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Frozen Kingdom

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3 Kapitel - 5.100 Wörter - Erstellt von: Frozen Kingdom - Aktualisiert am: 2018-03-21 - Entwickelt am: - 143 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Vor vielen Blattwechseln entdeckten die letzten Überlebenden einer einst legendären Katzengruppe die Berge und den wunderschönen Sternenhimmel darüber. Für viele Sonnenaufgänge scheint alles nahezu perfekt zu sein, um ein neues Leben zu beginnen. Dennoch ist der Weg eines Kriegers von vielen Emotionen und den Pfotenspuren seiner Vorgänger geprägt, genauso wie nicht jeder mit diesem erreicht, was er sich gewünscht hat. Immer wieder gibt es schwere Momente, in denen ebenso Entscheidungen verkündet werden müssen und viel Zeit für sich beanspruchen. Somit erkennen die Katzen erst zu spät, dass sich ihnen ungebetene Gäste mit ausgefahrenen Krallen und gespitzten Ohren nähern

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    - Frozen Kingdom -

    Herzlich Willkommen zu meiner mehr oder weniger schönen Geschichte. Etwas neues wird es wohl kaum werden, aber ich werde versuchen, dem ganzen einen etwas anderen Hauch zu verleihen und sie interessant zu machen. Versprechen kann das, wie die meisten anderen Autoren mit den gleichen Geschichten, aber wohl kaum. Die von euch, die sich davon nicht haben beeindrucken lassen, können sich nun etwas warmes zu Trinken, etwas zu knabbern holen. Bevor ich es vergesse, möchte ich euch sagen, dass ich diese Geschichte nicht schreibe, um Geld zu verdienen und das die Charaktere anderen, wunderbaren Autoren gehören und wer meint, dass diese nicht auf diesen basieren, der kann sich dann an das Team hier wenden, denn dafür trage ich keine Verantwortung. Dazu kommt, dass diese Geschichte schon seit einem Monat in dem gleichen Fandom wie hier zu sehen ist. Dort kann ich aber im Moment noch keine Pictures verwenden und deswegen werde ich hier noch einmal bis zum Ende der Geschichte etwas schreiben. Auf der anderen Seite kann man mitmachen, hier aber nicht. Wer das aber machen möchte, kann gerne den Link eingeben und einen Charakter zum Leben erwecken, mehrere sind auch nicht verboten.

    Link: https://www.fanfiktion.de/s/5a733e2

    e0006c08d19b5d348/1/-Frozen-Kingdom-


    Das war es aber auch erst einmal mit den ganzen Worten des Autors.

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    ((bold))- Only a dream -((ebold)) (Prolog) Falkenstern, Jagdgründe der Erinnerungen, Herbst ((bold))Nussbraune((ebold)) Eicheln segelten wie Federn d
    - Only a dream - (Prolog)

