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Wind und Asche 8

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2 Kapitel - 2.356 Wörter - Erstellt von: WoMler - Aktualisiert am: 2018-03-22 - Entwickelt am: - 51 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Nach den Ereignissen in Seoul und Sibirien kehrt Team Shadow zum Fort zurück. Tayo, Hjördis und Aaron sind tot, grauer Schnee fällt und weitere Katastrophen bahnen sich an. Léandra zieht es aufs Dach zurück und Tulio sehnt sich in seiner Zelle nach dem Himmel. Der Nachfolger von World of Mystik.

    1
    Sie haben nicht gelogen. Aaron lebt. Ein kratziges Geräusch ertönt und wird zu einem Glucksen, meinem Glucken. Ich werfe mich neben meinem Schatten
    Sie haben nicht gelogen. Aaron lebt.
    Ein kratziges Geräusch ertönt und wird zu einem Glucksen, meinem Glucken. Ich werfe mich neben meinem Schatten auf das Bett, sodass die Federn quietschen und lache. Meine Kehle würde mich am liebsten erwürgen, doch prickelnde Freude treibt mich weiter.
    Ohne auf Widerstand zu stoßen, gleitet meine Hand durch den Schatten. Die Luft darin ist kühler als die außerhalb des Schattens, ansonsten fühlt es sich normal an. Erst wenn der Schatten dich boxt, wird es kritisch.
    Wie wahrscheinlich ist es, dass diese Fähigkeit, in diesem Jahrhundert, an diesem Ort ein zweites mal vorkommt?
    Mein Schatten sieht auf mich herab. Trotz fehlender Gesichtszüge weiß ich, dass eine Mischung aus Missbilligung, Verwirrung und Besorgnis zur Schau trägt. Hat er den Verstand verloren, denkt sich Aaron hinter der Kamera bestimmt. Ja, definitiv. Aber hey, uns Wahnsinnigen gehört die Welt. Alle Welten.
    Ich winke in die Kamera. Hinter der Linse und dem roten Lämpchen verbirgt sich mein einziger Freund in dieser Einrichtung. Gleich geht die Tür auf und Aaron steht in einer Wolfsuniform vor mir. Wir ziehen mir ebenfalls eine dieser Uniformen an und als Schatten und Luft spazieren wir aus dem Gebäude. Keiner kann uns aufhalten. Einmal unter freien Himmel angekommen, mache ich Satori Industries Stück für Stück dem Erdboden gleich.
    Nichts dergleichen geschieht. Der Schatten steht auf und läuft im Raum auf und ab. Vielleicht habe ich tatsächlich den Verstand verloren und alles ist nur Wunsch denken. Oder der Tennisball und der Manga sind zuvor in Halluzinogene getränkt worden. Sie bringen meinen Kopf durcheinander und lassen mich sehen, was ich sehen will. Um fair zu sein: Ich war davor auch nicht ganz auf der geistigen Höhe.
    Mein Schatten legt einen Finger auf die nicht vorhandenen Lippen. Sein darauffolgendes Kopfschütteln ist langsam, aber vehement. Mit der anderen Hand fährt er sich über die Kehle.
    Bleib ruhig. Mach keinen Ärger, dann passiert dir nichts.
    Ich sehe hoch zur Kamera. Das hat Aaron jetzt nicht wirklich verlangt. Ruhigbleiben ist ein Ding der Unmöglichkeit. Also doch die Halluzinogene. Vielleicht haben sie auch einen Para hinter der Kamera sitzen, der in meinem Hirn herumfuscht. Es wäre nicht das erste mal.
    Das Licht am Ende des Tunnels kann ein heranrollender Zug sein. Ich schreie in meinem Kopf wüste Beschimpfungen auf allen Sprachen, die mir noch einfallen. Erstaunlicherweise sind Beleidigungen am einfachsten zu merken. Meine Gedanken schlagen Zickzacks wie gehetzte Hasen, immer auf der Flucht vor ihrem Jäger. Sie graben sich durch Berge von Erinnerungen und klammern sich an die Dinge, die echt sind. Die Anzahl der Fließen um mich herum. Die Lufttemperatur. Das Bett unter mir.
    Der Schatten bleibt.
    Clara meinte zu Carol in einer Trainingsstunde mal, dass Telepathen Schwierigkeiten mit Gedanken von Leuten haben, die nicht dieselbe Sprache wie sie selbst sprechen. Der Mensch denkt den Großteil seiner Gedanken in Worten und wenn er auf einer anderen Sprache denkt, kann der Telepath zwar die Worte hören, aber ihre Bedeutung nicht verstehen.
    Wir vier haben das bereits vor langer Zeit herausgefunden und es ist unsere Abwehrtechnik gegen Tellis. Natürlich ist nicht jeder Telli gleich, aber wahllos die Sprache zu wechseln hat sich schon öfters bewehrt.
    Fazit: Entweder ist der Telepath dort oben sehr gut, keine Telepath, sondern eine andere Para-Art oder der Schatten ist echt. Ich tendiere zu letzterem.
    Ich sehe wieder hoch zur Kamera. „Beeil dich, Aaron. Ich schaffe es hier unten nicht mehr lange,“ krächze ich flehentlich. Der Schatten gibt mir keine Antwort, sondern zuckt bedauernd mit den Schultern. Ich sinke gegen die Wand zurück. Die Kühle der Fließen verkündet mir, dass wenigstens sie echt sind. Verzweifelt schließe ich die Augen.
    Als ich sie öffne, ist der Schatten aus der Mitte des Raumes verschwunden. Er ruht leblos an meiner Seite, wie er es immer getan hat. Ich bin wieder allein.

