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Die Perlen von Wounded Knee

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2 Kapitel - 3.728 Wörter - Erstellt von: Nolawen Moredhel - Aktualisiert am: 2017-11-10 - Entwickelt am: - 84 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Eine Westergeschichte.Die junge britische Indianer-Forscherin Rosalie Evans und ihr Vorgesetzter Sir Robert McKenzie reisen nach Amerika, um dort mehr zu erfahren. Dabei werden sie in ein Verbrechen verwickelt...andererseits passiert alles nur wegen ihnen
Die Geschichte spielt 1889/90 und hier sind die ersten zwei Kapitel

1
Unwohl sah Rosalie Evans in die Tiefe. Schwankend löste sie sich vom Geländer des Segeldampfers und trat ein paar Schritte zurück. Sie hatte Angst
Unwohl sah Rosalie Evans in die Tiefe. Schwankend löste sie sich vom Geländer des Segeldampfers und trat ein paar Schritte zurück. Sie hatte Angst vor dem Meer, insgesamt vor so viel Wasser. Die junge Forscherin für Amerika und seine Geschichte sah oft aufgedunsene Leichen in dem dreckigen Wasser der Themse schwimmen, was vielleicht der Grund ihrer Angst war.
„Keine Angst, Miss Evans“, sagte ihr geadelter Partner Sir Robert McKenzie. Er war ihr Vorgesetzter und sie war mit ihm als Assistentin auf dem Weg nach Amerika.
„Ich kann Sie nicht verstehen. Sie sollten diese wunderbare See genießen. Der Atlantische Ozean ist doch prächtig.“
„Ich kann es nicht genießen, Sir“, gestand Rosalie. „Diese Tiefen machen mir Angst… Zum Glück bin ich nicht seekrank.“
„Ja, da haben Sie Glück, Miss Evans. Aber Sie müssen noch zwei Wochen durchhalten. Dann sind wir im feinen Amerika.“
Sir Robert stützte sich auf die Holzbalken. „Vielleicht sollten Sie reingehen und sich ablenken. Dann vergessen Sie, dass wir mitten auf dem Ozean sind.“
Rose nickte. „Ja, Sir. Ich werde mir noch einmal den Bericht über die Sioux durchlesen. Ich kann gar nicht glauben, dass wir ihre Reservate besuchen werden.“
Robert McKenzie lachte leise. „Richtige Forscher reisen um die Welt und erkunden, statt ihr Wissen aus Büchern anzusammeln, Miss Evans…“
Lächelnd verbarg sie einen dünnen Roman in den Falten ihres Kleides. „Aber, Sir. Es ist nur ein Roman.“
„Miss Evans, sie machen den Männern Angst. Viel zu gebildet“, tadelte der Forscher sanft.
Er ging auf die mittleren Jahre zu, während Rosalie erst einundzwanzig war.
Die junge Forscherin ging in ihre winzige Kajüte. Sie mochte die in die Wand eingelassenen Kojen nicht, fand das Essen versalzen… mochte sie überhaupt irgendetwas auf diesem Segeldampfer? Seufzend setzte Rose sich auf einen Stuhl und schlug ihr Buch auf. Sie versuchte wirklich zu lesen, aber nach zwei Seiten gab sie auf. Die Geschichte spielte zurzeit am Wasser und wütend warf sie den Roman in ihren Koffer. Seufzend sah sie aus dem Bullauge. Die runden Fenster mochte sie ebenfalls nicht. Genervt von sich selbst legte sie sich in die Kissen und zog den Vorhang etwas zu. Sie musste die Zeit irgendwie rumkriegen. Im Notfall mit Schlafen und das konnte sie wirklich gut.
Als sie erwachte, war es dunkel. Außer den Motoren, welche sie natürlich auch störten, konnte sie nichts hören. Ausgeschlafen setzte die junge Frau sich hin und stieß sich den Kopf. Sie riss verärgert den Vorhang auf und stellte sich schwankend hin. Rosalie zündete eine Petroleumlampe an und stellte sie neben sich. Dann fing sie an ein Gedicht zuschreiben. Das tat sie immer, wenn sie nichts Anderes mehr machen konnte. Also wartete sie bis zum Morgen.