    Falkenstern,
    Jagdgründe der Erinnerungen,
    Herbst


    Nussbraune Eicheln segelten wie Federn durch die angenehm warme Morgenluft und die zarten Sonnenstrahlen durchdrangen die stolzen Baumkronen der riesigen und viele Blattwechsel alten Ahorne. Tauchten sie in ein wunderschönes Lichterspiel aus hellem goldgelb und verschiedenen Varianten von bernsteinfarben. Jedes dieser gezackten Laubblätter hatte eine eigene Herbstfärbung, die keinem anderen glich und in seinen Augen trotzdem kaum von den anderen zu unterscheiden war. Besonders die goldfarbenen bis goldbraunen Kronblätter schienen sich den warmen Sonnenstrahlen entgegen zu strecken und wollten nicht mehr aus seinen Gedanken verschwinden. Ein so schönes Reich hatte er viele Blattwechsel lang nicht mehr zusehen bekommen. Immer wieder hatte er sich selbst schweigend gesagt, dass er sich nichts von dem sehnte, was er zurückgelassen hatte, aber es war in seinen wachsamen Augen sinnlos, zu leugnen, dass der Wald der bessere Teil seiner selbst war. Er war sein Halt, den er brauchte, um nicht inmitten seiner Gefährten, mit denen die beschwerliche Reise ins Ungewisse unternommen, die Berge und den atemberaubenden Sternenhimmel entdeckt hatte, den Verstand zu verlieren. Zwar hatte er dem einst unbeschwerten Leben im Wald in dem Moment den Rücken zugekehrt, in dem er mit den anderen Katzen seiner Gruppe aufgebrochen war, aber es war nur ein kleiner Teil von ihm auch mit ihnen gegangen. Niemals hatte er vergessen, wie es war, die raue Brise des nahenden Herbstes um sich zu spüren, während er bis zur Baumkrone und in seinen Gedanken noch viel weiter geklettert war. Immer weiter und schneller trugen seine Pfoten ihn über den weichen und so wunderbar vertrauten Waldboden. Hier, nicht umgeben von Katzen, die von ihm erwarteten, dass er jede Entscheidung auch vorsichtig und immer auf das Wohl anderer bedacht, traf, wärmten die noch wenigen Sonnenstrahlen nicht nur die Erde, sondern auch sein inneres Wesen. Zuerst hatte er gedacht, dass er den Wald vollkommen hinter sich lassen und für immer vergessen konnte, aber mit den Blattwechseln war ihm klar geworden, dass das niemals geschehen würde. Er selbst mochte nicht mehr so jung wie damals sein, aber die Erinnerungen, die ihn mit diesem Ort verbanden, waren so voller Energie, dass es sich anfühlte, als wären seit diesen erst wenige Sekunden vergangen. Wie immer, wenn er die Augen geschlossen hatte, war er in einen erst scheinbar traumlosen Schlaf gesunken und hier, in seinen ganz eigenen Träumen und mitten im Nirgendwo, erwacht. Als er noch im Wald gelebt hatte, hatte er es für normal empfunden, dort auch aufzuwachen und die Grenzen abzulaufen, aber nachdem er diesen verlassen hatte, war es in seinen Augen das kostbarste Geschenk überhaupt, noch einmal eine Pfote hierhin setzen zu können. Wenn er daran dachte, wie wenig er es doch geschätzt hatte, im Schutz der grünen Braumkronen aufzuwachsen, würde er am liebsten bedauernd den von schönen Mustern gezeichneten Kopf schütteln. Heute würde er alles anders machen, wenn er nur könnte, aber er konnte die Zeit nicht zurückdrehen. Das einzige, was ihm geblieben war, waren seine eigenen Erinnerungen. Es waren nicht nur schöne Erinnerungen, aber er hatte sie alle mit dem immer weiter zunehmenden Alter zu schätzen gelernt. In diesem Moment hatte er das Gefühl, endlich angekommen zu sein und das, obwohl ihm die Berge das geben sollten. Aber wie könnten sie ihm etwas geben, was er schon irgendwo anders gefunden hatte? Es stimmte, er mochte die Berge und noch schöner fand er es, dem Sternenhimmel so viel näher als vorher zu sein, aber trotzdem würde der Wald immer einen riesigen Teil in seinem Herzen haben und für immer sein echtes Zuhause bleiben. Er wusste nicht, wie er es geschafft hatte, diesen wunderschönen Ort zu verlassen, aber er wusste, dass er es nicht noch einmal machen könnte, ohne unter dem unsichtbaren Gewicht, das auf seinen muskulösen Schultern ruhte, zusammenzubrechen. Die anderen waren glücklich darüber, endlich wieder in Sicherheit und weit weg von dem zu sein, was sie viele Tage lang am schlafen gehindert hatte. Es war seine Aufgabe gewesen, ihnen dieses Gefühl zu geben und trotzdem bereute er es, damals schon Anführer gewesen zu sein, um in seinem vertrauten Heim bleiben zu können. Eine solche Entscheidung würde er niemals wieder treffen wollen. Mit diesen Gedanken beschleunigte er sein Tempo noch ein wenig, seine Pfoten schienen den Waldboden kaum noch zu berühren und wenn, dann nicht für mehr als wenige Sekunden. Sekunden, die in ihm ein wohliges Gefühl der Geborgenheit weckten, die ihm mehr bedeuteten, als er in Worte fassen konnte. Der leichte Wind wehte ihm goldene und bernsteinfarbene Laubblätter entgegen, die ihn mit ihren sanften Konturen streiften, und zerzauste sein samtweiches Haarkleid. Falkenstern lachte. Es war ein echter und schöner Laut. Frei von all den Sorgen, die er schon viel zu lange mit sich tragen musste, und die seine Gedanken trübten, wie Schmutz das kristallklare Bergwasser vor seinem inneren Auge trüben würde. Das ausgelassene Lachen machte sich durch ein unangenehmens Ziehen in seinen Flanken schmerzhaft bemerkbar, aber er versuchte nicht mehr, seine Muskeln zu schonen. Er wusste, dass seine Zeit bald kommen würde und er nicht ewig unter seinen lebenden Kameraden wandeln würde. Deshalb bedeutete ihm dieser Moment auch so unfassbar viel. Er hatte das Adrenalin vermisst, dass seine Gedanken mit starken Pfoten formte und ihm das Gefühl gab, wieder so jung wie damals zu sein. Es musste schon unsagbar viel Zeit vergangen sein, als er an einem kleinen See ankam, dessen klares und vor allem blaues Wasser seine Erscheinung spiegelte, wie ein echter und funktionierender Spiegel. Auch versetzte es ihm einen weiteren Stich, zu sehen, dass er wieder so jung wie damals aussah, als er seine Gefährten dazu auffordern musste, seinen innig geliebten Wald zu verlassen, um das Überleben der nächsten Generationen zu sichern. Gleichzeitig fühlte es sich aber auch gut an, die eigene Schnauze nicht mehr grau und die Muskeln wieder geschmeidig, wie vor vielen Blattwechseln, zu sehen. Gerade wollte er eine Pfote in das erfrischend aussehende Wasser setzen, als ihm die vertraute Schwärze wieder einmal die Sicht nahm und so sehr an ihm zog, dass er das Gefühl hatte, auseinander gerissen zu werden.