    Frischer Seewind streicht mir über die Haut und trägt den salzigen Seetangduft des Meeres mit sich. Ich recke meine Nase in den Himmel und genieße die Liebkosung.
    Marinas Stimme reißt mich aus den Gedanken. „Und wenn ich es doch sage: Blumenkohl ist Albino-Brokkoli!“
    „Das ist bescheuert. Dann wäre Spargel minderbemittelte Bäume!“, kontert Kallik und wirkt als wolle er sie gleich von der Brücke schubsen.
    Lapis sieht hingegen aus als wolle sie beide von der Brücke ins Wasser schubsen. Das einzige was sie wohl davon abhält, ist das Erdbeereis in ihren Händen und die Verhaltensstudie, die sie insgeheim über uns betreibt. Ihre fehlende Menschenkenntnis versucht sie manchmal durch intensives Beobachten wieder wettzumachen.
    „Ich bin auch dafür, dass Blumenkohl Albino-Brokkoli ist“, schalte ich mich grinsend ein. Schließlich bestehen deutliche Ähnlichkeiten zwischen beiden Gemüsen.
    „Ha! Zwei zu eins!“, ruft Marina. Ein paar Touristen drehen sich zu uns um und ich winke ihnen fröhlich zu.
    „Quatsch.“ Kallik tritt einen Schritt vom Geländer zurück und scheucht dabei drei dicke Tauben auf, die sich Waffelkrümmel erhofft haben. Protestierend gurrend erheben sie sich in die Luft.
    „Beides gehört zur Familie der Brassica oleracea, doch Blumenkohl ist kein Albino-Brokkoli. Aber es gibt auch grünen und violetten Blumenkohl,“ mischt sich jetzt auch Lapis ein. Woher weiß sie so Zeug? Sie saß jahrelang auf einem Vulkan und das Internet dort ist echt miserabel.
    Marina verschluckt sich an ihrem Kaugummi-Eis und gestikuliert wild um sich. Mit einem Satz bringt sich Kallik in Sicherheit. Er und Eis… sagen wir es so, die beiden stehen auf Kriegsfuß.
    „Was?“, fragt Lapis und sieht Marina verwirrt an.
    „Es gibt violetten Blum-“
    An diesem Punkt klinke ich mich aus der Unterhaltung aus, weil ein Schluchzen an mein Ohr klingt. Ich sehe mich suchend um. Außer uns schlendern nur ein paar Menschen über die Brücke, es ist ein ruhiger Abend. Doch da an einem der Pfeiler…
    Ihre Gestalt wirkt verloren wie an dem Tag, als ich sie aus den Ruinen geholt habe. Selbst von hier spüre ich ihr Verzweiflung und ihre Schuldgefühle. Der Wind streicht ihr eine dunkelbraune Locke aus dem Gesicht. Ihre Finger krallen sich so fest um das Metallgeländer der Brücke, dass ihre Knöchel weiß hervorstechen.
    In Zeitlupe schwingt Léandra ein Bein über das Geländer, dann das zweite. Sie blickt nach unten. Ein Zittern läuft durch ihren Körper.
    Erst jetzt kann ich mich losreißen und sprinte zu ihr. Einige Menschen haben es inzwischen auch bemerkt und deuten schreiend in ihre Richtung. Bewegen tut sich keiner.
    Kurz bevor ich sie an ihrer Jeansjacke erwische, ist sie weg.
    Ohne zu zögern, springe ich hinterher. Mein Herz rast und ich strecke die Hand nach ihr aus. Wir umklammern einander wie zwei Ertrinkende.
    Gemeinsam schlagen wir auf der Wasseroberfläche auf.


