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Die vergessene Welt

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3 Kapitel - 2.406 Wörter - Erstellt von: Anonym...:) - Aktualisiert am: 2017-12-20 - Entwickelt am: - 92 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

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    Überall sah man Wasser. Schwarzes Wasser. So schwarz, dass es gar nicht mehr an das glitzernde Meer erinnerte, sondern an ein schönes Bild im maleri
    Überall sah man Wasser. Schwarzes Wasser. So schwarz, dass es gar nicht mehr an das glitzernde Meer erinnerte, sondern an ein schönes Bild im malerischen Sonnenuntergang. Es roch nach Bier und verbrannten Zigaretten, doch die frische Seeluft und der Fahrtwind glichen das wieder aus. Ab und zu wurde eine frisch vom Grill genommene Wurst, in einem warmen Brötchen vorbei getragen. Allein vom Geruch bekam man Hunger. Man hörte, wie die Wellen an dem großen Schiff abschellten und sich als weißer Schaum endgültig auflösten. Menschen unterhielten sich in verschiedenen Sprachen. Sie waren jedoch zu weit weg, als das man hätte hören können, in welchen. Der Wind ließ die Rettungsboote sanft schaukeln. Er zog an den Klamotten und an allen anderen Dingen, die sich ihm anboten. Einige leere Pappbecher hatte er bereits umgeworfen, die jetzt verlassen über das Deck rollten. Es war ein lustiger Anblick, wenn ein kleiner Hund so einen beim vorbeilaufen entdeckte und ihn anknurrte, oder ängstlich den Schwanz einzog und schnell weiterlief. Doch Mary Malfen war nicht zum Lachen zumute. Sie war erst siebzehn und hatte smaragdgrüne Augen. Ihre rotbraunen Locken hingen ihr müde über die Schultern. Sie trug einen hellbraunen Wollpullover und eine verblichene Jeans. Geschwister hatte sie nicht und Freunde nur wenige, aber dafür umso bessere. Sie war zweisprachig aufgewachsen und nun auf dem Weg nach Deutschland, denn von dort kam ihre Mutter. Ihr Vater war Britte und in seiner Heimat war Mary aufgewachsen. Er starb als sie vier war, woran ist unklar. Seitdem ist sie allein mit ihrer Mutter aufgewachsen. Doch jetzt, deren ihrem Tot, hielt sie es dort nicht mehr aus und wollte einfach nur weg. Sie war ganz auf sich gestellt. Das einzige was sie bei sich hatte, war ein alter
    zerfledderter Rucksack und eine schwarze Lederjacke, die sie von ihrem Vater bekommen hatte. Ihr Blick war stur aufs Wasser gerichtet. Am liebsten hätte sie sich unsichtbar gemacht. Manchmal sah sie eine vorbeischwimmende Qualle und starrte ihr lange nach, bis sie unter den Wellen verschwand. Dann musste sie an das große Aquarium denken, das in dem Zoo stand, den sie als Kind mit ihren Eltern so oft besucht hatte. Bei diesen Gedanken wurde ihr das Herz schwer und sie wünschte sich zurück in ihre Kindheit.
    Die Tür fiel leise hinter ihr ins Schloss und ließ sie aus ihren Erinnerungen erwachen. Es war schon dunkel und der Wind wehte kühl. Sie war jetzt die Einzige auf Deck. Die ganze Nacht hätte sie hier draußen stehen und die Stille genießen können, aber es war zu kalt. Außerdem hatte sie ein Zimmer bestellt, in das sie gehen könnte. Mary nahm halbherzig ihren Rucksack und ging rein. Ihr Zimmer war in der zweiten Etage über den Autodecks. Nummer 713, ohne Fenster, denn ansonsten wäre es für sie zu teuer gewesen. Sie steckte ihre Karte in die dafür vorgesehene Spalte, öffnete die Tür und zog sie wieder heraus. Sie hing ihre Jacke an den Haken. Es war einfach eingerichtet. Ein Bett, daneben ein kleiner Tisch, ein weißes Telefon, ein großer Spiegel und eine Tür, die ins Badezimmer führte. Alles war in einem blauen Stil hergerichtet. Dann machte sie das Licht an und warf ihre Tasche in die Ecke und setzte sich aufs Bett. Mary musste wieder an ihr Zuhause denken.
    Eine Träne lief ihr bei dem Gedanken an ihre Eltern über ihre Wange. Schnell wischte sie sie weg. Sie verdrängte den Gedanken und schaute auf ihr Handy. Alex, ihre beste und so ziemlich einzige Freundin, hatte ihr geschrieben:, Wie geht es Dir? Ist alles so, wie Du´s Dir vorgestellt hast?’ Dahinter kam ein Smiley mit Kussmund.
    Ach wie sehr wünschte Mary sich, sie wäre bei ihr. Sie legte ihr iPhone zur Seite, zog ihre Jeans und ihren Wollpullover aus und legte beides neben sich auf den Boden. Dann machte sie die Schnürsenkel ihrer schwarzen Turnschuhe auf und stellte auch diese neben das Bett. An einem Schalter über ihrem Kopfkissen löschte sie das Licht. Nachdem sie es sich gemütlich gemacht hatte, wurde sie sanft von den Wellen in den Schlaf gewogen.

