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Was wäre, wenn Vanessa nie gewesen wäre? -Die Wilden Kerle

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6 Kapitel - 2.384 Wörter - Erstellt von: Soso2005magic - Aktualisiert am: 2018-04-14 - Entwickelt am: - 54 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Was wäre, wenn ein anderes Mädchen statt Vanessa aufgetaucht wäre? Lest selbst aus den Perspektiven der einzelnen Kerle. Viel Spaß!
Und denk dran: Alles ist gut, solange du wild bist!

    1
    Leon's Sicht


    „Alles ist gut!“, rief ich in unseren verschlungenen Kreis. „Solange du wild bist!“, antworteten meine Freunde. „Gefährlich und wild!“, brüllten sie, nachdem ich „Sei wild!“ geschrien hatte. Zusammen ließen wir unser Löwengebrüll hören, Joschka warf mir den Ball zu und ich schoss ihn in hohem Bogen zum Platz. „Raban, Marlon, Juli, Maxi und ich gegen den Rest“, verkündete ich und stürmte auf den Ball zu. Die anderen folgten mir im gleichen Tempo, ich schoss den Ball zu Juli und das Spiel begann. Was keiner von uns sah: Oben auf dem Hügel vorm Teufelstopf hockte eine Gestalt im trockenen Gras. Die Gestalt war kaum zu erkennen, man konnte nur eine Silhouette ausmachen, die in der brennenden Sonne schwarz wie ein Schatten da saß und auf uns herunter sah. Nach einer ganzen Weile wurde der Schatten jedoch entdeckt. „He, schaut mal!“, rief Marlon und deutete dorthin. „Wer ist das?“, fragte Juli verwirrt. „Willi?“, überlegte Raban. „Nein, der ist größer. Vielleicht einer, der bei uns mitspielen will“, vermutete Dennis. Ich starrte misstrauisch zu der Gestalt. „Hey du! Komm mal her!“, forderte ich sie auf, und ich war mir relativ sicher, dass es ein Junge war, der sich als Kerl beweisen wollte. Kurz darauf erhob sich die schwarz gekleidete Person und stapfte lässig den Berg runter. Bei sehr genauem Hinsehen erkannte ich, dass die Gestalt Fußballklamotten trug. Und eine Kapuze. Mitten im Sommer. Mit zu Schlitzen verengten Augen sah ich zur Person herüber. „Wer bist du?“, wollte ich fragen, doch Markus kam mir zuvor. „Ich? Das ist noch nicht wichtig. Ich will bei euch mitspielen“, erklärte die Kapuzengestalt locker. „Ach ja?“, sagte Joschka. „Warte. Gebt ihm eine Chance“, meinte ich, weil ich wissen wollte, wie gut er war. Er sagte nichts. Für mich war er in dem Moment einfach nur "Er". Mehr wusste ich ja auch nicht. „Leon“, zischte Fabi. „Sicher, dass das eine gute Idee ist?“ „Ich weiß was ich tue“, versicherte ich scharf. Fabi hielt den Mund. „Auf welcher Position spielst du?“, fragte ich in die Stille. „Ich spiele im Sturm. Nur im Sturm“, knurrte er. „Du hast Glück. Im Sturm ist ein Platz frei. Du spielst dann mit mir zusammen im Sturm“, legte ich die Regeln fest. „Gut“, kam die Antwort. „So, und jetzt sag uns wie du heißt“, forderte Joschka. „Mein Name ist Cherry“, erwiderte er. „Cherry?“, prustete Raban los. „Kirsche im Sturm“, kicherte Maxi. „Sehr witzig!“, fauchte er, machte einen Schritt auf Maxi und Raban zu, dabei rutschte ihm die Kapuze vom Kopf. Genauer gesagt, ihr.

