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Lianen des Lebens

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4 Kapitel - 4.226 Wörter - Erstellt von: Showny - Aktualisiert am: 2018-04-09 - Entwickelt am: - 216 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Liana ist zehn Jahre alt und lebt - insofern man es so nennen kann - bei den Lestranges. Ihre Eltern, sowie ihren Nachnamen kennt sie nicht. Vermutlich wurden erstere ermordet.
Taucht hinein in die wohlbekannte Harry Potter Welt!

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    Ihre Augen blickten stumpf auf den Boden, als die flache Hand mit rasendem Tempo auf sie zugesaust kam. Sie zuckte nicht mehr zusammen, auch dann nicht, wenn die kalte Fläche brennend auf ihrer Wange zum Stillstand kam. Sie schrie nicht. Auch nicht wenn der Cruciatus Fluch sich in ihren Körper brannte und der Imperius Zauber ihren Willen nahm. Liana hatte keinen Grund zu schreien. Es hörte sie niemand. Sie sah die Hand erneut kommen und realisierte nur am Rande, wie sie auf ihr Gesicht donnerte. Es gab niemanden der ihr helfen könnte, aus dieser Hölle zu entkommen. Seit ihrem siebten Lebensjahr hatte sie die Hoffnung aufgegeben jemals freizukommen. Wenn jemand vorgehabt hätte, sie zu retten, wäre er hier und hätte keine zehn Jahre abgewartet und vergeudet. Der nächste Schlag kam. Früher hatte sie sich ausgemalt, dass Leute aus dem Ministerium kommen würden, um sie zu retten, doch als auch diese sich nicht blicken ließen, verlor sie den Glauben. Den Glauben an eine faire, gerechte Welt, in welcher alle Menschen bekamen, was sie verdienten. Aber vielleicht hatte Liana es auch verdient. Vielleicht hatte sie etwas unverzeihliches getan. Sie wusste es nicht, schließlich hatte sie keine Ahnung, wie sich Menschen verhielten. Sie kannte keine, außer Bellatrix und Rodolphus Lestrange. Und wenn sie schon nicht wusste, wie es in einer normalen Familie ablief. Ihr war klar, dass es nicht darum ging seine Kinder zu schlagen und zu verfluchen, wenn sie vergaßen ihre Eltern an ein wichtiges Treffen zu erinnern. Leblos saß sie nun in der Ecke und ließ alles kommentarlos über sich ergehen. Morgen war ihr elfter Geburtstag. Sie freute sich kein Stück. Noch ein Jahr länger, in welchem sie bei diesen Menschen lebte. Liana wusste, dass sie nie auf Hogwarts gehen durfte. Bellatrix könnte es niemals zulassen, dass sie etwa eine Teetasse verschüttete und nicht mit mindestens 3 Minuten Cruciatus bestraft werden würde. Sie hatte aufgehört, sich zu fragen, was die Lestranges mit ihr vorhatten. Liana war es ihrer Meinung nach nicht würdig, sie zu einer Todesserin zu machen. Auch wäre es zu gefährlich, sie zu einer Arbeit zu schicken. Somit vermutete Liana, dass sie sich damit abfinden musste, bis an ihr Lebensende in diesem Kerker zu sitzen. Und sie hatte sich damit abgefunden. Bestimmt war es traurig, dass ein beinahe elfjähriges Mädchen sich auf den Tod freute. Doch es war so. Sie hatte nichts. Nichts und niemanden, der sie in dieser Welt halten könnte. Und sie hatte beschlossen, sollte sich ein Ausweg finden, sodass sie irgendwie freikam, musste sie, insofern die Lestranges noch lebten Suizid begehen. Sie könnte es nicht ertragen, mit der ständigen Angst zu leben, möglicherweise gefunden zu werden und all dies wieder ertragen zu müssen. Liana sah auf und stellte fest, dass Bellattix wohl schon gegangen war und aufgehört hatte, auf sie einzuschlagen. Früher hatte sie noch Gründe gesucht um sie zu schlagen, doch mittlerweile machte sie auch das nicht mehr. Das Mädchen saß verloren und blutend in dem kalten Keller und spürte nichts. Ein großer Teil von ihr, war schon vor langem gestorben und sie konnte sich nicht vorstellen, ihn wiederzufinden. Sie wollte es auch gar nicht. Sollte sie irgendwann wieder vollständig wach und bei Sinnen sein, müsste sie die ganzen Qualen erleben und vollständig spüren, wie es am Anfang gewesen war.  Die Lestranges waren nicht ihre richtigen Eltern. Diese hatte sie noch nie gesehen und vermutete auch, dass die Lestranges sie getöten hatten. Sie hatte sich schon immer gefragt, weshalb sie bei dieser Familie aufwuchs. Hatten sie ihre Eltern gekannt? Hatten diese Liana freiwillig den Lestranges überlassen? Oder weshalb hatten die Lestranges Liana nicht gleich getötet? Na gut, die letzte Frage war leicht zu beantworten. Sie wollten jemanden den sie Quälen konnten. Sie wollten eine Person, sie anfing zu zittern wenn sie nur ihre Namen hörte. Und bekommen hatten die Lestranges sie. Sie hatte nie gezittert, oder geschrien. Hatte nie dergleichen gemacht. Liana entsprach nicht ihren Vorstellungen, also wieso machten sie ihren Leben kein Ende? Vermutlich wollten sie einfach nicht, dass sie erlöst wurde. Denn der Tod schien Liana der bestmögliche Ausweg in ihrer Situation zu sein.

