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Das Flüstern der Vergessenen - Prolog

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1 Kapitel - 3.539 Wörter - Erstellt von: Sarah Laureen - Aktualisiert am: 2017-11-24 - Entwickelt am: - 360 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Jenseits der bekannten Grenzen Mittelerdes, in einem Land, das von Feuer und Eis dominiert wird versucht eine Gruppe von Kriegern die Bevölkerung vor dem tyrannischen Herrscher und Dämonen zu beschützen. Um den Kampf gewinnen zu können macht eine junge Frau sich auf den Weg nach Mittelerde das von dem drohenden Schatten Saurons in Atem gehalten wird...

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Prolog: Die nordischen Krieger Verborgen im sicheren Schatten stand eine schlanke Gestalt. Aufmerksam beobachtete sie das nächtliche Treiben in der S
Prolog: Die nordischen Krieger
Verborgen im sicheren Schatten stand eine schlanke Gestalt. Aufmerksam beobachtete sie das nächtliche Treiben in der Stadt, die Hand auf den Griff eines Schwertes gelegt. Besonders in diesen dunklen Zeiten waren Überfälle und gelegentliche Morde keine Seltenheit. Für den Moment wirkte noch alles friedlich. Zwar hielten sich die Orks von der Stadt fern, aber es gab genügend Korruption und Brutalität innerhalb der schützenden Stadtmauern. Hier lebten ausschließlich Menschen, die von einem grausamen Herrscher unterjocht wurden. Seine Spione waren überall, bereit, jederzeit andere ans Messer zu liefern. Selbst wenn die Menschen gewusst hätten, das ein stummer Wächter sich dort in der Dunkelheit versteckte, wären sie nicht in der Lage gewesen, ihn oder sie zu entdecken.
Die Gesetze des Tyrannen waren hart, gnadenlos und beängstigend. Um die Kontrolle zu behalten war er sogar so weit gegangen, jeglichen Kontakt mit den Ländern des Südens zu untersagen - auch konnte kein Bürger die Stadt, geschweige denn das Land verlassen. Zwar schwächte das die einst mächtige Handelsstadt, aber das war ihm völlig gleichgültig. Für die Menschen war das Land ein schreckliches Gefängnis. Nicht mehr und nicht weniger. Aber gleichzeitig war es auch der einzige Ort, den die meisten Bewohner kannten. Von den Ländern, die jenseits ihrer Grenzen lagen, hatten sie kaum etwas gehört, tatsächlich zweifelten sie ihre Existenz an.
Natürlich gab es auch jene unter ihnen, die sich weigerten das ihnen aufgezwungene Schicksal zu erdulden und die Beschränkungen ihrer Freiheit zu akzeptieren. Die Rebellen waren eine sehr kleine Gruppe von Kriegern, bestehend aus etwa fünfzig Mitgliedern, die aus dem Verborgenen heraus versuchten die anderen vor dem grausamen Herrscher zu beschützen. Obwohl sie zahlenmäßig die unterlegene Minderheit waren konnten sie durchaus etwas bewegen. Sie beherrschten die unterschiedlichsten Kampftechniken meisterhaft und kannten versteckte Wege, die es ihnen ermöglichten ihre Gegner zu umgehen oder auszuweichen. Tatsächlich waren einige von ihnen sogar in der Lage, die gut bewehrten Landesgrenzen zu überwinden und deshalb sah der Herrscher in ihnen eine ernstzunehmende Gefahr.
Seit der Gründung ihrer Gruppe hatten sie es niemals zu blutigen und schrecklichen Kämpfen kommen lassen. Ihr Widerstand war in erster Linie friedlicher Natur: Sie versorgten die Bürger mit genügend Nahrung, Trinkwasser und Kleidung, überwachten die Strassen und halfen so manch einem zur Flucht. Die Krieger blieben verschwiegen und erwarteten keine Gegenleistung für ihre Hilfe. Jeder Bürger war ihnen treu ergeben und niemand gab etwas über sie preis - selbst wenn der Tyrann mit seinen Schergen die grässlichsten Foltermethoden anwandte. So tief reichte die Loyalität zu ihnen. Seit Jahren versuchten die Getreuen des Gegners sie zu vernichten, aber es gelang ihnen nicht. Jedes Mal entkamen die scheinbar stummen Wächter ihren Jägern. Manchen erschienen sie deshalb wie Geister.