    2
    Cherry's Sicht:


    Mein Atem ging etwas schneller, als ich spürte, dass meine langen blonden Haare entblößt waren. Leon starrte mich finster an. „Ein Mädchen?“, platzte es aus Joschka heraus. „Ja, ein Mädchen! Hast du n Problem damit, Kleiner?“, fuhr ich ihn an. Das "Kleiner" war mir nur so herausgerutscht, aber ich war ja wirklich größer und wie es aussah auch ein Jahr älter als er. „N-Nein“, murmelte er und wich einen halben Schritt zurück. Nun sah Leon Joschka böse an. „Du ziehst den Schwanz ein und kneifst, weil ein Mädchen einen Schritt auf dich zugemacht hat?“, fragte er fassungslos. „Nein!“, wiederholte Joschka und stellte sich dahin, wo er vorher gestanden hatte. „Wollt ihr mich nicht dabei haben, weil ich ein Mädchen bin? In mir steckt ein Kerl, und von mir aus kann ich auch vorerst auf Probe bei euch spielen, um das zu beweisen!“ Mein Herz schlug nach der Ansage schneller, die Hitze war mir in den Kopf gestiegen. Dass diese wilden Kicker nicht merkten, was Fußball in meinem Leben für eine Rolle spielte! „Gute Idee“, stimmte Marlon zu. „Was denkst du, Leon?“ „Wenn's sein muss“, murrte Leon. „Leon?“, sagte ich. „Ja?“, fragte er und hob den Kopf. „Alles ist gut“, meinte ich relativ leise. „Solange du wild bist“, beendete er den Satz. Stille unter den Kerlen. Dann erschien auf Leon's vereistem Gesicht ein Grinsen. „Hey Cherry?“ „Ja?“, antwortete ich. „Du bist ein Kerl“, grinste Leon und schoss mir den Ball zu. Ich grinste auch und kickte den Ball weiter zu Maxi, der ihn zu Raban schoss. „He!“ Der laute, krächzende Ruf weckte uns aus dem Fußballfieber. „Willi!“, rief Joschka fröhlich. „Wer is'n das?“, fragte Willi und zeigte auf mich. Meine langen blonden Haare fielen mir über die Schultern und passten hervorragend zu meinem schwarzen Trikot, welches mir Leon zugeworfen hatte. Ich hatte es mir kurzerhand über mein Spaghettiträgertop gezogen, jetzt war ich ein waschechter Wilder Kerl! „Das ist...“, begann Fabi, doch ich kam ihm zuvor. „Ich bin Cherry“, erklärte ich mit fester Stimme, „und einer der Wilden Kerle!“ Auch Willis Blick war undefinierbar, ähnlich wie vorher der von Leon. „Dann willkommen“, meinte er freundlich und hob sein Base-Cape zum Gruß. Ich nickte, grinste und wandte mich dann wieder dem Spiel zu.

    3
    Jojo's Sicht:


    „Ciao Leute! Bis morgen“, rief Marlon, bevor er hinter Leon davon sauste. „Bis dann“, erwiderte Cherry und fuhr ebenfalls davon. „Tschüs Jojo“, verabschiedeten sich Juli und Joschka. „Tschüs“, meinte ich und nickte. „Kommst du, Markus?“, rief ich und sah genervt zurück zu Markus, der sich gerade die Schnürsenkel zuband. „Bin schon da“, verteidigte der sich amüsiert. Gemeinsam fuhren wir los. Wir wohnten beide fast nebeneinander, schließlich lag sein Haus in der gleichen Straße wie das Waisenhaus, in dem ich lebte. „Was wirst du sagen?“, fragte Markus. Ich zuckte mit den Achseln. Die Leute im Waisenhaus fanden es nicht sehr amüsant, wenn ich vom Training zu spät heim kam. Und das kam ich oft. Schweigend fuhren wir mit unseren Rädern durch den Finsterwald. Bald kamen wir am Waldrand an. Wir bogen beide in die gleiche Straße ein, hielten vor zwei gegenüberliegenden Häusern und verabschiedeten uns. „Bye Jojo“, sagte Markus, klopfte mir auf die Schulter, stellte sein Fahrrad in die Garage und ging ins Haus. Ich drückte auf die Klingel des Waisenhauses, der Türsummer ertönte und ich drückte die Tür auf. Hastig stürmte ich das Treppenhaus hoch bis ganz nach oben, wo mich schon eine wütende Frau Rades erwartete. Frau Rades war die Frau vom Waisenhaus. „Jojo Heidemoor!“, keifte sie, als ich leise hereinschlich. „Tut mir leid“, murmelte ich und wich zurück. „Das ist jetzt schon das vierte Mal diese Woche! Jojo, so kann das nicht weitergehen!“, schimpfte Frau Rades. „Ich weiß. Aber hätte es meine Mutter nicht so gewollt, wäre ich nicht hier! Am liebsten würde ich einfach abhauen!“, schrie ich. Schließlich hatte ich keine Lust mehr, mich jeden Tag von Frau Rades niedermachen zu lassen. „Das ist ein Waisenhaus, sonst hast du kein Zuhause“, bemerkte sie giftig. „Ach was, Sie sind ja ne Blitzmerkerin“, fauchte ich und stürmte in mein Zimmer. „Jojo Heidemoor, das wird ein Nachspiel haben!“, schrie sie mir nach. Doch ich hörte schon gar nicht mehr zu. Ohne groß nachzudenken und blind vor Wut schmiss ich meine Sachen in die Tasche, mit der ich vor einem halben Jahr hier angereist war. Dann schob ich das ganze unter mein Bett und legte mich unter die Decke, so dass es so schien als würde ich schlafen. Abedessen war mir gerade sowas von egal.
    Als ich sicher war, dass alle aus meinem Zimmer schliefen, schnappte ich mir die Tasche, öffnete leise die Zimmertür und stahl mich hinaus auf den Flur, der schwach beleuchtet war. Leise wie eine Katze und schnell wie ein Hase huschte ich das Treppenhaus hinab, öffnete so geräuschlos wie möglich die Tür und verschwand, ohne zurückzublicken, in die mondhelle Nacht.