    Sie wusste nicht, was sie erwartete, als sie am nächsten Morgen aufwachte und ließ die Augen daher geschlossen, als sie bemerkte dass jemand in Raum war. Sie atmete flach weiter und hoffte, dass die Person einfach verschwinden würde. Erst beim Schlag ins Gesicht, zeigte sie sich wach. Sie blickte auf und sah als erstes in Rodolphus' dunkle Augen. In diesem Moment, dachte sie nicht an Dinge die sie erwarten könnten, sondern an etwas ganz anderes. Sie wusste nicht einmal welche Farbe ihre Augen hatten. Auch die Haarfarbe nicht. Doch insofern sie es im dauerhaft schummrigen Licht erkennen konnte, waren letztere hell. Dann sah Liana wieder zu Rodolphus und zuckte beinahe zusammen, als er die Tür öffnete und ein Lichtstrahl sich den Weg in den Kerker bahnte. "Na sieh mal einer an. Bist du endlich wach!" Während er sie absichtlich grob losband versuchte sie sich abzulenken und nicht darüber nachzudenken was jetzt geschehen würde. Sie dachte an ihre Augenfarbe und stellte sich ein Mädchen mit wechselnden Augen vor. Hatte sie eine breite, oder eine lange Nase? Schmale, oder breite Lippen? Wie sah sie aus? Waren ihre Haare braun, oder blond? Wie sah das Mädchen namens Liana aus? Als Rodolphus fertig war, schliff er sie dann nach oben. Sie hatte ihr ganzes  Leben im Kerker verbracht und wusste nicht, wie alles aussah. Sie musste sich an die Wand lehnen, als sie durch das Licht geblendet wurde. Bei Merlins Bart, war das hell! Der Mann führte sie in einen vollständig weißen Raum in dem nur ein einsamer Sessel stand. Als Rodolphus sie auf den Stuhl zerrte, kettete er sie fest und verließ den Raum. Liana musste die Augen schließen, so hell war das Licht. Sie ließ ihren Kopf hängen und fühlte sich dreckig. Doch sie zeigte keine Tränen. Sie war abgehärtet durch die lange Zeit hier. Sie hatte das Gefühl ewig hier zu sitzen und begann im Kopf bis 1000 zu zählen und wieder zurück. Ganze vier Mal schaffte sie es bis jemand kam. Liana hatte die Augen noch immer nicht offen. Sie fürchtete sich vor dem Sonnenlicht. War es denn immer so hell? An dem lauten Klackern der Schuhe, konnte sie Bellatrix identifizieren. Mutlos seufzte sie auf und öffnete langsam die Augen und ließ sie wenn auch zusammengekniffen offen. "Du gehst nach Hogwarts." Liana musste blinzeln. Sie hatte sich verhört. Sicher hatte sie sich verhört. "Du wirst in diese Schule gehen und nach Slytherin gehen!" Sie senkte ihre Stimme. "Wenn du nicht nach Slytherin kommst kannst du dich auf etwas gefasst machen! Rodolphus hat den ganzen Tag zeit." Liana verzog keine Mine. Bellatrix kettete sie los und brachte sie in die Zelle zurück. "In 4 Tagen gehst du nach Kings Cross und fährst in die Schule." Nach einer zehnminütigen Cruciatus Zeit ließ sie die Kerkertür zufallen. Das Mädchen musste sich all die Dinge die sie heute gehört hatte, durch den Kopf gehen lassen. Sie hatte im letzten Moment einen Blick auf ihre Haare erhaschen können. Sie waren hellblond.

