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Abschied

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1 Kapitel - 2.158 Wörter - Erstellt von: *Silberherz* - Aktualisiert am: 2017-11-29 - Entwickelt am: - 73 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

//Mein Beitrag zu Sonnenflugs Schreibwettbewerb "Forgotten Storys" im November. Link: http://www.testedich.de/quiz49/quiz/1499697797/Warrior-Cats-forgotten-stories //

Eine schreckliche Hungersnot, verursacht von extremer Trockenheit, sucht den EichenClan heim. Und auf Trockenheit folgt Brand...

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    Langsam schlurfte ein großer, dunkelgrauer Kater durchs Gras. Sein Fell war zerzaust und stand zu allen Seiten ab, als hätte er schon lange keine Ze
    Langsam schlurfte ein großer, dunkelgrauer Kater durchs Gras. Sein Fell war zerzaust und stand zu allen Seiten ab, als hätte er schon lange keine Zeit mehr gefunden, sich zu waschen. Seine bernsteinfarbenen Augen lagen tief in ihren Höhlen, und an seinem Bauch konnte man jede Rippe einzeln abzählen, so mager war der Dunkelgraue. Seine Schritte sahen fast schon aus, als wäre er ein schwacher, gebrechlicher Ältester – dabei lag seine Kriegerzeremonie erst knapp einen Blattwechsel zurück. Und so sehr er sich früher gewünscht hatte, ein Krieger zu sein, so sehr wollte er die alte Zeit zurück. Als der Fluss reich an Wasser und der Wald voller Leben war. Als er noch nicht außerhalb des Clanterritoriums nach Beute suchen musste, um den Clan zu ernähren. Als er noch mit den anderen Schülern unter dem kühlen Schatten der Laubbäume wettete, wer die meiste Beute fangen konnte.
    Bei jedem Schritt knisterten die hellbraunen Halme unter seinen Pfoten, denn seit nun fast einem ganzen Mond hatte es nicht mehr geregnet. Eine fürchterliche Hungersnot hatte den EichenClan heimgesucht und die Krieger immer weiter über die Grenzen des Territoriums getrieben, um Beute zu finden. Doch in ihrer Not hatte Ahornstern keinen anderen Ausweg gesehen. Es war eine weise und zugleich törichte Entscheidung gewesen. Denn die Streuner, die hier draußen lebten, hungerten ebenfalls und begannen, die spärliche Beute für sich selbst zu beanspruchen. Ohne Kampf kam man nicht zurück ins Lager, wenn man von einem entdeckt wurde. Aber der Dunkelgraue Krieger konnte es ihnen nicht verübeln. Wie bei allen Katzen nagte der Hunger auch in ihren Mägen und ließ ein hohles Gefühl in ihren Bäuchen zurück. Trotzdem, diese Katzen hatten scharfe Krallen – das hatte er zu spüren bekommen. Verbittert schnippte er mit dem linken Ohr. Es war tief eingerissen und die Wunde eiterte. Die Heilerin Minzsee konnte ja auch nichts tun, wenn ihre Heilkräuter vertrocknet waren und alle Pflanzen nach und nach eingingen.
    Ein frustriertes Knurren grollte in der Kehle des mageren Katers. Wofür die ganzen Strapazen dieses Tages? Für dieses lächerliche Kaninchen? Beschämt ließ er seinen Fang fallen und betrachtete die Beute. Sie war ebenfalls vollkommen ausgehungert. Wahrscheinlich war es für das kleine Tier eine Erlösung gewesen, dass er es gefangen hatte. Aber gelohnt hatte es sich nicht. Mit diesem jämmerlichen Fang sollte er zurückkehren? Davon würde ja nicht einmal ein Junges satt werden!
    Wütend schüttelte er den Kopf und erinnerte sich an Minzsees Worte: „Viel Erfolg bei der Jagd, Bernsteinfalke. Du weißt: Jeder noch so kleine Bissen kann Leben retten!“ Das hatte sie ihm eingeprägt, nachdem sie sein Ohr versorgt hatte, oder zumindest versucht hatte, es zu versorgen.
    Die alte Heilerin hatte wahre Worte gesprochen, doch trotzdem war Bernsteinfalke enttäuscht von seiner Ausbeute. Vielleicht konnte er noch einen Fisch finden, der durch das niedrige Wasser, welches der Fluss momentan führte, verendet war. Er könnte es ja versuchen. Vielleicht war hier, weiter oben am Verlauf des Flusses, ja noch etwas mehr Wasser und er könnte sogar fischen, wie es ihm sein Mentor Flechtenohr einst beigebracht hatte? Der arme Kater war bereits verhungert. Er hatte sich geweigert, zu essen. Es hatte Bernsteinfalke das Herz gebrochen, als sein ehemaliger Mentor ihm mit leeren Augen das Eichhörnchen zugeschoben hatte…
