz langsam voranschritt. Sie wusste absolut nicht, was sie nun tun sollte, ohne wie ein kompletter Loser auszusehen.
    Bis ein rothaariger Junge in ihr Sichtfeld trat und sich direkt vor ihr platzierte, sodass ihre Sicht auf die Uhr blockiert wurde. Zuerst wollte sie ihn anmotzen, was das denn sollte und dass er gef├Ąlligst jemand anderes Sicht blockieren sollte, aber kurz bevor sie ihren Mund ├Âffnen konnte, bemerkte sie, dass es sich um Jay handelte. Um Himmels Willen, den hatte sie ja komplett vergessen.
    ┬╗Hast mich ja gar nicht beachtet, heute. H├Ątte ich das gestern nicht tun sollen?┬ź, ert├Ânte seine Stimme so nah und laut, dass sie unangenehm in ihren Ohren klingelte.
    ┬╗Was?┬ź, war ihre erste Reaktion darauf und sie hob eine Augenbraue an. Sie wusste absolut nicht, wovon er sprach. Genauer gesagt hatte sie eigentlich keine Lust darauf, ihr Ged├Ąchtnis anzustrengen. Er war im Grunde nur ein Problem mehr, und das konnte sie gerade absolut nicht gebrauchen.
    ┬╗Na, du wei├čt schon. Unsere Namen in die Eiche ritzen. Sie sind zwar nur klein, aber das ist vielleicht doch ein bisschen kitschig. Hab wahrscheinlich zu viel getrunken┬ź, erwiderte er und wandte den Blick ab, woraufhin sie sich pl├Âtzlich wieder daran erinnerte. Sie waren gestern Nachmittag noch an der Schule und er hatte ihre Namen in der majest├Ątischen Eiche verewigt. Und gestern fand sie es noch romantisch und war dahingeschmolzen, jetzt aber konnte sie nur daran denken, wie unangenehm das doch eigentlich war. Sicher w├╝rde Heath es in der Tat kitschig finden. Aber sie kannte das M├Ądchen doch eigentlich gar nicht, wieso stellte sie sich also unn├Âtig Fragen dar├╝ber?
    M├Âge Er doch die verdammte Eiche verbrennen, dachte sie, obwohl sie den majest├Ątischen Baum doch vorhin noch so bewundert hatte. Ehrlich gesagt dachte sie nicht daran, ihm zu antworten, sie hatte absolut keine Lust auf ein Gespr├Ąch mit ihm. Auch wenn sie wusste, dass das nicht gerechtfertigt war, aber sie wusste es besser als sich einen guten Menschen zu nennen. Sie st├╝tzte das h├╝bsche Kinn auf ihrer Hand ab und suchte mit dem Blick das Weite. Lange konnte sie sich von seiner Naivit├Ąt aber nicht retten, denn es dauerte keine zwei Sekunden, bis er ihr Handgelenk nahm und sie ├╝ber den Tisch zu sich heranzog, um sie sanft zu k├╝ssen. Sie waren so nah, dass sie seinen warmen Atem auf ihrer Haut sp├╝ren konnte und seinen angenehmen Geruch in sich aufnahm. Er roch wirklich anziehend, aber es hatte irgendwie nicht mehr die selbe Wirkung auf sie, wie es vorher der Fall gewesen war. Ihre erste Reaktion w├Ąre im Grunde gewesen, ihn von sich wegzusto├čen und ihn zu fragen, was zur H├Âlle er sich erlaubte. Aber dann wurde ihr klar, dass es doch genau das war, was sie immer wollte, weswegen sie verharrte und sich keinen Zentimeter bewegte. Sicher f├╝hlte es sich aber nicht danach an, als w├╝rde sie den Kuss erwidern. Und auch wenn sie sich so darauf konzentrierte, w├Ąhrend des Kusses an ihn zu denken, hatte sie nur Heaths leuchtende Augen vor sich, die sie aus der Dunkelheit heraus k├╝hl anstarrten. Warum das so war, konnte sie sich nicht erkl├Ąren. Sie hoffte einfach, dass sie zusah, damit sie nachher ihre Reaktion beobachten konnte, wieso auch immer ihr das so wichtig war.