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    Liana war aufgewühlt. Sie wusste nicht was sie davon halten sollte nach Hogwarts zu gehen. Die Sache hatte bestimmt einen Haken, sonst dürfte sie nicht gehen. Die Lestranges hatten sich bestimmt etwas ausgedacht. Auch auf die Lehrer dort verließ sie sich nicht. Sie hatte kein Vertrauen in irgendjemanden. Sie konnte niemanden vertrauen. Wenn die Lestranges dabei waren nicht einmal sich selbst. Möglicherweise stand sie unter dem Imperius Fluch. Sie durfte nichts auffälliges denken. Vielleicht konnte jemand der Lehrer Okklumentik. In Gedanken zählte sie alle Dinge auf, die sie nicht machen durfte. Sie musste auch versuchen irgendetwas für ihre Augen zu tun. Sie konnte nicht auf Dauer in diesem Licht herumlaufen. Liana schloss die Augen und gab sich in Gedanken eine Ohrfeige. Sie dachte an Hogwarts. Dabei hatte sie ihren Vorsatz vergessen. Sie konnte es nicht länger ertragen. Allein der Gedanke länger hier zu bleiben und später wiederzukommen... Es gab da doch so einen Wald oder? Trieben sich da nicht magische Kreaturen herum? Wobei sie nicht vorhatte von Zentauren erschossen zu werden. Da war ihr ertrinken lieber. Es gab in Hogwarts einen See oder? Sie schlug verzweifelt ihren Kopf gegen die Wand. Sie wollte nicht sterben! Doch wollte sie. Aber nein, arghh. Sie wusste nicht was sie denken sollte. Sie wollte nicht zurückkommen! Aber in Hogwarts könnte es schön werden. Nein könnte es nicht! Sonst würde Bellatrix sie nicht gehen lassen. Sie hatte bestimmt jemanden auf sie angesetzt. Am besten setzte sie all dem gleich nach der Ankunft ein Ende. Am ersten Abend. Vielleicht würden die Lestranges die Häuserwahl noch nicht so bald erfahren. Und dann konnte es ihr auch schon egal sein. Wurden nicht die Namen vorgelesen? Liana hatte keinen Nachnamen. Nie gehabt. Oder besser gesagt sie hatte bestimmt einen und die Lestranges wussten davon. Sie kannten ihn und sagten ihn nicht. Doch sie wollte ihn auch nicht wissen. Es war ihr egal. Sie fragte sich weshalb sie sich solche Gedanken machte. Es war doch egal. Sie würde den Kerker vermutlich gar nicht verlassen dürfen. Es war wahrscheinlich alles nur ein Scherz gewesen. War sie paranoid? Vermutlich. Wahrscheinlich sogar.

