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Tod eines Dichters

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1 Kapitel - 1.263 Wörter - Erstellt von: Shuuki - Aktualisiert am: 2018-01-06 - Entwickelt am: - 33 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

»Vive la France. Es lebe Frankreich! Es lebe die Zukunft! « Ein kleiner One-shot über Jean Prouvaire´s Ableben nach der Romanfassung von Les Miserables.

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    Meine Lieben,
    hier ein Kleiner One-Shor für euch. Es werden die letzten Momente von Jean "Jehan" Prouvaire behandelt und beruht nur auf dem Buch.

    Danke an Justitia fürs Korrektur lesen:)
    Viel Spaß beim Lesen und lasst mir bitte, bitte ne Review da:)

    Disclaimer: Mein Name ist nicht Victor Hugo und ich verdiene hiermit nichts.

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    Tod eines Dichters


    Erinnerst du dich noch an unser Leben
    als jung wir beide
    süß war es und rein
    Wir wünschten nur, einander hinzugeben
    uns wohl zu fühlen
    hübsch, verliebt zu sein

    Als wir die Alter, Deins zu Meinem reihten
    und doch zusammen keine vierzig Jahr
    und als in unsrer Wohnung, klein, bescheiden
    der Winter selbst, der kalte, Frühling war.

    Paris ließ sich zu heil‘gem Mahle nieder...

    Die Worte verhallen in meinem Kopf als hätte ich sie gerade erst gesprochen. Ein wunderschönes Gedicht. Es ruft ein warmes Gefühl in mir wach. Der Schmerz verschwindet für einen kurzen Augenblick und ich bin wieder unter ihnen. Ach meine geliebten Brüder.

    Dann trifft mich die Realität hart. Es ist wie ein Schlag ins Gesicht. Nein. Es ist ein Schlag ins Gesicht. Der Soldat der sich vor mir aufgebaut hat, lässt seine Hand sinken und sagt irgendetwas, aber ich kann es nicht hören. Vor meinen Augen spielen sich die eben geschehenen Szenen ab.
    Die Fahne. Der tote Alte. Der Angriff. Gewehrsalven. Rauch überall und das entzündete Schießpulver, das so fürchterlich stank und mir in den Augen brannte. Eben noch stand ich auf dem Kamm der Barrikade, den Karabiner in Händen. Seite an Seite mit Bahorel. Er war unter dem Stich eines Bajonettes zusammengesackt und rittlings von der Barrikade gefallen. Ob es ihm gut ging? Und wie kann es sein, das ich noch lebe? Da war dieser Soldat gewesen. Meine Waffe war entladen und ich hatte keine Zeit. Bevor er auf mich anlegen oder mit seinem Bajonette zustoßen konnte, habe ich ihn angefallen. Er war es gewesen, der Bahorel verwundet hatte. Elendes Schwein. Dann fielen wir und jetzt bin ich hier, von Nationalgardisten umringt.

    „He, Bursche!“ Er rüttelt immer noch an mir herum und seine Worte dringen an mein Ohr. Ich hebe den Blick und sehe wie sich seine Augen weiten. Sehe ich so furchterregend aus?
    „Wie ist dein Name, Republikaner?“, fragte der Soldat in sachlichem Tonfall. „Jean! Jean Prouvaire.“ Meine Stimme klingt tief und stolz. So hat sie noch nie geklungen. Der Soldat zieht mich auf die Beine und ich erhebe mich. Trotz dem Schmerz in meinem linken Bein stehe ich aufrecht. Ich muss nicht hinsehen um zu wissen, dass ein hölzerner Splitter in meinem Oberschenkel steckt und es fürchterlich blutet. Das letzte Stück Barrikade, das mir bleibt.

    Langsam bin ich auch wieder dazu fähig, mein Umfeld wahrzunehmen. Um mich herum stehen uniformierte Männer. Ich weiß nicht, wo ich bin. Ich kann die Barrikade nicht sehen, meine Freunde nicht hören. Ich könnte Meilen entfernt sein. Nur die Schreie der Verletzten, die in der Nacht erklingen, geben mir die Gewissheit, dass das Schlachtfeld nicht weit sein kann. Würden sie kommen und mich retten? Vermutlich würden sie, wenn sie nur könnten.