    Sie konnte h├Âren, wie die anderen Sch├╝ler alle klatschten und pfiffen. Ja, f├╝r sie wurde das auch h├Âchste Zeit. Es war schon l├Ąnger klar, dass die beiden irgendwann zusammen kommen w├╝rden, so wie sie sich innerhalb und auch au├čerhalb der Klasse und der Schule anschmachteten.
    Jedoch musste sie gestehen, ihren ersten Kuss hatte sie sich anders vorgestellt. Irgendwie f├╝hlte es sich nicht so sch├Ân an, wie sie es sich in ihren Tr├Ąumen immer ausgemalt hatte. Dazu kam, dass sich Jays K├╝sse eindeutig zu ... feucht und schwammig anf├╝hlten, jedoch hielt sie tapfer stand, auch wenn sie insgeheim hoffte, dass sie das nicht noch einmal tun musste.
    Irgendwas in ihr zerbrach, das konnte sie eindeutig sp├╝ren. Sie hatte sich so lange gew├╝nscht, dass genau das passieren w├╝rde, aber jetzt, wo sie endlich so weit gekommen war, hielt es nur Entt├Ąuschungen f├╝r sie bereit. Sie hatte noch nie einen Freund gehabt, und Jay war der, den sie immer wollte. Warum f├╝hlte es sich nicht gut an? Sie musste sich wirklich konzentrieren, ihn nicht sofort von sich zu sto├čen und einfach wegzugehen um zu kotzen. Momentan war sie sehr nah am Wasser gebaut und konnte wirklich jeden Moment in Tr├Ąnen ausbrechen. Oder kotzen. Kotzen war wahrscheinlicher. Das war definitiv nicht ihr Tag. Sie h├Ątte zu Hause bleiben sollen.
    Sie war auch diejenige, die sich von ihm als erstes l├Âste und sich anschlie├čend instinktiv ├╝ber den Mund wischte. Sie versuchte, nicht in sein grinsendes Gesicht zu blicken. Stattdessen fiel ihr Blick auf Heath, die sie direkt fixierte, mit dem spitzen Kinn auf ihre Hand gest├╝tzt. Sie hatte es also tats├Ąchlich gesehen. Jedoch konnte man keinerlei Regung in ihrem Gesicht erkennen. Erst als sie bemerkte, dass Emily sie ebenfalls ansah, hob sie eine Augenbraue minimal an und wandte den Blick ab, woraufhin sie in ihrem Heft herumzukritzeln begann. Danach schien sie das Ganze nicht mehr zu interessieren, aber Jay griff sowieso mit einer Hand sanft nach ihrer Wange, um ihr Gesicht in seine Richtung zu drehen, damit sie ihn ansehen musste.
    ┬╗Wie fandest du's?┬ź, fragte er und zog eine Augenbraue hochm├╝tig an, was sie wirklich fast zum Kotzen brachte. Aber aufgrund von Anstand und H├Âflichkeit spuckte sie ihm nicht ihr Fr├╝hst├╝ck ins Gesicht.
    Ihre Stimme war wie deaktiviert, sie konnte absolut nichts sagen, selbst wenn sie wollte. Ihr fiel auch nichts ein, was sie sagen konnte, woraufhin sie einfach den Kopf sch├╝ttelte, sich an ihm vorbeischl├Ąngelte, auf die T├╝r zusteuerte und Heaths Blick erneut im R├╝cken sp├╝rte.