    Sie würde heute noch in die Winkelgasse reisen. Sie würde dort ihren Zauberstab holen, der Rest war schon besorgt. Sie sollte nicht zu viel Zeit in der Öffentlichkeit verbringen. Diese Worte hatte Bellatrix ihr am Morgen eingeschärft. Kombiniert mit ein paar Flüchen, damit sie auch nichts vergaß. Schließlich belegte Bellatrix sie mit einem Zauber, der verhinderte, dass man ihre Narben und Wunden sah. Schließlich ging es in die Winkelgasse. Ein Bekannter der Lestranges begleitete sie, da sie die meistgesuchtesten Verbrecher waren. Liana konnte nicht so viel auf einmal laufen, doch ließ sich nichts anmerken. Sie gingen zu Ollivanders ohne viel Aufsehen zu erregen. Da kam der alte Mann und musterte sie. "Ah! Wenn das mal nicht die junge Miss Filliden ist!" Liana Filliden? War das ihr Name? Sie hatte ihren Namen herausgefunden! Dass es der richtige war, ließ sich schon alleine an dem wutroten Gesicht ihres Begleiters erkennen. Liana Filliden... Sie mochte ihren Namen. Sie blinzelte wegen die Mittagssonne die in den Laden schien. Namen waren egal. Alles war egal. Sie wollte nicht zurück, nach der Zeit in Hogwarts. Sie würde sich einen Zauberstab holen und dann verschwinden. Liana wollte die Zeit alleine und ohne die anstrengende Öffentlichkeit genießen. Auch wenn das den Kerker bedeutete. Ollivanders gab ihr viele Zauberstäbe, doch bei keinem wollte es klappen. Schließlich war sie so miesgelaunt, dass sie auf wie von Zauberhand (ha-ha) auf einen bestimmten Stab zuging. Es schien eine magische Kraft von ihm auszugehen (wir sind wohl witzig drauf heute xD). Sie nahm in sachte in dir Hand und ein warmes Gefühl ging von ihm aus. Zum ersten Mal in ihrem Leben fühlten sie sich frei und verstanden. Und dann war der Augenblick wieder vorbei und die allbekannte Einsamkeit war zurück. "Ungewöhnlich. Wirklich ungewöhnlich." Liana wich zurück als Ollivander mit leiser Stimme zu reden begann. "Noch nie hat ein Zauberer oder eine Zauberin den Zauberstab selbst gefunden. Das bedeutet großes Talent, wissen Sie?" Er wandte sich ab und stellte sich hinter den Tresen. "Nun gut, Weißdorn und Drachenherzfaser, 11 Zoll, ein wenig federnd." Liana bezahlte und machte sich daran die Winkelgasse so schnell wie möglich zu verlassen. Der Fremde führte sie noch durch die Tür und disapparierte sofort. Schon war Bellatrix in der Eingangshalle und nahm ihr den Zauberstab ab. "Denn bekommst du wenn du in den Zug steigst. Damit du mir keine Dummheiten machst!" Anschließend wurde sie wieder in den düsteren Kerker gesperrt, in welchem sie emotionslos vor sich hin vegetierte. Immer wieder wisperte sie die selben Worte vor sich hin. "Liana Filliden.  Filliden. Filliden Liana. Filliden." Am nächsten Morgen würde sie nach Hogwarts gehen. Sie sollte sich darüber freuen, für immer von hier wegzukommen, doch das bedeutete gleichzeitig, dass es in 2 Tagen um sie geschehen sein müsste. Liana fragte sich, wie Bellatrix es geschafft hatte, sie in Hogwarts einschreiben zu lassen. Immerhin war sie eine der meistgesuchtesten Verbrecher. Das ließ sich auch aus den Diskusionen zwischen den Lestranges führen. Schon sein längerem brüllte Bellatrix etwas über so etwas wie die "Longkottens" und dass sie erledigt gehörten. Schon alleine der Gedanke daran zu morden, sorgte für einen Kloß in ihrer Kehle. In gewisser Hinsicht würde sie aber morden. Sich selbst. Auch das zählte dazu. Sich schüttelnd versuchte sie an etwas anderes zu denken. Was passierte, wenn sie nicht nach Slytherin kommen sollte? Sie würde bestimmt nicht dorthin kommen. Liana war kein böser Mensch. Auch wenn es vielleicht auf Außenstehende so scheinen möge, aber sie war nur ein Mädchen, welchem Schlimmes widerfahren war. Und sie hatte sich anpassen müssen. Sonst hätte sie diese elf Jahre nicht überlebt.