    Schweißgebadet wache ich auf. In meinem Mund schmecke ich Blut und Salz und mein Herz pocht gegen meine Brust. Innerlich falle ich noch immer. Es braucht eine Weile, bis ich realisiere, wo ich bin.
    Etwas sticht mir unangenehm in die Seite. Blind taste ich unter meine Decke und ziehe den Manga hervor. Seine Seite sind verknickt und auch etwas angerissen. Ich muss heute Nacht darin geblättert haben und dabei eingeschlafen sein. Verstanden habe ich kaum etwas, dafür ist mein Japanisch zu alt. Er scheint von einem Jungen mit gesteigerter Stärke zu handeln, der auf eine Schule für Superhelden geht. Ironie des Schicksals.
    Was die anderen jetzt wohl machen? Ich hoffe inständig das sie wieder im Fort sind. Ob sie ihre Missionen erfüllt haben oder nicht ist mir egal. Sie sollen in Sicherheit sein und Kartenspielen, Horrorfilme schauen und für ihr Alter angemessenes Zeug machen. Von mir aus dürfen sie auch mein Gras aufrauchen. Das bringt sie wenigstens nicht um.
    Ich habe Léandra ein Versprechen gegeben. Sie hat mich nie darum gebeten, aber es stand in ihren Augen. Erzähl es niemanden. Und ich habe es niemanden erzählt. Jetzt passt keiner mehr auf sie auf. Meine Hoffnungen ruhen auf Josiah und Lapis.
    Ein quietschen lässt mich hochfahren, doch ehe ich eine Frage stellen kann, packen mich kräftige Hände und zerren mich auf die Füße. Einer der Wölfe muss erhöhte Kraft besitzen, denn er reißt mir gleich den Arm aus. Sie schleifen mich aus meiner Zelle den Gang entlang. Ich schreie und trete um mich, doch ihr Griff ist unerbittlich.
    Nach einigen Biegungen werde ich in einen Raum gestoßen. Schmerz brandet in meiner Hüfte auf. Verschwommen blicke ich in die Gesichter der Wölfe, doch nur mein eigenes Spiegelbild starrt mir entgegen. Wie alle Wölfe tragen sie Helme mit verspiegelten Visier, vermutlich um sich davor zu schützen, dass ich ihnen die Luft aus den Lungen pumpe. Aber so etwas mache ich schon lange nicht mehr.
    Mister Superstark dreht mir die Hände auf den Rücken, während Mister-nicht-ganz-so-stark-wie-Superstark-aber-scheiße-das-tut-trotzdem-weh mir etwas um den Hals schlingt. Es ist fest und gummiartig und ich befürchte, dass sie mich an Ort und Stelle strangulieren werden.
    Der Gummiring (?) schließt sich in meinem Nacken und ich kann meinen Kopf nicht mehr bewegen. Er riecht nach Erbrochenem. Mir wird übel, als sie mich mit den Fersen gegen eine der nackten Betonwände stellen.
    „Was hat ATLAS mit den Akten vor!“, knurrt Mister-nicht-ganz-so-stark verzerrt unter seinem Helm.
    Ich brauche einige Sekunden, bis ich verstehe, worauf er hinaus will. Die Akten sind der Grund, warum ich hier bin. Doch für die Wölfe bin ich zu langsam und Mister Superstark schuppst mich hart die Wand. Meine Schulterblätter fangen Feuer und der dumpfe Aufprall hallt in meinen Ohren wieder. Jetzt begreife ich, wozu der Ring um meinen Nacken gut ist. Sie wollen nicht, das mein Genick bricht.
    „Bitte,“ stöhne ich, „Ich weiß es nicht.“
    Das ist die falsche Antwort, denn ich werde gegen die nächste Wand geschleudert. Der Aufprall ist unerwartet lautlos und ich rapple mich keuchend auf. Grob zieht Mister Superstark mich wieder auf die Füße.
    „Wo sind die Akten und was hat ATLAS mit ihnen vor!“
    „Nein,“ presse ich hervor. Sie werden von mir nichts über Hibiko und die Akten erfahren.
    Beim nächsten Schlag gegen den Wand, beiße ich mir auf die Zunge. Auf beide Hände gestützt, spucke ich Blut auf den fleckigen Boden. Es knirscht, wenn ich meine Schulter bewege. Beißender Schmerz treibt mir Tränen in die Augen.
    „Wie viele Paras stehen ATLAS zur Verfügung!“
    Diesmal warten sie die Antwort gar nicht erst ab. Immer schneller stellen sie ihre Fragen und immer schneller schleudern sie mich gegen die Wände des Raumes. Ich vergesse, wo oben und unten, links und rechts ist.
    „Wie viele Mittel stehen ATLAS zur Verfügung! Was weiß ATLAS über SIA! Mit wem steht ihr in Verbindung! Wo sind die Akten! Was habt ihr vor! Was ist deine Position innerhalb von ATLAS?1 WO SIND DIE AKTEN!“
    Bumm, bumm, bumm, BUMM, bumm, bumm, BUMM.
    Als die Wölfe mich endlich loslassen, falle ich sofort auf die Knie und übergebe mich blutig. Mein Rücken ist aufgerissen und meine Beine versagen mir den Dienst. Die Luft, die immer meine Freundin war, ist ein Wespennest in meiner Lunge.
    Die Stahltür öffnet sich und die beiden Männer verlassen den Raum.
    Alleine liege ich auf dem Boden und ringe nach Atem. Schweiß, Blut und Erbrochenes erschaffen den abartigen Duft der Panik. Tränen rinnen meine Wangen hinab.
    Ich habe schon viele Foltermethoden erlebt. Diese hier ist anders. Archer weiß, wie ich zuletzt gestorben bin. Er kennt meine Angst und benutzt sie gegen mich.
    Der Fall ist harmlos, der Boden nicht.
    Wie viel Zeit vergangen ist, als die Tür sich wieder öffnet, kann ich nicht sagen. Erneut ziehen sie mich auf die Füße und stellen mich gegen die Wand.
    Verschwommen nehme ich eine hagere Gestalt hinter ihnen war. Archer rümpft die Nase und macht einen großen Bogen um die Lache der Schande herum. Seine dunklen Lederschuhe sollen nicht besudelt werden. Er mustert mich von Kopf bis Fuß.
    „Wir können auch anders, Tulio,“ sagt er kühl, dann nickt er den beiden Wölfen zu. „Weitermachen!“
    Ich breche zusammen und erzähle ihnen alles.