    Sie musste f├╝r einen Moment vollkommen alleine sein. Ihre Gedanken ordnen und nicht von irgendwem gest├Ârt werden. Sie brauchte f├╝r einen Moment vollkommene Ruhe, m├Âglicherweise auch um ein paar Tr├Ąnen zu vergie├čen, obwohl sie genau wusste, dass sie mal wieder viel zu dramatisch reagierte und man sie wahrscheinlich daf├╝r auslachen w├╝rde. Ehrlich gesagt w├╝rde sie sich selbst auch daf├╝r auslachen. Bah, first world problems.



    Ôůó

    Der Tag hatte keine sonderlich gute Wendung angenommen. Emily verbrachte die Pausen haupts├Ąchlich auf der Toilette, mit der Ausrede, dass sie wohl etwas schlechtes gegessen haben musste, einfach nur um Heaths stechendem Blick und dem schmierigen Gesicht von Jay entfliehen zu k├Ânnen, der nat├╝rlich vollkommen entt├Ąuscht auf das alles reagierte. Ehrlich gesagt konnte sie ihn ja auch verstehen. Erst k├╝sste sie ihn und dann schien sie vollkommen abweisend auf ihn zu reagieren. Sie w├╝rde wahrscheinlich genauso reagieren ... oder sogar noch etwas mehr Drama daraus machen. Nein, ganz sicher h├Ątte sie ihn in Grund und Boden gestampft, h├Ątte er ihr das angetan. Aber sie konnte ja nichts daf├╝r, dass ihr schlecht wurde, wenn sie an den Kuss dachte, den sie ausgetauscht hatten. Er f├╝hlte sich nicht richtig an, und deswegen konnte sie ihm nun auch nicht mehr in die Augen sehen, ohne sich schlecht zu f├╝hlen. Ihr Vergangenheits-Ich h├Ątte sie daf├╝r sicher unbarmherzig mit spitzen Steinen beworfen, denn sie h├Ątte an ihrer Stelle ganz anders reagiert. Tats├Ąchlich war er doch der Junge ihrer Tr├Ąume. Und nicht nur sie tr├Ąumte von ihm, sondern auch Unmengen an anderer M├Ądchen, die jetzt nat├╝rlich ihre Chancen ergreifen konnten. Und was tat sie? Zitternd im M├Ądchenklo sitzen und sich keinen einzigen Zentimeter bewegen. Das Einzige, was sie wirklich wollte, war nach Hause gehen und dort auch bleiben. H├Ątte sie doch auf krank getan ... dann w├Ąre das alles nun nicht passiert. Aber es half nichts, sosehr sie es sich auch w├╝nschte. Mal ganz davon abgesehen, dass es auf der Kabine neben ihr widerlich nach Darmabgasen roch, sodass sie sich die Nase zuhalten musste.
    Sobald die Schulglocke nach dem Unterricht zum dritten Mal klingelte, war sie eine der ersten, die ihre Sachen in Windeseile zusammenpackten, um so schnell wie m├Âglich aus dem stickigen Klassenraum zu kommen. Sie hatte jedoch kein so gro├čes Problem mehr damit, dass es hei├č und stickig war, genauso wie es widerlich nach Schwei├č stank. Viel gr├Â├čer war das Problem, welches sie haben w├╝rde, wenn Jay mit ihr reden wollte. Und das wollte er sicher, sie kannte ihn gut genug um das zu wissen. Daher beeilte sie sich ganz besonders damit, ihre Mathemappe in die Schultasche zu stopfen und h├Ątte beinahe ihre Wasserflasche auf ihrem Tisch vergessen, wenn sie ihr nicht noch rechtzeitig ins Auge gefallen w├Ąre.
    Dar├╝ber, dass sie in Mathe mal wieder absolut kein Wort verstand, machte sie sich in dem Moment keine Sorgen. Eher setzte sich der Gedanke an den Jungen, der sie gek├╝sst hatte, in ihrem Kopf fest und machte sich zu einem gro├čen Problem. Das schlimmste dabei war, dass sie ganz genau wusste, wie sehr sie dabei ├╝bertrieb. Und dass andere das als Kleinkram wegstecken w├╝rden. Nat├╝rlich wusste sie genauso sehr, dass sie sich viel zu sehr in die Sache hineinsteigerte. H├Ątte sie so etwas wie einen Humor, dann w├╝rde sie sich sicher ├╝ber den Gesichtsausdruck lustig machen, den er gehabt hatte, als sie den Klassenraum verlie├č, um sich nach dem Kuss die Seele auszukotzen.