    Am nächsten Morgen wurde sie davon geweckt, dass ihr Handy klingelte. Alex rief an. Als Mary es in die Hand nahm, erschien ein Bild mit zwei lächelnden Mädchen, die sich vor ihrer Schule umarmten. Sie und Alex. Darunter stand:,, Freunde bis ans Ende der Welt“. Mary setzte sich senkrecht in ihr Bett und betätigte den Lichtschalter.
    Es war 7.18Uhr. Sie hätte gern mit ihr geredet, sie brauchte jemanden dem sie vertrauen konnte. Aber auf einer Fähre kostete das Telefonieren ja extra Geld und darum entschied sie sich, sobald wie möglich zurückzurufen. Auf einmal war es still. Ihr Telefon hatte aufgehört zu vibrieren. Anscheinend hatte Alex es nun endgültig aufgegeben, sie zu erreichen. Es machte Mary ein wenig traurig, ihre beste Freundin so abzuweisen.
    „Aber es hat ja auch seinen Grund“, tröstete sie sich. Sie legte ihr Handy wieder auf den kleinen Tisch und reckte sich, wobei sie herzhaft gähnen musste. Sie holte ihre zerknitterte Wasserflasche aus ihrer Tasche und trank einen großen Schluck. Nachdem sie diese wieder in den Rucksack gestopft hatte, zog sie sich ihre Klamotten von gestern wieder an. Ihre Schuhe ließ sie noch stehen, um erstmal auf die Toilette zu gehen. Als sie die Tür hinter sich geschlossen hatte, ertönte die Stimme des Kapitän aus den Lautsprechern in drei verschiedenen Sprachen: norwegisch, deutsch und englisch. Er sagte, dass die Kantine ab 8.15Uhr und der Bordshop ab 8.30Uhr geöffnet ist. Außerdem haben sie in ca. zwei Stunden das Land erreicht. Es war jetzt 8.17Uhr. Sie beschloss, sich in der Kantine einen Kaffee und vielleicht auch noch eine Semmel oder etwas ähnliches zu hohlen. Deswegen zog sie ihre Turnschuhe jetzt doch an, nahm ihren Rucksack in die Hand und verließ das Zimmer. Ihr Handy und ihre Jacke ließ sie da, die würde sie ja sowieso nicht brauchen. Als sie endlich eine Karte mit der Übersicht dieser Fähre gefunden hatte, informierte sie sich, wo sie hin müsse. Einmal die Treppe runter und dann links. Die Kantine fand sie schnell und sie war erleichtert als sie sah das sich nur drei Personen anstellten. Normalerweise stellten sich mindestens zehn Leute an, hatte Alex ihr erzählt. Als Mary an die Reihe kam bestellte sie sich einen Cappuccino und eine Quarktasche. Sie setzte sich ans Fenster, denn von hier aus hatte sie freie Sicht aufs Meer. Ein Lastschiff fuhr soeben vorbei und der kleine Junge vom Nachbartisch zeigte begeistert darauf. Er hatte blondes, struppiges Haar und Mary
