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Frei wie ein Vogel

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3 Kapitel - 6.420 Wörter - Erstellt von: Frostflügel - Aktualisiert am: 2017-12-19 - Entwickelt am: - 154 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Die junge Kätzin Vogel lebt mit ihrer Familie am Rand des Menschenortes. Doch als ein schreckliches Unwetter ihr Zuhause zerstört, bleibt den Katzen keine andere Möglichkeit, als ihre Heimat zu verlassen. Ihr Ziel sind die Berge, doch die Reise dorthin ist weit und überall lauern Gefahren. Als Vogel´s Familie dann auch noch auf einem Donnerweg stirbt, ist die junge Kätzin ganz auf sich allein gestellt. Wird sie die Berge erreichen? Auch allein?

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    Hey Leute, einige kennen mich vielleicht:) Ich bin Frosti und habe vor zwei Jahren die FF bzw. das RPG "Frei wie ein Vogel" gegründet und g



    Hey Leute,
    einige kennen mich vielleicht:) Ich bin Frosti und habe vor zwei Jahren die FF bzw. das RPG "Frei wie ein Vogel" gegründet und geschrieben. Leider, leider ist das RPG ausgestorben, was auch größtenteils an mir lag. Dennoch hab ich die Geschichte überarbeitet und fertig geschrieben. Teste.dich lässt unerklärliche Weise nicht mehr mein eigenes RPG aktualisieren, deswegen hier jetzt nur die FF. Ich hoffe, dass es euch gefällt!

    Viele Grüße, Frostflügel

    P.S: Ganz besonderen Dank an alle, die damals das RPG zu dem gemacht haben, was es war. Besonders dir Drachi!









    DIE HIERARCHIE DER KATZEN
    LICHTCLAN

    Anführerin MOOSSTERN - dunkelbraune Kätzin mit langem Fell, grüne Augen
    Zweite
    Anführerin SAMTSTURM - Siamkätzin mit weichem Fell, blaue Augen; Mentorin von
    FEDERPFOTE
    Heilerin SCHWALBENFEDER - graue Kätzin mit dunklen Flecken, dunkelblaue Augen

    Krieger (Kater und Kätzinnen ohne Junge)
    BRANDHERZ - großer, muskulöser Bengalkater mit grünen Augen
    WEIßFUß - großer, weißer Kater mit dichtem Fell, gelbe Augen
    ELSTERNACHT - langbeinige schwarze Kätzin mit weißen Flecken, eisblaue Augen
    WALDSCHATTEN - attraktiver brauner Kater mit bernsteinfarbenen Augen
    LÖWENTATZE - hübsche goldbraungetigerte Kätzin mit weißen Pfoten und
    braunen Augen; Mentorin von HASELPFOTE
    NESSELSTICH - gold-hellbraun getigerte Kätzin mit mintgrünen Augen
    STEINPELZ - riesiger, dunkelgrauer Kater mit weißen Pfoten, graue Augen
    SEEROSE - schlanke cremefarbene Kätzin mit braunen Pfoten, grüne Augen
    WOLFSNACHT - großer, dunkelgrauer Kater mit schwarzen Schattierungen,
    etliche Kampfnarben, blaue Augen
    MONDSTRAHL - zierliche Kätzin mit silber-glänzendem Fell, dunkelblaue Augen
    STURMHERZ - muskulöser feuerroter Kater mit grünen Augen
    WINDSTURM - zierlicher schwarz-grauer Kater mit grauen Augen
    WOLKENHIMMEL - weiße Kätzin mit schwarzen Ohrenspitzen und himmelblauen
    Augen; Mentorin von EFEUPFOTE
    RINDENBLITZ - dunkelbrauner Kater mit rotbraunen Flecken, hellbraune
    Augen; Mentor von Tagespfote
    ROSENMOND- schlanke rot-weiße Katze mit sanften bernsteinfarbenen Augen
    FARNSCHATTEN - sandfarbener Kater mit grünen Augen
    FLAMMENHERZ - dunkelrote Kätzin mit weißen Pfoten und grünen Augen
    DACHSKRALLE - dunkelbraun getigerter Kater mit bernsteinfarbenen Augen



    Schüler HASELPFOTE - schlanker Bengalkater mit haselnussbraunen Augen
    FEDERPFOTE - hellgraue Kätzin mit dunkelgrauer Tigerung und einem blauen und
    einem grünen Auge
    SCHIMMERPFOTE - schlanke, blaugraue Kätzin mit schwarzem Gesicht,
    dunkelblaue Augen
    EFEUPFOTE - weiße Kätzin mit hellgrauer Musterung und schwarzen Pfoten,
    smaragdgrüne Augen
    ASCHENPFOTE - dunkelbrauner, breitschultriger Kater mit grauen Augen (auf
    dem rechten Auge blind)

    Königinnen (Kätzinnen, die Junge erwarten oder aufziehen)
    BLÜTENSCHWINGE - geschmeidige, weiße Kätzin mit silbernen Streifen,
    heidefarbene Augen; erwartet Junge von WOLFSNACHT

    Ältestes (ehemalige Krieger und Königinnen, jetzt im Ruhestand)
    zurzeit keine



    KRÄHENCLAN

    Anführer DONNERSTERN - schwarzer Kater, gelbe Augen

    Zweiter
    Anführer HABICHTPELZ - roter Kater mit weißen Flecken, stechend grüne Augen; Mentor
    von SCHWARZPFOTE

