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Wind und Asche 4

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2 Kapitel - 1.413 Wörter - Erstellt von: WoMler - Aktualisiert am: 2018-02-01 - Entwickelt am: - 125 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Nach den Ereignissen in Seoul und Sibirien kehrt Team Shadow zum Fort zurück. Tayo, Hjördis und Aaron sind tot, grauer Schnee fällt und weitere Katastrophen bahnen sich an.
Léandra zieht es aufs Dach zurück und Tulio sehnt sich in seiner Zelle nach dem Himmel.

Der Nachfolger von World of Mystik.

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    Es gibt nicht viel zu packen. Nachdem meine wenigen Habseligkeiten im Rucksack verstaut sind, bleibt nur Platz für das Nötigste übrig – Wechselkl
    Es gibt nicht viel zu packen.
    Nachdem meine wenigen Habseligkeiten im Rucksack verstaut sind, bleibt nur Platz für das Nötigste übrig – Wechselkleidung, eine Wasserflasche, zwei Messer, ein Erste-Hilfe-Set, das ich aus der Krankenstation entwendet habe, eine Taschenlampe und natürlich das Tornado-Glas, eingewickelt in mehrere Schichten Zeitungen.
    Lange werde ich damit nicht auskommen, aber für den Anfang sollte es reichen.
    Kurz überlege ich, Hannah eine Nachricht zu hinterlassen, falls sie zurückkommt, aber ich verwerfe den Gedanken wieder. Wir haben uns schließlich nicht besonders nahe gestanden und meine neuerdings aufkommenden Selbstvorwürfe deswegen können auch nichts mehr ändern.
    Bevor ich unser Zimmer verlasse, mache ich mein Bett und ziehe die Vorhänge zu. Ich glaube nicht, dass in nächster Zeit jemand diesen Raum betreten wird.

    Dem Stand der Sonne nach zu urteilen, ist es später Nachmittag, als ich aus dem Haupthaus nach draußen trete. Vom Übungsplatz dringen Stimmen zu mir herüber, die mich daran erinnern, warum ich eigentlich hier bin. Ich sollte jetzt auch bei Miss Coulson Bogenschießen üben oder am Survival-Training teilnehmen. Obwohl unser Einsatz offiziell als beendet gilt, finden die Trainingseinheiten weiterhin statt und die meisten nehmen dieses Angebot an. Mit etwas anderem kann man sich hier sowieso nicht beschäftigen und alles ist besser als nichts zu tun.
    Ich schultere meinen Rucksack und gehe auf die Häuser der Trainer zu, die sich östlich des Haupthauses befinden. Zwei von ihnen stehen seit der Katastrophe leer, da ihre Bewohner verschollen sind. Sangmo Dawa aus Tibet und Kristoff Sandberg aus Norwegen, wie Mr Cummingfield erzählt hatte. Sein Haus ist das erste, an dem ich vorbeikomme. Ein kurzer Röntgenblick ins Innere bestätigt mir Marinas Vermutung, dass er drinnen ist. Allerdings nicht allein.
    Ein Mädchen mit kurzen braunen Haaren und einem langen Mantel hat an seinem Schreibtisch ihm gegenüber Platz genommen. Lapis.
    Sie sitzt mit dem Rücken zu mir gewandt, aber ihrer Körperhaltung kann ich entnehmen, dass sie angespannt ist.
    Innerlich seufze ich. Von ihr werde ich wohl keine Unterstützung bei der Ausführung eines Vorhabens erwarten können, das sich schon in meinen eigenen Ohren lächerlich anhört. Jedoch kann ich jetzt auch keinen Rückzieher mehr machen.
    Entschlossen klopfe ich an und beobachte, wie Mr Cummingfield aufsteht und zur Tür geht.

    „Léandra.“ Er klingt weniger überrascht als ich erwartet hatte. „Was kann ich für dich tun?“
    Ich sehe durch ihn hindurch zu Lapis, die sich nicht einmal umgedreht hat. Ihre stachelbewehrte Keule lehnt an einem Tischbein neben ihr. Befürchtet sie ernsthaft, sie könnte jetzt angegriffen werden?
    „Ich brauche Ihre Hilfe“, sage ich und schaue dem Schwertkampflehrer in die Augen. „Und einen Hubschrauber.“
    Er schweigt, mustert mich mit einem undeutbaren Gesichtsausdruck.
    „Dann komm besser rein“, meint er schließlich nüchtern.
    Er tritt einen Schritt zur Seite, damit ich an ihm vorbeigehen kann und schließt die Tür hinter mir.
    Zögerlich sehe ich mich im Flur um, suche nach Ähnlichkeiten zu dem baufälligen Mietshaus, in dem ich in einem anderen Leben einmal gewohnt habe.
    Kurz schließe ich die Augen, versuche ein Bild von diesem Ort in mir hervorzurufen. Stelle mir die gelb gestrichenen Wände vor, von denen an einigen Stellen die Farbe abblättert. Die verblassten Fotos, die mit Klebeband daran befestigt sind. Die stickige Luft, wenn es im Hochsommer draußen mal wieder über 35 Grad sind. Orthos' nervtötendes Bellen, über das sich die Nachbarn täglich beschweren. Das statische Tippen von Fingern auf der Tastatur, wenn mein Vater in seinem Zimmer bei halbgeöffneter Tür arbeitet. Die Augen meiner Mutter. Das Lachen meines Bruders.
    Ich blinzle. All das fühlt sich schrecklich unwirklich an. Als wäre es nur ein Film gewesen. Oder ein Traum.