    Schwungvoll warf sie ihre blonden Haare nach hinten, damit sie ihr nicht mehr vor den Augen h├Ąngen konnten. Sie sah kurz nerv├Âs zur Seite und erkannte Jay, der gerade noch zusammenpackte und sich dabei alle Zeit der Welt lie├č. Das war ihre Chance; ihre Chance so schnell wie nur m├Âglich aus dem Klassenzimmer zu kommen und sich anschlie├čend f├╝r Ewigkeiten in ihrem Zimmer einzuschlie├čen.
    Also raste sie genauso schnell, wie sie gekommen war, auch wieder aus dem Raum heraus und fragte sich derweil, wie sie die kommenden Tage ├╝berleben sollte. Wahrscheinlich erz├Ąhlte sie ihrer Mutter tats├Ąchlich, sie h├Ątte eine Erk├Ąltung oder dergleichen.
    W├Ąhrend sie sich ausmahlte, was genau sie ihrer Mutter und vor allem Lyra erz├Ąhlte, wurden ihre Schritte instinktiv gem├Ąchlicher. Sie hatte das Schulgeb├Ąude mittlerweile verlassen und befand sich auf dem direkten Weg nach Hause. Sie entspannte sich beinahe schon wieder etwas, als sie eine Hand auf ihrem Oberarm sp├╝rte und zur├╝ckzuckte. Erschrocken blickte sie zur Seite und erkannte den Jungen, den sie am gestrigen Tage noch so sehr verg├Âttert hatte. Jetzt brachte ihr sein Gesicht nur Unheil.
    ┬╗Was ist? Was hab ich gemacht?┬ź fragte er und zog die Schultern ahnungslos an, w├Ąhrend er sie erwartungsvoll anblickte. Nat├╝rlich ignorierte er seinen eigenen Heimweg, nur um ihr zu folgen. Konnte er sie nicht f├╝r einen Moment in Ruhe lassen? Nein, was dachte sie sich auch.
    W├Ąhrend sie nach einer plausiblen Antwort suchte, die logisch war und Sinn machte, f├╝hlte sie sich durch seinen Blick dezent unter Druck gesetzt.
    ┬╗Das war schon sehr nah an etwas, was man sexuelle Bel├Ąstigung nennt. Hast du vorher gefragt?┬ź die Stimme kam definitiv nicht aus Emilys Mund, und sie w├╝rde auch niemals etwas in der Art sagen. Beide blickten schlagartig in die Richtung, aus der die pl├Âtzliche Stimme gekommen war. Heath schlenderte viel zu entspannt an ihnen vorbei und warf den zwei Personen einen bedeutungsvollen Blick zu. Ohne Vorwarnung schlang sie ihren Arm um Emilys Schultern und zog sie zu sich heran, was sie auch gleichzeitig von Jay wegzog. Sie war viel zu ├╝berrascht und ├╝berrumpelt, um irgendwas zu sagen und starrte Heath neben ihr nur entgeistert an.
    ┬╗Wie viele Zeichen muss sie dir geben, damit du die Fliege machst? Sogar ich hab das verstanden, und ich bin ein Ignorant┬ź, fuhr das dunkelhaarige M├Ądchen mit ihrem vorher begonnenen Satz fort und starrte Jay mit ihren giftigen Augen nieder. Emilys Blick fiel auf die blasse Hand des M├Ądchens, die nun ├╝ber ihrer Schulter baumelte und spitze, schwarzlackierte N├Ągel besa├č. Das machte sie noch mehr zu der Hexe, die sie doch bereits so deutlich verk├Ârperte. Durch die gro├čen Schritte, die sie machte, zog sie Emily mit, ohne dass sie sich dagegen wehren konnte ... oder wollte. Jay h├Ąngten sie ab, denn er war noch lange nicht so gro├č wie Heath.