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    Liana durfte alleine nach Kings Cross. Sie vermutete, dass Bellatrix sie schon irgendwie im Blick hatte, sonst dürfte sie wohl nicht gehen. Mit zusammengekniffenen Augen wankte sie die Straße entlang. Ihr Körper musste sich noch an das lange Gehen gewöhnen. Liana schirmte die Sonne mit ihrer Hand ab. Der Bahnhof müsste irgendwo hinter dieser Einkaufsstraße sein. Sie schloss kurz die Augen und öffnete sie wieder als sie plötzlich stolperte und mit dem Gesicht gegen eine der Scheiben flog. Vor ihrer Nase sah sie Brillen, die Aussahen wie aus diesen Muggelzeitungen, die sie vorhin aus dem Müll gefischt hatte. Sie hatten dunkle Scheiben als Gläser und sollten wohl von der Sonne schützen. Entschlossen ging sie auf einen Automaten, der draußen stand zu, um die Galleonen gegen Muggelgeld zu wechseln. Sie entschied sich für den schönen roten und nahm sich gleich drei Stück. Es war eine Frau mit Krone abgebildet und in der Ecke stand jeweils 50. Waren 150 dieser Währung viel Geld? Sie zuckte mit den Schultern und betrat den Laden. Glücklicherweise kam kein Angestellter aus sie zugeeilt und sie konnte die Brillen schnell anprobieren. Letztendlich entschied sie sich für ein silbernes Modell, das an den äußeren oberen Ecken der Gläser fast tränenförmig zulief. Sie legte einfach das ganze Geld hin, wobei der Verkäufer große Augen machte. Vermutlich hatte sie viel zu viel gegeben. Sie setze sich die Sonnenbrille auf die Nase und konnte die Augen endlich ganz aufmachen. Sie blickte sich richtig um und staunte über die Schönheit dieses Platzes. Als ihr Blick an der Uhr hängen blieb stockte ihr der Atem. Sie hatte nur noch eine Stunde um aufs Gleis zu kommen. Und sie kannte noch nicht einmal den Weg! Über 20 Minuten irrte sie auf der Suche nach dem Bahnhof hin und her. Als sie endlich den Eingang erreichte, standen ihr Gepäckwagen und ein Mann mit verdeckten Gesicht davor. Er nickte ihr zu und eilte davon. Es schlug halb, als sie endlich die Gleise betrat. Da die Lestranges sie immerhin die Zeitung lesen ließen, nachdem sie nicht mehr aktuell war, kannte sie sich in der Welt der Zauberer einigermaßen aus und wusste, dass sie auf das Gleis 9 3/4 musste. Dazu lief man auf den Pfosten zwischen Gleis neun und zehn zu. Theoretisch sollte man dann zum Steig kommen. Ob es auch praktisch stimmte, sollte sie gleich herausfinden. Sie blickte sich um und passte den richtigen Moment ab. Mit dem Wagen vor dem Körper rannte sie auf die Wand zu, die immer näher kam. Sie schloss die Augen und schauderte, bei dem ungewohnt wabbeligen Gefühl des Inneren der Wand. Schon stand sie auf dem überfüllten Bahnhof und zwängte sich durch die Massen von Kindern, die sich von ihren Eltern verabschiedeten. Ohne einen Blick zurück setzte sie einen Fuß in den Zug. Plötzlich sprang ein schwarzer Fleck von ihrem Oberteil ab und flog, schwarze Rauchfeden hinter sich herziehend davon. Einige Erwachsene musterten sie misstrauisch und wandten dann mit gerunzelter Stirn den Blick ab. Liana schüttelte den Kopf und betrat den Zug. Das war bestimmt irgendein Aufspürungszauber von Bellatrix gewesen. Damit sie in den Zug stieg und nicht davonlief. In etwa die Hälfte der Abteile waren noch leer. Die meisten trafen erst jetzt am Bahnhof ein, oder verabschiedeten sich noch. Liana verdrehte die Augen und nahm sich eins der hinteren Abteile. Bei Merlins Bart, was würde sie jetzt für eine Ausgabe des Tagespropheten geben, um diese Wartezeit zu verkürzen. Mit sich kämpfend holte sie eins ihrer Zauberbücher - sie erwischte Lehrbuch der Zaubersprüche Band 1 - heraus und begann darin zu blättern. Sie fand darin den Zauberspruch "Wingardium Leviosa" und die Erklärung mithilfe von "Das Wutschen und Wedeln". Aus reiner Neugier und da sie gerade niemand sehen konnte, holte sie ihren Zauberstab hervor und räusperte sich. "Wingardium Leviosa!" Auf einmal knallte es und aus ihrem Zauberstab sprühten Funken. Gleichzeitig begann jedoch ihr Buch zu schweben und zu rauchen. Schnell klopfte sie es ab und steckte den Stab weg. Gegen das darauffolgende konnte sie nichts tun. Sie begann so heftig zu lachen, dass ihr die Tränen kamen und sie sich die Sonnenbrille abnehmen musste, um sie wegzuwischen. Auf einmal sah sie zwei gleichaussehende Jungen mit roten Haaren, die ihre Köpfe zur Tür hineinsteckten. Liana war geschockt von ihrem verhalten und setzte die Brille, mitsamt ihrer ausdruckslosen Mine auf.