    Heiler WIRBELFELL - dunkelbrauner Kater mit weißen Flecken und grünen Augen

    Krieger ROSTSCHWEIF - roter Kater mit großen Pfoten, hellblaue Augen
    NACHTKRALLE - schwarze, drahtige Kätzin mit geschmeidigem Fell; (blind)
    WEIDENBLÜTE - kleine, graue Kätzin mit grünen Augen
    BAUMPELZ - dunkelbraun getigerter Kater mit bernsteinfarbenen Augen
    SCHNEESCHATTEN - weiße Kätzin mit schwarzen Beinen und blauen Augen;
    Mentorin von STURMPFOTE
    SONNENFLÜGEL - sandfarbene Kätzin mit grünen Augen
    HASENSPRUNG - schneller hellbrauner Kater, bernsteinfarbene Augen
    ADLERSCHREI - dunkelroter Kater mit schwarzen Flecken, gelbe Augen
    WASSERKRALLE - kräftige blaugraue Kätzin mit eisblauen Augen
    LEOPARDENSTURM - goldene Kätzin mit schwarzen Tupfen, dunkelbraune Augen
    WIESELPELZ - dunkelbraun getigerter Kater mit grünen Augen
    HEIDENFLUG - hübsche, cremefarbene Kätzin mit blauen Augen
    SICHELKRALLE - weißer Kater mit schwarzem Schweif, fast schwarze Augen;
    Mentor von SCHLANGENPFOTE
    FICHTENFEDER - muskulöse hellbraun-rot getigerte Kätzin mit grünen Augen;
    Mentorin von MADERPFOTE
    HÖHLENFELL - rabenschwarze Kätzin mit langen Beinen, blaue Augen
    SCHILFSCHWEIF - dunkelbraun-schwarz gemusterter Kater mit
    bernsteinfarbenen Augen; Mentor von MUSCHELPFOTE
    TANNENHERZ - dunkelbraune Kätzin mit langem Fell und gelben Augen
    FUNKENSTEIN - rostroter Kater mit breiten Schultern, grüne Augen
    REGENFALL - kleine, hellgraue Kätzin mit dunkelblauen Augen
    NACHTSTURM - dunkelgrauer Kater mit weißen Flecken und schwarzen Pfoten,
    blaue Augen; Mentorin von BRENNESSELPFOTE
    LERCHENFLUG - braungetigerte Kätzin mit weißen Pfoten und goldbraunen Augen
    FUCHSPELZ - rotbraun getigerter Kater mit bernsteinfarbenen Augen
    EISFUß - strahlend weiße Kätzin mit einer roten Pfote, eisblaue Augen
    FELSENPELZ - breitschultriger, blaugrauer Kater mit gelben Augen

    Schüler STURMPFOTE - kräftiger, dunkelgrauer Kater mit gelben Augen
    SCHWARZPFOTE - nachtschwarze Kätzin mit grünen Augen
    MUSCHELPFOTE - hübsche, rotweiß gefleckte Kätzin mit hellblauen Augen
    MADERPFOTE - braun getigerter Kater mit bernsteinfarbenen Augen
    SCHLANGENPFOTE - schwarzweiß gescheckter Kater mit hellblauen Augen
    BRENNESSELPFOTE - graue Kätzin mit silbernen Streifen, grüne Augen

    Königinnen WELLENSCHWEIF - dunkelbraun getigerte Kätzin mit grauen Augen; Mutter von
    Krallenjunges, Blitzjunges und Grasjunges
    MOHNFUß - schwarzbraune Kätzin mit bernsteinfarbenen Augen; Mutter von
    Spinnenjunges, Wurzeljunges und Bienenjunges

    Älteste GRAUBLÜTE - alte graue Kätzin mit weißen Flecken, blaue Augen
    SPITZMAUSZAHN - dunkelbrauner Kater, bernsteinfarbene Augen
    ROSENHERZ - einst hübsche, rotbraune Kätzin mit grünen Augen


    KATZEN AUSSERHALB DER CLANS

    Vogel - hübsche, dreifarbige Schildpattkatze mit mittellangem Fell und warmen,
    grasgrünen Augen
    Sand - Kätzin mit kurzem sandfarbenem Fell, weiße Pfote vorne rechts, hellgrüne
    Augen
    Stein - kleiner, flauschiger grauer Kater mit mittellangem Fell, dunkelblaue Augen
    Zweig - großer, breitschultriger Kater mit braunem Fell, bernsteinfarbene Augen
    Blume - hellbraun getigerte Kätzin mit weißen Pfoten und klaren, grünen Augen
    Baum - kräftiger Kater mit glattem, dunkelbraunem Fell, bernsteinfarbene Augen
    Nebel - attraktive, graue Kätzin mit langem Fell, blaue Augen
    Caesar - mürrischer, rotgetigerter Kater mit grünen Augen; Hauskätzchen
    Kaya – flauschige, weiße Kätzin mit einem blauen Halsband; Hauskätzchen
    Mohn - schwarze Mätzin mit mittellangem Fell, rotes Ohr und rote Zehen, grüne
    Augen; Mutter von Esche, Blatt und Eule
    Blatt - schildpattfarbener Kater mit mittellanges Fell; grüne Augen
    Esche - schlanke, schwarze Kätzin mit tiefblauen Augen
    Eule - rotbrauner Kater mit schwarzem Kinn, hellblaue Augen




    Gefährten
    Blütenschwinge ∞ Wolfsnacht
    Windsturm ∞ Mondstrahl
    Samtsturm ↔ Waldschatten
    Brandherz ↔ Nebel
    Elsternacht → Waldschatten
    Löwentatze → Brandherz
    Steinpelz → Seerose
    Flammenherz → Sturmherz
    Federpfote → Sturmherz
    Efeupfote → Haselpfote
    Weißfuß → Moosstern
    Sturmherz → Vogel
    Haselpfote → Vogel
    Farnschatten → Vogel
    Vogel →?

