Springe zu den Kommentaren

The shadow of my soul

star goldstar goldstar goldstar goldstar greyFemaleMale
4 Kapitel - 4.730 Wörter - Erstellt von: Lost_hope - Aktualisiert am: 2017-12-13 - Entwickelt am: - 749 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Ich hatte alles verloren. Meine einzige Chance war der Neuanfang. Hört sich nicht so schlimm an? Dann muss ich wohl genauer werden: Die einzige Chance war ein Neuanfang als Hexe

    1
    Kapitel 1 Mit leerem Blick schiebe ich meinen mit vierzehn Jahren Erinnerungen beladenen Gepäckwagen durch die Menschenmenge auf dem Bahnhof King’s
    Kapitel 1

    Mit leerem Blick schiebe ich meinen mit vierzehn Jahren Erinnerungen beladenen Gepäckwagen durch die Menschenmenge auf dem Bahnhof King’s Cross. Als ob es nicht gereicht hätte, dass ich gerade die schlimmste Nacht meines Lebens durchgestanden habe, hat sich das Schicksal offenbar dazu entschlossen, dass es mir mein Dasein zur Hölle machen möchte. Aber es ist ja nur zu meinem besten. Verächtlich lache ich auf und versuche, die Bilder an letzte Nacht aus meinem Kopf zu verbannen, als würde das etwas bringen, ich weiß, dass sie mich bis an mein Lebensende begleiten werden.
    Wütend unterdrücke ich die Tränen, die sich in meinen Augen sammeln. Ich werde jetzt nicht weinen, auch wenn mein Leben nur noch ein einziger Trümmerhaufen ist und ich in weniger als vierundzwanzig Stunden so ziemlich alles verloren habe, was mir je wichtig war. Ich werde sie größtenteils wiedersehen, irgendwann, wenn es sicherer ist. Der andere Teil ist für immer verschwunden.
    Mit zusammengebissenen Zähnen lenke ich den Gepäckwagen nun auf die Absperrung zwischen Gleis neun und zehn zu. Ich weiß, was ich tun muss, es wurde mir fast die ganzen Ferien über eingetrichtert, aber ich wusste nicht, dass ich schließlich alleine das Gleis neundreiviertel betreten würde.
    Warum zum Teufel hatte ich mich nur von Mom überreden lassen, dass ich auf Hogwarts gehen würde, auf eine Schule für Zauberer? Sie werden gleich bemerken, dass etwas mit mir nicht stimmt, dass ich nicht normal bin, was auch immer normal am Zaubern ist. Aber was bin ich dann? Noch abnormaler? Doch nun gibt es kein Zurück mehr.
    Entschlossen gehe ich so unauffällig wie möglich auf die solide wirkende Absperrung zu, einen Moment später befinde ich mich auf Gleis neundreiviertel.
    Dampfschwaden, die aus dem Schornstein der Lokomotive des Hogwarts-Expresses aufsteigen, vernebeln mir die Sicht und überall höre ich fröhliches Geplapper von Eltern und Kindern, die sich voneinander verabschieden.
    Ich spüre, wie sich Neid in meinen Bauch bohrt. Die ganzen Kinder wissen ja nicht, wie gut sie es haben, dass sich jemand um sie kümmert. In diesem Moment wünsche ich mir, genauso wie die anderen Hogwartsschüler zu sein, wünsche mir, dass ich meine Freunde die ganzen Ferien lang vermisst habe, sie jetzt wiedersehe, mich auf das neue Schuljahr freue und mich lachend von meinen Eltern verabschiede. Dass ich weder Freunde habe, noch die Absicht, mir welche zu suchen, ignoriere ich dabei geflissentlich. Schließlich darf ich noch träumen, eine der wenigen Dinge, die mir meine Bestimmung nicht genommen hat wie so vieles anderes.
    Ich bin vierzehn Jahre alt, hatte noch nie Kontakt zu Gleichaltrigen außerhalb meiner Familie und soll jetzt auf eine Schule für Zauberer gehen, in der es von Schülern in meinem Alter so wimmelt. Für jeden anderen Teenager, der sein Leben lang abgeschottet von der restlichen Welt gelebt hat wäre damit wahrscheinlich der größte Wunsch in Erfüllung gegangen, aber für mich ist es so, als wäre ich in meinem schlimmsten Albtraum gefangen.
    Mit einem Krächzen reißt mich mein Rabe Flame in die Gegenwart zurück. Ungeduldig pickt sie durch die Gitterstäbe ihres Käfigs nach meiner Hand, als wolle sie mir sagen, dass ich mich nicht für immer im Selbstmitleid suhlen kann. Mit dem Zeigefinger streiche ich ihr kurz über das schwarze Gefieder, das einen leichten Rotstich hat, bevor ich mir meine Tasche über die Schulter werfe und in je einer Hand meinen großen Koffer und Flames Käfig mitzerre. Auch wenn ich jetzt merke, dass ich viel zu viele Sachen in meinen Koffer gestopft habe, ich hatte es heute Morgen einfach nicht übers Herz gebracht, die ganzen Dinge, die mit so vielen Erinnerungen verbunden sind, einfach dortzulassen, wo ich nicht weiß, was mit ihnen passieren würde.
    Während ich mit zügigen Schritten auf den Zug zugehe, versuche ich die Blicke, die auf mir ruhen und die ich förmlich spüren kann, zu ignorieren. Es war wirklich keine gute Idee, einfach so über einen Bahnsteig voller Menschen, auch wenn diese Menschen Zauberer sind, zu gehen.
    Ich bin zwar nicht das, was meine Familie früher war, aber manches verschwindet auch nach Jahrtausenden nicht aus dem Blut eines Volkes, ich hätte ahnen müssen, was für eine Auswirkung mein Aussehen auf normale Sterbliche hat. Doch das dürfte jetzt auch mein kleinstes Problem sein, mit gesenktem Kopf gehe ich weiter und hoffe, dass ich mich einfach in Luft auflöse. Nicht, dass ich schüchtern wäre, im Gegenteil, ich bin frech und respektlos bis zum gehtnichtmehr, aber wenn ich einfach verschwinden würde, wäre ich nicht gezwungen, in diesen Zug zu steigen und in eine ungewisse Zukunft zu fahren, in eine Zukunft, die ich nicht will.
    Doch das, was mir blühen würde, sollte ich dort bleiben, was ich bis heute mein Zuhause genannt habe, wäre noch viel schlimmer als dieser Zug und die Schule mit den ganzen zaubernden, pubertierenden Schülern, sodass ich mich nun niedergeschlagen meinem Schicksal füge. Schließlich habe ich es ihr versprochen. Und ich halte meine Versprechen, egal wie unangenehm es sein mag.
    Ich wuchte meinen Koffer in den Waggon, vor dem ich gerade stehe, wobei ich mir fast beide Arme ausrenke und klettere dann hinterher. Weil ich nicht einmal daran denken will, wie schlimm es sein könnte, sich in ein Abteil voller lauter lachender Jugendlichen zu setzen, stelle ich meinen Koffer gegenüber der Tür auf den Boden, wo er niemanden stört und setze mich darauf. Während ich meine Stirn an die Wand lehne, schließe ich die Augen und versuche mir einzureden, dass das, was ich tue, keine Flucht ist, dass ich mich auf Hogwarts freue und...Nein, ich freue mich nicht darauf! Ich will mein altes Leben zurück! Ich will nicht auf diese Schule gehen, an der sich alle schon kennen, ich will nicht neu dort anfangen und trotzdem schon in die vierte Klasse gehen, ich will nicht mehr lügen, ich will normal sein.
    Jetzt muss ich doch die Augen zusammenkneifen, um nicht zu weinen, ich höre, wie die Schüler lachend und redend an mir vorbeigehen, höre Abteiltüren knallen und Koffer über den Boden schleifen. Obwohl ich von so vielen Menschen umgeben bin, fühle ich mich so einsam wie noch nie in meinem Leben.
    Mit der Hand umklammere ich den Zauberstab in meiner Tasche. Von heute an muss ich eine Hexe sein.