    | Mir ist bewusst, dass Bellatrix zu dieser Zeit schon in Askaban sein sollte, doch sonst würde das nicht mit meinen Vorstellungen zusammenpassen und jetzt hoffe ich, dass ihr mir das verzeihen könnt;)
    Ps: Sorry für das kurze Kapitel ich habe gerade ein bisschen Stress. |

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    "Hey, wer feiert hier eine Party ohne uns?", fragte der linke der beiden. Der andere sah ihn bestätigend an. "Ja, so geht das nicht!" Sie schmunzelten und schienen gar keine Antwort abzuwarten. Sie unterhielten sich selbst. "Na, George - da ist wohl kein Platz mehr - in den anderen Abteilen. - Jetzt müssen - wir wohl hierbleiben. Schade - nicht wahr, Fred?" Liana war komplett verwirrt, da sie immer abwechselnd ihre Sätze beantworteten. Anstatt etwas zu sagen blieb sie einfach still und setzte sich näher ans Fenster, um stumm nach draußen zu starren. Die beiden - es mussten Zwillinge sein - sahen sie an. Offenbar erwarteten sie eine Antwort. Doch sie blätterte weiter im Buch herum. Allerdings probierte sie keinen der Zauber aus, sie wollte nicht, dass sich so etwas wiederholte.  Geistesabwesend kratze sie sich an einer Narbe am Handgelenk und erstarrte. Wieso konnte man sie sehen? Vorsichtig tastete sie in ihr Gesicht und spürte auch diese wieder. Eilig ließ sie die eine unter dem Ärmel verschwinden und stütze ihre Wange scheinbar unauffällig an der anderen ab, so dass man die lange Narbe in ihrem Gesicht nicht sah. Verdammt, was sollte sie nun machen? Wenn jemand sie so sah... Liana schluckte. In Gedanken versuchte sie sich zu erinnern, welchen Zauber Bellatrix gesprochen hatte. Doch sie konnte sich nicht einmal an den ersten Buchstaben des Spruches erinnern. Plötzlich spürte sie ein qualvolles Stechen in den Narben und bemühte sich ihr Gesicht nicht zu verziehen. Dank der Brille sah man die Tränen nicht, die ihr in die Augen traten. Die Brüder waren aber damit beschäftigt sich über die neuesten Rennbesen zu unterhalten und bemerkten nichts. Sie bohrte ihre Fingernägel in die Sitzpolster und sah ihre Knöchel weiß anlaufen. Genauso schnell wie er gekommen war, war der Schmerz auch wieder weg und sie staunte, als die Narben wieder kleiner wurden und verschwanden. Was war denn das jetzt gewesen? "Was war denn das jetzt?", hörte sie plötzlich einen der beiden anderen sagen. Erschrocken sah sie ihn an und bemerkte erleichtert, dass er bloß ein heftiges Ruckeln des Zuges gemeint hatte. Dann allerdings sah er ihr auf die Brille. "Wieso hat die dunkle Gläser?" Sie sah ihn nur an und erwiderte nichts. Da sagte der andere zu ihm. "Das sind diese Muggelbrillen gegen Sonne. Dad erforscht doch Muggelsachen, das hat er bestimmt schon öfter gesagt." Der andere nickte. "Das kann schon sein, aber ich höre ihm nie zu, wenn er damit anfängt."  "Bist du Muggelstämmig?", fragte der rechte. Konnten die sich nicht um ihre eigenen Probleme kümmern? "Nein", sie wusste es nicht, aber vielleicht hörten sie dann mit der Fragerei auf. "Wieso trägst du die Brille?"  