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    Prolog Ein voller Mond stand hoch über einer Lichtung mitten im Wald. Sie war umschlossen von schwarzen, schattenhaften Bäumen, von deren Dunkelheit



    Prolog


    Ein voller Mond stand hoch über einer Lichtung mitten im Wald. Sie war umschlossen von schwarzen, schattenhaften Bäumen, von deren Dunkelheit das milchig weiße Licht der Himmelsscheibe verschluckt wurde. Seichte Pfützen verteilten sich auf dem Waldboden, deren Oberflächen unter den letzten fallenden Regentropfen barsten und in kleinen Kreisen wellenförmig auseinanderflossen. Eine kalte Blattfallbrise wirbelte die regennassen, braunen Blätter auf und trug sie davon. In der Mitter der Lichtung saß eine Kätzin. Ihr langes, dunkelbraunes Fell war vom Regen durchnässt und klebte stumpf an ihren breiten Schultern, die von Kampfnarben übersäht waren. Sie hatte den Kopf hoch erhoben und ihr Schwanz war ordentlich um ihre Pfoten gelegt, doch eine gewaltige Macht schien sie mit aller Kraft nach unten zu drücken, denn ihre Augen glänzten müde und die Schultern waren eingesackt. An ihrer Schnauze glänzten silberne Härchen, die auf ihr hohes Alter hindeuteten. Sie saß ruhig und wirkte abwartend, als würde sie etwas oder jemanden erwarten. Den prasselnden Regen und das wütende Laub schien sie nicht zu bemerken. Leichter Nebel waberte um ihre Pfoten und versetzte die Lichtung eine geisterhafte Szenerie. Als ein weiterer Umriss aus den Schatten trat, erhob sie sich anmutig, aber mit klopfendem Herzen und nickte respektvoll.
    „Mondstern“, sie verneigte sich leicht. Der Nebel hatte sich an den Rand der Lichtung zurückgezogen und gab den Blick auf einen großen, weißen Kater frei, der mit eleganten Schritten auf die Kätzin zuging.
    „Sei gegrüßt, Moosblatt.“ Auch er verneigte sich. Er schnippte mit dem Schwanz und bedeutete ihr, sich wieder niederzulassen. Ein krampfhaftes Schweigen breitete sich zwischen ihnen aus, als sie sich wortlos setzten. In den Augen der Kätzin stand Bedauern und Schmerz, aber auch Wut, als sie ihren wechselhaften Blick aufmerksam auf den weißen Kater heftete. Dieser blinzelte und zuckte kurz mit den Ohren.
    „Ich wurde geschickt, um dir etwas mitzuteilen“, hob er an, doch Moosstern unterbrach ihn sofort.
    „Geschickt, um mir etwas mitzuteilen!“, schnaubte sie verächtlich und bleckte die Zähne. „Du kommst jetzt, jetzt nach so langer Zeit! Vor 128 Monden habe ich dich zuletzt gesehen, sterbend! Glaub mir, jetzt kannst nicht mal du etwas ändern! Mein Clan braucht dich nicht, ach so großer Krieger! Ich brauche dich nicht. Egal, was du zu sagen hast, geh und erzähl es jemand anderem, denn ich will es nicht hören.“ Müde und verletzt winkte sie mit dem Schwanz und erhob sich, bereit zu gehen. Der Kater schnurrte warm, während er versuchte seine Betroffenheit zu verbergen. „Du hast dich kein bisschen verändert. Bis auf dein Name - Moosstern - bist du noch genau wie früher.“ In seiner Brust rumpelte es. Moosstern hielt inne und drehte sich zu ihm herum.
    „Ich bin noch genau wie früher?“, fragte sie bitter und duckte sich. „Schön, dass wenigstens einer von uns so geblieben ist!“ Fauchend sträubte sie ihr Fell. „Wie kannst du es wagen, jetzt einfach so aufzutauchen! Gerade jetzt, wo ich dich fast vergessen habe! Und du mich auch schon längst vergessen hattest!“
    Mondstern erhob sich bestürzt. „Du weißt, dass ich dich niemals verletzen wollte.“ Zögern streckte er seinen buschigen Schweif aus und wollte die dunkelbraune Kätzin an ihrer vernarbten Schulter berühren, doch diese wich knurrend zurück.
    „Wie viel du doch von mir hältst!“, grollte sie, während Wut hell wie Feuer in ihren moosgrünen Augen loderte. „Du hast mich im Stich gelassen, Mondstern.“
    Ihre Stimme bebte, als Zorn der Verzweiflung wich.
    „Genau dann, als ich dich am meisten gebraucht hätte. In deiner schwersten Zeit war ich für dich da. Warum konntest du nicht auch für mich da sein?“ Sie machte kehrt und trotte davon, doch sie gab sich nicht die Blöße, den Kopf hängen zu lassen, sondern hielt ihn hoch erhoben. Mondstern sprang auf und stellte sich ihr in den Weg.