    Hey, das war das erste Kapitel meiner FF. Ich habe es noch irgendwo in den Tiefen meines Speichers gefunden und wollte schauen, ob Interesse daran besteht, dass ich weiterschreibe;)
    Ich würde mich sehr über Kommentare freuen,
    LG lost_hope

    2
    Kapitel 2 “Ist alles in Ordnung bei dir?”, fragt plötzlich eine etwas schüchterne Stimme. Ich schrecke auf und blicke in das rundliche Gesicht e
    Kapitel 2

    “Ist alles in Ordnung bei dir?”, fragt plötzlich eine etwas schüchterne Stimme. Ich schrecke auf und blicke in das rundliche Gesicht eines Jungen, der offenbar etwa in meinem Alter ist.
    “Was? Ja, klar. Alles in Ordnung”, mit einem gezwungenen Lächeln und vorgespielter Fröhlichkeit antworte ich ihm.
    “Wirklich?”, hakt er noch einmals nach.
    “Ja klar, ich bin nur ein bisschen müde”, lüge ich. Der Junge sieht immer noch nicht ganz überzeugt aus. In mir krampft sich alles zusammen. So hat mich Vincent auch immer angeblickt, bevor...Ich verbiete mir, daran zu denken.
    “Ich bin Neville Longbottom”, stellt der Junge sich nun vor.
    “Seraph...Sera Clair”, fast hätte ich mich verplappert, das darf nie mehr vorkommen. Ich muss meinen alten Namen, meine Vergangenheit, mein ganzes altes Ich vergessen, darf nicht daran denken, nicht darüber sprechen. Seraphina St.Clair ist gestorben, in dieser Nacht. Ich lebe zwar in ihrem Körper, aber innerlich bin ich tot.
    “Willst du hier sitzen bleiben oder...In dem Abteil, in dem ich sitze, sind noch Plätze frei”, ich merke, wie peinlich es ihm ist, zu fragen. Vielleicht sollte das auch ein Flirtversuch sein, ich bin mir nicht sicher, aber wenn es einer wäre… Mir wird übel. Nein, nein, nein, er ist nicht wie er, nicht wie er…
    Ich bemerke die immer noch fragende Miene von Neville und merke erst dann, dass ich ihm antworten muss, auch wenn ich es nicht will. Mühsam reiße ich mich zusammen. Ich war nicht darauf vorbereitet, auf nichts von dem, was passiert. Ich hatte keine Vorstellung davon, wie anders es sein würde, wie sehr sich dieses Leben von dem in meiner Familie unterscheidet und wie gegensätzlich Zauberer denen sind, in deren Adern das gleiche Blut fließt wie in meinen.
    “Natürlich, wenn es für dich und die anderen Schüler in deinem Abteil in Ordnung wäre, würde ich mich gerne zu euch setzen”, sage ich etwas verspätet. Ich muss sogar in einer Sprache sprechen, die nicht meine Muttersprache ist, ich kann nur hoffen, dass mein fremdländischer Akzent nicht auffällt.
    “Na klar, komm mit!”, Neville ist sichtlich entspannter, als ich aufstehe und mein Gepäck ergreife. Bemüht, in dem schwankenden Zug nicht das Gleichgewicht zu verlieren, laufe ich ihm hinterher.
    Vor einem Abteil, das genauso aussieht wie alle anderen auch, bleibt er schließlich stehen und öffnet die Abteiltür. Was habe ich mir nur dabei gedacht? War es nicht genau das, was ich vermeiden wollte? Wäre ich doch nur im Flur sitzen geblieben. Aber jetzt ist es für solche Gedanken eindeutig zu spät. Jetzt muss ich die Sache durchziehen, egal wie wenig ich das will.
    “Sera, das sind Dean und Seamus, Leute, das ist Sera”, stellt Neville mir die beiden Jungs vor, die schon im Abteil sitzen. Auch sie sind etwa in meinem Alter und sehen ganz nett aus…Vielleicht wird es ja doch nicht so schlimm, wie ich dachte.
    “Hey”, ich lächele die beiden an. Sie begrüßen mich auch, vielleicht ein wenig zu überschwänglich, was ich aber auf meine Ausstrahlung schiebe, die für Zauberer und Muggel viel zu stark ist. Normalerweise leben wir auch nicht unter Normalsterblichen, bis auf ein paar Ausnahmen verbringen wir unser ganzes Leben in unserer Familie.