Sie seufzte genervt. "Weil meine Augen empfindlich gegen Sonnenlicht sind!" Immerhin Stille, die sie ausnutze um ihren hämmernden Kopf gegen die Scheibe sinken zu lassen. Doch nach 2 Minuten begannen sie schon wieder zu quatschen. "Ich wusste nicht, dass es das gibt. Und da gibt es keinen Zauber oder so?", fragte der linke nachdenklich. Sie schüttelte den Kopf. Sie vertieften sich wieder in ein Gespräch und ließen sie in Ruhe. Das Gerede der beiden rückte in den Hintergrund und sie schlief im Sitzen ein.
    Sie wurde wach, als sie einen Schatten über sich erkannte. Automatisch fuhren ihre Hände nach oben, um sich abzuschirmen. Da erst erinnerte sie sich wo sie war und ließ sie wieder sinken. "Dachtest du etwa ich würde dich schlagen?" Der Zwilling musterte sie erschrocken. "Nein!", schnauzte Liana und sprang auf. Sie schnappte ihren Umhang und rannte in die Toilette um sich schnell umzuziehen. Als sie zurückkam saßen sie immer noch am selben Platz. "Wo warst du?" Sie blickte fassungslos auf den Umhang, den sie trug. "Shoppen", meinte sie sarkastisch und verstaute ihre Sachen. Die Zwillinge lachten auf und sie verdrehte die Augen. "Die Sonne ist untergegangen", meinte der linke und verengte die Augen zu Schlitzen. "Ja und?", fragte sie. "Es ist dunkel", meinte der rechte. Da verstand sie. Es war wohl Zeit die Brille abzunehmen. Irgendwann musste sie sich ja sowieso an das Licht gewöhnen. Zuerst war alles blau und grün und wurde nur langsam wieder normal. Fred und George musterten sie verblüfft. "Kraaaasss, Fred schau dir mal, ihre Pupillen sind so groß wie ihre Augen." "Echt so, ich kann nicht einmal ihre Augenfarbe erkennen", hauchte der andere fasziniert. "Würdet ihr das bitte lassen?", fauchte sie. Die Zwillinge fuhren zurück. "Was denn lassen?", fragten sie gleichzeitig. "Mir verdammt noch einmal in die Augen zu starren!" Doch sie waren schon wieder abwesend. Der rechte starrte aus dem Fenster und beobachtete fasziniert, wie Hogwarts langsam am Horizont erschien. Der linke, sie glaubte, dass es George war, starrte abermals ihre Augen an. Sie wollte ihn gerade lauthals an ihre Warnung erinnern als sie ihn lachen hörte. "Karamellfarben", meinte er und ging dann auch ans Fenster. Karamell? Was war denn karamellfarben? Da fiel es ihr wie Schuppen vor die Augen. Ihre Augen! Sie hatte ganz vergessen ihre Augen anzusehen. Ihre Farben waren im Kerker nicht wichtig gewesen. Waren sie auch jetzt nicht, rief sie sich in Erinnerung. Hogwarts war ja schön und gut, aber alleine die Gewissheit, in diesen Keller zurückzumüssen... Auch den Zwillingen konnte sie nicht trauen. Vielleicht hatten die Lestranges sie auf sie angesetzt. Um zu sehen, ob sie etwas ausplauderte. Weshalb sollte sonst jemand so nett zu ihr sein. Sie verzog das Gesicht und bestrafte sich für ihre Naivität. Sie stellte sich ans Fenster und blickte auf den See, auf welchem sich das Wasser kräuselte, und musste seufzen.