    Mit einem energischen Kopfschütteln verdrängte Bernsteinfalke diese trüben Gedanken und stolperte zum Fluss. Sein Blick war auf den Boden gerichtet. Das Kaninchen, was noch immer in seinem Maul baumelte, war so klein und dürr, dass es fast nicht mal das Gras berührte.
    Der Boden verschwamm. Bernsteinfalke blieb kurz stehen und blinzelte heftig, bis seine Sicht sich wieder klärte. Er packte seine Beute fester am Nacken und grub seine Zähne tiefer in das spröde Fell, als das Kaninchen drohte, ihm herunterzufallen. Dann humpelte er weiter.
    Am Fluss angekommen setzte er sich seufzend. Er hatte solche Kopfschmerzen und einen entsetzlichen Durst… Doch als er in das Flussbett blickte, schrak er zurück.
    „Das ist ein schlechter Scherz, oder?“, fauchte er entrüstet und geschockt zugleich. Dort, wo vor der Dürre noch klares Wasser gesprudelt hatte, war jetzt nicht mehr als eine Ansammlung von Pfützen. Der Fluss war nicht einmal mehr ein Bach. „Jämmerlich wenig Wasser“, wimmerte Bersteinfalke enttäuscht. „Gestern stand es doch noch so hoch, dass zumindest die ganze Pfote nass wurde!“
    Seufzend stieg er in das Flussbett, ließ die Beute fallen und beugte sich zu einer der Pfützen.
    „Nur etwas Wasser gegen die trockene Kehle“, murmelte er erschöpft und schlabberte etwas von dem brackigen Wasser. Sofort spuckte er es wieder aus. Es schmeckte nach Schlamm und war viel zu warm für seinen Geschmack. Hustend versuchte er, den widerlichen Nachgeschmack in seinem Mund loszuwerden. „Ich hasse Matsch“, knurrte er und hob mit zurückgezogenen Lefzen erneut die Beute hoch, um ja nicht das schlammige Fell zu berühren.
    Angewidert hob er nacheinander seine Pfoten und schüttelte die braunen Klumpen aus seinem Fell. Vielleicht sollte man ihn jetzt Schlammtatze nennen, so, wie er gerade aussah…
    „Zum Wald der Finsternis mit diesem mäusehirnigen Matsch!“, fluchte Bernsteinfalke leise und sprang aus dem Flussbett. Er beschloss, dem Flussverlauf zu folgen, um nach vertrockneten Fischen Ausschau zu halten. Vielleicht fand er ja doch noch etwas mehr als dieses mickrige Kaninchen. Verächtlich schnaubte Bernsteinfalke und trottete los. Was hatte der SternenClan nur gegen die Katzen? Wieso schickten sie ihm kein Wasser? Der Dunkelgraue wollte es sich eigentlich nicht eingestehen, doch dann wurde es ihm wie auf einen Schlag bewusst: Er zweifelte am SternenClan. An denen, die den EichenClan gegründet hatten, die den Zusammenhalt des Clans ins Leben gerufen hatten, an seinen Vorgängern, an seinen Kriegerahnen, die so viel geschafft hatten…
    Was war nur los mit ihm? Bernsteinfalke gab dem nagenden Hunger und dem unerträglichen Durst die Schuld. Aber konnten solche normalen Bedürfnisse tatsächlich seinen Geist und Glauben schwächen? Durfte er das überhaupt zulassen?
    „Nein!“, sprach der junge Krieger energisch zu sich selbst. „Nein, das darf ich nicht! So wahr ich Bernsteinfalke heiße!“
    Er grub die Krallen fester in die trockene Erde. Er war Bernsteinfalke, ein Krieger des EichenClans, und er war stark! Er würde diese Hungersnot mit Hilfe seiner Ahnen überstehen und so durfte er sich nicht erlauben, an ihnen zu zweifeln! Niemals! SternenClan-Katzen waren eben auch nur Katzen, und sie konnten eben auch nicht alles.
    Ja, das stimmte. Und wegen diesem Gedanken war er erstmals so verwirrt, dass er glatt stehenblieb. Aber sicher konnte der SternenClan dem EichenClan aus dieser fürchterlichen Hungersnot befreien und Regen auf das Land prasseln, die Flüsse wieder sprudeln und die Pflanzen wachsen lassen – oder?
    Eine ungute Vorahnung machte sich in dem Dunkelgrauen breit. Irgendetwas sagte ihm, dass der SternenClan ihm nicht würde helfen können. Aber nein, das durfte, das konnte nicht sein! … Oder?
    Müdigkeit ließ seine Glieder schwer werden. Sein Magen grummelte laut und Schwindel nahm von seinem Körper Besitz. Bernsteinfalke schwankte leicht. Seine Beine wurden weich und knickten ein. Das war alles zu viel für ihn…