    ┬╗Habt ihr euch jetzt gegen mich verschworen, oder was? Kennt ihr euch? Girlspower und so? Leck mich, Emily, leck mich. Mach doch was du willst.┬ź erwiderte Jay in einem trotzigen Ton, der seine innere Wut widerspiegelte. Es war nicht zu ├╝bersehen, wie gekr├Ąnkt er sein musste, aber auch wenn Emily kurze Zeit dar├╝ber nachdachte, ihm hinterherzugehen, sie tat es dennoch nicht. Zum einen Teil, weil sie absolut gar nichts verstand und zum anderen Teil weil sie zu faul war. Nein, nat├╝rlich kannte sie Heath nicht wirklich. Sie wusste auch nicht genau, ob sie ihr nun dankbar sein sollte, oder ob sie sie im Grunde nur auf den Arm nehmen wollte.
    Sie blickte Jay knapp hinterher, widmete sich aber bald wieder Heath, dessen Arm sie von ihrer Schulter entfernte und sich um einige Schritte von ihr wegbewegte.
    ┬╗Ein Danke w├Ąre angebracht, aber verrenk dir blo├č keinen Knochen daf├╝r.┬ź Heaths Stimme war tief und klang mindestens genauso genervt.
    ┬╗Ein Danke? Wof├╝r?┬ź spuckte Emily mit karger Stimme aus und zog beide Augenbrauen zusammen. Eigentlich wollte sie noch einen schnippischen Kommentar hinterherwerfen, was das sollte und was sie sich ├╝berhaupt erlaubte, aber sie hatte pl├Âtzlich einen riesigen Klo├č im Hals, der ihr die Stimme abschn├╝rte. Was war nur los mit ihr?
    ┬╗Daf├╝r, dass ich dir deinen Allerwertesten gerettet habe, sonst h├Ąttest du ihm wom├Âglich noch vor die F├╝├če gekotzt, so wie du aussahst, und das wollen wir doch nicht┬ź, mit einem Mal konnte man eine gro├če Menge an Sarkasmus in der Stimme der Hexe erkennen. Mittlerweile hatte sich so etwas wie ein gesunder Respekt f├╝r Heath in Emily entwickelt, was sie davon abhielt, sie zur Schnecke zu machen. Ansonsten h├Ątte sie jeden angemotzt, aber nun blieb sie still.
    Eine ganze Weile lang schwiegen sich die beiden an, in der Emily nerv├Âs an ihrem ├ärmel herumfummelte und Heath eine unglaubliche Ruhe ausstrahlte, die sie fast zur Wei├čglut brachte.
    ┬╗Mach dir nichts vor, Prinzesschen, du stehst nicht auf ihn. Das hast du nie┬ź, brach Heath mit einem Mal die Stille und schenkte ihr nicht einmal einen kurzen Blick. Im Gro├čen und Ganzen wirkte sie desinteressiert.
    ┬╗Was soll das denn hei├čen? Und woher willst du das ├╝berhaupt wissen?┬ź fragte Emily daraufhin emp├Ârt und redete sich selbst ein, dass sie nat├╝rlich Unrecht hatte und das auf keinen Fall stimmen konnte.
    ┬╗Weil ich es gesehen habe. Er ist nicht dein kleines schmieriges Prinzchen. Du kannst von Gl├╝ck reden, das ist ja beinahe so, als w├╝rde ich dir sagen, dass der Tumor in deinem Kopf gutartig ist.┬ź



    Ôůú

    Und was sollte sie nun tun? Ihn wegsto├čen? Oder einfach annehmen, und genau das tun, was sie fr├╝her getan h├Ątte?