    Ich wuchte meinen Koffer auf die Ablage über unseren Köpfen, dann setze ich mich neben Dean, der mich förmlich darum anbettelt. Ja, von außen bin ich schön, meine langen Haare sind tiefschwarz und meine Augen schiefergrau - auf jeden Fall tagsüber, aber ich bin mir sicher, dass die drei Jungs lieber nicht wissen wollen, von wem oder was ich abstamme.
    “Wie alt bist du?”, fragt Seamus, der mir gegenüber sitzt.
    “Vierzehn”, antworte ich. Solange die Fragen so harmlos bleiben, unterhalte ich mich gerne weiter mit ihnen.
    “In welchem Haus bist du? Und warum habe ich dich noch nie gesehen? Du müsstest doch auch im vierten Schuljahr sein”, macht Dean mit der Fragerei weiter. Okay, diese Fragen sind nicht mehr harmlos. Zumindest nicht für mich. Aber was soll ich tun, wenn nicht antworten?
    “Ich komme erst dieses Jahr neu an die Schule, aber fange in der vierten Klasse an. Vorher wurde ich zu Hause unterrichtet, eigentlich sollte ich seit dem ersten Jahr Hogwarts besuchen, aber konnte es wegen familiären Problemen nicht”, ich schmücke die Wahrheit mit ein paar Änderungen aus. Ja, die “familiären Probleme” haben sich gelöst, allerdings nicht so wie geplant, was noch größere Probleme verursacht hat. Und dass ich schon seit dem ersten Jahr die Schule besuchen sollte, habe ich mir spontan ausgedacht. Besser als die volle Wahrheit ist es ohnehin.
    “Oh. In welchem Haus?”, will Neville wissen. Wenigstens das kann ich wahrheitsgemäß beantworten, in den Ferien war ich schon einmal in Hogwarts. Mom hat alles mit Albus Dumbledore besprochen, während ich teilnahmslos aus dem Fenster auf den See gestarrt habe…
    “Gryffindor”, lächele ich. Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, an die Sonne, die helle Muster auf Moms Haut geworfen hat, an den alten Hut auf meinem Kopf…
    “Wie wir! Weinst du?”, fragt Dean plötzlich. Erst da fällt mir auf, dass eine Träne meine Wange hinunterläuft. Der Besuch in Hogwarts war vor zwei Tagen. Weder Mom noch ich wussten, dass es ihr letzter Tag sein würde. Ich wische mir kurz mit dem Ärmel über das Gesicht.
    “Ja, ich habe mich nur an etwas erinnert. Und, wie ist es in Hogwarts so?”, frage ich mit betont fröhlicher Stimme.
    Sofort fangen die drei an zu erzählen und überschlagen sich förmlich mit ihren Schilderungen und Schwärmereien über die, ihrer Meinung nach, beste Zauberschule der Welt. Ich bin so abgelenkt von dem Gespräch und muss mehrmals so sehr lachen, dass ich bald Bauchschmerzen habe vom pausenlosen Kichern, dass ich fast einen Herzinfarkt erleide, als plötzlich eine alte Hexe, die einen Wagen voll mit Süßigkeiten vor sich herschiebt, auf dem Gang auftaucht.
    Neville, Dean und Seamus kaufen so viele von den zuckrigen Speisen, dass mir schon vom Hinsehen schlecht wird. Wie kann man nur solche Berge von Essen verdrücken, vor allem von solchem Essen? Ich lehne ihre Angebote, mir etwas von ihren Süßigkeiten abzugeben, entschlossen ab.
    Den Rest der Fahrt stelle ich mich schlafend, die Dunkelheit bricht herein und nur noch Seamus Irland-Rosette, die er von der Quidditch-Weltmeisterschaft hat, quäkt kraftlos:”Troy! Mullet! Moran!”, Namen, die ich noch nie gehört habe.
    Endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, wird der Zug langsamer und bleibt schließlich ganz stehen.
    Wir müssen angekommen sein.