    »Lass die Vergangenheit hinter dir, Falkenstern. Es ist soweit«, wies ihn seine innere Stimme zurecht, als er die Krallen in den Boden bohrte, versuchte, sich nicht wieder von diesem einmaligen Reich trennen zu lassen.

    Doch er schaffte es nicht. Die unheimliche Schwärze riss ihn mit sich und das nächste, was er spürte, waren nicht besonders warme Sonnenstrahlen, die seine Nase kitzelten und ihn zum niesen zwangen. Vorsichtig schlug er erst eines seiner eisblauen Augen auf, dann auch das andere. Er war wieder in seinem weichen Moosnest, dem Sternenhimmel so nah, wie keine andere Katze vor ihm. Jegliche Hoffnung, dass es nicht nur ein Traum gewesen war, hatte er aufgegeben, als die vertrauten Gestalten seiner Kameraden sich unter ihm zusammenfanden und auf die Befehle seiner Stellvertreterin warteten. Nur für ihn hörbar seufzend, richtete er sich auf und versuchte, sich an alle Einzelheiten seines Traumes zu erinnern, um das ganze noch einmal, wenn auch nur in Gedanken, erleben zu können. Vergeblich. Das einziges, an das er sich erinnern konnte, war das wunderschöne Reich, in dem er gewesen war. Welche Gefühle es in ihm geweckt hatte, wusste er nicht mehr. Aber er wusste, dass er sie eines Tages wieder spüren wurde, wenn sein Geist zu den Jagdgründen der Erinnerungen aufsteigen und ein neuer Anführer in seine Pfotenspuren treten würde. Es war diesesmal nur ein Traum gewesen, aber wenn er dieses Reich noch einmal betreten würde, wäre es real, dessen war er sich sicher. Nur war es eine Frage der Zeit, bis das auch geschehen würde und bis es soweit war, würde er sich gedulden. Er würde warten, bis seine Zeit gekommen war. Und zum ersten Mal seit vielen Blattwechseln legte sich ein zufriedenes Lächeln auf seine eleganten Gesichtszüge, als er jeden einzelnen seiner Kameraden einen Moment lang betrachtete. Genauso wie den Wald, würde er auch sie nicht vergessen können. Dass es den meisten von ihnen genauso gehen würde, wusste er, denn auch wenn sich der Kater immer weiter von ihnen distanzierte, kannte er seine Clangefährten doch noch immer so gut wie keine Katze vor ihm. Mit einem, alles andere als schlechten, Gefühl sah er sich im Lager um, das von wenigen und wenn, dann in den Augen der Krieger undichten, Sträuchern ein wenig von der kühlen Luft in dieser geschätzten Höhe geschützt war. Nicht weit von seinem eigenen Bau konnte er die Kinderstube sehen, aus der der warme Geruch von Milch seine Geruchsknospen prickeln zu lassen begann. Ein einziges Mal fuhr er sich mit der rauen Zunge über das weiche, zerzauste Brustfell und wappnete sich, bevor er aus seinem windgeschützten Bau trat, bereits gegen den kalten Wind. So überraschte ihn die heimtückisch und unangenehm kühle Morgenluft nicht besonders und er bewegte sich mit aufgeplusterten Fell auf seine, zugegeben ausgesprochen hübsche, Stellvertreterin zu.