    ┬╗Wo die Liebe hinf├Ąllt, w├Ąchst kein Gras mehr┬ź, hatte Heath gesagt, und Emily damit zum Denken angeregt. Sie war noch nie in einer Beziehung gewesen, und in dem Gedanken an die vielen Jungs, die ihr hinterherliefen, war ihr schon damals ein Schauer ├╝ber den R├╝cken gelaufen. In den letzten Tagen, an denen sie sich nicht in die Schule getraut hatte, hatte ihr Gehirn auf Hochtouren gearbeitet, jedoch noch viel mehr Fragen hinterlassen. Sicher war nun; sie wollte Jay nicht, das hatte sie nie. Genau das, was Heath ihr erkl├Ąrt hatte, und mit Schrecken musste sie feststellen, dass sie in so vielen F├Ąllen recht besitzen sollte. Was die Sache nicht besser machte.
    Nur kurz hatten sich die beiden unterhalten, auf dem Heimweg hatte sie das mysteri├Âse M├Ądchen auf einem abgelegenen Gut abgesetzt, welches wie das Miniformat einer alten Burg aussah. Der Vorgarten war genauso ungepflegt wie der Putz, der schon kl├Ąglich von der Wand bl├Ątterte und eine mausgraue Steinmauer zur├╝cklies. Trotz des nur kurzen Gespr├Ąchs hatte Heath so vieles in ihrem Leben ver├Ąndern k├Ânnen, was ihr nicht gerade zugute kam. Es war perfekt, bevor sie gekommen war. Und nun lie├č sie Fragen zur├╝ck, wie eine Spur, die sie in einen dichten, knorrigen Wald hinein hinter sich her zog. Und Emily war drauf und dran, ihr auf diesem Weg zu folgen. Was sollte das denn f├╝r ein M├Ąrchen sein? Die Prinzessin, die sich von ihrem Prinzen abgewandt hatte und der Hexe freiwillig direkt in den Schlund folgte?
    Leichtf├╝├čig stand sie von ihrem Bett auf und zog sich schnell an. F├╝r gew├Âhnlich h├Ątte sie deutlich zu lange daf├╝r gebraucht, aber in diesem Fall wollte sie sich beeilen. Also schmiss sie sich nur kurz etwas ├╝ber und steckte einzig und allein ihren Schl├╝ssel und ihr Handy ein. Ihrer Mutter erz├Ąhlte sie, sie m├╝sse nach den Krankheitstagen im Bett dringend frische Luft schnappen und sei bald wieder da. Zur├╝ck in der Wirklichkeit schwang sie sich aber auf ihr Fahrrad und machte sich auf den Weg zu dem abgelegenen Gut nahe des Waldrandes. Sie suchte Antworten, die ihr in ihrer Illusion nur Heath geben konnte.
    Dort angekommen schmiss sie ihr Fahrrad achtlos in das verdorrte Gras und schob das rostige Gartentor auf. In dem Haus konnte sie keine Lichter in den Fenstern erkennen, obwohl es doch schon bald d├Ąmmerte. An der T├╝r fand sie keine Klingel, nur einen silbernen T├╝rklopfer mit L├Âwenkopf. Den benutzte sie, und erschrak direkt, denn das Klopfen ert├Ânte so laut, dass sogar Raben aufflogen, die auf den D├Ąchern sa├čen. Oder die Umgebung war einfach zu still ...
    Es dauerte nicht lange, bis die T├╝r aufgerissen wurde, und Heath in einem schwarzen Mantel vor ihr stand. Blitzschnell griff sie begierig nach ihren Schultern, zog sie ins Innere und streckte den Kopf noch einmal nach drau├čen, um nach links und rechts zu schauen. Anschlie├čend schloss sie die knarzende T├╝r mit einem lauten Knall und heftete die giftigen Smaragde auf Emily.
    ┬╗Was suchst du hier?┬ź fauchte sie und starrte ihr beinahe in die Seele.