    3
    Kapitel 3 Donner grollen, eiskalte Regentropfen prasseln auf uns herab und ein frostiger Wind fährt mir durch die Haare, als ich mich hinter Seamus u
    Kapitel 3

    Donner grollen, eiskalte Regentropfen prasseln auf uns herab und ein frostiger Wind fährt mir durch die Haare, als ich mich hinter Seamus und Dean durch den Wolkenbruch über den Bahnsteig und vor den Bahnhof kämpfe. Hoffentlich sagt dieses Wetter nichts darüber aus, wie meine Zeit in Hogwarts wird, sonst bin ich verloren.
    Missmutig zerre ich meinen Koffer zum gefühlt tausendsten Mal aus einer Schlammpfütze und versuche, Flames aufgebrachtes Krächzen zu überhören. Mein Rabe hasst den Regen genauso sehr wie ich, wir sind solche Gewitter nicht gewohnt, dieses ganze Klima ist anders als bei uns zu Hause.
    “Sera, komm her!”, höre ich Deans Stimme aus dem Rauschen des Regens und dem grollenden Donner heraus, der die Erde erzittern lässt. Er und Seamus stehen neben einer Kutsche, vor der ein Thestral gespannt ist. Nur jemand, der jemanden, der ihm sehr nahestand, verloren hat, kann sie sehen. Vor unserem Haus grasten immer mehrere dieser majestätischen Wesen. Ich kann sie sehen seit ich drei bin.
    Ich werfe einen letzten Blick auf den Bahnhof, dann drehe ich mich entschlossen um und gehe auf die Kutsche zu. Der Schlamm spritzt mir bei jedem Schritt bis an die Knie und meine Haare hängen mir trotz meiner Kapuze nass ins Gesicht.
    Ich muss es endlich schaffen, meine Vergangenheit zu vergessen, zumindest für dieses Schuljahr.