    »Ich werde eine Grenzpatrouille anführen«, maunzte er und schnippte mit dem buschigen, federweichen Schweif.

    Er war der getupften Katze so viel schuldig, dass er sich dafür beinahe schon schämte. Diese schenkte ihm ein zustimmendes und merkbar respektvolles Nicken, bevor sie sich ihrerseits direkt an ihn wendete.

    »Dann kannst du Aschenflügel, Gewittersturm und Eiswind mitnehmen«, antworte sie und warf einen fragenden Blick auf die bereis erfahrenen, aber noch nicht steinalten Krieger, von denen besonders Gewittersturm so aussah, als würde er nicht ohne Zwang mitkommen.

    Das dichte, silbergrau und braun gemusterte Fell des dennoch langsam in die Jahre gekommenen Kriegers hatte sich gesträubt, aber wohl eher vor Ärger, als vor der immer weiter zunehmenden Kälte, denn der stolze Kater fror so gut wie nie, oder zeigte es zu mindestens nicht.

    »Keine Sorge, wir werden unterwegs etwas gegen deinen Hunger unternehmen«, schnurrte Falkenstern und die bernsteinfarbenen Augen des Kriegers weiteten sich vor kaum verborgener Überraschung, während seine Pinselohren nach wie vor ungerührt zu zucken begannen.

    »Ich kenne meine Krieger besser, als du denkst«, neckte der hellbraune Kater mit dem schönen Muster im Fell auf die unausgesprochene Frage hin.

    Dann drehte er sich um und gab das stumme Zeichen zum Aufbruch seiner Grenzpatrouille. Vielleicht würden die Berge doch noch so etwas wie ein Zuhause für ihn werden, aber seinen vertrauten Wald würden sie niemals ersetzen können.

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    ((bold))- Gray morning hours -((ebold)) Nebelschweif, Im Lager, Am Morgen ((bold))Schmale((ebold)) graue Lichtstrahlen zeichneten die wunderschönen M
    - Gray morning hours -