Rosalie stand neben dem Kapitän und starrte durch die verdreckte Glasscheibe nach draußen.
„Und, wie finden sie es, Miss?“, fragte der alte Engländer und lehnte sich auf das Steuerrad.
Bevor die Forscherin antworten konnte, kam Sir Robert herein.
Rosalie sah betreten zu Boden. Der Kapitän lachte rau. „Vielen Frauen gefällt es nicht. Selbst meine Tochter ist seekrank und sie ist auf einem Schiff geboren.“
„Ich bin nicht seekrank, Mister Millers“, antwortete Rose leise. „Ich habe Angst vor dem Meer.“
„Oh, Miss. Das ist natürlich schlecht.“
Robert stellte sich neben Rosalie. „Hätte ich das gewusst, hätte ich nicht von Ihnen verlangt mitzukommen“, sagte er einfühlsam.
„Sie haben es nicht verlangt, Sir. Außerdem wollte ich ja nach Amerika“, widersprach Rosalie lächelnd. „Ich freue mich schon total auf die Ankunft.“
„In drei Tagen sind wir da“, gab der Kapitän zur Auskunft.
Drei Tage nur noch. Dann würde Rosalie endlich in Amerika sein und ihr Traum wäre erfüllt.

***

„Miss Evans, sehen Sie!“, rief Sir Robert aufgeregt. Hektisch stand Rosalie auf und stellte sich neben den Forscher. Die Sonne ging gerade unter und das Segelschiff wurde in flammendes Rot getaucht.
„Was ist los?“
„New York“, sagte der Engländer triumphierend. „Sehen Sie die anderen Schiffe und Gebäude?“
Rose blickte angestrengt in die untergehende Sonne.
„Ja, ich sehe sie. Heißt das, wir werden morgen ankommen?“
„Das heißt es, Miss Evans. Morgen sind wir da.“
Erleichtert raffte Rosalie ihre Röcke und stürmte nach drinnen. Sie packte ihre Koffer ordentlich zusammen, legte sich in ihre Koje und versuchte zu schlafen, damit die Zeit schneller verging. Irgendwann kam der erhoffte Schlaf dann auch.
Rufe auf dem Deck weckten sie. Rosalie stand auf und schaute durch das Bullauge nach draußen. Schiffe fuhren an ihnen vorbei und im Flur polterte jemand an ihrer Tür vorbei.
Rose steckte ihre dunklen Locken zusammen, nahm ihre beiden Koffer, ihre Handtasche und verließ die Kajüte.
Sie war so froh endlich dieses Schiff zu verlassen. An der Tür drehte sie sich noch einmal um und überprüfte ob sie was vergessen hatte. Zufrieden schleppte die junge Forscherin ihre Koffer nach draußen.
Sie konnte gerade mal einen tragen und bat einen Offizier ihr zu helfen. Er trug ihr beide Koffer die Rampe hinunter und stellte sie dort ab, während Rosalie ihm staunend folgte. Robert erschien an ihrer Seite und lächelte.
„Wir sind in Amerika, Miss Evans. Dafür hat sich die Überfahrt doch gelohnt, oder nicht?“
„Doch, dafür hat sie sich gelohnt.“ Die beiden Engländer schritten die Rampe herunter und Rose wandte sich an ihren Vorgesetzten. „Vielen Dank, Sir, dass Sie sich von all den Mitarbeitern im British Museum für mich entschieden haben.“
„Miss Evans, Sie wissen am meisten von denen. Ich konnte gar nicht auf Sie verzichten.“
Rosalie lächelte verlegen, während der Sir ihrem Kapitän dankte. Mr Millers verabschiedete sich und schließlich standen die beiden Europäer ratlos auf dem New Yorker Hafen.
„Wir müssen zur Postkutschenstation“, meinte Robert irgendwann.
„Wissen Sie, wo sich eine befindet?“, fragte Rose.
„Nein“, gab er zu. „Aber ich werde jemanden fragen.“
Rosalie blieb bei ihren Taschen stehen, während der Sir einen Hafenarbeiter ansprach.
Rose konnte ihr Gespräch nicht verstehen, sah aber wie der Mann in eine Richtung deutete.
Robert bedankte sich und kam zurück.
„Es gibt hier eine Postkutschenstation, gar nicht so weit entfernt.“
Er sah in die vorgegebene Richtung, dann zu Rosalies Koffern.
„Schaffen Sie das?“
„Nein, ich kann nicht beide auf einmal tragen.“
Robert blickte zu seinen eigenen Koffern. „Dann müssen wir uns Träger besorgen.“
Nach einer Dreiviertelstunde waren sie endlich bei der Station.
Es würde fünf Tage dauern ins Pine Ridge Reservation nach Wounded Knee zu fahren, zusammen mit den Aufenthalten in Städten und Dörfer würden sie eine Woche brauchen.
Ihr Gepäck wurde verladen und die Beiden stiegen ein. Rosalie genoss die Fahrt durch New York. Vieles war anders als in London, aber als sie am Rand eines Armenviertels vorbeifuhren, ähnelte die Städte sich doch viel zu viel. Robert unterhielt sich mit einem anderen Mann, der vor ihnen saß. Sie sprachen über den Aufbau New Yorks und über andere Dinge, bei denen Rose irgendwann gar nicht mehr zu hörte. Wie so oft schlief sie nach einiger Zeit ein.
Bei ihrem ersten Stopp erwachte sie und bekam mit wie die Pferde gewechselt wurden.
„Lesen Sie das, Miss Evans.“ Robert drückte ihr ein dünnes Buch in die Hand, eine bestimmte Seite aufgeschlagen.
„Es ist ein interessanter Bericht über die Sioux.“
Neugierig widmete Rosalie sich dem Text.