    schätzte in auf ungefähr drei Jahre. Nun schaute er sie an. Sie lächelte ihn aufmunternd zu. Doch er schien plötzlich Angst vor ihr zu haben und flüchtete zurück zu der jungen Frau, die seine Mutter zu sein schien. Diese nahm ihn in die Arme und Mary schaute ihnen sehnsüchtig nach, wie sie ihn davon trug. Ach, wie sehr sehnte sie sich nach einer Hand, die ihr die Haare sanft aus dem Gesicht strich. Sie hatte die Quarktasche bereits aufgegessen und nippte nun an ihrem Cappuccino. Als auch dieser getrunken war, trug sie die Tasse und den Teller zu den Geschirrwagen. Dann machte sie sich auf den Weg zum Shop. Im Gegensatz zur Kantine war dieser allerdings so voll, dass Mary allein schon vom Anblick, die Lust dazu verlor auch noch reinzugehen. So machte sie kehrt und setzte sich auf eine Bank. Sie überlegte was sie jetzt tun könne, doch es fiel ihr nichts besseres ein als wieder raus zugehen, obwohl sie viel lieber etwas anderes gemacht hätte. Letztendlich ging sie dann doch raus. Diesmal war sie an einem anderen Platz, nämlich eine Etage tiefer. Aber ansonsten waren sie identisch. Allerdings sah man jetzt wenn man nach Süden schaute Land. Aber es war noch sehr weit weg. „Das ist dann wohl Deutschland…“, dachte Mary. Sie schaute sich dieses Stück Land noch eine Weile an, ging dann aber doch wieder ins Warme, denn ohne Jacke war es ihr dann doch zu kalt. Diesmal ging sie in ihr Zimmer, wo sie sich auf das weiche Bett setzte und ihr Handy vom Tisch holte. Inzwischen war es 9.24Uhr. Das hieß, das in weniger als einer halben Stunde diese Fahrt ein Ende nehmen würde.Ein paar Minuten saß sie einfach nur da und überlegte. Überlegte was sie nun machen könnte. Da zog sie ihren Rucksack heran, und stellte diesen sich auf den Schoß. Sie musste nicht lange wühlen, bis sie ein leicht geknicktes Blatt Papier und einen halbwegs spitzen Bleistift fand. Die Tasche stellte sie neben das Bett und starrte das Blatt an, während sie versuchte irgend eine Zeichnung darauf vorzustellen. Doch es wollte ihr nicht recht gelingen. Immer mal legte sie ihre Hand auf das Papier, bereit los zu zeichnen, zog sie jedoch gleich wieder unentschlossen zurück. Ihr war noch nicht klar, was sie zeichnen sollte. "Vielleicht einen Fuchs? Oder eine Katze? Oder eine Taube...", sie atmete langsam aus, "Mama mag Tauben..." In ihren Erinnerungen gefangen begann Mary zu zeichnen. " 'Tauben stehen für die Ehe, den Frieden, das Gute. Eine weiße Taube ist wie das Morgengrauen nach hundert Jahren Finsternis!' 'Ich will auch mal eine sehen!' man hörte den hellen Klang einer Kinderstimme, 'Vielleicht kann ich sie sogar streicheln! Die haben sicher gaaanz weiches Fell!' 'Aber Mary!', lachte ihre Mutter auf, 'Tauben haben kein Fell, sie haben Federn! Aber glaub mir mein Schatz, diese sind mindestens genauso weich! Ich mag Tauben...' " Und diese Worte hallten durch Marys Kopf. Immer leiser. Die Wolke der Erinnerungen löste sich langsam auf, und gab freie Sicht auf das Bild. Ihre Augen wahren ganz feucht und trotzdem lächelte sie glücklich. Sie wischte sich die Tränen von den Wangen und konzentrierte sich nun wieder vollständig auf das noch unfertige Bild.