Dieser Eindruck wurde dadurch gestärkt, das die Krieger nur miteinander sprachen, niemals in der Gegenwart anderer und sie offenbarten sich auch nur selten. Viel mehr zogen sie das Leben in der Dunkelheit vor. In den nächtlichen Stunden streiften sie einzeln oder in kleinen Gruppen durch die Strassen. Allerdings gab es auch ein Erkennungszeichen. Alle Krieger trugen rotsilberne Rüstungen mit Drachenemblemen. Der Grund war einfach: das Wahrzeichen des einst mächtigen und rechtmäßigen Königshauses, dass von dem Vorfahren des Tyrannen vernichtet wurde, war ein Drache. Er stand für Weisheit, Mut, innere Stärke und Wissen. In den Eis - und Feuerländern des hohen Nordens waren Drachen kein Sinnbild für Bosheit, Zerstörung oder Tod. Vielmehr wurden sie wie Götter verehrt und als Beschützer angesehen. Eine alte Legende besagte, dass die Abkömmlinge des einstigen Königshauses allesamt rothaarig gewesen seien und ein Schwert von unschätzbarer Kraft im Kampf gegen ihre Feinde führten. Es gab einige Menschen, die wider besseren Wissens hofften, das die Familie überlebt hatte und den Tyrannen stürzen würde. Aber es hatte nie einen Hinweis auf das Überleben eines Mitglieds gegeben.
Vorsichtig wandte die Gestalt den Kopf in eine Richtung, als ob sie ein verdächtiges Geräusch bemerkt hätte. Sie war nicht mehr länger allein in der trügerisch sicheren Dunkelheit. Ein Mann glitt neben sie, legte zum Gruß die Faust an die Brust und sie entspannte sich. Es war einer der Ihren. Gut. Schweigend und nun mehr mit gezogenen Waffen warteten sie. Unmerklich schlug die Stimmung um. Eine bedrohliche Dunkelheit kroch durch die Straßen, löschte die wenigen Öllampen und Fackeln aus. Die Passanten gerieten in Panik und versuchten so schnell wie möglich in die Sicherheit ihrer Häuser zu gelangen.
Die stummen Wächter traten noch immer unsichtbar aus dem Schatten und richteten ihre Waffen auf die Finsternis. Keiner von ihnen war vollends menschlich und so erkannten sie auch die wahre Natur der Finsternis. Die gewöhnlichen Waffen von Sterblichen waren gegen diese Art von Dämon nutzlos. Die beiden Krieger waren alles andere als unvorbereitet. Der Mann trug nicht ohne Grund eine Hellebarde mit sich und seine Gefährtin ein uraltes mächtiges Schwert. Es waren Waffen, die gerade dafür geschmiedet worden waren: Kreaturen wie Balrogs, Morgoth selbst oder Sauron zu vernichten. Ihre Umhänge, die sie zuvor mit der Umgebung hatten verschmelzen lassen, lösten sich in Rauch auf. Beim Anblick der rotsilbernen Rüstungen beruhigten die Menschen sich. Die Krieger, ihre großen Beschützer, waren gekommen. Beide trugen deutlich sichtbar das Zeichen eines silbernen Drachen auf dem schimmernden Metall ihrer Rüstungen. Das dunkle Haar des Mannes knisterte, winzige blaue Blitze umgaben ihn als er drohend seine Hellebarde hob und zum Schlag ausholte. Seine Kampfgefährtin hatte auffälliges rotes Haar das an loderndes Feuer erinnerte. Vollkommen ruhig hielt sie das Schwert vor ihr Gesicht. Weiße Flammen schlugen aus ihm heraus, verbanden sich mit den Blitzen des Mannes. Ihre vereinte Kraft stemmte sich gegen die Dunkelheit, kreiste sie langsam ein. Dann, zu schnell als das ein menschliches Auge die Bewegung hätte wahrnehmen können, rannten die beiden Krieger auf das in der Dunkelheit verborgene Monster zu. Die Barriere des Untiers zerbrach unter dem Ansturm ihrer Kräfte. Jämmerliche, unheimliche Schreie zerschnitten scharf die Nacht, als erst die Hellebarde sich in das Fleisch des Wesens fraß und dann das brennende Schwert folgte. Der Kampf währte nur kurz. Seiner Kräfte beraubt konnte das Monster ihnen nichts entgegensetzen. Der Gnadenstoß erlöste es von seinem Schicksal, innerlich zerfressen und ausgebrannt zu werden. Mit einem grimmigen synchronen Nicken wandten die Krieger sich ab und hüllten sich wieder in ihre Umhänge.