    „Du weißt, dass ich nicht das gleiche für dich empfunden habe, wie du für mich!“ Er flüsterte eindringlich, während sich die Kätzin schulterzuckend an ihm vorbeischob.
    „Das hat dich noch lange nicht daran gehindert, mir bei zu stehen.“ Ihr Tonfall nahm eine dunkle Farbe an und sie schüttelte verständnislos den Kopf. „Ich war für dich da, als die Zweibeiner deinen Sohn töteten. Ich war für dich da, als sie Eschenherz töteten. Ich war immer für dich da, seit dem Moment an, an dem sich die Clans zusammengeschlossen hatten. Wo warst du, als ich dich einmal gebraucht habe. Wo warst du?“ Moossterns Stimme brach und sie starrte beklommen auf ihre Pfoten. Angestrengte schluckte sie und hob den Kopf wieder, um in Mondsterns blaue Augen zu schauen.
    „Ja, ich habe dich geliebt Mondstern. Ich habe dich so geliebt, wie ich noch nie jemanden geliebt habe. Aber diese Liebe starb, als du gegangen bist. Du bist einfach gegangen, ohne dich jemals zu verabschieden.“
    Die Schultern des weißen Katers senkten sich, als sie fortfuhr:
    „Als ich vom SternenClan meine neun Leben erhalten habe, habe ich darauf gewartet, dass du auftauchst. Mit jedem Leben, das mir gegeben wurde, sank die Wahrscheinlichkeit, dass ich eines davon von dir bekommen würde. Und als du nicht aufgetaucht bist, ich…..“ Sie brach ab. Erste Regentropfen fielen wieder aus den sturmgrauen Wolken und benetzten ihr aufgeplustertes Fell. Dunkle Wolkenmassen schoben sich vor den Mond, dessen weißes Licht nun nicht länger die Lichtung erhellte. Ein eisiger Kältesblitz fuhr ihr durch die Knochen.
    „Also, wenn du nun nichts dagegen hast. Ich würde gerne aufwachen und mir Pläne ausdenken, um einen friedliches Abkommen mit Donnerstern zu schließen.“
    Damit legte sie die Ohren an und schlüpfte an dem ehemaligen Anführer vorbei in die Schatten des Waldes.
    „Moosblatt, bitte warte…“
    Die Art, mit welcher Dringlichkeit er ihren Kriegernamen aussprach, ließ die Kätzin innehalten. Sie drehte sich nicht um, sondern starrte weiter in die Dunkelheit des Waldes, doch sie blieb stehen. Das Geräusch seiner leisen Pfotenschritte, die in dem nassen Laub raschelten als Mondstern näher kam, jagte ihr einen Schauer über den Rücken. Sie konnte die Wärme, die von ihm ausging, spüren, als sein dichter mit Sternenglanz übersäter Pelz ihren berührte.
    „Ich weiß nicht, warum ich nicht früher gekommen bin, Moosblatt. Wirklich nicht.“ Sein flüsternder Atem streichelte um ihr Ohr. „Du warst eine gute Freundin und ich habe dein Vertrauen verraten. Als ich gestorben bin, war mein sehnlichster Wunsch, dass mich meine Familie im SternenClan willkommen heißt.“
    Moosstern nickte niedergeschlagen und ein schwerer Stein legte sich auf ihr Herz. „Natürlich….Himmelblüte hat bestimmt auf dich gewartet“ Sich schluckte. „Aber nach allem, was ich für dich getan habe, habe ich es verdient, wenigstens einen kleinen Platz in deinem Herzen zu haben.“ Es kostete sie einiges an Überwindung, doch schließlich löste sie sich aus der zarten Berührung Mondsterns und entfernte sich einige Schritte von ihm.
    „Ich habe im Moment weit aus schlimmere Probleme als dich, Mondstern.“ Sie musterte den Kater mit harter Verschlossenheit. „Ich werde wieder aufwachen und mein Leben wird weitergehen. Ich werde dich aus meinem Kopf verbannen, so wie ich es schon einmal getan habe. Ich bin mir zu schade, meine Aufmerksamkeit an jemanden zu verschenken, der sie nicht zu schätzen weiß. Da draußen im realen Leben, da gibt es Katzen, die mich brauchen. Und für sie werde ich da sein, denn sie sind auch immer für mich da. Da liegt das Geheimnis, Mondstern. Genau da.“ Mit einem letzten Blick auf den muskulösen Krieger, wandte sich die Anführerin ab, doch nach einigen Fuchslängen blieb sie wieder stehen und drehte sich um.
    „Eins noch“, ihre Mine war ausdruckslos, „wir sehen uns erst wieder, wenn ich tot bin und selbst dann hoffentlich nicht.“ Mit diesen Worten verschwand sie im Wald. Die wichtigen Worte, die der weiße Kater ihr hatte überbringen sollen, wollte sie nicht entgegennehmen.