    4
    Raban's Sicht:


    „Klack!“ Ich wälzte mich auf die andere Seite. „Klick!“ Ich öffnete ein Auge. Als eine gedämpfte Stimme leise meinen Namen rief, war ich hellwach. Ich griff nach meiner Brille, setzte sie auf und richtete mich in meinem Bett auf. „Jojo?“ murmelte ich und stand auf. Ich öffnete mein Fenster, und unten stand Jojo der bleich wie ein Gespenst zu mir aufsah. „Hast du sie noch alle?“, zischte ich in die Dunkelheit. „Kannst froh sein, dass die Scheibe die Kieselsteine überlebt hat! Was ist los?“ „Kann ich hochkommen?“, wollte Jojo leise wissen. „Okay...“, stimmte ich verwirrt zu, drückte auf einen Knopf, der hinter einigen meiner Bücher versteckt war, und fuhr meine Leiter aus. Jojo ließ nicht auf sich warten und kletterte flink wie ein Affe zu mir ins Zimmer. Ich stand am Fenster und fühlte mich wie Rapunzel. „Was gibt's?“, fragte ich erneut. „Ich bin abgehauen“, gab Jojo kleinlaut zu und kickte seine Tasche unter mein Bett. „Wie bitte?“, rutschte es mir heraus, so entgeistert war ich. „Ich hab es nicht mehr da ausgehalten“, nuschelte Jojo und stützte sein Kinn auf seine Hände. „Okay okay“, erkannte ich die Lage. „Kannst die Woche bei mir schlafen. Nächste Woche musst du aber leider jemand anderen fragen. Meine Mutter erlaubt nicht länger“, entschuldigte ich mich. „Alles klar“, willigte Jojo ein und hockte mich auf den Teppich. Ich zog eine Matratze für Notfälle unter meinem Bett hervor, stellte Jojo's Tasche in meinen Schrank und breitete eine Decke über der Matratze aus. „Lass uns weiterschlafen“, brummte ich, da ich ganz schön müde war. „Okay“, stimmte Jojo widerwillig zu und legte sich hin. Ich kroch wieder in mein Bett, und obwohl ich nach fünf Minuten im Halbschlaf war, merkte ich trotzdem, dass Jojo die ganze Nacht stumm und unbewegt da lag und Löcher in meine Decke starrte.