    Nebelschweif,
    Im Lager,
    Am Morgen


    Schmale graue Lichtstrahlen zeichneten die wunderschönen Morgenstunden des neuen Tages aus. Beschienen das noch ruhige Lager und tauchten es in einen Ozean verschiedener Varianten von grau und grün, gaben dem ganzen noch einen unverkennbaren Hauch von silbernen Funken, die in den wenigen Lichtstrahlen nur langsam der aufgehenden Sonne zu tanzen schienen. Sie durchdrangen die wenigen und meistens undichten Gebüsche, die das Lager irgendwann einmal noch vor den erbarmungslosen Temperaturen schützen würde. Kleine Eiszapfen hingen an den schmalen und mit schimmernden Raureif bedeckten Ästen, die selbst in guten Jahren kaum bewachsen waren. Nur das Heben von weichen und mit grauen Licht beschienen Flanken machte erkennbar, dass dieser Ort nicht halbwegs so verlassen war, wie er erscheinen mochte. In der unangenehm kühlen Nacht hatte der erste Schnee des Winters den rauen Untergrund berührt und war meistens zu erfrischendem Schmelzwasser geworden. So etwas wie richtigen Sommer gab es in den Bergen nicht, umso unschöner und erbarmungsloser war der Winter, der Beginn einer wie immer schweren Jahreszeit. Im Kriegerbau ruhten stolze und erfahrene, aber auch junge und unerfahrene, Katzen, deren Traum es war, etwas für die ihrer Kameraden zu tun, die sich nicht mehr oder noch nicht um sich selbst kümmern konnten. Der Weg eines Kriegers war von vielen Emotionen und den Pfotenspuren seiner Vorgänger geprägt, genauso wie nicht jeder mit diesem erreichen konnte, was er sich immer gewünscht hat. So war es schon immer gewesen und so würde es auch immer sein, bis der letzte Krieger gemeinsam mit dem Gesetz der Krieger hinter dem Horizont verschwinden und eine neue Region sich erheben würde. Noch nicht einmal die ausgewählten Katzen der Morgenpatrouille hatten sich auf die Pfoten erhoben. Die unangenehm kühlen und rauen Briesen trugen den Beginn des Winters auf unsichtbaren Schwingen dem Lager entgegen und der Himmel war so grau, dass er wie ein weites und unentdecktes Reich aus Asche aussah, und dass er mit dem weichem, dichtem Haar der Katze verschmelzen konnte, die sich gerade auf leisen Pfoten erhob und, ohne einen Hinweis darauf, dass sie jemals da gewesen zu sein, aus dem angenehm warmen Kriegerbau verschwand. Warum sie das tat, wusste im Moment nur sie selbst. Der im Licht schmelzende Raureif auf dem sie sich fortbewegte, knirschte bei jeder der zielsicheren und geschmeidigen Bewegungen unter den weichen Pfoten der Kriegerin. Trotzdem bemerkte niemand, wie sie den Ausgang des schützendes Lager und die im Moment seelenruhigen Katzen hinter sich lassen konnte. Das dichte und musterlose Fell hatte sie, noch bevor sie den Kriegerbau auf leichten Samtpfoten verlassen hatte, gegen die erbarmungslos niedrigen Temperaturen aufgeplustert und so waren die eisigen Winde für sie in Ordnung. Bald hatte sie einen kleinen Vorsprung erreicht, setzte sich und legte den Schweif sorgsam über die Pfoten. Unter ihr lag ein riesiges und schneebedecktes Tal, dass sie noch nie im Sommer vor sich gesehen hatte, denn dann war es hinter dem Horizont versunken und in weite Ferne gerückt, war nicht mehr ein Teil von dem, was sie schützen musste. Im Winter oder im Herbst war sie nicht selten hier und musterte das Tal von weiter oben. Manchmal wollte sie sich vorstellen können, wie dieser Ort im Sommer aussehen mochte. Sommer. Schon in Gedanken schmolz dieses Wort wie warme Schokolade auf ihrer Zunge und machte sie zum Untertanen ihrer eigenen Gedanken. Bis jetzt konnte sie die wahre Bedeutung des Wortes Sommer nicht, sich darunter etwas vorzustellen wagte sie nicht. In ihrem Herzen trug sie die Furcht davor, denn sie würde es nicht ertragen können, wenn der Sommer hinter dem Horizont nicht so sein würde, wie sie dann denken würde. Schon als Junges wurde ihr gesagt, dass sie niemals im Sommer zu diesem Tal gehen durfte. Warum verstand sie bis heute nicht. Gab es dort unten Gefahren, von denen sie nicht wissen konnte, dass sie da waren? Aber immer, wenn sie sich über den Vorsprung beugte, um besser sehen zu können, was dort unten auf sie warten würde, war dort nur Schnee und Eis, die rauen Briesen des Winters mussten demnach auch dort sein, nichts was sie nicht schon kannte. Ein leises Seufzen stieg in ihrer Kehle auf. Der warme Atem der Katze bildete kleine Atemwolken in der Morgenluft, die vom rauen Wind dem grauen Horizont entgegen getragen wurden. Es schien eine Ewigkeit vergangen zu sein und doch bewegte sie sich nicht.

    »Nebelschweif«, eine weiche Stimme unterbrach sie im Gedanken und sie drehte sich erst einmal schweigend zu der noch unbekannten Katze um.

    Nicht mehr als einen Meter unter ihrem kleinen Vorsprung konnte sie das nicht besonders lange, karamellbraune Haar eines erfahrenen Kriegers erkennen. Mit einem einfachen Sprung landete sie auf allen vier Samtpfoten neben dem Kater und schnippte einmal mit dem Schweif. Der raue Wind strich durch ihr weiches und dichtes Fell, zerzauste es dennoch kaum.

    »Was ist, Abendmond«, wollte sie wissen und kam nicht darum herum, sich zu wünschen, niemals das Lager verlasse zu haben, denn nun würde es bis zum nächsten Winter nicht mehr leicht für sie sein, zu vergessen, welche Gedanken sie auf dem Felsvorsprung verdrängen musste. Der starke Krieger schien gewusst zu haben, an was sie dachte, denn in seinen sonst emotionslosen, bernsteinfarbenen Augen konnte sie so etwas wie wahres Mitgefühl lesen.