    3
    1.Kapitel „Vogel! Vogel, jetzt wach doch endlich auf!“ Eine weiche Pfote stieß mich in die Seite. Mein Traum, in dem ich mich gerade an eine fett



    1.Kapitel

    „Vogel! Vogel, jetzt wach doch endlich auf!“ Eine weiche Pfote stieß mich in die Seite. Mein Traum, in dem ich mich gerade an eine fette Wühlmaus angeschlichen hatte, verpuffte. Ärgerlich brummelnd öffnete ich die Augen.
    „W-was ist denn, Sand?“, fragte ich schläfrig und fuhr mir mit der Pfote übers Gesicht. Vor mir stand eine sandfarbene Kätzin, die erwartungsvoll mit den Schnurrhaaren zuckte. Ihr Fell stand in alle Richtungen ab und an ihrem Ohr hing ein Moosfetzen. Hinter ihr wartete ein kleiner grauer Kater, der im Gegensatz zu ihr sein flauschiges Fell ordentlich geglättet hatte und dessen blaue Augen aufgeregt leuchteten. Ich lag in einem gemütlichen Nest im Inneren eines hohlen Baumes. Der Stamm war vollkommen mit Moos ausgepolstert und durch eine runde Öffnung konnten gut zwei Katzen gleichzeitig den Bau betreten. Das Moosnest war noch warm und roch nach Schlaf, doch draußen konnte ich die kühle Blattfrische-Luft riechen. Genüsslich streckte ich mich und streckte erst das eine, dann das andere Bein aus und gähnte herzhaft. Dann schüttelte ich kurz den Kopf und versuchte die restliche Müdigkeit aus meinen Knochen zu verbannen.
    „Komm schon!“, quiekte die Kätzin. „Wir wollen jagen gehen. Nebel will uns neue Techniken zeigen!“ Sie verzog ärgerlich das Gesicht, als sich ein weiterer Kater zwischen sie und Stein drängelte. Mit einer Pfote schlug sie ihm fauchend auf die Ohren. „Du quetscht mich ein, Zweig!“ Während Stein kopfschüttelnd einige Schritte zurückwich, drehte sein Wurfgefährte sich mit spielerisch funkelnden Augen zu Sand um und stürzte sich auf sie. Die beiden endeten in einem Gewirr aus Fell und wirbelnden Pfoten und ich wollte mich gerade mit in den Kampf stürzen, als eine weitere Stimme ertönte.
    „Sand! Zweig! Schluss jetzt! Nebel wartet schon auf euch!“ Mit diesen Worten trottete eine hellbraun getigerte Kätzin heran und musterte die beiden mit liebevoller Strenge. Sofort sprangen diese auf die Pfoten und schüttelten sich den Staub aus dem Fell. Die Getigerte schnurrte belustigt, machte dann kehrt und bedeutete uns, ihr zu folgen. Wir kletterten aus der Weide und rutschten zwischen den Wurzeln hindurch eine sanft abfallende Böschung hinab, die von würzigen Gräsern und etlichen kleinen Felsen überzogen war. Auf der linken Seite der hohlen Weide befand sich in einigen Fuchslängen Abstand ein Zaun, der die Gärten der Menschen von der restlichen Umgebung abgrenzte. Es kamen hier nur selten Menschen hin. Die meisten liefen mit ihren Hunden auf der anderen Seite zwischen den Feldern und nicht in dem dichten Wald auf dieser Seite. Hauskätzchen hielten sich nur innerhalb des Ortes auf. Die wenigsten kamen überhaupt bis an den Zaun, sondern blieben gleich ganz in den großen Nestern der Menschen. Die hohle Weide war mit ihren starken Wurzeln tief in der Erde auf einer kleinen Erhebung verankert und man konnte super zwischen den Wurzelsträngen verstecken spielen und sich gegenseitig jagen. Vor dem Baum war eine kleine Sandkuhle, die nach einem leicht abfallenden Hang das Ufer eines Flusses bildete. Dort wuchs dichter Schilf, in dem sich oftmals laut quakende Frösche versteckten. Auf der anderen Seite der Weide fiel ebenfalls eine Böschung ab, die jedoch wieder leicht zum Wald hin anstieg. Eine leichter von Felsen übersäter Hang und ein schmaler Streifen Gras bildeten einen Durchgang zwischen Flussufer und den ersten Baumreihen, welcher dann in eine große Wiese mit hoch wachsendem, dichtem Gras mündete, auf der etliche Kaninchen ihre unterirdischen Höhlen gruben. Jenseits des Waldes bog der Fluss nach rechts ab und zog einen breiten blauen Strich durch die Felder und verschwand hinter den Bäumen. Eine kleine Holzbrücke ermöglichte es den seltenen Menschen mit ihren Hunden, den Fluss zu überqueren ohne sich die Füße nass zu machen. Auf der anderen Seite des Flusses grasten weiße Tiere mit wolligen Pelzen, die aussahen wie Wolken mit Beinen. Ich hatte bei einem meiner nächtlichen Ausflüge mit Sand von einem Hauskätzchen gehört, dass die Menschen sie Schafe nennen. Sie waren dämliche Tiere und machten komische Geräusche. Sie waren mir suspekt, weshalb ich mich meistens von ihnen fernhielt. Dennoch hatte ich mich nachts einmal mit meiner Schwester auf den Weg gemacht, war über die breiten Felsen gesprungen, die die Wasseroberfläche des Flusses durchstießen und wir hatten die Tiere erforscht. Dabei wären wir beinahe der Mitternachtssnack eines Hundes geworden, der die Schafe gehütet hatte. Bis jetzt hatten wir noch keinem davon erzählt, aber wir hatten aus unserem Fehler gelernt und es nicht noch einmal versucht. Jedenfalls liefen wir jetzt diese Böschung hinab zum Fluss, als eine tiefe Stimme ertönte: „Blume! Hier drüben!“
    Es war Baum, unser Vater, der zusammen mit einer hübschen grauen Kätzin rechts von uns aus den Schatten der Bäume trat.
    „Hallo Junge!“ Die Kätzin schnurrte erfreut und winkte mit ihrem buschigen Schweif, als sie uns erblickte.
    Freude machte sich in meiner Brust breit. Ich mochte die attraktive Kätzin. Sie war schon lange eine Freundin meiner Eltern und sie hatte angeboten, unser Training zu übernehmen. Mit ihren glänzenden, ozeanblauen Augen und ihrem weichen, langen Fell war sie atemberaubend schön. Ich hatte lange Zeit gedacht, dass sie so alt wäre wie meine Eltern, jedoch meinte sie dauernd, es sähe nur so aus und in Wahrheit wäre sie ein paar Monde älter als die beiden. Ich bewunderte Nebel. Sie war stolz und elegant und auf eine ganz spezielle Art irgendwie besonders. Dazu war sie eine tolle Ausbilderin und zeigte uns dauernd neue Anschleichmöglichkeiten. Wenn ich groß bin, will ich genauso sein wie sie! Ich trabte aufgeregt auf sie zu.
    „Zeigst du uns heute etwas Neues?“ Mit großen Augen schaute ich zu ihr auf, während sie mir belustigt schnurrend mit dem Schwanz über den Kopf strich.
    „Wir werden heute Kaninchen jagen! Ich glaube, ihr seid jetzt bereit für die schwierigeren Aufgaben. Und während wir auf die Jagd gehen, ruhen sich eure Eltern ein wenig aus!“
    Voller Vorfreude fuhr ich die Krallen ein und aus. Blume zwinkerte liebevoll. „Seid artig und konzentriert. Und Sand, mach die Moosfetzen aus deinem Fell!“ Belustigt schnurrend ließen sich unsere Eltern auf einem sonnengewärmten Felsen nieder und fingen an, sich gegenseitig das Fell zu putzen, während Sand sich beleidigt mit ihrer Pfote über die Ohren fuhr.
