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Splittermädchen

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1 Kapitel - 859 Wörter - Erstellt von: Lost_hope - Aktualisiert am: 2017-11-21 - Entwickelt am: - 313 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

So viele Menschen in meinem Leben gaben mir das Gefühl, nichts wert zu sein.
Und warum sollten sie sich alle irren?

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Ich war sechs Jahre alt, kam in die Grundschule.
Damals waren meine dunkelblonden Haare mittellang, ich ließ gerade meinen Pony auswachsen, ich trug eine Brille und war ziemlich pummelig, auf diese Art, die Erwachsene immer so süß finden.
Ich war schlau, las viel und dachte mir Geschichten aus, ich hatte eine blühende Fantasie.
Ich freute mich auf die Schule, darauf, dass ich mich mit meinen Mitschülern anfreunden konnte, dass wir zusammen jede Menge Unsinn anstellen könnten.
Ich wusste ja nicht, wie sehr ich mich irrte.

In der Schule war ich schneller fertig mit den Aufgaben als die anderen Schüler, bekam mehr Lob von den Lehrern.
Ich trug keine “angesagten” Kleider, ich hatte meinen eigenen Style.
Ich schaute nicht die Serien und Filme, die sie schauten.
Ich könnte hier noch viel mehr Gründe aufzählen, warum es so war, wie es war: Sie hassten mich.
Ich wurde ausgeschlossen, beleidigt und meine Klassenkameraden lästerten über mich.
Ich war “fett”,”hässlich” und “einfach scheiße”, nur um ein paar ihrer Beleidigungen zu nennen.
Sie beschuldigten mich zu Unrecht, einmal wurde ich “aus Versehen” mit einem Stock am Kopf getroffen und immer dieses:”Du bist fett!”, das ich meistens mindestens einmal täglich hörte.
Sogar meine ehemals beste Freundin haben sie überzeugt, dass sie nichts mehr mit mir zu tun haben wollte.
Ich war vier Jahre lang in dieser Lage, traf mich mit “Freundinnen”, deren Eltern mit meiner Mutter befreundet waren und die so quasi gezwungen wurden, mit mir zu spielen.
In der vierten Klasse war ich schließlich völlig verzweifelt, ich glaubte alles, was sie sagten und fing an zu hungern, ich wollte dazugehören.Meine Eltern merkten nichts, ich glaube, sie dachten, dass ich so viel abnahm, würde daran liegen, dass ich so schnell wuchs.
Aber selbst, dass ich dünn war, brachte mir keine Anerkennung, wie ich dachte.Sie ließen immer noch keine Gelegenheit aus, mich fertigzumachen.

Der Tag, an dem ich die Grundschule nach vier Jahren endlich verließ, war einer der besten meines Lebens.Im Gymnasium hatte und habe ich wirkliche Freunde, es war wie in einer dieser Geschichten, als wäre das das Happy End.Ist es aber nicht.

Bei mir wurde Magersucht diagnostiziert.
Auch jetzt, fast vier Jahre nach der Grundschule, hasse ich mich selbst, finde mich fett, hässlich.
Nach außen hin bin ich abweisender als früher.Ich bin verschlossen, halte die Leute mit Sarkasmus auf Abstand, aber wenn ich alleine bin, weine ich oft die ganze Nacht.
Das fröhliche, energiegeladene Mädchen mit den runden Wangen und den Flechtfrisuren ist schon lange gestorben, ich habe mich verändert, ich hasse mich selbst.
An manchen Tagen will ich nur noch sterben, weil ich es nicht mehr schaffe, allen vorzuspielen, dass es mir “gut” gehe, nur um sie glücklich zu machen.
Wenn ich darüber nachdenke, es ist erschreckend, wie oft ich das Messer in der Hand hatte und es dann doch nicht getan habe, weil ich es meinen Eltern und Freunden nicht antun wollte.Weil ich zu feige war und bin.

Wenn mich jemand früher gefragt hat, warum ich Geschichten schreibe, hätte ich gesagt, weil ich Menschen damit glücklich machen will.
Wenn mich heute jemand fragt, antworte ich, dass ich Fantasy mag.
Der wahre Grund ist, dass ich so aus meinem Leben fliehen kann.

Meine Freunde sagen, sie beneiden mich um mein Aussehen, nur dass ich zu dünn bin.Sie sagen, ich wäre ein wunderschönes Model.
Ich weiß, dass mich meine Familie liebt.
Ich weiß es, aber ich kann es nicht verstehen.

Das ist meine Geschichte.Und sie ist wahr.




An alle Leute, denen es auch so geht: Gebt nicht auf, holt euch Hilfe! Wartet nicht, bis es zu spät ist!
Es zerstört euch immer weiter, lasst es nicht zu!
Wir sind alle Menschen, helft euch gegenseitig!
Leute, es ist egal wie man aussieht, welche Figur man hat, welche Religion, was für eine Nationalität, ob man heterosexuell, bisexuell, transsexuell oder homosexuell ist, was wichtig ist, sind die inneren Werte, so doof sich das jetzt anhört! Jeder Mensch ist wunderschön, mit all seinen Macken, die eben genannten Faktoren machen einen erst so besonders!
Lächelt, es wird so sein, dass sich jemand in eben dieses Lächeln verliebt!

Kommentare (1)

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Sarah Laureen (18496)
vor 22 Tagen
Leider ist Mobbing tatsächlich ein aktuelles Thema, auch wenn viele davor die Augen verschließen. Ich persönlich kenne solche Situationen viel zu gut, weil ich bis vor einem Jahr ebenfalls in dieser Rolle steckte. Das war auch mit ein Grund warum ich nicht die Schule gewechselt sondern auch das Land und meine Familie verlassen habe. Mittlerweile geht es mir sehr viel besser und ich bin auch glücklicher - aber diese Erfahrungen haben mich grundlegend verändert. Die Distanz zu meinem alten Leben ist eine große Chance neu anzufangen. Ich möchte mich deinem Aufruf anschließen: traut euch von außerhalb Hilfe zu holen, sprecht darüber und versucht aus eigener Kraft eine sinnvolle Lösung zu finden! Dort draußen gibt es Menschen, die euch so akzeptieren und lieben wie ihr seid. Lasst die Anderen doch spotten und lästern! Sie können euch nur solange verletzen, wie ihr es ihnen gestattet!