    »Es ist besser, dass wir das Tal nicht im Sommer sehen. Das würde uns nur dazu bringen, unser Zuhause noch einmal zu verlassen«, der langsam in die Jahre gekommene Krieger setze sich ruhig in den wenigen nicht geschmolzenen Schnee und legte den Schweif sorgsam um die Pfoten, genauso wie sie vorher, »Verschwende deine Zeit nicht mit so etwas, auch wenn es spannend ist«

    Nebelschweif neigte nur schweigend den Kopf, wusste sie doch, dass sie nicht mit einem Krieger wie Abendmond, der gerne einmal die langen, scharfen Krallen verwendete, diskutieren konnte.

    »Und warum bist du hier«, wechselte sie das Thema und sah noch einmal zu dem mit schillernden Raureif überzogenen Vorsprung herauf, der auf einmal so weit hinter dem Horizont zu sein schien. Sie konnte schon nicht mehr in Worte fassen, wie sehr sie sich wünschte, dass Tal mindestens einmal im Sommer sehen zu können. Es gab keine Grenzen, die das verhindern könnten, wenn es irgendwann wieder soweit sein würde.

    »Morgenschweif möchte, dass du jagen gehst. Mit dir kommen werden Falkenschwinge, Fichtenwind und Bussardschwinge«, antwortete der karamellbraune Krieger ohne mit der Wimper zu zucken und in seiner Stimme schwang leichte Verachtung mit, als er den Namen der Katze aussprach, die in der Rangordnung direkt unter dem Anführer stand.

    Es war kein Geheimnis, dass der unberechenbare Krieger mit der Wahl seines Anführers nicht zufrieden war und sich schon immer gewünscht hatte, dessen Rang einmal anzunehmen. Trotzdem sahen die meisten in ihm einen starken und treuen Kameraden, der sich mit seinem schwierigen Charakter doch kaum Feinde machte.

    »In Ordnung«, mehr sagte sie dazu nicht mehr und drehte dem Kater den Rücken zu.

    Immer schneller und schneller trugen ihre Pfoten sie zum Lager zurück, denn sie würde die anderen nicht verpassen wollen. Immer unkontrollierter und unkontrollierter schlug ihr Herz, wenn ihre Pfoten den Raureif berühren konnte. Es dauerte nicht lange, dann hatte sie das Lager, indem inzwischen alle anderen Katzen schon auf den Pfoten waren, erreicht.

    »Hier sind wir, Nebelschweif«, wies eine gestromte Katze sie an, deren lange und dünne Beine sich wie von selbst auf sie zu bewegten.

    Die anderen Katzen hatte sie schon um sich gesammelt und erst als auch die junge Kriegerin sich, gemeinsam mit Falkenschwinge, dazu begeben hatte, bewegte sich die kleine Gruppe mit geschmeidigen, eleganten Bewegungen aus dem Lager. Schweigend tapsten die verschiedenen Katzen nebeneinander über den Raureif und versicherten sich immer wieder, in dem sie über die Schulter zurück schauten, dass niemand verloren gegangen war. Die nun schon eher goldenen Sonnenstrahlen warfen ihr unberührtes Licht durch die Sträucher, tauchten sie in lange Schatten, und schienen durch die Eiszapfen auch auf den schön schimmernden Raureif, spiegelten sich im eisgrauen Schmelzwasser. Der Sonnenaufgang war über den Bergen hereingebrochen und verwandelte sie in das Reich, von dem damals gedacht hatte, dass es der Sommer war. Wie sehr sie sich damals doch getäuscht haben musste. Der Sommer musste wärmer, schöner sein, als alles was sie bisher erleben und sehen konnte. Niemand sprach aus, was sie wohl alle dachten musste, als sie an dem steinigen und von der Sonne beschienenem Abhang ankamen, der ohne Umschweife in das Tal führte und der, weil er immer von den Sonnenstrahlen berührt wurde, niemals von Tau überzogen oder mit weichem Puderschnee bedeckt war. Trotzdem war es nicht sicher, unbedacht eine Pfote vor die andere zu setzen, denn es könnte sich jeden Moment ein Stein lockern und wenn auch nur der kleinste Stein irgendwo anders lag, würden sich alle Steine in Bewegung setzen und sie würden alle in den sicheren Tod stürzen. Einen anderen Weg gab es aber nicht und wenn sie nicht mit leeren Pfoten ins Lager zurückkehren wollten, mussten sie das Tal noch vor Sonnenuntergang erreicht haben und jagen gewesen sein. Es würde nicht das erste Mal sein, dass eine Katze noch bevor sie den Grund nicht mehr unter den Pfoten spüren konnte, versterben würde. Die gestromte Kriegerin mit dem hellbraun und dunkelbraun gemischten Haar sammelte noch ein letztes Mal die anderen um sich, dann gab sie auch schon Anweisungen, wie sie sich zu bewegen hatten, wenn sie nicht gemeinsam hier und heute sterben mochten.