    „Kommt, wir gehen auf die Wiese dort drüben.“ Mit dem Schwanz zeigte Nebel in die Richtung, die sie meinte und trabte dann los. Sie führte uns durch den Durchgang zwischen Fluss und Wald, hielt dann an einem dichten Gestrüpp an und duckte sich. Mit einem Ohrenzucken bedeutete sie uns, es ihr gleichzutun. Leise kauerte ich mich nieder und spitzte die Ohren. Es war ein warmer Blattfrische-Tag und die Sonne stand hell am Himmel, auch wenn entfernt am Horizont ein paar graue Wolken über den Bergrücken lugten. Etliche Vögel zwitscherten und wenn man genau lauschte hörte man irgendwo im Wald einen Specht klopfen und einen Hirsch brummeln. Zwischen den hohen Gräsern der Wiese bewegte sich ab und an ein flinker Schatten. Nebel schlug die Pfoten unter und fing an die neue Jagdtechnik zu erklären. „Also, noch einmal kurz als Wiederholung. Was muss man bei der Jagd allgemein beachten? Sand?“
    „Auf die Windrichtung achten und möglichst leise sein!“, miaute sie hörbar und schwellte stolz die Brust.
    „Genau“, flüsterte Nebel neckisch. „Jetzt musst du das nur noch umsetzten, sonst scheuchst du alle Kaninchen weg!“ Sie ließ ihren Blick musternd über uns wandern. „Stein, was glaubst du, muss man bei Kaninchen besonders beachten?“
    Der kleine Kater überlegte einen Moment, bevor er antwortete: „Kaninchen sind sehr schnell, das heißt man muss versuchen, möglichst nah an sie heranzukommen.“
    Nebel nickte erfreut. „Richtig. Achtet also auf eure Pfoten, dass sie auf keine Blätter treten und haltet euren Schwanz gerade, damit er nicht die Farnwedel streift. Sich möglichst tief an den Boden kauern und Klappe halten, Vogel.“ Ihre liebevollen Augen richteten sich auf mich. „Also, wer will anfangen? Nein wartet. Ich weiß ja jetzt schon, dass ihr euch nicht einigen könnt. Stein, du fängst an.“ Mit einem Schwanzwedel winkte sie den kleinen Kater zu sich. Während er die Jagdpostition einnahm, ließ Nebel ihre geübten Augen gekonnt über seine Kauerhaltung gleiten. „Zweig, was soll dein Bruder verbessern?“ Mein Wurfgefährte dachte einige Herzschläge nach. „Er muss seine Hinterbeine mehr unter den Körper ziehen, damit er sich besser abstoßen kann, falls das Kaninchen losrennt?“, mutmaßte er.
    Nebel schnurrte begeistert. „Sehr gut! Stein, probiere es aus!“ Auffordernd nickte sie dem jungen Kater zu, der jetzt sein Maul öffnete, um nach Kaninchen zu wittern. Ich sog ebenfalls tief die Luft ein und sofort stiegen mir lauter moschusartiger Gerüche in die Nase. Ich konzentrierte mich auf einen davon, einen intensiven, dumpfen Geruch nach Wind, Gras und Beute: ein Kaninchen. Es knabberte einige Fuchslängen entfernt an einem Grashalm. Stein schien es ebenfalls gewittert zu haben, denn er ließ sich in eine nun perfekte Jagdstellung fallen, darauf bedacht die Hinterbeine genug anzuziehen und den Schwanz ruhig zu halten. Pfotenschritt für Pfotenschritt schlich er vorwärts, prüfte kurz die Windrichtung und schlug dann einen leichten Bogen ein, um sich von hinten an seine anvisierte Beute anzuschleichen. Als er nur noch ein paar Schwanzlängen entfernt war, hob das Kaninchen plötzlich den Kopf und spitzte alarmiert die langen Ohren. Seine Nase zuckte vorsichtig und mit einem lauten Angstruf schoss es los. Mir juckte es in den Pfoten, ihm hinterher zu jagen, doch ich hielt mich zurück und ließ Stein den Vortritt. Dieser sprang auf und nahm die Verfolgung auf. Mit wehendem Schwanz jagte er dem Hasen hinterher, der in verzweifelte Haken schlug, um seinen Verfolger loszuwerden. Die beiden verschwanden in dem hohen Gras und man sah nur noch, wie das Gras bebte. Einige Herzschläge später hörte man ein schrilles Quieken und kurz darauf tauchte Steins grauer Pelz zwischen den Halmen auf. Hinter sich her zog er das tote Kaninchen. „Das, das war Wahnsinn!“, jubelte ich. Nebel nickten zustimmend mit leuchtenden Augen, während Zweig meinte: „Stein ist der beste Jägern und ich werde mal der beste Kämpfer von uns allen.“ Mit stolz geschwellter Brust reckte er den Kopf und fuhr seine kleinen Krallen aus.
    „Du arroganter Fellball!“, schrien meine Schwester und ich gleichzeitig und wie auf Kommando stürzten wir uns auf unseren Bruder. Während wir heftig mit einander rauften und durch das Gras kugelten, sich Stein stattdessen an Nebel: „Kannst du mir noch etwas über die Kräuter erklären, die du mir gestern gezeigt hast?“ Mit großen, bittenden Augen sah er zu ihr auf. Zärtlich schaute ihn die graue Kätzin an. „Es freut mich, dass du so am Heilen interessiert bist. Nur die wenigsten erkennen, wie wichtig es tatsächlich ist. Und jetzt habe ich endlich einen Schüler, dem ich alles beibringen kann, was ich selbst weiß.“ Sie schnurrte.
    „Von wem hast du es gelernt?“, fragte der kleine Kater und in seinen Augen funkelte Leidenschaft und Neugierde. Nebels Mine nahm einen leicht bedauerlichen Ausdruck an, den sie jedoch geschickt mit einem Schnurren überdeckte.
    „Meine Mutter wusste viel über Kräuter. Ich kann dir noch ein paar spezielle unten am Fluss zeigen. Sie haben alle verschiedene Wirkungen. Hast du Lust?“
    Aufgeregt nickte Stein und folgte Nebel hinab zum Flussufer. Als die zwei Katzen sich entfernten, unterbrach Zweig den spielerischen Kampf mit uns und brüllte:
    „Hey, die gehen weg!“ Mit wehendem Schwanz sprang der dunkelbraune Kater auf und flitzte den beiden hinterher.
    „Endlich Ruhe!“, rief ich und ließ mich erleichtert auf die Seite fallen.
    Außer Atem plumpste Sand neben mich und meinte: „Du solltest eigentlich Sand heißen, nicht ich! Schau dir mal dein Fell an!“ Belustigt schnurrend betrachtete ich mein sonst schildpattfarbenes Fell, das jetzt nicht mehr dreifarbig gefleckt, sondern über und über mit Sand bedeckt war. Ich rollte mich auf den Rücken, streckte die Pfoten nach oben und ließ die Sonne auf meinen weichen Bauch scheinen.
    „Ich liebe unser Zuhause. Es ist so wunderschön hier.“ Ein Schwarm Vögel flog über uns hinweg und meine Augen folgten ihnen, bis sie aus meinem Blickfeld verschwanden.
    „Ja, ich hoffe wir müssen nie fortgehen.“ Sand fing langsam an mein Fell zu säubern. Schnurrend tat ich es ihr gleich und fuhr mit der Zunge über die Schulter meiner Schwester. In diesem Moment der friedlichen Zweisamkeit kam Zweig den Hügel hinauf geschossen.