Die Sioux ähneln sich in vielerlei Hinsicht mit anderen Plainsindianern. Sie lebten in Zelten, von ihnen genannt Tipis. Die Männer gewannen Ehre durch tapfere Taten sowohl im Krieg, als auch bei der Jagd. Das Erbeuten von Pferden und Skalps bei einem Überfall auf Feinde war ein Beweis für Mut und Geschick. Kriegsführung und übernatürliche Dinge wurden eng miteinander verbunden, so dass man in mystischen Visionen wahrgenommene Gestalten, Muster und Symbole auf die Schilde, die Pferde, die Tipis und schließlich auch ins Gesicht malte, um die Träger vor ihren Feinden und bösen Geistern zu schützen.
„Mir ist davon nichts neu, aber es ist eine gute Zusammenfassung ihrer Kultur. Warum zeigen Sie mir das?“
„Weil wir das, was hier steht, mit eigenen Augen sehen werden.“
Der Sir lehnte sich zufrieden zurück. „Und all das wird vom British Museum bezahlt. Sie können sich nicht vorstellen, wie froh ich bin, Forscher geworden zu sein.“
„Doch, das kann ich mir vorstellen. Mir geht es genauso“, sagte Rose und lächelte, als sich die Kutsche wieder in Bewegung setzte. Ruckelnd verließen sie das Dorf und begrüßten zwei neue Fahrgäste: Mr und Mrs Derricks. Der Mann aus New York war ausgestiegen und Sir Robert unterhielt sich schon bald mit Mr Derricks.
Mrs Derricks wandte sich währenddessen an Rosalie.
„Sie kommen aus England?“, fragte sie neugierig.
„Ja“, antwortete Rose erstaunt. „Ich komme aus London.“
„Das merkt man an ihrer geraden Aussprache.“ Die Frau kicherte. „Ihr Engländer sprecht so formell.“ Rose sah irritiert zu Robert. Dieser bemerkte es jedoch nicht und so musste sie sich für geschlagene drei Stunden etwas über amerikanische Mode anhören.
An ihrem nächsten Aufenthalt stieg sie aus und suchte nach einer Toilette. Als sie eine gefunden hatte, war sie schockiert über ihren Zustand, aber es nützte nichts. Danach gesellte sie sich zu Sir Robert in ein etwas sauberes Café. Sie trank einen Tee und vertrat sich etwas die Beine. In sechs Tagen waren sie in Wounded Knee. In sechs Tagen würde sie mit ihren Forschungen beginnen und echte Sioux und ihre Lager sehen. Schon als kleines Mädchen war sie von den Indianern beeindruckt gewesen und in ein paar Tagen wäre ihr Traum erfüllt.
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Die Perlen von Wounded Knee
Die Perlen von Wounded Knee
Eine Westergeschichte.Die junge britische Indianer-Forscherin Rosalie Evans und ihr Vorgesetzter Sir Robert McKenzie reisen nach Amerika, um dort mehr zu erfahren. Dabei werden sie in ein Verbrechen verwickelt...andererseits passiert alles nur wegen ihne...
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2017-11-09
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