    Wir passieren das Schlosstor und ich erblicke durch die Regenwand verschwommen die Umrisse von Hogwarts, die sich bei jedem Blitz dunkel vor dem Nachthimmel abheben. Immer wieder ruckelt die Kutsche, der Wind lässt dünne Äste gegen die Fenster schlagen und jeder Donner hört sich an wie eine Explosion.
    Ich bin froh, als die Kutschen endlich anhalten und wir durch den strömenden Regen die Treppe, die zum Eingang führt, hinaufhasten.
    Wir kommen in eine von Fackeln erleuchtete Halle mit gewölbter Decke und einer riesigen, beeindruckenden Treppe aus Marmor.
    “Das ist die Eingangshalle”, verkündet Dean und Stolz schwingt in seiner Stimme mit, als hätte er selbst diesen wunderschönen Saal erbaut. Amüsiert lächele ich. Als ich vor zwei Tagen hier war, sind Mom und ich nicht durch den Eingang gekommen, aber ich bin mir sicher, dass sie von dieser Halle beeindruckt wäre. Sie hätte all das geliebt, die Schüler, die lachend in Grüppchen zusammenstehen, das Licht der Fackeln, das flackernde Muster an die Wände und die Decke der Halle wirft und die ganze Szenerie geheimnisvoll wirken lässt, sogar die Schuluniformen fände sie wahrscheinlich schön. Als ich kleiner war, hat sie mir immer erzählt, wie gerne sie als Kind nach Hogwarts wollte, aber ihre Eltern es ihr verboten hätten. Ihr größter Traum würde in Erfüllung gehen, wenn sie mich hier jetzt sehen könnte.
    Dieser Gedanke zaubert mich ein Lächeln ins Gesicht, aber das bittere Gefühl des Verlustes liegt dennoch schwer auf mir. Ich habe noch dieses Jahr, dann werde ich mein Erbe antreten müssen.
    “Sera, alles in Ordnung?”, werde ich wieder in die Gegenwart zurückgerissen. Seamus und Dean blicken mich besorgt an, als müssten sie sich um mich kümmern.
    “Ja klar, aber diese Halle...sie ist einfach wunderschön!”, schwärme ich. Lachend stimmen die beiden mir zu, bevor sie mir voraus in den Speisesaal gehen. Dort stehen vier lange Tische, dazu noch eine lange, den Häusertischen zugewandte Tafel für die Lehrer und Albus Dumbledore, den Schulleiter von Hogwarts.
    Ich folge meinen neuen “Beschützern”, die zielstrebig auf ein paar Schüler zugehen, die sich schon am Tisch niedergelassen haben.
    “Das ist Sera, sie ist neu hier. Sie geht mit uns in die vierte Klasse”, stellt Dean mich zwei Jungen und einem Mädchen vor, die sich angeregt unterhalten.
    “Aber sie ist doch neu hier. Dann kann sie doch nicht in der vierten Klasse sein!”, sagt der eine Junge verwirrt. Er hat rote Haare und ich bin mir sicher, dass er mir irgendwie bekannt vorkommt.
    “Ich wurde zu Hause unterrichtet und habe dort alles gelernt, was ihr in den ersten drei Schuljahren auch gelernt habt”, erkläre ich. Und noch vieles mehr, von dem ihr nicht einmal wisst, dass es existiert, füge ich in Gedanken hinzu.
    “Ich bin Hermine und das sind Harry und Ron”, stellt sich das Mädchen nun vor und lächelt mich an. Ich will sie gerade auch begrüßen, als mich der Geist, der in unserer Nähe schwebt, anspricht.
    “Guten Tag! Bist du nicht die kleine Tochter von den St.Clairs?”, wendet er sich an mich. Mir kommt es so vor, als würde mein Herz kurz aufhören zu schlagen.
    Woher weiß er das? Sieht man mir die Verwandtschaft zu meiner Grandma so sehr an? Aber er ist ein Geist, also hat er sie wahrscheinlich gekannt, schließlich war sie auch mehrere Jahre auf Hogwarts, bis sie ihr Erbe antreten musste.
    “Du bist doch die Tochter von Alexis St.Clair?”, fragt er weiter, als ich nicht antworte. Ich spüre die Blicke der Schüler, die alles mitgehört haben, auf mir ruhen, sie lechzen förmlich nach einer Antwort. Er kannte also auch meine Mom, obwohl sie nicht hier unterrichtet wurde? Was soll ich jetzt tun? Die Wahrheit sagen und darauf hoffen, dass niemand Vincent dieses “Geständnis” überbringt? Oder alles abstreiten?
    Ich entscheide mich für die zweite Möglichkeit.
    “Wer ist diese Alexis St.Clair? Tut mir leid, aber ich habe weder von ihr, noch von der ganzen Familie gehört”, lüge ich mit entschuldigendem Lächeln, während ich mich auf die Bank am Gryffindor-Tisch setze. In mir krampft sich bei meinen Worten alles zusammen. Früher war ich immer stolz, Teil dieser Familie zu sein, aber jetzt muss ich meine Herkunft verleugnen.
    “Ich hätte schwören können, dass du ihr wie aus dem Gesicht geschnitten bist…”, murmelt der Geist noch und wendet sich dann diesem Harry zu. Erleichtert atme ich lautlos aus. Zum Glück hat er nicht noch nachgehakt, denn auch mit unzähligen Zaubern belegt, ist die Ähnlichkeit zwischen den Mitgliedern meiner Familie unverkennbar.
    Zwar haben wir alle eine zumindest halbwegs menschliche Gestalt, trotzdem kann man in uns noch Spuren unserer Ahnen erkennen. Nachts wird das alles noch deutlicher, wir sind für die Nacht gemacht, verschmelzen mit den Schatten.
    Ich berühre die zierliche Kette, die um meinen Hals liegt. Als Anhänger dient ein Schwarzer Stein, sie sorgen dafür, dass wir nicht erblinden oder erheblich geschwächt werden, sobald wir in Kontakt zu Sonnenstrahlen kommen.
    Mein Blick schweift noch einmals über die schwatzenden Schüler. Sie wären sicherlich nicht so gelöst, wenn sie wüssten, was für ein Monster sich unter ihnen befindet.