Sie schritten auf ein Gasthaus zu und verschwanden in seinem Innern. Erst als sie den Schankraum verlassen und ein Hinterzimmer durch eine Geheimtür betraten brach der Mann das andauernde Schweigen. „Es ist ungewöhnlich, ein Dämon dieser Art in einer so großen Stadt anzutreffen. Noch ist nicht die Zeit der ewigen Schneestürme angebrochen.“ Gewöhnlich kamen die Dämonen erst mit Einbruch des Winters zu den Ebenen. Die Schneestürme vereinfachten ihnen die Jagd, da die Menschen mit ihren stumpfen Augen und den schwächeren Körpern unmöglich lange in der Eiskälte überleben konnten. Doch im Augenblick herrschte ein milder Sommer. „Wer weiß, vielleicht gibt es außerhalb der eisigen Höhen nichts mehr zu holen?“ Die Frau zuckte leicht mit den Schultern. „Der Winter wird mit jedem weiteren Jahr immer härter und dauert länger an. Diese Dämonen mögen zwar grundsätzlich Kälte aber da sich kaum jemand in ihr Gebiet wagt müssen sie ihre Streifzüge weiter ausdehnen um Beute zu finden. Auch für uns wird das Überleben nicht einfacher. Denk nur daran, wie viel Energie wir verwenden müssen um genügend Nahrung für die Stadt und uns selbst aufzutreiben. Irgendwann werden alle unsere Quellen erschöpft sein.“ Das entsprach leider der Wahrheit und war somit die Hauptsorge der Krieger. Wenn es nach ihrem Gegner gehen würde, wären die Bürger zu schwach um sich ihm wenn auch passiv zu widersetzen. Sie hungern zu lassen war genau in seinem Sinne. „Wir brauchen Hilfe, Solay. Alleine können wir nicht dem Feind und den Dämonen standhalten.“ Sein Tonfall beunruhigte sie. Was stellte er sich denn vor, wie sie mit der Situation umgehen sollten? Wachsam beobachtete sie, wie er seine Hellebarde in eine Ecke des Raumes stellte und mit einer knappen Handbewegung das Feuer im Kamin entfachte. „Du bist die Einzige von uns, die jemals die eisigen Höhen überwunden und in den Ländern jenseits war. Gibt es dort niemand, der uns zur Hilfe eilen könnte?“ Alles in ihr erstarrte. Sie sollte die Ihren im Stich lassen in der vagen Hoffnung, dass die Elben oder Menschen ihr militärische Unterstützung zusagten? Kaum jemand aus den südlichen Regionen, allgemein als Mittelerde bekannt, wusste um die Existenz dieses Landes und seiner Bewohner. Die Jahrtausende andauernde Abschottung hatte das Wissen um die Eis – und Feuerebenen des hohen Nordens in Vergessenheit geraten lassen. Warum also sollte man ihnen Unterstützung senden? „Sie wissen nichts von unserer Existenz und werden uns wahrscheinlich als eine Bedrohung wahrnehmen. Außerdem würde eine Reise dorthin mehrere Monate kosten die ich besser hier verbringen sollte. Die Chance, dass man uns hilft ist äußerst gering.“
„Bitte Solay, denk darüber nach. Vielleicht können wir so die Stadt endgültig von Dämonen und diesem grässlichen Herrscher befreien. Natürlich ist es ein Risiko, aber was für eine große Wahl haben wir schon? Der Winter schränkt deine Kräfte erheblich ein und je länger er dauert, desto gefährlicher wird es für dich.“ Ihre Miene versteinerte. Dieser Teil ihrer wenigen Schwächen gehörte zu den Themen, über die sie niemals freiwillig sprach oder auch nur darüber nachdachte. Nachdenklich sah sie auf ihr Schwert hinab. Die Macht der Valar und jedes gefallenen Kriegers gleichgültig welcher Rasse er oder sie angehörte waren in ihm gefangen. Diese gewaltige Energie könnte ihrem Kampf gegen Dämonen und unerwünschten Tyrannen ein jähes Ende bereiten. Die Klinge vibrierte und wie so oft vernahm sie das vertraute Flüstern. Ihr Vater selbst hatte ihr die Worte beigebracht, die das magische Siegel auflösten. Aber er hatte ihr auch eingeschärft, dass sie unter gar keinen Umständen es leichtfertig brechen sollte. Zu sehr fürchtete er sich vor der eingesperrten Energie.