    ┬╗Ich m├Âchte wissen, was du mit mir gemacht hast ...!┬ź rief Emily, woraufhin Heath ihr eine Hand auf den Mund dr├╝ckte und den Finger mit dem spitzen schwarzen Nagel der anderen auf ihre Lippen legte.
    ┬╗Shh!┬ź Heath griff grob nach ihrem Arm und zog sie am Handgelenk durch die Halle hin zu der gro├čen steinernen Treppe. Es erinnerte Emily an eine Art viktorianisches gro├čes Gem├Ąuer, nur viel zu staubig und leer. Au├čerdem wirkte alles irgendwie ranzig, und sie hatte das Gef├╝hl, Ratten zu h├Âren, die ├╝ber den Boden huschten. Wer konnte denn in so etwas leben?
    Viel zu fest hielt Heath sie an ihrem Handgelenk und zog sie die Treppe hinauf direkt in ein Zimmer hinein, nicht ohne sich noch einmal umgesehen zu haben. Sobald sie beide drinnen waren, schloss sie die T├╝r und widmete sich ihr erneut.
    ┬╗Ich hab gar nichts mit dir gemacht, das warst du selber. Ich war nur der Ausl├Âser.┬ź erkl├Ąrte Heath leise.
    ┬╗Das ├Ąndert nichts daran, dass du Schuld bist.┬ź antwortete sie, woraufhin Heath schrill lachen musste. ┬╗Ach ja? Wenn du unbedingt einen B├Âsen in deiner Geschichte brauchst, bittesch├Ân, hier ist er. Gib mir die Schuld, das st├Ârt mich nicht. War es das, was dich hierher gebracht hat? Darauf kann ich verzichten, also mach die Fliege.┬ź dabei klang das dunkelhaarige M├Ądchen aufgebrachter als Emily es erwartet h├Ątte.
    ┬╗Nein, so ist das nicht.┬ź
    Heath fixierte sie mit ihrem lauernden Blick und schien jede ihrer Bewegungen zu beobachten. Anscheinend wartete sie auf eine Erkl├Ąrung.
    ┬╗Ich m├Âchte ja nur wissen, warum ... warum auf einmal alles so anders ist.┬ź
    Heath atmete aus. ┬╗Alles? Hast du dich in deinem Leben bisher etwa nur auf Jungs fixiert oder was? Ich will dir eine Frage stellen ... wie kann es sein, dass du diese ganzen Fragen nicht Jay stellst, sondern stattdessen mir hinterherl├Ąufst? Ist er nicht dein Prinz? Oder bin ich es?┬ź fragte sie sp├Âttisch und fuhr sich durch die fettigen schwarzen Haare.
    Emily starrte sie entgeistert an. Wie kam sie nur auf diese Idee? Sie ihr Prinz? Das M├Ąrchen wurde immer ulkiger, in dem die Hexe zum Prinzen wird.
    Aber mit einem Mal stutzte sie. Heath hatte sie auf etwas gebracht, was sie vorher nicht realisierte. War das die Antwort, nach der sie gesucht hatte? Ist sie deswegen der Hexe in den Wald gefolgt?