    4
    Kapitel 4 Die großen Flügeltüren der Halle öffnen sich und eine dünne Frau mit strengem Gesichtsausdruck und einem smaragdgrünen Umhang betritt
    Kapitel 4

    Die großen Flügeltüren der Halle öffnen sich und eine dünne Frau mit strengem Gesichtsausdruck und einem smaragdgrünen Umhang betritt den Saal, hinter ihr geht eine lange Reihe Erstklässler, die gleich ihren Häusern zugeteilt werden.
    Ich bin froh, dass der Hut seine Entscheidung über mich schon in den vor zwei Tagen in den Ferien getroffen hat, denn meine Lust, jetzt als einzige Viertklässlerin in dieser Gruppe elfjähriger Mädchen und Jungen zu stehen, die vor Aufregung zittern und ungeduldig mit den Füßen auf und ab wippen, ist ziemlich gering bis überhaupt nicht vorhanden. Noch dazu müsste ich danach wahrscheinlich noch mehr Fragen beantworten als ohnehin schon.
    “Das ist Professor McGonagall”, flüstert mir Hermine zu. Ich habe sie schon einmal gesehen, auf den verblichenen, alten Fotos, die in Grandmas Zeit in Hogwarts aufgenommen wurden, sie ist die Hauslehrerin von Gryffindor und unterrichtet das Fach Verwandlung, außerdem ist sie den Erzählungen meiner Grandma zufolge die beste Lehrerin, die es gibt. Nicht nur Mum, sondern auch Grandma würde sich freuen, dass auch ich nun auf die berühmte Zaubererschule gehen werde, wenn auch nicht ganz so freiwillig wie Grandma damals. Zwar flüchten wir beide vor unserer Vergangenheit, aber ich würde mich ihr lieber stellen, als mich zu verstecken. Weil ich weiß, dass er mich trotz allen Vorsichtsmaßnahmen irgendwann finden wird.
    Professor McGonagall stellt einen dreibeinigen Stuhl vor die aufgeregten Erstklässler, die alles mit staunenden Blicken beobachten. Auf dem Stuhl liegt ein sehr alt aussehender Hut, der an vielen Stellen schon mehrfach geflickt wurde und insgesamt einen eher schmutzigen und heruntergekommenen Eindruck macht. Doch dies täuscht.
    Ich sehe ein paar Erstklässler verächtlich schnauben, sie fragen sich wohl, was dieser alte, dreckige Hut hier macht. So habe ich mich auch gefühlt, bevor der Hut mich ins Haus Gryffindor eingeteilt hat. Doch auch dieses Geräusch verstummt schnell und alle blicken gebannt auf den Hut. Klar, er ist ein magischer Gegenstand und kann erkennen, in welches Haus die Schüler eingeteilt werden, trotzdem bezweifle ich, dass er jetzt plötzlich akrobatische Kunststücke vollführen wird oder andere Sachen, die selbst untypisch für magische Hüte sind, weshalb ich mich langsam zu fragen beginne, was an dem alten Stück Stoff so interessant ist, wenn der Hut einen nicht gerade in ein Haus einteilt, das für die Schulzeit so etwas wie die Familie für einen werden soll.
    Deshalb erleide ich fast einen Herzinfarkt, als sich ein Riss im Stoff direkt über der Krempe des Hutes öffnet, fast kann man es einen Mund nennen. Dass dieser Hut reden kann wusste ich aber auch schon. Doch darauf, dass er anfängt zu singen, darauf war ich nicht gefasst.
    Schon nach seinem ersten Satz höre ich auf, zuzuhören. Ich höre nichts von dem, was der Hut von sich gibt, mein Blick ist an die Decke der Halle gerichtet, die mir erst jetzt auffällt. Sie muss irgendwie verzaubert sein, ihr Anblick gleicht dem des Himmels außerhalb von Hogwarts, dunkle und purpurne Wolken wirbeln hoch über unseren Köpfen durcheinander und als draußen ein krachender Donner die Erde erschüttert, zuckt an der Decke ein gleißender Blitz entlang.
    Das alles ruft Erinnerungen in mir wach, Erinnerungen an meine früheste Kindheit.