    »Denkt daran, wenn wir alle sicher unten ankommen wollen müssen wir uns langsam und vorsichtig bewegen. Niemand darf sich bewegen, ohne vorher darüber nachgedacht zu haben«, miaute sie und musterte jeden einzelnen aus stechenden, gelben Augen.

    Es war nicht zu übersehen, dass auch sie sich nicht sicher war, ob sie heute lebend dort unten ankommen würden, aber es gab kein zurück mehr. Wenn sie aufgeben würden, würden sie mit leeren Pfoten ein Lager betreten, in dem zu viele Kameraden mit leeren Bauch schlafen gehen müssten.

    »Ich gehe vor, dann kommt ihr nach und nach langsam hinterher«, maunzte Falkenschwinge und wartete nicht mehr auf eine Antwort, denn dann berührten ihre Pfoten auch schon die angenehm warmen Steine. Langsam und darauf bedacht, keinen Stein zu sehr zu bewegen, suchte sie sich ihren Weg bis ins Tal hinab. Nur wenige Minuten verstrichen, dann war sie nicht mehr zu sehen und die Katzen oben wagten erst einmal nicht auszuatmen, um auch das kleinste Geräusch, auch wenn es nur das Knacken von Knochen war, wahrnehmen zu können. Lange Zeit war nichts zu hören, nur dem leisen Rauschen des Nordwindes konnte man lauschen.

    »Ich bin unten«, die Stimme von Falkenschwinge zu hören war für die junge Katze im Moment wichtiger als alles andere.

    Um sich herum hörte sie das erleicherte Seufzen der beiden Kater, aber sie selbst brachte ihre Erleichterung nicht zum Vorschein, denn es schien im Moment nicht das richtige zu sein, wenn sie daran dachte, dass auch sie bald dort hinunter musste und es kein zurück gab, sondern nur Leben und Tod. Leicht setzte sie die erste Pfote auf den Steinen auf, dann kam die nächste und immer so weiter. Es war so, als wüsste sie nicht mehr, wie sie atmen konnte, denn sie fürchtete sich davor, dass nur das Geräusch ihres warmen Atems die Steine bewegen konnte. Sie konnte spüren, wie sie langsamer wurde und wie sich ein schwerer Stein in ihrer Brust bildete, als sie auf das Tal sah. Es schien noch so weit weg zu sein. Mit jedem Moment, den sie dort nach unten sah, drückte dieser Stein mehr und mehr auf ihre Lunge, erschwerte ihr das Atmen, wenn sie das einmal tat. Wie zu Eis geworden stand sie da, auf einem großen, warmen Stein und alles um sie herum schien stehen geblieben zu sein. Stimmen drangen an ihr Ohr, aber sie waren so weit weg, dass sie nicht verstehen konnte, was sie sagten. Die junge Katze, die erst wenige Blattwechsel erleben konnte, wusste nicht mehr, wie lange sie hinunter geschaut hatte, als ihre Muskeln sich langsam wieder strecken und ihr gehorchen konnten.

    »Nebelschweif«, ein weicher Schweif legte sich auf ihren Rücken und lange, scharfe Krallen kratzten über die rauen Steine, »Es wird alles gut, aber du musst dort runter«

    Für einen Moment nahm ihr das weiche, dichte Haar von Bussardschwinge die Sicht, welches verschiedene Brauntöne aufweisen konnte. Sie hatte ihn nicht kommen hören können, denn er hatte seine Pfoten leichter als jede Feder im Wind segeln konnte, auf den warmen Stein gesetzt. Noch immer wie erstarrt neigte sie den Kopf, war sie doch noch immer nicht wieder normal.

    »Schon gut«, erwiderte sie und zwang sich zu einem leichten und doch bestimmten Lächeln.

    Auf leisen und noch immer unsicheren Pfoten bewegte sie sich auf das schneebedeckte Tal zu, das immer näher kam, wenn sie eine Samtpfote auf rauen Ballen vor die andere setzte. Es schien noch eine weitere Ewigkeit zu dauern, bis der Schnee leise knirschte, als sie auf der dichten Decke aus weichem und sauberen Puderschnee landete. Zufrieden bewegte sie sich mit verstohlenen Bewegungen auf die gestromte Katze zu, die aufmerksam beobachte, wie die beiden Kater auf allen vier Pfoten im Schnee landeten.