„Wir haben immer noch eine Wahl, Yngvi.“ Ihm war der Blick zum Schwert nicht entgangen. Von allen Kriegern wusste er als Einziger um die wahre Identität der jungen Frau und kannte das Geheimnis des Schwertes. Lange bevor das Königshaus gefallen war hatte seine Familie ihm gedient, so dass er die Wahrheit kannte. Solay war die letzte Überlebende. Die rechtmäßige Thronfolgerin. Ihre Abstammung erlaubte ihr das Schwert zu führen und seine Macht zu gebrauchen. Jeder andere würde sofort unter schrecklichen Schmerzen sterben, wenn er auch nur den Griff der Waffe berührte. Yngvi schüttelte entschieden den Kopf. „Du wirst diese gewaltige Macht nicht freisetzen, Solay. Auf gar keinen Fall. Wenn das Siegel erst einmal gebrochen ist kann nichts mehr die gewaltige Energie aufhalten.“ Ihre Augen blitzten leicht auf. Innerlich seufzte er. Diesen störrischen Gesichtsausdruck kannte er nur zu gut.
„Und woher sollen wir wissen, dass diese Legende stimmt?“ Versetzte sie leicht gereizt. Die Aussicht es wieder einmal mit den eisigen Höhen aufzunehmen behagte ihr gar nicht. „Wenigstens wäre unser Problem dann schneller und effektiver gelöst.“ Unruhig begann sie im Zimmer auf und ab zu gehen. Die Situation begann sich für die Bürger immer schlechter zu entwickeln. Zwar versuchten sie und ihre Gefährten ihnen zu helfen, aber es wurde immer schwerer. Jeder von ihnen kannte den Preis, den sie für ihre Kräfte bezahlen mussten und wusste, welche Waffe sie gefahrlos einsetzen konnten. Das Schwert, dass ihrer Familie seit jeher gehörte war eine der mächtigsten Waffen, die jemals geschmiedet worden war. Dementsprechend vorsichtig setzte sie es normalerweise ein. Niemals hatte sie es gezogen wenn sie mit ihren Gefährten trainierte oder gegen Menschen kämpfte. Die eingeschlossene Macht war zu zerstörerisch. Gewöhnliche Menschen konnten nicht gegen die Klinge bestehen. Jeder in ihrer Nähe würde sofort in Flammen aufgehen. Yngvi hatte Recht, wenn er sie davor warnte, das Siegel zu lösen. Sie selbst würde zwar überleben aber die Ihren, von den Menschen die sie zu schützen geschworen mal ganz abgesehen, hatten nicht die notwendige Stärke. In ihnen brannte nicht das Feuer der Vergessenen. Bevor die Drachen damals aufbrachen um die südlichen Regionen vor der verdorbenen Drachenbrut Morgoths zu beschützen gaben sie der Familie, die als einzige in der Lage waren mit ihnen gedanklich zu kommunizieren einen beträchtlichen Teil ihrer Kräfte. Die Drachen des eisigen hohen Nordens waren niemals zurückgekehrt. Da sie um einiges kleiner waren als ihre Gegner und viel sanftmütiger veranlagt waren sie nach wenigen Kämpfen entweder von den bösartigen Artgenossen oder den Elben getötet worden.
Doch der letzte Wunsch ihres Königs hatte zur Folge, dass ihre Heimat bei diesen Völkern in Vergessenheit geriet. Die mächtigen eisigen Höhen sowie ein undurchdringlicher Nebel verhinderten einen Angriff auf das Königreich des Feuers und des ewigen Eis. Nur die Träger des Schwertes vermochten die Grenzen zu überwinden und nach Mittelerde zu gelangen. Solay war die letzte Überlebende ihres Hauses. „Vielleicht wäre es effektiver, aber der Preis für den Sieg zu hoch. Willst du wirklich auf Kosten der Leben aller die Dämonen und den Tyrannen vernichten?“
Still blieb sie stehen und blickte in die Ferne.