    „So, jetzt aber ab in euer Nest!“, miaute Nebel und schob mich hinter meinen Wurfgefährten her in den hohlen Baum. Es war spät am Abend und meine Geschwister und ich waren müde von der heutigen Jagd nach Hause getappt. Nachdem Zweig Sands und meine geschisterliche Zweisamkeit zerstört hatte, waren auch Nebel und Stein zurückgekommen, beide mit leuchtenden Augen. Sowohl unsere Mentorin, als auch mein Bruder, waren froh, jemanden zu haben, der genauso an Kräutern interessiert war wie sie selbst. Ich freute mich für sie. Danach hatten wir noch weiter auf der Wiese Kaninchen gejagt und jeder von uns war erfolgreich gewesen. Zweig hatte einen jungen, unerfahrenen Feldhasen erwischt und Sand und ich hatten gemeinsam ein großes Kaninchen erlegt. Darauf waren wir besonders stolz, denn es wäre uns fast entwischt, wären wir nicht so ein fantastisches Team. Im Anschluss führte uns Nebel, ganz zu Zweigs Freude, in den Wald und gab uns ein wenig Kampftraining. Unser heutiger Feind war ein imaginärer Fuchs in Gestalt eines Baumstammes. Sie zeigte uns spezielle Tricks, wie man auf seinen Rücken springen und ihn aus dem Gleichgewicht bringen konnte. Nebel meinte, dass sie in diesen Wäldern bisher auf nur einen Fuchs gestoßen war, sie es aber trotzdem für wichtig hielt, dass wir uns verteidigen konnten, falls wir jemals in eine solche Situation geraten sollten. Ich war dankbar, für alles, was sie uns zeigte. Der heutige Tag hatte meine ganze Energie verbraucht und ich war froh, als ich mich endlich in das mit Moos ausgepolsterte, weiche Nest fallen lassen konnte.
    „Kannst du uns nicht noch eine Geschichte erzählen? Bitte!“ Mit großen Augen schaute Sand zu der grauen Kätzin hinauf, die draußen wartete, bis wir uns alle hingelegt hatten. Seufzend schob sich Nebel in den Bau. „Also gut…aber nicht lange!“ Sie machte es sich zwischen uns und dem Eingang bequem und legte ihren buschigen Schweif ordentlich über ihre Pfoten. Ich kuschelte mich in dem Moos an die warmen Körper meiner Geschwister und lauschte mit großen Augen, als Nebel mit ihrer sanften Stimme anfing zu erzählen:
    „Ich erzähle euch eine Geschichte, die vor vielen, vielen Monden passierte. Denn damals lebten in diesen Wäldern viele Katzen. Der ganze Wald wurde von ihnen bewohnt, der sich damals noch weit über den Menschenort erstreckte. Man nannte sie die Clans. Sie lebten in großen Gruppen zusammen, jagten für einander und beschützten sich gegenseitig vor Gefahren. Sie lebten glücklich und voller Lebensfreude und Energie. Einer von ihnen war Mondkralle. Er war ein großer Krieger. Er war der Vater des Vaters meines Vaters und zugleich der stärkste Krieger des ganzen Waldes. Es hat viele Nachteile, einer der mächtigsten Katzen zu sein, die es jemals gab. Ein großer Krieger zu sein heißt nicht, jeden im Kampf zu besiegen und möglichst viel Macht zu haben. Nein, wahre Größe kommt aus deinem Herzen. Natürlich hatte Mondkralle scharfe Krallen und starke Muskeln, aber das machte ihn nicht aus. Er hatte ein großes Herz und er war die intelligenteste Katze, von der ich je gehört hatte. Die meisten anderen Clan-Katzen bewunderten seinen Mut und senkten respektvoll den Kopf vor ihm. Sie vertrauten ihm und er hatte sich ihren Respekt verdient. Doch es gab auch jene, die ihn verabscheuten und ihm misstrauten. In ihren Augen war er ein Krieger mit scharfen Krallen und mächtigen Muskeln, dessen einziges Ziel die alleinige Macht war. Doch er hatte ein gutes Herz. Die Kämpfe, die er führte, waren niemals grausam. Er kämpfte gerecht, setzte nie seine ganze Kraft ein und er wagte es niemals, niemals, zu töten. Mondkralle war ein wundervoller Krieger. Seine Gefährtin Himmelblüte starb im Kampf gegen einen anderen Clan. Ein feindlicher Krieger stolperte und stieß sie dabei in eine Schlucht. Sie brach sich das Genick und trotz des schweren Verlustes kam es Mondkralle nie in den Sinn, sich an dem Krieger zu rächen.“
    Verträumt schaute Nebel nach draußen in den Nachthimmel, an dem etliche Sterne zwischen den aufziehenden Wolken glitzerten.
    „Der Verlust nahm seine ganze Kraft. Aber auch ohne seine Gefährtin hat er es geschafft, sein Junges großzuziehen. Er schenkte ihm doppelt so viel Liebe und steckte all seinen vorhandenen Schmerz in die Erziehung seines Sohnes, denn dieser war das einzige, was ihm von ihr geblieben war. Lange trauerte er noch um seine Gefährtin, aber er hatte ihr Schicksal akzeptiert und eingesehen, dass er nichts mehr ändern konnte. Mondkralle wurde schließlich zum zweiten Anführer ernannt und nahm nach einigen Monden die Posistion des Anführers im TannenClan ein. Seine Katzen hätten unter Mondsterns Führung viel Territorium gewinnen können. Er hätte die Macht über den ganzen Wald haben können, doch er wählte seine Entscheidungen mit Bedacht und vergoss kein unnötiges Blut. Er führte seine Katzen sicher durch viele Blattwechsel. Aber manchmal erleiden gerade die Katzen ein schweres Schicksal, die es am wenigsten verdient haben.