    »Wir gehen weiter«, bestimmte die hellbraun und dunkelbraun gezeichnete Katze und schnippte einmal mit dem Schweif, bevor sie durch den dichten Schnee tapste, der allen vier schon bis zum Bauchfell reichte und dafür sorgte, dass die grauen Ballen der ebenso hellgrauen Katze wie abgestorben schienen.

    »Gut, am besten wäre es, wenn wir uns erst einmal trennen«, schlug Fichtenwind, welcher der Vater der gestromten Katze war, vor und sein hellbraunes Fell, welches von dichten, dunkelbraunen Sprenkeln geziert war, stand noch mehr ab als davor.

    Die anderen maunzten zustimmend, dann trennten sich und begaben sich jeder in eine andere Himmelsrichtung. Es dauerte nicht lange, gerade einmal wenige Minuten, bis sie den Geruch eines Schneehasens bemerkte und sich tiefer in den Schnee duckte, damit sie nicht aus der weißen Landschaft herausstach. Auf leisen Pfoten schlich sie darauf zu, spannte kaum bemerkbar die starken Hinterbeine an und sprang mir ausgefahrenen Krallen auf das Wesen zu, aber der Wind drehte sich noch bevor sie landen konnte und der Schneehase bemerkte sie. Noch bevor sie mit den Pfoten den kalten, in den Sonnenstrahlen schimmernden Schnee berühren konnte, hatte sich der Schneehase umgedreht und seine Pfoten wirbelten den Schnee auf.

    »Verdammt«, zischte und als ihre weichen Pfoten irgendwann den weichen Puderschnee berührten, verlor sie keine Sekunde mehr und rannte dem Tier nach. Dennoch konnte sie den Schneehasen nicht erreichen, auch wenn sie sich noch so sehr bemühte. Die aufgewirbelten Schneeflocken klammerten sich an ihr weiches Fell und als sie irgendwann zum stehen kam, rannte sie beinahe in den schlanken Bussardschwinge hinein, aus dessen Maul der noch warme Leichnam des Schneehasens hing.

    »Nichts zu danken«, nuschelte er durch das dichte Fell des toten Wesens und seine blauen Augen leuchteten auf.

    Mit bebenden Flanken bohrte sie ihre langen und scharfen Krallen in den Schnee und peitschte mit dem Schweif, bevor sie sich schweigend und mit beschämt pochenden Pfoten umdrehte und bemerkte, dass auch die anderen Katzen etwas gefangen hatten.

    »Bussardschwinge, du hast deine eigene Beute gefangen«, mahnte der gesprenkelte Kater, namens Fichtenwind, und deutete mit dem Schweif auf die beiden jungen Schneehasen, die zwischen den Pfoten des braunen Katers lagen.

    »Schon gut. Tut mir Leid«, brummte der andere Kater und schleuderte den Hasen mit dem schönen, weißen Haar von sich, vor die Pfoten der grauen Kriegerin, die ihn schweigend aufnahm und sich gemeinsam mit den anderen daran machte, den steinigen Abhang hinauf zu klettern, immer weiter dem Sonnenuntergang entgegen.

    Die Sonne war schon untergangen, als sie das Lager erreichte und sie, wie sie anderen auch, ihre gefangene Beute auf den ein wenig leeren Frischbeute legte, der danach auch schon wieder mindestens zwei Familien am Leben halten konnte. Sie bekam schon nicht mehr mit, wie auch die anderen Katzen, mit denen sie nicht jagen gegangen war, ihre gefangene Beute zu der ihrer Kameraden legten, denn dann war sie auch schon im Kriegerbau verschwunden und hatte sich mit schmerzenden Muskeln in ihrem weichen Nest zu einer festen, weichen Kugel geformt. Nur einen Moment später waren ihr die blauen Augen zugefallen und sie gab sich den erholsamen Schwingen der Träume hin.

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Vor vielen Blattwechseln entdeckten die letzten Überlebenden einer einst legendären Katzengruppe die Berge und den wunderschönen Sternenhimmel darüber. Für viele Sonnenaufgänge scheint alles nahezu perfekt zu sein, um ein neues Leben zu beginnen. D...
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2018-03-01
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