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Das Grün der Augen

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1 Kapitel - 1.402 Wörter - Erstellt von: Alphawölfin - Aktualisiert am: 2017-11-19 - Entwickelt am: - 139 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

( November

http://www.testedich.de/quiz44/quiz/1475077173/Sieben-Worte-fuer-ein-Wunder-Ein-Schreibwettbewer )

Es ist so, dass wenn man die Wahrheit kennt es nicht immer die Wahrheit ist. Es ist so, dass jene, welche sie leugnen, sie auch nie sehen werden. Es ist so und so wird es bleiben. Die blinden werden nie sehen. Daran besteht kein Zweifel. Nicht der kleinste Zweifel.

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    Er betrachtet all die unwissenden Gesichter. All die Augen, welche so voller Naivität sind und nach den schönen Dingen auf der Welt lechzen. Sie sin
    Er betrachtet all die unwissenden Gesichter. All die Augen, welche so voller Naivität sind und nach den schönen Dingen auf der Welt lechzen. Sie sind alle so gierig und selbstgefällig. Sie meinen klar zu sehen und doch schauen sie nur durch den Schleier dicken Nebels. Es ist die Wahrheit und sie alle kennen sie nicht. Sind sich ihrer so sich und merken nicht, dass all dies nur billige Einbildung ist. Er weiß, dass es niemand verstehen würde, wenn er es ihnen wie einem Kind erklären würde. Vermutlich, so denkt er, würden sie sich nur wie ein bockiges Kind benehmen und darauf beharren, dass das was sie kennen das Richtige ist. Sie verpesten seine Luft und schauen ihn ungeduldig an. Voller Verachtung bittet er den nächsten Patienten mit sich.

    Sie setzt sich langsam und gebrechlich auf den unbequemen Stuhl. Schaut sich beinahe komplett blind um und lauscht seinen Schritten. Er spricht mit ihr, doch sie achtet nicht auf ihn. Riecht nur seinen nach Pfefferminzschnaps riechenden Atem. Er stinkt immer danach. Der Geruch scheint in ihrer Nase zu brennen und so versucht sie flacher durch den Mund zu atme. Sie blinzelt langsam und beobachtet die verschwommene und unklare Gestalt vor sich. Sie vermisst die Zeiten, in welchen sie klar und deutlich sehen konnte. Als sie all die Farben der Natur wahrnehmen konnte und es selbstverständlich für sie war. Doch jetzt ist es selbstverständlich für sie, nie wieder richtig sehen zu können und bald schon vollkommen erblindet zu sein.

    Er versteht nicht, weshalb sie nur die Tropfen will. Andere Methoden um ihre Krankheit zu behandeln gibt es und wären effektiver. Zwar können sie die Krankheit nicht aufhalten, jedoch verlangsamen. Er betrachtet die milchigen Augen und die letzte unklare Farbe der Iris. Er weiß noch, als sie das erste Mal in sein Reich kam, waren sie strahlend braun. Das Alter stand in ihr Gesicht geschrieben und das Glück der Jahre war auf ihren Lippen zu lesen gewesen. Auch heute sieht er dieses Glück und das hohe Alter klar und deutlich, doch er kann nicht versehen warum. Nach aller Logik müsste sie traurig sein und hoffen bald zu sterben. Das ist die Wahrheit, dessen ist er sich sicher. Er untersucht ihre Augen interessiert und wissbegierig. Man kann nie genug über eine Krankheit bescheid wissen, welche zwar jeder bekommen kann, dennoch bei älteren und dunkelhäutigen Menschen häufiger auftritt. Dazu sind die meisten Betroffenen Frauen, aber warum ist das so? Wieso gibt es selbst für Krankheiten Lieblinge? Er möchte es herausfinden. Er ist fest entschlossen. Er möchte das Unbekannte bekannt machen.
    >>Nun, es ist genau so, wie ich es Ihnen schon einmal gesagt habe. Die Tropfen waren keine kluge Entscheidung und-<<
    >>Und doch wäre ich erblindet. Ich erblinde lieber so, wie es mir beliebt und bleibe mir treu.<<
    Wie kann man nur so blind in seiner Blindheit sein? Ich habe es ihr gesagt. Offenbart! Und trotzdem… Unverständlich… Er schüttelt verständnislos seinen Kopf und betrachtet sie voller Verachtung.
    >>Dann wird es kommen wie es kommen wird.<<
    >>An dieser Tatsache wird sich auch nichts ändern lassen.<<