    Menschen kamen und zerstörten das Zuhause der Clan-Katzen. Sie bauten Donnerwege und Menschennester und zerstörten mit ihren riesigen Monstern den Wald. Viele Katzen verloren ihr Leben als Krieger, auch Mondstern starb durch eines der Monster. Die Clans wurden durch die Dummheit der Menschen fast ausgelöscht!“
    Nebel fuhr ärgerlich die Krallen aus, besann sich dann aber und fuhr ruhig fort.
    „Doch noch war nicht alle Hoffnung verloren. Nach einigen harten Monden beschlossen die zurückgebliebenen Katzen sich ein neues Zuhause zu suchen. Sie zogen weg von hier in Richtung Berge. Weg von den Monstern, die alles zerstört hatten. Weg von all den Erinnerungen an das, was sie liebten. Weit weg. Sie wollten ein besseres und sichereres Heim finden, um die schwachen Katzen zu stärken und die Clans wieder neu aufzubauen. Ob es ihnen gelungen ist, ein Zuhause in den Bergen oder woanders zu finden, kann ich euch nicht sagen. Aber ich bin mir sicher, dass ihre Willenskraft und ihre Gemeinschaft sie weit gebracht haben.“
    Zweigs Nest raschelte und er unterbrach sie: „Konnten sie nicht bleiben und kämpfen?“ Nebel wandte den Kopf zu ihm und sagte: „Manche Geschehnisse sind so groß, dass selbst der stärkste Krieger sie nicht besiegen kann. Man kann nicht gegen alles kämpfen, Zweig. Es sollte so sein, dass das Zuhause der Clans zerstört wurde, auch wenn es nicht gerecht klingen mag. Es gibt Dinge, die man am liebsten verhindern würde, aber das Schicksal ist unberechenbar. Es nimmt seinen Lauf und so sehr man es auch wollte, man kann es nicht ändern.“
    Sie drehte leicht den Kopf zu mir. In ihren Augen sah ich viel Weisheit und Gefühle über längst vergangene Geschehnisse.
    „Lernt eines, junge Katzen. Wenn man jemanden verloren hat, den man liebt, ist er keinesfalls für immer verschwunden. Er lebt immer in eurem Herzen weiter. Irgendwann werdet ihr Zurückgelassene wiederfinden. Irgendwann…“, seufzend drehte sie den Kopf weg. „Schlaft jetzt“, mit diesen Worten berührte sie uns alle an der Nase und huschte dann leise aus dem Bau. Sands Schnurrhaare kitzelten mein Ohr als sie gähnend murmelte: „Mondstern war wahnsinnig mutig…“ Sie rollte sich auf die Seite und ihr flauschiger Bauch wärmte meine Seite. „Später werde ich mal genauso sein wie er“, ergänzte Zweig schläfrig, bevor sein Gemurmel verstummte und er, wie die beiden anderen auch, in den Schlaf sank. Aber ich konnte noch nicht schlafen. Irgendetwas in Nebels Blick hatte mich beunruhigt. Plötzlich ertönte von draußen leises Gemurmel. Angestrengt spitzte ich die Ohren, doch die Katzen sprachen zu leise und der Wind trug ihre Worte fort. Vorsichtig robbte ich bis zum Rand des Hohlen Baumes und lugte über den Rand. Meine Ohren schnappten ein paar Wortfetzen auf: „…Geschichte erzählen…“ Nebel.
    „…Sturm…gefährlich…“ Blume, die besorgt in den Himmel schaute.
    „…keine Sorge…“ Die beruhigende Stimme von Baum, der sich neben seine Gefährtin setzte und den Schwanz um sie legte. „…sicher…Unwetter vorbei zieht…“
    Den Rest trug der Wind fort. Verwirrt folgte ich Blumes Blick zu den Sternen. Nein, die Sterne sah man gar nicht mehr. Dicke Wolkenballen türmten sich langsam am Himmel auf und der Wind fuhr schon kräftig über das Gras. Erschrocken sprang ich zurück, als plötzlich eine kräftige Böe aufkam und durch meine Ohren pfiff. Dummerweise stieß ich an Sand, doch die drehte sich nur brummelndauf die andere Seite und schlummerte weiter.
    „Murmeltier!“, murmelte ich liebevoll und rollte mich müde neben meinen Geschwistern zusammen. Es war doch ein aufregender und anstrengender Tag gewesen. Das besorgte Gespräch der älteren Katzen hatte ich schon vergessen, aber nicht mehr lange…

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1513352203
Frei wie ein Vogel
Frei wie ein Vogel
Die junge Kätzin Vogel lebt mit ihrer Familie am Rand des Menschenortes. Doch als ein schreckliches Unwetter ihr Zuhause zerstört, bleibt den Katzen keine andere Möglichkeit, als ihre Heimat zu verlassen. Ihr Ziel sind die Berge, doch die Reise dorthi...
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2017-12-15
406A
Warrior Cats

Kommentare (1)

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Lichtglantz (59587)
vor 111 Tagen
Coole Geschichte! Ich bin gespannt wie es weiter geht.