    5
    Juli's Sicht:


    Am nächsten Tag war Samstag, und somit hatten wir den ganzen Tag zum Fußballspielen! Direkt nach dem Frühstück waren Joschka und ich losgesaust und als zweite beim Teufelstopf angekommen. Leon und Marlon waren schon da, zwei Minuten nach uns trafen Cherry und Markus einmal „Wo habt ihr Jojo gelassen?“, fragte Joschka. „Ich habe keine Ahnung! Normalerweise treffen wir uns immer an der Kreuzung zur Johannisstraße, aber heute ist er nicht gekommen“, berichtete Markus. Komisch. „Jojo ist doch nie krank“, bemerkte Fabi, der auch gerade auftauchte. „Nur heute sehr übermüdet“, ergänzte Willi, der gerade auf einem Klappstuhl vor seinem Kiosk hockte und im Gegensatz zu uns Raban mit einem blassen Jojo im Schlepptau hatte kommen sehen. „Jojo!“, rief Markus. „Wo warst du?“ „Wo sollte er gewesen sein?“, fragte Dennis, der mit Maxi eintraf. „Er war heute morgen nicht am Treffpunkt“, erklärte Cherry knapp. „Warum nicht?“, mischte sich Marlon ein. „Ich bin über Nacht aus dem Waisenhaus abgehauen“, gab Jojo zu. „Du bist...was?“, staunte Leon. „Abgehauen. Hast du doch gehört“, meckerte Marlon. „Klugscheißer“, knurrte Leon. „Du bist die Pest“, feuerte Marlon zurück. „Dafür ist jetzt keine Zeit!“, fauchte ich. „Juli hat recht“, meinte Cherry und legte Jojo eine Hand auf sie Schulter. „Wo willst du bleiben? Du hast kein Zuhause!“ „Mich abwechseln. Diese Woche bleibe ich bei Raban, danach muss ich woandershin. Ich werde schon überleben“, murmelte Jojo. „Genau. Und im schlimmsten Fall ziehst du zu Willi“, schmunzelte Maxi. „Haha“, meinte Jojo grimmig, doch dann grinste er. „Wollen wir heute noch spielen?“ „Klar!“, rief Leon und rannte mal wieder voraus. Ich warf Jojo noch einen letzten besorgten Blick zu, dann folgte ich den anderen aber doch. Im Extremfall war wirklich noch Willi da.

    6
    Markus' Sicht:


    Es war ungewohnt, Jojo nicht mehr nah bei sich wohnen zu haben. Dafür wohnten Maxi und Cherry auch nur eine Straße weiter. Ein kleiner Trost war das schon. Cherry hatte sich super eingefunden, sie war einsame Spitze im Sturm und zusammen mit Maxi und Leon unsere Geheimwaffe. Es war wieder Schule, das hieß, weniger Zeit für Fußball. Trotzdem spielten wir sooft es eben ging. Auch wenn ich mir am Anfang nicht sicher war, ich glaube, ich hatte mich so dezent in Cherry ver- na ihr wisst schon. Ihr Haar glänzte immer wie flüssiges Gold, ihr Blick glich dem arktischen Meer und ihre Haut dem unberührten Schnee auf einem winterlichen Feld. Keine Ahnung wieso. Normalerweise hat ein Wilder Kerl nichts für Mädchen übrig, doch bei mir war das anders. Warum auch immer. Doch es schien so, als würde Cherry Gefühle für... Nun ja, für Leon haben. Seitdem ich einige Anzeichen darauf hatte, spielte ich nicht mehr so konzentriert, lernte ich nicht mehr so intensiv für die Schule, und ob ihr es glaubt oder nicht: Ich sprach auch immer weniger. Leon und Cherry zusammen zu sehen versetzte mir immer einen Stich. Ab einer gewissen Zeit hatte ich erst gemerkt, wie wichtig dieses wilde Mädchen eigentlich für mich war. Ich träumte teilweise sogar von ihr. Einmal hatte ich ihm Unterricht mit meiner Klasse eine Geschichte im Schulbuch gelesen, später sollten wir sie noch einmal zusammenfassen. Ich hatte die ganze Zeit flüssig gesprochen, bis zu dem Moment, in dem ich plötzlich mitten im Satz voll verträumt "Cherry" gesagt hatte. Meine Lehrerin hatte mich daraufhin gefragt, ob ich eine Vorliebe für Kirschen hätte. Ich hab nur heftig genickt, und es auch vollkommen ernst gemeint. Aber andererseits: ein wilder Kerl verliebt sich doch nicht! Oder?

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