    Sie schmunzelt, weil sie weiß, dass er nicht erfreut über ihre Kommentare ist. Doch sie möchte es ihm zeigen. Möchte ihm zeigen, dass das was er denkt zu wissen nicht alles ist. Das noch mehr existiert, hinter dem Schleier seines Stolzes.
    >>Wissen Sie… Ich gelte zwar schon als blind und doch kann ich noch Ihre Gestalt vor mir sehen. Ihre Umrisse sehen aus wie ein Pinguin. Ein großer Pinguin, freilich. Ich erinnere mich noch ganz genau an all die Farben und all die wunderschönen und wundersamen Dinge auf dieser großen und doch kleinen Welt. Es gibt so vieles was wir nicht kennen. Was werde ich noch alles sehen?<<
    Nachsichtig neigt sie den Kopf, als er verächtlich schnaubt und fährt fort.
    >>In Ihrem Kopf wird sicherlich vieles vor sich gehen. Dazu gehört bestimmt auch der Gedanke, dass die alte Frau wohl nicht mehr ganz stimmt im Kopf. Spricht von sehen und ist dabei doch blind. Aber glauben Sie mir, ich sehe noch. Alles ist in meinem Kopf abgespeichert. Das saftige Grün und das feurige Rot. Das schreiende Gelb und das sanfte Lila. Das dominante, kräftige Blau und das unscheinbare Grau. Aber das ist nicht alles und wird es auch nie sein. Ich habe meine Fantasie und kann mit ihr immer neue und wundervolle Dinge entstehen lassen. Für jeden von uns gibt es das Unwissende und so werde ich wohl auch nie den Grand Canyon sehen wie er wirklich ist, doch kann ich ihn mir in all seiner Pracht vorstellen.<<

    Er hört ihr zu und versteht nicht. Versteht nicht die Worte, welchen ihren Mund verlassen und so glücklich und vollkommen Klingen. Es kann nicht stimmen, das weiß er und ist sich dessen vollkommen sicher. Blinde können nicht sehen.
    >>Und trotzdem werden Sie ihn niemals sehen. Das ist die Wahrheit und scheinen Sie nicht zu verstehen.<<
    >>Sind Sie sich dessen wirklich so sicher?<<
    >>Das bin ich, nur Sie nicht. Sie erzählen absurde Sachen und denken dies ist die Wahrheit, doch die Wahrheit ist, dass Sie nie wieder sehen werden. Vielleicht mag ich noch ein… Pinguin sein, aber auch ich werde für Sie verschwinden und so wird auch der Rest der Welt für Sie verschwinden.<<
    >>Und was wird mit Träumen sein?<<
    >>Träume existieren nicht. Sie sind nur billige, unverarbeitete Ereignisse des Tages und da sie waren, werden sie auch nicht sein und daher keine festen Bilder werden, genau wie der… vorgestellte Grand Canyon.<<
    Er verschränkt stur seine Arme vor der Brust und betrachtete die Alte voller Abscheu. Er kennt den Ausgang ihrer Konversation. Es beginnt immer mit der Welt und dann versucht er zu erklären, doch sie versteht es nicht! Es ist immer wieder die gleiche, traurige Reihenfolge.
    >>Sind Sie sich dessen sicher?<<
    >>Voll und ganz.<<
    >>Wie können Sie sich dessen so sicher sein? Wie können Sie annehmen, dass das alles-<<
    >>Weil es die reine und einzige Wahrheit ist. Und eine Wahrheit lässt sich nicht stürzen.<<

    Sie weiß, dass es keinen Sinn für heute hat. Vielleicht beim nächsten Treffen, wo der Grüne Star mit großer Wahrscheinlichkeit schon gesiegt hat und sie nur noch die Fantasie in ihrem Kopf hat. Doch sie ist nicht traurig wegen ihrer, sondern könnte weinen um den Augenarzt, weil er doch so blind ist in seinem Wissen. Benimmt sich wie ein stures Kind und vertraut nicht auf das Alter, sondern nur auf das Bewiesene und reelle Bild. Hat kein Vertrauen in all die schönen Vorstellungen eines jeden Menschen, welche alle auf ihre eigene, einzigartige Art und Weise wahr sind. Und die Wahrheit so existiert wie sie existiert. Nämlich überall auf der Welt, in unterschiedlichen Formen, Farben und Träumen, Wahrheiten und nicht Wahrheiten.

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Das Grün der Augen
Das Grün der Augen
( November http://www.testedich.de/quiz44/quiz/1475077173/Sieben-Worte-fuer-ein-Wunder-Ein-Schreibwettbewer ) Es ist so, dass wenn man die Wahrheit kennt es nicht immer die Wahrheit ist. Es ist so, dass jene, welche sie leugnen, sie auch nie sehen ...
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2017-11-14
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