    Mr Cummingfields Räuspern holt mich zurück in die Wirklichkeit.
    „Hier entlang“ Er schiebt mich in den Raum, in dem Lapis noch immer auf ihn wartet und deutet mit einer einladenden Geste auf den freien Stuhl neben ihr.
    Ich setze mich und lasse meinen Blick über die Blätter und Aktenordner schweifen, die überall auf dem Schreibtisch verteilt liegen. Ein Dokument erregt meine Aufmerksamkeit.
    Vernehmungsprotokoll steht dort in einer unleserlichen Handschrift und darunter das heutige Datum. Bevor ich es mir jedoch genauer ansehen kann, legt Mr Cummingfield das Blatt in einen der Ordner und klappt ihn zu. Verdammt.
    „Also“, setzt er an. „Was ...“
    „Tulio braucht Hilfe“, platzt es aus mir heraus. Die Worte verlassen meinen Mund, bevor ich darüber nachdenken kann. Plötzlich will ich nur noch weg, raus aus diesem Haus, aus diesem Fort. Warum bin ich nicht eher hergekommen? Jede Sekunde, die ich tatenlos hier verbringe, ist eine verschwendete Sekunde. Wertvolle Sekunden, die am Ende vielleicht über Tulios Leben entscheiden.
    Mein Stuhl kratzt über den Parkettboden, als ich aufspringe. Ich wäre nach draußen gelaufen, hätte Lapis nicht mit eisernem Griff mein Handgelenk gepackt und mich zurück in den Stuhl gedrückt.
    „Lass mich los“, zische ich.
    „Komm du endlich mal zur Vernunft. Was soll das hier eigentlich werden?“, erwidert sie gereizt und verdreht die Augen.
    „Bitte, beruhigt euch“, wirft Cummingfield beschwichtigend ein. „Marina und Lapis kümmern sich um die Suche nach Tulio“, sagt er an mich gewandt. „Wenn er am Leben ist, werden sie ihn finden.“
    Wenn er am Leben ist.
    Vielleicht ist er längst tot. Mit einer Kugel im Rücken wie Aaron. Von Napalm oder Geisterfeuer verbrannt wie Tayo und Kallik. Oder unter Ruinen begraben wie Alexandros.
    Ich würde es spüren, wenn er tot wäre, denkt ein kleiner, naiver Teil von mir. Aber ich weiß es besser.
    „Tulio hat mir zweimal das Leben gerettet“, murmle ich und starre auf meine Hände. „Ich bin es ihm schuldig, dass ich nach ihm suche.“
    „Du hilfst ihm am meisten, wenn du nicht versuchst ihm zu helfen.“ Lapis' Stimme klingt nicht mehr ganz so hart wie zuvor. „Im Übrigen würde er auch nicht wollen, dass du allein zu einer zum Scheitern verurteilten Rettungsaktion aufbrichst.“
    Mr Cummingfield nickt bekräftigend.
    Ich frage mich, ob er weiß, dass ich in Asien sterben werde und deshalb versucht mich von meinem Vorhaben abzuhalten.
    Der Gedanke erzeugt ein unangenehmes Gefühl in mir. Ein Gefühl, das ich nicht zuordnen kann, aber von dem ich weiß, dass es etwas mit Cummingfields Fähigkeit zu tun hat.
    „Warum haben sie es nicht verhindert?“, frage ich tonlos. „Sie müssen doch schon vor Jahrzehnten gewusst haben, dass Millionen von Menschen sterben werden.“ Ich zittere. „Sie haben es gewusst und nichts getan. Überhaupt nichts.“
    Tränen sammeln sich in meinen Augen, als ich die hasserfüllten Worte ausspreche. „Sie sind schuld, dass meine Familie tot ist.“
    Diesmal kann Lapis nicht schnell genug reagieren. Ich greife nach dem ersten Gegenstand, den ich zu fassen bekomme – einen Brieföffner – und hole aus. Wie beim Training mit Neel Jariwan fixieren meine Augen die Zielscheibe. Sie hat das Gesicht von Ryan Cummingfield.

    2
    Wer hätte in einem Duell zwischen Stachelkeule und Brieföffner wohl die besseren Chancen? xD

    Ihr dürft gerne in den Kommentaren abstimmen. Außerdem freuen wir uns wie immer über Anregungen und konstruktive Kritik.

    Der Link zum Original:
    http://www.testedich.de/quiz40/quiz/1458904529/World-of-Mystik

    Das erste WoM-Kapitel:
    http://www.testedich.de/quiz42/quiz/1468404835/World-of-Mystik-1

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1517168452
Wind und Asche 4
Wind und Asche 4
Nach den Ereignissen in Seoul und Sibirien kehrt Team Shadow zum Fort zurück. Tayo, Hjördis und Aaron sind tot, grauer Schnee fällt und weitere Katastrophen bahnen sich an. Léandra zieht es aufs Dach zurück und Tulio sehnt sich in seiner Zelle nach...
http://www.testedich.de/quiz53/quiz/1517168452/Wind-und-Asche-4
http://www.testedich.de/quiz53/picture/pic_1517168452_1.jpg
2018-01-28
40B0
Fantasy Magie

Kommentare (2)

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Simon ( von: torden!)
vor 78 Tagen
Vielen Dank ^^
Lynx Zemia ( von: Lynx Zemia)
vor 80 Tagen
Also hey, das war nicht übel 👍