    „Haben Sie Soldaten des Königs getötet?“ Wieder eine Frage des Soldaten. Ich sauge mich an seinen Augen fest. Es ist ihm sichtlich unangenehm, aber er versucht, Haltung zu wahren. „Ja!“, antworte ich. Der Soldat schüttelt den Kopf und winkt dann zwei Männer heran. Mit der Hand gibt er ihnen Zeichen. Kurz darauf weiß ich, was sie bedeuten. Ich werde von den beiden Uniformierten einige Schritte entfernt an eine Wand gestellt. Sie flankieren mich, damit ich nicht weglaufen kann. Aber das würde ich nicht. Andere laden ihre Gewehre. Sie machten sich bereit, um mir den Prozess zu machen. Auf ihre Weise. Keiner von ihnen sieht mich direkt an.

    Schließlich stellen sie sich um mich herum auf. Die dunklen Läufe, die auf mich gerichtete sind, starren mich an, wie gefräßige Raubtiere. Ich habe keine Angst und bin ganz still. In meinem Inneren glüht es und mein Herzschlag wird lauter. Er erklingt für Frankreich und er würde für Frankreich verstummen. Ich sehe dem Tod ohne Furcht entgegen. Es konnte nicht so schlimm sein und was auch immer mich auf der anderen Seite erwartete, es konnte nicht schlechtes sein als diese Welt. Ich würde in den Garten des Herrn einziehen und dort würde ich frei sein. Dort würde ich keine Waffen brauchen und irgendwann würden wir dort alle vereint, in Frieden, beieinander sein. Dieser Gedanke tröstet und stärkt mich.

    Das metallische Klicken verrät mir, das sie nun bereit sind. Die Gewehre sind geladen, die Hähne gespannt und das Pulver würde sich gleich entzünden. Doch noch zielen sie nur auf mich. Die Soldaten neben mir treten ab und der, der mich vorher befragt hatte, tritt zwischen den Schützen hervor. „Irgendwelche letzten Worte?“ Seine Stimme ist endgültig. Er macht sich nicht einmal die Mühe, mir die Augen zu verbinden. Das habe ich wohl nicht verdient. Aber ich hätte es vermutlich ohnehin nicht zugelassen.

    Ich weiß genau, was ich sagen will. Die Worte kommen wie von selbst aus meinem Mund und hallen laut in der Stille wieder. „Vive la France. Es lebe Frankreich! Es lebe die Zukunft!“ Vielleicht können sie mich hören.

    Der Soldat nickt und verschwindet hinter der Wand aus Gewehren. Dann geht alles ganz schnell. Blitze. Lautes Krachen. Unendlicher Schmerz. Ich spüre, wie ihre Kugeln mich durchdringen. Wie Steine die durch die Wasseroberfläche fallen, dringen sie durch meine Haut in mein Fleisch. Der Schmerz, den sie verursachen, zieht Kreise bis er meinen ganzen Körper erfüllt. Ich breche nicht zusammen. Noch nicht. Die Wand in meinem Rücken hält mich aufrecht. Stützt mich. Dann scheint sie nachzugeben und einen Moment später sehe ich das Pflaster. Durch die Rillen sickert Blut. Ist es meines oder das der gefallenen Soldaten? Ich weiß es nicht und es ist mir egal. Die Stiefel entfernen sich von mir und sie überlassen mich dem Tod.

    Das Erste, was ausbleibt, sind die Geräusche. Ich kann die Rufe nicht mehr hören. Stille legt sich wie ein schwerer Schleier über mich. Dann schwindet meine Sehkraft. So sehr ich mich anstrenge, die Welt wird unscharf und verschwimmt vor meinen Augen. Als nächstes verblasst der Schmerz. Alles verschwindet und ich werde von Schwärze umhüllt. Es ist nicht schlimm. Das Ende ist da und ich begrüße es mit offenen Armen. Wir werden uns wieder sehen, meine Freunde. In einer besseren Welt.

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