    2
    Was denkt ihr? Ist Blumenkohl Albino-Brokkoli? Und was ist dann Romanesco?
    Was ist eure Lieblingeissorte und für die, die einen Charakter erstellt haben: Was ist deren Lieblingseissorte? Was ist Tulios Lielingseissorte?
    Fragen über Fragen.

    Über konstruktive Kritik, Anregungen und Rückmeldungen würden wir uns sehr freuen. Hier ist noch einmal der Link zum Original:
    http://www.testedich.de/quiz40/quiz/1458904529/World-of-Mystik

    Hier ist der Link vom ersten World of Mystik-Kapitel:
    http://www.testedich.de/quiz42/quiz/1468404835/World-of-Mystik-1

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Wind und Asche 8
Nach den Ereignissen in Seoul und Sibirien kehrt Team Shadow zum Fort zurück. Tayo, Hjördis und Aaron sind tot, grauer Schnee fällt und weitere Katastrophen bahnen sich an. Léandra zieht es aufs Dach zurück und Tulio sehnt sich in seiner Zelle nach ...
http://www.testedich.de/quiz54/quiz/1521366328/Wind-und-Asche-8
http://www.testedich.de/quiz54/picture/pic_1521366328_1.jpg
2018-03-18
40B0
Fantasy Magie

Kommentare (2)

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Simon ( von: torden!)
vor 73 Tagen
Vielen Dank ^^
Lynx Zemia ( von: Lynx Zemia)
vor 75 Tagen
Also hey, das war nicht übel 👍