    Mum hatte mich an Weihnachten mit in eine Stadt der Muggel genommen. Statt des sanft fallenden, weißen Schnees, den sich die Muggel an Weihnachten immer wünschen, prasselten dicke Regentropfen vom Himmel, der ebenso aufgewühlt und stürmisch wirkte wie diese Decke. Erst hatte ich Angst vor den eisigen, nassen Tropfen, die hart auf meine winzigen Handflächen tropften, als ich meine Hände aus dem Hauseingang, in dem ich mit Mum stand, hinaushielt. Damals kann ich höchstens vier Jahre alt gewesen sein, aber die Erinnerung daran ist verschwommen. Obwohl Mum erst diese Nacht aufgehört hat zu atmen, verschwinden meine Erinnerungen an sie rasend schnell. Der Tod ist das einzige, was unser Erinnerungsvermögen schwächt, sogar an unsere Zeit als Kleinkinder können wir uns erinnern, als wäre es erst ein paar Stunden her, doch wenn unsere Herzen aufhören zu schlagen, verblassen die Erinnerungen an den Verstorbenen, bis er nur noch eine schemenhafte Gestalt in unserem Gedächtnis ist. Theoretisch könnten wir ewig leben, mehrere meiner Vorfahren überdauerten Jahrtausende auf dieser Welt, doch in den letzten zehn Generationen war es schon eine Sensation, wenn Kinder überhaupt volljährig wurden. Zu diesem Zeitpunkt wurden auch die letzten Ältesten restlos vernichtet, das einzige, was noch an sie erinnert sind zahlreiche Fotos und Bücher, von denen manche Berichte schon von den Ersten geschrieben wurden.
    Streitereien innerhalb der Familie wurden immer häufiger, oft endeten sie tödlich, bis sie in letzter Zeit völlig eskaliert sind. Vincent gehört auch zu denen, die dabei waren…
    Schon wieder steigen mir Tränen in die Augen. Vincent ist nun Teil der Vergangenheit, die ich vergessen muss. Es wird schwer werden, das weiß ich, denn sein Herz schlägt noch und das leere Gefühl in meinem Bauch erinnert mich immer daran, das er in meinem Leben fehlt. Er stand mir so nahe. Das war wahrscheinlich auch der Grund, warum gerade er ausgewählt wurde.
    Wir hatten uns zusammen immer unser späteres Leben ausgemalt, aber dieser eine Tag, an dem er mit mit der anderen der Elite ging und mehrere Wochen verschwunden war, ist der Schlüssel zu allem. Hätte ich ihn doch nur begleitet… Doch selbst wenn ich es getan hätte, hätte ich es nicht verhindern können. Wenn ich dabei gewesen wäre, wäre der Verlust der letzten Nacht nur ein Bruchteil der Katastrophe gewesen, die sie mit mir als willenlose Sklavin heraufbeschwören könnten. Die Bestimmten sind für sie wie Werkzeuge, um einen Krieg heraufzubeschwören und zu gewinnen, der alles vernichten kann, was wir kennen.
    Tosender Applaus erklingt, als der Hut sein Lied beendet hat.
    “Das ist doch nicht das Lied, das er damals für uns gesungen hat”, meint der Junge namens Harry und klatscht ebenfalls.
    “Er singt jedes Jahr ein neues. Muss ein ziemlich langweiliges Leben sein für diesen Hut, meint ihr nicht? Sicher verbringt er das ganze Jahr damit, ein neues Lied zu dichten”, sagt Ron.
    Wenn sie nur wüssten, wie gerne ich gerade mein Leben mit dem eines Hutes tauschen würde, hätten sie sicherlich gelacht.
    Aber ein Hut muss nicht mit einer Angst wie meiner leben, die immer größer wird und droht, mich zu ersticken.


article
1512336874
The shadow of my soul
The shadow of my soul
Ich hatte alles verloren. Meine einzige Chance war der Neuanfang. Hört sich nicht so schlimm an? Dann muss ich wohl genauer werden: Die einzige Chance war ein Neuanfang als Hexe
http://www.testedich.de/quiz52/quiz/1512336874/The-shadow-of-my-soul
http://www.testedich.de/quiz52/picture/pic_1512336874_1.jpg
2017-12-03
402D
Harry Potter