    Verwirrt öffnete Bernsteinfalke seine Augen. Was war los? War er etwa ohnmächtig geworden? Vor Hunger, Durst, Erschöpfung?
    Er richtete sich langsam auf. Wo war sein Kaninchen? Und was war mit dem Gras hier los? Der Boden war kühl, eine wahre Wohltat für seine wunden Pfoten. Aber das passte nicht – das Land war doch ausgetrocknet und es war mächtig heiß! Irgendetwas war hier mächtig faul.
    „Bernsteinfalke“, miaute eine Katze.
    Der Angesprochene wirbelte erschrocken herum. Da stand eine schlanke Kätzin mit elegant geformtem Kopf und glattem, hellbraunen Fell. Aus ihren leuchtend gelben Augen musterte sie den jungen Krieger intensiv. Sterne glitzerten und blinkten in ihrem Pelz, während ihre Pfoten beinahe durchsichtig waren.
    „Eichenstern!“, keuchte Bernsteinfalke erschrocken. Ehrfürchtig neigte er den Kopf von der legendären Gründerin seines Clans. Sein Gehirn arbeitete auf Hochtouren, und dann zählte er eins und eins zusammen: Er war im SternenClan.
    „Bin ich tot?“, platzte es aus ihm heraus.
    „Nein.“ Mit einem gütigen Lächeln schüttelte Eichenstern den Kopf. „Ich will dir nur etwas sagen.“
    Abwartend schwieg der Dunkelgraue.
    „Alles hat ein Ende“, begann die Clangründerin. „Das ist die Natur, und die Natur ist stärker als jede Kraft, die uns, dem SternenClan, innewohnt. Geh los zu deinem Clan.“ Danach flüsterte sie noch ein paar unverständliche Worte. Bernsteinfalke war sich nicht sicher, ob er diese richtig verstanden hatte. Aber das war momentan sein geringstes Problem. Er spürte, wie sich erneut die Müdigkeit in seinen Gliedern breitmachte. Dabei wollte er den SternenClan nicht verlassen – den Ort, an dem er sich gesättigt und leicht fühlte, an dem die Hungersnot keine Rolle spielte.