    Als das Bild fertig war, steckte sie in ihre Tasche, zwischen die anderen Blätter. Nun schaute sie erstmal auf die Uhr. Nicht mehr lange und sie würden da sein. Irgendwie freute Mary sich darauf und gleichzeitig war sie traurig, ihrer vertrauten Heimat so fern zu sein. Sie lies sich rückwärts ins Bett fallen. Sie starrte eine Weile an die Decke und schloss dann die Augen. Ihre Hände waren schwer geworden. Auf dem Gang unterhielten sich zwei Männer, wahrscheinlich auf Englisch, doch Mary machte sich nicht die Mühe ihnen zuzuhören. Im Nachbar Zimmer weinte ein Baby und irgendwo bellte ein Hund. Eine Flasche fiel scheppernd auf den Boden. Zwei Kinder rannten lachend über den Gang. Lautes Gelächter. Dann wurde es wieder still. Nun übermannte Mary die Müdigkeit.

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    Ein lauter, schriller Mövenschrei riss sie aus ihren Träumen. Sie hatte nicht sehr lang geschlafen. Zehn Minuten vielleicht. Als sie einen kurzen Blick auf ihr Handy warf, stellte sie fest das sie angerufen wurde. Mary sah nach von wem er kam. Alex. „Sie macht sich bestimmt schon Sorgen um mich“,überlegte sie, „aber sie kennt mich ja.“
    Sie legte ihr Handy zur Seite und hob ihren Rucksack aufs Bett. Diesem entnahm sie wieder die zerknüllte Wasserflasche und trank einen großen Schluck. Nachdem sie diese wieder verstaut hatte, stand sie auf und ging in Richtung Tür. Dort nahm sie ihre Jacke vom Hacken und streifte sie sich diese über. Dann warf sie sich sich ihre Tasche über die Schulter, nahm ihr Handy in die Hand und verließ sie das Zimmer.
    An der großen Karte im Flur, sah sie nach einem Weg zu den blauen Treppen die zu den Fahrzeugen führten. Als sie dort war, war es schon ziemlich voll. Wie Alex erzählt hatte. Mary befolgte ihren Rat verstaute ihr Handy im Rucksack und nahm diesen ihn die Hand. So hatte sie ihre Wertsachen gut geschützt vor Taschendieben und anderen die es darauf abgesehen hatten. Und so lies sie sich von den Menschenmassen mitreisen in Richtung Autodeck.
    Als sie endlich an ihrem Auto angekommen wahr und dieses aufgeschlossen hatte, stieg sie ein und setzte sich erstmal. Dann begann sich Gedanken zu machen ob das was sie tat den richtig wahr. Ob es denn richtig ist vor seiner Vergangenheit zu fliehen, anstatt sich ihr zu stellen. Einfach alles stehen und liegen zu lassen ohne sich jemals richtig Gedanken darüber gemacht zu haben. Und nichtmal zu der Beerdigung ihrer Mutter zu erscheinen. Sie hatte es einfach nicht übers Herz gebracht, dabei zuzusehen, wie diese in einem hölzernen Kasten unter der Erde zu verschwindet! Mary wischte sich ihre Tränen aus dem Gesicht und schaltete ihr Auto an. „Alles ist gut so wie es ist“, beruhigte sie sich. Vorne sah man, wie sich die "Fährwand" langsam öffnete und die ersten Autos rausfuhren. Auch Marys Auto setzte sich schließlich in Bewegung und mit einem mulmigen Gefühl fuhr sie ins Freie.

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    Weiter ging es nach Plauen, irgendwo im Vogtland. Sie wahr schon einmal dort gewesen, als sie fünf war. Damals hatte Mum ihr gezeigt wo sie gewöhnt hatte, dass Haus in dem sie nun wohnen würde. Zu Mary's Verwunderung war das nur eine kleine Wohnung, kein ganzes Haus wie sie es gewohnt war. Zwar gab es auch in London Wohnungen zu mieten, aber dennoch nicht so viele wie hier. Dort hatte eigentlich jeder sein eigenes Haus, meistens mit einem kleinen Vorgarten. In ihrem hatten immer kleine Blümchen geblüht. Kleine gelbe, blaue und manchmal auch rote. In Deutschland gab es keine. Wenn doch, dann nur in den Parks.

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Die vergessene Welt
Die vergessene Welt
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2017-12-17
40B0
Fantasy Magie

Kommentare (1)

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Luna ( von: Luna die Hüne)
vor 34 Tagen
Wow!! Echt sehr gut geschriben !!!
Schreib unbedingt bald weiter ! xD ja nach Plauen ,wohin auch sonst!
In manchen Sachen erinnert mich Mary an mich selber !
Schreib bald weiter(aber vergiss auch die Sorry vom stamm nicht!!)
LG Luna