Sollte sie das Wagnis eingehen und erneut den Weg in den fernen Süden einschlagen? In dem Wissen, dass ihr Unternehmen kaum von Erfolg gekrönt sein würde und in ihrer Abwesenheit sich die Situation drastisch verschlechterte? Yngvi hatte Recht. Die Macht des Schwertes konnte sie nicht einfach entfesseln. Der Preis wäre viel zu hoch. „Wir sind längst in Vergessenheit geraten. Außerdem kann niemand aus Mittelerde unsere Grenzen überwinden. Allein meine Familie ist dazu imstande.“
Yngvi bewegte sich leise, trat hinter sie und berührte sanft ihre Schulter. „Kein Fluch währt ewig. Der Nebel mag vielleicht noch die Geister schwächerer Geschöpfe zerstören, aber unter den südländischen Kriegern muss es auch welche mit der notwendigen inneren Stärke geben. Solche, die von den vergessenen Drachen als würdig akzeptiert würden. Wenn du sie begleitest könnte das ebenfalls hilfreich sein.“
Nachdenklich strich sie über das Drachenemblem. Seine Spekulationen könnten sich als wahr oder als einen tödlichen Irrtum erweisen. Die Frage war lediglich ob sie bereit war das Risiko einzugehen. Sie atmete tief durch und versuchte zum ersten Mal seit langer Zeit einen Blick in die Zukunft zu werfen. Ein weiteres Geschenk der Drachen:
>Der gefrorene Boden war rot vor Blut. Überall lagen Körper, grässlich verstümmelt und grausam zugerichtet. Dämonische Raben zerrten an dem bereits verwesenden Fleisch. Wohin sie auch blickte, das grauenhafte Spektakel wies auf den Sieg der Dämonen hin. Die wenigen Städte waren nur noch rauchende Trümmer. Kein einziger hatte überlebt. Zitternd lief sie über das Schlachtfeld. Zu viele hatte der Tod ereilt. Unter ihnen auch ihre Gefährten, die anderen Krieger. Nur ein einziger von ihnen stand noch aufrecht, kämpfte trotz schrecklicher Wunden gegen einen Balrog. Dieses elektrisierte dunkle Haar würde sie jederzeit erkennen. Yngvi. Seine Rüstung war zerrissen, teilweise verbrannt und jemand hatte ihm größere Fleischstücke aus dem Körper gerissen. Trotzdem lebte er noch. Verzweifelt schrie sie seinen Namen. Der Balrog erstarrte beim Klang ihrer Stimme, wandte seine sengende Aufmerksamkeit ihr zu. Dann begann er zu lachen. In ihrem Innern breitete sich eine eisige Gewissheit aus. Sie war zu spät aufgebrochen. Alles war verloren. Ihr Volk, ihre Freunde und ihre Heimat. Der hohe Norden gehörte nun allein den Dämonen. Tränen traten aus ihren Augen und erstarrten sofort zu Eis. „Dein Feuer erlischt bereits, Tochter der Verborgenen. Nun bist du nicht mehr länger in der Lage dein Volk zu beschützen. Rette dich selbst solange du noch kannst. Oder du wirst ebenso untergehen wie deine Vorfahren.“
Ein Schrei entrang sich ihr und ihr Freund zuckte leicht zusammen, als würde er sie erst jetzt bemerken. „Lauf... Solay... er wird dich töten ... verschwinde!“
„Niemals ohne dich!“ Knurrte sie und griff nach ihrem Schwert. Langsam drehte er sich um. Ihr Herz setzte vor Angst um ihn aus. Seine gesamte rechte Gesichtshälfte war verbrannt und sein Hals war an der Seite aufgerissen. In seiner Brust klaffte ein dunkles Loch. Spöttisch grinsend hob der Balrog seine Feuerpeitsche. „Er lebt nur noch, weil er dich so sehr liebt. Wie romantisch und töricht zugleich. Seine Liebe zu dir hat den Untergang deines Königreiches erst herbeigeführt. Niemals hätte er einen Pakt mit dem Herrn der Dunkelheit schließen dürfen um den Tyrannen zu entmachten. Der Preis dafür war, ohne das er es wusste, dass du ihm beim Sterben zusehen musst. Menschen sind so blind in ihrem Wahn.