    Schnaufend erwachte Bernsteinfalke wieder aus seiner Vision. Eichenstern Worte hatten sich fest in sein Gedächtnis eingebrannt. Geh los zu deinem Clan.
    Hastig richtete er sich auf – vielleicht etwas zu hastig, denn als er wankend auf die Beine kaum, tanzten schwarze Punkte vor seinen Augen. Widerwillig schüttelte er sich und blinzelte mehrmals, bis die Punkte verschwunden waren.
    Er nahm das Kaninchen wieder hoch, aber ließ es direkt wieder fallen, als ein unheilvoller Geruch ihm in die Nase stieg. Rauch.
    Panik machte sich in Bernsteinfalke breit und lähmte seinen Körper. Rauch, Rauch hieß Feuer. Feuer hieß Waldbrand. Und Waldbrand hieß in einer Trockenzeit wie dieser…
    „Eine Katastrophe“, hauchte Bernsteinfalke entsetzt. „Feuer, Feuer!“
    Er rannte los, vergaß seine Beute, vergaß alles um sich herum.
    „Feuer!“
    Nicht auf den Untergrund achtend, stolperte er mehrmals, doch sein Blick blieb weiter nach vorne gerichtet. Der Wald brannte lichterloh. Hatte das Feuer schon das Lager erreicht?
    „Feuer!“
    Hatten seine Clangefährten sich schnell genug in Sicherheit bringen können? Oder war das Lager vom Brand eingekesselt worden?
    „Feuer!“
    Was war mit seiner Mutter und ihrem zweiten Wurf? Seinen Geschwistern? Seinem Vater?
    „Feuer…“
    Keuchend machte der Dunkelgraue Halt. Riesige Flammenzungen leckten an den Bäumen, versengten Gras, Kräuter und Farn. Eine regelrechte Wand aus knisterndem Feuer ragte vor dem jungen Kater auf. Dahinter meinte er, Schreie zu hören.
    „Das Lager…“
    Bernsteinfalke sammelte all seine Kraft und sprang hoch, so hoch, wie er noch nie gesprungen war, wie er es sich nicht einmal in seinen kühnsten Träumen vorgestellt hatte. Er flog regelrecht über die Flammen…
    Unsanft landete er auf der anderen Seite der Feuerwand. Ein brennender Ast krachte ihm vor die Pfoten. Erschrocken riss er die Augen auf, in denen sich das Chaos widerspiegelte. Überall Feuer, brennende Zweige.
    Der junge Krieger schaute sich hektisch um, doch der Qualm nahm ihm die Sicht und ließ ihn husten. Wo war die Kinderstube? Wo war seine Mutter mit seinen kleinen Geschwistern?
    Blind tappte er vorwärts. „Wasserlicht? Wasserlicht!“, jaulte er verzweifelt den Namen seiner Mutter.
    „Bern…Falke…“, krächzte es von rechts aus dem Qualm.
    Er hechtete zur Seite und fand seine Mutter. Den silbernen Pelz versengt, lag sie hustend und sich krümmend auf dem Boden. Ihre wasserblauen Augen fingen noch einmal den Blick ihres Sohnes auf, dann fielen sie zu.
    „Nein!“, heulte Bernsteinfalke. „Nein!“
    Ein schmerzhaftes Stechen machte sich in seiner Brust breit. Der Rauch… Er bekam keine Luft mehr…
    Die Welt verschwamm und seine Beine gaben nach. Alles in ihm schrie nach Sauerstoff, den er nicht bekam.
    „Warum…“, ächzte der Dunkelgraue. „Eichenstern…“ Seine Augen huschten wild hin und her, es war ihm, als könne er die weise Kätzin neben dem Leichnam seiner Mutter ausmachen. „Warum?“
    „Nimm Abschied“, flüsterte die Clangründerin ihre Worte noch einmal deutlich. Also hatte er sich doch nicht verhört…
    Sein Herz versagte, seine Lunge krampfte sich schmerzhaft zusammen, und die Welt um ihn herum wurde dunkel.

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Abschied
Abschied
//Mein Beitrag zu Sonnenflugs Schreibwettbewerb "Forgotten Storys" im November. Link: http://www.testedich.de/quiz49/quiz/1499697797/Warrior-Cats-forgotten-stories // Eine schreckliche Hungersnot, verursacht von extremer Trockenheit, sucht d...
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2017-11-25
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Warrior Cats

Kommentare (2)

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*Silberherz* (41275)
vor 15 Tagen
Erst hieß der Clan LaubClan, dann hab ich es nochmal geändert in EichenClan, aber bei der Kurzbeschreibung vergessen. Ich änder es grad.
Danke für das Lob c:
Akeno (54778)
vor 16 Tagen
y o u ' r e p r e c i o u s . Ich liebe die Geschichte jetzt schon. Aber warum steht in der Beschreibung "LaubClan"? c':