    ┬╗Bist du nicht eigentlich krank, oder so?┬ź unterbrach Heath pl├Âtzlich ihre Gedankeng├Ąnge und brachte sie in die Realit├Ąt zur├╝ck. ┬╗Keine Ahnung, ich bin nicht gut darin, hab nie Besuch, aber willst du was trinken?┬ź
    Emily nickte auf die Frage hin, denn nun fiel ihr auf, wie ausgetrocknet sie sein musste, nachdem sie den Gro├čteil des Tages im Bett gelegen hatte. Daraufhin man├Âvrierte Heath sie auf ihr Bett, welches ein klappriges altes Gestell mit einer unbezogenen Matratze war. Darauf lag ein plattes schwarzes Kissen und eine d├╝nne Decke. Wie befohlen setzte sie sich darauf, und ignorierte das Quietschen des rostigen Metalls gekonnt. W├Ąhrend Heath das Zimmer verlie├č um ihr etwas zu trinken zu holen, sah Emily sich das erste Mal genauer um. Es handelte sich bei dem Raum wohl nicht um das Zimmer eines gew├Âhnlichen Jugendlichen. Es war genauso leer wie der Rest des Hauses. Es gab nur ein B├╝cherregal mit traurigen sieben B├╝chern darin, einen Schreibtisch mit ein paar Unterlagen, einen Nachttisch und dieses Bett. Als Dekoration noch einen ausgefranzten staubigen Teppich und an der Wand abgebl├Ątterte Poster und Bilder in h├Ąsslichen Bilderrahmen, die meist Naturph├Ąnomene zeigten. So etwas wie einen Tornado, oder einen Waldbrand.
    Sie fragte sich, wie jemand so leben konnte ... und warum jemand so lebte. Besa├čen sie kein Geld, oder machten sie das freiwillig? Nun, das Gut war schon gro├č, sicherlich sah es zu einer fr├╝heren Zeit auch mal sehr majest├Ątisch aus, aber jetzt nicht mehr. Hatte Heaths Familie es geerbt?
    Bevor sie weiter dar├╝ber nachdenken konnte, kam besagte Person schon wieder leise durch die T├╝r geschl├╝pft und dr├╝ckte ihr ein Glas mit einer Fl├╝ssigkeit in die Hand, die sie in der angebrochenen Dunkelheit nicht erkennen konnte.
    ┬╗Was ist das?┬ź
    ┬╗Saft┬ź, antwortete sie nur knapp. Mit einer raschen Handbewegung z├╝ndete Heath die Kerzen in dem dunklen und verranzten Zimmer an. Ihr Schein war nicht allzu hell, jedoch eindeutig genug, zumindest f├╝r Emily. Sie machte es sich auf der harten Matratze so gut es ging gem├╝tlich und zog die Beine an. Ob es hier richtigen Strom gab, hatte sie Heath gar nicht gefragt. Aber sonst m├╝ssten die Bewohner ja auch Wasser aus dem Brunnen sch├Âpfen, um sich zu waschen. Augenblicklich fiel der Blick ihrer braunen Puppenaugen auf den Brunnen, der au├čerhalb des steinernen Hauses lag. Ein Schauer ├╝berkam sie, vielleicht musste man ja tats├Ąchlich kaltes Regenwasser benutzen. F├╝r gew├Âhnlich h├Ątte sie das verspottet, genauso wie Heaths Familie, aber es machte ihr nicht so viel Angst, wie sie erwartet hatte.
    Heath drehte sich zu ihr um und starrte sie mit ihren gr├╝nen Katzenaugen an.
    ┬╗Und was willst du jetzt tun?┬ź fragte sie mit tonloser Stimme und setzte sich neben sie auf das metallene Bett, welches bei der Belastung sofort zu quietschen begann, als w├╝rde es im n├Ąchsten Moment zusammenbrechen.
    ┬╗Wei├č nicht┬ź, erwiderte Emily und nahm einen kleinen Schluck aus dem Glas, w├Ąhrend sie ihren Kopf vorsichtig auf Heaths Schulter ablegte.

    3
    Die Fortsetzung dieser Geschichte wird in Zukunft auf Wattpad ver├Âffentlicht werden, wer sie also weiterlesen m├Âchte kann mir dort folgen.
    @callmeholydude

    F├╝r alle, die es nicht kennen, Wattpad ist eine App (kann auch im Internet aufgerufen werden) auf der man entweder Geschichten schreibt oder sie liest. Ich bin eher darauf unterwegs, da man dort einfacher schreiben kann. Wer also gerne noch mehr von mir oder die Fortsetzung von Before The Storm lesen m├Âchte, kann sich darauf verlagern:)

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