“ Ungeachtet der Gefahr, die es bedeutete, ihr Schwert in der Gegenwart ihres Freundes zu benutzen, zog sie es. Wut, Verzweiflung, Angst und Hass brannten in ihr. Wenn sie schon untergehen musste, würde sie die Dämonen mit sich nehmen. Die Flammen der Klinge waren nicht länger weiß oder rot. Blau wirbelten sie herum, vereinten sich zu einem tödlichen Wirbelsturm. Solay hob das Schwert immer höher, sah die Angst in den Augen des Balrogs. Ihr gesamter Körper vibrierte als die Kräfte aller gefallenen Krieger sich mit ihren eigenen verbanden. Glühende Hitze ging von ihr aus und verschmolz mit dem schwellenden Feuer unter der dicken Eisschicht des Bodens. Tiefe Risse und scheinbar bodenlose Abgründe bildeten sich. Glühende Fontänen heißer Lava brachen aus ihnen hervor, vernichteten alles was sie berührten. Inmitten dieses Infernos sprach die letzte Überlebende des Hauses der Norddrachen jene schicksalshaften Worte die das Siegel brechen würden. Sie wurde zu einem tödlichen Feuersturm der alles vernichtete. Dämonen, Menschen, Orks – keiner konnte gegen ihre wahre Macht bestehen.<
Mit einem Schrei zog Solay sich zurück. Diese Vision war so schrecklich real gewesen. War das die Zukunft ihres Volkes? Tief in ihrem Innern regte sich der Geist eines Drachen. Schimmernd erschien er vor ihr. „Was du gesehen hast wird geschehen wenn der Ring des gefallenen Maia Sauron nicht zerstört wird. Die Dämonen sind erwacht weil sie ihn spüren und nun versuchen die Herrschaft über den hohen Norden an sich zu reißen. Wenn sie gewinnen können sie Mittelerde ungehindert angreifen. Überwinde die eisigen Höhen und brich nach Imladris auf. Dort wird über das Schicksal des Ringes entschieden werden. Du musst die Menschen, Elben und Zwerge warnen. Sie brauchen deine Kraft jetzt dringend, denn du bist vollends gegen die Macht des Ringes, den dunklen Einflüsterungen seines Herrn und die Waffen seiner zahlreichen Diener gefeit. Kämpfe um zu bewahren was einst rein und gut war. Wir werden derweil über die Krieger wachen und versuchen das Schlimmste zu verhindern.“
Yngvi schnappte hinter ihr nach Luft, denn noch nie hatte er den Geist des ältesten Norddrachens wirklich gesehen. Solay atmete tief durch, sammelte ihre Kraft und nickte. Auf keinen Fall würde sie zulassen, dass ihre Vision Wirklichkeit wurde. Wenn das bedeutete, dass sie jegliche Geheimhaltung aufgeben musste, würde sie nicht zögern. Der Drache zwinkerte ihr zu, da er ihre Gedanken mühelos aufgefangen hatte. „Brich auf, sobald die Nacht erneut anbricht. Der Feuermond wird dir genügend Kraft verleihen um die Strecke zu den eisigen Höhen rasch zu bewältigen. Lege so wenig Pausen wie möglich ein und sei immer wachsam. Selbst für eine nahezu unsterbliche Kriegerin ist die Welt ein sehr gefährlicher Ort.“ Nach diesen aufmunternden Worten verschwand er.



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Das Flüstern der Vergessenen - Prolog
Das Flüstern der Vergessenen - Prolog
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2017-11-18
402C
Herr der Ringe

Kommentare (4)

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Sarah Laureen (18496)
vor 25 Tagen
Das erste Kapitel ist aufgenommen worden! Es kommen nächste Woche noch ein paar Ergänzungen hinzu. Dieses Wochenende schaffe ich es einfach nicht.
Elenath ( von: Elenath)
vor 25 Tagen
Total schöön!!! Ich mag die Handlung und deinen Schreibstil so gerne. Ich möchte auch weiterlesen!! :)
Sarah Laureen ( von: Sarah Lauree)
vor 27 Tagen
Das 1. Kapitel ist in der Warteschleife. Wahrscheinlich kommen später noch ein paar Ergänzungen dazu. Freut mich, dass es dir so sehr gefällt;)
lost_hope ( von: lost_hope)
vor 27 Tagen
Okay,du machst es wirklich spannend...Ich warte jetzt geduldig auf das nächste Ka...ICH WILL WEITERLESEN!!!!
Die Idee an sich finde ich schon super und du hast sie mal wieder perfekt umgesetzt
Bitte,bitte,bitte schreib weiter (ich bettel sogar schon)!!!