Kommentare (22)

autorenew

lost_hope ( von: lost_hope)
vor 2 Tagen
Ich bin gerade echt sprachlos und grinse nur dümmlich vor mich hin... :) Vielen, vielen Dank für deinen Kommentar!!!!❤ Freut mich wirklich zu hören, dass dir das neue Kapitel gefallen hat:)
Princess Buttercup (27728)
vor 2 Tagen
Wow. Das ist wirklich sehr berindruckend. Das beste Kapitel von diesen 4. 👍🏻 Das ist Wahnsinn!
lost_hope ( von: lost_hope)
vor 4 Tagen
Und Kapitel 4 ist online...
lost_hope ( von: lost_hope)
vor 5 Tagen
Vielen vielen Dank!!:) Ich versuche,das nächste Kapitel heute fertigzustellen,gestern hatte ich leider keine Zeit;)
Black Rose (16320)
vor 5 Tagen
Wow einfach nur wow. Das war so cool bitte mach weiter
lost_hope ( von: lost_hope)
vor 5 Tagen
Danke!!!:) Das hat mich gerade echt ermutigt,bin gerade nicht so gut drauf aber ich versuche,das 4.Kapitel heute noch fertigzustellen;)
Princess Buttercup (27728)
vor 6 Tagen
Echt genial, ein bisschen gruselig und sehr spannend, weil so viele Fragen im Text auftauchen. Ich finde es echt gut! ❤️❤️❤️
lost_hope ( von: lost_hope)
vor 6 Tagen
Danke für deinen Kommentar!:) Wahrscheinlich gibt es im Laufe der Woche ein neues Kapitel;)
Fritzi (18332)
vor 6 Tagen
Spannend!
lost_hope ( von: lost_hope)
vor 7 Tagen
Und Kapitel 3 ist online...
lost_hope ( von: lost_hope)
vor 7 Tagen
Daaankeschön!!!:) Du weißt gar nicht,wie mich deine Kommentare immer motivieren:)
Sarah Laureen ( von: Sarah Lauree)
vor 7 Tagen
Mhm, du wirst definitiv immer besser. Mehr muss ich glaube nicht dazu sagen, außer das mir die Fanfiction bisher sehr gut gefällt und ich vor Ungeduld auf dem Stuhl vor meinem PC hocke...
Princess Buttercup (27728)
vor 8 Tagen
❤️❤️❤️.
lost_hope ( von: lost_hope)
vor 8 Tagen
Awww,vielen vielen Dank!!!;) Ich bin gerade echt überrascht,mit so was hätte ich nicht gerechnet:)
Princess Buttercup (27728)
vor 8 Tagen
Du schreibst echt wahnsinnig gut. Du beschreibst ihre Gedanken echt verständlich... Und die Geschichte hat irgendwas... was ich toll finde. Ich finde beide Kapitel super, und bin echt schon gespannt, was Sera (Seraphina?) für ein Geheimnis hat.
lost_hope ( von: lost_hope)
vor 8 Tagen
Das 2.Kapitel ist online...
lost_hope ( von: lost_hope)
vor 8 Tagen
Haha,Danke!!;) Ich freue mich gerade mega über eure Kommentare:)
Ich lade jetzt gleich das nächste Kapitel hoch...
Ida Potter (21508)
vor 8 Tagen
Bitte schreib doch schnell weiter. Ich bin so gespannt, was für eine Geschichte sich dahinter verbirgt. Oft weiß man sofort, worauf so eine Geschichte hinausläuft, aber hier habe ich keine Ahnung.
lost_hope ( von: lost_hope)
vor 8 Tagen
Danke!!!:)
Ich kann dir versichern,dass es eine HP-ff wird,auch wenn ich etwas/einiges dazuerfunden habe...Also nicht zum Ablauf oder so,sondern zur Hauptperson
Lutscherklau (06350)
vor 8 Tagen
Gut geschrieben. Ich habe ein bisschen Angst, dass ich's trotzdem nicht so mögen werde, wenn es weiter geht, weil ich ein Purist bin, wenn es um HP-Ff geht, heißt, ich mag halt keine Crossover wenn es um mein liebstes Fandom geht. Aber das ist Geschmackssache, andere stehen total drauf, ich find's immer so gezwungen und eigentlich unpassend. Aber ich werde auf jeden Fall wiederkommen, um festzustellen, ob sich mein Verdacht überhaupt bestätigt, ist ja vielleicht auch eine reine HP-Ff, und dann will ich auf keinen Fall verpassen, wie es weitergeht! Bin gespannt!