Kommentare (4)

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Pandora Black (78121)
vor 18 Tagen
Nicht gerade eine seichte kleine Romanze, oder? Aber hey, ab und zu braucht man auch mal was Düsteres. Oder nicht?

Ich hoffe trotzdem, dass es für die Kleine bergauf geht, jetzt in Hogwarts. Zwei identische Rotschöpfe könnten da genau das sein, was der Onkel Doktor verschreibt... oder der Heiler... 😉

Sprachlich ist es recht ordentlich. Nicht komplett fehlerfrei, aber, hey, deswegen gibt es den Beruf des Lektors. An einer Stelle ist aber nochmal eine kleine Überarbeitung nötig. Im letzten Kapitel, die Stelle, wo Liana ihr Geld wechselt. Das ist irgendwie schief formuliert. Geht sie zu einem normalen Muggel-Geldautomaten, oder was? Und sie nimmt sich da einfach was, sucht sich aus, was sie hübsch findet? Wie geht das? 🤔

Es ist gut, dass du später erwähnst, dass Liana alte Tagespropheten lesen durfte, das erklärt, woher sie manche Dinge weiß. Mein über-pingseliges Logik-Hirn hätte sonst einige Fragen gehabt... 🤓

Okay, also, ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht.

PS: Eine Fanfiktion darf Änderungen vornehmen. Ist Bellatrix bei dir halt noch nicht in Azkaban. Aber es ist sicher nicht verkehrt, dass du drauf hinweist. Hilft, Verwirrungen vorzubeugen. 👍
Ruby Totalus (23031)
vor 21 Tagen
Der Schluss klingt ein bisschen, als wären nur böse Menschen in Slytherin. Ach, aber wahrscheinlich ist das der Eindruck, den das Mädchen haben muss, weil sie ja alles durch den Lestrange-Filter erfährt.

Bis jetzt weiß man ja noch gar nicht, in welcher Zeit das spielt. Allein die Frage ist ja schon spannend... Ich habe gegrübelt und versucht, durch Deduktion drauf zu kommen, weil man ja ungefähr weiß, wie alt Bellatrix war, und wann sie in Azkaban war usw. Aber das ist unmöglich, denn du änderst ja vielleicht auch etwas...

Hach, spann uns doch nicht so auf die Folter, Showny!
Maxi (61916)
vor 23 Tagen
Hm... sie weiß ja schon das eine oder andere über Hogwarts und die Winkelgasse und Redewendungen mit Merlin, aber nicht ihre Haarfarbe? Das scheint mir ein bisschen unlogisch.

Aber sonst bin ich auch einfach nur gespannt, wie es weitergeht.
Karo216XD (40334)
vor 24 Tagen
Ich möchte unbedingt wissen wie es weiter geht ❤️